Im Grunde genommen wären Streckenflügel in Grönland auch möglich, bin ich mir sicher, wenn man sich darauf einlässt und bereit ist, dann auch wieder viel zu laufen. Wenn du in irgendeine Richtung fliegst, da gibt es keine Straßen, du musst dich entweder mit dem Boot in einem Fjord abholen lassen oder du musst weiterlaufen. Da gibt es keine großen Alternativen.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Björn Claassen und Lucian Haas am Mikrofon. Björn
Claassen ist der Leiter des Geländereferates und stellvertretender Geschäftsführer des DHV. Als Ausgleich zu diesem teils recht bürokratischen Teil seines Lebens, gönnt er sich jeden Sommer eine ganz besondere Auszeit. Seit 2015 zieht es ihn dabei in die Wildnis Grönlands. Zum Trekking, Seekajak fahren und auch Gleitschirmfliegen. Normalerweise unternimmt er die Trips zusammen mit seiner Frau. In diesem Jahr war er erstmals solo unterwegs. Und das nutzte er nicht. Und das nutzte er für ein ganz besonderes Abenteuer. Im Hike -and -Fly -Stil durch ein gottverlassenes Küstengebirge. Von A Pilatok, dem letzten Dorf in Südgrönland, zum Torsu -Katakfjord mit dem imposanten Granitmassiv des Ulamer Torsuaks als Ziel.
Keine Sorge, ich hatte diesen Namen vor dem Podcast auch noch nie gehört und musste erst einmal in Google Maps danach suchen, um mir ein Bild von der Lage zu machen. Den Rest der Geschichte liefert Björn in der folgenden guten Stunde. Dabei rückt er das allgemeine Bild Grönlands als Eisklotz ein bisschen zurecht, erzählt von der arktischen Natur und wie sie ihm das Gefühl von Freiheit vermittelt, plaudert übers Einbrechen in Schneelöcher, seinen Umgang mit dem Risiko, verregnete Tage im Zelt und natürlich auch der Faszination des Fliegens über den imposanten Landschaften. Ganz am Ende kehren wir nochmal kurz in Björns normales Leben zurück. Wir sprechen über Vor - und Nachteile des Zulassungszwangs von Fluggeländen und warum er in Drohnen die größte Bedrohung unserer fliegerischen Freiheit sieht.
Bevor es gleich in die eisigen Gefilde Grönlands geht, habe ich aber noch einen heißen Tipp. Werde doch zum Förderer von Podz-Glidz und dem zugehörigen Blog Lu-Glidz. Warum? Weil du damit dazu beiträgst, dass dir auch in Zukunft solche interessanten Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens zu Ohren kommen können. Wie du zum Förderer werden kannst, steht auf der Website von Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern. Wie viel du geben wirst, ist die Frage. Was du willst, bleibt übrigens ganz dir überlassen. Was ist dir eine gute Stunde Unterhaltung wert? Wer sich unsicher ist, dem empfehle ich als unverbindlichen Richtwert einen Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz.
Björn, wie sagt man guten Abend auf Grönländisch?
Oh, das kann ich dir gar nicht sagen. Grönländisch ist so eine komplizierte, schwierige Sprache. Das kann ich dir gar nicht sagen. Das ist eine Sprache, die sehr, sehr schwer zu erlernen ist. Also ich habe gute Freunde in Grönland. Die sind auch Übersetzer. Die haben es probiert. In Sprachkursen ist es fast nur zu lernen, wenn du das mit der Muttermilch aufsaugst.
Kannst du denn überhaupt irgendein Wort dann grönländisch? Oder verständigt man sich dann dort nur auf Englisch? Oder mit was geht das?
Naja, es gibt ein paar Wörter, die haben sich auch in die Weltsprache eingefunden. Wie zum Beispiel Kajak. Kajak ist ein grönländisches Wort. Also das Boot, mit dem der Jäger aufs Meer fährt. Oder, kennt ihr auch alle, Anorak. Das ist wörtlich übersetzt etwas gegen den Wind. Und so einzelne Wörter kann man schon sprechen und auch so ein bisschen nachvollziehen. Aber es ist eine so schwierige Sprache. Das können eigentlich nur die 56.000 Grönländer auf dieser Insel.
Das heißt, wie hast du dich auf Grönland verständigt, wenn du da unterwegs warst?
Ich verständige mich dann so ein bisschen mit Norwegisch, mit Englisch. Und mit Englisch geht es eigentlich meistens. Und in den ganz entfernten Siedlungen, da spricht man manchmal auch gar nicht mehr Dänisch. Dänisch ist ja die Sprache, die man in Grönland doch üblicherweise spricht. Aber das Grönländisch selber, das ist einfach so, so schwer zu lernen. Und das kann man dann in den Siedlungen mit Händen und Füßen. Ein bisschen Englisch, das funktioniert dann schon. Also es gibt ja so eine Weltsprache. Auch mit Mimik funktioniert.
Du hast gerade Norwegisch gesagt. Woher kannst du Norwegisch?
Ja, ich hatte mal gearbeitet auf den Lofoten und Westerollen. Als Öko -Guide. Da habe ich dann so ein bisschen Norwegisch gelernt. Also meine Familie kommt ursprünglich aus dem Norden, aber nicht aus Norwegen. Aber wir haben schon immer den Faible gehabt, ganz in den Norden zu fahren, nach Norwegen, Schweden. Und so habe ich ein bisschen aufgeschnappt an Norwegisch. Ist ein bisschen verwandt mit dem Dänischen. Aber Dänisch ist noch ein bisschen schwieriger als Norwegisch.
Wie kommst du von den Lofoten, Norwegen und sowas zu deiner Liebe zu Grönland?
Ja, das ist eigentlich eine sehr, sehr lange Geschichte. Ich bin ein paar Mal nach Kanada geflogen. Ich habe da gearbeitet, auch beim Studium als Förster. Und bin dann über Grönland hinweg geflogen. Und wenn du da aus dem Flugzeug schaust, auf Grönland runter, dann ist das eine Landschaft, die extrem abweisend ist, aber auch extrem spannend. Und da klebte ich am Fenster und habe gesagt, da muss ich unbedingt mal hin. Und das Zweite ist, ich habe sehr viel Polarliteratur gelesen. Das ist schon meine Jugend. Es gibt ja so viele faszinierende Geschichten, wie die Polarregionen erschlossen worden sind, die Forschungsreisen. Oder ein Buch hat mich besonders fasziniert. Frithjof Nansen auf Schneeschuhen durch Grönland. Kann ich nur jedem sehr ans Herz legen, dieses Buch zu lesen. Es ist für jeden Autor, Freak und Abenteurer eigentlich fast Pflichtlektüre.
Der ist ja damals von Ost nach West mit Skiern über Grönland. Hat das Grönland überquert. Gibt es auch ein Buch, das heißt, von ihm geschrieben, dann auf Schneeschuhen durch Grönland. Und der beschreibt das so, auch sehr blumig. War ja auch ein Wissenschaftler, ein Biologe, ein Zoologe. Und beschreibt das aber so, wie es heute eigentlich noch ist. Also ich bin heute in Regionen gewesen, wo Frithjof Nansen auch war. Und es ist noch genauso wie vor 130 Jahren. Fantastisch.
Du hast gesagt, du hast Grönland auf dem Flug nach Kanada gesehen. Wann warst du denn dann zurück? Warst du zum ersten Mal überhaupt auf dieser Insel?
In Grönland war ich dann zum ersten Mal 2015. Und das ist eigentlich auch ganz witzig, weil ich dachte immer, nach Grönland kommst du nur, wenn du eine Expedition machst, wenn du eine Genehmigung hast, wenn du sehr viel Vorbereitung getroffen hast. Und das stimmt gar nicht. Es geht eigentlich schon seit Jahren, nach Grönland zu fahren. Es gibt ein Flugzeug. Da setzt man sich in Kopenhagen ins Flugzeug und kann nach Grönland rüberfliegen. Es gibt zwei internationale Flughäfen. Und dann haben wir es einfach mal gemacht. Ich bin mit meiner Frau 2015 zum ersten Mal nach Grönland geflogen. Und an die Westküste, die Nordwestküste, Disko Island. Und dort haben wir zum ersten Mal eine Trekkingtour unternommen. In ganz wilden Gebieten auf der Diskoinsel. Und da haben wir unsere große Liebe zu diesem Land entdeckt.
Und seitdem bist du jedes Jahr wieder dort? Ja, ich bin jedes Jahr in Grönland. Ich bin vorher viel herumgereist, auch in anderen Teilen der Welt. Aber das ist für mich eigentlich das schönste Land ever, was ich jemals erlebt habe. Was macht für dich die Schönheit Grönlands aus? Klar, die Frage kommt natürlich als erstes. Es ist so eine ungeheure Frische, eine ungeheure Stille, die auf dich wirkt, wenn du in Grönland bist. Es sind die Farben, es ist das Blau, das Weiß, das Eis. Das ist mit einer Klarheit und Wahrheit. Dieses Land, dass es fast unbeschreiblich ist.
Nun warst du ja in diesem Jahr zum ersten Mal alleine in Grönland. Die Jahre davor, wenn ich das richtig gesehen habe, warst du immer mit deiner Frau. Und ihr wart da wandern und vor allem auch Kajak fahren. Und in diesem Jahr hast du zum ersten Mal einen Solo -Trip gemacht. Warum?
Naja, das hatte einen einfachen Grund, der ist auch ein bisschen traurig. Meine Frau hatte eine Frozen Shoulder. Und es ging nicht, dass wir zusammen nach Grönland fahren. Wir hatten eigentlich vor, weiter mit dem Kajak die Westküste zu fahren. Und dann haben wir uns überlegt, in Richtung Norden vorzudringen. Einfach immer weiter zu fahren. Wir nehmen im Grunde genommen jedes Jahr unseren ganzen Urlaub, kratzen den zusammen. Und das sind dann immer so drei bis vier Wochen. Und fahren dann immer weiter in Richtung Norden. Und dieses Jahr hat es nicht geklappt. Sie war krank. Und mir schwebte dann vor, ja mach mal was alleine. Probier das mal aus. Und nachdem ich ja super gerne Gleitschirm fliege, das ist eigentlich meine Passion, dachte ich mir, ich nehme meinen Gleitschirm mit, packe ihn in den Rucksack. Und alles, was so zum Überleben notwendig ist, und probiere es.
Taugt denn Grönland überhaupt zum Gleitschirmfliegen? Ja, gute Frage. Erstmal denkt man, Grönland ist eine eisige Insel. Also 83 Prozent sind Eis auf Grönland. Und wenn man drüber fliegt, sieht man ja auch diesen riesigen Eisschrank, der da über dieser Insel lastet. Aber es gibt an der Westküste und Südküste gibt es eisfreie Gebiete. Und da muss man sich vorstellen, so wie in Norwegen, so Tundra -Landschaften. Und da kann man sehr gut unterwegs sein. Und es ist auch nicht so weit nördlich, wie manche denken. Island ist zum Beispiel wesentlich weiter im Norden als Südgrönland. Also Südgrönland liegt auf dem Breitengrad von Oslo. Und in Norwegen kann man auch gut Gleitschirmfliegen. Wenn die Sonde da rein brennt, gibt es auch Thermik, kann man schön von den Bergen fliegen, auch Streckenflüge machen.
Und wieso soll das in Grönland nicht möglich sein? Und ich war schon so oft da oben. Ich habe gesehen, es gibt Windstille. Es gibt Tage mit günstigem Wind, auch mit Thermik, Thermikwolken. Und das war dann die Idee, den Gleitschirm mitzunehmen.
Ich habe in Vorbereitung hier auf diesem Podcast mal so auf paraglidingmap.com im Internet geguckt und gesagt, gibt es überhaupt offizielle oder halb inoffizielle Startplätze in Grönland? Da sind irgendwie zwei ein bisschen farbiger eingezeichnet, zwei mit Fragezeichen so ungefähr. Also passiert nicht viel. Das heißt, wenn man in Grönland fliegen geht, ist es eigentlich quasi vor Libre. Also du gehst auf den Berg, den du willst und musst halt sicher sein, dass du unten einen Landeplatz findest. Und da startest du dann und fliegst halt ein bisschen.
Ja, das ist korrekt eigentlich. Eigentlich ist es das Land der Flieger überhaupt. Also es gibt ja wenig Bäume in Grönland, viel Tundra -Landschaft. Du kannst eigentlich von vielen Bergen starten. Aber es gibt halt sonst überhaupt keine Infrastruktur. Du musst eigentlich mal genau wissen, was du da tust und was du machst. Aber tatsächlich, Lucian, du hast recht. Es gibt eine kleine Szene. Von Gleitschirmfliegern in Grönland. Das ist in Nuuk. Da gibt es auch so einen Gleitschirmclub. Und die fliegen da in Nuuk in der Hauptstadt von Grönland von diesem Skiberg und fliegen da auch ein bisschen Thermik, ein bisschen Aufwind. Aber ansonsten ist Grönland eigentlich nicht beflogen. Du bist da eher ein Abenteurer und machst das wie zur ersten Stunde. Du selbst musst dir deinen Startplatz aussuchen, musst überlegen, ob du es schaffst, ob du da rüber gleiten kannst und ob du sicher landen kannst.
Du
hast dir als Ziel gesetzt, ich mache jetzt eine Hike -and -Flight -Tour in Grönland, Südgrönland. Was war eigentlich da genau dein Plan?
Also klar war, man kann in Grönland sicherlich nicht so Strecken fliegen wie in den Alpen. Und mein Plan war, dass ich das kombiniere, so eine Trekking -Tour, immer in eine Richtung. Das mag ich sowieso am liebsten immer weiter in Richtung Horizont. Und das war dann auch die Idee. Mein Ausgangsort war Apilatok. Das ist die südöstlichste Siedlung von Grönland. Und von dort wollte ich quer durch die Berge in den sagenhaften Tazermiut -Fjord. Tazermiut -Fjord, das sind sehr, sehr hohe Berge. Die sind 2000 Meter hoch, so Granitflanken, super steil.
Das kannte ich schon von unseren Kajakfahrten und dachte mir, das könnte eine gute Möglichkeit sein, dort entlang dieses Fjords immer weiter zu fliegen. Von Berg zu Berg. Und wenn es halt nicht klappt, dann muss ich tragen und laufen. Und vor der Tour war mir eigentlich schon klar, wenn es blöd läuft, dann muss ich meinen Gleitschirm zwei Wochen lang tragen und komme überhaupt nicht in die Luft. Und wenn es gut geht, kann ich ein paar Mal fliegen. Nun
gibt es ja wahrscheinlich keine Straßen und keine tollen Landkarten mit irgendwelchen großen eingezeichneten Pfaden und sonst was. Wie bereitet man sich auf sowas vor?
Ja, es gibt ein paar Karten. Aber der Maßstab ist natürlich nicht so super. Google Earth ist eine gute Quelle und da habe ich dann lange rumgefingert und gesucht, welche Möglichkeiten es gibt, von Bergen zu fliegen. Du siehst ja dann so annähernd, wie das da unten aussehen könnte.
Und so habe ich es einfach mal gemacht und probiert. Also es ist ja nicht unüblich, durch solche Landschaften zu laufen. Es gibt einige, die dort Tracking auch praktizieren im Sommer, die den Rucksack schnappen und sich dann, in die Wildnis begeben. Und das habe ich dann eben auch so gemacht. Also man muss sich auf viele Überraschungen dann einlassen. Es ist immer wieder eine neue Situation. Also richtig planbar ist nicht alles.
Nun ist ja, ich meine, du machst ja wahrscheinlich auch Hike and Fly in den Alpen. Aber wenn du da auch vielleicht sogar mehrtägig was machst, weißt du eigentlich, im Grunde jedem Tal, in dem ich lande, begegne ich einem Menschen. Und vielleicht kann ich mir auch was zu essen kaufen. Oder es gibt ein Hotel, in dem ich übernachten kann, oder? Ja, ja. Also alle Annehmlichkeiten. Man kann sich zwar schön in die Berge zurückziehen, aber man ist eigentlich ganz schnell auch wieder draußen. Jetzt ist Grönland so was, das ist Wildnis. Ja, also wenn du da einmal wahrscheinlich deinen Startort verlassen hast, dann weißt du, die nächsten paar Tage begegne ich vielleicht gar keinem Menschen mehr. Wie bereitest du dich da auch quasi geistig darauf vor? Also was machst du da im Kopf?
Ja, also einmal, ich habe einen sehr großen Vorteil. Wenn ich in Grönland unterwegs bin, fühle ich mich dort sehr gut. Ich bin dort total zu Hause und fühle mich da richtig wohl. Und das ist, sagen wir mal, für den Kopf schon mal ganz gut. Andere schaffen sowas nicht. Wir haben mehrfach Trecker auch gefunden oder getroffen, die einfach aufgegeben haben, die die Einsamkeit nicht ertragen haben. Und ich war es gewohnt, schon zu zweit zu reisen. Mit meiner Frau haben wir viele Touren, solche Touren gemacht. Alleine war die Herausforderung natürlich nochmal eine ganz andere. Also wenn du allein bist, bist du wirklich allein. Du musst völlig allein deine Entscheidung treffen. Die Entscheidung, welche Route du wählst, die Entscheidung dann auch, wo du startest, welche Flugroute du wählst und dass du auch sicher landest.
Und das ist immer wieder eine Herausforderung. Aber für mental muss ich sagen, war das jetzt für mich nicht das allergrößte Problem. Ich fühle mich dort wohl. Passt.
Das hat ja richtig so einen Expeditionscharakter. Du bist dann ein, erkundest wirklich vielleicht auch neue Ecken, wo du sagst, auf diesem Berg ist möglicherweise noch nie ein Mensch vorher hochgelaufen. Da gibt es ja wahrscheinlich Tausende und nur ein paar Menschen, die da rumstapfen. Und die wenigsten haben vielleicht Lust, immer auf irgendwelche Berge hochzulaufen. Da kannst du sagen, ich bin hier vielleicht sogar der Erstbesteiger dieses Berges, von dem ich gerade umgekehrt bin.
Das ist eigentlich eine coole Vorstellung, Lucian Haas erster Mensch irgendwo zu stehen. Aber tatsächlich ist es so, dass du bestimmt auf Flecken rumläufst, wo noch kein Mensch vor dir gelaufen ist. Also es ist eine schöne Vorstellung. Aber du musst immer aufpassen, dass du das Richtige machst. Also bei dieser Tour war jetzt eigentlich das Fliegen nach meiner Einschätzung gar nicht so gefährlich. Für mich war es eigentlich eher so das Begehen zum Beispiel von Schneefeldern. Ich bin zweimal ins Schneefeld eingebrochen. Und wenn du da rauskrabbelst, dann gucken dich schwarze Löcher an. Also das sind Dinge, die du dann richtig einschätzt. In Zukunft habe ich dann diese Schneefelder umgangen. Bin dann lieber auf Steinen geklettert und habe andere Wege gewählt, damit da ja nichts passiert.
Weil du kannst ja so schnell den Haxen brechen, den Fuß verstauchen oder ein Band abreißen. Und dann stehst du mitten in der Wildnis. Und für mich ist auch eins klar. Ich will eigentlich niemals den Hubschrauber rufen müssen. Das ist zwar in Grönland theoretisch auch möglich, aber da dauert es vielleicht zwei, drei Tage, bis sich tatsächlich jemand rausholt. Und das will ich vermeiden.
Wenn du da jetzt irgendwo im Schnee dann erst mal eingebrochen bist und da vielleicht unten blöd auf dem Fels kommst und vielleicht in die Haxen dann eben brichst. Du hast ja dann wahrscheinlich einen dicken Rucksack hinten auf dem Rücken. Und sowas ist wahrscheinlich überhaupt erst mal schwer, aus diesem Schneeloch irgendwie wieder rauszukommen, oder?
Ja, genau. Also dann ist da schon ein bisschen Adrenalin im Blut. Das waren 25 Kilo Gepäck, was sich zu schleppen hatte. Das ist der Gleitschirm. Das geht ja eigentlich noch mit drei Kilo. Aber die Masse war eigentlich das Essen. Und für zwei Wochen Essen mitzunehmen ist eine schwierige Herausforderung. Das ist alles Trockennahrung. Und im Grunde ist vorher schon klar, das reicht eigentlich nicht. Also das Essen, was du mitnehmen kannst, ist im Grunde genommen viel zu wenig. Und das habe ich dann auch am Ende der Tour gemerkt. Ich bin dann immer schwächer geworden. Ich habe zu wenig Kohlenhydrate dabei gehabt, hätte auch mehr Zucker gebraucht. Und dann wird es ein bisschen eng. Und der Vorteil aber, wenn du losgehst, ist der Rucksack 25 Kilo schwer. Und jeden Tag wird der Rucksack eigentlich um 600 bis 800 Gramm leichter, weil du ja irgendwas essen musst.
Und hinten raus ist es eigentlich ganz leichtes Gepäck.
Wie ist das denn überhaupt? Weil du sagst, dir haben eigentlich die Kohlenhydrate gefehlt. Wie warm ist es da? Also wie viel Energie braucht man allein, um vielleicht gegen die Kälte oder mittlere Kälte in Grönland noch anzukommen?
Ich habe eigentlich gar nicht so oft gefroren. Also so eine Reise ist immer ein Kompromiss. Du musst in leichten Schlagen fahren. Mit einem Schlafsack, mit einem leichtes Zelt, möglichst viel zu essen, möglichst hohe Energiedichte. Aber so kalt, wie man sich das vorstellt, ist es nicht. Es ist eigentlich so ähnlich wie in Norwegen. Nachts ist es vielleicht mal Bodenfrost. Aber im Grunde genommen ist es immer so zwischen 15 und 8 Grad kalt. Ist eigentlich wirklich nicht so schlimm. Und tatsächlich habe ich eigentlich mehr geschwitzt als gefroren. Bei den Aufstiegen, weil du dann schon so in Schwung kommst. Da kommst du richtig in Schwung. Ja, genau. Also da musst du richtig kämpfen. Und es funktioniert. Ja, es ist nicht so wild. Das denken immer alle davon. Und viele sagen, du bringst so schöne Bilder mit, machst so eine Vorträge.
Aber im Grunde genommen, frieren ist eigentlich das Wenigste.
Ich habe mir mal zumindest versucht, deine Strecke ein bisschen auf so einer Google Maps mal mir so nachzuzeichnen. Oder nur so überlegen, wo ging das so ungefähr lang. Dann habe ich gesagt, du hast ja so einen kleinen Haken geschlagen. Er ist eigentlich nach Westen. Und dann entlang nach Norden. Aber wenn du da nur Luftlinie das misst, sind das ungefähr nur 50 Kilometer, die du zurückgelegt hast. Als reine Luftlinienstrecke. Ja, das ist richtig. Wie lange hast du dafür gebraucht?
Ich war insgesamt zwei Wochen unterwegs auf dieser Tour. Und ich habe auch viel Pause gemacht. Zwangspausen, da waren zwei Regentage da drin, wo ich mich eigentlich gar nicht aus dem Zelt heraus bewegen konnte. Und es waren ein paar Tage dabei, wo ich dann ein Basecamp gemacht habe und von dort erst auf die Berge rauf bin. Und manchmal ist es so, dass wenn du in so einen Seitental mal reingelaufen, da habe ich nur fünf Kilometer geschafft. Das war herzlich wenig. Aber du musst dich dann durch Gebüsch kämpfen, durch Wald. Das Försterherz, das freut es vielleicht ein bisschen, dass da Wald wächst. Aber der Wald ist dort nur acht Meter hoch. Und das ist ein Birken -Weidenwald. Und du musst dich da durchkämpfen. Das ist Buschwald. Und da läufst du dann mehr auf den Ästen, auf den Bäumen als auf dem Boden.
Und das ist ein irre Kampf, um sich da durchzuschlagen. Das heißt, du kämpfst dich durchs Unterholz. Und das Unterholz ist das Oberholz gleichzeitig. Ja, genau. Oder manchmal, es gibt ja keine Wege oder ganz wenige Wege, dann läufst du über Felsen, über Blöcke, riesige Felsblöcke, die halt irgendwie abgebrochen sind. Die musst du umlaufen oder übersteigen. Und das nimmt halt schon ganz schön viel Zeit in Anspruch. Für mich ist auch noch eins, die Länge der Strecke, die interessiert mich ehrlich gesagt gar nicht so sehr. Das ist eigentlich eher das Erlebnis, was ich da habe. Und ich bin da nicht so, der Bayer sagt immer ganz gerne, ohrschichtig unterwegs, dass du nur auf Kilometer aus bist oder nur auf Strecke. Mich interessiert alles auf so einer Reise. Das sind die Fauna, sind zum Beispiel die Füchse, die man immer wieder sieht, die Polarhasen.
Das ist die Flora mit toller Pflanzenwelt, wie wir sie aus dem Alpinen auch kennen. Und es sind natürlich überwältigende Landschaften. Und dafür will ich mir Zeit nehmen. Ich mache zum Beispiel sehr gerne Fotos und auch Videos. Und dann nehme ich mir einfach Zeit, dass ich auch ein, zwei Stunden einfach nur fotografiere und dann überhaupt nicht irgendwo hochlaufe.
Ich habe so ein paar von deinen Fotos gesehen. Und da sieht man auch, zumindest auf dem Foto, sieht das so aus, als wärst du an die Füchse und die Hasen und sowas sehr nah rangekommen. Sind die nicht scheu?
Der Polarhase ist gar nicht so scheu. Das ist natürlich eine gewisse Distanz musst du dann schon wahren. Aber bei den Füchsen, beispielsweise da war ich 100 Meter neben dem Fuchsbau, habe mein Zelt aufgestellt und habe da einfach gewartet. Und du musst, wenn du Natur beobachten willst, einfach Zeit haben. Und die Füchse sind irgendwann gekommen. Die waren neugierig. Und dann waren die tatsächlich nur noch fünf Meter von mir weg. Und da kann man natürlich schöne Aufnahmen machen und auch die Füchse schön beobachten.
Jetzt hast du gerade apropos Zeit vorhin auch gesagt, du hast auch Tage oder mehrere Tage im Regen im Zelt ausharren müssen. Was denkt man, wenn man mitten in der Wildnis einen ganzen Tag lang in Grönland im Zelt hängt und sagt, ich kann jetzt hier nicht weg oder ich werde völlig nass?
Das ist eine witzige Frage. Was denkt man dann? Also es ist natürlich viele Lebensfragen, die man vielleicht bewegt. Wer bin ich? Wo komme ich her?
Oder es macht sich, das habe ich festgestellt, in mir eine große Zufriedenheit breit. Also ich habe dann Musik gehört, meine Lieblingsmusik, Pianomusik. Ich habe ein paar Podcasts gehört. Also ich habe mich da schon beschäftigt. In mir kam eigentlich niemals Langeweile auf oder das Ärgernis darüber, dass es nicht vorwärts geht, dass es jetzt regnet. Wenn du das in dir trägst, dann bist du in dem Land sicherlich nicht gut aufgehoben. Du musst eigentlich Zeit haben. Zeit zum Reisen, Zeit zum Laufen. Und dann beschäftigt dich das auch gar nicht mehr so. Das belastet dich nicht.
Nun warst du ja auch dort, um Gleitschirm zu fliegen. Du bist viel gelaufen, hast dir die Natur angeguckt, aber bist dann auch auf die Berge hoch, um dann zu fliegen. Welchen Charakter hatten eigentlich diese Flüge? Waren da auch wirklich Streckenflüge dabei oder waren das eigentlich nur, ich laufe einen Berg hier hoch und gleite dann wieder runter zu meinem Zeltplatz?
Also auf dieser Tour hatte ich echt ein bisschen Pech mit dem Wetter. Also wir hatten in den Jahren zuvor auch schon mal Perioden mit zwei, drei superschönen Tagen, auch thermischen Tagen. Und das Glück hatte ich diesmal nicht. Es waren, es waren die meisten Zeit Gleitflüge oder es waren Flüge, wo ich halt auch ein bisschen Höhe machen konnte. Also an meinem Zielberg, da bin ich dann noch länger geblieben. Fünf Tage am Ula -Meer -Torsuak an dieser irren Granitsäule. Und da ging es auch mit drei Meter pro Sekunde nach oben. Also da konnte ich auch eindrehen, Thermik machen. Und im Grunde genommen wären Streckenflüge in Grönland auch möglich. Bin ich mir sicher. Wenn man sich darauf einlässt und bereit ist, dann auch wieder viel zu laufen. Wenn du irgendeine richtige Flüge hast, dann bist du da. Wenn du eine richtige Richtung fliegst, da gibt es keine Straßen.
Du musst dich entweder mit dem Boot in einem Fjord abholen lassen oder du musst weiterlaufen. Da gibt es keine großen Alternativen. Und auf dieser Tour, wie gesagt, war das mehr so ein Jojo -Fliegen. Also rauflaufen den Berg, ein Stück weit vorwärts fliegen und dann weiterlaufen, wieder auf den nächsten Berg und wieder runterfliegen.
Wäre das denn jetzt nur von der Vorstellung her, ich will ja auch Strecke machen, ob jetzt laufend und fliegen und sowas. Wäre es denn so gewesen, dass du vielleicht, wenn du gar nicht geflogen wärst, zu Fuß alleine schneller unterwegs gewesen wärst, als wenn du sagst, ich laufe jetzt erst mal den Berg hoch, gleite das Stückchen wieder runter und mit allem einpacken, auspacken, umpacken und was man da so vielleicht braucht. Hätte sich das zumindest aus der Vorstellung von Hike and Fly, um auch fliegend wirklich Strecke zu machen, dafür hat sich das wahrscheinlich gar nicht gelohnt.
Dafür hätte es sich nicht gelohnt. Das ist richtig. Ich fliege aber so gerne und leidenschaftlich, dass ich das in Kauf genommen habe. Das sind halt drei, dreieinhalb Kilo an Gleitschirmmaterialien. Was ich mitgenommen habe, das war es wert. Absolut. Also das Beeindruckendste war einfach, die Strecke hatte ich mir vorher schon ausgeschaut. Da musste ich an einem Fjord entlang fliegen, um in das nächste Tal zu kommen. Und das hat auch funktioniert. Ein kleiner Startplatz von so einer Granitplatte. Da habe ich den Schirm aufgezogen. Es war ursprünglich so ein bisschen wolkig. Die Wolke hat mich immer wieder gefressen und irgendwann hat die sich so weit gehoben, dass ich dort starten konnte. Und da ist der Plan aufgegangen. Ich konnte am Fjord entlang fliegen und habe meinen Zielpunkt erreicht. Ich konnte dann dort am Ende des Fjordes am Talanfang wieder einlanden und habe mein Zeug zusammengepackt und bin weitergelaufen.
Wie gehst du bei solchen Geschichten, auch wenn du Startplätze wählst und sowas, wie gehst du da mit Risikoeinschätzung um? Bist du da viel, viel vorsichtiger, als du da zum Beispiel in den Alpen wärst? Oder ist es so, dass du sagst, ich fühle mich dann eigentlich irgendwann so verbunden und so zu Hause in Grönland, dass das relativ egal ist, dass du sagst, das sieht nach einem ordentlichen Startplatz aus, wird schon funktionieren?
So wird es schon funktionieren, das mache ich nicht. Weil das hatten wir ja vorhin schon besprochen, wenn du dir da den Haxen brichst, das ist höchst unangenehm. Also du musst schon wissen, was du da machst. Und auch da braucht man immer wieder einen Plan B und einen Plan C. Also wenn ich beispielsweise den gerade beschriebenen Flug nicht erreicht hätte, den Landeplatz, dann hätte ich irgendwo am Hang einlanden müssen. Der Hang war sehr steil. Das geht da steil in den Fjord runter. Im Wasser landen geht nicht. Da bringst du dich dabei um. Und da habe ich das so gemacht, dass ich vorher die Strecke so ein bisschen abgegangen bin, auf den Nachbarberg gestiegen bin, mir angeschaut habe, von oben kann man da unten landen, wenn Ebbe ist beispielsweise. Und das war dann auch so. Und da bin ich sehr, sehr vorsichtig. Also da habe ich schon äußersten Respekt.
Aber vielleicht, ja wie soll ich sagen, man kann ja auch Angst haben. Und Angst ist ja eigentlich auch gar nicht so schlecht, wenn das Risiko zu groß ist. Vielleicht besser ausgedrückt, man braucht Respekt. Angst kann einen ja auch lähmen. Aber so ein Ticken Angst ist nicht verkehrt, damit du da keine großen Fehler machst.
Wenn du da jetzt unterwegs bist und dann irgendwo absäufst, du hast vorhin gesagt, ja, wenn man am Fjord landet, dann muss man sich dann vielleicht dort abholen lassen oder notfalls musst du den Hubschrauber rufen oder sowas. Wahrscheinlich gibt es aber gar kein Handynetz, wo du da unterwegs warst.
Handynetz gibt es nicht. Wie hättest du das gemacht? Ich habe ein Satellitentelefon dabei gehabt und so ein Indirich -Gerät. Das ist ein tolles Gerät, damit kannst du in Echtzeit E -Mails verschicken. Und ich hatte so ein paar Kontakte und habe mich dann immer mal wieder gemeldet. Man konnte dann auch auf diesem Gerät so seinen Track einstellen, alle 20 Minuten ein Punkt. Und so konnten meine zu Hause gebliebenen mich verfolgen. Oder beispielsweise auch Wetterinformationen habe ich vom Robin bekommen. Der hat zu Hause sehr viele Wetterinformationen. Er hat sich täglich das Wetter angeschaut, drei Wettersysteme verglichen und hat mir dann seine Wettereinschätzung geschickt für diesen Tag. Ob es zum Fliegen geht, ob es thermisch ist, ob irgendwelche Gefahren aufkreuzen, ob es zu stürmisch wird. Und somit habe ich dann eine ganz gute Kommunikation gehabt.
Nun ist ja Grönland wahrscheinlich ein Inselkontinent, wie auch immer. Einfach riesige Insel ist es ja, wo wahrscheinlich auch relativ wenige Wetterstationen und sonstiges drauf ist. Wie gut passen denn dann quasi Wettervorhersagen, die aus diesen Modellen kommen, die der Robin dir dann zusammenfassend rübergeschickt hat? Wie weit passte das dann wirklich zu der Realität?
Es hat eigentlich fast immer zur Realität hingehauen. Also der Robin begleitet uns mit dem Wetter schon seit Jahren und macht uns das immer. Er schickt uns dann, gerade wenn es brenzlig wird, jeden Tag neue Wetterinformationen. Und das hat immer hervorragend geklappt. Also das kann man sagen. Er vergleicht ja verschiedene Wettersysteme. Es funktioniert. Wobei es schwierig ist am Kap Verwell. Da kommen dann zwei richtig vernünftige Wettersysteme. Das ist unten das südlichste Kap von Grönland. Und die ostgrönländische Seite ist ganz anders als auf der Westseite. Und diese Dinger stoßen manchmal zusammen. Und da das richtig einzuschätzen, ist schwierig. Aber es gelingt. Es kommt, haut eigentlich immer ganz gut hin. Ich würde mal sagen, seine Prognosen sind zu 95 Prozent richtig.
Aber wenn man es jetzt einfach nur geografisch sieht, ist es wahrscheinlich sinnvoller, vielleicht sich nicht genau auf dieser vielleicht so eine Art Wetter -Scheiden -Region im Süden zu bewegen, sondern wenn man es jetzt einfach nur geografisch sieht, wenn man jetzt sagen würde, man will Meer fliegen und vielleicht Strecke fliegen oder sowas, dass man vielleicht wirklich eindeutiger auf die Westküsten -Seite dann noch geht, oder?
Ja, wäre vielleicht gut. Aber das ist so ein zerklüftetes Land mit vielen Fjorden. Also viele Gegenden gibt es nicht, wo man dann richtig fliegen kann. Also Strecken fliegen ist sowieso nicht da angesagt. Vielleicht kannst du mal 20 Kilometer fliegen oder 40, 50 Kilometer in irgendein Fjord rein. Aber du musst dann schon einer Linie folgen. Und manche Gegenden sind so ziemlich besiedelt, dass wenn du da weit fliegen würdest, da kommst du gar nicht mehr raus. Dann brauchst du jemanden, der dich abholt. Und du kannst ja auch nicht so unendlich viel Essen mitnehmen, dass du das alles wieder laufen kannst. Also ich habe mich immer darauf eingestellt, im Notfall läufst du einfach alles.
Kann man da nicht auch angeln? Oder eine Waffe mitnehmen und jagen und sonstiges?
Ja, also Angeln, das funktioniert ganz gut, ja. Also die Saiblinge zum Beispiel ist manchmal tatsächlich eine Ergänzung zum Essen. Wenn wir mit unseren Kajaks unterwegs waren, dann haben wir hin und wieder geangelt und auch sehr große Dorsche rausgezogen aus dem Wasser oder andere Fische. Das ist eine gute Nahrungsergänzung.
Was ist mit
Eisbären? Ich habe auch in der Vorbereitung hierzu noch einen Film von zwei australischen Frauen gefunden, die 2016 mal, allerdings war das auf der West-, ne, auf der Ostküste waren die. Und die hatten dann auch ein Gewehr dabei und haben sich extra einen Schutzzaun um ihr Zelt, oder so einen Warnzaun um ihr Zelt gebaut. Falls da ein Eisbär ihnen zu nahe kommt oder so, dass sie das dann immer hören können. Wie war das in deiner Gegend? Hattest du irgendwie Schiss, dass da so ein Bär vorbeikommen könnte?
Ein bisschen Schiss hatte ich schon. Also wie ich losgefahren bin, ein Jäger hat mich abgesetzt mit seinem Boot und der hat so beiläufig erzählt, naja, hast du ein Messer wenigstens dabei? Im Nachbarfjord ist ein Eisbär gesehen worden. Und das passiert hin und wieder auf der Südküste. Die Eisbären, die gehen mit dem Packeis. Und dieser Ostgrönlandstrom geht ums Kapferwell rum und da fahren manchmal Eisbären mit, obwohl es sehr, sehr weit südlich ist. Und die südlichste Stadt von Grönland heißt auch Nanorthallig, dort wo die Eisbären an Land gehen. Und dieses Jahr war es so, dass es tatsächlich auch wieder ein paar Eisbären gegeben hat. In Jahren davor in einem Jahr gar nicht. Und im anderen Jahr waren es acht Eisbären, die in Südgrönland unterwegs waren.
Und wir hatten auf unseren Kajaktouren mit dem Kajak einmal, wie wir recht weit im Südosten unterwegs waren am Kapferwell, auch eine Waffe dabei. Aber das eigentlich nur zur Abschreckung, damit, wenn es mal wirklich brenzlig wird, dass man Warnschüsse abgeben kann. Wir wollen natürlich keinen Eisbären dann umlegen. Ich glaube, wesentlich besser ist, da habe ich mich mit vielen Biologen und Zoologen unterhalten, wenn du so ein Eisbär oder ein Grizzlyspray mitnimmst. Das ist im Grunde genommen ein Pfefferspray in einer riesigen Druckdose, und damit kannst du richtigen Strahlpfeffer abspritzen. Und damit kannst du tatsächlich einen Eisbär in die Flucht schlagen. Der Eisbär, muss man sagen, ist auch das einzigste Tier, wo man in Grönland jetzt so wirklich Angst haben muss.
Das macht es eigentlich... Alle anderen
sind kleiner, oder?
Alle anderen sind kleiner. Na gut, Moschusochsen, da willst du auch nicht unbedingt ganz dicht dabei sein, aber die hauen im Regelfall schon ab. Aber alle anderen sind wirklich kleiner. Dieser Eisbär in Südgrönland, dass du so viel Pech hast, dass der Eisbär dich trifft und frisst, da musst du schon richtig viel Pech haben. Das ist in Spitzbergen und anderen Gegenden oder an der Ostküste von Grönland ganz anders.
Nun warst du in den Vorjahren, als du mit deiner Frau unterwegs warst, da seid ihr hauptsächlich mit Seekajaks dann entlang der Küste gepaddelt. Wenn du jetzt diese Trips mal vergleichen würdest, was findest du interessanter, mit dem Kajak dich an dieser grönländischen Küste entlang zu hangeln, oder wirklich dieses Abenteuer mit ich laufe mal auch quer durch die Landschaft, steige auf die Berge und fliege dann dort mit dem Gleitschirm runter?
Ja, das ist mal eine gute Frage, Lucian. Also unbedingt vergleichen. Wir haben natürlich jetzt beides gemacht. Ich habe jetzt auch diesen Solo -Trip gemacht. Der Solo -Trip, der war für mich einzigartig. Da allein unterwegs zu sein, das erfordert ein bisschen auch mentale Stärke. Du musst damit umgehen können. Die emotionalen Ausschläge sind natürlich viel höher. Zu zweit ist es im Grunde genommen eigentlich schöner, weil zu zweit kannst du die Erlebnisse teilen und dich besprechen. Du kannst nicht nur mit dir selbst reden, weil ich habe das zum Beispiel gemerkt, wie ich meine Videos angeschaut habe. Da habe ich tatsächlich mit mir selber gesprochen. Ich war ganz überrascht. Was hast du da eigentlich erzählt? Ganz lustig. Aber
ist das erst nach zwei Wochen aufgetreten, mit diesem sich selber sprechen, oder war das dann von Anfang an quasi schon?
Das war eigentlich von Anfang an. Fand ich ganz spannend. Wenn du zu zweit reist, ist es angenehmer. Man kann sich tatsächlich austauschen. Und wenn ich das jetzt so vergleiche, Seekajak oder Gleitschirm. Für meine Trainingstour dieses Jahr bin ich mit meinem Seekajak, die haben wir da oben liegen, eine Woche erst mal unterwegs gewesen, zum Trainieren und zu checken, funktioniert das alles? Und da hatte ich auch den Gleitschirm im Kajak dabei. Das war natürlich eine ganz tolle Kombi, weil dann kommst du paddelnd in Fjorde rein, wo man sonst eigentlich gar nicht hinkommt, und dann Zelt aufstellen, Gleitschirm mitnehmen und dann sozusagen als
Basis das Zelt nutzen und dann auf die Berge rauf und runterfliegen. Also das war schon eine geniale Kombination.
Wenn du jetzt mal diese beiden Sportgeräte, Kajak und Gleitschirm miteinander vergleichst, die sind völlig unterschiedlich, ich weiß, aber von dem, was sie dir geben persönlich oder was du an Gefühlen da rausziehst, gibt es da Sachen, wo du sagst, in manchen Punkten ist das vergleichbar und wo ist so der Hauptunterschied für dich emotional?
Ja, das schaut eigentlich, du hast vollkommen recht, das sieht so aus, als ob das zwei völlig unterschiedliche Sportgeräte sind. Das eine ist auf dem Wasser und das andere ist in der Luft. Trotzdem ist es extrem vergleichbar. Also wenn du mit dem Kajak aufs Meer rausfährst, das ist so, wie wenn du mit dem Drachen oder mit dem Gleitschirm startest und beide Sachen musst du zu Ende bringen. Du musst deine Fahrt auf dem Meer zu Ende bringen, die Wellen, das musst du alles irgendwie packen, du musst auch wieder anlanden und mit dem Gleitschirm ist das nicht anders. Dein Flug ist erst beendet, wenn du am Boden stehst und sicher am Boden stehst. Und die Wellen, die Turbulenzen, das Wasser, das ist durchaus vergleichbar mit der Luft. Ist eigentlich sehr, sehr ähnlich, finde ich.
Ist es nicht etwas vorhersehbarer, gerade weil das Wasser sichtbar ist und die Luft eben nicht?
Ne, nicht wirklich. Also wir sind manchmal mit dem Kajak in so Strömungen reingekommen, in Fjordströmungen, die uns komplett überrascht haben. Also wir sind um eine Ecke rumgefahren und plötzlich haben sich Wellen aufgebaut, die für uns mal nicht so vorhersehbar waren. Wir sind natürlich eher Landratten, wir kommen aus Süddeutschland, wir fahren zwar lange Seekajak, aber es war oft völlig überraschend, auch die Strömungen, die da so entstehen können. Und wenn man das so mit der Luft vergleicht, ja, Luft kannst du nicht sehen, aber jetzt fliege ich ja auch schon viele, viele Jahre, über 25 Jahre mit dem Gleitschirm, ich kann das inzwischen eigentlich schon ganz gut einschätzen. Und das sind beides Dinge, die man lernen muss, die man sehen muss, die man vielleicht auch mal so in dritten Sinne für irgendwas entwickeln muss, um
Gefahren aus dem Weg zu gehen. Und trotzdem gelingt es nicht immer. Also mit dem Kajak haben wir manchmal Fehler gemacht, dass wir einfach zu spät aufgebrochen sind und dann kam der Fjordwind, dann kam die Flut, das ist ein großer Tidenhub, drei Meter Tidenhub, und plötzlich hast du Strömungen und die Wellen bauen sich auf und das musst du dann tatsächlich auch zu Ende bringen, wenn du so tief in die Wellen eintauchst, dass du deinen Partner nicht mehr siehst, wenn der immer nur aus der Spitze der Welle wieder auspoppt, ausploppt, dann ist es ganz witzig zum Ansehen, aber ist natürlich auch herausfordernd. Und beim Fliegen, Gleitschirmfliegen, kann es ja auch mal ähnlich sein. Nicht immer schätzt man die Situation richtig ein. Man versucht es zu erklären und ich versuche das immer wieder mir auch zu erklären, warum dies oder das passiert oder wie turbulent das ist.
Wobei ich mir beim Fliegen vielleicht sogar ein bisschen leichter tue als beim Kajakfahren. Warum? Weil ich schon länger fliege. Ich fliege eigentlich sehr viel und ich fliege leidenschaftlich gerne. Ich mache vom Gleitflug bis zum Thermikflug, Streckenflug. Fliegen ist für mich einer der größten Leidenschaften und deshalb fühle ich mich da eigentlich sehr zu Hause.
Von diesen Flügen, die du jetzt in Grönland gemacht hast, gibt es da irgendwie einen, wo du sagst, das war mein Highlight -Flug da jetzt über dem Eis, dem Fels, dem Fjord?
Ja, also
ein Flug, den werde ich nie vergessen. Ich bin an diesem Tag ewig in einer Wolke rumgerannt auf dem Berg. Ich war auf über 1000 Meter und der Robin hatte mir das Wetter durchgegeben. Das ist der beste Tag der Woche und ich stand in der Wolke und es regnete und immer wieder Wolkenfetzen und irgendwann stand ich offenbar am Rand dieser Wolke und habe rausgeschaut und draußen war das herrlichste Wetter. Das war einfach so, dass ich da diese Wolke aufgebaut hatte vor diesem Berg und dann bin ich rausgeflogen praktisch von diesem Berg weg und in das Licht vor die Wolke und vor der Wolke konnte ich aufsohren. Es ging nach oben. Also das war so umwerfend. Die Gefühle, die dabei entstehen, die sind schon sehr, sehr
großartig und ein wunderbarer Flug.
Wie lang bist du denn da so geflogen oder war das eh ein zeitloser Flug eigentlich und du weißt es gar nicht, sondern es war
einfach nur, bist ja alles gut. Ja, manche Flüge waren nur 10 Minuten, 20 Minuten und manche knappe Stunde. Also wenn es dann thermisch ging, dann kannst du da auch schon aufdrehen. Aber du hast schon recht, es ist so ein bisschen zeitlos einfach. Weil für mich stand jetzt nicht im Vordergrund lange zu fliegen oder weit zu fliegen, sondern Hauptsache, dass ich fliege und dieses ganze Erlebnis, was da in allem zusammenfließt, das ist eigentlich das, weshalb ich diese Reise mache.
Hast du dann GPS dabei und hast am Ende deine Flüge auch noch irgendwie in der VXC eingestellt? Nicht, weil du damit viele Punkte bekommst, sondern einfach um zu sagen, guck mal, ich zeig euch mal, wo man tolles auch noch herumfliegen kann oder einfach ja der Stolz, der dabei vielleicht ist.
Lucian, du bringst mich auf eine Idee. Ich müsste tatsächlich noch ein paar Flüge hochladen, ne? Die habe ich tatsächlich. Es ist noch nie jemand geflogen und da wird man wahrscheinlich staunen, dass man in dieser Gegend überhaupt fliegt.
Ja, aber da heißt es ja dann, die 14 Tage Hochladefrist ist doch schon wieder vorbei. Die
wäre dann vorbei. Für den Wettbewerb wäre es vorbei. Ja, korrekt. War ja auch schon im letzten Sommer, ne?
Na gut. Zum Abschluss zu dieser Thematik Grönland. Wenn du deine Erfahrung mit Grönland in einem Wort zusammenfassen könntest oder anders gesagt, wenn du sagst, was ist Grönland für dich in einem Wort?
Freiheit. Das ist das Wort. Freiheit. Das ist schön. Also die Freiheit, die ich hier in Deutschland ja nie so hätte. Also wenn man sieht, wie wir uns hier mit Luftverkehrsgesetz auseinandersetzen. Du brauchst eine Außenstaaten -Außenland -Erlaubnis, dass du in Deutschland überhaupt starten darfst. Das sind natürlich Dinge, die einen hier einschränken. Aber hier wohnen natürlich auch über 80 Millionen Menschen. In Grönland ist es außerhalb der Siedlung wohnt halt niemand. Da gibt es praktisch nicht Gesetze, die dich einschränken, da schränkt dich eigentlich nur dich selbst, deine Gedanken oder irgendwas ein. Da kannst du eigentlich tun und lassen, was du willst.
Willst du diese Freiheit zurück? Also willst du nach Grönland auch wieder zurück?
Unbedingt, ja. Ich werde nächstes Jahr mit Sicherheit wieder nach Grönland fahren. Das ist eigentlich für mich das beste Land, was ich jemals besucht habe. Ich war schon sehr viel auf der Welt unterwegs. In Südafrika, in Ägypten, in Südamerika mit dem Fahrrad. Aber Grönland ist echt das allerbeste.
Und hast du da auch schon spezielle Pläne auch gerade mit deinen Flugerfahrungen jetzt, wo du sagst, in die Richtung will ich noch mehr dann machen?
Ja, eigentlich mit dem Seekajak vor allem. Mit dem Seekajak weiter in Richtung Norden. Wir haben es ja nicht so gut, dass wir uns jetzt monatelang freinehmen können oder ein halbes Jahr mal, sondern wir müssen einfach unseren Urlaub zusammen kratzen und fahren dann immer vier Wochen am Stück immer weiter Richtung Norden. Und da ändert sich die Landschaft auch. Und das ist so der Plan, dass wir dann, solange wir Lust haben, das machen. Aber es ist immer Anstrengung. Es ist eine Herausforderung. Wir machen es einfach, solange wir Spaß daran haben.
Du hast gerade gesagt, ein halbes Jahr kannst du dir nicht freinehmen. Kann man überhaupt ein halbes Jahr nach Grönland fahren? Also sich sinnvoll bewegen? Oder ist da irgendwann eh so viel Winter, dass das gar nichts bringt? Was ist eigentlich so das beste Zeitfenster, um sich in Grönland jetzt als Trecker, als Seekajaker, als vielleicht auch Gleitschirmfliegen zu bewegen?
Also in Wirklichkeit sind es eigentlich nur drei, vier Monate. Also Juni, Juli, August, September vielleicht noch die Hälfte. Und dann beginnen die Nachtfröste und dann wird es kalt. Also Anfang Oktober frieren viele Fjorde zu. Und dann ist es natürlich zu Ende. Also wirklich sinnvoll sind es vier Monate.
Was ist mit Mücken? Ist das ähnlich wie in der Schweden, wo du dann im Sommer totgestochen wirst? Oder ist Grönland ein mückenfreies Paradies?
Lucian Haas wollte ich jetzt eigentlich ganz bequem auf die Seite schieben. Aber du hast natürlich recht. Die Mücken, die können dich ganz schön nerven. Es gibt so ein paar Plagen, die musst du einfach aushalten. Und deshalb, hast du vielleicht auch in den Bildern gesehen, in manchen Gegenden musst du ein Mückennetz tragen. Über den Kopf. So ein Kopfnetz. Weil es sonst einfach nicht aushaltbar ist. Das sind so Kribbelmücken, die in deine Ohren reichen, kriechen in die Nase. Dann brauchst du ein Netz. Sonst hältst du es gar nicht aus. Sonst wirst du ein bisschen verrückt. Das ist wirklich hin und wieder ein bisschen lästig. Aber es gibt auch Gegenden, oder wenn der Wind auffrischt, dann hast du keine Mücken mehr. Also man kann damit leben. Also ich habe mich eigentlich damit ganz gut arrangiert.
Sind die Mücken dann eigentlich nur in den unteren Bereichen? Also wenn du so auf Meereshöhe dich bewegst und wenn du in die Berge gehst, dann sind sie dort nicht mehr? Also ist das auch ein Grund, warum man sagen kann, ich will lieber nach oben und dann vielleicht fliegen gehen, weil die
Mücken sind da oben nicht? Ne, das ist leider nicht so. Also ich bin schon mal auf Berge raufgelaufen und diese Mücken haben mich verfolgt bis zum Gipfel. Unglaublich. Also Wind ist das Beste. Oder auf dem Meer draußen hast du eigentlich auch keine Mücken. Also wenn du mal raus paddelst, dann kannst du dein Mückennetz wieder abnehmen. Dann bist du eigentlich ziemlich frei. Und es kommt auch ein bisschen auf den Jahr an. Letztes Jahr waren wir unterwegs an der Eiskante in Nassau und da gab es wochenlang überhaupt keine Moskitos. Also fast nicht wahrnehmbar. Also sehr unterschiedlich, aber musste ich immer bewaffnen mit einem Netz.
Lassen wir mal die Mücken Mücken sein und machen einfach einen Themenwechsel. Björn, du bist ja nicht nur jetzt bekannt als der große Grönlandflieger, sondern auch vor allem bekannt bei den Leuten als Leiter des DHV Gelände Referates. Und wenn du jetzt mal ganz ehrlich da gehst, findest du die Regeln eigentlich gut, dass in Deutschland Gelände offiziell so zugelassen werden müssen?
Eigentlich muss ich sagen, wäre es ja am schönsten, wenn wir das alles gar nicht bräuchten. Also wenn ich das jetzt auch direkt mit Grönland vergleiche, das ist super. Da kannst du selber entscheiden. Da musst du vielleicht auch mal in Bauern fragen. In Südgrönland gibt es ja auch Bauern, die Kartoffeln und ein paar andere Sachen anpflanzen. Aber außerhalb dieser Siedlungen kannst du ja überall starten, landen. Da fragt dich keiner danach. Und wenn man das jetzt auf Deutschland überträgt, da sind wir halt einfach zu viele. Wir sind ja wie gesagt über 80 Millionen Menschen. Das ist so geregelt. Das Luftverkehrsgesetz, das hat ja auch nicht der DHV gemacht. Das ist mal gemacht worden durch witzigerweise, man muss ihn vielleicht ein bisschen länger ausholen, durch das Land Baden -Württemberg. Die hatten geklagt gegen diese alte Regelung.
Früher durfte man in Deutschland bis 1993 im Grunde genommen starten und landen. Wenn der Grundeigentümer zugestimmt hatte, Naturschutzgesetze nicht dagegen standen, keine Flugzeuge oder Flughäfen betroffen waren, konnte man starten und landen. Wenn der Grundeigentümer zugestimmt hat. So ähnlich wie das
in der Schweiz und Österreich ist. Und
in Deutschland ist es dann nicht mehr. Dann hat der Bund Baden -Württemberg geklagt und der Bund musste das neu regeln. Und er hatte das damals so geregelt, dass die Luftämter der Länder oder der DHV diese Fluggelände -Zulassung übernehmen. Und letzten Endes hat sich das Land Bayern dafür eingesetzt, dass der DHV diese Aufgabe übernimmt. Diese Bedienungsaufgabe, die Fluggelände zuzulassen. Wenn
du das heute irgendwie entscheiden könntest, würdest du das gerne ändern? Oder würdest du sagen, diese Regel hat auch irgendwelche Vorteile noch?
Die Regel hat auch Vorteile. Also wir sind halt auch nicht wenige Flieger. Wir sind 40.000. Und selbst wenn man jetzt in andere Länder reinschaut, wie in die Schweiz beispielsweise oder nach Österreich, dort, wo viele fliegen, muss man irgendwas organisieren. Da muss man sich sowieso mit den Bauern arrangieren. Man muss mit den Bauern versuchen, Regelungen zu treffen, dass man diese Wiese überhaupt landen darf. Dann gibt es Gemeinden, dann gibt es die Jägerschaft, dann gibt es viele Naturschutzgesetze. Und wenn man das jetzt so nach 25 -jähriger Zulassungstätigkeit des DHV betrachtet, ist es eigentlich gar nicht so schlecht gelaufen. Wir haben dadurch, dass wir Gelände zugelassen haben, eben auch eine Rechtssicherheit, dass wir dort fliegen können. In diesen Gebieten ist das auch etabliert. Wenn man jetzt mal sieht, wie sehr der Naturschutz jetzt auch an Stärke gewinnt, also Stichwort FFH -Gebiete,
Naturschutzgebiete, da wären wir mit einem Strich oft raus aus diesen Gebieten und dürften dort gar nicht mehr fliegen. Weil das von per se beispielsweise verboten ist, in Naturschutzgebietsverordnungen dort zu starten und zu landen. Und dadurch, dass wir jetzt mal so einen Altbestand an Geländen haben, haben wir eben auch das Recht, dort zu fliegen. Das ist dann quasi Bestandsschutz. Also ich habe viele Beispiele aus der Geländezulasserei, die, wenn wir diese Zulassung nicht hätten, dass die schon längst rausgeflogen wären aus unserem Geländebestand. Weil das inzwischen Schutzgebiet geworden ist. Also Vogelschutzgebiete und andere. Und ich denke mal, die Zulasserei, die erspart uns manchmal eben auch, es war mühsam und nervig, sowas zuzulassen, aber es erspart uns
dann auch manchmal elendig lange Konflikte. Weil man das halt dann regelt mit dem Naturschutz, dass man vielleicht gewisse Bereiche nicht überfliegt oder gewisse Zeiten dann das nutzt. Oder dass man eben, wie gesagt, auch einen alten Bestand hat, den man von Haus aus fliegen kann, wo man Bestandsschutz hat.
Nun hast du aber vorhin gerade gesagt, wir sind 40.000 Flieger und zumindest in manchen Regionen und bei manchen Startplatzsituationen ist das mittlerweile relativ eng und dicht schon. Wo du auch sagst, da treten sich manchmal die Piloten ein bisschen auf den Füßen rum und dann kommen Vereine und sagen, nee, wir wollen nur noch unsere Vereinsleute fliegen lassen, weil der Luftraum ist
da. Der ist
einfach viel zu voll oder sowas. Könnte man da dann nicht, gerade wenn man das ein bisschen entspannen könnte, indem man sagt, es gibt halt nicht diesen reinen Flugplatzzwang oder diesen Startplatzzwang, sondern man könnte ja auch noch vielleicht vom Nachbarhang dann auch noch starten und dann wird sich das ja das alles an der Ebene noch ein bisschen entspannen. Würdest du da nicht sagen, wenn man das so ein bisschen gegenrechnet, dass man sagt, vielleicht könnte man damit wirklich es einfacher haben?
Ja, man würde wahrscheinlich noch mehr Konflikte heraufbeschwören. Also ich habe das jetzt da gesehen, was heuer passiert ist, Corona, viele laufen halt irgendwelche Berge hoch oder, was heißt viele, aber es sind ein paar, die auf die Berge rauflaufen, irgendwo runterfliegen und das produziert leider immer wieder große Konflikte. Also das ist mit Anwohnern, mit Jägern, mit Bauern, wenn es so wäre und dass es toleriert werden würde und wenn die Gesellschaft das mitmachen würde, ja, das wäre natürlich toll, wenn wir von allen Bergen fliegen könnten und wenn alles ein bisschen einfacher wäre. Diese ganze komplizierte Zulasserei ist nicht so
angenehm für uns, aber ich glaube, es ist eine Möglichkeit, dass wir das selbst regeln und dass wir es auch positiv regeln. Wir müssen ja auch darauf achten, dass wir nicht nur uns Gegnerschaft einfangen. Aber deine Frage ist natürlich berechtigt. Warum kann ich hier nicht so fliegen, wie das in Österreich der Fall ist? Österreich, Frankreich, Schweiz, die haben auch ein bisschen mehr Naturraum und ein bisschen mehr Möglichkeiten. Das sind dann Berge, die nicht besiedelt sind oder Flächen, wo man sich einfach eben nicht so auf die Füße tritt und wo es ein bisschen mehr Toleranz gibt. Das hat vielleicht auch ein bisschen was mit dem Deutschsein zu tun, dass alles geregelt werden muss.
Siehst du denn noch Möglichkeiten im Rahmen dieser vielen Regeln, die es gibt, in Deutschland noch einiges mehr an Startplätzen auszuweisen oder sind wir quasi startplatzmäßig fertig gebaut, so ungefähr? Das, was wir jetzt haben, das haben wir und das müssen wir am besten irgendwie noch schützen, aber viel mehr ist eigentlich nicht mehr zu erwarten.
Also wir haben uns eigentlich die letzten Jahre immer, dafür eingesetzt, dass wir Gelände für Gelände bekommen. Wir haben die Vereine unterstützt, wir haben die Flugschulen unterstützt, aber auch Einzelpersonen weitere Gelände zuzulassen. Manchmal sehr mühsame Prozesse und manchmal geht es aber auch relativ einfach und positiv. Also ein Beispiel dafür sind zum Beispiel Windenschleppgelände. Ich sehe sehr viel Potenzial gerade im Mittelgebirge und im Flachland mit dem Windenschlepp. Also gibt es ja hervorragende Abwinden, die Achtwinde oder jetzt NOVA hat jetzt eine Winde am Start, die schaut sehr volksversprechend aus und so ein Windengelände zuzulassen ist eigentlich einfacher als ein Hanggelände irgendwo. Die Hänge sind meistens in irgendwelchen Schutzgebieten, im Landschaftsschutz, im Naturschutzgebiet oder im Vogelschutzgebiet.
Wenn wir ausweichen auf Gebiete, die zum Beispiel Ackerflächen sind, irgendwelche Wiesen im Flachland, die auch sehr thermisch sein können, dann haben wir da auch eine Möglichkeit neue Gelände zuzulassen und dort eben auch eine gewisse Entzerrung herbeizurufen. Also ich war jetzt vorletztes Jahr in Ostfriesland fliegen, übrigens auch sehr, sehr spannend. Auch dort kann man thermisch hervorragend fliegen oder in Mecklenburg -Vorpommern kann man weite Flüge machen. Das ist eine ganz andere Fliegerei als im Mittelgebirge und im Alpinen. Aber dann kannst du vor der Haustüre fliegen und das war eigentlich auch immer unsere Philosophie im DHV, dass wir möglichst viele Gelände für alle Regionen in Deutschland schaffen,
damit zu Hause geflogen werden kann. Dass man eben nicht mehr in die Alpen fahren muss oder weite Wege zurücklegen muss. Sicherlich auch ein Beitrag für den Natur - und Umweltschutz, wenn wir dann viele Gelände haben, die eben auch in allen Regionen Deutschlands zur Verfügung stehen.
Was halt bei Windenfliegen fehlt, ist das, was du in den Bergen hast. Du kannst solo hike and fly machen und sagen, ich gehe jetzt einfach abends nochmal schnell los, laufe auf den Berg hoch und gehe nochmal einmal fliegen. Beim Windenschlepp brauchst du eigentlich immer mindestens den einen, der die Winde fährt, der dich da noch hochzieht, das Auto für die Abrollwinde fährt oder sonstiges. Vielleicht sogar noch den Startleiter, also mindestens noch zwei andere. Also der Aufwand ist ja dann immer noch viel größer. Siehst du da Möglichkeiten, wie das künftig noch einfacher werden könnte?
Naja, es gibt ein paar Windenhersteller, die jetzt auch solo Windenschlepp vorbereiten und das ist jetzt gerade mal der Fall. Das weiß ich, dass das viele machen würden. Wenn du die Möglichkeit hättest, dich solo schleppen zu lassen, da müssen einige Sachen natürlich funktionieren, aber im Grunde genommen ist es, die Technik ist eigentlich schon soweit, das wäre eine Möglichkeit, unter dem Flachland selbstständig fliegen zu gehen. Und ein anderes Ding war die elektrische Aufstiegshilfe, die wir schon vor zehn Jahren noch propagiert hatten und gefördert hatten. Das ist bisher aber noch nie zum großen Wurf gekommen.
Im Grunde genommen hast du einen Rucksack, ein System, was mindestens 10 Kilo wiegt, 15 eher so Richtung 20 Kilo, ist halt sehr umständlich. Du hast im Grunde genommen einen Motorgleitschirm, der dich dann nach oben schleppt, auch wenn es elektrisch angetrieben wird. Das schafft dir vielleicht ein bisschen Freiheit, aber es ist auch erkauft mit recht hohem Aufwand. Das Schönste am Fliegen ist ja im Grunde genommen das freie Fliegen, so wie du es gerade beschrieben hast. Auf den Berg rauflaufen, starten, in die Thermik eindrehen und weg. Und ab geht's nach oben.
Womit du dich ja auch viel beschäftigst, ist so Luftraumthematik und wie wir als Gleitschirmflieger von allen möglichen Sachen da gedeckelt werden oder auch nicht. Und eine Sache, wenn man so in die Zukunft guckt, jetzt nicht nur, was ist vielleicht windentechnisch und sowas möglich, sondern auch aus der Ecke, was immer so ein Thema ist, ist die Entwicklung der Drohnentechnik und die Ansprüche, die dann vielleicht von dieser Industrieseite kommen, die dann sagen, wir wollen unsere Drohnen aber auch noch fliegen lassen und die füllen dann unseren Luftraum auch noch mehr aus. Und vor allem in den Höhenbereichen, in denen wir uns als Gleitschirmflieger wirklich bewegen. Was erwartest du da?
Also, wenn ich da jetzt mal fünf Jahre vorausschaue, dann erwarte ich da mal nicht viel Positives. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Die Drohnentechnologie wird zunehmen und es gibt ja extrem unterschiedliche Aussagen. Schon vor fünf Jahren hat man gesagt, ja in fünf Jahren fliegen überall Drohnen durch die Gegend. Das ist dann Paketbeförderung, das ist manntragender Flug. Das ist bisher nicht eingetreten, aber es wird von der EASA, also von der europäischen
Luftfahrtbehörde und auch von der Drohnenindustrie massiv vorangetrieben, dass die Drohnen sich etablieren werden im Luftraum. Und das sieht man ja auch schon was in Amerika so passiert. Und es schwappt ja meistens dann auch nach Europa rüber. Da hat die amerikanische Agentur, die FAA, das auch schon weitgehend zugelassen. Und die Idee der Drohnenindustrie ist, dass sie möglichst viel Luftraum haben. Erst ging es nur um einen Bereich bis 150 Meter über Grund und dann irgendwelche Strecken, die dort lang geflogen werden. Und für uns als VFR -Flieger, als Sichtflugflieger, besteht halt die massive Gefahr, dass die in Luftraum in Anspruch nehmen, den wir dann gar nicht mehr nutzen können. Also bisher ist das Luftrecht ja sehr, sehr liberal. Wir haben Luftraumgolf und ECO, wo wir frei fliegen können.
Also das ist eine riesige Errungenschaft auch des DHVs gewesen, dass wir uns den Luftraum so erkämpft haben. Also es ist nicht alles so schlecht in Deutschland. Wir können den Luftraum ja nutzen bis Flugfläche 100 im Flachland. Also das ist weit über 3000 Meter. Das ist große Errungenschaft. Und andere versuchen uns diesen Luftraum, der ja eigentlich frei zur Verfügung steht, da streitig zu machen. Also wenn die kommerzielle Luftfahrt oder eben auch der kommerzielle Drohnenflug da zunimmt, dann haben die Ideen, wie sie das nutzen. Und gerade bei Drohnenbereich, da ist eigentlich davon auszugehen, dass die Systeme schaffen, die dann irgendwann mal autark durch die Gegend fliegen. Und man hätte uns, kann ich ganz offen so sagen, eigentlich sicherlich lieber in irgendwelchen Bereichen, vielleicht in Fluggebieten, drei Kilometer im Umkreis, wo wir dann rumfliegen dürfen und alle anderen Bereiche, so stellen sich das manche vor, sind dann frei für Drohnen und andere Möglichkeiten.
Technische Möglichkeit wäre sicherlich, wenn man sich so, sag ich mal so salopp gesagt, so eine Art Minitransponder dabei hat, den einschaltet, damit Drohnen und andere Flugzeuge um uns herumfliegen können.
Von dem, was du jetzt da beobachtest in der politischen Diskussion, wo siehst du eher die Pfade hin, dahingehend, dass wir vielleicht in einigen Jahren als Gleitschirmflieger quasi unsere Flugreservate haben, in denen wir uns noch frei bewegen dürfen, aber wo dann unser Instrument sofort anfängt fürchterlich zu piepen, wenn wir quasi aus dem Geofencing da rausgegangen sind, oder ist vielleicht die Technik wirklich so, dass die sagen können, komm, ihr kriegt halt alle einen kleinen Transponder, ein Farnet -Gerät oder ein ADS, was auch immer für einen Chip in eure Geräte rein, der muss halt dann immer senden und diese Drohnen sind dann halt auf Sea and the Void und sonstiges irgendwie so ausgelegt, dass das sogar funktionieren kann, dass man mit dem Gerät miteinander da rumkreist.
Ja, ich kann mir vorstellen, dass das schon auf sowas hinausläuft, dass wir dann so ein Gerät dabei haben müssen, um gewisse Bereiche zu befliegen zu können. Also die große Freiheit, die wir jetzt haben, die wird es vermutlich in 10 oder 20 Jahren nicht so geben. Aber ich bin eigentlich immer eher einer, der positiv in die Zukunft schaut und wenn wir geschickt verhandeln und wenn wir uns damit in irgendeiner Weise arrangieren, wir können das nicht aufhalten, dann gibt es bestimmt Möglichkeiten, dass wir das mit irgendeiner mit einem Chip oder mit einem Gerät und die Geräte werden ja auch immer kleiner, dass die signalisieren der Drohne, sie fliegen halt da drum herum. Hier ist ein Luftfahrthindernis oder da kommt ein Luftfahrtgerät, dann müssen die eben ausweichen. Aber die Diskussion wird schwierig. Ich merke das jetzt ja auch bei der kommerziellen Luftfahrt.
Da war das vor einigen Jahren noch viel, viel liberaler, aber es war sehr viel Druck bei den Verhandlungen jetzt mit der deutschen Flugsicherung, wo wir immer alle an einem Tisch sitzen, die ganzen Player der Luftfahrt und wir sind im Grunde genommen die letzten in der Fresskette, obwohl wir die größte Gruppe sind. Wir sind fast 40.000, die Segelflieger sind um die 30.000, mit denen haben wir uns dann übrigens sehr gut arrangiert und auch zusammen getan mit dem deutschen Segelflugverband und versuchen da uns diese Sache zu erwehren. Aber da merkt man halt auch, dass die kommerzielle Luftfahrt und auch zum Teil Teile der Flugsicherung immer mehr geschützten Luftraum möchte. Also Beispiel letztes Jahr oder vor zwei Jahren gab es ja einen Fall mit einem Gleitschirmflieger, der im Luftraum Echo unterwegs war und völlig legal und
eine Lufthansa Maschine, die dem Gleitschirm recht nahe gekommen ist. Und das war der Grund, weshalb man jetzt im Luftraum Nürnberg eine TMZ, eine Transponderzone gebaut hat und wir diesen Luftraum jetzt eigentlich nicht mehr so nutzen können, wie wir das vorher nutzen können. Und der Trend ist,
dass komplett geschützte Anflüge eigentlich zumindest mal auf die größeren Flughäfen und Flugplätze in Zukunft gegeben sein sollten und dass dieser Bereich für uns dann wegfällt. Also gerade in deiner Region, wo du zum Beispiel wohnst, Lucian, in der Ecke, was ich Bonn, Rhein, Siebengebirge, klar, da gibt es viele Flughäfen. Da gibt es Köln -Bonn, da gibt es Düsseldorf, da gibt es Dortmund. Das wird immer schwieriger, dort sich so seinen Freiraum zu behalten. Man merkt, dass es immer mehr enger wird. Auch die Bundeswehr, die wird auch immer mehr die Drohnen einsetzen, immer weniger Flugzeuge und immer mehr Drohnen. Und da ist jetzt auch feststellbar, wie im Bayerischen Wald ganz aktuell, da setzt einfach die Bundeswehr ein Gebiet fest, eine restricted area und da werden dann Drohnen eingesetzt.
Da werden wir gar nicht groß gefragt. Und da müssen wir versuchen, mit einer guten Diskussion und auch mit einer Willigkeit Technik einzusetzen, dass wir uns dann auch rechtfertigen und auch weiter fliegen dürfen.
Würdest du politisch betrachtet derzeit diese Drohnen Thematik als die größte Gefahr für die Gleitschirmfliegen betrachten?
Ja, im Moment ist das so, ja. Das läuft vieles im Hintergrund. Aber wenn man da so ein bisschen hinter die Kulissen schaut, dann sieht man, dass gerade in manchen Behörden alles vorbereitet wird, um den Drohnenflug zu etablieren. Auch das deutsche Verkehrsministerium möchte ja den Drohnenflug fördern und die Industrie fördern. Die sollen da ganz voran gehen als erste. Da sehe ich eigentlich für uns die größte Gefahr drin. Also das ist, glaube ich, eher weniger jetzt die Gelände, die Problematik. Wir haben ja immerhin 1000 Fluggelände in unserem Bestand. Ich glaube eher die Luftraumsituation, die wird für uns problematisch werden, wenn wir nicht gut aufgestellt sind. Das heißt, wir müssen vielleicht alle in 10, 15 Jahren nach Grönland fliegen. Um völlig frei zu fliegen. Ja, aber ich meine, sicherlich wird es auch in anderen europäischen Ländern sein, dass der Drohnenflug stattfinden wird.
Also
gerade Luftraumthematik ist immer so, man schimpft immer so auf das deutsche System, ist alles so furchtbar beruhigend. Aber wenn ich es vergleiche mit anderen Ländern, sind wir in Deutschland immer noch recht gut aufgestellt. Wie gesagt, wir dürfen den Luftraum Golf, den unkontrollierten Luftraum und selbst den kontrollierten Luftraum Eco relativ frei nutzen. Am Alpenrand bis Flugfläche 130 und im Flachland auf Flugfläche 100. Das ist schon eine ganze Menge. Und da gilt einfach nur sehen und gesehen werden. Also da müssen die Motorgetriebenen den Nichtmotorgetriebenen ausweichen. Ist recht liberal, aber ich merke halt zunehmend den Trend. Es geht so ein bisschen gegen uns. Da müssen wir uns, wie gesagt, gut aufstellen. Und seitens des DHVs sind wir hier im Team. Das macht der Helmut Bach, der ist Lufthansa
Kapitän, hat eine 380 geflogen. Der spricht auch die Sprache der Flugsicherung und der anderen Gesellschaften ist natürlich sehr gut, dann so aufzutreten, damit wir eine starke Stimme haben.
Wenn du jetzt mal in deine eigene fliegerische Zukunft schaust, wo siehst du dich in zehn Jahren?
Also ich habe es eingangs gesagt, also ich fliege leidenschaftlich gern. Und ich fliege seit über 25 Jahren super gerne Gleitschirm oder Drachen. Und ich bin mir sicher, dass ich in zehn Jahren noch genauso gerne und leidenschaftlich fliegen werde. Also Fliegen ist für mich eigentlich das allergrößte.
Und wenn du dir jetzt mal vorstellst, es käme noch mal so ein super Coronavirus, der jetzt sagt, es kommt ja ein heftigster Lockdown, von dem man nicht weiß, wie lange er noch dauern wird. Man darf auch gar nicht mehr fliegen, aber du hast jetzt noch vorher einen Flug frei, den du dir frei wünschen dürftest, wie von einer Fee. Was wäre das für ein Flug, wo du sagst, das wäre jetzt der Abschlussflug, den ich erstmal noch machen würde? Was würdest du dir da als Flug wünschen?
Oh, dann würde ich hier am Weilberg starten und würde einmal über die Alpen fliegen nach Süden. Das wäre mein Wunsch, mein Traum. Ich hoffe, dass ich den auch noch realisiere, ohne Lockdown oder irgendwelche Geschichten, aber das wäre eigentlich so ziemlich das allergrößte, über die ganzen Alpenketten nach Süden zu fliegen und dort unten auf der Südseite irgendwo in Südtirol zu landen.
Dann wünsche ich dir mal, dass dieser Flug auch völlig ohne Super -Corona und sonst was dann, du dann wirklich den noch in Erfüllung bringen kannst und einmal die große Alpenquerung mit deinem Einflug noch hinbekommst. Danke dir für deine Erzählung über schöne Geschichten aus Grönland, dem vereisten Kontinent und auch ein Blick ein bisschen in die leider vielleicht nicht so schöne bürokratische drohnenverhangene Zukunft für die Gleitschirmfliegen. Dann danke dir für beides und dir noch alles Gute.
Ja, vielen Dank, Lucian. Dir auch.
Das war's. Das war Björn Claßen im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du noch mehr über Björns Grönland -Abenteuer erfahren willst, so kannst du seine Reiseberichte der vergangenen Jahre nachlesen auf der Internetseite www.media -montana.de www.media -montana.de Björn bietet auch Multivisionsvorträge über Grönland an. In den Shownotes zu dieser Podcast -Folge auf Lu-Glidz findest du noch einige weitere Links rund ums Thema Gleitschirmfliegen auf Grönland. Hat dir dieser Podcast gefallen? Dann empfehle Podz-Glidz und Lu-Glidz weiter. Um keine Folge zu verpassen, kannst du Podz-Glidz gleich in deinem Podcatcher abonnieren. Ansonsten findest du alle bisherigen Podcast -Folgen auf Lu-Glidz und Soundcloud sowie bekannten Audiokatalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc.
Aber vergiss auch nicht, wenn du zum Förderer von Podz-Glidz und Lu-Glidz wirst, hilfst du mit, dass noch viele weitere interessante Folgen dort einlaufen werden. Bis dahin, ich sag mal wieder Ciao oder besser auf Grönländisch Bye. Ciao.