podz-glidz// transcripts with a synced player

06. Die Astronautin - Suzanna Randall

// Suzanna Randall, Lucian Haas · 2019-02-18 · 00:46:31 · original episode

// streaming from the original SoundCloud feed

[show notes]
Podz-Glidz Folge #06: Die Astronautin. Suzanna Randall, Gleitschirmpilotin und mögliche erste deutsche Astronautin im Weltraum, im Gespräch mit Lucian Haas. Die Astronautin. So heißt eine private Initiative, die erstmals mit Sponsorengeldern eine Frau aus Deutschland in den Weltraum schicken will. Männliche Astronauten aus Deutschland gab es schon etliche, genauer gesagt elf, zuletzt Alexander Gerst. Bei deutschen Astronautinnen lautet die Zählung noch immer: Null. In Zukunft soll sich das ändern. Und darum geht es in dieser Folge von Podz-Glidz. Was hat die Raumfahrt mit dem Gleitschirmfliegen zu tun? Eine der zwei Kandidatinnen, die von der Austronautinnen-Initiative ausgewählt wurden und mittlerweile schon mitten im Training stecken, ist Suzanna Randall. Suzanna ist Astronomin und kennt sich mit den Sternen aus. Zugleich fliegt sie seit über zehn Jahren auch Gleitschirm – und das mit großer Begeisterung. Für einen Podcast, der den Untertitel „Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens“ trägt, lag es nahe, einmal der Verbindung von Raumfahrt und Paragliding in Person von Suzanna Randall näher zu kommen. In knapp 45 Minuten Talk erzählt die 38-jährige über die Hintergründe ihrer Raumfahrtpläne: unter anderem über den Umgang mit dem Risiko eines Raketen- und eines Gleitschirmstarts. Es geht zudem um Angst wie auch den starken Drang, über allem zu schweben. Zudem die Aussicht, als mögliche erste deutsche Astronautin auch dem Gleitschirmfliegen einen gewissen Promi-Status zu verleihen. Mehr Hintergrund zur Astronautinnen-Initiative gibt es unter: https://dieastronautin.de https://www.facebook.com/astrosuzanna/ Die Musik im Podcast stammt von Jukedeck: www.jukedeck.com

[transcript]

0:20Suzanna Randall

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Susanna

0:30Lucian Haas

Randall und

0:31Suzanna Randall

Lucian Haas am Mikrofon.

0:35Suzanna Randall

Die Astronautin. So heißt eine private Initiative, die erstmals mit Sponsorengeldern eine Frau aus Deutschland in den Weltraum bringen will. Männliche Astronauten aus Deutschland gab es schon etliche, genauer gesagt elf, zuletzt Alexander Gerst. Bei deutschen Astronautinnen lautet die Zählung noch immer null. In Zukunft soll sich das ändern. Und darum geht es in dieser Folge von Podz-Glidz. Was hat die Raumfahrt mit dem Gleitschirmfliegen zu tun? Nun, eine der zwei Kandidatinnen, die von der Initiative ausgewählt wurden und mittlerweile schon mitten im Training stecken, ist Susanna Randall. Susanna ist Astronomin und kennt sich mit den Sternen aus. Zugleich fliegt sie seit über zehn Jahren auch Gleitschirm. Und das mit großer Begeisterung. Für einen Podcast, der den Untertitel »Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens« trägt, liegt es nahe, einmal der Verbindung von Raumfahrt und Paragliding in Person von Susanna Randall näher zu kommen.

1:29Suzanna Randall

In der folgenden knappen Dreiviertelstunde erzählt die 38 -Jährige über die Hintergründe ihrer Raumfahrtpläne. Wir sprechen unter anderem über den Umgang mit dem Risiko eines Raketen - und eines Gleitschirmstarts. Es geht um Angst wie auch den starken Drang, über allem zu schweben. Zudem die Aussicht, als mögliche erste deutsche Astronautin auch dem Gleitschirmfliegen einen gewissen Promi -Status zu verleihen.

1:55Suzanna Randall

Susanna, du könntest Deutschlands erste Frau im All werden. Was ist das für ein Gefühl?

2:01Lucian Haas

Ja, genau. Also ich bin jetzt im Training für das Projekt »Die Astronautin«. Und unser Ziel ist eben, die erste deutsche Frau in den Weltraum zu bringen. Das wissen viele gar nicht, aber Deutschland hatte bis jetzt elf Männer im Weltraum und noch keine einzige Frau. Und das wollen wir mit der Astronautin natürlich ändern. Wir sind jetzt zu zweit, wir trainieren beide. Das heißt, es ist noch nicht ganz sicher, wer von uns dann fliegt. Aber klar, das ist jetzt erst mal ein aufregendes Gefühl. Auch viel Arbeit. Also ich muss natürlich viel trainieren. Aber ja, es ist eine Riesenehre, wenn ich mir überlege, dass ich dann Deutschland als Frau im Weltraum repräsentieren könnte, wenn es so weit ist.

2:41Suzanna Randall

Wie kam es aber überhaupt dazu? Was hat dich dazu getrieben, Astronautin werden zu wollen?

2:46Lucian Haas

Das ist bei mir, ich glaube, wie bei ganz vielen Kindern. Das war immer schon so mein Traum. Also ich habe mir als Kind auch immer jetzt die Sterne angeschaut. Ich habe alles gesammelt, was irgendwie mit Raumfahrt zu tun hatte. Ich habe zu Sally Wright aufgeblickt. Das war die erste Amerikanerin im Weltraum. Die fand ich ganz, ganz toll. Die sah mir auch ein bisschen ähnlich, fand ich. Und von da an wollte ich eigentlich in den Weltraum immer fliegen. Also ich habe das auch immer allen, meine ganze Jugend lang durch erzählt. Ich werde die erste Frau auf dem Mars. Das war damals mein Ziel. Und irgendwann wird man dann halt älter und realistischer. Und dann habe ich gedacht, okay, das wird jetzt wahrscheinlich doch nicht. Das ist ja eher unwahrscheinlich. Wenn ich jetzt Astronaut werde und habe mich dann für die Astronomie entschieden aus Liebe zum Weltall. Aber ich glaube, dieser Wunsch, irgendwie Neues zu entdecken und andere Sphären zu erkunden, ist bei den meisten Kindern ja ganz ausgeprägt.

3:35Lucian Haas

Und ich glaube, bei mir hat sich das dann einfach, dieser Wunsch hat mich einfach nicht verlassen.

3:39Suzanna Randall

Nun sagst du, du trainierst jetzt gerade. Aber wie sicher ist es eigentlich derzeit, dass du wirklich mal ins All fliegen wirst?

3:46Lucian Haas

Das weiß man gerade nicht. Das macht es irgendwie auch noch spannender. Klar, wenn man jetzt ein ESA -Astronaut ist, dann trainiert man, man weiß, man wird höchstwahrscheinlich eine Mission zugeteilt bekommen. Das ist bei uns nicht der Fall. Also wir sind wie gesagt zu zweit. Das heißt, selbst wenn wir das Geld zusammen bekommen und die Mission stattfindet, ist für mich die Chance immer nur noch 50 Prozent, weil nur eine von uns fliegen wird. Und im Moment arbeiten wir auch noch an der Finanzierung. Also jetzt gerade sieht es sehr gut aus. Mehr kann ich nicht verraten. Aber wir haben jetzt inzwischen schon konkrete Vorschläge wirklich für eine Mission. Die sollte dann Ende 2020 stattfinden. Gut, das kann sich natürlich ein paar Monate verschieben. Aber wir haben jetzt wirklich diesen Vorschlag und wir arbeiten im Moment sehr eng mit der Politik auch zusammen, um die Mission dann realisieren zu können.

4:34Suzanna Randall

Erklär mal noch kurz zu dem Hintergrund, weil du gerade die ESA angeführt hast. Aber du sagst halt keine ESA -Mission, also ESA, die Europäische Raumfahrtagentur. Und bei dir klingt das jetzt so, wir brauchen noch Geld, als wäre das alles so ein Privatvergnügen. Wie ist der Hintergrund davon zu sehen? Also

4:48Lucian Haas

es ist wirklich ein privates Projekt. Die Astronautin wurde von Claudia Kessler ins Leben gerufen. Claudia arbeitet seit zig Jahren in der Raumfahrtindustrie. Und sie hat sich das halt mit angeguckt die letzten Jahrzehnte und gesagt, es kann ja nicht sein, dass wir jetzt im Jahr inzwischen 2019 eben noch keine deutsche Frau im Weltraum hatten. Und durch die ESA -Ausschreibungen, die sind ja alle zehn bis 15 Jahre ungefähr, ist halt bis jetzt einfach noch keine deutsche Frau ausgewählt worden. Also wir haben jetzt natürlich Alexander Gerst im Weltraum gehabt, der auch einen tollen Job macht. Also ich bin ein riesen Alexander -Gerst -Fan. Aber es fehlt halt eben dieses weibliche Vorbild für die Mädchen. Und die ESA hat jetzt einen neuen, männlichen deutschen Astronauten wieder trainiert. Das wird wohl der nächste ESA -Astronaut im All, Matthias Maurer.

5:34Lucian Haas

Aber das ist dann wieder keine Frau. Und dann hat sich Claudia gesagt, okay, wir brauchen einfach diese private Initiative, diesen Push, dieses Proaktive, um wirklich eine deutsche Frau in den Weltraum zu bekommen. Und ja, es ist eine hundertprozentige Privatinitiative. Wir möchten uns mithilfe von Investoren finanzieren, hoffen aber auch, dass wir die Politik auf unsere Seite ziehen und dass die uns dann auch unterstützen werden.

5:56Suzanna Randall

Und kann man sich dann einfach als Privatinitiative so in den Weltraum einkaufen? Kann man sich ein Ticket zur ISS einfach kaufen?

6:03Lucian Haas

So in etwa wird es funktionieren, klar. Natürlich ist es gut, wenn man die entsprechenden Connections hat. Also wir arbeiten ja auch mit dem DLR teilweise zusammen. Claudia ist natürlich sehr gut vernetzt. In der Raumfahrtindustrie. Aber theoretisch kann jeder, der das nötige Kleingeld, und bei Kleingeld meine ich jetzt 50 Millionen Euro ungefähr, der dieses Kleingeld zusammen hat, kann zu den Anbietern gehen. Das sind im Moment, sind das die Russen natürlich, die mit der Soyuz Menschen zur ISS schicken. In den nächsten paar Monaten werden auch SpaceX und Boeing auf den Markt kommen. Das sind zwei dann auch kommerzielle amerikanische Anbieter. Und man kann einfach zu denen hingehen und sagen, hey, hier sind 50 Millionen. Ich möchte in den Weltraum. Und gut, da muss man mit denen wahrscheinlich ein bisschen verhandeln. Man muss natürlich auch das Training durchlaufen. Man muss geeignet sein.

6:48Lucian Haas

Aber prinzipiell geht das dann. Also es gab ja auch Weltraumtouristen schon in der Vergangenheit. Ich glaube, wir hatten jetzt sieben Weltraumtouristen, die allesamt mit den Russen hochgeflogen sind. Und die haben das genauso gemacht. Die haben sich einfach eingekauft. Die mussten medizinische Tests natürlich bestehen, psychologische Tests bestehen, ein Basic Training machen. Und dann konnten die einfach in den Weltraum fliegen.

7:08Suzanna Randall

Und sagst du, du musst jetzt trainieren als Astronautin. Was gehört denn so für das Basic Training dazu? Was musst du dafür können?

7:15Lucian Haas

Ja, da gehört alles Mögliche dazu. Also unser Anspruch von die Astronautin ist ja, dass wir eben nicht Weltraumtouristen sein möchten, sondern wir möchten da oben auch wissenschaftliche Forschung machen. Natürlich am weiblichen Körper, weil da in Europa sehr, sehr wenig Daten vorhanden sind, weil wir bis jetzt drei europäische Astronautinnen erst hatten. Das heißt, das ist aus medizinischer Sicht definitiv sehr, sehr interessant. Wir haben natürlich auch diese Vorbildfunktionen, gerade jetzt innerhalb Deutschlands, aber auch europaweit. Und es ist ganz wichtig, dass wir halt eben die Naturwissenschaften, die Technik, all das in den Vordergrund stellen. Also wir sind nicht da, um nur Spaß zu haben und Fotos zu haben, sondern wir wollen wirklich etwas bewegen. Wir wollen zeigen, Naturwissenschaften, Physik, das ist cool. Im Weltraum hat man natürlich ganz andere Möglichkeiten, auch Kinder und Jugendliche von der Physik zu begeistern als jetzt auf der Erde.

8:02Lucian Haas

Also das ist uns wirklich ein Anliegen. Und deswegen ist unser Training eben nicht nur dieses Basic Survival Training sozusagen. Welche Knöpfe darf ich drücken und welche nicht? Sondern wir müssen auch wirklich verstehen, wie die Experimentieranlagen funktionieren zum Beispiel. Wir werden dann auch missionsspezifisches Training haben, welche Experimente wir auszuführen haben. Das Basic Training im Moment ist gemischt. Also wir machen sehr viel Theorie. Das vergessen die meisten. Also die denken, ich renne von einem Survival Training zum nächsten. Das ist leider nicht so. Also wir haben sehr, sehr viel Theorie natürlich auch. Ich muss lernen, wie funktioniert zum Beispiel der Wärmekreislauf auf der ISS? Wie wird da die Luft recycelt und so weiter? Aber wir machen auch praktische Sachen. Zum Beispiel mache ich jetzt gerade meinen Flugschein. Ich bin ja schon Gleitschirmfliegen seit 2008.

8:48Lucian Haas

Und jetzt diesen Sommer habe ich das Glück gehabt, dass ich auch meine Privatpiloten Lizenz, also für kleine Flugzeuge machen durfte. Ich bin jetzt fast fertig damit. Dann haben wir Parabelflüge gemacht. Das sind diese Flüge, wo man dann die Schwerelosigkeit einige Sekunden lang erlebt. Und jetzt werden wir nächste Woche in Bremen, werden wir ein praktisches Training an einem Mockup des Columbus Moduls haben. Das heißt, da sehen wir dann wirklich, so sehen die Computerstationen aus. Wir werden uns dann da einloggen. Also alles in Simulation natürlich. Und einfach schauen, wie funktioniert das, wenn ich jetzt auf der ISS wäre? Welche Sachen müsste ich tun, damit das alles funktioniert?

9:27Suzanna Randall

Du hast jetzt gerade das Gleitschirmfliegen erwähnt, was du seit 2008 machst. Hat das irgendwie etwas auch mit deiner weiteren Karriere zu tun, dass du sagst jetzt, das war ein Schritt, der irgendwo auch nötig war, dass ich dann vielleicht jetzt auf die Idee kam, ich mache das jetzt doch wirklich mit diesen Astronauten?

9:42Lucian Haas

Also ich weiß jetzt nicht, ob das Gleitschirmfliegen speziell mich auf die Astronautin vorbereitet hat. Wahrscheinlich eher nicht. Ich glaube, das ist eher so ein Charakterzug, dass ich immer etwas Neues ausprobieren wollte, dass ich vielleicht auch bereit bin, das Risiko einzugehen, was ja beim Gleitschirmfliegen dabei ist, was bei der Weltraummission auch dabei ist. Also ich wollte immer schon hoch hinaus. Ich wollte immer die Welt von oben sehen. Da sieht man dann vielleicht auch die Parallelen. Natürlich kommt man jetzt beim Weltraumflug sehr viel höher als beim Gleitschirmfliegen. Aber ja, ich glaube, einfach diese Neugier, auch den Willen, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, das hat man sowohl beim Gleitschirmfliegen als auch jetzt bei der Weltraummission.

10:22Suzanna Randall

Hat dir denn dieses Gleitschirmfliegen und die Kenntnis davon schon, auch wie man dann fliegt und sowas, in irgendeiner Weise bei der Bewerbung genutzt, dass die gesagt haben, wow, zumindest kann sie schon mal Gleitschirmfliegen, dann wird sie vielleicht mit anderen Sachen auch was mit Luftdingen zu tun haben? Und sowas auch besser zurechtkommen?

10:38Lucian Haas

Das weiß ich gar nicht, ob das ein Faktor war in der Entscheidung. Ich denke, die wollten halt vor allen Dingen sehen, dass man eben ein bisschen risikobereit ist, dass man auch neue Sachen wagt, dass man sich persönlich auch einschätzen kann, schnell Entscheidungen treffen kann und so weiter. Und da spielt das Gleitschirmfliegen auf jeden Fall eine Rolle. Also es war ganz lustig. In der zweiten Runde des Bewerbungsprozesses, das war ja in mehrere Runden, aufgeteilt waren wir sechs Frauen, also eine Teilgruppe von den Frauen, die noch übrig waren. Und da waren drei Gleitschirmfliegen dabei. Also es war wirklich von sechs Frauen sind drei Gleitschirm geflogen und die anderen drei waren schon Pilotinnen. Also das heißt, ich denke schon, dass einfach diese sich in der Luft zurechtfinden, im dreidimensionalen Raum zurechtfinden, auch diese Neigung zu haben, das schon eine Rolle gespielt hat.

11:32Suzanna Randall

Nun hast du ja auch noch einen anderen Job. Was machst du da?

11:37Lucian Haas

Genau, ich bin Astronomin bei der Europäischen Südsternwarte, bei der ESO. Und das ist nach wie vor eigentlich mein Hauptjob. Da bin ich Astronomin. Ich arbeite erstmal für das ALMA -Teleskop. Das ist das größte Millimeter -Teleskop der Welt. Das sind so ganz viele, also 66 Antennen. Das steht unten in Chile in der Atacama -Wüste. Da komme ich jetzt auch gerade her. Also ich war vor einer Woche da unten. Und gut, damit erforschen wir das kalte Universum, sagen wir immer. Also wir sehen damit jetzt nicht die Sterne, die hell leuchten, sondern mit ALMA, was jetzt im Millimeterwellenlängen -Bereich beobachtet, sehen wir zum Beispiel die Staubwolken um die Sterne herum. Also die Sachen, die unsichtbaren Sachen eigentlich.

12:18Suzanna Randall

Das ist ein sogenanntes Radioteleskop?

12:20Lucian Haas

Ja, es wird oft als Radioteleskop bezeichnet. Das ist nicht ganz korrekt. Es ist zwischen dem sichtbaren Bereich und dem Radiobereich. Also wir sehen mit unseren Augen sehr kurzwellige Strahlung. Die Radiostrahlung ist sehr langweilig. Und der Millimeterbereich, in dem ALMA beobachtet ist, ist irgendwo dazwischen. Aber von der Optik sieht es eher aus wie ein Radioteleskop. Also es sind halt diese Satellitenschüssel und nicht die Spiegel, wie man sie bei klassischen optischen Teleskopen kennt.

12:51Suzanna Randall

Wenn man das jetzt sieht, du hast schon auch sehr früh gesagt, du wolltest da noch Astronomin werden, hast immer rausgeguckt, wolltest zum Mars und sowas. Also immer zieht es dich in deinem Leben irgendwie, sag ich mal, nach oben. Zumindest von der Erde aus gesehen. Woher kommt das?

13:06Lucian Haas

Ich weiß es gar nicht. Ich habe keine Ahnung.

13:10Lucian Haas

Also was ich faszinierend finde beim Gleitschirmfliegen, was mich daran besonders fasziniert, ist wirklich dieses die Welt von oben sehen und dass man einfach rauskommt aus einer kleinen Welt. Also wenn man fliegt, ob es jetzt im Flugzeug ist oder beim Gleitschirmfliegen oder auch im Weltraum, dann sieht man halt eben nicht mehr die kleine Ecke, wo man sitzt mit seinem Haus, sondern man sieht jetzt beim Gleitschirmfliegen die ganze Stadt. Also man fliegt dann über die Stadt. Man hat einen Überblick. Gut, aus dem Weltraum sieht man dann wahrscheinlich ganz Deutschland. Aber einfach dieses raus aus dem Gewohnten zu kommen und einen neuen Ausblick zu bekommen, ich glaube, das ist es, was mich immer fasziniert hat. Beim Gleitschirmfliegen kommt natürlich noch dazu dieses Erlebnis in der Natur. Also ich finde das immer faszinierend. Also eine meiner liebsten Varianten des Gleitschirmfliegens ist auch das Hike and Fly, also wo man dann auf den Berg hochläuft, einen Leichtschirm einfach auspackt und dann runtergleitet.

14:00Lucian Haas

Und dann ist es eigentlich auch fast egal, ob man wahnsinnig viel Thermik noch erwischt. Man hat trotzdem ein tolles Naturerlebnis gehabt.

14:07Suzanna Randall

Wer jetzt hoch fliegt, kann ja auch tief fallen. Wie gehst du mit dem Flugrisiko um? Ist das immer dabei als Gedanke im Hinterkopf oder ist es so etwas, was du einfach verdrängst?

14:18Lucian Haas

Ja, also ich glaube, jetzt beim Gleitschirmfliegen war es ganz am Anfang in der Ausbildung, wahrscheinlich wie bei den meisten Leuten, war es so, dass ich immer gedacht habe, aha, das ist ein bisschen gefährlich. Aber da hat halt immer diese Faszination, dieses Wow -Erlebnis überwogen.

14:34Lucian Haas

Dann hatte ich ein paar Situationen, die doch ein bisschen brenzlig waren. Ich hatte dann auch mal einen Unfall. Und seitdem beschäftige ich mich auch beim Gleitschirmfliegen sehr viel mehr mit dem Risiko. Also ich schaue jetzt wirklich, okay, wie ist das Wetter? Wie ist meine psychische Verfassung? Bin ich überhaupt so gut drauf, dass ich jetzt starten sollte? Und ich versuche so das Risiko, ich glaube, man kann es nie eliminieren, aber man kann es immerhin eingrenzen und überschaubar halten. Und für mich ist es beim Weltraumflug ganz genauso. Da gibt es natürlich ein Risiko. Aber es ist inzwischen relativ gut beziffert zumindest. Also für mich zumindest ist es ein Risiko, was ich jetzt eingehen würde, weil es sich einfach lohnt für mich.

15:13Suzanna Randall

Was schätzt du als riskanter ein? Gleitschirmfliegen oder mit einer Rakete in den Weltraum zu fliegen?

15:19Lucian Haas

Oh, das ist schwierig. Also beim Weltraumflug sind jetzt die Anforderungen ungefähr an die neuen Anbieter, dass eine von 200 Missionen maximal eine Loss of Crew. Auslösen kann. Also man sollte, das ist ein relativ hohes Risiko. Es ist 1 zu 200 am Ende, dass dabei etwas schief geht.

15:39Suzanna Randall

Loss of Crew heißt aber wirklich, ich verliere die ganze Mission, also die Menschen sind tot.

15:43Lucian Haas

Genau, das wäre dann der Super -GAU. Genau, also das ist jetzt ungefähr das, was angestrebt wird zwischen 2 und 500. Je nachdem, wie man das ganz genau berechnet und so weiter. Also es ist jetzt ein relativ hohes Risiko, denke ich. Wenn man jetzt das mit einem Gleitschirmflug vergleicht, ist es wahrscheinlich höher. Je nachdem, wie man fliegt. Aber ja, also ich habe auch viele Gleitschirmfliegen, die sind vielleicht noch keine 200 Flüge geflogen und die hatten auch schon Unfälle. Deswegen ist es sehr, sehr schwer, das zu vergleichen. Also ich glaube, beim Gleitschirmfliegen hat man sehr viel mehr dann noch selber unter Kontrolle. Also ich kann ja dann selber entscheiden, ob ich starte, wo ich hinfliege, ob ich jetzt da in dieses Tal reinfliegen muss, tief oder nicht. Und bei der Rakete ist es so, man entscheidet sich natürlich dafür, es zu tun.

16:30Lucian Haas

Das habe ich bereits getan. Aber am Ende ist es dann doch irgendwo auch fremdbestimmt. Wenn es einen technischen Defekt gibt, dann ist das so, dann kann ich da natürlich so weit wie möglich Schadensbegrenzung machen. Aber am Ende ist es dann ein bisschen ferngesteuert, wie wenn man im Flugzeug sitzt. Da hat man ja auch nicht direkt die Kontrolle darüber, was dann im Fall des Falles mit einem passiert.

16:53Suzanna Randall

Wenn du dir das jetzt heute manchmal schon so vorstellst, was du wahrscheinlich tun wirst, hast du dann auch Angst?

16:59Lucian Haas

Ja. Aber ich habe vom Gleitschirmfliegen auch Angst.

17:05Lucian Haas

Ich finde, Angst ist nicht unbedingt etwas Negatives. Also die lähmende Angst, wenn man dann sagt, ich habe so viel Angst, dass ich es gar nicht tue, auch wenn ich es möchte, das ist für mich etwas Negatives. Wenn ich jetzt sage, klar, ich habe Angst, weil da natürlich ein Risiko bei ist, weil das jetzt auch etwas ist, was ich nicht kenne. Man hat ja immer vor dem Unbekannten auch Angst. Aber ich entscheide mich dafür, diese Angst zu nutzen, die mir vielleicht auch ein Wegweiser ist, wo ich vorsichtig sein muss. Dann ist es für mich durchaus etwas Positives. Deswegen, ich würde sagen, ja, ich habe schon Angst, aber nicht so viel Angst, dass ich es nicht tun würde.

17:36Suzanna Randall

Nun ist Angst ja auch ganz viel Kopfsache. Gehört zum Beispiel auch zu diesem Astronautentraining so etwas wie ein Mentaltraining dazu, dass man lernt, mit Ängsten umzugehen?

17:46Lucian Haas

Ja, also bis jetzt haben wir das noch nicht gemacht. Aber was auf jeden Fall dazugehört vor dem Start, ist ein Survival -Training, wo man wirklich an die körperlichen und psychischen Grenzen gebracht wird. Und da ist dann natürlich auch die Mentaltraining, die mentale Komponente. Wie reagiert man, wenn man wirklich total müde ist und es ist eine gefährliche Situation, man muss eine schnelle Entscheidung treffen? Da wird das alles trainiert. Ich glaube, dafür ist eigentlich das Gleitschirmfliegen eine gute Basis, weil da hat man das ja auch oft, dass man plötzlich mit irgendwelchen unerwarteten Szenarien konfrontiert wird. Plötzlich geht es überall hoch und man denkt, oh Gott, warum geht es jetzt überall hoch? Und da muss man dann auch schnell Entscheidungen treffen und auch cool bleiben. Deswegen hoffe ich, dass ich da ein bisschen was mitgenommen habe vom Gleitschirmfliegen, was mir dann auch nützlich sein wird.

18:29Suzanna Randall

Das wäre jetzt aus der Praxis heraus. Hast du im Rahmen des Gleitschirmfliegens auch mal sowas wie ein Mentaltraining gemacht?

18:35Lucian Haas

Ja, habe ich tatsächlich. Ich habe, wie hieß die denn noch? Yvonne Date, mit Yvonne Date hatte ich mal ein Mentaltraining gemacht, einen Tag. Bei mir war das auch relativ schnell nach meinem Unfall, weil ich da wirklich, da hatte ich wirklich Angst vom Gleitschirmfliegen. Und da war es nicht mehr diese sinnvolle Angst, die mir jetzt sagt, okay, es ist schön, du solltest vielleicht lieber runterlaufen und nicht starten, sondern da war es wirklich diese lähmende Angst, dass ich dann auch einfach ohne Grund eigentlich gesagt habe, oh Gott, oh Gott, ich muss nur runter und dann landen gegangen bin und mir damit eigentlich einen schönen Flugtag versaut habe. Und dann habe ich dieses Mentaltraining gemacht. Wir haben viel mit Bildern auch gearbeitet, dass man sich einen Vogel vorstellen soll und wie man sich dann fühlt. Und das hat mir schon was gebracht. Also ich habe da relativ lange dran trotzdem geknabbert an dieser Angst beim Gleitschirmfliegen.

19:21Lucian Haas

Inzwischen würde ich sagen, ist die Angst immer noch da, aber sie lähmt mich nicht mehr. Und ich kann darüber hinwegsehen und es trotzdem machen.

19:29Suzanna Randall

Was war das für ein Unfall? Was ist da mit dir passiert?

19:32Lucian Haas

Ja, das war gut. Wahrscheinlich ist es immer irgendwo ein Pilotenfehler noch dabei. Aber es war jetzt keine klassische Situation. Es war in Chile. Ich bin ja sehr viel in Chile, bin da auch immer viel geflogen. Und es war schon relativ spät am Abend, also als es eigentlich schon ruhig war. Es war irgendwie eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang. Und in Chile fliegt man relativ nah am Hang. Einfach weil da halt die Thermik da ist. Und ich war halt nah am Hang. Und dann kam wirklich aus dem Nichts für mich eine massive Turbulenz. Ich bin damals auch an einen etwas kleineren, etwas dynamischeren Schirm geflogen. Und ich habe dann einfach gemerkt, okay, ich habe den Schirm jetzt so schnell einfach nicht unter Kontrolle. Und der Schirm ist mir massiv eingeklappt, zur Hang -zugewandten Seite natürlich. Und ich bin einfach frontal in den Hang reingeknallt. Und ich hatte wirklich noch das Glück, dass an der Stelle, wo ich da eingeschlagen bin, nur Sand war.

20:22Lucian Haas

Weil also nebenbei waren halt auch Steine und Felsen. Also ich hätte mir auch so ein bisschen gedacht, ich hätte mir auch sehr viel schlimmer wehtun können. Am Ende hatte ich jetzt noch nicht mal irgendwas wirklich Kritisches. Also ich hatte einmal alles blau von Kopf bis Fuß. Riesige Blutergüsse. Aber das war es dann auch. Also ich habe wahnsinnig Glück noch gehabt. Aber mental habe ich eine lange Zeit gebraucht. Also ich würde sagen ein, zwei Jahre fast. Um einfach darüber hinwegzukommen. Weil das für mich einfach aus dem Nichts kam. Und ich halt gemerkt habe, okay, das Risiko ist immer da. Auch wenn man... Also ich sage eigentlich immer von mir, ich bin eine eher vernünftige Pilotin, die jetzt keine unnötigen Risiken eingeht. Aber da war das einfach was. Da würde ich sagen, das war keine falsche Entscheidung. Vielleicht war der Schirm eine Spur zu heiß für mich. Wobei ich eigentlich auch gedacht habe, ich habe den unter Kontrolle. Also ich habe einfach gemerkt, da ist einfach dieses Restrisiko.

21:09Lucian Haas

Das muss man akzeptieren. Das kann man niemals eliminieren.

21:12Suzanna Randall

Wenn du sagst, das kam aus dem Nichts, das ist ja dann auch so ein Ausgeliefertsein. Wenn du jetzt als Astronautin auf einer Rakete sitzt, obendrauf in deiner Kapsel, die dich da hochschickt,

21:23Suzanna Randall

dann kannst du ja wirklich sagen, okay, ich lege mein Leben in Gottes Hand. Oder halt in die Hände der Techniker, die da hoffentlich das richtig gemacht haben.

21:31Lucian Haas

In die Hände der Ingenieure. Also ich meine, das Tolle ist natürlich, dass da hunderte, tausende von Leuten an diesen Systemen arbeiten. Und auch an unterschiedlichen Notfallprozederes. Das hat man ja auch ganz schön gesehen bei diesem missglückten Sojus -Start. Im Herbst letzten Jahres ist ja dieser Sojus -Start fehlgeschlagen. Und die beiden Astronauten konnten eben nicht zur ISS. Sind aber dann heil wieder zumindest zur Erde zurückgekommen. Und da sieht man, okay, da sind sehr, sehr viele schlaue Menschen, die sich über alle möglichen Szenarien viele Gedanken machen. Und in dem Fall hat das ja dann auch sehr gut geklappt. Also denen ist nichts passiert. Gut, das hat jetzt alles ein bisschen durcheinander gebracht mit den Experimenten auf der ISS. Aber es war kein Drama. Also deswegen denke ich, dann würde ich einfach in die Ingenieure vertrauen. In die Leute, die die Raketen gebaut haben.

22:16Lucian Haas

Und sagen, gut, sie werden schon einen guten Job gemacht haben. Was anderes kann man zu dem Zeitpunkt dann auch, glaube ich, gar nicht tun, wenn man da in der Rakete sitzt.

22:27Suzanna Randall

Springen wir noch mal ein bisschen im Thema. Du hast gerade gesagt, du kommst eigentlich gerade aus Chile zurück. Warst wieder bei diesem ALMA -Teleskop, hast dort gearbeitet. Dann hast du auch erwähnt, okay, dein Unfall ist in Chile selbst passiert. Also bist du auch in Chile schon mal Gleitschirm geflogen. Bist du bis jetzt immer, wenn du jobmäßig in Chile sein musst, nimmst du dann immer deinen Gleitschirm mit?

22:47Lucian Haas

Ja, immer leider nicht. Es geht halt nicht immer. Ich habe das eine Zeit lang sehr viel gemacht. Ich habe ja auch in Chile gelebt, mal sechs Monate. Da war ich dann jeden Monat in Iquique. Jetzt bei der letzten Reise hat es leider nicht gepasst, einfach weil ich die Zeit nicht hatte. Und dann für zwei Tage den Gleitschirm mitzuschleppen ist natürlich immer schon ein bisschen aufwendig. Aber ich war jetzt in Iquique, ich weiß es gar nicht, wahrscheinlich 15 Mal oder so. Längere Zeit. Und habe da auch sehr, sehr viel gelernt. Ich habe da auch mit dem Gleitschirmfliegen angefangen. Also meine allerersten Versuche mit dem Gleitschirm habe ich tatsächlich in Chile gemacht. Ich habe damals nicht so viel Spanisch gesprochen. Es war dann ein bisschen schwierig. Dann hat mein Lehrer mal geschrieben, izquierda, izquierda, no, no, no, la otra izquierda. Es war, ja, es war lustig.

23:32Lucian Haas

Und dann hat das mich dann dazu bewegt, auch hier in Deutschland mal einen Schein zu machen. Aber Iquique, Chile ist ein super tolles Gleitschirmrevier. Also da kann man eigentlich jeden Tag fliegen. Also von den ganzen Tagen, die ich bis jetzt da war, und das waren mehrere Monate, wenn man das alles zusammenrechnet, sind wir, glaube ich, einen Tag nicht geflogen. Konnten wir nicht fliegen. Und da lernt man halt auch mit Starkwind umzugehen. Wahnsinnig viel handeln. Das macht mir auch eigentlich fast am meisten Spaß. Dieses Spielen mit dem Wind da in der Wüste. Das ist ganz, ganz toll.

24:02Suzanna Randall

Jetzt noch mal zur Aufklärung. Izquierda heißt links und la otra izquierda ist das andere links. Für die Leute, die jetzt das Spanisch vielleicht nicht verstanden haben. Also in Chile haben sie dieselben Schulungsprobleme, wie sie sie in deutschen Flugschulen dann vielleicht auch manchmal haben.

24:17Lucian Haas

Ja, wahrscheinlich. Aber in deutschen, ja gut, in deutschen Flugschulen gibt es wahrscheinlich auch Leute, die kein Deutsch sprechen. Ja, das war das Hauptproblem.

24:25Suzanna Randall

Was bedeutet denn das Gleitschirmfliegen heute noch für dich, wenn du doch so große Ziele hast, wie ins All zu fliegen?

24:33Lucian Haas

Also für mich ist das Gleitschirmfliegen, das ist was, das wird auch niemals, glaube ich, vom anderen Fliegen ersetzt werden. Also ich habe jetzt, letzten Sommer bin ich leider sehr wenig geflogen mit dem Gleitschirm, einfach weil ich alle meine freien Wochenenden, wo das Wetter irgendwie gut war, in den Flugschein gesteckt habe.

24:50Lucian Haas

Aber das Gleitschirmfliegen hat immer noch diese Komponente, es ist lautlos. Und man ist wirklich im Einklang mit sich und der Natur. Und man hat halt eben keinen Motor, der einen hochbringt, sondern man wartet einfach darauf, dass die Thermik, dass die Natur das für einen macht. Und das ist für mich was, was das Gleitschirmfliegen komplett auf eine andere Stufe stellt, als jetzt das Fliegen mit maschinengetriebenen Flugzeugen oder auch das Fliegen ins All. Das ist einfach ein Naturerlebnis, wo man zu sich selber kommt.

25:19Suzanna Randall

Du sagtest jetzt gerade, im letzten Sommer bist du wenig geflogen. Ich nehme an, diese Doppelbelastung, du hast den einen Job als Astronomin, dann hast du noch quasi den anderen Job als Astronautentrainee. Nimmt der nicht wirklich so viel Zeit dann auch in Anspruch, dass du sagst, eigentlich kann ich wirklich auch das Gleitschirmfliegen zumindest bis ich ins All geflogen bin, weitgehend vergessen?

25:39Lucian Haas

Ja, ich bin mal runtergefahren. Ich glaube, das muss ich mir auch ganz klar eingestehen, dass ich jetzt auch wenig fliege. Also ich hatte vielleicht 15 Flüge im letzten Jahr. Das ist für mich sehr, sehr wenig. Und dass ich einfach sage, okay, dann muss ich jetzt auch nicht bei den Hammer Thermik -Bedingungen raus, sondern ich habe jetzt wirklich einfach nur Genussflüge gemacht. Das habe ich relativ bewusst gemacht, weil ich gedacht habe, okay, so bin ich auf der sicheren Seite, ich will es einfach nur genießen. Aber jetzt gar nicht zu fliegen, das habe ich am Anfang des Jahres auch gedacht. Ich habe gedacht, ich bin so viel unterwegs, aber dann haben meine Freunde doch mal angerufen, möchtest du nicht fliegen gehen? Dann war ich in den Bergen, dann habe ich die Gleitschirmflieger gesehen und dann habe ich gemerkt, nee, ich möchte auch ohne das Gleitschirmfliegen nicht unbedingt leben. Und klar, ich habe es ein bisschen zurückgefahren. Ich habe jetzt auch meine Anspruch hier runtergefahren. Ich war dann auch mit einem

26:26Lucian Haas

halbstündigen kleinen Thermikflug total zufrieden, weil ich mir gesagt habe, gut, ich habe jetzt auch nicht die Energie da irgendwie auf Strecke zu gehen oder irgendwelche Risiken einzugehen, möchte ich jetzt nicht. Aber trotzdem einfach dieses Naturerlebnis und das zu genießen, das möchte ich nicht mehr tun müssen. Du

26:40Suzanna Randall

hast jetzt gerade das Risiko angesprochen. Klar, Gleitschirmfliegen heißt immer Risiko und wahrscheinlich, wenn du jetzt einmal loslaufen würdest und blöd ins Hasenloch trittst, könnte es sein, deine Astronautinnen -Träume sind damit dahin. Das wäre jetzt aber kein Grund zu sagen, deswegen muss ich jetzt das Risiko ganz minimieren, weil ich meine, man kann ja auch von der nächsten Treppenstufe daneben treten oder sowas. Wie denkst du dann darüber?

27:02Lucian Haas

Es ist bei uns so, wir haben ja jetzt eben noch keine fixe Mission und die Mission ist ja jetzt auch noch, zwei Jahre entfernt ungefähr. Also es gibt schon Auflagen für Astronauten, die dann wirklich eine Mission haben, wo das Datum feststeht, dass man sich dann sagt, die letzten sechs bis neun Monate, irgendwie sowas, dass man solche Aktivitäten dann eher vermeidet. Also ich werde dann sicher nicht zwei Tage vor dem geplanten Weltraumflug dann zum Gleitschirmfliegen gehen, weil das einfach, da wäre das Risiko dann auch zu groß. Also irgendwas Kleines kann ja immer passieren, man tritt irgendwie blöd in ein Loch, man reißt sich ein Band oder irgendwie sowas. Ich kenne ja so viele Leute, wo das passiert ist. Also das würde ich dann schon dann auch sein lassen. Jetzt im Moment ist es eher so, dass ich sage, okay, ich versuche für mich sowieso immer das Risiko zu minimieren. Ich lebe ja auch gerne.

27:49Lucian Haas

Klar, irgendwas Kleines kann immer sein, aber gut, wenn ich mir jetzt einen Fuß verknacksen würde, dann hat das wenig Einfluss darauf, ob ich jetzt in zwei Jahren in den Weltraum fliege oder nicht. Ich könnte ja trotzdem mit dem Training soweit weitermachen. Also noch bin ich jetzt nicht in der Phase, wo ich jedes Risiko minimieren muss.

28:05Suzanna Randall

Glaubst du denn, dass du von deinem Astronautinnen -Dasein auch etwas für deine Gleitschirmfliegen mitnehmen oder lernen kannst?

28:13Lucian Haas

Puh. Das ist eine interessante Frage. So rum hat mir den noch keiner gestellt.

28:21Lucian Haas

Ich weiß es nicht. Ich denke vielleicht diese mentale Stärke. Also ich glaube, wenn man dann wirklich in einer Rakete gesessen hat und im Weltraum war,

28:31Lucian Haas

dann ist wahrscheinlich eine starke Thermik, die einen jetzt ein bisschen durchschüttelt, ist dann wahrscheinlich gar nicht mehr so schlimm oder so aufregend. Also ich glaube vielleicht diese Gelassenheit und diese Ruhe, dass ich mir dann sage, okay, gut, hey, ist doch alles bekannt. Es gibt wenigstens Luft. Wenn irgendein Loch hier irgendwo ist, dann ersticke ich nicht sofort. Das vielleicht.

28:54Suzanna Randall

Wenn du jetzt tatsächlich Deutschlands erste Astronautin werden solltest, dann würdest du ja auch in Deutschland eine gewisse Berühmtheit erlangen, kann man ja von ausgehen. Man könnte dann ja auch sagen, dann wirst du wahrscheinlich Deutschlands berühmteste Gleitschirmfliegen sein. Ja, die Frau, die fliegt auch Gleitschirm. Machst du dir über solche Rollen, die du dann vielleicht eines Tages einnehmen musst, jetzt schon Gedanken? Oder lässt du das ganz locker auf dich zukommen?

29:18Lucian Haas

Also ich lasse es jetzt eher auf mich zukommen. Also es ist ja auch jetzt schon so, dass ich viel in den Medien unterwegs bin.

29:25Lucian Haas

Also ich hoffe, dass ich durch meine Rolle das nutzen kann, um jetzt meinen Leidenschaften auch ein bisschen mehr

29:34Lucian Haas

Glamour zu verleihen oder was heißt Glamour. Aber dass ich jetzt auch sage, Gleitschirmfliegen ist cool. Fliegt Gleitschirm. Und das ein bisschen

29:42Lucian Haas

in das allgemeine Bewusstsein auch zu bringen. Das mache ich mit dem Yoga genauso. Ich mache auch Yoga. Mit den Naturwissenschaften, mit der Astrophysik, mit meinen pulsierenden blauen Unterzwergsternen, das ist mein Forschungsgebiet, mache ich das auch so, dass ich einfach denke, ich kann vielleicht mit meiner Begeisterung auch noch andere Leute anstecken.

30:01Suzanna Randall

Dann steck mich doch jetzt mal an für pulsierende blaue Unterzwergsterne. Was ist das Besondere an diesem Begriff?

30:08Lucian Haas

Gut, also es sind kleine, sagt der Name. Unterzwerge sind halt kleiner als Zwerge. Die Sonne zum Beispiel ist ein Zwergstern. Das heißt, ein Unterzwergstern ist nochmal kleiner als die Sonne. Der ist ungefähr ein Zehntel so groß wie die Sonne nur. Blau, das ist einfach die Farbe. Und in der Astronomie ist es andersrum wie beim Wasserhahn zum Beispiel. Da ist Blau heiß. Also Blau ist heiß und Rot ist kalt. Muss man ein bisschen umdenken.

30:35Lucian Haas

Blau ist klein, heiß und pulsierend. Das heißt, die zeigen Helligkeitsschwankungen. Das ist ein bisschen wie eine Lampe auf Dimmer, die an und dann wieder ausgeht. Und man kann dann diese Schwingungen, also dieses Dimmen und Hellerwerden, kann man beobachten. Und was wir dann damit machen können, ist, dass wir in das Innere der Sterne hineinschauen. Also man guckt sich diese Schwingungen an und damit kann man dann mithilfe von Modellen in die Sterne hineinschauen und sehen, wie die auch im Inneren aufgebaut sind.

31:06Suzanna Randall

Du klingst nicht begeistert. Ich versuche es erstmal nur zu verstehen. Aber guckst du diese blauen Unterzwerge auch mit deinem ALMA -Teleskop an oder nutzt du da wieder andere Daten für?

31:18Lucian Haas

Leider kann man diese Unterzwerge mit ALMA nicht so gut beobachten, weil ALMA beobachtet ja das kalte Universum und die Sterne sind heiß. Das heißt, das funktioniert nicht so gut. Also ich beobachte meine Sterne tatsächlich eher mit den optischen Teleskopen, mit dem VLT zum Beispiel, was ja auch von der ESO in Chile betrieben wird oder mit anderen optischen Teleskopen.

31:40Suzanna Randall

Wenn man sich sowas vorstellt, so Sterne angucken, die man mit dem normalen Auge gar nicht sieht, die sind so klein und irgendwo funkelt was Blaues, aber ich brauche ein super Hyper -Teleskop dafür, das ist ja immer was, da sagst du, der Mind, der dahinter steckt, das ist schon ein sehr technischer, der sich sowas vorstellt. Nun bist du eine Frau und das ist jetzt eine sehr technische Vorstellungsgabe, viele sagen ja, das passt ja nicht so ganz zusammen. Andere sagen wieder, wieso? Gerade da gibt es immer wieder Frauen, die hervorragend da drin sind. Was hat dich dazu getrieben, so zu denken, wie du denkst? Und ich glaube, deine Eltern haben ja damit gar nichts zu tun gehabt.

32:18Lucian Haas

Ne, also meine Eltern sind Linguisten. Das heißt, ich bin da mit meiner Naturwissenschaftsvorliebe oder jetzt auch mit der Raumfahrt und Technik bin ich relativ allein bei mir in der Familie. Bei mir kam es wirklich nicht über die Physik und über das Technische.

32:32Lucian Haas

Durch die Faszination am Weltraum. Einfach diese Faszination des Neuen. Wow, da gibt es ja noch was, das kann man entdecken. Das war es eigentlich, was es für mich ausgemacht hat. Das Technische, die ganze Physik und Mathematik dahinter, das war für mich am Anfang, also jetzt in der Jugendzeit, eher abtürnend. Also ich habe gedacht, oh Gott, dann muss ich ja Physik machen und Mathe und das kann ich ja auch gar nicht so toll. Und vielleicht klappt das dann alles doch nicht. Also das war eher so meine Bewegung. Und irgendwann hatte ich dann einen Lehrer, Thermik auch gefördert hat, der da vielleicht diese veralteten Rollenbilder nicht so drin hatte. Das war ein ganz junger Physiklehrer. Und plötzlich habe ich gemerkt, hey, das ist ja cool, das kann Spaß machen. Und wenn es Spaß macht, dann kann man es irgendwie auch. Also zumindest ist es bei mir der Fall, wenn ich motiviert bin und Spaß in etwas habe, dann passt das, dann flutscht das auch.

33:17Lucian Haas

Und plötzlich habe ich gemerkt, okay, ich kann es ja. Ich kann ja Physik, warum soll ich das nicht können? Und dann hat eins so zum anderen geführt. Aber das war für mich jetzt in der Jugend auch schon was, wo ich gesagt habe, oh, ja, kann ich das? Und ist das was für mich? Und sind da nicht nur Nerds, die im stillen Kämmerlein hocken und mit Keimen sprechen? Und das ist auch ein bisschen das, was ich mit meiner Rolle hier als Astronautin den Frauen und Mädchen zeigen möchte. Also wir sitzen nicht nur im stillen Kämmerlein und arbeiten an irgendwelchen Codes und lassen uns ein Bad wachsen und waschen uns die Haare nicht und reden mit Keimen. Also man hat auch Spaß dabei, man kommt auch mit anderen Menschen in Kontakt. Und das ist was.

33:55Lucian Haas

Und da sind auch inzwischen ungefähr 30 Prozent Frauen. Also, warum nicht?

34:00Suzanna Randall

Das heißt, die Frauenquote in der Astronomie ist schon höher als die Frauenquote beim Gleitschirmfliegen?

34:05Lucian Haas

Ich weiß gar nicht, was die Frauenquote beim Gleitschirmfliegen ist. Aber wahrscheinlich schon. Ich weiß es nicht. Hast du da eine Statistik?

34:12Suzanna Randall

Ich habe keine Statistik, ich habe nur meine Augen. Und wenn ich nur meinen Augen traue, dann würde ich immer sagen, die Quote von denen, die zumindest beibleiben und auch weiter länger fliegen, ist eher so 10, 15 Prozent oder so was. Aber jetzt nur eine gefühlte Quote. Kann ich nicht sagen. Gibt es eine Sache, wie du dir erklärst, warum es trotzdem, ob es nun 15 oder 30 Prozent sind, ist ja egal. Auf jeden Fall ist es nicht 50 -50. Warum gibt es so viel mehr Männer als Frauen, die Gleitschirmfliegen?

34:43Lucian Haas

Also ich glaube, da ist Risiko schon auf jeden Fall ein Faktor. Wenn ich auch vielen Frauen oder jetzt Freundinnen erzähle, dass ich Gleitschirmfliege, sagen die, boah, das wäre mir viel zu gefährlich. Da hätte ich viel zu viel Angst. Und das scheint bei Frauen doch noch mehr Thema zu sein, als bei Männern. Wahrscheinlich wegen dem Testosteron oder weniger Testosteron. Ich kenne auch viele Frauen, die auch aus Angst aufgehört haben mit dem Gleitschirmfliegen. Also ich kenne viele, die wirklich den Grundkurs gemacht haben, die diese Faszination Fliegen schon verspürt haben, aber dann irgendwann auch oft ein schlechtes Erlebnis hatten oder einen Unfall von einem Freund mitbekommen haben oder so und dann einfach aufgehört haben. Also ich glaube, das ist wirklich dieser Risikofaktor, der die Frauen vom Gleitschirmfliegen abhält.

35:25Suzanna Randall

Was ist dann bei dir in der Denke anders?

35:28Lucian Haas

Ich weiß es nicht. Also ich glaube, wie gesagt, ich sehe die Angst eben nicht als etwas Negatives. Also ich gebe auch gerne zu und alle meine Freunde, die mit mir fliegen gehen, sagen auch immer, boah, aber du fliegst doch gut, warum machst du dir immer so einen Kopf? Also ich gebe auch gerne zu, dass ich auch Angst habe oder wenn eine Böe kommt, dass ich dann auch sage,

35:47Lucian Haas

es könnte gut gehen, aber es muss nicht gut gehen und deswegen starte ich halt jetzt eben nicht. Also ich glaube, es ist einfach, wie man mit dieser Angst umgeht.

35:57Lucian Haas

Also sagen, okay, ich habe Angst davor, deswegen tue ich es nicht. Ich war auch nach dem Unfall kurz fast an dem Punkt, wo ich auch gesagt habe, was bringt mir das noch? Es ist wirklich das Risiko wert. Das ist die eine Möglichkeit. Die andere Möglichkeit ist zu sagen, okay, es bringt mir so viel, einfach vom Erlebnis her, von dem, was es mir mitgibt für mein Leben, dass es das Risiko einfach wert ist und dann muss man diese Angst irgendwie besiegen oder zumindest parallel mit ihr leben und dann trotzdem weitermachen.

36:27Lucian Haas

Ich fliege gerne Gleitschirm, ich minimiere die Risiken, aber es ist es mir wert, dieses Risiko trotzdem einzugehen und wenn andere Leute für sich entscheiden, dass es das eben nicht mehr wert ist, dann kann ich das durchaus nachvollziehen und ich glaube, bei Frauen ist einfach diese Risikobereitschaft generell dann geringer als bei Männern.

36:47Suzanna Randall

Nun hast du vorhin gesagt, das Gleitschirmfliegen ist für dich so wichtig, dass du davon ausgehst, dass du es einfach immer weitermachen wirst.

36:55Suzanna Randall

Jetzt kann es aber sein, dass vielleicht in den nächsten ein, zwei Jahren du relativ wenig dazu kommst, weil du mit diesem Astronautentraining so eingespannt bist, sagst, ich mache halt noch so ein paar Abgleiter oder sowas für Spaß und für das schöne Gefühl zwischendurch mal. Wenn du aber dann im All gewesen bist, hoffentlich, hast du da noch irgendwelche Pläne, wo du sagst, das möchte ich auf jeden Fall mit dem Gleitschirm auch nochmal erreichen?

37:21Lucian Haas

Oh, ich hatte so viele Pläne.

37:25Lucian Haas

Gut, also es war jetzt jetzt auch mit der Arbeit und so ist es immer schwieriger. Ich glaube, um wirklich diese Pläne umzusetzen, ich wollte immer gerne so eine Alpenüberquerung machen, so von Ljubljana bis nach Frankreich irgendwie Nizza oder sowas und dann wirklich monatelang jetzt nicht auf Teufel komm raus immer fliegen müssen, sondern einfach das entspannt angehen können und dann einfach so ein Naturerlebnis,

37:48Lucian Haas

mein großer Traum. Aber gut, ich glaube, das wäre jetzt in dieser jetzigen Zeit, selbst ohne die Astronautensache, jetzt einfach nicht passiert, einfach wegen dem Job. Also ich glaube, wenn man wirklich in jetzt auch unbewohnteren Gebieten, in schwierigeren Geländen startet, sollte man eine gewisse Praxis haben beim Gleitschirmfliegen und wenn man jetzt 15, 20, 30 Flüge im Jahr hat, dann ist das einfach nicht gegeben. Also ich glaube, da braucht man wirklich dann auch die Zeit und die Muße, um das zu machen.

38:18Lucian Haas

Also wirklich einfach mit dem Gleitschirm los, mit ein, zwei Kumpels und dann über die Alpen.

38:25Suzanna Randall

Jetzt nochmal zu Astronautentraining zurück, beziehungsweise zu der nächsten Zeit. Du hast ja noch gesagt, ihr seid zwei. Also es gibt zwei Kandidatinnen, die es werden könnten. Wann entscheidet sich das denn, wer es dann am Ende wird?

38:39Lucian Haas

Also wer fliegt dann ins All? Also im Moment steht noch gar nichts fest. Also wir sind gerade, weil wir jetzt wirklich dieses private Projekt sind, wir sind sehr flexibel. Also erstmal steht die Mission noch gar nicht, die Finanzierung steht noch gar nicht. Das müsste erstmal gegeben sein und dann wird sich irgendwann einige Monate vor der Mission entscheiden, wer von uns es wirklich ist. Das wird sicher auch auf die Ergebnisse des Trainings ankommen, auf die Experimente, die wir machen. Aber so ganz klar, wie und wann das entschieden wird, ist noch nicht.

39:12Suzanna Randall

Was heißt auf die Experimente, die ihr macht? Müsst ihr auch selber Vorschläge machen, welche Experimente ihr selber machen wollt? Und dann heißt es, das ist ein gutes, das ist ein schlechtes?

39:20Lucian Haas

Also ich gehe davon aus, dass diese Experimente dann von den Investoren bestellt werden sozusagen. Das ist jetzt auch bei dem Alexander Gers, der denkt sich ja nicht selber aus, was er da macht, sondern da sitzen Leute auf der ganzen Welt, Forscherteams, die irgendwelche Experimente vorschlagen. Die werden dann von einem Komitee ausgewertet

39:41Lucian Haas

und ich denke, das wird bei uns nicht anders sein, mit vielleicht dem Unterschied, dass wir da auch die kommerzielle Komponente haben. Also das heißt, wenn jetzt eine Firma, eine große Hightech -Firma zum Beispiel sagen würde, hey, wir geben euch 5 Millionen Euro zum Beispiel und dafür macht ihr bitte das, dann machen wir das auch. Also dann machen wir das Experiment von denen. Also die Astronauten sind da sozusagen eher die Servicekräfte, die dann für die Wissenschaftler auf der Erde die Experimente ausführen. Und dafür muss man natürlich die Experimente zu einem Teil verstehen, aber die Astronauten sind meistens nicht diejenigen, die dann wirklich die Daten bekommen und diese dann auch auswerten. Das sind dann spezialisierte Teams unten auf der Erde.

40:19Suzanna Randall

Wenn jetzt die Entscheidung so fiele, dass deine Mitbewerberin, Konkurrentin, Freundin, wie auch keine Ahnung was die auch für dich ist, dass die es würde, was würde das für dich heißen? Butch, du bist jetzt keine Astronautin mehr und aus diesem Programm raus oder wie geht es dann weiter?

40:36Lucian Haas

Ja, okay, das ist immer schwierig, sich so vorzustellen. Natürlich wäre das super schade und enttäuschend für mich, das ist klar, wir wollen natürlich beide fliegen. Auf der anderen Seite denke ich dann, wäre wenigstens das Projekt ein Erfolg gewesen. Das sagen wir beide, Insa und ich. Wir unterstützen uns, wir haben ein sehr gutes Verhältnis, wir unterstützen uns gegenseitig, wir arbeiten beide für das Projekt und primär geht es uns darum, dass das Projekt ein Erfolg wird, dass wir wirklich die erste deutsche Frau in den Weltraum schicken. Natürlich möchte jede von uns diese Frau sein, das ist ganz klar. Aber es wäre für mich jetzt sehr viel schlimmer, wenn das Projekt scheitert, an der Finanzierung zum Beispiel, als wenn Insa fliegt.

41:14Suzanna Randall

Kann Insa eigentlich auch Gleitschirmfliegen?

41:16Lucian Haas

Ich glaube nicht.

41:18Suzanna Randall

Also sie ist nicht eine von den dreien, wo du sagst, es waren sechs Frauen übrig und drei allein davon konnten sogar auch Gleitschirmfliegen?

41:25Lucian Haas

Nein, das waren jetzt nicht die sechs Finalistinnen, das war in einer Vorrunde. Da waren wir in kleinere Gruppen aufgeteilt und von diesen anderen fünf Frauen war auch dann keine in der Endauswahl. Genau. Das war jetzt nicht Insa, die war in einer ganz anderen Gruppe als ich.

41:41Suzanna Randall

Gibt es für Astronauten irgendeinen Spruch, den man sagt, wenn die losgehen? Also Skifahren sagen wir mal Hals - und Beinbruch oder sonst was. Beim Fliegen stehen ganz häufig irgendwelche Zuschauer da und sagen ja, was sagt man denn dann jetzt? Hals - und Beinbruch? Und man denkt, weiß Gott bloß nicht, aber guten Flug oder so. Was sagt man einer Astronautin, wenn die losfliegt?

42:00Lucian Haas

Also ich würde dasselbe sagen eigentlich wie beim Gleitschirmfliegen. Und wir sagen immer Happy Landings. Weil am Ende ist das ja das Wichtigste, dass man einen guten Flug hat, aber dass man dann auch sicher und glücklich wieder landet.

42:12Suzanna Randall

Wie geht das mit der Landung, wenn du da von der ISS zurückkämst? Zumindest wenn das jetzt, bei den Russen weiß man es ja, die landen mit ihrer Kapsel in der Steppe, da in Kasachstan glaube ich irgendwo. Wie ist das geplant bei SpaceX oder Boeing? Platschst du da irgendwo ins Meer oder was haben die geplant?

42:28Lucian Haas

Also das wäre ähnlich, dass man da an einem Fallschirm hängt und runterkommt, aber soweit ich weiß, ist sowohl bei SpaceX als auch bei Boeing eine Landung im Wasser geplant. Es wäre das gleiche Prinzip, man ist in einer Kapsel, die kommt am Fallschirm runter, die landet dann halt nicht in der Steppe in Kasachstan, sondern irgendwo im Atlantik wahrscheinlich oder je nachdem, wo die Bedingungen gut sind. Und dann wird man gerettet von, hoffentlich, von einer Schiffsmannschaft.

42:56Suzanna Randall

Ist das denn ein klassischer Fallschirm, weil ich habe neulich mal so ein Bild gesehen von so einer SpaceX -Test -Ding, da war das sogar wie so ein Gleitschirm, an dem eine Kapsel runterkam und die sollte dann in so einem Netz landen und gefangen werden. Wäre ja auch eine nette Verbindung, wenn du quasi mit der Rakete hochfliegst, aber mit dem Gleitschirm unten wieder landest.

43:16Lucian Haas

Also ich glaube, da kann man sehr, sehr wenig steuern, weil jetzt, wenn das ganze Ding an einem Gleitschirm hängen würde, dann wird man womöglich am Ende noch Thermik kriegen und dann ewig nicht runterkommen. Also ich glaube, das wäre jetzt nicht so zweckgemäß. Es kann sein, dass die neueren Fallschirme dann steuerbar sind, also ähnlich wie jetzt die Rogallo -Rettungsschirme oder so beim Gleitschirm, dass man da schon schauen kann, wo man runterkommt, das sicherlich. Aber es wird jetzt kein Gleitschirm sein, wo man dann nach Thermik sucht und dann noch seinen Flug ein bisschen verlängert.

43:43Suzanna Randall

Eher ein Gleitschirm der alten Schule, wo man mit Gleitzahl 1 zu 3 dann kommt. Aber

43:48Lucian Haas

ich glaube, dann will man auch irgendwann runter.

43:50Suzanna Randall

Das glaube ich auch. Susanna, ich danke dir für dieses Gespräch. Ich wünsche dir für alle Abenteuer, inwieweit sie dann ganz ins All gehen oder nur quasi über den nächsten Berg kommen, wünsche ich dir auf jeden Fall viel Glück, Gesundheit, einen klaren Kopf, wenig Angst oder zumindest gute Möglichkeiten, damit umzugehen und vor allem viele gute Entscheidungen, die du da treffen kannst.

44:15Lucian Haas

Ja, das ist das Wichtigste.

44:17Suzanna Randall

Und wie gesagt, wenn du dann Astronautin warst, freue ich mich auf die viele Werbung, die du dann damit auch wieder fürs Gleitschirmfliegen machen kannst.

44:24Lucian Haas

Ich glaube, ich freue mich dann, wenn ich wiederkomme, am meisten darauf,

44:29Lucian Haas

einen schönen Abendflug zu machen.

44:30Suzanna Randall

Das ist doch toll. Okay, ich danke dir und alles Gute bei allen Flügen, die du machst.

44:35Lucian Haas

Ja, danke. Ciao.

44:50Suzanna Randall

Das war Susanna Randall im Gespräch mit Lucian Haas. Wer mehr über die Hintergründe der Astronautinnen -Initiative erfahren will, der findet die zugehörige Website im Internet unter der Adresse www.dieastronautin.de Und wer vor allem Susannas weitere Abenteuer auf dem Weg ins All verfolgen will, der sollte bei Facebook die Seite astrosusanna abonnieren. Susanna schreibt sich übrigens mit einem Z im Namen, also Susanna. Weitere Folgen von Podz-Glidz sind auf dem Blog Looglights und auf Soundcloud zu finden. Podz-Glidz kann zudem per RSS -Feed oder über bekannte Podcast -Kataloge wie iTunes, Spotify, TuneIn oder Podcast.de abonniert werden. Wenn dir Podz-Glidz und Looglights gefallen, dann empfiehle beide doch bitte weiter.

45:36Suzanna Randall

Im Gespräch mit anderen Fliegern oder auch als Kommentar per Like oder Link in den sozialen Netzen. Wenn du zudem erkennst, dass Podz-Glidz und Looglights dir einen echten Mehrwert liefern, dann gib doch etwas zurück. Ich verzichte in beiden Formaten bewusst auf Werbung, um unabhängig fragen und berichten zu können. Das geht auf Dauer aber nur, wenn mich meine Leser und Hörer finanziell unterstützen. Du kannst ganz einfach per PayPal -Spende oder per Banküberweisung zum Looglights -Förderer werden.

46:06Suzanna Randall

www.Lu-Glidz.blogspot.com www.Lu-Glidz.blogspot.com www.Lu-Glidz.blogspot.com www.Lu-Glidz.blogspot.com Jetzt wünsche ich erst einmal Happy Landings, wie Susanna sagt. Ciao und bis zum nächsten Mal.

·top