Wir wollten eigentlich nur runterfliegen, irgendwie Schirme testen, naja, dann irgendwann grummelt es halt nochmal deutlicher und dann denken wir, ups, ich glaube, da ist doch irgendwie was über uns und dann haben wir eingepackt, sind runtergefahren und die Fahrt vom Costa Lunga damals, das sind eine Viertelstunde vielleicht und bis wir unten waren, da lag der Hagel zehn Zentimeter hoch auf der Straße und die Bäume hat es fast aus dem Boden gerissen, haben wir gedacht, also, puh, da in der Luft, dann schaut es auch ganz anders aus.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Nobby
oder wir können es auch anders machen, Norbert Fleisch, aka Nobby. Und
ich bin Lucian Haas am Mikrofon. Wer sicher Gleitschirmfliegen will, sollte sich mit einem Thema ganz besonders beschäftigen, dem Wetter. Nichts ist so variabel und zugleich so bestimmend für das, was wir in der Luft erleben. Denn Wetter ist alles, was die Luft verändert und bewegt. Und wir Flieger müssen uns zwangsläufig daran anpassen. Wer das nicht nur auf gut Glück hin tun will, der muss mehr vom Wetter verstehen oder zumindest zu verstehen versuchen. Einer, der das schon lange praktiziert, ist Norbert Fleisch, in der Flieger -Szene besser als Nobby bekannt. Der zum Fluglehrer konvertierte Zahnarzt hat sich über seine mittlerweile knapp 25 -jährige Fliegerkarriere hinweg immer tiefer in das Thema Flugmeteorologie hineingefuchst. Vor drei Jahren erschien dann sein 350 Seiten dickes Buch Meteorologie, in das er all sein Theorie - aber auch Erfahrungswissen über die Wetterkunde für Gleitschirmflieger einfließen ließ.
Wer nun hofft, in dieser 47. Folge von Podz-Glidz in nur einer Stunde all das en passant serviert zu bekommen, den muss ich schon von Anfang an enttäuschen. So simpel ist der Weg zum Wetterkundler nicht. Aber im Gespräch gibt Nobby doch viele Tipps, wie man sich mehr Wetterwissen aneignen kann. Der 58 -Jährige erzählt unter anderem, wie er selbst beim Wettercheck vorgeht, auf welche Zeichen am Himmel man aneignen kann. Und wie man auch noch am Startplatz und in der Luft besonders achten sollte, welche Wetterrisiken seiner Meinung nach am stärksten unterschätzt werden und auch, welche ganz besonderen Wettererlebnisse, positiv wie negativ, sich tief in seiner Fliegerseele eingebrannt haben. Bevor es losgeht noch ein kurzer Hinweis. Podz-Glidz und der zugehörige Blog Looglights stehen kostenfrei im Netz, sie sind aber nicht kostenlos.
Ich investiere unter anderem einiges an Arbeitszeit als freier Journalist hier hinein. Das heißt, Podcast und Blog sind Teil meiner Lebensgrundlage. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir als Förderer hilfst, dieses Angebot in seiner unabhängigen und werbefreien Form aufrechtzuerhalten und auszubauen. Wie du zum Förderer werden kannst, steht auf der Website von Looglights. Und zwar dort auf der Seite Fördern.
Nobby, mir ist aufgefallen, so in der deutschen Gleitschirmszene sind eigentlich alle bekannteren Flugexperten. Nehmen wir zum Beispiel Volker Schwanitz vom DRV, der leider schon verstorbene Stefan Hörmann mit seinem einst beliebten Seite Gleitsegelwetter und auch du als Autor des derzeit wohl umfassenden Meteorologiebuches für Gleitschirmpiloten. Die sind alle gar keine echten Meteorologen, sondern eigentlich nur Autodidakten. Woran liegt das?
Ja, als ich mal einige Meteorologen, die ich ja dann doch zu meinen Kunden zählen darf ab und zu mal, sowohl in Gleitschirmreisen als auch mal in Seminaren, wenn ich die dann immer frage, kannst du mir mal das und das, schönes Thema ist das Mittelmeertief, kannst du mir mal erklären, wie so ein Mittelmeertief eigentlich wirklich entsteht? Dann sehe ich Stirnrunzeln, die Rädchen laufen und dann geht es los mit Formeln. Und dann sage ich, ohne Formeln bitte, ich möchte es verstehen, dass ich es auch weitergeben kann, dass es jemand versteht. Und dann laufen die Rädchen nochmal und dann sagt, ja, ohne Formeln kann ich es nicht. Und da habe ich dann die Erkenntnis rausgewonnen, dass die Meteorologen heutzutage also sehr stark modellrechnergestützt, sehr stark Mathematik und also in höherer Physik sich bewegen und eigentlich gar nicht mehr die angewandte Meteorologie.
Das ist das, was der Gleitschirm-Blog draußen sowohl in der freien Natur als auch im Umsetzen der Wetterkarten auf die Realität, was der machen muss eigentlich. Das bringen die Meteorologen eigentlich gar nicht mehr. Also die arbeiten anders. Die versuchen die Modelle zu erstellen und bewegen sich da in ihren mathematischen Modellen. Und wir als Hobby -Meteorologen, in Anführungsstrichen Autodidakten, wir versuchen jetzt quasi das umzusetzen.
Bei uns geht es ja von der Fliegerei auch sehr häufig so um, ich sage mal, mikrometeorologische Effekte. Alles, was sich so in kleinen Skalen abspielt und sowas. Also wir fliegen ja quasi in dem Bereich, was die Meteorologen klassischerweise als das Wetterchaos selber noch so bezeichnen, was die mit ihren Modellen so gar nicht erfassen können. Fallen wir damit einfach aus dem Raster vom Verständnis von denen?
Wir fallen da auch teilweise aus. Also auf jeden Fall. Also so kleinräumig sind die Rechenmodelle noch gar nicht. Wobei, ob kleinräumig jetzt dann viel besser wäre, ist auch die Frage mit dem Chaos. Also wir fallen da ein bisschen aus dem Raster, tatsächlich. Und wir fallen wahrscheinlich unter Umständen auch wirtschaftlich aus dem Raster. Da ist die Frage, lohnt sich das für das, was die Meteorologie machen muss, so kleinräumig zu arbeiten, dass der Gleitschirmflieger da jetzt wirklich davon hat, weil wer hat sonst noch was davon, dass so kleinräumig gearbeitet wird? Und was kostet das, so kleinräumig zu arbeiten? Weil jedes Quäntchen kleinräumiger Arbeiten kostet ja immens mehr Hardwareanforderungen, immens mehr immense Kosten, die dann auf die Meteorologen zukommen, auf die Wetterdienste zukommen.
Deshalb denke ich, wir fallen da runter. Wir fallen da durchs Raster einfach durch momentan.
Das heißt, die Szene muss sich selber helfen, die braucht dann ihre eigenen Freaks, die sich so weit in die Meteorologie da einarbeiten, dass die dann die anderen aus der Szene irgendwie weiterbilden können. Wie bist du denn eigentlich dazu gekommen? Was hat dich dazu getrieben, dich so intensiv mit Meteorologie zu beschäftigen?
Zum einen komme ich aus eher einer technischen Seite, also meine Schulausbildung war eher technisch orientiert, dann das Studium der Zahnmedizin ist auch technisch orientiert. Das Interesse war da von der Physikseite, allerdings nicht von der theoretischen Physik. Und dann habe ich sehr ambitioniert angefangen, Gleitschirm zu fliegen. Das ging in meiner Anfangszeit und hatte da auch so das ein oder andere Erlebnis, wo ich tatsächlich heutzutage sagen muss, habe ich mich versucht umzubringen. Und das war in dem Unverständnis, in dem Unwissen, was jetzt eigentlich das Wetter, was wir da gesehen haben und Internet gab es damals noch nicht, das einzuordnen. Was heißt denn das jetzt eigentlich? Und darauf habe ich dann entschieden, Mensch, das muss besser werden. Das muss ich auf die Reihe kriegen. Das geht so nicht weiter. Ich möchte nicht blind in die Gegend rumfliegen. Ich möchte verstehen, was ich da tue.
Das heißt, es gab wirklich so etwas wie, kannst du das sagen, wie so ein Erweckungserlebnis?
Ja, kann man so fast sagen.
War das dann auch in der Form quasi ein Nahtoderlebnis, was du dann hattest?
Ja, nein, ganz so schlimm ist es jetzt mal nicht. Also tatsächlich, die eine Situation sind wir dann tatsächlich nicht geflogen. Zum Glück sind wir dann am Boden geblieben und das andere Mal sind wir zwar geflogen, aber der Wind ist tatsächlich nicht durchgebrochen, also die Biese damals.
Wenn wir da anders in der Luft gewesen wären, wäre es zum Nahtoderlebnis kommen können, ja, tatsächlich. Also da hatte ich schon anschließend, als ich dann gemerkt habe, was da eigentlich los war, habe ich dann schon weiche Knie gehabt.
Erzähl doch mal von so deinen drei heftigsten Flugwettererlebnissen, von denen du sagen würdest, du hast sie mit Glück überstanden. Einfach so die Hintergründe. Was war da los?
Ja, also der Hintergrund war damals ein Wochenendsausflug in die Burgesen. Und es war traumhaftes Wetter, blauer Himmel, toll, super. Alle wissen die Zehenspitzen motiviert, wissen die Haarspitzen motiviert. Einen Tag vorher hat die französische Luftwache geübt, wir durften nicht fliegen. Am nächsten Tag waren wir natürlich noch motivierter. Wir hatten wohl schon mitbekommen, naja, in der Höhe ist viel Wind. Das haben wir irgendwie schon mitgekriegt und sind dann nur auf halber Hanghöhe gestartet und haben dann uns noch geärgert, dass es nur einen Abflug gab und keine Thermik, dass wir die Thermik nicht nutzen konnten. Und als wir dann gelandet waren, haben uns dann die Franzosen dann zugesteckt. Ja, sag mal Leute, habt ihr mal die Windstation am Berg? Am Grand Ballon mal abgefragt, das ist ein 100 km/h Wind. Und da ist Lufthine zehn Kilometer weg davon.
Und da wird es dir dann schon anders, wenn du quasi 500 Meter über dir und zehn Kilometer von dir einen dreistelligen Windwert hast und hast es einfach verrafft. Ja, und das war das eine. Und das zweite war mal in Bassano genau das Umgekehrte, was für uns Gleitschirmflieger auch sehr schwierig ist. Bedeckt der Himmel, wo du nicht mehr siehst, was steht da rum. Und ja, denkst immer, es muss so schwarz sein. Unten die Wolkenbasis, wenn da ein Gewitter steht. Und so schwarz war es nicht. Und dann fängt es einmal an zu grummeln. Jetzt weiß man natürlich, hinter Bassano ist auch ein Steinbruch, wo gern mal gesprengt wird. Das hört sich ähnlich an. Und wir wollten eigentlich nur noch runterfliegen, irgendwie Schirme testen. Sonst wären wir da gar nicht hochgefahren bei dem Wetter. Aber wenn man halt so testen will, kommt man auf so blöde Ideen. Na ja, dann irgendwann grummelt es halt nochmal deutlicher.
Und dann denkt man, ups, ich glaube, da ist doch irgendwie was über uns. Und dann haben wir eingepackt, sind runtergefahren. Und die Fahrt vom Costa Lunga, damals war das, das sind eine Viertelstunde vielleicht, bis wir unten waren, da lag der Hagel zehn Zentimeter hoch auf der Straße. Und die Bäume hat es fast aus dem Boden gerissen. Da haben wir gedacht, also da in der Luft, dann schaut es auch ganz anders aus. Also auch so bedeckter Himmel, auch eine Situation komplett verpeilt.
Das heißt, du hast wirklich davon keine Ahnung gehabt in dem Moment? In
dem Moment hatten wir da wirklich, wir wussten schon, na ja, es ist vielleicht so ein bisschen, es könnte schauern oder sowas. Aber wir haben gedacht, nee, die Wolken sehen nicht schwarz aus von unten. Und heutzutage wird man auch nicht so schwarz. Wir müssen einfach in den Regenradar reinschauen. Heutzutage haben wir andere Möglichkeiten. Aber das war vor 20 Jahren, da gab es keinen Regenradar, wo du gucken konntest, überall stehen Schauerzellen rum. Wir haben es einfach, sowohl im jugendlichen Leichtsinn, Motivation, Übermotivation, haben wir es einfach verrafft. Und gesehen haben wir es auch nicht, natürlich durch den bedeckten Himmel. Also da haben wir schon einige Fehler gemacht am Anfang, auch in seiner Motivation einfach, die man an den Tag gelegt hat.
Das war für dich dann aber auch so, ich sage jetzt mal das Erweckungserlebnis, du sagst, nee, so kann es ja auch nicht sein. Also ich muss da mehr von verstehen, damit mir sowas nicht nochmal passiert oder damit mir nicht sowas mal passiert, dass ich dann wirklich sogar schon im Flug bin und dann geht das Gewitter über mir los und ich habe es nicht gemerkt. Ja, genau. Und wie hast du dir dann dein Wetterwissen selbst beigebracht? Ich meine, wenn man zu einem Meteorologen geht und dann sagt, erklär mir mal, wie das Gleitschirmwetter jetzt ist, dann haben wir ja das Problem, was wir am Anfang besprochen haben, dass die nämlich mit Formeln kommen und man dann nach fünf Minuten sagt, nee, danke schön, das brauche ich gerade nicht. Oder
du guckst ein Buch über Flugmeteorologie, für die großen Flieger und da steht dann über Thermik, steht dann ein Dreizeiler, Low Level Turbulence, das war es. Da kommst du auch nicht mit weiter. Ja, also ich hatte damals das Glück, dass,
verzeih mir die Nennung dieses Namens in der Freiflieger -Szene von Schubi. Ich habe bei Schubi auch gelernt. Genau, du hast bei Schubi auch gelernt. Und Schubi war damals schon sehr ambitioniert im Wetter. Der hat damals schon ein Seminar gehalten über die Mikrometeorologie des Gleitschirmfliegens und das war mittlerweile, als ich gelernt habe vor 24 Jahren, hat er das schon gemacht. Und er hat ja auch Physik und Mathe als Lehramt, hat da also auch einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Und da habe ich dann angefangen, mich mit dem auch zu unterhalten und war mit dem auch einige, viele, viele Male unterwegs in Europa. Und da haben wir uns tatsächlich gegenseitig dann überlegt, Mensch, wie funktioniert denn sowas? Jetzt haben wir die und die Wetterkarte. Wie kann das funktionieren? Wir haben das im Videotext. Wie können wir das zusammenpassen? Wir haben dann ganz viel zusammen tatsächlich gemacht und da kamen dann später andere Kollegen dazu, mit denen wir das gemacht haben.
Da hat man natürlich Bücher gelesen. Ich habe halt immer reflektiert, war viel draußen, habe mir Wetterprognosen angeguckt, Wetterkarten angeguckt und habe dann das Erlebte versucht, da irgendwie zusammenzukriegen. Also es war tatsächlich ein langer Weg, das autodidaktisch zu machen. Irgendwann wurden die Bücher besser und irgendwann kam das Internet dazu. Dann konnte man natürlich ganz andere Informationsquellen anzapfen und da war ich allerdings dann auch schon einigermaßen fit. Aber am Anfang war ganz wichtig, dass man Leute hatte, die auch Spaß daran hatten und Interesse hatten und einem was erklären konnten. Das war sehr wichtig.
Das heißt aber, dein Flugmeteorologie -Wissen, so viel Theorie auch darunter steckt, hat aber auch ganz viel mit dem Erfahrungswissen aus viel Anschauungsmaterial. Immer rumfahren, immer gucken und dann immer sich versuchen, das zu erklären. Mit dem, was man gerade irgendwie an theoretischem Material oder an Wetterkarten oder sowas zur Verfügung hat.
Ja, genau. Und das ist auf der einen Seite, wenn man mal so ein bisschen angebissen hat und mal ein bisschen Erfolgserlebnisse damit hat, dann ist es auch sehr interessant. Ich habe manchmal so das Gefühl, viele Leute lassen sich schnell frustrieren. Es ist auch immer wieder frustrierend. Du denkst immer, du hast was verstanden und dann ist es wieder anders. Okay, dann kann man sagen, okay, ich versuche mir das weiter zu erklären und komme dann wieder zum Ergebnis, habe dann Spaß, klopfe mir auf die Schulter und sage, toll, ich habe wieder was verstanden oder ich lasse mich irgendwann abschrecken oder ich habe am Anfang den Spaß gar nicht. Ich glaube, man muss so eine gewisse Anfangshürde mal überwinden und dann kann man Spaß daran haben. Und stellt dann fest, Mensch, ich kann es ja doch verstehen. Und man muss wirklich immer reflektieren, wirklich das, was man draußen erlebt, das einordnen.
Dann wird man sehr schnell besser.
Wenn jetzt heute Gleitschirmpiloten zu dir kommen, Anfänger oder vielleicht auch schon Fortgeschrittene, die aber einfach sagen, ich möchte mehr über Flugmeteorologie selber wissen und das lernen wollen. Was würdest du ihnen oder was empfiehlst du ihnen dann, wie sie für sich dabei am besten vorgehen?
Ich empfehle ihnen natürlich Lektüre eines guten Buches. Wobei ich sagen muss, Bücher sind schön als Begleiterscheinung. Also aus dem Buch selber auch nicht. Aus meinem Buch lerne ich nicht über das Wetter. Ich empfehle ihnen wirklich ein paar einfache Wetterseiten. Da können wir auch noch gerne mal drüber reden, welche das dann sind. Und sage, schaut euch die jeden Tag an. Also bei mir, ich habe in meinem Browser eingestellt, dass da vier, fünf Wetterseiten, die poppen am Anfang immer auf, wenn ich meinen Browser aufmache. Und da gucke ich einfach schon mal drauf. Und dann gucke ich mal aus dem Fenster. Und dann versuche ich, das mal auf die Reihe zu kriegen. Und ich sage, überlegt euch, wenn ihr am Hang seid, guckt euch vorher die Wetterkarte an, überlegt euch, was ist denn wirklich jetzt passiert und fragt andere Leute. Und empfehle ihnen auch, geht, sucht euch vielleicht mal eine Flugreise, wo jemand ist, der sich mit Wetter auskennt, der ein Faible dafür hat, da könnt ihr was lernen.
Fragt andere Piloten. Also viele Leute haben Wissen, aber wenn man die nicht fragt, bekommt man das Wissen gar nicht. Also es ist, man muss viel reden, man muss viel schauen. Das sind eigentlich so die zwei Sachen. Also nur Lektüre reicht mit Sicherheit nicht.
Würdest du sagen, wird allgemein unter Gleitschirmfliegern eigentlich zu wenig über das Wetter gesprochen? Zumindest im Detail?
Würde ich mal ganz klar sagen, ja.
Woran liegt das? Ich meine, eigentlich ist ja Wetter der Faktor, der unsere Fliegerei im Grunde am meisten bestimmt, weil es ja auch der variabelste Faktor von allen ist.
Ja, da tue ich mich tatsächlich auch ein bisschen schwer in der Erklärung. Ich wundere mich da auch immer, weil wenn man es mal von der Unfallstatistik sieht, kann man sagen 99 Prozent, alle Unfälle haben eine meteorologische Ursache. Und auf der anderen Seite bemerke ich, da ich mache schon seit 20 Jahren Meteoseminare, bemerke ich, dass nicht sehr sonderlich gut gebucht sind. Obwohl die vom Verhältnis her mit Sicherheit jetzt auch nicht überteuert sind. Und da frage ich mich, woran liegt es? Und ich denke, es ist schon am Anfang tatsächlich, ist es schwierig, da eine Begeisterung zu schaffen. Weil am Anfang ist es so ein Berg, vor dem die Leute stehen. Und es ist so schwierig. Und ich verstehe das doch nie. Und so werden einige aussteigen. Und bei einigen anderen ist es so, da habe ich manchmal so den Eindruck, in so einer Selbsterklärungsschiene mögest alle selbst erklären, mögest nie jemand fragen, der sich besser mit auskennt, damit ich mal alles selber mache.
Ist auch so eine Sache, die ich ab und zu an Startplätzen mal erlebe, wo ich dann denke, hättest mich ja auch mal fragen können. Hat halt keiner gemacht. Da tue ich mich tatsächlich ein bisschen schwer in der Erklärung. Also da bin ich zu wenig Psychologe.
Da hängt das vielleicht auch ein bisschen damit zusammen, wie Meteorologie in der Gleitschirmausbildung auch gelehrt wird.
Ja, da sehe ich auch einen Punkt. Und da sehe ich eigentlich fast noch weniger den Punkt, wie Meteorologie in der Gleitschirmausbildung, in der normalen Pilotenausbildung gelehrt wird. Weil da ist einfach wahnsinnig wenig Zeit. Und es ist wenig Erfahrung. Das heißt, wenn ich in der Aschenausbildung die gesamte Meteorologie unterrichte, ist es so abstrakt. Das kann eigentlich keiner aufnehmen und irgendwo einordnen. Da fehlt der Bezug. Aber wo ich ein großes Manko sehe, dass in der Fluglehrerausbildung die Meteorologie halt auch, finde ich, in meinen Augen viel zu kurz kommt. Und da eigentlich keine Begeisterung entsteht. Das heißt, je mehr Fluglehrer in der Meteorologie wirklich fit sind, und ich erlebe das immer, wenn ich mit angehenden Fluglehrern rede, und ich habe das ja selber auch durchgemacht, und der DHV ist jetzt auch mal an mich herangetreten, da was zu ändern,
dass da keine Begeisterung ist. Und wenn ich keine Begeisterung für was habe und mich selber nicht gut auskenne, dann habe ich auch keine Begeisterung im Unterrichten. Das ist dann auch das ungeliebte Kind. Ich kenne viele Kollegen, die drücken sich drum, den Meteounterricht zu machen, weil sie selber gar nicht sattelfest sind. Und wenn da in der Fluglehrerausbildung mehr Begeisterung wäre oder mehr Wichtigkeit darauf wäre, glaube ich, könnte man das auch an die Piloten anders weitergeben. Das ist ein ganz großer Punkt, der noch früher ansetzt als in einigen der Pilotenausbildungen. Ja, ich habe
auch mal eine Flugassistentenausbildung da gemacht und da war dann auch das Thema Meteorologie und da war dann auch ein klassischer, auch ein Gleitschirmfliegen, aber trotzdem ein klassischer Meteorologe, wo man dann wirklich das Problem hatte, dass der in seiner Meteorologen -Ausbildungsdenke wieder mit Formeln und sonst was auch da vorne stand und man dann richtig sah, dass bei den 20 anderen Assistenten, die da mitsaßen, die nicht so viel waren, dann auch ganz schnell eigentlich der Laden runterfiel und man merkte, ja, jetzt ist er denen abgehoben. Da kommen sie dann nicht mehr mit.
Genau, da gehst du aus dieser Ausbildung raus und nimmst Meteor auch als das ungeliebte Kind mit und das trägst du auch nach draußen in deine Ausbildung weiter und da glaube ich, da ist so ein großer da fehlt es bei mir, also von meinem Verständnis her ist das glaube ich eines der größten Probleme.
Du hast ja nun selbst ein eigentlich wirklich dickes Buch zum Thema geschrieben, 350 Seiten sind das, demnächst erscheint eine Neuauflage davon. Was hast du denn selbst beim Schreiben von diesem Buch noch wirklich Neues gelernt?
Also prinzipiell, wenn man unterrichtet und wirklich ernsthaft unterrichten will, jemand wirklich Wissen beibringen will, wird man selber nicht dümmer. Merke ich immer wieder, wenn ich das mache. Ich habe schon noch mal gelernt, Sachen präziser zu formulieren. Zum einen, wenn man was schreibt und man kann nicht mit Händen und Füßen erklären, muss man auch noch genauer argumentieren. Also da habe ich einiges gelernt. Dann habe ich noch viel über so großräumige Wetter -Sachen, langfristige Sachen, diese ganzen Höhenströmungen, diese ganzen ja wie soll ich sagen, Großwetterlagen, da habe ich noch so einiges mit dazu gelernt, wie da so einige Zusammenhänge sind. Die sind jetzt für den normalen Piloten sicher nicht so
weltbewegend, aber im Kleinen war es gar nicht mal mehr so viel, weil ich hatte ja schon eine Presse, eine Präsentation mit 250 Folien, wo das Buch darauf beruht hat. Das heißt eigentlich, so die ganzen Lerneffekte sind immer Stückchen für Stückchen, immer wenn ich meine Präsentation überarbeitet habe, immer wieder ein Thema neu aufgearbeitet. Ja, immer ein Föhn habe ich zum Beispiel viel gelernt noch mal. Das war so ein großer Punkt, weil ich mich da noch mal intensiv mit auseinandergesetzt habe.
Und gibt es ein spezielles Wetterthema, was für Gleitschirmflieger interessant ist, von dem du wirklich sagst, das ist echt schwer, das auch in Worten vernünftig zu erklären?
Hm, muss ich mal überlegen. Das ist ein, wenn du jetzt sagst eins.
Offenbar gibt es viele.
Das Buch hat 350 Seiten.
Ein Punkt, dass ich erlebe, was viele Leute unterschätzen, weil sie kein Vorstellungsvermögen dafür haben, sind meines Erachtens Geschehen, die mit Schauern und Gewittern zusammenhängen, also Kaltluftausflüsse, die man zwar eigentlich gut in Worten schon erklären kann, aber es halt auch tun muss und das Verständnis dafür haben muss. Es gibt eigentlich immer wieder Leute, die vor Schauern, vor Gewittern rumfliegen und kein Verständnis haben, was eigentlich von Sturm da rauskommen kann aus so einer Wolke. Das ist so ein Punkt, das geht sogar noch, das kommt sogar noch in der Ausbildung drinnen vor. Und ein Punkt, der noch schwerer zu erklären ist, ist, was kann denn eine halbe Stunde, eine Stunde später nach so einem Schauer und Gewitter noch kommen. Also ich kenne Erzählungen von Piloten, die sagen, ich bin aus dem Nichts bei blauem Himmel, hat es mich quasi zerlegt.
In untersten Schichten, als ich schon zum Landen gehen wollte. Und ich habe das selber auch schon erlebt, dass so eine Kaltluftausflüsse, so ein Downburst, der aus so einem Schauer rauskommt, dass der teilweise eine Stunde unterwegs ist. Das heißt, die Wolke ist schon lang weg, aber ich muss eine Stunde später noch mitrechnen, dass mich da noch was überrascht in meinem Landeanflug oder in 50 oder 100 Meter Höhe. Und das ist sehr schwer verständlich zu machen, weil, wie man sich das bildlich vorstellen kann, da braucht es schon
eine gewisse Zeit. Das ist aber nicht der Downburst, die Gewitterwolke war gerade über dir, sondern das war eine entferntere Gewitterwolke und das braucht dann halt seine Zeit, bis sich diese Kaltluft durch den Teel halt rüberschiebt oder dann entsprechende Druckwellen auslöst, die dann irgendwann bis zu dir ankommen und da dann halt noch Sachen machen.
Genau, jetzt als Beispiel, da ist eine Wolke, die ist 50 Kilometer weg und die Luft fällt dort wegen mir jetzt mit 70 Kilometer pro Stunde runter und die wird schon etwas gebremst, kommt dann irgendwann bei dir vielleicht noch mit 40 Kilometer pro Stunde an, aber dann braucht es ungefähr eine Stunde, bis es da ist bei dir. Die Wolke ist schon lang weg. Es ist blauer Himmel, du machst einen schönen Abendflug und vom nachmittäglichen Hitzegewitter ist nichts mehr zu sehen, aber die Kaltluft ist unterwegs zu dir und da haben wir schon wirklich Sachen gesehen, erlebt selber auch. Ja und ich höre es auch aus Erzählungen, wo dann so Sachen sind, ich verstehe es überhaupt gar nicht, was war da los, es war doch blauer Himmel, es war doch gar nichts mehr.
Das heißt, würdest du so Gewitterstimmungslagen vor allem in den Alpen mit als die gefährlichsten Wettersituationen einschätzen, eben weil man auch diese Fernwirkung so schwer einschätzen kann?
Ja, würde ich auf jeden Fall, würde ich auf jeden Fall so sagen und da sehe ich auch so ein bisschen Nachholbedarf im Verständnis.
Gehst du immer gleich landen, wenn du ein Gewitter siehst?
Nicht zwingend, also wo ich mir sehr genau überlege, wie ist die Orographie, wo steht das Ding, steht das Ding in meinem Talbereich, ist da eine Gebirgsriegel dazwischen, dann stört mich das schon weniger und wie weit ist es weg und dann versuche ich mir das zusammen zu überlegen und ich gehe dann landen, wenn ich es nicht mehr einschätzen kann, wenn ich sage, es ist abends zu nah, es ist in meinem Talbereich, sagen wir die Zeit des Schauers, die Kaltluft ist abgelaufen, dann gehe ich landen. Im Zweifelsfall gehe ich immer mal landen, tatsächlich. Im Zweifelsfall gehe ich immer mal landen, weil ich mich da nicht wohlfühle, das ist mein Vorstellungsvermögen, was da passieren kann, einfach zu groß inzwischen.
Bist du denn auch so einer, also ein technisch affiner Mensch, der dann auch im Flug oben sein Handy einschaltet, und sagt so, jetzt rufe ich mir noch den Regenradar aus und gucke, wo stehen denn hier die eigentlichen Gewitterzellen und wie weit ist das von mir weg und so?
Ne, tatsächlich nicht, muss ich ganz klar sagen, nicht. Also das wäre ich glaube ich vor 20 Jahren gewesen, in meiner Sturm - und Trankzeit, als ich auch ambitionierter geflogen bin inzwischen. Also erkläre ich mich da schon auch als Genuss und Hobby und Spazierflieger und wenn ich das machen muss, dann geht bei mir dann halt einfach der Fluggenuss verloren. Also ich freue mich dann, wenn das Wetter ganz safe ist und ich das gut einschätzen kann und wenn ich dann so Sachen machen muss im Flug, dann geht bei mir die Motivation verloren, dann gehe ich lieber landen und freue mich auf den nächsten Tag oder auf den übernächsten Tag und so. Also ich sage mal, die Sturm - und Trankzeit wie gesagt, ist bei mir vorbei und Leute, die jetzt sehr ambitioniert fliegen, die wirklich weite Strecken fliegen wollen, die müssen das natürlich tun, aber in der Liga spiele ich nicht mehr.
Zur Flugmeteorologie gehört ja auch immer die Wettervorbereitung, also die Vorbereitung der Wettereinschätzung für den nächsten Tag oder für den morgens, für die Früh, für den Tag und so weiter. Wie gehst du denn bei so einem Wettercheck vor? Was sind für dich so die wichtigsten Fragen, die du für dich abarbeitest?
Also prinzipiell arbeite ich immer als erstes die möglichen Risiken ab. Also tatsächlich gehe ich immer von der negativen Seite her dran. Ich versuche eine Risikoeinschätzung zu machen. Hat der Tag irgendwelche Risiken? Das ist das erste, was ich mache. Also dann checke ich ab, ist zum Beispiel der Wind stark, ist eine Gewitterneigung da, ist Föhn im Spiel und so weiter. Also das ist die eine Einschätzung, dass ich sage, das versuche ich rauszukriegen, damit ich erstmal das Ganze auf eine sichere Basis stelle. Und dann als Sekundäres, wenn ich motiviert bin oder wenn ich Leute bei mir habe, die motiviert sind, die ich jetzt zum Streckefliegen bringen will, dann überlegen wir uns ja, wie hoch und wie weit kann es denn gehen. Und von meiner Seite aus habe ich immer so die Großwetterlage. Das ist so das erste, was ich mir überlege.
Was habe ich denn überhaupt für großräumige Luftströmungen? Damit weiß ich, ich habe eine kalte Luft, ich habe eher einen sehr engen Isobarenabstand, ich habe eher mit Wind zu rechnen, ich habe eher mit wenig Wind zu rechnen, ich habe die und die Windrichtung, dann weiß ich in Alpen auch schon, bin ich auf der richtigen Seite, bin ich auf der falschen Seite, womöglich. Das habe ich eigentlich immer im Hinterkopf und daraus erklären sich ja auch viele klassische Wetterabläufe. Und wenn ich da jetzt im Prinzip was langweiliges entdecke und sage, naja gut, da ist Hochdruckeinfluss, wenig Wind, der Wind kommt aus der richtigen Richtung, dann sage ich, es ist in Anführungsstrichen langweilig, aber ich glaube, es ist kein Risiko da. Dann überlege ich mir, okay, wie stark ist jetzt der Hochdruckeinfluss? Ist das Hochdruckgebiet schon ein paar Tage da?
Könnte es dann die Thermik schon schlecht sein? Dann gucke ich mir wirklich an, ja, gucke ich mir vielleicht mal eine Thermikprognose an. Wie hoch geht es denn heute noch? Wie sind die Steigwerte denn zu erwarten? Was bringt denn der Tag im Einzelnen noch? Aber tatsächlich mache ich als erstes mal so diese grobe, diesen groben Check, ist denn irgendwo was, was mich, was dumm laufen kann? Und das sage ich als erstes ab. Was ich dann immer noch mache, wenn ich das gemacht habe, dann halte ich tatsächlich die Nase raus oder schaue mir den Himmel an und versuche wirklich nochmal den Check zu machen, ist es denn, passt das denn zusammen? Im Plausibilitätscheck. Und wenn das, was ich dann sehe, mit dem, was ich in Wetterkarten gesehen habe, nicht zusammenpasst, dann fange ich an, wirklich intensiver zu recherchieren. Und wenn dieser erste Check auch nichts
langweiliges gesagt hat, sondern da sind Fronten im Spiel, da sind Schauer angesagt und sowas, dann fange ich wirklich an, in die Tiefe zu gehen. Gucke mir dann genauere Windprognosen an, gucke mir genauere Schauerprognosen an, gucke mir
Windstationen an und so weiter. Versuche wirklich genau die Echtzeitwerte rauszukriegen.
Heute gibt es ja gerade für sowas ungeheuer viele und immer mehr Ressourcen im Internet, also noch viel, viel mehr als vor zehn Jahren und sowas. Was gehört denn heute so zu deinen Lieblingsseiten? Das hat es ja vorhin schon so angesprochen, das könnten wir ja später nochmal besprechen. Jetzt sind wir da dran. Also was sind so die Seiten, die du hauptsächlich nutzt?
Also wenn ich so den ganz anfänglichen, langweiligen Wetterbericht machen will, den ich auch den Anfängern empfehle, dann nehme ich einfach mal von der Unwetterzentrale den Warnlagebericht. Das ist, auch wenn wir nicht bei Unwetter fliegen wollen, ist das eine abgespeckte Wetterkarte mit nicht meteorologendeutsch, sondern im verständlichen Deutsch mit Wettererscheinung erklärt. Und da ist zwar nicht alles drauf, aber damit hat man ganz einen groben Überblick. Da hat man die Bodenwetterkarte mit Fronten und hat die Isobahnabstände und kriegt auch wirklich, wenn irgendwas ist, wenn Gewitter außer der Reihe dran sind und Kaltluftausflüsse zu erwarten sind, ist das auch gerne mal erklärt in deutschen Sätzen, in verständlichen Sätzen. Finde ich ganz praktisch so um so den ersten groben Überblick. Außerdem ist ein Regenradar für Deutschland auch dabei.
Und dann, was ich gerne schaue, den ich auch abonniert habe, das ist der Meteor Parapont. Das ist ein sehr bekannt französischer Gleitschirmflieger. Das finde ich sehr, also der macht sehr viele Sachen ein bisschen für uns aufbereitet. Einfach wie hoch geht die Thermik, wie stark ist die, wie ist der Wind in welcher Höhe und mit vielen, vielen, vielen Sachen, die er da drin hat. Also da kann man sich wirklich als Nerd betätigen, aber auch für einen Anfänger ist es auch, sind auch ein paar Sachen ganz brauchbar. Windy ist heutzutage, denke ich, auch Standard. Und vor allem versuche ich bei Windy Windy auch zu nutzen, um einfach die verschiedenen Modelle zu vergleichen. Weil es gibt Wetterlagen, wo einfach alle vier Modelle was anderes sagen. Und dann weiß ich auch, meine eigene Nase und mein eigenes Bild, was ich mir machen muss, ist viel wichtiger als das, was ich da gesagt kriege.
Und wenn sich alle einig sind, ist auch einfach. Und es ist schön, alles, was sich bewegt, finde ich sehr schön. Es ist plausibler, es ist plastischer. Ich kann die Windströmung sehen. Ich kriege mehr Verständnis, was da wirklich ist. Da finde ich Windy ganz gut. Und ansonsten bin ich auch Fan von Satellitenfilmen, Satellitenaufnahmen, die auch gerne bewegt sein dürfen. Da sehe ich auch, was kommt auf mich zu. Ich sehe die Bewölkung. Es ist einfacher zu verstehen als einfache Piktogramme oder einfache als die normalen Wetterkarten. Das sind so meine Hauptseiten. Meteor Blue gucke ich auch sehr gerne. Als in Anführungsstrichen, wenn man ihn nicht abonniert, als so ein bisschen erweitertes Touristenwetter. Aber die haben auch sehr gute Prognosen oft.
Das sind so meine Hauptseiten tatsächlich. Und was gucke ich noch?
Die Profikarten. Das ist eine sehr, sehr gute Frontenkarte, die da drin steckt von dem holländischen
Wetterinstitut. Das sind diese ganzen Konvergenzlinien, Squallines und sowas. Böhnlinien sind da teilweise mit eingezeichnet. Die halte ich für sehr, sehr gut. Das sind so die wichtigsten Sachen, die ich so mache. Sonst kommen wir jetzt von Hölzchen auf Stöckchen.
Was wird denn von den meisten Piloten so, aus deiner Erfahrung nach, beim Wettercheck am häufigsten vergessen?
So der Blick fürs große Ganze tatsächlich. Also ich habe oft so das Gefühl, aus der Unsicherheit raus und aus dem noch Unverständnis versucht man Abkürzungen zu nehmen und versucht quasi sich das Wetter möglichst
schwarz auf weiß
vorzubereiten. Und das heißt, ich benutze eine App mit Piktogrammen. Ich gucke einfach nur und vergesse vielleicht den Höhenwind mit weil ich einfach nur in meiner App oder auf meiner Webseite einfach nur gesagt kriege, wie ist denn der Wind an dem und dem Ort. Dann sagt es mir ja nicht, wie ist der Höhenwind an dem und dem Ort in 1000 Meter, 2000 Meter über mir. Und ich glaube so das Bild für so eine
Wetterkarte, wo viel Information drin steckt, wo viel
klassische Wetterabläufe eigentlich auf einen Blick zu erkennen sind, das fehlt oft ein bisschen aus der Erfahrung raus. Und es wird oft versucht eine Abkürzung zu nehmen, die oft nicht funktioniert.
Das heißt so dieses klassische Postleitzahlen Wetter oder eine App, wo man sagt, ich will an dem und dem Startplatz, also tippe ich mal eben Neuwied ein oder sowas und dann zeigt er mir das entsprechend an. Das kann zwar vielleicht für diesen Punkt auch so ungefähr stimmen, aber letzten Endes weißt du wirklich nicht, was im großräumigen Bereich noch kommt.
Genau und es sagt dir auch nicht, was fällt dir aus 1000 Meter über dir womöglich auf den Kopf am Nachmittag. Und da glaube ich werden es werden viele Sachen, wir verpeilen viele. Und dann habe ich auch so aus meiner Erfahrung raus sitzen viele Leute morgens am Wetter gucken und dann sage ich mal, habt ihr eigentlich mal geschaut von wann die Prognose eigentlich ist. Und dann stellt man dann fest, dass also die Wetterdienste, die in der Regel nichts kosten, dass die in der Regel auch nur zweimal am Tag aktualisieren, manchmal auch nur einmal am Tag aktualisieren. Das heißt die Wetterprognose, die ist aus der letzten Nacht, also die ist sehr alt. Die ist nicht von morgen. Und die haben dann teilweise alte Informationen, wenn man dann zu früh schaut. Also da fehlt es auch manchmal. Schaut man auf den Zeitstempel und dann oh, das ist diese ganz alte Prognose.
Hätte ich jetzt nicht gedacht. Und die neuere sieht dann manchmal auch anders aus. Aber manchmal
ist ja auch so, dass nicht unbedingt also auch die schnellrechnenden, also häufiger aktualisierten Modelle nicht unbedingt immer die besseren sind zur bestimmten Einschätzung. Es gibt ja auch manche, wo du sagst, ein 12 Stunden altes ECMWF ist häufig besser als irgendwie in vor 6 Stunden gerechnet ist, sehr feinräumiges, wo du dann sagst, aber die wirklichen Entwicklungen sind damit dann auch nicht so gut abgebildet.
Das finde ich übrigens auch ein sehr, sehr, sehr gutes Modell, das ECMWF -Modell. Also das hatte ich vorhin vergessen. Das steckt aber in Windy zum Beispiel mit drinnen. Und ich habe mich auch sehr gefreut, dass die Daten da jetzt frei zugänglich sind. Habe das früher auch mal geschrieben.
Was hältst du eigentlich von solchen Angeboten wie Paraglideable, so eine Seite, die mit künstlicher Intelligenz arbeitet, um da die guten Streckenfluglagen herauszuarbeiten?
Da habe ich auch extra ein neues Kapitel drüber geschrieben und da muss ich jetzt natürlich aufpassen, dass ich zwischen meiner Fluglehrertätigkeit und der, genau den Leuten, die jetzt auch Strecke fliegen wollen, mal differenzieren. Also prinzipiell finde ich das einen sehr interessanten Ansatz und ich denke, da steckt wahnsinnig viel Potenzial drin, wenn man das tatsächlich mal so hinkriegt. Für mich sind da zwei Sachen, die ich da so im Hinterkopf habe. Zum einen haben wir natürlich eine ganz unterschiedliche, eine heterogene Pilotengruppe. Du hast jetzt gerade die Streckenflieger genannt und ich denke, die sind da bei Paraglideable auch, vor allem wenn es ambitioniert ist, sind auch gar nicht schlecht aufgehoben, weil Paraglideable ja sagt, ich gucke in die Historie der Wetterlage und schau, was sind da für Strecken geflogen worden.
Ich aus meiner Sicht, die ich jetzt eher mit Hobbypiloten zu tun habe und so angehenden Streckenpiloten, also Leuten, die noch nicht sagen, jeder Kilometer, es zählen nur Kilometer, die also eher bei gemäßigteren, wir haben es dann Gourmetthermik -Bedingungen genannt, die auch schön fliegen wollen, nicht ambitioniert fliegen wollen, die also keinen Sport draus machen wollen und keinen Vergleich draus machen wollen, die also nur zum eigenen Genuss fliegen, für die ist Paraglideable denke ich nicht nutzbar, weil wer reicht Flüge ein? Wer reicht bei zweifelhaften und bei schwierigen oder vielleicht auch mal kritischen Wetterbedingungen einen Flug ein, dass der bei Paraglideable dann als Flug zählt und als Streckenflug tauglich zählt? Das sind Leute, die sehr ambitioniert sind, die sich auch vergleichen wollen und die Piloten, die sich nicht vergleichen wollen, die würden bei solchen Bedingungen vielleicht auch gar nicht fliegen, weil das viel zu turbulent ist, viel zu windig ist.
Also da muss man schon differenzieren. Was ich bei Paraglideable hochinteressant fände, wenn man so
diesen Algorithmus jetzt noch mit der Unfallstatistik oder mit Kappenstörung verknüpfen würde, das fände ich geil.
Ja, dann müsstest du aber erstmal alle Piloten dazu kriegen, dass sie in ihrem IGC -File oder wie auch immer noch so eine Taste haben, wo du sagst und kleiner Klapper, großer Klapper wird da direkt mitverzeichnet. Ich träum
halt auch manchmal.
100 Meter Höhenverlust war allein durch die Kappenstörung bedingt.
Also sag mal, ich beobachte Paraglideable schon jezeit, es gibt immer wieder in den Wochen, in denen ich unterwegs bin und dann irgendwo bin und dann schaue ich mal, wie sind denn die Bedingungen vor Ort und was würde denn Paraglideable jetzt sagen? Und dann erlebe ich halt schon oft, dass so Bedingungen sind, wo man als, sagen wir mal, als Normalpilot sollte man jetzt nicht fliegen und Paraglideable sagt grün und man sieht auch tatsächlich den einen oder anderen eine Strecke einreichen. Da muss man einfach sagen, also wer weiß, was er tut und wer weiß, was er kann und wohin will, für den ist Paraglideable mit Sicherheit hilfreich. Für die anderen würde ich Paraglideable sagen, wenn Paraglideable sagt, es ist nicht fliegbar, dann ist es der Schluss, der gilt eher. Also ich betrachte das ein bisschen differenziert, aber ich finde es ein sehr interessanten Ansatz und ich würde mich freuen, wenn das noch besser wird.
Wo ich dieses Tool interessant finde, ist weniger für die, sagen wir mal, den aktuellen Tag das zu gucken, sondern einfach wirklich nur so als Überblicksding die Entwicklung der nächsten Tage. Wenn du siehst, es bleibt immer alles in rot, dann weißt du, ja, es ist wahrscheinlich nicht. Und wenn du siehst, da kommen fünf grüne Tage am Stück und da sind jetzt die ganzen Alpen sind grün oder sowas, das könnte sich vielleicht lohnen, darüber nachzudenken, ob ich in die Alpen fahre oder sowas. Also das wirklich so als Entscheidungshilfe für so ein bisschen Vorplanung. Genau
so würde ich es auch interpretieren. Dass man wirklich sagt, okay, wenn das jetzt rot ist, dann kannst du eigentlich ziemlich sicher sein, dass du es vergessen kannst. Und wenn es grün ist, dann lohnt es sich auf jeden Fall nachzugucken, für wen ist es denn jetzt grün? Und dann werden die einen sagen, ja, geil, wir kriegen die tollen Tage und die anderen sagen, ja, leider nur Tage für die Cracks. Aber genau so würde ich es auch sagen. Also man sollte es auf gar keinen Fall so einfach nehmen und sagen, ja, heute ist jetzt der Tag grün, ja, super, wir gehen jetzt fliegen. Die Abkürzung geht auch wieder nicht.
Unter Fliegern gibt es ja so einen viel zitierten Spruch, der immer heißt, das Wetter wird vor Ort gemacht. Auf gewisse Weise stimmt das ja auch. Du sagst, man sollte auch immer gucken, was da ist. Worauf achtest du, wenn du so morgens quasi aus dem Fenster guckst und sowas? Was sind so die Sachen, wonach du schaust, um zu sagen, hm, wie schätze ich den Tag ein und passt das einigermaßen zu dem, was ich gehört habe, wie er werden soll?
Hängt jetzt dadurch davon ab, in welcher Region ich unterwegs bin. Also im Flachland mit Sicherheit wird man da andere Sachen gucken als in den Alpen. Ich habe jetzt heute, so wie schon gesagt, heute Morgen aus dem Fenster rausgeguckt und ich wohne ja in Marburg. Marburg ist ein Tal, Flusttal. Und da ist man wieder aufgegangen, genau heute ist wieder so ein Tag, das würde ich auf jeden Fall in den Alpen und in Tallagen würde ich das auf jeden Fall mal den Blick in den Himmel bewerten wollen. Heute ist nämlich Nebel hier in Marburg und gestern war eine klare Nacht. Und das ist dann gut so, wenn nach einer klaren Nacht im Winter Nebel ist. Das gehört sich nämlich so, wenn Hochdruckeinfluss ist, der Boden kann abstrahlen, die Luft kühlt sich ab, es entsteht Nebel. Wenn ich jetzt heute Morgen jetzt keinen Nebel hätte, vor allem wenn ich in einem Alpental wäre und ich hätte an so einem Tag keinen Nebel, dann hätte ich ein Fragezeichen.
Man hätte gesagt, ja Mensch, wieso ist der Nebel weg? Und zu 70, 80 Prozent hat dann der Föhn, die Bora oder wie auch immer man den Wind nennen will, den Nebel weggeblasen. Also zum Beispiel eine Sache, die ich immer checke, ist denn in den, wenn eine Wetterlage wäre von Nebel, ist der denn auch da oder ist der nicht da? Dann würde ich, immer wenn ich auf der Alpensüdseite mich befinde, würde ich schauen, wie ist denn die Himmelsfärbung? Ist die denn tiefblau, fernsichtig? Dann kommt nämlich der Wind wahrscheinlich aus der falschen Richtung, nämlich aus Norden und ist sehr fernsichtig und sehr aerosolarm. Dann muss ich mit Nordföhn, Bora, Mistral rechnen. Also das sind so Sachen, die man relativ schnell rauskriegt. Dann schaue ich mir die Wolken an. Natürlich, wenn ich welche habe, wie schnell sind die? Vor allem gucke ich mir diese klassischen Gewitteranzeige an, diese Schäfchenwölkchen, wenn die morgens am Himmel sind.
Dann weiß ich auch schon, ja, es ist zwar kein Gewitter vorhergesagt, aber wenn ich Schäfchenwölkchen morgens am Himmel habe, dann kann ich in den Alpen mit fast hundertprozentiger Sicherheit irgendwo mit dem Gewitter rechnen am Mittag, auch wenn da in der Prognose nichts drin ist. Dann würde ich sagen, ist das, was jetzt tatsächlich passiert ist, wahrscheinlich
aussagekräftiger als das, was im Wetterbericht drin steht. Das wären so drei ganz wesentliche Punkte, die ich zum Beispiel mal gucken würde. Dann gucke ich, ja, vorm ersten Kaffee ist denn irgendwo Wind, wo keiner sein sollte? Das gilt vor allem auch wieder in den Alpen, wenn ich morgens im Tal keinen Wind haben sollte oder noch Bergwind haben sollte. Und das ist nicht da. Also, ich versuche eigentlich immer, mir für die Region, in der ich mich befinde, eine Normalität mir zu überlegen. Also, wenn man mal ein paar Tage irgendwo war oder mal ein paar Wochen irgendwo war, dann weiß man, was eigentlich zu welcher Tageszeit normal ist an Wind, zum Beispiel. Das war eben in den Alpen. Wenn das abweicht, egal zum Positiven oder zum Negativen, dann, positiv könnte ja sein, ist es weniger Wind, als ich eigentlich denke. Das muss aber nicht positiv sein.
Es ist ja trotzdem irgendeine Wettererscheinung hat diesen Wind ja jetzt blockiert oder geändert. Also, vielleicht kommt dann der Wind gleich aus einer ganz anderen Richtung. Und da versuche ich dann zu hinterfragen, warum ist das denn jetzt anders? Also, so von der Normalität ausgehend, was ist denn anders?
Das ist das jetzt am Morgen. Gibt es auch sowas, oder hast du für dich so Routinen, dass du sagst, auch im Laufe des Tages, so alle halbe Stunde mache ich für mich nochmal so einen Plausibilitätscheck oder sowas? Also, dass das wirklich so im Hinterkopf abläuft?
Ja, klar. Schauen wir die Wolkenentwicklung an, schauen wir in den Alpen die Talwindentwicklung an. Wie nimmt das zu? Passt das denn zusammen? Kommen die Wolken wesentlich schneller? Fallen die nicht mehr zusammen, obwohl es angesagt war, sie sollten zusammenfallen? Also, das checke ich eigentlich die ganze Zeit. Im Prinzip nicht nur jede halbe Stunde. Das geht eigentlich so. Diese Rädchen, die laufen eigentlich dauern, dass ich mir den Himmel und das alles anschaue. Ja. Da lasse ich mich nicht auf nur mein morgendliches Ding, da gucke ich dann halt tatsächlich nochmal. Sind die Wolken mächtiger geworden, als ich gedacht habe? Oder sind sie nicht mächtig geworden? Ist die Wolkenbasis ordentlich angestiegen? Ist sie nicht angestiegen? Bewegen sich die Wolken jetzt auf einmal doch schnell? Oder werden sie vom Hang weggeblasen? Das kontrolliere ich im Prinzip immer.
Auch natürlich während des Fluges.
Sowas müsste man ja eigentlich schon in die Köpfe von den Flugschülern dann auch schon so reinkriegen, dass du sagst, vor jedem Start wird einmal abgefragt, was siehst du im Himmel, beziehungsweise wie schätzt du das jetzt ein? Hat sich das jetzt im Verhältnis zu deinem anderen Flug vor 20 Minuten oder sowas, hat sich da was verändert, dass die einfach merken, ich muss immer wieder gucken, ich muss immer wieder gucken und sowas?
Genau. Tatsächlich müsste das in die Köpfe rein. Und ich habe da jetzt tatsächlich in der neuen Auflage da auch nochmal versucht, so
diesen Check, also quasi so ein Zehn -Punkte -Check, wann ist gutes Wetter, habe ich eh schon mal gehabt. Aber jetzt habe ich nochmal so ein paar Wetterklassiker zusammengeschrieben. Wenn du die Klassiker siehst oder bestimmte ganz klassische Abläufe, dann heißt das das und das zum hohen Prozentsatz, dass man die schon mal einfach als Mustererkennung abreift, ohne jetzt ein tiefes Verständnis entwickeln zu müssen. Und tatsächlich ist es so, wer einen Tag am Startplatz ist und sich wirklich nicht einfach nur mit Smalltalk beschäftigt, der ist, selbst wenn er nicht geflogen ist, ist er abends müde, weil er die ganze Zeit eigentlich geguckt hat, kann ich fliegen, kann ich nicht fliegen, wie hat es sich denn entwickelt? Und auch wenn die Entscheidung war, ich fliege nicht, bin ich trotzdem abends müde. Weil ich die ganze Zeit mich beschäftigt habe.
Dein Hirn musste ständig Entscheidungen treffen, nicht zu fliegen. Ist ja auch anstrengend.
Genau, musste ständig Entscheidungen treffen, nicht zu fliegen. Oder dann zum Beispiel auch die Entscheidung zu treffen, so jetzt passt es, jetzt ist die Basis hoch genug, der Wind passt, jetzt kann ich auf Strecke gehen. Das ist genau so, im Prinzip die Piloten, die auf Strecke gehen wollen, müssen diese Entscheidung ja auch ständig fällen. Passt das noch, wie hat sich die Wolkenentwicklung verändert, kann ich da hier rüber fliegen oder ist die Basis da drüben zu niedrig oder ist da abgeschattet? Also das hat viel mit Erwartungen den ganzen Tag über zu tun.
Nun beobachtest du ja schon seit vielen, vielen Jahren das Wetter. Und dann lass uns doch mal so ein bisschen versuchen zumindest in die Zukunft zu schauen. Sei es Thema Klimawandel und so. Was siehst du oder was hast du in diesen 20 Jahren selber schon an wirklichen Veränderungen so bemerkt, wo du sagst, das sind Veränderungen, die uns Flieger wirklich betreffen?
Also eine ganz wichtige, was die Alpenfliegerei betrifft, die Talwinde haben zugenommen. Seit ich angefangen habe in den Alpen zu fliegen vor mittlerweile 24 Jahren, haben die Talwinde wirklich signifikant zugenommen. Also als Beispiel, ich bin leidenschaftlicher Südfrankreich -Flieger und früher sind wir da um fünf auf den Startplatz gefahren und um halb sechs gestartet. Heutzutage fahren wir um sechs auf den Startplatz und starten manchmal um sieben. Es ist also ganz erheblich, wie die Talwinde zugenommen haben. Das ist jetzt abends um sieben, nur zur Einordnung? Das ist abends, genau abends zur Einordnung, genau. Und auch in Slowenien, was eigentlich einen eher schwachen Wind hat, sind auch in den letzten 20 Jahren die Talwinde stärker geworden. Auch in Südtirol, ich habe mit einigen Piloten in den Alpen oder mit vielen Piloten auch gesprochen, die in den Alpen unterwegs sind, die bestätigen das aus ihren Gebieten, dass die Talwinde zugenommen haben.
Und das ist auch natürlich eine Folge des Klimawandels. Wir haben weniger Gletscher, wir haben früher schneefreie Flächen und das heißt, das alpine Hitzetief entwickelt sich stärker und damit kriegen wir verstärkte Talwinde. Das führt zu geänderten Louvre -Lez -Situationen, das führt dazu, dass manche Strecken schwieriger zu fliegen sind, vielleicht auch gar nicht mehr zu fliegen. Weil sie im Ledes zu kräftigen Talwindes geraten. Und das schränkt unter Umständen halt auch unser Flugfenster irgendwann auch ein. Zumindest in bestimmten Gebieten. Das ist eine Sache, die ist mir ganz deutlich
aufgefallen. Das heißt, wir kriegen irgendwann solche Verhältnisse, wie vielleicht mancherorts schon in Spanien ist, wo du sagst, weißt du was, mittags brauchst du erst gar nicht versuchen auszupacken, dich bläst es eh davon.
Das könnte in bestimmten Gebieten so kommen, ja. Das würde mich nicht wundern. Also in bestimmten talwindstarken Gebieten wird es dann so sein. Das zweite, was ich so bemerkt habe, dass wir
zunehmend stabilen Wetterlagen kriegen. Also stabil meine ich jetzt nicht mit atmosphärisch stabil, sondern lang andauernd. Also Wetterlagen, die einfach mal über zwei Wochen, drei Wochen, vier Wochen, sechs Wochen, acht Wochen Bestand haben. Und das hat man die letzten Jahre jetzt verstärkt mit dem Skandinavien -Hoch da auch zu verzeichnen gehabt. Dass dann praktisch die Leute, die im Hochdruckgebiet waren, ewig lang schön Wetter, Trockenheit hatten. Diese krassen Thermiken mit das Devils, wo du ja auch dankenswerterweise einen Artikel geschrieben hast. Und auf der anderen Seite nebendran, neben diesem schönen Wetter natürlich auch lang andauernd schlechtes Wetter, das dann zum Beispiel teilweise Südfrankreich reihenweise sehr starke Niederschläge gekriegt hat. Sehr viel Schauer, Gewitter. Das dann halt auch lang andauernd. Und diese Wetterlagen scheinen, das sind sich auch so, das scheint auch von Meteorologen bestätigt zu sein, soweit meine Recherche reichte,
dass diese Wetterlagen öfters kommen. Also diese sogenannten meridionalen Wetterlagen. Dass sich die Strömungsmuster nicht mehr so schnell ändern. Die stellen sich dann ein und dann bleiben sie länger.
Ist das jetzt aus Fliegersicht was Schlechtes oder was Gutes?
Je nachdem, wo du bist. Das kann, wenn du in dem Bereich bist, wo du gutes Flugwetter hast, natürlich super sein. Dann hast du mal sechs Wochen lang tolles Wetter. Wenn du im schlechten Wetter bist, ist es halt dumm gelaufen. Also es könnte, wenn jemand in seiner Obstplanung flexibel ist, natürlich gut sein, dass man das dann langfristig einschätzen kann und da seinen Urlaub danach richten kann. Speziell aber, wenn ich jetzt so zum Beispiel diese Trockenheit nehme, dann würde ich sagen, ist es aus Fliegersicht eher nicht so gut, weil das einfach zu sehr, sehr, sehr sportlichen Bedingungen, vor allem unten raus, vor allem die untersten 100, 200 Meter der Thermik führt. Und das ist dann, wenn das mal wochenlang hat, Bestand hat, dann ist es halt so, da kannst du morgens vor der Thermik fliegen
oder abends, wenn sich alles geruhigt hat, aber kannst du den Nachmittag, den Mittag, kannst du dann knicken und das ist natürlich aus Fliegersicht dann doof.
Hast du deine eigene Art der Fliegerei dahingehend schon ein bisschen umgestellt oder fliegst du heute einen Schirm mit kleinerer Fläche oder sonstiges?
Nö, das würde ich gar nicht sagen. Ich fliege eigentlich eh tendenziell eher Mitte bis oben belastet und da ich ja nicht der Allerleichteste bin, per se bin ich, da die großen Schirme sowieso immer ein bisschen schneller sind, eigentlich dann nicht benachteiligt.
Muss ich mal so sagen. Ne, mache ich also tatsächlich nicht. Das würde ich vielleicht machen, wenn ich jetzt irgendwo an der Küste unterwegs wäre, aber da ich eigentlich lieber Thermik fliege, denke ich mir dann jetzt, wenn so viel Wind ist, dass ich zum Thermik fliegen eine kleinere Fläche brauche, um nach vorwärts zu kommen, dann würde ich sagen, ist es halt kein Flugtag für mich, dann lasse ich es.
Aber im Schnitt würdest du sagen, der Klimawandel macht das Gleitschirmfliegen nicht leichter.
Genau, würde ich auf jeden Fall mal so sagen. Also man muss da ein paar Sachen umdenken. Also es werden dann vielleicht einige Gebiete gewinnen, also ich denke mal zum Beispiel könnte aufgrund der Talwindsituation könnten dann halt talwindschwache Gebiete zu den Gewinnern zählen dann letztendlich. Zum Beispiel?
Einfach nur um das ein bisschen einordnen zu können? Zum
Beispiel Slowenien könnte da zum Beispiel eher zum Gewinner werden, weil Slowenien halt noch eher schwache Talwinde hat und die dann halt nicht so störend sind. Und deswegen mir, wenn du jetzt Südfrankreich nimmst, das Inneralpien, Durance, Ubeital und so weiter, wo eh schon sehr starke Talwinde herrschen, die könnten dann zu verlieren, weil du dann mittags einfach, so wie du im Talwind bist, einfach rückwärts fliegst. Und deshalb auch noch bis spät in August oder in September rein. So könnten wir es mal sagen. Also da wird sich vielleicht die
Reiseziele vielleicht noch ein bisschen ändern. Oder die Mittagspausen länger werden.
Gleichzeitig hieße das aber auch, eigentlich bräuchten wir noch besseres Wetterverständnis wieder bei den Menschen, weil die diese vielleicht größeren Extreme, die mit dem Klimawandel da mit einhergehen, auch die größeren Extreme selbst in einem Tagesverlauf, wo du halt sagst, es fängt ganz schwachwindig an, aber mittags brüllt es und abends wird es dann wieder schwach und sowas, dass die das eigentlich wirklich lernen können, das noch viel besser einzuschätzen, beziehungsweise für sich vorherzusehen und wirklich sagen, pass mal auf, um 11 Uhr gehe ich landen und packe ein und vor 17 Uhr fahre ich da garantiert nicht mehr wieder hoch.
Also dazu bräuchte man halt genau dieses bisschen Verständnis halt auch, da ist man wieder dabei, man muss es halt, man muss sich der Arbeit stellen und da Verständnis dafür entwickeln. Und ja, Begeisterung bei einem Fluglehrer, das wäre mein Wunsch.
Nun ist ja Wetter nicht nur gefährlich und kompliziert und sonst was alles, sondern beschert uns ja auch zuweilen so richtig schöne magische Flüge. Lass uns doch mal zum Abschluss nochmal so ein bisschen schwelgen in den schönen Seiten des Wetters, was man damit, ja, was man davon wirklich profitieren kann. Was hast du denn mal so als besonders herausragende Wetterphänomene, die dir zu magischen Flügen verholfen haben, was hast du da so erlebt?
Also genau, man darf das Wetter ja nicht schlechtreden. Ich bin nach 24 Jahren immer noch begeisterter Gleitschirmflieger und immer noch Fluglehrer, weil ich mich freue, dass ich Leute da heranführen kann an diesen geilen Sport. Und ja, also eine ganz klassische Sache mal vor schon ein paar Jahre her, war mal im September in Annecy. September ist ja dann schon nicht mehr die starke Thermikzeit und wir sind nachmittags schön geflogen und es war schon halb acht Uhr abends und die Thermik schaltet langsam ab und ich denke, naja, vielleicht kannst du ein bisschen Umkehrthermik fliegen über den See und ach, es geht so langsam runter und dann denke ich, man könnte auch langsam mal essen und auf einmal sehe ich unter mir so fünf, sechs Schirme nochmal drehen. Da denke ich, na, das könnte doch noch interessant sein, wenn da welche unter mir anfangen zu drehen. Fliegst du mal drüber und dann haben die tatsächlich ein wunderschönes
Bärtchen hochgebracht, was also nochmal tatsächlich über 2.000 Höhenmeter durchgezogen hat, bis auf 3.500 Meter. Das heißt, es sind über 2.000 Meter, über den Start nochmal in Annecy, mit Blick auf den Mont Blanc in der Abendsonne und letztendlich dann 3.000 Höhenmeter zum Abgleiten zum Landeplatz. Also ich bin dann zweimal über den See geflogen, wieder zurück und nochmal drüber und einfach, es war dann so magisch, tote Luft, Sonnenuntergangsstimmung, es war also ein Traum. Also dann denkst du wieder, ja genau, genau deshalb machen wir Gleitschirmfliegen.
War das jetzt für dich absolut überraschend oder war das etwas, wo du sagst, nein, man kann sich das auch erklären und man kann auch auf sowas quasi
hinarbeiten, hinfliegen oder es vielleicht mit einplanen und sagen, pass mal auf diesen Effekt, der kann ja nochmal eintreten unter den und den Bedingungen.
Ja, es war, ich würde schon erwarten, dass das schon auch mal eine besondere Situation war tatsächlich in dem Fall. Die Thermik kam schon aus der Flanke, die in der Sonne war, also wenn man hätte was erwarten wollen, wäre es genau da gewesen. So war ich auch tatsächlich nicht weit davon weg. Und das hat auch wieder was mit dem Verständnis zu tun, ja, was kann man denn manchmal noch erwarten, auch wenn man denkt, es ist schon vorbei. Ja, immer nochmal versuchen, die letzte Thermik nochmal anfliegen. Könnte ja immer nochmal gehen. Dann, was war noch ein sehr einprägsamer Flug, also der war nicht sehr lange, aber sehr, sehr einprägsam tatsächlich auf einer der schönen Kanareninseln. Da sind wir tatsächlich im Louvre der Staumauer geflogen, die dann schön glatt geschliffen über den
Berg gezogen ist.
Staumauer heißt Wolkenstaumauer, jetzt nicht vom Stausee, sondern der Passatwind
drückt gegen die... Genau, Passatwind, genau, ist auf Lanzarote über die Kante gehoben worden und ist dann so ganz glatt als Strömungswolke. Und oben drüber war tatsächlich noch eine Läntkulareswolke, nochmal eine Strömungswolke und dazwischen drinnen konnte man also fliegen mit der entsprechenden Wetter, Wetterprognose mit der entsprechenden Vorsicht, wie stark der Wind denn dann wirklich ist, dass man rechtzeitig einen Absprung kriegt. Und es war also tatsächlich, waren traumhafte Bedingungen mit ungefähr 30 km/h Wind und es war so magisch glatte Luft, also sowas gibt es noch nicht mal in Dänemark an der Küste, so eine saubere, turbulenzarme Luft. Das ist unglaublich und dann der Blick über den Atlantik raus, also waren Gänsehaut, gibt es auch selten und muss man natürlich auch mit Vorsicht genießen, weil eine Strömungswolke bildet sich halt, weil da halt auch eine entsprechend kräftige Strömung ist.
Man sieht es der Wolke auch nicht unbedingt gleich an, wie stark der Wind ist, das muss man dann schon rauskriegen. Nun
ist das ja auch der Höhenwind, indem du das so hast. Und häufig an der Küste sagt man ja, guck aufs Meer raus und wenn da unten anfangen die Wellen dann halt schon die ersten Schaumkronen zu bilden, dann wird es so langsam zu stark und dann gehst du mal lieber landen. Nun zum Zunahme des Höhenwindes wird man ja nicht unbedingt immer sofort auf dem Meer selber sehen. Das ist ja dann schon ein tolles Erlebnis, aber gleichzeitig auch immer etwas, wo man sagt, okay, ich hoffe jetzt da drauf, dass es nicht schlechter wird.
Ja, wobei in dem Fall nicht zu erwarten ist, dass der Höhenwind jetzt innerhalb von 200 Höhenmetern um 50 km/h zunimmt. Also in dem Flug, den wir jetzt da gemacht hatten. Also insofern war das jetzt nicht, dass man sagen könnte, da würde man jetzt ganz überraschenderweise jetzt auf einmal rückwärts fliegen. Also das war dann schon so, dass man sagen konnte, okay, wir können uns daran trauen und wir stellen fest, naja, okay, das ist fliegbar und man traut sich ein bisschen weiter und man fliegt dann natürlich auch, je besser der Aufwind wird, immer weiter vom Gelände weg, damit man auch noch genug Sicherheitsreserven nach vorne hat. Und das konnten wir schon ganz gut einschätzen, tatsächlich. Das ist mit dem Höhenwind, wenn ich den vorhin schon mal erwähne, ist das manchmal bei thermischen Bedingungen anders. Da wird der Höhenwind manchmal runtergemischt schlagartig. Und das sind dann die Situationen, wo uns der Höhenwind dann überrascht.
Also wenn der uns von oben aufs Dach fällt. Und das war jetzt in dem Fall am Wasser quasi da draußen nicht zu erwarten, dass jetzt irgendeine Thermik den Höhenwind, also einen vielleicht noch kräftigeren Höhenwind nach unten mischt. Das war also nicht zu erwarten.
Gut. Jetzt
darfst du noch mal träumen.
Von so Wetterverhältnissen oder besonderen magischen Wetterverhältnissen, von denen du mal gehört hast, sie aber noch nicht selber erlebt hast. Was würdest du gerne mal mit Gleitschirm dann noch erleben, sagen wir mal? Diese Art der Fliegerei, das hätte ich gerne auch noch mal.
Was würde
ich gerne
noch erleben? Puh. Also ich habe tatsächlich schon so viel erlebt und so viele schöne Flüge erlebt.
Einfach noch mehr davon tatsächlich. Einfach noch mehr von den schönen Flügen. Und tatsächlich muss ich sagen, waren für mich die schönen Flüge dann meistens tatsächlich die Nachmittagsflüge, muss ich so sagen. Auch zu der Zeit, als ich noch sehr ambitioniert geflogen bin. Wenn ich so dann gelandet bin und gesagt habe Ah,
das war schön. Aber was dann tatsächlich meistens der Nachmittagsflug, wenn die richtig weit und richtig hoch gegangen sind. Also so, dass dann so die Abendsonne und dieses dann das wirklich genießen können. Das davon gerne noch mehr. Aber da würde ich tatsächlich, hätte ich jetzt gar keinen besonderen spezifischen Wunsch. Eigentlich noch mehr davon.
Noch mehr softe, schöne Nachmittagsbedingungen.
Wobei ich tatsächlich, ich nehme mich da auch nicht raus, bevor ich die soften Nachmittagsbedingungen habe, fliege ich schon mittags auch gern mal um ein, zwei Stunden dann noch mal ambitionierter Thermik. Und das reicht mir dann aber auch. Also früher hat es nicht gereicht, heutzutage reicht mir das dann. Und dann denke ich mir, ja das hat jetzt auch Spaß gemacht. Aber und heute Abend so quasi die Belohnung, die kriege ich heute Abend. So gehe ich inzwischen an die Fliegerei ran.
Gut Nobby, dann wünsche ich dir mal, dass zumindest im nächsten Jahr, wenn vielleicht Corona sich wieder ein bisschen verflüchtigt hat und sonstiges, dass du noch wieder mehr auch auf Flugreise gehen kannst und genau solche Flugtage erleben kannst, wo du vielleicht mittags noch deine ambitionierte Thermik fliegst und abends dann die super soften Bedingungen dann hast und am Ende dann am Landeplatz mit deinen Mitfliegern noch über die schönen Wetterbedingungen dann fachsimpeln kannst, damit die da was lernen. Das
ist sowieso am schönsten, irgendwelche Mitflieger zu haben, mit denen man abends fachsimpeln kann, das Ganze alleine zu machen. Es ist schon schöner, das mit ein paar Leuten zu teilen. Auf jeden Fall.
Nobby, möge es so kommen, danke dir für das Gespräch und dir alles Gute.
Ja, dir auch.
Auch wenn man sieht sich mal, du weißt schon wo. Im Süden bei Baguette und Croissant.
Das war Norbert Fleisch aka Nobby im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du noch mehr über Wetterkunde für Gleitschirmflieger erfahren willst, dann empfehle ich dir Nobbys Buch Meteorologie. Es ist das derzeit umfassendste Werk zum Thema und enthält neben den theoretischen Grundlagen auch sehr viele gute Beispiele aus der Praxis. Ergänzend kann ich dir auf meinem Blog Lu-Glidz die Rubrik Meteo empfehlen. Dort ist ebenfalls eine Menge Wissen rund ums Flugwetter zu finden. In den Shownotes zu dieser Podcastfolge im Blog habe ich auch noch eine Reihe weiterer Links zusammengestellt. Unter anderem zu den im Gespräch genannten Wetterseiten. Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann empfehle Podz-Glidz doch weiter. Alle bisherigen Podcastfolgen gibt es auf Lu-Glidz und Soundcloud sowie bekannten Audiokatalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc.
Um keine neue Folge zu verpassen, kannst du Podz-Glidz auch gleich in deinem Podcatcher abonnieren. Und wenn du es nicht eh schon bist, dann erwäge doch bitte zum Förderer von Podz-Glidz und Lu-Glidz zu werden. So hilfst du mit, dass ich dir noch viele weitere interessante Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens präsentieren kann. Jede Folge ist dann auch irgendwie deine Folge. Der Förderbeitrag ist übrigens völlig frei wählbar. Wer sich unsicher ist, wie viel er geben möchte, dem empfehle ich ganz unverbindlich 1€ pro Podcastfolge und 2€ pro Lesung. Selbst aufs Jahr hochgerechnet ist das deutlich weniger, als ein Abo klassischer Gleitschirmmagazine kostet. Bleib gesund! Ciao!