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11. Die X-Alps-Filmerin - Vera Polaschegg

// Vera Polaschegg, Lucian Haas · 2019-08-01 · 00:40:15 · original episode

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[show notes]
Podz-Glidz Folge #11: Die Kamerafrau Vera Polaschegg im Gespräch mit Lucian Haas. Die Redbull X-Alps, das ist der bekannteste und von seinem Zuschnitt her auch der faszinierendste Hike-and-Fly-Wettbewerb der Gleitschirm-Szene. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen nur fliegend und laufend über mehrere Wendepunkte von Salzburg bis nach Monaco kommen. Das sind über 1000 Kilometer, und es dauert mehr als eine Woche. Begleitet werden sie von einem ganzen Tross an Fotografen und Filmemachern. Deren Aufgabe ist es, die Leistung, die Qualen, die Freuden der Athleten bei ihrem Weg über die Alpen in Bildern festzuhalten – damit die Zuschauer, die das Rennen meist nur online per Livetracking verfolgen, das Gefühl bekommen, doch ganz dicht dabei zu sein. Natürlich geht es auch darum, die Sponsoren ins rechte Licht zu rücken. Bei den X-Alps im Juni 2019 war Vera Polaschegg als Kamerafrau mit dabei. Die Österreicherin fliegt selbst begeistert Gleitschirm, das dokumentarische Filmen ist ihr Beruf. Zehn Jahre lang träumte sie davon, die X-Alps mit der Kamera begleiten zu dürfen. Dann bekam sie den Auftrag. Während der Renntage dokumentierte sie hauptsächlich das Geschehen am Ende des Feldes. Sie begleitete dort Piloten wie den Kolumbianer Alex Villa, den Japaner Kaoru Ogisawa, Chikyong Ha aus Korea und vor allem die Neuseeländerin mit polnischen Wurzeln Kinga Masztalerz. Da alle zwei Tage der jeweils Letztplatzierte bei den X-Alps aus dem Rennen genommen wird, gab es auch dort richtig spannende Battles. In dieser elften Folge von Podz-Glidz erzählt Vera von den dramatischen Momenten des Renngeschehens, die sie filmte. Noch mehr geht es aber darum, welchen enormen Einsatz die X-Alps auch von den Kamerateams verlangen, und warum Vera trotzdem jederzeit wieder mitfilmen würde. Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html Musik dieser Folge: Ocean Love by Martijn de Boer (NiGiD) (c) copyright 2018 Licensed under a Creative Commons Attribution Noncommercial (3.0) license. http://dig.ccmixter.org/files/NiGiD/58132 Ft: unreal_dm

[transcript]

0:12Vera Polaschegg

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:15Lucian Haas

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:18Vera Polaschegg

Heute mit Vera

0:20Lucian Haas

Poloschek und

0:21Vera Polaschegg

Lucian Haas am Mikrofon. Die

0:27Vera Polaschegg

Red Bull X -Alps, das ist der bekannteste und von seinem Zuschnitt her auch der faszinierendste Hike -and -Fly Wettbewerb der Gleitschirm -Szene. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen nur fliegend und laufend über mehrere Wendepunkte von Salzburg bis nach Monaco kommen. Das sind über 1.000 Kilometer und es dauert mehr als eine Woche. Begleitet werden sie von einem ganzen Tross an Fotografen und Filmemachern. Deren Aufgabe ist es, die Leistung, die Qualen, die Freuden der Athleten bei ihrem Weg über die Alpen in Bildern festzuhalten, damit die Zuschauer, die das Rennen meist nur online per Live -Tracking verfolgen, das Gefühl bekommen, doch ganz dicht dabei zu sein. Natürlich geht es auch darum, die Sponsoren ins rechte Licht zu rücken. Bei den diesjährigen X -Alps ist es wichtig, dass sie sich selbst begeistert.

1:13Vera Polaschegg

Im Juni war Vera Polaschek als Kamerafrau mit dabei. Die Österreicherin fliegt selbst begeistert Gleitschirm. Das dokumentarische Filmen ist ihr Beruf. Zehn Jahre lang träumte sie davon, die X -Alps mit der Kamera begleiten zu dürfen. Dann bekam sie den Auftrag. Während der Renntage dokumentierte sie hauptsächlich das Geschehen am Ende des Feldes. Sie begleitete dort Piloten wie den Kolumbianer Alex Villa, den Japaner Kaoru Ogisawa, Chikyong Ha aus Korea und vor allem die Neuseeländerin mit polnischen Wurzeln Kinga Mastalerz. Da alle zwei Tage der jeweils Letztplatzierte bei den X -Alps aus dem Rennen genommen wird, gab es auch dort richtig spannende Battles. In dieser elften Folge von Podz-Glidz erzählt Vera von den dramatischen Momenten des Renngeschehens, die sie filmte.

2:00Vera Polaschegg

Noch mehr geht es aber darum, welchen enormen Einsatz die X -Alps auch von den Kamerateams verlangen und warum Vera trotzdem jederzeit wieder mitfilmen würde.

2:11Vera Polaschegg

Vera, ich möchte mit dir heute mal ein kleines Spiel machen, damit dich die Zuhörer ein bisschen kennenlernen können. Ich gebe dir einfach ein paar kurze Stichworte und du sagst dann ein, zwei, drei Sätze dazu, was dir gerade dazu einfällt. Mal sehen, was dann für ein Bild bei den Zuhörern dann auch wirklich über dich entsteht. Fangen wir mal ganz einfach an. Etwas, was du sicherlich gerne machst, Gleitschirmfliegen.

2:32Lucian Haas

Ja, mache ich sehr gerne. Aussicht von oben.

2:35Vera Polaschegg

Zweites Stichwort, Ethnologie.

2:38Lucian Haas

Fächerkombi, sehr spannend. Im Moment wende ich auch an meinem Job an. Warum?

2:44Lucian Haas

Eines meiner Steckenpferde ist Dokumentationen im Ausland. Ich war bereits in Bangladesch und Äthiopien und habe dort mein Wissen auch bezüglich von Fragestellungen dort einfach sehr gut anwenden können. Und ich interessiere mich einfach sehr für andere Kulturen, für Menschen, für Bräuche und so weiter. Filmkamera. Schon mein Lieblingsspielzeug seit meiner Kindheit.

3:08Vera Polaschegg

Das heißt, du hast schon als Dreijährige mit der Kamera hantiert?

3:12Lucian Haas

Ja. Ich weiß nicht, wie alt ich war. Vielleicht sechs, sieben. Da war so eine alte High -8 oder Super -8 Kamera. Wie ist das auch noch bei mir im Wohnzimmer. Da habe ich einfach durchgeschaut und habe eigentlich Kamera vorgespielt. Und habe einfach gemerkt, das fasziniert mich, wenn ich irgendwo durchschaue und das kann ich dann in Bewegung bringen.

3:30Vera Polaschegg

Wann hast du dann deinen ersten Film gedreht?

3:34Lucian Haas

Relativ spät. Das war der Film für die Aufnahmeprüfung für die Filmakademie. Mit 18, 19.

3:40Vera Polaschegg

Nächstes Stichwort. Kolumbien.

3:43Lucian Haas

Eine Gleitschirmdoku. Filmen aus dem Gleitschirm heraus. Ethnologisch auch arbeiten. Einheimische Filmen. Spannende und tolle Zeit. Nova. Ich bin Nova -Teampilotin seit fast zehn Jahren. Pfahlbauten. Das war mein erster Auftrag mit meiner Drohne. Ich wohne am Keutschacher See. Und dort gibt es 4.000 Jahre alte Pfahlbauten. Also man kann auch mit dem Gleitschirm ein bisschen knapp vorbeifliegen. Und das war einfach ganz toll. Es war eigentlich auch ein Wissenschaftsdreh. Ich habe dort ein Wissenschaftsteam filmen können und beobachten können. Und das war sehr spannend.

4:23Vera Polaschegg

Hike and Fly.

4:24Lucian Haas

Mache ich sehr, sehr gerne. Entspannt mich. Mache ich fast noch mehr als Streckenfliegen. Habe ich auch einmal wettkampfmäßig gemacht, aber jetzt nicht mehr.

4:34Vera Polaschegg

Dann sind wir bei den X -Alps.

4:36Lucian Haas

Großer Hike and Fly.

4:39Lucian Haas

X -Alps wollte ich schon immer einmal machen. Die Red Bull X -Alps ist für mich eigentlich ein gelebter Traum. Den ich seit über zehn Jahren machen wollte. Ich wollte die Geschichte schon immer einmal erzählen. Und nach zehn Jahren lästig sein und immer wieder anrufen und dranbleiben, habe ich das dieses Jahr einfach machen dürfen. Und es ist mir gelungen.

5:01Vera Polaschegg

Das war am 6. Mai. Das weiß ich noch. Das habe ich bei dir auf deinem Facebook -Account gelesen. Da hast du geschrieben, ich habe den Job. Endlich. Für den ich seit zehn Jahren hingearbeitet habe und schon fast aufgegeben habe. Was heißt denn zehn Jahre darauf hinarbeiten? Wie habe ich mir das vorzustellen?

5:19Lucian Haas

Zehn Jahre? Naja, es war so, am Anfang habe ich mir das mit den X -Alps überhaupt nicht zugetraut. Ich habe mir nur gedacht, boah, die Geschichte würde ich einfach gerne erzählen. Dann hatte ich das Glück, dass ich 2013 als Supporterin eines Teams bei den X -Alps dabei habe sein können. Und auch den Produzenten kennengelernt habe, den Mario Kreuzer. Der das auch seit Anfang an immer macht. Und da habe ich mich schon einmal vorgestellt und habe Hallo gesagt. Und habe ihm auch ein bisschen Material geliefert. Und dann habe ich eigentlich im Abstand von den zwei Jahren mich bei ihm immer mal wieder gemeldet. Und ja, er hat mich halt nicht so gekannt. Die haben auch einfach wirklich ihr fixes Team. Und dieses Jahr habe ich mir gedacht, na gut, vielleicht kann ich es einfach nicht.

6:04Lucian Haas

Oder ich bin zu schwach oder wie auch immer. Aber es sind wieder X -Alps, ich rufe einfach wieder an bei ihm, sage Hello again. Und ja, er hat diesmal auch gesagt, ja, okay, ich setze dich auf die Liste. Wir sind ein fixes Team, aber wenn wer ausfällt, kann es ja sein, melde ich mich bei dir. Naja, und die Monate und Wochenstränge ins Land. Ich habe gedacht, okay, es kommt wieder nichts. Naja, ist halt so, vielleicht bin ich eh viel zu schwach und vielleicht eh besser. Und dann kam eigentlich eher später, zwei Wochen vor dem X -Alps Beginn, eine E -Mail, ob ich noch Zeit hätte. Und Interesse. Und dann habe ich erstmal fünf Minuten, glaube ich, hyperventiliert. Ich dachte, boah, gibt's ja nicht, Wahnsinn, gell. Habe ich endlich die Chance, das zu machen. Und dann ist natürlich die Vorbereitung losgegangen, für die man sonst vielleicht drei Monate braucht.

6:51Lucian Haas

Und ja, dann war ich auf einmal mit der Kamera bei den X -Alps, erster Take. Und habe eigentlich fast geheult dabei, es war echt lässig.

7:00Vera Polaschegg

Was hat dich denn im Vorfeld so gereizt, da als Kamerafrau bei den X -Alps dabei zu sein?

7:07Lucian Haas

Ja, ich habe mir wirklich auch Gedanken gemacht, was da die Antwort sein könnte. Ich glaube, es gibt gewisse Dinge, die möchte man einfach machen. Punkt. Ja, das ist so ein intrinsisches Bedürfnis. Interessieren tut mich natürlich schon auch die Geschichte der einzelnen Athleten. Also, wie geht es ihnen? Was passiert ihnen? Und so weiter. Die Red Bull X -Alps sind aber auch noch eine ganz andere Herausforderung. Ja. Man arbeitet dort mit ganz wenig Schlaf. Also, man hat eigentlich einen Dauerstress, einen Dauerdruck. Ja. Wir müssen, genauso wie die Supporter, auf dem Live -Tracking verfolgen, wo ist unser Athlet? Wo finden wir den? Wo, welchen Weg schlagen wir jetzt ein? Dann muss die Technik natürlich funktionieren.

7:53Lucian Haas

Das ist ein ganz großer Organisator drumherum, dass das alles funktioniert. Ja. Und das ist auch eine Herausforderung, die mir unglaublich taugt. Ja. Und die ja auch schon in der Vorbereitung anfängt. Ja. Da gibt es ganz, ganz viel zu beachten. Also, auch technisch und so weiter. Und dann eben vor Ort muss ich eine Geschichte erzählen. Jeden Tag. Hm. Und habe da nicht viel Zeit. Man muss auch mit den Athleten sich einarbeiten. Man muss Menschen filmen, die sehr unter Stress stehen. Ja. Und hat, ja, wie schon gesagt, man hat keine Zeit und muss das aber trotzdem gut machen.

8:31Vera Polaschegg

Nun sagst du, du begleitest diese Athleten, musst die dann filmen, wie die da unterwegs sind. Welche Freiheiten hast du eigentlich dabei, was du da filmst? Oder gibt es dann wirklich quasi so den oberen Dramaturgen, der dir sagt, du musst die und die Bilder liefern. Und damit hast du den Auftrag für den Tag und weißt jetzt, okay, ich muss den und den einfangen und dahin. Genau. Was kannst du da selber noch entscheiden?

8:55Lucian Haas

Ich habe eigentlich sehr viel entscheiden können. Also es ist natürlich so, die Red Bull X -Lab sind ein gesponsorter Wettbewerb und die Produkte gehören einfach mal ins rechte Bild gesetzt. Ich meine, das ist jedem aufgefallen, das ist ganz klar. Ja, das ist auch von uns wirklich oberste Pflicht. Und dann war das einfach so, ich habe denen Themen angeboten und einfach mal, wie geht es den Supportern, was wird heute gefrühstückt und so weiter. Und wenn sie dann gemeint haben, okay, das Thema haben wir jetzt schon, habe ich in der Früh einen Anruf bekommen. Wäre, heute brauchen wir von der Kinga zum Beispiel Blut, Schweiß und Tränen. Ja, wir wollen sie leiden sehen, wir brauchen heute Action. Das war echt lustig, weil die Kinga, die ich ja die meiste Zeit einfach mitbetreut habe, die hat einfach nicht geheult, weil ihr ging es wirklich super gut.

9:44Lucian Haas

Aber das habe ich dann halt versucht einzufangen.

9:48Lucian Haas

Und sonst hatten wir eigentlich eine große Freiheit.

9:51Vera Polaschegg

Du hast jetzt selber gesagt, du machst Themenvorschläge. Ist das so, dass die ganzen Kameraleute, die da sind, dass die immer sagen? Also quasi wie Journalisten arbeiten und dann auch sagen, ich beobachte jetzt was und dann biete ich mal Thema X an und Thema Y.

10:04Lucian Haas

Genau. Also das ist ja auch die dokumentarische Arbeitsweise, dass man einfach schaut, was ergibt sich Interessantes. Und durch meinen eigenen Paraglide -Background habe ich halt auch mal Spezialfragen gestellt. Also ich habe mir einfach überlegt, was könnte euch auch interessieren? Und dann habe ich gefragt, hey, wie war es denn heute in der Luft? War es denn bockig? War es stabil? Hey, hast du Klapper gehabt? Oder hast du mal Angst gehabt? Wie ging es dir? Also ich habe eigentlich so fast normale Landeplatz -Fragen gestellt.

10:36Lucian Haas

Beziehungsweise auch einmal, wie geht es dir mit dem Essen und solche Themen? Was mich einfach selber interessiert hat.

10:43Vera Polaschegg

Und warst du jetzt eine Kamerafrau? Wie viele sind denn insgesamt bei diesen Red Bull X Alps jetzt nur als Filmteam so dabei gewesen? Wie muss man sich das vorstellen? Wie groß ist das?

10:52Lucian Haas

Also insgesamt waren wir sieben Teams. Davon waren, glaube ich, fünf ständig dabei. Und wie gesagt, wir haben immer in der Früh einen Auftrag bekommen von Klagenfurt. Dort saß das Headquarter. Und uns wurde dann gesagt, wen wir zu filmen haben und teilweise auch, was jetzt vielleicht thematisch interessant sein könnte. Zum Beispiel Korea, bitte Close -Up von den Füßen, von den Blasen. Und das haben wir dann gedreht. Und ich habe dann einen Rough Cut machen müssen. Und der musste dann bis spätestens circa um 18, 19 Uhr per WeTransfer versendet werden. Und aus diesen verschiedenen Rough Cuts ist dann quasi vor Ort in Klagenfurt bis in die Nacht hinein dieser Ein -Minüter, dieser Daily -Clip geschnitten worden, der dann am nächsten Tag gleich wieder zu sehen war.

11:41Vera Polaschegg

Das ist jetzt ein Ein -Minüter, der aber dann jetzt nur eine Minute von deinem Material war? Oder eine Minute von dem Material aller sieben Filmteams oder aller fünf ständig vorhandenen Filmteams?

11:51Lucian Haas

Also es wurde immer von einem. Es wurde von allen Teams dann einfach die besten Aufnahmen genommen, beziehungsweise wer einfach die beste Geschichte an dem Tag geliefert hat. Und weiteres wird ja dieses Material dann auch für die große Doku auch noch geschnitten, die in ein paar Wochen fertig ist.

12:07Vera Polaschegg

Das heißt aber, dass eigentlich ungeheuer viele spannende Storys dann einfach für die Tonne gefilmt sind.

12:12Lucian Haas

Ja, wahrscheinlich auch. Also es ist ja so, bei diesem Film kann man leider nicht so komplett in die Tiefe des Einzelnen gehen, weil es auch darum geht, dass man alle Teams, die da sind, die da sind. Und alle Nationen irgendwie halbwegs gleichmäßig abdeckt. Also ich hatte auch gegen Ende den konkreten Auftrag, okay, von den USA haben wir noch relativ wenig. Schau, dass du von ihm auch noch Bilder bekommst. Weil auch von den einzelnen Ländern kommen immer wieder Anfragen. Und ja, es ist halt eher eine breit angelegte quasi Reportage, Sportreportage und eben keine Doku, wo man jetzt wirklich auf Einzelschicksale noch weiter eingehen kann.

12:51Vera Polaschegg

Hast du denn nur gefilmt? Oder musstest du auch wirklich auch noch Fotos liefern, weil sich das einfach parallel möglicherweise auch noch anbietet? Oder ist einfach die Arbeitsweise so unterschiedlich, dass die wirklich sagen, nee, das trennen wir professionell, die Filmer sollen sich aufs Film konzentrieren?

13:05Lucian Haas

Nein, also ich habe hauptsächlich nur gefilmt, allerdings mit zwei Kameras. Einmal mit meiner Blackmagic und dann noch einmal für Facebook. Also das ist ja, die Facebook -Bilder, die ja wirklich verstündlich gebracht worden sind, sind alle mit den Handys gedreht worden, beziehungsweise teilweise einfach von einem Assistenten.

13:23Lucian Haas

Die Fotografen, die wirklich einen ganz tollen Job auch machen, sind eigentlich eine ganz andere Sparte. Und man kann ja nicht beides wirklich nicht gleichzeitig machen. Das geht nicht. Kommt

13:33Vera Polaschegg

man sich da manchmal ins Gehege? Ich meine, ich kenne das so von Filmteams, die treten dann mal auf und sagen, ich muss aber hier und das und alles, bestimmen dann relativ viel, was vom Setting ist und so. Die Fotografen springen dann so ein bisschen drum rum. Müsst ihr da euch da Platz machen in manchen Szenen oder wie geht das?

13:48Lucian Haas

Überhaupt nicht. Also ich war jetzt eher hinten, da waren jetzt auch nicht mehr so viele Fotografen.

13:54Lucian Haas

Überhaupt nicht, nein, gar nicht.

13:56Vera Polaschegg

Hinten heißt im Feld der X -Alps hinten. Das heißt, du hast quasi die Leute verfolgt, die am Schluss des Feldes noch unterwegs waren. Du warst so der filmische Besenwagen quasi.

14:05Lucian Haas

Jaja, also den Kampf ums Ausscheiden habe ich oft gehabt, genau. Und diesen ganz wichtigen Call, wo sie dann erfahren um sechs Uhr in der Früh, dass sie jetzt ausgeschieden sind. Das war immer ganz, ganz wichtig, dass ich um Punkt sechs dort war bei denen.

14:21Vera Polaschegg

Morgens früh, Punkt um sechs?

14:23Lucian Haas

Ja. Kann dann passieren, dass Kolumbien einfach weiter gerannt ist, obwohl wir es nicht gedacht haben. Da sind wir mal kurz hektisch geworden. Ja.

14:31Vera Polaschegg

Und um Punkt sechs kam quasi der Anruf von der Rennleitung und diesen Moment musstest du erfassen? Genau. Wurden da auch, also wie habe ich mir das vorzustellen, werden da auch manchmal Szenen vielleicht, weil es nicht so ganz geklappt hat, nachgestellt und gesagt, na jetzt ist es halt nicht sechs, sondern es ist Viertel nach sechs, aber wir tun nochmal so, als würdest du angerufen?

14:50Lucian Haas

Nicht wirklich. Also mir ist bei der Kinga passiert, dass sie mitten irgendwo auf einer Wiese war und wir sie einfach echt nicht gefunden haben. So. Hm.

15:01Lucian Haas

Und sie hat dann irgendwann eine halbe Stunde später, also um halb acht mit jemandem telefoniert, mit relativ ernstem Gesicht und da habe ich halt einmal draufgehalten. So. Mal schauen, als welches Telefonat sie das dann reinschneiden. Ja. Also ich habe dann geschaut, dass ich ein ähnliches Bild bekomme. Aber nein. Also die Athleten bleiben nicht für dich stehen oder machen irgendwas doppelt. Nein. Ja. Also wenn du die beim Bergaufgehen filmst, dann hast du hinterher zu rennen und bitte auch noch schneller zu sein. Schnauf, gell. Auf zweieinhalb tausend Meter ist das dann echt zah. Was aber gut funktioniert hat, ist zu sagen, hey, wir brauchen noch ein Interview, ein Statement. Wann können wir das machen? Ja. Und das ließ sich schon sehr gut planen.

15:45Vera Polaschegg

In welcher Form planen? Die sagen dann, ich mache dann und dann eine Pause? Genau. Oder komm auf jeden Fall nach 21 Uhr, dann sitze ich eh da, aber dann ist es dunkel. Ist vielleicht mit dem Film nicht so toll. Oder gibt es Sachen, wo die sagen, dann sitze ich am Startplatz und muss eh zwei Stunden warten, bis die Thermik kommt?

16:00Lucian Haas

So in die Richtung. Also wir haben dann sehr viel auch mit den Supportern uns einfach abgesprochen. Der hat uns dann gesagt, dort macht er eine längere Pause und dann machen wir noch einmal eine Strategieplanung und dann muss er eh was essen. Da hat er Zeit. Ja. Und da habe ich dann ein bisschen gefilmt, ein paar Fragen gestellt und dann spürt man eh, wenn die schon irgendwie weitergehen. Und dann stellt man die nächsten Fragen ein anderes Mal. Ja. Oder beim Herrn Okizawa, den habe ich dann auch gefragt und irgendwie so nach dem Essen hat das gepasst. Also das war immer super.

16:30Vera Polaschegg

Was hast du denn da so mit den Athleten erlebt? Wie nah kommt man denen denn so im Verlauf eines Rennens? Also wird man da irgendwie auch persönlich mit denen?

16:41Lucian Haas

Ja, also mit der Kinga hatten wir eigentlich echt eine tolle Zeit. Die habe ich ja früher auch schon gekannt durch das Paragliden. Und es gibt ja circa eine Woche vorher sind ja die Athleten in diesem Athlets Camp. Und wir waren auch circa drei, vier Tage vor Ort schon, vor dem Start. Und das war wirklich auch unsere Aufgabe, dass wir zu den Athleten, die wir jeweils zu Beginn zugeteilt bekommen haben, auch hingehen und Hallo sagen und Vertrauen aufbauen. Vertrauen auch in der Richtung, dass die uns ja auch haben Informationen geben müssen, wo es hingeht und dass wir die auch wirklich nicht weiter verraten. Ja, also das ist super No -Go und wir haben halt doch schon einiges im Voraus gewusst. Und mit der Kinga habe ich mich ganz toll im Vorhinein mal unterhalten und um was irgendwie das Interview gehen könnte und so weiter.

17:28Lucian Haas

Und mit dem Matt, den man glaube ich gar nicht so wahrgenommen hat. Das war quasi der zweite Supporter, der immer im e -tron gefahren ist. Mit dem habe ich ganz viele e -tron Aufnahmen gemacht. Das war nämlich nicht so einfach. Also e -tron war dieser einer der Hauptsponsoren. Und dieser

17:46Vera Polaschegg

Geländewagen von Audi ist das,

17:49Lucian Haas

der immer fett im Bild

17:50Vera Polaschegg

irgendwo auftauchen musste.

17:52Lucian Haas

Ja, super, dass dir das aufgefallen ist. Ich habe wirklich mehr diesen e -tron gedreht als irgendeinen Gleitschirm. Und dann habe ich halt die Leute, auch den Matt und das ganze Kinga -Team irgendwie beim Schmäh halten müssen, dass die mit mir mit diesem e -tron irgendwo hinfahren und ich die Bilder machen kann. Das hat aber super funktioniert, weil ich habe dann mit den Athleten auch oft über andere Dinge gesprochen. Also mit den Kolumbianern. Mit den Kolumbianern über Fliegen in Kolumbien. Mit dem Matt über Eisklettern in Neuseeland. Und so merkt man, dass man ja eigentlich eh vom gleichen Schlag ist. Und dann hatte ich überhaupt keine Probleme. Gar nicht. Also echt im Gegenteil. Die waren wirklich sehr, sehr zuvorkommend.

18:29Vera Polaschegg

Da kriegt man ja sicherlich auch manche hintergründigen Geschichten mit von den Athleten, aber vielleicht auch manche Marotten oder sowas, die dann in den Filmen gar nicht auftauchen. Was sind denn so kleine Details, die du vielleicht mal erzählen könntest? Erzähl doch mal ein paar Backgrounds, die du da so erlebt hast.

18:47Lucian Haas

Also von Kolumbien ist etwas Lustiges aufgefallen. Also den Supporter habe ich länger interviewt und ihm ist nur so aufgefallen, naja die Kolumbianer, die müssen sich jeden Tag irgendwie waschen. Und auch wenn es keine Dusche gibt, dann springen sie jeden Tag in den eiskalten Bach. Also das muss einfach sein. Und dass ihnen auch das Team ganz, ganz wichtig ist und dass ihnen auch der Athleten am Herzen liegt und dass der Athlet von dem ganzen Team jeden Tag in der Früh ein Bussi bekommt. Also da in diesem Team war eine unglaubliche Herzlichkeit. Und ich glaube, das sieht man auch bei dem Bild, wo er dann ausscheidet, dass sie sich alle total umarmen. Und das hat man wirklich gespürt. Und ich glaube, wir haben dem mit irgendwas geholfen. Dann hat er uns einen Kaffee gegeben. Gut, es sind keine Marotten, aber so einen guten Morgenbussi hat sicherlich nicht jeder Athlet bekommen in seinem Team.

19:39Lucian Haas

Ja, jetzt müsste ich noch ein bisschen nachdenken. Der Koreaner? Der hat irgend so ein koreanisches Superzeug bekommen. Irgendwie ein Sauerkraut, auf das er total geschwört hat, was ihn weitergebracht hat. Und ja,

19:56Lucian Haas

also er kam ja, finde ich doch, als ziemlich zacher Typ so rüber. Und im letzten Interview, was er mir gegeben hat, hat er dann gesagt, er hat eigentlich immer weiter gekämpft, weil er seinen Kindern zeigen möchte, never give up. Und das fand ich eine wirklich schöne Szene. Und ich weiß nicht, ob das in der Doku vorkommt, aber das hat mich dann echt berührt.

20:20Vera Polaschegg

Der Koreaner, das war ja der Ji Kyung Ha. Und der ist ja quasi mehrmals hintereinander, stand da kurz davor auszuscheiden. Und dann hat das immer noch irgendwie geschafft. Und die Probleme, die er hatte, waren ja, glaube ich, dass er vor allem mit den Füßen fast gar nicht mehr laufen konnte, eigentlich so richtig vernünftig. Das Entscheidende oder der spannendste Kampf war ja dann, dass er dann irgendwann mit der Kinga Mastalerz, der Polin, die du auch so begleitet hast, ja dann quasi sich ein richtiges Battle geliefert hat. Erzähl mal, wie lief das so ab und wie hast du das begleitet?

20:50Lucian Haas

Ja, das war irgendwie echt ganz, ganz spannend. Und zwar war das eigentlich so, dass die Kinga war ja auf dem Weg nach oben. Und ich habe den Matt mit dem Auto begleitet. Und während sie eigentlich schon wieder runtergeflogen ist, bekam dieser Auto einen Batschen. Und wir waren da oben gestrandet. Und ich sehe, die Kinga ist unten. Und ich hätte sie eigentlich unten filmen sollen. Und ich habe mir gedacht, verdammt, was mache ich jetzt da oben? Und bei den X -Alps habe ich einfach wirklich immer wahnsinnig oft Glück gehabt. Und in diesem Fall kam ein Advanced P -Flieger und X -Alps -Fan um die Ecke mit einem kleinen Kastenwagen und hat mich runtergefahren Richtung Kinga. Und während ich runterfahre, sehe ich auf dem Live -Trackung ÖHA. Da tut sich jetzt echt was Spannendes. Ich habe die Produktion angerufen und gesagt, Jungs, ich bleibe da dran, schaut es einmal.

21:35Lucian Haas

Und dann war eben wirklich die Aufgabe, wen filme ich jetzt wann und wo, damit sich das einfach auch wirklich gut schneiden lässt. Also bin ich jetzt beim Koreaner oder bin ich jetzt vorne bei der Kinga? Und dann war die zweite Challenge noch, drehe ich das jetzt mit dem Handy für Facebook oder mit meiner Blackmagic für die Doku? Und es war unglaublich spannend. Also ich muss zugeben, ich war da ein wenig subjektiv und habe auch die Kinga angefeuert aus dem Auto heraus. Und ja, was mir dann auch aufgefallen ist, ich hoffe, ihr habt ja auch gesehen, wie der Matt auch geschrien hat. Und das war wirklich so. Und wie der Koreaner dann immer, er ist dann mal langsamer geworden, dann ist er wieder schneller geworden. Es hat wirklich was mit ihm gemacht, dass da hinten die Kinga im Knack war und dann der Moment, wo sie sich überholt haben.

22:25Lucian Haas

Und ich bin schon ein bisschen stolz drauf, weil die Bilder, X -Alps lebt ja von den Bildern, die gemacht werden. Ja. Ja. Und auch die Geschichte oder diesen Battle, den ihr da auch gesehen habt, der lebt ja auch von den Bildern und natürlich auch vom Schnitt. Und es war wirklich eine ganz, ganz spannende Sache.

22:46Vera Polaschegg

Von der Abfolge war es ja so, der Koreaner war vorne weg und die Kinga hat dann langsam aufgeholt und ihn dann irgendwann überholt. Sprechen die dann oder haben die in dem Moment miteinander gesprochen? Haben die sich angefeindet oder was ist da passiert?

23:01Lucian Haas

Ja, es sind schon ein paar Sätze hin und her geflogen. Ja. Was genau gesagt worden ist, habe ich nicht gehört, aber es war, es klang schon recht kämpferisch irgendwie. Und den Koreaner, so nett wie er sonst auch war, den hat das da ein bisschen genervt. Also das hat man schon angesehen, wird man im Film nicht sehen. Ja, aber er ist verständlich, so.

23:22Vera Polaschegg

Dann kam die Nacht, die Kinga war dann voraus und musste dann halt am nächsten Morgen bis sechs Uhr eigentlich immer noch voraus sein, damit sie nicht eliminiert würde, aus der Wertung genommen würde. Das hat dann aber nicht geklappt. Vielleicht erzählst du die Szene auch nochmal.

23:38Lucian Haas

Ja, also es war wirklich so, dass sie den Weg, den sie quasi eingeschlagen hat, war wie auf einer Hauptstraße entlang. Und den Weg, den sie eigentlich hätte gehen müssen, war einmal rechts abbiegen auf eine kleinere Straße, so. Und sie hat das selber auch immer wieder beschrieben. Normalerweise hat sie die Wege immer nochmal kontrolliert, die ihr gesagt worden sind, die sie gehen soll. Nur an diesem Tag nicht. Und der Chris, ihr Supporter, hat ihr quasi den Weg vorgesagt. Hat ihr gesagt, hier müssen wir lang. Ja. Und die sind dann auch an uns vorbeigerannt. Ich habe das zunächst gar nicht kapiert, dass sie sich wirklich verrannt hat, weil das war eine Hauptstraße, die nach links ging. Also jeder wäre auch diesen Weg, glaube ich, gegangen. Ja.

24:24Lucian Haas

Und irgendwann sehen wir nur, dass der koreanische Supporter irgendwie so grinst. Aha. Und dann hat er uns gesagt, die Kinga geht den falschen Weg. Und dann haben wir gedacht, ups.

24:36Lucian Haas

Haben sie dann noch einmal gefilmt, haben ihr natürlich nichts gesagt. Also das geht nicht. Und dann hat das halt alles in den Lauf genommen.

24:45Vera Polaschegg

Als die Kinga quasi falsch abgebogen ist, warst du da bei der Kinga dabei oder bei dem Koreaner? Auf welcher Höhe warst du da? Ich meine, die waren jetzt relativ nah beieinander, glaube ich, so einen Kilometer auseinander oder sowas.

24:56Lucian Haas

Ich glaube, dass wir da selber gerade zwischen irgendwem hinterher gefahren sind. Das Witzige ist, sie ist ja nicht einmal falsch abgebogen. Sie ist auf der Hauptstraße geblieben. Und auf dem richtigen Weg hätte man abbiegen müssen. Das war so ein kleiner Weg. Ja. Also wir waren da relativ in der Nähe. Aber ich habe vor lauter Arbeiten und Drehen das selber gar nicht wirklich gecheckt. Also eigentlich erst viel später. Ja. Und ja, da sowas gehört zu den X -Alps halt auch dazu. Also man hat einen unglaublichen Stress, einen Schlafmangel und da macht jeder Fehler. Wirklich jeder. Ja. Mal größere, mal kleinere. Mhm.

25:32Vera Polaschegg

Die Enttäuschung bei der Kinga war dann natürlich verständlicherweise vollkommen groß.

25:38Vera Polaschegg

Darfst du dann trotzdem in diesem Moment wirklich nah ran oder durftest du da nah ran und hast das dann auch festhalten können in dem Moment?

25:47Lucian Haas

In dem Moment waren wir ja leider nicht dort, weil wir sie einfach nicht gefunden haben. Wir kamen ca. eine Dreiviertelstunde später, was in dem Fall vielleicht auch ganz gut war. Also der Chris war wirklich am Boden zerstört und sie hat ihn eigentlich getröstet. In dem Moment.

26:05Lucian Haas

Und sie haben es dann mit Fassung genommen. Sie hat mir noch ein Interview gegeben. Und ich muss sagen, dass die Kinga, was Medien angeht, wirklich ein Profi ist. Ja. Also sie redet auch sehr gut. Sie weiß sich dann auch zu verhalten.

26:20Lucian Haas

Ja, es war sehr traurig, aber sie hat trotzdem ein super Rennen geliefert. Also keine Frage.

26:25Vera Polaschegg

Kommt es denn vor, oder ist es da vorgekommen, in den X -Alps, dass Piloten oder Pilotinnen eben mal gesagt haben? Stopp, jetzt nicht. Nicht filmen? Dürfen die das überhaupt? Oder gibt es da die Regel, wenn unsere Filmteams, also unsere, die von den X -Alps, unsere Filmteams da kommen, dann habt ihr parat zu stehen, beziehungsweise müsst ihr euch filmen lassen?

26:44Lucian Haas

Ja, also im Prinzip schon. Also sie haben schon die Order, dass sie sich filmen lassen. Es gibt immer mal wieder so Fälle, wo glaube ich Teams und Piloten nicht so gut zusammenpassen. Bei mir war das glaube ich nur einmal, wo ich sie um etwas gebeten habe. Dann kam irgendwie ein etwas erschöpfter Schnaufer. Den habe ich dann so interpretiert und gesagt, okay, ich gehe mal kurz weg.

27:07Lucian Haas

Sonst hat es aber funktioniert, weil ich da glaube ich sehr empathisch mich in die Situation immer eingefühlt habe. Und weil ich sie halt auch einfach gefragt habe, du, Interview, wann wäre es denn passend?

27:19Lucian Haas

Und ja, andererseits, man muss auch das einfach aushalten. Man muss halt auch einfach mal draufhalten, wenn man gewisse Bilder haben möchte.

27:27Vera Polaschegg

Nun warst du jetzt gerade mit Kinga. Das war so Frau zu Frau. Da ist vielleicht auch ein guter, leichter Draht zu finden. Wie ist das, wenn du als Kamerafrau zu den Männern hingekommen bist? Ist das anders gewesen? Beziehungsweise waren die dann weniger offen dir gegenüber? Zum Beispiel auch die Kolumbianer, die dann vielleicht sagen, ich bin hier vielleicht eher ein macho Typ, der dann sagt, was soll ich jetzt hier einer Frau erzählen oder sonst was? Gibt es da Unterschiede?

27:53Lucian Haas

Überhaupt nicht. Ach Kolumbien, da war ja lässig, weil wir haben ja erst mal über fliegenden Kolumbien gesprochen. Nein, überhaupt nicht. Also absolut gar nicht. Es war eher so, dass die Produzenten gesagt haben, ach, geh du doch dahin. Du bist ja eine Frau oder irgendwie. Nein, überhaupt nicht. Nein, gar nicht.

28:09Vera Polaschegg

Warst du dann als Frau vielleicht auch eher für diese Personality -Geschichten oder diese empathischen Geschichten dann zuständig? Weil die sagten, wunderbar, die kriegt die Leute gut geknackt.

28:20Lucian Haas

Kann ich nicht so sagen. Also das kann man nicht so beantworten, weil jedes Kamerateam ja dann einen Piloten hatte. Ja. Zugeordnet und da ging es jetzt gar nicht darum, das ist jetzt ein schwieriger Typ, mach du den oder so. Aber ich werde, wenn ich das nächste Mal wieder dabei sein darf, werde ich schon einmal schauen, dass ich noch andere Piloten einmal kriege. Ja, Athleten, weil das finde ich schon spannend, mit denen zu arbeiten und zu interagieren und wie ticken die.

28:47Vera Polaschegg

Nun warst du jetzt bei diesen X -Alps halt quasi der Besenwagen, der immer die hinteren Leute hauptsächlich abgefilmt hat. Hättest du dir zwischendurch gewünscht, du, ich möchte mal ganz nach vorne da sind eigentlich, die interessanten Piloten unterwegs?

29:01Lucian Haas

Naja, ich meine, das ist mein Job und ich mache, was mir irgendwie aufgetragen wird. Ich fand das jetzt hinten nicht minder spannend, muss ich sagen. Und das hat sich einfach so ergeben. Ja, und sich dann irgendwann an den ganzen Tag für acht Stunden ins Auto sitzen, damit man doch noch weiter vorne oder in Monaco irgendwo landet, stand jetzt gar nicht so dafür. Ja, also beim nächsten Mal wäre ich gerne mal ein bisschen weiter vorne dabei. Aber ich denke auch so gerade für das erste Mal hat das super geklappt. Super gepasst für mich.

29:31Vera Polaschegg

Und sagst du jetzt gerade Autofahren acht Stunden, das wäre, um jetzt nach vorne zu kommen. Wie habe ich mir denn so einen Tag vorzustellen? Also wie hast du das selber gemacht? Du musst es ja immer parat sehen. Wenn die aufstehen, musst du auch schon quasi die Filmkamera schon parat haben. Was hast du, wie viel hast du geschlafen und wie viel hast du eigentlich wirklich von der Zeit eines Tages gefilmt? Und wie viel hast du vielleicht einfach nur im Auto gesessen, um von dem einen zum anderen mal wieder zu kommen und da über irgendwelche Bergstraßen dich dahin zu gucken?

29:58Lucian Haas

Also gefilmt? Gefilmt habe ich relativ wenig, weil wir durften noch gar nicht so viel Rohmaterial irgendwie abschicken. Ja, also Rohmaterial habe ich vielleicht gehabt maximal 15 Minuten, aber die gut und sauber gefilmt. Pro

30:09Vera Polaschegg

Tag 15 Minuten oder insgesamt 15 Minuten?

30:12Lucian Haas

Na maximal. Pro Tag, Entschuldigung. Genau. Ja, in der Früh hieß es meistens so gegen fünf Uhr Tagwache. Also je nachdem. Also wenn ich jetzt die Morgenszenen mitgedreht habe, dann bin ich aufgestanden so um halb fünf, bin einmal hinübergewackelt, habe dann ein paar Bilder geschossen.

30:30Vera Polaschegg

Hinübergewackelt heißt, du hast eigentlich auch schon mal…

30:32Lucian Haas

Entschuldigung, zu den Athleten. Wir haben meistens in der Nähe von denen gecampt, ja.

30:36Vera Polaschegg

Das heißt, du hast ja einen schon ausgesucht, hast gesagt, ich stelle meinen Wagen dann daneben hin und dann bin ich am nächsten Morgen schon direkt parat.

30:43Lucian Haas

Genau. Also ich habe eigentlich für mehrere Tage zum Beispiel jetzt die Kinga zugewiesen bekommen. Also zuerst habe ich sie gewünscht, ich möchte gerne die Kinga begleiten. Und dann bleibt man wirklich ein paar Tage direkt bei diesem Athleten. Und dann bekommt man eben die Order. Du, morgen brauchen wir ein bisschen Frühstück und weggehen. Wir brauchen, dann hätten wir noch gerne einen Start. Wir brauchen morgen Action, wie sie rennt. Und dann brauchen wir den e -tron und den e -tron und den Audi brauchen wir auch noch. So ist es ungefähr abgangen, ja. Und ja, dann steht man in der Früh auf, dreht das Weggehen und wie sie halt läuft. Dann dreht man noch ein paar Bilder, wie sie wirklich auf der Wiese ist. Ich war dann bei Aschau, bin ich mit ihr auf den Berg hinaufgegangen, habe den Start gedreht, bin dann wieder zurückmarschiert. Und dann setzt man sich im Auto und macht das Gleiche, was die Supporter machen.

31:31Lucian Haas

Man schaut, wo denn der Athlet hinfliegt. Und überlegt sich dann genauso wie die Supporter, fliegt sie jetzt wahrscheinlich links lang, rechts lang, wo wird sie landen? Geht sich das aus? Schaffen wir das, sie beim Landen zu filmen? Oder fahren wir gleich zum Turnpike Richtung Aschau? Und Aschau fahren wir jetzt links am Hochkönig vorbei oder doch rechts außen herum? Und, und, und. Das waren wirklich teilweise anspruchsvolle und stressige Sachen. Es gab einige strategische Überlegungen, die wir halt haben, ja, machen müssen. Das waren dann wirklich so spannende Anti -X -Alps. Das Drehen selber dann, okay, Kinja landet in Aschau, ein kleines Statement, das war dann wirklich nicht schwierig. Und das ist aber auch das Coole an dem Ganzen. Dazwischen schon mal Rough Cut machen, Material aussortieren,

32:16Lucian Haas

rausrendern aus dem Schnittprogramm und dann per WI -Transfer versenden. Und einen Platz suchen, wo das Internet auch gut funktioniert. Und dann war es meistens 10, 11, 12 Uhr am Abend.

32:29Vera Polaschegg

Nun hattest du, wenn ich das richtig vorhin verstanden habe, ja auch quasi eine Art Supporter noch dabei. Also jemand, der dich begleitet hat. War das dein Fahrer, der dich dann immer irgendwo hingefahren hat? Und du konntest dann auch auf dem Beifahrersitz arbeiten und sagst, ich habe jetzt Laptop auf dem Schoß. Und schneid da schon mal in den Stunden, in der einen Stunde, die wir jetzt hinfahren, kann ich mir schon mal alles hochspielen und diesen Rough Cut dann entsprechend machen?

32:50Lucian Haas

Genau. Also das war wirklich eine große Hilfe. Ich habe mir auch durch großes Glück Privatkontakt gemacht. Ich war zu einer Art Pösslbus ausborgen dürfen, den ich ja wirklich schon sehr, sehr gut kenne. Und habe dann wirklich hinten mein Office gehabt, teilweise mit zwei Laptops und der Ladestation und den Akkus und so weiter. Und habe wirklich geschnitten und gearbeitet, während er dann schon wohin gefahren ist. Und er hat halt auch wirklich geholfen, da strategisch auch mitzudenken und zu schauen und überlegen. Und wie tun wir und wie machen wir? Und ja, gekocht hat er auch. Also er war wirklich ein super Supporter und eine große Stütze, ja.

33:21Vera Polaschegg

Nochmal zurück zum Film selber. Gibt es eigentlich dann von Zoom aus? Ja. Oder ist das im Veranstalter oder Red Bull als Obersponsor dann eigentlich dabei? Gibt es da so etwas wie einen vorgegebenen Bildercode, wo es auch heißt, das muss gezeigt werden, das darf gezeigt werden und das darf absolut nicht gezeigt werden?

33:42Lucian Haas

Sicher. Es gibt ein fünfseitiges Bilderbriefing vor Ort. Also vorab, ja. Ich meine, das ist ganz klar, die ganzen Sponsoren müssen abgebildet werden. Und die Konkurrenz darf nicht im Bild sein. Ganz einfach. Also ich habe dann schon so mit einem Schmäh teilweise… Was heißt jetzt Konkurrenz?

33:59Vera Polaschegg

Nicht im Bild? Also was wäre ein Konkurrentprodukt? Da darf halt kein Mercedes neben dem Audi zu sehen sein, oder? Genau.

34:05Lucian Haas

Also mein Supporter -Auto hat nicht im Bild sein dürfen. Es haben keine anderen Getränke im Bild sein dürfen. Nur diese spezielle Uhr. Kappel zum Beispiel. Ich war schon sehr geschickt, dass ich von den Athleten einfach das Kappel so dezent runtergenommen habe, das falsche und dann das richtige drauf. Ich hatte immer einen Ersatzkappel mit, gell. Und das sind ganz klare Sachen. Das sind ganz klare Vorgaben. Also die Athleten müssen auch zum Beispiel jeden Tag ihre Speedarms tragen. Und wenn sie die nicht tragen, dann kriegen sie eine saftige Strafe.

34:36Vera Polaschegg

Strafe in welcher Form? Eine Zeitstrafe oder eine finanzielle Strafe oder was?

34:41Lucian Haas

Eine Zeitstrafe. Und einmal hätte ich auch einen Athleten filmen sollen, der hat die irgendwo gerade nicht gehabt. Und dann habe ich gedacht, gut, den filme ich jetzt mal nicht. Das muss ich ihm jetzt nicht antun. Aha.

34:52Vera Polaschegg

Und gibt es dann auch Sachen, wo du dann auch wirklich heißt, das darf absolut nicht gefilmt werden? Also auch von Sachen, die passieren? Also beispielsweise, wenn jetzt ein Unfall gewesen wäre oder so, dass es heißt, nee, diese Bilder lieferst du uns erst gar nicht oder sowas?

35:06Lucian Haas

Nein. Also das, das habe ich gar nicht gehört. Ich habe da schon auch einmal Bilder gesehen, die einfach nicht verwendet worden sind, wo ich mir gedacht habe, puh, das könnte für die X -Files vielleicht nicht so gut ausschauen, wenn man die sieht. Ein Athlet da an allen Geräten im Krankenhaus, ja, passt einfach nichts rein in diese Geschichte. Nein, aber ich meine, ich hätte die Geschichte sowieso erzählt und ob sie dann genommen wird oder nicht, wäre dann nicht meine Verantwortung gewesen.

35:34Vera Polaschegg

Wenn du jetzt deine ganzen Erlebnisse aus den X -Alps mal so ganz kurz Revue passieren lässt, was sticht für dich am stärksten heraus? Was ist so das Bild, wo du sagst, wow, das ist für mich die Quintessenz von dem, was ich da erlebt habe?

35:47Lucian Haas

Also das Tollste war für mich sicher der Kinga -Korea -Battle. Also das war einfach unglaublich. Also auch selber als Kamerafrau zu merken, dass man wirklich nur mal aus dem Bauch heraus handelt, wenn man so in einer Geschichte einfach drin ist und dann dieses Produkt der Arbeit in einem Einminüter sieht, da bin ich schon wirklich sehr, sehr happy und sehr glücklich, dass ich euch das habe so erzählen können.

36:10Vera Polaschegg

Du hast vorhin mal erzählt, 2013 warst du ja auch schon mal bei den X -Alps dabei, damals allerdings als Supporterin von Thomas Hofbauer, der damals ja auch schon relativ früh ausgeschieden ist. Welche Perspektive war für dich dann eigentlich persönlich die spannendere, die als Supporterin für den Athleten oder die als Kamerabegleiterin jetzt?

36:31Lucian Haas

Interessant. Ich meine, wenn man wirklich so früh ausscheidet wie wir damals, muss ich aus meiner Erfahrung sagen, ist man ja gar nicht so richtig, richtig ins Rennen reingekommen. Es war aber vorab eigentlich immer mein Traum, als Kamerafrau dabei zu sein. Und weil das ja auch wirklich meine persönliche Herausforderung ist, dort einen Job gut zu machen. Und wenn ich jetzt die Wahl hätte zwischen supporten oder drehen, würde ich vielleicht lieber wieder drehen als Kamerafrau bei den X -Alps.

37:00Vera Polaschegg

Es gibt ja auch noch die dritte Variante, dass du sagst, na gut, ich war jetzt Supporterin, ich war jetzt Kamerafrau, jetzt werde ich auch noch Teilnehmerin bei den X -Alps. Hike und Fly magst du auch gerne. Könntest du dir das vorstellen?

37:13Lucian Haas

Nicht wirklich, weil das eigentlich so viel Energie und Zeit braucht, die ich eigentlich für sowas gar nicht investieren möchte. Erstens. Zweitens, ich weiß bereits, wie sich über 100 Kilometer am Stück in den Füßen anfühlen. Das ist nicht angenehm. Drittens, im Wettkämpfen mache ich mich eher halb tot. Ich habe das nicht mehr im Griff.

37:32Lucian Haas

Aber es gibt sicher andere tolle Frauen, die auch körperlich viel stärker sind.

37:38Vera Polaschegg

Nun hast du, das waren ja zehn Tage etwa X -Alps, wo man dann wirklich den ganzen Tag da sein musste. Die Athleten selber sagen dann auch manchmal, das braucht dann halt ein paar Wochen, bis man wieder ein halbwegs normaler Mensch geworden ist. Wie lange hat das bei dir gebraucht?

37:53Lucian Haas

Ich glaube, ich war eine Woche da und dann war ich eine Woche in Schweden. Habe dort relativ wenig gemacht, außer an der Düne rumfliegen und viel schlafen. Und danach ist es wieder gegangen. Ich würde sagen, ja, ein, zwei Wochen circa.

38:07Vera Polaschegg

Und wenn jetzt 2021 es wieder heißt, die nächsten X -Alps stehen an, würdest du auf jeden Fall sofort wieder mitmachen?

38:13Lucian Haas

Ja, unbedingt gerne, weil ich habe so viel gelernt, dass ich das einfach ganz gerne wieder umsetzen möchte. Absolut. Und die Kameraleute, wir sind wirklich ein super Team. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht mit den Kollegen. Also ich war sehr, sehr gerne wieder dabei.

38:27Vera Polaschegg

Was ist so etwas, wenn du sagen würdest, du hast etwas bei den X -Alps gelernt, was wäre da so das Wichtigste, was du da mitnehmen kannst?

38:34Lucian Haas

Ich weiß es nicht. Vielleicht einfach unabhängig von den X -Alps, dass man einfach wirklich an seinen Träumen dranbleibt. Dass man wirklich lässig ist und immer wieder nachfragt, wenn man wirklich was erreichen will. Weil ich erlebe das selber, es ist einfach das Größte und Tollste, wenn man sich solche Herzenswünsche macht. Wenn man sich solche Herzenswünsche wirklich erfüllen kann. Und ja, egal was es ist, das sind für mich nämlich die X -Alps eigentlich. Wirklich ein ganz erfüllter Herzenswunsch, den ich mir echt verdient habe.

39:10Vera Polaschegg

Das war Vera Polaschek im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du noch mehr über die Arbeit von Vera oder die Red Bull X -Alps erfahren möchtest, die zugehörigen Links stehen in den Shownotes zu dieser Podcast -Folge. Zu finden auf dem Blog Lu-Glidz oder auf Soundcloud. Dort gibt es auch weitere Folgen von Podz-Glidz. Du kannst den Podcast auch abonnieren. Das geht per RSS -Feed oder über bekannte Podcast -Kataloge wie iTunes, Spotify, TuneIn oder podcast.de. Wenn dir Podz-Glidz oder Lu-Glidz gefallen, dann halte dich nicht zurück, mir per PayPal oder per Banküberweisung einen frei wählbaren Förderbeitrag zukommen zu lassen. Lu-Glidz finanziert sich allein über Spenden der Hörer und Leser. Die zugehörigen Links oder nötige Bankverbindungsdaten findest du auf der Website www.Lu-Glidz.blogspot.com.

39:58Vera Polaschegg

Ich sage für heute nur noch Ciao, bis zur nächsten Folge von Podz-Glidz.

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