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21. Der Geograph - David Holzhacker

// David Holzhacker, Lucian Haas · 2019-12-29 · 00:38:35 · original episode

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[show notes]
Podz-Glidz Folge #21: Der 28-jährige David Holzhacker will Methoden der Fernerkundung zum Nutzen der Gleitschirmflieger einsetzen. Diese 21. Folge von Podz-Glidz fällt ein wenig aus dem Rahmen. Es geht um einen Blick in die Zukunft. Eine Vision. Es ist die Vision von David Holzhacker. David ist 28 und arbeitet als Geograph an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Und natürlich ist er Gleitschirmflieger, wenn auch erst seit zwei Jahren. Doch dieses Hobby hat ihn so gefangen genommen, dass sich mittlerweile viele seiner Gedanken darum drehen, wie er seine Kenntnisse in der Geographie auch zum Nutzen der Gleitschirmfliegerei einsetzen könnte. Davids Spezialfeld in der Geographie ist die Fernerkundung. Es geht um den Einsatz von Satelliten-, Luft- und Radarbildern in hoher Auflösung, um mehr über die irdischen Strukturen zu erfahren, auf denen wir leben, und über die wir auch fliegen. Nach Davids Einschätzung könnten die Methoden und Daten der Fernerkundung uns Fliegern in Zukunft noch viel bessere Möglichkeiten zur Beurteilung und Analyse von Fluggebieten bieten, als es heute schon mit bekannten Tools wie Google Earth möglich ist. In dieser Folge von Podz-Glidz erzählt David Holzhacker von seiner Vision. Er erklärt unter anderem, wie Fernerkundung funktioniert und welche Daten daraus heute schon frei im Internet verfügbar sind. Zudem gibt er Einblicke, wie der systematische Einsatz solcher Informationen unsere Herangehensweise an die Fliegerei in Zukunft verändern könnte. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Tumbleweed Texas by Chris Haugen Source: Youtube Royalty-free Music See: https://www.youtube.com/watch?v=Y6uocKrVc5M Download: https://www.youtube.com/audiolibrary_download?vid=6a39b2d283dd82dc

[transcript]

0:07David Holzhacker

Die Idee ist eigentlich, dass die Satellitenbilder oder auch die aktiven Sensordaten eine Basis darstellen, mit der man ein Fluggelände sehr genau analysieren kann und dass man dann in ein Variometer oder in eine Karte einpflegt, was eben Gefahrenquellen darstellt, wie zum Beispiel Leh -Effekte oder auch eben die erwähnten Thermikquellen. Podz

0:47Lucian Haas

-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:51David Holzhacker

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute

0:57Lucian Haas

mit David

0:59David Holzhacker

Holzhacker und

1:02Lucian Haas

Lucian Haas am Mikrofon.

1:07Lucian Haas

Diese 21. Folge von Podz-Glidz fällt ein wenig aus dem Rahmen. Bisher habe ich für den Podcast stets Menschen interviewt, die unter anderem besondere Erlebnisse, eine langjährige Arbeit, Reiseziele oder andere inspirierende Projekte mit dem Gleitschirm realisiert haben. Heute aber geht es um einen Blick in die Zukunft, eine Vision. Es ist die Vision von David Holzhacker. David

1:33Lucian Haas

ist 28 und arbeitet als Geograf an der Julius -Maximilians -Universität Würzburg. Und natürlich ist er Gleitschirmflieger, wenn auch erst seit zwei Jahren. Doch dieses Hobby hat ihn so gefangen genommen, dass sich mittlerweile viele seiner Gedanken darum drehen, wie er seine Kenntnisse in der Geografie auch zum Nutzen der Gleitschirmfliegen einsetzen könnte. Davids Spezialfeld in der Geografie ist die Fernerkundung. Es geht um den Einsatz von Satelliten, Luft - und Radarbildern in hoher Außen. Um mehr über die irdischen Strukturen zu erfahren, auf denen wir leben und über die wir auch fliegen. Nach Davids Einschätzung könnten die Methoden und Daten der Fernerkundung uns Fliegern in Zukunft noch viel bessere Möglichkeiten zur Beurteilung und Analyse von Fluggebieten bieten, als es heute schon mit bekannten Tools wie Google Earth möglich ist.

2:22Lucian Haas

In

2:25Lucian Haas

dieser Folge von Podz-Glidz erzählt David Holzhacker von seiner Vision. Er erklärt unter anderem, wie Fernerkundung funktioniert und welche Daten daraus heute schon vorankommen. Er zeigt, wie die Daten im Internet verfügbar sind. Zudem gibt er Einblicke, wie der systematische Einsatz solcher Informationen unsere Herangehensweise an die Fliegerei in Zukunft verändern könnte.

2:50Lucian Haas

David, du bist Geograf und beschäftigst dich mit dem Einsatz von Satellitenbildern für die verschiedensten Anwendungen. Und da du auch begeistert Gleitschirm fliegst, liegt es nahe, sich Gedanken darüber zu machen, wie man Satellitenbilder auch für unser Hobby sinnvoll einsetzen könnte. Was bringt mir als Piloten der Blick aus dem All, was ich nicht auch vom Boden sehe? Was bringt mir als Piloten der Blick aus dem All, was ich nicht auch vom Boden sehe? Was kann ich mit Satelliten auserkennen?

3:11David Holzhacker

Ja, aus dem All oder mit der Fernerkundung, also vielleicht vorweg die Fernerkundung, stellt alle Messmethoden dar, die aus der Ferne funktionieren, also Satellitenbildaufnahmen oder auch Luftbildaufnahmen. Und die Möglichkeit besteht darin, dass ich aus einer großen Entfernung große Gebiete auf eine ganz andere Weise untersuchen kann und auch sehe, als ich sie vielleicht am Boden wahrnehme.

3:43Lucian Haas

Und was bringt mir das jetzt als Gleitschirmflieger? Ich fliege ja jetzt in meinem Gebiet, sag hier, das ist mein Fluggebiet und sonst was. Da steige ich in die Luft, gucke auch dann von oben herunter. Was könnte ich jetzt an Infos aus solchen Satellitenbildern bekommen?

3:59David Holzhacker

Satellitenbilder haben zum einen die Möglichkeit, dass ich das Gebiet erstmal großräumig kennenlerne. Also welches Terrain habe ich denn vor mir? Welches Relief? Welche Vegetation ist vielleicht vorherrschend? Habe ich einen hohen Felsanteil oder habe ich einen hohen Waldanteil? Wo sind mögliche Landewiesen? Wo sind auch bei Streckenflügen mögliche Außenlandemöglichkeiten? Und all diese Informationen bekomme ich über Satellitenbilder sehr detailliert.

4:32Lucian Haas

Von welcher Art von Satellitenbildern sprechen wir hier jetzt eigentlich? Ich nehme mal an, du meinst jetzt nicht die üblichen Bilder, wie man sie von Wettersatelliten her kennt. Also

4:41David Holzhacker

es gibt unterschiedliche Herangehensweisen in der Fernerkundung. Ich hole dazu einfach mal ein bisschen aus. Es gibt zum einen die aktiven Sensoren und zum anderen die passiven Sensoren. Aktive Sensoren sind zum Beispiel das klassische Radargerät. Also ich sende Radiowellen aus und über die Rückstrahlung dieser Wellen kann ich die Entfernung messen oder auch andere Informationen über das Gelände bekommen. Und dann haben wir eine noch deutlich größere Anzahl an passiven Sensoren. Das sind so die klassischen Satelliten, die die Erde umkreisen und die in verschiedenen Wellenlängen, also sprich Lichtspektren, die Erde auf unterschiedlichste Art und Weise aufnehmen.

5:30David Holzhacker

Das sind auch vor allem die Bilder, mit denen ich mich befasse.

5:34Lucian Haas

Das sind aber so Bilder, wo du sagst, du als Geograf, auch als Forscher beschäftigst du dich damit. Inwieweit könnte ich denn als Otto -Normalpilot darauf überhaupt Zugriff bekommen? Viele von diesen sind wahrscheinlich auch Spezialsatelliten, die dann halt ihre Daten herunterfunken. Finde ich die ganz frei im Internet auch?

5:54David Holzhacker

Also ganz bekannt ist natürlich vor allem Google Earth als Satellit. Oder Google Earth stellt verschiedene Bilder zur Verfügung. Es ist ja kein direkter Satellit, sondern es sind verschiedene Luftbildaufnahmen. Oder auch verschiedene Satellitenbildaufnahmen, die aufbereitet werden und wurden. Also jeder kennt das, man kann sein eigenes Haus auf Google Earth suchen. Und darüber hinaus gibt es natürlich noch viel mehr Satellitenbilder, die man über die unterschiedlichsten Quellen, wie zum Beispiel Google, die haben eine spezielle Earth Engine dafür entwickelt, die jedem die Möglichkeit bietet, auf die unterschiedlichsten Satellitenbilder zuzugreifen. Und

6:38Lucian Haas

die ist auch frei verfügbar?

6:39David Holzhacker

Genau, das sind frei verfügbare Bilder. Es gibt natürlich Bilder, die sind nicht ganz frei verfügbar. Ein Großteil der Satellitenbilder sind aber heutzutage schon frei verfügbar.

6:51Lucian Haas

Und wenn ich jetzt als Flieger sage, ich gehe in ein neues Fluggebiet und das kenne ich jetzt noch nicht. Was wäre denn aus deiner Sicht her sinnvoll? Was für Satellitenbilder sollte ich mir da angucken, um dann auch welche Informationen darüber zu bekommen?

7:08David Holzhacker

Was natürlich sehr spannend sind, sind vor allem Radaraufnahmen zum einen Teil, weil ich dadurch sehr viel über die Hangneigung erfahren kann, in welche Richtung ein Hang geneigt ist oder natürlich auch, wie stark das Gelände abfällt. Alternativ habe ich natürlich auch diese sogenannten Multispektralbilder zur Verfügung, in denen ich ganz deutlich sehen kann, wie hoch ist denn der Waldanteil? Habe ich mögliche Thermikquellen? Wie gut sind denn meine Landemöglichkeiten? Oder habe ich überhaupt Landemöglichkeiten? Und all diese Informationen in Kombination bieten mir eine sehr gute Übersicht über das Fluggebiet.

7:53Lucian Haas

Jetzt hast du gerade das Wort gesagt, Multispektralbild. Was habe ich mir darunter vorzustellen? Was ist ein Multispektrum?

8:01David Holzhacker

Ein Multispektrum ist eine erweiterte Sichtweise, könnte man sagen. Ganz grob sagen, also das menschliche Auge nimmt ja eine gewisse Wellenlänge auf. Die Sonne sendet Wellenlängen in Form von elektromagnetischen Wellen aus. Die werden von den jeweiligen Objekten reflektiert und das Auge stellt dann ein Bild dar. Unser Auge kann aber natürlich nur in gewissen Farben sehen. Blau, Gelb, Rot, das sind so die Bekannten. Darüber kennt noch jeder den Ultraviolettbereich. Also wir sprechen dann von Wellenlängen, so um die 400 Nanometer und darunter. Das ist der Bereich, der zum Beispiel für den Sonnenbrand verantwortlich ist. Und darüber hinaus, also am Ende des roten Spektrums, jenseits der 700 Nanometer, haben wir dann den Infrarotbereich.

8:55David Holzhacker

Und diese ganzen Wellenlängen in Kombination sind dann multispektrale Satellitenbilder. Also ich habe deutlich mehr Farben, die ich darstelle, die ich auf einem einfachen Foto oder mit meinem Auge gar nicht wahrnehmen kann.

9:12Lucian Haas

Wenn ich die aber dann betrachten will, wie gesagt, ich sehe jetzt ja kein Infrarot oder sowas, dann kriege ich so etwas dann nur als eine Art Falschfarbenbild dargestellt.

9:20David Holzhacker

Genau richtig. Also ich färbe dann den Bereich, den ich nicht sehen kann mit meinem Auge, einfach in einer anderen Farbe ein. Zum Beispiel sage ich dann, der Infrarotbereich soll rot dargestellt werden.

9:33Lucian Haas

Jetzt hast du gerade gesagt, es könnte interessant sein, sich solche Bilder anzugucken, um zum Beispiel zu sehen, wo ist Wald und sonst. Und du hast auch das Wort genannt, wo Thermikquellen möglicherweise sind. Wie kann ich anhand von Satellitenbildern Thermikquellen erkennen?

9:49David Holzhacker

Also Thermik entsteht ja an gewissen Stellen, wie ja jedem von uns bewusst ist. Wir haben da gewisse Hangneigungen. Wir haben dunkle Flächen, die sich besonders gut aufheizen. Und diese Quellen suche ich in diesen Multispektralbildern ganz gezielt, indem ich mir zum Beispiel Informationen geben lasse. Wie grün ist denn ein Wald? Hat der vielleicht einen hohen Wasseranteil? Habe ich da noch eine gewisse Verdunstung, die zuerst stattfinden muss, bevor sich die Thermik bilden kann? All diese Informationen bekomme ich über diese multispektralen Bilder in einen unglaublich detaillierten Maßstab.

10:31Lucian Haas

Was heißt unglaublich? Bis in welche Zoomstufe kann ich mir dann vorstellen? Wie sind das dann einfach auf einen Meter herunter, auf 10 Meter, 50, 100 Meter? Was ist das für ein Maßstab?

10:44David Holzhacker

Also wir haben die Möglichkeit, die klassischen Satellitenbilder nehmen zwischen 30 Meter pro Pixel bis 10 Meter pro Pixel auf. Neuere Satelliten nehmen auch schon mit drei Meter oder einem Meter pro Pixel auf. Das heißt, so einmal ein Meter Feld wäre quasi ein Pixel auf meinem Bild. Die viel spannendere Sache daran ist eigentlich, dass ich über verschiedene spektrale Informationen und Indizes, die ich speziell auf die Vegetation anwende, sehr detaillierte Informationen über den Vegetationsgrad bekomme, über die Exposition des Hangs, über die Neigung des Hangs, und über das Reflexionsvermögen oder auch das Absorptionsvermögen gegenüber gewissen Wellenlängen und damit natürlich auch die Möglichkeit und die Chancen von Thermikquellen.

11:45Lucian Haas

Das heißt, ich könnte zum Beispiel erkennen, dieser Hang nimmt besonders viel Wärme an dieser entsprechenden Stelle auf oder ein anderer, der reflektiert halt viel mehr von bestimmten Infrarotwellen oder sonstigen und kann dann halt daran sehen, wo erhitzt sich beispielsweise etwas mehr und wo etwas weniger. Genau richtig. Aber das ist jetzt ein Satellitenbild, was ja irgendwann mal erstellt worden ist. Das verändert sich ja je nach Tageszeit und je nach Jahreszeit und sonstigen. Wie kann mir sowas wirklich dann in der Praxis weiterhelfen?

12:15David Holzhacker

Also die Satelliten nehmen natürlich die Erde immer wieder auf und gewisse Parameter verändern sich ja doch sehr wenig. Gerade so Wald oder auch Felsen, die sind ja doch immer an der gleichen Stelle. Meine Idee hinter dieser Herangehensweise ist eine Kombination aus verschiedenen Informationen. Natürlich, wenn ich einen perfekten Hang für Thermik habe und keine Sonne scheint, dann bringt mir das trotz allem nichts. Aber die Kombination aus Wetter, aus Satellitenbildern und natürlich auch aus aktiver Sensorik bieten mir die Möglichkeit, eine unglaublich detaillierte Darstellung des jeweiligen Fluggeländes zu erhalten.

13:01David Holzhacker

Das

13:01Lucian Haas

klingt aber alles in meinen Ohren jetzt erstmal mal zwar interessant, aber gleichzeitig ungeheuer komplex. Man muss so viel verstehen. Man muss ja auch viel von überhaupt verstehen, wie ich solche Falschfarbenbilder lesen kann, welche Informationen ich da rausbekomme. Für mich als Pilot wäre das ja eigentlich nur interessant, wenn ich sage, irgendeiner aggregiert diese Information so schon für mich, dass die dann nutzbar ist. Gibt es denn aus deiner Sicht schon irgendwie etwas auf dem Markt von Apps oder von Programmen im Internet oder sowas, wo ich wirklich sagen kann, da kann ich heute schon einen Mehrwert draus ziehen?

13:37David Holzhacker

Es gibt natürlich einige Apps, die gewisse Informationen bereitstellen. Also gerade solche Sachen wie Exposition des Hangs oder einfachere Satellitenbilder oder auch kombiniert mit Wetter -Apps, die gibt es schon. Meine Idee ist allerdings auch, eine App zu entwickeln oder eine Methodik, die sich dann in beispielsweise Variometer mit einpflegen lässt oder auch in speziellen Geländekarten, die Piloten, die in diesem Gelände noch nie geflogen sind, genau diese Informationen zur Verfügung stellen.

14:12Lucian Haas

Wie sähe dann sowas aus aus deiner Sicht? Also was stellst du dir dabei vor? Das ist ja wie so eine Vision, die du da jetzt hast. Ja,

14:19David Holzhacker

Vision trifft es eigentlich ganz gut. Die Idee ist, dass die Satellitenbilder als Basis dienen. Also der Pilot soll eigentlich gar nicht, direkt die Interpretation vornehmen müssen in der Luft, was auch gar nicht geht. Man ist beim Fliegen mit anderen Dingen beschäftigt. Die Idee ist eigentlich, dass die Satellitenbilder oder auch die aktiven Sensordaten eine Basis darstellen, mit der man ein Fluggelände sehr genau analysieren kann und dass man dann in ein Variometer oder in eine Karte einpflegt, was eben Gefahrenquellen darstellt, wie zum Beispiel Leh -Effekte oder auch eben die erwähnten Thermik -Effekte. Und die Möglichkeiten da sind eben eine Kombination aus den unterschiedlichsten Daten, die dann sehr gut aufbereitet allen Piloten zur Verfügung gestellt werden.

15:10David Holzhacker

Wir kennen das ja zum Beispiel schon aus manchen Variometern, die Flugverbotszonen in ihre Karten mit einpflegen.

15:18Lucian Haas

Das heißt, du würdest dann sagen, ich baue dann Thermik -Zonen mit ein, ich blende Leh -Zonen mit ein und sowas. Aber das ändert sich ja auch ständig. Also der Wind kann ja von Norden oder Süden wehen.

15:31Lucian Haas

Vereinfacht gesagt, von daher kann ja mal das Leh auf der einen Seite mal auf der anderen Seite des Hangs liefern. Das und wie der Wind gerade weht, kann ich ja zum Beispiel anhand eines Satellitenbildes nicht unbedingt erkennen.

15:42David Holzhacker

Nein, genau. Das lässt sich daran nicht erkennen. Allerdings ist für ein Leh ja eine gewisse Hangneigung oder ein gewisser Hang notwendig. Und das lässt sich dann mit dem Wind simulieren. Das heißt, ich habe meine Basisdaten, ich habe meine Satellitendaten, meine Hangneigung, meine Vegetation, meine Klassifikation des Geländes vielleicht auch und simuliere dann, was passiert denn mit Lehwirbeln, wenn der Wind von Nord kommt, wenn der Wind von Süd kommt. Das ist sozusagen eine Art Modellinformation.

16:19Lucian Haas

Aber wenn ich das jetzt eingeblendet bekomme auf meinem Vario, dann muss ich als Pilot ja dann schon noch entscheiden, welcher Modellinformation trauere ich jetzt. Stimmt das jetzt gerade mit meiner Realität überein?

16:31David Holzhacker

Genau, richtig. Das ist natürlich die wichtige Information, die ich zum einen habe, die ich dann aber natürlich im Flug beurteilen muss. Ich fliege selber ja auch noch nicht so unendlich lang, also ich fliege seit 2017

16:47David Holzhacker

und bin zwar in diesen zwei Jahren jetzt doch sehr viel geflogen, aber gerade am Anfang war mir immer ein bisschen nicht ganz geheuer, wenn ich in neue Fluggebiete allein gefahren bin oder mit Freunden, die auch noch nicht so lange geflogen sind. Und da ist eben diese Idee entstanden, dass man ja nicht nur aktiv im Fliegen diese Informationen bekommt, sondern dass man diese Informationen schon detailliert für Fluggelände im Vornherein zur Verfügung stellt. Also gerade, wenn man an aktive Satelliten geht, wenn man an Satellitensensoren denkt, Lasersensoren, dann habe ich natürlich die Möglichkeit, unglaublich gute 3D -Modelle eines Fluggeländes zu erstellen, die einen Detailgrad im Millimeterbereich aufweisen.

17:33David Holzhacker

Und genau das habe ich mir manchmal so gewünscht, wenn ich in neue Fluggebiete gefahren bin. Also ich habe da natürlich auch auf Google Maps geschaut und auf Paragliding Map und was es sonst noch für Informationsquellen gibt. Aber mir hat es immer so ein bisschen dieses plastische Modell gefehlt, das ich zu Hause anschauen kann, das ich drehen kann, wo ich genau detailliert zoomen kann, was ich denn hier genau für theoretisch vorhandene Bedingungen alles habe.

18:07Lucian Haas

Du hast vorhin aber Google Earth erwähnt, da geht das ja eigentlich schon relativ gut. Also ich nutze Google Earth schon manchmal, dass ich dann sage, ich fahre wohin, dann gucke ich mir das in Google Earth an, drehe dann auch dieses quasi 3D -Modell, dann gucke ich mir einen Berg von unterschiedlichen Warten aus an. Allerdings muss ich auch immer wieder die Erfahrung machen, das, was man dann live vor Ort mit eigenen Augen sieht und damit aus anderen Winkeln heraus und sonstiges, sieht häufig dann doch noch anders aus, als es im Google Earth ausgesehen hat. Ist das nicht die Gefahr, auch wenn man sagt, ich stütze mich zu sehr hier auf solche Fernerkundungstechnik, dass man sagen muss, naja, die guckt aber schon anders, als ich gucke und damit kriege ich vielleicht auch den falschen Eindruck von einem solchen Gelände?

18:50David Holzhacker

Natürlich ist immer die Gefahr, dass ich mich zu sehr auf die Technik verlasse, dass ich sage, ich schaue mir ein Gelände nur mit Fernerkundungsdaten an und befliege dieses Gelände dann. Die Möglichkeiten von, ich nehme jetzt gerade mal Laserdaten her, die so hochauflösend sind, dass ich fast jedes Schlagloch sozusagen am Landeplatz oder am Startplatz sehe, bieten mir natürlich noch einen anderen Detailgrad, wie Google Earth. Ich finde, Google Earth ist eine gute Herangehensweise, um ein Gelände grob zu überschauen oder um ein Gelände grob aus der Ferne kennenzulernen. Ich denke, mit einer gezielten methodischen Anwendung, auch explizit fürs Gleitschirmfliegen, könnte man diese Daten noch deutlich weiter verbessern und gerade unerfahrenen oder neuen Piloten so zur Verfügung stellen.

19:49Lucian Haas

Wie könnte denn sowas in der Praxis dann aussehen? Stellst du dir dann vor, dass irgendwie Gleitschirmvereine, die sagen, das ist unser Gelände, jetzt lassen wir da mal ein Flugzeug mit einem Laservermessungsgerät drüberfliegen, die sollen uns mal ein ordentliches dreidimensionales Modell davon liefern und das stellen wir dann unseren Piloten zur Verfügung oder wie soll das gehen?

20:10David Holzhacker

Genau, also das wäre sozusagen der ideale Weg, der natürlich auch immer mit sehr viel Finanzierung, mit viel finanziellem Aufwand verbunden ist. Ich habe in meiner eigenen Arbeit teilweise das Ganze mit Drohnen gemacht und nicht unbedingt mit Lasersensoren, sondern mit ganz normalen Kamerasensoren, die dann über diese fotogrammetrischen Darstellungen, also 3D -Modellierungen, eine doch sehr detaillierte Sicht auf gewisse Gelände zulassen.

20:41David Holzhacker

Fluggebietehalter oder Vereine wären eine Interessensgruppe, die diese Daten beziehen können, aber man könnte die Daten natürlich auch über eine Website vermarkten oder zur Verfügung stellen und ganz gezielt auf gewisse Fluggebiete abstimmen.

20:59Lucian Haas

Was meinst du mit abstimmen? Also was wird dann dort geboten?

21:03David Holzhacker

Also aus meiner Erfahrung hier im Allgäu gab es immer Fluggebiete, die sehr viel von Anfängern und damit natürlich auch mir beflogen wurden und Fluggebiete, wo ich am Anfang immer die Finger davon gelassen habe, weil das Fluggebiet an sich vielleicht gar nicht so schwer war zum Fliegen, aber weil zum Beispiel der Landeplatz zu klein war für mich am Anfang oder weil ein Hang so abschüssig war, dass ich mich da einfach nicht zu fliegen getraut habe. Und ich denke, gerade für Anfänger ist diese Art der Darstellung unglaublich hilfreich, denn ich kann, bevor ich das Gelände erstmal vor Ort betrachte, mir einen Blick verschaffen, ob ich überhaupt dort fliegen möchte, ob ich mir mit meinem Erfahrungsschatz das Ganze schon zutraue, dort überhaupt zu fliegen.

21:57David Holzhacker

Und bei mir war es dann oftmals so, dass ich vielleicht in einem Fluggebiet war und das ganz toll klang und ich dann am Landeplatz stand und mir dachte, bei diesen Windverhältnissen heute und diesem Landeplatz traue ich mich trotz Arschem hier nicht zu landen. Das hat sich mit der Zeit dann natürlich auch verändert, aber gerade am Anfang hätte ich mir die Fahrt dann zum Beispiel sparen können.

22:22Lucian Haas

Kannst du da mal ein konkretes Beispiel nennen, wo sowas passiert ist und wie könntest du mit den heute schon vorhandenen Mitteln, ob Google Earth oder sonst was, sowas vielleicht schon wirklich ablenken, dass es halt nicht passiert, dass du nicht umsonst in so ein Gelände fährst? Also

22:40David Holzhacker

für mich war ein so ein Landeplatz zum Beispiel hier im Allgäu am Hochgrat, wo ich ganz am Anfang fliegen wollte, nicht geflogen bin dann tatsächlich. Der Landeplatz ist leicht abschüssig, also hat eine leichte Hangneigung. Dazu kommt, dass er auf zwei Seiten von Bäumen umgeben ist. Es liegen auch noch ein paar Steine auf diesem Landeplatz und vorne kommt ein relativ großer, großer Graben, in den man jetzt nicht unbedingt reinfliegen sollte. Das heißt, man muss den Endanflug und auch den Gegen - und Queranflug schon sehr gut planen und im Griff haben, dass man dort sehr sicher landet. Das ist natürlich für viele lokale Piloten überhaupt kein Problem. Für mich als Anfänger war es damals schon ein Problem.

23:28David Holzhacker

Und genau an diesem Landeplatz oder an dieses Fluggebiet wäre ich vielleicht gar nicht selbstständig hingefahren, wenn ich damals gewusst hätte, wie die Landeplätze sind. Und wie die Bedingungen aussehen. Mittlerweile ist das auch kein Problem mehr. Aber gerade am Anfang, frisch mit dem A -Schein, war das doch etwas zu herausfordernd.

23:48Lucian Haas

Nun wäre aber, wenn solche Daten aufbereitet sind, in welcher Form auch immer, müsste man ja auch wieder Erfahrung mit der Aufbereitung haben. Also dass man weiß, wenn die Darstellung so und so ist, das ist ein Landeplatz, den ich mir noch zutraue. Und wenn die Darstellung so und so ist, das ist dann, würdest du sagen, das ist ein Landeplatz, den ich mir vielleicht nicht mehr zutraue und so. Also auch da müsste ja erstmal quasi ein Lerneffekt, ein Erfahrungsding da sein. Meinst du denn wirklich, dass da so diese Satellitenbilder so viel weiterhelfen?

24:17David Holzhacker

Ich glaube, eine Kombination aus Satellitenbildern und Laserdaten könnte da sehr gut weiterhelfen. Dadurch, dass Google Earth natürlich zwar schon sehr detailreich ist, aber ich habe mir den Landeplatz damals auch natürlich in Google Earth angeschaut und habe halt gesehen, gut, wir haben Bäume, wir haben, Steine sieht man ja dann doch eher weniger und wie tief ein Graben ist, lässt sich ja dann auch eher weniger an Google Earth abschätzen. Und mit einem 3D -Modell, die mittlerweile sehr detailliert sind, lässt sich das dann schon deutlich besser abschätzen. Ich habe das für manche Wiesen oder für manche Hänge mal probeweise nur für mich erstellt, diese 3D -Modelle auf Basis von Drohnendaten.

25:04David Holzhacker

Und ich war auch selbst erstaunt, wie detailliert doch die Darstellung ist und wie gut sie mit der Realität übereinstimmt.

25:12Lucian Haas

Wenn man jetzt so ein 3D -Modell von einem Fluggelände machen würde mit einer Drohne, wie du es nennst, wie viel Aufwand ist das? Wie lange muss man da mit der Drohne dann hin und her fliegen? Wie viele tausend Bilder musst du schießen, damit du sagst, fotogrammetrisch kannst du am Ende ein halbwegs nutzbares Modell daraus ableiten?

25:31David Holzhacker

Ja, das ist natürlich schon ein... gewisser Arbeitsaufwand. Wie du richtig sagst, man fährt mit der Drohne hin, hängt dann ein bisschen davon ab, was ich da für eine Kamera habe. Ist es eher eine Zoom -Linse mit einer Detail -Sicht oder nehme ich da doch eher großflächig auf? Die zweite Frage ist, dann brauche ich tatsächlich das ganze Gelände oder reichen in manchen Geländen vielleicht auch Lande - und Startplätze? Dann ist das natürlich deutlich weniger Aufwand. In Summe muss man natürlich das ganze Gelände mit der Drohne abfliegen und alle paar Meter ein Bild vom Gelände schießen, um diese dann in diesen fotogrammetrischen 3D -Modellen darzustellen.

26:20David Holzhacker

Also ich denke, für so ein ganzes Fluggelände da werden schon ein paar hundert bis tausend Bilder zusammenkommen.

26:27Lucian Haas

Und deine Vorstellung wäre jetzt, am liebsten hättest du eine Datenbank, in der von ganz vielen verschiedenen Start - und Landeplätzen solche 3D -Modelle hinterlegt sind, mit denen man dann arbeiten kann.

26:39David Holzhacker

Genau, das ist die Grundvorstellung, dass jeder Pilot darauf zugreifen kann, ohne selbst groß in die Analyse einsteigen zu müssen, aber um doch sehen zu können, ob ein Gelände sehr gut geeignet oder weniger gut geeignet zum Fliegen ist.

26:57Lucian Haas

Sind dir irgendwelche Initiativen bekannt, die in diese Richtung schon arbeiten? Also

27:03David Holzhacker

ich habe meine Fernerkundungskenntnisse in einem Praktikum am Deutschen Zentrum für Luft - und Raumfahrt erworben und ich halte auch mit dem Zentrum immer wieder Rücksprache über Methodik und Herangehensweise. In der Hinsicht, dass es auf Gleitschirmfliegen ausgelegt wurde, ist mir jetzt so noch nichts bekannt. Allerdings ist das Interesse schon sehr groß, auch diese Daten aufzubereiten.

27:34Lucian Haas

Was meinst du jetzt mit auch diese Daten?

27:37David Holzhacker

Also dass man eine Kombination dieser Daten aus der Fernerkundung mit dem Gleitschirmsport in Verbindung bringt. Die Daten an sich sind ja erstmal nur Rohmaterial für alle möglichen Fragestellungen, ob das jetzt biologischer Natur ist oder ob das Gefahrenpotenziale sind. Die Idee ist natürlich immer zu sagen, welche Fragestellung habe ich? In meinem Fall jetzt der Gleitschirmsport. Und was können mir dazu diese Fernerkundungsdaten liefern? Und wie kann ich auch selbst diese Daten zum Teil eben wie beschrieben mit Drohnen erheben?

28:17Lucian Haas

Hast du denn selber Pläne, in diese Richtung selber weiterzuarbeiten?

28:20David Holzhacker

Ja, also tatsächlich ist das so ein Nebenprojekt von mir gerade, wo ich sage, ich möchte anfangen, eine Datenbank zumindest für die Fluggelände, zunächst zu erstellen, wo ich natürlich sehr gerne fliege, was sehr viel im Allgäu ist, und diese Bilder und diese Modelle auf jeden Fall zur Verfügung zu stellen, um dann zu sehen, wie kommt das denn bei Piloten überhaupt an? Gibt es dafür Interesse? Und mich interessiert natürlich auch das Feedback von Piloten, die mir dann sagen, da hätte ich mir noch mehr gewünscht, da hätte ich mir vielleicht noch mehr Detail gewünscht. Das soll dann so eine Art zu beobachten sein, dass wir zu Beginn zumindest eine Plattform werden, mit der ich auch gerne viel mit Feedback arbeiten möchte.

29:07Lucian Haas

Wenn ich jetzt, das ist noch deine Vision, aber wenn ich jetzt auf diese Plattform käme, was würde ich dann genauer vorfinden? Also welche Informationen könnte ich dann abgreifen?

29:19David Holzhacker

Zunächst würdest du vor allem ein sehr detailliertes 3D -Modell des Geländes bekommen, in das du hineinzoomen kannst, das du drehen kannst, wo du sehen kannst, wo habe ich Hangexpositionen, wo habe ich Wald, wo habe ich Felsen, wo habe ich mögliche Leh -Effekte, auch ohne den Wind genau zu kennen, also wo habe ich, oder auch wo habe ich Abrisskanten für die Thermik? Das ist natürlich eine Herangehensweise oder eine Sicht auf dieses Modell. Eine weitere Überlegung wäre dann, dieses Modell mit diesen Multispektralbildern zu verschneiden. Das heißt, wo habe ich noch bessere Thermiken, welche Thermikquellen basierend auf den Informationen? Wo habe ich bei welchen Windverhältnissen dann tatsächlich die Leh -Effekte?

30:09David Holzhacker

Das ist so meine Vision und die Idee hinter der Sache.

30:14Lucian Haas

Noch ist das Vision, sagst du. Wann kann diese Vision zumindest im Kleinen und als beispielhaft erstmal gesehen Wirklichkeit werden?

30:21David Holzhacker

Ja, ich hoffe eigentlich schon, dass ich 2020 ein erstes Modell von einem Fluggelände erstelle. Oder dass das 3D -Modell bis dahin auf jeden Fall fertig ist. Und dass ich auch schon die ersten Multispektralbilder auf dieses Modell anwenden kann. Um dann zu sehen, wie kommt das Ganze denn an und wie ist denn das Feedback von

30:46Lucian Haas

Piloten? Glaubst du, dass in Zukunft irgendwann mal auch eine Art automatische Auswertung sein könnte? Dass man vielleicht eine Art künstliche Intelligenz darauf ansetzt, die dann sagt, pass mal auf, du guckst dir dieses 3D -Modell an, du guckst dir die Multispektralbilder an, du guckst dir die Multispektralaufnahmen an und filterst mir am Ende daraus, dass ich sagen kann, zeig mir alle potenziellen Thermikablösestellen und bups, erscheinen die dann auf meinem Bildschirm dann entsprechend eingezeichnet?

31:11David Holzhacker

Ja, das ist natürlich oder wäre natürlich der absolute Idealweg und die Traumvorstellung sozusagen, dass man einen vollkommen automatisierten Prozess hat. Ganz automatisieren lässt sich natürlich das Ganze nicht, denn die Bilder müssen trotzdem zuerst erhoben werden oder vor allem die Aufnahmen vom Gelände müssen zuerst erstellt werden. Aber genau wie du sagst, dass eine künstliche Intelligenz, die auch im Laufe der Zeit natürlich lernt, auch da ist natürlich eine Schnittstelle wichtig mit den Piloten, die mir sagen, hier wurde eine Thermik vorhergesagt nach KI -Stand, die war da aber heute nicht, die war woanders. Also es ist natürlich auch wichtig, dass dieses ganze Projekt in Zusammenarbeit, mit Piloten entsteht und dass da ein gewisser Rücklauf auch kommt, der mir sagt, ich arbeite da richtig und meine methodischen Auswertungen funktionieren in der Praxis tatsächlich auch.

32:13Lucian Haas

Aber glaubst du nicht auch, dass wenn man so viel Technik einsetzt und so viel vorher sich anzeigen lässt und sonstiges, nimmt das nicht auch sogar ein bisschen die Faszination des Fliegens, wo man sich halt wirklich auf neue Sachen einstellen muss, auf Bedingungen, die gerade in diesem Moment herrschen und wo gerade das auch die Herausforderung des Fliegens eigentlich darstellt, dass man sich auch in dem Moment eigentlich dem Unbekannten aussetzen muss?

32:42David Holzhacker

Ja, eine tatsächlich sehr gute Frage. Der Pilot in mir sagt ja, es nimmt zu einer gewissen Art und Weise die Faszination des Unbekannten. Der Geograf sagt natürlich irgendwo, ich möchte alles, was ich wissen kann, auch wissen. Ich glaube aber, mir geht es weniger darum, diesen Reiz des Unbekannten oder dieses Restrisiko zu minimieren oder ganz herauszunehmen. Mir geht es eher darum, einen zusätzlichen Sicherheitsstandard zu entwickeln, der mir eine Information liefert, die mir helfen kann, die aber das Wissen über das Fluggerät und die Bedingungen nicht unnötig ist.

33:29David Holzhacker

Also ich denke, die Technik kann helfen, aber auf keinen Fall den Piloten ersetzen.

33:36Lucian Haas

Okay, das ist jetzt deine Vision als Geograf insgesamt gesehen, was du jetzt beschrieben hast. Gibt es denn andere Erkenntnisse aus deinem Geografiestudium beziehungsweise aus deinem Geografiewissen, was du erlangt hast, das dir heute beim Fliegen heute schon weiterhilft?

33:53David Holzhacker

Ja, bewusst, vielleicht immer wenig unbewusst. Schon, man blickt natürlich immer ein bisschen anders auf die Welt, sage ich mal, wenn ich in meinem Gurtzeug sitze als Geograf. Ich sehe natürlich dann viele Hänge oder viele Fluggebiete auch aus der geografischen Sichtweise. Also was habe ich hier für Begebenheiten, wie sind die auch entstanden, also wie wurde diese ganze Landschaft geformt und natürlich durch die Geografie, die deckt natürlich auch einen Teil der Meteorologie ab, habe ich manches an Wissen, wo ich sage, ja, da kenne ich mich jetzt im Wettergeschehen zum Beispiel schon aus oder da weiß ich, wie ich herangehen kann, wenn die Sonne wie scheint und wenn ich Gefahren durch Föhn habe.

34:47David Holzhacker

Also das hat mir auch im Schein, ist mir das nicht so schwergefallen, diese meteorologische Sichtweise. Wie

34:54Lucian Haas

bist du dann überhaupt zum Fliegen gekommen? Das

34:56David Holzhacker

geht schon eine ganze Weile zurück eigentlich. Also meine Nachbarin, die ist damals so einen ganz, ganz langen Gleitschirm geflogen und ich fand das immer total toll, wenn ich bei ihr das DHV -Heft gelesen habe. Und ja, damals war ich, ich glaube, 14, irgendwie sowas. Und ja, der Gleitschirm war da in weiter Ferne, sage ich mal. Und ich habe das aber nie ganz aus dem Kopf verloren. Und nach meinem Studium habe ich dann, ich glaube, ich habe einen Film gesehen von zwei Jungs, die in Mexiko geflogen sind. Die sind da hochgelaufen. Ich weiß auch gar nicht mehr, welcher Berg es war und runtergeflogen. Und das hat mich so fasziniert, dass ich gesagt habe, und jetzt ist der Punkt gekommen, jetzt melde ich mich für den Schein an.

35:41David Holzhacker

Und dann habe ich mich angemeldet und seitdem nie wieder aufgehört. War das zufällig

35:47Lucian Haas

der Film The Fletchlings? Ja, ich glaube tatsächlich. Ja, ich glaube, ich glaube, so hieß er. Das sind zwei amerikanische Bergsteiger, die eigentlich vom Bergsteigen her kommen und dann angefangen haben, Gleitschirm zu lernen. Und die sind dann da, glaube ich, auf dem Popocatepetl oder irgendwas, einen großen Vulkan in Mexiko gestiegen, um dann von dort dann runter zu fliegen. Was allerdings ein relativ chaotisches Projekt war, wenn ich das richtig erinnere.

36:10David Holzhacker

Ich glaube auch, dass es chaotisch war. Damals habe ich, ich glaube, der Film wurde irgendwann mal auf dem Banff Mountain Festival vorgestellt. Da habe ich den dann auch gesehen. Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung vom Fliegen. Für mich sah das einfach nur unglaublich cool aus, wie die da hochgelaufen sind. Und dann diese Welt so von oben gesehen haben. Im Nachhinein, wenn ich den Film noch mal sehen würde, ist wahrscheinlich tatsächlich sehr vieles chaotischer, als ich es damals wahrgenommen habe. Aber das war für mich tatsächlich dann der ausschlaggebende Punkt, wo ich gesagt habe und jetzt mache ich den Schein.

36:41Lucian Haas

Dann hast du den Schein gemacht. Und seitdem hast du auch diese, je mehr du geflogen bist, desto mehr wahrscheinlich die Vision gewonnen. Wie kann ich mein Geografiewissen und diese Satellitenbilder und Fernerkundungen und so weiter, mit denen du dich auch sonst beschäftigst, mit der Gleitschirmwelt zusammenbringen? David, ich danke dir für deine Darstellung. Das ist ein interessanter Ausblick mal in das, was vielleicht in der Zukunft mal kommen kann. Und ich bin gespannt, was du mit deiner Internetseite dann da anstellen wirst, auf der dann hoffentlich im nächsten Jahr das Projekt dann mal zu sehen ist, damit man sich ein bisschen genauer vorstellen kann, wo geht die Reise dann vielleicht hin?

37:16David Holzhacker

Ja, vielen Dank für das Interview.

37:17Lucian Haas

Sehr gerne.

37:27Lucian Haas

Das war David Holzhacker im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du dich noch mehr für Tools und Methoden der Fernsehsendung interessierst, in den Shownotes zu dieser Folge von Podz-Glidz auf Loglites habe ich einige passende Links zusammengestellt. Wer mit David selbst Kontakt aufnehmen möchte, kann dies am besten per E -Mail tun. Die Adresse lautet david.holzhacker at gmail.com. Zum Schluss noch eine kurze Ansage in eigener Sache. Wie immer kannst du meine Arbeit an Podz-Glidz und dem Blog Loglites unterstützen. Als Förderer. Wie viel du als Förderbeitrag geben willst, überlasse ich dir. Als unverbindlichen Richter. Für den Richtwert empfehle ich 1 Euro pro Podcast -Folge und 2 Euro pro Lesemonat auf Loglites. Zahlungen sind einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich.

38:13Lucian Haas

Die zugehörigen Daten findest du auf der Website von Loglites und zwar dort auf der Seite Fördern. Ich danke fürs Zuhören und deine Unterstützung. 2020 geht es mit neuen Folgen von Podz-Glidz weiter. Bis dahin bleibt heile. Ciao und happy landings.

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