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31. Flugtaucher - Robby Loeltgen

// Robby Loeltgen, Lucian Haas · 2020-05-22 · 01:03:28 · original episode

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[show notes]
Der professionelle Tauchleher Robby Loeltgen fliegt seit fünf Jahren auch Gleitschirm und erzählt: In der Luft und unter Wasser gibt es viele Parallelen. Robby Loeltgen aus Kerpen arbeitet seit 20 Jahren als professioneller Tauchlehrer. Oder besser gesagt: Er ist Tauchlehrer-Lehrer, das heißt, er bildet für die größte internationale Tauchschul-Organisation PADI Instruktoren aus. Die Tauchausbildung bei PADI ist stark strukturiert und folgt überall auf der Welt den gleichen standardisierten Lehrinhalten. Von so einem Ansatz könnte auch die Gleitschirmszene profitieren, sagt Robby, der vor fünf Jahren selbst das Gleitschirmfliegen lernte. In diesem Podcast erzählt der 55-jährige, warum Tauchen und Fliegen viele Parallelen besitzen, und weshalb ihn beides gleichermaßen fasziniert. Er spricht unter anderem über die besonderen Herausforderungen, sich im dreidimensionalen Raum unter Wasser und in der Luft zu bewegen; über den Umgang mit Angst und Risiken; moderne und angestaubte Ausbildungsformate; und wie er es schafft, an seinen Tauchspots auch immer wieder in die Luft zu kommen. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: „Across the Ocean” von JR Tundra No copyright music Download: https://bit.ly/3dPD6FT

[transcript]

0:03Robby Loeltgen

Wir sind einfach nicht für diese Welt geschaffen, für diese dreidimensionale Welt. Immer dann, wenn wir uns in Gegenden bewegen, für die wir eigentlich ursprünglich nicht geschaffen wurden, dann bedeutet das, dass unser Körper damit darauf reagiert. Und genau das ist beim Tauchen überhaupt nicht anders als beim Fliegen.

0:32Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:35Robby Loeltgen

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:39Lucian Haas

Heute mit Robby Loeltgen und Lucian Haas am Mikrofon.

0:47Lucian Haas

Robby Loeltgen aus Kerpen arbeitet seit 20 Jahren als professioneller Tauchlehrer. Oder besser gesagt, er ist Tauchlehrer -Lehrer. Das heißt, er bildet für die größte internationale Tauchschulorganisation PADI Instruktoren aus. Die Tauchausbildung bei PADI ist stark strukturiert und folgt überall auf der Welt den gleichen standardisierten Lehrinhalten. Von so einem Ansatz könnte auch die Gleitschirmszene profitieren, sagt Robby, der vor fünf Jahren selbst das gleiche gemacht hat. In diesem Podcast erzählt der 55 -Jährige, warum Tauchen und Fliegen viele Parallelen besitzen und weshalb ihn beides gleichermaßen fasziniert. Er spricht unter anderem über die besonderen Herausforderungen, sich im dreidimensionalen Raum, unter Wasser und in der Luft zu bewegen, über den Umgang mit Angst und Risiken, moderne und angestaubte Ausbildungsformate und wie er es schafft, an seinen Tauchspots auch immer wieder in die Luft zu kommen.

1:48Lucian Haas

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2:41Lucian Haas

Robby, was war dein längster Tauchgang bisher?

2:47Robby Loeltgen

Oh, da muss ich überlegen. Der längste Tauchgang wird satt über zwei Stunden gedauert haben. Aber dabei muss man eigentlich sagen, der war eigentlich wenig. Tauchgänge, die sehr, sehr lange dauern, sind meistens die Tauchgänge, die zu Ausbildungszwecken, zu Prüfungszwecken gedient haben und insofern dann gar nichts Besonderes vom Inhalt her darstellen. Technische Tauchgänge, die dauern auch manchmal so um die zwei Stunden, wenn es in größere Tiefen geht, wenn unterschiedliche Gase verwendet werden. Dann kann man die Tauchzeit vorausgesetzt haben. Man hat genug Atemgas mit. Kann man die Tauchzeit relativ weit ausdehnen. Und was war dein bisher längster Flug?

3:33Robby Loeltgen

Auch ungefähr so die Zeit. Drei Stunden sind so die längsten Flüge, die mir derzeit so gelingen, wenn die Bedingungen es zulassen natürlich nur. Und ja, dann auch mit kleinen Strecken natürlich versehen.

3:49Robby Loeltgen

Du sagst

3:51Lucian Haas

gerade Strecke. Lässt sich eigentlich Tauchen und Fliegen leistungsmäßig irgendwie miteinander vergleichen? Ich finde, allein schon

3:59Robby Loeltgen

der Begriff Leistung ist schon ein bisschen problematisch in Bezug zu diesen beiden Sportarten. Weil ich glaube, sie sollten nicht unbedingt leistungsorientiert gesehen werden, sondern es ist eher so eine Geschichte des Erlebens. Und genau so verstehen viele Piloten, aber auch natürlich viele Taucher ihr Tun. Und insofern tue ich mich immer ein bisschen schwer mit dem Begriff Leistung. Viele Taucher definieren natürlich Tiefe als ein Leistungsziel oder ja, auch die Tauchlänge als ein Leistungsziel. Aber ja, es sind eigentlich eher so Leistungsdaten, die von außen über die Sportart gestülpt werden, aber die eigentlich mit Leistung nicht wirklich was zu tun haben.

4:46Lucian Haas

Aber ist für dich nicht auch, ich meine, bei vielen Gleitschirmfliegern, da steht schnell irgendwie im XContest, da steht eine Kilometerzahl oder eine Punktzahl. Und so

4:55Robby Loeltgen

weiter. Aber

4:55Lucian Haas

sonst was, wirst du nicht auch als Gleitschirmflieger oder bist du nicht auch als Gleitschirmflieger davon auch ein bisschen schon infiziert und sagst, oh, ich will den Hunderter schaffen oder was auch immer?

5:04Robby Loeltgen

Absolut, natürlich. Also diese Ziele, wobei die nicht unbedingt was mit Leistung zu tun haben, sondern ich bin fest davon überzeugt, dass es bestimmte Strecken gibt, die sich eher leichter fliegen lassen. Während andere Strecken beim Gleitschirmfliegen, die vielleicht weit kürzer sind, aber weit problematischer zu lösen sind. Man kennt das von den Superlativen der X -Alps, wo Piloten manchmal irgendwelche Traversen schaffen, die vielleicht gar nicht mal so lang waren, aber die unheimlich schwierig zu erfliegen sind. Und insofern vielleicht nicht für jedermann geeignet sind. Und insofern tue ich mich auch da ein bisschen schwer zu sagen, der 100 -Kilometer -Flug, da trennt sich die Spreu vom Weizen. Und das sind die Piloten, die leistungsmäßig eine ganz andere Liga erreicht haben.

5:54Lucian Haas

Gibt es denn einen Flug, egal wie weit er nun war, wo du sagst, das war der, wo du bisher am besten gezeigt hast, dass du fliegen kannst oder wie gut du fliegen kannst?

6:04Robby Loeltgen

Ja, auch schwierig. Also es hat immer mal wieder kleine Situationen gegeben, wo man nachher sehr zufrieden mit sich war, weil irgendwas gelungen ist. Wo man vielleicht sich länger in der Luft halten konnte als erwartet von vornherein, weil vielleicht tatsächlich nur ein kurzer Abgleiter geplant war. Und wo es dann doch ganz anders ging. Aber... Ja, letztlich waren es auch manchmal Flüge, die etwas länger gedauert haben, wo man vielleicht dachte, ja, man kann jetzt nicht auf die andere Talseite, man kann nicht in das nächste Tal. Aber es ist dann doch vielleicht gelungen. Und ja, dann hat das schon... führt natürlich zu einer tollen Zufriedenheit. Und was war das zum Beispiel bei dir? Ja, in der Schweiz zum Beispiel letztes Jahr hatte ich mit meinem besten Flugkumpel einen schönen Flug.

6:52Robby Loeltgen

Wo wir über Klosters geflogen sind. Und ja, das war wirklich herausragend, weil wir uns über Stunden letztlich in der Luft bewegen konnten. Und ja, immer wieder das Tal rauf und runter fliegen konnten. Mit tollen Thermiken. Ja, manche waren dann auch schwieriger, manche wieder einfacher. Es war, ja, ein herausragender Flug.

7:15Lucian Haas

Nun tauchst du seit über 20 Jahren das Fliegen, also das Gleitschirmfliegen machst du seit ungefähr fünf Jahren. Wie kam es überhaupt dazu, dass du neben dem Tauchen auch noch angefangen hast zu fliegen?

7:29Robby Loeltgen

Ja, das Tauchen ist ja nicht nur eine Beschäftigung, die ich so freizeitmäßig unternehme, sondern das Tauchen betreibe ich seit vielen Jahren professionell. Aber um ehrlich zu sein, war das Fliegen schon immer so ein bisschen im Hintergrund in meinem Kopf. Schon viele, viele Jahre länger als das Tauchen witzigerweise. Aber ich habe es immer wieder geschoben. Ich habe immer wieder Anläufe gemacht. Durch einen Tandemflug, den ich irgendwo schnell einschieben konnte. Aber es ist nie dazu gekommen, dass ich tatsächlich mich dann zu einer Arschneidausbildung durchregen konnte, weil ich dann immer dachte, ich muss mehr Zeit dafür investieren. Und ja, vor fünf Jahren habe ich mir dann die Zeit endlich genommen, nachdem ich viele Schlüsselerlebnisse hatte mit Gleitschirmfliegern, mit Gleitschirmpiloten, wo ich dachte, ich muss endlich loslegen.

8:20Robby Loeltgen

Und ja, ich habe es über zehn Jahre schleifen lassen. Wenn man es so will. Und irgendwann war ich dann in der Situation zu sagen, wenn ich es jetzt nicht wirklich anfange, dann mache ich es nie. Und habe dann nach dem Tandemflug, nach dem dritten oder vierten Tandemflug, den ich mittlerweile unternommen hatte, habe ich gesagt, so, heute Abend melde ich mich zu einer Arschneidausbildung an. Und das ist dann auch genau so gekommen. Du hast gerade gesagt

8:46Lucian Haas

Schlüsselerlebnisse mit Gleitschirmfliegern. Was ist denn da ein Schlüsselerlebnis, was man mit einem Gleitschirmflieger haben kann? Ein

8:52Robby Loeltgen

tolles Erlebnis muss ich erzählen. Es ist schon einige Jahre her. Ich habe mit einem Freund zusammen die drei Zinnen bestiegen und wir saßen auf dem Gipfelplateau der großen Zinne und waren natürlich sehr zufrieden, den Gipfel erreicht zu haben nach einer langen, ausgedehnten Klettertour. Und saßen auf dem Gipfel, man muss sich den Gipfel vorstellen, naja, wie zwei große Küchentische vielleicht, so voller Fläche und sehr exponiert. Und plötzlich näherte sich uns ein Gleitschirm. Da war ein Gleitschirm-Blog und zog über uns, also in 50 Meter, 30 Meter Entfernung, zog Kreise um uns und wir haben uns bestimmt fünf Minuten mit ihm unterhalten. Und es war einfach fantastisch zu sehen, wie ein Vogel um uns herum flog. Und ja, das war eine dieser Schlüsselerlebnisse, wo ich dachte, es geht gar nicht anders, als dass man auch diesen Schritt irgendwann mal gehen muss.

9:43Lucian Haas

Worum ging es in dem Gespräch, wenn du sagst, ihr habt euch mit dem Flieger da unterhalten?

9:47Robby Loeltgen

Ja, das war witzig. Wir haben uns tatsächlich auch über das Wetter unterhalten. Ich habe ihn auch noch gefragt, wie das möglich ist, dass es sich so lange halten kann. Und er hat gesagt, ja, das ist nicht so einfach zu erklären, aber es ist Thermik. Damals war mir Thermik natürlich als Begriff bekannt, aber ich konnte es überhaupt nicht einschätzen, was das bedeutete. Wie viel Thermik muss denn sein, damit ich die Chance habe, mich auf einer Höhe halten zu können? Und all das war mir völlig unklar. Und ja, das war, wir beglückwünschen uns gegenseitig. Wir ihn zum Flug. Er uns zum Erreichen des Gipfels. Und das war einfach ein toller Augenblick.

10:24Lucian Haas

Wenn du jetzt beides betreibst, Tauchen und Gleitschirmfliegen, und wenn du mal beides miteinander so ein bisschen vergleichst, wo drin besteht denn für dich in dem jeweiligen Bereich die größte Faszination?

10:38Robby Loeltgen

Ja, die Faszination ist eigentlich das Bewegen im dreidimensionalen Raum. Das ist auch der Grund, warum ich meine Profile immer 3D -Robby genannt habe, weil es eigentlich sehr, sehr vergleichbar ist. Es ist das Bewegen im dreidimensionalen Raum, sowohl unter Wasser natürlich, als auch in der Luft. Und im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten habe ich beim Tauchen genauso wie beim Fliegen die Möglichkeit, selbst Einfluss zu nehmen auf meine Tauchtiefe oder auf meine Flughöhe. Und das macht die ganze Sache so spannend, dass ich in der Dreidimensionalität tatsächlich kreativ sein kann. Ich muss nicht wie ein Fallschirmspringer. Einfach aus dem Flugzeug springen und es gibt nur den Weg nach unten. Sondern ich habe auch die Möglichkeit, mit den Elementen zu experimentieren.

11:27Robby Loeltgen

Und das Gleiche findet natürlich unter Wasser statt. Auch unter Wasser habe ich die Möglichkeit, mit den Elementen zu experimentieren. Ich kann mich von Strömung treiben lassen. Ich kann mich gegen Strömung anstellen, so sie denn das zulässt, wenn es nicht zu stark ist. Ich habe die Möglichkeit, meine Tiefen zu wählen. Ich kann meine Zeiten in bestimmten Tiefen. So dann auch auf den ganzen Tauchgangsverlauf mich einstellen. Und das ist eigentlich so die Faszination dieser beiden Sportarten, die ich zum Teil für sehr, sehr vergleichbar halte.

12:05Lucian Haas

Gibt es denn etwas, wo du bei der Fliegerei, die du ja später angefangen hast, von deinen Tauchkenntnissen her irgendwie profitiert hast? Wo du sagst, wow, da kann ich etwas quasi übertragen. Obwohl es ein ganz anderes Medium ist. Einmal Wasser, einmal Luft.

12:21Robby Loeltgen

Ja, auf jeden Fall. Es gibt ein paar Dinge, die sind sehr ähnlich. Und es gibt ein paar Dinge, die sind auch komplett unterschiedlich. Und wenn du mich jetzt danach fragst, was konnte ich durchs Tauchen erleben oder lernen, was mir fürs Fliegen genutzt hat. Dann ist es ganz klar diese körperliche Wahrnehmung. Beides ist sehr, sehr stark abhängig von der eigenen körperlichen Wahrnehmung.

12:49Robby Loeltgen

Bedeutet, dir muss ich es nicht erklären, aber im Flug muss ich natürlich spüren können, wo kommen, wie bewegen sich Luftmassen. Was machen die Luftmassen mit meinem Schirm? In welche Richtung tendiert mein Schirm eher? Wie hoch ist mein Sinken? Kann ich Thermik spüren? All diese Dinge sind beim Tauchen sehr ähnlich. Beim Tauchen nennen wir das Tarieren. Das heißt, ich muss ein Gefühl dafür bekommen, wie mein Körper im Wasser liegt. Und wie die Strömung auf meinen Körper einwirkt oder auch wie Tiefe und Sinken und Aufsteigen auf meinen Körper wirkt. Und genau das ist das Entscheidende, weil ich muss immer auch mit dieser Information irgendetwas veranlassen. Beim Tauchen ist es so, ein übertriebenes Sinken muss ich dadurch stoppen können, indem ich mein Tarierjacket mehr mit Luft fülle, sodass ich wieder in einen neutralen Status komme.

13:44Robby Loeltgen

Beim Fliegen ist es ähnlich. Ich will vielleicht in eine Thermik hinein. Muss dann spüren, wo ist die Thermik am stärksten? Wie kann ich es überhaupt schaffen, in der Thermik drin zu bleiben? Ich muss versuchen, mich zu zentrieren. All diese Dinge sind schon sehr, sehr ähnlich. Und nützlich ist es natürlich, und das hat mir tatsächlich sehr viel genutzt, die mentale Stärke, die man über die Jahre beim Tauchen bekommt.

14:12Robby Loeltgen

Bedeutet, wir wissen, bei jedem Start beim Gleitschirm wird der Puls gestärkt. Das kann jetzt immer über 100 sein. Selbst bei erfahrenen Piloten hat man Untersuchungen gemacht, die darauf hindeuten, dass der Puls einfach nicht bei 60 oder 50 bleibt, wenn der Start unmittelbar bevorsteht. Und das ist beim Tauchen nicht anders. Beim Tauchen vor dem Einstieg in ein Gewässer, selbst wenn es ein Gewässer ist, was ich gut kenne, wird der Puls immer bei jedem Taucher leicht ansteigen, weil wir sind einfach nicht für diese Welt geschaffen. Für diese dreidimensionale Welt. Wir sind als Menschen reduziert auf die Zweidimensionalität. Und immer dann, wenn wir uns in Gegenden bewegen, für die wir eigentlich ursprünglich nicht geschaffen wurden oder seit vielen Millionen Jahren vielleicht nicht mehr geschaffen sind, dann bedeutet das, dass unser Körper damit darauf reagiert.

14:58Robby Loeltgen

Und genau das ist beim Tauchen überhaupt nicht anders als beim Fliegen. Und ich glaube, das Gewöhnen an diese Situationen und das Überbeanspruchen der mentalen Leistung greift nicht so schnell Platz. Ich glaube, das kann man vom Tauchen eins zu eins zum Fliegen übertragen. Und das hat mir sicherlich sehr genutzt. Welche

15:19Lucian Haas

besonderen Techniken gibt es denn gerade, die man als Taucher lernt, die man vielleicht als Pilot gar nicht mal so viel lernt? Weil häufig, ist zumindest meine Erfahrung, es wird viel um Flugtechnik und Wetter und sonst was gesprochen, aber wenig um auch mentale Stärken eines Piloten, auch in der Ausbildung oder sowas. Was lernt man als Taucher, wo man sagen könnte, hey, diese Beruhigungstechnik. Oder Zentriertechnik oder was auch immer, also vom geistigen Zentrieren her, könnte man dann als Pilot

15:47Robby Loeltgen

anwenden? Leider nicht. Also offiziell gibt es sowas nicht als Lerninhalt. Aber die Techniken, die jeder von uns kennt oder die viele von uns kennen, die kann man natürlich beim Tauchen genauso anwenden wie beim Fliegen auch. Denn die Sinne zu schärfen beim Tauchen macht natürlich genauso viel Sinn wie beim Fliegen. Und es ist tatsächlich so, dass die Bedingungen am Startplatz erstmal auf einen wirken müssen. Das ist beim Taucheinstieg nicht anders. Auch das Tauchen oder der Beginn eines Tauchgangs, ähnlich wie der Beginn eines Fluges, darf nie in Hektik und Stress ausarten. Sodass man überhaupt die Möglichkeit hat, die Wahrnehmungen auf mein Umfeld zu erweitern und nicht vor einer dunklen Wand zu stehen und irgendwie in ein dunkles Loch zu springen oder zu fliegen.

16:36Robby Loeltgen

Sondern ich muss... Ich muss versuchen, mich darauf zu reduzieren, dass ich ruhig werde, dass ich ruhig atme, dass ich den Puls in einem vernünftigen Bereich halte. Und dazu braucht es bei vielen sehr, sehr viel Zeit. Und das ist eigentlich ein Tipp, den man aus dem Tauchen absolut ins Fliegen übertragen kann. Sich tatsächlich diese Zeit auch zu nehmen. Es wird nie so sein, dass man irgendwas verpasst. Denn das, was man vielleicht erreichen möchte, die geeignete Blase am Start eines Gleitschirmfluges oder der Walhai, der just am Ende dann vorbeikommt, den ich unheimlich gerne sehen möchte, der kommt vielleicht erst noch.

17:21Robby Loeltgen

Und viele geraten schnell in so eine Stresssituation, wenn sie sich von außen in so eine Hektik bringen lassen. Und genau da muss man aktiv entgegenwirken. Wenn man spürt, dass man dafür anfällig ist. Du

17:39Lucian Haas

hast gerade mal gesagt, wir als Menschen sind ja für 2D gebaut, nicht für diesen dreidimensionalen Raum. Nun ist das Fliegen, da begeben wir uns in den dreidimensionalen Raum in die Luft. Beim Tauchen dreidimensionaler Raum ins Wasser, wie du sagst. Was ist denn aus deiner Sicht der größere Schritt? Oder was ist vielleicht die größere Überwindung, die man als Mensch da aufbringen muss?

18:00Robby Loeltgen

Ich glaube schon, dass es das definitiv beim Fliegen ist. Weil im Unterschied zum Tauchen, oder es gibt einen ganz, ganz krassen Unterschied zum Tauchen. Beim Fliegen ist es so, wenn ich einmal abgehoben habe und wir stellen uns eine Startfläche vor, die jetzt nicht wie am Monte Baldo am Gardasee immens groß ist, wo ich immer wieder in einem Kreis auch wieder einlanden könnte. Sondern tatsächlich die klassische Startsituation. Dann muss man sich eigentlich vorstellen, sobald man abgehoben ist, gibt es eigentlich kein Zurück mehr. Kein Zurück bedeutet natürlich, ich kann schon auf direktem Wege. Vielleicht zum Landeplatz fliegen und den Flug relativ kurz halten. Aber im Unterschied zum Tauchen ist es natürlich so, dass ich den Flug schon absolvieren muss. Beim Tauchen ist das vielleicht ein bisschen günstiger für die mentalen Kräfte, weil ich kann den Tauchgang natürlich relativ schnell wieder beenden.

18:51Robby Loeltgen

Ich kann also 20 Zentimeter abtauchen und stelle dann fest, die Strömung ist mir doch zu stark. Oder die Sicht unter Wasser, die ich vorher schlecht einschätzen kann. Ist nicht für mein Können geeignet, weil ich vielleicht auf fünf bis zehn Meter Tiefe immer nur die Hand vor Augen sehen kann und erst dann sich ein großes Sichtfeld auftut. Dann kann ich nach 20 Zentimetern Tauchtiefe den Tauchgang dennoch wieder beenden. Und das ist eben der krasse Unterschied zum Fliegen, wo das nun mal nicht möglich ist.

19:24Lucian Haas

Aber es gibt auch das Gegenteil, dass gerade wenn du länger tauchen warst und länger in größerer Tiefe tauchen warst, kannst du ja nicht einfach schnell auftauchen. Also beim Gleitschirmfliegen machst du die Ohren rein, dann geht es schnell runter. Aber beim Tauchen heißt es, nein, aus der Tiefe heraus, du musst ja immer Dekompression machen, weil sich der Körper erst wieder an die unterschiedlichen Druckstufen da anpassen muss. Ist dadurch quasi, wenn du einmal wirklich tief warst, im Grunde ja die Umkehr dann auch wieder möglich.

19:50Robby Loeltgen

Ja, das könnte man so glauben. Wenn man an die alten Cousteau -Filme denkt, dann ist es vielleicht so diese Auffassung, die so vorherrscht. Aber faktisch ist es nicht so. Denn ein Tauchgang ist eigentlich im Sporttauchbereich so definiert, dass man eigentlich jederzeit wieder auftauchen kann. Aus jeder Tiefe, die man erreicht, sofern man denn die Grenzen des Tauchens einhält. Die kann ich natürlich problemlos überschreiten. Und dann trifft genau das zu, was du gerade beschrieben hast, dass ich Dekompressionsstufen einhalten muss, dass ich den Weg nach oben zeitlich ganz anders wieder gestalten muss. Im Sporttauchbereich, und darüber reden wir ja eigentlich, wenn wir vom klassischen Gerät sprechen,

20:34Robby Loeltgen

kann ich eigentlich aus jeder Tiefe wieder auftauchen. Das heißt, ich muss zwar eine Auftauchzeit einhalten, das heißt, ich darf nicht wie ein Pfeil aus dem Wasser auftauchen, sondern ich muss in einer bestimmten Zeit nur eine bestimmte Höhendifferenz überschreiten, durchtauchen. Aber die ist relativ schnell. Und so dass ich eigentlich, wenn man berücksichtigt, dass ich 18 Meter pro Minute zurücklegen darf, also vertikal zurücklegen darf, ja, dann kann ich schon aus 10 Meter Tauchtiefe, bin ich schon in einer halben Minute wieder an der Wasseroberfläche. Alles darüber hinausgehende sind Sicherheitsstandards, die man zusätzlich einbaut. Es gibt beim Tauchen schon auch einen Sicherheitsstopp, der einzuhalten ist. Auch bei jedem Tauchgang einzuhalten wäre, das heißt, ich bleibe dann nochmal für eine gewisse Minutenanzahl,

21:25Robby Loeltgen

in 5 Meter Tauchtiefe. Oder Wassertiefe, um den Rest Stickstoff des Körpers noch die Chance zu geben, den Körper zu verlassen. Aber das sind einfach nur zusätzliche Sicherheitsfeatures, die man noch einbauen könnte oder die man einbauen muss. Aber Fakt ist, man kann letztlich aus 20 Meter Tiefe innerhalb von einer Minute circa die Wasseroberfläche wieder erreichen. Und das ist beim Fliegen nun mal nicht so. Ich muss, selbst wenn es nur ein kurzer Flug ist, dann kommen wir aber immerhin noch auf 3, 5, 7 Minuten, die ich durchlebe. Und zwar ganz alleine, ohne einen Tauchpartner, ohne einen Flugpartner, um die Erde wieder sicher erreichen zu können. Und das ist auch ein bisschen der klassische Unterschied beim Tauchen. Eine der Grundregeln des Tauchens, zumindest für den Einstiegsbereich, gilt ja, dass man niemals alleine taucht, sondern immer im Buddyteam.

22:16Robby Loeltgen

Und damit kann man sich gegenseitig unterstützen unter Wasser. Im Falle eines technischen Problems oder im Falle eines Unwohlseins habe ich die Möglichkeit, mich zu unterstützen. Und genau die Unterstützung fehlt mir natürlich ein klein bisschen in der Luft, wo ich definitiv immer und von der ersten Stunde des Fliegens an für mich alleine verantwortlich zeichnen muss.

22:39Lucian Haas

Lass uns mal ein bisschen über die Ausbildung reden. Du bist ja Tauchlehrer jetzt seit fast 20 Jahren und arbeitest für PADI. Das ist die international größte Organisation, also kommerzielle Organisation für Tauchausbildung mit Tauchbasen auf der ganzen Welt und so weiter. Mittlerweile bist du da sogar der Tauchlehrer für die Tauchlehrer, also Tauchlehrer -Instructor oder so was. Und bist auch daran beteiligt, die ganzen Ausbildungsinhalte mitzuentwickeln und die Standards dafür zu entwickeln und so weiter. Das wäre, wenn man das aufs Gleitschirmflieger überträgt, so was, als würdest du im DHV -Lehrteam mitsitzen und damit auch entscheiden, was da eigentlich gelehrt werden soll und so was. Inwieweit lässt sich denn so eine PADI -Ausbildung mit der Ausbildung in einer Flugschule vergleichen?

23:25Lucian Haas

Aus deiner Erfahrung her.

23:26Robby Loeltgen

Ja, sie lässt sich schon sehr stark miteinander vergleichen. Es sind ja ähnliche Inhalte. Es gibt so ein bisschen technische Inhalte. Es gibt so ein bisschen Wetterinhalte. Es gibt so ein bisschen physiologische Inhalte. Also es sind schon sehr, sehr viele parallele Bereiche, mit denen man sich sowohl beim Fliegen als auch beim Tauchen auseinandersetzen muss. Und insofern ist die Ausbildung zum Arscheinpilot sicherlich schon vergleichbar. Zur Ausbildung eines Open Water Divers bedeutet also derjenige, der später allein verantwortlich mit einem Taucher, mit einem Tauchpartner unter Wasser gehen kann. Insofern sind diese Bereiche schon sehr vergleichbar, kann man sagen. Gibt es

24:09Lucian Haas

denn Sachen, wo du sagen würdest, das läuft bei PADI oder auch anderen Tauchausbildungen, aber bleiben PADI, da hast du die Erfahrung mit, das läuft da trotzdem irgendwie anders?

24:20Robby Loeltgen

Ja, natürlich habe ich die Einstellung, dass es da ein bisschen anders läuft. Ist aber aus der Historie irgendwo auch nachvollziehbar. Der DHV ist natürlich ein Verband, der keine Konkurrenz hat. Das heißt, wer in Deutschland in die Luft gehen will als Gleitschirm-Blog, der muss eine DHVA -Scheinlizenz erreichen, um dann überhaupt jeglichen Flug machen zu können. Und das ist beim DHV so. Beim Tauchen ein bisschen anders. Es gibt mehrere Verbände, es gibt keinen Schein, wo ein Bundesadler vorne drauf ist, sondern es gibt Tauchscheine verschiedener oder Tauchzertifizierungen verschiedener Organisationen.

25:10Robby Loeltgen

Und insofern gibt es da natürlich auch ein Konkurrenzverhalten zwischen den Organisationen, was natürlich den Vorteil hat, dass sie sich viel schneller weiterentwickeln müssen, als es eine verbandsorientierte Organisation ist. Und das ist natürlich auch ein Grund, warum man eine solche Organisation tun kann überhaupt. Und insofern gibt es natürlich auch Unterschiede. Gerade im Bereich, als ich selbst den Ahrschein damals gemacht habe, musste ich schon manchmal so ein bisschen schmunzeln. Das ist noch so ein bisschen, naja, manchmal hatte man so ein bisschen das Gefühl, es ist noch eine leichte Staubschicht auf den Formularen, bildlich gesprochen. Weil noch sehr viel nach gleicher Art und Weise funktioniert, wie die Dinge eigentlich schon vor ein paar Jahren. 20, 30 Jahren funktioniert haben werden.

25:57Robby Loeltgen

Und da muss man dann schon manchmal ein bisschen schmunzeln. Das heißt ja nicht, dass die Qualität schlechter ist. Um Gottes Willen, das will ich damit gar nicht zum Ausdruck bringen. Aber die Lerntechnik, die Lerntaktik hat sich verändert im Laufe der letzten 20 Jahre. Und ich beobachte jetzt, dass man auch im DAV Prüfungen allmählich mit digitalen Optionen machen kann. Und ja, dahin geht natürlich auch der Weg. Und den hat die Tauchbranche vielleicht oder zumindest der Paddy -Bereich im Tauchen schon sehr früh eingeschlagen und sehr erfolgreich eingeschlagen. Und das bedeutet, dass man da schon etwas mehr am Puls der Zeit unterwegs

26:39Lucian Haas

ist. Du hast gerade von der Staubschicht auf den Formularen gesprochen. Was müsste man denn tun? Oder in welchen Bereichen würdest du sagen, da wäre es am dringendsten nötig, die Gleitschirmausbildung zu entstauben?

26:50Robby Loeltgen

Ja, ich glaube, das ist nicht mehr zeitgemäß. Es ist, dass man zur Ausbildung eines A -Schein -Piloten unbedingt eine bundesweit organisierte Prüfung wahrnehmen muss. Sondern ich bin schon der Auffassung, dass eigentlich jeder Fluglehrer vielleicht mit einer Zusatzausbildung in der Lage sein müsste, den Abschluss der Ausbildung zu zertifizieren.

27:16Robby Loeltgen

Weil gerade die Zahlen im Bereich des Gleitschirmsports sind ja in den letzten Jahren, deutlich angestiegen, sodass man sich auch die Frage stellen muss, ist das noch zeitgemäß, dass wir alle A -Schein -Aspiranten dann zu einem Flugprüfer schicken müssen? Was ja auch wieder ein organisatorischer Aufwand ist, der ja auch finanziell sich kaum rechnet und auch wirklich problematisch ist, manchmal organisatorisch durchzuführen. Und wäre es nicht sinnvoller, dass wir Fluglehrer soweit zertifizieren, dass sie selbst in der Lage sind, dann auch die Prüfung letztendlich abzunehmen? Sodass man es viel einfacher in den Ausbildungsablauf mit hineinbauen kann.

28:02Lucian Haas

Müsste man dafür aber da nicht eigentlich die Ausbildungsinhalte irgendwie viel stärker standardisieren, dass du wirklich weißt bei Flugschule A, wenn der da den A -Kurs gemacht hat, weiß ich ganz genau, was er gelernt hat. Wenn man heute bei den Flugschulen guckt, manche ja okay, die machen das seit 30 Jahren und die einen arbeiten vielleicht noch mit, wer weiß. Vielleicht gibt es wenig. welche noch mit irgendwelchen Folien arbeiten, die sie dann auf einen Folienprojektor dann auflegen. Der Nächste erzählt ein bisschen was von seiner Erfahrung. Der andere hat super bestvorbereitete PowerPoint oder sonst irgendwie was. Aber was wirklich als Inhalt vermittelt wird, natürlich gibt es so ein Curriculum, was dann auch vom DRV abgefragt wird in den Fragen und so weiter. Aber so wirklich den echten Standard, wo du wirklich sagen kannst, dieses Basiswissen kann ich bei allen genauso erwarten, ist ja im jetzigen System nicht wirklich absolut so garantiert.

28:56Lucian Haas

Was macht Paddy an dieser Stelle zum Beispiel anders? Ja,

28:59Robby Loeltgen

ich denke schon, dass es garantiert ist dadurch, dass ich natürlich einen Flugschüler zur Prüfung zulasse und ihm natürlich dann einen Prüfer vorstelle, der ja letztendlich dann sein Programm absolviert. Und dann zeigt der Flugschüler ja, was er vorher schon gelernt hat. Und in der Theorieprüfung ist es ja vergleichbar. Also letztlich gibt es schon diese Standards, die du ja auch beschrieben hast. Und die Frage ist ja nur, wer überwacht diese Standards und wer zeichnet dafür verantwortlich, dass diese Standards eingehalten werden. Und du hast vollkommen recht, das gibt es in vielen Tauchsportverbänden auch, dass genau nach gleichem Modus verfahren wird. Der Tauchschüler schleppt vielleicht die Pressluftflaschen während seines Kurses ständig von links nach rechts und belädt den LKW viel schneller als andere und bekommt dann die Prüfung.

29:51Robby Loeltgen

Er bekommt dafür möglicherweise irgendwann am Ende sein Zertifikat als Open -Water -Diver. Das wäre fatal, wenn es so wäre, aber ich denke schon, dass es sowas noch gibt. Aber im Pedi -System ist es so, dass es bedingt durch Fortbildungen, die die Tauchlehrer immer wieder wahrnehmen müssen, gibt es dann schon die Möglichkeit, immer wieder auch auf sie einwirken zu können,

30:18Robby Loeltgen

sodass darüber gewacht wird, dass die Tauchlehrer immer wieder wahrnehmen müssen. Dass die Standards eingehalten werden. Im Tauchsport gibt es, zumindest im Pedi -System, auch ein Qualitätsmanagement. Da unterscheidet sich Pedi im Wesentlichen von zahlreichen anderen Tauchsportorganisationen, die auf dieses teure Instrument der Qualitätssicherung verzichten. Man kann sich schon vorstellen, dass es sehr aufwendig ist, eine Qualitätssicherungsabteilung zu haben, die immer wieder sporadisch schaut, die alle Unfälle untersucht, die immer wieder schaut, nach welchem Urlaub, nach welchen Modi wird in verschiedenen Tauchschulen ausgebildet. Werden die Standards eingehalten? Es werden Qualitätsmanagements, Fragebögen versandt an die Tauchschüler,

31:04Robby Loeltgen

die sie ja natürlich auch online ausfüllen können, sodass abgefragt wird, was hast du in deinem Tauchkurs gelernt? Da werden bestimmte Dinge dann auch ganz konkret abgefragt, sodass der Tauchschüler auch gar keine Chance hat,

31:18Robby Loeltgen

irgendetwas anzukreuzen. Und im Sinne eines potenziellen Guttuns zu einem Tauchlehrer zu agieren, das gelingt ihm gar nicht, weil er nicht genau weiß, was der Hintergrund dieser Frage ist. Sodass auf diese Art und Weise geprüft werden kann, halten sich alle unsere Tauchlehrer auch an diese Standards, die für uns alle so wichtig sind, weil sie natürlich dann durch die weltweite Konsistenz der Ausbildung, die absolut gleich sein soll auf der ganzen Welt, dann einen relativ hohen Standard erreichen kann. Man weiß, man kann sich heute darauf verlassen, der Open -Water -Diver, der im PADI -System in Deutschland ausgebildet wurde, der kann in Thailand tauchen gehen und derjenige, der ihn in Thailand mit auf sein Tauchboot nimmt, weiß genau, was dieser Mensch in seiner Ausbildung gelernt hat.

32:08Robby Loeltgen

Das ist beim Gleitschirmfliegen leider nicht so, sondern da sind die Ausbildungsverordnungen in jedem Land deutlich anders, bis hin zu nicht vorhanden.

32:18Lucian Haas

Wenn man sich jetzt auch so eine Gleitschirmfliege, eine Gleitschirmausbildung anguckt, okay, man kann den A -Schein machen, das ist im Grunde alle Flugfertigkeiten, die man theoretisch so braucht, ob man dann am Ende praktisch alles schon so kann, wie man es sinnvoll wäre, ist immer die Frage. Dann gibt es noch den B -Schein und dann kommt eigentlich nichts, wenn man sich jetzt so ein PADI -System anguckt. Da gibt es allein, ich glaube, mindestens vier Grundstufen, so Bubble -Maker, Scuba -Diver, Open -Water -Diver, Dive -Master, aber darunter gibt es noch etliche Subpakete, nenne ich das mal. Alles Mögliche. Alles Mögliche, was man da machen kann. Was habe ich hier stehen? Zum Beispiel irgendwie Digital Underwater Imaging, Diver Propulsion, Vehicle Diver, Drift Diver, Dry -Suit Diver, Enriched Air Diver, alles so Zusatzscheinchen, die man wahrscheinlich da machen kann.

33:04Lucian Haas

Wäre so etwas auch fürs Gleitschirmfliegen sinnvoll, dass man es viel stärker in Einzelsektionen unterteilt, dass man zum Beispiel sagt, du hast gezeigt, du kannst wirklich gut sohren, fürs Küstenfliegen beispielsweise, und dann es gibt einen Schein für, du kannst wirklich gut Thermik fliegen, oder du kannst wirklich gut Ground handeln und sowas, und dass man sowas entsprechend viel systematischer aufbaut?

33:25Robby Loeltgen

Absolut, absolut. Du sprichst mir eigentlich aus der Seele, genau das war auch mein Gedanke, als ich irgendwann das Ausbildungssystem des DHVs durchblickt habe und erkannt habe, wie es genau funktioniert und dass wir eigentlich, wenn wir ganz ehrlich sind, ja eigentlich nur einen A -Schein brauchen und das war's. Und viele andere Länder organisieren das etwas anders und packen viel mehr Bestandteile, in diese A -Schein -Ausbildung. Darüber möchte ich gar nicht urteilen, weil dazu fehlt mir einfach auch die Erfahrung. Aber aus Marketing -Gesichtspunkten muss ich ganz klar sagen, gibt es ein erhebliches Potenzial, was man ausschöpfen könnte im Bereich der Flugausbildung, wo sicherlich noch einiges möglich wäre.

34:11Robby Loeltgen

Und die Dinge, die du schon angesprochen hast, das sind genau die Dinge, auf die man eigentlich kaprizieren müsste. Man müsste tatsächlich die Ausbildung mehr modulhafter gestalten, sodass man während seiner Ausbildung ein Groundhandling -Modul zwingend einbaut und zwar nicht zwingend dort einbaut, wo man in der Flugschule, in der man vielleicht seine Theorieausbildung gemacht hat, sondern diese Module müssen eigentlich viel flexibler zu handhaben sein, sodass eine Flugschule in der Lüneburger Heide sehr wohl in der Lage ist, einen Groundhandling -Schein auszustellen, der dann aber notwendig ist, dass gemeinsam mit dem steile Startplätze -Schein oder was auch immer kombiniert werden kann,

34:57Robby Loeltgen

sodass man irgendwann alle Voraussetzungen erfüllt hat, um dann letztendlich noch einen Prüfungsflug bei der Flugschule zu machen, wo man sich vielleicht ursprünglich angemeldet hat. Die Zusammenarbeit mit den Flugschulen untereinander ist in meinen Augen, so wie ich es denn beobachten kann, und so ich es mit meiner bescheidenen Erfahrung sagen kann, sicherlich eher auf Konkurrenz ausgelegt als auf Zusammenarbeit. Und das macht die Sache oft so kompliziert, dass natürlich die Flugschule A sich sehr leicht die Wurst vom Brot nehmen lässt von der Flugschule B, was gar nicht sein müsste. Viele Dinge, die gerade die in den Bergen angesiedelten Flugschulen als zeitlich schwierig einzubauen betrachten, die könnten Flugschulen, im Flachland problemlos bewerkstelligen.

35:50Robby Loeltgen

Wenn wir das Beispiel Groundhandling nehmen, wo wir uns sicherlich einig sind, dass das quasi die Grundschule ist, die eigentlich jedem Flugschüler viel intensiver vermittelt werden müsste, aber aus Zeitgründen natürlich oft auch nicht so intensiviert werden kann. Verstehe ich auch, weil es alles immer in Urlaubstagen, in Urlaubswochen gepresst werden muss. Aber ich sehe es schon so, dass gewaltig oft, wenn es nicht potenziell verloren geht und damit natürlich auch die Möglichkeit genommen ist, Flugschüler optimal auf ihr Flugleben vorzubereiten. Und da wäre noch einiges denkbar. Du hast gerade angesprochen, im Pedi -System gibt es sehr viele, wir nennen das Spezialkurse. Die sind nicht verbindlich, die muss man nicht anbieten und die muss man nicht durchlaufen bis auf einige wenige, wo es um Spezialgase geht, speziellere Gase geht, die ich verwenden möchte unter Wasser.

36:43Robby Loeltgen

Da ist es schon Voraussetzung. Aber im Großen und Ganzen, du hast Digital Imaging angesprochen. Ja, aber auch das ist natürlich ein Thema im Flugsport. Wie viele Menschen haben heute eine GoPro dabei oder eine vergleichbare Action -Cam dabei, mit der sie unterwegs sind und Filme machen wollen, Fotos machen wollen? Nicht zuletzt ich selbst. Trotzdem ist jedem verantwortungsvollen Piloten klar, wie leicht es passieren kann, sich von diesen technischen Features, die zusätzlich beim Fliegen noch dazukommen, wie Kameraeinstellungen, Mikrofoneinstellungen, was auch immer, wie sehr die einen tatsächlich vom Fliegen abhalten können oder von der Konzentration auf den Flug abhalten können. Und das ist natürlich nicht unproblematisch. Bis hin zur Befestigungsoption der Kamera irgendwo im Bereich des Piloten oder im Bereich des Fluggerätes, was auch mitunter sehr problematisch sein kann.

37:35Robby Loeltgen

Das wäre sicherlich eine Ausbildung wert. Absolut. Da wäre es sicherlich möglich, dass man nicht nur in Online -Tutorials sich diese Dinge macht,

37:47Robby Loeltgen

sondern auch in praktischen Workshops sich diese Dinge vermitteln lässt und auch genau herauskristallisieren kann, wo liegen die Problempunkte bei einer Kamera auf dem Helm oder bei einer Kamera in der Hand, wie auch immer. Da ist

38:02Lucian Haas

noch einiges möglich. Wenn man sich diese vielen Spezialkurse anguckt, das wird vom PADI -System so angeboten. Das heißt aber auch, jeder Kurs muss sich natürlich Kursgebühren bezahlen. Es ist eine schöne Einnahmequelle für die Tauchschulen entsprechend, weil die dann immer sagen können, pass mal auf, dann kannst du noch den Kurs machen, den Kurs. Sind da vielleicht die Gleitschirmschulen auch zu wenig kreativ, was solche Einnahmemöglichkeiten betrifft?

38:27Robby Loeltgen

Ja, man muss natürlich tatsächlich sagen, ich glaube nicht, dass sie zu wenig kreativ sind. Ich glaube einfach, dass es einen immensen Zeitaufwand bedarf, bis man diese Ausbildungsteile dieser Spezialkurse in ein standardisiertes Korsett gepresst hat und sie einem in dann ja dann Fluglehrer zur Verfügung stellt. Das ist also wirklich sehr, sehr viel Aufwand. Nur hier ist eben ein Unterschied vom DHV zu einer professionellen Organisation wie PADI gegeben, die das für die Tauchschulen zur Verfügung stellt. Im Regelfall hat sich das nicht ein Tauchlehrer ausgedacht, wie man Unterwasserströmungstauchen am besten vermittelt, sondern das ist durch die Tauchsportorganisation erstellt worden.

39:13Robby Loeltgen

Und jeder Tauchlehrer kann diese Spezialausbildung auf Instruktorniveau, also auf Lehrerniveau, sich ausbilden lassen und darf dann diesen Spezialkurs unterrichten. Und das wäre natürlich sicherlich auch etwas, was eigentlich auch eher in den Aufgabenbereich eines Dachverbandes gehört und nicht in eine Flugschule, weil dann sind diese Dinge auch nicht mehr miteinander vergleichbar. Sie sollen ja für den Instruktoren relativ einfach zu vermitteln sein. Dann muss der Instruktor aber auch wissen, wie vermittle ich es denn? Was ist denn wichtig? Welche Gegenstände benötige ich, um das zu vermitteln?

39:55Robby Loeltgen

Welche Inhalte soll ich vermitteln? Welchen Zeitaufwand muss ich berechnen, um zu vermitteln? Und ja, all diese Dinge werden vorher festgeschrieben und an denen kann sich der Tauchlehrer dann orientieren, um beispielsweise das Fotografieren oder das Filmen unter Wasser vermitteln zu können und anderen Leuten beizubringen.

40:19Lucian Haas

Nun sind diese Ausbildungsstrukturen im Gleitschirmfliegen ja in der Regel national geprägt. So wie der DAV, da kriegst du es halt für den deutschen Schein und du kannst in Österreich einen Schein für Österreich und Deutschland machen. Die kooperieren ein bisschen. In der Schweiz machst du den Schweizer Schein, der ein bisschen anders strukturiert ist und so weiter. Wäre es eigentlich nicht viel sinnvoller, mehr in die Richtung zu denken, man bräuchte eigentlich so ein internationales, international gültiges System, ein international irgendwie angepasstes System, ähnlich wie so ein Paddy, aber wo du sagst, auf Gleitschirmen bezogen, wo der DAV dann ein bisschen seiner Macht abgeben müsste oder so was, wo man sagt, man harmonisiert das, zumindest vielleicht erst mal europaweit oder so was. Vielleicht wäre so ein Ausbildungssystem was für eine EHPU, also als Europäische Gleitschirmorganisation.

41:08Robby Loeltgen

Absolut. Du sprichst mir aus der Seele. Genau das denke ich auch, dass es wichtig wäre, möglichst viele Standards zu entwickeln und möglichst viele Konzepte zu entwickeln, die eine weltweite, am besten eine weltweite Gültigkeit haben. Das ist natürlich schwer, das ist uns allen klar. Und es geht eigentlich nur über den Weg, dass es professionelle Schulen gibt, wie wir jetzt hier haben. Wir haben ja, das sind ja Einzelunternehmen oder Unternehmen, die mit dem DAV zunächst mal nichts zu tun haben, die sich allerdings den Ausbildungsstandards des DAVs natürlich unterwerfen müssen. Da spricht ja gar nichts gegen, dass diese ganze, diese zahlreichen Ausbildungsunternehmen einen Ausbildungsstandard wählen, den eine professionelle Organisation ihnen überstülpt und der dann letztendlich vom DAV nur noch evaluiert wird im Rahmen von Prüfungsinstrumentarien.

41:57Robby Loeltgen

So funktioniert es ja im Tauchbereich auch. Nur im Tauchbereich ist es so, dass es eben keine übergeordnete Instanz seitens der Bundesrepublik gibt, sondern da ist es halt so, dass man, solange die Zahlen so sind, wie sie sind, auch die Unfallzahlen, sagt man einfach, hier muss der Gesetzgeber nicht noch zusätzlich eingreifen, um eine Lizenz erreichbar zu machen, die dann eine bundesweite Gültigkeit hat. Da sagt einfach der Gesetzgeber, so wichtig ist es nun doch wieder nicht, wenn die Menschen unter Wasser gehen. Hier sehen wir keinen Regelungsbedarf. Den Regelungsbedarf sieht man im Flugspurt, im Sport sehr wohl, das kann ich auch nachvollziehen,

42:42Robby Loeltgen

weil man durch sein Fluggerät möglicherweise in ganz andere Bereiche eintrifft. Man gefährdet ja möglicherweise nicht nur sich selbst, sondern durch entsprechende Fluggeräte möglicherweise eine Vielzahl von Menschen. Das bedeutet, der Gesetzgeber hat die Notwendigkeit gesehen und auch nachvollziehbar, dass er eine bundesweit einheitliche Lizenz zum Ziel macht. Das könnte man ja absolut auch genau so lassen. Nur man muss, denn die Ausbildung letztendlich, die muss man vielleicht anders strukturieren, anders organisieren, sodass der freie Markt die Möglichkeit hat, diese Ausbildung an den Endkunden, an den Flugschüler zu bringen, um dann letztendlich ihm dann die Möglichkeit zu geben, in letzter Instanz beim DHV die Prüfung abzulegen und das war's.

43:33Lucian Haas

Es gibt ja eine, zumindest international gesehen, eine PADI -ähnliche Organisation, auch fürs Gleitschirmfliegen, die nennt sich APPI, Association of Paragliding Pilots and Instructors. In Deutschland ist sie weniger bekannt, aber in Osteuropa, in Asien, in Südamerika gibt es etliche Flugschulen, die nach diesem System arbeiten. Und wo es auch so Stufen gibt, auch Sonderkurse gibt, wie beispielsweise, man muss so eine Groundhandling -Grundstufe machen und eine Thermischfliegenstufe machen, um ein bestimmtes Pilotenlevel da entsprechend zu erreichen, wäre das etwas, wo du sagen würdest, das ist eigentlich the way to go?

44:12Robby Loeltgen

Ja, genau. Ich habe es mir angesehen und es ist sehr, sehr ähnlich. Wahrscheinlich auch, ich würde fast behaupten, man hat sich im Tauchbereich umgeschaut, weil sehr, sehr viele Dinge sehr, sehr ähnlich wirken. Und ja, letztendlich ist es genau das, wovon wir jetzt gerade gesprochen haben. Man muss nur versuchen, eine solche Weltweite zu schaffen, eine weltweit tätige Organisation natürlich so weit zu bringen, dass sie eine Akzeptanz in allen Nationen erreichen kann. Und das ist nicht so einfach, das zu harmonisieren. Das ist im Tauchbereich insofern deutlich einfacher, weil wir halt nicht die Gesetzesvorlagen haben oder die Vorgaben haben, die die einzelnen Länder uns präsentieren.

45:02Robby Loeltgen

In Ansätzen gibt es das im Tauchbereich auch. Auch in manchen Ländern hat das Pedi -System so seine Schwierigkeiten.

45:10Robby Loeltgen

Aber das, was du da ansprichst, ist eigentlich genau der Weg, der in meinen Augen die Zukunft darstellt. Nur es gibt halt wenig, man spürt wenig Initiative, dass von Seiten der europäischen Verbände eine solche Organisation für sich nutzbar gemacht wird. Dass man die Vorteile eines solchen Systems annimmt ohne sich selbst irgendwo nachteilig darzustellen. Das ist gar nicht nötig, denn ich glaube tatsächlich, dass auch wenn man den DHV als Institution sieht, der hat gewaltig viel zu tun und würde wahrscheinlich gar keine Bereiche verlieren, sondern sie könnten ihre Schwerpunkte ganz anders setzen.

46:01Robby Loeltgen

Und vielleicht könnten sie auch den Fokus mehr in andere Bereiche richten, wo sie einfach unschlagbar sind.

46:10Lucian Haas

Wenn du jetzt mal so auf deine fünf Jahre Flugerfahrung aus der Praxis zurückguckst, wo hast du denn dabei so die größten Defizite bei dir erkannt, wo du sagst, da hätte ich gerne schon mehr in der Ausbildung erfahren, anstatt später quasi durch Learning by doing oder vielleicht sogar durch schlechte Erlebnisse oder sonstiges?

46:29Robby Loeltgen

Also ich persönlich kann meiner eigenen Ausbildung gar nichts sagen, sondern sie ist absolut standardkonform abgelaufen. Nach dem, was ich selbst über das Ausbildungssystem weiß und bin auch sehr zufrieden mit der Ausbildung.

46:44Robby Loeltgen

Trotzdem glaube ich, dass eins in meiner eigenen Ausbildung arg zu kurz gekommen ist, was mich wahrscheinlich von vornherein schneller weitergebracht hätte, wenn ich den Wert damals schon erkannt hätte. Und das ist der Bereich Groundhandling. Ich finde, und jüngst in der DHV -Zeitung, witzigerweise, erscheint ein Bericht, der eigentlich genau das zum Inhalt hat, wo ich schon seit Jahren drüber nachdenke, dass über die Beschäftigung mit Groundhandling so viele Dinge vermittelbar sind, dass ich denke, dass dieser Bereich in der Ausbildung einen viel größeren Raum einnehmen müsste. Ich verstehe absolut, warum die Flugschulen dazu nur selten in der Lage sind. Denn Groundhandling wird immer nur da eingeschoben, wo es denn gerade zeitlich keine Flüge machbar sind, weil es gibt eine Mindestanzahl Flüge zu erreichen, in einer möglichst kurzen Zeit, damit jeder Flugschüler auch wirklich zufrieden ist und mit einem Ausbildungsabschluss dann auch seinen Urlaub beenden kann oder seinen Teilurlaub beenden kann.

47:47Robby Loeltgen

Das verstehe ich alles sehr genau, nur es ist wirklich schade, dass der Bereich Groundhandling nicht verbindlich in einem Ausbildungskonzept so verankert ist, dass eigentlich keiner mehr drum rumkommt viele Stunden auf der Wiese zu verbringen und da könnte man einwirken seitens des DHVs, dass man auch bestimmte Zeiten vorgibt, also man könnte Zeitennachweis erbringen lassen, die mit Groundhandling in Verbindung stehen und so weiter. Also da sind verschiedene Konstrukte denkbar, aber ich glaube, dass es wirklich sehr, sehr wichtig ist und wenn ich nicht selbst diesen Wert erkannt hätte, wäre ich wahrscheinlich auch in der Zeit, in der ich jetzt fliege, nie so weit gekommen,

48:41Robby Loeltgen

dass es wichtig ist, zu begreifen, wie wichtig diese Tätigkeit des Groundhandlings ist und so dann seine eigenen Flugfertigkeiten relativ schnell auf ein vernünftiges Maß zu bringen.

48:56Lucian Haas

Lassen wir mal dieses Thema Ausbildung damit gut sein. Du bist ja als Tauchlehrer -Ausbilder heute in der ganzen Welt unterwegs. Derzeit ist das ja auch so. Derzeit vielleicht nicht, wegen Corona und so weiter, da ist das auch alles eingeschränkt, aber in der Zeit, wenn du unterwegs bist oder demnächst wieder unterwegs sein kannst, aber jetzt auch rückwirkend, hast du da eigentlich immer deinen Schirm mittlerweile dabei? Ja,

49:17Robby Loeltgen

absolut, genau so ist es. Es ist wirklich witzig, dass ich mir angewöhnt habe, bei meinen ganzen Prüfungswochenenden, die ich ja tatsächlich überall auf der Welt mehr oder weniger wahrnehmen kann, dass ich auch eben meinen kleinen Schirm immer dabei habe. Ich habe so ein... Leichtschirm, mir dann vor ein paar Jahren zugelegt, mit einem Leichtgurtzeug, einem kleinen Retter, einem leichten Helm, sodass ich ein Flugzeug, ein vollkommenes Fluggerät immer dabei habe, was genau fünf Kilo wiegt. Also als Handgepäck in jedes Flugzeug auch mitzunehmen ist und tatsächlich mit Helm, Vario, Retterschirm und Gurtzeug komme ich genau fünf Kilo. Und das ist auch vom Ausmaß her so, dass es immer im Handgepäck dabei ist.

50:05Robby Loeltgen

Und ich nutze es tatsächlich hier und da immer wieder zum Fliegen, wenn ich in den Alpen unterwegs bin sowieso. Aber eben auch darüber hinaus versuche ich immer auch ein Fluggerät dabei zu haben und jede Möglichkeit zu nutzen, das mal

50:22Lucian Haas

einzusetzen. Lässt sich denn das Tauchen und Fliegen auf Reisen vernünftigerweise wirklich so kombinieren? Weil ich meine, viele Tauchspots sind, das ist klar, immer an der Küste, du brauchst das Meer. Kann man da immer auch irgendwie vernünftig sein? Kann man da vernünftig fliegen gehen? Findet man da immer was?

50:38Robby Loeltgen

Es ist manchmal gar nicht so einfach. Man muss manchmal sehr kreativ sein. Wenn ich jetzt mir vorstelle, ich mache eine Prüfung auf Mallorca und bin ein Wochenende mit Tauchern unterwegs auf Mallorca, dann habe ich natürlich die Möglichkeit, an jeden Küstenort Mallorcas zu kommen, um da die unterschiedlichen Windrichtungen zu erreichen und kann problemlos noch ein paar Stunden soaren gehen, wenn es denn passt von der Wettersituation. Aber manchmal muss man schon kreativ sein. Ich habe vor zwei Jahren dann tauchlehrermäßig in Malaysia zu tun gehabt, auf Borneo, und hatte auch mein Fluggerät dabei. Und witzigerweise hatte ich in diesen zwei Wochen Ausbildungsbetrieb einen Tag frei.

51:24Robby Loeltgen

Und es war glücklicherweise der einzige Tag, an dem man auch Flugbedingungen hatte, die vertretbar waren, sodass ich diesen einzelnen Tag dann tatsächlich noch nutzen konnte, um über den Urwald Borneos zu fliegen. Und es gab kaum Informationen darüber zu einem Stachplatz. Und es war gar nicht so einfach, den auch zu finden. Ich hatte nur GPS -Daten von diesem Stachplatz. Und habe ich da tatsächlich auf einem Urwaldpfad mit merkwürdigen Geräuschen von ganz vielen Tieren, die mir völlig unbekannt waren, durch den Urwald bis zu einem Stachplatz vorgearbeitet, der tatsächlich ein richtiger Stachplatz war. Der sah aus wie viele Stachplätze in den Allianz. Also wirklich, man könnte fast sagen, wie eine perfekt gemähte Wiese. Und konnte dann tatsächlich einen Traumflug über den Urwald Borneos machen.

52:14Robby Loeltgen

Natürlich ganz allein und damit natürlich auch mit einem anderen Risiko, als es der Fall ist, wenn ich in Annecy in einer Stachtreihe stehe. Aber dennoch vom Erlebnischarakter, vom Erlebniswert her natürlich ganz, ganz was Besonderes. Und ja, man muss sicherlich kreativ sein. Und man muss auch vorbereitungsmäßig seinen Katalog abarbeiten, was an Informationen notwendig ist. Um dann auch wettermäßig, da gibt es natürlich diese Apps, die wir alle kennen. Die gibt es vielleicht in anderen Bereichen der Welt nicht so. Oder die greifen nicht so auf die Daten. Oder man hat den Datenpool nicht so zur Verfügung, den man vielleicht von Mitteleuropa gewohnt ist.

52:58Robby Loeltgen

Ja, aber es geht.

52:59Lucian Haas

Es funktioniert. Du hast gerade kurz gesagt, ja, wir wissen wie Risiko. Weil ich war da alleine unterwegs. Wenn du mal beides vergleichen würdest, tauchen und fliegen, und gerade wenn man alleine tauchen geht, würdest du sagen, das eine ist riskanter als das andere und wenn ja, welches?

53:14Robby Loeltgen

Nein, ich würde eigentlich nicht sagen, dass beides krass unterschiedlich riskanter wäre. Nein, ich glaube, es ist absolut vergleichbar. Und wenn man die Unfallzahlen und ja, die Auswirkungen aus Unfällen sieht, dann ist es auch tatsächlich vergleichbar.

53:29Robby Loeltgen

Nur man muss natürlich berücksichtigen, wenn man die Unfallzahlen und ja, die Auswirkungen aus Unfällen sieht, wenn man klassisch in Mitteleuropa Gleitschirmfliegen unternimmt, dann wird man nur selten alleine am Startplatz sein, wenn ich offizielle Startplätze nutze. Oder wenn ich klassische Fluggebiete nutze, dann werden immer auch noch andere Menschen da sein. Das ist beim Tauchen genauso. Ich habe immer auch noch andere Menschen um mich herum. Wenn ich vom Tauchboot austauche, dann werde ich seltener alleine auf einem Tauchboot sein, sondern ich werde teilnehmen. Ich werde Teil einer Tauchgruppe sein. Wenn ich mit einem Tauchpartner irgendwo in einen See in Deutschland zum Tauchen gehe, habe ich immer einen Tauchpartner dabei. Das wird der Regelfall sein. Und so genau so ist es beim Fliegen ja auch.

54:15Robby Loeltgen

Der Unterschied in der Luft ist natürlich ein anderer. Und in der Luft passieren aber interessanterweise auch die wenigsten Unfälle, sondern Start und Landung sind das Problem. Und da sind im Regelfall auch Menschen. Das heißt, so alleine bin ich ja eigentlich gar nicht. Wenn ich aber jetzt dieses Malaysia -Beispiel nehme, dann bin ich ja nicht alleine. Dann bin ich natürlich alleine. Ich weiß nicht, ob in den nächsten 14 Tagen da überhaupt noch mal jemand vorbeigekommen wäre. Und wenn ich irgendwo im Urwald gelandet wäre in einem Baum, da würde ich wahrscheinlich heute noch hängen.

54:46Robby Loeltgen

Bedeutet, solche ausgesetzteren Fluggebiete, ausgesetztere Locations, die sind dann wieder eher vergleichbar mit einem Hike and Fly, den ich irgendwo vielleicht im Alpenbereich mache, der vielleicht in der Nähe eines Fluggebietes ist. Aber dann doch eben ein halbes Tal weiter, wo deutlich weniger Publikumsverkehr herrscht. Und dann ist das wieder eher vergleichbar. Aber sind wir ehrlich, auch diese einsamen Hike and Fly Trails, die werden ja auch nicht von der großen Masse der Gleitschirmpiloten genutzt. Wenn du

55:21Lucian Haas

schon, nicht erst vor fünf Jahren, sondern schon deutlich früher mit dem Fliegen angefangen hättest, du hast ja schon früher mal drüber nachgedacht und so weiter, wärst du dann vielleicht eher Fluglehrer als Tauchlehrer geworden?

55:35Robby Loeltgen

Wahrscheinlich. Wenn es damals so gekommen wäre, wäre das wahrscheinlich so. Heute sehe ich es ganz klar anders, weil ich muss zugeben, dass im Tauchbereich natürlich irgendwann der professionelle Teil völlig den Hobbyteil überwogen hat. Und mir das natürlich heute zum Teil auch etwas fehlt. Ich mache nur noch deutlich weniger. Ich mache nur noch deutlich weniger. Tauchgänge zum reinen Privatvergnügen, wo ich die Chance habe, Walhaie oder Mantas zu filmen oder zu sehen, das ist heute weit weniger möglich zeitlich, als es früher mal der Fall war.

56:16Robby Loeltgen

Dennoch war das der richtige Weg für mich, aus meiner persönlichen Sicht, das so zu tun. Aber wenn das Fliegen vor dem Tauchen gekommen wäre, hätte sich das wahrscheinlich ähnlich entwickelt, weil man schon immer, ja, auch nach vorne schaut und guckt, was geht noch, was kann man noch machen, was befriedigt einen oder wo wären die eigenen Bedürfnisse am ehesten zu einer Zufriedenheit gebracht. Und deswegen glaube ich schon, dass es, wenn es umgekehrt gewesen wäre, hätte man, wäre ich wahrscheinlich heute auch im Flugbereich irgendwie anders vorgegangen. Jetzt mittlerweile bin ich so weit, dass ich sage, ja, auf gar keinen Fall. Jetzt darf sich das auf gar keinen Fall wiederholen, weil ich mir das so ein bisschen auch wirklich als Rückzugsort kreiert habe, um zu sagen, ich möchte nicht eine Parallelwelt zwischen Tauchprofession und Flugprofession erreichen, sondern hier soll der Genuss und das Erleben definitiv im

57:15Lucian Haas

Vordergrund bleiben. Wenn du auch beides nochmal vergleichst, Tauchen und Gleitschirmfliegen, würdest du sagen, auch von jetzt 20 Jahren Tauchen und natürlich mit deiner Profession dahinter, ist vieles auch untereinander. In einem sehr geregelten Bereich. Aber würdest du da sagen, dass vielleicht das Gleitschirmfliegen sogar einen länger hungrig hält als das Tauchen, weil sich im Gleitschirmfliegen doch vielleicht noch mehr Unterschied, also mehr verändert als beim Tauchen selber? Nein. Weil das Wetter immer anders ist und beim Tauchen sagst du, okay, wenn ich in der Karibik tauchen gehe, habe ich eigentlich fast jeden Tag dieselbe Wassertemperatur und die Strömungen sind eigentlich auch immer die gleichen, die ich da antreffe.

57:53Robby Loeltgen

Ja, könnte man glauben, muss ich aber ganz klar sagen, nein. Ich glaube, es ist wirklich so, dass beides auf gleichem Niveau noch Reize zur Verfügung stellt, die wirklich viele Jahre anhalten. Und du hast natürlich recht, wenn ich immer an derselben Stelle tauchen würde, dann würde ich wahrscheinlich jeden Fisch mit Namen kennen irgendwann und morgendlich begrüßen. Aber so ist es ja glücklicherweise nicht, sondern die Welt hat so viele Küstenregionen, die sich betauchen lassen, bis hin zu Topspots inmitten der Weltmeere. Also das immer noch, wirklich immer noch, genug Möglichkeiten und ich tauche wirklich schon viele Jahre. Immer noch, ich hätte noch genug auf meiner List, auf meiner To -Do -List, die ich gerne noch besuchen würde.

58:39Robby Loeltgen

Und wo es halt einfach nie gereicht hat oder nie gepasst hat vom Zeitlichen her, dass ich es realisieren konnte. Und obwohl ich sicherlich im Tauchbereich schon Top -Erlebnisse hatte, ob ich mit hunderten Hammerhaien in Kokos Island tauche oder ob ich mit Mantas auf den Malediven tauche, ganz egal. Es gibt immer noch Dinge, die ich gerne erleben würde, auch im Tauchbereich. Und das ist beim Fliegen genauso. Wenn ich immer den gleichen Abgleiter jeden Morgen mache, ja, dann ändert sich das Wetter, das ist richtig. Und ich kann irgendwann einschätzen, ist das Wetter flugtauglich, ja oder nein. Und dann segle ich runter und das war's. Aber auch das Fliegen hat, und ich habe das an meinem Malaysia -Beispiel gesehen, es hat einfach ungeahnte Möglichkeiten.

59:26Robby Loeltgen

Nicht nur in der Luft selbst, sondern auch, was ich mit dem Gleitschirm alles machen kann. Denn den kann ich dazu nutzen, auch um den eigentlichen Gleitschirmflug herum einiges erlebbar zu machen. Ob es durch Wandern, durch Klettern, auch in anderen Kulturkreisen, erlebe ich auch am Boden rund um den Gleitschirmflug natürlich einige Dinge, die...

59:53Robby Loeltgen

Ja, absolut, absolut genial sind und wo dies als Ziel natürlich

59:58Lucian Haas

zu erreichen gilt. Wo soll dich das Fliegen in Zukunft noch hinbringen? Hast du Pläne?

1:00:03Robby Loeltgen

Ja, ich habe tatsächlich Pläne, die jetzt allerdings leider durch die aktuelle Situation so ein bisschen wahrscheinlich zu canceln werden, also nicht mehr möglich sein werden. Ich hatte geplant, jetzt dieses Jahr mit einem Flugfreund zusammen den Elbrus zu besteigen. Also...

1:00:21Lucian Haas

Elbrus ist der höchste Berg Europas, also der höchste Berg des Kaukasus in Russland.

1:00:26Robby Loeltgen

Ja, genau. Also der höchste Berg Europas ist nicht der Mont Blanc, sondern der Elbrus. Und das als Flugziel ist sicherlich ein schönes Ziel, weil die Startchance am Gipfel des Elbrus doch relativ hoch sind, wenn man den Gipfel denn dann erreicht. Es gibt ja zwei Gipfel. Welchen würdest du denn nehmen? Das ist, glaube ich, relativ egal. Es gibt tatsächlich zwei Gipfel, aber es ist, glaube ich, relativ egal, weil sie fast gleich groß sind, gleich hoch sind und die gleichen Startoptionen bieten. Insofern wäre das relativ egal. Sie liegen ja auch quasi Luftlinie wenige hundert Meter nur auseinander.

1:01:08Robby Loeltgen

Insofern wäre das nicht das Thema, sondern das Schöne ist, dass die Gipfel halt relativ einfach startbar wären, was natürlich auch dann die Option bieten würde, dass tatsächlich auch ein Flug möglich sein könnte. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit und man den Schirm nicht wieder nach unten tragen muss.

1:01:25Lucian Haas

Okay, dann ist das wegen Corona für dieses Jahr vielleicht gecancelt. Aber ich drücke dir mal die Daumen, dass das dann vielleicht 2021 doch noch was wird mit dem Elbrus und du dann darunter fliegen kannst. Ja, vielen Dank. Robby, ich danke dir für die vielen Hintergrundinformationen über Tauchausbildung und die Vergleich mit dem ganzen Fliegerei und sowas. Es ist schon spannend, da immer solche Parallelen zu sehen. Wir gehen auch so aus zwei unterschiedlichen Welten und gerade die Vorstellung, das Bewegen im 3D -Raum in der Luft und unter Wasser, dass das doch so viele Parallelen und Ähnlichkeiten hat, fand ich jetzt echt spannend.

1:02:02Robby Loeltgen

Ja, vielen Dank, Lucian, dir auch für dein Gespräch. Und ja, ich bin ein großer Fan deines Blogs. Insofern bin ich natürlich auch sehr geehrt, dass du mich eingeladen hast zu diesem Gespräch, zu diesem Podcast. Und ja, vielen Dank.

1:02:22Lucian Haas

Das war Robby Loeltgen im Gespräch mit Lucian Haas. In den Shownotes zu dieser Podcast -Folge auf Looglites habe ich noch einige Links zum Thema Tauchen und Fliegen zusammengestellt. Wenn du nun gerne weitere interessante Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens hören möchtest, so findest du bereits mehr als 30 Folgen unter dem Label Podcast auf meinem Blog Looglites oder auf Soundcloud. Podz-Glidz ist auch in allen großen Podcast -Katalogen wie iTunes, Spotify, Google Podcast etc. zu finden. Am einfachsten ist es, wenn du Podz-Glidz direkt in deinem Podcast -Player abonnierst. Und wenn du dann zwei, drei, vier Folgen genossen hast, wächst vielleicht auch die Lust, dafür etwas zurückzugeben. Wie das geht, steht auf meinem Blog Looglites, und zwar dort auf der Seite Fördern.

1:03:08Lucian Haas

Ich sage schon mal Danke fürs Zuhören wie für die Unterstützung. Bleib gesund, bis bald, ciao.

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