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25. Corona-Coaching - Thomas Theurillat

// Thomas Theurillat, Lucian Haas · 2020-03-27 · 01:00:40 · original episode

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[show notes]
In der Corona-Krise können Tugenden eines Gleitschirmpiloten weiterhelfen. Ein Gespräch mit dem Psychologen Thomas Theurillat. Nicht nur über Corona. +++ Der Schweizer Thomas Theurillat hat sich in der Gleitschirmszene einen Namen gemacht, als er 2009 bei Chrigel Maurers erstem X-Alps-Sieg die Rolle eines Supporters ganz neu definierte. Er war nicht nur Fahrer, Koch, Wasserträger, Organisator, etc... Gerade schon in der Vorbereitung war er auch Chrigels psychologischer Coach, der ihm half, die Ziele für das Rennen im Kopf in systematisch umsetzbare Aufgaben runterzubrechen. Seither ist Chrigel der Dominator aller X-Alps-Rennen, und Thomas steht im Ruf, eine Art Mental-Magier nicht nur für Spitzenleistungen im Gleitschirmsport zu sein. Mit seiner Firma One Day in Interlaken hilft er heute auch anderen Sportlern, Unternehmen und Privatpersonen dabei, die Machbarkeit ihrer Visionen zu erkennen. Als ich Thomas Theurillat erstmals als Gesprächspartner für eine Folge von Podz-Glidz anfragte, hatte ich noch die Vorstellung, mir von ihm einiges an Hintergrund und Anekdoten aus seinen X-Alps-Abenteuern mit Chrigel erzählen zu lassen. Doch dann kam das neue Corona-Virus und groundete auch die Gleitschirmwelt. So entstand spontan und gemeinsam die Idee, den Fokus dieses Podcasts neu auszurichten. Denn die Corona-Krise mit all ihren Folgen ist eine Herausforderung für jeden. Und ein Mental-Coach kann da mit passenden Fragen Anregungen liefern, um besser durch diese Zeit zu kommen. Natürlich dreht sich das Gespräch auch ums Gleitschirmfliegen, und das nicht zu knapp. So erzählt Thomas, warum gerade manche typischen Tugenden und Erfahrungen eines Piloten jetzt so wertvoll sind. Es geht unter anderem darum, was das Durchstehen der Corona-Zeiten mit einem Flug über unlandbarem Gelände zu tun hat, und wie man da seine Zuversicht behält. Und freilich kommen dabei auch Erkenntnisse zur Sprache, die Thomas in seiner Zeit als X-Alps-Supporter zusammen mit Chrigel Maurer gewonnen hat. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Wanderlust by Nomyn https://soundcloud.com/nomyn Creative Commons — Attribution 3.0 Unported — CC BY 3.0 Free Download / Stream: https://bit.ly/wanderlust-nomyn

[transcript]

0:03Thomas Theurillat

Und jetzt gehen wir alle, wirklich der ganze Planet, unvorbereitet in eine Expedition rein oder in ein Abenteuer. Da kann man sich ja trotzdem diese Zeit nehmen und sagen, hey, was wäre eigentlich cool, am Ende darüber erzählen zu können. Und wenn man sowas mal allein gedacht hat oder wenn man so etwas sich mal überlegt hat, gibt das ganz viel Kraft.

0:37Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:40Thomas Theurillat

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:44Lucian Haas

Heute mit Thomas Dörriat und Lucian Haas am Mikrofon.

0:52Lucian Haas

Der Schweizer Thomas Dörriat hat sich in der Gleitschirm -Szene einen Namen gemacht, als er 2009 bei Kriegel Maurers erstem X -Alb -Sieg die Rolle eines Supporters ganz neu definierte. Er war nicht nur Fahrer, Koch, Wasserträger, Organisator etc. Gerade schon in der Vorbereitung war er auch Kriegels psychologischer Coach, der ihm half, die Ziele für das Rennen im Kopf in systematisch umsetzbare Aufgaben runterzusetzen. Seither ist Kriegel der Dominator aller X -Albs -Rennen. Und Thomas steht im Ruf, eine Art Mentalmagier nicht nur für Spitzenleistungen im Gleitschirmsport zu sein. Mit seiner Firma OneDay in Interlaken hilft er heute auch anderen Sportlern, Unternehmern und Privatpersonen dabei, die Machbarkeit ihrer Visionen zu erkennen.

1:40Lucian Haas

Als ich Thomas Dörriat erstmals als Gesprächspartner für eine Folge von Podz-Glidz anfragte, hatte ich noch die Vorstellung, mir von ihm einiges an Hintergrund und Anekdoten zu erzählen.

1:52Lucian Haas

Doch dann kam das neue Coronavirus und groundete auch die Gleitschirmwelt. So entstand spontan und gemeinsam die Idee, den Fokus dieses Podcasts neu auszurichten. Denn die Corona -Krise mit all ihren Folgen ist eine Herausforderung für jeden. Und ein Mental -Coach kann damit passenden Fragen Anregungen liefern, um besser durch diese Zeit zu kommen. Natürlich dreht sich das Gespräch auch ums Gleitschirmfliegen und das nicht zu knapp. So erzählt Thomas Dörriat. Thomas, warum gerade manche typischen Tugenden und Erfahrungen eines Piloten jetzt so wertvoll sind. Es geht unter anderem darum, was das Durchstehen der Corona -Zeit mit einem Flug über unlandbarem Gelände zu tun hat und wie man da seine Zuversicht behält. Und freilich kommen dabei auch Erkenntnisse zur Sprache, die Thomas in seiner Zeit als X -Alb -Supporter zusammen mit Kriegel Maurer gewonnen hat.

2:47Lucian Haas

Thomas, wir leben jetzt in einer Zeit mit dem neuen Coronavirus. Die Welt ist im Krisenmodus und muss sich in ihren Freiheiten beschränken. Und wir natürlich auch. Wir dürfen nicht mehr Gleitschirmfliegen. Und das für eine derzeit vielleicht noch nicht mal absehbare Zeit. Also wann sich das wieder verändern kann. Diese Vorstellung ist ja für viele frustrierend. Wie gehst du damit um?

3:11Thomas Theurillat

Also ich weiß gar nicht, ob das für so viele Leute frustrierend ist.

3:16Thomas Theurillat

Für mich ist es eigentlich einfach mal spannend zu sehen, wie das Thema Veränderung, das mich sehr interessiert, wie das jetzt funktioniert, sag ich mal ganz globalisiert. Oft gibt es ja Veränderungen, weil eine Person etwas ändern will oder weil eine Firma oder ein Sportverein sagt, wir möchten aus innen heraus etwas entwickeln. Und jetzt sind wir als ganzer Planet gefordert, mit dieser Neuigkeit möglichst schnell und gut umzugehen. Und es ist nicht nur ein Dürfen, wie zum Beispiel, es gab ja auch viele Veränderungen, wie zum Beispiel Digitalisierung oder auch WhatsApp oder solche Dinge haben sich ja über den ganzen Planeten ausgebreitet. Aber es war nur erfreulich und hatte keine Kosten. Und jetzt kommt so ein Thema,

4:04Thomas Theurillat

das den ganzen Planeten überzieht. Aber es hat vor allem Kosten.

4:08Lucian Haas

Ja, aber es hat ja auch damit zu tun, zumindest auf den ersten Blick, dass wir sehr viele von unseren Freiheiten, die wir bisher sehr schön genossen haben, ein bisschen zumindest für eine Zeit lang deutlich einschränken müssen. Weil es heißt, okay, du darfst vielleicht nicht mehr raus. Du darfst nicht mehr raus. Du darfst nicht mehr auf den Berg. Du darfst nicht mehr Gleitschirmfliegen gehen und sowas. Ist das nicht frustrierend?

4:28Thomas Theurillat

Das stimmt. Es hat sicher ganz viele Einschränkungen. Aber ich glaube, diese Einschränkungen sind einfach wie so ein erster Reflex. Wenn man etwas nicht kennt, das Erste, was man macht, ist bremsen.

4:41Thomas Theurillat

Und ich denke, dass wir jetzt alles stoppen, ist vielleicht nicht nur direkt mit diesem Coronavirus, sondern es sind einfach mal alle gefordert und dann hält man mal an. Aber ich denke, wenn jetzt jemand zu einer Einhandweltumsegelung starten würde, das würde jetzt zum Beispiel punkto Corona gar nichts ändern. Das kann er ja machen. Oder ich denke, es gibt auch ein paar Leute, die sind gerade im Weltraum oben oder in der Antarktis auf einer Forschungsstation. Da gibt es einfach wahrscheinlich diesen Corona noch nicht und die machen ganz normal weiter. Also ich denke, diese Einschränkung, die ist unsere Gesellschaft. Weil wir gestresst sind, stoppen wir mal alles. Aber ich kann mir vorstellen, dass man merkt, dass anhaltend immer zu Hause sitzen eben auch ungesund ist und man dann irgendwo wieder eine gute Balance findet.

5:34Lucian Haas

Wenn ich jetzt aber als Gleitschirmflieger hier hocke und sehe, draußen bei dir scheint auch die Sonne in den Hinterlaken. Ich gucke hier raus. Ich habe seit Tagen schönsten blauen Himmel. Okay, der Wind ist manchmal ein bisschen stark, aber trotzdem eigentlich so, dass man sagt, man könnte vielleicht fliegen gehen.

5:49Lucian Haas

Nun hocke ich aber drin. Okay, ich kann rausgehen, kann die Sonne genießen und so. Aber gleichzeitig sagt das, was mir eigentlich nicht gut geht, tief im Herzen liegt, was ich gerne will, das darf ich gerade nicht. Und ja, wie komme ich da raus? Also aus diesem vielleicht negativen Zyklus, wo ich dann sage so, hey, scheiße ist doch alles scheiße.

6:08Thomas Theurillat

Ja, und ich glaube, da gibt es noch ganz viele andere, die eben vielleicht Fußball haben und Fußball ist für sie ganz, ganz wichtig. Und jetzt gibt es wahrscheinlich nicht mal die nächsten drei Monate oder so Fußballspiele. Ja, das ist schwierig.

6:26Thomas Theurillat

Was vielleicht helfen kann, ist so ein bisschen diesen Stellenwert zu verstehen. Also geht es mir eben um Freiheit oder geht es mir um mit Freunden unterwegs zu sein? Und kann ich das eben auch, wenn ich, ich weiss nicht, mit meinen Fliegerfreunden mich virtuell austauschen oder kann ich meine besten Flüge sagen, okay, jetzt kann ich zwar nicht fliegen, dafür habe ich endlich mal Zeit, meine tausend Fotos zu einem guten Dokument zusammenzustellen. Ich glaube, das Fliegen ist ja so verrückt, weil es uns sehr berührt und begeistert. Und vielleicht kann man aber auch diese Begeisterung mal in diesem Frühling auf eine andere Form zelebrieren.

7:11Thomas Theurillat

Ich habe zum Beispiel persönlich ganz viele Fotos und ich habe mir immer gesagt, ich mache mal noch so ein Fotobuch, dass ich es auch meinen Kindern oder Nichtfliegern zeigen kann. Man hat ja auch plötzlich Zeit für Neues, oder? Oder ich möchte schon lange den Handstand lernen und bei schönem Flugwetter habe ich eigentlich nie Zeit für solche Dinge. Das ist jetzt perfekt. Hast du schon angefangen mit dem Handstand lernen? Ja, klar. Und wie weit bist du? Ich bin so, es ist eben unregelmäßig, aber wenn es gut läuft, bin ich bei 30 Sekunden.

7:41Lucian Haas

Nun bist du ja ein Coach, der sehr viel mit Sportlern arbeitet, auch Extremsportlern. Du hast gerade gesagt, ein Einhandsegler, also der eine, der alleine um die Welt segelt und so was. Solche Leute, mit denen sprichst du auch. Gibt es denn Sachen, wo du sagst, aus dieser Denke des Sportlers, des Extremsportlers heraus, gibt es da Sachen, aus denen man was lernen kann, was man in die jetzige Zeit mit diesem Coronavirus übertragen kann oder was man aus dem Denken des Extremsportlers heraus ja nützlich in diesen Alltag reinbringen kann?

8:11Thomas Theurillat

Ja, ich würde sogar sagen, drei Dinge. Und das eine ist, fast eigentlich praktisch alle Natursportler, die ich kenne, sind sehr gut in Selbstführung. Also die können sich selber gut managen. Sei das in Kleinigkeiten wie regelmässig essen oder dass sie sich selber gute Saisonziele setzen. Und ich glaube, wie man sich selber führt, das ist etwas gerade jetzt mit Homeoffice oder auch selbstständig Erwerbende, die nicht wissen, wie gehe ich jetzt mit all diesen komplexen Themen gleichzeitig um. Das kann man ganz viel davon lernen. Dann denke ich, sind viele Natursportler sehr gut im Wechseln von Jammern zu anpacken.

9:00Thomas Theurillat

Die jammern auch, aber relativ kurz, weil es vielleicht auch im Sturm nicht so viel Zeit hat oder weil man oft auch alleine ist in der Natur und gar keiner zuhört. Wie kommt man von diesem Opferhaltung in ich laufe wieder los oder ich mache was? Und das dritte, was ich spannend finde, ist dieses Konzept Hardiness. Also wie kann ich auch eine ganz verzwickte oder hoffnungslose Situation als Chance sehen? Und sagen, okay, hey, da sieht jetzt vielleicht ein Normaler vor allem mal die Probleme und jemand, der mental stark ist oder vielleicht eben so eine Extremsportler -Persönlichkeit hat, der sieht da auch ganz viele tolle Herausforderungen dabei.

9:39Lucian Haas

Ist das etwas, was auch den Charakter eines Extremsportlers ausmacht? Also dass er ständig die Herausforderung sucht, aber auch sagt, okay, jede auch negative Herausforderung sehe ich eigentlich die Chance. Ist das das, was einen vielleicht auch erfolgreichen Extremsportler, Extremsportler ausmacht? Ich

9:55Thomas Theurillat

weiss manchmal nicht, wie wichtig die Persönlichkeit ist, weil Persönlichkeit ist ja etwas eher Stabiles, wie vielleicht Körpergrösse oder so oder Haarfarbe. Das bleibt relativ lange gleich. Und trotzdem gibt es Leute, die finden dann irgendwie plötzlich Zugang zu diesem Sport. Das heisst, es ist nicht nur die Persönlichkeit, sondern eben auch etwas, das man lernen kann oder das man entwickeln kann. Und es gibt auch Leute, die sind über Jahre sehr erfolgreiche Extremsportler. Und dann geben sie wie einen Rücktritt und sind immer noch tolle Menschen und haben eine gute Persönlichkeit, aber leben das dann nicht mehr. Da glaube ich, ist Sport oder auch, sage ich jetzt Sport in der Natur, hat auch sehr viel mit Lernen und Verhalten zu tun. Und es ist nicht so, man ist einer oder man ist jetzt keiner.

10:42Thomas Theurillat

Und jeder kann das werden, sage ich.

10:46Lucian Haas

Nun sprechen wir viel von Extremsportlern. Gleitschirmflieger sind aber auch viele ganz normale Menschen, die Gleitschirmfliegen gehen. Würdest du trotzdem sagen, dass es quasi unter Gleitschirmfliegern so etwas wie besondere Charaktere gibt? Oder auch sagen würdest, vielleicht sind Gleitschirmflieger von ihrer Haltung, dass sie sich auch so etwas trauen, wie Fliegen zu gehen und Sonstiges, auch vielleicht eher sogar fähig sind, solche Situationen wie jetzt mit Corona gewinnbringend, da was draus zu machen?

11:12Thomas Theurillat

Ja, also ich würde schon sagen, die Gleitschirmflieger beeindrucken mich, dass die ja für ihre Ziele und ihre Träume auch ganz viel, sage ich jetzt, opfern oder investieren können. Also wenn man sich jetzt jemanden vorstellt, der irgendwie acht Stunden in einem Beinsack sitzt und nicht mal richtig essen und aufs WC kann, dass er einfach seine Kilometer erreicht, das muss man jetzt zuerst können. Oder auch irgendwie sich vielleicht durch unangenehme Situationen da dranbleiben und sich ein paar Stunden schütteln lassen. Und ich glaube, wenn man auch weiss, hey, ich kann das für ein Ziel, und man merkt jetzt im Tag, oder im Alltag oder in dieser Corona -Situation sehe ich nur Probleme,

11:58Thomas Theurillat

kann man ja auch mal schauen, ja, habe ich überhaupt ein Ziel? Und ich glaube, das ist, wenn man vielleicht etwas, sage ich jetzt, besser machen kann wie andere in dieser Zeit, denke ich, ist das mal zu überlegen, was möchte ich eigentlich zum Beispiel im Herbst erzählen können? Was möchte ich nach dieser Corona -Geschichte, und wir wissen nicht, wie lange es geht, aber was möchte ich vielleicht im Herbst über diesen Frühling erzählen können? Und jetzt nicht nur als vielleicht Unternehmer mit, ah, ich habe diese und diese Strategieanpassung gemacht, sondern vielleicht auch als Familienvater. Was würde mich stolz machen, wie ich in dieser Krise meiner Familie Halt gegeben habe? Oder als Familienmitglied, wie habe ich meinen Eltern und meinen Geschwistern gegenüber reagiert?

12:43Thomas Theurillat

Oder auch sich selber, was kann ich jetzt in dieser ganz verrückten, unvorbereiteten Zeit irgendwie für meine Persönlichkeit etwas lernen? Ja. Ich glaube, dieser Zeitsprung, sich ans Ende zu versetzen und zu überlegen, was möchte ich am Ende erzählen können, das kann ganz viel Kraft geben. Und das ist vielleicht etwas, das jeder Bergsteiger macht. Er fliegt nach Nepal, möchte den 8000 besteigen und schreibt sich irgendwie auf, was er auf dem Rückflug erzählen möchte. Was er gemacht hat, wie er es gemacht hat, was er nicht gemacht hat. Gesundheit ist wichtiger wie Gipfel oder eben nicht und schreibt sich solche Dinge auf. Und jetzt gehen wir alle, wirklich der ganze Planet, unvorbereitet in eine Expedition rein oder in ein Abenteuer. Da kann man sich ja trotzdem diese Zeit nehmen und sagen, hey,

13:30Thomas Theurillat

was wäre eigentlich cool am Ende darüber erzählen zu können? Und wenn man so etwas mal allein gedacht hat oder wenn man so etwas sich mal überlegt hat, gibt es ganz viel Kraft. Und ich finde ja vielleicht ganz witzig, bei dieser X -Alps -Geschichte, da haben wir, ich denke in letzter Zeit viel an diese 2009, Situation, als wir das erste Mal an dieses X -Alps gingen und wirklich nicht wussten, was kommt. Aber wir hatten zum Beispiel da schon ein dreiseitiges Dokument, was wir uns in Monaco mal erzählen möchten. Und ich weiß das noch, Arial 12 schrift, ich habe das jetzt noch, Regel wusste genau, was er in Monaco erzählen will. Wir hatten von ganz vielen keine Ahnung, aber schon eigentlich so eine klare Zielvorstellung.

14:15Thomas Theurillat

Und so etwas kann halt eigentlich in jedem Abenteuer extrem viel Kraft geben.

14:21Lucian Haas

Wenn man jetzt in so einem Lockdown ist und sagt, ich kann nicht fliegen und so was, gibt es denn trotzdem etwas, wo du sagen würdest, aus dieser Zeit kann ich auch etwas, also aus so einer, im Grunde eine Extremsituation, die wir jetzt gerade erleben, weil wir etwas teilweise extrem anders machen müssen als normal. Kann man da etwas auch rausnehmen, was ich sagen kann, das kann ich später für meine Fliegerei genauso nutzen? Also kann ich daraus auch was jetzt lernen, was ich dann in der Luft umsetzen kann?

14:49Lucian Haas

Hm. Also

14:53Thomas Theurillat

ich glaube, wir können jetzt vielleicht zuerst einmal beobachten, bevor wir gleich lernen, wie funktioniere ich, wenn es mal nicht nach Plan läuft? Bin ich jetzt jemand, der sich eben zuerst auch mal auf die Bremse steht und sagt, ich mache mal gar nichts? Oder bin ich jemand, der ganz schnell schaut, ja, was machen die anderen? Und auch herumfragt, wie macht ihr das? Oder nach Ratschlägen sucht? Oder bin ich jemand, der für mich das selber definiert? Und sagt also, ich setze mir jetzt für diese Zeit ein Ziel. Ich glaube, wir werden oder wir müssen uns auch ganz schnell gut selber kennenlernen in dieser Zeit und ein bisschen herausfinden, wie ticke ich? Auch was brauche ich?

15:39Thomas Theurillat

Auch was funktioniert bei mir überhaupt nicht? Ich ganz persönlich zum Beispiel schaue nur noch einmal am Tag die News am Mittag. Eine Webseite. Weil ich denke, das ist jetzt was, ich habe auch dieses Buch, die Kunst des digitalen Lebens, hat mir sehr gut getan, so zum klar denken, auch wenn wir eigentlich dauernd zu viele News haben. Und wie ich vielleicht am Startplatz auch nicht viel Wetter schaue, weil ich das Gefühl habe, es wird dann nicht besser, wenn ich sieben Modelle habe,

16:11Thomas Theurillat

fokussiere ich, also nehme ich das total runter, die News. Ich muss nicht das Leid der Welt irgendwie zehnmal am Tag anklicken. Habe ich auch mehr Zeit und freien Kopf für den Rest. Und so funktioniere ich und andere sind völlig happy, wenn sie die ganze Zeit online sind und alles wissen. Aber ich glaube, das lernen und herausfinden, was brauche ich, wie ticke ich oder wie schütze ich mich auch vor gewissen Dingen, das können wir sicher jetzt. Und das hat aber vielleicht mehr mit dem Leben zu tun und erst indirekt mit dem Fliegen.

16:42Lucian Haas

Nun ist ja für viele Piloten auch gerade so Streckenflieger und so was, die haben sich vielleicht für die Saison viel vorgenommen. Und jetzt können die eigentlich schon sehr früh im Jahr sagen, meine ganzen Saisonziele sind eigentlich schon im Eimer. Nämlich die beste Streckenflugsaison bin ich jetzt gegroundet. Das schöne Frühjahr, wo ich das super Dreieck geplant hatte oder sonst was, das funktioniert nicht mehr. Wie kann man da im Kopf den Schalter umlegen und zu sagen, hey, da mache ich jetzt was Positives draus.

17:09Thomas Theurillat

Mich fasziniert völlig Skirennfahrer, wie die mit Verschiebungen vom Rennen umgehen. Da steht man am Rennen, isst irgendwie schon um fünf Uhr Frühstück, weil man weiß, man sollte die Kohlenhydrate zwei Stunden vor der Belastung essen oder drei Stunden und so. Steht man am neunen Start, hat es irgendwo Nebel, kommt der Renndirektor und sagt, Start ist für eine Stunde verschoben. Und da gibt es solche, die fallen wie aus den Wolken raus, weil sie irgendwie schon im Kopf in diesem Tunnel, in diesem Wettkampf -Countdown waren. Und andere, die ziehen einfach die Daunenjacke an und gehen irgendwo einen heißen Tee trinken und sagen, ja gut, eine Stunde später einer gewinnt, der Schnellste gewinnt. Auch in einer Stunde gilt das. Und ich glaube, hier ist wirklich,

17:55Thomas Theurillat

es gibt diesen schönen Begriff, verkopfen. Das heisst, man denkt zu viel.

18:03Thomas Theurillat

Und also, jetzt mal rein technisch, bei uns gilt diese Abmachung mal bis 19. April. Kann auch sein, dass man noch einen super

18:14Thomas Theurillat

Mai oder Juni hat. Also rein meteorologisch, technisch ist auch noch ganz viel möglich. Und das andere, dass man halt eben Ziele hat und das klappt jetzt nicht, da denke ich, können wir das auch ein bisschen reframen und sagen, hey, was haben wir für Luxusprobleme? Als Gleitschirmflieger alle professionellen Olympiateilnehmer, die haben jetzt hart trainiert, im November Aufbautraining gemacht, für das sie die Muskeln im 21 brauchen. Also, ich denke, da kann man vielleicht auch als Sportler mal noch schauen, wie, was haben andere Sportler, die auch davon leben müssen? Irgendwie ganz andere Themen. Ich denke auch zum Beispiel alle, die Sponsoren haben, die machen mit denen im November einen Deal. Du gibst mir Geld, ich gebe dir irgendwie

18:59Thomas Theurillat

Weckkampfresultate oder Aufmerksamkeit. Und das ist natürlich für die viel, viel schwieriger, als wenn du jetzt dein 200er Dreieck nicht fliegst, sondern erst im 21, oder?

19:08Lucian Haas

Weil denen wirklich quasi die Lebensgrundlage auch wegbricht, weil dann Sponsoren sagen, hey, wir können dir nicht zahlen, weil es gibt keine Gegenleistung.

19:16Thomas Theurillat

Ja, oder, dass das vielleicht auch gar nicht geregelt ist. Also, ich habe gestern jemanden mit jemandem gesprochen, der bekam viel Geld für ein Segelschiff. Jetzt finden die Segelrennen nicht statt auf dem Atlantik. Ja, gib dir jetzt das Geld zurück. Aber mit dem Geld hat er ja das Schiff gebaut im Winter. Also, einfach neue Fragen, die man sich vielleicht, sage ich jetzt, als Individualsportler mit einem Ziel, das sehr intrinsisch ist, gar nicht stellt. Oder ich weiss auch nicht, ob jetzt ganz viele Fußballclubs irgendwie bankrott gehen und in einem Jahr gar nicht mehr alle Mannschaften aufspielen können in einer Bundesliga oder so.

19:52Lucian Haas

Aber das sind alles Fragen, die wir heute noch gar nicht mehr antworten

19:55Thomas Theurillat

können. Nein,

19:55Lucian Haas

nein. Aber

19:55Thomas Theurillat

ich möchte nur sagen, wenn man sich als Athlet eben mit seinen Zielen da sieht oder wie schwierig es ist, die zu erreichen, finde ich es immer auch hilfreich, ein bisschen rauszuzoomen und zu schauen, wo stehe ich als Sportler im Vergleich zu den anderen Sportlern. Und dann sieht man, andere haben vielleicht viel grössere, wir Gleitschirmflieger, wir haben gar nicht dieses Termin -Thema oder selten, wir haben einfach gute Tage und dann können wir fliegen oder die meisten von uns, ein paar gehen an Wettkämpfe. Aber ich denke, da kommen wahrscheinlich das Jahr noch viele gute Tage. Aber es ist nicht Olympia abgesagt oder die zehn besten Hammer -Tage wurden gecancelt vom Jahr. So weit ist es noch nicht.

20:37Lucian Haas

Naja, es sind aber so Sachen, also für die Sportler, die großen Wettbewerbs -Flieger, die heißt vielleicht ja, das Superfinale wurde abgesagt. Die ganzen nächsten PWCs stehen erstmal in Frage. Wer weiß, ob die Europameisterschaft stattfinden kann und lauter so ein Zeug. Also die Fragen gibt es dann ja im Grunde auch. Aber vielleicht lassen wir mal kurz das Corona -Thema und lassen wir mal ein bisschen über dich reden beziehungsweise deine Geschichte. Du bist ja in der Gleitschirmszene bekannt geworden als gewissermaßen kongenialer Supporter von Kriegel mit den X -Alps. 2009 war er das erste. Wie seid ihr eigentlich beide, also ihr beide, wie seid ihr damals zusammengekommen?

21:12Thomas Theurillat

Das war eigentlich ganz, ganz einfach. Das ist über meine Frau Judith. Die war damals am Agrofliegen in Mürren. Das ist hinten im Lauterbrunnen -Tal. Und da in diesem Lauterbrunnen -Tal gibt es eigentlich etwas Spezielles, dass die Basejumper und die Gleitschirmpiloten den gleichen Landeplatz haben. Und das führt dazu, dass man gut aufeinander schaut, dass man in der gleichen Gondel ist, dass die Testpiloten und Kriegel war damals noch am Testen und ich war am Fallschirmspringen. Da lernt man sich zwangsläufig kennen.

21:57Thomas Theurillat

Und so war das im Sommer 2008, war das genau. Ich war so am Ende von meinem Psychologiestudium. Ich habe mich da für Arbeitspsychologie und Sport sehr interessiert und habe gleichzeitig viel Fallschirm gesprungen. Und da hatte ich regel die Selektion für das X -Alps bekommen und wusste einfach ein bisschen, was das X -Alps ist, aber hatte nicht so einen Plan, wie er das gut machen soll. Und ich hatte überhaupt keinen Plan. Ich weiss noch, ich hatte da einen langen Unterbruch in meinem Gleitschirmfliegen und war wirklich irgendwie zehn Jahre nicht an einem Gleitschirm. Und dann haben wir gedacht, ja, er kann ja schon super fliegen, da braucht es auch nichts dazu. Und vielleicht das andere, wie man so ein Projekt aufzieht oder wie man vor allem die Vorbereitung gut macht mit guter Simulation,

22:48Thomas Theurillat

das war irgendwie in dieser, damals in dieser X -Alps -Szene überhaupt nicht üblich. Und das habe ich da reingebracht. Du

22:55Lucian Haas

hast aber damals noch nicht so als Coach gearbeitet, wie du heute arbeitest, sondern das war im Grunde auch mit, war das mit der Start von deiner Coaching -Karriere sozusagen? Also

23:05Thomas Theurillat

ich wusste damals schon in meinem Psychologiestudium, dass ich gerne Leute entwickle oder Organisationen. Und ich war da sehr im Business -Kontext. Und mir war aber schon sehr klar, dass ich das oder dass das völlig doof ist, Sport und Wirtschaft zu trennen. Ich unterscheide das auch nicht gross, wenn jemand da ist, ob das jetzt ein Athlet ist oder ein Unternehmer. Ich denke, bei ganz vielen Themen muss man nicht Arbeitspsychologie und Sportpsychologie trennen, sondern zum Beispiel Zielsetzung oder solche Themen. Das funktioniert genau gleich. Und darum denke ich auch im Nachhinein, ich habe, wenn wir jetzt auf diese X -Alps -Geschichte zurückschauen, muss ich manchmal auch mit Triggel lachen, weil ich

23:59Thomas Theurillat

habe das überhaupt nicht als Sportprojekt angesehen. Und wir haben, denke ich, das, was wir gemacht haben, hat auch wenig mit Sport zu tun. Wir haben das mehr als Projekt angeschaut, wo wir uns zum Beispiel eben über hohe Durchschnittsleistung Gedanken gemacht haben. Man muss da nicht Spitzenleistung bringen wie ein Athlet, sondern wenn man einfach eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit hinbekommt, dann gewinnt man das Ding. Und wir haben überlegt, wie bekommen wir einen hohen Durchschnitt hin? Und das ist in jeder Fabrik und in jedem Vertrieb genau das Gleiche. Du musst nicht einmal saugut sein, du musst einfach jeden Tag einen hohen Schnitt hinbekommen. Und ob das jetzt eine McDonalds -Filiale ist oder ein Versicherungsverkäufer oder ein X -Alps -Teilnehmer, wenn du diesen Durchschnitt beeinflussen kannst.

24:47Thomas Theurillat

So, und das war irgendwie damals, wir haben das ausgerechnet mit Alex Hofer, ich weiss die Zahlen nicht mehr aus, aber der war irgendwie so, mit der Tagesleistung, glaube ich, von 113 Kilometern. Und wenn du das einfach hinbekommst, jeden Tag, dann gewinnst du das X -Alps. Und wir wussten irgendwie, wir müssen 117 pro Tag hinbekommen, dann haben wir das Ding. Und beim ersten Treffen, ich weiss noch genau, wo das war, habe ich vor allem den Taschenrechner ausgepackt und geschaut, was muss der überhaupt können. Und wir hatten diese Kennzahlen und haben über diese Zahlen eigentlich dann das ganze Ding aufgebaut. Sind

25:25Lucian Haas

das so die Sachen, die du reingebracht hast? Oder kam der Kriegel selber auch und hat gesagt, du, ich glaube, ich muss an meiner Durchschnittsgeschwindigkeit arbeiten? Oder sind das halt die Ideen, die du von deiner Psychologie her dann da mit reingebracht hast? Und wo du eigentlich Kriegel quasi damit auf den Weg gebracht hast, dass der in diese Richtung auch viel denken kann?

25:43Thomas Theurillat

Ja, ich würde sogar sagen, es gibt dann eben noch etwas Drittes. Ich wusste ja gar nicht, was ist gefragt. Also ich denke, wir haben zusammen uns, und ich denke, das ist das Wichtige, es gibt in einem Team, gibt es immer den einen, den anderen und dann gibt es eben noch das Team. Und so wie man in einer guten Band vielleicht nicht sagen kann, wer hat jetzt das Lied erfunden, sondern man hat halt zusammen gejammt. Ich wusste am Anfang gar nicht, was ist eigentlich sein Ziel oder was ist gefragt? Und das haben wir wie herausgefunden zusammen. Und dann konnte ich halt schon, ich sage jetzt im operationalisieren, also im Umsetzen von einem Ziel, da gibt es ganz viel Wissen und da gibt es, denke ich, auch während jetzt einem Rennverlauf oder auch während einem Gleitschirmflug, gibt es ganz viele Möglichkeiten, das hochzuhalten.

26:35Thomas Theurillat

Also wenn man zum Beispiel so ein individuelles Erfolgscockpit hat oder ich weiss auch noch sehr gut, Seiko Fukuoka wollte in Australien das erste Mal 400 Kilometer fliegen. Und da weiss ich noch, ist sie bei uns im Büro in ihrem Gurtzeug gehangen und wir haben da entwickelt, wie kann sie, 10 Stunden einen 40er -Schnitt fliegen? Weil das ist eigentlich das Thema, oder? Und diese Umsetzung, ich weiss, was ich will, aber wie führe ich mich selber dann 10 Stunden lang, dass ich nicht einfach schnell genug fliege, sondern wirklich immer so schnell wie möglich und immer, dass es unangenehm ist. Wie geht das? Und ich denke, solche Dinge kann Sportpsychologie ja.

27:20Lucian Haas

Und wie geht das? Also dass ich 10 Stunden lang an der Grenze meine, eines Gemütlichkeitslimits da wirklich immer unterwegs bin?

27:28Thomas Theurillat

Ja, ich denke, in Deutschland ist das ganz einfach. Da kann man sich auch auf der Autobahn üben. Es gibt ja so einen Cruiser -Mode, das ist vielleicht 120, 150, je nach Tageslicht und Auto. Da gibt es wie so ein Tempo, das kann man länger fahren. Und dann gibt es dieses Tempo, da muss man sich richtig Mühe geben. Man muss ein bisschen mehr drücken, wie man eigentlich so von sich aus würde. Oder das kann man auch auf dem Rad oder zu Fuss oder auf dem Hometrainer. Es gibt so diese Schwellen. Man sagt eben, wenn es rein Körper ist, Schwellenleistung. Also wo ist das, wo ich mich richtig anstrengen muss?

28:04Thomas Theurillat

Und ich glaube, wenn man das mal für auch eine kurze Zeit rausfindet, wie scharf ist, dann gibt es eben so einen individuellen Faktor. Und ich denke, das geht jetzt nicht nur um beschleunigt Fliegen. Das geht auch beim E -Mail beantworten oder so. Man kann sagen, hey, ich haue jetzt mal in einer Stunde, weiss ich was, so viele Mails raus. Wenn man in diesen, sich das ganz bewusst macht, kann man da effizienter sein.

28:29Lucian Haas

Aber das muss man dann auch wirklich trainieren. Du sagst okay, jetzt fährst du mal eine Stunde auf der Autobahn immer 150 und versuchst, das durchzuhalten als Schnitt. Und dann musst du das halt auch drei Stunden schaffen.

28:39Thomas Theurillat

Ja, oder ich würde sagen, man muss mal vielleicht auch in einem Arbeitstag oder auf der Autobahn oder beim Fliegen merken, ich bin wie so oder ich habe so eine Gangschaltung. Ich falle dann irgendwann in diesen Cruising Mode zurück. Ich falle in ein Tempo zurück und das macht auch völlig Sinn, das eben angenehm ist. Und wenn sie Leute schauen, die zum Beispiel in einer Fabrik arbeiten

29:05Thomas Theurillat

oder Wanderer, die irgendwie pilgern, die haben so diesen, diesen guten Trott, diesen guten Schritt drauf. Der geht über längere Zeit. Und das ist super, wenn man den kennt, aber mit dem gewinnt man nichts. Und dann muss man halt eben irgendwie einen Trick herausfinden, wie ich aus dieser, sage ich, aus diesem Arbeitstempo ins Rekordtempo komme und wie ich mich da selber auch anstacheln kann. Und ich glaube, vielleicht, um auf das ich selbst zurückkommen, alleine, dass man mal so denkt und denkt, was ist denn ein gutes Tempo? Oder wie sieht denn so ein optimaler Tag aus?

29:45Thomas Theurillat

Und ich kann vielleicht jetzt etwas ganz Einfaches schnell vorrechnen. Wenn man eine Stunde zehn Prozent schneller geht oder fliegt, ist das recht anstrengend. Also zum Beispiel 132 fahren statt 120, braucht ja viel mehr Benzin und so. Aber man gewinnt nur sechs Minuten.

30:04Thomas Theurillat

Wenn man am Morgen sechs Minuten schneller die Schuhe bindet, schneller etwas parat macht oder im Laufen irgendwie noch das Handy ladet oder so etwas macht, ist es viel einfacher, sechs Minuten zu sparen, als eine Stunde lang sechs Minuten, zehn Prozent schneller unterwegs zu sein. Und ich glaube, Effizienz ist eben nicht nur sich besser anstrengen, sondern auch alle diese Zeitkiller ganz gut zu kennen und zu schauen, wo mache ich die nicht. Das heisst, die Zeitkiller muss man ausschalten? Man muss die Zeitkiller ausschalten oder jetzt auch beim Streckenflug für drei Stunden zehn Prozent schneller fliegen, das ist schwierig. Aber 18 Minuten früher starten, das ist viel einfacher.

30:48Lucian Haas

Zumindest wenn ich dann die Thermik erwische und auch hochkomme und nicht schon nach 18 Minuten früher am Boden stehe.

30:53Thomas Theurillat

Ja, genau. Aber es gibt ja auch Leute, die stehen so lange am Startplatz, bis sie irgendwie sie auch beim 20. gesehen haben, dass der jetzt steigen kann, statt einfach mal mutig irgendwie sagen, gut, das reicht, ich kann jetzt hier starten.

31:07Lucian Haas

Ein paar Fragen zurück. Hast du ein schönes Stichwort gesagt, das Erfolgscockpit. Was ist das genau? Also was, wie kann man als Pilot, der normalerweise ein Cockpit vor sich hat, da sind die Instrumente und sowas drauf. Und jetzt sagst du Erfolgscockpit. Wie habe ich, was habe ich mir darunter vorzustellen?

31:26Thomas Theurillat

Eigentlich ist ein Erfolgscockpit nichts anderes als ein Spiegel. Weil wir wissen die ganze Zeit, wie es unseren Geräten um uns herum geht. Ich weiss, wie viel Strom mein Telefon hat. Ich weiss, wie viel Benzin mein Auto hat. Ich weiss irgendwie, wie viel Empfang mein GPS hat. Ich bekomme immer Rückmeldungen über Geräte über mich. Aber ich weiss oft nicht, wie geht es eigentlich mir.

31:53Thomas Theurillat

Und ein Erfolgscockpit ist, dass man sich in einem Coaching überlegt, welche Träger, welche drei, vier Dinge möchte ich über mich wissen. Zum Beispiel kann das sein, wie viel Energie habe ich? Wie fit bin ich? Ich werde morgen in einem Coaching für Leute im Spital, für die nächsten 100 Tage, die werden über das Thema sich jeden Morgen kurz überlegen. Wie fit bin ich eigentlich, oder? Dann kann es aber auch eine Rückmeldung geben. Bin ich jetzt eigentlich mit dem Kopf unterwegs? So wie bei einer Gangschaltung. Ich weiss immer, wenn ich beim Autofahren schaue, in welchem Gang bin ich, weiss ich das. Beim Fliegen gibt es aber Leute, die sind manchmal mega viel am überlegen. Und manchmal schalten sie den Kopf ab und sie fliegen eigentlich mit dem Herz oder der Intuition.

32:42Thomas Theurillat

Und ein Erfolgscockpit ist eigentlich die Idee, ich überlege mir mal, wenn ich eine Maschine wäre, welche drei, vier Anzeigen muss ich wie haben, dass ich in meiner besten Version unterwegs bin. Und spannend ist ja, ganz viele Leute haben eine Sportuhr. Auch wenn man jetzt zum Beispiel beim Marathon läuft oder im Alltag. Die wissen zum Beispiel, wie schnell schlägt mein Herz. Leute, die Diabetiker sind, haben ein sehr gutes Gefühl, was ist mein aktueller Blutzuckerwert.

33:12Thomas Theurillat

Aber wie es mir mental geht, bin ich zum Beispiel cool drauf oder gestresst? Das wissen die wenigsten Leute. Das wissen zum Beispiel Leute, die an der Börse handeln. Die wissen das gut, weil die auf das geschult werden. Oder auch gewisse Airline -Piloten, die wissen, ob sie mit der Rückenlehne anlehnen oder im Stress eben den Oberkörper nach vorne nicken. Aber sage ich jetzt, ein normaler Gleitschirm-Blog, der macht einen Riesenunterschied, wenn der sich auch schaut, wie geht es eigentlich mir. Sollte man das dann

33:44Lucian Haas

quasi vor jedem Flug machen? Vor dem Start sagen so, hey, ich gucke auf mein Instrumentending, sage okay, Ding ist geladen, GPS -Empfang ist da, XC -Track läuft und sonst was. Und dann sagen so, was macht mein Hirn so ungefähr? Wie, wie ist das? Wie voll ist das? Oder beziehungsweise, welchen Energiestatus habe ich selber mit meinem Körper und so?

34:05Thomas Theurillat

Das ist eine ganz gute Frage. Ich glaube, sich am Start so einen kleinen Moment vom eigenen Bewusstsein zu nehmen, bringt extrem viel. Und ich denke, da geht es nicht einmal nur um mentale Aspekte, da geht es auch zum Beispiel um das Thema, bin ich satt? Bin ich voll? Habe ich genug gegessen und getrunken? Oder da geht es auch um Dinge, muss ich noch aufs WC? Oder ganz banale Dinge? Und im Stress vergisst man das alles. Und dann gibt es sicher noch so zwei, drei Fragen, die sehr viel zur Klärung beitragen können. Zum Beispiel, muss ich heute irgendjemandem etwas beweisen? Mache ich den Flug für mich und es ist gut, wenn ich zufrieden bin? Oder bin ich in einer bewussten oder unbewussten Wettkampfsituation?

34:53Thomas Theurillat

Muss ich jetzt meine Kollegen schlagen? Oder ist heute auch noch Clubmeisterschaft? Oder habe ich ein Problem, wenn ich das heute irgendwie in den XContest reinlade und diese und diese Zahl dort steht? Also für wen mache ich es? Und ich denke auch, wenn man das weiss, hey, heute will ich es allen zeigen, ist das sehr nützlich, wenn man das sich wie klar macht. Weil man dann auch anders fliegt? Ja, oder weil das zum Beispiel einen riesigen Einfluss hat

35:19Thomas Theurillat

auf die Entscheide oder auch auf die Motivation. Weil es gibt, ich kenne ganz viele Leute, die berichten mir immer, sie finden es so schlimm mit der Thermik und es schüttelt dann so. Und dann kann man ja fragen, warum tust du dir das an, oder? Weil wenn die das wissen, warum sie es machen, können sie sich ja auch viel freier entscheiden. Ob sie es machen wollen. Man kann ja sagen, will ich das? Aber wenn man gar nicht weiss, warum man es eigentlich macht oder muss man das jetzt aushalten, weil die anderen das auch haben, dann wird das sicher wichtig. Und vielleicht auch in anderen jetzt Tätigkeiten, zum Beispiel in der Schweiz gibt es relativ viele Unfälle in den Bergen. Also das sind drei pro Woche. Drei tödliche Unfälle pro Woche.

36:06Thomas Theurillat

Und bei diesen Bergenfällen ist ganz spannend, auch bei Lawinen -Unfällen, dass es selten am Wissen liegt. Die wussten immer, dass es gefährlich ist. Aber aus irgendeinem Grund wollten die das machen. Und ich denke auch beim Gleitschirmfliegen, wenn man ganz klar ist, was ist meine Motivation, was ist mein Antrieb, wie geht es mir, dann ist man im Grunde im Kopf viel freier, weil man sich diese schwierigen Fragen schon im Tal oder am Boden gestellt hat und sie nicht einem reinfunken dann oben beim Fliegen.

36:39Lucian Haas

Gibt es denn auch Fragen, die ich mir auch während des Fliegens stellen sollte? Ich meine, das eine ist jetzt quasi vor dem Start und du sagst so, ich mache mal quasi Instrumentencheck und ich mache meinen Mentalcheck für mich selber. Welche Fragen sind vielleicht im Flug auch noch wichtig, die man sich darstellen könnte?

36:55Thomas Theurillat

Ich weiß jetzt einfach von ein paar Leuten, was bei ihnen gut funktioniert. Eine gute Frage ist, bin ich in diesem idealen Leistungszustand? Das war zum Beispiel letzten Sommer bei Patrick von Kernel auf dem Vario. Einfach so eine Frage. ILZ, oder? Also bin ich im idealen Leistungszustand? Und wenn er merkt, nein, ich bin nicht, kann er es ja irgendwie ändern. Also das kann man auch üben, dann entweder ein bisschen Gas runternehmen oder mehr essen oder besser durchatmen oder irgendwie verstehen, was ihn jetzt hindert, mit frei herumzufliegen. Dann gibt es andere Fragen, andere Leute, da hilft eigentlich schon so das Thema Atmung und Entspannung. Die sind einfach chronisch ein bisschen zu angespannt. Also wenn die immer wieder zum Beispiel sich darauf achten, die Hände zu lösen am Griff oder mit dem Rücken wirklich entspannt im Gurtzeug zu sitzen, dann sind sie einfach cooler drauf und fliegen entsprechend besser.

37:54Thomas Theurillat

Und ich glaube, das ist das ganz Spannende am Mentalen. Da funktionieren Leute sehr individuell. Also wenn man jetzt zum Beispiel an einem Startplatz schaut, hat wahrscheinlich jeder andere Schuhe an, oder? Weil einfach jeder andere Füsse hat und das ist völlig okay. Man hat vielleicht den gleichen Schirm oder das gleiche Barrio, aber Schuhe hat jeder andere. Und auch das Mentale ist ganz individuell. Einer braucht irgendwie eher mehr Druck und der ist vor allem gut, wenn er das Messer am Hals hat und irgendwo am Absaufen ist, dann reisst er sich zusammen und ist der gut. Der andere ist eher zu gestresst und braucht Entspannung. Der dritte braucht vielleicht einen Freund, der ihn provoziert und sagt, heute saust du sowieso wieder ab und das gibt ihm, stachelt ihn so an, dass er heute seinen besten Flug macht.

38:42Thomas Theurillat

Es gibt Leute, die sind ganz gut ohne Erwartungen. Also wenn sie denken, es steigt sowieso nicht und ich gehe jetzt ein bisschen rumkratzen, dann erwarten sie nichts und dann fliegen sie mega gut. Und wenn sie viel erwarten, fliegen sie schlecht und die müssen sich oder die haben dann großen Nutzen, wenn sie sich wie über ihre Erwartungen klären. Was bist du für ein Typ beim Gleitschirmfliegen? Für mich ist ganz wichtig, alleine zu fliegen. Also weil ich auch viel mit Menschen sonst rum bin oder vielleicht auch am Arbeiten oder wenn ich zum Beispiel Leute coache und ich bin am Startplatz und wir schauen, dass sie einen super Flug haben, dann muss ich die irgendwie gehen und für mich fliegen oder sonst ist es für mich wie so ein Transportflug.

39:28Thomas Theurillat

Also ich gehe zum Beispiel immer wieder mit Leuten auf den Viertausender hoch und dann führe ich sie auf den Gipfel, dann schauen wir, dass sie einen guten Start haben, dann ist es manchmal auch schwierig mit dem Wind oder so, die Luft ist dünn, die Nerven sind manchmal blank. Wenn die dann alle in der Luft sind und ich als letztes starte, dann setze ich mich meistens noch zehn Minuten hin, dass es wie auch mein Flug wird, weil sonst bin ich so in einem Dienstleister -Modus und fliege einfach so wie ich.

39:58Thomas Theurillat

Und am liebsten laufe ich eigentlich alleine an den Startplatz und fliege für mich. Dann kann ich gut fliegen.

40:06Lucian Haas

Du bist ja Coach und nimmst diesen Coach quasi, du nimmst dich ja selber immer mit. Also wie viel bist du auch in dieser Psychologie und diesen Fragen und Zielsetzungen und sonst, also diese ganzen Tipps, die du für andere hast? Inwieweit steht dann quasi immer der kleine Thomas neben dir, also dieser Psychologie -Thomas, wo du dich selber coachst? Passiert dir das auch ständig?

40:28Thomas Theurillat

Eigentlich kann ich das recht gut abschalten. Also ich kann es zum Beispiel auch gut abschalten, zu Hause am Tisch mit den Kindern. Da bin ich einfach, oder da übe ich mich auch darin, völlig echt sein. Zum Beispiel auch, wenn mich etwas aufregt. Ich möchte nicht, dass meine Kinder immer einen selbstregulierten Vater haben oder so, sondern wenn ich etwas schlimm finde, dann sage ich es auch ziemlich direkt so. Und da kann ich diese Coaching -Rolle gut ablegen. Und das andere ist, was ich wirklich auch spannend finde, ist, ich empfinde

41:06Thomas Theurillat

das oft einfach auch als hilfreich, also nicht als lästig. Wenn ich zum Beispiel irgendwo bin und es gibt ein schwieriges Gespräch oder ich bin irgendwo und weiss selber gerade nicht, was machen, finde ich das extrem toll, dass ich wieder diese Werkzeuge habe und zum Beispiel sage,

41:25Thomas Theurillat

das war doch so ein gutes Beispiel jetzt, zum Beispiel bei dieser Corona -Geschichte, die mich und unsere Firma in den letzten Wochen sehr getroffen hat. Dass ich auch zum Beispiel, mir gewohnt bin, sofort Fakten und Emotionen zu trennen und mal sagen, was sind eigentlich die Fakten? Und jetzt, was ist mein Gefühl dazu? Und das ist nicht ein Preis, sondern das sind zwei Bausteine und mit denen kann man was anfangen. Und das macht mich oft auch sehr handlungsfähig.

41:53Lucian Haas

Kann man sich denn gut selber coachen oder ist es eigentlich schon so, dass du sagst, es ist schon sinnvoll, immer einen externen Coach zu haben?

42:03Thomas Theurillat

Also ich habe das grosse Glück, dass ich auch ganz, dass die Leute, die bei uns bei OneDay arbeiten, erstens, damit sie hier arbeiten können, müssen sie ein Coaching machen und ich bin meistens der Kunde. Und ich glaube auch, dass Coaching völlig überbewertet wird. Also ich sage, wenn ein gutes oder ein aufmerksames Gegenüber eine gute Frage stellt, das ist auch schon Coaching. Das ist nicht nur die, die irgendwie diese zehn Bücher gelesen haben oder diese Ausbildung haben, sind ein Coach. Also das passiert ja ganz oft. Wie Führung auch. Es gibt viele Leute, die führen andere, obwohl sie nicht in dieser bewussten Führungsrolle sind. Und es hilft immer. Ein Gegenüber, denke ich, hilft immer.

42:49Lucian Haas

Lass uns nochmal ein bisschen zurückspringen zu dieser Zeit X -Alps, du und Kriegel zusammen. Gibt es denn Sachen, wo du sagst, aus dieser Zusammenarbeit und aus diesem Mitgehen mit Kriegel und sonst was, gibt es Sachen, die du für dich was Positives rausgezogen hast beziehungsweise wirklich was gelernt hast? Ich meine bei Kriegel, das sehen alle von außen und sagen okay, der hat wahrscheinlich durch dieses Coaching und Supporting und sonstiges schon viele systematischen Fragen gelernt und das versuchen jetzt andere Mannschaften genauso umzusetzen und sowas. Das wird da kopiert. Was hast du für dich aus dieser Zusammenarbeit mit Kriegel rausgezogen?

43:25Thomas Theurillat

Also ich finde erstens extrem viel, auf ganz verschiedenen Ebenen. Für mich hat es zwei Dinge. Das eine ist wirklich, das Gegenüber entscheidet, wie viel Coaching es braucht. Du kannst eine riesen Werkzeugkiste anbieten, aber der andere braucht vielleicht gar nichts oder einen Schraubenzieher oder nimmt sich wie was raus. Und ich glaube, das ist für mich nochmals, auch zum Beispiel 2011 war das, wo das Wetter so schlecht war, war mir nochmals klar, man muss es immer so organisieren, dass der Athlet oder eben der Kunde, der wählt, was er braucht und ob er überhaupt was braucht. Man kann nicht jemanden einfach becoachen, obwohl der jetzt einfach sagt, alles ist gut, ich laufe jetzt diese Straße lang und finde es scheisse und das ist jetzt auch okay, dass ich es scheisse finde.

44:16Thomas Theurillat

Ich muss jetzt nicht gute Laune dabei haben und so. Und wie man auch das zur Verfügung stellt, ohne dass es aufdringlich ist, denke ich, da haben wir auch selber extrem gut gelernt. Wir hatten da so, auch dann 2003, als es so schnell ging, in diesen sechs Tagen, da hatten wir ein gutes System. Ich hatte verschiedene Hüte und Hegel konnte eigentlich wählen, was er von mir möchte, ob er mich als Bergführer möchte, ob er mich als Coach möchte, ob er mich als Taktiker möchte oder einfach als Kumpel. Und indem wir eigentlich so diese, jeder hat ja verschiedene Rollen in diesem Rennen, indem wir das eigentlich gut organisiert haben, ich glaube, das war ein guter Punkt. Und das Zweite, was ich wirklich auch jetzt 2015

45:02Thomas Theurillat

nochmals gut gelernt habe, ist, das eine ist das Team, und die zwei machen dieses X -Hubs. Und das andere ist das ganze Projekt und das ist eben eine Dreiecksbeziehung. Es gibt die Rennorganisation, es gibt den Athleten und es gibt das Support Team. Und man muss nicht die Beziehung zum Athleten und dort die Leistung maximieren, sondern man muss dieses ganze Dreieck gut bauen. Weil da gab es zum Beispiel im Rennen auch die Drohung von einer Disqualifikation und da bekamen wir auch eine Zeitstrafe und so. Und das war dann in diesem Dreieck eigentlich die Ecken, die Organisatoren und die Athleten. Und da muss man dann wie auch überlegen, moderiere ich jetzt diese Beziehung, damit die jetzt nicht streiten?

45:48Thomas Theurillat

Oder verbünde ich mich mit dem Athleten? Oder was ist die nützlichste Position da? Und ich denke, da haben wir auch nochmal extrem viel gelernt. Also wie geht man mit diesem Rennleiter und dieser Organisation um, dass es irgendwie ein gutes Rennen gibt und die einen sitzen am Tisch und die anderen machen 5000 Höhenmeter am gleichen Tag und haben ganz andere Themen. Oder auch nicht diese Ressourcen, weil man die ganze Zeit am Sport machen ist.

46:19Lucian Haas

Dann habt ihr 2015 nach dem Rennen, das war glaube ich November, habt ihr dann verkündet, wir hören auf, wir sind nicht mehr dieses Supporter Team oder was heißt Supporter Team? Das Team Suites 1. Und alle haben gedacht, das Dream Team ist kaputt, warum auch immer. Was war der Auslöser? Warum habt ihr damals gesagt, wir wollen nicht mehr?

46:39Thomas Theurillat

Für mich war ein Hauptding, ich kann mich nicht ewig verzetteln. Also ich hatte damals dann zwei Kinder. Unsere Firma One Day ist extrem gewachsen. Wir haben im 15 auch gesehen, hey, das ist mega schwierig, bei diesem X -Hub sehr gut zu sein, wenn man irgendwie nebendran noch ganz andere Dinge hat. Und wie viel Zeit kann man da auch irgendwie reinbuttern? Und ich da so an einem Punkt war, wo ich gesagt habe, ich glaube, ich habe das X -Hub jetzt ein bisschen gesehen und wir lieber einen sauberen Schluss auch kommunizieren und dann kann Kegel einen neuen Supporter suchen und ich kann mich auf unsere Firma und andere Athleten konzentrieren. Es wurde einfach zu viel.

47:24Thomas Theurillat

Und ich finde immer gut, wenn man auch einen schönen Schlussstrich zieht und sagt, hey, das waren jetzt ein paar coole X -Hubs.

47:33Thomas Theurillat

Und im Nachhinein haben wir vielleicht nicht so gut kommuniziert, dass das wirklich nur die Sachen sind, die diese X -Hubs -Zeit betrifft. Und weil, wenn wir jetzt irgendwie, wir sehen uns regelmässig und im Moment schreiben wir an einem Buch und wir machen viel High -and -Fly und diskutieren verschiedene Dinge und ich finde aber auch gut, wie soll ich das sagen, und ich sage es andersherum, ich glaube, Coaching ist immer dann gut, wenn der Coach sich versucht, so schnell wie möglich überflüssig zu machen. Und wenn man Empowern wirklich wird, heißt das auch, das Gegenüber ist mal so stark, dass es dich nicht mehr braucht. Und ich finde, das muss man in aller Konsequenz machen.

48:18Thomas Theurillat

Und wenn es, für mich war wirklich Ende 2000 oder im Jahr 2015 auch klar, Regel ist so gewachsen, der hat alles drauf, der kann so ein X -Hubs gewinnen, da braucht es mich nicht dazu. Also soll er es auch alleine machen und dann habe ich wieder freie Zeit für andere Kunden und vielleicht noch schwierigere Projekte.

48:39Lucian Haas

Nun machst du ja viel, Coaching auch von anderen Sportlern und Extremsportlern, hast auch ein paar, mittlerweile auch ein paar andere Gleitschirmpiloten, die du coachst und sowas. Gibt es da Unterschiede, wo du sagst, hey, Gleitschirmpiloten ticken irgendwie anders als andere Sportler? Also gibt es so typische Sachen, wo du sagst, hey, da ist ein Gleitschirm-Blog, warum auch immer anders? Oder was macht das den Gleitschirmpiloten als Extremsportler für dich? Wo ordnest du den ein? Also was ist das Besondere an dem? Ich sehe nicht die

49:09Thomas Theurillat

Gleitschirmfliegen so als Cluster. Ich sehe einfach Einzelsportler in der Natur. Und da ist sicher das Thema Kommunikation und Eigenverantwortung. Also ob das jetzt ein Bergsteiger ist oder ein Segler oder Pilot, die ticken schon ganz anders wie Fussballspieler. Oder wenn es zum Beispiel auch um Opportunitäten geht, sehr viele Einzelsportler sind einfach auch gut, weil sie maximal flexibel sind. Und es gibt aber auch da ganz viele Reaktionen und Reibereien. Also wenn drei gute Bergsteiger auf eine Expedition gehen, ist jeder auf Gewinnmaximierung aus. Und das beginnt bei Reinhold Messner und diesen Achttausenden, dass man dann irgendwie am Gipfeltag nicht jeden geweckt hat im Zelt, dass nicht jeder auf den Gipfel kam und so.

50:00Thomas Theurillat

Also man ist so wie in einem

50:04Thomas Theurillat

Gefangenen -Dilemma. Man braucht sich, aber jeder möchte der Held sein, oder? Und dann gehen Leute zu dritt auf den Berg, aber jeder macht auf seinem Instagram ist er alleine auf dem Gipfel und so. Also da gibt es verrückte Geschichten, oder? Und ich denke einfach, diese Gleitschirmflieger, die haben schon früh gelernt, wenn der andere absauft, ist das sein Problem, da mache ich mein Ding weiter. Und während in anderen Sportarten das viel klarer ist, man muss schauen, man beginnt, es gibt viel mehr so dieses soziale Gefüge und auch die Kommunikationskompetenz. Dafür, und das beeindruckt mich, Gleitschirmflieger sind extrem zuverlässig.

50:49Thomas Theurillat

Oder ich würde sagen Piloten. Ich kenne, wenn man zum Beispiel Termine abmacht oder gewisse Dinge abmacht, sehr viele Einzelsportler auch in Risikosportarten haben eine ganz hohe Gewissenhaftigkeit. Auch so im Alltag. Die sind pünktlich, die sind zuverlässig und andere, ja, das fällt uns auf zum Beispiel. Kannst du

51:16Lucian Haas

das erklären? Also woran liegt das? Oder ist das, also was hat jetzt Pünktlichkeit mit Fliegerei zu tun? Klingt erstmal ein bisschen komisch, weil du sagst, Fliegerei muss ich ständig einstellen auf neu. Man kann nicht sagen, ich starte um zehn, weil vielleicht Thermik ist erst um halb elf an und sonstiges. Also da ist ja mit Pünktlichkeit nicht so viel her. Also wie kommt das eine, wie passt das eine mit dem anderen zusammen? Es

51:38Thomas Theurillat

gibt eine große Forschung oder große Forschungsrichtung. Gibt es Prädiktoren, also gibt es Voraussetzungen für Erfolg? Und ganz einfach zusammengefasst gibt es zwei Dinge, Intelligenz und Gewissenhaftigkeit. Also Leute, die gewissenhaft sind und schlau, egal was die machen, die werden erfolgreich. Und ich glaube schon, im Gleitschirmfliegen, andersrum, wenn du nicht gewissenhaft bist, dann wirst du wahrscheinlich auch nicht alt. Dann wirst du nicht mit dieser Selbstdisziplin haben oder dieser Eigenverantwortung, dass du alt bist. Dass du die Dinge richtig machst. Und ich glaube, die Leute, mit denen wir zu tun haben, die sind alle in etwas schon richtig gut.

52:23Thomas Theurillat

Die können schon was und sagen, jetzt möchten sie gerne noch besser werden. Und es fällt mir einfach auf, die bringen das mit.

52:30Lucian Haas

Ist das dann, wenn du sagst, okay, sehr viele Piloten bringen eine gewisse Gewissenhaftigkeit einfach mit. Ist das vielleicht auch etwas, um wieder ganz zum Anfang zurückzuspringen, jetzige Corona -Situation, ist ja auch viel Gewissenhaftigkeit gefragt, um zu sagen, damit komme ich vielleicht am besten da durch. Gewissenhaftigkeit mit ich nehme mich zurück, ich wasche mir ständig die Hände, was auch immer man da als ein Ding nimmt, um zu sagen, ich komme durch diese, wie auch immer riskante Situation vielleicht auch besser durch. Sind dafür vielleicht auch Piloten relativ gut aufgestellt?

53:02Thomas Theurillat

Gewissenhaft sein ist sogar vielleicht noch weiter. Vielleicht ist das auch etwas, was oder diese Sorgfalt, also wenn ich mit meinem Material und mir selber sorgfältig umgehe und, und das gut mache, dann bin ich in der Luft viel besser, aber dann bin ich eben vielleicht auch, sage ich jetzt, in ganz anderen Themen im Tal auch, habe ich auch einen Riesenvorteil. Was ich jetzt eher noch sehe, bei vielen guten Piloten, dass sie, wenn die Fakten stimmen, recht ruhig bleiben können. Also wenn wir zum Beispiel über ein hohes Tal fliegen oder irgendwie wir fliegen worüber was nicht landbar ist, wir sehen aber irgendwie die Flughöhe und wir sehen auch die, wie sagt man, die,

53:49Thomas Theurillat

die Gleitzahl, da können wir auch ganz ruhig sein und sagen hey, das wird jetzt noch dort, uns dort und dorthin tragen. Und ich glaube dieses, weil, weil es eben vielleicht auch vorhersehbar ist. Wir haben, wir wissen etwa wie weit es geht oder wir können über einen langen Wald oder über einen grossen See drüber gleiten. Und ich glaube diese Coolness kann uns ganz viel helfen, während zum Beispiel ein Fussballspieler auch in der 85. Minute nicht weiss, was passiert die nächsten fünf Wochen, Minuten, die sind dauernd auf Strom. Und ich glaube, wenn wir jetzt auch, ich habe zum Beispiel mit einer Firma zu tun gehabt, Anfang Woche, die hat massive Liquiditätsprobleme. Aber wenn die das cool nehmen wie ein Jumbojet, der einen Motorausfall hat und einfach sagt okay, hey, aber die Höhe haben wir ja noch und das ist etwa unsere Gleitzahl und so viel kostet uns jeder Tag, dann wird das wahrscheinlich schon noch irgendwie bis Ende Juni reichen, wenn die Rechnung stimmt, oder?

54:43Thomas Theurillat

Da kann man aber auch jetzt den ganzen Mai gut schlafen, weil man ja weiss, man hat sich einen Plan gemacht. Und ich glaube, diese Art zu denken, das können wir aus der Luft auch sehr gut mitnehmen.

54:55Lucian Haas

Nun ist ja bei Corona aber noch das Problem, also bei der jetzigen Situation und bei dem Bild des ich fliege über ein großes, unlandbares Gebiet und kann sagen, ich habe ja meine Gleitzahl und ich habe meine Höhe und ich komme da jetzt drüber. Gleichzeitig, zur Zeit ist ja Corona so, dass ich sage okay, wir fliegen über ein gewisse Zeit unlandbares Gebiet, aber ich sehe auch noch überhaupt nicht, wo es wieder landbar wird direkt. Also wo du sagst, da reicht meine Gleitzahl, sondern zur Zeit heißt es, vielleicht brauchst du Gleitzahl 1 zu 5, vielleicht brauchst du Gleitzahl 1 zu 20 oder 25 oder 1 zu 50, um am Ende wieder zu der sicher landbaren Wiese oder sowas dahin zu kommen. Was kann man da machen in solchen Situationen, wenn man schon oben in der Luft ist und sagen soll, ja, einfach draufhalten?

55:39Thomas Theurillat

Nein, ich glaube, das ist auch ein guter Punkt.

55:43Thomas Theurillat

Diese berühmte Take -off -Theorie sagt ja den Tatsachen und die Augen schauen. Also wenn ich auch weiss,

55:53Thomas Theurillat

ich habe noch so und so viel Sprit oder so und so viel Wind oder so und so viel Flughöhe, es reicht genau, weiss ich aber auch genau, was mein Job ist, nämlich in den nächsten 30 Tagen einen Aufwind zu finden. Also ich glaube nur,

56:10Thomas Theurillat

wirklich die Fakten sauber anzuschauen und zu sagen, was ist bei der jetzigen Prognose oder eben auch beim jetzigen Nichtwissen, was ist eigentlich klar? Und dann sagen, Stand heute mit diesen Informationen habe ich etwa dieses Szenario und ich denke jetzt nicht über das Thema Krankheit, sondern ich denke jetzt über das Thema Wirtschaft oder die wirtschaftlichen Auswirkungen von der Corona. Weil sobald ich einen Plan habe, auch wenn der mega tough ist, weiss ich, in welche Richtung meine Anstrengungen gehen müssen. Und wenn ich gar keinen Plan habe, weil ich nicht mal irgendwie den Mut habe, den Tatsachen in die Augen zu schauen, dann wird es eben richtig stressig. Das heisst auch, um

56:52Lucian Haas

beim Fliegen zu sein, es kann sein, ich bin jetzt in der Situation, wo ich vielleicht an einem Prallhang bin, ich kann mich gerade noch halten, ich will eigentlich vielleicht weiterfliegen, aber jetzt erst einmal heisst es, ich beiße mich hier fest und fliege nur so lange hin und her und hoffe, dass irgendwann die nächste Thermik noch kommt. Ich kann aber nicht absehen jetzt, wann sie eigentlich wirklich kommt, aber ich muss da halt Durchhaltekraft, Resilienz zeigen oder was auch immer.

57:15Thomas Theurillat

Ja, genau. Und ich glaube, das ist ein schönes Bild, wenn ich es schaffe, mich auf das zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann. Wenn ich eben zum Beispiel sage, die Sonne ist nicht da oder die Thermik nicht da, was ich jetzt machen kann, ist entweder Top landen gehen und warten oder ich kann hier einfach noch eine halbe Stunde sauren und ich konzentriere mich auf das, dann bin ich wieder bei mir. Dann bin ich bei dem, was ich beeinflussen kann. Ich kann dann auch sagen, jetzt saure ich noch links und rechts und dafür esse ich mal in Ruhe mein Sandwich oder mache ein schönes Foto. Und dann bin ich, in meiner Stärke oder in meinem Thema und bin am Tun. Während das Gegenteil ist ja, ich sorge mich um Dinge, die ich nicht beeinflussen kann, was mich früher oder später in so eine Opferhaltung,

58:01Thomas Theurillat

Mindset reinbringen wird. Ich bin Spielball von irgendetwas, das ich nicht steuern kann. Und das ist das, was beim Mensch sehr viel Stress auslöst. Gut, Thomas.

58:12Lucian Haas

Ich würde sagen, das ist ein guter Abschluss, um damit die Leute in dieser Corona -Zeit jetzt einfach damit weitergehen können und das als Gedanken ins wie kommen sie soren quasi, können sie jetzt durchhalten, um dann demnächst wieder die nächsten wirklichen Höhenflüge anzutreten. Ich danke dir für dieses super interessante Gespräch. Ich gehe davon aus, dass viele Leute sich daraus was rausziehen können. Und ja, wünsche dir auch bald wieder durchstarten mit anderen Projekten, die dann bei dir noch alle anstehen.

58:40Thomas Theurillat

Sehr gerne. Sehr vielen Dank auch für die spannenden Fragen und lieber Gruß aus der Schweiz hier aus Intlaken. Danke. Danke dir.

58:54Lucian Haas

Das war Thomas Dörriard im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du mehr über die Coaching -Angebote von Thomas erfahren willst, so empfehle ich den Blick auf seine Website www.oneday.ch. In den Shownotes zu dieser Podcast -Folge auf meinem Blog Lu-Glidz sind auch noch einige Links zu Videos und Texten über die Zusammenarbeit von Thomas Dörriard und Kriegel Maura zu finden.

59:19Lucian Haas

Zum Ende hin noch ein Hinweis in eigener Sache. Die Folgen der Corona -Pandemie stellt viele Menschen vor neue Herausforderungen. Unter anderem erlebe auch ich als freier Journalist schon Auftragsrückgänge. Noch ist das nicht dramatisch, aber umso wichtiger ist es mir zu erwähnen, dass ich die Inhalte meines Blogs Lu-Glidz und den Podcast Podz-Glidz zwar frei zur Verfügung stelle, aber nicht grundsätzlich verschenke. Wenn dir also gefällt, was ich mache, wenn du aus den vielen Infos und Interviews Freude und Nutzen ziehst, dann freue ich mich über deine Unterstützung für meine Arbeit. Wie viel du als Förderbeitrag geben willst, bleibt ganz dir überlassen. Wer sich unsicher ist, dem empfehle ich als unverbindlichen Richtwert einen Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat

1:00:04Lucian Haas

auf Lu-Glidz. Zahlungen sind ganz einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich. Die zugehörigen Daten findest du auf der Website von Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern. Jetzt bleibt auf jeden Fall gesund, gleitet durch die Corona -Zeit und lasst uns alle fest die Daumen drücken, dass wir lieber früher als später mal wieder in die Luft kommen. Ciao.

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