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28. Climb and Fly - Fabian Buhl

// Fabian Buhl, Lucian Haas · 2020-04-24 · 00:43:15 · original episode

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[show notes]
Der Alpinist Fabian Buhl erzählt von seinem Flug vom Cerro Torre in Patagonien, und wie der Gleitschirm neue Perspektiven für Berg-Expeditionen eröffnet. +++ Der Allgäuer Fabian Buhl hat in der reinen Gleitschirmfliegerszene noch keinen großen Namen. Doch unter Bergsteigern schlägt Fabian trotz seines noch jungen Alters von 29 Jahren schon große Hochachtung entgegen. Denn er gilt als einer der talentiertesten Boulderer, Kletterer und Bergsteiger. Er hat schon etliche der weltweit schwierigsten Kletterrouten über mehrere Seillängen im Alleingang durchstiegen – Routen, die sich sonst kaum jemand zutraut. Im Februar 2020 war Fabian auf Expedition in Patagonien, wo er unter anderem in einer mehrköpfigen Seilschaft den Cerro Torre erklomm. Der Torre ist eine legendäre Felsnadel im windumtosten Süden Argentiniens. Knapp unterhalb des eisigen Gipfels gibt es ein kleines Felsplateau – groß genug, um dort einen Gleitschirm auszulegen. Und das tat Fabian auch. Nach einem Biwak am Gipfel schwang er sich zur windschwachen Morgenstunde in die Luft und nutzte seinen Bergschirm für einen rund 15-minütigen Abgleiter. Der Abstieg hätte ihm mit Abseilen und Sichern am Fels ansonsten knapp einen Tag gekostet. Allein in dieser zeitlichen Relation wird schon deutlich, warum der Gleitschirm als Abstiegshilfe von Bergsteigern mehr und mehr entdeckt oder wiederentdeckt wird. Auch Fabian ist von der Fliegerei richtig angefixt und plant in Zukunft noch weitere Expeditionen, bei denen er Klettern und Fliegen miteinander kombinieren will. Von all dem erzählt er in dieser Folge von Podz-Glidz. +++ +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: “Heaven and Hell” by Jeremy Blake No Copyright Music Free Download: https://bit.ly/3cwQTAH

[transcript]

0:08Fabian Buhl

Und Streckenfliegen interessiert mich wahnsinnig, weil man sich einfach wie beim Klettern in einer megaschönen Landschaft begegnet. Und wenn ich zum Beispiel irgendwo über zwei, drei Tage irgendwo hinfliegen kann, autonom dann irgendwo klettern gehen und wieder zurückfliegen, besser geht's nicht.

0:41Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:46Lucian Haas

Geschichten aus dem

0:46Fabian Buhl

Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:50Lucian Haas

Heute mit Fabian

0:52Fabian Buhl

Buhl und

0:53Lucian Haas

Lucian Haas am Mikrofon. Der

0:57Lucian Haas

Allgäuer Fabian Buhl hat in der reinen Gleitschirmflieger -Szene noch keinen großen Namen. Doch unter Bergsteigern schlägt Fabian trotz seines noch jungen Alters von 29 Jahren schon große Hochachtung entgegen. Denn er gilt als einer der talentiertesten Boulderer, Kletterer und Bergsteiger. Er hat schon etliche der weltweit schwierigsten Kletterrouten über mehrere Seillängen im Alleingang durchstiegen. Routen, die sich sonst kaum jemand zutraut. Im Februar 2020 war Fabian auf Expedition. In Patagonien, wo er unter anderem in einer mehrköpfigen Seilschaft den Cerro Torre erklommen. Der Torre ist eine legendäre Felsnadel im windumtosten Süden Argentiniens. Knapp unterhalb des eisigen Gipfels gibt es ein kleines Felsplateau.

1:42Lucian Haas

Groß genug, um dort einen Gleitschirm auszulegen. Und das tat Fabian auch. Nach einem Biwak am Gipfel schwang er sich zur windschwachen Morgenstunde in die Luft und nutzte seinen Bergschirm für einen rund 15 -minütigen Abgleiter. Der Abstieg hätte ihm mit Abseilen und Sichern am Fels ansonsten knapp einen Tag gekostet. Allein in dieser zeitlichen Relation wird schon deutlich, warum der Gleitschirm als Abstiegshilfe von Bergsteigern mehr und mehr entdeckt oder wiederentdeckt wird. Auch Fabian ist von der Fliegerei richtig angefixt und plant in Zukunft noch weitere Expeditionen, bei denen er Klettern und Fliegen miteinander kombinieren will. Von all dem erzählt er in dieser Folge von Podz-Glidz. Bevor es losgeht noch ein kurzer Hinweis.

2:27Lucian Haas

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3:06Lucian Haas

Fabian, du hast im Klettern eine ungeheure Karriere hingelegt. Seit einer gewissen Weile fliegst du jetzt aber auch Gleitschirm. Wie bist du darauf gekommen?

3:14Fabian Buhl

Ja, also ich habe Kletterprojekte. Natürlich, bei mir ging das vom Bouldern los, dann zum Sportklettern und dann über Alpines. Und irgendwann, wenn man im Allbau aufwächst, sieht man immer gleich, wie ich mit dem Gleitschirm fliege. Und irgendwann habe ich mir halt so gedacht, ja, irgendwie, da muss es schon auch irgendein Potenzial dafür geben, dass man das sinnvoll einsetzen kann. Und dann bin ich mal recht schnell auf Manu Nübel gekommen, weil der eben auch bei adidas im Team war und weil wir uns auch so vom Allbau ein bisschen kannten. Und mit dem habe ich dann halt ein bisschen gesprochen.

3:48Fabian Buhl

Und ja, dann ist diese Idee wieder, weil die Idee, weil sie damals, mit der Idee, die ich auf ihn zukommen bin, die war komplett planlos natürlich. Die hat er mir gleich gesagt, dass es sicher nicht geht, weil im Winter gibt es halt keine Thermik oder im Winter kann man da erst nicht so reinfliegen, wie ich mir das vorgestellt habe. Und dann habe ich das ein bisschen wieder aus den Augen verloren. Und dann bin ich aber aus Pakistan zurückgekommen. Und dann war klar, ich fahre noch in die USA. Und dann wollte ich unbedingt halt Gleitschirmfliegen. Und ja, dann... Von welcher Zeit sprechen wir? Das war 2018.

4:28Fabian Buhl

Das war im Herbst 2018, genau. Ja, und dann ging das recht schnell, weil mein Flug war eigentlich in zwei Tagen. Dann habe ich noch kurz den Schirm organisiert, ein paar Stunden genommen und dann bin ich

4:40Lucian Haas

nach Idaho zum Fliegen. Verstehe ich das richtig? Du bist in die USA gegangen zum Klettern und zum Fliegen, aber du hast noch gar keinen wirklichen Gleitschirmkurs eigentlich gemacht.

4:48Fabian Buhl

Nein. Also meine Freunde haben mir das, also nicht der Manu, sondern halt eine Freundin von mir hat mir das beigebracht an so einem Übungshang. Und ja, dann haben wir an dem gleichen Tag noch einen kleinen Flug gemacht. Und dann bin ich in die USA gegangen, genau. Und da war eigentlich auch ganz gut, ein ganz gutes Gebiet. Und dort war ich dann mit einem Freund, den wir getroffen haben aus Südafrika, der schon lange fliegt. Und mit dem habe ich halt dann recht viel so Basics gelernt. Und ja, da in Idaho eigentlich so meine ersten größeren Flüge gemacht.

5:24Lucian Haas

Kürzlich hast du ja in der Kletter, aber vor allem dann auch in der Gleitschirmszene ein bisschen für Aufsehen gesorgt. Da bist du in Patagonien auf den Cerro Torre gestiegen und von dort oben dann sogar heruntergeflogen. Wie kamst du auf diese Idee?

5:36Fabian Buhl

Ja, also ich habe den Schirm natürlich mitgenommen, weil seit ich jetzt dann fliege, eigentlich auch in den Alpen halt immer irgendwo hochläufe, weil es ja eher gutes Konditionstraining auch für den Alpinismus ist. Und dann, wenn man runterfliegen kann, ist es halt umso cooler und vor allem ist es ziemlich zeiteffektiv. Dann kann man meistens ein zweites Mal hochlaufen.

5:59Fabian Buhl

Und ich habe den Schirm dann nach Patagonien mitgenommen, auch wenn ich gewusst habe, boah, das ist so windig, es sind da so gute Piloten schon gewesen, dass ich jetzt da was mache, wo ich den Schirm jetzt wirklich einsetzen kann. Das glaube ich jetzt mal nicht, aber ich habe halt noch Platz in meinem Gepäck gehabt. Dann bin ich runtergeflogen. Und ich habe mir eigentlich gedacht, ich habe mich mit Colin Haley getroffen, das ist ein Amerikaner, der in Germany wohnt, mit dem einfach recht viel neue Routen probieren. Oder wir haben speziell eine Linie im Kopf gehabt, das war die Torres Südwand. Das Wetter im Januar war aber extremst schlecht. Und es war dann klar eigentlich, dass er im Februar mit jemand anders klettert. Und ich bin aber noch zehn Tage länger geblieben, weil ich eigentlich erst was Solo klettern wollte.

6:44Fabian Buhl

Dann hat sich das aber nicht so wirklich ergeben. Dann war das Wetterfenster doch, das gekommen ist, kurz vor meinem Abflug, war noch ein bisschen größer und ein bisschen besser als das, was ich eigentlich gedacht habe. Und eben dann hat sich herauskristallisiert, dass es wahrscheinlich Rangni geht.

7:01Lucian Haas

Rangni ist eine bestimmte Kletterroute, die du dort machen kannst.

7:04Fabian Buhl

Rangni ist diese Route, genau. Das ist so die Klassiker, die King Line vom Cerro Torre, weil es einfach dieses komplette Eis -Rime, also Rime ist diese spezielle Schneeform, da diese Kante hochzieht. Das ist wirklich wahnsinnig beeindruckend. Und das ist natürlich in jedem Klettertraum, auch wenn die Route jetzt nicht extrem schwer ist, die wollt ihr unbedingt mal klettern. Und ja, wir waren dann in dem Jahr das erste Team. Und die Route muss man pro Jahr wieder erst begehen, weil man muss diese Rime Tunnels, also diese Tunnels durch diesen Schnee, wieder reingraben, das Eis erstmal aus diesem Rime, also den Rime wegschlagen, dass man überhaupt auf das Eis kommt. Und das ist recht zeitaufwendig.

7:50Fabian Buhl

Und ich habe gesagt, aber wenn wir an Rangni gehen, dann möchte ich die nicht nach 100 Leuten geklettert haben in einer perfekten Saison, sondern wenn ich an Rangni gehe, dann will ich sie auf jeden Fall halt in so jungfröhlichen Bedingungen haben. Und da haben wir dann ein Team zusammengestellt aus so drei Franzosen, die wir dort kennengelernt haben. Und eben dann noch Raphael Haug und Laura Tiefenthaler. Also zwei österreichische, beziehungsweise deutsche Mädels, die da mitgekommen sind. Genau.

8:25Lucian Haas

Sonst bist du ja häufig auch Solo am Berg unterwegs. Nun hast du ja gesagt, am Cerro Toro war dir ein ganzes Team, was da aufgestiegen ist. Gefällt dir das, in der Gruppe aufzusteigen?

8:35Fabian Buhl

Für mich hat Solo -Klettern schon einen extremen Reiz. Nur ich habe es mir sogar kurzzeitig überlegt, Solo an der Rangni. Aber wenn die Tour nicht erst begangen ist, die ist bisher nur Solo geklettert worden, in absoluten perfekten Verhältnissen. Und in diesen jungfröhlichen Verhältnissen, da kann man die Route nicht wirklich absichern, weil das ist wirklich, das ist einfach verfestigter Schnee. Da hält kein Eisgerät, da muss man so Wings, also so an den Eisgeräten sind, wie so Flügel anmontiert, die dann in den Schnee gehen, dass es nicht durchrutscht. Und das ist schon recht speziell. Und da war es mir als Team deutlich, deutlich wohler. Und ich wollte dann aber auch ein recht großes Team, auch wenn wir halt nur in zwei Dreierteams geklettert sind. Aber dass, wenn ein Team, zum Beispiel zwei Leute jetzt krank werden oder sich nicht gut fühlen, dass die abseilen können und halt die anderen trotzdem noch hochklettern können.

9:26Fabian Buhl

Weil natürlich, wenn jetzt zum Beispiel zwei abseilen und der dritte muss dann auch runter, weil die zwei abseilen, dann gibt es halt nur noch einen Satz Seile für die anderen, oder? Wir sind dann recht unabhängig voneinander geklettert, was auch super war, weil man dann einfach schneller ist. Aber man hat halt trotzdem, in meinem Kopf habe ich halt trotzdem so dieses Backup gehabt, falls irgendwas kommt, dann kann ein Teil der Personen trotzdem noch höher gehen und der andere Teil kann dann abseilen, oder? Und auch, weil ich einen Schirm mitgenommen habe, in meinem Rucksack, habe ich gesagt, ich möchte auf jeden Fall, wenn ich runterfliege, dass halt definitiv genügend Seile oben sind, insgesamt, dass auch meine Partner oder die anderen gut runterkommen zu jedem Zeitpunkt, weil ich wollte da kein Risiko eingehen oder so.

10:16Fabian Buhl

Und darum war es mir für die Aktion deutlich lieber mit Leuten.

10:22Lucian Haas

Nun warst du ja der Einzige, der wirklich fliegend abgestiegen ist. Waren die anderen da auch ein bisschen neidisch?

10:28Fabian Buhl

Ja, klar waren die neidisch, aber ich glaube, außer der Raffaella fliegt niemand, also von den Leuten. Wie lange

10:35Lucian Haas

hat dein Flug

10:35Fabian Buhl

gedauert? Also, ich bin, glaube ich, zehn oder zwölf Minuten oder so geflogen, aber also auf dem Elmo, auf dem Elmo sage ich, auf dem Mocho, das ist so ein, wie so ein, ja, so ein riesiger Felssockel im Torre Valley, an dem ist der Wind so angestanden, da hätte man ewig fliegen können. Also da hat es halt voll gesort.

10:57Lucian Haas

Aber da bist du nicht da geblieben, du hast gesagt, nee, ich muss jetzt runter.

11:00Fabian Buhl

Nein, ich bin ein bisschen dort geblieben, habe ein bisschen so die Aussicht da genossen und irgendwann war es mir dann eh recht kalt. Ja. Weil ich halt in meinem dünnen Handschuh geflogen bin, weil die anderen nass waren, dann musste ich irgendwann schon zum Landen.

11:15Lucian Haas

Wie lange wärst du denn unterwegs gewesen, hättest du selber absteigen müssen oder wie lange haben die anderen dann noch gebraucht, um dann runterzukommen?

11:21Fabian Buhl

Ja, insgesamt einen Tag.

11:23Lucian Haas

Das heißt, das, was die in einem Tag machen, hast du in 15 Minuten geschafft? Ja. Nun musstest du bei dem Aufstieg ja auch den Gleitschirm mitschleppen, das hast du ja gesagt. Was wiegt denn deine Flugausrüstung im Vergleich zu den anderen Ausrüstungen, die du bei so einem Abenteuer dann mitnehmen musst?

11:38Fabian Buhl

Also, der Gleitschirm ist schon, also für die Ranglinie normal, würde ich gar nicht so viel mitnehmen, da würde ich, weil man dann natürlich nicht bivakiert und so, oder? Also, die Route kann man sicher innerhalb von 10 Stunden auch klettern, aber halt als Team und mit Material dauert es dann doch länger und dann muss man halt so den Schlafsack, Kocher, Essen, die ganzen Steigeisen, Eisgeräte, die Schrauben, das Material mitnehmen und dann habe ich halt noch meinen Rucksack, also mein Gleitschirmzeug dabei gehabt. Insgesamt habe ich aber alles in einen 45 Liter Rucksack gebracht. Also glaube ich, wenn ich es jetzt nicht, würde man sagen, insgesamt habe ich wahrscheinlich so mit Kleidung 10 Kilo Material gehabt, ja, mit Essen und Gas und allem, aber das wird ja nach oben immer weniger

12:32Fabian Buhl

und dann halt

12:36Fabian Buhl

der Schirm, die Susi mit dem F -Flight, das wiegt halt ungefähr 2 Kilo.

12:43Lucian Haas

Patagonien ist ja nun berühmt und im Grunde auch berüchtigt für seine komischen Wetterverhältnisse. Da kann das ungeheuer schnell umschlagen, außerdem toben da ständig die Winde. Welche Chancen hast du dir denn überhaupt ausgerechnet, dass du da wirklich in die Luft kommen kannst?

12:56Fabian Buhl

Also in den ganzen eineinhalb Monaten, wo ich dort war, habe ich es öfters mal probiert, von kleineren Bergen zu fliegen und bin auch zweimal geflogen. Das war beides mal die absolut, absolute Horrornummer, dass ich mir geschworen habe, ich fliege nie wieder in Patagonien, weil wenn das in, man muss sich vorstellen, da ist immer brutal windig und jedes Tal hat seinen eigenen Wind und dann gibt es immer, wenn du rausfliegst, gibt es so richtig krasse Turbulenzen, egal ob du auf der Südseite oder auf der Nordseite von Chalten fliegst,

13:31Fabian Buhl

aber da war das Wetter halt nie gut, also da war das Wetter nie stabil, sondern es war halt einfach okay, aber es war halt viel Wind und ich habe es halt einfach, weil mir langweilig war, habe ich halt probiert, ein bisschen zu fliegen,

13:44Fabian Buhl

aber für das Wetterfenster vom Torre, da war mir ziemlich, nachdem ich das dann halt auf der Vorhersage gesehen habe, war mir ziemlich klar, dass wenn ich zum richtigen Zeitpunkt oben bin, durch dieses Wetterfenster, dann werde ich Chancen haben, zu fliegen und das war ja auch der Grund, wieso ich mich unter dem Gipfel und die letzte Länge unter dem Gipfel noch nicht geschlafen habe, weil am Vorabend und am ganzen Nachmittag ist die Wand halt wahnsinnig thermisch aktiv und es hat dann brutale Winde da oben,

14:20Fabian Buhl

das war mir aber klar, dass die wir halt beim Sonnenaufgang nicht haben und beim Sonnenaufgang habe ich dann über das InReach auch noch gekriegt von Rollo Garibotti, dass es nur irgendwie 3 bis 10 Knoten hat, zwar von der Vorderseite, in der falschen Richtung, aber ich habe mir gedacht, das kann trotzdem irgendwie startbar sein und ja, wir waren dann halt echt richtig früh oben vor dem Sonnenaufgang, ich habe dann mit Sternenlampe halt den Startplatz da begutachtet, der ist nicht groß, aber der hat so ein bisschen den Wind abgeschirmt, weil in die Luftseite konnte ich nicht starten, das war zu klein, zu stark abfallen und dann habe ich mir halt gedacht, wenn der Wind in so einer Pause einigermaßen runtergeht, dann kann ich wahrscheinlich halt einfach

15:05Fabian Buhl

rennend so ins Lee starten, oder? Und ja, genau, das war dann der Plan.

15:13Lucian Haas

Beschreib mal da so die Startverhältnisse, du warst ja nicht genau auf dem Gipfel, sondern ein bisschen tiefer, wie du gerade gesagt hast.

15:17Fabian Buhl

Ja, der Gipfel, das ist ein Schneepilz, der sich jedes Jahr ändert und der ist Höhenmeter, auf dem Startplatz sind das vielleicht drei Höhenmeter Unterschied, nur dass der Schneepilz ganz dort, wo der Wind drauf kommt, diese Rhyme Tunnels, die bilden sich und diese Pilze, die bilden sich jährlich einfach durch die Windzirkulation, wenn der nasse Schnee da mit wirklich viel Power an die Wand geklatscht wird und dann halt sich dort verfestigt und eben dieses Jahr war dieses Plateau, von dem ich rausgestartet bin, das ist eigentlich jedes Jahr fast ortsstabil, also das gibt es seit 1988, nur der kleine Gipfelpunkt, der wandert immer so ein bisschen.

16:04Fabian Buhl

Aber das Plateau an sich, das gibt es, das ist schon echt bekannt, weil da kommt man von der anderen Route, von der South East Bridge, also von der Kompressorroute, kommt man auf dieses Gipfelfeld, direkt drauf und darum habe ich auf vielen Aufnahmen damals schon gesehen, dass das wahrscheinlich was wird, halt daraus zum Start. Wie

16:24Lucian Haas

viel Platz hattest du da auf dieser Eisfläche?

16:27Fabian Buhl

Zum Auslegen reicht es gut, da kann man sich gut bewegen und dann habe ich bestimmt noch so fünf bis zehn Meter zum Rennen gehabt und dann wird es halt steil. Also in dem Video sieht man, wenn ich mal so den Schirm aufziehe und dann renne ich ein bisschen und dann springe ich wie so rein und da taucht es halt dann so ab, da kann man auch nicht mehr rennen, da ist dann zu steil und zu eisig. Also würde ich jetzt mal sagen, aufziehen und von dort, wo man absolut fliegen muss, sind es 15 Meter.

16:59Lucian Haas

Hattest du Lampenfieber vor dem Start? Oder warst du so konzentriert, dass du dachtest?

17:04Fabian Buhl

Die ganze Nacht habe ich mir überlegt, fliegt es oder fliegt es nicht, weil es war schon immer so Wind und vor allem hat es nachts dann noch schneien angefangen, also es war dann gar nicht so klar, aber es war dann in der Früh super, wo es oben war, wo es aufgemacht hat und dann wollte ich nur noch starten und ich wusste auch, im Prinzip, wenn ich ihn aufziehe, dann muss ich eh rausrennen,

17:28Fabian Buhl

weil ein zweites Mal probiere ich es sicher nicht. Also wenn ich dann einen Startabbruch gehabt hätte, aus irgendeinem Grund, dann wäre ich sicher nicht mehr gestartet.

17:36Lucian Haas

Der Start, wenn man das im Video sieht, der war ja auch nicht wirklich gelungen. Der Schirm, der hängt ziemlich da auf der Seite und eigentlich trägt er erst, als du wirklich in das Steile kommst. Was war denn da los?

17:46Fabian Buhl

Das ist ja das, was ich beschrieben habe. Das ist ja auch das, was viele dann so Kritik geübt haben an dem Start. Ich sage ja auch, dass der Start nicht gut war, weil die linke Seite, die bleibt viel tiefer und die rechte, die verbiegt es mir dann so nachher an. Und das liegt aber an der Schneeformation dahinter. Der Schirm war im kompletten Lay ausgelegt. Ich habe den so, sage ich mal, geradeaus aufgezogen und musste aber so im Bogen raus starten, weil da habe ich länger gehabt zum Rennen. Und von der Richtung war auch der Wind kommen. Ich wollte nur den Schirm halt irgendwie schön hoch und dann in die Richtung, weil dann habe ich natürlich, natürlich verliere ich weniger Anlaufweg.

18:35Fabian Buhl

Wenn ich ihn jetzt erst hochkomme, dann fällt er irgendwie über mir drüber oder so und dann braucht es ja noch länger, bis ich dann halt den Schirm so weit beschleunigt habe, dass er halt trägt. Und mir war schon klar, dass halt wenn er einigermaßen über mir ist und ich springe halt rein, dann fliegt er schon. Also die Susi habe ich schon ein bisschen öfters in Lay gestartet und wenn die mal schnell genug ist und dann beladen wird, dann fliegt sie schon.

19:03Lucian Haas

Du hast ja im Nachhinein das Video, deine Startseite dann auch noch gesehen, nicht nur aus deiner eigenen Perspektive, sondern eben auch von, das ist ja so ein bisschen von hinten gefilmt.

19:11Fabian Buhl

Anbremsen hätte ich wahrscheinlich ein bisschen früher können.

19:14Lucian Haas

Da sieht man ja auch, der Schirm trägt es wirklich da, wo du schon im Steilen eigentlich bist und wahrscheinlich auch nicht mehr hätte es abbrechen können an dieser Stelle.

19:21Fabian Buhl

Nein, nein, natürlich nicht. Was hast

19:22Lucian Haas

du denn da gedacht? So ups oder geil, dass es geklappt hat oder was hast man da für Gefühle im Nachhinein?

19:29Fabian Buhl

Ich habe recht schnell gewusst, dass es ziemlich heikel war, weil eigentlich hätte ich den Schirm vielleicht erstmal ein bisschen anbremsen müssen. Das wollte ich aber natürlich nicht, weil ich ja eigentlich den Schirm, ich habe nicht gewusst, wie stark der Wind dann drüber wirklich ist und wenn ich dann zu stark anbremse, dann fällt er wieder drüber oder dann habe ich halt gedacht, in dem Moment war mir schon klar, das sieht auf dem Video ein bisschen flacher aus, wie es ist. Also da sieht es so aus, als ob das so wirklich eng geworden ist, bis ich dann so wegsteige mit dem Schirm. Das ist schon, im Original ist es schon so steil, dass ich schon gewusst habe, da hänge ich wahrscheinlich jetzt nicht unbedingt ein.

20:09Lucian Haas

Das heißt, die Hoffnung war, der Schirm wird auf jeden Fall tragen.

20:13Fabian Buhl

Der Schirm fliegt schon, ja.

20:15Lucian Haas

Warst du eigentlich der Erste, der

20:17Fabian Buhl

von da oben runter geflogen ist? Nein, eben 1988, da haben das die Pinn -Brüder schon mal probiert. Sind die von der gleichen Stelle gestartet? Gleiche Stelle, genau, eben, weil das ist ja dieses Plateau, was es da halt gibt. Die sind aber nicht, die haben die Route geklettert und dann war das Wetter zu schlecht und sind sie abgeseilt. Und dann ist das Wetter nochmal gut geworden und dann haben sie sich drei Tage später oder so hoch fliegen lassen mit dem Heli und sind dann runter geflogen. Und ich glaube, das haben noch zwei Schweizer auch mal noch gemacht. Also mit dem Heli hoch fliegen lassen und dann runter geflogen. Aber

20:53Lucian Haas

du bist jetzt der Erste dann, der wirklich

20:54Fabian Buhl

hoch geklettert ist? Hoch geklettert und dann runter geflogen. Also halt das Ganze, wie so High -Quality, High -End -Fly -mäßig macht.

21:01Lucian Haas

Wenn man so ein bisschen in die Geschichte des Gleitschirmfliegens guckt, dann ist ja im Grunde das Gleitschirmfliegen auch als eine Art Abstiegshilfe am Anfang von den Bergsteigern quasi auch mit erfunden worden. Und dann hat sich das mit der Zeit, wo die Schirme auch besser wurden und sowas, zu einer Disziplin entwickelt, wo es auch viel mehr ums Fliegen und nicht um nur als Abstiegshilfe dann darum ging. Und jetzt aber so in den letzten Jahren ist erkennbar, dass man das häufiger hört, dass Bergsteiger das wirklich auch wieder verstärkt nutzen und diese neuen leichten Bergschirme dann auch wieder nutzen, um das auch als Abstiegshilfe und als Hilfsmittel für sich dann wirklich neu zu entdecken im Grunde. Woran liegt das deiner Meinung nach? Warum gibt es dieses Revival bei den Bergsteigern, dass die dann wieder sagen, ach, Gleitschirmfliegen können wir mit dazunehmen?

21:43Fabian Buhl

Generell gibt es das glaube ich nicht nur bei den Bergsteigern, sondern generell ist halt dieses, Leute gehen immer mehr raus und High -End -Fly ist eine coole Art rauszugehen. Oder man geht wandern und fliegt irgendwo noch runter. Im Bergsteigen nehmen den Schirm schon auch immer mehr Leute mit.

22:01Fabian Buhl

Aber jetzt bei schwereren Sachen wird es dann schon schwer, sowas mitzunehmen vom Gewicht her. Allerdings, wenn es halt geglückt, dann ist es halt genial, weil man spart sich halt so viel Lauferei, Abseilerei und man ist halt viel schneller von dem Berg herunter. Und von dem Berg herunter zu sein, ist halt einfach Wahnsinn. Und ich habe einen Streckenschirm und ich habe einen kleinen Bergschirm, also die Susi. Und ehrlich gesagt, ja, ich bin jetzt sicher nicht kein guter Streckenpilot, aber mir macht meine Susi mehr Spaß zum Fliegen. Einfach weil das kleine F -Light, keine Rettung, den Schirm, das wiegt nichts, das ziehe ich auf, sitze mich rein und fliege runter und kann noch ein bisschen rumspielen und lande unten.

22:51Fabian Buhl

Das ist einfach wahnsinnig, für mich ist es ein wahnsinnig freies Gefühl und eine wahnsinnig einfache Art, einfach einen Abstieg zu gestalten. Und der Spaß macht. Und nicht nur ein Abstieg, sondern man kann mit so leichten Schirmen, mit der Susi zum Beispiel, die steigt ja nicht thermisch, also man kann auch irgendwelche Gletscher oder so überwinden, wenn man es halt richtig plant, die zum Beispiel zum Laufen zu gefährlich oder zu aufwendig sind.

23:16Lucian Haas

Hast du denn persönlich vor, künftig auch noch mehr Projekte zu machen, wo du wirklich Klettern und Bergsteigen und Klettern mit Gleitschirmfliegen verbindest?

23:24Fabian Buhl

Ja, fix. Da habe ich einige Projekte, also immer mehr, weil ich möchte eh viel machen. Oder mache eh Expeditionen. Und da habe ich einige Ideen, aber auch im Alpenraum, wo ich das gerne noch ein bisschen ausreizen würde, vielleicht einfach nochmal einen leichteren Schirm oder einen kleineren Schirm, einfach das Packmaß runter geht. Weil ich glaube, man kann viele viele Sachen, viele viele coole Sachen damit machen, nur der Schirm wird sicher den harten Alpinismus nicht neu definieren, weil da dazu ist der Alpinismus einfach viel zu hart. Da ist das Schirmgewicht einfach viel zu schwer. Selbst der Dudek viel zu schwer.

24:02Lucian Haas

Obwohl der dann nur ein Kilo wiegt, das wäre immer noch zu schwer.

24:05Fabian Buhl

Ja, aber ein Kilo, wenn du am Karabiner alles austauschst, die leichtesten Karabiner nimmst, nur weil er zwei Gramm weniger hat oder so, das addiert sich alles auf. Dann kann ich nicht nur einen Schirm mit einem Kilo mehr mitnehmen. Wenn ich überall sparen versuche, nur dass ich halt einfach durch das, dass ich einen Kilo einspare, leichter und schneller mich bewegen kann. Das heißt, ich bewege mich halt einfach weniger, bin weniger ausgesetzt irgendwelchen, ja, wenn es zu warm wird, Lawinen oder man ist einfach schneller, effizienter am Berg unterwegs, wenn man leichter ist. Und das ist halt das, was im schweren Alpinismus oder im harten Alpinismus einfach zählt.

24:43Lucian Haas

Nun kommst du ja aus der Kletterei, hast da schon irre schwierige Sachen durch Stiegen und Solo, also wo alle Leute sagen, das ist ein viel zu großes Risiko, würde ich mir nie zutrauen, kann ich auch gar nicht technisch und Sonstiges. Wenn du jetzt das Fliegen im Vergleich dazu nimmst, flößt dir das Fliegen in den Hals, in irgendeiner Weise Respekt ein oder ist jemand, der an so steilen Flächen gehangen hat, nur an Fingerkuppen, der da schon häufiger ins Seil immer auch gefallen ist und sowas, ist das etwas, wo du sagst, das Fliegen ist eigentlich ein Kindergarten dagegen?

25:11Fabian Buhl

Also Fliegen mit einem Schirm, mit einem A -Schirm zum Beispiel, finde ich komplett safe, weil da kann eigentlich nicht großartig was passieren, wenn man bei okayen Bedingungen geht. So viel ist, für mich, Fliegen flößt mir aber extremen Respekt ein, weil ich natürlich immer mehr will und vielleicht auch zu schnell zu viel will und dann in Situationen komme, die mir nicht taugen. Also da muss ich halt deutlich mehr aufpassen und dann finde ich Fliegen nicht mehr entspannt, wenn ich in Situationen komme, die mir halt absolut nicht taugen. Aber generell, wenn man bis ins Gleitschirmfliegen anfängt, und wirklich das darauf anlegt, zum Hike and Fly machen und nur abends einen Abgleiter runter machen,

26:04Fabian Buhl

das finde ich absolut, das ist wie Sportklettern, das finde ich nicht gefährlich.

26:11Lucian Haas

Was ist für dich das krasseste, was du mit dem Gleitschirm schon erlebt hast, wo du gesagt hast, puh, da bin ich jetzt gut durchgekommen, mit Glück?

26:17Fabian Buhl

Ja, in Patagonien, wo ich mit der Susi bei schlechtem Wetter einfach probiert habe zum Fliegen und halt die Ultra Turbulenzen gehabt habe, die klappen normal nicht, aber da habe ich einen Klapper nach dem anderen kassiert.

26:33Lucian Haas

Aber letzten Endes bist du high gelandet. Ja, Gott sei Dank.

26:40Lucian Haas

Inwieweit gibt es eigentlich Dinge, von denen du als Gleitschirmflieger von deiner Klettererfahrung profitierst oder vielleicht andersherum? Also wo du sagst, da kriege ich sogar vom Gleitschirmfliegen noch was mit, was mir beim Klettern weiterhelfen könnte.

26:53Fabian Buhl

Also Wetterkunde, ich schaue total viel aufs Wetter und habe das auch schon von Expeditionen gemacht, da mag ich das voll gern. Aber im Gleitschirmfliegen, die Art, wie man Wetter macht im Gleitschirm, also auf was man aufpassen muss oder wie detailliert die Vorhersagen sind, ja nicht die Vorhersagen, sondern die Details, die man sich aus den verschiedenen Modellen raussucht, die machen Wetter auch besser fürs Bergsteigen für mich. Und sonst finde ich einfach Gleitschirmfliegen schon ziemlich schön,

27:31Fabian Buhl

gerade das mit dem Hike & Fly, seitdem habe ich viel bessere Ausdauer, also Laufausdauer viel besser, seit ich einen Gleitschirm habe, von dem her bringt mir das sehr viel. Ja, aber schon sind die zwei Sportarten schon extremst unterschiedlich und da ich im Gleitschirmfliegen sicher nicht gut bin, darf ich nicht denken, nur weil ich Bergsport mache und das auch in den Bergen abläuft, da auch das gleiche Niveau habe oder meine Überlegungen oder Einschätzungen so leichtfertig fällt wie im Klettern. Das ist das, wo das Gleitschirmfliegen für mich ein bisschen gefährlich ist, weil ich natürlich das

28:19Fabian Buhl

aus einem anderen Blickwinkel oft sehe und dann aber viele Sachen halt übersehe oder einfach nicht weiß.

28:27Lucian Haas

Ist eigentlich gutes Kletterwetter auch immer gutes Gleitschirmwetter?

28:31Fabian Buhl

Nein, gar nicht. Weil zum Beispiel heute war es zum Klettern super, Thermik war aber auch relativ schlecht eigentlich. Also eigentlich will man so recht labile Bedingungen beim Thermikfliegen und beim Klettern ist die Labilität, die führt recht stark oder recht oft auch zu mehr Luftfeuchtigkeit und durch das schmiert es halt, ich sage jetzt mal beim Sportklettern oder beim Sporklettern oder beim Bouldern, beim Alpinklettern oder im Alpinismus, also an hohen Bergen, da glaube ich ist Flugwetter gleich Kletterwetter, weil es da einfach geht, dass die Winde niedrig sind, gut Wetter, keine Bewölkung oder halt nur hohe Bewölkung.

29:20Fabian Buhl

Also ich glaube, umso mehr man das Wettergeschehen im Alpinismus sieht, umso eher ist es das gleiche Wetter. Genau. Wenn man aber nur auf die reinen Schwierigkeiten vom Klettern geht, also auf Sportklettern und Bouldern, dann glaube ich sind die Tage, wo es gut fliegt, nicht die Tage, wo es gut klettert, also wo es gut reibt. Das

29:42Lucian Haas

heißt für dich ist es eigentlich ein Glück, weil du sagen kannst, wunderbar, es steht für mich nicht in Konkurrenz, weil ich auch sagen kann, das gute Wetter zum Klettern, da muss ich nicht fliegen gehen beziehungsweise wäre jetzt auch nicht… Ja

29:52Fabian Buhl

doch, momentan steht es in Konkurrenz, weil ich einfach ziemlich flugabhängig bin momentan oder addicted, von dem her eigentlich jeden Tag fliegen will

30:03Fabian Buhl

und von dem her gerade weniger Zeit, nicht weniger Zeit, ich betreibe das ja als Hauptberuf, von dem her habe ich ja genügend Zeit, in der Früh fliegen gehen, dann Klettern gehen und dann nochmal fliegen gehen oder so.

30:17Lucian Haas

Wenn man mal nochmal ein bisschen diese Kombination sich anguckt, kennst du eigentlich den Franzosen Antoine Girard?

30:24Fabian Buhl

Ja sicher, sicher.

30:26Lucian Haas

Der ist ja

30:26Fabian Buhl

auch schon…

30:26Lucian Haas

Das ist

30:26Fabian Buhl

mega beeindruckend.

30:28Lucian Haas

Der ist ja mit seinem Gleitschirm über den Broad Peak im Himalaya geflogen und sowas und der hat auch in den letzten Jahren auch große Projekte gemacht, wo er gesagt hat, er will auch quasi eine neue

30:40Lucian Haas

Bergsteigedisziplin begründen und die nennt er dann das Fly and Climb, wo er sagt, okay, ich will mit dem Gleitschirm mich wirklich zu dem Berg hin bewegen und schon Teile des Aufstiegs einfach mit dem Gleitschirm erledigen und sowas. Das

30:51Fabian Buhl

ist ja genau das, was ich auch machen will. Ich bin vor zwei Jahren ins Jogter Valley, ins Basecamp gelaufen, da schlappt man einfach sieben Tage hin, weil man nicht akklimatisiert ist, weil man dauernd irgendwelche Gletscherbäche oder Gletscher traversieren muss. Das ist wahrscheinlich nicht mal… An einem guten Tag ist das wahrscheinlich nicht mal ein Tag, wo man fliegt bis dahinter und dann sitzt man halt im Basecamp und dann kann man da versuchen zu klettern und mit dem Gleitschirm kommt man halt definitiv auch über Gletscherabbrüche an Wände hin, die man sonst halt nicht angehen kann oder die viel zu aufwendig sind. Weil man einfach zu Fuß halt nicht über den Gletscherabbruch kommt. Also ich glaube, da gibt es schon Potenzial für richtig coole Sachen in der Zukunft, wenn man halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

31:42Lucian Haas

Ist das denn nur etwas, was dann auch wie jetzt beim Antoine dann im Himalaya interessant ist oder gibt es auch Routen und bestimmte Zustiege in den Alpen, wo du sagst, da wäre dieser fliegende Zustieg auch noch super?

31:54Fabian Buhl

Es gibt auch in den Alpen, allein wenn man an Schuras denkt, zum Beispiel Schuras, das ist jetzt nicht ein ewiger Hatsch, aber da läuft man von der Mer de Glace, von der Bahn sicher, ja, da muss man auch einen Tag vorher loslaufen, weil man dann schläft man da an der Lechauxhütte oder unter der Wand, dann klettert man was und dann steigt man wieder ab. Mit seinem Leichtschirm könntest du jetzt im Prinzip Aguidimidi hoch, rüberfliegen, Schuras irgendwas klettern und von der Schuras abends wieder runterfliegen. Also es gibt, es gibt wahnsinnig, wahnsinnig viel Potenzial und das ist nur ein Beispiel, weil das natürlich schon jemand gemacht hat. Es gibt nur viele andere Beispiele, wo in meinem Kopf sind, wo es sinnvoll einzusetzen ist und was deutlich effektiver ist.

32:42Lucian Haas

Gibt es auch in deinem Freundeskreis von Kletterern auch noch mehr Leute, die wirklich in diese Richtung denken und mehr in diese Richtung arbeiten wollen?

32:48Fabian Buhl

Ja, es gibt schon definitiv in meinem Freundeskreis Leute, die stark im Alpinismus sind und die auch fliegen.

32:55Lucian Haas

Und die auch beides miteinander so kombinieren wollen? Ja. Wie siehst du deine eigene weitere Karriere im Gleitschirmfliegen? Immer nur in dieser Kombination eigentlich mit dem Alpinismus oder wenn du sagst, nee, ich bin auch so fluggeil auch sonst, dass du sagst, Streckenfliegen und sowas könnte mich auch mal interessieren oder ist

33:13Fabian Buhl

das? Nein, nein, ich will schon erstmal vernünftig fliegen lernen, dass ich auch das, ja, und Streckenfliegen interessiert mich wahnsinnig, weil man einfach sich wie beim Klettern in megaschöner Landschaft begegnet. Und wenn ich zum Beispiel irgendwo über, zwei, drei Tage irgendwo hinfliegen kann, autonom dann irgendwo klettern gehen und wieder zurückfliegen, das ist jetzt, besser geht's nicht. Aber da dazu muss ich halt einfach, muss man halt verdammt gut fliegen, weil wenn ich sehe, was wirklich gute Piloten halt an Strecke machen oder,

33:44Fabian Buhl

das ist natürlich sehr beeindruckend für mich, oder? Weil das ermöglicht, du musst ja nur die Alpenkarte ausbreiten und dann geht der Spielplatz los. Du könntest ja theoretisch im Sommer an jedem Berg, an dem du klettern willst, hinfliegen.

34:01Lucian Haas

Schöne Aussicht. Nun lebst du ja auch von deiner Kletterei. Ja, du hast die Sponsoren, die dich finanzieren. Ist für die das auch interessant, wenn du sagst, ich habe jetzt auch angefangen, Gleitschirm zu fliegen oder sagen die, nö, bleib mal lieber bei deinem Kletterleisten?

34:14Fabian Buhl

Na ja, meine Sponsoren, die lassen mir komplett meine Freiheiten, was ich will. Also die stehen so hinter mir. Die sind happy, wenn ich meine Aktionen mache. Aber was ich mache oder wann ich das mache, da habe ich komplett Freiraum. Also für die ist es natürlich cool, die Aktion am Tore. Und die fanden das wirklich alle cool und haben das dann auch halt gepostet und gepusht. Aber für die wäre das jetzt, ob ich jetzt irgendeine andere schwere Route an einem harten Berg klette, kommt das gleich heraus.

34:48Lucian Haas

Aktuell ist es ja ein bisschen schwer für dich, dass du auch mit deiner Gleitschirmkarriere oder was auch immer ein bisschen weiterkommst. Wir befinden uns immer noch im Corona -Lockdown. Was heißt das eigentlich für dich als Profi -Kletterer? Musstest du schon viele Projekte für dieses Jahr deswegen auch absagen? Und wie planst du dann sowas um?

35:04Fabian Buhl

Also nach Patagonien wollte ich eh nur klettern und wieder richtig fit werden, weil nach so einer Expedition muss man halt wieder ein bisschen Kraft aufbauen. Und dann, ob die nächsten Expeditionen jetzt zustande kommen oder nicht, das hängt natürlich von dem Corona ab. Aber ich bin recht happy, dass ich im Allgäu wohne. Hier gibt es schon genügend zu machen. Auch mit Corona oder ohne Corona. Aber zum Fliegen kommst du dann ja

35:29Lucian Haas

zur Zeit klarerweise nicht. Wechselt da auch für dich irgendwie täglich die Sehnsucht für die Berge oder für die Fliegerei? Auch für die nächste Kletterroute? Ja

35:38Fabian Buhl

klar, zum Streckenfliegen oder so hätte ich jetzt so Lust, weil jetzt auch einfach Thermik so gut war. Also ich meine, wenn man halt jetzt auf Ausdruckkontrolle geschaut hat, das war ja mega immer. Und man kann halt jetzt nicht einfach irgendwo aufziehen und halt irgendwo hinfliegen. Da hoffe ich schon irgendwann, dass es Lockerungen gibt. Weil im Prinzip Motorradfahren,

36:03Fabian Buhl

Kitesurfen, Windsurfen darf man auch. Gleitschirmfliegen darf man nicht.

36:09Lucian Haas

Wenn du jetzt einem Gleitschirmflieger, der nicht klettert, der aber sportlich gut dabei ist, wenn du den fürs Klettern begeistern wolltest, mit was würdest du ihn am ehesten locken?

36:20Fabian Buhl

Das kommt ganz darauf an, ob ihm generell Sport, wie Sport taugt oder ob er das Gleitschirmfliegen eher wegen der Natur macht. Wenn er es eher wegen der Natur macht, dann leichte Grate, so leichte, lange Grate in den Alpen, weil das einfach wahnsinnig geile Tage sind, so einen schönen Grat zu machen und ein bisschen eine Kletterei dabei haben, sich in super Natur zu bewegen. Wenn ihm aber die reine sportliche Herausforderung taugt, dann würde ich einfach in eine Boulderhalle gehen, oder in einen Boulderfelsen und versuchen so schwerere Züge zu machen, weil das ein brutal athletisches, spielerischer Sport ist.

37:05Fabian Buhl

Man kann aber gerade dieses Bergsteigen und das reine Klettern, das kann man nicht wirklich miteinander vergleichen. Man kann nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen. Das sind zwei komplett unterschiedliche Sportarten, die auch komplett unterschiedliche Anforderungspotenziale haben. Wenn ich zum Beispiel Bergsteigen gehe, dann bin ich danach sicher extremst schlecht im reinen Klettern oder im reinen Meersalen -Klettern. Wenn ich allerdings nur Sportklettern oder nur Bouldern gehe, dann bin ich natürlich auch extremst schlecht im reinen Alpinismus, weil das mehr auf die Ausdauer geht, mehr auf andere Sachen, auf die Planung, und das andere geht eher auf die reine Kraft und um seine physischen Grenzen zu verschieben.

37:50Lucian Haas

Nun machst du ja beides, und bist auch eigentlich damit bekannt. Das heißt, das ist einer, der wirklich die verschiedensten Disziplinen beherrscht. Wie lange brauchst du, um von der einen quasi in die andere dich umzuschalten oder deinen Körper umzubauen oder was auch immer du da machen musst?

38:05Fabian Buhl

Ja, das ist gar nicht so verkehrt gesagt, mit dem Umzubauen, weil man muss natürlich schauen, dass man Muskulatur aus den Beinen irgendwie in den Oberkörper bringt und auch wieder halt flexibel, also mit Dehnen, mit Trainieren und so. Also meistens mittlerweile, je nachdem, wie schwer das jegliche Projekt ist und wie schwer das davor war oder die Zeit davor, sind es meistens zwischen ein bis zwei Monate. Und das ist das auch, wieso ich das in diesem stetigen Wechsel betreibe, dass einfach die Pause zu einer Disziplin nicht zu lang wird, weil sonst wird es immer härter, wieder damit anzufangen oder vor allem dann halt auf so ein hohes Niveau zu kommen. Aber das ist auch das, was es für mich extremst interessant macht. Das ist auch das, was mir dabei taugt, dieser stetige Wandel.

38:50Fabian Buhl

Und trotzdem in jeder Disziplin konstant besser zu werden.

38:54Lucian Haas

Aber fürs Gleitschirmfliegen ist es egal, in welchem Status du quasi Kletter, Bergsteiger... Genau,

38:59Fabian Buhl

fliegen geht immer.

39:01Lucian Haas

Fliegen geht immer.

39:02Fabian Buhl

Genau, ja.

39:03Lucian Haas

Okay, und wenn du jetzt deine Kletterkollegen fürs Gleitschirmfliegen begeistern musst, was erzählst du denen dann?

39:10Fabian Buhl

Dass es nicht gefährlich ist und dass es Spaß macht, einfach irgendwo runter zu fliegen und nicht runterlaufen oder abseilen muss. Oder dass man zum Beispiel beim Akklimatisieren,

39:21Fabian Buhl

nicht einfach in Peru nicht einfach auf 5.500 oder 6.000 Meter hochläuft und wieder runterläuft, sondern man kann halt länger oben bleiben und dann fliegt man halt direkt zum Café nach Huaraz runter.

39:32Lucian Haas

Das sind dann 5.000 Höhenmeter Unterschied, oder?

39:35Fabian Buhl

Nein, nach Huaraz sind es 2.500, aber auch nicht schlecht. Gute Box. Hast

39:40Lucian Haas

du das schon gemacht?

39:41Fabian Buhl

Nein, da habe ich noch keinen Schirm gehabt. Aber das sind also Sachen, die komplett problemlos gehen und mit denen ich definitiv andere auch fürs Gleitschirmfliegen motivieren kann oder will.

39:55Lucian Haas

Was wäre für dich nach dem Cerro Torre nun dein nächster großer Traum, wo du sagst, da würdest du gerne beides mal miteinander kombinieren?

40:03Fabian Buhl

Da gibt es viel, aber wie bei meinen Kletterprojekten über das spreche ich nicht. Bei mir gibt es Sachen, also für mich gibt es Sachen, ich habe keinen Druck von meinen Sponsoren, ich will mir selber keinen Druck machen, indem ich von irgendeinem Projekt in der Öffentlichkeit rede, das ich nur in meinem Kopf habe, das ich zwar verfolgen will und wo ich hinfahre und wo ich sehr hart dafür trainiere, aber ich will nicht, dass das Projekt von jemand anderem außer meinem Partner wirklich bekannt ist. Einfach um den Druck niedrig zu halten, ganz einfach.

40:36Lucian Haas

Okay, dann lassen wir einfach die Spannung an dieser Stelle so stehen. Fabian, ich danke dir für das Gespräch, danke für diese Einblicke in die Gedankenwelt eines Gleitschirmfliegen Kletterers oder eines kletterfliegenden Gleitschirmfliegen. Bei dir liegt ja noch der Schwerpunkt hauptsächlich auf dem Klettern, aber das kann sich ja in den nächsten Jahren, so wie es klingt, immer noch weiter zum Fliegen noch stärker hin verlagern.

41:00Fabian Buhl

Ja, ich glaube, es kann sich dahin verlagern, aber dass ich so gut fliege wie ich kletter, ich glaube, das wird nicht mehr vorkommen.

41:10Fabian Buhl

Dazu fliegen andere Leute einfach viel zu gut, wenn ich das sehe, was da gemacht wird.

41:17Lucian Haas

Wobei dann immer die Frage ist, was man als gut fliegend nimmt, ob man da nur sagt, die entsprechende Strecke, die geflogen wird oder sowas. Da ist wahrscheinlich diese technische Einstufung, die es beim Klettern gibt, auch noch anders zu sagen, ob jemand gut klettern kann oder nicht, als beim Fliegen, dass man sagt, der fliegt gut oder nicht.

41:32Fabian Buhl

Ja, beim Fliegen ist einfach diese Effizienz von einem guten Pilot, die ist beeindruckend.

41:37Lucian Haas

Dafür hast du die Rieseneffizienz beim Klettern. Fabian, ich danke dir. Ja, danke auch. Und ja, wünsche dir noch gutes Durchkommen in dieser Corona -Zeit. Mögest du bald wieder freier auf die Berge hinaus können und dann auch wieder herunterfliegen?

41:50Fabian Buhl

Das hoffe ich für uns alle. Dann können wir mal wieder rausgehen.

41:59Lucian Haas

Das war Fabian Buhl im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du noch mehr über Fabians Aktivitäten als Bergsteiger und Gleitschirmflieger erfahren willst, so findest du in den Shownotes zu dieser Podcast -Folge auf Lu-Glidz eine Reihe von weiterführenden Links. Unter anderem auch zu einem Video, das Fabians Flug vom Cerro Torre zeigt.

42:20Lucian Haas

Auf Lu-Glidz wie auch Soundcloud und den verschiedenen Szenen der meisten Podcast -Katalogen wie iTunes, Spotify, Google Podcast etc. kannst du bereits viele weitere interessante Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens finden. Fast alle sind zeitlos erzählt und zeigen, welche große Bandbreite an faszinierenden Persönlichkeiten und deren Stories in der Gleitschirmszene zu finden sind. Am einfachsten ist es, wenn du Podz-Glidz direkt in deinem Podcast -Player abonnierst. Aber vergiss nicht, wenn du auch in Zukunft noch weitere Folgen von Podz-Glidz hören willst, dann unterstütze doch dieses Projekt. Wie das geht, steht auf der Website von Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern. Ich danke fürs Zuhören wie für die Unterstützung. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

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