Auf jeden Fall kamen die Leute dann immer her und sagten zu uns, Ruski, Ruski, Ruski, nein, ich nix, Ruski, Germanski, Tedesco und Deutschland, Bayern, München und so weiter, irgendwelche deutschen Wörter.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Robert Blum und Lucian Haas am Mikrofon. Robert
Blum aus Oberstdorf hat in den vergangenen Jahren immer wieder spannende Hike -and -Fly -Abenteuer unternommen. Zusammen mit seinem Flieger -Buddy Andi Egger flog er 2015 die Gebirgskette des Hohen Atlas in Marokko entlang. 2017 folgten sie den Hochtälern Nepals. Die Videodokumentationen dieser Reisen auf YouTube liefern inspirierende Beispiele dafür, was fliegerisch mit dem Gleitschirm als Fortbewegungsmittel möglich ist. Das jüngste große Abenteuer führte Robert und Andi 2018 nach Griechenland. Dann nach Georgien in den Kaukasus. Wieder hatten die beiden auch einen großen Film geplant, doch daraus wurde nichts. Die Reise verlief ganz anders als erhofft und Robert gesteht, dass er am Ende nicht mehr wusste, wie er die Irrungen und Wirrungen zu einem roten Faden für eine längere Dokumentation verspinnen könnte.
Zu erzählen gibt es dennoch viel und das tut Robert in dieser Folge von Podz-Glidz. Es geht unter anderem darum, wie Überraschungen die Würze von Gleitschirmfliegen und Abenteuern ausmachen, wie man aus unweigerlichen Tiefpunkten wieder herausfindet, wie man durch Länder reisen kann, in denen man die Sprache überhaupt nicht versteht und wie man mit dem Stress umgeht, in unbekannten Regionen ohne Handynetz über völlig unlandbaren Gelände unterwegs zu sein. Bei all dem kommt auch viel Hintergründiges zum Hike and Fly zur Sprache. Ich spreche mit Robert über Ausrüstung, Wetterkunde, die Vor - und Nachteile des Fliegens im Team und Tipps für den Einstieg in diese vielleicht faszinierendste Variante der Gleitschirmfliegen.
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Robert, was ist für dich ein erfüllender Flug?
Oh, da gibt es viele Antworten. Erfüllende Flüge sind eigentlich die, die unerwartet sind, möchte ich sagen. Weil oft in kurzen Hosen nur einen kurzen Abgleiter machen, und dann trägt es thermisch mich irgendwo hin. Und egal, ob es dann 20 Minuten sind oder 50 Minuten, eiskalt oben an der Basis angekommen, das Unerwartete, das finde ich unglaublich toll. Was mich dann immer wieder beim Fliegen so auch überrascht. Es kann auch ein neues Gelände sein irgendwo.
Nun bist du ja ein sehr erfahrener Pilot, fliegst schon seit 1986 und so weiter. Wie häufig passiert es dir noch, dass du wirklich Überraschungen im Flug erlebst?
Oh, doch hin und wieder. Gerade jetzt vor ein paar Tagen, als man wieder fliegen durfte, war genau die Situation, die ich gerade beschrieben habe. Kurze Hosen, ich wollte nur kurz runterfliegen, einen kleinen schnellen Abgleiter abends machen. Und das hat mich hochgedengelt wie ein Korken bis an die Basis. Und mit einem riesigen Grinsen bin ich dann eine halbe Stunde später gelandet. So etwas ist einfach unerwartet schön. Wenn
du schon an der Basis warst, warum bist du dann nach einer halben Stunde gelandet? Weil dir zu kalt war?
Ja, weil ich kurze Hosen, T -Shirt, weil eigentlich nur ein kleiner Abgleiter, ein schneller Abgleiter geplant war und ganz leichte Ausrüstung dabei. Nur eigentlich schnell mal runterfliegen, ein bisschen bewegen und ja auch natürlich in Sachen Corona keine Aufmerksamkeit hier erregen. Und ich finde es immer noch ganz gut, wenn man das Ganze ein bisschen still hält und nicht viele Flieger am Himmel sieht. Und sich da keine Gedanken macht drüber.
Das war jetzt der erfüllende Flug. Was ist für dich ein erfüllendes Abenteuer?
Ja, Abenteuer. Es gibt so viele Abenteuer, auch viele, die ich schon gemacht habe. Aber das sind eigentlich so die ganzen Situationen, die man neu erlebt und auch neu überstehen muss, die man einfach dann handeln muss. Und das muss ja nicht unbedingt ein Abenteuer in einem fremden Land sein, sondern einfach kann das auch ein Abenteuer hier mit einer Situation sein, die man vorher noch nie hatte.
Windsituation, Wolkensituation, Gewittersituation oder dass man das eigentlich gut handelt und da wieder gut rauskommt. Das sind schon für mich solche Abenteuer. Dann die andere Geschichte ist natürlich eine Reise. Das ist ein ganz anderes Erlebnis, Abenteuer.
War deine Hike -and -Fly -Reise in den Kaukasus 2018 ein besonders erfüllendes Abenteuer?
Ja, die Kaukasus -Reise, die war jetzt schon mal ganz anders, wie wir uns das auch so gedacht hatten. Ich wollte immer einen Film draus machen, aber das war so schwierig, dass mir das gar nicht gelungen ist. Weil der Titel wäre eigentlich gewesen von dem Film Eine Tour mit Hindernissen. Unsere anderen Touren, die wir gemacht haben, die waren ganz einfach von Punkt A nach B mit gewissen Schwierigkeiten zwischendrin, so das ganz normale Fliegerleben. Kein Wasser, dieses und jenes. Aber die Struktur beim Kaukasus, die war eigentlich auch geplant von A nach B zum Fliegen. Aber aufgrund vom Wetter, aufgrund von Wind, von politischen Situationen, allen möglichen Faktoren, haben wir das mehrmals wieder alles ändern müssen.
Und das ist komplett die Tourplanung zusammengestürzt. Und wir haben einfach das Beste draus gemacht. Wir sind fliegen gegangen, wann es möglich war. Das war eigentlich auch im Großen und Ganzen dem Wetter geschuldet. Sehr schwierig dort.
Fangen wir mal ein bisschen von vorne an, weil es ist ja vielleicht nett, das mal ein bisschen nachzuerzählen. Aber wie bist du eigentlich ursprünglich überhaupt auf die Idee gekommen, in den Kaukasus zu fahren und dort fliegen zu können? Oh,
da muss ich jetzt erst einmal noch ein bisschen nachdenken. Das ist schon eine ganz, ganz lange Zeit her. Und ich hatte damals, ich glaube mit dem Boxi sogar, Kontakt. Schon 2013 oder sowas. Also meine Biwaks, die haben so 2009, 2010 angefangen. Und irgendwann habe ich dann mal gedacht, ja, man könnte ja eigentlich auch mal mit dem Gleitschirm reisen. Und da ich als junger Kerl mal im Kaukasus war und der ganze Gebirgszug, die Leute und mich alles so fasziniert haben, habe ich gedacht, ja, man könnte ja eigentlich mal da so von A nach B irgendwie reisen. Ich glaube, das war mit dem Boxi, wo ich damals telefoniert habe. Und der hatte auch damals die Idee schon durch den Kaukasus.
Und wir sind dann aber beide übereingekommen, dass es aufgrund der politischen Lage, da war ja 2008, war dieser Konflikt in Süd -Ossetien mit Russland. Und das war alles nur so politisch und militärisch, dass wir gesagt haben, da führt jetzt im Moment gar kein Weg dran hin. Und jetzt 2018 oder 2017, am Ende, haben wir die ganze Idee kurz nochmal aufgegriffen und haben dann versucht, Kontakte zu klüpfen. Und es ging alles besser. Die Informationen haben wir erhalten. Aber es war halt keine Einreise durch Russland. Sondern nur Georgien und Aserbaidschan. Alles andere ist einfach politisch da schwierig.
Und dann haben wir gesagt, okay, wir probieren das jetzt mal. War eine sehr schöne Reise.
Du hast gesagt, ihr hattet so einen Plan von A nach B zu fahren. Was war denn in diesem Fall vom Kaukasus geplant A und was war geplant B in diesem Fall?
Ja, die ursprüngliche Idee war immer die, von Sochi nach Bako zu fliegen. Das ist eine ganz schön lange Strecke, so durch Russland. Dann mitten im Kaukasus dann den Wechsel machen von der eher Nordseite auf die georgische Südseite. Dann auf der Südseite in Georgien entlang nach Aserbaidschan und den Rest so weit es geht, weil das Gebirge läuft ja dann auch so flach aus und wird immer schwieriger, denke ich, bis nach Bako zu kommen und da wieder heimzufliegen. Ja, aber da war überhaupt gar kein Weg dran, irgendwie in Russland zu fliegen. Wir haben versucht, ein Dreivierteljahr lang Kontakte zu machen. Also Knüpfen über Facebook, über Mail, über Telefon, über Facebook.
Wahnsinnig viele Kontakte mit einheimischen Fliegern und sowas gemacht. Und die haben uns alle für verrückt erklärt und haben uns abgeraten.
Wegen der politischen Situation oder wegen der fliegerischen Situation?
Nein, wegen der politischen Situation, weil dort auch scheinbar in jedem Tal oben auf 2000 Meter irgendwo ein Posten ist. Und es sehr viel kontrolliert wird, was dort gemacht wird. Und das ist einfach so eine Reise, sage ich, ist von Haus aus immer schon ein großes Risiko, was man so körperlich eingeht und hat schon einen gewissen Stressfaktor auch. Man sieht ja in den ganzen Berichten nicht die Leiden, die da drin sind, sondern nur die schönen Sachen immer. Was da auf einen zukommt, wenn das Ganze jetzt noch militärisch, politisch und sowas ist, was das noch an Stressfaktor zusätzlich ist. Den brauche ich nicht und den will ich nicht. Und deshalb sind solche Sachen dann für mich vornherein schon ausgeschlossen.
Das heißt, der Teil mit Russland ist dann rausgefallen. Aber dann hast du, ihr seid ja trotzdem dann dorthin gefahren und hattet immer noch einen Plan, auch wenn er jetzt ein etwas kleinerer war. Was war denn in dem kleineren Plan, also Startort A und Endort B?
Ja, erst war der Plan von Baku, also von Osten vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer irgendwie zum Fliegen. Dann haben wir uns mit dem Wetter gekümmert. Irgendwie war das dann auch so mein Fehler, muss ich sagen, dass ich gesagt habe, okay, ich möchte jetzt doch von Westen nach Osten fliegen, weil ich denke, die Wetterlage ist eigentlich mehr die Westwindlage da unten. Jetzt hat es aber zwei verschiedene oder drei verschiedene Wind -Wettersysteme da unten. Bis 3500 Meter hast du ungefähr eine sehr starke Ostlage und drüber hast du die Westlage. Alles wenn du drüber bist, schiebt dir der Wind, aber du bist oft einmal nicht so hoch. Und das ist natürlich das große Problem, dass du da sehr gefordert bist von der Art und Weise, wie du fliegen kannst.
Aber nochmal zurückzukommen. Der Plan war dann von Westen, von Georgien, vom ziemlich westlichen Teil von Mestja bis nach Baku zu fliegen. Und das ganze Süd -Ossetien, das macht ja so eine Ausbuchtung in Georgien rein, wie so eine Beule nach Süden runter, das einfach auszuklammern, mit dem Bus außen rumzufahren, wieder in die Berge hineinzufahren und von dort aus weiterzufliegen. Der erste Teil hat eigentlich ganz gut funktioniert. Wir sind bis nach Mestja geflogen mit dem Gleitschirm und dann von dort aus weiter, da haben wir den Süd -Ossetien -Teil mit dem Auto dann umfahren bis Tiflis, haben dort auch schlechtes Wetter aussitzen müssen und haben uns mit den einheimischen Fliegern dann auch unterhalten über Wind und Wetter.
Und dann ging das ganze eigentlich los, dass wir so viel schlechtes Wetter hatten, immer wieder Gewitterstämme, viel Wind drin hatten, dass wir mit den einheimischen Fliegern mal weggeflogen sind. Zum Fliegen gegangen sind und gemerkt haben, hoppla, wir müssen wirklich von Osten nach Westen gehen. Das haben wir dann probiert, das hat nicht hingehauen. Es wurde wieder feucht, wir mussten viel wieder laufen und alles und dann sind wir wieder ein paar Tage in Tiflis gesessen, weil einfach Wetterpech war. Dann haben wir es nochmal probiert, nochmal von Osten die gleiche Route noch einmal, sind wieder bis ungefähr an den selben Punkt gekommen und haben dann festgestellt, ja, es funktioniert einfach nicht so mit dem ganzen Wetter, wie wir uns das vorgestellt haben.
Dann lass uns das Beste draus machen, lass uns fliegen gehen, lass uns die Landschaft, die Gegend, die Leute erkunden und das haben wir dann auch mehr oder weniger gemacht.
Wenn man so viel in die Vorbereitung schon steckt und sich so reindenkt und sonst was und dann kommt man, ist man dann vor Ort und stellt dann fest, das Wetter spielt einfach nicht so einem in die Karten, wie man das gehofft hat. Bist du dann in solchen Situationen? Nein,
weil wir sind ja beide Flieger und das Fliegen, das lebt von den ganz kurzen Augenblicken. Links, rechts, links, rechts, hoch, da rüber oder sowas. Man muss ganz blitzschnell auch Entscheidungen treffen und wenn es nicht geht und wenn es sonnenklar ist, dann, man muss analysieren, abwägen und dann eine Entscheidung treffen und dann nach vorne schauen. Und da bin ich eh so der Typ dazu, der alles sehr analytisch macht, sich einen Plan zurecht legt, aber genauso, wenn der Plan nicht funktionieren kann, auch beim Streckenfliegen, dann wird einfach umgedacht, improvisiert und das Beste draus gemacht.
Du sagst, wir beide, das war der Andi Egger, mit dem du da immer unterwegs bist, da warst du auch vorher schon, 2015 wart ihr im Hohen Atlas in Marokko unterwegs, 2017 wart ihr in Nepal unterwegs und so weiter. Hat der eine ganz ähnliche Denke wie du oder ergänzt ihr euch, weil du bist der vielleicht etwas vorbereitende, logische Kopfmensch und er ist der, der das macht? Der Bauchgefühlsflieger?
Ja, so ähnlich kann man das schon sagen, aber nicht ganz so. Also wir haben schon sehr die gleiche Art und Weise, so im Denken speziell aufs Fliegen, der dir jetzt das so ummünzen, wie du das gerade gesagt hast. Ich bin vielleicht derjenige, der die Struktur und die Route immer macht, der auch gerne ein bisschen hervorfliegt und der Andi hilft mir dann eher bei der Thermik und somit ergänzen wir uns. Flieger ist eigentlich sehr optimal. Unser Flugstil ist eh sehr defensiv, weil es kommt nicht auf die maximale Anzahl von Kilometern an, sondern einfach nur aufs Weiterkommen oder auch vielleicht auch mal irgendwo was sehen, was einlanden, was anschauen und somit kommen wir wirklich durch gute oder durch schwierige Situationen sehr gut durch.
Wenn du jetzt sagst, ihr habt schon ein bisschen unterschiedlichen Flugstil, auch wenn ihr viel gemeinsam fliegt, wenn ihr da so unterschiedlich seid, wie schafft ihr es, trotzdem bei solchen Strecken, das fällt ja immer auf, auch wenn man sich die Filme von euch anguckt, ihr landet häufig wirklich quasi am selben Spot, zehn Meter auseinander oder sowas. Wie schafft man es, gerade bei so schwierigen Gelände, was man auch nicht kennt oder sowas, so wirklich gemeinsam fliegen zu können?
Ja, wir fliegen einfach miteinander, sehr, sehr eng miteinander. Und wenn es so Situationen gibt, wie im Kaukasus, war die Basis sehr tief. Ja. Und wir mussten beide oft in die Wolken hineinfliegen und dann in eine Richtung weiter. Oft war es dann so, dass der eine 15 Grad mehr links geflogen ist, der andere 15 Grad oder geradeaus geflogen ist. Nach drei Kilometern bist du so weit auseinander in den Wolken oder unter den Wolken, du siehst die nicht mehr, du findest die fast nicht mehr in der Gegend. Das ist dann schon ein bisschen Problem. Aber wenn man so eine Linie hat, die man fliegen will, man weiß, es geht die Ritsch entlang, dann trifft man sich auch wieder. Und man ist ja nicht eine halbe Stunde auseinander, was beim Fliegen ein sehr großer Abstand ist, sondern nur ein paar Minuten.
Und wenn man umherschaut, wachsam ist, dann findet man sich auch wieder. Aber das Fliegen speziell an sich, wenn es, ist schon sehr eng bei uns. Miteinander in der Thermik. Wir haben immer einen Wahnsinns -Spaß, wenn wir miteinander Flügel an Flügel hochfliegen. In der Thermik sind. Und wir kommunizieren auch sehr, sehr viel in der Thermik. Bis wir oben an der Orke sind, wenn es eine hat, wird übermittelt, wo geht es hin? Was ist dort? Was meinst du? Dort wird viel, viel kommuniziert über den nächsten Weg oder die nächste Talquerung, was gerade ansteht.
Kommunizieren heißt bei euch aber wirklich miteinander reden, quasi zu brüllen. Was meinst du jetzt? Und jetzt da hinten geradeaus? Ja, wohin?
Wohin? Keine Ahnung.
Ja, das Übliche, ja.
Habt ihr denn auch Funk dabei für die Fälle, wo ihr euch wirklich mal verlieren würdet? Oder ihr sagt, okay, in der Wolke. Der eine ist jetzt vielleicht drei Minuten woanders hingeflogen. Aber dann hat man sich halt wirklich schnell verloren.
Also Funk haben wir keinen dabei, weil das ist einfach auch eine Gewichtssache. Funk musst du auch wieder laden, was Energie kostet. Und Funk hatten wir das allererste Mal in Marokko, hatten wir so ganz kleine Funkgeräte dabei. Aber nie genützt, weil einfach die Kommunikation beim engen Fliegen ausgereicht hat. Und wir waren auch in der Situation, dass wir eigentlich immer beieinander waren und nie so auseinander. Dass man sich so gesucht hätte, dass man jetzt wirklich verzweifelt gesagt hat, hey, wo bist du? Gib mir mal irgendwo einen Hinweis oder ein Zeichen. Das heißt, ihr habt euch auch nie verloren, gewissermaßen? Ja, nicht ganz.
Einmal hatten wir uns schon verloren, aber es war dann wieder Sichtkontakt. Und das ist einmal in Marokko, der Andi ist über eine Ritsch drübergekommen. Ich bin nicht drübergekommen. Ich musste zurückfliegen, ganz tief nochmal aufbauen. Und ich wusste ja, Andi ist weitergeflogen. Die Richtung war klar. Also war logisch, irgendwo wird er entweder einlanden oder parken und auf mich warten. Und ich habe mein Bestes gegeben, habe versucht, so schnell wie möglich hinterher zu fliegen. Und irgendwo an einem Berg ist er dann geparkt, hat da gesort und gesort und gewartet, bis ich gekommen bin. Und dann ging es zusammen weiter.
Habt ihr das als Regel auch vorgegeben, also immer zusammen zu bleiben? Und was wäre, wenn jetzt einer mal absaufen würde, du kannst oben top landen und der Andi, oder kann ja auch andersrum sein, auf jeden Fall einer landet unten vielleicht im Tal und man weiß jetzt, der braucht drei Stunden mindestens, um hier wieder hochzulaufen. Sitzt du das dann oben aus oder würdest du dann sagen, nee, wir sind ein Team, ich fliege jetzt auch runter und latsch mit ihm das ganze Zeug wieder hoch?
Ja, das ist so eine Abwägungssache. Also wir haben schon strikte Regeln, die heißt, wir landen miteinander, immer. Bei drei Stunden würde ich jetzt wahrscheinlich drei Stunden aufsteigen. Das kann man jetzt nicht so ganz vergleichen mit einem Alpenaufstieg. Ein drei Stunden Aufstieg mit 25 Kilo Biwak -Ausrüstung, mit Wasser und Essen dazu, das ist schon eine harte Nummer. Und da ist dann schon gut, wenn man einfach zu zweit ist. Da würde ich dann runterfliegen, wenn ich weiß, okay, das ist eine halbe Stunde oder sowas. Und er weiß ganz sicher, wo ich bin, ohne weiteres. Er sieht mich. Ich würde den Schirm oben liegen lassen, dass er mal sieht, der Weg ist klar.
Dann würde ich vielleicht nicht runterfliegen. Aber normalerweise ist ausgemacht, man fliegt miteinander und es wird miteinander gelandet. Und wir hatten auch immer, wenn es schwierig wird, vorab irgendwelche Notfallpläne, bevor wir gestartet sind, ausgemacht. Was ist, wenn irgendwas nicht passiert? Was wird dann gemacht? Wo fliegen wir hin? Wo landen wir ein? Was können wir tun? Wo treffen wir uns? Es wurden ganz Sachen immer wieder individuell besprochen.
Wenn man sich die Filme von euch anguckt, auch von so kleinen Schnipseln von Kaukasus, die du ja zumindest auf deiner Facebook -Seite, hast du da jetzt in den letzten Tagen immer mal wieder auch was ausgespielt davon, da sieht man, ihr seid teilweise einfach über Gegenden unterwegs, wo man sieht ein langgezogenes Tal, untenrum eigentlich nur wirklich fast enge Klammen. Ein Flüsschen oder ein Becher. Ein Blechlein, was unten durchfließt, ansonsten an den Flanken erstmal nur Wald. Da kann man eigentlich gar nicht landen. Wenn man dann da absäuft, ist man eigentlich wirklich gearscht, gewissermaßen. Wie gehst du mit solchen Situationen um, wenn man in solchem Gelände fliegt, wo man weiß, ich muss jetzt hier eigentlich oben bleiben? Was machst du mit, das ist ja auch Stress, also wie gehst du mit solchen Situationen um?
Ja, das ist schon ein ganz großer Stress. Aber man startet oben irgendwo und merkt ja auch, wie der Tag sich entwickelt. Und mit so einer langen Flugerfahrung, wie der Andi und ich haben, können wir das eigentlich relativ gut einschätzen und handeln, den Tag. Wenn es gut geht, dann fliegen wir einfach auch relativ locker über solche Gebiete drüber, weil wir einfach wissen, gut, das können wir, das werden wir irgendwie überstehen, das ist nicht zu schwierig. Wenn es natürlich schwierige Tage sind, die wir auch im Kaukasus hatten, wo wir sehr ums Absaufen gekämpft haben, da wird es dann natürlich schon ein bisschen stressiger, auch weil oft die Situation entsteht, einer ist tief, der andere ist oben.
Da sage ich mal, Andi könnte schon lang weiter fliegen, aber muss auf einen Robot warten, weil der einfach eine Baustelle hat. Bis der Robot wieder oben ist, hat der Andi die Thermik verloren und ist wieder tief. Jetzt muss dann der Robot wieder warten. Bis der Andi oben ist, bis beide dann miteinander an die nächste Ridge oder übers Tal drüber fliegen können. Das sind so die Probleme, die dann eigentlich beim Miteinanderfliegen entstehen. Aber nochmal auf die baumreiche Gegend und sowas. Kaukasus ist schon sehr von der Struktur oben relativ waldfrei. Dann kommt ein ganz, ganz großer Waldgürtel und unten wird es dann wieder flach und frei.
Man kommt mit einem guten Gleitschirm und mit der guten Technik, wenn man nicht zu spät wartet über diesen ganzen Waldgürtel, sicherlich irgendwie drüber. Aber man steht halt dann ganz, ganz unten im Tal und muss halt einen elendlangen Weg, meistens 1500 oder 2000 Höhenmeter, dann wieder aufsteigen. Und das ist natürlich dann Mordsarbeit. Das macht mehr Stress.
Springen wir mal kurz einfach nur vom Beispiel vom Kaukasus weg. 2017 Nepal. Da gibt es so, in einem Film, den du da gemacht hast, gibt es so Sachen, wo ihr dann tief gelandet seid und ihr müsstet euch dann, glaube ich, stundenlang durch irgendwie so einen Bambuswald durchkämpfen, um dann wieder hochzukommen im Grunde. Sind das so Sachen, wo man dann eigentlich nur flucht, dass man da unten gelandet ist?
Ja. Also. Durch den Bambuswald, da waren wir ja schon wieder guter Dinge. An dem Tag vorher, wie ich unten gelandet bin, da ging es mir wirklich so schlecht. Und ich war auch mit den Nerven runter, von der Höhe dehydriert und alles. Ich habe zum Andi gesagt, wie der Andi unten eingetroffen ist, da habe ich gesagt, Andi, ich will jetzt bloß noch in den Karibik. Ich will den ganzen Scheiße nicht mehr.
Ja. Aber dann ist es natürlich gut, wenn man einen Partner hat, der einen in den Arm nimmt und sagt, ah, du, ist ja alles nicht so schlimm, jetzt essen wir erstmal wieder was und trinken wieder was und dann sehen wir weiter. Und der Andi, das ist ja so eine frohe Natur und der ist ja so guter Dinge und sowas. Und da finde ich das immer ganz toll, wenn mich einfach, jeder hat einmal irgendwo so einen Tief in der Natur, in so einem Abenteuer, dass dann der Andi da ist und wieder aufbauen kann.
Und auf der anderen Seite bewundere ich das wahnsinnig, wie Leute, so wie der Platsch oder der Franzose, der durch ganz Himalaya geflogen ist oder der Boxi, die das sowas alleine machen. Also da wäre ich absolut nicht der Typ dafür, das alleine durchzustellen.
Das heißt, zu zweit zu fliegen ist einfach schon, man kann sich gegenseitig Stütze sein.
Man kann sich Stütze, man kann sich eine moralische Stütze sein. Es ist ja auch so eine Kommunikation am Abend. Wir waren im November im Himalaya. Im Nepal, da wird es um 6 Uhr dunkel und um 6 Uhr oder halb 7 Uhr am Morgen, du hast 12, 13 Stunden hast du Nacht. Das ist eine lange Zeit. Was machst du da? Da kannst du nicht viel, musst noch ein bisschen kochen, trinken und dann musst du hinlegen. Aber selbst die geringe Zeit kannst du dich noch mit jemandem austauschen. Du kannst dich über Routen unterhalten oder über Erlebnisse, über Hürden oder was du gerade gesehen hast, über Adler, Tod und Teufel oder über den Schirm. Das ist einfach für mich ein wichtiger Faktor, das einfach mit einem anderen Menschen dann zu teilen.
Du machst das ja, zumindest diese großen Touren, immer mit dem Andi zusammen. Da seid ihr zu zweit. Manchmal machst du aber auch andere Touren. Das habe ich auch schon gesehen, da seid ihr zu mehreren, also noch mehr unterwegs. Wie viel schwieriger ist es, solche Hike -and -Flight -Touren zu machen, wenn man quasi über die Zahl zwei hinausgeht?
Es wird immer schwieriger. Wie genau die Zahl schwieriger wird, kann ich sagen. Das hängt natürlich von den Fliegern ab. Aber das ist wie ein Rudel Kinder. Zwei Kinder kannst du noch viel einfacher bändigen wie eine Harte von zehn. Und so ist es beim Fliegen auch. So hat jeder irgendwo seine Baustelle, sein Problem oder fliegt nicht so schnell oder hat Angst vor den Wolken wie ich zum Beispiel. Ich fliege sehr ungern in Wolken rein. Der eine fliegt rein und ist einfach weg. Und so entzerrt sich das Ganze wahnsinnig. Und man kann das Ganze schon handeln. Wir haben ja so eine tolle Biwaktour hier vom Bodensee an Königssee gemacht, zu acht, wenn man feste Regeln vereinbart, feste Treffpunkte vereinbart und einfach auch so tolerant ist, aufeinander wartet und dann miteinander fliegt.
Dann funktioniert das schon. Aber so eine große Tour, sag ich mal, wie im Kaukasus, wo es wirklich extrem ist, wo es sehr viel auf Flugkönnen und auch heiße Situationen gibt mit Einlanden, das möchte ich also nicht mehr wie drei machen. Auf keinen Fall.
Du bist gerade selber thematisch quasi wieder in den Kaukasus gesprungen. Das kommt mir ganz gut entgegen. Gucken wir uns wirklich nochmal diese Kaukasus -Tour an. Du hast vorhin gesagt, in Nepal war eines deiner tiefsten Momente, wo du halt so wirkst. Wo du wirklich fertig warst von der Höhe und dehydriert und sowas. Dann warst du unten und hattest keinen Bock mehr. Was war dein tiefster Moment, den du da im Kaukasus erlebt hast?
Mein tiefster Moment im Kaukasus?
Ach, da gab es eigentlich nicht viele tiefe Momente. Das waren eigentlich alles aufregende, schöne Momente.
Da gab es nicht viel Negatives, muss ich sagen.
Einmal haben wir eine sehr große, sag ich mal, Angstsituation gehabt. Das könnte man vielleicht als negatives Ereignis nehmen, dass man ins Lee fliegen musste, dass es wahnsinnig gescheppert hat und dass wir einfach Angst gehabt haben. Aber sonst war es eine tolle Reise. Nicht so wie geplant, aber es war mit allem behaftet, was es für Reisen gibt. Von Schwierigkeiten an schönen Sachen, an lustigen Sachen, Kontakt mit Menschen und so weiter.
Gibt es sowas, wo du sagst, das war für dich das größte Highlight oder das Erfüllendste? Weil du ja immer sagst, das Überraschendste ist für dich auch das Erfüllende. Wo war das, wo du im Kaukasus unterwegs warst und gedacht hast, boah, hier will ich jetzt gerade auch sein?
Der überraschendste Moment war eigentlich am letzten Tag, wie es uns ganz unerwartet durch die Inversionslage durchgeschossen hat auf 4000 x Meter, weit, weit über allem drüber, über den Wolken auf der anderen Seite. Es hat zwei verschiedene Wettersysteme in dieser Region gehabt und wir sind dann Richtung Flachland rausgeglitten. Und für uns beide war eigentlich schon klar, das wird unser letzter Tag sein. Und das war ein wahnsinnsvoller Tag. Ein ganz toller happy Flug von ganz oben, weit über der Hauptridge vom Kaukasus, noch 1000 Meter drüber, raus ins Flachland zum Fliegen, das einfach ausklingen zu lassen, dort in einem Dorf zu landen, was zum Essen, was zum Trinken und die Sache einfach abzuschließen.
Das war eigentlich so der mega happy Moment, den wir beide unausgesprochen so durchgezogen haben. Obwohl wir die Reiseroute noch lange nicht beendet hatten, die wir eigentlich vorhatten.
Ist ja interessant, weil in Nepal hattet ihr ein ähnliches Erlebnis, wo ihr, glaube ich, bei eurem letzten Flug auch noch mal eigentlich super Bedingungen hattet und da noch mal richtig schön zum Fliegen gekommen seid. Ist das vielleicht auch so ein Teil von dem Abenteuer, dass man am Ende noch mal so quasi noch mal so einen Lockvogel vor die Nase gehängt bekommt und sagt, ja, auch wenn es dieses Mal vielleicht nicht ganz geklappt hat, du darfst auf jeden Fall oder sollst auf jeden Fall noch mal zum Fliegen kommen. Wäre das eine Option auch für dich, dass du sagst, Kaukasus, du siehst mich auf jeden Fall wieder?
Ja, auf jeden Fall. Also es ist eine ganz herrliche Gegend. Es sind unglaublich nette und freundliche Menschen. Wenn auch das Fliegen nicht so einfach ist, wie wir uns das vorgestellt haben oder nicht so einfach ist wie in den Alpen. Aber es ist auf jeden Fall nur eine Reise wert, was mir jetzt, ich bin ja nicht nur Gleitschirmflieger, ich gehe ja auch wahnsinnig gerne Skitouren, Klettern und im Bergsport unterwegs. Was mich am Kaukasus noch sehr, sehr reizen würde, das wäre halt das Skifahren und Skitouren gehen. Also da kann ich mir schon vorstellen, dass ich da die nächsten Jahre mal runter gehe und da so eine, vielleicht auch eine mehrtägige Unternehmung durchführe.
Du hast gerade gesagt, ja, das sind so unheimlich freundliche Menschen und sowas. Wie habt ihr euch da überhaupt verständigt? Ich meine, wahrscheinlich kannst du weder georgisch noch russisch, oder doch?
Weil du gerade russisch sagst, dann möchte ich noch ganz kurz sagen, eine kleine Geschichte dazu erzählen. Gerne. Es gibt ein Video, das ist auch auf Facebook und da unterhalten wir uns mit so einem Hirten. Wir palawern da so hin und her und wir haben ja mehrere Hirten gesehen und wenn man irgendwo landet, dann kommen die aus jeder Ecke rausgekrochen oder kraxeln hoch eine Stunde und zumal steht einer da und begrüßt die. Es ist nicht so menschenleer wie jetzt in Nepal oder wie in Marokko. Auf jeden Fall kamen die Leute dann immer her und sagten zu uns Russki, Russki, Russki. Nein, ich nix. Russki, germanski, tedesco und Deutschland, Bayern, München und so weiter.
Irgendwelche deutschen Wörter. Auf jeden Fall. Irgendwann ist mir aufgefallen, es meint jeder, dass wir Russen sind. Und erst nach einer ganz langen Zeit ist mir klar geworden, wieso. Unsere Adverse war so. Russki, musst du dir mal die Farben anschauen. Die haben genau die russischen Farben.
Rot, weiß und blaulich -grün.
Blau, ja. Blaulich oder so, turkisisch das. Und ich denke, die Leute haben gedacht, aufgrund der Farben, Russland -Fahne kennen sie natürlich alle, da kommen Russen. Das war aber nie ein Problem. Jetzt habe ich aber den Faden von deiner Frage verloren, Entschuldigung. Die
Frage war, wie ihr euch dann überhaupt verständigt habt, weil ich davon ausgehe, dass ihr weder russisch noch georgisch könnt. Und wahrscheinlich diese Hirten und sonst was, auch die wenigsten davon englisch oder deutsch.
Ja, keiner von uns kann die andere Sprache. Aber es ist ganz erstaunlich, haben wir auch in Marokko oder Nepal erlebt, mit manchen Leuten kannst du dich gut unterhalten, obwohl du keiner von einem, der die andere Sprache spricht. Man versteht einander mit Händen und Füßen. Und da gibt es Leute, mit denen kannst du dich natürlich gar nicht unterhalten. Die sind auch nicht so bereit, irgendwie was zum Geben von sich zu kommunizieren oder sowas. Aber es war eigentlich mit diesen Hirten, die wir da oben getroffen haben, es war immer ein sehr nettes Palawa und Gespräch, auch gerade in der einen Hütte, wo wir dann auch noch ein bisschen was zum Trinken bekommen hatten. Und der Hirte hat sich sehr gut immer eingeschenkt und der ist dann richtig aufgetaut.
Und hat dann mit uns gesprochen. Ja, so Sachen wie nach dem Weg fragen, ist natürlich immer Schwierigkeit. Aber man kann irgendwie deuten, hoch und runter. Ist klar, das versteht jeder Mensch. So die Grundsachen oder Essen und Trinken versteht auch jeder.
Ist denn da das Gleitschirmfliegen auch in Georgien so verbreitet, dass die Leute wissen, was ihr da gemacht habt? Oder kommt ihr da als quasi die komischen Götter, russischen Götter angeschwebt, wo man sagt, wer weiß, was die da für komische Geräte haben?
Ja, das kann man schlecht beurteilen. Also ich glaube schon, dass die Gleitschirme kennen. Weil in Georgien wird schon geflogen, natürlich nicht so viele Strecken geflogen wie bei uns. Aber so der eine oder andere fliegt schon einmal da vorbei. In Goudauri gibt es ja auch sehr viele Tandempiloten.
Und so ganz unbekannt ist das sicherlich nicht.
Lass uns mal ein bisschen über die Technik reden, die ihr dort mitgenommen habt. Zum einen hast du gerade gesagt, okay, wir waren mit einem XI unterwegs als Schirm. Also es ist ein ENB. Ich glaube, bei anderen Abenteuern hattet ihr eher, ich glaube, höher eingestufte Schirme, also ENC -Schirme oder sowas, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Gab es einen Grund, warum ihr euch für diese Tour für den XI, also den B -Schirm, entschieden habt? Und war das die richtige Entscheidung?
Also wir haben uns eigentlich aufgrund von Art Wars entschieden. Die haben uns den zur Verfügung gestellt. Der kam ja gerade frisch aus der Presse, frisch auf dem Markt. Wir haben den vorher einmal fliegen können und haben gesagt, ja, eigentlich kommt es ja nicht auf Gleitleistung drauf an oder Geschwindigkeit. Die vorigen Touren in Nepal bin ich mit einem Omega geflogen und in Marokko bin ich mit einem C -Schirm geflogen, mit einem Skyman. Aber was ganz gut ist, wenn Andi und ich die gleichen Schirme haben, wenn da kein Leistungsunterschied ist, dann macht das Fliegen einfach miteinander noch ein bisschen homogener. Und Art Wars hat uns die zwei Schirme zur Verfügung gestellt.
Auch ist es ja so, wenn man so eine Biwaktour macht, 20 Kilo plus hat man dann dabei. Und mein Schirm, mein Hausschirm, den ich daheim fliege, der wäre jetzt total überladen. Das
heißt, du hattest da jetzt auch eine Größe, die entsprechend Luft nach oben hat.
Ja, so ist es, ja. Und somit hast du einfachere Starteigenschaften, bessere Landeeigenschaften in der Höhe. Das macht schon einiges aus. Und natürlich ein ENB, gut, ein nagelneuer ENB, der gerade auf den Markt kommt, der ist bestimmt noch besser geflogen als wie 2015 der C -Schirm, den ich geflogen bin. Und es kommt ja nicht auf die Endgeschwindigkeit drauf an, sondern nur aufs Obenbleiben und Kilometer machen.
Von den Erfahrungen, die du damit dann gemacht hast,
würdest du denn, wenn du jetzt ganz frei für dich entscheiden dürftest, sagst, ich will jetzt nächste Tour irgendwo machen und ich darf ganz frei entscheiden, welchen Schirm ich da mitnehme. Also auch so eine Tour, die auch vom Gelände, vom Starten, vom Landen entsprechend anspruchsvoll ist, wie die im Kaukasus oder Nepal. Wäre das auch etwas, wo du sagst, da passt eigentlich so ein B -Schirm ganz gut? Oder ist es doch besser, noch ein bisschen mehr Leistung zu haben und zu sagen, dann nehme ich vielleicht das etwas schwierigere Startverhalten eines anderen Schirmes oder noch in Kauf oder so?
Na, also eigentlich war ja 2020 wieder im Herbst eine Tour geplant. Aufgrund der ganzen Corona -Situation ist das alles ins Wasser gefallen. Und Advos hat uns wieder zwei XI zur Verfügung gestellt. Und da bin ich eigentlich sehr happy mit dem Schirm. Ich bin ja auch in den ENB geflogen, in Nepal, aber ich sehe auch, wie der Anton Girard oder viele andere in Birbilling im Himalaya mit Xeno umeinander fliegen oder sowas. Ja, ist alles in Ordnung. Aber ich sage mal, in der Art und Weise, wie ich mich bewege, brauche ich das nicht. Und habe einfach einen Stressfaktor weniger, weil es gibt viele Faktoren, die stressen schon genug.
Und ein Sicherheitsfaktor, ist es einfach auch. Von dem her stehe ich da voll zu einem High -Level -B -Schirm. Reicht vollkommen aus.
Wenn du jetzt sagst, du hast da jeder 25 Kilo an Gepäck mit, von der Schirmgröße, was wählst du dann für so eine Tour? Bist du dann auch wirklich quasi am Top von dem Gewichtsbereich dieses Schirms beladen? Oder wählst du dann noch so, dass du sagst, okay, mit 25, ich will trotzdem, der soll ja noch halbwegs in schwacher Thermik, trotzdem muss ich mich an dem, an dem Berg da irgendwo längs hangeln können, dann lasse ich ihn lieber auch mit den 25 Kilo, wähle ich ihn so, dass ich ihn nur halb, also irgendwo in der Mitte der Gewichtsgrenze dann entsprechend lege.
Nein, der ist dann schon richtig überladen. Also da sind dann schon gleich oft einmal 5 oder 10 Kilo mehr drauf.
Obwohl das schon der größere Schirm dann ist, den man normal fliegt. Normal habe ich einen Schirm bis um die 100 Kilo, 100 Kilo Startgewicht. Ich habe jetzt selber 85 Kilo, bin ziemlich groß und dick. Und, äh, dann mit 25 Kilo dazu. Gut, man hat nicht immer ganz 25 Kilo, aber 17 Kilo wiegt die Grundausrüstung. Dann am Anfang der Tour hat man Minimum 2,5 Kilo an Essen dabei. Eher 3 Kilo. Dann sind wir schon bei 20. Und über den Tag drüber brauchst du Minimum 3 Liter, eher besser 5 Liter Wasser. Dann bist du bei 23 bis 25 Kilo. Und wenn du jetzt irgendwo hochlaufst, dann hast du schon Wasser getrunken, bist schon wieder leichter.
Aber so setzt sich das Ganze schon dann nach oben ganz schön zusammen.
Und habt ihr die Ausrüstung so zusammengestellt, wenn ihr jetzt zu zweit fliegt, dass im Grunde jeder sein eigenes Zeug trägt und hat auch jeder sein eigenes Zelt und so, dass wenn es mal passieren würde, dass einer unten landet und der andere oben, man hat sich wirklich verloren, dass man immer noch ohne einander auskäme? Oder seid ihr aufeinander wirklich angewiesen? Und der eine hat halt den Kocher, der andere das Essen, der Nächste das Zelt, der Nächste die Isomatten oder was auch immer?
Ja, so ähnlich ist es. Wir sind aufeinander angewiesen. Einer hat das Zelt, der andere hat den Kocher. Und wir haben ja auch strikte Vereinbarungen. Wenn einer absäuft, dann muss der andere einfach mit runter und unten auch mit einlanden. Also es wird immer zusammen gelandet, weil wir einfach auch das Zeug, zum Beispiel das Essen miteinander teilen. Und jeder hat irgendwie schon Essen dabei, aber aufgrund vom Packen oder vom Gewicht ist das eine da drin, das andere da drin. Wir versuchen das optimal aufzuteilen, aber gemeinsam alles zu nützen.
Was habt ihr da noch an Flugelektronik oder Technik zur Orientierung da noch mit dabei?
Wir haben eigentlich unser kleines Skytrax 2.0. Das alte hat sich sehr bewährt. Weil es leicht ist und eine lange Akkudauer hat. Da haben wir dann Wegpunkte eingespeichert im Vorhinein, an die wir versuchen uns zu halten. Je nach Wind und Wetter. Wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht. So machen wir die ganze Orientierung und alles andere wird während dem Flug besprochen und im Flug entschieden dann.
Weitere Elektronik ist eigentlich das Handy, was aber nicht zum Flug,
sondern eigentlich nur zum Fotografieren benutzt wird. Oder als Sicherheits -Backup da ist. Dann eine GoPro, ein Solar -Pad und eine Akku -Bank. Wie
groß ist die? Was muss man da mitnehmen, damit man das Zeug unterwegs auch immer vernünftig geladen bekommt?
Also wir sind da ja schon sehr sparsam mit dem Laden, mit der Energie. Ach so. Einen Garmin haben wir natürlich auch dabei.
InReach Satelliten -Messenger. Und die neuen haben ja die Funktion, deshalb verzichten wir auch auf Funk, mit den neuen kann man über Satellit Textnachrichten schreiben. Das heißt, wenn einer mal rechts im Tal steht und der andere auf der anderen Talseite, man kann miteinander kommunizieren über SMS. Deshalb, da würde jetzt auch gar kein Funk mehr funktionieren, wenn der Berg dazwischen ist. Aber da über Satellit kann man noch kommunizieren und einfache Textnachrichten austauschen. Das ist auch noch dabei. Zu deiner Frage, also wir kommen mit 5000 Milliampere Powerbank aus. Das langt. Wenn einer eine 5000er dabei hat, geht gerade so.
Den Rest kann man mit Solar laden.
Und die hast du auch, das Solar -Panel hast du dann immer im Flug auf deinem Gurtzeug draufgeschnallt?
Nein, wir haben zwar beide Vorrichtungen drauf, aber irgendwie lädt es im Fliegen nicht sehr gut, habe ich festgestellt. Es ist viel effektiver, wenn man das abends nur eine Stunde in die Sonne stellt oder vormittags. Es wird ja eh erst mittags gestartet. Oder auf dem Rucksack, wenn man dann laufen muss, wenn man es oben auf dem Rucksack macht. Das ist viel effektiver gewesen als wie beim Fliegen. Deshalb haben wir es beim Fliegen eigentlich so gut wie nie draußen gehabt. Es baumelt alles rum beim Starten und flattert dann. Ja, sehr unangenehm.
Kriegt ihr denn diese ganze Ausrüstung? Ihr fliegt ja, glaube ich, auch mit Advanced -Liegelgurtzeugen, wenn ich das richtig gesehen habe. Kriegt ihr diese ganzen 25 Kilo? Okay, der Schirm ist dann draußen und so weiter. Aber kriegt ihr das alles da reingepackt oder habt ihr noch irgendwelche zusätzlichen Taschen, die ihr draushängen habt oder mit denen ihr euch irgendwie sonst noch wie behelft?
Ja, grundsätzlich kommt ja alles, was an Protektor ist, aus dem Gurtzeug raus. Auch der dünne Rückenprotektor. Und da entsteht dann schon relativ viel Stauraum. Das Leibnis ist auch hinten, hat schon relativ großen Stauraum. Da bringt man schon sehr viel unter. Aber nicht alles. Wir haben meistens noch ein oder zwei so, sag ich mal, 15 bis 20 Liter Beutel an einem Strick hängen, den wir zum Starten an die Karabiner mit einhängen und dann während zum Start oder wenn gestartet ist, einfach in den Beinsack reinlegen. Dann sind die gesichert liegen im Beinsack drin, baumeln nicht mehr rum und mit den zwei Sachen kommen wir eigentlich noch zusätzlich gut aus.
Und was ist da dann drin? Sehr leichtes Zeug, also halt irgendwas, ein bisschen Essensgeschichten oder so? Oder ist da auch dann 2 Liter Wasser auf jeder Seite oder so?
Na, das Wasser ist ja alles hinten im Camelbag drin, weil man muss ja auch über 6, 7 Stunden fliegen, muss man was trinken. Da sind meistens leichtere Sachen drin, sperrige Sachen, Isomatte oder so was oder Anziehsachen, die nicht so schwer sind, aber vielleicht Volumen brauchen.
Nun ist ja, wenn man so viel Gepäck hat, ist es ja auch ein bisschen anders zu fliegen und auch anders zu landen. Und erst recht, wenn man jetzt sehr hoch im Gebirge unterwegs ist, wo man eh noch schneller unterwegs ist und dann nochmal 20 Kilo mehr hat als normal und so weiter, bereitet ihr euch im Vorhinein irgendwie darauf vor? Trainiert ihr das? Geht ihr dann wirklich mit mehr Ballast fliegen, um zu sagen, das müssen wir jetzt kennenlernen, wie man da oben am Hang entsprechend einlanden kann, um nicht einzubomben?
Na, trainieren tun wir das eigentlich nicht. Wir machen ja hier auch über das Jahr dann das eine oder andere Biwak, wobei wir hier nicht so viel Gewicht oder an Ausrüstung dabei haben. Und auch nicht die Höhe haben. Aber Beispiel Nepal, erster Tag, wenn du auf dreieinhalb einlandest, dann merkst du, hoppla, wie du schlecht landest. Und das ist dann einfach auch eine Bewusstseinssache, wo man dann sagen muss vor dem Starten, hey Robert, gib Obacht, landen, das funktioniert nicht so wie zu Hause. An das musst du dran denken, dass du einfach ein bisschen schneller landest. Und dementsprechend vielleicht vom Wind her das Ganze besser einschätzt oder vom Gelände, dass man da auch nicht so risikobereit dann ist oder gehen kann wie zu Hause in tieferen Gebieten.
Aber nun ist ja die Gelände, wo ihr unterwegs seid, manchmal gibt es quasi nur einen Landespot, wo man sagen kann, da ist es jetzt sinnvoll zu landen, weil vielleicht auch noch 300 Meter weiter ist das Wasser, was man gerade braucht. Und man sagt, ohne Wasser komme ich ja auch nicht weiter. Also du musst dort runter. Wie gehst du da mit solchen Risiken dann entsprechend um?
Im Moment, das wird beurteilt, blitzschnell meistens, kommuniziert, landen ja, nein oder wenn einer vorfliegt und es ist klar, dort ist ein guter Platz und der geht da landen, dass der Zweite dann auch mit einlandet. Also wir müssen uns nicht immer miteinander absprechen und einander freigeben. Wenn einer was macht, macht der andere es nach. Das ist so eine Übereinkunft. Wenn es jetzt natürlich dann ganz schwierig wird, dann muss man schon abwägen, geht man das Risiko ein oder fliegt man doch lieber noch weiter oder nimmt man dann den langen Aufstieg am nächsten Tag, weil man bis runter fliegen musste, ins Tal dann auf sich.
Das sind oft einmal Sekundenentscheidungen, die da getroffen werden müssen, weil entweder jetzt gleich einlanden, am ersten Anflug oder daran durchfliegen, bis ins Tal runter und am nächsten Tag 1000 Meter hochlaufen. Das ist immer eine sehr schwierige Frage, wie man da vorgeht, aber das wird intuitiv gemacht, würde ich sagen. Man sieht es, man schätzt es ein, entscheidet blitzschnell. Vielleicht, wenn die Zeit noch da ist, was denkst du, geht es, geht es nicht und probiert es.
Von den Filmen, die ich von dir gesehen habe, auch vom Kaukasus, da gibt es ein Beispiel, das sieht auf den ersten Moment gar nicht dramatisch aus. Da landet ihr in einem Hochtal, da ist, glaube ich, schon der Bergwind hat eingesetzt. Ihr landet unten im Tal im Schatten und gegen den Wind, sieht alles gut aus, aber bei der Landung, also wenn du erst nur im Film guckst, dann sieht man eine schöne Wiese und dann landet, glaube ich, der Andi ist das, sieht man von den Bildern her. Und im Moment, wo er landet, ist mir zumindest erst aufgefallen, oh, da liegen eigentlich ganz schön dicke Steine in diesem relativ hohen Gras, die man wahrscheinlich gar nicht so gut sieht. Das heißt, die Möglichkeit, sich da schnell mal den Fuß zu vertreten und dann wirklich irgendwo weit ab im kaukasischen Hochland da zu liegen, ist vielleicht gar nicht mal so klein.
Wie geht ihr mit sowas um? Habt ihr auch Regeln abgemacht, was passiert, wenn sich da einer mal wirklich verletzt? Wie würdet ihr damit umgehen? Oder sind das Sachen, wo man sagt, darf einfach nicht passieren? Und wenn, müssen wir das umsetzen? Oder müssen wir uns in dem Moment dann überlegen, was wir machen?
Wie du schon sagst, also erstens darf es nicht passieren, aber es kann jederzeit schnell mal passieren, weil man irgendwas nicht beachtet oder nicht beurteilt hat oder so versteckte Hindernisse unter dem Gras, in dem hohen Busch im Gras nicht sieht. Es geht ganz, ganz schnell. Aber wenn was passiert ist, dann muss man einfach das Beste aus der Situation machen und kann erst dann im Nachhinein reagieren, wie auch immer. Und vor allen Dingen dann auch analysieren, wie schnell braucht man Rettung oder ist gar nicht so wild? Kann man noch fliegen? Wie geht es weiter? Ist
euch bei euren ganzen Touren denn irgendwann mal schon mal was passiert, in der Form, wo ihr gesagt habt, das ist jetzt richtig scheiße?
Ja, gerade im Kaukasus, also nicht passiert körperlich, sag ich mal so, aber im Kaukasus sind wir in eine Fluglage gekommen. Es hat uns wirklich ein riesengroßer Abwind erwischt und in ein Tal runtergespült, in eine Schlucht. Und wir waren eigentlich der Meinung, wenn es uns schon so runterspült und wir haben dort einen Prallhang, dass es uns dann wieder auf diese Seite in der Schlucht wieder hochblasen müsste, was aber leider nicht der Fall war. Und wir dann in der Schlucht, in einem sehr, sehr steilen Felsen durchsetzten Grasgelände landen mussten, am Hang. Das war wirklich eine sehr ernste Situation für uns beide.
Aber die habt ihr beide ohne Verletzung überstanden. Da wischt man sich nur den Schweiß von der Stirn und wringt die Handschuhe einmal aus ungefähr. Genau,
sagt du, das war jetzt aber knapp. Ist aber auch bald wieder vergessen. Es geht weiter. Das nächste Problem steht dann schon an. Wie kommst du aus der Schlucht wieder raus? Unten hast du das tobende Wasser und darfst erst einmal durch Felsen kletternd hochbewegen. Hast du noch gar keine Orientierung, wo eigentlich es hingeht. Ja, da steht schon das nächste Problem an. Das erste Problem, was du dann gleich hast, die Ausrüstung zusammenzupacken in diesem steilen Gelände. Ist gar nicht so einfach. Wenn das schon so steil ist, dass du die fast nicht halten kannst und Felsen durchgesetzt ist, dann wird es wirklich ein Problem. Weil wir müssen ja immer alles auspacken. Alle Tüten, Kocher, alles, was dabei ist. Das Umpacken, das ist eigentlich auch immer eine sehr große Prozedur, was wir da haben.
Wie lange dauert sowas? Es dauert schon, bis wir startfertig sind, bestimmt eine halbe Stunde.
Nur mit Packen beschäftigt quasi?
Ja, nur mit Umpacken. Also wenn wir mit einem vollen Rucksack hinkommen und dann bis wir in der Luft sind, dauert das bestimmt eine halbe Stunde.
Du hast jetzt gerade von diesem Beispiel erzählt, wo ihr halt von diesem Wind so nach unten gedrückt wurdet, von dem Abwind, dem Unerwarteten. Wie macht ihr das denn überhaupt in dieser Abgelegenheit mit dem Wetter? Kriegst du da noch irgendwo irgendwelche Wetterinformationen her? Hast du Leute zu Hause, die dir sagen, okay, per InReach schicke ich dir eine SMS und sage, es kommt ein Hochdruck oder Tiefdruck oder sonst was? Oder ist es wirklich morgens früh Zeltreißverschluss aufmachen, rausgucken und sagen, scheiße. Oder wow oder was auch immer.
Genau so ist es, weil es nützt ja nichts. Du bist vor Ort und du kannst das Wetter nicht besser machen. Also musst du mit dem Wetter umgehen, wie es im Moment ist. Und da nützt mir kein Wetterbericht. Vielleicht, okay, wenn er mir dann so genau sagen könnte, jetzt ist es wolkig am Nachmittag, dann reißt es auf. Dann weiß ich, okay, dann kann ich vielleicht am Nachmittag fliegen. Aber das ist mir in dem Sinn, wenn ich keinen Wetterbericht habe, auch wurscht, weil ich bewege mich dann. Ich gehe weiter, mein Ziel oder in meine Richtung. Und wenn es dann schön wird, dann kann ich wieder weiter fliegen. Wenn es nicht schön wird, dann laufe ich halt weiter oder mache Pause. Also man muss das Wetter nehmen, wie es kommt. Und so Sachen wie Kaltfronten oder sowas, das sind natürlich schon die größeren Probleme, die man da hat.
Oder so plötzlich Gewitter, was dann kommt. Das muss man halt ein bisschen beurteilen. Und dann abwägen, vorausschauend abwägen, wie man damit umgeht.
Aber bevor ihr losgeht oder wenn du sagst, ihr zwischendurch wart ihr in Tieflies mal drei Tage und sowas, da guckt man wahrscheinlich schon und versucht sich so einzuprägen, was macht denn das Wetter wahrscheinlich die nächsten sieben Tage oder sowas?
Ganz klar, wir sind ja alle Handy -Menschen. Und wenn man Handy -Empfang hat, dann schaut man auch danach. Und dann versucht man kommunizieren oder eine Wetter -App aufzumachen. Wobei die Wetter -App da unten, die sagen irgendwie alle das Gleiche. Also das war alles irgendwie nicht sehr nutzvoll. Aber wenn irgendwo ein Empfang ist, dann kommunizierst du nicht unbedingt mit zu Hause und fragst, kannst du mir einen Wetterbericht geben? Wobei wir das auch schon mal gemacht haben in Nepal. Da hat uns der Bernie Koller Wetterdaten durchgegeben, weil es so föhnig war. Gut. Aber wir waren auf dem Berg. Und mussten trotzdem fliegen. Also es hat auch nicht viel geändert.
Gibt es irgendwelche besonderen Apps, die du für dich bei solchen Abenteuern gerne nutzt, wo du sagst, das hat mir bisher zumindest immer am besten weitergeholfen?
Die Handy -Apps Offline -Karten -Navigation -Osmant nutzen da Andi und ich beide. Da gibt es Karten auf der ganzen Welt. Da ist sehr viel Information hinterlegt. Und das ist eigentlich die App, die wir beide sehr gern nutzen. Und alles andere, wenn ein Empfang ist, ganz klar eine WhatsApp oder ein Telefon.
Du hast vorhin gesagt, für dieses Jahr hattest du auch noch eine große Tour geplant. Was wäre es denn geworden? China. China? Ja. Und wo in China? China ist groß. Ja.
Oder das willst du nicht verraten? Nein, das will ich jetzt nicht verraten.
Okay. Ja. Im großen China auch ein wildes Abenteuer dann wieder.
Ja, auch ein wildes Abenteuer. Ich denke, ich habe da eine tolle Strecke gefunden, die sich sicherlich auch machen lässt. Und inzwischen habe ich meine Biwak -Aktivitäten in der Art und Weise geändert, dass ich auch immer mehr bereit bin, auch öfters mal unten im Tal irgendwie was zum Schlafen zu machen. Weil einfach die Länder so wie China, Marokko oder Nepal, da ist es eigentlich viel zu schade, nur oben in den Bergen zu sitzen und alles andere an sich vorbeigehen zu lassen. Da nicht viel mitzubekommen. Du fliegst, hast deinen Alltag da oben, hast aber keinen Kontakt mit den Leuten, mit der Kultur und mit dem Ganzen.
Und von dem her will ich die Fliegerei, die Biwak -Fliegerei, die will ich einfach mehr als Reisefliegerei.
Wo
es dann auch gar nicht um die riesen Strecke geht, sondern wirklich einfach nur die Möglichkeit, dann halt auch Landschaften zu erkunden, wo man sonst wahrscheinlich gar nicht so hinkäme.
Ach, so 300 bis 600 Kilometer sind schon immer ganz schön, wenn es ausgeht. Auf zwei
Wochen gerechnet oder auf welche Zeit rechnest du dann immer?
Ja, oft ist es ja mal ganz schwierig zu sagen, aufgrund vom Wetter, wie lange man da braucht. Aber man kann oft auch mal nicht sagen, wie lange das dauert. Man kann am Tag 50 Kilometer rechnen. Dann bist du in 10 Tagen bei 500 Kilometern. Das können aber auch bloß 25 am Tag sein. Und dann machst du mal wieder 150 am anderen. Das ist so schwierig. Das dauert halt so lange, wie es braucht. Und das ist schön, wenn man dann nicht zeitlich begrenzt ist, sondern sich auch die Zeit nehmen kann, mal den ein oder anderen Rundflug zu machen oder den ein oder anderen Berg zu besteigen oder vielleicht mal den ein oder anderen Tag einfach da zu bleiben, die Gegend zu erkunden.
Einfach dieses mehr Reisen zu machen, mehr kennenzulernen, als wie nur von Biwakplatz zu Biwakplatz zu fliegen und möglichst viel oder schnell Strecke zurückzulegen.
Nun hast du vorhin erzählt, diese Vorbereitung für Kaukasus war auch relativ schwierig wegen dieser russischen Situation und auch die Kommunikation da und so was. Auch... Ich weiß jetzt nicht, wie weit du in der Vorbereitung da schon fortgeschritten warst. Ist China einfacher?
Ja, schon. Weil China ist ein großes Land und da bewegst du die drin. Und der Kaukasus hat nicht nur Russland, Georgien, Aserbaidschan, Abhasien, das sind alles Dagestan, das sind alles auch so Provinzen, in denen kocht es schon von Haus aus. Und die sind alle in sich schon sehr schwierig. Also... Das ist so ein Multikulti -Gebiet, der ganze Kaukasus. Und da gehe ich davon, von China eigentlich viel, viel einfacher aus, dass wir uns in China bewegen und nicht über die Grenze darüber hinaus kommen, dass es einfach einfacher zu handeln ist.
Und gibt es denn in China auch so eine Flieger -Community, die sich auch mit solchen Ideen wie Hike and Fly schon selber auseinandersetzen, dass sie dir da überhaupt Tipps geben können?
Keine Ahnung. Also es gibt ja Flieger, aber ich habe jetzt zu keinem chinesischen Flieger irgendwie Kontakt aufgenommen. Die Idee wäre einfach gewesen, hin zum Fahren und zum Fliegen. Fertig.
Gut, da kann ja noch was draus werden. Aber jetzt müssen wir erstmal durch diese Corona -Zeit durch. Du hattest ja für dieses Jahr, jetzt ist mal nicht Hike and Fly so, aber ich habe gesehen, du hast unter anderem auch für die Oase -Flugschule, dann wolltest du ein Streckenflug -Training machen. Das erste hätte jetzt sogar schon im April stattgefunden, hat jetzt natürlich nicht. Das hat nicht stattgefunden. Wenn ich an so einem Training teilnehmen würde, was könnte ich denn von dir am besten
lernen? Oh, das ist die Frage, was du schon alles kannst. Ja, ich sage mal, ich glaube, ich bin jetzt, ich mache das gerne für den Peter Geck, weil das ein persönlicher Freund von mir ist, mit dem ich früher schon viele Sachen klettern, radeln und so was, den ich schon von klein auf kenne, mache ich das gerne. Ich bin jetzt vielleicht nicht der typische Lehrmeister, aber ich denke, dass ich in so einem Streckenflug -Seminar so ein bisschen angehaucht mit Hike and Fly, dass ich sehr individuell auf die Leute eingehen kann, Fehler analysieren und denen sagen kann, wie es anders besser funktioniert. Sei es mit Ausrüstung, sei es mit irgendwelchen Handelssachen oder sei es in Sachen Streckenfliegen.
Und das hängt natürlich auch immer ganz stark davon ab, was jeder schon weiß und kann.
Und was wäre etwas, was ich mir am besten nennen würde? Was man nicht von dir abgucken sollte, als vielleicht irgendeine Flieger -Marotte, die du hast?
Die Ungeduld. Ich bin eigentlich ein ungeduldiger Mensch und neige da auch vielleicht ab und zu gerade beim Streckenfliegen nicht geduldig zu sein und ein bisschen zu verharschteln. Es gibt vielleicht dann oft einmal einen schnellen Schnitt, wenn es funktioniert, aber es hat mich auch leider schon oft am Boden stehen lassen. Also Geduld ist gerade beim Fliegen ein sehr großes Thema. Was war bisher für dich deine eigene größte
Lehrstunde in der Fliegerei?
Größte Lehrstunde in der Fliegerei? Die Elemente nicht zu unterschätzen. Es gibt immer wieder, selbst wenn man viel fliegt, immer wieder neue Situationen, in die man reinkommt und die man vielleicht anders beurteilt hat, wie sie dann wirklich sind. Immer wachsend zum Sein. Ja. Ja. Ich halte mich auch für einen vorsichtigen Flieger, immer irgendwo einen Plan B zu haben.
Und den hast du auch immer?
Soweit es möglich ist, sage ich mal, vielleicht mit Landen oder mit Wind und Wetter versuche ich das schon eigentlich zu machen, ja.
Und was war dann diese Lehrstunde, wo du sagst, da sich nicht diesen Elementen so auszusetzen oder wo du dich da wahrscheinlich mal den Elementen stark ausgesetzt hast?
Ich habe schon sehr, sage ich mal, negative Elemente beim Streckenfliegen in Brasilien gesammelt. Mit Wolken und mit viel Wind. Und gerade der Wind an so flachen Gebirgen, an Hügeln mit Landen und sowas, das kann schon ein sehr, sehr großes Risikothema sein. Und auch diese mächtigen Wolken, die sind auch nicht zu unterschätzen, vor allen Dingen, wenn die abregnen. Bei uns, wenn es mal irgendwo regnet, dann ist das gar kein Thema. Da fliegt jeder durch oder hin. Aber in Brasilien, wenn man so einen Regenschauer hat, die funktionieren ganz anders wie bei uns hier in der Gegend.
Weil es einfach so riesige Wassermassen sind, die dann da aus dem Himmel stürzen und man eigentlich nach zwei Sekunden vollkommen durchnässt wäre oder der Schirm voller Wasser, oder?
Ja, weil einfach ein sehr großer Kaltluftausfluss mit rausfliegt und der Böenkragen unten auch aufgrund der Temperatur wahnsinnig heftig ausfällt und der Kilometer weiß nur spürbar ist. Selbst bei einzelnen Wolken, also wo man hier in Deutschland oder in den Alpen sagt, ach Rabenschwarz, da fliege ich noch vorbei. Das würde ich jetzt in Brasilien nicht mehr machen, weil ich eben da auch die schlechten Erfahrungen schon gemacht habe. Das heißt, du musstest mal in so einer Böenwalze quasi landen oder was ist da passiert? Ja, mich hat es einmal über den Berg geweht bei so einer Böenwalze, weil das Landen gar nicht mehr möglich war. Und das andere Mal war einfach auch, wo von der Wolkenaktivität so intensiv, dass ich da wirklich um mein Leben runter spiralt habe,
minutenlang nur, dass ich nicht in die Wolke eingesogen war. Und das hat mir doch dann schon ganz schön viel Schneid gekostet. Bist du
danach noch weiter in Brasilien geflogen oder war das dann das Ende?
Nein, ich bin schon weiter geflogen, klar. Wenn man da ist, wird da geflogen. Sonst hätte ich schon oft irgendwelche Sachen aufhören müssen.
Gibt es Sachen, die du mal aufgehört hast wegen riskanten Momenten?
Nein, eigentlich nicht. Nein, gibt es nicht, weil das wird dann analysiert,
eingeschätzt und gesagt, okay, Fehler gemacht, falsch eingeschätzt oder wie auch immer. Das darf nicht mehr passieren. Und das muss man vielleicht mit einer anderen Wahrnehmung oder sowas dann umgehen. Aber da bin ich sehr guter Dinge, dass mir das dann nicht mehr passiert, wenn ich einmal so eine negative Erfahrung gemacht habe. Oder sehr vorsichtig.
Wenn jetzt Piloten zu dir kommen, die sagen, du, ich habe deine Filme gesehen, so Hike and Fly, tolle Abenteuer würde ich auch mal machen. Wie steige ich am besten in sowas ein? Wie kann ich Techniken und sowas lernen, dass ich überhaupt erstmal dahin kommen kann? Was würdest du da jemandem empfehlen?
Ja, die Frage, die habe ich eigentlich schon relativ oft gehabt, gerade nach der Veröffentlichung. Von Marokko und auch Nepal. Aber das ist einfach learning by doing. Klein anfangen und immer größer werden und oft machen. Auch am Hausberg mal abends einlanden, mal wegfliegen, auf einer Hütte einlanden.
Beim Streckenfliegen, wenn es schlecht ist, einfach oben auf dem Berg einmal einlanden, sich eine halbe Stunde Zeit nehmen. Sich das Wetter anschauen und dann weiterfliegen. Mit solchen Sachen, da kommt man weiter. Da lernt man einfach auch drum. Das Ganze bewusst einfach auch zu machen.
Jetzt hast du dreimal in diesem Beispiel einlanden gesagt. Ist das so mit der wichtigste Skill, die man für Hike and Fly haben muss?
Man kann Hike and Fly natürlich auf zwei unterschiedliche Sachen machen. Hier in den Alpen so ein Luxus -Hike and Fly, wo man fliegt, mit der Bergbahn hochfährt und dann immer irgendwo fliegt. Wo man unten in einem Tal auf der Wiese landet. Oder man kann das natürlich dann so machen, dass man von Berg zu Berg fliegt, so einen richtigen Biwak -Flug macht, dass man nicht viel laufen muss oder nur wenig laufen muss. Und da gehört natürlich dann oben auf dem Berg dieses Einlanden, dieses Toplanden dazu. Und das ist ja nicht so einfach. Das muss man dann schon rein von der Technik geübt sein und auch vom Wind - und Wetterverständnis. Sollte man da ein bisschen Feeling dazu haben.
Wie häufig landest du dann ein? Trainierst du das auch immer wieder?
Oft. Also ich lande, wenn ich jetzt einen richtigen Streckenflug mache oder sowas, dann will ich nicht einlanden. Aber es ist bei uns hier gang und gäbe, dass wir immer irgendwo mal einlanden, auf einer Hütte Kaffee trinken gehen und wieder wegfliegen. Auf eine andere Hütte fliegen oder uns an einem schönen Grashang eine halbe Stunde hinsetzen. Dort miteinander zu dritt, zu fünft oder so einfach einen kleinen Plausch halten.
Jetzt haben wir noch Corona -Zeiten. Es lockert sich so langsam. Was hast du, auch wenn du sagst, die große Tour für dieses Jahr ist abgesagt. Was wäre noch dein Wunsch, was in diesem Jahr noch funktioniert?
Ich hoffe ja, dass noch ein paar gute Streckentage kommen. Und so Ende Mai, wenn die Tage dann ganz, ganz lang sind, dann hoffe ich schon, dass die Fluggelände und vielleicht die Grenzen so weit offen sind, dass ich endlich mal meinen 300er vom Nebelhorn fertig machen kann.
Bisher hast du ja den Rekord, glaube ich, immer noch vom Nebelhorn. Das ist 286, oder? Aber da hast du das Dreieck nicht geschlossen damals oder wie war das? Doch, das war geschlossen, ja. Aber das müsstest du jetzt noch etwas erweitern, um den 300er zu schaffen.
Ja. Ich habe also schon einige Vorschläge für 300er -Routen vom Nebelhorn. Aber ich glaube, die Route funktioniert am besten. Und gut, das sind jetzt hier noch bloß ein paar Kilometer, was man es erweitern muss und auch kann. Ja, es ist einfach geeignetes Wetter zu finden und dann zu machen.
Gut, Robert, dann wünsche ich dir mal, dass das in diesem Jahr auch sowohl wettertechnisch, coronatechnisch und dann auch letzten Endes flugtechnisch so aussieht. Dass du den 300er schaffst. China dann hoffentlich 2021. Ich bin gespannt auf das, was du dann davon zu erbrechen kannst. Danke dir auf jeden Fall jetzt erstmal für die tollen Erzählungen zu Kaukasus und den anderen Abenteuern, die du da hast. Und ja, dir alles Gute.
Vielen Dank. Ich wünsche dir auch alles Gute. Bleib gesund.
Das war Robert Blum im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du die Filme über die Hike -and -Fly -Abenteuer von Robert und Andi sehen willst, so findest du die zugehörigen Links und noch weitere Infos in den Shownotes zu dieser Podcast -Folge auf Looglides. Auf Looglides, wie auf Soundcloud und den verschiedensten Podcast -Katalogen wie iTunes, Spotify, Google Podcast etc. kannst du bereits viele weitere interessante Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens finden. Fast alle sind zeitlos erzählt und zeigen, welche große Bandbreite an faszinierenden Persönlichkeiten und deren Stories in der Gleitschirmszene zu finden sind. Am einfachsten ist es, wenn du Podz-Glidz direkt in deinen Podcast -Player abonnierst. Aber vergiss nicht, wenn du auch in Zukunft weitere Folgen von Podz-Glidz hören willst, dann unterstütze doch dieses Projekt.
Wie das geht, steht auf der Website von Looglides und zwar dort auf der Seite Fördern. Ich sage schon mal Danke, bis zum nächsten Mal und bleib gesund.