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37. Groundhandlix - Urs Aschmann

// Urs Aschmann, Lucian Haas · 2020-08-21 · 01:09:17 · original episode

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[show notes]
Groundhandling gilt als eine der wichtigsten Übungen auf dem Weg zu einem sichereren Piloten. Urs Aschmann vertraut dabei auf die Macht der kleinen Schritte. +++ Egal wen man fragt, was man tun kann, um zu einem besseren Piloten zu werden – Eine Antwort wird so gut wie immer unter den Top-3-Tipps rangieren, die man bekommt: Groundhandling. Es ist das Spiel mit dem Schirm am Boden aber ohne das Ziel, zwangsläufig auch in die Luft zu kommen. Das Groundhandling hat viele Gesichter, es gibt diverse Philosophien oder gar Schulen. Renommierte Experten wie Mike Küng würden das Groundhandling am liebsten als eigene sportliche Disziplin etablieren. Da wird der Schirm zum Hilfsmittel, um Strohballen, Laternenmasten oder steile Felsen allein mit den Zug- und Auftriebskräften des Schirmes zu erklimmen. Andere sehen Groundhandling eher als sanftes Spiel, als spaßvolle Übung, um Vertrauen in seinen Schirm zu gewinnen, dessen Bewegungen spüren und antizipieren zu lernen und so vor allem zum sicheren Starter zu werden. Einer, der eher in diese zweite Kategorie fällt, ist der Schweizer Urs Aschmann. Urs hat erst mit Mitte 40 das Gleitschirmfliegen gelernt, aber bald auch ein paar schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Schließlich entdeckte er das Groundhandling für sich als Weg, um wieder angstfrei an den Start zu gehen. Mit der Zeit war er so versiert im Bodenturnen mit dem Schirm, dass er Lust bekam, sein Wissen und Können weiterzugeben – unter dem charmanten Namen: Groundhandlix. In dieser 37. Folge von Podz-Glidz teilt Urs einiges aus dem Schatz seiner Erfahrungen. Was da so alles kommt, soll hier nicht gleich verraten werden. Nur so viel: Es geht auch um die Entdeckung der Langsamkeit. Viel Spaß beim Hören! +++ +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: "Knowpe" von Noir et Blanc Vie No copyright music

[transcript]

0:03Urs Aschmann

Das bodennahe Fliegen, ich empfinde es halt dann intensiver, weil in tausend Metern Höhe, da verschwindet die Relation zum Boden, aber so haunnahes Fliegen, das macht mich schon sehr glücklich.

0:36Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:40Urs Aschmann

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:45Lucian Haas

Heute mit Urs

0:48Urs Aschmann

Aschmann und

0:50Lucian Haas

Lucian Haas am Mikrofon.

0:55Lucian Haas

Egal wen man fragt, was man tun kann, um zu einem besseren Piloten zu werden, eine Antwort wird so gut wie immer unter den Top -3 -Tipps rangieren, die man bekommt. Groundhandling. Das Spiel mit dem Schirm am Boden, aber ohne das Ziel, zwangsläufig auch in die Luft zu kommen.

1:14Lucian Haas

Das Groundhandling hat viele Gesichter, Philosophien oder gar Schulen. Es gibt renommierte Experten wie Mike Küng, die das Groundhandling am liebsten als eigene sportliche Disziplin etablieren würden. Da wird der Schirm zum Hilfsmittel, um Strohballen, Laternenmasten oder steile Felsen allein mit den Zug - und Auftriebskräften des Schirmes zu erklimmen. Andere sehen Groundhandling eher als sanftes Spiel. Als spaßvolle Zweckübung, um Vertrauen in seinen Schirm zu gewinnen, dessen Bewegungen zu spüren und antizipieren zu lernen und so vor allem zum sicheren Starter zu werden.

1:48Lucian Haas

Einer, der eher dieser zweiten Kategorie zuzurechnen ist, ist der Schweizer Urs Aschmann. Urs hat erst mit Mitte 40 das Gleitschirmfliegen gelernt. Doch dann bald ein paar schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Schließlich entdeckte er das Groundhandling für sich als Weg, um wieder angstfrei an den Start zu gehen. Mit der Zeit war er so versiert im Bodenturnen mit dem Schirm, dass er Lust bekam, sein Wissen und Können weiterzugeben. Unter dem charmanten Namen Groundhandlings. In dieser Podcast -Folge erzählt Urs dann auch einiges aus seinem Schatz an Erfahrungen. Was da so alles kommt, will ich jetzt noch gar nicht verraten. Nur so viel. Es geht auch um die Entdeckung der Welt. Und um seine Langsamkeit. Bevor es losgeht, noch ein Hinweis in eigener Sache. Der Podcast Podz-Glidz, wie der zugehörige Blog Lu-Glidz, werden nicht durch Werbung finanziert, sondern allein von Hörern und Lesern getragen.

2:40Lucian Haas

Es wäre klasse, wenn auch du zum freiwilligen Förderer dieses Projektes wirst. Mit einem finanziellen Beitrag kannst du meine Arbeit unterstützen. Alle nötigen Infos, wie einen PayPal -Link oder Banküberweisungsdaten, findest du auf der Website von Lu-Glidz. Und zwar dort auf der Seite Fördern. Wie viel du vielleicht geben willst, bleibt ganz dir überlassen. Wer sich unsicher ist, dem empfehle ich als unverbindlichen Richtwert einen Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz. Nun aber auf zu Groundhandlings.

3:15Lucian Haas

Urs, hattest du eine glückliche Kindheit?

3:18Urs Aschmann

Ich würde sagen, ja. Was

3:21Lucian Haas

ist eine glückliche Kindheit?

3:24Urs Aschmann

Eine glückliche Kindheit ist, sich zu entwickeln. Nach seinen eigenen Fähigkeiten. Ja, von den Eltern wahrgenommen als eigenständige Persönlichkeit, die ihren Weg finden soll. Ja, die Welt ausprobieren zu können.

3:49Lucian Haas

Du hast dich ja beruflich jahrelang mit der Planung von Abenteuerspielplätzen beschäftigt. Wie wichtig ist dieses freie, aber durchaus mit Risiken verbundene Spiel?

4:01Urs Aschmann

Extrem wichtig finde ich, weil in der letzten Zeit, so sagen wir mal zehn Jahre, hat sich etwas entwickelt, was angstbesetzt ist von den Eltern. Es gibt viele Helikopter -Eltern, die ihre Kinder unglaublich beschützen, die nur das Beste wollen für sie. Und der Schuss geht da ein bisschen nach hinten. Ja, es geht da ein bisschen nach hinten los, weil den Kindern darf ja nichts passieren. Sie sind überbehütet und lernen so auch nicht mehr, die Folgen ihres eigenen Handelns abzuschätzen und das auszuprobieren.

4:47Urs Aschmann

Weil sie sind in einem ganz strengen Korsett drin. Und die Spielplätze, die erlauben es, so quasi als Krücke zum Wald, als idealen Spielplatz, sich auszuprobieren und Risiken lernen abzuschätzen und sich halt vielleicht auch mal wehzutun. Das gehört auch dazu, aber es soll nichts Schlimmes passieren dabei.

5:14Lucian Haas

Wenn jetzt diese Erwachsenen so als Helikopter -Eltern und sowas auftreten, kann es auch daran liegen, dass wir Erwachsene auch zu wenig spielen?

5:24Urs Aschmann

Ja, definitiv. Definitiv. Also wir, die Erwachsenen haben meiner Meinung nach ein, zwei, drei Jahre Zeit. Das ist ein grundlegendes Problem. Viele mögen sich nicht mehr an ihre eigene Kindheit erinnern und wissen nicht mehr, was spielen heisst. Sich auszuprobieren, entdecken, erforschen. Und die haben sich entwickelt zu Kopfmenschen und das finde ich unglaublich schade. Ist Fliegen für dich auch eine Art Spiel? Im weitesten Sinne schon. Ja, es gibt, von meinem Verständnis von Spielen, gibt es eigentlich keine Grenzen. Spielen ist Entdecken der Welt und sich darin zurechtfinden.

6:13Urs Aschmann

Und wenn ich jetzt die Chancen habe, das im dreidimensionalen Raum zu tun, finde ich das eine extreme Bereicherung. Und das hört nicht auf. Also es gibt, das Fliegen ist so komplex und so vielseitig und so wunderbar. Und das Wetter ist eine Sache für sich. Da hört es nie auf mit Lernen. Und das Spielen, ich meine, ich bin Kind geblieben, sonst wäre ich nicht Spielplatzbauer geworden. Und ja, ich geniesse das sehr.

6:48Lucian Haas

Wie bist du eigentlich zum Fliegen gekommen? Auch aus der Spiellust heraus? Oder was war der Antrieb, dass du gesagt hast, ich möchte Fliegen lernen?

6:57Urs Aschmann

Das war, das war... Ich habe schon immer vom Fliegen geträumt. Also in Albträumen, eingekesselt von bösen Leuten, konnte ich hochspringen und fliegen. Dann später auf einer langen Wanderung mit meinem Vater war ich müde und habe mir gedacht, wenn ich jetzt diesen Hang schnell runter, ganz schnell runter rennen würde und die Arme ausbreiten, dann müsste man doch, wenn man ganz schnell rennen würde, müsste man abheben können. Das war etwa mit vier. Das hat nicht geklappt. Hast du es mal probiert? Nein, wie man weiss, hat das nicht geklappt.

7:40Urs Aschmann

Aber witzig war, witzig war, viel später habe ich von meiner Schwester mal einen Lenkdrachen bekommen und habe mit dem viel gespielt und habe das einem Nachbarn erzählt. Und der hat gesagt, ah, du, ein Lenkdrachen. Ah, warte mal, ich habe etwas für dich. Er ging in den Keller, gibt mir einen Pack, etwa so gross, und sagt, ja, das ist auch so etwas wie ein Lenkdrachen. Schau mal, ob du damit klarkommst. Und ich habe den ausgepackt und er wurde immer grösser. Das war dann ein Brisere. Und ich habe gedacht, ja, ausprobieren, wie ein Lenkdrachen. Und habe an einem leicht geneigten Hang, bei gutem Wind, habe ich den ausprobiert.

8:26Urs Aschmann

Und gerannt und wieder hoch und wieder gerannt. Und habe ihn dann angerufen, es fliegt nicht. Und er ist gekommen und dann haben wir zusammen da ein bisschen geübt und angeschoben. Der Wind wurde immer stärker und ich wusste dann nach dem ersten Hüpfen schon, jetzt muss ich eine Schule suchen und ich möchte fliegen lernen. Ich möchte das richtig, richtig seriös lernen. Wie alt warst du damals? Da war ich wahrscheinlich, das war jetzt, das ist 15 Jahre her, ja, 45 war ich, ja. Also relativ spät so, aber es hat alles gut geklappt, mehr oder weniger.

9:10Lucian Haas

Und dann hast du den Kurs gemacht und bist dann als Flieger direkt durchgestartet oder war deine Flugkarriere, hat die eher holprig begonnen?

9:20Urs Aschmann

Die hat holprig begonnen, weil, ja, das war jetzt, rückblickend war es, nicht so das Gelbe für mich, die Ausbildung. Und holprig ging es dann auch weiter. Ich konnte ja wenig, starten, steuern, landen, aber viel mehr nicht.

9:41Urs Aschmann

Und wollte eigentlich immer mehr Ground handeln, habe das mir alles zusammengesucht im Internet.

9:49Urs Aschmann

Und habe mir ein bisschen zu viel darauf eingebildet, ja, und habe mir dann wehgetan, drei Wirbel gebrochen bei starkem Wind. Und das war dann, das hat mich sehr zurückgeworfen. Also

10:06Lucian Haas

das war heftig. Dieser Unfall, du sagtest Ground Handling, ist der am Boden quasi passiert oder warst du fliegen und das war dann eine harte Landung mit diesen Wirbelbrüchen?

10:16Urs Aschmann

Es war eigentlich ein guter Start bei viel Wind, aber mir sind die Brummelhaken rausgefallen. Der Wind war stark. Und der Beschleuniger hat nicht funktioniert. Und so bin ich langsam rückwärts geflogen. Und trotz Ohren anlegen und so bin ich in eine Zone gekommen, wo es halt mich einfach, ja, ich habe den abgerissen. Einen Alpha abreissen ist also ziemlich eine schwierige Sache. Aber ich habe es fertig gebracht und bin dann richtig als zehn Meter runter getonnert. Und ja, habe viel Glück gehabt.

10:55Lucian Haas

Das muss ich sagen. Hast du denn dann gleich wieder mit dem Fliegen angefangen, nachdem die Wirbel verheilt waren? Oder war das ein Prozess, wo du sagst, war das dann auch mit Angst verbunden oder sonstigem, wo du sagst, hm, wie komme ich da wieder dran?

11:09Urs Aschmann

Ja, das war, ich muss zugeben, ich war süchtig nach Fliegen. Also das war ein Flugteufelchen, der mir auf der Schulter sass und immer gesagt hat, ja, guck, Wetter, Wetter gucken, jetzt fliegen, wann fliegen und so. Und das war, ich war da ziemlich Opfer und ausgeliefert und habe zuerst all mein Zeugs verkauft. Das war der Wink mit dem Zaunpfahl, wie ich das verstanden habe. Und ich habe gewusst, so geht das nicht weiter. Nach zwei Jahren habe ich in Betracht gezogen, eventuell mit dem Fliegen wieder anzufangen. Und wups, war das Teufelchen wieder da. Haha. Und dann habe ich gedacht, nein, so geht es ja nicht, da muss ich zuerst einen Weg finden.

11:57Urs Aschmann

Und habe einen Kurs belegt in autogenem Training, um Herrscher zu werden über die Flugsucht. Also das ganze Zeugs, was mit Fliegen zu tun hat, einzupacken und an einen Ort zu bringen, wo es bleibt. Und ich gehe da hin und hole es wieder nach vorne. Und nicht, dass Zeugs kommt und sagt, ja, jetzt der Teufel. Gehen wir fliegen, gehen wir fliegen. Und so hat das dann geklappt. Und ich habe langsam wieder angefangen und wirklich zuerst Groundhandling gelernt, um meine verletzte Fliegerseele wieder zu heilen und Zuversicht und Vertrauen zu gewinnen in meine

12:41Lucian Haas

Fähigkeiten. Hat das geklappt? Also hat Groundhandling wirklich zu dieser Versöhnung mit dem Fliegen geführt bei dir? Absolut. Weil

12:49Urs Aschmann

ich habe mich ans Groundhandling so herangetastet, schrittweise. Und mich hat das jeweils immer glücklich gemacht. Einen Schirm aufzuziehen ist etwas Schönes. Und ihn oben halten zu können und links und rechts abzukippen und zu laufen. Und das hat mir sehr viel gebracht.

13:10Lucian Haas

Nun ist ja Groundhandling immer so ein Begriff. Alle Leute sagen ja, man muss Groundhandling machen, Groundhandling hier. Und wenn man die Leute fragt. Also auch in meinem Podcast kommt das immer wieder vor, wenn man irgendwelche Piloten fragt. Ja, was kannst du denn als Empfehlung für andere Piloten geben? Heisst es immer Groundhandling. Groundhandling musst du machen. Definier doch einfach mal Groundhandling. Was ist das für dich? Was fällt für dich eigentlich darunter?

13:34Urs Aschmann

Das ist das Spielen mit dem Schirm in einer Weise, dass ich mich von den Reaktionen des Schirmes zwar überraschen lasse. Adäquat darauf reagieren kann. Ohne dass ich durch die Botanik gezogen werde. Ohne in eine unkontrollierbare Situation zu geraten. Und mich da so anzutasten, dass ich die Spielfreude nie verliere. Dass ich nie in die Überforderung komme. Und dass ich im Flow bin. Auf eine Art so, dass ich Lust auf mehr bekomme.

14:22Urs Aschmann

Und dass es einfach Spass macht. Wenn es keinen Spass macht, sein lassen. Solange es Spass macht und das Bauchgefühl stimmt. Und ich mich freuen kann. Und es mich glücklich macht. Und ich schwitze dabei. Alles gut. Wunderbar.

14:38Lucian Haas

Also Spiel und Spass am Boden. Der Schirm dann quasi als Spielplatzinstrument so ungefähr. Mit dem man dann alles mögliche anstellen kann. Ja, absolut. Ja. Du bietest ja heute auch selbst Groundhandling Kurse an. Wo du andere Leute da ranführst und ihnen Techniken zeigst und sowas. Wie kam es eigentlich dazu, dass du sagst, ich möchte das weitergeben. Das, was ich jetzt mir selber angeeignet habe. Gab es da irgend sowas wie so ein Schlüsselerlebnis, wo du sagst, da bin ich jetzt gefragt oder sowas? Ja.

15:08Urs Aschmann

Ja. Leider bin ich in diesen Jahren, die ich fliege, bin ich verschiedentlich an Unfällen rangekommen. Oder als Beobachter dazugekommen. Und ich habe so viele missglückte Starts gesehen, wo ich mir sagen musste, also wenn die gegroundhandelt hätten und sie hätten ein gutes Schirmgefühl, wäre das nicht passiert. Und dann am Col Rodella, wenn man da zehn Minuten oder eine Viertelstunde herumsteht und der Starterei zuguckt. Es gibt ja ein Video, das ist so abgräulich schlimm. Also wenn ich da Fussgänger wäre und mich mit dem Gedanken tragen würde, ich könnte doch mal mit dem Fliegen anfangen.

15:57Urs Aschmann

Dann wäre das für alle Ewigkeit besiegelt und ich würde das nie tun, weil ich hätte das Gefühl, das sind alles Wahnsinnige und Hasardeure, die sich früher oder später wehtun.

16:10Urs Aschmann

Und weil ich es inzwischen ziemlich gut konnte und habe ich gedacht, ja, also ich versuche das mal. Ich biete das an. Und das war von Anfang an sehr erfolgreich. Da kam zum Beispiel ein erfolgreicher Streckenflieger. Wenn der mal in der Luft ist, dann fliegt er. Aber er hat gesagt, er sei jetzt irgendwie 70. Aber mit Starten und so, da hat er immer ein bisschen den Bammel. Und wir haben ganz vorne angefangen. Und er hat A und O gesagt. Ab den Feinheiten. Er hätte das noch nie so vermittelt bekommen, dass es so eine feine Sache ist.

16:55Urs Aschmann

Er hat sich richtig gefreut. Und ich natürlich auch. Und das hat mich dann bestärkt, diesen Weg weiter zu verfolgen.

17:03Lucian Haas

Du nennst dein Angebot ja Groundhandlicks oder Groundhandlicks. Keine Ahnung, wie du es aussprichst. Bist du ein Fan von Asterix und Obelix oder wie kamst du dazu?

17:12Urs Aschmann

Ja, klar. Ja, klar bin ich ein Fan. Ich habe gedacht, als ich einen Namen gesucht habe, das sollte einfach und einprägsam sein. Und Obelix und Asterix und Groundhandlicks, das wäre noch was. Ich hatte so ein Bild vor dem Kopf gehabt. Ja, so wie ein Cartoon. Und so kam es zu diesem

17:36Lucian Haas

Namen. Der Asterix, der hat ja als Stärke seine Klugheit, aber dann auch noch seinen Zaubertrank. Was macht einen beim Groundhandling stark?

17:51Urs Aschmann

Viele kleine Übungseinheiten. Jemand, der einem mal die grundsätzlichen Sachen beibringt. Wie man den Schirm effektiv stahlt, sodass man auch aufhören kann, wenn man nicht mehr will. Und es sind die kleinen Erfolgserlebnisse. Die sich aneinanderreihen wie eine Perlenkette, die einem das Selbstvertrauen gibt und die Lust am Weiterüben erhalten bleibt.

18:27Lucian Haas

Das heißt aber, so wie ich dich jetzt verstehe, man sollte sich beim Groundhandling am besten auch Aufgaben setzen. Kleine Ziele oder wie auch immer man das jetzt nennen will.

18:36Urs Aschmann

Ja, unbedingt. Also wenn die Leute nur dastehen und den Schirm über den Kopf halten, dann wird es meiner Meinung nach, schnell langweilig. Wenn man aber ein bisschen kreativ bleibt und sagt, ich gehe mal drei Meter nach rechts oder drei Meter nach links, nach vorne, nach hinten. Oder versuche ganz langsam einen Kreis zu laufen mit vielleicht einem Durchmesser von drei, vier Metern. Dann wird es schon interessanter. Und so kann man sich immer wieder an verschiedene Sachen rantasten. Es gibt ja die Groundhandling -Challenge, die seinerzeit von Andre Banderas ins Leben gerufen wurde.

19:25Urs Aschmann

Mit verschiedenen Ideen, Übungen, wo man sich schrittweise auch an Videos informieren kann. Also es wird sicher nicht langweilig. Es hört nie auf.

19:42Lucian Haas

Das heißt, auch so ein Aufgabenkatalog wie diese Groundhandling -Challenge, fändest du sehr sinnvoll, dass man auch wirklich so etwas für sich abarbeitet auf gewisse Weise?

19:52Urs Aschmann

Ja, wäre schön, wenn die Leute sich dafür Zeit nehmen würden. Meistens ist die Entschuldigung, ich finde keine Wiese oder wo kann man den Ground handeln? Und ja, muss man immer ans Meer dafür oder der Wind ist bei uns zu böig oder man muss warten, bis er in ausreichender Stärke vorhanden ist. Also es gibt, man sagt oder die Leute sagen, es sei nicht so ganz einfach. Das mag ja stimmen, aber wenn man wirklich will, dann findet man auch einen Weg.

20:24Lucian Haas

Lass uns mal über so ein paar Situationen sprechen, auch meteorologische Situationen beim Groundhandling. Und was man denn da vielleicht angepasst entsprechend machen kann. Stell dir also mal vor, eine platte Wiese, keine Neigung drin, sondern wirklich ganz flach. Und ich habe nur relativ wenig Wind. Ich kann den Schirm eigentlich, der wird nicht von alleine oben bleiben. Was kann ich dann am besten trainieren aus deiner Sicht?

20:49Urs Aschmann

Ja, gute Frage. Wenn man jetzt mal die Bremsen eingeklippt lassen würde und man nimmt so von jeder Seite mal zwei oder drei A Leinen und führt die Hände nach vorne und oben langsam immer weiter nach oben, so wie man den Schirm zum Fliegen einladen würde. Der Trick ist, die Hände weit nach oben, so weit wie es geht. Wenn dann, mit dieser Technik kann man vielleicht zwei, drei Kilometer pro Stunde Wind kompensieren, die man sonst in Energie mit Rückwärtslaufen umsetzen müsste. Und wenn man die Hände jetzt so oben hat und kann die einzelne Schirmhälfte dirigieren, wenn das nicht reicht, wenn der Schirm noch nicht steigt in eine Wand, wenn man jetzt mit dieser Haltung noch langsam rückwärts gehen würde,

21:52Urs Aschmann

dann ist die Windstärke ausreichend, sodass der Schirm steigt. Wenig, aber man kann ihn so beziehen.

22:05Lucian Haas

Welche Windstärke brauche ich in etwa so dafür, für so einen normalen Schirm? Jetzt kein Singleskin, der schon eh bei leichtestem Windtauch von alleine schon steigt, sondern wirklich so ein Alpha oder sonst was, mit dem die Leute dann zu dir kommen?

22:19Urs Aschmann

Also das braucht wirklich wenig, ich würde sagen drei bis vier km/h. Meistens würden die Leute sagen, er hat ja keinen Wind, aber auch ganz, ganz wenig Wind kann man durchaus brauchen, um ein bisschen was über das Verhalten seines Schirms zu erfahren. Die Trägheit, wie viel Kraft da nötig ist, wie viel Druck in den Leinen, das sind alles Sachen, die unglaublich das Feingespür für den Schirm stärken.

22:54Lucian Haas

Gehen wir mal weiter, die gleiche Wiese, also auch wieder ganz platt, aber jetzt haben wir ordentlich, ziemlich starken Wind schon. Was sollte ich jetzt vor allem trainieren oder wofür bietet sich das dann am besten an?

23:07Urs Aschmann

Ja, vielleicht zuerst den Notaus. Aufhören, wenn es zu stark wird. Und da würde ich vorschlagen, man nimmt den Schirm mal zum Auslegen in die Rosette, klappt je ein Ohr raus und streckt langsam die Leinen und hält sich jetzt von Anfang an mit je einer Hand an den hinteren Tragegurten. Bereit, um den Schirm, mit den hinteren Tragegurten stahlen zu können. Wenn man sich jetzt langsam vom Schirm entfernt, die A -Leine sind gestreckt und die Hände sind bereit, an den hinteren Tragegurten bis in den rechten Winkel nach aussen zu kippen und so einen Stahl zu machen, dann kann man langsam, die Wand bauen, der Schirm zappelt dann vielleicht ein bisschen an den Ohren, der will fliegen, der will steigen und man hält ihn wie eine Rennstute vor dem Start, die richtig nervös ist und die will fliegen, die will ab oder eben, die will rennen, kann man sich mit der Kraft herantasten,

24:29Urs Aschmann

den Schirm am Boden zu halten. Jetzt, wenn das gut klappt, wenn das gut funktioniert, könnte man aus der Hüfte heraus einen Impuls geben, damit der Schirm ganz wenig steigt. Dazu müsste man eingemietet sein, also zuerst die Symmetrie herstellen beim Gurtzeug, Symmetrie an der Eintrittskante, dass eine gerade Linie entsteht und dann einen kleinen Impuls aus der Hüfte, um zu sehen, ob der Schirm steigen würde. Aber der soll nicht wirklich mit der Austrittskante den Boden verlassen, sondern nur wenige Zentimeter über Boden kommen.

25:17Urs Aschmann

Und dann hat man die Gewissheit, der würde steigen. Und bevor man jetzt weitermacht, könnte man den Schirm stahlen mit den hinteren Tragegurten und jetzt kommt es, sich vorstellen, an der Mitte des Schirmes wäre ein grosser Zirkel, und ich als Pilot wäre der Bleistift. Und jetzt renne ich diesen Kreis rund um den Schirm herum mit angezogenen hinteren Tragegurten so weit, bis sich das Ohr vom Wind eingerollt wird. Und jetzt ist der Schirm tot, also er fliegt nicht mehr, er kann sich nicht mehr füllen, und jetzt kann ich zügig

26:04Urs Aschmann

auf den Schirm zugehen und mit den Leinen nach oben ziehen und so die Rosette bilden. Ist

26:12Lucian Haas

das eine der wichtigsten Übungen, würdest du sagen, bei Starkwind, dass man erstmal lernt, wirklich diesen, du nennst es Zirkelkreis,

26:21Lucian Haas

zu einem Ohr hin, oder an einem Ohr quasi dran vorbei, seitlich rennen, damit man diesen Schirm aus dem Windfenster selber zieht, dass der dann halt nicht mehr steigen kann? Ist das etwas, was man auf jeden Fall als erstes üben sollte, bevor man wirklich bei Starkwind etwas macht?

26:36Urs Aschmann

Unbedingt, unbedingt, weil sonst geht man mit einer Unsicherheit und einer, ja, mit zu viel Unsicherheit in die Übung rein und man will ja sicher sein, wie beim Autofahren, dass die Bremsen funktionieren und eine Maschine, die man beherrschen will, die muss man stoppen können und so fängt es an. Wenn man nicht weiss, wie man das wieder stoppen kann, dann wird man sich früher oder später wehtun und macht alles, was man sich erarbeitet hat, wieder kaputt, weil die Fliegerseele ist verletzt.

27:22Urs Aschmann

Auch wenn man nur drei, vier Meter durch die Botanik gezogen wird, hat man das Gefühl, ich bin gescheitert, ich bin nicht gut genug und man erinnert sich wieder daran, das brennt sich ein im Unterbewusstsein und das wäre schade. Deshalb soll man zuerst die Techniken üben, wie man den Schirm effektiv stallt, wenn man das

27:46Lucian Haas

will. Ich erlebe bei uns am Übungshang, gerade wenn die Leute versuchen, bei etwas stärkerem Wind, Ground zu handeln, die auch noch nicht so erfahren sind, sehe ich immer wieder häufig, dass die Leute so ein bisschen den Schirm anlupfen und dann hoppeln die quasi ihrem Schirm hinterher. Sie werden noch nicht gezogen, also die liegen nicht am Boden und werden dann über die Wiese gezogen, aber der Schirm geht halt nicht hoch. Sie versuchen dem entgegenzugehen, aber die Bewegung von entgegengehen und dem Hochkommen hält sich in etwa so in die Waage, dass die wirklich den halben Hang ihrem Schirm hinterher hoppeln und dann nicht wirklich die Kontrolle darüber haben, sondern wirklich nur sich fühlen, ich werde jetzt von meinem Schirm da quasi weggezogen. Gibt es da einen Trick, wie man das am besten in den Griff kriegen kann? Oder wie man da dann schneller aus dieser Situation herauskommt?

28:34Urs Aschmann

Also ich würde anfangen, mich in möglichst kleinen Schritten daran vorzutasten. Und zwar nicht gleich den ganzen Schirm hochzuziehen bei stärkerem Wind, sondern den Schirm asymmetrisch aufzuziehen. Also das heisst, ich mache mal die Wand und dann nehme ich nur eine Bremse und die A Leinen einer Seite und mache einen Schritt aus dem Zentrum heraus, gegen links oder gegen rechts, sodass die Seite, mit der ich arbeiten will, die hat gespannte Leinen.

29:21Urs Aschmann

Und die andere Seite, die hängen durch, die sind locker. Und jetzt ziehe ich, da vorsichtig an einer einzigen äussersten oder vielleicht an zwei äussersten A Leinen und der Schirm, nur das Ohr will dann hoch. Und um zu verhindern, dass der Schirm zu hoch kommt, setze ich mit meiner Bremse etwas entgegen. Und das ist ein feines Spiel und das ist, ich sage dem Cobra -Züngeln, der kommt nur wenig hoch und ich versuche da den Schirm, vielleicht einen Meter, das Ohr, das einen Meter hoch kommt, so zu halten.

30:07Urs Aschmann

Jetzt ist das nicht ganz einfach und es braucht ein bisschen Zeit und vor allem der Tipp, man soll so langsam, die Übung so langsam wie möglich machen. Und wenn du das Gefühl hast, du sagst schon langsam, mach es noch langsamer. Dass man richtig viel Zeit hat und das kleine Spielchen mit dem Ohr kann man mit der Zeit ein bisschen, ein bisschen, aber nach einer guten Weile ein bisschen höher machen. Der Schirm will dann vielleicht, ja, der zieht es dann langsam auf die andere Seite, bis man nur mit diesem Ohr spielt.

30:55Urs Aschmann

Wenn jetzt das Ohr hochgehen würde bis zur Cobra, kann man die gleiche Technik, die man vorher schon geübt hat, den Schirm stahlen und so wieder beginnen. So kann man sich meiner Meinung nach ein wunderbares Gespür für den Schirm und die entstehenden Kräfte erarbeiten und man kann jederzeit abbrechen und man hat nicht die ganze Kraft des Schirmes im Segel und wird so eventuell überfordert. Es ist alles im grünen Bereich.

31:31Lucian Haas

Das heißt, wenn ich dich richtig verstehe, auch von deiner Philosophie her, du sagst sehr viel sehr langsam machen, sich langsam herantasten, einfach immer ganz viel von diesen Bewegungen des Schirms spüren und da dann Schritt für Schritt, aber in Minischritten quasi mitkriegen, ah, so viel Bremszug, so viel Zug auf den A -Line, ah, der Schirm, er kommt ein bisschen hoch, ich kann ihn sofort wieder einbremsen und dass man sich so wirklich ganz langsam an diese Reaktionen des Schirms herantastet, aber dann auch immer sagt, ja, ich weiß auch, wie ich es immer kontrollieren kann und dass man möglichst nie in diese Situation kommt, wo man sagt, die war jetzt unkontrolliert, weil dann habe ich schon wieder selber Schiss, wahrscheinlich Angst und sage dann, jetzt gehe ich in die Blockade und dann funktioniert das Lernen wahrscheinlich auch nicht mehr.

32:16Urs Aschmann

Genau so ist es ja, weil wenn man dann, wenn man ein negatives Lernerlebnis hat mit so, ja, viele Leute sind zu hart gegenüber sich selber, die wollen es gut machen, sie wollen es immer richtig machen, sie vergleichen sich mit anderen und das macht es ein bisschen noch schwieriger,

32:41Urs Aschmann

unvoreingenommen und lustvoll zu lernen, weil wenn ein Fehler passiert ist, die sagen, Fehler, Fehler, ich bin schlecht, ich habe es nicht im Griff und das ist wie ein Nagel, den man einschlägt in die Fliegerseele, es macht einen kleiner und deshalb ist meine Meinung, man soll immer dort bleiben, wo man Erfolgserlebnisse aneinanderreihen kann und wenn etwas aus dem Ruder läuft, dann ist es nicht schlecht oder ein Fehler, sondern es ist einfach eine Erfahrung und dann geht man mit der gleichen positiven Grundeinstellung an die Übung und macht kleine Schritte und baut das wirklich langsam auf und versucht in dieser Ruhe zu bleiben und sich nicht zu überfordern und lässt sich Zeit, man kann sich Zeit lassen, man ist ja nicht auf der Flucht, wir sind in dem Alter, wo das Lernen, weil wir es ja nicht mehr müssen, sondern wollen,

33:49Urs Aschmann

soll das Spaß machen, alles andere hat keinen Sinn

33:55Urs Aschmann

und dann hat man eine gute Grundeinstellung für

34:01Lucian Haas

Erfolg. Wir hatten vorhin das Beispiel, wo ich sagte, man steht auf einer platten Wiese, man kann sich das ja auch vorstellen als einen leicht geneigten Hang oder so einen Übungshang, wo man auch Groundhandling machen kann, was manchmal einfach von den Strömungsverhältnissen zumindest manche Sachen erleichtert. Gibt es denn etwas, wo du sagen würdest, eine bestimmte Hangformation oder Neigung oder sonst irgendwas, ist das ideal für das Groundhandling oder ist das eigentlich egal?

34:32Urs Aschmann

Am Anfang ist es sicher egal, bis man irgendwie auf der flachen Wiese einen Startlauf simulieren kann mit Händen ganz oben und wirklich so schnell den Schirm beschleunigen kann, wie es nur irgendwie geht, um dann die Bremsen mal anzuziehen und die Energie in Höhe umzusetzen, wieder fein aufzusetzen. Wenn das alles funktioniert, dann finde ich, dann ist es durchaus Zeit, sich einen leicht geneigten Hang zu suchen oder zu finden und dasselbe da zu üben. Weil die Strömungsverhältnisse sind schon anders, der Schirm will, er hält sich anders, als oben auf dem flachen Gelände.

35:21Urs Aschmann

Und diese Unterschiede sich zu erarbeiten, damit die ins Muskelgedächtnis abgespeichert werden können, finde ich dann schon auch sehr wichtig. Mit der Zeit kann der Hang auch ein bisschen steiler werden, aber ich würde so irgendwie 10 % oder so, an 10 Grad meine ich, würde ich so beginnen, wenn es geht. Und da alles zu üben, was man kann. Auch das Hochkiten

35:52Lucian Haas

kann man da wunderbar üben. Hochkiten, was meinst du damit? Einfach rückwärts mit dem Schirm langsam den Berg hochlaufen, oder?

36:00Urs Aschmann

Nein,

36:02Urs Aschmann

Hochkiten meine ich, man ist eingedreht, also guckt mit dem Wind im Rücken zum Schirm und läuft dann mit leicht abgekipptem Schirm links oder rechts schräg den Hang hoch. So sieht man, wo man hingeht und kann prima zickzack laufen, also zickzack gehen und wenn es einem dann passt, sich ausdrehen, wieder ein bisschen runterfliegen. Oder, was auch eine sehr gute Übung ist, die Augen zu machen und versuchen, möglichst lange diesen Hang mit geschlossenen Augen runterzugehen, um wirklich zu spüren, die Tragegurten zu spüren, die Impulse an den Bremsen,

36:53Urs Aschmann

das schult unglaublich. Einfach mal die Augen zu schliessen und zu gucken, was da passiert und den Schirm möglichst lange über sich zu halten.

37:03Lucian Haas

Was ich da häufiger sehe, bei Leuten, die vielleicht sowas machen oder auch mit offenen Augen langsam den Berg runtergehen, die meisten können mit den Bremsen arbeiten, aber die wenigsten arbeiten mit ihrem eigenen Gewicht beziehungsweise mit der Position ihres Körpers. Man kann ja auch zwischendurch mal etwas in die Knie gehen, mag es nur zehn Zentimeter sein, kurze Zeit. Dadurch erhöht man ja kurzzeitig auch das Gewicht, was im Grunde am Gleitschirm gerade zieht. Dadurch fliegt er wieder schneller. Das heißt, man kann auch einen etwas hinten hängenden Schirm wieder nach vorne holen. Aber diese Technik sehe ich ganz selten, dass Leute das bewusst einsetzen. Und wo ich überlege, machen da eigentlich die Flugschulen was falsch, dass viele von diesen Grundtechniken, die man eigentlich dort haben könnte beim Groundhandling, dass das eigentlich zu wenig geschult wird?

37:53Lucian Haas

Ja, definitiv.

37:54Urs Aschmann

Also ich kenne nicht so viele Flugschulen, die konsequent Groundhandling betreiben. Also Rückwärtsstart zum Teil ja, zum Teil auch wirklich gut. Aber darüber hinausgehende Techniken werden wenig vermittelt. Es gibt ein paar Schulen, die sind so privilegiert, dass sie vielleicht in einem Talwindsystem die Schule haben, eine Wiese vorne dran. Und die lernen zuerst Groundhandling drei Tage lang. Und wenn die das dann können, dann gehen sie an den Übungshang und die fliegen.

38:39Urs Aschmann

Die können fliegen, weil sie können Groundhandlen. Also es ist halt für die Schulen auch eine, wahrscheinlich auch eine wirtschaftliche Frage, wie viel investieren sie in das Groundhandling der Schüler. Aber diejenigen, die es tun, die werden dafür belohnt, weil der Fluglehrer ist entspannt, weil der kennt seine Pappenheimer, der weiss, was sie können. Und es gibt keine Startläufe mit Frontklapper oder so. Das ist kein Thema mehr. Also die Investition würde

39:18Lucian Haas

sich schon lohnen. Nun gibt es ja gerade fürs Groundhandling mittlerweile auch spezielle Groundhandling -Schirme, die zumindest als solche dann vermarktet werden. Die sind ein bisschen kleiner, damit man auch mit stärkeren Windgeschwindigkeiten arbeiten kann. Hältst du so etwas für nötig oder notwendig? Beziehungsweise anders gefragt, würdest du auch sagen, Groundhandling sollte man am besten mit dem Schirm machen, mit dem man hauptsächlich immer unterwegs ist, damit man den möglichst gut im Griff hat? Oder kann man, wenn man mit so einem kleineren Schirm vieles übt, lässt sich das wirklich so auf den anderen Schirm übertragen, dass man sagt, die Techniken sind eigentlich immer die gleichen?

39:56Urs Aschmann

Also ich habe das auch schon gehört, dass man mit dem gleichen Schirm spielen sollte. Aber ich meine, wenn man einige Stunden mit irgendeinem Schirm gehandelt hat, dann kann man das in relativ kurzer Zeit auf den eigenen Schirm übertragen, weil so anders ist das nicht. Ob es jetzt dafür einen speziellen Groundhandling -Schirm braucht, kann ich jetzt nicht beurteilen. Ich hatte noch nie einen in den Händen.

40:32Urs Aschmann

Zwischendurch ist man halt ein bisschen flexibler, wenn man kleinere Schirme benutzen könnte,

40:42Urs Aschmann

um sich ein bisschen langsamer an die Kräfte heranzutasten. Das würde Sinn machen, aber das kann auch irgendwie irgendein Schirm sein, ein kleiner, so 17 Quadratmeter oder vielleicht noch kleiner. Die sind dann vielleicht ein bisschen nervöser. Aber auch die Nervosität, die kann man, wenn man einen anderen Schirm in die Hand nimmt, merkt man schnell, ah, das ist ruhiger, ah, so funktioniert das. Und die Unterschiede sind dann schnell, die sind schnell wieder in den Muskeln. Gerade an der Düne finde ich es schade, wenn die Leute mit neuen Schirmen da gleich Löcher reinbrennen in die Austrittskanten und den Schirm eine Woche lang hart zur Sache nehmen und so kaputt machen.

41:34Urs Aschmann

Du

41:35Lucian Haas

hast jetzt gerade die Düne schon angesprochen. Gibt es für dich eigentlich so etwas wie den idealen Groundhandling -Spot? Ist die Düne der ideale Groundhandling -Spot oder kann man das gar nicht so eindeutig sagen?

41:50Urs Aschmann

Ich finde überall am Meer, wo es einen guten, breiten Strand hat, laminare Verhältnisse sind natürlich super. Und wenn es, das muss jetzt nicht unbedingt eine Düne sein, die so, wie man sie kennt von Dune de Pila zum Beispiel, es könnte irgendeine Kante sein, wo man sich hocharbeiten könnte, nachdem man den Schirm am Boden im Griff hat und sich da hocharbeiten, wieder rausdrehen, runterfliegen, das Gleiche nochmals, ein bisschen höher. Das spielt keine Rolle, wo das dann ist, ob in Portugal oder in Frankreich oder in Holland oder an einem Damm.

42:44Urs Aschmann

Das

42:44Lucian Haas

spielt keine Rolle. Nun bist du ja auch schon viel gereist, hast dann auch Groundhandling an den verschiedensten Stellen gemacht. Wenn du trotzdem so sagen würdest, okay, du warst mal in Namibia, du warst in Portugal, du warst in Frankreich, Dänemark wahrscheinlich, Holland und so was. Wenn ich jetzt entscheiden dürfte oder müsste, ich habe jetzt alles als Angebot da liegen und ich weiß, ich will jetzt mal zwei Wochen irgendwo hinfahren, könnte mir jetzt einen von diesen Spots aussuchen und sage, da will ich jetzt hauptsächlich mein Groundhandling verbessern. Gibt es von diesen verschiedenen Auswahlmöglichkeiten, die ich jetzt gerade genannt habe, gibt es da etwas, wo du sagst, dann doch am ehesten dahin? Und warum?

43:28Urs Aschmann

Schwierig, schwierig. Ich komme da immer wieder in den Clinch. Also mein Lieblingsort ist halt schon Dündepila eigentlich, weil einfach viel möglich ist und man sich bei verschiedenen Windstärken von ganz unten bis ganz oben eine riesige Bandbreite hat. Wenn das Wetter passt, wenn der Wind aus westlichen Richtungen kommt, kein Ostwind und kein Regen, weil sonst wird es dann bald mal langweilig. Da wäre Portugal wieder die bessere Lösung, weil kulturell halt Portugal da mehr zu bieten hat.

44:14Urs Aschmann

Schöne Städtchen und vielleicht auch mal ein anderes Fluggebiet, wo man möglicherweise bei Ostwind etwas tun kann. An der Düne ist dann halt bald Feierabend. Ja, sehr zuverlässig wäre schon Namibia, aber es ist mir zu weit. Und wenn ich irgendetwas machen kann, wo man kein Flugzeug besteigen muss, dann finde ich das sehr sympathisch.

44:40Lucian Haas

Das heisst dafür zu sagen, wenn das Wetter passt vom Rundum -Setting, dann ist die Dündepila schon so etwas wie der ideale Spot.

44:48Urs Aschmann

Sehr, sehr. Aber ich kenne noch nicht alles. Es gibt auch schöne Orte, zum Beispiel Meduno, wo ich gehört habe, dass man da sehr gut Groundhandle kann. Ein anderes Paradies ist nach wie vor Castelluccio, auch wenn leider das Örtchen zerstört ist. Da sind die Winde auch sehr gut. Ja, es ist schwierig. Ich bin immer wieder hin - und hergerissen. Was soll man tun? Aber jetzt habe ich etwas gefunden bei mir in der Gegend, eine Stunde am Sealsee. Super Talwind, sehr zuverlässig, sehr regelmässig. Und jetzt ist das mein Lieblingsort.

45:34Urs Aschmann

Und das ist meine kleine Düne.

45:36Lucian Haas

Ich habe gelesen, du warst ja auch schon zwölfmal auf Lanzarote, wo du immer wieder hingeflogen bist. Ja.

45:45Lucian Haas

Irgendwas zieht dich ja wohl auf diese Insel. Kann man da auch gut Groundhandeln? Oder ist das so steinig, dass es eigentlich sagen würde, das ist schirmzerstörerisch, wenn man sich da dann mit noch nicht erfahrener Technik anfängt, mit dem Schirm zu handeln? Ja,

46:01Urs Aschmann

es ist schon sehr wenig fehlerverzeihendes Gelände vorhanden. Das sind viele scharfe Steine. Und es gibt ein paar Möglichkeiten, bei Ebbe an breiten Sandstränden zu üben. Aber die Zeiten sind halt beschränkt aufgrund der Tide. Und andere Möglichkeiten gibt es schon auch. Aber jetzt explizit da hinzufahren oder zu fliegen, nur wegen dem Groundhandling, finde ich keine gute Sache. Weil man will ja dann auch fliegen, oder? Aber ich finde, Lanzarote ist eine Insel, da sollte man wirklich sehr versiert rückwärts starten schon können.

46:50Urs Aschmann

Und dann macht es Sinn.

46:54Urs Aschmann

Weil es ist, wie gesagt, steinig und steil. Und es hat viel Wind. Und man tut sich sehr schnell weh. Also nein, das sollte man schon können. Ich würde da nicht zum Groundhandling hingehen.

47:14Lucian Haas

Du hast gerade den Satz gesagt, dann will man ja schon fliegen. Was reizt dich eigentlich mehr, Groundhandling oder Fliegen?

47:22Urs Aschmann

Oh, die Kombination von beiden finde ich äusserst attraktiv. Meine liebste Art zu fliegen, ist, wenn ich mich die Düne hochziehen lassen kann. Also mit so viel Wind, dass ich hochsliden kann. Wie an einem Skilift. Und jederzeit, wenn ich Lust habe, oder der Wind dann genug stark ist, dass ich mich ausdrehen kann. Und aus dem Sliden fliegen. Und aus dem Fliegen wieder sliden. Und so nachlässig eine Zehe im Sand nachziehen kann. Um eine möglichst lange Spur zu machen. Das finde ich schon sehr leidsvoll.

48:06Lucian Haas

Das heißt, das ist dann Groundhandling und Airhandling eigentlich. Weil du so nah am Grund dich da noch fliegend bewegst, dass du sagst, das ist eigentlich diese Kombination. Vielleicht so richtiges Fliegen kann man das vielleicht noch gar nicht nennen. So in klassischer Vorstellung Alpenfliegerei, wo ich dann weite Strecken fliege. Sondern du sagst, das ist dann vielleicht manchmal ein 20 -Meter -Hüpfer. Und dann bist du schon wieder am Boden. Und es geht fliessend in dieses Groundhandling wieder über.

48:32Urs Aschmann

Ja, das ist der eine Teil, den ich sehr mag. Und der andere Teil, ich mache für mein Leben gerne Wingovers. Und mehr Akrobatik bin ich nicht der Typ dazu. Aber ich fliege schon auch gerne hoch und gerne weit. Und Luftwandern in schöner Alpengegend, das gefällt mir wahnsinnig gut. Aber das bodennahe Fliegen, ich empfinde es halt dann intensiver, weil in tausend Metern Höhe, da verschwindet die Relation zum Boden. Aber so hangnaß fliegen, das macht mich schon sehr glücklich.

49:17Urs Aschmann

Was ist für dich ein idealer Flug? Ein idealer Flug? Ein idealer Flug ist ein schöner, zuversichtlicher Start, den ich richtig geniesse und zelebriere. Weil dann fühle ich mich auch in der Luft wohl.

49:36Urs Aschmann

Wenn die Thermik oder die Turbulenzen so sind, dass ich mit denen klarkomme, dass ich die akzeptiere. Wenn die Farben schön sind, wenn die Sicht klar ist, wenn es schön zuverlässig hochgeht, wenn ich mit Vögeln fliegen kann, wenn ich eine Strecke zurücklegen kann, wenn ich etwas ausprobieren kann, das ich noch nie gemacht habe. Und schlussendlich vielleicht an einem neuen Ort

50:13Urs Aschmann

wieder eine gute Landung habe. Dann bin ich glücklich und zufrieden. Das

50:17Lucian Haas

ist ideal. Hast du schon mal einen Flug erlebt, von dem du sagen würdest, mehr geht eigentlich nicht? Du bist so geflasht, dass du sagst, das war quasi der Flug? Ja,

50:30Urs Aschmann

ein paar Mal. Einige Male. Einige Male habe ich meiner Frau schon erzählt. Das war der absolute Hammer -Flug. Ich glaube, besser kann es nicht mehr kommen. Das war so intensiv und so schön und so toll. Aber das gab es dann immer wieder mal in einer anderen Form. Es ist einfach unglaublich, dass das immer wieder möglich ist. Ein Flug war wirklich ganz toll. Was war das? Das erste Mal auf Lanzarote. Ich hatte da einen Guide, der mir die Verhältnisse erklärt hat. Ich war am Übungshang. Wir waren über Funk verbunden. Er sagt, komm mal hoch, ich warte da. Wir fliegen das Risco.

51:16Urs Aschmann

Der Wind war den ganzen Tag so stark. Es hat immer wieder geregnet. Man musste immer wieder ins Auto. Gegen Abend wurden die Bedingungen weicher, feiner, berechenbarer. Ich war dann irgendwie auf 700 Metern links und rechts der Insel, das Meer Richtung Norden bis zur Spitze. Es gab noch Wolken auf dem Meer und die haben ausgeregnet. Es gab unglaublich schöne Regenbogen, Senkrechte aus dem Meer. Ich war so geflasht und berührt. Begeistert. Mir sind die Tränen runtergelaufen. Es war so herrlich. Es war wirklich ein Moment, da bekommst du Hühnergänsehaut.

52:03Urs Aschmann

Es war wirklich cool. Als ich meinem Guide das erzählt hatte, sagte er, ja, einige Leute hätten schon Pipi in den Augen gehabt vor lauter Schönen. Die Farben, das ist einfach zauberhaft.

52:21Lucian Haas

Machen wir noch mal einen kleinen Themenwechsel. Anfangs sprachen wir über deinen Job als Spielplatzplaner. Den hast du dann aber kürzlich, ich glaube vor ein oder zwei Jahren, an den Nagel gehängt und hast noch mal etwas ganz anderes gestartet. Warum?

52:37Urs Aschmann

Ich habe 19 Jahre als selbstständiger Spielplatzplaner und Bauer gearbeitet und das mit Feuer und Flamme. Dann hat das Feuer nachgelassen und ich habe gedacht, irgendwann ist dann mal fertig. Ich möchte noch mal etwas anderes machen. Es ist so ein bisschen ausgelutscht. Nicht ausgebrannt, aber ich habe Lust auf etwas Neues. Also habe ich gedacht, irgendwann ziehe ich dann den Stecker raus. In einem geeigneten Moment. Wusste aber noch nicht, was da auf mich zukommen würde. Ich hatte noch ein bisschen finanzielles Polster, deshalb habe ich den Stecker dann einfach mal rausgezogen. Und habe gedacht, ja, irgendwas kommt mir in den Sinn.

53:28Urs Aschmann

Ich gebe mir zwei Wochen, dann weiss ich, was ich will.

53:33Urs Aschmann

Und alle Zeichen haben sich dann insofern so verdichtet, dass da plötzlich das Gefühl absolut bombenfest und überzeugt war, ich will eine Hypnoseausbildung machen und ich werde Hypnose -Therapeut. Das war es. Ich war überrascht. Aber die Zeichen waren so unmissverständlich. Ich habe mich dann richtig gefreut. Ich habe gedacht,

54:09Urs Aschmann

eigentlich überrascht mich das nicht so wahnsinnig, weil ich habe mich schon immer für das Thema interessiert. Aber das jetzt anzupacken, das hat

54:18Lucian Haas

mich... Das hat mich gefreut. Du bist jetzt schon der dritte meiner Podcast -Gesprächspartner, der sich intensiv mit Hypnose beschäftigt. Ich frage das bei jedem, aber jeder gibt da immer ein bisschen andere Antworten. Auch was kann Hypnose einem Gleitschirmpiloten bringen?

54:36Urs Aschmann

Hm... Er kann sich vielleicht... Er kann sich seinen Ängsten bewusst werden, seinen Unsicherheiten, seinen Grenzen. Er kann möglicherweise diese Grenzen verändern und transformieren, weil die Programme aus der Vergangenheit, die sind vielleicht für die Gegenwart und die Zukunft nicht mehr gültig. Und es könnte durchaus sein, dass eine solche Befehlung, die Befreiung von alten Programmen, die Freude am Fliegen verstärkt.

55:28Lucian Haas

Was meinst du mit alten Programmen? Sind das einfach Ängste, die aufgetraucht sind? Oder irgendwelche Blockaden, die sich eingestellt haben? Oder was kann das sein, ein altes Programm?

55:36Urs Aschmann

Ja, das kann sein, dass man der Überzeugung ist, Hochfliegen ist gefährlich. Oder Höhe ist Unsicherheit. Oder Wolken sind gefährlich. Vielleicht hat man die Erinnerung an Eva Wisniewska, die in die Wolke hochgesogen wird. Vielleicht sind das Überzeugungen, die man übernommen hat und die in einem wirken, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Und wenn man... Wenn man mit Hypnose oder eben einer anderen Einstellung ans Fliegen geht, dann verändert sich diese übermässige Vorsicht oder diese Angst oder die Blockaden.

56:32Urs Aschmann

Und man wird freier. Man sagt ja, das Leben wird so, wie man denkt. Also was man... Was man sich getraut zu denken, hat eine starke Wahrscheinlichkeit, dass es auch eintrifft. Im Guten wie im Schlechten. Also wenn man wählen kann, dann würde man doch lieber das Gute denken. Weil es bringt einem weiter.

57:00Lucian Haas

Nutzt du denn auch die Kombination, dass du sagst, okay, ich biete Hypnosetherapie an, ich biete Groundhandling an, das sind so zwei Standbeine, die du jetzt hast, dass du sagst, ich biete Hypnose und Groundhandling an? Oder kann Hypnose in deinen Groundhandling -Trainings vielleicht manchmal irgendwo helfen?

57:20Urs Aschmann

Ja, ich habe das schon angeboten. Zuerst eine neue, positive Lerneinstellung zu erarbeiten mithilfe von Hypnose, um dann das Groundhandling effektiver und schneller und besser zu machen. Aber das war relativ mit bescheidener Resonanz. Inzwischen mache ich das bei meinen Groundhandling -Kursen, dass ich mit den Leuten zuerst spreche und ohne eine wirkliche Hypnose im herkömmlichen Sinn, mit Worten, die in eine neue Einstellung bringen.

58:07Urs Aschmann

Weil die sind vielleicht,

58:11Urs Aschmann

verkrampft, die haben das Gefühl, sie seien Grobmotoriker. Und wenn man als überzeugter Grobmotoriker an das Groundhandling geht, dann kommt es nicht gut. Also, du warst gestern noch Grobmotoriker, heute machen wir das ganz fein. Du wirst feststellen, dass du alles wunderbar kannst, dass die Bewegungen ruhig, fliessend, lustvoll sind. Und diese Worte und die ganze Einstellung verändere ich mit meinen Worten, damit die Leute am Schluss endlich das akzeptieren und ich sage das immer wieder.

58:57Urs Aschmann

Die Grenzen werden so aufgeweicht und durchbrochen. Jemand kommt und sagt, er sei immer hektisch. Er sei immer hektisch. Also muss man an dieser Hektik arbeiten mit Worten, damit der Klient, der Kunde, der Groundhandler überzeugt ist, heute ist Ruhe im System. Alles, was ich mache, ist ruhig. Langsam und ruhig. Und das immer wieder. Und dann noch lustvoll und mit Freude. Und das ist gar nicht schwierig, weil ich gebe den Leuten eine Idee mit meinen Worten, wie sie das tun können. Und sie akzeptieren diese Idee gerne.

59:42Urs Aschmann

Und ich wiederhole das ein paar Male und dann läuft es. Also, wie sagt man dem? Wachhypnose.

59:53Urs Aschmann

Sie sind willens, meine Idee, wie sie das tun können, zu akzeptieren. Und in diesem Moment wird das alte Muster auf die Seite gedrängt. Das Neue hat Platz. Und alles funktioniert besser. Runder, weicher. Und die sind ab sich selber überrascht am Schluss. Weil, hey, das hat alles geklappt. Und Freude im Gesicht. Und dann Strahlen. Also für mich ist es auch eine

1:00:27Lucian Haas

Freude. Da kommt aber auch wieder dieses Thema mit rein, was du vorhin gesagt hast, vieles sehr langsam machen. Und in sehr kleinen Schritten wahrscheinlich. Auch um diese Hektik herauszunehmen. Und so etwas, dass die Leute wirklich merken, ah, es kommt um diese, ja, den halben Zentimeter nur an. Und nicht gleich die zehn Zentimeter, die ich Bremszug gebe, um das Ganze zu kontrollieren. Und da so, sich so wirklich reinzufühlen.

1:00:51Urs Aschmann

Ja, unbedingt, ja. Weil, wenn man den Leuten zuguckt, wie sie Groundhandic betreiben, es sind, wenn der Schirm auf die Nase geht, oder, ja, sind es meistens etwa zwei Sekunden, die man zu langsam ist. Wenn man zögert, um zu reagieren, was muss ich jetzt tun? Und wenn man diesen Moment jetzt zurückspulen könnte, in Zeitlupe, bis es passiert, und noch ein bisschen weiter zurück, dann kommt es gar nicht in diesen Moment, wo man überlegen muss, oh, jetzt weiss ich nicht mehr, was tun. Sondern in der Philosophie der kleinen Schritte

1:01:36Urs Aschmann

kommt man immer ein bisschen weiter

1:01:40Urs Aschmann

und weiss dann, wenn man das Ganze ruhig macht, hat man auch mehr Zeit, zu reagieren. Und das ist das Geheimnis. Und dann gibt es eigentlich weniger Situationen, die jetzt aus dem Ruder laufen und der Schirm liegt auf der Nase. Im Gegenteil, wir machen das absichtlich. Wir lassen, wenn man das langsam macht, kann man auch langsam etwas aus dem Ruder laufen lassen, sodass es den Schirm überdreht, dass er auf die Nase geht und schlussendlich mit der Eintrittskante gegen unten liegt. Aber auch das ist dann langsam gegangen und man hat richtig Zeit, um zuzugucken. Und man könnte jetzt auch sagen, jetzt hätte ich Zeit, nochmals zu reagieren, um das zu verhindern.

1:02:29Urs Aschmann

Und das gibt einem auch wieder ein gutes Gefühl.

1:02:33Lucian Haas

Du sprachst gerade von Wachhypnose und dem Einfluss, also im Grunde das Denken im Kopf, ein bisschen eine neue Richtung zu geben so ungefähr oder der Einstellung im Kopf eine neue Richtung zu geben. Das heißt, Lernen findet ja hauptsächlich auch im Kopf statt. Und wenn man so professionelle Athleten sieht, die nutzen ja auch viel sowas, also Leichtathleten beispielsweise, die schließen die Augen, dann man sieht, ah, die gehen jetzt noch mal die Bewegung durch, die sie gleich machen müssen. Oder auch Agroflieger manchmal, die sieht man am Startplatz, die laufen da so ein bisschen rum und stellen sich jetzt vor, okay, und jetzt ziehe ich Außen - und Innenbremse und lasse wieder los und Gewichtsverlagerung und Sonstiges. Das sieht so wie so ein Tanz auf dem Startplatz aus. Gibt es da auch Sachen, wo du mit den Leuten arbeitest und sagst, jetzt versuchen wir uns mal nur diese Sachen zu visualisieren und dann gehen wir daran?

1:03:23Lucian Haas

Also ist das auch eine Art, mit der du arbeitest?

1:03:28Urs Aschmann

Nein. Also ich empfehle den Leuten, nach einem Groundhandling -Tag, dass sie sich das Ganze nochmals angucken, mit geschlossenen Augen auf dem Bett und die einzelnen Übungen nur eine nehmen und die mit geschlossenen Augen einfach nachspüren. Das ist wie ein geschützter Raum und man hat Zeit und man kann sich erinnern, wie sich das angefühlt hat. Und meiner Meinung nach bringt das extrem viel. Und ja, das ist das mentale Training.

1:04:14Urs Aschmann

Wenn man Übungen macht auf dem Bett oder mit geschlossenen Augen,

1:04:21Urs Aschmann

dann ist das wirklich eine sehr kräftige Technik, eine sehr effektive Technik, um das Groundhandling zu verbessern. Was würdest du noch gerne lernen in deiner Fliegerkarriere? Ich würde gerne, wenn ich die Zeit aufwenden würde, bin ein bisschen ein Schisser vor dem Fullstyle. Ich habe zwar schon einige gemacht, aber ich würde den Fullstyle gerne richtig lernen und den Backfly und dann den Heli. Das wäre mein Traummanöver.

1:05:03Lucian Haas

Also noch ein bisschen Agro irgendwie zu den Spielen am Boden, noch ein bisschen mehr Spielerei in der Luft hinein. Ja,

1:05:09Urs Aschmann

das würde mir sehr Spaß machen.

1:05:12Lucian Haas

Letzte Frage Urs, wenn du mit deiner ganzen heutigen Erfahrung auf den jüngeren Urs, ganz jung warst du ja nicht mehr, am Beginn der Flugausbildung und in den ersten Flugzeiten, Flugjahren vielleicht, zurückblickst, was würdest du diesem jüngeren Urs, als wichtigsten Rat mit deiner ganzen Erfahrung heute mit auf den Weg geben?

1:05:37Lucian Haas

Suche

1:05:38Urs Aschmann

dir gleich nach der Ausbildung Leute mit viel Erfahrung, mit denen du mitgehst, die dich mitnehmen zum Fliegen. So wie ein Patensystem, damit ich von denen lernen könnte. Ich würde auch einen Streckenflug machen, am Tandem. Und ich würde mir jemanden suchen, der mir in ein, zwei Stunden die wichtigsten Dinge des Groundhandlings beibringen hätte, damit ich selber weiter üben könnte in Sicherheit.

1:06:23Urs Aschmann

Das wären die etwa drei Dinge, die mir damals viel gebracht hätten. Und ich glaube, das wäre bei allen so.

1:06:36Lucian Haas

Einfach Sicherheit. Was wäre aus dir geworden, wenn du diesen Tipp schon am Anfang direkt bekommen hättest? Uiuiuiui.

1:06:45Urs Aschmann

Ich weiss es nicht. Ich kann es nicht sagen, weil ich habe Familie, meine Kinder sind schon gross, 25 und 23, aber ich habe eine liebe Frau und der will ich nicht abhanden kommen. Also es hätte schon sein können, dass es mir den Ärmel ziemlich heftig nochmals reingenommen hätte. Aber ja, wahrscheinlich etwa das Gleiche. Ich habe mir einfach Zeit gelassen mit meiner Entwicklung und bin jetzt eigentlich auch da.

1:07:21Lucian Haas

Also langsam hast du deine Entwicklung dann auch gemacht. Das ist vielleicht eine schöne Quintessenz von dem, was man bei dir jetzt lernen kann, ist, man sollte sich viele kleine Aufgaben setzen und die vor allem langsam aufeinander aufbauend machen. Dann kann man wirklich sehr, sehr weit kommen, auch mit seinem ganzen Groundhandling. Urs, ich danke dir für deine Erzählung über deine Erfahrung als Groundhändler und Groundhandling Training und was man da so machen kann. Und wünsche dir, dass du noch einige von diesen schönen Regenbogenflügen oder sonstigen herrlichen Flügen, die man erleben kann, noch irgendwo auf der Welt erleben kannst.

1:07:58Urs Aschmann

Herzlichen Dank, Christian. Super. Sehr gerne.

1:08:06Lucian Haas

Das war Urs Aschmann im Gespräch mit Lucian Haas. In den Shownotes zu dieser Podcast -Folge auf Fluglites findest du noch einige weiterführende Links, darunter zu Urs Groundhandlings Website und der im Podcast angesprochenen Groundhandling Challenge von André Bandara. Wenn du neben Groundhandling -Infos auch noch mehr Input für die Ohren suchst, dann findest du bei Podz-Glidz mittlerweile schon bald 40 Hörstunden an weiteren Podcast -Folgen. Podz-Glidz gibt es auf Soundcloud, Spotify, iTunes und vielen weiteren Audio -Katalogen. Wenn du keine Folge verpassen willst, kannst du Podz-Glidz auch einfach im Podcatcher deiner Wahl abonnieren. Wenn du Podz-Glidz als Förderer unterstützen möchtest, so findest du die nötigen Infos dazu auf der Website von Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern.

1:08:51Lucian Haas

Damit komme ich nun wirklich zum Ende. Nun nimm deinen Schirm und geh mal wieder groundhandeln. Aber lass es langsam angehen. Denn so paradox es klingt, der schnellste Weg zum erfahrenen Groundhandlings wie Urs ist der der kleinen Schritte. Ciao!

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