Einfaches, sicheres Fliegen für jedermann. Wir haben dieses Versprechen auch nach 30 Jahren eigentlich noch nicht eingelöst. Es ist ein Ziel, das irgendwann mal zu tun, dass also jeder Fußgänger tatsächlich in der Lage ist, zu fliegen mit einem extrem sicheren, verzeihenden Gerät.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Hannes Pappisch und Lucian Haas am Mikrofon.
Der Tiroler Hannes Pappisch war 22 Jahre alt, als er seinen ersten Gleitschirm konstruierte. Der entstand noch an der Nähmaschine seiner Mutter. Bei den ersten Flügen zeigte sich bald, dass das Modell CX einen Riesensprung in der Evolution der Gleitschirme bedeutete. Und für Hannes war er der Einstieg ins damals boomende Gleitschirmgeschäft. Rund 30 Jahre später gilt Hannes Pappisch noch immer als begnadeter Schirmkonstrukteur. Fünf Jahre nach seinem Ausstieg, bei dem von ihm mitgegründeten Hersteller Nova, feiert er nun mit seiner eigenen Marke Phi Erfolge. Innerhalb kurzer Zeit brachte er mit einem kleinen Team eine erstaunlich breite Palette an Schirmmodellen auf den Markt.
Möglich macht das auch ein von der Biologie inspirierter Ansatz. Hannes nutzt eine selbstprogrammierte Konstruktionssoftware, in der alle Merkmale der Schirme wie die Gene im Erbgut einer Zelle hinterlegt sind. Aus der Gleitschirmentwicklung wird eine Art Evolutionsprozess, in dem Mutation und Selektion wichtige Schritte darstellen. In dieser 19. Folge von Podz-Glidz erzählt Hannes Pappisch über seine Erfahrungen aus 30 Jahren als Gleitschirmkonstrukteur. Er berichtet unter anderem von wilden Anfängen, erläutert welche wichtigen Rollen der Computer, aber auch die Handarbeit bei der Entwicklung von Gleitschirmen spielen. Er erzählt vom Ende bei Nova und dem Neustart mit Phi und geht auch auf die Zukunft des Gleitschirmbauens.
Hannes, das Jahr 1989 ist für viele das Jahr des Mauerfalls in Deutschland. Welchen Durchbruch hat es in dem Jahr in deinem Leben gegeben?
1989 war dann eigentlich schon das zweite Jahr meiner Entwicklerkarriere. Also das entscheidende Jahr war eigentlich das Jahr davor, 1988. Da habe ich jetzt ungefähr ein bisschen später, 1987, zu Weihnachten in Wien dann doch beschlossen, nicht zu studieren, sondern mal nach Tirol zurückzukehren und einen Gleitschirm zu entwerfen. Da bin ich auch zwischen Weihnachten und Neujahr mit dem Motorrad von Wien nach Innsbruck gefahren und habe mich einfach mal hingesetzt und habe Zeichnungen angefertigt, habe angefangen ein Computerschnittprogramm zu programmieren. Ich habe damals gesehen, das geht nicht auf dem kleinen Schraubtischrechner und habe mir dann einen Commodore 128 ausgeliehen. Auf dem ist es dann gelaufen.
Und habe von meiner Mutter die Nähmaschine ausgeliehen, habe Stoff organisiert, habe eben das Ganze angefangen aufzutragen, die Schablonen auszuschneiden, zusammenzunähen. Das war eben ein Jahr vorher, 1988. Und geflogen ist das Ding dann im Mai. Und dann haben wir sehr bald mal herausgefunden, nach den ersten Problemchen im Stabilo, das haben wir dann behoben, dass das rote Ei, das gibt es ja noch, sehr, sehr gut leistet. Und dann haben wir das ein bisschen gezeigt im Verein und in unserem Umfeld da in Innsbruck. Und der Bucher André hat sich dann sehr dafür interessiert. Der war damals ja schon sehr erfolgreicher Wettbewerbspilot, zweiter bei der Europameisterschaft 1988.
Und siehe da, das rote Ei ist besser geglitten als seine hochgestreckte Wettkampfkiste mit durchgelatteten Profilen. Also der hat wirklich von vorn bis hinten Glasfaserstäbchen drin gehabt. Da gibt es Fotos von ihm, wie er das über die Schulter trägt, wie der Skispringer die Ski. Und da war er natürlich begeistert und hat den Ernst Steger, der eine Flugschule hier in der Nähe von Innsbruck in Seefeld betrieben hat und so Kleinserien von Gleitschirmen aufgelegt hat. Da hat er den Ernst, mit dem er gearbeitet hat, dazu gebracht, eben eine Kleinserie von diesen Geräten aufzulegen. Und aus der kleinen Serie wurde dann eine Riesenserie später. Das war der Comet CX, der so sehr, sehr populär war und, denke ich mir schon,
das Gleitschirmfliegen einigermaßen verändert hat. Und eben erst ein Jahr später, 1989, wie es dann klar war für mich, dass es mit dem Ernst nicht so gut geht, habe ich dann einige Angebote bekommen in der Zusammenarbeit von verschiedensten Leuten, bis wir uns dann eben entschlossen haben, das weitgegeben zu machen. Das Gleitschirmfliegen selber zu probieren. Also durch Vermittlung von Wolfi habe ich den Hermann kennengelernt, der war in Linz daheim. Und so haben wir dann gemeinsam die Firma Nova auf die Beine gestellt. Das war 1989.
Das war jetzt 1989, der Beginn von Nova. Aber lass uns nochmal dann kurz zurückspringen, wenn du sagst, es hat vorher nochmal angefangen. Du hast Biologie studiert und bist aber damals, bist du auch schon Gleitschirm geflogen selber?
Ja, das war das Problem. Also in Innsbruck zu studieren und Gleitschirm zu fliegen, ist sehr schwierig, weil das Gleitschirmfliegen in Innsbruck sehr präsent ist. Also wo immer du in der Stadt bist, das kennst du ja vielleicht, man sieht die Notkette, man sieht, wenn da gerade ein Gleitschirm herumfliegt. Und ich war jetzt da nicht so der disziplinierte Student, dass ich den widerstehen habe können, dann halt doch auch selber fliegen zu gehen. Und als Konsequenz daraus habe ich gesagt, jetzt gehst du nach Wien und machst auf der Bodenkultur was. Und als Tiroler in dieser großen Stadt war das dann aber sehr frustrierend. Und ich weiß nicht, inwieweit du Wien kennst, also es ist nur beschränkt, mittlerweile vielleicht besser, war damals nur sehr eingeschränkt, also fahrradfähig und ein bisschen ein Kulturschock, gerade im Wintersemester, neblig.
Und es hat dann damit geendet, dass mein Freund und ich halt sehr oft versucht haben, von Wien aus irgendwelche Hügel zu erreichen oder hohe Wand und so weiter, um dann doch ein bisschen zu fliegen. Und ja, letztendlich ist das gescheitert. Und bin ich eben her mit der Zielsetzung, mal das zu probieren, einen Gleitschirm zu entwerfen. Und das war eben überraschend erfolgreich und so bin ich dabei geblieben.
Hattest du denn für deinen ersten Gleitschirm irgendein Vorbild? Ich meine, Biologie studiert und Gleitschirm nähen und sowas sind ja zwei ganz unterschiedliche Sachen. Wie bist du da dann vorgegangen? Man muss ja wissen, was für ein Profil kann man dann nehmen und wie macht man das Ganze?
Ja, wir waren ja vorher... Also ich bin ja zum Fliegen gekommen über meinen Onkel. Das war die Geschichte ja jene, dass ganz am Anfang bist du nur mit den Maxis, also 86er, runtergeflogen. Und da hast du irgendjemanden gebraucht, der dich mit dem Auto wieder raufführt. Und der hat sich dann meiner erinnert und mich engagiert als Autofahrer. Und dann wollte ich natürlich selber auch probieren und fliegen. Das war im Herbst 86. Und bisschen später haben wir dann eben die Blow -Up -Jungs kennengelernt. Das war der Jordanis. Damals in... In der Nähe von Rosenheim. Genialer Segelmacher. Und der Fritz, der Tolle Zahle. Ein Physiker hier aus der Gegend von Innsbruck. Und die haben die Blow -Up -Schirme designt und produziert. Und das habe ich mir ein bisschen als Vorbild genommen.
Der Fritz hatte ja damals auch das Patent gehabt mit den Verstärkungen in der Nase. Kannst du dich vielleicht erinnern. Das war damals schon sehr visionär. Und der Fritz hat ja für sich selber das Gleitschirmfliegen eigentlich erfunden. Also der hat mit den damaligen selbst gebaut. Und Gleitschirmen ja viel bessere Leistungen erzielt als die allerersten Schirme 86. Und Daniel Düsentrieb. Du kannst... Hast vielleicht die Bilder vor Augen. Gibt auch einen Beitrag auf der THV -Seite über ihn. War ein genialer Flieger. Fliegt immer noch. Und ist jetzt aber schon... Ich glaube, der Fritz ist jetzt 77, 78. Und ja, von dem habe ich mich dann natürlich inspirieren lassen. Habe ein bisschen die Profile angeschaut. Das waren Profile von Fallschirmen. Also ganz simpel. Ich habe es dann ein bisschen verändert.
Habe die Nase zugemacht. War mir damals nicht ganz sicher. Machst du sie auf? Es waren also damals offene Nasen üblich. Geschlossene Nasen hat es nicht wirklich gegeben. Und ich kann mich erinnern, wie ich dann letztendlich ein bisschen beim Spaziergang mich entschlossen habe. Nein, jetzt mache ich die Nase zu. Aufschneiden kann ich es immer noch. Und dann bin ich dann tatsächlich in die Küche gegangen. Habe einen Teller ausgesucht, das mir so vom Radius her vernünftig vorgekommen ist. Für das mittlere... Das mittlere Profil in Originallänge, 3,72 Meter. Und habe das dann positioniert und mal gezeichnet und geschaut. Also dieses Teller war dann letztendlich die Vorgabe für den Nasenradius. Und das hat irgendwie intuitiv sehr gut funktioniert.
Also ganz ein simples Profil, unten gerade, hinten gerade. Und ja, war Glück, Bauchgefühl, Talent. Es ist gerade gegangen, ja. Aber doch letztendlich sehr viel handwerkliche Arbeit. Also es war damals auch der Trend, die Zwischenprofile nicht mit Löchern zu versehen, sondern aus Gase zu fertigen. Ja, was aber natürlich den Nachteil hat, eine extreme Querdehnung zu haben. Das heißt, du musst es super genau markieren. Und beim Nähen ist das sehr schwierig. Und das hat sicher die Fertigung dann einigermaßen verzögert. Aber so bin ich dann schon handwerklich relativ gut geworden. Und das ist ja ein Tipp, den ich jedem noch gebe, der eben irgendwelche Ideen hat im Gleitschirmbereich.
Gleitschirm ist ja doch interessanterweise ein High -Tech -Produkt, das du aber mehr oder weniger daheim allein fertigen kannst. Also du brauchst jetzt keine komplizierten Maschinen. Nähmaschine tut's.
Wie lange hast du denn gebraucht, um diesen ersten Schirm zu nähen?
Ja, es war anfangs Computerprogrammierung. Also Segelschnittberechnung. Das hat ein Weilchen gebraucht. Dann eben Schablonenerstellung. Ich habe mir gedacht, ich werde vielleicht mehr machen als nur einen. Habe also Schablonen gefertigt aus Meiler. Dann Ausschneiden und Nähen in Summe eben von Januar bis Mai.
Und dann Einstellungsarbeiten. Und dann haben wir eben schon gemerkt, der leistet aber sehr gut. Und dann nahm das seinen Lauf.
Was heißt Segelschnittberechnung? Hast du das im Computer dann quasi die Profile dann auf die einzelnen Rippen dann skaliert und dann mit einem Nadeldrucker ausgedruckt, um zu sagen, ich habe jetzt so ein langes Band und das ist mein Profil oder wie?
Nein, nein, das war dann schon, ja, noch ziemlich basic. Also die Abwicklung und so weiter hat gut funktioniert. Die hat das ja im Kern wahrscheinlich immer noch drinnen jetzt in der Software. Und du hast halt die Profile als Koordinaten angegeben. Den Abstand, den Radius, dieser Flügel. Dieses Flügelsektor ist an dieser Stelle. Und das hat dann Koordinaten ausgespuckt. Und ich habe damals eben noch die Koordinaten händisch rausgemessen für die Schablonen. Also wirklich XY aufgetragen und sehr viele Markierungspunkte auch gehabt. Referenzkoordinaten. Markierungspunkte waren notwendig, gerade in der Gase, in den Zwischenrippen, damit sich das nicht allzu sehr verzieht. Und war dann schon einiges Arbeit. Damals noch absolut manuell.
Später konnte ich dann über einen Kollegen vom Verein den Plotter auf dem Rechenzentrum verwenden. Das war ein Geografe. Und die haben dort also Landkarten gedruckt. Und ich habe dann eben alle Profile ineinander gedruckt. Das hat dann fast schon ausgeschaut wie die Höhenlinien von einem Berg. Da hat sich niemand gewundert, was das ist. Das hat man noch händisch ergänzen müssen. Aber zumindest war schon mal was automatisch auf dem Papier. Und ein bisschen später habe ich dann, eben vom Urs. So schließt sich ein bisschen der Kurs. Der Kreis, also der gerade vorher im vorherigen Podcast zu hören war, vom Urs Harri einen gebrauchten Nadeldrucker abgekauft, der in der Lage war, DIN A3 endlos zu drucken. Und so habe ich dann in zwei oder drei dieser Breiten zusammengeklebt und kam dann also daheim die Schablonen fertigen.
Wobei der Nadeldrucker so laut war, dass ich dann das mit Polster ein bisschen kaschiert habe, dass sich die Leute nicht aufgeregt haben in den Nachbarwohnungen. Weil das hat ja ewig gedauert. Es ist über Nacht gelaufen. Und ja, das war eine nette Zeit mit sehr viel manueller Arbeit. Und das ist ja mein Tipp, den ich vielen noch gebe, die jetzt irgendwie im Gleitschirm was probieren wollen. Näht es selber. Probiert es selber aus. Man lernt sehr viel durch das Handwerk. Und man bekommt ein Gefühl für das Material. Es ist letztendlich ähnlich Holz, Tuch. Es lebt ein bisschen. Es hat seine Unschärfen. Und dadurch, dass man das selber fertigt, gewinnt man Gefühl und lernt das Ganze kennen.
Der klassische Maschinenbauer neigt dazu, die Probleme am Computer zu lösen, weil er denkt, er hat große CNC -Fräse, arbeitet dieses Bauteil aus Aluminium heraus. Aber meistens werden die Probleme in unserem Bereich an der Nähmaschine gelöst. Oft sind die Fehler im Verarbeitungsbereich, im Verzug des Tuches, durch die gegebenen Unschärfen, die wir haben, Nautschrumpfung und so weiter. Also wichtig, dass man das kennt.
Nun konstruierst du ja seit 30 Jahren Gleitschirm und sagst, okay, das Handwerkliche, was ich damals ganz am Anfang schon gelernt habe, das ist heute noch genauso wichtig. Aber in welchen Punkten würdest du denn sagen, hat sich die Arbeit für dich als Konstrukteur in diesen 30 Jahren dann doch stark gewandelt? Oder wo hat es sich geändert? Oder hat sich am stärksten gewandelt?
Ja, natürlich. Also ich versuche auf jeden Fall, den Kontakt zu dieser Handarbeit nicht zu verlieren. Also eines der Sprüche, die ich immer anbringe gegenüber den Leuten, die es eben gilt, auch einzulernen, ist, dass Gleitschirm konstruieren oder zu entwickeln ist ein Handwerk. Also es hilft sehr, wenn man gewohnt ist, mit Maßband umzugehen und genau zu arbeiten. Also es wird nicht nur am Computer, sondern du brauchst auf jeden Fall diesen Link zur manuellen Arbeit. Und das versuche ich eben jetzt auch noch beizubehalten. Also ich bin auch dann oft im Lager und nähe noch ein paar Leinen oder da und dort was. Und also wichtig ist eben, dass man ein bisschen den Ausgleich behält.
Das heißt, am Computer sitzen, in der Werkstätte draußen und beim Testen dabei sein, selber fliegen. Also mein Standardjob ist also immer Luft -Luft -Fotos machen, mit dem Fotoapparat fotografieren, wenn Thermik oder der Benni testen. Und alle möglichen Flugmanöver oder beschleunigte Flybys und so weiter.
Und da hat sich jetzt nicht wahnsinnig viel geändert. Also sicher haben wir jetzt bessere Technik. Also GoPro -Aufnahmen gibt es noch nicht so lange. Oder die Fotoapparate, die Digitalfotografie macht es sehr viel leichter. Du kannst die Fotos sofort beurteilen. Du kannst es im Computer anschauen und so. Das war früher komplizierter.
Programmierarbeit ist nach wie vor eine Challenge. Braucht sehr viel Zeit. Mittlerweile sind die Computer natürlich ungleich schneller. Aber damals hat man auch schon ziemlich bald mal Strömungssimulation betrieben, aber nur im 2D -Bereich nach dem Apple -Code. Da habe ich mir von den USA was schicken lassen. Und ja, das hat damals... Ich meine, das ist jetzt... Die Simulation läuft jetzt in Sekundenbruchteilen durch. Damals hat man noch länger warten müssen darauf. Und es war dann aber schon so, dass man so systematische Analysen betreiben hat können, um Profile dann zu selektieren, die vielleicht abseits dessen war, was man gedacht hat, das gut ist. Beispiel das Profil des Sphinx in 92.
Noch bevor, wenn du es jetzt anschaust, sehr gewagt. Und das hat zumindest für die großen Größen gütesiegelmäßig funktioniert. Für die Kleinen war es dann zu heiß. Und ja, war dann schon interessant. Da habe ich sehr viel damals schon auf Computer gesetzt. Und das Programm hat sich eben schon von vorher, also von 1988 bis jetzt, laufend weiterentwickelt. Und ist jetzt natürlich eine ganz andere Liga. Aber die Zeitverteilung, wie viel Zeit am Computer, wie viel Zeit draußen, wie viel Zeit in der Werkstätte, ist ähnlich.
Du bist ja jetzt einer der wenigen Konstrukteure, die viel mit einem Computerprogramm arbeiten. Und vor allem einem Computerprogramm, das du selber auch entwickelt hast. Woher hast du denn diese Programmierkenntnisse? Gerade so Strömungssimulation und sowas ist ja jetzt nicht das Einfachste, was man da wahrscheinlich programmieren kann.
Ja, die Strömungssimulation habe ich dann selber programmiert. Also eigentlich hat es einfach diese Module oder es verknüpft diese Module miteinander. Ja, also mittlerweile weiß ich, das liegt uns in der Familie. Also von meinem Sohn bis zu meinem Neffen. Wir sind jetzt Programmierer oder gerade fertig geworden im Studium. Und das lag mir auch schon immer. Und dadurch, dass mein Vater war ja absoluter Flugfanatiker und ist aber nicht allzu alt geworden.
Er war Ingenieur für Lifte, also Skilifte. Und bei Vermessungsarbeiten im Stubertal ist er dann ums Leben gekommen. Da war ich sieben Jahre alt. Das war dann vielleicht für meine Mutter der Anlass. Mich eher auf die nicht technische Seite auszurichten. Obwohl sie schon bemerkt haben, natürlich habe ich meine technischen Begabungen. Aber wie es eben so ist, mich hat die Technik dann eingeholt und ich bin dann doch beim Fliegen gelandet, wie ich wahrscheinlich, wo ich gelandet wäre, hätte er überlebt. Und ja, traurigerweise sage ich immer wieder, ich bin eigentlich nur die Hälfte eines Dreamteams. Also ich hätte das Ganze, was ich jetzt mache, eigentlich sehr gerne mit ihm gemacht. Aber das wollte nicht sein.
Nun ist ja heute zu Ende. Und heutzutage mit den ganz vielen Berechnungen, die du auch machst, passiert ja alles schon im Vorhinein, bevor überhaupt so ein Schirm dann konstruiert, genäht wird und sowas. Das heißt, du kannst da wirklich schon Strömungssimulationen machen, wie sich verschiedene Spannungssituationen im Tuch und so weiter auswirken.
Wie gut fliegen denn solche Schirme in der Fassung, in der sie heute bei dir als quasi erster Prototyp aus dem Rechner kommen? Kann man das heutzutage schon so machen, dass man sagt, eigentlich stimmt schon alles?
Ja, das ist so. Also es ist ein Baustein. Also du brauchst die Computersimulation, du brauchst die Erfahrung, du brauchst das Bauchgefühl. Und wenn das alles zusammenpasst, dann ist die Erfolgsquote erstaunlich hoch. Also ich habe das gerade gestern mal ausgeführt. Wir haben jetzt ja auch mit Glück, also du brauchst immer ein bisschen Glück. Also wenn du denkst, wenn du Pech hast, gelingt dir einfach nichts. Also Pech haben ist ungut, also du brauchst ein bisschen Glück. Also wir kannten die Palette, die jetzt ja für uns sehr, sehr erfolgreich am Markt ist, mit extrem wenig Prototypen kreieren. Also die Symfonia zum Beispiel war Prototyp 5 und 6. Tenor Prototyp 8. Maestro Prototyp 14.
Und jetzt der Allegro ist Prototyp 19. Also wir haben innerhalb von 19 Prototypen vier Geräte entwickelt. Und das ist schon ziemlich eine Ansage. Also normalerweise braucht man dann schon einiges mehr. Also das ist halt ein bisschen so die Basisphilosophie, die man hat. Es ist für uns jetzt nicht mehr so leicht, Prototypen bauen zu lassen, wie es mal früher war, wo wir die Fabrik in der Nähe hatten. Und so überlegt man sich das eben ein bisschen besser. Und ja, also diese Komponenten, Simulation, Erfahrung, Bauchgefühl, Geschick, Glück, also da kriegt man das jetzt mit. Wir haben jetzt momentan schon seit einiger Zeit einen Run. Also es gelingt uns ziemlich alles.
Wenn du jetzt aber an so einem Prototyp arbeitest, erstmal am Rechner. Du sagst, ich fange da jetzt irgendwie an, ich plane einen neuen B oder sonst irgendwie was. Und dann arbeitest du da dran.
Wonach entscheidest du denn da, sagst, ich will so und so viele Zellen haben und der soll eine Zwei -Liner -Abspannung haben und sonstiges. Also wie gehst du da vor? Man muss ja erstmal ein paar Grundentscheidungen treffen, um dann darauf quasi seine Programmierung auf einzustellen.
Ja, sicher. Also oft hast du ja ein Vorbild. Also prinzipiell ist das ganze Entwicklungssystem ja ein parametrisches CAD -System. Das heißt, das habe ich mal, hat man eh schon mal gesehen im YouTube, die Vorträge, die ich in England da gemacht habe, wie das ausschaut. Da hast du also einen Daten-, also einen Parameter -File, den ich gerade offen habe, der hat 2.219 Zeilen. Einfach ASCII -Parameter. Da stehen Parameter -Zuweisungen. Den kannst du also in einem ASCII -Editor bearbeiten. Und das Programm liest diesen File aus und baut dann den Schirm auf, was eben den Vorteil hat, ich habe das damals eben verknüpft oder das Beispiel gebracht zurück zu meiner ursprünglichen Biologie -Ausrichtung. Das sind wie die Gene des Gerätes.
Und du kannst mit dieser Technik eben etwas machen, was sonst mit manueller Technik schwierig ist. Und zwar, du kannst rekombinieren. Du kannst also einschalten. Du kannst die Einstellungen ganz leicht von einem Gerät auf das andere Gerät übertragen. Da hast du also meistens den Gen, quasi die Gene des Vorgängermodells und implementierst dann, die Genschere ist dann quasi der ASCII -Editor, technische Parameter und Lösungen von anderen Geräten. Und durch diese Rekombination kannst du dann ziemlich schnell etwas schaffen, das schon nochmal eine gute Basis darstellt. Und wenn du einmal so den Grundentwurf hast, dann gehst du ins Simulieren.
Und da siehst du dann zum Beispiel, weil du gerade vorher gesagt hast, das Zellenanzahl, dass du eben statisch ein Problem hast. Du brauchst also entweder ein dickeres Profil, mehr Ballooning oder mehr Zellen. Und dann versuchst du es eben sauber auszukonstruieren. Mehr Zellen heißt immer ein anderes Aufhängungssystem, mehr Leinenwiderstand, mehr Ballooning heißt weniger Effizienz, weil das ist die effektive Profildicke höher ist und so. Und dann bist du eben so in einer Optimierung. In einer Optimierungsschleife, die, je nachdem wie viel Druck du hast, zwei, drei Wochen dauern kann. Und dann kommst du in einen Trichter, wo du dann eben nur mehr weißt, wie das ganze Ding dann ausschauen soll. Und dann baust du den Prototypen. Andere Möglichkeit, wenn du es eiliger hast, kannst du den Prototypen schon mit einer ein bisschen gröberen Simulation, ein bisschen Bauchgefühl, einfach mal rausschicken und mal bauen lassen.
Und im Nachhinein simulieren, um dann vielleicht die in der Praxis gemachten Erfahrungen in der Simulation zu verifizieren. Und ja, ich habe das dann eh verglichen auch mit diesem Mastermind -Spiel. Das heißt, wenn du systematisch arbeitest und die Erkenntnisse umsetzt, insofern, dass du dann für den nächsten Schritt ganz klar nur wenige Parameter veränderst, die du auseinanderhalten kannst, dann brauchst du nur sehr wenig Schritte und du bist dann dort, wo du hin willst.
Um bei der Analogie zu der Biologie zu bleiben, wo du sagst, das ist jetzt quasi dieser ASCII -Code, wo alle deine Parameter drinstehen, das ist quasi wie die DNA, das ist das Erbgut, in dem du was verändern kannst. In der Biologie findet Evolution in der Form statt, dass dann Gene auch zufällig mutieren und sich damit verändern. Lässt du bei deiner Arbeit auch manchmal irgendwie in irgendeiner Weise Zufall mit reinfließen, um zu sagen, ich spiele damit. Ich lasse mal die Software quasi wirklich so ein evolutives Design reinfließen oder sagst du, nee, aus meiner Erfahrung heraus, ich weiß schon ganz genau, an welchem Gen ich da noch erst mal drehen will?
Ja, das wäre schon alles noch möglich.
Letztlich hat sich das durch ein ganz simples Farbschema ergeben. Das war jetzt vom neuen Schirm der Fantasia, dass eben die Farbzuweisung noch von der vorherigen Generation drinnen war. Das war dann ein ganz lustiges, gemischeltes Farbdesign. Und das hat uns so gut gefallen, dass wir es jetzt in der Serie bringen. Aber jetzt abgesehen davon eigentlich nicht. Aber schon lange hätten wir vor, das zu machen. Also es geht eigentlich um genetische Algorithmen, die ganz andere Optimas finden, als man es vielleicht manuell finden würde. Das geht, aber noch nicht umgesetzt. Aber da sind wir ja vielleicht bei der Zukunft. Also vielleicht kann man das, den ganzen Workflow, weil es ist ja nicht so simpel. Also du musst ja dieses zufällig entstandene Individuum dann ja auch bewerten lassen.
Also es braucht ja Scoring. Oft hängt das Optimum ja dann von dem Scoring entscheidend ab. Also das Scoring muss ganz clever gewählt werden. Und da musst du also den ganzen Designablauf automatisieren, dass also die richtigen Leinenstärken zum Beispiel gewählt werden und dann eben nicht nur die aerodynamische Güte, sondern auch die Struktursteifigkeit und alles passt. Und dann eben zum Schluss das Scoring entscheidend dann irgendwie ausfällt. Also keine Ahnung, Leistung, Handling, Sicherheit, das wird schwierig. Und da kann man eben, weil die genetischen Algorithmen sind ja eigentlich eine, sollte ein direkter Weg sein zu einem Optimum. Und alternativ wäre einfach zum Beispiel eine unglaubliche Anzahl von Entwürfen zu generieren und zu analysieren und zu selektieren.
Aber das braucht natürlich wahnsinnig viel Zeit und so hätte man dann mit dem Werkzeug der genetischen Algorithmen weniger Simulationsschleifen, um dann doch zu einem sehr guten Individuum zu kommen. Aber da gibt es ja, du kannst wirklich dann eigentlich die Grundwerkzeuge der Biologie verwenden. Also nicht nur die Mutation, dann eben die Selektion, also das Scoring und die Besseren kommen weiter, sondern auch die Isolation. Das heißt, du gibst also auch den Zweitbesten oder keine Ahnung, Dritt-, Viertbesten eine Chance, wie es in der Biologie auch ist. Also ihr habt eine Insel, auf der könnt ihr weiter euch vermehren und dann schauen wir mal, wie weit ihr kommt und könnt euch dann später wieder matchen mit der Art,
die jetzt am Hauptkontinent und so weiter sich weiter fortgepflanzt hat und ist sicher für die Zukunft eine Möglichkeit.
Bei diesen Simulationen, die du machst, kann man ja auch simulieren, dass du sagst am Ende, ja, der Schirm hat etwa diese und die Gleitleistung und müsste so und so gut gehen können und sowas. Gibt es Schirme, die am Ende sogar besser fliegen? Oder hast du das schon mal gehabt, dass die Schirme am Ende sogar besser geflogen sind, als deine Simulationen eigentlich zuvor ergeben haben?
Ja, kaum. Also es funktioniert ziemlich gut. Also du hast so ein paar Schrauben, die noch manuell zu drehen sind, so Finish -Faktor und so, weil das Simulationsmodell ist zwar sehr hoch aufgelöst, aber es löst ja nicht zum Beispiel ganz kleine Falten auf. Also das war so ein Schlüssel. Jetzt zum Beispiel das 3D -Shaping, das Stäbchen in der Nase, das Rausspannen der Nahtschrumpfung und so weiter. So ins minimale Detail geht die Simulation nicht. Also da konnte es dann schon sehen, aha, dieser Proto geht dann besser als jener, obwohl sie vielleicht laut Simulation gleich gut gehen sollten, weil das Finish eben sauberer ist. Was mehr öfter passiert ist, dass der Prototyp schlechter geht, weil eben doch irgendwie Verzug da ist oder irgendwo noch ein Fehler.
Aber besser außerhalb der Berücksichtigung dieser Korrekturfaktoren eigentlich nicht. Also da ist das schon sehr, sehr gut. Also man schärft das ja immer wieder ein bisschen nach, aber das geht schon gut. Wir sind momentan sowieso absolut zufrieden, also wir sind extrem effizient.
Nun ist ja so ein Gleitschirm so ein Stoffding, weich, wabbelig, und kann sich verziehen und sonst was alles. Was davon kann man denn eigentlich wie genau simulieren? Und ich habe mal von dir so ein Wort gelesen, Fluid Structure Interaction. Das würdet ihr jetzt auch anwenden. Was hat man darunter zu verstehen?
Ja, also die Basis ist ja, also wir kommen jetzt von der reinen Strömungssimulation, das heißt so die zweidimensionale Strömungssimulation seit Anfang der 90er Jahre. Auch einfach gedeckelt durch die Rechenleistung der Computer, die damals zur Verfügung war. Appler -Code, Panel -Code, zweidimensional. Und Anfang 2001, 2002 eben dann dreidimensionaler CFD -Code, also Computerized Fluid Dynamics. Also wird dieser Raum um den Gleitschirm eingeteilt in Volumenskörper und sehr aufwändige Berechnungen errechnen die Strömung um den Gleitschirm, damals noch geschlossen.
Das war so, dass das ein Rechner damals nicht geschafft hat, also der so normal verfügbare Desktop -Rechner. Deswegen habe ich mir einen Cluster im Keller aufbauen müssen. Also vier Rechner waren dann in der Lage, das Modell zu rechnen. Und später ist es dann einfacher geworden. Also mittlerweile hast du ja jetzt gerade da zu meiner rechten Hand, dass schon 16 Core -Rechner unterm Schreibtisch stehen. Und der nächste Schritt war dann eben, weil diese reine Strömungssimulation verleitet ja zu unrealistischen Modellen. Also dünne Profile, kaum Ballooning, viel projizierte Streckung, sehr flache Kappen. Und die funktionieren in der Praxis nicht. Das heißt, du brauchst irgendwie eine Verifizierung der statischen Gegebenheiten. Und das war dann 2009 soweit, dass wir es geschafft haben, die aerodynamischen Kräfte auf ein Strukturmodell zu mappen.
Damals noch mit kommerzieller Software. Mittlerweile ist das selber programmiert. Im Strömungssimulationsbereich gibt es Open -Source -Software, die sehr gute Ergebnisse liefert. Und das war dann schon ein riesiger Schritt nach vorne. Das war so Mentor 2. Damals war das erste Gerät, das das wirklich umgesetzt hat. Man hat also sehr viele Erkenntnisse geschöpft durch diese Computerergebnisse. Und das hat sich dann weiterentwickelt. Und es ist verbessert worden. Also es werden die Kräfte aus der Strömungssimulation auf ein Strukturmodell übertragen. Das Strukturmodell simuliert das Verhalten des Tuches und der Leinen. Und man kann sich das so vorstellen, dass in diesem mathematischen Raum jetzt mal das ganze Gleitschirmmodell aufgehängt ist.
Ohne Kräfte, schwebend. Und dann setzen langsam die Kräfte ein. Und dann hebt sich der Schirm nach oben. Dann werden die Leinen, spannen sich die Leinen. Und du siehst dann mathematisch unten an den Hauptkarabinern, wie die Kräfte nach oben steigen. Teilweise überschießt es ein bisschen. Man kann arbeiten mit den Dämpfungsfaktoren, bis das Ganze eben dann in der Balance ist. Und dann siehst du, hat der Gleitschirm die Form, die er haben sollte? Oder wie verformt er sich durch die aerodynamischen Kräfte? Und das war dann schon der Schlüssel zu entscheidenden Erkenntnissen. Und das wird jetzt immer noch konsequent eingesetzt, um eben die Modelle zu verbessern.
Um das so ein bisschen besser noch zu verstehen, kann ich dann zum Beispiel, wenn du jetzt eine Diagonale in einer Zelle drin hast, kannst du dann erkennen, welche Spannung dann auf dieser Diagonale dann gerade
herrscht? Ja, ja. Da gibt es Anekdoten, wo wir den Schirm gerechnet haben. Und dann ist das Ergebnis gewesen, zum Beispiel, es war Doppelsitzer, die Diagonale da außen, Richtung Außenflügel, die hat keine Spannung, die hängt durch. Und dann haben wir tatsächlich die Fotos analysiert und gesehen, ja stimmt, die hängt wirklich durch. Kannst du rausschneiden. Also du kannst natürlich so ein Computermodell sehr komfortabel betrachten.
Und Fotoanalyse ist letztendlich dann auch unverzichtbar. Also du fotografierst das fliegende Gerät dann so gut es geht in allen Details, um eben dann das zu vergleichen mit den Computermodellen. Und da war das Computermodell schärfer oder einfacher zu analysieren. Also es war leichter erkennbar, dass dann tatsächlich diese Diagonale eigentlich für nichts gut ist. Nachteil damals der Geschichte, das Gerät war schon zertifiziert. Also wir konnten die Diagonale nicht mehr rausschneiden. Aber sie war nutzlos.
Wie weit geht dann sowas? Also es gibt ja Stoffe, die dann unterschiedliche Qualitäten haben, auch was Dehnung betrifft oder sowas. Sind solche Parameter dann auch in so einem Programm sogar heute schon berücksichtigt? Musst du dann zum Beispiel auch, wenn du sagst, ich baue einen Stoff aus, also einen Gleitschirm aus Porsche -Stoff, musst du dann andere Werte einsetzen, als wenn du sagst, ich nehme Dominico?
Ja, da musst du einen Faktor, darfst du nicht vernachlässigen. Und zwar das ist das Extreme, der Stoff verändert seine Eigenschaften extrem auf der Basis der Feuchtigkeit. Also wir haben ja Nylontücher und wenn sie austrocknen, schrumpfen sie. Wir reden da von fast einem Prozent. Also die Tücher werden härter, haben weniger Querdehnung, wenn sie trocken sind und werden eben auf der anderen Seite sehr viel weicher mit sehr viel mehr Querdehnung, wenn sie feucht werden. Und da hast du also so eine große Bandbreite schon bei einem und demselben Tuch, dass also die Unterschiede von Tuch zu Tuch jetzt nicht so immens ins Gewicht fallen. Also schon zwischen Profiltuch und normalem Ober - und Untersegeltuch.
Aber du kannst alle diese physikalischen Eigenschaften des Grundmaterials natürlich in diese Simulationen einspeisen. Gibt es auch einige genormte Tests, wie man denn überhaupt messen kann, welche Querdehnung oder Warp - und Weftdehnung das Tuch hat. Und diese Parameter gibst du eben rein und auf der Basis berechnet der Computer dann das Verhalten. Man tendiert natürlich eher dazu, das Modell sensibel zu gestalten. Das heißt, du willst ja eher eine Falte sehen schon im Entwurfsstadium, als dann später im Prototypen. Also es war lang das Modell zu unsensibel und mittlerweile ist es aber sehr sensibel. Also du siehst dann bald, aha, ja doch, das geht jetzt nicht. Du kannst also nicht diese Aufhängungsabstände so groß machen, weil dann knickt es.
Oder du brauchst doch da noch ein Querband. Also das war dann der erste Schlüssel. Am Anfang ging es eher um die Balloonings -Optimierung, Spannheitenverlust. Mittlerweile kannst du dann sehr gut schon herumspielen, wo musst du die Aufhängungen haben und wie musst du die Bänder legen.
Nun bist du ja so wahrscheinlich der Computer -Nerd unter den Gleitschirmen. Gleitschirmkonstrukteuren. Aber wie viele andere Gleitschirmfirmen arbeiten heute eigentlich schon so stark computerorientiert oder computeroptimiert wie du?
Ja, also die Standardsoftware, die viele verwenden von Down Under, die kann das normalerweise nicht. Es ist ja nur ein Weg. Also man darf die ganze Sache nicht überschätzen. Es ist ein Werkzeug. Und du kannst also noch sehr gut Gleitschirme bauen, nur mit Erfahrung und Bauchgefühl und anderen Methoden. Also sobald die Simulation aufwendiger ist, als eine Prototypen zu bauen, bau auch lieber den Prototypen. Weil du kannst ja noch einige Eigenschaften ja nur in der Praxis erkennen. Startverhalten, Sicherheitsverhalten und so weiter. Dämpfungen, Turbulenzen, Handling und so. Das geht noch nicht in der Simulation. Das heißt, der Prototyp ist unverzichtbar und teilweise vielleicht auch die bessere Wahl. Bau dann doch den Prototypen.
Also bevor du jetzt zwei Monate rechnest, bau den Prototypen. Allerdings kannst du durch die Berechnung sehr viele Erkenntnisse schöpfen. Also du siehst halt, was passiert, wenn das Ballooning zu wenig ist. Oder wie erkenne ich das, wenn irgendwas... Oder ich sehe in der Praxis irgendwelche Fältchen und interessanterweise sehe ich es dann in der Simulation auch. Und an was kann das liegen? Man kann in einer Simulation relativ schnell herumspielen, wie die Fältchen wegbekommen und in der Praxis wird das Ganze auch aufwendiger. Also es geht auch ohne. Und wir haben ja dann... Ja, die Geschichte war ja dann 2013, die Zusammenarbeit mit Nova Advance war dann für mich ein großer Schritt. Also ich habe dann die Software, die vorher ja nur ich selber bedient habe, so aufbereiten müssen, dass sie von anderen bedienbar wurde.
Das war nicht so einfach. Und da haben sich dann eben andere auch reingelehrt in das ganze System, in den ganzen Workflow. Und dann haben dann zu der Zeit dann auch beide Firmen mit dieser Software gearbeitet, was für mich dann aber auch sehr aufwendig war. Also dann immer die ganzen Bedürfnisse abzudecken, alle Leute einzuschulen und die ganzen Anpassungen zu machen und so weiter. Und das hat sich dann aber reduziert, weil eben auch die Firmen eigene Wege gehen wollten. Und jetzt momentan bin ich halt eben wieder alleine da, der diese Software verwendet. Aber ich habe da sicher ein paar Impulse gegeben, auch durch die Veröffentlichungen dann damals. Also mittlerweile ist es jetzt... Also diese Technik, jetzt wie du es vorher genannt hast, Computer, also Fluid Structure Interaction, FSI, das machen die anderen jetzt langsam auch.
Nach zehn Jahren wird es langsam zum Status Quo.
Wobei auch beim Strömungssimulationsberechnen anfangs... Bunte Bilder gibt es ja gleich mal, aber du musst halt das ganze System so optimieren, dass also die Aussagen dann tatsächlich Realitätsbezug haben und auch mit dem komplizierteren Workflow ist es so, du musst es eben so einstellen, dass es wirklich auch aussagekräftig ist. Und da kommen die anderen jetzt langsam mehr und mehr dorthin. Aber wie gesagt, das ist nicht der einzige Weg. Du kannst also auch ohne diesen ganzen technisch aufwendigen Werkzeugen gute Schirme bauen.
Nun stelle ich mir eine Sache manchmal als ein bisschen schwierig vor. Wenn du das so schön mit deinem Computermodell berechnet hast, dann gibst du den Prototypen in Auftrag. Mittlerweile... Ihr habt eine Produktion, glaube ich... Sri Lanka. Sri Lanka. Und von dort kommt dann der Prototyp zurück und du fliegst hinein und sagst, ja, irgendwie ist der Prototyp jetzt aber schlechter als meine Simulation oder sowas. Wie gut kann man denn da erkennen, ist es wirklich quasi an der Konstruktion was falsch oder vielleicht haben die ja auch irgendwo was blöd genäht. Und du... Ja, ganz sicher. Dass man sagt mal, ich muss jetzt diesen Prototyp und im Grunde auch meine ganzen Berechnungen in die Tonne kloppen, aber letzten Endes war es vielleicht nur ein Nähfehler, die du vollkommen übersehen hast.
Klar. Also du musst das vermessen. Da kommst du nicht drum rum. Also du musst den Prototypen vermessen, Leinen, Kappen, alles. Und musst das analysieren. Das geht immer. Also kann sein, wobei wir jetzt mit dieser Fabrik extrem glücklich sind, weil sie ein paar Techniken anwendet, die andere eben nicht so einsetzen. Da stimmt das schon sehr gut. Aber das kann sein. Also haben wir schon erlebt, kriegst einen Prototypen, du fliegst den vielleicht, siehst, ja, da passt was nicht. Du misst den nach, siehst die Abweichungen, die sind so groß, dass du sie nicht beheben kannst und dann musst du erneuern. Aber dann gibt es schon.
Wenn man jetzt nochmal auf deine 30 Jahre oder ein bisschen über 30 Jahre Konstrukteurskarriere zurückblickst, da hast du schon weit über 60, wahrscheinlich weit über 70 verschiedene Schirmmodelle mittlerweile gebaut oder designt.
Ja, also inklusive Prototypen, ich weiß nicht, fast 600.
Okay. Keine Ahnung. Also wir haben natürlich Zeiten gehabt, wo wir gesagt haben, also jetzt, wie gesagt, das hängt ein bisschen von der Herstellerphilosophie ab. Jetzt bei Advans haben wir ja unglaublich viele Prototypen rausgehauen. Das war so die Zeit, wo die neue Generation der Gleitschirmkonstrukteure sich irgendwie eingelernt haben und rumgespielt haben. Also fast, also über 50 Prototypen im Jahr oder 100, also Wahnsinn. Und jetzt haben wir, also wir jetzt für unseren Zweck haben wir das extrem reduziert. Aber ich habe ja, ich muss ja mal schauen, also ich habe das ja nummeriert, also ich glaube, ich bin bei NOVA ausgeschrieben, da haben wir gehabt den Diagonalrippen -Prototypen Nummer 285. Und die haben das dann weitergeführt. Ich glaube, die sind jetzt bei 400. Und ich habe parallel dazu, also kann dann irgendwann mal 1000 werden.
Vor allem die verschiedenen Größen noch mit einberechnet, ja.
Ja, das ist klar. Aber wenn man jetzt die alle nimmt, sagen wir mal 600, ist ja schon eine super große Zahl. Gibt es da irgendwas, wo du sagst, im Rückblick sind das die Highlights, meiner Schirmkonzeption, auch jetzt hast du natürlich heute viel bessere technische Möglichkeiten mit deiner Computersimulation, aber wo du sagst, aus der Geschichte heraus, das was dich persönlich, wo du sagst, auf die Modelle bin ich besonders stolz, aus irgendwelchen Gründen?
Ja, der allererste, der war natürlich einfach irgendwie aus dem Bauch raus mit sehr viel Glück, hat der schon sehr gut funktioniert. Ich meine, der war damals ja schon extrem dominant. Also wenn du dich erinnerst, da mussten mal die alten Piloten, Piloten fragen, Comet CX hat damals extrem, also schon einen deutlichen Leistungsvorsprung gehabt. Also das war so, die High -End -Wettbewerbsgeräte fliegen halt 4,8 und der fliegt in der gestreckten Version 7, gleichzeitig. Also das ist ein unglaublicher Schritt. Das war später nicht mehr machbar, die gleiche Dominanz nochmal zu realisieren, was natürlich damals auch einfach war. Also jetzt, wo so Feinheiten entscheiden und die Leute halt dann fliegen und vergleichen und bewerten.
Und ach ja, wie handelt dieser oder jener? War damals simpel. Also du bist einfach rausgeglitten und da ist irgendeiner versenkt sich neben dir und das war klipp und klar. Und da zieht man sich wieder zurück an die Zeiten, wo man da, wo das so offensichtlich war. Sicher, also der allererste. Und dann gibt es schon immer wieder mal so Lucky Strikes, wo du irgendeine Idee hast und du setzt das im Computer um. Zum Beispiel, ich habe das mal geschrieben, auf alle 20 Jahre hast du einen Schirm. Also wie viele Protos braucht es denn, um das perfekte Seriengerät zustande zu bringen? Ja, eigentlich nur einen. Also wenn alles passt, dann ist der eine Prototyp, der erste, der letzte. Und das gab
es, also wir haben das gehabt beim Faktor 1, das war 2007 oder so, wo wir immer gedacht haben, jetzt kombinieren wir mal den 1 bis 2er mit dem 2 bis 3er und schauen wir, muss ja eigentlich ein 2er rauskommen und das hat auf Anhieb funktioniert und das Ding war super. Habt ihr dann gar
keine weiteren Prototypen von dem her gebaut?
Nichts, genau. Du baust den, flickst den, testest den, wow, fertig, Güttesiegel. Und das gibt es halt nur alle 20 Jahre. Und wir hatten später, ja, weißt du, es wird ja dann immer, so der typische Ablauf ist ja der, dass im Sommer, da hast du lange Tageslicht und kannst alles machen, wasserwarm und so weiter und zum Herbst hin wird es dann eng, also musst du das Ding dann schon hinbringen und dann wird der Druck größer und das war gerade zum Beispiel letztes Jahr, wo wir schon gesehen haben, ja, also Maestro, HIB, meine Spezialdisziplin, sehr hohe Erwartungen, hohe Ansprüche, da haben wir gesehen, ja, leistungsmäßig sind wir super, aber es passt da und dort noch nicht und dann weißt du, okay, wenn du Produktionen, Produktion im Jänner starten willst, muss der nächste Prototyp, muss es sein.
Und ja, dann hast du schon Druck und das hat geklappt, also absolut auf den Punkt. Proto gebaut, getestet, noch ein bisschen verändert, Güttesiegel gemacht in Monaco, Produktion wie versprochen im Jänner angeworfen und die ganze Saison super. Also da ist oft jetzt nicht der Lucky Strike, den du aus dem Ärmel ziehst, sondern schon, wo du weißt, der muss es jetzt sein und der ist es dann auch.
Gab es denn in dieser ganzen Geschichte von dir auch so etwas, wo du sagen würdest, zumindest im Rückblick, das habt ihr auf den Markt gebracht, aber letzten Endes war es ein Reihenfall, wo du sagen würdest, selbstkritisch, naja, das Modell, wenn ich ein Modell aus meiner ganzen Modellreihe rauskicken würde, dann ist es das.
Ja, ich will jetzt nicht irgendwie jemandem, also ich kann jetzt nicht über meine ehemalige Firma sprechen, aber vor allem, wenn du den Druck, also es ist immer die Frage, was der Grund ist, warum du es nicht zu Ende geführt hast. Und da haben wir schon Projekte gehabt, wo wir gedacht haben, wir können jetzt eine neue Klasse schaffen mit ganz simpler Konstruktion und wir hatten keinen Druck. Also es wäre eine neue Klasse gewesen und zum Schluss haben wir das dann doch gebracht, wo es noch nicht ganz fertig war. Das war blöd. Das war die Susi dann, oder? Ja, genau. Da denkst du im Nachhinein, ah, das hätten wir eigentlich sauberer machen können.
Und was ist mit dem Rad zum Beispiel?
Ja, da war, das war aber eher so das Problem, da war eigentlich das eine Modell, da haben wir daraus gelernt, du musst in der Entwicklung mehr in die Breite gehen. Weil du hast eben gewisse Unschärfen, also die Geräte sind ja nicht alle identisch. Du hast eben das Tuchverhalten, das ist alles Handarbeit und du hast also eine gewisse Bandbreite an geometrischer Variation. Und wenn du jetzt nur einen Brot hast und der ist super, dann weißt du ja nicht,
wie fehlertolerant dieses Konzept ist. Das heißt, du musst also schon in der Entwicklung schauen, dass du gleichzeitig an mehreren Größen und mit mehreren Prototypen arbeitest. Und sobald irgendwas nicht ganz transparent ist, also wenn irgendein Prototyp jetzt besser oder schlechter, also es sollte eigentlich alles im Rahmen der Erwartungen sein. Und das war also ein klassischer Peak. Also wir haben, der Prototyp war super. Und dann haben wir das zertifiziert und haben wir das in Serie gegeben, das Ding. Und dann haben wir gesehen in der Serie, ja, das ist aber sensibel. Da muss die Trimmung schon genau stimmen. Und da und dort ist es vielleicht nicht so problematisch. Das ist ein breites Konzept, wie wir es gerne hätten. Und ja, war dann schwierig, vor allem die kleinere Größe zustande zu bringen noch. Aber da haben wir daraus gelernt. Und vor allem vielleicht nicht zu viel wollen.
Also da haben wir ja wieder gemeint, wir müssen die Sterne vom Himmel holen. Und das ist ja oft besser, man setzt die ganze Sache ein bisschen konservativer an.
Machen wir noch ein bisschen einen Themenwechsel. 2014 hast du ja von NOVA getrennt. Und das war aber just in dem Jahr, als das 25 -jährige Jubiläum anstand. Also eigentlich etwas, wo es normalerweise was zu feiern gibt. Und dann geht der Mitgründer und der Hauptkonstrukteur verlässt dann so eine Firma. Wie sehr hat dich der Abschied damals eigentlich geschmerzt?
Ja, schon sehr. Es war ja nicht geplant. Und ich habe doch 25 Jahre für die Firma gelebt. Das hat alles gegeben und in allen Bereichen eigentlich da mitgewirkt. Rückblickend zu wenig im betriebswirtschaftlichen Bereich. Also ich hätte mehr Kontrolle verlangen müssen, da mehr mitmachen müssen. Jetzt, wo ich es ja tatsächlich selber mache, sehe ich ja, dass so eine Gleitschirmfirma ja überschaubar ist. Also du kannst durchaus die ganzen betriebswirtschaftlichen Parameter ständig im Auge haben. Und ich habe mich damals so sehr auf die Technik konzentriert, dass ich das irgendwie nicht beachtet habe. Und das war nicht gut. Ich hätte auch schon viel früher mich darum kümmern müssen, beziehungsweise halt mehr prüfen müssen, auf wen kann ich mich verlassen und auf wen nicht.
Und ja, also war für mich dann schon zäh. Es war dann privat für mich auch sehr schwierig. Also mit Scheidung im selben Jahr war eine dunkle Zeit. Aber es ist eben jetzt gerade
Zeit des Comebacks. Also nicht, dass ich jetzt wieder in meinem Haus sitze, sondern ich bin ja jetzt wieder am Markt mit meiner eigenen Brand. Und ja, war schwierig, aber haben wir geschafft.
Würdest du denn heute sagen, also fünf Jahre danach mit deiner eigenen aufgebauten Marke FEE, die ja eigentlich bewundernswert kurzer Zeit du wirklich am Markt etabliert hast, würdest du da heute sagen, diese Krise von damals war für dich dann doch eigentlich die persönliche Chance, die du geschenkt bekamst?
Absolut. Die haben mich schon bedankt. Also ich habe mich dann, glaube ich, letztes Jahr bei allen jenen bedankt, die mich dazu gedrängt haben, diesen Schritt zu tun. Also ich hätte das viel früher machen sollen. Also ich habe mich früher nie als jemand gesehen, der betriebswirtschaftlich kompetent ist, aber letztendlich sind das nur Zahlen und Zahlen sind meine Freunde. Und vielleicht, ich meine, ich fand es ganz am Anfang, wir haben ja vorher gesprochen, ich bin jetzt 54, also wie wir angefangen haben, war ich ja 22. Und mit 22 eine eigene Firma zu etablieren, ohne jetzt irgendeine Hilfe, ist schwierig. Aber wäre wahrscheinlich gescheiter gewesen. Oder es ist so schwierig, dann wirklich auch die richtigen Menschen zu treffen, mit denen es jahrelang funktioniert.
Und wir hatten dann eben ein bisschen Veränderungen im Team. Und dann ist es einfach immer schwieriger geworden. Und letztendlich wollte ich eine Veränderung. Und die Veränderung hat dann eben gegen meine Erwartungen so ausgeschaut, dass ich gehen musste. Aber rückblickend war das der richtige Schritt. Also wir sind jetzt viel freier, viel unabhängiger und auch wirtschaftlich viel solider. Weil wir eben die Firma neu aufgestellt haben, mit viel niedrigeren Kosten. Und wir haben jetzt einen riesigen Spaß. Wir sind eigentlich alles
ehemalige Mitarbeiter aus der damaligen Zeit. Und wir haben also schon gewusst, wie die Sache funktioniert. Nach dem Abstecher in die Schweiz haben wir uns ja da wieder gefunden. Und ja, läuft super. Das ist eben das Problem. Also diese großen Firmenstrukturen, die halt einfach irgendwie naturgegeben so groß werden, die wieder runterzuschrumpfen, das ist fast nicht möglich. Also da ist oft der einfachere Schritt, du beginnst von Neuem.
Nun hast du ganz von Neuem angefangen, hast auch einen neuen Namen auf den Markt geworfen. Phi, wie kamst du auf diesen komischen Namen?
Ja, ich habe immer wieder Namen gehabt mit meinen Initialien. Also von Sphinx, Pharaon, Phorus, was immer. Ph, Papi, Shanis. Und dann, das ist mir damals schon ganz am Anfang, also der Entschluss oder wie wir gesehen haben, ja tatsächlich, die Konsequenz muss sein, dass ich die Firma verlasse. Da war ich gerade auf Teneriffa und schon am Rückflug habe ich mir das ausgedacht. Ja, das wäre elegant. Man hätte eben diese drei Buchstaben, dieses griechische Symbol. Und da habe ich dann gleich mal die Domain an mir gesichert und ja, hat mir gefallen. Und da haben wir das Logo selber designt, war ewige Diskussion. Bin ich sehr zufrieden, kommt gut an. Also es sind eigentlich meine Initialien mit einem I.
Und das I kann ja alles Mögliche heißen, oder? Innovations oder was immer.
Und war easy. Also das Problem ist jetzt, viele Leute wissen nicht, wie man es ausspricht. Also wir sprechen es halt Phi aus, manche sagen Phi und was immer. Aber man merkt es sich. Und ja, ich meine, das ist ein, wir gehen jetzt einen anderen Weg als andere. Also wir sind jetzt eigentlich ja nur mehr die technische Mannschaft. Wir haben uns also irgendwie befreit von den Verkäufern und so weiter. Und wir versuchen, wir schalten ja kaum Werbung ein. Also wir sind da sehr, sehr, sehr sparsam und versuchen es eben über die Produktqualität. Also wir versuchen einfach, die bestmöglichen Geräte zu entwickeln. Das braucht dann ein bisschen mehr Zeit, bis die Leute das probieren können und bis sich eben der gute Ruf verbreitet, Mundpropaganda. Dafür ist es dann vielleicht nachhaltiger, also länger anhaltender, als jetzt vielleicht eine gepushte Erwartungshaltung durch aufwändiges Marketing.
Und dann muss das Produkt der Erwartung entsprechen. Manchmal tut es es nicht und hast eben nach einem gewissen Euphorie -Peak dann einen steilen Abfall. Und bei uns geht es halt anders. Wir brauchen ein bisschen länger dafür, wenn das Produkt gut ist und da sind wir in der glücklichen Situation, dass unsere Produkte sehr gut ankommen. Dann hast du eben längerfristig gute Verkäufe. Also es war die Challenge eigentlich jetzt nicht so unrealistisch, also es war ja, mittlerweile verstehen eben mehr und mehr Leute, dass wir jetzt anders heißen. Also wir übernehmen eigentlich die Stammkunden von früher und das funktioniert besser und besser. Also wir haben uns vom letzten Jahr auf dieses Jahr überverdoppelt.
Und wenn es so weitergeht, dann sind wir im Laufe des kommenden Jahres so groß, wie wir früher mal waren mit der alten Firma. Also Wahnsinn. Aber mit viel, viel geringeren Kosten. Also das war ja schon, die Geschichte ist ja schon rumgegangen, dass wir ja schon im Mai, also zu größen hatten wir ja dann, waren wir in einer unglaublichen Luxussituation, unseren Break -Even schon überschritten zu haben.
Also Wahnsinn. Trotz der ganzen Anlaufkosten am Anfang. Da war alles drin. Ja, das war dieses Jahr. Also du hast alles drin. Du hast die Prototypen, die Entwicklungskosten, hast die Zulassungskosten, alles eingerechnet. Und weil wir eben so spartanisch aufgestellt sind, konnten wir durch den, durch die sehr, sehr guten Verkäufe am Anfang dieses Jahres den Break -Even schon im Mai erreichen. Und der Rest war dann nur mehr Luxus. Und also eine normale, etablierte, große Gleitschirmfirma kämpft zum Schluss immens, dass sie den Break -Even gerade und gerade erreicht. Und da ist sie eben dementsprechend wirtschaftlich doch sehr fragil. Und wir sind jetzt in der Situation, uns kann eigentlich nichts umbringen. Außer vielleicht ein Materialproblem. Aber jetzt wirtschaftlich nicht. Außer wir werden halt wieder größenwahnsinnig und wollen halt jetzt, jetzt marktbeherrschend werden und stellen halt ganz viele Leute ein und machen wieder irgendwelche ganz teuren Imagefilme und schmeißen das Geld raus.
Dann natürlich schon. Dann gehen wir halt den Weg, den wir oft schon gesehen haben. Also die Firmen werden, fangen klein und bescheiden an und wollen halt dann immer größer, größer, größer, größer werden und sind halt dann riesig und haben dann Probleme, die Kosten wieder runter zu bekommen.
Die großen Firmen sind ja eigentlich aber auch alle so full, ich nenne sie mal so Full -Service -Anbieter, die auch sagen, du kriegst von uns die Mode, du kriegst von uns das Gurtzeug und alles andere. Gibt es solche Überlegungen bei euch auch, dass man sagt, eigentlich muss man sich diversifizieren? Oder sagt ihr, nein, wir sind Gleitschirmbauer und das ist einfach, das ist unsere Profession und dabei bleibt es?
Ja, jetzt muss ich aufpassen, was ich sage. Also wir haben heute schon, ja, ich bin da radikal. Also ich sage euch, wir sind Spezialisten. Wir sind, im Gleitschirmbereich sind wir super. Da macht uns keiner was vor. Aber wir sind jetzt keine Spezialisten für Gurtzeuge. Also da müssten wir uns von außen Kompetenz holen. Das kann sich jetzt anbahnen, muss aber nicht. Und letztendlich ist das Kerngeschäft in unserer Branche, ist letztendlich Flügel zu bauen und Flügel zu verkaufen. Also Gurtzeuge entwickeln, verkaufen. Das ist bei Weitem weniger lukrativ. Rettungsgeräte erst recht nicht. Also wir fahren sehr gut, Spezialisten zu sein. War ja auch in meiner vorherigen Firma auch so. Also wir waren eigentlich jahrelang Spezialisten und das war gut so. Also heute haben wir wieder gesehen, dass es mit Mode schwierig ist, weil die Geschmäcker verschieden sind.
Die Mädels stürzen sich natürlich mit Freude drauf, aber es führt zu sehr viel Diskussion und schwierig. Also wenn es nach mir geht, keinen Fummel. Nichts, nur Gleitschirme.
Hat sich eigentlich ADVANCE, als du von denen weggegangen bist und dann FEE gegründet, hat sich irgendwie bei dir beschwert, dass du ihnen diesen griechischen Buchstaben FEE geklaut hast? Also nicht geklaut, aber aus ihrem Alphabet, mit dem sie normalerweise arbeiten, in dem sie halt ihren Alpha, Epsilon und sonst was haben, dass sie sagen, okay, FEE ist jetzt schon mal gestorben für uns?
Nein, nein, sie haben schon andere Sachen gehabt zu dem Zeitpunkt. Aber die Griechen, wenn, dann könnten sich die Griechen aufregen, aber das war damals weniger Thema. Es war nicht so einfach, auch diese Trennung wieder. Also ich habe ja an diese Zusammenarbeit geglaubt und habe da wirklich alles rein investiert. Und das hat dann eben nicht funktioniert, nicht sein wollen, war nicht so simpel, so ein großes, breites Team letztendlich da zu balancieren. Und das war jetzt nicht das Problem. Aber ja, weil unterm Strich bin ich nicht unzufrieden. Also wir waren sehr, sehr erfolgreich. Also es ist uns gelungen, ADVANCE fast zu verdoppeln in meiner Zeit im Gleitschirmbereich und doch wieder ganz an die Spitze zu führen. Ich habe da neue Leute eingelernt und man hat sehr viel gelernt in dieser Zusammenarbeit.
Jetzt nochmal auf deine Marke FEE. Du hast jetzt keine weiteren griechischen Buchstaben als Schirmnamen, sondern du hast lauter musikalisch inspirierte Namen. Welche Bedeutung hat Musik in deinem Leben?
Ja, wir sind ein Team. Also ich bin ja eher ein weniger musikalischer Mensch, aber meine aktuelle Partnerin, also zukünftige, ich werde es ja wieder wagen. Also du bist jetzt verheiratet nach 20 Jahren Probezeit. Ich hatte jetzt schon Erlebnisse, die nicht so positiv waren, aber ich werde es wieder wagen. Also die ist Musikerin und hat eine klassische Ausbildung als Sängerin und so lag das irgendwie nahe, dass wir das verbinden. Und wir haben da sehr viel Freude dran.
Gibt es von diesen musikalischen Namen, die du da gewählt hast, gibt es einen, wo du sagst, der gefällt dir als Name am besten? Für einen Schirm?
Ja, Feedback von außen. Maestro war schon sehr elegant, weil es durch das M eben auch an die Klasse erinnert, die dem Ganzen vorausgegangen ist. Also es war vorher der Mentor, der diesen Weg beschritten hat und der Maestro, der den jetzt wieder weiterführt. Und ja, es waren eigentlich rundherum glückliche Entscheidungen. Also wir haben provoziert mit dem Farbdesign der Symfonia und das ist uns aufgegangen, war auffällig. Die Leute sind auf uns aufmerksam geworden. Es war provokant und wir konnten provokant sein, weil das Gerät einfach auch so extrem gut war und noch ist, verkauft sich blendend. Also es ist uns eigentlich, alles aufgegangen von den Namen bis zum Farbdesign rundherum. Wir hatten sehr viel Glück, diese Fabrik kennenzulernen.
Also das hat der Benni uns vermittelt in Sri Lanka. Qualität super, Konditionen sehr gut. Also kann man sich nur bedanken bei allem.
Jetzt lass uns noch mal ein wenig zum Ende hin, ein wenig noch in die Zukunft schauen. Inwieweit glaubst du denn, hat die technische Entwicklung von Gleitschirmen so langsam irgendwie ein Plateau erreicht? Oder was kann da noch kommen?
Ja, da kommen wir zurück auf deinen Ansatz der zufälligen Selektion, also der Mutation und der genetischen Algorithmen. Wir ertappen uns immer wieder dabei, zu konventionell zu denken. Also es ist ganz schwierig mal abseits der Konventionen zu agieren und wenn man jetzt was abseits der Konventionen probiert, ist man etwas unsicher, weil es eben nicht der meist beschrittene Weg ist und sobald es dann nicht gleich einmal grün wird, neigt man dazu, wieder zur Konvention zurückzukehren. Und da muss man eben teilweise, also ich habe das mit dem Bild verknüpft, du sitzt auf einer Insel, siehst am Horizont nur Meer und überlegst dir, ist da noch Land? Und dann ist dorthin kein einfacher Weg. Du musst dran glauben.
Aber ich denke mir, es kann durchaus ein ganz anderes Land existieren. Also ein Trend, der jetzt aufgekommen ist und sich mehr und mehr verbreitet, habe ich auch da präsentiert. Zum Beispiel sind es die Single Skins. Also denen sauge ich jetzt schon eine interessante Zukunft voraus. Die kommen jetzt mehr und mehr aus der Nische und du weißt, also kann sein, dass das Gleitschirmfliegen dann doch anders ausschaut, als wir uns das jetzt vorstellen. In 20 Jahren rückblickend, ja, es hat sich ja schon ganz, ganz toll entwickelt. Also seit wann bist du dabei? Jetzt mal eine Gegenfrage.
Mir, ich bin erst seit 2000, also erst, jetzt auch schon, 15 Jahre, aber erst seit 2004 dabei. Das heißt, deine ganze Startgeschichte, die habe ich erst im Nachhinein nachlesen können.
Ja, es ist ja wahrscheinlich, wir sind am Anfang mit 1 zu 3 einfach den, also es war schwierig Berge zu finden, die so steil sind, dass du runterfliegen kannst. Und da waren die Drachenflieger mit Gleitzahl 1 zu 10 ja unsere Götter. Und wir sind jetzt bei über 1 zu 10. Und wir, es ist unglaublich, was für Leistungen wir eigentlich jetzt zur Verfügung haben. Und das wird sich nicht nochmal verdreifachen. Also wir werden nicht mit Gleitzahl 1 zu 30, sondern mit Gleitzahl 2 zu 30 rumfliegen. Aber es würde ja interessant sein, jetzt die Leistung, die wir jetzt im Hochleistungsbereich haben, fliegbarer und sicherer zu machen für die Normalpiloten weiter unten. Die Sicherheit weiter zu steigern, da hat sich einiges getan. Und den Weg werden wir versuchen weiter zu beschreiten. Und ich bin immer noch so ein Fan der Idee des Volksschirms.
Also wir müssen Schirme bauen, die so sicher und so einfach sind, dass das jeder bedienen kann. Und da ist noch einiges zu tun. Also wir probieren es. Es kommt jetzt wieder ein Ultra -Low -Level -Schirm von uns raus. Als Phantasie. Und das wäre schon wieder anknüpfend an das allererste Versprechen dieses Sportes an die Menschen. Einfaches, sicheres Fliegen für jedermann. Und wir haben dieses Versprechen auch nach 30 Jahren eigentlich noch nicht eingelöst. Es ist ein Ziel, das irgendwann mal zu tun. Dass also jeder Fußgänger, tatsächlich in der Lage ist zu fliegen. Mit einem extrem sicheren, verzeihenden Gerät.
Die Gleitschirms 10 oder sehr viele Piloten, wenn es um Fortschritt geht, rechnen die aber trotzdem immer nicht so viel mit Ah, ich habe den Sicherheitsfortschritt. Sondern gemessen wird es immer an, gleitet der Schirm besser, geht der besser oder sonst irgendwas. Glaubst du denn, dass man da auch bei Wettbewerbsschirmen noch große Sprünge machen kann? Oder ist es eigentlich nicht mehr so, dass man sagt, naja, bei Leinenreduktion geht nicht mehr viel. Also 2 -Liner, da ist irgendwo die Grenze dann erreicht. Oder auch was z.B. die Formhaltigkeit von Leinen betrifft. Da ist man auch an Grenzen angekommen. Die verdrimmen sich schnell, die Schirme irgendwie so, dass man sagt, im Optimum stehen sie nicht mehr. D.h. selbst wenn man einen super fliegenden Schirm bauen würde, der wird vielleicht nach 10, 15, 20 Stunden Fliegen schon nicht mehr ganz so super sein. Kann man da trotzdem noch was weitermachen?
Jaja, sicher. Also du hast jetzt gerade angesprochen, natürlich die Veränderung des Materials. Also momentan schläft ja die Wettbewerbsszene jetzt im PWC -Bereich mehr oder weniger. Also wenn du das vergleichst mit dem Skifahren auf höchstem Niveau. Ich weiß nicht, wie sehr du da jetzt irgendwie Beobachter bist, aber da geht es schon darum, das Material extrem auszureizen. Also wirklich anzupassen auf die aktuellen Bedingungen auf dieser Piste. Und alles am Schuh, an der Bindung, an jeder Einstellung zu schrauben, das macht man jetzt eigentlich nicht. Also eine große Gruppe fliegt den gleichen Schirm quer durch alle Bedingungen. Da ist sicher einiges noch drinnen. Und auch was Leistung betrifft, ist sicher noch einiges drin.
Momentan ist der Druck nicht so da. Also es war in der Anfangszeit, als sich so viele Hersteller engagiert haben in diesem Wettbewerbszirkus, waren die Entwicklungszyklen sehr viel kürzer. Also da bist du nicht mit einem Gerät drei Jahre an der Spitze geflogen. Also da bist du dann ein paar Monate vorne gewesen und dann gab es das Nächste. Und da musste es laufend auf die neuen Entwicklungen reagieren. War auch reizvoll, die offene Klasse. Also man wusste vor jedem Wettbewerb nicht ganz, mit was kommen die anderen jetzt an. Da ist es jetzt eigentlich relativ langweilig geworden. Dafür haben jetzt aber quasi die Piloten ähnlichere Chancen. Also es ist für jeden superguten oder ziemlich guten Piloten möglich, jetzt ein Spitzengerät zu kaufen und damit zu fliegen und damit konkurrenzfähig zu sein.
Damals war das jetzt eigentlich den Firmenpiloten vorbehalten, jetzt Spitzengeräte zu haben. Und es war aber rückblickend als Entwickler eigentlich eine interessantere Zeit, die Zeit der offenen Klasse.
Könntest du dir denn vorstellen, auch mit Vieh mal einen CCC -Schirm zu bauen?
Absolut. Also wir kommen darauf. Das war ja jetzt unser Vorhaben. Also wir arbeiten uns von der A -Klasse, bis zur D -Klasse nach oben. Momentan sind wir bei Low C. Also wir haben jetzt eine Streckung von 6 in der Zertifizierung. Das ist der Allegro. Genau. Also wieder musikalisch und maskulin.
Und ja, wir hören jetzt da noch nicht auf. Also wir machen weiter. Wir haben aufgehört damals. Ich meine, das werden jetzt nicht mehr alle wissen. Wir haben jetzt in den 90er -Jahren, da waren wir sehr erfolgreich, haben eigentlich alles gewonnen im Wettbewerbsbereich. Und haben dann mit der Erkenntnis, dass nicht so viel Energie in diese Szene stecken sollte, sondern eben Geräte für Normalpiloten entwickeln sollte, 2000 aufgehört. Und vielleicht ist es jetzt, nach 20 oder 22 Jahren, wieder an der Zeit, sich da neuerdings zu engagieren. Es hat sich immer einigermaßen verändert. Man kann jetzt auch Wettkampfgeräte verkaufen. Also damals haben wir ja eine ziemlich große Mannschaft gesponsert. Nicht nur mit Geräten, sondern auch mit Spesen und so weiter.
War ungleich teuer als heutzutage. Also heutzutage kannst du, wenn du ein gutes Wettbewerbsgerät hast, auch Geld damit verdienen. Damals war das also reiner Kostenposten. Ja, reines Sponsoren.
Manche Firmen, so wie Ozone oder sowas, die sagen ja auch, wir haben unser ganzes Wettbewerbsschirm -Ding, weil wir davon ungeheuer viel lernen können, was wir dann in die unteren Klassen herunterbringen. Nun zeigt sich bei den Wettbewerbsschirmen noch eine große Differenz zu den unteren Klassen, zum Beispiel bei dem Wettbewerbsschirm. Das sind alles heute Zwei -Liner oder sowas. Siehst du Chancen, dass so etwas auch im ENB -Bereich beispielsweise möglich wäre?
Ja, sicher. Oder auch sinnvoll? Da könnten wir jetzt drei Podcasts füllen mit dem Thema Falkleinern. Die Einführung dieses Werkzeugs Falkleinern war nicht unproblematisch. Deswegen haben wir mal sicherheitshalber die rausgeschoben in die D -Klasse. Sie kommen jetzt dann wahrscheinlich runter in die C -Klasse. Also Falkleinern sind mehr oder weniger Voraussetzungen für Zwei -Liner -Zertifizierung. Aber haben wir anfangs nicht nur für diese Verwendung gefunden. Ist ein bisschen heikel, das Thema. Aber kann sein, dass das kommt. Ja, wird vielleicht kommen. Schauen wir uns das mal an. Wir sehen dann immer wieder, wenn nach neuer Technologie gerufen wird, sehen wir aber dann auch, dass mit der Technologie, die aktuell etabliert ist, sehr viel möglich ist. Es gibt ja keinen Gewinn ohne Verlust.
Also immer, jeder Vorteil hat einen Nachteil. Also wenn du nur zwei Leinen einsetzt, brauchst du eben ein statisch stabileres Profil, das ist dicker, aerodynamisch nicht so effizient und so weiter und so weiter. Also es ist nicht so, dass nur die Reduktion jetzt von drei auf zwei Leinenebenen dir sofort den großen Vorteil bringt. In gewissen Fällen schon, mit hoher Streckung schon, in gewissen Konfigurationen weniger. Also das kannst du am Computer mit diesen Modellen alles durchspielen.
Und ja, also schauen wir uns an, wo das hingeht. Also was du jetzt vorher gesagt hast, dass also die Wettbewerbsfanatiker natürlich das verteidigen und sagen, sie lernen sehr viel, mag sein, aber wir sind eher auf der anderen Seite des Spektrums sehr engagiert im Low -Level -Bereich, wissen sehr viel über Basissicherheit und sind mit mehr Herz dabei, diese Low -Levels zu bauen, wo die anderen vielleicht weniger Freude haben, weil die bauen eben lieber Wettkampfgeräte. Und ja, so hat halt jeder seine Präferenzen. Wobei ich glaube, dass es absolut wichtig ist für die Basis, supergute Geräte am Markt zu präsentieren und sich wirklich um die Basis zu bemühen. Weil wenn du dir vorstellst, alle Hersteller würden jetzt nur mit Engagement und Enthusiasmus Wettbewerbsgeräte bauen, würde der Sport sterben.
Weil es können nur unter 5 % der Piloten diese Geräte fliegen. Also wir brauchen Engagement und Einsatz für Low -Levels. Hast du nicht auch mal Maestro -Prototypen als Zweileiner gebaut? Ja, ja, das funktioniert. Also für Zertifizierung schwierig, aber es geht. Also schon weniger, also weniger Streckung. Also wir haben schon simple, niedrig gestreckte Dünnenflitzer als Zweileiner gehabt. Da gibt es Videos von Michael, der da in Dänemark herumrast. Also das haben wir schon ausprobiert. Es geht. Du kannst also eine Zweileiner -Technologie mit viel weniger Streckung umsetzen. Und ja,
macht Spaß. Muss man denn dann viele Versteifungen in so einen Schirm selber noch reinbauen? Also lauter lange Stabeln, die dann von hinten bis vorne reichen? Nein,
nicht unbedingt. Nein, es kommt davon ab, wie dick das Profil ist. Also das kannst du alles jetzt schon relativ gut rechnen und ausprobieren. Und das hat erstaunlich gut von Anfang an funktioniert. Also das haben wir gleich mal gehabt.
Noch eine Nachfrage zu vorhin. Da hast du gesagt, Single -Skins, da siehst du auch noch eine Zukunft. Wann wird es den ersten Single -Skin von Vieh geben?
Ja, da haben wir jetzt schon ein bisschen gebaut dran. Also es war dann nicht ganz klar, ob wir jetzt den Low -Level, der jetzt auf unserer Agenda stand, als Doppelsegel oder als Einfachsegel bringen. Das ist Fantasie. Aber dann war der Doppelsegel so gut, dass wir jetzt den Doppelsegel erbringen. Vielleicht den Einfachsegel aber auch noch. Das schauen wir uns an. Und ich glaube, dass sich das aussplittert. Also Single -Skin -Konzept wird in vielen Bereichen sich etablieren. Also nicht nur im ultraleichten Bergbereich. Im Schulungsbereich kommt es ja jetzt schon. Es gibt ja schon Schulungsgeräte, A -Klasse -Einstufungen mit Single -Skin -Technik. Und sogar im Motorflugbereich kommt es. Genial im Startverhalten. Genial in der Rolldämpfung. Und kann sein, dass wir das Ende
zu Sunhill Air 2020 dann präsentieren können. Also das nächste Jahr ist eigentlich schon ziemlich geplant.
Und Markteinführung gibt es jetzt wahrscheinlich dann noch eine. Aber nicht das Single -Skin. Also jetzt nach Fantasia und der Lega gibt es noch eine. Aber Single -Skin dann, wenn alles gut läuft im Herbst.
Dann noch eine Frage, die mir aufgefallen ist bei Nova. Also Nova geht ja auch viel damit hausieren, dass sie ihr Nova -Trim -Tuning haben und damit die Trimmung des Schirms immer nachprüfen können. Und wo es auch heißt, die Leinen vertrimmen sich schnell und es wäre sinnvoll sowas zu machen. Und das Nova -Trim -Tuning hast du ja auch damals mit eingeführt. Allerdings bei Fi gibt es das nicht. Warum? Ja,
das ist natürlich eine Frage der Erfahrung und der Materialien, die du einsetzt. Also es war damals am Anfang, also die Geschichte ist ja die, dass du bist anfangs eher dazu geneigt Materialeuphoriker zu sein. Das heißt, wenn immer ein neues Material auftaucht, dann verwendest du das, weil du den Versprechungen der Verkäufer glaubst. Und das war eben damals auch so, dass man eben die neuen sehr sehr dünnen Dynema Leinen, PPSL Leinen, eingesetzt haben und dann erst festgestellt haben, das ist ja immer eine Frage der Alterungssimulation. Also du kannst ja jetzt, wenn du eine Rolle bekommst, nicht so einfach feststellen, wie verhält sich denn das nach einigen Monaten Fliegen. Und dann muss man doch sagen, oje, das verzieht sich.
Dann müssen wir darauf reagieren. Das heißt, wir müssen irgendwie was finden, dass die Leute kommen und sich die Schirme nachjustieren lassen. Und wir haben aber laufend dazu gelernt. Wir haben dann gesehen, wenn wir diese Hybridbeleinung umsetzen, also Dynema Leinen nur dort einsetzen, wo sie dann hochbelastet sind und dem nicht zum Schrumpfen neigen und an anderen Stellen Technora Leinen einsetzen und das Ganze richtige Balance hat, dann verändert sich die Trimmung eigentlich nicht wirklich. Und es ist uns jetzt eben gelungen, solche Leinenkonfigurationen umzusetzen und wir sehen jetzt, jetzt gibt es ja die Symfonia zwei Jahre, jetzt kommen die ersten zwei Jahreschecks rein, die werden jetzt da vermessen. Das macht uns aber Ralf wieder die Sheets mit der sehr guten Analyse und wir sehen jetzt, ja das funktioniert.
Also wir haben sehr gutes Feedback jetzt betreffend der Trimmkonstanz und wir haben ein Recht behalten, dass wir den Leuten gesagt haben, braucht es jetzt nicht nach einigen Monaten schon kommen zum Nachtrimmen, weil eben die Materialselektion so ausgewogen war oder ist.
Aber nach zwei Jahren sollte man dann schon vernünftig nachtrimmen lassen?
Nein, gebrauchst nicht. Also in seltensten Fällen ist das nötig. Die Trimmung ist konstant.
Und das gilt dann auch, wenn man sich jetzt einen Leinensatz von der Symfonia anguckt, ist natürlich ein anderer als vom Maestro, der dann mit viel, viel dünneren Leinen zum Beispiel arbeitet.
Nein, nein, nicht wirklich. Wir haben das Glück gehabt, dass wir damals schon einen Prototypen gehabt haben von der Symfonia im Mai und dann sind wir dann den ganzen Sommer durchs Dick und Dünn geflogen, inklusive sieben Wochen Dänemark und Groundhandling und da oben rumhüpfen, das ist ziemlich beanspruchend. Und dann haben wir gesehen, ui, der ist stabil. Und dann haben wir tatsächlich diese Konfiguration bei allen anderen Geräten weiterverwendet. Also wir haben beim Maestro dann zwar PPSL, PPSLS verwendet, aber sonst weitgehend das Gleiche. Also aus der guten Erfahrung heraus mit diesem Linensetup haben alle anderen Geräte das Gleiche. Also wir haben überall vier Dreiergabeln, zwölf Aufhängungen an der Kappe. Runter auf zwei Stammleinen. Das ist erst jetzt der Allegro und die Fantasia sind die ersten Geräte, die davon abweichen.
Alle anderen haben eigentlich mehr oder weniger das Gleiche.
Das heißt, der Allegro hat wieder drei
Stammleinen in Spannweitenrichtung und die Fantasia auch als Basisschulgerät. War
das beim Allegro nicht
zu realisieren mit den zwei Leinen? Doch, haben wir auch gehabt, aber war dann auf der Basis Praxiserfahrung, Computersimulationsergebnisse, verfügbare Materialien und so haben wir uns dann entschieden, dass wir es so machen.
Nun sprichst du viel immer von Erfahrung, die du damit einbringst, die du natürlich aus 30 Jahren auch dann hast. Wie viele Jahre würdest du heute sagen, wenn einer neu anfängt, sich neu ausprobiert als Konstrukteur? Wie viele Jahre Erfahrung braucht man, bis man als Konstrukteur dann den ersten wirklich guten Schirm heutzutage liefern kann?
Weiß ich nicht, das hängt davon ab. Das kann ja total das Talent sein und die Göttinnen sind mit ihm und er bringt das sofort zustande. Das geht. Ich war ja in einer ähnlichen Situation. Es war ja zu der Zeit damals ja auch so, dass, was jetzt zum Beispiel LDK, der Dominant war am Markt, also Westschweizer Hersteller, also unglaublich geniales Marketing nach wie vor der Maßstab und es hat ja kaum jemand gedacht, dass der dominante Hersteller so schnell gestürzt werden kann eben durch technische Weiterentwicklung, wo ja ein wesentlicher Teil davon war. Das kann jetzt wieder passieren. Es kann sein, dass sich irgendein Student frustriert, vielleicht wegen seinen Studienfortschritten hinsitzt und mit Mamas Nähmaschine irgendwas näht, was die Gleitschirmtechnik revolutioniert und wir alle alten Etablierten dann eben tatsächlich alt aussehen.
Das ist möglich. Weil wir eben, wie vorher gesagt, zu sehr an der Konvention hängen. Und jemand von außen betrachtet das neutral, sieht das ganz anders, probiert andere Wege und hat damit Erfolg. Ist nicht ausgeschlossen.
Siehst du dich heute als einen der größten Konstrukteure der Gleitschirmgeschichte?
Na, groß weiß ich nicht. Das ist wieder sehr ego
betrachtet. Ich bin eigentlich eher ein Teamworker. Wobei ich leider die Erfahrung gemacht habe, dass es in den Teams schwierig ist.
Gerade die, die ich einlerne, dann meinen eigenen Wege gehen zu müssen. Nicht so einfach. Ich bin aber sicher nicht der Einzige mit diesen Erfahrungen. Mein Traum -Szenario wäre eigentlich im Team erfolgreich zu werden. Die Male, die ich im Team arbeiten konnte, da habe ich das sehr angenehm und sehr inspirierend empfunden. Vielleicht kommt es wieder dazu. Und ich glaube, dass in Zukunft, wie in allen anderen Bereichen, wird es dahin gehen, dass Teams erfolgreich sind. Nicht Einzelpersonen, sondern Teams.
Unterm Strich habe ich meinen Beitrag denke ich immer geleistet, die Gleitschirmfliegen weiterzubringen. Aber ich bin ja noch nicht am Ende. Das Resümee müsste man dann in 20 Jahren vielleicht sehen.
Okay, du bist noch nicht am Ende und das ist auch gut so. Du hast jetzt damit am Ende. Hannes, ich danke dir für diese Erzählung aus deiner 30 Jahre Erfahrung, 30 Jahre Geschichte. Vom ersten Sitzen an der mütterlichen Nähmaschine bis zum Fluid Structure Interaction und allem, was damit dranhängt. Und wünsche dir noch viel Erfolg mit VIE und allen anderen Projekten, die da noch kommen.
Das war
Hannes Papisch im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du noch etwas mehr über die Geschichte von Hannes Papisch, seine Schirme und seine besondere Konstruktionsweise erfahren willst, auf dem Blog Lu-Glidz habe ich in den Shownotes zu diesem Podcast einige Links zusammengestellt.
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Ciao.