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18. Der Buschpilot - Paul Guschlbauer

// Paul Guschlbauer, Lucian Haas · 2019-12-02 · 01:09:42 · original episode

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[show notes]
Podz-Glidz Folge #18: Paul Guschlbauer ist mit einem Buschflugzeug von Alaska bis Feuerland geflogen. Immer mit dabei: Sein Gleitschirm. Der Österreicher Paul Guschlbauer ist in Gleitschirmkreisen bekannt als einer der erfolgreichsten und konstantesten Teilnehmer bei den Redbull X-Alps. Vier Mal schon stand er bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Hike-and-Fly-Rennen von Salzburg nach Monaco auf dem Treppchen, und zwar stets auf einem dritten Platz, zuletzt im Juni 2019. Als Pilot fliegt Paul allerdings nicht nur professionell Gleitschirm. Der 35-jährige besitzt auch eine Privatpilotenlizenz und nennt eine kleine, in Alaska stationierte Piper Super Cup von 1956 sein eigen. Dieses einmotorige Propellerflugzeug ist sehr leicht und kann mit seinen dicken Ballonreifen auch abseits von jeglichen Flugplätzen in der Wildnis landen – zumindest wenn man das Handwerk als Buschpilot gelernt hat. Und das hat Paul in Alaska getan. Im vergangenen Jahr erfüllte er sich dann einen großen Traum. Er nahm seine Frau Magdalena mit in den kleinen Flieger, zudem auch seine Gleitschirmausrüstung. Dann flog er von Alaska in über 50 Etappen bis nach Feuerland, also vom äußersten Zipfel Nord- zum äußersten Zipfel Südamerikas. Und zwar im Tiefflug über alle Landschaften hinweg. „Project Overland“ nannte er dieses Abenteuer, das rund 180 Tage dauerte und mehr als 20.000 Flugkilometer umfasste. Am Ende hatte sich Pauls Blick auf die Welt verwandelt, seine Beziehung verändert und seine Flugerfahrung vervielfacht. Zumal er bei Zwischenlandungen auf verlockenden Berggraten auch noch mit seinem Gleitschirm an Orten in die Luft kam, die wohl noch nie zuvor auf diese Weise beflogen wurden. In dieser 18. Folge von Podz-Glidz erzählt Paul Guschlbauer eine ganz besondere Geschichte, in der der Kosmos des Gleitschirmfliegens auf faszinierende Weise mit der des Buschpiloten verschmilzt. Denn beide Arten zu fliegen können voneinander profitieren und sich gegenseitig befruchten. +++ Website zum Projekt Overland: www.fly-overland.com Pauls Facebook-Seite: www.facebook.com/guschlbauer.paul +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Campfire by Scandinavianz https://soundcloud.com/scandinavianz Creative Commons — Attribution 3.0 Unported — CC BY 3.0 Free Download / Stream: https://bit.ly/_campfire

[transcript]

0:01Paul Guschlbauer

Und es war einfach der ultimative Moment so, was die Verbindung für mich so aus dem Flugzeug, das dich an einen Ort bringen kann, wo man sonst einfach nie hinkommen wird und dann dort mit dem Gleitschirm noch dazu so ein perfektes Erlebnis.

0:22Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:26Paul Guschlbauer

Geschichten aus dem

0:26Lucian Haas

Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:30Lucian Haas

Heute mit Paul Guschlbauer und Lucian Haas am Mikrofon. Paul

0:40Lucian Haas

Guschlbauer ist in Gleitschirmkreisen bekannt als einer der erfolgreichsten Teilnehmer bei den Red Bull X -Alps. Viermal schon stand er bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Hike -and -Fly -Rennen von Salzburg nach Monaco auf dem Treppchen und zwar stets auf einem dritten Platz, zuletzt im Juni 2019. Als Pilot fliegt Paul allerdings nicht nur professionell Gleitschirm. Der 35 -jährige Österreicher besitzt auch eine Privatpilotenlizenz und nennt eine kleine, in Alaska stationierte Piper Supercar.

1:12Lucian Haas

Dieses einmotorige Propellerflugzeug ist sehr leicht und kann mit seinen dicken Ballonreifen auch abseits von jeglichen Flugplätzen in der Wildnis landen. Zumindest, wenn man das Handwerk als Buschpilot gelernt hat. Und das hat Paul in Alaska getan. Im vergangenen Jahr erfüllte er sich dann einen großen Traum. Er nahm seine Frau Magdalena mit in den kleinen Flieger, zudem auch seine Gleitschirmausrüstung. Dann flog er von Alaska in über 50 Etappen bis nach Feuerland. Also vom äußersten Zipfel Nord zum äußersten Zipfel Südamerikas. Und zwar im Tiefflug über alle Landschaften hinweg. Project Overland nannte er dieses Abenteuer, das rund 180 Tage dauerte und mehr als 20.000 Flugkilometer umfasste. Am Ende hatte sich Pauls Blick auf die Welt verwandelt, seine Beziehung verändert und seine Flugerfahrung vervielfacht.

2:04Lucian Haas

Zumal er bei Zwischenlandungen auf verlockenden Berggraten auch noch mit seinem Gleitschirm an Orten in die Luft kam, die wohl noch nie zuvor auf diese Weise beflogen wurden. In dieser 18. Folge von Podz-Glidz erzählt Paul Guschlbauer eine ganz besondere Geschichte, in der der Kosmos des Gleitschirmfliegens auf faszinierende Weise mit dem des Buschpiloten verschmilzt. Denn beide Arten zu fliegen können voneinander profitieren und sich gegenseitig befruchten. Paul, stell dir vor, du müsstest eine Visitenkarte drucken lassen. Mit einer einzigen Berufsbezeichnung darauf. Und du müsstest dich dabei festlegen, was würdest du eher darauf angeben? Ich bin Gleitschirm-Blog oder ich bin Buschpilot?

2:49Paul Guschlbauer

Ich bin auf jeden Fall Gleitschirm-Blog, ja. Warum? Weil das einfach, da komme ich vom Fliegen her her und die Entwicklung als Flugzeugpilot ist bei mir noch nicht so weit fortgeschritten, dass ich sagen würde, ich bin Flugzeugpilot.

3:03Lucian Haas

Nun warst du ja aber zumindest im vergangenen Jahr 2018 eigentlich viel mehr als Buschpilot als als Gleitschirm-Blog unterwegs, wenn man es zumindest in Tagen rechnet, Flugstunden vielleicht, weiß ich nicht so ganz. Vielleicht erstmal von der Definition her, was ist das eigentlich, ein Buschpilot?

3:20Paul Guschlbauer

Ja, ein Buschpilot, so nennt man eigentlich Leute, die einfach mit Buschflugzeugen irgendwo landen, wo normalerweise einfach nicht gelandet wird. Also auf Airport, also dort, wo kein Flughafen oder kein Flugplatz ist normalerweise. Vielleicht gibt es irgendwo so ein bisschen einen Weg, der schon ein paar Spuren drauf hat und das kann dann helfen, aber es ist einfach nicht ein standardmäßiger Flugplatz oder Flughafen gemeint. Und ja, wenn da Pilot und Flugzeug zusammenpassen, dann kann man da eben auch an coolen Orten landen.

3:55Lucian Haas

Und wie bist du darauf gekommen, ein Buschpilot zu werden?

3:59Paul Guschlbauer

Ja, ich würde mich jetzt noch nicht als wahrhaftiger Buschpilot bezeichnen. Ich bin da immer ein bisschen zurückgehakt. Ich bin einfach darauf gekommen, in diese Richtung der Flugzeugfliegerei zu gehen, weil mir, also ich habe hier in Österreich meinen Privatpilotenschein gemacht und habe mir dann gedacht, naja, irgendwie ist mir das eigentlich hier so ein bisschen von Flugplatz zu Flugplatz zu fliegen irgendwie zu wenig und ich wollte halt auch Stundenerfahrung und so weiter sammeln und habe dann so irgendwie geschaut, wo auf der Welt man eigentlich ein bisschen mit mehr Freiheit fliegen könnte. Und da bin ich dann irgendwie über den Gavin McClurg und sein Projekt auch mit der Alaska Range und so weiter Step by Step irgendwie da auf Alaska gekommen und dann hat sich eigentlich das eine zum anderen irgendwie gegeben und da bin ich dann irgendwann mit meinem kleinen Fliegerchen in Alaska gestanden und habe das gelernt, was die Leute dort Buschfliegen nennen.

4:54Paul Guschlbauer

Ja, genau, so hat sich das entwickelt. Und eigentlich das ganze Ziel dahinter war jeweils immer nur einfach Flugstunden zu sammeln, in der Luft zu sein, Erfahrung zu sammeln und für mich war einfach diese Herausforderung, dann dort wirklich in der Wildnis landen zu können und an Orte zu kommen, die man sonst einfach nicht erreichen kann. Das ist auch noch immer das Spannende. Für mich gleichzeitig auch diese Herausforderung, diese Maschine da irgendwie so zu beherrschen, gleich wie das auch mit einem Gleitschirm sein kann, den muss

5:27Lucian Haas

man auch beherrschen. Wie kann man das denn lernen, Buschpilot zu werden? Also die Pilotenlizenz, die machst du hier, dann startest du immer von deiner Runway oder sonst was. Jetzt musst du plötzlich lernen, ganz woanders auf, du sagst, in wilden Regionen eigentlich runterzukommen, Untergrund einzuschätzen oder sonst was alles. Was für Skills muss man eigentlich dafür dann als Pilot wirklich besitzen? Und ja, wer kann dir sowas beibringen? Wie hast du das dann gelernt? Also ich habe das so

5:51Paul Guschlbauer

gelernt, dass ich in Alaska einen sogenannten Buschpiloten eben kennengelernt habe, der das schon seit 25 Jahren macht, sehr professionell und der auch selber Gleitschirm fliegt, zufällig. Und der hat mir das eigentlich wirklich super beigebracht. Also das ist schon mal genial gewesen, so jemanden zu finden. Also wie du sagst, das ist einfach eine Voraussetzung, um in diese Richtung wirklich gut zu werden, ist so jemand so eine Art Mentor einfach Voraussetzung. Da war erst einmal der eben, Ken heißt der, und dann in weiterer Folge habe ich noch ein paar andere kennengelernt, die das Ganze nicht so, sag ich mal, so auf Arbeit Buschpilot angegangen sind, sondern so mehr auf Spaß Buschpilot. Und was es dazu braucht, das war die zweite Frage, glaube ich, gell? Ja, welche Skills braucht man dafür?

6:36Paul Guschlbauer

Genau, die Skills, also man braucht mal ein passendes, oder gehen wir nicht vom Material aus, sagen wir mal, jedes Flugzeug hat gewisse Langsamflugeigenschaften, genauso wie ein Gleitschirmflieger hat auch irgendeine Starspeed. Und je langsamer ein Flugzeug fliegt, desto kürzer kann man es landen. Und diesen Bereich des Flugzeugs zu beherrschen, das ist einmal zum Beispiel ein so ein Skill. Also, dass ich dieses Flugzeug an seinen physikalischen Grenzen irgendwie kontrollieren kann. Wenn das einmal läuft, dann hat man schon mal viel gelernt. Und wenn man dann irgendwie draußen ist in der Natur, dann geht es darum, einfach noch die Techniken zu erlernen, einfach die Umgebung richtig einzuschätzen, das Gelände zu sehen, wie steil geht es da bergauf, wo kommt der Wind her, ich sitze in einem Flugzeug, da spürt man das nicht so, wie in einem Gleitschirm zum Beispiel, weil dort gibt es ja keine Windfahnen oder so.

7:33Paul Guschlbauer

Und diese ganzen Informationen, die kommen dann irgendwann zusammen und dann trifft man irgendwann die Entscheidung, okay, da kann ich landen. Und dann muss man dort, dann landet man da, dann geht im besten Fall alles gut. Und irgendwann muss man eben auch bedenken, dass man da auch wieder wegstarten sollte. Das gehört dann auch noch dazu. Und ja, das ist mal so grob, was es braucht aus meiner Sicht.

7:59Paul Guschlbauer

Die ganze Gleitschirmfliegen hat dann natürlich extrem geholfen. Und das hat da auch mein Mentor eben, der Ken, dann ziemlich schnell bemerkt. Er hat auch gesagt, das sieht man einfach, wenn einer irgendwie weiß, wie etwas fliegen kann oder warum etwas fliegen kann und was so grundsätzliche Eigenschaften sowas sind. Weil jeder Flügel fliegt ja im Prinzip gleich, ob das jetzt auf einem Flugzeug oder auf einem Gleitschirm ist, das macht ja dann in dem Sinn keinen Unterschied mehr.

8:26Lucian Haas

Nun hast du jetzt im vergangenen Jahr ein ganz besonderes Projekt gestartet. Project Overland nennst du das. Worum ging es dir dabei?

8:34Paul Guschlbauer

Mir ist in erster Linie darum gegangen, viel zu fliegen und viel Neues zu entdecken. Das Ganze hat sich so ergeben, dass ich eben da in Alaska war und dann haben wir gleich am Anfang mal, wie ich dort hin bin, geredet. Also ich mit einem anderen Buschpiloten. Und er hat mir so erzählt, ja, er fliegt so eh schon seit weiß ich wie vielen Jahren da rum und sein Traum ist so, einfach immer weiter zu fliegen. Immer weiter und einfach den nächsten Spot, den nächsten Spot zu entdecken. Und dann bin ich eben auch mal da so Richtung Südosten geflogen, der Küste entlang von Alaska entlang und habe mir auch dann so gedacht, wie cool wäre es eigentlich immer weiter zu machen und einfach bis zum Ende zu fliegen sozusagen, wo es nicht mehr weiter geht. Und das ist in dem Fall auf dieser Strecke da Richtung Süden einfach Feuerland. Und somit war irgendwie dieser Traum geboren, das zu machen.

9:22Paul Guschlbauer

Und das hat dann von dem Punkt an zwei Jahre so gebraucht, bis alles so weit gepasst hat, dass ich da losfliegen habe können. Und das habe ich dann 2018 auch gemacht.

9:33Lucian Haas

Nun ist das ja ein Riesentraum, wenn man sich das vorstellt. Alaska, Feuerland, das sind glaube ich so 18.000 Kilometer, also wirklich einmal halb um die Erde drum rum, wenn man es um den Äquator fliegen würde. Dann hast du da so ein sehr kleines Flugzeug eigentlich nur. Das ist ja so eine kleine Piper. Wenn man das einem normalen Piloten erzählen würde, würde der nicht sagen, das ist eigentlich verrückt, was du da vorhast? Ja,

9:54Paul Guschlbauer

schon. Also das Flugzeug ist tatsächlich einfach total ungeeignet für eine Reise. Wenn man es jetzt so im klassischen Sinne sieht, was will man erreichen, man will beim Reisen irgendwie wohin kommen. Das ist ja so der normale Ansatz. Und dafür ist es ungeeignet, weil man halt einfach so ungefähr wie mit einem Moped unterwegs ist. Im Vergleich, wenn man jetzt auf den Straßenverkehr schaut. Insofern, ja, ist es natürlich ungeeignet. Aber für mich war es erstens mal das einzige Flugzeug, das ich habe. Also es war jetzt nicht so, dass ich mir überlegen habe können, ja, vielleicht wäre es gescheiter mit einem anderen zu fliegen. Aber ich habe halt kein anderes. Erstens mal schon. Und zweitens ist es für mich einfach auch nicht ungeeignet gewesen, in dem Sinne, wie das die anderen Leute sehen.

10:39Paul Guschlbauer

Weil es hat einfach einen unglaublichen Reiz, mit genau diesem Modell zu fliegen. Und der Reiz ist eher, dass man nicht das Gefühl hat, man muss jetzt irgendwie hoch rauf und weit weg vom Terrain, sondern man hat eher das Gefühl, wie mit dem Gleitschirm, dass man immer so nah am Boden fliegen will eigentlich und sich das dadurch auch alles super anschauen kann. Und das war dann im Endeffekt so das Ziel von mir. Einfach wirklich die gesamte halbe Erde aus der Vogelperspektive, aus der Gleitschirmperspektive sehen zu können. Das war eigentlich so der große Reiz dann irgendwann auch. Und dafür ist dieses Flugzeug hundertprozentig perfekt geeignet, weil es ist total schmal. Man sieht, es passen zwei Leute rein, die sitzen hintereinander. Es gibt ganz viel Glas rundherum.

11:25Paul Guschlbauer

Man sieht wirklich alles, links, rechts, oben, überall kann man rausschauen. Und es war einfach genial aus der Perspektive her gesehen. Und natürlich auch diese Option, wenn ich sage, okay, wenn ich mal die Gelegenheit habe, irgendwo an einem Ort zu landen, wo man sonst halt einfach nicht landen könnte, mit einem normalen Flugzeug, dass ich das dann auch machen kann.

11:48Lucian Haas

Du hast ja deine ganze Reise auf einer Internetseite dokumentiert.

11:53Lucian Haas

Flyoverland heißt das, fly -overland.com. Insgesamt waren das, glaube ich, zumindest auf dieser Seite, sind das eingeteilt in 42 Etappen. Da kann man dann vieles von deiner ganzen Route nachvollziehen, wo du überall zwischengelandet bist, was du dann auch dort vor Ort so ein bisschen gemacht hast und sowas. Aber wie immer bei solchen großen Abenteuern, die ja jetzt ein halbes Jahr, glaube ich, insgesamt gedauert haben, gibt es ja von außen gesehen immer nur diese ganz punktuellen Einblicke in irgendwelche Highlights oder sowas. Aber die Erlebnisse, die du dabei natürlich hast, sind natürlich viel umfangreicher. Gibt es bei dieser ganzen Reise irgendwelche Stationen, die du für dich als besonders prägend erlebt hast, wo du sagst, okay, wenn man über etwas sprechen muss von dieser Reise, dann ist es das?

12:38Paul Guschlbauer

Ja, und das ist lustigerweise, also wenn du jetzt nur einen einzigen Punkt von mir haben willst, dann muss ich mich jetzt gerade schwer entscheiden zwischen dem Anfang der Reise, Alaska, und dem Ende der Reise, nämlich Patagonien und Feuerland. Das waren wirklich so die zwei ultimativen Erlebnisse

12:59Lucian Haas

sozusagen. Machen wir doch, machen wir beides, weil dann kriegt man vielleicht auch, weil ich das auch noch fragen wollte, nämlich der Anfang einer solchen Reise ist ein vollkommen anderer, also du bist ja auch ein vollkommen anderer zu Beginn der Reise als am Ende einer solchen Reise. Von daher passt das vielleicht mal ganz gut. Erzähl mal das Highlight des Anfangs der Reise.

13:17Paul Guschlbauer

Ja, eins muss ich noch kurz dazu sagen. Ich glaube, du hast 52 gezählt. Es waren im Endeffekt einige mehr. Also ich habe nämlich jetzt auch gerade die Seite nochmal aufgemacht. Und zwar in dem ersten Abschnitt Alaska, Kanada, den wir da überflogen sind, da sind nicht alle da in der Karte eingezeichnet. Erst ab den USA sind alle drinnen, aber das nur mal so nebenbei. Gerade da oben waren es noch viel mehr, weil man dort eben wirklich landen kann, wo man will. Und das ist auch genau der Grund, warum genau am Anfang das für mich so beeindruckend war, weil wir sind da eben nach Point Barrow raufgeflogen. Das ist die nördlichste Stadt Alaskas. Es ist wirklich weit im Norden und da erscheint dann im Sommer auch wirklich den ganzen Tag die Sonne. Und trotzdem ist es irgendwie skurril, weil man geht dann an den Strand und es scheint um Mitternacht die Sonne, aber das Meer ist eisgefroren, also es ist einfach immer eine Eisdecke dort.

14:10Paul Guschlbauer

Und dann kann man eben mit diesem Flugzeug da rausfliegen auf so eine Sandbank, die sich da so noch ein bisschen ins Meer, noch weiter rauszieht. Und dann ist man wirklich am nördlichsten Landzipfel der USA beziehungsweise Alaskas. Und dann, wenn man sich das vorstellt, dann geht es nach Norden, kommt da einfach nur mehr Eis und dann ist man irgendwann am Nordpol, also auch am Eis. Und das war schon mal sehr beeindruckend. Und von dort sind wir dann nach Süden gestartet. Das war der Start der Reise am 21. Juni 2018, also dem längsten Tag auch noch dazu, wobei dort eh der ganze Sommer eigentlich lang ist, aber das ist theoretisch auch der längste Tag des Jahres. Und das Ziel war eben bis zum 21. Dezember sozusagen der Sonne hinterher zu fliegen und dann am längsten Tag des Jahres wieder unten anzukommen.

14:58Paul Guschlbauer

Und dann sind wir eben da oben losgeflogen und gleich einmal am Anfang sind wir dann zum Übernachten an so einem Strand gelandet, wo wirklich weit und breit nichts ist, haben wir unsere Zelte da ausgepackt. Wir sind ziemlich spät gelandet, sicher so um 11 Uhr in der Nacht, aber wie gesagt total Tageslicht, die Sonne ist noch relativ hoch gestanden. Und dann habe ich schon gemerkt, ja irgendwie der Wind, der kommt da so aus dem Norden, das schaut eigentlich ganz gut aus, von der Stärke her dürften so 30 km/h gewesen sein. Und dann bin ich da so ein bisschen raufgegangen, diese Ebene entlang und habe dann so einen Reach gesehen, genau über dem Meer. Da habe ich mir gedacht, das müsste eigentlich perfekt zum Sohren gehen da jetzt. Und habe da meinen Gleitschirm rausgeholt und bin dann drei Stunden lang bis zwei in der Früh da in der Abend im Dauersonnenuntergang dort diese Küste entlang gesohrt und es war einfach der ultimative Moment so, was die Verbindung für mich so aus dem Flugzeug, das dich an einen Ort bringen kann, wo man sonst einfach nie hinkommen wird und dann dort mit dem Gleitschirm noch dazu so ein perfektes Erlebnis zu haben, also verbunden hat.

16:02Paul Guschlbauer

Das war so richtig der

16:04Lucian Haas

perfekte Start dieser Reise. Dann hast du sehr, sehr viele Erlebnisse dazwischen gehabt. Jetzt springen wir einfach mal ganz an den Ende. Jetzt bist du in Feuerland auf der Südhalbkugel, 18.000 km weiter südlich. Und da sagst du, da war auch etwas ganz Besonderes. Was war da?

16:21Paul Guschlbauer

Genau, 18.000 km, 180 Tage später sind wir dann irgendwann in Patagonien angekommen und das Beeindruckende war eigentlich, dass sich die Welt schon die ganze Zeit, aber da ist es dann richtig deutlich geworden, einfach spiegelt. Man ist dann wieder, nachdem man aus dem Eis weggeflogen ist, dann in den grünen Bereich gekommen ist, im Wüstenbereich kommen ist, dann in den tropischen Bereich kommen ist und das Ganze wieder in die andere Richtung, wieder im Eis. Und dort hat sich dann eigentlich das ganze Erlebnis auch wiederholt. Also ich bin dann wieder mit meinem Flugzeug da drüber über die Gletscher und so weiter geflogen und habe dann wieder die Möglichkeit gehabt, an so einer Schotterbank zu landen, an so einem wunderschönen Fluss. Und es war vom Gleitschirmfliegen nicht so perfekt wie in Alaska in dem Moment, aber trotzdem einfach das Erlebnis hat sich sozusagen gespiegelt.

17:12Paul Guschlbauer

Und es war irgendwie so interessant, nach diesen ganzen Erlebnissen da dazwischen, wo wirklich ganz viele fliegerische Herausforderungen dazwischen waren, ganz viele Fluggebiete dazwischen waren, dann einfach nochmal da unten zu sein irgendwann einmal und genau dieses Gegenteil oder dieses Gleiche auf der anderen Seite der Welt gespiegelt zu erleben. Das war irgendwie sehr beeindruckend. Aber das waren jetzt natürlich nur für mich so diese Punkte. Was da dazwischen war, ich würde dir das am liebsten alles natürlich jetzt erzählen, weil jetzt fangen sie wieder zum Denken an, an die verschiedenen Erlebnisse an. Da war schon wirklich viel Cooles dabei.

17:51Lucian Haas

Ja, wenn man sich deine Internetseite so anguckt, dann ist ja alles Mögliche. Allein von Landschaften, da ist Wüste dabei. Du warst oben auf Vulkanen in 6000 Meter Höhe fast, glaube ich. Du bist über Dschungelgebiete geflogen, hast dann Ecken gehabt, wo es dann fürchterlich nur geregnet hat. Da hast du tagelang dann festgesessen. An anderen Tagen konntest du dann wieder super fliegen, hast auch die unterschiedlichsten Leute dann da getroffen. Gerade was Leute betrifft. Ich kenne das auch so von Reisen mit. Für mich das Eindrücklichste sind meistens immer auch Menschen, denen man begegnet, wo man plötzlich sagt, boah, was ist das für eine Person? Was haben die für Skills? Oder was haben die schon erlebt oder sonst irgendwie was? Was hast du da für Besonderheiten noch erlebt?

18:35Paul Guschlbauer

Ja, also gerade die Menschen, die wir da am Weg getroffen haben, waren eigentlich so der Schlüssel zum Erfolg von dem ganzen Projekt nachher. Erfolg in dem Sinn, dass wir es überhaupt geschafft haben, da runterzukommen mit dem Flugzeug. Das jetzt schon mal nicht so alltäglich ist in sehr vielen von diesen Ländern. Und einfach wir da so als Paar in diesem Flugzeug. Ich war mit meiner Frau unterwegs. Und da jetzt einfach so mal durch diese 14 Länder so durchzureisen, das ist jetzt nicht so einfach gewesen. Also gerade in der Vorbereitung habe ich mir auch gedacht, wie soll das eigentlich überhaupt gehen? Das war für mich ganz schwer nur zu planen. Es ist eigentlich nicht planbar, kann man sagen, gewesen. Aber dazu kann ich auch nachher noch was sagen, wie ich das dann im Endeffekt gemacht habe. Aber auf jeden Fall, es hat dann im Endeffekt nur funktioniert,

19:23Paul Guschlbauer

dadurch, dass wir sozusagen von einem coolen Menschen, der begeistert war von dem, was wir machen, zum nächsten Menschen geschickt wurden, der begeistert war von dem, was wir machen. Und so lokal immer die richtigen Informationen bekommen haben und auch mal bei jemandem übernachten haben können. Irgendwelche Tipps bekommen haben und einfach extrem herzlich auf der ganzen halben Welt sozusagen aufgekommen worden sind. Und das war eigentlich wirklich so der Schlüssel, weil man fliegt da los. Und wenn du jetzt als, keine Ahnung, Österreicher in einem amerikanisch registrierten Flugzeug in Kolumbien landest, dann ist das im ersten Moment ein bisschen eigenartig natürlich. Aber wenn du vorher schon irgendwie mit den Leuten aus Panama geredet hast, und die dir gesagt haben, ja, sie haben da einen Freund in Kolumbien und den rufen sie jetzt gleich mal an und der hat so ein gleiches Flugzeug wie du dort und der kann dir da sicher weiterhelfen und du kommst dann dorthin und der wartet da schon, dann ist das natürlich ganz was anderes und dann funktioniert sowas auch.

20:30Paul Guschlbauer

Und das war irgendwie so, ja, das war ein unglaubliches Erlebnis. Ich bin jedem einzelnen von diesen ganz, ganz vielen Menschen, die wir da getroffen haben, extrem dankbar. Aber ja, das ist einfach der Schlüssel gewesen zu dem Ganzen.

20:44Lucian Haas

Aber sowas kann man ja nun wirklich nicht planen in der Form, sondern du kannst sagen, da kannst du eigentlich nur ins Leben vertrauen. Ist das so etwas, wo du auch sagen würdest, das ist eine der Quintessenzlehren, die man aus so einer Reise dann auch ziehen kann, hey, wenn man ins Leben vertraut, dann kommt man bei sowas auch weiter, dann kommt man auch ans Ziel?

21:03Paul Guschlbauer

Ja, das ist ja ganz, spiegelt sich in ganz vielen so Sachen wider, die man so erlebt beim Reisen oder ganz speziell auch bei den Dingen, die ich eigentlich immer so mache. Also man kann nie hergehen und sagen, ein großes Ziel, nehmen wir jetzt das ich selbst zum Beispiel her, ich weiß, das ist nicht das Thema heute, aber habe ich inzwischen schon fünfmal gemacht, wo man einfach so eine extrem lange Strecke hat und wenn man die einfach auf einen Blick anschaut, dann denkt man sich, okay, das geht nicht, ich werde da nie ankommen. Das ist einfach unvorstellbar. Und das Gleiche war eben jetzt in dem Fall auch bei der Reise 18.000 Kilometer in einem Flugzeug,

21:46Paul Guschlbauer

das 130 km/h im Durchschnitt schnell fliegt, also so schnell, wie man mit dem Auto unten auffährt und durch 14 Länder, wobei 11 davon südamerikanische Länder sind, wo man jetzt eigentlich auch nicht weiß, was da von zukommt, da kann man nicht sagen, okay, ja, da mache ich das, da mache ich das, da mache ich das und da ist eben Vertrauen, ja, als Vertrauen kann man es auch bezeichnen, einfach das Gute, an das Gute zu glauben einerseits und sich die ganze Strecke auch in einzelne Abschnitte sozusagen einzuteilen. Gleich wie beim X -Alb, da ist vielleicht das Vertrauen, ja, ist eigentlich genauso wichtig. Ich muss auch darauf vertrauen, dass ich es kann, persönlich, dass ich die Fähigkeiten habe und dann einfach nicht ans Ziel denken die ganze Zeit, sondern an den nächsten Tag,

22:36Paul Guschlbauer

sozusagen im Moment leben. Es läuft vielleicht darauf hinaus, dass man sagt, okay, ich lebe heute, ich denke mir jetzt gerade, überlege ich mir ganz genau, wie ich jetzt die nächste Strecke zum nächsten Flugplatz fliege, aber ich denke jetzt nicht daran, wie es dann sein wird, von El Calafate nach Ushuaia zu fliegen, der südlichsten Stadt von Argentinien. Das

22:57Lucian Haas

heißt aber jetzt nur vom Verständnis her, du wusstest auch, als du in Alaska losgeflogen bist, viele Details noch gar nicht, wo du auch sagst, vielleicht wie funktioniert überhaupt die Einreise, dass ich dann nach Kolumbien reinkomme, sondern das sind auch so Sachen, die sich erst im Laufe der Reise ergeben haben.

23:12Paul Guschlbauer

Ja, also ich habe da eben ganz am Anfang, dann hat es natürlich, wie ich diesen ursprünglichen Plan mal geschmiedet habe, sind dann die ganzen Fragen aufgekommen und wie kann man das eigentlich machen und wie soll das eigentlich gehen und habe dann in die Details angefangen zu schauen, was für Flugplätze gibt es eigentlich in Panama und was für Flugplätze und Regeln gibt es in Chile und so weiter und so fort und bin dann irgendwie schnell darauf gekommen, dass das eigentlich zu gar nichts führt und am Ende war es dann, irgendwo hier auf meinem Schreibtisch liegt dieses Buch, eine Liste mit vier Punkten, glaube ich, das ist jetzt ganz interessant, das muss ich jetzt kurz nachschauen, aber ich bin mir ziemlich sicher, es waren vier Punkte, die ich sozusagen aufgeschrieben habe und wo ich dann gesagt habe, okay, wenn ich diese vier Punkte erfülle, dann kann ich einfach losfliegen und es wird klappen,

23:58Paul Guschlbauer

ganz egal, was kommt. Welche vier Punkte waren das? Das ist jetzt spannend, gell? Da bin ich neugierig. Es ist eigentlich total easy. Das eine ist natürlich, dass mein Flugzeug passen hat müssen, also ich weiß es eh noch auswendig, ich brauche gar nicht nachschauen, aber ich hätte das richtige Buch sogar hier jetzt gerade gefunden. Na,

24:18Lucian Haas

vier Punkte kann man sich auch gut behalten, also erster Punkt, Flugzeug muss passen.

24:22Paul Guschlbauer

Ja, das Flugzeug muss auf jeden Fall mal passen. Deswegen habe ich da einfach geschaut, okay, ein Jahr vorher begonnen mit dem Ken, der ist auch Mechaniker, zu sagen, okay, bitte richte das Flugzeug so her, dass es einfach durchhält bis zum Schluss und dass die richtigen Avionics -Sachen drinnen sind, also die richtige Ausrüstung, die richtige Geräte in dem Flugzeug, dass ich in jedem Luftraum, in jeder Situation das richtige Gerät da drinnen habe. Das kann zum Beispiel sein, dass man, wenn man unabsichtlich, also mein Flugzeug ist jetzt nicht für Instrumentenflug zugelassen, wenn du unabsichtlich nach sechs Stunden Flug irgendwo landen musst und du bist über der Wolke, dann musst du irgendwo durch die Wolke durchkommen, damit du da landen kannst. Und da gibt es eben gewisse Instrumente, die man sich an ein Flugzeug einbauen kann, damit man sowas machen kann.

25:08Paul Guschlbauer

Also einfach, dass ich sage, okay, dieses Flugzeug wird in jeder Situation passen. Punkt zwei? Punkt zwei, Pilot. Ich als Pilot... Der muss auch passen. Der muss auch passen. Ich als Pilot muss in jedem Luftraum, in jeder Situation die richtige Ausbildung haben und das Selbstbewusstsein, dass ich damit umgehen kann. Das Training, jetzt rein das Flugzeug irgendwie zu handeln und zu fliegen, das habe ich mir schon zugetraut gehabt, aber so von den Procedures, sage ich mal, auf der ganzen Welt, die ja standardisiert sind, eigentlich war ich da noch nicht so weit und bin dann für vier Monate nach San Diego gegangen, Anfang 2018 und habe dort noch eine Instrumentenflugausbildung gemacht und einen Commercial Pilot's License, um einfach mal wirklich ganz sicher zu sein, ich habe alles gelernt, was irgendwo von den Regeln her und Procedures her auf mich zukommen könnte.

26:03Paul Guschlbauer

Das heißt, der Standard ist einfach da? Der Standard muss da sein. Der Standard ist auf der Welt da, genau, und der muss bei mir einfach passen. Und das war der zweite Punkt. Punkt drei?

26:16Paul Guschlbauer

Kreditkarte mit genug Geld drauf. Ist auch nicht immer so einfach. Nein, das war eigentlich im Endeffekt der schwierigste Punkt, muss ich ganz ehrlich sagen. Ist dann auch gegangen, aber das ist auf jeden Fall... Ja, man kann wenig machen mit einem Flugzeug irgendwo, auf der Welt, wenn man nicht eine Kreditkarte hat, die funktioniert.

26:38Paul Guschlbauer

Fertig, war Punkt drei. Punkt vier? Spanisch. Ab Grenze USA, Mexiko, nur mehr Spanisch, einfach. Das ist zwei Drittel der Strecke, spanisch sprechende Länder und da habe ich den Vorteil gehabt, dass ich eben Spanisch spreche oder Spanisch gesprochen habe, schon davor. Ich war mit 18 mal sechs Monate in Mexiko und habe das damals da ganz gut gelernt. Und dann bin ich nur noch, nur noch ist gut, bin ich noch einmal zum Andy Hediger nach Argentinien geflogen, im Jänner 2018 und bin dort zwei Wochen gewesen und bin dort zwei Wochen mit ihm rumgeflogen und habe ein bisschen so dieses Aviation Spanisch noch versucht ein bisschen kennenzulernen.

27:25Paul Guschlbauer

Und ja, das waren die vier Punkte. Das ist eh eigentlich leicht gegangen, sich sie zu merken, hast recht gehabt, ich weiß sie noch.

27:34Paul Guschlbauer

Und ja, wenn du dann noch einen Reisepass hast, okay, da gehe ich sowieso mal davon aus, dass man den hat, dann kannst du eigentlich losstarten und diese Reise machen, traue ich mich zu behaupten.

27:45Lucian Haas

Okay, und offenbar kommt man dann ja auch wirklich durch mit allen möglichen Höhen und Tiefen und da wahrscheinlich manchen behördlichen Auseinandersetzungen und sonst was man da so hat. Genau, deswegen das Spanisch. Wenn man jetzt ans Fliegerische geht, was war da für dich das Spannendste, was du da mal erlebt hast, wo du sagtest, jetzt kommt meine Maschine an die Grenze, von was auch immer, was Höhe betrifft, vielleicht was Wetter betrifft, Turbulenzen oder sonstigen? Ja, das hat sich

28:11Paul Guschlbauer

angenehmerweise irgendwie so Stück für Stück, je weiter wir nach Süden kommen, sind so aufgebaut, dass es immer schwieriger geworden ist und gleichzeitig ist aber die Erfahrung immer auch größer geworden. Also insofern war es dann immer wieder managebar. Also zum Beispiel, wie wir dann eben so Richtung Guatemala, Zentralamerika, Costa Rica, Panama usw. kommen sind, da ist es einfach wirklich mit dem Wetter und den Gewittern, wirklich große Gewitter, die einfach da jeden Tag aufploppen überall, schon relativ schwierig geworden. Und da war die Herausforderung einfach die, genau diesen einen Moment immer zu finden, irgendwie durch dieses Labyrinth durchzufinden, zur nächsten Destination sozusagen. Und das war wirklich, wirklich schwierig.

28:56Paul Guschlbauer

Also da ist es dann auch nicht so, passt, wir fliegen irgendwo hin, wenn man sich das so vorstellt, wir fliegen jetzt da irgendwo in der Karibik, Atlantikküste, superschön, Panama irgendwo hin und hängen da irgendwie so mal eine Woche ab und fliegen dann einfach weiter, sondern das war einfach so, okay, wir fliegen da jetzt hin und dann jeden Tag einfach von früh bis spät nur, okay, wann könnte jetzt dieser nächste Moment sein, wann können wir jetzt weiterfliegen, wann ist dieses eine Wetterfenster, wo das passt, dass sich einfach das irgendwie ausgeht. Und das hat sich dann auch so gesteigert. Also das war dann, bis Panama City ist es immer schwieriger geworden und dann ist sozusagen die Königsetappe gekommen, weil die Königsetappe von dem her war definitiv von Panama City nach Cali, Kolumbien, da fliegt man über den dichtesten Dschungel der Erde, wo es keine Straßenverbindungen auch gibt, also jeder, der irgendwie Pan American Highway reist, der muss dort spätestens, wenn er mit einem Auto unterwegs ist, auf ein Boot wechseln, weil es dort einfach keinen Landübergang gibt, weil der Dschungel einfach alles dort einnimmt.

30:00Paul Guschlbauer

Das heißt, dort ist einmal in meinem Flugzeug, wir sind sechseinhalb Stunden da im Flugzeug gesessen und wirklich da zwischen dem Gewitter Slalom flogen über dem Nichts sozusagen aus der Dschungel und das war definitiv in dem Sinn die größte Herausforderung, was das Wetter angegangen ist. Dann ist es wieder natürlich, zuerst wir sind aus der Wüste gekommen, aus der Trockenen, dann in dem Bereich und dann wieder in die Wüste, dann war das Problem wieder gelöst. Aber dann sind wieder andere Herausforderungen gekommen, wie zum Beispiel eben die Höhe, die du angesprochen hast. Also die Anden sind ja einfach extrem hoch.

30:32Lucian Haas

Wie hoch kann so eine Piper eigentlich fliegen, offiziell gesehen,

30:36Paul Guschlbauer

normalerweise? Ja, also normalerweise geben sie mehr an, als man eigentlich fliegen kann. Das ist in dem Fall ganz lustig. Außer man erwischt jetzt irgendwo noch...

30:47Lucian Haas

Eigentlich dann auch doof, wenn du denkst, du kommst höher, aber dann spielt deine Maschine nicht mehr mit, oder?

30:52Paul Guschlbauer

Ja klar, da darf man sich natürlich nicht drauf verlassen. Aber ja, die fliegt so, was weiß ich, zehn, elf, maximal 12.000 Fuß kann man da erreichen. Also das sind so zwischen 3.000, 3.500 Meter irgendwie. Und ist jetzt nicht sonderlich hoch, weil ich meine, die Anden sind dann da im Durchschnitt 5.000 Meter hoch. Also da hat man natürlich keine Chance, irgendwo drüber zu kommen. Und deswegen haben wir uns da schon ziemlich irgendwie an die Küste halten müssen, entlang runter. Aber es gibt eben manche Länder und manche Airports, wo du nicht nur an der Küste landen kannst. Das geht einfach nicht. Und dann war zum Beispiel Panama City... Entschuldigung, Guatemala City ist auch so ein Airport. Der liegt auf 2.200 Meter, glaube ich.

31:42Paul Guschlbauer

Und ist eine extrem lange Piste. Ich glaube, vier Kilometer. Also starten sieben, vier, sieben und was weiß ich, startet dort so ganz easy raus. Und wir sind da... Also die Höhe ist das eine, was so ein kleines Flugzeug beeinflusst. Das andere ist die Temperatur. Wenn es so richtig warm wird, ist die Luftdichte natürlich auch weniger hoch und dann... Dann reicht der

32:05Lucian Haas

Auftrieb nicht mehr so.

32:07Paul Guschlbauer

Ja, aber nicht nur Auftrieb, sondern die Leistung vom Motor wird auch massiv schlechter. Und das in Verbindung mit dem geringeren Auftrieb in der Höhe ist dann doppelt schlecht. Und zum Beispiel Guatemala City, da wollten wir eben wirklich um sechs in der Früh losstarten. Wir haben auch so ein Sechs -Stunden -Lag vor uns gehabt. Das heißt, das Flugzeug ist relativ weit über das Maximal zugelassen. Wir haben da so eine Take -Off -Weight irgendwie beladen, was unausweichlich war. Also das ist dann schon... Das fliegt dann schon. Das passt alles. Es ist halt einfach nicht ganz hundertprozentig so gedacht. Und wir konnten dann nicht wegfliegen, weil in der Früh eben Nebel war. Und dann haben sie auch noch... Die eine Piste geht Richtung Berge, die andere Piste geht runter Richtung Meer. Das ist für mich natürlich zu bevorzugen, irgendwie Richtung Meer, wo ich dann gleich einfach sinken kann, anstatt steigen zu müssen.

32:57Paul Guschlbauer

Ist dann auch nicht gegangen, weil der Wind gedreht hat. Auf jeden Fall sind wir dann da irgendwie um kurz vor zehn, wo es dann... Oder zwischen neun und zehn, wo es dann schon über 30 Grad gehabt hat, dort gestartet. Und mal abheben tut man dann recht schnell. Es gibt auch einen Bodeneffekt und so weiter. Sind dann wirklich diese vier Kilometer so auf Tower -Höhe, also vom Turm an den Controllern vorbei, mit 60 Knoten, also knapp 90 km/h, da irgendwie vorbeigeflogen. Zehn Minuten lang und einfach nicht gestiegen. Und dann kommt irgendwann gute Maler City mit einigen Hochhäusern. Und ja, da sind wir dann so gerade so durch die Hochhäuser durch, bis wir dann endlich umgedreht gehabt haben und dann einfach sozusagen das Terrain auch abgefallen ist. Aber das waren schon so Herausforderungen, die schon sehr spannend waren.

33:46Paul Guschlbauer

Aber auch sehr lehrreich. Ich starte einfach nicht mehr in die falsche Richtung. Da kann auch bei der langen Piste ein bisschen Rückenwind sein. Aber das habe ich in dem Moment halt natürlich nicht so am Schirm gehabt. Und das sind Dinge, die lernt man einfach da mit der Zeit. Und dann so in Summe hat sich das einfach immer so weiter gesteigert, bis es dann eben so war, dass wir da wirklich Patagonien durchflogen sind. Und die Ostseite der Anden, der Patagonischen Anden, das ist einfach Sturm dort im Normalfall. Und dementsprechende Lehwellen und Leh -Turbulenzen. Und ich muss sagen, ohne diese ganzen Erfahrungen davor, wäre es dort sicher blöder gewesen, als es so war. Auch mit der Landung nachher bei starkem Wind und diesen Dingen. Das hat man in Alaska alles nicht. Der Gletscher fängt im Prinzip auf Meeresniveau an, meistens.

34:35Paul Guschlbauer

Das heißt, man ist nie sonderlich hoch oben. Es ist immer relativ kühl. Und Wind, wenn einmal starker Wind ist, dann suche ich mir, weil ich ja eh nicht auf einem Flugplatz lande, einfach die Lande -Richtung so aus, dass ich gegen einen Wind lande. Das heißt, diese ganzen Dinge, die da in Alaska, die ich dort nie gelernt habe, habe ich eigentlich auf der Reise erst lernen müssen.

34:57Lucian Haas

Learning by doing dann also. Genau, ja. Du hattest ja auf der ganzen Reise auch deine Gleitschirmausrüstung immer dabei. Welche Möglichkeiten eröffnet denn so ein Buschflugzeug fürs Paragliding? Was hast du da für dich Tolles erlebt?

35:15Paul Guschlbauer

Ja, da gibt es zwei Aspekte. Also der eine Aspekt von der Reise, ich weiß jetzt nicht genau, wie du die Frage gemeint hast, aber der eine Aspekt von der Reise, natürlich war, wirklich in diese ganzen Fluggebiete da zu kommen, die es da einfach zwischen ganz Nord - und Südamerika an der Westküste gibt. Die offiziellen Fluggebiete jetzt? Das waren da natürlich die offiziellen, aber auch inoffizielle. Also ich bin da, wir waren da schon an vielen Ecken, wie ich es dir vorher schon erzählt habe, mit diesem Alaska -Erlebnis. Es hat nicht nur dort funktioniert. Also einfach, wo man dann hinkommt und sagt, okay, das schaut eigentlich zum Fliegen aus. Und dann bin ich da halt geflogen. Das habe ich eigentlich sehr oft gemacht. Das mache ich überhaupt generell sehr gern und sehr oft, dass ich irgendwie neue Spots finde. Aber der zweite Aspekt, also ich weiß nicht, ob das eben deine Frage war, das kannst du mir nachher sagen.

36:00Paul Guschlbauer

Der zweite Aspekt ist auf jeden Fall, dass jede Stunde in so einem Flugzeug Erfahrung bringt, auch fürs Gleitschirmfliegen. Also das glaubt man vielleicht nicht, weil man glaubt, okay, man sitzt in einem Flugzeug, das hat mit Gleitschirmfliegen überhaupt nichts zu tun. Aber nur als Beispiel, ich bin gestern mit dem Simon Oberrauner in einer Cessna geflogen. Cessna kennt wahrscheinlich jeder eigentlich eine relativ jetzt kann es nicht ganz ein kleines Flugzeug, weil es ist relativ schwer. Aber er hat dann auch gesagt, das gibt es ja nicht. Da war so ein bisschen Föhn bei uns gestern oder ist gerade bei uns in den Alpen da. Und er hat gesagt, das gibt es ja nicht. Man spürt da genau, wo der Aufwindbereich ist und wo der Abwindbereich ist und so weiter. Und mein Flugzeug ist halt nochmal halb so schwer wie so eine Cessna. Das heißt, fliegerisch war es wirklich wie mit,

36:45Paul Guschlbauer

fast wie mit einem Gleitschirm. Also die Erfahrung, da wirklich diese halbe Welt zu umfliegen, das war, und immer zu spüren, wo es irgendwie aufwindet, wo es abwindet, wie stark ist so ein Gewitter gerade, wie stark ist der Aufwand wirklich, wie fühlt sich das Lee an, wie fühlt sich das Luft an. Also es war für mich ein unglaublicher Erfahrungswert, auch mit diesem Flugzeug diese Strecke zurückzulegen.

37:05Lucian Haas

Gibt es denn Dinge aus dieser Gleitschirmfliegen, die du ja schon Jahre davor auch schon betrieben hast, die dir für diese Aufgabe wirklich direkt weitergeholfen haben und wo du vielleicht sagst, da profitierst du als Buschpilot wirklich davon? Ja,

37:21Paul Guschlbauer

da habe ich ein ganz gutes Beispiel. Ich bin mal am Anfang meiner Buschpiloten -Karriere sozusagen da in Alaska geflogen und wir haben damals eben eh den Gavin bei seinem North of Known Projekt supported mit dem Flugzeug auch, also immer wieder mal irgendwo hingeflogen und ihn getroffen. Und da war ein Buschpilot mit mir mit, mit seinem Flugzeug, auch so ein kleiner Flieger und wir sind dann halt da irgendwo gelandet auf der anderen Seite von der Alaska Range und dann hat es eben geheißen, ja, wir müssen jetzt da über die Alaska Range wieder zurück auf die andere Seite, sind gleichzeitig gestartet und ich bin halt dann nicht so gerade zum Berg hinfliegen, sondern habe halt so geschaut, ja, wo könnte da jetzt ein Aufwind sein und bin dann halt da an diese Wand, wo da ein bisschen so die Sonne drinnen war und dann vielleicht noch ein bisschen den Wind mitgenommen.

38:07Paul Guschlbauer

Auf jeden Fall fünf Minuten später war ich halt da irgendwo oben über den Bergen und bin da über die Alaska Range drüber und der funkt mich so an, der ist jetzt aber schon seit 15 Jahren oder so, da zählt Buschpilot in Alaska gewesen und es funktioniert. Naja, er kommt da nicht gescheit hoch und er weiß nicht, wie ich das jetzt überhaupt angestellt habe, das gibt es ja jetzt nicht, dass ich da überhaupt über die Berge drübergekommen bin, das ist ja nicht normal und so weiter und das ist ja nichts anderes. Also in einem Flugzeug spürt man oder da wirkt sich ja Aufwind und Abwind genauso aus wie bei einem Gleitschirm. Da gibt es ja keinen Unterschied und diese Erfahrung, die ich da habe, dass ich halt einfach wirklich relativ genau weiß, wo es rauf geht und wo es unangenehm turbulent ist und wo es runter geht, die hat sich bei mir bei jedem einzelnen Flug irgendwie bewährt mit dem Flugzeug und das ist ja, den Motorantrieb,

39:01Paul Guschlbauer

die Motorleistung kann man sozusagen einfach da als Konstante nehmen und alles andere umrechnen. Also wenn ich einen Aufwind habe, konstante Motorleistung, dann spare ich halt am Ende so und so viel Sprit, weil ich einfach so und so viel schneller fliegen kann, weil ich einfach die Leistung vom Aufwind noch dazu habe sozusagen.

39:18Lucian Haas

Das heißt, du fliegst das Flugzeug fast wie ein Motor, auch wenn du jetzt gar nicht die Spannweite hast mit deinem, deiner kleinen Piper da. Absolut, ja. Das ist

39:24Paul Guschlbauer

völlig, das ist ganz egal. Also das ist mit jedem Fluggerät immer gleich, dass du, dass du von der Energie her, vom Energiehaushalt her einfach das mitrechnen kannst, diese Aufwindbereiche und da, da war es gerade in den Anden oft extrem spannend, also allein vom Sicherheitsfaktor her schon. Wenn du einfach startest mit so einem leichten Flugzeug und da jetzt bei starkem Wind durch die hohen Berge fliegst, wenn du nicht weißt, auf welcher Seite ist es sicher und auf welcher Seite ist es turbulent und abwind,

39:56Paul Guschlbauer

dann geht es auf lange Sicht einfach nicht gut in so einem Flieger und das, das muss man normal über Jahre lernen und das habe ich eben über Jahre im Gleitschirm gelernt und das hat mir da sicher extrem viel gebracht.

40:08Lucian Haas

Jetzt mal andersrum gedacht oder andersrum angeschaut, gibt es denn auch Sachen, wo du sagst, da hast du fürs Gleitschirmfliegen auch wirklich was profitiert, dadurch, dass du jetzt mit dieser Piper da fliegst und da vielleicht auch, na, manche Linien abfliegen kannst, wo du dich sagen würdest, das traue ich jetzt mit dem Gleitschirm erstmal nicht zu, weil wer weiß, ob ich da hinten überhaupt landen kann, aber mit der Piper hast du plötzlich die Möglichkeit, auch neues Gelände viel besser zu erkunden und sowas. Gibt es da Sachen, wo du sagst, da hast du profitiert, was dann wirklich auch deine Art vielleicht Gleitschirm zu fliegen, Gelände zu lesen oder sonst was zu machen, was das beeinflusst, verbessert oder sonst was hat?

40:42Paul Guschlbauer

Du hast das im Prinzip jetzt gerade schon genauso gesagt, wie ich es jetzt gesagt hätte und zwar eben, dass man eben ein bisschen was ausprobieren kann, dadurch, dass man einfach erstens mal stabile Flügel hat, die jetzt nicht gleich zusammenklappen und zweitens noch einen Motor hat, dass man irgendwie eine zweite Chance bekommt, wenn man es noch raus schafft aus irgendeinem Abwind. Das heißt, ich habe oft mal was ausprobieren können, wie zum Beispiel bei starkem überregionalen Wind, wie fühlt sich das Lee jetzt wirklich an da drüben oder ist es eigentlich eh viel ruhiger sogar im Lee zu fliegen und vielleicht, ja, steigt es dort vielleicht auch noch gut und so. Also, das hat mir, genauso wie ich es vorher für das Flugzeugfliegen erklärt habe, genauso viel im Gegensatz dazu eben auch für das Gleitschirmfliegen gebracht.

41:28Paul Guschlbauer

Also, die, wenn ich es mir jetzt so überlegt habe, ich bin dann zurückgekommen nach einem Jahr, ich war 2018 insgesamt zwei Wochen in Österreich daheim sozusagen und bin verhältnismäßig wenig Gleitschirm geflogen. Natürlich in jedem Land bin ich geflogen und immer, wenn es gegangen ist, bin ich geflogen, aber zu dem, was ich sonst natürlich, wenn ich daheim bin, eigentlich jeden Tag am Gleitschirm fliege, war es natürlich wenig und trotzdem, dann bin ich heimgekommen und dann habe ich gewusst, da gebe ich jetzt fünfeinhalb Monate Zeit, dann ist das nächste X -Alps und habe jetzt eigentlich ein Jahr lang, ja, mich nicht jetzt konkret spezifisch auf X -Alps vorbereitet und trotzdem glaube ich, dass ich in dem einen Jahr mindestens so viel dazugelernt habe fliegerisch, wie wenn ich ein Jahr lang in den Alpenstrecken fliegen gewesen wäre und das hat sich auch so angefühlt.

42:14Paul Guschlbauer

Also, ich bin dann fliegen gegangen, hier wieder im Frühjahr 2000, also im Heuer, im Frühjahr ganz normale Streckenflüge gemacht und habe sicher nicht das Gefühl gehabt, dass ich weniger kann als vorher, sondern eher mehr.

42:26Lucian Haas

Das heißt, egal welche Fliegerei, das trainiert quasi so das Vogelhirn, wo man sagt, die Luft verstehe ich dann jetzt einfach viel besser.

42:33Paul Guschlbauer

Ja, also, sage ich mal, alles was, ich meine klar, wenn du jetzt in einem Jet sitzt und da sowieso gleich einmal in irgendein Flight Level draufschießt auf zehntausend Fuß, also, zehntausend Meter und dann dort mit dem Autopilot rumfliegst, wird es natürlich nicht helfen, aber alles was sich, sage ich mal, unterhalb im Aufwindbereich abspielt und mit einem Fluggerät ist, dass du noch halbwegs agil steuern kannst, bin ich ganz sicher, dass jede Minute in der Luft was bringt, ja, ganz egal.

43:05Lucian Haas

Wenn wir jetzt noch bei dem Vergleich von Gleitschirm und diesem Motorflugzeug fliegen bleiben, aber auf eine andere Sache schielen. Es gibt ja auch so diese typische Flieger -Communities, Gleitschirmpiloten, Motorschirmpiloten oder nicht Motorschirmen, Motorflugzeugpiloten, gerade diese kleinen Sportmaschinen, so. Gibt es da für dich Unterschiede zwischen diesen Communities, wo du sagst, sehr typisch zu erkennen oder ist es eigentlich Flieger, egal mit welcher Maschine oder welcher Technik sie fliegen, irgendwo sind das immer ganz ähnliche Menschen? Hm. Das ist jetzt eine interessante Frage,

43:42Paul Guschlbauer

die ich dir, die ich dir so als erstes jetzt gar nicht beantworten kann, so gleich, weil da will ich mich auch gar nicht drüber trauen jetzt zu sagen, okay, die Menschen sind so und die Menschen sind so. Ich finde, dass jeder, der fliegt, ist irgendwie schon mal ein Feld, ja, so kann man schon sagen, jeder, der fliegt, ist irgendwie vielleicht in einer gleichen, gleichen Art Mensch sozusagen, weil er eben fliegt und weil ihm das irgendwie taugt, da sozusagen irgendwie die Welt von oben zu sehen und irgendwie diese drei Dimensionen zu erleben, indem man sich da bewegen kann, aber,

44:19Paul Guschlbauer

ja, gleich wie, wie die Motorflieger vielleicht den, den Gleitschirmfliegern, die Motor -Gleitschirmflieger, den, den Thermikfliegern, ja, die, da sind vielleicht auch irgendwie so Unterschiede dabei, ja, aber das sind, das sind natürlich Details. Wo schon Unterschiede gibt, sind, glaube ich, eben diese Leute, die sich wirklich damit auseinandersetzen, mit diesen ganzen Luftbewegungen, wie eben die Gleitschirmflieger das extrem machen und wenn das dann noch Leute sind, die auch in kleinen Flugzeugen das machen, das, das ist dann schon interessant. Also das, da gibt es, glaube ich, nicht so viele, die sich mit sowas auseinandersetzen und das auch so ausnützen, weil die meisten Motorflieger, das lernt man auch in der Schulung nicht wirklich, also da gibt es auch keine, keine Schulung dafür, dass gesagt wird, okay, bei der, bei der Motor -Schulung,

45:08Paul Guschlbauer

Motorflugzeug -Schulung, da wird nicht gesagt so, jetzt fliegen wir in, in die Berge rein und du, du fliegst jetzt nur den Aufwinden nach, also das, das gibt es einfach nicht. Ja, das passt

45:16Lucian Haas

wahrscheinlich gar nicht zur Denke klassisch, aber du hast, du hast den Motor vorne als Aufwind quasi eingebaut, dann denkst du nicht mehr groß über die Natur nach, was sie dir da noch liefern kann.

45:24Paul Guschlbauer

Genau, da wird gesagt, okay, da will ich hin, da steige ich und dann bin ich im Reiseflug und dann gehe ich wieder runter, das ist einfach, aber das ist da, oder vielleicht achtet man noch darauf, generelle Windrichtung, dass man irgendwie in einer Höhe fliegt, wo man vielleicht noch Rückenwind hat,

45:40Paul Guschlbauer

aber alles andere wird eigentlich überhaupt nicht bedacht und das ist schon ein extrem spannender Aspekt und ich glaube auch ein extremer Sicherheitsaspekt für, für die Leute, weil eben, weiß ich vorher schon, dem Beispiel der erfahrene, an sich erfahrener Buschpilot in Alaska fliegt die ganze Zeit über die, über die Alaska Range drüber, hat aber gar keine Ahnung, dass er sich jedes Mal eine Viertelstunde sparen könnte, wenn er nur die richtige Linie fliegen würde, theoretisch.

46:05Lucian Haas

Weil er einfach viel schneller nach oben kommt.

46:07Paul Guschlbauer

Genau, weil er schneller nach oben kommt und dann eben auch schneller fliegen kann, wenn er den Aufwind auch in Geschwindigkeit umsetzen kann.

46:14Lucian Haas

Springen wir jetzt noch mal ein bisschen im Thema. Wenn man das Projekt Overland im vergangenen Jahr bei dir verfolgt hat, da hast du am Anfang immer regelmäßig noch so einen Videovlog quasi auch gemacht, ständig neue Episoden reingestellt und dann irgendwann hat das aufgehört. Ich glaube irgendwo in Mexiko oder so was. Und was ist da geschehen? Was, was war der Punkt? Warum hast du gesagt, ach die Videos, das lasse ich jetzt mal sein?

46:37Paul Guschlbauer

Ja, das ist eh schön, dass ich das jetzt hier irgendwie anbringe. Weil ich ja immer wieder die Frage gestellt bekomme natürlich, was ist da jetzt los gewesen und warum hast du da nicht weitergemacht? Die Antwort ist einfach ganz easy. Ich habe es einfach nicht mehr auf die Reihe gekriegt, das jetzt auch noch zu machen. Also da so ein Video zu schneiden war einfach, ja, das kostet einfach drei, vier Tage Arbeit und diese drei, vier Tage Arbeit habe ich einfach nicht mehr gehabt. Ich bin dann, das war dann so viel mit, mit Ländern, jeden, keine Ahnung, jede Woche ein neues Land. Ja. Flugplanung, Wetter, was da alles dazukommen ist plötzlich und dann habe ich schon noch weiter alles gefilmt, aber diese Tage habe ich einfach nicht mehr gehabt und ich habe dann irgendwann einmal auch,

47:23Paul Guschlbauer

einfach, das hat mir auch leid dann, weil das war ja immer schon der Plan. Ich habe auch 2017 schon mit dem, mit dem XAlps angefangen diesen Vlog zu machen und da auch eben die Community schon aufgebaut und das war auch schon immer mit dem Hintergedanken einfach das für dieses Overland -Projekt zu machen. Also den YouTube -Kanal, diese Idee habe ich eigentlich auch für dieses Projekt gehabt, einfach, dass alles da, das klingt jetzt so, als hätte ich es nicht gern XAlps auch da drauf gebracht, das war super cool, das war, hat mir extrem Spaß gemacht, aber so im Hinterkopf habe ich immer gehabt, ja, na, ich baue diesen Kanal auf, damit ich dort dann diese Geschichte von dieser Reise erzählen kann und dann habe ich einfach gemerkt, okay, mit den Mitteln, nur ich allein, mit meinem Laptop und mit meinem Flugzeug und da ist noch meine Frau dabei gewesen, okay, die hat mir schon ein paar Sachen helfen können, aber sagen wir mal, nur wir beide haben es einfach nicht geschafft, in 180 Tagen da runter zu reisen und gleichzeitig das zu filmen, zu schneiden und online zu stellen und das tut mir irgendwie leid,

48:23Paul Guschlbauer

allen gegenüber, die da irgendwie gewartet haben, aber ich kann jetzt nur sagen, ich habe alles weiterhin gefilmt, wir haben inzwischen jetzt acht Episoden produziert mit Red Bull, die kommen auf Red Bull TV und auf Red Bull YouTube, die, die zeigen einfach da sicher die schönsten Bilder und beschreiben die Reise so, natürlich kann man nicht so ins Detail gehen, weil wenn man da 50 Episoden auf YouTube machen würde, aber es wird, die Reise ist dokumentiert, es kommen diese Episoden, werden veröffentlicht werden und es kommt nächstes Jahr dann auch noch eine 45 -Minuten -Dokumentation fürs Fernsehen da drüber aus dem Material, das ich gefilmt habe und ja, so kommt es schon noch irgendwann, aber das andere ist einfach nicht mehr gegangen, also dann war es so irgendwie entweder oder, ein bisschen.

49:13Lucian Haas

Du hast jetzt gerade schon erwähnt, bei der Reise war deine Frau Magdalena die ganze Zeit mit dabei, sie saß dann in dieser kleinen Piper immer hinter dir, weil das so ein schmales Ding ist, das ist wie Tandemfahren, man sieht immer nur den Rücken oder den Kopf von dem anderen und damit war die ja eigentlich, du warst der Pilot, sie hat wahrscheinlich gar keinen Pilotenschein in der Form, das heißt, die war vollkommen von dir abhängig. Nun, ist das ja eine ziemlich intensive Phase wahrscheinlich, wenn man so lange da zusammenfliegt und da immer hintereinander sitzt und der andere, der muss das irgendwie hinkriegen, dass das alles so klappt. Was hat diese Reise mit euch als Paar eigentlich gemacht? Hat das, in welcher Form hat das eure Beziehung verändert?

49:56Paul Guschlbauer

Ja, also da,

49:59Paul Guschlbauer

also ich weiß jetzt nicht, ob ich die ganze Geschichte erzählen soll oder ob ich einfach nur zusammenfassend sagen soll, es ist jetzt besser, als es vorher war. Aber es war hart. Okay, das ist

50:09Lucian Haas

die Kurzfassung, aber es

50:11Paul Guschlbauer

war hart? Es war sehr hart, zwischendurch natürlich, weil sie ist irgendwie so ins kalte Wasser geworfen worden. Also ich habe ja schon so Pläne gehabt, irgendwie da, ja und wir machen einen großen Film und dann kommt irgendwie ein Kameramann mit und der sitzt dann bei mir hinten drin und der filmt dann alles und dann produzieren wir irgendwie diese Videos und die Vlogs und so weiter und im Endeffekt, im Nachhinein muss ich sagen, ist es eh so gekommen, wie es kommen hätte sollen, aber in dem Moment, war dann irgendwie so, das funktioniert jetzt alles nicht, ich habe irgendwie kein Budget für sowas und das läuft einfach nicht so und der Platz ist für sie frei geworden, weil ja, das werden jetzt die einen oder anderen vielleicht irgendwie nicht so cool finden, aber ja, wir sind verheiratet und sie hat jetzt kein Geld von mir verlangt,

50:59Paul Guschlbauer

dass sie sich da hinten eingesetzt hat und mitgefilmt hat und so.

51:03Paul Guschlbauer

Auf jeden Fall ja, sie hat den Platz eingenommen, ohne irgendwas von Fliegerei jetzt wirklich zu kennen, ohne genau zu wissen, was auf sie zukommt, ohne selbst eigentlich den konkreten Traum zu haben und sie hat einfach vertraut und hat einfach mitgemacht und ich finde es noch immer faszinierend und finde es noch immer wahnsinnig stolz auf sie und dass sie das mit durchgezogen hat und ich glaube, es hat sie stärker gemacht und es hat uns stärker gemacht und es war für uns beide ja genauso perfekt, wie es gelaufen ist, also ganz spannende, also ganz spannender Aspekt dieser Reise, definitiv.

51:48Lucian Haas

Wenn man diese Entwicklung sich mal vorstellt, dann muss ja eigentlich der Anspruch an die Person, wie geht man mit diesem ganzen Ding um, war ja dann für die Magdalena noch größer im Grunde als für dich, weil die mit vielen von dem, was dann Erlebnissen auf sie zukam, auch gerade den fliegerischen Erlebnissen, da eigentlich gar keine Erfahrung hat, da ist ja kein Erfahrungshorizont für die schon da war, wo die sagen kann, hey, ich weiß jetzt, was hier abgeht, sondern die konnte immer nur sagen, scheiße, ich weiß überhaupt nicht, was hier abgeht, der Paul muss mich jetzt hier irgendwie hier durchschaukeln.

52:18Paul Guschlbauer

Ja, das Gute ist, also sie lernt sehr schnell, das ist schon mal gut gewesen, weil sie hat es wirklich sehr schnell herausgehabt, also worauf es auch ankommt und hat auch wirklich, ich habe sie sogar fragen können, also so Funken und so in der Luft, das geht oft relativ schnell und ist gar nicht so leicht zu verstehen, aber sie hat das irgendwie sehr gut gemacht, weil sie sehr schnell drauf kommt und ich habe sie dann oft mal fragen können, was der jetzt gesagt hat, also sie hat dann auch in der Hinsicht schon wirklich viel dazugelernt und hat dann ganz viel übernommen von so organisatorischen Dingen, keine Ahnung, während ich geflogen bin und in den nächsten Ort hat sie schon irgendwie versucht, irgendwie zu organisieren, wo wir dann übernachten werden und keine Ahnung, wen wir dann treffen und so weiter, aber klar, sie hat im Endeffekt, gerade was das Fliegerische angeht,

53:06Paul Guschlbauer

100 Prozent vertrauen müssen, also da sind wir wieder da, wo wir am Anfang waren, wie geht man sowas an, man muss einfach im Moment sein und das Vertrauen lernen und da, weiß nicht, das ist einfach definitiv eine Stärke von uns in der Beziehung, in unserer Beziehung auch, dass wir uns eben auch so vertrauen und dass sie mir auch so vertrauen kann und sie tut es einfach.

53:28Lucian Haas

Nun wächst man da ja wahrscheinlich innerhalb von so sechs Monaten dann wirklich unheimlich zusammen, man hockt die ganze Zeit so dicht aufeinander, erlebt alle Höhen und Tiefen da zusammen, gemeinsam mit. Nun endet dann irgendwann so eine Reise, auch eine Reise zu sich selbst oder eine Reise zu gemeinsam als Paar, wo man dann zueinander findet. Wie schwer ist dann eigentlich so eine Rückkehr in die Heimat und in den Alltag? Wie schwer ist dir das gefallen? Tut sich da auch so eine gewisse Sinnlosigkeit dann auf oder hat sich das für dich dann so aufgeteilt, du sagst, scheiße, was mache ich jetzt? Der große Traum ist durch?

54:03Paul Guschlbauer

Ja. Also im ersten Moment war es so, dass wir uns eigentlich schon dann gefreut haben, mal heimzukommen. Bis es dann gerade vorbei war, haben wir einfach gesagt, so passt jetzt, lassen wir den Flieger da einfach mal stehen, beim Andi da in La Cumbre, beim Aero Atelier in Argentinien und fliegen jetzt einfach heim und feiern mal Silvester daheim mit unseren Freunden, die wir schon ewig nicht gesehen haben und so. Und dann war leider, dann war einfach mal gar keine Zeit, für irgendein Loch, weil dann waren eben, wie ich es vorher schon mal auch kurz gesagt habe, fünfeinhalb Monate Zeit, bis zum Start vom X -Alps. Und ich habe mich überhaupt nicht ready gefühlt für X -Alps in dem Moment. Nach Fliegen jeden Tag in so einem Flugzeug sitzen und so weiter, das war jetzt wirklich nicht die X -Alps Vorbereitung schlechthin.

54:53Paul Guschlbauer

Und deswegen habe ich mich einfach hundertprozentig auf das fokussiert, wirklich so konsequent wie noch nie trainiert, habe mich wirklich perfekt vorbereitet und dieses, dieses Loch sozusagen, von dem du sprichst, ist eigentlich dann erst danach gekommen. Also so Herbst war jetzt wirklich irgendwie krass. Also ich bin dann so mal da gesessen und habe mir gesagt, was ist jetzt eigentlich die letzten eineinhalb oder zwei Jahre passiert? Das war so wow. Das war wirklich krass und ich finde es auch cool, dass du das ansprichst, weil darüber wird dann auch nicht so oft so geredet, was einfach so Konsequenzen sind, wenn man sich ständig so mit so vielen Herausforderungen abgibt. Und wenn man eigentlich immer nur von einem Neuen zum nächsten Neuen geht, hat man ja überhaupt keine Zeit zu reflektieren eigentlich.

55:39Paul Guschlbauer

Und dann vergeht die Zeit vor sich hin und das ist dann halt passiert. Dann bin ich nicht einmal dazu gekommen, ich bin auch bis jetzt noch nicht dazu gekommen, mir alle Fotos von der Reise anzuschauen oder so irgendwas und das Footage durchzuarbeiten. Das hat jetzt alles Red Bull gemacht und die Videos daraus geschnitten. Also da ist überhaupt keine Zeit. Und dann war wirklich so ein Moment, wo ich gesagt habe, was mache ich jetzt eigentlich? Was hat mir das jetzt eigentlich gebracht? Und da komme ich jetzt gerade wieder so ein bisschen raus und jetzt kommen eigentlich wieder coole Pläne für die nächsten Jahre.

56:12Lucian Haas

Lass uns nochmal ganz kurz zu den X -Alps zurückspringen im Sommer. Ich will da nicht tief auf was bei den X -Alps passiert ist, sondern einfach nur von deiner Reise heraus, wo du sagst, du hast dann fünfeinhalb Monate dich vorbereitet. Hast du dann gemerkt, dass einfach mit diesen Erfahrungen aus dem Overland -Projekt heraus, hat sich da deine Einstellung gegenüber dem Wettbewerb in irgendeiner Art und Weise verändert? War das eine ganz andere als bei den anderen Wettbewerben in den Vorjahren?

56:39Paul Guschlbauer

Ja direkt. Davor hat sie sich insofern ändern müssen, als dass ich einfach nur kurz Zeit gehabt habe im Verhältnis zu davor. Also davor war ich eigentlich so die Letzten, also immer schon. Ich bin mit 13 habe ich angefangen Mountainbike -Rennen zu fahren und habe seitdem Ausdauer trainiert und nie aufgehört. Und das war irgendwie so mal dieses eine Jahr jetzt, wo ich relativ weg war von konsequentem Ausdauer -Training. Und dann waren einfach mal die Umstände anders. Also dann habe ich einfach sagen müssen, so jetzt habe ich eben diese Zeit und jetzt muss ich in der Zeit hundertprozentig professionell mich vorbereiten. Das war schon mal sehr anders. Und dann, dadurch habe ich es natürlich auch anders gesehen. Dadurch ist auch der Wettbewerb einfach zu einem Wettbewerb geworden, so richtig. Und nicht nur zu einer Lebenseinstellung, sag ich mal, wie es die Jahre davor war, sondern einfach so, okay, das ist jetzt wichtig und das gehe ich jetzt professionell an und überlege mir genau, was jetzt wichtig ist.

57:30Paul Guschlbauer

Und ich glaube aber, die wahrhaftigen Überlegungen sozusagen darüber und wo das jetzt alles zusammenkommt, das kommt erst jetzt so, dass man einfach die Perspektiven ein bisschen ändert und sagt, okay, das ist das eine, was ich in meinem Leben mache. Spannende Reise um die Welt und Leute treffen, was wir eben alles schon angesprochen haben und neue Erfahrungen, jeden Tag neue Herausforderungen. Und das andere eben, dieser Wettbewerb, auf den man sich auch hundertprozentig fokussieren kann, wenn man will, über viele, viele Jahre, wie andere auch zeigen in der Szene, wo man sagt, okay, man macht nur das. Und ja, das ist auch, für mich ist das super gewesen, weil dadurch habe ich jetzt ganz neue Dinge zum Nachdenken, auch wie ist mein Blick auf diese Dinge.

58:15Paul Guschlbauer

Und ja, es ist sicher nicht mehr das einzig hundertprozentig Allerwichtigste für mich, wie es vielleicht mal in der Zeit zwischen 2011 und 2015 war.

58:25Lucian Haas

Bei den X -Types letzten Sommer gab es diese eine besondere Szene, wo du, das war am letzten Tag, gemeinsam dann mit dem Benoit Uters, oder wie das heißt, wirklich dann zusammen ins Ziel gelaufen und geflogen bist und dann quasi Hand in Hand dann ins Ziel kamst und wo alle sagen, boah, der Sieg der Kameradschaft und sowas. Fußt diese Entscheidung, auch so etwas zu machen, auch auf diese Erfahrung mit der Reise, wo man sagt, okay, wenn man gemeinsam was irgendwo hinkommt, dann ist es eigentlich mehr?

58:56Paul Guschlbauer

Kann sein. Das weiß ich jetzt nicht genau, ob man diese Verbindung, diese Verbindung finden kann, aber in dem Moment, um es einfach mal so zu sagen, wie es ist, hat es überhaupt gar keine andere logische Lösung für uns beide gegeben. Also da, keine Ahnung, ich kenne den Benoit oder ich habe den Benoit davor eigentlich gar nicht wirklich gekannt, aber wir sind eben in den zwei, drei Tagen vor dem letzten Tag schon immer wieder so irgendwie so nicht jetzt direkt aufeinander getroffen, aber wir haben uns so ein kleines Battle geliefert gehabt. Und dann eben am vorletzten Tag sind wir da, irgendwann haben wir Abend dann wirklich an der gleichen Stelle gelandet, nachdem wir uns am Tag davor irgendwie schon so voll gebettelt haben und nicht dann wieder ein bisschen vorher waren, da war er wieder ein bisschen vorher, auf jeden Fall. Plötzlich stehen wir am Abend am gleichen Punkt und laufen zwei Kilometer, bis es 22.30 Uhr ist,

59:46Paul Guschlbauer

noch gemeinsam da entlang und reden halt so und denken uns, ja, wie krass jeder eigentlich nur froh ist, dass es jetzt irgendwie tatsächlich so ausschaut, als könnte man es jetzt ins Ziel schaffen. Also das ist so, da hat aber er sogar mehr noch diese Einstellung gehabt. Für mich ist es schon noch so ein bisschen mehr der Wettbewerbsanteil gewesen und er war einfach wirklich so und das habe ich ihm dann auch wirklich hundertprozentig abgenommen so, ich will einfach nur irgendwie nach Monaco kommen. Das ist so bei ihm ganz, ganz arg drinnen gewesen. Und ich habe mich da von dem auch dann ganz leicht auch mitreißen lassen und wir waren da wirklich einfach wie so zwei Freunde, die da halt irgendwas krasses die ganze Zeit schon seit zehn Tagen miteinander unternommen haben und einfach nur froh sein, wenn sie jetzt irgendwie ins Ziel kommen können. Und am nächsten Tag war das dann auch so, da sind wir dann gemeinsam auf den Berg gegangen und sind dann gemeinsam geflogen und haben uns da gegenseitig unterstützt und schon aber auch gepusht und geschaut und wenn dann irgendwie einer von uns frühzeitig gelandet wäre, dann hätte dann der andere das natürlich ausgenützt.

1:00:45Paul Guschlbauer

Aber irgendwann einmal war dann auch der Punkt, wo wir dann eben gelandet sind und einfach gemerkt haben, so und jetzt geht es einfach wirklich nur mehr darum, irgendwie ins Ziel zu kommen, ohne dass uns die Meute, die auch von hinten kommt, jetzt einholt. Und dann sind wir dann so völlig, da hat es glaube ich 35 oder 40 Grad gehabt, entlang gelaufen und völlig fertig und irgendwann haben wir halt dann irgendwie so Andeutungen jeder gemacht, ja was machen wir jetzt eigentlich, rennen wir uns jetzt dann die letzten zehn Meter, geben wir uns jetzt dann noch ein Sprint Battle nach zwölf Tagen Rennen oder elf Tagen Rennen, das kann jetzt eigentlich auch nicht sein. Und haben dann eigentlich einfach wirklich beschlossen, so jetzt, wenn es da so Joint Force ist, wir fliegen gemeinsam, wir laufen gemeinsam, wir unterstützen uns gegenseitig, teilen das Wasser, das wir noch haben oder etwas zum Essen und gehen da jetzt einfach gemeinsam ins Ziel.

1:01:34Paul Guschlbauer

Und das war jetzt nicht so okay gut überlegt, ja wie könnte das rüberkommen oder so, sonst war es einfach das Einzige, was man in der Situation mit dem Hintergrund, wir battlen uns jetzt seit, oder wir kämpfen beide schon seit zehn Tagen darum, ins Ziel nach Monaco zu kommen, dann müssen wir jetzt einfach schauen, dass wir beide nach Monaco kommen. So ungefähr.

1:01:57Lucian Haas

Nun bist du ja jetzt bei den X -Alps schon viermal Dritter geworden. War das jetzt das letzte Mal, wo du das, oder jetzt beim letzten Mal, wo du das mit dem Benoit zusammen gemacht hast, war das quasi der schönste dritte Platz dann?

1:02:08Paul Guschlbauer

Die waren alle super schön, muss ich sagen. Der war der schönste, gute Frage. Die Frage habe ich mir noch nicht gestellt. Es war auf jeden Fall cool, es war mal was anderes. Es sind irgendwie lustigerweise alle meine dritten Plätze bis jetzt irgendwie eigenartig gewesen oder irgendwie besonders. Ich glaube, die Leute, die das verfolgen, die werden das ungefähr wissen, was da jedes Mal passiert ist und was dann am Ende, was dann der dritte Platz auf die Art ist. Also da war immer irgendwie eine Story dabei, lustigerweise. Aber es war auf jeden Fall ein super cooles

1:02:41Lucian Haas

Erlebnis. Wie geht es nun weiter? Du hast gerade gesagt, jetzt kommen auch so neue Projektideen oder so. Was steht dann für dich an? Geht es mit dem Bush -Piloten -Dasein auch noch weiter oder was planst du jetzt in der Zukunft noch?

1:02:53Paul Guschlbauer

Ja, ich bin jetzt, im September habe ich jetzt mein Flugzeug, irgendwie zuerst mit einem Container, zuerst ist es mit einem Container von Buenos Aires nach Seattle gekommen und dann bin ich nach Alaska raufgeflogen und habe es dann jetzt dort bei meinem Freund, dem Ken, eben geparkt. Also es ist jetzt noch dort und es gehört noch mir und ich habe schon diese Ideen auch, was ich damit nicht noch alles machen würde, gern dort.

1:03:17Paul Guschlbauer

Gleichzeitig möchte ich aber auch hier in Österreich ein bisschen mehr in die Richtung was machen und vielleicht schauen, ob man nicht auch hier ein bisschen das mehr zeigen kann, was man mit so einem Flugzeug eigentlich machen kann, wer weiß, was sich da noch entwickeln kann. Einfach das auch hier ein bisschen ausprobieren, muss ich jetzt schauen, wie ich das jetzt organisiere, weil mein Flugzeug wird wahrscheinlich nicht herkommen, das gehört auch nicht daher, das gehört einfach nach Alaska. Das ist eine Richtung. Und dann für nächstes Jahr, also ich habe schon ich selbst 2021 am Schirm wieder und nächstes Jahr möchte ich einfach mal schauen, dass ich wieder da gut fit wäre, mich so langsam darauf vorbereite und habe da eben auch so eine Projektidee in den Alpen mit dem Gleitschirm, hike and fly.

1:04:04Paul Guschlbauer

Ja, aber ein bisschen so mehr so mein Stil. Also das ist so die Idee, was würde ich eigentlich gern machen während dem X -Alps, wenn es kein Rennen wäre sozusagen. Dann würde ich manche Dinge vielleicht anders machen, als ich sie während dem Rennen tun muss. Und ein bisschen das würde ich gerne mal so ein bisschen ausprobieren. Das ist einmal so ein Projekt. Ja und dann, familiär wird sich auch irgendwie was tun in nächster Zeit.

1:04:27Lucian Haas

Das ist doch eine schöne Nachricht zum Ende. Dann würde ich auch damit mit diesem Podcast zum Ende kommen. Ein paar schöne Ausblicke für die Zukunft in alle Richtungen. Paul, ich danke dir für deine tollen Erzählungen, die vielen Ausführungen da. Ein tolles Abenteuer. Ich glaube, da steckt so viel drin. Man könnte wahrscheinlich dann stundenlang darüber erzählen und alle möglichen kleinen und großen Abenteuer dann da aufgreifen. Die Leute, die hier zuhören, wahrscheinlich werden, ein paar werden dann auch gucken, was kann man da noch an Videos bei dir auf deinem Kanal dann noch nachschauen oder dann auch die neuen, die dann wahrscheinlich jetzt von den Red Bull -Geschichten dann auch noch dazu kommen. Also es lohnt sich auf jeden Fall da ein bisschen reinzugucken, kann ich nur sagen. Macht irre Spaß.

1:05:07Paul Guschlbauer

Darf ich da noch kurz noch einhaken? Ja gerne. Möchte ich einfach noch sagen, ich also diese Geschichte, Overland -Geschichte erzähle ich auch mit meiner Frau zusammen in Form von meinem Vortrag. Also wir haben den jetzt vorbereitet und wir wollen jetzt schauen, dass man da gut verteilt,

1:05:24Paul Guschlbauer

in Österreich und auch Deutschland ein paar Termine finden und ich hoffe, dass dann, wenn dann Leute noch weiter Interesse haben an unserer Story, dass vielleicht auch irgendwie, dass wir es dann persönlich sehen und diese Geschichte vielleicht noch irgendwo erzählen können.

1:05:37Lucian Haas

Ja, ich wäre gespannt, auch da noch mehr Hintergrund zu erfahren und soweit ich weiß, machst du das ja mit der Magdalena zusammen, also die wird ja wahrscheinlich auch noch einen Teil von ihrer Geschichte dann auch noch erzählen, die wahrscheinlich mindestens genauso spannend ist wie deine Geschichte. Ist auf jeden Fall was, wo es sich lohnt, dann wahrscheinlich hinzugehen.

1:05:54Paul Guschlbauer

Ja, na auf jeden Fall. Also sie hat da ganz, weil du ja auch gefragt hast, wie das für sie war, sie kann das sehr gut erklären, wie das für sie war. Das ist schön.

1:06:02Lucian Haas

Okay Paul, ich danke dir und wünsche dir für alle weiteren Projekte, die jetzt kommen, alles Gute.

1:06:08Paul Guschlbauer

Danke vielmals, danke für das Interview.

1:06:16Lucian Haas

Das war Paul Guschlbauer im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du mehr über das Projekt Overland samt Bildern und Videos zu einzelnen Etappen erfahren willst, dann sei dir die zugehörige Website empfohlen. www.fly -overland.com Termine zu künftigen Vorträgen über die Overland -Reise von Paul und Magdalena werden auf Pauls Facebook -Kanal bekannt gegeben. facebook.com slash guschlbauer.paul Wenn dir dieser Podcast mit der Geschichte aus Pauls Kosmos des Gleitschirmfliegens gefallen hat, dann bleib dran, denn es gibt gleich noch eine kleine Zugabe. Zuvor sei mir der kurze Hinweis erlaubt, dass du den Podcast Podz-Glidz und den Blog Looglights gerne als Förderer unterstützen darfst, denn dann kann ich dir auch in Zukunft noch mehr solcher interessanter Gespräche und Beiträge liefern.

1:07:09Lucian Haas

Deinen Förderbeitrag darfst du völlig frei wählen. Für Unentschlossene empfehle ich als Richtwert einen Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Looglights. Zahlungen sind ganz einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich. Die zugehörigen Daten findest du auf der Website von Looglights. Und nun, wie versprochen, noch die kleine Zugabe. Als wir die eigentliche Aufzeichnung des Gesprächs schon beendet hatten, quatschte ich mit Paul noch über dies und das und dabei erzählte er, wie die Reise in dem kleinen Flugzeug seinen Blick auf die Welt verändert hat. Das Hauptmikro war da leider schon abgeschaltet, weshalb ich die etwas schlechtere Tonqualität zu entschuldigen bitte. Aber es lohnt sich, noch einmal zuzuhören.

1:07:54Lucian Haas

Ich sage derweil tschau, bis zur nächsten Folge von Podz-Glidz. Und jetzt noch einmal Paul Guschlbauer.

1:08:02Paul Guschlbauer

Ein Punkt von der Reise, der sich bei mir total eingeprägt hat, war definitiv auch zu sehen, wir sind jetzt wirklich von ganz oben nach ganz unten geflogen auf der Welt. Also so weit, dass man den Globus wirklich halten kann mit zwei Fingern. Das ist schon weit dann. Und wenn du das alles so fliegst so langsam und dann siehst du selbst, wie sich die Welt unter dir so ein Stück verschwindet, also wie ich es eben vorhin gesagt habe, das heißt Gletscher, dann wieder Wald, dann wieder Wüste und wieder Dschungel und so weiter und so fort und das Ganze wieder, dann war mein Gedanke so, okay, wir haben einfach nur die eine Welt. Und die eine Welt ist relativ klein. Und wenn wir heutzutage zum Flughafen fahren und in einen Jet steigen und dann zehn Stunden später in Thailand aussteigen oder was, dann glauben wir, wir sind in einer anderen Welt.

1:08:51Paul Guschlbauer

Ganz klar, jeder glaubt das. Jeder glaubt, okay, steig mal ein, das ist ja eine ganz andere Welt, da schaut alles anders aus, die Menschen sind anders und so weiter. In Wirklichkeit ist es aber nicht so. Und ich glaube, wenn dieses Bewusstsein mal geschaffen wird, dass das eben wirklich gar nicht so weit ist und dass das alles zusammenhängt und relativ klein ist und dass man das alles selbst mit einem kleinen Flugzeug umfliegen kann, es dauert halt ein bisschen länger, aber dass es einen Zusammenhang gibt, dann wäre das ein großer Schritt, glaube ich, für die Wahrnehmung der Menschen auch. Also da steckt schon viel dahinter mit den Flugreisen, jetzt nicht nur wegen den Schadstoffen, sondern auch wegen diesem Gefühl der Menschen. Jeder glaubt, ich fliege in eine andere Welt. Thailand ist ja irgendwo ganz woanders.

1:09:36Paul Guschlbauer

Anderer Planeten ist es aber gar nicht. Also das hat es mir halt so aufgezeigt.

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