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46. Speed - Beni Kälin

// Beni Kaelin, Lucian Haas · 2020-12-23 · 01:12:32 · original episode

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[show notes]
Beni Kälin ist einer der erfahrensten Speedflyer-Piloten. Ein Gespräch über die Faszination des bodennahen Fliegens und seinen Umgang mit dem Risiko. +++ Speedflying, das ist das bodennahe Heruntersausen an Hängen – mit entsprechend kleinen Schirmen von zum Teil deutlich unter zehn Quadratmeter Fläche. In Action-Videos sieht man Piloten, die mit hoher Geschwindigkeit in Ameisenkniehöhe über die Grasnarben von Skipisten fräsen, in schmalen Schluchten kopfüber sogenannte Fassrollen fliegen, um schließlich vor der Landung mit einer spektakulären Sturzkurve nochmals zusätzlichen Speed aufzubauen, den sie für ein langes, horizontales Ausgleiten benötigen. Wer solche Bilder kennt, wird kaum an der Einschätzung zweifeln: Speedflying ist wohl die gefährlichste Variante der Gleitschirmfliegerei. Die Speedflying-Szene hat etliche Tote zu beklagen. Allerdings gilt fürs Speedflying die gleiche Grundregel wir fürs Gleitschirmfliegen: Das Risiko ist immer relativ zu sehen zu der Art und dem Könnensstand, wie man den Sport betreibt. Einer, der das besonders gut einschätzen kann, ist der Schweizer Beni Kälin. Beni ist einer der erfahrensten Speedflyer der Welt. Vor 14 Jahren ist der heute 34-jährige dieser Flugdisziplin verfallen und hat seither diesen Sport entscheidend mitgeprägt. In dieser 46. Folge von Podz-Glidz erzählt Beni von seiner Leidenschaft. Es geht unter anderem darum, was ihn am bodennahen Fliegen so fasziniert; wo die Unterschiede zum normalen Gleitschirmfliegen liegen und warum er sich unterm Speedflying-Schirm sogar sicherer fühl. Er berichtet, wie sich seine Risikobereitschaft mit der Zeit verändert hat; warum es so gut wie keine Frauen unter den Speedflyern gibt und wie man das Speedflying selbst erlernen kann. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Always the Same | Artist: SefChol Download: https://www.youtube.com/watch?v=gCdq6Gqt5TY&t=185s

[transcript]

0:10Beni Kaelin

Geschwindigkeit ist einfach dein Freund im Bodennähefliegen, weil wenn du Geschwindigkeit hast, dann kannst du auch immer massiv steigen, wenn du willst. Aber wenn du ausgehungert, also langsam im Bodennähe fliegst, dann hast du diese Option vom Wegsteigen nicht. Und dann wird es sehr schnell sehr gefährlich.

0:44Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:47Beni Kaelin

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:51Lucian Haas

Heute mit Benny

0:52Beni Kaelin

Kählin und

0:53Lucian Haas

Lucian Haas am Mikrofon.

0:57Lucian Haas

Speedflying, das ist das bodennah heruntersausen an Hängen mit entsprechend kleinen Schirmen von zum Teil deutlich unter zehn Quadratmeter Fläche. In Actionvideos sieht man Piloten, die mit hoher Geschwindigkeit in Ameisenkniehöhe über die Grasnarben von Skipisten fräsen, in schmalen Schluchtenkopf über sogenannte Fassrollen fliegen, um schließlich vor der Landung mit einer spektakulären Sturzkurve nochmals zusätzlichen Speed aufzubauen, den sie für ein langes horizontales Ausgleiten benötigen. Wer solche Bilder kennt, wird kaum an der Einschätzung zweifeln. Speedflying ist wohl die gefährlichste Variante der Gleitschirmfliegen. Die Speedflying -Szene hat etliche Tote zu beklagen. Allerdings gilt für Speedflying die gleiche Grundregel wie fürs Gleitschirmfliegen. Das Risiko ist immer relativ zu sehen zu der Art und dem Könnenstand, wie man den Sport betreibt.

1:47Lucian Haas

Einer, der das besonders gut einschätzen kann, ist der Schweizer Benny Kählin. Benny ist einer der erfahrensten Speedflyer der Welt. Vor 14 Jahren ist der heute 34 -jährige dieser Flugsdisziplin verfallen und hat seither diesen Sport entscheidend mitgeprägt. In dieser 46. Folge von Podz-Glidz erzählt Benny von seiner Leidenschaft. Es geht unter anderem darum, was ihn am bodennahen Fliegen so fasziniert, wo die Unterschiede zum normalen Gleitschirmfliegen liegen und warum er sich unterm Speedflying -Schirm sogar sicherer fühlt. Er erzählt, wie sich seine Risikobereitschaft mit der Zeit verändert hat, warum es so gut wie keine Frauen unter den Speedflyern gibt und wie man das Speedflying selbst erlernen kann. Vor Benny's Auftritt noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache. Podz-Glidz und der zugehörige Blog Luglite stehen kostenfrei im Netz.

2:34Lucian Haas

Sie sind aber nicht kostenlos, denn ich investiere unter anderem einiges an Arbeitszeit als freier Journalist hier hinein. Anders gesagt, Podcast und Blog sind Teil meiner Lebensgrundlage. Es würde mich sehr freuen, wenn du mir als Förderer hilfst, dieses Angebot in seiner unabhängigen und werbefreien Zeit zu vermitteln. Das ist eine gute Form, aufrechtzuerhalten und auszubauen. Wie du zum Förderer werden kannst, steht auf der Website von Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern.

3:01Lucian Haas

Benny, lass uns mal über Geschwindigkeit sprechen. Was ist Speed für dich? Ist das eine Sucht?

3:09Beni Kaelin

Nein, als Sucht würde ich es nicht bezeichnen. Speed ist für mich nicht die absolute Geschwindigkeit, sondern relativ zum Boden. Mittlerweile fliege ich eigentlich am liebsten mit einem bisschen grösseren Schirm, so 10, 12 Quadratmeter, und dafür einfach sehr nah über dem Boden, sehr präzise. Das taugt mir besser, als mit einem 6 Quadratmeter ein bisschen höher zu fliegen.

3:35Lucian Haas

Ist das, also diese Nähe zum Boden, ist das etwas, wo du sagst, das intensiviert dieses Geschwindigkeitserlebnis, oder warum taugt dir das mehr? Was ist das Interessantere für dich dabei?

3:45Beni Kaelin

Man kann einfach mit einem bisschen grösseren Schirm hat man viel mehr Bereich, wo man spielen kann, und es ist nicht ganz so gefährlich, das heisst, man kann sich auch deutlich näher ran trauen. Es ist dadurch, dass es nicht ganz so schnell ist wie mit einem 6 Quadratmeter, kann man eigentlich näher fliegen, es ist spielerischer, und von der Geschwindigkeit her kommt es einem aber genau gleich schnell vor.

4:11Lucian Haas

Du sagst jetzt spielerisch und sowas, aber da steckt schon noch dieser Thrill dahinter, oder ist das für dich gar kein Thrill, sondern einfach wirklich nur Spiel mit dem Gelände?

4:20Beni Kaelin

Ja, Thrill ist vielleicht das falsche Wort, für mich ist es mehr ein Flow. Also, für mich ist Adrenalin mehr so, wenn man so zittrig wird, oder? Adrenalin habe ich eigentlich nur, wenn ich etwas mache, was ich wirklich Angst davor habe. Zum Beispiel bei meinen ersten Basejumps hatte ich das, oder wenn irgendwie du mal etwas machst, wenn etwas schief läuft und du merkst, wow, jetzt hatte ich Schwein gehabt, dann bist du so zittrig. Das ist für mich Adrenalin. Aber beim Speedflying versuche ich das eigentlich zu vermeiden. Was ich will, ist nur dieses Flow -Gefühl. Das heisst, dass irgendwie dieses Erlebnis absolut in der Kontroll-, in der Komfortzone ist und nicht irgendwo darüber, und dann ist da für mich eigentlich gar nicht viel Adrenalin dabei.

5:11Beni Kaelin

Es ist mehr dieser Flow, den ich da suche.

5:15Lucian Haas

Was heisst für dich Flow? Also, was passiert dann in deinem Kopf in dieser Situation?

5:21Beni Kaelin

Flow, schwierig zu beschreiben. Ich würde es beschreiben, als dass irgendwie die Aufgabe, die du ersetzt, du mit deinem Können erfüllen kannst. Und durch diesen Geschwindigkeitsrausch, den man da kriegt, kommt man einfach in diesen Flow hinein, wie man es beim Tiefschneefahren auch hat, oder beim Wellenreiten, oder beim Mountainbiken.

5:49Beni Kaelin

Ja, wo man halt nicht viel anders denkt. Ja, wo man einfach denken kann im Moment und wirklich da in der Sache selber aufgeht und sich auf dieses Eine konzentrieren muss.

6:00Lucian Haas

Nun machst du ja die verschiedensten Spielarten des bodennahen Fliegens. Du machst Speedriding, du machst Speedflying, du hast auch schon Wingsuitflying gemacht und sowas. Was von diesen verschiedenen Disziplinen gibt dir denn am meisten den Flow?

6:16Beni Kaelin

Ja, mir tagt momentan das Fliegen ohne Ski eigentlich am besten. Einfach zu Fuss in Bodennähe fliegen. Weil da kann man am präzisesten fliegen und muss man auch am präzisesten fliegen. Mit den Skiern in Bodennähe fliegen ist weniger interessant, weil man hat ja immer die Möglichkeit einfach Ski zu fahren, wenn man sich verschätzt in der Gleitsaal her. Und zu Fuss, man will ja da nicht mitten am Berg landen, ist die Möglichkeit klar. Man kann, mit dem Wingsuit kann man es nicht, da fährt man gleich. Mit dem Speedfly kann man, aber will man natürlich nicht. Und ja, mir taugt das absolut am besten. Mit dem Wingsuit habe ich das auch gemacht. Ich habe ungefähr 300 Wingsuit Basejump -Sprünge gemacht. Aber für mich einfach gemerkt, dass es zu wenig spielerisch ist.

7:02Beni Kaelin

Man kann nie so nah am Gelände fliegen, wie mit einem Speedflyer über längere Zeit. Man kann zwar über kurze Zeit mal mit einem Wingsuit einen halben Meter an einem Baum vorbeifliegen oder mal 100 Meter über den Grashang fliegen. Oder wenn man das richtige Gelände hat, gibt es auch mal einen Cool -Var, aus dem man 300 Meter über den Grashang fliegt. Aber du kannst mit einem Speedflyer nie einen ganzen Berg runter fliegen in totaler Bodennähe. Und das ist das, was mir am Speedflyer so taugt, dass man einfach sich Lines suchen kann. Und vom Gelände her ist es auch möglich, dass man sehr oft lange in Bodennähe fliegen kann. Und das Ganze ist einfach dadurch, dass man auch mal landen kann. Wenn man sich verschätzt, ist es einfach deutlich spielerischer.

7:47Beni Kaelin

Gerade eben mit diesen grösseren Schirmen. Mit einem 6 -Quadratmeter -Schirm kannst du nicht im Hang landen. Das geht nicht. Das gibt nur eine Bruchlandung. Da muss es einfach flach sein. Aber ich sage mal, mit einem 12 -Quadratmeter -Schirm kann ich auch mal am Hang landen, wenn ich mich verschätze, und dann weiter runter gehen, bis es wieder steil genug ist und wieder starten. Und das taugt mir momentan am besten.

8:07Lucian Haas

Das Wingsuit -Fliegen hast du ja mittlerweile aufgegeben. Warum?

8:11Beni Kaelin

Da sind einfach zu viele Leute gestorben dabei. Und ich habe einfach auch für mich gemerkt, eben dieses spielerische Feld. Und habe das einfach so eingeschätzt, dass das Risiko für mich selber da wirklich zu hoch ist. Ich mache gerne, wenn ich etwas mache, mache ich das richtig und intensiv. Und beim Wingsuit -Based Jumping wird es einfach richtig, richtig gefährlich, wenn man das intensiv macht.

8:34Lucian Haas

Hat das auch etwas mit dem Alter zu tun? Dass deine eigene Risikowahrnehmung mit dem Alter anders geworden ist? Dass du vor 10 Jahren viel riskanter vielleicht noch unterwegs warst und mehr den Thrill als den Flow vielleicht gesucht hast, und sich so etwas verändert?

8:49Beni Kaelin

Ich glaube weniger. Ich habe schon vor 8 Jahren aufgehört mit dem Wingsuit -Based Jumping. Und ich war auch immer sehr, sehr vorsichtig beim Speedflying. Ich bin einfach grundsätzlich ein ängstlicher und vorsichtiger Typ. Und ich glaube nicht, dass ich mich da jetzt massiv geändert hätte in der Risikowahrnehmung und der Einschätzung. Ich habe einfach das unbedingt machen wollen, das Wingsuit -Based Jumpen. Und dann gemerkt, hey, es ist nicht das Geilste, was ich je gemacht habe. Und während den zwei Jahren, in denen ich es gemacht habe, sind doch ein paar, die ich gekannt habe, dabei gestorben. Und dann habe ich einfach gesagt, hey, nein, ich lasse das sein.

9:24Lucian Haas

Heute gibst du ja als einer der weltweit erfahrensten Speedflyer. Lass uns mal so ein bisschen zurückblicken. Wie bist du überhaupt dazu gekommen? Also wie hast du das Speedflying gelernt?

9:35Beni Kaelin

Auf Ski, also Speedriding würde man dem heute sagen.

9:40Beni Kaelin

Ich habe da einen Schirm ausgeliehen und habe das mal probiert. Und das hat mir sofort getaugt. Aber ich glaube, so der Ursprung... Der Funke, der ist da bei einem Fallschirmkurs vom Militär rübergesprungen. Da haben wir uns so einen Film angeschaut, wo da die Fallschirmspringer mit diesen kleinen Schirmen halt in Bodennähe geflogen sind. Und das hat wirklich so gut ausgeschaut, dass ich gesagt habe, hey, das will ich auch mal probieren. Und kurz darauf hat Jin da diesen ersten Nano Speedflyer auf den Markt gebracht. Und dann habe ich das gleich ausprobiert und war Feuer und Flamme.

10:14Lucian Haas

Wie alt warst du damals?

10:17Beni Kaelin

Das war 2006. 2006, da war ich... gute Frage. Das sind 14 Jahre her, da war ich 20. 19, 19 sogar wahrscheinlich.

10:30Lucian Haas

Gleitschirmfliegen konntest du damals aber auch schon? Oder hast du nur halt, weil du sagst vom Militär her, hast du da quasi eine Fallschirmausbildung gemacht und hast gesagt, jetzt will ich das auch mal vom Berg aus probieren?

10:41Beni Kaelin

Nein, ich habe da auch schon Gleitschirm geflogen. Allerdings war ich da auch ein Anfänger. Also ich habe da vielleicht 100 Gleitschirmfliegen gehabt, als ich das zum ersten Mal probierte. Und ich konnte auch nicht gut Skifahren. Ich war damals angefressener Snowboarder und habe das auf dem Snowboard tatsächlich gemacht damals. Und habe bestimmt meine ersten 60 Flüge mit dem Snowboard gemacht, bis ich dann mal auf Ski umgestiegen bin.

11:02Lucian Haas

Kann man denn sinnvoll Speedriding machen mit dem Snowboard?

11:05Beni Kaelin

Nein, sinnvoll nicht. Man kann starten und landen, das geht sehr gut. Aber Reiten ist eher mühsam, weil man sich halt immer twisten muss.

11:14Lucian Haas

Jetzt hilf mir mal und auch den Hörern so ein bisschen kurz mit einer Definition. Also du sprichst von Speedriding, sprichst von Speedflying und dann gibt es noch das Gleitschirmfliegen. Was grenzt eigentlich diese Disziplinen voneinander hauptsächlich ab? Das

11:29Beni Kaelin

ist schwer zu sagen. Ich würde sagen, da gibt es gar keine Grenze. Als ich angefangen habe, da gab es einfach Speedflyer 10, 12, 13, 14 und Gleitschirme grösser als 20. Aber mittlerweile kannst du Speedflyer in 17 Quadratmeter kaufen, kannst aber auch ein Gleitschirm in 12 Quadratmeter kaufen. Also für mich sind die Definitionen völlig fliessend. Aber Speedriding ist für mich auf Ski fliegen und immer wieder touch and go machen und halt versuchen auch zu reiten. Speedflying ist für mich zu Fuss mit kleinen Schirmen fliegen und einfach möglichst nahe am Hang entlang fliegen. Und dann Minibing fliegen ist für mich mehr mit etwas grösseren Schirmen, kleinen Gleitschirmen, so 15 bis 20 Quadratmeter.

12:18Beni Kaelin

Aber nicht unbedingt in Bodennähe, sondern einfach rausfliegen, ein paar Wingo und ein paar Kreise ziehen und so. Und Gleitschirmfliegen muss ich auch nicht definieren.

12:28Lucian Haas

Wenn du jetzt sagst, das Speedflying ist hauptsächlich dieses bodennahe Fliegen, damit man bodennah bleibt, dann auch viel mit kleinen Schirmen, damit man auch gar nicht so viel Auftrieb hat und da viel Speed entsprechend aufbauen kann. Was muss man denn vom Können her als Speedflyer vielleicht technisch draufhaben, was man als Gleitschirmflieger gar nicht braucht?

12:50Beni Kaelin

Gute Frage. Das Gelände lesen, gut vorausschauen und dieses Abtauchen vom Schirm beherrschen. Also man muss sehr gut voraussehen können und einschätzen können, wie stark der Schirm jetzt taucht, wenn man eine Kurve fliegt. Und wie reagiert der Schirm genau, wie viel muss ich ziehen, damit er wie viel Auftrieb macht. Es ist ein bisschen wie Dünen fliegen. An der Düne, dieses hangnahe Spielen, dort lernt man das eigentlich ziemlich gut.

13:23Lucian Haas

Das heisst, wenn man das Speedflying starten sollte, würdest du sagen, vielleicht geht ihr am besten erstmal mit eurem Gleitschirm an die Düne und lernt da schon mal dieses spielerische Umgehen mit einem grösseren Schirm und dann könnt ihr das mit der Speed auch an einem Hang mit einem Speedflyer dann entsprechend machen. Das

13:39Beni Kaelin

hilft sicher in der Düne fliegen, genau. Was noch mehr hilft, ist dann mit einem Miniwing an der Düne fliegen. Aber schlussendlich am meisten der einfachste Einstieg, in Speedflying ist, wenn man vor allem viele Flüge auf dem Miniwing sammelt. Das hat sich jetzt über die Jahre gezeigt. Ich bin jetzt schon zwölf Jahre am unterrichten im Speedflying und da hat man jetzt schon gesehen, Leute, die da jetzt 50, 100 Flüge oder mehr auf einem Miniwing gemacht haben, die hängen sich an einen Speedflyer dran und die kommen sofort klar mit dem Ding. Also ich habe sogar einen gehabt, der hat mehrere hundert Flüge an einem Miniwing gehabt und ich habe dem Speedflyer in die Hand gedrückt und der ist mit dem runtergeflogen. Das hat ausgeschaut, als ob er das schon jahrelang machen würde.

14:24Lucian Haas

Du hast gerade gesagt, viel kommt darauf an, man muss das Gelände lesen können. Ist das eigentlich dann ein Geländelesen quasi on the fly, also im Flug? Du fliegst einfach eine neue Linie und sagst, jetzt muss ich das erkennen können? Oder bereitest du dich auf solche Flüge dann anders noch vor? Gehst erst zu Fuß so ein Gelände ab oder guckst in Google Earth und guckst dir so ein Gelände da an und versuchst da dann gedanklich schon deine Linien reinzunehmen? Was heisst Geländelesen in dem Fall?

14:50Beni Kaelin

Beides. Also wenn ich eine neue Linie fliege, dann schaue ich mir das erstmal auf Google Earth an, schaue mir dann auf der Schweizer Topokarte an, schaue ungefähr die Neigung vom Gelände, was da ungefähr die Gleitzahl ist, die man braucht. Und fliege dann das erstmal mit dem Gleitschirm ab zum Beispiel oder einfach fliege mit dem Speedflyer hoch drüber und schaue mir das mal ein bisschen von oben an oder einfach halt so tief, wie ich mich jetzt da gerade befinde. Das kann ja relativ übersichtlich sein, da kann ich mich auch schon ziemlich tief wagen. Und wenn es dann unübersichtlich ist, dann fliege ich erstmal höher raus und schaue mir das genauer an.

15:27Lucian Haas

Wie viele Runs brauchst du als erfahrener Pilot, um zu sagen, jetzt traue ich mich wirklich nah an so ein Gelände ran? Ist das dann schon beim zweiten Mal, wenn du sagst, einmal drüber geflogen, jetzt habe ich mir die wichtigen Stellen gemerkt? Oder ist das teilweise wirklich so wie, ja, manche Bergkletterer, die dann an einer Route zehn Tage lang jeden Tag neu probieren, und sagen, okay, diese eine spezielle Stelle, die muss ich noch anders schaffen können und die Angriffe irgendwie anders setzen und sowas. Also, dass man da auch sagt, okay, diese Stelle muss ich mit einer Kurve anders anfliegen, dass ich da besser durchkomme oder sowas. Ist das wirklich so ein Abarbeiten auch am Gelände?

16:02Beni Kaelin

Ja, gute Frage. Ich mit meiner Erfahrung mittlerweile brauche so drei, vier Flüge und dann bin ich da eigentlich schon ziemlich gut eingeflogen auf so eine Linie. Aber als Anfänger braucht das natürlich viel, viel mehr.

16:15Lucian Haas

Nun sagst du, du hast ja schon zehn Jahre lang da gearbeitet. Du hast jetzt auch, startest gerade eine eigene Flugschule, die speedflyingschool.com in der Schweiz. Dort kann man dann Kurse im Speedriding und Speedflying buchen. Wie einfach würdest du denn sagen, ist es, wenn ich so als nur Gleitschirmflieger komme und sage, ich möchte jetzt das Speedflying lernen? Wie schnell kannst du mir das beibringen? Also zu Fuß? Zu Fuß, ja. Zu Fuß möchtest

16:40Beni Kaelin

du fliegen, ja?

16:41Lucian Haas

Ich bin kein guter Skifahrer. Ich könnte auch nur mit dem Snowboard irgendwo runter, aber dann sagst du, das funktioniert nicht so gut. Also dann lieber zu Fuß.

16:48Beni Kaelin

Genau. Ja, zu Fuß hängt es extrem von deiner Flugerfahrung ab. Du bist sicher ein Spitzenpilot. Du wirst das relativ schnell lernen, oder? Du hast auch Dünnererfahrung, kannst in Bodennähe fliegen und du wirst das sehr schnell klarkommen mit dem Speedflyer. Also ich denke, wenn du da eine Woche in den Kurs kommst, dann wirst du da Ende Kurs mit einem 13er schon ziemlich flott unterwegs sein und dich da trauen, ein bisschen in Bodennähe zu fliegen und ziemlich schnell vertrauen finden. Wie

17:19Lucian Haas

sieht dann so ein Kurs aus bei dir, wenn man sagt, man macht das jetzt eine Woche?

17:26Lucian Haas

Du setzt ja voraus, dass man schon einen Gleitschirmschein hat, also man muss schon ein bisschen was können. Aber was lernt man dann so quasi am Anfang und was sind so die Schritte, mit denen man herangeführt wird dann an Speedflyern? Was kommt da quasi noch als zusätzliche Sache, zusätzlicher Kenntnisstand dazu, den ich dann lernen muss?

17:44Beni Kaelin

Genau. Also wir schauen uns mal so ein bisschen die Unterschiede beim Starten an, beim Landen. Und beim Fliegen. Beim Starten ist es vor allem die kurze Aufziehphase, oder? Mit den kurzen Leinen, der Schirm ist sehr schnell über dem Kopf. Dann eine sehr lange Beschleunigungsphase. Das kann man sehr gut im Flachen üben. Groundhandle, einfach vorwärts starten üben. Beim Flug muss man mit dem Rollen klarkommen. Dieses starke Rollen von den Speedflyern, das ist ziemlich ungewohnt. Ausser die Leute haben eben schon Minivingerfahrung, dann kennen sie das bereits. Und beim Landen ist das Hauptproblem, äh, das Durchziehen, das Flaren von den Bremsen, das macht man beim Gleitschirm, ich sage jetzt mal, eher zügig. Und beim Speedfly, wenn man das zu schnell macht, schiesst man einfach gleich wieder in die Höhe, wie eine Rakete, und kommt dann umso schneller und härter wieder runter, oder?

18:33Beni Kaelin

Und da muss man echt lernen, mit Gefühl dosiert die Bremsen durchzuziehen, oder? Aber es ist auch wichtig, dass man sie eben durchzieht. Weil ein kleiner Schirm, dann kann es nicht einfach landen, ohne zu bremsen, wie das mit dem Gleitschirm bei Anfängern oft beobachtet wird. Dass die Schüler das einfach ausrennen, ohne gescheit zu bremsen, das funktioniert hier nicht.

18:53Lucian Haas

Aber geht man dann auch erst quasi an einen Speedflying -Übungshügel, Übungshang? Gibt es sowas? Oder heisst Speedflying -Übung erstmal nur, okay, wir fliegen im grösseren Abstand, jetzt probiert erstmal aus, wie die Reaktionen von den Schirmen sind, und dann heisst es nicht, wir gehen jetzt wie beim Gleitschirmfliegen immer höher irgendwo hinauf, sondern nur, wir wagen uns immer näher an das Gelände heran und kommen damit diesem Speedflying immer näher.

19:16Beni Kaelin

Ähm, Übungshang wäre toll. Es müsste aber wirklich flachauslaufend sein, oder? Die meisten Übungshänge, die wir da bei uns haben, die sind nicht flachauslaufend, sind ein bisschen buckelig auch, und dann ist es einfach zu gefährlich, dort zu üben mit dem Speedflyer, wenn man einfach mit viel Geschwindigkeit kommt, oder? Deshalb habe ich es bis jetzt so gemacht, dass wir einfach direkt Höhenflüge gemacht haben, nach Groundhandling, und das hat bisher sehr gut funktioniert, weil dann hat man einen Landeplatz, man kann sich auf den Wind konzentrieren, man kann schön gegen den Wind landen, und dann ist es absolut machbar. Aber das hängt natürlich absolut von der Flächenbelastung ab, oder? Also das Wichtigste ist, dass man da jedem seinem Können entsprechend einen Schirm gibt, der wirklich gross genug ist für ihn und nicht zu klein, oder?

20:03Beni Kaelin

Dann wird es sehr schnell sehr schwierig.

20:05Lucian Haas

Und steht da jetzt auch wieder ein ganz klassischer Fluglehrer am Landeplatz mit dem Funkgerät und sagt so bei den ersten Flügen, ich zeige dir erstmal jetzt, wie man da am besten die Landeinteilung macht und wann du jetzt, wo die Bremse ziehst und wie stark, oder wie läuft sowas ab?

20:20Beni Kaelin

Bisher haben wir es immer ohne Funkgerät gemacht, aber beim letzten Kurs hatte ich den Eindruck, dass es wahrscheinlich doch etwas helfen würde, auch mit Funkgerät, gerade beim Einteilen halt, oder? Das Landen selber, mit dem Funk ist man immer ein bisschen zu spät, oder? Und da denke ich, gerade beim Flairen so, ist man dann auch mit dem Funk ein bisschen zu spät, aber das grobe Einteilen kann einem Schüler wahrscheinlich ein bisschen helfen. Muss ich noch ein bisschen ausprobieren. Auf Ski haben wir es bisher auch nie gemacht.

20:50Beni Kaelin

Aber wir machen es einfach immer so, dass es halt in einem Rahmen ist, wo man Fehler passieren darf, aber sich nicht gleich verletzt, oder? Und auf Ski funktioniert das wirklich sehr gut. Wenn man auch ungebremst mal landet am Speedfly, dann klappt der Schirm ein, aber man fährt weiter und es ist nicht so tragisch. Oder wenn man auch zu früh bremst oder zu schnell, oder? Die Ski, die stecken da echt schon sehr, sehr viel weg.

21:14Lucian Haas

Ist es so gesehen sinnvoller, dann wirklich mit dem Speedrunner? Oder mit dem Riding anzufangen, um zu sagen, da ist vielleicht auch das Verletzungsrisiko kleiner, als wenn man direkt Fussstart mässig auf einer Wiese anfängt und landemässig auf einer Wiese auch wieder auslaufend landen muss, anstatt einfach auszugleiten mit den Skiern?

21:33Beni Kaelin

Grundsätzlich würde ich sagen schon, ja. Wenn jetzt aber jemand wie du nicht gut Skifahren kann, dann ist es dann einfach noch eine zusätzliche Schwierigkeit mit den Skiern, das Ganze zu managen. Und da zeigt einfach die Erfahrung, dass das mega viel ausmacht, oder? Dann ist es dann vielleicht doch besser, direkt zu Fuss anzufangen. Man muss sich einfach ein bisschen langsamer daran herantasten. Eher vielleicht eine grössere Größe nehmen zu Fuss, als man auf Ski nimmt und da halt wirklich genug Flüge machen. Aber dann geht das auch.

22:03Lucian Haas

Wo siehst du eigentlich bei diesen Speedflying -Neulingen, die schon gleich zum Fliegen können, aber sich jetzt daran heranwagen, wo siehst du die grössten Umstellungsprobleme?

22:14Beni Kaelin

Sicher im Flug beim Rollen. Dass sie mit diesem Rollen nicht klarkommen. Wenn sie das vom Mini -Wing noch nicht so kennen, das einteilen. Die meisten kommen zu kurz, oder? Weil halt die Gleitzahl nur halb so viel ist wie am Gleitschirm. Und beim Starten auch, dass sie sich vielleicht mal ein bisschen früh hinsetzen, zu wenig lang rennen. Das sind so die klassischen Fehler.

22:40Lucian Haas

Und gibt es Sachen, wenn man jetzt so einen Speedflying -Kurs macht, wo du sagen würdest, da profitiert man auch als Gleitschirmflieger davon? Also wenn ich jetzt als Speedflyer unterwegs bin, gibt es da Sachen, die man im Grunde nur dort lernt, durch den Anspruch, den man da hat, geländenahes Fliegen usw., wo man sagt, davon kann ich als Gleitschirmflieger letztlich auch profitieren?

23:02Beni Kaelin

Absolut, ja. Gerade starten, die Startphase, die halt länger ist, das hilft dann am Gleitschirm auch mal, bei Abwind zu starten. Das Landen, dieses dosierte Durchziehen der Bremsen, hilft auch beim Gleitschirm, saubere Landungen zu machen. Oder gerade am Tandemschirm auch. Wo das ja dann sehr, sehr wichtig ist. Und gerade beim Speedriding selber, wenn man über Bodenwellen fährt, also wenn man am Ski fahren ist mit dem Schirm über dem Kopf, dann muss man eigentlich aktiv den Schirm pilotieren. Und das ist genau gleich wie aktiv fliegen in der Luft. Also man muss eigentlich den Schirm durch dosierten Zug an den Bremsleinern immer offen halten. Weil wenn man ein bisschen hochfährt über eine kleine Bodenwelle, dann entlasten die Leinen, die werden weich.

23:47Beni Kaelin

Der Schirm steigt nach oben, wenn du als Pilot hochfährst, dann steigt der Schirm wieder nach oben. Das ist eigentlich genau das Gleiche, wie wenn du als Pilot in einen Abwind hineinfliegst. Ob jetzt die Luft sinkt oder dein Schirm steigt, ist ja genau das Gleiche. Das heisst, du musst aktiv den Schirm offen halten beim Fahren, dass der nicht einklappt. Und ich denke, das hilft auch beim Aktivfliegen ein bisschen, auch wenn es nicht genau das Gleiche ist.

24:11Lucian Haas

Aber ich dachte, man hört immer so, Speedflyer können gar nicht klappen. Jetzt sagst du, wenn dein Schirm einklappt, was stimmt denn jetzt?

24:18Beni Kaelin

Ja, beim Reiten können die schon einklappen. Beim Reiten kann jeder Schirm einklappen. Wenn du die Leine entlastest, dann klappt jeder Schirm weg. Und in der Luft ist es schon so, dass die Speedrider deutlich später einklappen, als es ein Gleitschirm macht. Aber die können auch in der Luft einklappen. Die klassischen Speedrider mit den Fallschirmprofilen, die schlagen aber so schnell wieder auf, dass wenn du einen Klapper hast, dass du eigentlich in dem Moment, wo du hoch schaust, keinen Klapper siehst. Der ist bereits wieder geöffnet.

24:48Lucian Haas

Weil da so wenig Luftvolumen ist, was ich wieder füllen muss im Schirm? Oder einfach vom Speed her, weil das so schnell nach oben geschnalzt wird, aerodynamisch gesehen, oder was ist da los?

24:58Beni Kaelin

Das ist eine gute Frage, was es genau ist. Ich denke, es hängt vor allem mit dem Profil zusammen. Aber das ist dann schlussendlich sehr physikalisch und technisch. Da bin ich auch nicht 100 % sicher, was es genau ist. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass die einen Profile deutlich schneller öffnen als die anderen.

25:16Lucian Haas

Gehen denn alle Klapper beim Speedflyer auch wieder auf? Oder kommt es vor, dass man einen eingeklappten Zustand behält? Oder gibt es da Verhänger? Oder ist das eigentlich durch die geringe Spannweite bzw. Streckung, die solche Schirme haben, kommt das eigentlich gar nicht vor?

25:33Beni Kaelin

Genau, wie du sagst. Verhänger kommen da nicht vor oder die klappen zwar ein, aber schlagen gleich wieder auf und verhängen nicht, weil die Streckung so gering ist. Beim Fahren dort kann es passieren, weil man halt langsam fährt, hat man wie zu wenig Druck drin und der Anstellwinkel wird dann nicht hoch genug. Da muss man den Schirm wieder aktiv aufpumpen, manchmal beim Fahren, aber beim Fliegen nie.

25:56Lucian Haas

Sind denn dann Klapper für Speedflyer riskant? Oder ist es eigentlich ein Non -Event? Man hört es halt schnalzen, aber weil du sagst, wenn du hoch guckst, ist der Schirm schon wieder da. Oder kann das trotzdem wirklich gefährlich sein?

26:10Beni Kaelin

Bisher mit den allermeisten Speedflyern, die so ein reines Fallschirmprofil haben, ist es eher unproblematisch. Das schnalzt zwar, aber öffnet gleich wieder, ohne dass es eigentlich fast nichts abtritt. Es gibt aber Schirme, die so ein bisschen mehr Richtung Gleitschirmprofile gehen, die dann auch mehr Leistung haben, mehr Gleitsaal, wo ich schon auch Videos gesehen habe, wo Leute da gleich einen 360er machen und einfach 150 Meter tiefer sind nach dem Klapper. Und das hat schon auch schlimme Unfälle gegeben wegen dem. Und ich denke, dort liegt genau die Schwierigkeit, jetzt die Speedflyer noch schneller zu machen

26:50Beni Kaelin

und noch mehr Gleiten reinzubringen, ohne dass die viel gefährlicher werden.

26:56Lucian Haas

Erklär mal kurz für so einen Normalhörer, viele werden das wahrscheinlich nicht wissen, was ist denn der Unterschied zwischen einem, wie du sagst, klassischen Speedflyer -Profil, wo du sagst, ein Fallschirmprofil, und so einem normalen Gleitschirmprofil? Und wo nähern sich die beiden konstruktiv quasi an? In der Entwicklung von den Speedflyern?

27:17Beni Kaelin

Jawohl, genau, das ist sehr interessant. Dieses klassische Fallschirmprofil, das muss man sich vorstellen, wie man einen Gleitschirm bei der Eintrittskante einfach durchschneiden würde zur Austrittskante. Und diese Wölbung, die unten am Untersägel vom Gleitschirm ist, die schneidet man einfach weg. Also das heisst, der reine Speedflyer, das Fallschirmprofil, das ist unten gerade. Das hat keine Wölbung. Und dadurch verliert man viel Leistung, aber es macht das Profil auch klappstabiler.

27:48Beni Kaelin

Früher hatten das die Fallschirme und die Gleitschirme auch, und da hat man die Profile dann geändert und dann gab es dann diesen Leistungssprung.

27:56Lucian Haas

Jetzt gibt es aber, sagst du da selber immer mehr, auch solche Speedflyer bzw. kleine Schirme, die für Speedflying dann auch eingesetzt werden, die halt jetzt mittlerweile mit diesen Gleitschirmprofilen unterwegs sind. Ist das eine gute Entwicklung?

28:10Beni Kaelin

Ja, ich glaube, so richtig reine Gleitschirmprofile gibt es noch nicht. Es gibt so Zwischendinger, wo man dann am Experimentieren ist und ich finde schon, der Sport braucht das, weil die Speedflyer haben einfach zu wenig Leistung. Da kann man nur relativ steiles Gelände fliegen und es gibt aber sehr viele Waldschneisen von Skigebieten oder anderes Gelände, was halt relativ flach ist, wo man mit so Schirmen, die halt mehr Gleitleistung haben, richtig toll speedflyen kann.

28:39Beni Kaelin

Aber man muss halt wissen, wo die Grenzen sind. Man darf halt nicht mit Speedflyern, die viel Leistung haben, in sehr, sehr turbulenten Bedingungen fliegen.

28:48Lucian Haas

Das heisst, du als Speedflyer gehst auch beispielsweise nicht zu thermischen Zeiten dann raus, sondern du legst deine Flüge immer nur in die Morgens - und Abendszeiten auch? Oder wie hat man sich das dann vorzustellen?

29:02Beni Kaelin

Genau, also so richtig Speedflyen in Bodennähe, as to grass, sagen wir dem, das ist sowieso nur lustig, wenn es wirklich ganz, ganz ruhig ist. Also sobald es da ein bisschen thermisch wird, und das ist ja im Sommer schon ab 9 Uhr, 10 Uhr der Fall, dann kann man, selbst wenn der Schirm nicht einklappt, kann man nicht mehr mit gutem Gewissen und Sicherheit so in Bodennähe fliegen, weil halt die Thermik einfach mal mal hebt es einen, mal drückt es einen runter und das geht dann einfach nicht mehr präzise fliegen. Da muss es schon wirklich ruhig sein. Also die Speedflyen -Jahreszeit ist eigentlich im Herbst oder im Winter, aber sobald es da thermisch wird, macht das eigentlich keinen Spass mehr, oder?

29:45Lucian Haas

Ich will nur mal ein bisschen zurückspringen zu der Schulung. Wie viele Frauen nehmen eigentlich an so deinen Speedflyen -Schulungen teil? Sind da überhaupt welche dabei? Weil alle Filme, die ich bisher von Speedflyern gesehen habe, sind immer nur Männer. Ich habe noch keine einzige speedflyende Frau in irgendeinem YouTube -Video oder sonstiges gesehen. Ich meine, es gibt eh wenige Frauen, die auch wirklich YouTube -Videos machen. Das ist vielleicht eh auch so ein Männerding. Aber da habe ich immer gefragt, ob sowas überhaupt bei Frauen gemacht wird. Ich kenne zwar eine, die hat mal einen ganz einfachen Speedriding -Anfängerkurs mitgemacht und ist so ein bisschen dann so einen Hang runtergefahren. Das kann ich mir nur vorstellen. Aber dieses klassische Speedflyen, wo du sagst Speed und Thrill und Flow und Bodennah und Ass to Grass, wie du das jetzt nennst oder sowas. Gibt es da wirklich auch Frauen, die sowas machen?

30:33Beni Kaelin

Ganz ehrlich, ich habe auch noch nie eine gesehen, wie ich auch noch keine gesehen habe, die das mit einem Wingsuit macht.

30:40Beni Kaelin

Ich habe den Eindruck, nach zehn Jahren Gleitschirmschulung intensiv ausbilden, dass die Frauen einen Nachteil haben im dreidimensionalen Sehen, dass die anders sehen als die Männer.

30:53Beni Kaelin

Und dass das gerade beim Speedflyen das deutlich schwieriger macht. Dafür kenne ich auch keine Frau, die sich beim Speedflyen deutlich verletzt hat, muss man sagen. Also ich will nicht sagen, die Frauen sind schlechtere Piloten. Die haben einfach andere Qualitäten als die Männer. Aber ich glaube, die Frauen sehen anders als wir Männer. Und dadurch ist es deutlich schwieriger, weil sie einfach dieses räumliche Sehen weniger gut haben als wir Männer. Und das ist beim Speedflyen extrem wichtig.

31:23Lucian Haas

Das heisst, es gibt ja so Theorien der Steinzeit -Evolution oder des Steinzeit -Menschen, wo es heisst, der Mann war der Jäger und der musste immer gucken und schnell das einschätzen können und sich orientieren können und sonst was. Und die Frau hat halt zu Hause, jetzt blöd gesagt, den Rest dort organisiert. Und die Familie organisiert und da alles zusammengehalten. Aber dass das dann sich auch auf die Einschätzung von heutigen Gelände oder die heutige Geländeeinschätzung von Speedflyern auswirkt, ist natürlich eine interessante Theorie.

31:52Beni Kaelin

Ja, bestätigen kann ich es nicht, oder? Es kann es auch sonst niemand wirklich beweisen. Ja, weil entweder ist man ein Mann oder eine Frau, oder?

32:02Lucian Haas

Wenn du heute Speedflyen gehst, hast du ja gesagt, du suchst mehr so diesen Flow am Gelände entlang. Und ich habe jetzt gerade so in den letzten Tagen, auch in Vorbereitung auf diesen Podcast, habe ich so ein paar Videos von dir angeguckt, auch so aus der letzten Zeit. Da bist du viel auch, beispielsweise mit so einem Nova Bantam unterwegs, ich glaube zehn oder zwölf Quadratmeter sind das dann so. Und dann sieht man dich wirklich so einen Meter oder noch niedriger, kann man in diesen YouTube -Aufnahmen oder YouTube in diesen GoPro -Aufnahmen immer ein bisschen schwer abschätzen, wie niedrig es dann wirklich ist. Aber doch sehr nah über der Grasnarbe dann quasi darunter fliegen. Du stehst aber, sieht zumindest so aus, die ganze Zeit volle Beschleuniger noch drin und kontrollierst die Kappe letzten Endes eigentlich nur noch hinten über die C -Gurte. Ist das so die typische Technik, mit der man da unterwegs ist?

32:46Beni Kaelin

Genau, richtig, ja. Es ist eigentlich genau wie beim Gleitschirmfliegen auch, da fliegt man je länger, je mehr mit den hinteren Traggurten.

32:55Beni Kaelin

Der Vorteil dadurch ist einfach, dass man die Geschwindigkeit viel weniger verliert, weil man muss ja immer wieder Auftrieb machen, wenn es irgendwo ein bisschen flacher wird, steigt und wenn man diesen Auftrieb mit der Bremse macht, kriegt man den zwar, aber man verliert einfach ziemlich viel Geschwindigkeit. Und Geschwindigkeit ist einfach dein Freund im Bodennähe fliegen, weil wenn du Geschwindigkeit hast, dann kannst du auch immer massiv steigen, wenn du willst. Aber wenn du ausgehungert, also langsam im Bodennähe fliegst, dann hast du diese Option vom Wegsteigen nicht. Und dann wird es sehr schnell sehr gefährlich. Und das ist ideal, natürlich mit den hinteren Traggurten zu steuern, wenn man da Auftrieb machen kann, ohne dass man die Bremse zieht und dadurch halt viel weniger Geschwindigkeit verliert.

33:41Lucian Haas

Nun bleibst du aber, zumindest in diesem Video, was ich so gesehen habe, bleibst du immer im Beschleuniger voll drin stehen und machst wirklich alles nur hinten über die Traggurte. Wäre es nicht auch sinnvoll, direkt vielleicht auch mit dem Beschleuniger zu arbeiten, weil das dann auch nochmal das Profil weniger verformt?

33:57Beni Kaelin

Genau, ja. Es ist aber deutlich einfacher zu dosieren, oder? Also mit dem Fuss den Beschleuniger so zu drücken, dass du halt wirklich 20 Zentimeter über den Boden fliegst, das ist deutlich, deutlich schwieriger.

34:11Beni Kaelin

Und es braucht es gar nicht. Ich löse den Beschleuniger nur, wenn es wirklich so flach wird, dass ich einfach die letzte Gleitsaale auch brauche. Ansonsten mache ich alles über die hinteren Traggurten.

34:25Lucian Haas

In diesem Video sieht man auch, wie du so beispielsweise unter einem Skilift durchfliegst, also unter den Seilen davon. Hast du nicht Angst, dass das dich aus Versehen mal irgendwie, warum auch immer, ein bisschen aushebelt und du dann voll um diese Trageseile gewickelt wirst?

34:41Beni Kaelin

Ja, da muss man schon aufpassen. Gerade mit dem Banddamm ist es schon heikel. Da muss man schon gut wissen, was man macht, absolut. Weil wenn da ein bisschen Thermik kommt, dann steigt man relativ schnell mal weg. Dieser Banddamm, der setzt dann diese Thermik sehr schnell in Höhe. Und mit einem Speedflyer, wenn man da in den Aufwind fliegt, wird das viel weniger. Es wird weniger in Höhe umgesetzt. Also das ist schon eine hohe Schule, da unten durchzufliegen. Und das kann man ja auch nur machen, wenn die Bahn nicht läuft. Ansonsten ist ja das absolut verboten.

35:13Lucian Haas

Gerade da wir jetzt an solche Risiken sind, lassen Sie uns mal über diese Kehrseiten des Speedflyings reden. Wie unfallträchtig ist das eigentlich?

35:22Beni Kaelin

Ja, es hat schon viele Unfälle gegeben. Gerade in den Anfangsjahren hat es schon viele tödliche gegeben. Und es gibt auch immer wieder Unfälle. Aber ich würde mal sagen, es ist ein bisschen weniger tödlich als das Spacejumping, weil es doch schon viele Speedflyer auch gibt. Aber die Verletzungsgefahr ist schon relativ hoch. Das Problem ist, dass man einfach... Es ist wirklich sehr einfach, mit einem Speedflyer am Boden zu fliegen und man fühlt sich sehr gut. Weil Klapper sind kein Thema mehr. Der Schirm reagiert deutlich direkter und besser als ein Gleitschirm. Und ich habe da die Erfahrung gemacht, selber auch, aber auch bei vielen Schülern gesehen, dass, ich sage jetzt mal, ein Pilot, der 200 Gleitschirmfliegen hat und dann 200 Speedflyer -Flüge hat, der fühlt sich am Speedflyer viel wohler nach dem gleichen Altsanflügen auf beiden Geräten.

36:16Beni Kaelin

Weil der Speedflyer macht genau das, was er will. Er klappt nicht. Und sie reagiert sofort. Und dadurch wird man halt relativ schnell mal übermütig und macht dann vielleicht irgendetwas, was man noch nicht ganz ready dafür ist. Und das ist eigentlich die Hauptgefahr beim Speedflying. Dass es normal wird, dass man vergisst, wie schnell man eigentlich unterwegs ist, wie nah man am Boden ist. Man hat keinen Schutz oder mal keinen Notschirm. Oder der bringt zumindest nichts in den Boden. Und das vergisst man gerne, dass man da eigentlich etwas macht, das sehr schnell sehr gefährlich werden kann, weil man einfach so ein gutes Gefühl hat, weil man so gut das Ding unter Kontrolle hat. Also man hat den Speedflyer viel mehr unter Kontrolle als den Gleitschirm.

37:02Beni Kaelin

Und dadurch wird man gerne übermütig. Und da muss sich einfach jeder selber an der Nase nehmen und sich das immer wieder bewusst machen. Hey, ich fliege da am Boden. Das kann sehr schnell sehr schief gehen. Ich habe viel Geschwindigkeit. Das darf man einfach nicht irgendwie unterschätzen mit der Zeit. Ich denke, das ist das eine, was viele Unfälle gibt. Und das andere ist halt einfach, in der Schweiz gibt es ja eine Ausbildung. Man macht, ich sage jetzt mal, einen Speedflyerkurs, der vier oder sieben Tage dauert. Aber es ist relativ wenig im Vergleich zu einer Gleitschirmausbildung. Aber sonst, in Frankreich gibt es noch ein bisschen was. Aber die allermeisten Piloten auf der ganzen Welt, die bringen sich das einfach selber bei.

37:49Beni Kaelin

Und da ist ganz viel Falschwissen auch mit dabei, was vom Falschspringen herkommt. Und da sehe ich einfach eine grosse Gefahr. Und da passieren viele unnötige Unfälle, weil die Leute einfach das falsch machen, weil es ihnen falsch erklärt wurde. Wie

38:10Lucian Haas

gefährlich schätzt du denn das Speedflying im Verhältnis zum Gleitschirmfliegen dann ein?

38:14Beni Kaelin

Ich sehe es relativ ähnlich. Es ist beides so gefährlich, wie man es macht. Der Unterschied ist, dass man beim Gleitschirmfliegen mal eine Warnung bekommt in Form von einem Klapper. Und beim Speedflying halt eigentlich keine Warnungen. Und da muss man einfach aufpassen, dass man nicht übermütig wird. Aber man kann das sicher machen und man muss das nicht extrem machen, wie die Videos, die man immer sieht.

38:38Lucian Haas

Aber ist nicht, jetzt als Nachfrage von mir, ist nicht die Gefahr des Speedflyings eigentlich die Linienwahl auch, die man hat? Also das Hauptrisiko ist ja wahrscheinlich das, dass du irgendwie mit dem Gelände mal zusammenstösst. Und das mit hoher Geschwindigkeit, was dann wahrscheinlich nicht immer sehr schön für einen selber dann ausgeht. Und wenn du sagst, man kriegt keine Vorwarnung, wie viel ist jetzt eigentlich wirklich die Luft daran schuld? Oder einfach letzten Endes nur die eigene Linienwahl, mit der man sich selber diesem hohen Risiko dann entsprechend aussetzt?

39:12Beni Kaelin

Ja, die Linienwahl sicher, die hat einen Einfluss. Aber schlussendlich kann man ja jede Linie einfach geradeaus fliegen oder ausgleiten. Also man macht es gefährlicher, indem man versucht, nahe zu fliegen, oder? Und da muss sich halt einfach jeder selber lieb sein, wie nah er fliegen kann, was halt einfach seinem Können entspricht, oder? Aber die meisten Unfälle passieren schon beim Starten und Landen. Und die schlimmen Unfälle ganz klar bei Klippenstarts und so Barrels. Also ich sage immer den Schülern, wenn ihr keine Klippenstarts und keine Barrels in Bodennähe fliegt, dann habt ihr schon mal 50 % vom Risiko weg.

39:54Lucian Haas

Wenn man das jetzt sagt, das ist weg, wie viel ist das? Wie gefährlicher würdest du Speedflying im Verhältnis zum Gleitschirmfliegen einschätzen? Ist es fünfmal so gefährlich oder letzten Endes vielleicht gar nicht mal gefährlicher, wenn man es nur entsprechend macht?

40:09Beni Kaelin

Statistisch gesehen ist es wahrscheinlich irgendein Faktor x gefährlicher, aber schlussendlich ist es echt so gefährlich, wie man es macht. Also man hat die volle Kontrolle und man ist voll der Chef der Lage und kann es so gefährlich machen oder eben so sicher, wie man es machen will. Also man kann Speedflying sicher betreiben, wenn man das will, kein Problem.

40:30Lucian Haas

Wie häufig hast du dich trotz deiner grossen Erfahrung schon verletzt beim Speedflying?

40:36Beni Kaelin

Ja, beim Speedflying selber habe ich mir einmal bei einer Handlandung einen Finger gebrochen, Mittelfinger, also Mittelhandknochen heisst das. Und mit einem Mini -Wing mal am Fuss eine Verletzung zugezogen.

40:53Beni Kaelin

Und beim Speedriding habe ich mir mal ein Bein gebrochen.

40:59Beni Kaelin

Aber das war eigentlich mehr ein Skiunfall. Aber ansonsten, ich sage jetzt mal, so einen klassischen Speedflying -Unfall habe ich bisher noch nie gehabt und versuche ich natürlich auch absolut zu vermeiden. Weil ja, das kann einfach sehr schnell sehr fatal ausgehen oder mit der Geschwindigkeit.

41:20Lucian Haas

Nun gibt es auch ein sehr trauriges Kapitel in deinem Leben. 2009 ist dein Bruder Nicolas beim Speedflying in Mürren umgekommen. Was ist da passiert?

41:29Beni Kaelin

Das war ein harter Rückschlag und hat mich im Nachhinein ein bisschen vorsichtiger auch gemacht. Wenn nicht massiv, wie gesagt, ich war schon immer vorsichtig, oder?

41:40Beni Kaelin

Aber genau, man stellt da natürlich alles in Frage und ich habe da auch einen Moment aufgehört, bevor ich dann entschieden habe, das trotzdem weiter zu machen. Was genau passiert ist, weiss man nicht, weil es niemand direkt gesehen hat. Ich vermute, dass er den Schirm einseitig abgerissen hat, also eine Frille gezogen hat, also in eine Barrel fliegen wollte. Und dieser kleine Schirm, er hatte einen 7 Quadratmeter Schirm gehabt, die schiessen dann vor, es kann einem eintwisten, wie gesagt, es geht wieder auf, es verhängt nicht. Der ist dann schlussendlich am offenen Schirm einfach in eine Spiraldrehung runtergekommen und hat sich da quer über diese Hochspannungsleitung gelegt und ist dann schlussendlich an einem Herzstillstand gestorben.

42:27Beni Kaelin

Das

42:27Lucian Haas

heisst, der ist, aus welchem Flugzustand auch immer, wirklich in eine Hochspannungsleitung reingeflogen? Genau. Quasi hängen geblieben?

42:35Beni Kaelin

Genau. Das war halt nur so eine kleine Hochspannungsleitung, wo die Drähte sehr nah beieinander sind und den einen hat er am Bein gehabt und der andere am Oberkörper und die 16.000 Volt halt voll durch ihn durch.

42:50Lucian Haas

Trotz so etwas, was ja sicherlich sehr prägend ist für das eigene Leben, warum bist du dann wieder eingestiegen? Warum ist... Was hat dich da so hingezogen, dass du sagst, okay, ich habe zwar einen sehr geliebten Menschen verloren, aber ich will das weitermachen?

43:07Beni Kaelin

Weil es einfach das Fliegen ist, was mir am besten taugt und ich das Gefühl habe, dass ich das so machen kann, dass mir das nicht passiert. Also klar, da ist ein Risiko dabei. Ich werde mich auch mal verletzen können, sicher. Aber ich versuche das so zu machen, dass das Risiko dabei umzukommen wirklich extrem klein ist.

43:29Lucian Haas

Wie war das bei den ersten Flügen danach? Vom Gefühl her? Bist du da anders geflogen?

43:38Beni Kaelin

Ja, das war schon ein spezielles Gefühl. Klar, dass man schon sehr, sehr vorsichtig geflogen hat.

43:45Lucian Haas

Wie lange hat das gebraucht, bis du sagst, im Grunde jetzt bin ich wieder Vollgas unterwegs?

43:51Beni Kaelin

Vollgas bin ich nie mehr unterwegs seitdem. Also wie gesagt, damals bin ich auch richtig kleine Schirme geflogen und das war so meine Leidenschaft, mit ganz kleinen Schirmen zu fliegen, aber wie gesagt, ja, ich mag das immer noch, aber mittlerweile taugt mir eben das bodennahe Fliegen mit grösseren Schirmen eigentlich besser, als mit einem kleinen Schirm irgendwo in einem Felskulver drin mit, ja, mit keiner Marge zu fliegen, oder? Ja. Du

44:21Lucian Haas

hast ja trotzdem auch mit kleinen Schirmen noch einige, ja, interessante, aber auch sehr riskante Manöver entwickelt oder mitentwickelt und teilweise als erster geflogen. Zum einen die Barrel Roll, zum anderen, ich glaube das war 2016, den sogenannten Ground Loop. Um was geht es dabei und worin liegt hier die Schwierigkeit?

44:44Beni Kaelin

Ja, der Ground Loop ist eigentlich eine Barrel Roll in einem Swoop drin, also,

44:51Beni Kaelin

Das

44:52Lucian Haas

sind jetzt dreifache Begriffe auf einmal, vielleicht erklärst du einmal.

44:55Beni Kaelin

Fangen wir bei

44:56Lucian Haas

der Barrel Roll an. Was ist eine Barrel Roll? Dann kannst du den Swoop erklären und dann die Kombination.

45:01Beni Kaelin

Also, eine Barrel Roll ist eigentlich eine Drehung um die Längsachse, heisst das glaube ich, oder? Wie man das von den Kampfjets kennt.

45:12Beni Kaelin

Das ist ja mittlerweile dieses Standardmanöver geworden im Speed Flying, das ja jeder sofort machen will und ganz viele machen. Ist übrigens, auch nicht schwierig, das kann man übrigens im freien Luftraum auch als Anfänger einfach mal so probieren, weil ein Speed Flyer, der kann nicht entlasten, also, man kann sogar absichtlich eine halbe Barrel Roll fliegen und dann abseits da aufhören und man fällt da einfach nicht ins Tuch runter, es gibt auch keinen Klapper, wie man immer denkt. Und das ist das coole am Speed Flying, dann kann man auch Wing Over fliegen, das Teil klappt einfach nicht ein, auch wenn das Timing nicht stimmt, die Lines sind so kurz und die Flächenbelastung so hoch, das kann man machen wie man will.

45:53Beni Kaelin

Genau das ist die Barrel Roll und ein Swoop ist diese schnelle Landung aus einer Drehung heraus, wo man viel Höhe vernichtet und damit viel Geschwindigkeit knapp über Boten möglichst lange ausfährt. Und ein Ground Loop ist, wenn man jetzt eine Barrel Roll in so einen Swoop hineinbaut, das heisst, man baut so viel Geschwindigkeit auf, dass man dann

46:16Beni Kaelin

während diesem Swoop, also, dass man eigentlich quasi schon in One Nace an der Gnas Narbe nochmal steigt, eine Barrel Roll fliegt und dann aber noch sicher landet.

46:26Lucian Haas

Jetzt vom Verständnis her nur nochmal, Barrel Roll heisst also, ich fliege im Grunde geradeaus und mache da mal

46:33Lucian Haas

eine schraubenartige Drehung in Flugrichtung. Genau, richtig. Man könnte auch 5 Barrel Rolls hintereinander fliegen, geht das? Also, dass man wirklich wie so ein Schraubengewinde, so wie man Steilspirale nach unten macht, macht man jetzt quasi Steilspirale nach vorne, so in etwa.

46:48Beni Kaelin

Genau, wenn man die aber am Stück macht, dann verliert man dann zunehmend mehr Höhe, also es wird dann nicht mehr in der Horizontalen sein, sondern es geht dann halt schon vertikal runter.

46:56Lucian Haas

Das heisst, es endet dann schon in der Steilspirale, man sollte gut wissen, wann man da wieder rauskommt.

47:01Beni Kaelin

Genau, genau. Zwei kriegt man noch hin, ohne dass es zu steil geht, aber danach wird es dann steil.

47:06Lucian Haas

Und bei deinem Groundloop nimmst du halt so viel Geschwindigkeit, dass du sagst, okay, aus diesem Swoop heraus, jetzt steige ich ein bisschen weg und nutze diesen Abstand zum Boden, um noch gerade eine Barrel Roll mit diesem Schwung hinzukriegen, die kriege ich noch halbwegs gerade hin und kann da noch zum Landen ausfleren.

47:22Beni Kaelin

Genau, richtig. Ja,

47:23Lucian Haas

absolut. Wie viele Menschen auf der Welt können sowas?

47:27Beni Kaelin

Ja, mittlerweile können das ein paar. Aber ehrlich gesagt, es ist schon, wenn man das wirklich so an einem flachen Landeplatz im Bodennähe macht, ist das schon, wie soll ich sagen, es muss echt passen, oder? Man kann sich da nicht allzu viele Fehler erlauben und das ist jetzt nicht etwas, was ich jeden Tag mache. Also ich habe das da mal gemacht, bin froh, habe ich das hingekriegt, es war immer so ein Traum von mir, als ich da das erste Mal diese Barrels geflogen habe

47:57Beni Kaelin

und da sage ich mal 100 Barrels gemacht habe, dachte ich so, hey, eines Tages müsste man es eigentlich in einem Swoop einbauen können und das war so ein Ziel von mir, das halt mal hinzukriegen und umso stolzer war ich natürlich, als ich das geschafft habe, aber das ist so, ja, man hat da so wenig Marge, das ist jetzt nicht etwas, was ich immer wieder mache. Also ich habe das mal gemacht und bin froh, habe ich das gemacht, aber das muss jetzt nicht gleich wieder sein. Ich denke, wenn die Schirme besser werden und noch mehr steigen können, dann wird es irgendwann auch nicht mehr so schwierig und immer einfacher, aber muss jetzt nicht jeden Tag sein.

48:33Lucian Haas

Dafür braucht man aber auch wieder eigentlich einen speziellen Schirmtyp für, der bestimmte Eigenschaften hat, dass das überhaupt funktioniert, oder kann man das mit jedem Speedfly -Schirm machen?

48:41Beni Kaelin

Nein, das geht nicht mit jedem. Also ich bin ja im Swing -Entwicklungsteam und hätte das natürlich sehr gerne mit einem Schirm gemacht, den ich auch mitentwickelt habe, sprich mit einem Mirage. Aber das war mir einfach zu riskant, das mit einem Mirage zu machen und deshalb habe ich da diesen Gin genommen, weil der einfach noch einen Tick schneller war und einfach diese Energie noch besser in Höhe umsetzen konnte. Aber mittlerweile hat es ein Österreicher auch mit dem Mirage bewiesen, dass es geht. Chapeau! Der hat das echt hingekriegt und die Landung noch gestanden. Ich glaube, ich hätte den Mut nicht gehabt. Hat der das über Wasser gemacht oder wirklich über Land? Nein, über Land im Stubaital im Schnee. Ja, der hat das echt richtig sauber hingekriegt. Da habe ich echt selber gestaunt, dass er das hingekriegt hatte. Also ich glaube, ich hätte das nicht gemacht.

49:28Lucian Haas

Wann hast du deine letzte oder deinen letzten Groundloop geflogen?

49:32Beni Kaelin

Ja, ich glaube, das war damals 2015. Ach so, das ist wirklich so ein Projekt, sagen,

49:38Lucian Haas

das will ich schaffen, ich will zeigen, dass das geht, aber ich weiss noch, wie riskant das ist, jetzt muss ich nicht weitermachen.

49:43Beni Kaelin

Ja, genau, richtig, genau. Also ich meine, wenn man das wirklich immer wieder trainiert, kann man das schon ab und zu mal machen, aber mir ist das zu heikel. Ich habe da keine Lust drauf.

49:53Lucian Haas

Lass uns mal noch mal ein bisschen das Thema wechseln und auch auf, ich sage jetzt einfach mal, gemütlichere Flugvariante, das klassische Gleitschirmfliegen gucken, was du ja auch machst, wo du auch schon jahrelang als Fluglehrer und so weiter gearbeitet hast. Was bedeutet dir diese Form der Fliegerei?

50:10Beni Kaelin

Ich mag die Abwechslung vom einen Sport zum anderen und ich mag auch das Streckenfliegen, ich mag das Thermikfliegen, wenn es eine richtig hohe Basis hat und man da über die Hochalpen drüber fliegen kann, mag ich beides, aber ganz ehrlich, so in der ruhigen Jahreszeit, ich habe schon so viele Flüge gemacht, da bin ich viel lieber mit dem Speedflyer unterwegs, das macht mir viel mehr Spass, als einfach nur so gemütliche Gleitflüge zu machen.

50:41Lucian Haas

Jetzt mal die gemütlichen Gleitflüge beiseite gelassen, bist du zuweilen auch ein grosser Streckenflieger?

50:48Beni Kaelin

Ja, ich würde sagen, war ich mal, momentan bin ich gerade nicht mehr so angefressen und ehrlich gesagt, das hat auch ein bisschen Zusammenhang damit, dass ich mal den Nordschirm ziehen musste und seitdem bin ich einfach nicht mehr ganz so entspannt in der Luft, wie ich das mal war und habe auch nicht mehr ganz so viel Spass dabei, also ich war früher, ich würde nicht sagen

51:10Beni Kaelin

unvorsichtig, aber halt einfach deutlich entspannter und habe viel weniger Angst gehabt, als ich das jetzt habe, nach diesem Nordschirmabgang und ich habe das immer noch nicht ganz verarbeiten können irgendwie,

51:25Beni Kaelin

ja, obwohl ich seither eigentlich meine weitesten Flüge gemacht habe und schon viele lange Flüge gemacht habe und wieder viele positive Erlebnisse gehabt habe und nicht einen Klapper noch kassiert habe beim Streckenfliegen und ich weiss ja eigentlich, dass ich das kann, habe ich das trotzdem noch nicht geschafft irgendwie immer so richtig zu verarbeiten.

51:47Lucian Haas

Was ist denn damals passiert? Hast du dich auch verletzt dabei?

51:51Beni Kaelin

Verletzt habe ich mich zum Glück nicht, ich war da mit einem Sigma 10 Prototypen unterwegs, der relativ giftig klappte, ist aber absolut meine Schuld, ich war schon viel mit dem geflogen und war da einfach ein bisschen übermütig, würde ich jetzt sagen, weil ich zuvor mit einem D -Schirm geflogen bin, paar Flüge, Streckenflüge und dann zurück auf diesen Sigma und ich wusste, kann mich noch erinnern, im Startschlag hatte ich so den Eindruck, oh wow, das ist ja einfach im Vergleich zum Omega, also wirklich einfacher, so fast wie ein Anfängerschirm jetzt. Dadurch war ich einfach ein bisschen unvorsichtig und habe nicht so aktiv geflogen, wie es halt sein müsste und habe dann in der Thermik drin, das war jetzt auch keine krassen Verhältnisse,

52:39Beni Kaelin

80 % Seitenklappe gekriegt, völlig unerwartet und mich da so aus Schreck nicht mitgehen lassen im Gurtzeug, sondern so auf die offene Seite gehängt und dadurch hat es mich gleich getwistet und weil ich auch die Bremse, ich war da voll so am nachzentrieren und habe gerade auf der Innenbremse halt so viel gezogen, wie man ziehen darf, ohne dass er abreisst und habe dann nachgegeben und dadurch ist der Schirm natürlich abgerissen oder wenn ich 20 % fliege mit dem Bremsweg, was ich da hatte, ist er gleich abgerissen. Ich war dann twisted, quasi im Fullstall und ja, war dann nicht mehr Herr der Lage, habe dann Hände hochgemacht und dieser Proto ist dann einfach vorgeschossen, wieder eingeklappt, wieder vorgeschossen, wieder eingeklappt, irgendwie dreimal hintereinander und ich war immer noch getwistet und einfach

53:30Beni Kaelin

überhaupt nicht Herr der Lage und musste dann in den Nordschirm ziehen, ja. Und es ging dann glimpflich aus, ja, bin dann sauber runtergekommen am Nordschirm, aber halt einfach im Hochgebirge, das war da so richtig steiles Gelände und ich konnte da nicht mal mehr rausgehen und musste da dem Hubschrauber vorstellen, dass die mich da rausfliegen.

53:53Lucian Haas

Wie lange hat es gebraucht, bis du dich danach wieder getraut hast, den ersten normalen Gleitschirmflug zu machen?

54:00Beni Kaelin

Ich bin so schnell wie möglich wieder in die Luft gegangen. Das erste, was ich gemacht habe, ist zurück in den Shop gehen und einen grösseren Nordschirm einbauen, weil es doch sportlich war mit dem Kleinen.

54:12Beni Kaelin

Also ich ging sofort so schnell wie möglich wieder in die Luft, ich glaube am nächsten Tag oder so. Aber wie gesagt, das Vertrauen, das ich damals hatte, ist bisher, noch nicht zurückgekommen, ja.

54:23Lucian Haas

Wie wirkt sich das denn bei dir jetzt in der Fliegerei aus, auch wenn du sagst, du hast seitdem mit deinen größten Flüge gemacht? Du hast ja glaube ich, wenn ich das richtig gesehen habe, dieser Absturz, den du hattest, das war glaube ich 2017 und ich glaube 2018 bist du ja mal auch von der Schweiz bis nach Slowenien geflogen innerhalb von drei Tagen und hast da wirklich mehrere 200er Flüge hintereinander gemacht und sowas. Das

54:47Beni Kaelin

war noch vorher. Das war noch vor dem Nordschirm, ja genau. Ich habe auch danach noch ein paar 200er gemacht, auch in Indien war ich noch, da in Birbilling und habe da lange Flüge gemacht, aber war einfach nie mehr so entspannt wie zuvor.

55:03Lucian Haas

Das heißt, du sitzt dann da oben und denkst immer, der Schirm raschelt und so das Klassische und Bauchmuskeln spannen sich an oder sonst was oder wie hat man sich das vorzustellen, dass so ein so erfahrener und im Grunde ein so risikosuchender Mensch, zumindest würden sich manche Gleitschirmflieger sagen, was hat er denn, der stürzt sich mit Fullspeed da irgendwie so 30 Zentimeter oder über die Grasnahme den Hang runter und jetzt sagt er mit so einem schönen grossen Schirm und unter normalen Bedingungen, da sagt er, das ist ihm etwas unheimlich. Was macht da den Unterschied? Was ist das?

55:36Beni Kaelin

Ja, es hängt extrem davon ab, über welchen Untergrund ich fliege. Wenn ich da über Bäume fliege, bin ich relativ entspannt, aber wenn ich wieder so in diese selbe Situation komme, in dasselbe Muster, was damals war, Hochgebirge und Turbulenzen, da kriege ich die Angst wieder. Und das Ding ist eigentlich, ich habe Angst vor dem Klapper, weiss aber eigentlich, dass ich den Klapper gut beherrschen kann. Also ich traue mich da auch an T -Schirmen und C -Schirmen, da richtige Klapper zu reissen und die alle voll durch zu testen, aber trotzdem habe ich Angst davor, einen Klapper zu kassieren. Also selber machen ist das eine, kein Problem, aber ich habe Angst davor, aber den zu kassieren, ist ganz was anderes.

56:24Lucian Haas

Wie wirkt sich das dann auf deine Fliegerei aus? Merkst du das so an manchen Sachen, wo du sagst, hier würde ich normalerweise weiterfliegen, das traue ich mich nicht mehr? Oder fliegst du trotzdem weiter, aber du fliegst halt nur mit diesem unguten Gefühl und sagst, ach, ich glaube, ich gehe lieber speedflyen?

56:41Beni Kaelin

Ja, beides. Also wenn es sein muss, dann kann ich mich da schon überwinden und zusammenreißen und das weitermachen. Es gab aber auch Momente, wo ich dann einfach landen ging, die ich nicht mehr hatte, weil einfach die Angst grösser war als der Spass noch dabei. Und da habe ich gesagt, hey, wozu? Also muss ja niemand etwas beweisen. Wenn ich da keine Freude habe, dann gehe ich landen, oder?

57:06Lucian Haas

Hat dir diese Erfahrung, die du da gemacht hast, hat das auch deine Einstellung ein bisschen dazu geändert, wie du anderen Gleitschirmfliegern das Gleitschirmfliegen beibringst, wenn du auch erlebst, dass die vielleicht manchmal Angst haben oder sowas,

57:23Beni Kaelin

oder? Ich denke, ein bisschen schon, ja. Also ich habe immer Wert darauf gelegt, dass eben diese negativen Erlebnisse, dass man das versucht zu verhindern, weil das einfach einem sehr weit zurückwirft. Die einen ein bisschen mehr, die anderen ein bisschen weniger. Kommt natürlich immer darauf an, auf das Erlebnis, das man hat. Und ich denke schon, dass ich da jetzt noch mehr Wert darauf lege, dass einfach den Schülern nicht zu schnell so ein schlechtes Erlebnis passiert. Ich denke, früher oder später haben wir das alle, es muss jetzt nicht ein Notschirmabgang sein, aber ich sage jetzt mal, einen grossen Klapper reicht aber an den einen schon,

57:58Beni Kaelin

dass sie dann die Freude am Thermikfliegen komplett verlieren, oder? Und ich denke, es ist wichtig, dass diese schlechten Erlebnisse, die so spät wie möglich kommen und so gering wie möglich ausfallen, oder? Weil ich habe echt viele Leute kennengelernt mittlerweile, die sowas erlebt haben und die einfach komplett auf Streckenfliegen verzichten, die gar keine Freude mehr daran haben, oder? Wegen einem Erlebnis.

58:26Lucian Haas

Hast du mal auch irgendwelche psychologischen Hilfen versucht, so Mentalcoaching oder Hypnose oder solche Sachen, oder sagst du, nee, ich will da fliegerisch selber drüber wegkommen?

58:37Beni Kaelin

Ja, bis jetzt tatsächlich noch nicht. Ich habe das echt versucht, einfach mit viel Fliegen, viel Kilometer sammeln, viele Stunden sammeln und gute Erlebnisse, also keine Klapper mehr, zu kompensieren und das habe ich geschafft. Also ich habe viele Flüge gemacht und keinen einzigen Klapper gehabt, aber es hat nicht funktioniert. Also die Angst, die ist noch da und ja, ich denke, das wird mein nächster Schritt sein, mal irgendwie sowas zu probieren, um diese Angst wirklich zu überwinden. Ich habe da auch schon Tipps gekriegt, was die Skirennfahrer auch mal machen, die Abfahrtsfahrer, wenn es die einmal zerlegt, die brauchen ja zum Teil das dann auch, dass sie sich jemals wieder trauen, da mit 140 Sachen irgendwo runterzufahren.

59:24Lucian Haas

In deiner neuen Gleitschirmschule bietest du ja auch Gleitschirmkurse an, allerdings in einem, ich sag mal, für Schweizer Verhältnisse vielleicht ein bisschen ungewöhnlichen Format, weil du sagst, du willst drei Wochen am Stück einen Intensivkurs machen und dann sollen die Leute fertig sein und ihr Brevet haben. Was versprichst du dir davon, bei diesen Intensivkompaktkursen?

59:47Beni Kaelin

Ich versprich mir sehr viel davon. Zum einen eine coole Gruppe, weil sich die Leute richtig gut kennenlernen, was man in diesem Schweizer System, ich muss das vielleicht ein bisschen erklären, in der Schweiz machen wir normalerweise einen Grundkurs, der geht vier oder fünf Tage und danach machen wir diesen Brevet -Kurs, also es sind mindestens 50 Flüge, 50 Höhenflüge, die man sammeln muss, bevor man zur Prüfung zugelassen wird. Im Schnitt machen die Leute vielleicht 70, 80 Flüge. Das kann man dann einfach aufteilen, wie man will. Meistens hat man da ein Jahr Zeit in der Flugschule, die Flüge zusammen, bevor man dann an die Prüfung geht. Viele machen da im Schnitt auch so neun Monate. Das heisst, die teilen da ihre 70 Flüge auf neun Monate auf, haben dadurch relativ lange Pausen immer wieder.

1:00:33Beni Kaelin

Das kann gut mal zwei Monate ohne Fliegen sein, nach 15 Höhenflügen und dann kommen sie wieder in die Flugschule und sind dann mit 15 Höhenflügen und zwei Monaten Pause wieder da und haben einfach wieder den Bammel, oder? Also die haben dann natürlich wieder ein ungutes Gefühl, wie am ersten Höhenflug, wenn sie einfach das Vertrauen, das sie mal gewonnen haben, fast gänzlich wieder verloren haben. Und da bin ich fest überzeugt, dass wenn man einfach intensiv jeden Tag fliegt, dass dieses Vertrauen viel, viel grösser wird nach 70 Flügen, wie das ist, wenn man es einfach auf ein Jahr oder ein halbes Jahr aufteilt.

1:01:16Lucian Haas

Dranbleiben an so etwas siehst du wirklich als Vorteil? Weil es gibt ja auch immer Leute, die sagen, ja, wenn man das ein bisschen streckt, dann hat das auch mehr Zeit, sich im Hirn zu setzen oder sonstiges. Aber du meinst wirklich dieses intensive drei Wochen am Stück, das verfestigt dann eigentlich viel mehr das Vertrauen im Hirn?

1:01:34Beni Kaelin

Absolut, ja. Bin ich fest überzeugt. Also ich habe ja zehn Jahre lang richtig viel ausgebildet. Vier Tage zum Teil pro Jahr stand ich da auf der Matte als Fluglehrer und habe einfach gesehen, dass Leute, die wenig Talent hatten, die aber dranbleiben und wenig Pausen hatten, das nach 50 Flügen viel besser beherrschten als die Supertalente, die halt längere Pausen hatten. Und das bestätigt eigentlich, dass es wichtig ist, eben dranzubleiben. Ich denke, dieses Setzen, was du erwähnst, das ist gut in der Theorie. Wenn man jetzt Theorieprüfung lernt in einem Tag und die dann besteht, hat man nach einem Jahr alles wieder vergessen. Da bin ich fest überzeugt. Aber wenn man jetzt aber während drei Monaten lernt, die Theorieprüfung, und die dann abschliesst, weiss man nach einem Jahr viel mehr.

1:02:24Beni Kaelin

Aber ich glaube, dieses Muscle Memory, also dieses Praktische, das Fühlen, diese Reflexe, die man lernen muss beim Gleitschirmfliegen, da ist es ein Vorteil, wenn man das am Stück macht. Dass

1:02:36Lucian Haas

sich das dann so richtig einprägt. Wo willst du denn für dich in Zukunft noch mehr dranbleiben? Also wo geht es für dich noch weiter?

1:02:48Beni Kaelin

Ja, ich habe da im Speedflying eigentlich keine Ziele. Ich habe da schon eigentlich alles erreicht, was ich möchte. Ich will einfach da weiterhin meinen Spass haben, mit Gelände nah am Fliegen. Aber ich brauche da

1:03:04Beni Kaelin

mir keine hohen Ziele zu setzen oder so. Im Gegenteil, ich möchte, dass eher einfach anderen sicher beibringen können und anderen den Sport auch zeigen können. Einerseits durch das Ausbilden und andererseits auch im Tandemschirm. Was eher so ein neues Ding ist, dieses Tandem Speedflying, was aber eigentlich auch ganz gut funktioniert.

1:03:29Lucian Haas

Siehst du denn auch irgendwo technisches Entwicklungspotenzial im Speedflying, wo du sagst, wenn da noch was passiert, dann öffnen sich ganz neue Welten oder ist eigentlich in dem Bereich die technische Entwicklung eigentlich so weit, dass man sagt, das was im Speedflying möglich ist, ist jetzt möglich. Viel mehr wird es wahrscheinlich nicht geben.

1:03:49Beni Kaelin

Nein, also beim Speedflying sind wir da, wo die Gleitschirme 1990 waren. Also da liegt noch ein riesen Nachholbedarf. Die Entwicklung die geht da sehr, sehr schleppend voran, weil halt einfach die Szene auch viel zu klein ist, oder? Und der Sport halt auch relativ neu ist, oder? Ich sehe da schon ein riesen Potenzial noch bei den Speedflyern. Das ist momentan schon so, dass wenn man einen normalen Speedflyer fliegt, einen Mirage, einen 9 Quadratmeter, dann muss man zu Fuss schon extrem viel rennen, damit man den in die Luft kriegt. Dann hat man eine Gleitzahl von vielleicht 4,5, wenn man sich richtig klein macht. Und man kann vielleicht auch mit Gleitzahl 2 oder 2,5 runterfliegen.

1:04:34Beni Kaelin

Aber diese Range vom steilen Fliegen zum Gleiten, da sind wir eigentlich schon lange dran am Arbeiten und die wird zunehmend besser.

1:04:45Beni Kaelin

Aber da liegt noch richtig viel drin und ich denke, in Zukunft werden wir deutlich grössere Schirme fliegen, die aber ähnlich schnell gehen und ähnlich steil fliegen oder gleich steil fliegen. Und dadurch wird es einfach viel entspannter zum Starten und zum Landen. Man braucht da nicht rennen wie ein Weltmeister mit einem 9 Quadratmeter, wenn man einfach mit der gleichen Geschwindigkeit fliegen kann, aber ein 12, 13 Quadratmeter Schirm fliegen kann. Dadurch wird es dann einfach auch für ein breiteres Publikum interessant, da bin ich fest überzeugt.

1:05:15Lucian Haas

Wie werden dann solche Schirme aussehen? Sind das Entwicklungen, die eigentlich aus dem Kite -Bereich kommen? Weil man sagt, im Kite -Bereich kann man halt auch viel mehr noch mit dem Anstellwinkel arbeiten und dann richtiges Deep -Power machen und sonstiges?

1:05:27Beni Kaelin

Kann gut sein, ja, dass diese Reflex -Technologie, was da in diesen Mattenkites verwendet wird oder auch bei Paramotoren, dass die mal die Speedflying Entwicklung revolutionieren wird. Ich denke schon, dass es das Potenzial hat. Ich bin auch schon mit Kites geflogen und die haben schon eine unglaubliche Range vom Gleitwinkel her, also man kann da mit Gleitzahl 8 fliegen, kann dann aber auch mit 3 fliegen, also das ist schon eine ganz andere Geschichte als die heutigen Speedflyer.

1:06:01Lucian Haas

Damit bist du aber nur über Wasser geflogen oder bist du mit dem Kite eigentlich quasi speedflying -mässig vom Berg runter?

1:06:10Beni Kaelin

Nein, da habe ich schon auch viele Flüge am Berg gemacht, aber erst mal nur an der dünnen Pile, 1 Meter über Boden, um da das Vertrauen zu gewinnen in die Dinger. Aber schlussendlich bin ich dann auch in den Bergen mit Ski, ohne Ski geflogen und das ist schon eine ganz andere Liga, mit so einem Ding zu fliegen. Das ist einfach ein dreidimensionales Fliegen. Man kann nicht nur links oder rechts steuern, sondern man kann einfach runtertauchen in einen Sturzflug, wie das ein Vogel auch kann. Es gibt keinen Gleitschirm oder keinen Speedfly, der sowas kann. Das ist schon unbeschreiblich, was man da für Möglichkeiten hat.

1:06:46Lucian Haas

Was aber auch gleichzeitig alles etwas komplexer macht und wahrscheinlich dann auch vielleicht auch wieder unfallträchtiger?

1:06:52Beni Kaelin

Ja, wahrscheinlich schon. Diese Reflexschirme sind ja schon sehr umstritten im Paramotorbereich auch. Ich fliege ja selber nicht Paramotor, aber habe das ein bisschen mitgekriegt, dass halt eben die einen schwören drauf und finden es super und die anderen wollen es nicht anfassen.

1:07:11Beni Kaelin

Ich denke, wenn man das richtig einsetzt, dann funktioniert es, aber es hat wahrscheinlich einfach seine Grenzen und die muss man respektieren und herausfinden, wo das liegt. Aber ich denke, diese ganze Sache mit diesen Reflexprofilen, das ist noch sehr neu in der Kite -Entwicklung, wenn man sieht, was jetzt da passiert ist in den letzten sechs, sieben Jahren an matten Kites, wo die jetzt heute sind und wo die vor sieben Jahren sind, da ist extrem viel Entwicklung passiert und viel Wissen gewonnen worden, wo ich hoffe, dass es eines Tages auch da in die Entwicklung von Gleitschirmen oder eben Miniwings oder Speedflying einfließt.

1:07:56Lucian Haas

Gibt es eigentlich eine Schweizer Marke oder einen Schweizer Konstrukteur von Speedflying -Schirmen?

1:08:02Beni Kaelin

Nein, gibt es nicht. Nein. Die Speedflying -Hersteller, das wird nachher immer weniger. Am Anfang war das mal nur Jin, dann JN, eine Kite -Marke, die auch einen zweiten gebaut hat.

1:08:15Beni Kaelin

Viele Gleitschirmmarken haben dann einen gebaut und sich dann irgendwann wieder zurückgezogen und Jin hat sich jetzt auch wieder zurückgezogen. Mittlerweile ist da Swing noch Marktführer.

1:08:28Beni Kaelin

Levelwings, der François Bo, auch eine Speedflying -Legende, der hat da eben seine eigene Marke mit Levelwings. Ozone macht auch noch Speedflyer und wer noch? Es gibt noch zwei, drei andere, die auch noch machen, aber es sind so die drei Grössten, die da auch mitmischen. Also es ist schon relativ kleiner, wie soll ich sagen, klein geworden, ja leider.

1:08:51Lucian Haas

Wäre das noch eine Aufgabe für dich, irgendwann den Speedflying -Markt mit einer eigenen Marke aufzumischen? Ja,

1:08:58Beni Kaelin

wer weiss, vielleicht.

1:09:00Lucian Haas

Auf WhatsApp habe ich mal bei dir eine Statusmeldung gelesen. Ich meine, es war bei dir «Don't grow up, it's a trap». Ja, genau. Ist das dein Lebensmotto?

1:09:12Beni Kaelin

Ja, schon ein bisschen, ja.

1:09:15Beni Kaelin

Also ich versuche halt einfach das zu machen, was mir Spass macht. Ich meine, ich habe meinen Bruder verloren und da schon so ein bisschen dahinter sind, was mache ich, was ist das Ziel? Ja, und bin dann zum Schluss gekommen, dass ich einfach das machen will, weil ich Spass dabei habe. Und wenn ich da irgendwie Speedflying gehe, dann mache ich das für mich und mache das nicht für andere.

1:09:41Beni Kaelin

Ja, und ich finde halt einfach, dass es irgendwie viele Leute gibt, die das Gefühl haben, ich bin jetzt erwachsen, das gehört sich nicht, das darf ich nicht machen.

1:09:52Beni Kaelin

Ja, ich mache das, was ich Spass habe, was mir taugt und solange das niemandem anderen schadet, mache ich das.

1:09:58Lucian Haas

Glaubst du, es gibt für Speedflying eine Altersgrenze?

1:10:02Beni Kaelin

Nein, glaube ich gibt es nicht.

1:10:04Lucian Haas

Wie lange, glaubst du, wirst du noch Speedflying gehen?

1:10:07Beni Kaelin

Gute Frage.

1:10:10Beni Kaelin

So lange, wie ich noch Freude daran habe. Also in dem Moment, wo ich da keine Freude mehr daran habe, mache ich das dann auch nicht mehr, denke ich. Ich habe auch Phasen gehabt, wo ich sehr viel geflogen bin und Phasen, wo ich relativ wenig geflogen bin und das ist gut so. Ich mache das, wo ich gerade Bock drauf habe.

1:10:28Lucian Haas

Gut, Beni, dann wünsche ich dir, dass du noch lange Bock drauf hast mit dem Speedflying und da noch einige, vielleicht nicht Erfolge, aber viele Flow -Momente dann erlebst und die alle heile überstehst. Noch viele Leute, denen anderen das beibringen kannst, dass die auch diesen Spass daran erleben können. Danke dir für das Gespräch und dir alles Gute.

1:10:49Beni Kaelin

Gerne. Besten Dank dir, Lucian und dir auch. Gute Flüge.

1:10:54Lucian Haas

Ja, danke.

1:10:59Lucian Haas

Das war Beni Kählin im Gespräch mit Lucian Haas. In den Shownotes zu dieser Folge habe ich einige Links zum Thema Speedflying samt Videos verschiedener Flugprojekte von Beni zusammengestellt. Solltest du vielleicht Interesse haben, mal einen Speedflying -Kurs bei Beni zu besuchen, seine Flugschule ist unter der Adresse www.speedflying -school.com zu finden. Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann empfiehl Podz-Glidz doch weiter. Alle bisherigen Podcast -Folgen gibt es auf Fluglites und Soundcloud sowie bekannten Audiokatalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc. Um keine neue Folge zu verpassen, kannst du Podz-Glidz auch gleich in deinem Podcatcher abonnieren. Und wenn du es nicht eh schon bist, dann erwäge doch bitte auch, zum Förderer von Podz-Glidz und Blueglides zu werden.

1:11:46Lucian Haas

So hilfst du mit, dass ich dir noch viele weitere interessante Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens präsentieren kann. Jede Folge ist dann auch irgendwie deine Folge. Der Förderbeitrag ist übrigens völlig frei wählbar. Wer sich unsicher ist, wie viel ergeben möchte, dem empfehle ich ganz unverbindlich 1 Euro pro Podcast -Folge und 2 Euro pro Lesemonat auf Fluglites. Selbst aufs Jahr hochgerechnet ist das deutlich weniger als ein Abo klassischer Gleitschirmmagazine kostet. Bleib gesund! Ciao!

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