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44. Handicap - Marco Brandstätter

// Marco Brandstaetter, Lucian Haas · 2020-11-27 · 01:00:33 · original episode

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[show notes]
Marco Brandstätter hat bei einem Unfall beide Hände verloren. Das hindert ihn aber nicht daran, Gleitschirm zu fliegen. Im Podcast erzählt er, wie das geht. Die meisten Flieger, die mit einem Gleitschirm an den Start gehen, werden sich kaum einmal Gedanken darüber machen: Sie ziehen den Schirm mit einem Handgriff aus dem Sack, breiten ihn, wie man so schön sagt, behände aus, sortieren mit feiner Fingerarbeit die Leinen, bedienen spitzfingrig fummelige Karabiner, fassen die Bremsgriffe, erfühlen im Flug mit einem Finger feine Druckänderungen an der Bremsleine, greifen fürs Ohrenanlegen hoch in die A-Ebene, usw. Stets sind dabei unsere Hände mit im Spiel. Für Marco Brandstätter ist das alles etwas anders. Der heute 27-jährige hat vor acht Jahren bei einem Unfall beide Hände verloren. Ein Jahr zuvor hatte er sich einen Traum erfüllt und den Gleitschirmschein gemacht. Und so war es für ihn ein tiefes Bedürfnis, trotz seines Handicaps wieder in die Luft zu kommen. Marco ist ein bewundernswert willensstarker Mensch. Und so hat er Wege gefunden, auch ohne Hände seinen Schirm starten, steuern und landen zu können. Bei einem Sicherheitstraining in diesem Jahr meisterte er sogar das SAT-Manöver. Wie das alles geht, aber auch welche besonderen Herausforderungen, nicht nur in technischer Hinsicht, sich ihm durch sein Handicap dabei stellen, das erzählt Marco in dieser 44. Folge von Podz-Glidz. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Artist: TrackTribe | Title: City Blocks Download: https://www.youtube.com/watch?v=X9I2il5sJzU

[transcript]

0:08Marco Brandstaetter

Ich habe relativ schnell oder ich habe eigentlich sofort gewusst, weil das ist nicht so eine Zeit, wo du wachst nicht einfach auf und siehst dann jetzt sind die Hände weg, sondern das ist so ein Prozess, du musst ja aus dem Koma rauskommen, das heißt, man bekommt es schon so langsam mit und ich habe relativ schnell auch verstanden, was passiert ist und somit war das für mich sozusagen kein Schock.

0:45Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:49Marco Brandstaetter

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:53Lucian Haas

Heute mit... Ich bin der Marco Brandstetter. Und Lucian Haas am Mikrofon.

1:01Lucian Haas

Die meisten Flieger, die mit einem Gleitschirm an den Start gehen, werden sich kaum einmal Gedanken darüber machen. Sie ziehen den Schirm mit einem Handgriff aus dem Sack, breiten ihn, wie man so schön sagt, Behände aus, sortieren mit feiner Fingerarbeit die Leinen, bedienen spitzfingerig fummelige Karabiner, fassen die Bremsgriffe, erfüllen im Flug mit einem Finger feine Druckänderungen an der Bremsleine, greifen fürs Ohrenanlegen hoch in die A -Ebene, und so weiter. Stets sind dabei unsere Hände mit im Spiel. Für Marco Brandstetter ist das alles etwas anders. Der heute 27 -Jährige hat vor acht Jahren bei einem Unfall beide Hände verloren. Ein Jahr zuvor hatte er sich einen Traum erfüllt und den Gleitschirmschein gemacht.

1:47Lucian Haas

Und so war es für ihn ein tiefes Bedürfnis, trotz seines Handicaps wieder in die Luft zu kommen. Marco ist ein bewundernswert willensstarker Mensch. Und so hat er Wege gefunden, auch ohne. Ohne Hände seinen Schirm starten, steuern und landen zu können. Bei einem Sicherheitstraining in diesem Jahr meisterte er sogar das Sat -Manöver. Wie das alles geht, aber auch welche besonderen Herausforderungen nicht nur in technischer Hinsicht sich ihm durch sein Handicap dabei stellen, das erzählt Marco in dieser 44. Folge von Podz-Glidz. Bevor es mit dieser ungewöhnlichen Geschichte aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens losgeht, noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache. Podz-Glidz und der zugehörige Blog Lu-Glidz stehen kostenfrei. Sie sind aber Teil meiner Arbeit als freier Journalist, also auch Teil meiner Lebensgrundlage.

2:36Lucian Haas

Es würde mich sehr freuen, wenn du als Förderer von Podcast und Blog mir hilfst, dieses Angebot in seiner professionellen und werbefreien Form aufrecht zu erhalten und auszubauen. Wie du zum Förderer werden kannst, steht auf der Website von Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern. Der Förderbeitrag ist völlig frei wählbar. Wer sich unsicher ist, wie viel er geben möchte, dem empfehle ich ganz unverbindlich, einen Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz. Selbst aufs Jahr hochgerechnet ist das deutlich weniger, als ein Abo klassischer Gleitschirmmagazine kostet.

3:13Lucian Haas

Marco, vielleicht ist das jetzt ein bisschen ein krasser Einstieg, aber du bist vor knapp acht Jahren eines Tages aufgewacht und hattest keine Hände mehr. Was war geschehen?

3:25Marco Brandstaetter

Also ich habe schon sehr, sehr früh angefangen, mich für Chemie zu interessieren. Seit ich zehn bin, habe ich schon relativ viel experimentiert und ein eigenes Labor gehabt.

3:37Marco Brandstaetter

Mit 19 Jahren ist mir dann bei einem Versuch etwas schiefgegangen, und zwar bei der Elektrolyse. Ich habe da viel mit Elektrochemie gemacht und dann ist die Apparatur mit den Gemischharzern zerrissen und meine Hände waren dran. Und dann bin ich zehn Wochen später aus dem Koma aufgewacht und dann war halt das Leben komplett gedreht. Ich habe dann gesehen, ja, die Hände sind weg und habe wieder alles komplett von vorne lernen müssen. Weil in so einer langen Zeit, da baut halt der Körper komplett ab. Das heißt, die Muskeln waren nicht mehr da, ich habe wieder gehen lernen müssen. Und im Prinzip alles, was man so von davor gekannt hat, hat sich gedreht gehabt und gewandert gehabt. Und das Leben war ein komplett anderes.

4:20Lucian Haas

War das ein künstliches Koma, in das du gesetzt wurdest? Einfach wegen der Schwere des Unfalls her? Oder hat dich quasi die Explosion so ausgenockt, dass du...? Nein,

4:30Marco Brandstaetter

das war ein künstliches Koma. Also ich habe sehr viele Verbrennungen gehabt. Und der Körper hält, ja, ist ein extremes Schmerzen. Das heißt, ich hätte es nicht ausgehalten, wenn ich nicht im Koma gewesen wäre. Und deswegen musste ich ins Koma versetzt werden. Und es war auch ganz, ganz schwer, mich wieder raus zu bekommen. Und ja, teilweise Organversagen. Also es war wirklich eine sehr, sehr knappe Nummer. Und am Schluss, nach zehn Wochen, hat man auch nicht gewusst, was passiert. Weil man doch... Ich wurde doch ganz schön zugepustet. Zugepumpt mit Morphium und alles, was man so bekommt, damit der Körper eben diese Schmerzen verkraftet. Und deswegen auch nicht sicher, was passiert, wenn ich aufwache. Funktioniert das Gehirn noch richtig? Kann ich noch richtig denken? Aber das hat alles zum Glück funktioniert. Und ja, ich habe noch einen guten Hausverstand und kann noch richtig denken.

5:21Marco Brandstaetter

Gott sei Dank hat alles trotz Koma funktioniert. Und da habe ich keine Schäden mitgenommen.

5:27Lucian Haas

Wie war das? Kannst du dich da noch daran erinnern, an diesen Moment, als du aufgewacht bist? Und stell mir das so vor, du hast an dir heruntergeschaut oder sowas. Und siehst, oh, ich habe wirklich keine Hände mehr. Was denkt man in so einem Moment?

5:43Marco Brandstaetter

Ja, eine spannende Frage. Also ich habe relativ schnell, oder ich habe eigentlich sofort gewusst, weil das ist nicht so eine Zeit, du wachst nicht einfach auf und siehst dann, jetzt sind die Hände weg. Sondern das ist so ein Prozess. Du musst ja aus dem Koma rauskommen. Das heißt, man bekommt das schon so langsam mit. Und ich habe relativ schnell auch verstanden, was passiert ist. Und somit war das für mich sozusagen kein Schock. Ich habe das so nach und nach mitbekommen und war für mich dann auch von Anfang an eigentlich okay. Weil ich habe das selber, ich habe sofort, sofort eigentlich registriert und gewusst, wo ich dann wieder bei Sinnen war, aus dem Koma raus, dass meine Hände weg sind.

6:19Lucian Haas

Ist das so, als hätte das dein Unterbewusstsein vorher schon verstanden und sich damit arrangiert so ungefähr? Kann

6:25Marco Brandstaetter

man so sagen, ja.

6:26Lucian Haas

Und dann warst du jetzt aber wach, hattest keine Hände mehr, zehn Wochen später nach diesem Unfall. Wie ist das dann für dich weitergegangen? War das eine lange Reha -Phase oder geht das sogar relativ schnell?

6:40Marco Brandstaetter

Ja, also erstmal noch kurz, wo ich aufgewacht bin. Ganz witzig. Also ich bin aufgewacht und dann sehe ich draußen, dass überall Schnee liegt. Und ich habe mir gedacht, das kann es doch nicht sein. Was ist denn los? Warum liegt jetzt da Schnee? Weil das war im November, wo es passiert ist. Und da war es noch warm und da war weit und breit kein Schnee in Sicht. Und dann habe ich gefragt, ja, was ist denn los? Warum liegt da jetzt Schnee? Sagen sie, ja, wir haben jetzt einen Januar oder es war Anfang Februar sogar. Weil das habe ich gar nicht glauben können, dass die Zeit vergangen ist. Weil im Koma vergeht die, da bekommst du nichts mit. Das ist wie ein Traum, eine Traumwelt im Prinzip. Und das war schon mal ganz, ja, ganz eigenartig für mich. Weil so einen Zeitsprung zu machen, wo du nichts mitbekommst in der Zeit, das war für mich zuerst sehr eigenartig. Aber auf deine Fähigkeiten. Um auf deine Frage zurückzukommen.

7:25Marco Brandstaetter

Ich war dann, ich war gar nicht so lange im Krankenhaus, weil ich relativ schnell dann wieder zu Kräften gekommen bin. Ich habe dann dort auch einen guten Physiotherapeuten gehabt, Thermik betreut hat, mit dem ich auch jeden Tag trainiert habe. Und dann war ich, ich glaube, drei Wochen noch im Krankenhaus und dann sechs Wochen auf Reha. Obwohl ich die Reha dann zwei Wochen früher abgebrochen habe. Weil ich gemerkt habe, das bringt mir nichts. Und ja, bin dann mit meiner Familie in Urlaub gefahren anstelle von Reha. Und im Nachhinein hat mir das viel mehr gebracht.

8:03Lucian Haas

Du warst zu dem Zeitpunkt ja schon mit der Schule fertig und so. Hattest wahrscheinlich irgendwelche Lebenspläne. Inwieweit hat das eigentlich deine Lebensplanung dann wirklich über den Haufen geworfen? Du hast gesagt, ich muss mir jetzt vielleicht was Neues einfallen lassen.

8:16Marco Brandstaetter

Ja genau, ich wollte ja nach Australien für ein Jahr. Like an travel. Beziehungsweise ich wollte auf eine Farm. Das hatte ich dann schon fix gemacht gehabt. Und das ist dann komplett über den Haufen geworfen worden. Und ansonsten hatte ich noch keine wirklichen Pläne. Ich wollte einfach mal ins Ausland gehen, Englisch gut lernen und neue Erfahrungen bekommen. Aber sonst Pläne beruflich hatte ich jetzt noch keine konkreten.

8:45Lucian Haas

Das heißt, du wolltest nicht beispielsweise Chemie studieren, weil du halt eben schon so lange mit Chemie sich beschäftigt hast.

8:51Marco Brandstaetter

Das war eine Richtung, die mich sehr interessiert hat. Aber es war für mich noch nicht entschieden, dass es das wird. Das heißt, ich wollte für mich die Zeit nutzen, um wirklich herauszufinden, ist es das? Macht mir das wirklich so viel Spaß, dass ich es auch dann beruflich weitermachen möchte? Das war noch nicht fix. Es war schon die Richtung, die mich sehr interessiert hat und wo es mich gefühlt ein bisschen hingezogen hat. Aber es war für mich noch nicht fix.

9:16Lucian Haas

Springen wir nochmal ein bisschen zurück. Ein Jahr vor diesem Unfall, der dir passiert ist. Da hast du mit dem Gleitschirmfliegen angefangen. Du hast damals deinen A -Schein gemacht. Wie wichtig war dir zu dem Zeitpunkt das Fliegen? Was hat es dir damals bedeutet?

9:30Marco Brandstaetter

Also angefangen habe ich sogar tatsächlich schon im Jahr 2011. Da habe ich den Schein fertig gemacht. Das heißt, ich habe den Schein schon recht lange gehabt und auch schon vor meinem Unfall gehabt. Und ja, für mich war als Kind schon immer die Faszination vom Fliegen da. Also ich habe als Kind schon immer vom Fliegen geträumt. Und habe mir immer vorgestellt, wie es denn wäre, runter zu gleiten, zu schweben und zu fliegen. Und deswegen habe ich schon früher als Kind, das war ja mit 16, hat man ja den Gleitschirmschein damals machen dürfen, habe ich auch mit 16 angefangen, dann den Schein zu starten. Und mit 17 dann habe ich dann den Schein gehabt, den A -Schein.

10:12Lucian Haas

Und was hat dir das Fliegen damals bedeutet? Oder bist du auch sehr, sehr viel damals schon fliegen gegangen? Oder war das noch halt ein so ein Hobby, was man als Jugendlicher hat? Und ansonsten geht man noch Mountainbike fahren und alles andere Mögliche, oder?

10:25Marco Brandstaetter

Genau, das war eines meiner Hobbys. Also ich habe viel im Extremsportbereich gemacht. Und Freistandfliegen war eines davon. Und ich bin leider, weil ich damals noch in München gewohnt habe, oder ja, hauptsächlich in München war, habe ich nicht so viel Zeit gehabt, zum Fliegen zu kommen, weil ja, es ist ja immer so am Wochenende in die Berge runterfahren, da ist meistens so viel los vom Verkehr her. Und dann sind natürlich wieder andere Sachen, die man in der Zeit zu tun hat, wo man als Jugendlicher wo ansteht. Das heißt, ich bin damals gar nicht so viel zum Fliegen gekommen, wie ich es eigentlich gewollt hätte.

11:00Lucian Haas

Kannst du dich noch an den Moment erinnern, wo du zum ersten Mal nach diesem Aufwachen aus dem Koma wieder ans Fliegen gedacht hast?

11:07Marco Brandstaetter

Eigentlich dann erst später, wo ich mir gedacht habe, ja, ich möchte ja schon wieder was von den Sachen, von den Extremsportarten, die ich gemacht habe, machen. Und dann habe ich überlegt, ja, was kann ich denn am besten machen? Ich bin früher Motocross gefahren, habe Kitesurfen gemacht, bin viel getaucht und ja, auch Gleitschirmfliegen. Und da habe ich mir gedacht, am ehesten würde eigentlich noch Gleitschirmfliegen funktionieren. Ja, und dann habe ich mich einfach mal hingesetzt und gedacht, wie könnte das funktionieren? Bin dann mal auf eine Wiese gegangen, auf einen Sportplatz, mit meinem alten Gleitschirm, das war von Ozonen Element, ein richtig schweres Tuch noch von damals, und habe da mal probiert aufzuziehen. Und das war natürlich mit den alten Schirmen noch sehr, sehr schwer. Aber ich habe schon, auch da schon, rumgetüftelt, wie es auch mit den alten Schirmen funktionieren könnte, den Schirm hochzukriegen.

11:54Marco Brandstaetter

Und so hat das dann angefangen. Das war eigentlich die Variante, Gleitschirmfliegen, wo ich gesagt habe, das könnte noch am ehesten funktionieren in meiner Situation, von den Sachen, die ich früher gemacht habe.

12:03Lucian Haas

Wie groß waren denn dann so am Anfang die Frustmomente, wenn du siehst, okay, eigentlich das, was ich vorher konnte, und den Schirm ganz einfach aufziehen und mit den Händen greifen und sonst irgendwas und die A -Tragegurte und was alles so dazugehört, was für einen Menschen, der noch Hände hat, auch ganz einfach, blöd gesagt, von der Hand geht in der Form. Und das konntest du da nicht. Also hast du da Frust gespürt oder war das einfach nur eine Herausforderung?

12:28Marco Brandstaetter

Das war für mich immer eine Herausforderung. Also ich habe Spaß daran gehabt, zu schauen, wie kann es funktionieren und wie kriege ich das hin? Also Frust, ich habe selten Frust bei irgendwas, wo ich mir denke, das geht doch eigentlich für einen Normalen ganz einfach. Ich sehe das immer als Challenge und habe Spaß dabei, das dann irgendwie zu lösen.

12:48Lucian Haas

Beschreib jetzt mal, damit sich die Hörer das so ein bisschen vorstellen, das heißt, Hände sind weg bei dir. Aber was ist da wirklich weg? Was sieht man noch? Was ist übrig eigentlich dann?

13:00Marco Brandstaetter

Im Prinzip ist, ich würde sagen, zwei Drittel vom Unterarm stehen noch. Das heißt, die Hand ist weg und dann ungefähr ein Drittel noch vom Unterarm. Auf beiden Seiten relativ gleich. Der eine Arm ist ein bisschen spitzer und der andere ist ein bisschen stumpfer. Das heißt, ich kann eigentlich ganz gut verschiedene Sachen machen. Aber im Prinzip kann man sich das so vorstellen.

13:19Lucian Haas

Und im Alltag nutzt du aber, normalerweise hast du da irgendwelche Prothesen oder bist du hauptsächlich wirklich einfach nur mit diesen Armstümpfen dann unterwegs?

13:28Marco Brandstaetter

Genau, ich habe Prothesen. Die habe ich dann circa vier Jahre. Ich habe vier Jahre ohne Prothesen gelebt. Und das war eine sehr, sehr wertvolle Zeit, weil ich da auch gelernt habe, ohne Prothesen zurechtzukommen. Und ja, dann habe ich gesagt, ich möchte doch mehr. Ich bin einfach ein Mensch, der sehr gerne selbstständig ist und ich möchte noch mehr selbstständig sein. Und manche Sachen gehen einfach nur mit Prothesen. Zum Beispiel Autofahren. Also Autofahren geht nur mit Prothesen. Und dann habe ich gesagt, ich möchte mehr selbstständig werden. Und dafür habe ich dann die Prothesen gebraucht. Habe ich dann entschieden, das war für mich die richtige Zeit. Davor habe ich gesagt, nein, möchte ich nicht. Und dann habe ich auf einmal gesagt, jetzt bin ich bereit dafür. Jetzt möchte ich Prothesen. Jetzt bin ich sehr, sehr happy, dass ich die Prothesen habe, weil ich kann damit wirklich sehr, sehr viel machen.

14:16Marco Brandstaetter

Das meiste geht auch ohne, aber halt wesentlich zeitaufwendiger. Und anstrengender.

14:22Lucian Haas

Wenn du jetzt fliegen gehst, nutzt du denn dann dafür deine Prothesen, weil man damit einfach Leinen oder sonstiges irgendwie natürlich besser greifen kann, als wenn man nur so Armstümpfe hat? Zumindest von der

14:34Marco Brandstaetter

Vorstellung her. Also angefangen habe ich tatsächlich, wo ich die Prothesen noch gar nicht gehabt habe. Das heißt, ursprünglich habe ich es komplett ohne Prothesen gemacht. Und ich habe jetzt dann lange Zeit danach, ich bin dann noch ein paar Mal fliegen gegangen. Das war auch alles ohne Prothesen. Ich habe mir so ein Pulli gebastelt. Und der Pulli ist quasi auf meinen Arm abgestimmt. Einfach die Kontur vom Arm abgenäht, dass ich recht streng drin sitze. Und habe mir oben dann zwei Schlaufen, also auf jeden Arm eine Schlaufe draufgenäht. Und da hänge ich dann die Bremsleinen fest. Das heißt, so habe ich auch gestartet. Das war der erste Prototyp, mit dem ich aktuell immer noch fliege, aber gerade jetzt dann gestern meine neue Jacke bekommen habe.

15:20Marco Brandstaetter

Und genau, ich habe dann längere Zeit, in den letzten dreieinhalb Jahren würde ich mal sagen, bin ich dann eigentlich nicht geflogen. Ich muss es ein bisschen mehr ausholen, damit du verstehst von der Art und Weise, wie ich geflogen bin. Genau, da bin ich mit dem Pulli geflogen, habe aber das Problem gehabt, dass ich doch immer Hilfe gebraucht habe. Das heißt, am Startplatz hat mir jemand helfen müssen, mich zu verbinden mit dem Gleitschirm. Also die Bremsleinen an meinem Pulli zu befestigen oder auch das Gurtzeug zu machen.

15:54Lucian Haas

Wird das dran geknotet? Also jetzt, die Bremsleinen werden quasi mit deinem Pulli verknotet oder wie hat man sich das vorzustellen?

16:01Marco Brandstaetter

Genau, also damals haben wir es wirklich dran geknotet, beziehungsweise den kleinen Karabiner einfach dran gehängt dann, einfachheitshalber. Und dann beim Landen hat mich wieder jemand befreien müssen davon, weil ich einfach mit dem Schirm fest verbunden war. Und ich habe es ja nicht lösen können. Das heißt, mir hat jemand aus dem Gurtzeug geholfen. Und aus den Karabinern befreien müssen. Ja, das hat mir dann damals nicht so wirklich gut gefallen. Ich habe dann, ich glaube, fünf Flüge gemacht und dann ist wieder eingeschlafen, weil ich einfach diese Selbstständigkeit vermisst habe. Und diese Freiheit, was du beim Fliegen hast, die geht dadurch verloren. Wenn du weißt, du brauchst immer jemanden beim Starten oder beim Landen. Das ist dann nicht das Gefühl, was du beim Fliegen eigentlich haben möchtest. Und dann habe ich jetzt 2020 wieder angefangen, weil ich gesagt habe, ich brauche das Gefühl.

16:48Marco Brandstaetter

Das ist dann zur Abwechslung, zum Kopf freigekriegen. Ich muss wieder raus. Ich muss wieder mehr raus. Ich muss wieder fliegen gehen. Habe gesagt, es muss doch eine Lösung geben, dass ich das selbstständig machen kann. Und habe dann mich dieses Jahr wieder dran gesetzt und überlegt, wie kann ich jeden Schritt selbstständig machen, damit ich komplett unabhängig fliegen gehen kann. Ja, und dann habe ich einiges rumgetüftelt. Und Gott sei Dank auch für jedes Problem eine Lösung gefunden. Und aktuell ist es so, dass ich mich mit so einer, das ist ja eigentlich eine Hundeleine, habe ich da ein System gefunden, wo ich mich mit Magnet einklipsen kann. Und auch wieder, also ich kann mich einfach, kann man sich vorstellen, das ist so eine kleine Öse, die am Pulli befestigt ist.

17:40Marco Brandstaetter

Und an den Bremsleinen sind dann, da wo der Griff ist, ist dann das Gegenstück. Und dort muss ich einfach nur leicht hinkommen. Und dann zieht sich das mit Magnet rein. Und dann bin ich festgeklipst. Das geht dann bis zu, bis über 200 Kilo hält das aus. Also komplett ausreichend. Das ist dann aber auch wie so mechanisch arretiert. Genau. Ein bisschen, oder? Genau, richtig, ja. Das klippt sich ein. Und beim Landen kann ich das ganz einfach wieder selber lösen. Das nehme ich dann zwischen die Beine. Muss nur so einen kleinen Ring hinterziehen. Und dann komme ich da auch wieder ganz einfach raus. Ich bin ja beim Fliegen fest verbunden. Das heißt, beim Fliegen komme ich jetzt dann nicht aus dem, aus dieser festen Verbindung mit dem Schirm raus.

18:20Lucian Haas

Jetzt nur noch mal zum Verständnis hier. Das heißt, du fliegst jetzt aber auch immer noch ohne deine Prothesen, sondern wirklich einfach nur dieser spezielle Pulli mit den entsprechenden Sachen an. Wieso nutzt du dafür nicht die Prothesen?

18:32Marco Brandstaetter

Ah, genau. Den Punkt habe ich übersprungen. Ich habe Anfang des Jahres auch, bevor ich das mit dem System ausprobiert habe, habe ich mir auch gedacht, ja, mit den Prothesen wird es ja besser funktionieren. Da kann ich alles selbstständig machen. Ja. Und habe dann auch alles machen können mit den Prothesen. Aber das Problem war, dass ich am Berg oben,

18:55Marco Brandstaetter

wenn du da in der voller Mentur stehst und die Sonne knallt runter, dann schwitzt man recht schnell. Vor allem, weil bei mir ein relativ großer Teil vom Körper Verbrennungen hat und ich nicht schwitzen kann an den Stellen, schwitze ich noch umso mehr. Und wenn ich schwitze, dann gehen die Prothesen nicht mehr. Weil die Prothesen, die gehen mit den Signalen vom Muskel, den elektromagnetischen, und sobald dann Schweiß drauf kommt, wird das Signal immer schlechter und immer unklarer. Und dann gehen die Prothesen teilweise gar nicht mehr.

19:25Lucian Haas

Das heißt, das sind so Hautelektroden im Grunde und die werden gewissermaßen überbrückt, wenn der Schweiß dann noch dazwischen kommt, oder?

19:33Marco Brandstaetter

Genau, richtig, ja. Und das ist dann das Problem, dass ich dann am Startplatz gestanden bin und schnell, schnell machen habe müssen, bevor ich zum Schwitzen anfange. Und dann war wieder das Thema, wenn ich zu langsam bin, dann kann ich wieder nichts mehr angreifen, dann kriege ich das Kurzzeug nicht mehr zu,

19:49Marco Brandstaetter

die Bremsgriffe sind dann wieder schwer zu nehmen, das Schirm ist schwer zu sortieren. Das heißt, es ist alles schwierig geworden. Und dann, wo ich in der Luft war, war das Problem, dass ich dann sehr leicht aus den Prothesen auch rausgerutscht bin. Weil wenn ich ein bisschen stärker anziehe beim Bremsen und meine Arme einfach, oder die Prothese nass ist, dann rutsche ich noch schneller raus und dann habe ich mich bei jedem Mal Bremsen wieder in die Prothese reindrücken müssen, damit ich nicht rausrutsche. Das war natürlich extrem unangenehm.

20:18Lucian Haas

Das heißt, die Prothese ist wie mit so einer Schnalle an deinem Unterarm quasi, mit dran geschnallt. Aber wenn du festziehst, flutscht die halt nach vorne raus.

20:26Marco Brandstaetter

Genau. Also die ist im Prinzip beim Ellbogen befestigt. Also der Ellbogen, der steht raus und hinter dem Ellbogen ist dann nochmal so eine Lasche rum, ist alles aus Silikon gefertigt und somit hält die. Aber bei bestimmten Positionen, wenn ich meinen Arm zum Beispiel strecke, dann rutsche ich sehr leicht raus, wenn es ein bisschen feucht ist innen drin. Und beim Gleitschirmfliegen ist es auch so, dass ich so eine Stellung habe, dass ich relativ leicht rausrutsche bei der Prothese. Und deswegen habe ich gesagt, das ist mir alles zu gefährlich und zu stressig, weil ich dann auch wieder von der Technik abhängig bin. Weil wenn zum Beispiel am Berg oben dann die Prothese mal nicht funktioniert, was ja auch öfters mal vorkommt, dann kann ich nicht fliegen. Und das wollte ich dann umgehen, wenn ich gesagt habe, nein, ich weiß, das damalige System mit dem Pulli hat gut funktioniert,

21:15Marco Brandstaetter

beziehungsweise, ich habe halt noch ein paar Themen wie das selbstständige Anschnallen vom Pulli an die Bremsleine habe ich noch lösen müssen. Aber sonst war das eigentlich eine ganz gute Lösung, mit der ich auch damals gut zurecht gekommen bin und auch ein sehr, sehr gutes Feingefühl habe für den Schirm. Bei den Prothesen, das ist so vom Gefühl her wahrscheinlich, wenn du an einem Stock deine Bremsleine befestigt hast und irgendwas dazwischen hast, wo jetzt dann nicht deine Hand ist und dann hast du einfach das Feingefühl nicht so gut.

21:45Lucian Haas

Nun stelle ich mir das mit so einem, du hast gesagt, das ist ein Pulli, der da abgenäht ist. Pullis sind ja auch irgendwie weich und sowas. Rutscht der nicht, wenn du die Arme nach oben nimmst und dann daran zieht? Rutscht nicht der Pulli quasi deinen Arm hoch und dann kannst du gar nicht so richtig ziehen?

22:01Marco Brandstaetter

Doch, das tut er genau. Genauso wie du das sagst, macht das. Und das ist auch richtig gut, weil ich kann somit meinen Bremsweg verlängern. Ich habe da einen verkürzten Bremsweg, weil ich einfach, kannst du dir vorstellen, ungefähr zehn Zentimeter vom Ellbogen entfernt sitzt bei mir die Befestigung. Und das heißt, mir fehlen halt einige Zentimeter zum Durchbremsen und auch zum Freigeben. Und ich kann den Pulli ganz gut nutzen, um ein bisschen rauszurutschen, um mehr Bremsweg zu bekommen oder um mehr frei zu geben und kann auch wieder reingehen, wenn ich mehr Bremsweg brauche. Das heißt, diese Flexibilität vom Pulli, die habe ich in den letzten Monaten eigentlich lieben gelernt, weil ich somit ein bisschen spielen kann und meine Range da ein bisschen erweitern kann. Und auch sonst vom Feingefühl ist es kein Problem.

22:46Marco Brandstaetter

Also das ist natürlich ein bisschen elastisch, aber das macht vom Gefühl her gar nichts.

22:52Lucian Haas

Hast du da ein spezielles Gewebe noch genommen, was möglichst starr ist von sich aus oder ein Verstärkungsband da reingenäht oder sonst irgendwas?

23:01Marco Brandstaetter

Genau, ein Verstärkungsband habe ich reingenäht. Also das ist ein normaler Fließpulli und da habe ich einfach nur ein Verstärkungsband reingenäht.

23:08Lucian Haas

Vor dem Start verbindest du dich also schon mit deinen Bremsleinen und sonstiges. Wie funktioniert das dann mit dem Starten, wenn du jetzt keine Hände hast, mit denen du dann im Grunde die A Leinen aufnehmen kannst und sonstiges? Also so das Klassische, wie man normalerweise startet. Was machst du da?

23:25Marco Brandstaetter

Ich lege im Prinzip alle Gurte über die Arme drüber und nehme die A Leinen gar nicht in die Hand. Oder die A Leinen haben bei mir keinen Zug, also nicht mehr Zug als die anderen Leinen. Das heißt, ich lege alle über die, über die Arme drüber und mit guter Vorlage und mit guter Gewicht, also ich gebe viel Gewicht auf die Hüfte, aufs Gurtzeug und dann mit guter Vorlage kann ich, mit einem guten Impuls, Anfangsimpuls kann ich sehr gut starten eigentlich. Also bei null Wind tue ich mir ein bisschen schwer,

24:05Marco Brandstaetter

aber sobald null Wind so eine leichte Steigung ist, dann funktioniert es sehr, sehr gut. Aber null Wind auf der Geraden, ist es nicht so einfach. Es geht, aber es ist nicht so einfach.

24:16Lucian Haas

Das heißt, du startest aber dann wirklich so aus der Hüfte raus. Im Grunde das, was die DHV Lehrmeinung auch sagt, was man hauptsächlich machen sollte, dass man eben gar nicht so viel an den A Leinen selber zieht, sondern darüber vielleicht nur ein bisschen führt. Aber ansonsten der eigentliche Impuls sollte aus der Hüfte kommen und das musst du dann zwangsläufig machen.

24:32Marco Brandstaetter

Genau. Bei mir kommt das meiste wirklich aus der Hüfte. Ich probiere meine Arme so weit wie möglich nach hinten zu strecken, um möglichst den größten Druck auf der Hüfte zu haben.

24:42Lucian Haas

Manche Piloten, wenn die jetzt starten, dann können die ja noch über die A -Gurte, fühlen die so ein bisschen, wie der Schirm hinter ihnen steht und so was. Das machst du auch alles nur über die Hüfte?

24:53Marco Brandstaetter

Ja, das meiste. Aber ich spüre es auch dann, wenn der Schirm nach oben steigt, an den Armen. Wenn die Gurte drüber liegen, merke ich schon auch, in welche Richtung mehr Druck kommt und kann das dann auch von den Armen her spüren. Aber das Gröbste kommt von der Hüfte auf jeden Fall.

25:08Lucian Haas

Hast du dann trotzdem häufiger Startabbrüche, als andere, wenn du das so mit anderen Piloten vergleichst, mit denen du vielleicht zusammenfliegen gehst?

25:16Marco Brandstaetter

Ich habe sehr, sehr selten Startabbrüche. Also in letzter Zeit habe ich, ich glaube in den letzten zwei Monaten, habe ich keinen Startabbruch mehr gehabt. Also ich bin jetzt beim Rückwärtsstartlernen da schon noch, aber beim Vorwärtsstarten habe ich in den letzten Monaten keinen Startabbruch mehr gehabt.

25:35Lucian Haas

Das heißt, Rückwärtsstartlernen, so richtig Starkwind, hast du auch noch nicht als Starten gelernt, dass du sagst, ich würde jetzt auch bei stärkerem Wind noch fliegen gehen, sondern du hast so ein bestimmtes Fenster, in dem du sagst, ich hätte gerne ein bisschen Wind, dass ich schön nach vorne aufziehen kann. Aber wenn es zu stark wird, dann hättest du vielleicht auch schon deine Probleme.

25:53Marco Brandstaetter

Ja, Starkwind ist auf jeden Fall noch ein Problem, sage ich mal. Aber es geht, also bis 20 km/h ist es kein Problem. Das geht. Bei mir ist nur das Thema, dass ich nicht so weit durchbremsen kann. Das heißt, wenn der Schirm einfach mal mich hochzieht oder, äh,

26:12Marco Brandstaetter

unkontrolliert aufsteigt und zu schnell aufsteigt, ich, auch wenn ich schnell durchbremse, es bringt bei mir nicht so viel, weil ich einfach den Hebel nicht habe. Ich kann den Schirm nicht durchstallen. Das ist das große Thema bei mir. Aber ja, dafür entwickle ich auch gerade eine Lösung, um auch das zu beherrschen dann.

26:33Lucian Haas

Das heißt, du musst dir für alles auch selber überlegen, wie kann ich das machen? Jetzt erzähl mal, wie kann man, wenn man zu kurze Arme hat, eine Lösung bauen, mit der man dann doch noch durchstallen kann?

26:43Marco Brandstaetter

Ja, das ist noch eine Überlegung. Ich habe es noch nicht getestet. Aber ich habe die ganzen Sachen dann schon bei mir. Das heißt, die nächsten Tage wird das mal getestet. Ich werde mir einen kleinen Flaschenzug einbauen. Und zwar werde ich mir das, wo die Bremsleine durch diese Umlenkrolle durchgeht, würde ich den Bremsgriff befestigen, festknoten. Und zwischen der Umlenkrolle und da, wo der Bremsgriff befestigt ist, werde ich eine weitere Rolle machen. Und somit habe ich den Doppelzug. Das heißt, wenn ich nach unten ziehe, dann ziehe ich die doppelte Länge. Und somit kann ich von Haus aus schon den Schirm oder zwischen der Befestigung von meinem Pulli zum Schirm schon mal einen gewissen Spiel einbauen. Also ich sage, ich baue 15, 20 cm an einen Leerweg ein.

27:29Marco Brandstaetter

Und kann aber auch, weil ich die Hälfte Weg habe, kann ich dann auch komplett durchbremsen. Das heißt, ich tue mir leichter, wenn ich Manöver fliege, wo ich komplett freigeben muss, oder auch beim Starten, wo ich auf keinen Fall anbremsen darf, tue ich mir leichter. Und auch bei Starkwind kann ich den Schirm runterbremsen. Wenn

27:45Lucian Haas

ich das so richtig verstanden habe, dann wählst du einen Bremsgriff, der auf einer Rolle im Grunde sitzt und der auf der Rolle frei auf dieser Bremsleine ein bisschen verschiebbar ist. Und dadurch, wenn du an den Bremsgriff ziehst, geht der Zug halt zum einen natürlich nach oben zum Schirm und zum anderen zum Anknüpfungspunkt der Bremsleine an deinem Tragegurt. Und dadurch hast du im Grunde diesen Zweig, wie so ein V, was sich dann da herausbildet. Und damit hast du halt diesen Effekt, dass du die verkürzten Bremswege dann entsprechend hast.

28:18Marco Brandstaetter

Absolut richtig, ja. Also so ist der Plan. Ich sehe jetzt noch nicht, was dagegen spricht. Natürlich, ich habe die doppelte Kraft.

28:26Marco Brandstaetter

Und auch vom Feingefühl muss ich schauen. Ich denke aber, dass das alles Gewöhnungssache ist. Man muss sich einfach wieder neu adaptieren und ein bisschen üben. Aber ich sehe nichts, was da irgendwie dagegen sprechen könnte.

28:41Lucian Haas

All das verlangt ja viel an gedanklicher Arbeit, aber sicherlich auch viel an Training, dass man sagt, ich muss dahin kommen, dass das alles so funktioniert. Wie viele Stunden hast du denn da schon jetzt allein mit Groundhandling verbracht, dass du sagst, ich will so sicher sein, dass ich auch am Berg dann ordentlich sicher starten kann?

28:57Marco Brandstaetter

Groundhandling? Ich würde viel, viel öfters gerne Groundhandlen, aber der Wind ist einfach oft zu schwach. Weil ich würde gerne natürlich bei starkem Wind Groundhandlen üben. In Summe habe ich dann vielleicht, 15 bis 20 Stunden gegroundhandelt.

29:10Lucian Haas

Und wenn du jetzt fliegen gehst, machst du das auch mittlerweile sogar auch allein oder bist du da immer noch in irgendeiner Weise auf andere Leute und im Grunde vielleicht doch noch mit irgendwas auf Hilfe angewiesen?

29:22Marco Brandstaetter

Nein, ich habe es tatsächlich geschafft, dass ich von vorne bis hinten alles komplett selbstständig machen kann. Also ich gehe relativ viel mit meiner Gruppe, die Paragliding Salzburg Gruppe, bin ich viel unterwegs, aber ich gehe auch, immer mal, wenn es passt, wenn das Wetter passt und ich spontan sage, ich habe Lust in die Berge zu gehen, dann gehe ich auch gerne mal allein in die Berge und kann auch von vorne bis hinten auspacken, herrichten, alles verstauen, einklipsen ins Gurtzeug. Gurtzeug lasse ich zum Beispiel zu. Das mache ich gar nicht auf. Das heißt, ich rutsche dann einfach so rein. Der Schirm bleibt am Gurtzeug fest verbunden

30:04Marco Brandstaetter

und somit brauche ich nichts, auf oder zu machen, was für mich eine Riesenerleichterung ist. Und beim Landen genau das Gleiche. Ich lasse wieder alles verbunden, habe dann mein spezielles Packsystem, wo ich dann wieder alles schön kompakt reinkriege. Was ich auch zuerst gedacht habe, dass es eine Challenge wird, den Schirm sehr, sehr klein und ordentlich zu verpacken, damit er wieder ins Gurtzeug reinpasst. Aber das hat alles sehr, sehr gut funktioniert und ich bin teilweise auch gar nicht so viel langsamer als andere.

30:34Lucian Haas

Hast du denn trotzdem, quasi deine Prothesen beim Fliegen mit dabei? Jetzt nicht eben an den Händen, weil du da schwitzt, sondern dass du sagst, ich nehme die mit, damit ich die Grundhandlungssachen auspacken, einpacken, alles vielleicht leichter machen kann. Aber für den Flug stecke ich dann meine zwei Prothesen hinten ins Gurtzeug rein?

30:54Marco Brandstaetter

Tatsächlich nicht, nein. Ich fliege komplett ohne Prothesen. Das heißt, ich habe die eigentlich auf den Bergen nie dabei. Und teilweise so ein Schirm einpacken, das ist ohne Prothesen viel einfacher als mit Prothesen. Warum? Ich habe mehr Gefühl. Also ich kann den Schirm, wenn ich den Schirm einpacke und zusammenlege und dann verdrill und falte, ich kann durch das Gefühl an den Armen viel besser kontrollieren, wo ich was hinfalte, wie ich was zusammenlege, weil mit den Prothesen spüre ich halt dieses Feine nicht. Und somit kann ich eigentlich ohne Prothesen beim Zusammenpacken alles besser machen als mit Prothesen. Zum Beispiel Reißverschlüsse. Da habe ich mir einfach ein Bändchen dran gemacht, wo ich dann mit dem Arm reinschlupfe und dann knie mich halt drauf auf den Sack, um das Ganze zu komprimieren, ziehe es zu.

31:47Marco Brandstaetter

Und das ist dann überhaupt kein Problem mit kleinen Hilfsmitteln. Also ich habe wirklich nicht viel adaptiert. Das sind eigentlich nur die beim Schirm, wo ich dieses Befestigungssystem dran gemacht habe. Und an den Rucksack habe ich mir ein paar Schlaufen dran gemacht. Und sonst ist eigentlich alles wie gehabt.

32:02Lucian Haas

Apropos Arm reinschlüpfen. Wie machst du das mit dem Retter? Also normalerweise, da musst du halt hingreifen und wirklich diesen Rettungsgriff greifen. Du hast jetzt nichts zum Greifen. Bist du halt so unterwegs, sagst du, ich habe keinen Retter? Oder wie muss man sich das vorstellen?

32:19Marco Brandstaetter

Ja, ein Retter ist mir schon wichtig. Einfach diese Sicherheit zu haben vom Gefühl her. Und ich habe jetzt das Range -Gurt -Zeug und ich bin mit dem extrem happy. Und das ist halt vorne Standard -Metal. Ein Retter, also ein Front -Container. Und ich habe das ausprobiert. Ich kann mit den Armen reinschlüpfen. Habe das auch im GeForce -Trainer ausprobiert. Und es ist kein Problem mit der rechten Hand, mit der linken Hand rauszusteuern. Vor dem Gurt, hinter dem Gurt, bei 4G. Also das funktioniert alles einwandfrei.

32:51Lucian Haas

Hast du denn dafür noch diese Retterschlaufe, also die Griffschlaufe irgendwie vergrößern müssen? Oder ist das einfach die Standardschlaufe, die da ist und da kannst du schnell mit deinem Armstumpf einfach reinschlüpfen? Die da reinschieben und dann rausschmeißen?

33:03Marco Brandstaetter

Genau. Ich habe die Standardschlaufe lassen. War am überlegen, ob ich eine größere hinbaue. Aber mit der Standardschlaufe funktioniert es gut. Und deswegen habe ich gedacht, dann brauche ich gar nichts umbauen, wenn es funktioniert. Ich habe damals ein anderes Gurtzeug gehabt und da hatte ich dann den Container, den Retter an der Seite und habe mir den Beschleuniger als Retter umgebaut. Das heißt, wenn ich den Beschleuniger getreten habe, dann hat es an der Seite durch einen Seilzug dann den Retter rausgehauen. Das habe ich davor gehabt. Aber dann habe ich auf den Beschleuniger quasi verzichten müssen. Und deswegen habe ich dann gesagt, das ist nicht die optimale Lösung und bin auf die Variante umgestiegen.

33:39Lucian Haas

Da könnten für dich ja auch noch solche Lösungen interessant sein, die quasi so ein... Es gibt ja so wie so Gurtzeuge, die so einen eingebauten Schleudermechanismus haben, wo das dann wirklich pyrotechnisch rausgeschoben wird, der Retter oder sowas. Wo du einfach im Grunde nur einen Knopf drücken müsstest, um das auszulösen. Es gibt ja so ein paar so Entwicklungen in diese Richtung. Ja, definitiv. Hast du an sowas auch schon mal gedacht? Oder sagst du, nein, mein Rangers funktioniert wunderbar?

34:04Marco Brandstaetter

Ja, ich habe schon daran gedacht und habe mir schon viele Gedanken gemacht, wie es gehen könnte. Und das war auf jeden Fall auch eine Variante. Aber da haben wir so viel abgeraten davon, weil es...

34:15Marco Brandstaetter

Du weißt doch nicht, wann es mal reagiert, wenn es nicht reagieren soll. Die ganzen Systeme sind anscheinend... Ich weiß es nicht, aber mir ist abgeraten worden, weil die vielleicht nicht so sicher sind. Und ich bin ganz froh eigentlich, wenn ich nicht auf so ein System wenn ich nicht von so einem System abhängig bin und selbst in der Hand habe, fand ich was im Raussteuerer und nicht darauf hoffen muss, dass so ein System dann funktioniert.

34:40Lucian Haas

Wie ist das jetzt mit anderen Manövern? Du sagst, die Hand fehlt, also deswegen hast du kürzere Arme, kannst nicht so weit hochgreifen und sowas. Was ist mit Ohren anlegen zum Beispiel?

34:49Marco Brandstaetter

Genau, Ohren anlegen war ein Thema, wo ich eigentlich nicht können habe. Das heißt, es war auch... Ich habe ja jetzt dieses Jahr im Oktober ein Sicherheits -Training gemacht. Und da war für mich ein großes Ziel, Ohren anzulegen. Es ist eigentlich ein simples Manöver, wo jeder beherrscht, aber mir geht es einfach nicht so einfach, weil ich ja nicht so leicht in die Leine reinkomme. Das heißt, ich komme in die Leine rein, ich habe es davor auch probiert, aber ich bekomme nur das äußere Schloss zum Ziehen. Weil wenn ich die zweite Leine nehme, die am zweiten Leinenschloss dran ist, dann ziehe ich eigentlich einen Frontklapper. Und der zweite Nachteil ist, wenn ich nach oben greife und so weit nach unten ziehe, dann bremse ich den Schirm automatisch an, weil ich einfach da begrenzt bin und ja die Bremslein nicht loslassen kann.

35:35Marco Brandstaetter

Und deswegen war das eine leichte Challenge, die ich lösen wollte. Da haben wir auch lange rumgetan. Ja, was könnte da gehen? Und dann habe ich mit der Flugschule Aachensee da eine ganz simple Lösung gefunden. Und zwar haben wir einfach nur das Leinenschloss, die zweite A -Leine, haben wir auf das erste Leinenschloss gehängt. Und somit habe ich... Ich habe oben reingreifen können, das war eigentlich nie ein Problem, aber ich habe halt nur die kleinen Ohren machen können. Und mit der Variante habe ich dann ganz normal oben reingreifen können. Mit Beschleuniger ist es nochmal einfacher. Und habe dann richtig schöne große Ohren machen können. Ich habe ein bisschen angebremst, ja, aber das war überhaupt kein Problem. Also die Ohren waren richtig schön groß. Was fliegst du für einen Schirm? Einen Ariba 3, einen Skywalk. Das ist ein Leichtschirm dann auch. Genau, das ist ein Leichtschirm.

36:18Lucian Haas

Das heißt für das Starten und so ist das auch... Wahrscheinlich kommt dir das ja entgegen, dass der auch leicht ist, weil der dann auch wirklich easy hochkommt und so.

36:25Marco Brandstaetter

Ja, der ist super. Also zum Starten ist der Schirm wirklich toll.

36:28Lucian Haas

Hast du auch speziell dafür auch mal verschiedene Schirme ausprobiert, um zu sagen, das ist der, der mir vom Startverhalten oder sonst was am ehesten taugt oder mit dem ich vom Handling des Tragegurts, der Leinen und so was am besten dann damit zurechtkomme? Oder war das ein, den du eh noch hattest und hast gesagt, dann fliege ich mit dem?

36:45Marco Brandstaetter

Ich habe tatsächlich in meinem Leben nur zwei Schirme geflogen. Und zwar war das der Element von Ozon. Das war der erste Schirm, mit dem ich gelernt habe. Und dann nach dem Unfall war der Ariba so im Low -Mittel -B -Bereich

37:01Marco Brandstaetter

als Leichtvariante für mich optimal. Und dann habe ich den probiert, hat mir gepasst zum Starten, hat super funktioniert und habe dann seitdem eigentlich keinen Schirm ausprobiert. Das heißt, ich habe auch keinen wirklichen Vergleich zu anderen Schirmen. Aber da werde ich die nächste Zeit auf jeden Fall mal ein bisschen rumtesten, weil es mich schon interessiert, was sind die Unterschiede von den Schirmen eigentlich? Und was könnte denn für mich noch besser sein?

37:23Lucian Haas

Jetzt gehst du mit deinen Freunden aus Salzburg fliegen. Du warst bei dem Sicherheitstraining. Wie reagieren denn andere Piloten, die dich noch nicht kennen, wenn die zum ersten Mal sehen, da ist einer, der ohne Hände hier zum Startplatz kommt?

37:39Marco Brandstaetter

Ja, dann auch eine spannende Frage. Also es gibt ganz, ganz viele verschiedene Reaktionen. Also manche kommen her und sagen, boah, voll spannend, wie machst du das? Sind sehr interessiert. Andere kommen her und fragen, ja, kann ich dir was helfen? Oder geht eh alles? Andere schauen nur neugierig von der Ferne. Andere schauen eher weg, weil sie vielleicht denken, dass es unangenehm ist, wenn sie mich anschauen. Das ist ganz, ganz unterschiedlich. Aber was ich durchweg echt positiv finde, dass die Leute alle extrem hilfsbereit sind. Das finde ich wirklich, wirklich toll.

38:16Lucian Haas

Ist das nicht manchmal sogar, vielleicht sogar übertrieben? Also dass du denkst so, das kann ich doch eigentlich alleine. Und jetzt ständig drängen sich mir vielleicht manche hilfsbereite Leute einfach auf, weil die einfach denken, oh, der Arme, der hat keine Hände. Vielleicht muss ich ihm da was geben. Vielleicht muss ich ihm da was mithelfen und sowas. Und dann sagst du, eigentlich, ich will es ja gerade selber auch alleine machen und so.

38:37Marco Brandstaetter

Ja, tatsächlich. Also generell ist es so, dass ich ja alles selbstständig machen möchte. Und mir ist wichtig zu wissen, dass ich es selbstständig kann. Sobald ich herausgefunden habe, wie es funktioniert und nicht mehr üben muss. Also ich übe das immer so lange selbstständig, bis ich weiß, es funktioniert. Und da sage ich auch zu den Leuten, und es tut mir oft auch leid, dass ich sage, na, ich muss das noch üben. Ich brauche jetzt keine Hilfe. Das heißt, ich weise die Hilfe so lange ab, bis ich weiß, ich kann es selber perfekt. Und wenn ich dann weiß, ich kann es und es wäre jetzt unnötiger Aufwand und mir will jemand helfen, dann nehme ich die Hilfe auch gerne an. Habe ich früher auch nicht können, weil ich einfach jemand bin, der alles selbstständig machen möchte.

39:23Marco Brandstaetter

Aber ich habe inzwischen gelernt oder die Erfahrung gemacht, ich darf auch Hilfe annehmen. Und deswegen, ja, ist mal so, mal so. Je nachdem, ob ich was Neues lernen möchte und einfach die Routine bekommen möchte, dann nehme ich keine Hilfe an. Und sonst, wenn ich weiß, das kann ich, das kann ich ganz normal machen und ich kann mir dadurch ein paar Minuten sparen, dann nehme ich sehr, sehr gerne Hilfe auch an.

39:44Lucian Haas

Hast du denn dann auch, weil du sagst, ich übe das, bis ich es gut kann, nimmst du dann auch einen Schirm und packst den zehnmal hintereinander ein und aus, um zu sagen, diese, jetzt kann man doch nicht mal sagen, Handgriffe müssen sitzen, sondern im Grunde diese Armgriffe müssen sitzen.

39:58Marco Brandstaetter

Habe ich tatsächlich gemacht am Anfang, ja. Ich bin oft vom kleinen Übungshang runtergeflogen. Also wenn ich schon alles zusammen packe, dann will ich auch kurz fliegen. Das heißt, ich bin in den Übungshang gegangen, habe dann oben alles ausgepackt, bin runtergeflogen, die 50 Meter, unten wieder alles zusammengepackt und das alles fünf, sechs, sieben Mal. Und dann hat das eigentlich schon gesessen. Also ich komme relativ schnell in die Routine rein, aber ich übe das davor. Also ich übe das dann wirklich so lange, bis es funktioniert und bis ich mich wohlfühle. Und es wird auch nicht lästig für mich. Also ich brauche, ich bleibe da wirklich hartnäckig dran bei sowas.

40:30Lucian Haas

Lass uns noch mal kurz über dein Sicherheitstraining sprechen. Da hast du jetzt gesagt, okay, wir haben ein System gefunden, wie man Ohren anlegt. Im Sicherheitstraining geht es ja auch häufig darum, gerade wenn man so die ersten Trainings macht, jetzt zieht man mal so die ersten Klapper, fliegt man gehaltenen Klapper und sowas. Konntest du auch sowas dann machen oder waren das Manöver, die dir eigentlich, ja, die nicht mit deinem Setup funktionieren?

40:52Marco Brandstaetter

Doch, das hat alles funktioniert. Also Klapper haben auch durch den Umbau sehr, sehr gut funktioniert. Also wir haben alles durchgespielt. Wir haben Seitenklapper, Frontklapper, alles beschleunigt auch und hat alles extrem gut funktioniert.

41:08Lucian Haas

Und gibt es da noch weitere Manöver, die du dann auch geflogen bist? Also Steilspirale oder sonst irgendwas?

41:15Marco Brandstaetter

Genau, also ursprünglich wollte ich ja das Sicherheitstraining machen für zwei Sachen. Ich wollte die Steilspirale beherrschen, also Abstiegsmanöver, Steilspirale und Ohren anlegen. Die Steilspirale habe ich davor mir schon selbst dabei gebracht. Weil ich da ein paar gute Tage gehabt habe, wo es thermisch sehr gut war. Dann bin ich immer, habe ich über den Berg aufgedreht, bin rausgeflogen, habe abspiralt wieder zum Berg hingeflogen. Also dann habe ich die Spiralen quasi sehr gut üben können, weil ich die Höhe wieder am Berg gemacht habe und habe dann in einem Flug dann, ja, sechs, sieben, acht Spiralen machen können und habe es mir dann da schon selber beigebracht. Also dieser Punkt war schon abgehakt. Ohren anlegen habe ich dann dort dort gelernt. Gelernt werden durch den Umbau, was wir da machen können.

42:00Marco Brandstaetter

Und dann haben wir, das war quasi am ersten Tag schon erledigt. Und dann haben wir geschaut, was, was steht noch so an? Ja, und dann ist es weitergegangen. Ich habe dann, genau, Wingover haben wir gemacht, was von Timing her oder bei mir etwas schwieriger ist, weil ich den Schirm nicht so gut freigeben kann. Ich muss mich extrem strecken, aber auch das Gewicht zwar lagern, das heißt, das ist auch wieder durch den verkürzten Bremsweg ist es gar nicht so einfach für mich, weil einfach noch mehr mit dem Körper arbeiten, muss. Aber das wird dann mit der neuen. Da

42:29Lucian Haas

würde dein Flaschenzugsystem dir auch wieder bei helfen, dann auch dynamischere Manöver im Grunde zu fliegen.

42:34Marco Brandstaetter

Absolut, absolut, genau. Dann haben wir eine geklappte Spirale gemacht. Das heißt, eine Seite einklappen, Gewicht verlagern und dann quasi ein simulierter Absturz ist das. Das war auch die Flugschule Ahrensee, nennt es ja Hermann.

42:51Marco Brandstaetter

Genau, also ein richtig cooles Manöver. Hat extrem viel Spaß gemacht. Also das mache ich immer noch gerne. Dann haben wir eine asymmetrische Spirale, habe ich dann gemacht. Auch sehr witzig. Und am Schluss habe ich gesagt, ja, ich möchte noch ganz gern den Sat probieren. Und da war schon ein bisschen der Lukas, hat mich am Funk betreut, hat gesagt, ja, ja, probiere es. Ein bisschen skeptisch, aber gesagt.

43:16Lucian Haas

Das klingt ja fast schon überambitioniert, wenn man sich vorstellt, da ist einer, der nicht so tief die Arme ziehen kann und im Grunde nichts hat, mit dem er sich auf die Ausnahme der Außenseite stützen kann und sowas. Aber hat es geklappt?

43:28Marco Brandstaetter

Genau, ich habe es dann, ich habe gewusst, ja, das wird natürlich eine Challenge, weil einen Sat macht man halt mit der Armstütze. Und das heißt, ich muss extrem gut Gewicht verlagern. Und deswegen, ich habe es cool gefunden. Die ganze Gruppe vom Ahrensee hat mich voll unterstützt und gesagt, ja, probieren wir es aus. Skeptik war natürlich da, aber sie haben mit mir alles gemacht, was ich voll cool gefunden habe. Und dann habe ich gedacht, ja, jetzt zeige ich es ihnen. Das wird klappen. Habe dann Vollgas mein Gewicht auf eine Seite gelegt, sodass ich fast zum Krampf gekommen habe im Oberschenkel. Und ja, sobald ich dann das Gewicht voll verlagert gehabt habe, habe ich eine Seite, bin ich in die Spirale rein und dann, sobald es dann den Zug bekommen hat, habe ich voll durchgebremst.

44:17Marco Brandstaetter

Ja, und dann war ich tatsächlich im Sat drin und bin da drin geblieben. Und es war ein richtig, richtig schönes Gefühl. Also der Sat war das beste Erlebnis vom ganzen Sicherheitstraining. Ja, und dann habe ich es gleich links probiert. Links hat es auch funktioniert. Und dann war ich happy. Also Ziele, mehr ist erreicht beim Sicherheitstraining.

44:36Lucian Haas

Das heißt, das drückt dich auch beim Sat nicht so, also du schaffst es wirklich, das Gewicht so weit rüber zu verlagern, dass es dich nicht zurückdrückt.

44:44Marco Brandstaetter

Ja, also der Druck ist extrem. Also es will dich extrem in die andere Richtung ziehen. Aber es hat geklappt. Also es hat geklappt. Es geht. Es geht.

44:55Lucian Haas

Das heißt, man braucht auch wirklich großen Willen dazu. Ja, würde ich sagen. Bist du ein Mensch mit einem großen Willen?

45:02Marco Brandstaetter

Absolut. Sonst würde ich nicht da stehen, wo ich jetzt dann bin. Also wenn ich was will, dann ziehe ich es durch und probiere es so lange, bis ich es geschafft habe. Gibt es Momente, in denen du auch scheiterst? Definitiv, ja. Definitiv. Aber ich finde es dann trotzdem nicht schlimm. Also wenn ich sehe, dass es für mich wichtig ist, dann finde ich Alternativen. Und wenn es für mich dann nicht so wichtig ist, dann ist es auch nicht schlimm, wenn ich es mal nicht schaffe. Aber prinzipiell kommt es immer mal vor, dass ein paar Sachen nicht so funktionieren. Aber ich kann damit auch gut leben. Und wenn es mir, wie gesagt, wirklich wichtig ist, dann finde ich Lösungen oder Alternativen.

45:42Lucian Haas

Jetzt haben wir ein bisschen über deine Gleitschirmkarriere gesprochen. Wie ist es denn bei dir nach diesem Unfall? Und das Leben steht ein bisschen auf dem Kopf. Was mache ich jetzt? Wie ist es da beruflich bei dir weitergegangen?

45:54Marco Brandstaetter

Nach dem Unfall habe ich ein halbes Jahr mal nichts gemacht und habe mir dann gedacht, jetzt wird es schon ein bisschen fad. Und habe dann gesagt, ja, ich möchte studieren. Habe dann ein Fernstudium angefangen. Und zwar habe ich Finanzierung und Management studiert. Habe dann ein halbes Jahr darauf eine Produktidee gehabt und habe gesagt, ach, sehr spannend. Das interessiert mich. Ich könnte jetzt dann gleich das, was ich theoretisch im Studium lerne, könnte ich gleich in der Praxis umsetzen. Und habe dann gesagt, ja, ich gründe eine Firma und schaue dann, ob das, was ich in der Theorie lerne, auch so stimmt. Genau, habe dann nebenbei die Firma aufgebaut und studiert.

46:39Marco Brandstaetter

Habe aber gesehen, dass das Beides zusammen nicht funktioniert. Weil der Fokus, ich war einfach so motiviert mit der Firma und habe dann gemerkt, ich kann nicht abschalten. Wenn ich lerne, denke ich nur an das, was ich in der Firma vorwärts bringen könnte. Und somit habe ich gesagt, ich muss die Entscheidung treffen, entweder Firma oder Studium. Und habe dann mich entschieden, das Studium nebenher laufen zu lassen, um eine gewisse Sicherheit zu haben noch, vom Gefühl her. Aber habe mich dann voll auf die Firma fokussiert.

47:12Lucian Haas

An dieser Stelle blende ich das laufende Gespräch mit Marco mal kurz ein wenig aus bzw. fasse etwas zusammen. Denn Marco erzählte mir nun recht ausführlich, wie und womit er sich eine berufliche Existenz aufgebaut hat. Aber das ist letztlich eine andere Geschichte, deren zum Teil etwas werblicher Inhalt nicht so recht in das Format von Podz-Glidz passt. In aller Kürze nur so viel. Marco hat schon neben dem Studium einen Online -Handel mit Paravans und Lampen aus Bambus aufgezogen, unter dem Markennamen Parabo. Mittlerweile führt er in seinem eigenen kleinen Unternehmen BGT mit sechs Mitarbeitern zwei andere Marken, FitFlip und TerraTherm. Bei FitFlip geht es um besonders funktionelle Mikrofaser -Handtücher für Sport - und Outdoor -Aktive. TerraTherm ist eine Marke für einsteckbare Wärmepads auf Basis von Eisenpulver und Aktivkohle, mit denen man ohne irgendwelche Akkus an kalten Tagen Hände, Füße und Zehen stundenlang warm halten kann.

48:07Lucian Haas

Marco erzählte mir, dass er die Wärmepads beim Gleitschirmfliegen auch selbst häufig nutzt. Seine versehrten Unterarme sind schlechter durchblutet und deshalb sehr kälteempfindlich. Darum steckt er sich an kühleren Tagen immer Wärmepads in die Ärmel seines besonderen Steuerpullis. Und damit geht es nun auch im Gespräch mit Marco weiter.

48:29Lucian Haas

Das heißt, du nutzt jetzt deine Produkte auch, wenn du fliegen gehst. Gehst du jetzt im Winter auch fliegen und hast dann da immer deine Wärmepads dabei?

48:40Marco Brandstaetter

Absolut, also im Winter wird es richtig Spaß machen, weil da werde ich dann viel mit den Liften fahren und Skigebiete ausprobieren, einfach viel hoch runter, viele Manöver üben. Damit werde ich im Winter wahrscheinlich sogar mehr Flüge zusammen kriegen als im Sommer vermutlich mal. Und deswegen ist es umso wichtiger, dass ich da auch warm bleibe, wenn ich einen langen Tag habe. Weil es ist halt schon so beim Fliegen, du bewegst dich ja, wenn du irgendwie Bergstein gehst, da bist du ja, da schwitzt dir sowieso oder dir ist sowieso warm. Aber wenn du beim Fliegen bist, du wartest vielleicht oben noch ein bisschen am Startplatz oder bist in der Luft oder wartest unten am Landeplatz auf deine Freunde, dann stehst du halt rum und da kühlst du aus. Und genau in dieser Zeit ist es umso wichtiger, dass du da eben warm bleibst und alles, was statisch ist, kühlst du aus.

49:31Marco Brandstaetter

Und das ist beim Gleitschirmfliegen, beim Fliegen, beim Startplatzstehen oder am Landeplatzstehen kühlst du relativ schnell aus und deswegen sind für mich da die Pads extrem wertvoll.

49:42Lucian Haas

Wie häufig kommst du denn heutzutage dazu, wirklich fliegen zu gehen? Oder wie häufig nimmst du dir Zeit dafür?

49:49Marco Brandstaetter

Also ich probiere es. Jeden zweiten, dritten Tag fliegen zu gehen. Also jetzt seit August, also die letzten dreieinhalb Monate habe ich zum Beispiel, wenn wir kurz nachdenken, knappe 70 Flüge mit 35 Flugstunden. Also ich bin, ja von dem her bin ich fast jeden zweiten Tag eigentlich unterwegs. Ja, wenn man die Statistik anschaut. Also mal je nachdem Wetter, wenn es halt sehr, sehr gut geht, dann gehe ich halt irgendwie Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag. Wenn es mal vom Wetter her nicht passt, dann gehe ich mal eine Woche nicht. Aber da ich in Salzburg unterwegs bin sehr viel und da da Geisberg ist und von der Arbeit nicht lange weg ist, ist es für mich ein einfaches, direkt mal nach der Arbeit noch einen schönen Abgleiter zu machen

50:37Marco Brandstaetter

und somit ja auch nie aus der Routine zu kommen, weil ich eigentlich immer fliegen kann.

50:43Lucian Haas

Was war von diesen Flügen, die du in diesem Jahr gesammelt hast, was war da so dein fliegerisches Highlight?

50:48Marco Brandstaetter

Da gab es ein paar mehr. Es gab einige Highlights. Aber auf jeden Fall das beste Erlebnis und das werde ich nie vergessen, da bin ich mit meiner Gruppe, beim Bischling waren wir da, sind dann am Abend noch, das war gegen halb sechs, sind wir nochmal aufgedreht auf 2,8 und haben dann gesagt, ja wir probieren jetzt eine Toplandung zu machen auf dem Berg gegenüber, das Tennengebirge.

51:14Marco Brandstaetter

Und ja, waren uns nicht sicher, weil keiner von uns hat noch bisher eine Toplandung gemacht, also auf einem anderen Berg. Dann haben wir gesagt, ja wir probieren es mal aus, also würde uns alle reizen, aber wenn wir uns nicht gut fühlen, dann machen wir es nicht. Und dann sind wir rüber geflogen, hat noch super funktioniert von der Thermik her und dann haben wir uns alle so gut gefühlt, dass wir gesagt haben, ja das geht sich aus. Und ja, dann haben wir es alle geschafft top zu landen, was erstmal ein mega Gefühl war, wenn wir da mit dem ganzen Gepäck, wir haben alles dabei gehabt, Schlafsäcke, Campingkocher, Zelte und so weiter, wenn wir es nicht hochschleppen müssen, sondern wenn wir es einfach hochfliegen können. Genau, das heißt, wir sind dann angekommen, haben dann dort erstmal ein bisschen Holz gesammelt für den Lagerfeuer für den Abend, haben dann unsere Zelte aufgebaut,

52:04Marco Brandstaetter

haben noch Gulasch zum Essen gemacht am Abend im Campingkocher, waren dann schön zusammengesessen vor dem Lagerfeuer, ein bisschen Musik. Der Jakob ist dann noch zu Fuß hochgegangen, weil der ein bisschen später von der Arbeit gekommen ist, das heißt, der hat dann eine Wanderung hinter uns gemacht. Hat dann noch ein paar Bier mitgebracht und dann waren wir am Lagerfeuer gesessen, haben einfach den Abend genossen, schönen Sternenhimmel gehabt und ja, eine echt gigantische Zeit. Dann sind wir schlafen gegangen, in der Früh aufgestanden, Kaffee gemacht, erstmal einen schönen Sonnenaufgang genossen und dann einen schönen Abgleiter in der Früh in der Morgensonne. Also das war ein absolut geniales Erlebnis und da bin ich der Gruppe wirklich, wirklich dankbar. Also eine Gruppe ist extrem.

52:49Marco Brandstaetter

Wertvoll, weil du einfach so coole Sachen erlebst. Eine Gruppe, die challenge dich gegenseitig, hilft einem gegenseitig. Wir helfen uns mit Videoanalysen immer und schauen, was kann man optimieren, was könnte man besser machen beim Starten, beim Manövern und so weiter. Also das ist, und vor allem die Momente gegenseitig, dass du einfach Leute hast, mit denen du dich austauschen kannst, das ist wahnsinnig viel wert und wir haben so viel Spaß, so eine verrückte Truppe, wo wir wirklich schon echt gute Sachen erlebt haben.

53:21Lucian Haas

Du bist da aber der Einzige, der ein Handicap auf gewisse Weise hat.

53:27Marco Brandstaetter

Ja genau, da bin ich der Einzige davon.

53:29Lucian Haas

Hast du denn aufgrund auch deines Handicaps auch schon mal irgendwelche brenzligen Situationen beim Fliegen erlebt?

53:35Marco Brandstaetter

Einmal beim Starten, ja, da ist mir der Bremsgriff, weil ich habe den Bremsgriff noch nicht abgeschnitten gehabt. Der Bremsgriff, der baumelt bei mir immer noch ein bisschen rum. Ich habe den damals als Sicherheit noch dran lassen, dass wenn mein System mal aufgehen sollte, was eigentlich nicht sein kann, aber ich habe mich mal besser gefühlt, habe ich den Bremsgriff noch dran lassen. Und der ist beim Starten dann, nach dem Starten ist der durch Schwung oben in die Leinen rein, also direkt beim Tragegurt, hat sich dann verhangen. Das heißt, ich habe nicht mehr bremsen können. Und dann habe ich überlegt, ja, was kann ich machen beim Landen, also beim Fliegen war sowieso kein Problem, weil ich mit dem Gewicht steuern kann, aber beim Landen war das Thema, weil ich nicht bremsen habe können auf einer Seite.

54:19Lucian Haas

Das heißt, du kommst dann auch da oben nicht rein, um den rauszuholen, also da reicht die Länge deines Armes nicht aus.

54:24Marco Brandstaetter

Das wird schon ausreichen, aber der war so verknotet da oben drin, der ist da reingefallen, hat sich einmal drum gedreht, und das ist quasi beim Starten reingefallen, hat sich dann zugezogen, weil die Spannung da drauf gekommen ist, nachdem ich abgehoben bin, und dann habe ich ihn nicht mehr rausbekommen. Ja, und dann habe ich überlegt, was kann ich machen, habe dann probiert schon im Flug, die Bremsleine, also so direkt in die Bremsleine reinzugreifen, was dann noch funktioniert hat. Und dann habe ich im Flug ein bisschen getestet, wie es funktioniert, und habe dann eigentlich relativ sanft landen können, zwar nicht da, wo ich wollte, aber ich bin sehr, sehr sanft angekommen. Und ja, das war wieder ein Erlebnis, wo ich daraus gelernt habe, und gesehen habe, aha, alles, was irgendwie da sich verhängen kann, muss weg.

55:09Marco Brandstaetter

Und da es gut ausgegangen ist, war es wieder ein guter Start. Aber sonst ist eigentlich aufgrund von dem Handicap noch nichts passiert, oder muss ich sagen, das war irgendwie dadurch kritisch, die Situation.

55:23Lucian Haas

Mit all diesen positiven Erfahrungen, die du in diesem Jahr mit dem Fliegen dann auch gemacht hast, und den großen Erfolgen von Hike and Fly, Sattfliegen und sonst irgendwas, welche fliegerischen Ziele hast du dir denn für das nächste Jahr gesetzt?

55:36Marco Brandstaetter

Also ich möchte auf jeden Fall nächstes Jahr so einen Dreitagesausflug machen, dass ich mal drei Tage Biwak -Fliegen gehe. Alleine? Alleine, ja, genau. Also natürlich auch gerne mit der Gruppe dann auf jeden Fall einmal alleine, wieder um zu sehen, wie es funktioniert, was alleine alles möglich ist.

55:55Lucian Haas

Das klappt dann auch mit Zeltaufstellen und sowas? Also das stelle ich mir dann auch spannend vor, wenn du sagst, dann hast du deine Prothesen halt zu Hause gelassen, weil du ja ohne Fliegen gehst.

56:04Marco Brandstaetter

Ja, also Zeltaufstellen, ich muss schauen, ob ich ein Zelt mitnehme, oder einfach nur einen Biwaksack nehme und unter freiem Himmel schlafe. Aber ein Zelt würde beschädigen. Das würde bestimmt auch gehen. Aber es sollte alles funktionieren. Also wenn ich das Zeug in meinen Sack reinbekomme, in den Range -Packsack oder in das Fach hinten, weil ich musste doch ein bisschen was mitnehmen, der Rest sollte funktionieren. Das Einzige sehe ich von der Challenge her, dass ich das ganze Zeug quasi selber reinbekomme in die Taschen. Aber sonst sehe ich nichts, was dagegen spricht, dass es funktioniert.

56:38Lucian Haas

Was fändest du daran so interessant ist, alleine zu machen? Weil du ja gerade gesagt hast, dass dir das Fliegen in der Gruppe auch so viel gibt. Ist das noch eine zusätzliche Challenge, zu sagen, ich will auch zeigen, dass ich das alleine kann?

56:49Marco Brandstaetter

Genau, das ist es, ja. Das ist die Challenge, zu sehen, dass ich auch von keinem abhängig bin und alleine genau sowas erleben kann. Aber natürlich in der Gruppe auf jeden Fall wäre ich sofort immer dabei. Aber das ist was, wo ich sage, sowas alleine mal zu machen, da kann ich mich wieder beweisen, was alles funktioniert, oder mir wieder eine Challenge setzen, auf jeden Fall.

57:14Lucian Haas

Dann bleibt mir jetzt zum Schluss noch eine letzte Frage. Marco, wenn so jemand wie du, trotz so ein solches Handicap, keine Hände mehr zu haben, so, sagen wir mal so positiv und so voller Tatendrang ins Leben schaut, wie machst du das? Was kannst du Menschen empfehlen, die mit irgendwie eigenen Beschränkungen in ihrem Leben hadern? Hast du da einen Tipp?

57:41Marco Brandstaetter

Schwierig, sehr schwierig. Also, ich glaube zum Teil ist es eine Grundeinstellung bei mir, dass ich Sachen wirklich durchziehe und Spaß daran habe. Sachen, die vielleicht schwer erscheinen, dann auch so lange durchzuziehen, bis es funktioniert. Aber andererseits, ja, das ist einfach nicht aufgeben. Man muss einfach den Spaß dabei behalten. Nicht sich irgendwas rein verbeißen und denken, ah, scheiße, das geht jetzt dann nicht. Sondern einfach denken, cool, da darf ich wieder was lernen. Darf ich wieder zeigen, was alles möglich ist. Also, vielleicht an manche Sachen locker rangehen und nicht zu verbissen. Einfach das als Spiel sehen. Also, ich sehe mein Leben, mein ganzes Leben als Spiel.

58:27Marco Brandstaetter

Nimmst

58:27Lucian Haas

du dich selbst mit deinem Handicap manchmal auf den Arm?

58:30Marco Brandstaetter

Durchgehend. Also, ich finde es immer witzig, Witze drüber zu machen. Oder, ja, so manche Leute finden es im ersten Moment nicht so gut, immer ein bisschen komisch. Aber, ja, ich finde es recht witzig. Was ist dein Lieblingswitz eines Handlosen? Boah, habe ich jetzt konkret eigentlich gar keinen. Das ist immer so situationsabhängig, wie es halt dort passt.

58:53Lucian Haas

Gut, Marco. Lassen wir es mal dabei sein. Ich finde es klasse, wie du da auch fliegerisch deinen Weg gehst und so was. Und wünsche dir das, vor allem auch dieses tolle Abenteuer, selbst ein Mehr -Tages -Hike -and -Fly dann da zu machen, dass du das im nächsten Jahr auch erfüllen kannst. Wäre übrigens etwas, was ich selber gerne auch mal machen würde. Von daher gucke ich schon ganz neidisch, wenn dir das wirklich auch gelingt. Vielleicht können wir ja dann nochmal noch einen Podcast nachschieben. Dann erzählst du, welche Erfahrungen du dann damit noch gemacht hast. Auf jeden Fall wünsche ich dir damit alles Gute. Und danke dir für deine Erzählung und für deine ganze Lebensfreude. Macht einfach Spaß, dir zuzuhören.

59:31Marco Brandstaetter

Ja, vielen, vielen Dank. Hat mir auch viel Spaß gemacht.

59:39Lucian Haas

Das war Marco Brandstetter im Gespräch mit Lucian Haas. In den Shownotes zu diesem Blog habe ich einige Links mit Bezug zu dieser Podcast -Folge zusammengestellt. Darunter auch die Adressen der von Marco geführten Webshops von FitFlip und TerraTerm. Wenn dir Podz-Glidz gefällt, dann empfiehle den Podcast auch weiter. Alle bisherigen Podcast -Folgen findest du auf Looglites und Soundcloud, sowie bekannten Audiokatalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc. Um keine neue Folge zu verpassen, kannst du Podz-Glidz auch gleich in deinem Podcatcher abonnieren. Am besten wirst du gleich auch bei mir sein. Dann bist du auch noch zum Förderer von Podz-Glidz und Looglites. Denn damit hilfst du mit, dass ich dir auch in Zukunft noch viele weitere interessante Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens präsentieren kann.

1:00:25Lucian Haas

Bis dahin. Ciao.

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