Ein Kubaner, der hat, also wenn er viel Geld hat, dann verdient er vielleicht 40 Euro im Monat, das heißt Schirm, selbst ein gebrauchter Schirm, da ist nie Geld für da.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Chris Ahnung und Lucian Haas am Mikrofon. Kuba,
das ist für viele ein irgendwie geheimnisvoller Sehnsuchtsort. Ein Karibikstaat mit angenehmem Klima, Palmen, weißen Stränden, Rum und Zigarren und zugleich dem Charme eines Landes, das Lebensfreude mit der maroden und prekären Seite des Realsozialismus verknüpft.
Erstaunlicherweise wird auf Kuba auch Gleitschirm geflogen, obwohl sich das Gros der Bevölkerung ein so teures Hobby eigentlich niemals leisten könnte. Dass das doch möglich ist, haben die kubanischen Piloten einigen Freunden und Kollegen. Und Idealisten im Ausland zu verdanken, die sie immer wieder mit gebrauchten, aber noch flugdüchtigen Ausrüstungen versorgen. Einer, der sich die Rolle als Entwicklungshelfer für die kubanische Gleitschirmszene auf die Fahnen geschrieben hat, ist Chris Ahnung aus Karlsruhe. Chris fährt seit Ende der 1990er Jahre regelmäßig nach Kuba. Als er 2004 das Gleitschirmfliegen lernte, nahm er seinen Schirm gleich mit auf die Insel, um dortige Flugmöglichkeiten zu erkunden. So kam er auch in Kontakt mit lokalen Piloten. Und lernte deren Nöte kennen.
Chris startete daraufhin einen Aufruf im Deutschen Gleitschirmdrachenforum und bat andere Flieger um alte Ausrüstung als Spende für Kuba. Diese Initiative hält bis heute an. In den vergangenen 15 Jahren brachte Chris mehrere hundert Schirme, Gurtzeuge, Räder, Helme und Fluginstrumente ins Land, um sie unter seinen kubanischen Freunden zu verteilen. In dieser 16. Folge von Podz-Glidz berichtet Chris Ahnung nicht nur über dieses Projekt. Er erzählt unter anderem auch von den Reise - und Flugmöglichkeiten für Gleitschirmtouristen auf Kuba. Gibt Tipps, worauf man bei einem Besuch achten sollte und beschreibt die besondere Stimmung unter den kubanischen Gleitschirmpiloten, die zur Ausübung ihres Hobbys auf große Solidarität untereinander angewiesen sind.
Chris, seit Jahren reist du immer wie nach Kuba und hast auch immer gebrauchte Gleitschirmausrüstung im Gepäck. Wie viele Schirme sind mittlerweile durch dich eigentlich dort ins Land gekommen? Boah, gute Frage.
Die Piloten hier aus dem Alpenraum, Deutschland, deutschsprachigen Raum, die sind sehr großzügig gewesen über die Jahre hinweg. Ich kann das gar nicht in Zahlen benennen, aber gefühlt sind es irgendwie bestimmt an die 300 Gleitschirme, die allein durch mich gekommen sind.
Bist du damit eigentlich so etwas wie der Entwicklungshilfe für die kubanische Gleitschirmszene?
Also ich denke, ich trage ein gutes Stück oder habe immer ein gutes Stück weit dazu beigetragen, dass es da vorwärts geht. Das ist wohl richtig.
Wie kam es eigentlich dazu? Also woher stammt dein Interesse für Kuba, dass du auch gesagt hast, ich fahre da immer wieder hin?
Gut, irgendwann hat meine Begeisterung für den Flugsport dazu geführt, dass ich einen Flugschein gemacht habe. Das war ja erstmal alles ein bisschen schwierig. Mit Drachen hat das Ganze angefangen. Und das war mir alles so kompliziert. Ich bin also dann eingestiegen, als Gleitschirme da waren und Gleitschirme auch in einer bestimmten Leistung vorgelegen haben. Und das war so circa 2004, als ich meinen Schein gemacht habe. Und da bin ich schon regelmäßig nach Kuba geflogen, weil die Insel einfach faszinierend ist.
Dann habe ich mir angeschaut, wo man denn die Faszination bekommt. Wie man Kuba und das Hobby Gleitschirmfliegen zusammenbringen kann auf der Insel. Und bin dann schnell in Kontakt mit kubanischen
Piloten gekommen. Das heißt, du bist schon nach Kuba gefahren oder dort auch mal hingeflogen. Da konntest du noch gar nicht Gleitschirmfliegen. Richtig, das hat
1998 angefangen. Das war so ein bisschen die Idee, mal zu sehen, wie es denn im lebendigen Sozialismus so aussieht. Und die Karibik ist natürlich als Reiseziel irgendwie interessant für mich als
Europäer. Hast du denn damals schon irgendwo auch mal jemand in Kuba Gleitschirmfliegen gesehen, als du das noch gar nicht kanntest? Oder bist du erst auf die Idee gekommen, als du sagtest, ich kann jetzt selber Gleitschirmfliegen. Jetzt nehme ich den Gleitschirm auch mit nach Kuba.
Also ich habe natürlich da schon geschaut im Internet. Gibt es irgendwie Anlaufstellen? Gibt es irgendwas? Gibt es Flüge, die veröffentlicht worden sind? Gibt es Bilder? Gibt es Berichte? Aber ja, das war alles eine ziemliche Wüste damals. Konnte man überhaupt keine Informationen über Kuba im Internet finden in puncto Gleitschirm.
Heißt das denn, du warst damals quasi auch ein Gleitschirmpionier in dem Land? Oder gab es schon irgendwo irgendeinen versteckten kubanischen Piloten, den du damals nur noch nicht kanntest?
Ja, die Wurzeln, die lagen eher in Spanien. Da gab es Kontakte zu Fallschirmspringern. Und diese Fallschirmspringer, die haben natürlich auch zum Teil schon angefangen gehabt, Gleitschirm zu fliegen. Und diese spanischen Kollegen, die haben dann mit ihren Fallschirmen natürlich auch die Begeisterung fürs Gleitschirmfliegen mitgebracht nach Kuba. Und dort dann die ganze Sache quasi initiiert. Zunächst gab es dann nur in Havanna an der Uni ein Gleitschirm. Ein Freundeskreis. Und das hat dann die Runde über die ganze Insel gemacht. Diese Neuigkeit, dass man nicht nur Fallschirmen springen kann, sondern auch fliegen kann mit dem Gleitschirm.
Und im Osten haben dann ein paar findige Jungs angefangen, sich Mangelsmaterial dann selber einen Drachen zu bauen. Und zwar aus einem uralten Metallgestell aus Alu, das von einem sowjetischen Militärbett war.
Und Reißsäcken, die sie mit Spannlack bezogen haben. Und
das, was dabei rauskam, das ist wirklich geflogen?
Oh ja, da gibt es sogar Bilder von der Geschichte. Hast
du das auch mal fliegen sehen? Also diesen urkubanischen Urdrachen? Nein, das war
vor meiner Zeit. Also ich bin ja quasi fast ein Jahrzehnt später erst dazu gekommen. Das war ja 96 bis 98, als die Sache angefangen hat. Und ich bin da zwar schon in Kuba gewesen. Aber das war schon ein Jahr. Aber da hatte ich noch keine Ahnung vom Fliegen. Und dass ich da mal mich begeistern könnte. Wie viele Gleitschirmpiloten
gibt es denn heute auf Kuba?
Also offiziell registriert mit Lizenz sind an die 150. Es sind allerdings wesentlich mehr, ich sag nochmal, circa ein Viertel, die noch in der Schulung sind oder noch nicht abgeschlossen haben und ihre Lizenz eben in der Hand halten.
Nun sagst du 150 Piloten etwa, die eine Lizenz haben, die registriert sind. Dann hast du gleichzeitig vorhin gesagt, du hättest etwa 300 Schirme in das Land gebracht. Dann ist im Grunde fliegt jeder Kubaner, der dort fliegt, fliegt mit einem Schirm von dir. Nein,
das kann man nicht so sagen. Also da sind ja viele Oldtimer dabei gewesen. Also Schirme, die eigentlich eher als Ausstellungsstück gedient hätten. Und da besser aufgehoben werden im Museum statt in Kuba. Aber auch in Kuba hat man das dann als Material genutzt. Da wird ja immer alles maximal genutzt, um den bestmöglichen Nutzen daraus zu ziehen. Und auch die Schirme sind dann eben zur Schulung am Boden benutzt worden. Und natürlich hat sich im Laufe der Zeit das Material aufgerieben und aufgebraucht. Man muss sich das ja so vorstellen. So ein gebrauchter Gleitschirm, der hat nicht mehr die Lebenserwartung, wie du das vielleicht kennst.
Wenn du dir einen neuen Gleitschirm kaufst, kannst du davon ausgehen, dass er vier, sechs Jahre lebt.
Bevor du sagst, naja, ich guck mal, dass ich den irgendwie entsorge in irgendeiner Form.
Und das ist natürlich der Punkt, an dem der Gleitschirm dann in meine Hände geraten ist. Also kommen ja keine neuen Schirme an. Und von da ab hat der Schirm dann entsprechend ein relativ kurzes Leben nur noch auf Kuba. Es sind ja auch tropische Bedingungen, das heißt ein ganz anderes Klima. Es setzt Material ganz anders zu. In Küstenregionen frisst die salzhaltige Luft das Material auch schneller auf. Und von daher kann man also sagen, da ist ein ganz anderer Verschleiß da. Wenn
man das so hört, großer Verschleiß und sowas. Hat denn jeder Pilot auf Kuba das? Hat der dann einen eigenen Schirm? Oder gibt es da auch so, dass sie sagen, nee, wir organisieren uns als Clubs und dann teilen wir uns die Schirme dann eher?
Ja, anders geht das gar nicht. Da gibt es mehr Nachfrage als Material. Das ist ganz klar. Aber die Kollegen, die gehen halt gerade noch, wenn sie in der Schulungsphase sind, gemeinsam an den Berg. Und dann wird der eine den Schirm runterfliegen, hochtragen, wird dann der nächste und der darf dann auch runterfliegen. Und die Piloten, die eben fortgeschrittener sind, die sind natürlich froh, wenn sie eigenes Material haben. Oder die ganz Guten, die machen dann natürlich auch eine Top -Landung. Aber der Tag, der hat halt auch nur ein begrenztes Zeitfenster, das er,
das die Piloten nutzen kann. Gibt es denn auch Gleitschirme, die als Importware ins Land kommen? Also jetzt nicht von dir als Gebrauchtimport, den du einfach dann mitbringst. Sondern, dass das wirklich gehandelt wird? Und ist sowas für einen Kubaner überhaupt erschwinglich? Ein
Kubaner, der hat, also wenn er viel Geld hat, dann verdient er vielleicht 40 Euro im Monat. Ich sage jetzt mal Euro, dann brauchen wir nicht umrechnen. Es sind aber eher, es ist die Hälfte. Und brauchen würde er eigentlich zum Leben, je nachdem, zwischen 60 und 80 Euro im Monat. Das heißt... Schirm, selbst ein gebrauchter Schirm, da ist nie Geld für da. Also es kommt gar nicht in Frage. Wenn man neuere Schirme auf Kuba sieht, dann sind das auch Gebrauchte. Und die sind in der Regel von Verwandten geschickt worden, die in den Staaten zu Hause sind. Aber das ist eher die, eher die Seltenheit.
Also das ist vielleicht bei einem Mal der Fall, dass er so ein Glück hat. Die Verwandten, die denken auch. Die denken eher daran, das Geld in zweckmäßige Dinge auszugeben, als in ein Gleitschirm.
Das heißt, so gesehen ist wirklich die gesamte Gleitschirmszene in Kuba auf Schenkungen aufgebaut?
Ja, das ist richtig. Also es gibt mittlerweile sogar Motoren, die gespendet wurden. Das heißt, die Herrschaften pflegen auch Paramotor. Es geht wirklich voran. Und das erstaunlicherweise alles durch Spenden. Irgendwie
gestützt. Wenn das viel gebraucht Material ist, das kann man ja auch mal fragen, wie sicher ist das immer noch? Gibt es dort in Kuba dann häufiger Umfälle als zum Beispiel bei uns? Oder gehen die da so mit dem Material um und pflegen das auch so, dass man sagen kann, eigentlich sind die immer noch sicher unterwegs?
Ja gut, da gibt es ganz andere Philosophien. Es ist ein ganz anderer Ansatz, wie die Piloten geschult werden. Also die sind sehr viel näher untereinander und es besteht auch nicht so irgendwie die Erwartungshaltung so, ich muss jetzt 10, 20 Flüge machen in der und der Zeit. Mein Urlaub geht zu Ende. Ich muss das jetzt hinter mich bringen. In Kuba gehen die Herrschaften ganz entspannt dran. Die sind meistens auch gleich recht gut befreundet untereinander. Und da wird die Ausbildung. Auf einem anderen Niveau erfolgen. Da ist eine ganz andere Basis dann auf einmal.
Die sind schon ganz gut am Boden, können Groundhandling. Die starten auch gut. Die fliegen auch erst mal vorsichtig. Und dann eben auch soweit das Vertrauen in sich selbst und auch das Vertrauen des Fluglehrers gilt, geht es dann auch auf weitere Flüge. Also von daher Unfälle. Ich weiß nicht. Es passieren natürlich Unfälle, aber es kann man auch nicht vergleichen. Ich denke, wir haben eine Basis von 30.000, 35.000 Piloten. Ich weiß nicht, wie viele davon aktiv sind hier in Deutschland. Und da hast du statistisch gesehen auch einen ganz anderen Wert am Ende. Aber ich würde sagen, es ist relativ sicher, weil das Ganze unter anderen Parametern abläuft.
Nun sagst du, die können auch weiter fliegen und sowas. Das heißt, ich höre daraus. Man kann auf Kuba auch auf Strecke gehen, könnte man dort. Und das ist ja manchmal bei Inseln nicht immer so ganz einfach. Beschreib doch einfach mal so ein bisschen die Topografie der Insel. Wo kann ich dort eigentlich fliegen gehen? Wo finde ich die besten Fluggebiete und so? Okay, also auf
Kuba gibt es natürlich wunderbare Möglichkeiten zum Streckenfliegen.
Die Limits, die liegen dann eher in der Genehmigung, dass da Luftraumfreigaben gemacht werden müssen.
Die einzelnen Clubs, die organisieren das aber, die haben einen Kontakt zu den jeweiligen Flugsicherungsbehörden. Das kann ein Militärflughafen oder ein Zivilflughafen sein. Die rufen dann bei Bedarf dort an und lassen sich Freigabe erteilen.
Ansonsten, wenn es Einschränkungen gibt, dann heißt es okay, es darf nur lokal geflogen werden, also nicht aus dem Tal raus. Oder es gibt ein generelles Startverbot. Das wird in aller Regel aber nur dann verhängt, wenn es mal wieder, das kommt auch vor, eine Luftraumverletzung gab. Wenn zum Beispiel beobachtet wurde, dass Gleitschirmfliegen die Nähe von den Zivilflughäfen geflogen sind, also zu nah ran.
Wie ist denn so der grundsätzliche Flieger - oder Flugcharakter dort? Wird da hauptsächlich an der Küste geflogen und gesohrt? Oder gibt es auch wirklich Gebirge in Kuba oder auf Kuba? Wo man sagen kann, dort kann man auch wirklich mit größeren Höhendifferenzen dann starten und dann damit dann auch wirklich auch vielleicht gute Thermiken finden. Also Kuba ist da recht abwechslungsreich.
Wir haben alles auf Kuba, was man auch bei uns in Europa so kennt. Wenn man anfängt im Westen, in Pena del Rio, das ist eine gebirgige Zone. Ich würde sagen, das ist so das Palmgäu. Das sieht so ein bisschen aus wie Allgäu mit Palmen. Ist ganz nett zum Fliegen, ist gebirgig und wunderschön mit den klassischen Aussichten auf diese Täler, in denen die Mokote stehen. Das sind diese Kalkstein -Stümpfe, die stehen geblieben sind von vor Urzeiten, als das noch alles unter Wasser lag. Traumhaftes Panorama natürlich. Wenn man von dort aus weiter nach Osten geht, dann kann man am Strand fliegen. Das ist dann das Küstensorring.
Da gibt es einen Streifen, der eignet sich für kleinere Strecken, 20 bis 25 Kilometer direkt am und über dem Meer. Und von da aus gesehen geht es dann weiter in Osten in Richtung Santa Clara. Das ist quasi die Mitte der Insel, das Zentrum. Da gibt es einen einzigen Hügel hier mitten vom Flachland, der auch sehr beliebt ist und wo auch schon Flüge bis zu 100 Kilometern möglich waren. Dann weiter in Osten kommen wir nach Cienfuegos. Im Norden, da gibt es auch ein sehr schönes Fluggelände. Unterhalb von den Cayos, das sind diese Sandbänke, die auch wunderbar als Tauchgewehr geeignet sind.
Der Osten der Insel, das ist sozusagen das Mekka. Da gibt es dann die Sierra Maestra, das ist der größte zusammenhängende Gebirgszug und die Gran Piedra. Mit
Mekka meinst du, dort wird wirklich dann auch am meisten geflogen oder dort findet man die besten Flugbedingungen und die meisten Fluggebiete dann auch?
Richtig. Rund um die Sierra Maestra hat es die höchste Populationsdichte, was jetzt Gleitschirmflieger betrifft. Liegt natürlich auch daran, dass da unter anderem die ersten Gleitschirme da waren. Und es hat also eine Geschichte, ist historisch bedingt. Und durch die guten, hervorragenden Bedingungen gibt es da eben auch die meisten Clubs und die meisten Piloten. Die Vereinigung der Piloten, also der kubanische DHV, der heißt FCVL, Federación Cubana de Vuelo Libre. Die planen jetzt aber auch in Zusammenarbeit mit dem kubanischen Aeroclub in Zukunft Möglichkeiten zu schaffen in Las Tunas und Camagüey, was eigentlich Flachland ist, eventuell Winden fliegen zu machen.
Aber da muss man noch schauen, wie die Lösung technisch umzusetzen ist.
Das heißt, als nächstes musst du den Kubanern eine Winde mitbringen?
Ne, mit Sicherheit nicht. Die machen das ganz geschickt. Da wird dann eine Achse vor einem Auto ein bisschen rausgefahren und da kommt dann quasi ein Rad drauf, ohne Reifen, ohne Gummi. Und auf diesem Rad läuft dann das Seil. Das ist quasi eine improvisierte
Winde. Das ist so kubanischer Einfallsreichtum. Aus der Armut heraus kann man sich alles mögliche noch bauen. Wenn ich jetzt als Tourist auf die Insel fahre und sage, ich will auch Gleitschirmfliegen, geht das eigentlich so einfach? Oder muss ich da irgendwelche Besonderheiten erstmal beachten, um überhaupt mein Gleitschirm auf das Land oder auf die Insel nehmen zu können?
Prinzipiell gibt es keine großen Anforderungen. Empfehlenswert ist, dass man am besten eine ADAC, Auslandsreiseversicherung, abschließt. Das soll jetzt keine Schleichwerbung sein. Es geht dabei einfach um das Thema, wenn was passiert. Der ADAC ist eine der wenigen Versicherungen, die im Ausland greifen und einen dann auch heimholen. Das halte ich für ein wichtiges Thema, dass da nicht viel Bürokratie dahinter steckt, sondern dass man wirklich auch drauf zählt. Dass der Versicherer das macht. Die Versicherung, die Kosten Apple und Nike sind vielleicht 20 Euro im Jahr, auch für Nicht -Mitglieder.
Ansonsten an Papieren würde ich die ganz normale IP -Card mitnehmen. Die wird in Kuba auf alle Fälle auch anerkannt.
Das heißt aber, wenn ich mit so einem dicken Gleitschirmsack am Flughafen ankomme, sagt nicht der erstbeste Beamtedirektor, oh was ist das denn, du musst jetzt hier erstmal 100 Dollar Gebühr bezahlen, dass ich diesen dicken Sack ins Land bringe. Nein,
nein, nein, da gibt es keine Probleme. Man muss sich dann halt erklären unter Umständen und sagen, das ist zum Fliegen.
Vorsichtiger wäre ich da eher, wenn man ein Gerät mitnimmt, wo GPS draufsteht. Offiziell darf man nämlich kein GPS mitnehmen. Das muss man den Herrschaften dann so erklären, wenn Nachfrage ist und sagen, das ist kein GPS, sondern das ist ein Höhenmesser.
Es ist aber wahrscheinlich auf jeden Fall erstmal empfehlenswert, ein bisschen Spanisch zu können, damit man sich da überhaupt verständigen kann oder kommt man mit Englisch da irgendwie durch.
Oh, also ich muss sagen, ich kann etwas Spanisch, jeden Tag etwas besser, mit jedem Besuch etwas mehr. Aber ich bin auch recht gut mit Englisch zurechtgekommen. Es gibt in jedem Club mindestens einen, der Englisch kann. Und das ist gut. Das ist auch prinzipiell die Empfehlung, dass man nicht an den Berg geht als Besucher und sagt, okay, ich springe da jetzt mal runter, sondern dass man Kontakt aufnimmt mit den Herrschaften. Na ja, vielleicht kann man sich einfach eine Tour überlegen. Ich möchte mir die Region angucken. Und dann sucht man sich die Kontakte aus, die dort eben möglicherweise als Ansprechpartner dienen können
und geht mit denen halt an den Berg und fliegt.
Das funktioniert schon. Wie komme ich an diese Kontakte? Also wie, wenn ich in Kuba bin, wie finde ich einen kubanischen Piloten?
Normalerweise wäre es theoretisch möglich, über so Seiten wie Paragliding Earth ein bisschen Recherche zu machen. Man kann sich natürlich auch Tracks angucken auf XContest oder DHV oder Leonardo. Die Piloten haben aber nicht immer ihre Profile. Profile gut gepflegt und eine Rufnummer hinterlegt oder ein E -Mail oder überhaupt eine Kontaktmöglichkeit geschaffen. Es gibt eine Seite im Netz, wo ich versuche, immer wieder die Aktionen, die so gerade stattfinden, ein bisschen mitzubloggen. Da sind auch Kontakte zu finden und da steht auch ungefähr die Provinz und der Ort dabei. Da ist in aller Regel ein Telefon, Clubname.
Und eine
E -Mail zu finden. Du sagst jetzt immer Telefon, Handy, E -Mail. Sind die Kubaner damit mittlerweile so ausgestattet, dass man die darüber relativ einfach erreichen kann? Oder gucken die nur einmal die Woche in ihre E -Mails und dann hat man sein Problem?
E -Mail kann ein bisschen länger dauern. Das ist richtig. Aber es ist erfreulicherweise seit ein bis zwei Jahren so, dass die Mobilfunkgeschichte immer flächenerdeckender zur Verfügung gestellt wird. Also es ist ein bisschen länger. Das ist richtig. Aber es ist erfreulicherweise seit ein bis zwei Jahren so, dass die Mobilfunkgeschichte immer flächenerdeckender zur Verfügung gestellt wird. Also es gibt kaum noch Funklöcher auf Kuba. Wifi, Hotspots, also öffentliche WLANs, die kann auch jeder Tourist benutzen. Da muss man sich allerdings ein Kärtchen kaufen. Das kostet wohl 1,50 Euro die Stunde und kann sich dort einloggen. Für Inhaber kubanischer Karten ist es auch möglich, dass man sich Datenpakete kauft. Das ist dann immer 30 Tage gültig und fängt mit 7 Dollar an.
Was natürlich ein riesen Preis ist für jemand, der noch 40 Dollar im Monat hat. Ja, falls diese 600 MB dann aufgebraucht sind, dann kann man sich da auch natürlich direkt was nachkaufen. Ansonsten würden die 30 Tage Gültigkeit haben, die 600 MB. Und von daher, ja, viele haben ihr Handy dann eben ohne Saldo. Das heißt, sie haben kein Guthaben drauf, sind aber trotzdem erreichbar. Von daher ist E -Mail, wenn man es rechtzeitig schreibt, nicht gerade zwei Wochen bevor man auf die Reise geht, sondern vielleicht schon einen Monat vorher, zwei Monate vorher Kontakt aufnehmen. Und dann klappt das auch.
Lass uns mal so im Gedanken ein bisschen mal was durchgehen. Ich würde jetzt eine Reise nach Kuba planen und sage, okay, du hast gesagt, das Mecca, das Flieger -Mecca von Kuba ist im Südosten zu finden, rund um Santiago, die Sierra Maestra. Da will ich vielleicht fliegen gehen. Wenn ich dorthin anreisen will, wohin muss ich denn überhaupt mit dem Flieger am besten fliegen? Was wäre das nächste Flugziel, um da irgendwie in die Gegend zu kommen, von der Anreise her?
Okay, Kuba hat mehrere internationale Flughäfen. Von Deutschland aus wird bedient, soweit ich weiß, Havanna. Am interessantesten ist natürlich, wenn man in den Osten will zum Fliegen, den Flughafen Holguin anzufliegen. Von dort aus ist man in einer knappen Stunde in der Sierra Maestra angekommen und kann sich in der Nähe da Unterkunft suchen und von dort aus auch sehr schön nach Santiago zum Fliegen gehen oder sonst wohin. Also man kann eine kleine Tour machen rund um die Sierra Maestra und idealerweise würde ich für die nördliche Sierra Maestra -Quartier in Higuaní suchen und dann auch einige Tage in Santiago fliegen.
Die Südküste entlang fahren, das ist wunderbar.
Jetzt brauche ich ja auch eine Unterkunft. Wie finde ich denn sowas? Muss ich das auch vorher schon von, müsste ich das von Deutschland aus alles buchen oder kann ich da rumfahren und sagen, in jedem Dorf finde ich irgendwie auch noch was, wo ich als Tourist unterkommen kann?
In Kuba kann man sehr spontan und flexibel sein. Das ist schon gar kein Problem. Heutzutage sind zwar die Leute gewöhnt, irgendwie alles vorzuplanen, und über das Internet zu recherchieren. Da wird man sich schwer tun in Kuba. Aber ich würde mir deshalb keine Sorgen machen, denn wenn man erstmal in Kuba angekommen ist, die Unterkünfte, die kosten zwischen 15 und 30 Dollar pro Nacht und die gibt es in rauen Mengen. Schwieriger wird es natürlich, wenn man in die Berge geht. Da wird sich aber auch eine Lösung finden lassen. Die Kubaner sind hilfsbereit, auch wenn man jetzt nicht davon ausgehen darf, dass man bei denen offiziell übernachten dürfte.
Das ist streng verboten. Da bekommen die Kubaner nur Ärger. Aber zumindest wird jeder bemüht sein, eine Lösung zu finden. Und es wird auch eine Lösung gefunden. Also eine, die offiziell mit den Gesetzen
verträglich ist. Und wie sieht das mit Transport aus? Wie kommt man da zum Startplatz? Es wird ja wahrscheinlich keine Bergbahn geben oder sowas. Finde ich da überall hin Busse? Oder sind die Straßen da so leer, dass ich jedes Mal eine Stunde erst mal warten muss, bis da irgendwas durchkommt? Um in Kuba rumzukommen,
gibt es verschiedene Möglichkeiten. Natürlich, ganz klar, man kann ein Auto mieten. Das Auto würde ich aber immer nur so weit auslasten, dass noch genug Platz für Gepäck und einen vom Club bleibt, bei Kleidchenfliegern. Ich würde auch bei der Automietanmietung empfehlen, einen Kleinwagen zu nehmen, einen Fiat Picanto oder sowas. Denn die sind für die schlechten Straßen eigentlich ideal geeignet. Die haben nicht viel Gewicht, einen geringen Verbrauch. Und das sind kleine Flitzer, die wirklich am besten geeignet scheinen. Mietautos sollte man mindestens drei bis vier Monate vorher schon mal anfragen und reservieren.
Das wird sonst schwierig.
Also Sponsoren dort ankommen und einen Mietwagen buchen, das geht nicht. Hehehe. Leider nicht mehr. Oder nur mit viel Geld wahrscheinlich.
Ja, das geht auch. Aber es hat auch nicht mit viel Geld zu tun. In Kuba ist das Geld... Die Sachen sind nicht unbedingt für Geld einfacher zu kriegen. Wenn was nicht da ist, dann ist es nicht da, auch nicht für viel Geld. Aber ich sage jetzt mal, die Notwendigkeit für einen Mietwagen besteht in Kuba
nicht. Das heißt, du meinst, man kommt auch wirklich ohne aus, man kommt auch immer mit anderen Transportmitteln durch das ganze Land.
Ich denke, das A und O ist, dass man sich mit den Kollegen vor Ort zusammentut. Die wissen, wie es läuft. Es gibt für große Strecken, also für weite Strecken, so über 50 Kilometer, gibt es Busse, die ganz gut funktionieren, die mehrmals täglich fahren, auch zu einem vernünftigen Preis. Ich glaube, so 100, 120 Kilometer, die man so fünf Euro kostet. Das ist kein riesiges Geld, das man da ausgibt. Die haben auch Platz für große Gepäckstücke. Und im lokalen Bereich, da fahren dann auch Busse oder Lastwagen, die umgebaut sind zum Bus. Und da ist immer Platz. Wenn es jetzt spontan irgendwie darum geht, mit einer kleinen Gruppe oder sonst was
in ein Fluggebiet zu gehen, das nicht unbedingt zu Fuß erreichbar ist, dann kann man immer noch einen Wagen mieten. Und dann kommt man mit 15, 20, vielleicht auch 30 Euro auch dahin. Das ist immer noch günstiger als ein Mietauto. Und das kann man immer machen, wenn man es spontan braucht. Also ist vielleicht auch interessant, wenn man sich zusammentut mit anderen Leuten. Dann kann man sich natürlich die Kosten teilen.
Du hast gerade gesagt, es gibt Busse und Lastwagen. Was habe ich mir unter Lastwagen vorzustellen? Sitze ich dann hinten auf der Pritsche mit meinem Sack und lasse mich dann durch die Gegend kutschieren?
Nein. So schlimm ist das nicht. Die Lastwagen, die sind umgebaut. Die haben in aller Regel quasi eine Stange eingeschweißt, eine eckige, auf der man dann sitzt. Das ist wie eine Sitzbank. Die geht einmal quer durch die Länge von dem Auto auf beiden Seiten. Und da sind Zweierreihen. Also links und rechts jeweils eine Zweierreihe. Und da sitzt man dann unter einer Plane im Lastwagen. Und in der Mitte stehen dann halt auch noch Leute, die sich
anhalten wie in der U -Bahn. Das sind dann so quasi die Einfachbusse, die dann da die kleineren Strecken auch jeweils abfahren?
Genau. Das ist für Strecken zwischen, ich sag mal, 2 und 25 Kilometern, ist das in aller Regel das
Transportmittel der Wahl. Wenn ich jetzt also mal das alles berücksichtigt habe, ich habe mich mit kubanischen Fliegern angefreundet, bin jetzt mit dem zum Startplatz irgendwo gegangen, an das Sierra Maestra und starte dort heraus und gehe dort fliegen. Gibt es irgendwie etwas, was ich wähle, was man wettertechnisch, klimatisch auf Kuba besonders berücksichtigen muss, wo man sagt, das sollte man sich vorher schon mit beschäftigt haben?
Ja gut, Kuba hat eine predominante Windrichtung. Das ist der Nordostpassat. Der Wind kommt meistens aus Nordosten. An der Küste wird er natürlich überlagert vom Seewind. Das sind je nach Stärke des Seewindes bis zu 50, sogar bis 80 Kilometer ins Landesinnere. Aber normalerweise verliert er sich also früher schon. Und das ist so die hauptmeteorologische Geschichte, die man da zu beachten hat. Im Sommer ab Mai fängt es an, sich relativ schnell zuzuziehen. Das heißt, gegen 2, 3 Uhr hat man so dicke Wolken, die dann irgendwann abregnen müssen in einem kräftigen Donnerschlag, dass es im Sommer eigentlich eher angeraten ist, früh fliegen zu gehen und bei Zeiten die ganze Geschichte zu beenden, weil man nicht unbedingt nass werden will oder gar am Ende noch in die Wolke eingesorgt werden soll.
Das heißt, die bessere Reisezeit wäre quasi unser Winter. Das ist dann wahrscheinlich in Kuba selber die Trockenzeit. Es gibt in dem Sinn
keine wirkliche Trockenzeit. Also eine sehr gute Zeit ist, wenn die Hurricanes abgeklungen sind, was meistens ab früh im November der Fall ist. Dann von November bis April. Da hat man in aller Regel schon sehr gute Bedingungen zum Fliegen. Im Januar kann der Wind noch mal recht stark werden. Das ist aber auch nicht wirklich so festgeschrieben wie in einem Buch. In aller Regel, wenn man zwischen November und April dort ankommt und sich zwei, drei Wochen Zeit nimmt, kommt man also
erreichlich zum Fliegen. Wenn ich jetzt auch wirklich mal fliegen gehe und sage, ich gehe dort auch auf Strecke. Du machst das wahrscheinlich auch. Wie weit muss ich dann fürchten, also erst recht, weil es auf Kuba ist oder sowas fürchten, dass ich irgendwo absaufe, weil ich dann immer denke, ja, wie komme ich jetzt hier mit den zwar vorhandenen, aber etwas vielleicht prekären Transportsituationen, wo ich erst mal erkennen muss, auf welchem Lastwagen darf ich denn jetzt vielleicht draufspringen? Fährt der in die richtige Richtung oder sonst was? Wie kann ich mich damit zurechtfinden? Oder würdest du das gar nicht empfehlen, dass man da wirklich große Strecken fliegt, weil es dann vielleicht etwas zu kompliziert wird?
Also ich würde da angstfrei drangehen. Wenn man die Ambition hat, Strecken zu fliegen, kann man das in Kuba durchaus machen. Man muss sich überlegen, dass Kuba ja ein historisch gewachsenes Kulturland ist. Das heißt, da ist überall Acker, Viehland, Weideland. Von daher gibt es da immer eine gewisse Infrastruktur, an der man sich orientieren kann. Und man säuft ja nicht ab von einem Moment aufs andere. Man hat ja Zeit, sich vorher umzugucken. Und wenn es sich tatsächlich abzeichnet, dass der Flug zu Ende gehen wird, dann gibt es genug Möglichkeiten, in der Nähe von Infrastruktur dann runterzugehen,
in Form von Straßen, Siedlungen etc. Und die Kubaner sind, wie gesagt, schon sehr, sehr hilfsbereit. Ich kann dazu eine kleine Geschichte liefern. Ich bin da auch leider abgesoffen und musste quasi mitten im Dschungel landen, habe mir dann ein Stück Weideland ausgesucht zum Landen. Und nachdem ich gepackt habe, hat es keine fünf Minuten gedauert. Und dann kamen schon zwei Kollegen mit einem großen Sombrero und Pferden und haben mich gefragt, was ich denn so mache. Nachdem ich das erklärt habe und gesagt habe, dass ich jetzt ein bisschen verloren bin, haben die sofort meinen Packsack auf ihren Gaul gepackt. Dann sind wir zusammen eine halbe Stunde rausgelaufen und die haben es dann freundlicherweise organisiert, dass ein Cousin mich an die nächstgrößere Straße gefahren hat mit seinem Auto.
Und von da aus konnte ich dann Bus nehmen und die nächstgrößere Stadt fahren. Das ist ein erstaunlich freundliches Völkchen und die sind immer hilfsbereit und aufgeschlossen Fremden gegenüber. Also es ist wirklich so, dass man dort nicht alleine ist.
Was für Strecken hast du denn da schon mal geflogen? Also gibt es sowas, wo du sagst, das war mein weitester Flug auf Kuba, da bin ich besonders stolz drauf. Und wo bist du da wohin geflogen?
Na ja gut, meine privaten Flüge auf Kuba, die sind natürlich nicht vergleichbar mit denen, was die Streckenkrex hier so runterreißen. Aber es sind doch immer wieder Flüge, die einen ganz glücklich machen. Mein Bestes waren glaube ich so an die 50 Kilometer und da bin ich auch sehr stolz drauf und das war eine schöne Sache. Die Rekorde in Kuba, die liegen aktuell bei etwas über 100 Kilometern. Die sind auch in den einzelnen Servern irgendwie hochgeladen, um nachzuvollziehen, wo das war und wohin die gingen. Ja, die neue Generation der Piloten oder auch die älteren, die erfahrenen, die zeigen uns jetzt, nachdem eben Handys ein bisschen populärer geworden sind, was möglich ist, weil sie eben jetzt erst aufzeichnen können.
Jetzt im Dezember findet auf Kuba ja auch nochmal ein Gleitschirmfestival statt, das Encuentro Amistoso, ein Freundschaftstreffen heißt das dann. Was hast du damit zu tun?
Das Encuentro Amistoso wurde eigentlich ins Leben gerufen vor dem Hintergrund, dass die Piloten, die ja doch über die ganze Insel verteilt sind, einfach zusammenkommen und dann auch ein Austausch stattfindet. Also ein Austausch an Erfahrungen, ein Treffen mit Freunden, es wird gefeiert und natürlich kommen auch jedes Jahr immer mehr Ausländer dazu und von daher hat das auch einen internationalen Touch gekriegt jetzt.
Wie groß ist denn da so die internationale Beteiligung? Wenn du sagst, es gibt immer
mehr. Es gibt
150 Piloten aus Kuba, davon wird wahrscheinlich auch nicht alle kommen, aber vielleicht schon ein Teil. Wie viele Gäste von außerhalb sind dann noch dabei?
Also da ich nicht bei jedem Encuentro Amistoso dabei bin, kann ich nur von dem sprechen, was ich kennengelernt habe. Und die größte Truppe, die dabei war, das waren 17 Leute. Das sind Franzosen, Kanadier, Deutsche, Österreicher, Schweizer. Bei denen ist das... Das ist schon immer seit jeher sehr populär, auch nach Kuba zu gehen.
Und da waren dann jeweils auch einige beim Encuentro Amistoso dabei.
Ist das auch etwas, wo du sagen würdest, das ist eigentlich ein guter Anlass? Da könnte man sich ruhig dranhängen und zu sagen, wenn man mal nach Kuba fährt, am besten seine Zeit, ja seine Reisezeit legen, so dass man an so einem Encuentro Amistoso teilnehmen kann, weil man da dann halt sehr direkt Kontakt zu den ganzen kubanischen Piloten bekommt.
Ja genau, das ist eigentlich das Ideale, die ideale Gelegenheit, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, sich kennenzulernen. Von daher ist es auch super geeignet, wenn man zum ersten Mal ins Land kommt. Oder auch, wenn man schon mehrmals da war, vielleicht als Startpunkt, um dann mit einigen von den Piloten, die aus einer anderen Ecke kommen, weiter zu reisen.
Wenn man jetzt da hinreist, du hast ja selber über die Jahre hinweg, wie du sagst, so ungeheuer viele Gleitschirme da mitgenommen. Würdest du dann auch empfehlen, eigentlich jeder, der dort rüberfliegt, sollte am besten auch irgendwie gucken, ob er noch irgendwo was Gebrauchtes auftreiben kann, was er dann auch mitnimmt? Ist man dann besonders gerne gesehen oder wie sieht das aus?
Nein, es wird keiner böse sein, wenn kein Material zurückbleibt. Ich habe es in der Vergangenheit meist so gemacht, dass ich dann empfohlen habe, wenn du die Möglichkeit hast, flieg vielleicht eine Ausrüstung von einem Freund, der sie nicht mehr braucht, der sie dir mitgeben kann und lass sie dann einfach zurück. Das kann ja auch ein Gurtzeug sein oder sonst was. Das ist einfach eine nette Geste. Erwarten tut dort niemand was. Aber wenn es natürlich so funktioniert, dass man was zurücklassen kann, weil man das vorher organisiert hat, sich irgendwas überlegt hat, dann ist es natürlich toll und eine schöne Sache.
Gibt es denn dafür irgendwie so einen Tipp, wo du sagst, an wen man das am besten übergibt? Gibt man das an den Club -Präsidenten oder schenkst du das irgendeinem, der da gerade da steht? Ich meine, wie kann man das einigermaßen gerecht verteilen überhaupt? Wie hast du das denn gemacht mit der Verteilung von den vielen Schirmen, die du da mitgenommen hast?
Meine Idee damals war, es gibt so viele, die was notwendig brauchen. Ich kann das gar nicht alles machen und schenkst du dem einen was, dann ist der andere vielleicht beleidigt. Ich habe das dann so gemacht, im Rahmen von den Freundschaftstreffen, von unserem Encuentro a Mistoso, habe ich dann immer gesagt, okay, Leute, wir machen es jetzt so, wir machen einen kleinen Wettbewerb und die Prämierung, die erfolgt dann anhand von den Spenden. Und wer die meisten Punkte hat, der darf eben zuerst zugreifen und das im Namen vom Club. Das heißt, dann hatten wir ein schönes Ding gefunden, um das Material an den Mann zu bringen.
So konnte also der Beste auch zuerst Zugriff haben auf das, was immer gebraucht wurde. Da war ich ganz erstaunt, weil dann wurde zum Beispiel nicht zum Gleitschirm gegriffen, sondern zu einer Rettung, weil die einfach gefehlt hat für den Club. Am Ende hat sich das auch sehr gut bewährt. Also wenn man 50 Preise hat und es gab eben 12 Plätze oder 12 Teilnehmer oder 24, genau. Es gab immer zwei pro Provinz, zwei Piloten, die am Wettkampf teilgenommen haben. Und dann konnte halt jeder Pilot, der geflogen ist, zwei Preise für seinen Club sichern bei 50 Sachen. Und das hat einen unheimlichen Erfolg gehabt und alle waren sehr glücklich darüber, dass sie im Wettkampf sich ein paar schöne Sachen erstritten haben für ihren Club.
Machst du das jetzt eigentlich auch immer noch so? Also sammelst du immer noch gebrauchte Ausrüstung? Kann man sich an dich wenden und sagen, Chris, kannst du auch meine Ausrüstung mitnehmen? Oder ist das mittlerweile durch? Jetzt fährst du auch nur noch für dein eigenes Vergnügen nach Kuba.
Selbstverständlich nehme ich Sachen mit nach Kuba, wenn ich was kriege. Wie könnte ich den Kollegen, die ich ja zudem fast alle persönlich kenne mittlerweile, irgendwie die Möglichkeit nicht ermöglichen, sagen wir es mal so rum, dass wieder Material nachkommt. Wie schon gesagt, das Material unterliegt einer Alterung. Es wird nicht besser. Und von daher wird es nicht mal theoretisch immer mehr. Sondern es wird praktisch, faktisch gesehen immer weniger. Und von daher muss da natürlich auch für Nachschub gesorgt werden. Und ich tue das halt so gut ich kann. Und jedes Mal, wenn ich hinfliege, nehme ich auch mit, was ich kann. Also von daher gerne auch an meine Adresse.
Wenn ihr selber geht, ist es natürlich schön, wenn ihr das Material auch selber mitnehmen könntet.
Bist du mit dem, was du da eigentlich alles schon für die kubanische Gleitschirmwelt getan hast, mittlerweile so etwas? Wie so ein Ehrenmitglied im kubanischen Fliegerverband?
Ja, ich bin sogar Ehrenmitglied mittlerweile.
Aber das ist eigentlich eine reine Formalität gewesen. Mir ging es da niemals um irgendeine Ehre oder sonst was. Ich kenne die Kollegen, die Kollegen kennen mich. Und offiziell irgendwie geehrt zu werden, das ist mir eher peinlich. Ich freue mich, wenn es eher über die Ergebnisse, wenn es vorwärts geht und wenn man eben als praktisches Ergebnis hat, dass Leute mit vernünftigen Materialen in der Luft sein können. Es gibt auch kein Fluggebiet, was nach dir benannt ist. Nein, nein, aber es gibt ein Fluggebiet, das nach einem Pionier benannt ist, der diesen ersten Drachen gebaut hat. Wie heißt der?
Leandro Martinez.
Ich habe das gefragt, weil ich... auch schon mal einen Podcast gemacht habe mit Kerim Jaspersen, der aus El Salvador kommt und dort auch quasi die Anfänge des Gleitschirmfliegens mitbetreut hat. Und es gibt dort wirklich einen Gleitschirm -Startplatz. Den hat er allerdings selber, das Gelände hat er dann irgendwann sogar gekauft. Und dieser Startplatz heißt jetzt Loma de Kerim, hat er da erzählt. Das ist also wirklich ein Startplatz, der nach ihm benannt wird. Also vielleicht gibt es ja in ein paar Jahren dann doch auch noch etwas von irgend so was, was dann heißt Loma de Kerim. Loma de Cris, bei dir.
Um Himmels Willen, Gott bewahre. Das wäre ja peinlich.
Ich lasse das jetzt mal so aus Ausblick einfach stehen. Vielleicht, wenn in ein paar Jahren, als Anlass von diesem Podcast, immer mehr Leute aus Deutschland nach Kuba vielleicht fahren. Vielleicht gibt es dann wirklich irgendwann mal einen solchen Startplatz, wo man weiß, das ist hier der Startplatz von Cris. Und dann weiß man, das ist der Startplatz von demjenigen, der zumindest stark mitgeholfen hat, die Gleitschirmszene in Kuba nach vorne zu bringen. Ich danke dir für deine Erzählung und hoffe, dass da noch einiges nachkommt.
Ja gut, ich habe mich gefreut und ich hoffe, dass ich einige Informationen geben konnte. Ansonsten, ich bin natürlich auch immer erreichbar und ansprechbar, per Mail und auch gern
per Telefon. Ja, die entsprechenden Daten schreibe ich dann auf die Website von Lu-Glidz zu den entsprechenden Postern dazu, wo das aufgerufen ist. Da kann man das dann nachschlagen.
Das war Cris Arnou. Im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du noch mehr über die von Cris gestartete Kuba -Hilfe wissen willst, vielleicht sogar eigene Ausrüstung dafür spenden willst oder einfach selbst mal gerne zum Fliegen nach Kuba reisen würdest, dann lies dir die Shownotes zu dieser Podcast -Folge durch. Du findest sie auf meinem Blog Lu-Glidz oder auf Soundcloud. Dort habe ich eine Reihe von Links samt Kontaktdaten zusammengesteckt.
Und wenn dir diese Folge von Podz-Glidz gefallen hat, dann empfiehle den Podcast doch weiter an andere Flieger. Zudem lade ich dich ein, zum Förderer von Podz-Glidz und Lu-Glidz zu werden. Denn Podcast und Blog kann ich als freier Journalist in dieser umfangreichen Form nur anbieten, wenn meine Hörer und Leser das auch finanziell unterstützen. Deinen Förderbeitrag kannst du dabei völlig frei wählen, wobei ich als Richtwert 1 Euro pro Podcast -Folge und 2 Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz empfehle. Zahlungen sind ganz simpel per PayPal oder Banküberweisung möglich. Die zugehörigen Daten findest du auf der Website von Lu-Glidz. Allen, die hier mitmachen, danke ich für die Unterstützung. Bis zum nächsten Mal. Ciao.