Wir kommen an am Gipfel, der Wind ist auf einmal startbar, ein Wolkenfenster öffnet sich nach Chamonix und wir haben dann echt runterfliegen können und was immer cool ist, wenn man einfach nicht genau weiß, geht das jetzt auf dieser Plan oder nicht, irgendwie sind das dann schon die eindrücklichsten Touren und die Touren, die wirklich in Erinnerung bleiben, finde ich.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit
Marlies Czerny und
Lucian Haas am Mikrofon.
Eine Quizfrage, wie viele offiziell anerkannte Viertausender gibt es in den Alpen? Die Antwort darauf will ich hier nicht vorwegnehmen, denn die kann Marlies Czerny am besten geben. Marlies ist die erste Frau, die auf allen diesen Gipfeln gestanden ist und von einigen davon ist sie dann sogar mit dem Gleitschirm wieder heruntergeflogen. Marlies Geschichte ist nicht nur wegen der Kombination aus Alpinismus und Gleitschirmfliegen. Es ist auch wegen der Gleitschirmfliegen faszinierend. Schon wie sie zum Bergsteigen kam, ist bemerkenswert. Sie lebte 150 Prozent für ihren Job als Sportjournalistin, mit vielen Spätschichten in der Redaktion und kaum Freizeit. Dann verdonnerte ihr Chef sie dazu, Urlaub abzubauen. Sie wusste erst gar nicht, was mit der freien Zeit anzufangen und wanderte einfach mal auf den nächstbesten Berg.
Die Folgen der Erlebnisse dieser Tour sollten ihr Leben gründlich umkrempeln. Wie es weiterging, wie sie wieder recht spontan danach zum Gleitschirmfliegen kam, wie sie heute mit ihrem Lebenspartner Andi ganzjährig nur noch in einem Campingbus lebt, welche Freiheiten, welche Schwierigkeiten, aber auch welche besondere Verantwortung sie damit verbindet, das und noch viel mehr erzählt die Mit -30erin in dieser 53. Folge von Podz-Glidz.
Bevor es losgeht, will ich einmal Danke sagen. Und zwar Danke an alle Podz-Glidz -Hörer und Blueglides -Leser, die es mir als Förderer überhaupt erst ermöglichen, beide Projekte immer weiter voranzutreiben. Blueglides hat mal als kleiner Hobbyblog begonnen. Über die Jahre ist er zu einem ausgewachsenen Online -Magazin samt Podcast herangewachsen. Der dafür nötige Arbeitsaufwand lässt sich hobbymäßig schon lange nicht mehr stemmen oder auch rechtfertigen. Aber dank eurer Förderbeiträge kann ich Blueglides und Podz-Glidz mittlerweile offiziell zu meinen Einkommensquellen als freier Journalist zählen. Aus Spaß und Passion ist also auch ein Teil meiner Lebensgründe. Wenn du bislang kein Förderer von Podz-Glidz und Blueglides bist, wäre jetzt bzw. nach dem Anhören dieses Podcasts die Gelegenheit, das zu ändern.
Übrigens gilt bei mir das Motto, jeder wie er will und kann. Anders gesagt, welche Fördersumme du gibst, kannst du völlig frei wählen. Zahlungen sind ganz einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Blueglides auf der Seite Fördern. Wer sich unsicher ist, wie viel er geben möchte, dem empfehle ich ganz unverbindlich einen Euro pro Podcastfolge und zwei Euro pro Lesemonat auf Blueglides. Selbst aufs Jahr hochgerechnet ist das deutlich weniger als ein Abo klassischer Gleitschirmmagazinekosten.
Marlies, wie viele Viertausender gibt es in den Alpen?
82, ganz genau.
Und auf wie vielen davon bist du mittlerweile schon gestanden?
Soll ich jene doppelt rechnen, auf die ich mehrmals gestanden bin?
Das
kannst du machen, wie du willst. Aber wenn man erstmal die 82 nimmt, davon hast du wie viele?
Ja, da dürfte ich auf jeden oben stehen.
Auf jedem? Ja. Super. Und wenn du jetzt doppelt rechnest, auf wie viel kommst du dann?
Boah, da müsste ich etwas länger nachrechnen, weil ich eigentlich nicht genau Statistik führe. Und somit, ja, ich weiß es nicht. Also, ich war sicher schon auf 20, 30 mehrmals oben. Ich glaube, am Mont Blanc, den habe ich mittlerweile auch schon so sieben, acht Besuche abgestattet. Aber ja, ganz genau wüsste ich das jetzt nicht einmal.
Würdest du denn alle Viertausender aus dem Kopf vom Namen her noch zusammenbekommen?
Mit etwas Zeit, glaube ich schon, ja. Weil man ja doch mit jedem Einzelnen auch eine ganz spezielle Erinnerung verbindet. Und ja, so gesehen, glaube ich, würde ich das zusammenbringen. Auch wenn es nicht so einfach ist, gerade bei diesen französischen Aiguilles, dass man da die richtigen Namen dann findet und vor allem sie auch richtig ausspricht, könnte schwierig werden. Aber ja, ich glaube, ich schaffe es.
Was ist so toll, auf einem Viertausender zu stehen?
Für mich persönlich sind es ganz viele Punkte. Einmal zuallererst auch, weil man halt wirklich so weit oben steht und so weit weg ist von seinem Alltag. Und ja, je höher es rauf geht, umso kleiner werden halt wirklich die Probleme vom Alltag. Und das habe ich eigentlich immer schön empfunden, wenn man einmal lange Zustiege hat und einfach so Schritt für Schritt das Tal immer kleiner werden lässt. Und das ist für mich einfach echt immer irrsinnig schön. Also so ganz in die Natur einzutauchen und in Gegenden hinzukommen, wo man vielleicht als Mensch auch gar nicht so hingehört. Aber wo man sich halt dann wirklich selber so richtig spürt.
Ist denn eigentlich, wenn man auf so einem Viertausender oben steht und wenn man weiß, jetzt muss ich das alles wieder runter, ist das eigentlich ein Moment, wo du denkst, den Abstieg, der ist immer nervig? Weil den Gipfel hat man ja jetzt schon, jetzt hat man sein Ziel erreicht und jetzt geht es nur noch im wahrsten Sinne bergab.
Ich glaube, diese Frage hätte ich dir anders beantwortet, bevor ich zum Gleitschirmfliegen angefangen habe.
Ja, nein, für mich gehört grundsätzlich schon alles zusammen, das Aufsteigen und das Absteigen. Aber ich glaube, jeder, der einmal mit dem Gleitschirmfliegen oder der einmal mit dem Gleitschirm geflogen ist, der sieht den Abstieg manchmal mit anderen Augen. Vor allem, wenn man den Schirm dann auch auf einem hohen Berg dabei hat, dann ist das schon eine wunderbare Möglichkeit, auch abzusteigen.
Von wie vielen von diesen Viertausendern, die du da auf deiner Liste schon hast, nein, du hast ja alle in den Alpen, aber von wie vielen von diesen Viertausendern bist du denn auch schon abgeflogen?
Das waren jetzt gar nicht so viele, ich glaube, eine Handvoll ungefähr, ja.
Wären denn einfach von der Schroffheit des Geländes her und so weiter, wären denn noch viel mehr möglich? Oder ist es einfach so, dass du sagst, nein, die Viertausender, die sind so exponiert, da gibt es an den wenigsten überhaupt irgendwelche Möglichkeiten, dass man dort noch vernünftig starten könnte? Da
gibt es sehr viele Möglichkeiten.
Die hohen Berge sind ja sehr oft im Gipfelbereich vergletschert, was dadurch sehr oft auch wirklich gute Startplätze sind. Zum Beispiel der Gipfel vom höchsten aller Alpenberge, der Gipfel von Mont Blanc, das ist ein perfektes Startgelände, muss man sagen. Und da gibt es eigentlich durchaus einige, wo ich auch noch gerne einmal hinauf möchte und dort mit dem Gleitschirm starten würde.
Bei wie vielen deiner Bergbesteigungen nimmst du heute mittlerweile so deinen Gleitschirm mit?
Das ist ganz unterschiedlich.
Das ist echt unterschiedlich. So im Herbst, wenn man irgendwie so im Hike -and -Fly -Spirit drinnen ist, dann gehe ich am liebsten jeden Tag eine feine Hike -and -Fly -Tour. Wenn ich wieder mehr im Klettern drin bin, dann habe ich vielleicht gar nicht den Kopf so beim Gleitschirmfliegen. Außer man weiß, hey, wow, der Wind ist jetzt echt einmal perfekt. Dann suchen wir uns vielleicht eine Klettertour, wo wir auch den Gleitschirm mitnehmen können. Und ja, ich kann das gar nicht verallgemeinern, jetzt wie oft. Das ist so phasenweise. Und
gibt es schon mal so Tage, wo du vor der Entscheidung quasi stehst und sagst, okay, mache ich heute eine Klettertour, wo ich nicht fliegen kann, aber das Wetter wäre theoretisch auch fliegbar möglich. Soll ich vielleicht lieber die andere Tour machen, wo ich dann vielleicht runterfliegen kann und sowas? Wo du dann wirklich so ein bisschen im Dilemma sogar bist?
Ja, ich glaube, das kann man manchmal als Luxusproblem bezeichnen. Vor allem macht es mir und meinem Partner, also die meisten Touren mache ich mit meinem Lebens - und Seilpartner, mit Andi gemeinsam und der fliegt da schon länger. Und ja, im Idealfall versuchen wir da echt alles zu kombinieren. Also Klettern und Gleitschirmfliegen. Und so gesehen ist eigentlich die Planung immer ein richtig spannender Prozess, weil dann überlegt man sich vielleicht die Tour, nachher sagt wieder jemand, hey, eigentlich könnte man doch da den Gleitschirm mitnehmen, oder? Und so ist das oft eine ganz witzige Dynamik. Und ja, da lässt man sich in die Ideen einfach oft kümmern.
Gerne einfach treiben und versuchen schon irgendwie an so einem perfekten Tourentag zu überlegen, was könnte man da machen und wo ist die Windrichtung und wo hätten wir vielleicht noch einen guten Startplatz.
Wenn du solche Touren planst, gerade diese Hochgebirgsstartplätze, die sind ja, sagen wir mal, eher wenig beflogen, weil wahrscheinlich wenig Leute wirklich auf 4.000er steigen, oder fast 4.000er, je nachdem wie hoch es geht, um dann zu sagen, da fliege ich dann runter. Wie bereitest du das vor? Also arbeitest du dann, guckst du auf Google Earth sowas an und sagst, ah, da ist was, oder gibt es irgendwelche anderen Apps oder Karten, die du nutzt, Fat Map oder sonst was, die dir auch noch zeigt, ah, die Neigung dieses Geländes ist da so und so und da müsste man auf jeden Fall starten können, oder wie machst du das?
Ich glaube, ich bin da nicht der Super -Nerd. Also sehr oft habe ich irgendwie einen Berg oder eine Tour -Idee im Kopf, wo ich vielleicht schon das Gelände ein bisschen im Kopf habe, wie das aussehen könnte. Aber manchmal, wenn es nicht so eindeutig ist, zum Beispiel bei einer Klettertour, die ja doch sehr oft irgendwie im schroffen, alpinen Bereich ist, dann schaut man schon in verschiedenen Karten, vielleicht einmal Google Earth oder einfach einen Alpenverein aktiv, also rein topografische Karten, wo man ja auch viel herauslesen kann. Manchmal schaut man auch noch, ob man irgendwelche Bilder einfach findet oder im eigenen Archiv schaut, ob man vielleicht einmal vis -à -vis irgendwo schon gestanden ist und dann einfach überlegt, naja, gibt es da irgendwo einen Wiesenfleck oder ein Kletterstück, wo es nicht zu steil ist.
So ist das auch oft ein Prozess. Oder man fragt vielleicht einen Kletter - und Fliegerkollegen, also jemanden, der einen Blick für beides hat, ob der eine Idee hätte, ob man da irgendwo raus starten könnte. Manchmal ist es einfach echt so, man nimmt ihn einfach mit und schaut dann, ob man was findet, weil spätestens im Abstieg oder so kann es auch manchmal passieren, dass sich dann oft eine Option auftut. Also manchmal sagen wir einfach, okay, wir nehmen ihn einfach mit, den Gleitschirm, auch wenn wir es nicht hundert Prozent wissen. Aber wenn es jetzt bei einer Tour nicht zu sehr ins Gewicht fällt, also dass die Tour jetzt von der Schwierigkeit so schwierig wird, dass man sagt, okay, die zwei, drei Kilo Ausrüstung sind da jetzt einfach nicht drin,
dann packen wir den Gleitschirm manchmal einfach auch gerne ein und schauen dann, ob wir irgendwo eine Möglichkeit haben, zu starten.
Was nutzt du als Ausrüstung, also als Gleitschirmausrüstung, um da jetzt von den Bergen runter zu fliegen? Wenn du sagst zwei bis drei Kilo, was ist da alles in deinem Säcklein mit drin?
Die Susi 3.
Von Air Design ist das so ein Bergschirm. Mit
zwei Kilo von Air Design, genau.
Und da habe ich auch so ein leichtes, also das Loose Lip.
So ein Schlaufengurtzeug, ein leichtes?
Genau. Der Retter ist der Donut, auch auf der sehr leichten Seite. Und alles zusammen landen wir dann bei dreieinhalb Kilo.
Okay. Über das Gleitschirmfliegen können wir gleich noch mal ein bisschen intensiver reden. Springen wir mal in deinem Leben noch so ein bisschen zurück. Du hast ja mittlerweile dein Leben eigentlich komplett auf die Berge ausgerichtet. Das war aber nicht immer so. Erzähl mal, sagen wir mal, die wichtigsten Schritte in deinem, wie soll man sagen, Transformationsprozess.
Ja, so kann man es vielleicht nennen.
Ich glaube, der erste prägende Moment war jener, als mein Chef zu mir gesagt hat, du Malis, du musst jetzt mal auf Urlaub gehen.
Chef heißt, was hast du damals gearbeitet?
Da war ich bei einer Tageszeitung in der Sportredaktion. Und ja, der Job, der war mein Leben für mich. Und ja, sechs, sieben Tage Woche und dann noch mit Champions League spielen, die um 23 Uhr enden, also auch sehr oft Spätdienste. Und ja, der Job war eigentlich alles für mich. Und da haben sich natürlich auch sehr viele Urlaube angehäuft. Und ich habe dann nach zwei Jahren im Berufsleben circa acht Wochen Urlaub übrig gehabt. Und dann war halt eher so die bange Frage, ja, was mache ich jetzt bloß mit dieser neu gewonnenen Freizeit? Und ja, da habe ich mir gedacht, eigentlich am Berg, da braucht man viel Zeit.
Und da habe ich mal eine Wandertour gestartet. Einfach so bei uns zu Hause auf einem Hausberg. Ja, das war dann irgendwie so der erste Schritt hinaus in die Natur und zu mir selbst. Und da habe ich irgendwie eine neue Leidenschaft für mich entdeckt.
War das wirklich so wie so ein Flash? Kommt das über einen und da sitzt man da und denkt, wow, was habe ich mein Leben bisher verpasst? Also diesen Teil des Lebens oder diese Frequenz, die dann in einem mitschwingt, diese Ader?
Überhaupt nicht, nein. Also vorher war ja der Beruf alles für mich und das war meine Leidenschaft und ich habe es geliebt. Und da habe ich einfach jetzt eine ganz andere Welt für mich entdeckt. Und ja, mein Urlaubsproblem war ab dem Moment dann auch gelöst. Also es war dann wirklich so, jede freie Minute hat es mich hinausgezogen in die Berge, in die Natur. Und ja, ich glaube, dass das so der wesentlichste Prozess war. Weil alles, also der größte Veränderungsschritt, weil alles Weitere ist so ganz in kleinen Schritten passiert. Dass einfach die Berge ein bisschen steiler geworden sind und ja, das alles gewachsen ist.
Das heißt, du hast dann deinen Job aufgegeben, arbeitest nur noch frei und bist jetzt eigentlich nur noch mit dem Andi, deinem Partner, in den Bergen unterwegs. Ihr habt ja sogar eure Wohnung aufgegeben. Ihr lebt jetzt in einem Campingbus das ganze Jahr über, wenn ich das richtig gesehen habe. Wie war denn jetzt der Winter?
Dieser Winter war sehr kalt und sehr tief und schon sehr lange und sehr wunderbar.
Wir haben den Winter zum Großteil wirklich in den Bergen und im Schnee verbracht.
War in diesem Winter nicht ganz so einfach, weil ja, durch Corona gibt es ja doch große Reiseeinschränkungen.
Jetzt waren wir dann so vor Weihnachten, als die Restriktionen noch nicht so streng waren, haben wir noch lange überlegt, ja, wo verbringen wir jetzt unsere Zeit? Weil die ersten zwei Lockdowns, die waren wir eher immer bei uns zu Hause in der Heimat.
Heimat? Sag mal kurz, wo ist genau deine Heimat? Heimat ist
in Oberösterreich, in der Pyrmpril -Gegend.
Und da, ja, weiß ich nicht. Irgendwie hat es uns dann einfach, also wir waren ungefähr schon ein Dreivierteljahr im Bus unterwegs, bevor dann, ja, dieses Virus sich auszubreiten begonnen hat. Und irgendwie haben wir dann für uns gespürt, ja, nein, irgendwie in dieser Zeit wollen wir doch eher lieber zu Hause sein, weil man ja noch gar nicht gewusst hat, wie sich das alles entwickelt. Und einfach auch bei der Familie sein und, ja, einfach diese ganzen Unabwegbarkeiten ernst nehmen. Und, ja, dann die ersten beiden Lockdowns waren wir eben dann immer so in unserer Heimat zu Hause. Haben nach wie vor trotzdem nur im Wohnmobil gelebt, aber sind halt bei Freunden in der Einfahrt gestanden zum Großteil.
Und, ja, und dann war halt der dritte Lockdown. Und wir haben echt ziemlich lange überlegt, wie wir das jetzt, wie wir die Zeit verbringen wollen. Und, ja, haben dann Weihnachten mit unseren Familien, also kurz besucht. Aber circa zwei, drei Wochen vor Weihnachten. Und haben dann beschlossen, dass wir nach Südtirol fahren. Da waren die Regelungen noch nicht so streng. Und, ja, hat eigentlich alles wunderbar funktioniert. Wir haben uns dort da immer an die lokalen Maßnahmen halten können, obwohl wir halt im Wohnmobil zu Hause waren. Und das ist auch, ja, echt gut akzeptiert worden. Und, ja, so waren wir dann ungefähr einmal ein, zwei Monate in den Dolomiten, in den Tiefen.
Und haben da den Winter verbracht.
Und da dann eisklettern, Skitouren gehen, von irgendwelchen Bergen runterfliegen und so weiter.
Ganz genau, ja.
Wie ist das denn, wenn man in so einem Campingbus wohnt? Da ist vielleicht bei euch nicht der kleinste, aber trotzdem ist es sehr beengt mit allem, was man da so mitteilt. Und ihr habt ja die unterschiedlichsten Ausrüstungen dann natürlich dabei. Und dann kommt man vom Berg und ist wahrscheinlich, ich stelle mir das vor, man ist auch verschwitzt von so einer Skitour oder vom Hochwandern und sonstigem. Und dann kommt man in die Klasse oder zumindest feuchte Klamotten oder der Schirm ist feucht geworden und sowas. Wenn ich nach Hause komme nach so einem Winterding, dann lege ich meinen Schirm, irgendwo habe ich immer einen freien Platz, wo ich den zum Trocknen auslegen kann, ob im Keller oder sonst was. Wie macht ihr das? Schlaft ihr dann quasi unter feucht aufgehängten Schirmen, die dann irgendwo im Bus hängen oder wie geht das?
Also, ja, die Gleittürme haben wirklich einen guten Platz im Bett bekommen zum Trocknen. Im Bett? Im Bett. Ihr schlaft dann quasi
unter den Schirmen?
Nein, also im Idealfall ist es draußen trocken oder man legt draußen nur eine Picknickdecke aus, wo der Gleitschirm trocknen kann. Und wenn das Wetter aber dann, ja, wenn es draußen zu feucht ist, dann kommt der Gleitschirm in den Bus und darf sich einstweilen aufs Bett legen. Und dann dreht man ihn wieder einmal kopfüber, damit halt alle Seiten irgendwie trocken werden. Also ist nicht optimal, wenn er bis zum Schlafengehen dann nicht trocken ist, der Gleitschirm. Nachher wandert er vom Bett nach vorne in den Fahrerbereich und ja, darf dort weiter trocknen. Und so geht es dann halt vielleicht einmal eineinhalb Tage. Also das von den sechs mal zwei Metern im Bus, dass dann nur ein bisschen weniger Platz ist.
Aber ja. Funktioniert auch. Und man kann sogar einen Gleitschirm im Bus zusammenlegen. Das funktioniert auch.
Ja, super. Wie oft hast du denn angesichts mancher Schwierigkeiten, die dann da sind, diese Entscheidung für das Nomadenleben, was du jetzt auf gewisse Weise führst, schon mal verflucht?
Ja, so kurze Momente gibt es da manchmal. Wie oft kann ich nicht sagen, weil ich da nicht mitzähle. Aber ja, es ist schon das eine oder andere Mal. Ja, vielleicht auch wirklich, wenn der Gleitschirm da liegt und dann noch das Geschirr übrig ist und man kein frisches Wasser hat vielleicht gerade zum Waschen. Oder sogar im Winter war es ganz extrem. Da haben wir sehr oft Temperaturen von minus 20 Grad gehabt.
Nein, draußen. Also im Bus haben wir Standheizung, da ist es gleich kuschelig warm. Aber dann draußen minus 20 Grad und dann frühen die Wasserleitungen ein. Und wenn man da kein fließendes Wasser hat, dann ist das schon wirklich mühsam. Weil die Qualität von einem Wasserhahn, den man einfach aufdreht und es fließt, das ist etwas, was man schon eigentlich gerne hat in seinem Leben. Auch wenn man sonst gerne reduziert ist.
Ist denn der Spaß an dieser Lebensweise nett? Nimmt er mit der Zeit zu oder nimmt er mit der Zeit ab, wo man irgendwann sagt, ich hätte jetzt schon gerne es lieber etwas bequemer?
Nach so einem langen Winter nimmt der Spaß etwas ab, muss man schon ehrlich sagen.
Und eigentlich auch in so einer Zeit, wo man halt einfach sich nicht frei bewegen und nicht frei reisen kann. Es macht einfach auch die jetzige Zeit nicht einfacher, dass man wirklich das Leben so genießen kann. Weil wir doch immer wieder überlegen, wo können wir uns jetzt überhaupt frei bewegen und wo nicht. Und wo sind die Regelungen oder wie sind die aktuell, was braucht es für einen Grenzübertritt. Also das ist eigentlich jetzt schon sehr kompliziert und da weiß man wieder, was man an der Reisefreiheit überhaupt einmal hatte. Und so gesehen würde man aber eigentlich schon noch gerne länger im Bus leben, damit man diese Freiheiten vielleicht auch wieder einmal leben können und genießen können.
Für viele Hörer dieses Podcasts lebt ja wahrscheinlich schon so eine Art Raum, einfach so frei zu sein, mobil zu sein, immer dahin fahren, wo es einem gerade gefällt oder wo vielleicht das Wetter am verlockendsten ist und so weiter. Und dann unter anderem auch einfach fliegen zu gehen. Erlebst du das auch als große Freiheit für dich? Jetzt Corona mal, klar, das ist die Einschränkung so, aber insgesamt ist das so ein Gefühl, wo man sagt, da ziehe ich auch eine ungeheure Stärke raus oder Lebensfreude oder sonst was?
Ja, das ist schon irrsinnig wertvoll, dass man seine Zeit frei gestalten darf. Dass man dann die Dinge macht, wenn man drauf Lust hat. Und es ist schon, finde ich, mit einer riesengroßen Verantwortung verbunden, diese Freiheit. Was
meinst du mit Verantwortung? Also wem gegenüber fühlst du dich verantwortlich?
Ja, mir selber, meiner Familie, meinen Mitmenschen, der Umwelt gegenüber gibt es eigentlich schon sehr viele Punkte, wo die Verantwortung mitschwingt. Schon alleine bei der Überlegung. Wo bleibt man über Nacht stehen und schläft dort? Wir sind halt überall eigentlich zu Gast, auch mit unserem Wohnmobil. Und die Plätze gehören uns nicht und wir wollen uns auch dementsprechend unauffällig verhalten. Und die Natur halt auch. Also alles so hinterlassen, wie wir es angefunden haben. Und ich finde, das ist schon eine riesengroße Verantwortung. Und ich finde es dann auch schade, wenn die Menschen da immer nur diese Freiheit sehen.
Weil die Freiheit kann halt auch nur funktionieren, wenn eine Verantwortung mit an Bord ist. Und das ist uns auch extrem wichtig. Und ja, vielleicht hemmt das ein bisschen so die Freiheit, aber ich glaube, sie macht es halt auch irgendwie nachhaltiger. Damit man das auch so länger leben kann und darf.
Für dieses Gefühl der Freiheit, welchen Anteil oder welche Bedeutung hat da das Gleitschirmfliegen für dich? Einen
sehr großen Anteil. Ich finde so das Gleitschirmfliegen ist für mich noch so eine schöne, freie Form vom Bergsteigen. Und einfach da ein Gleitschirm nehmen, ein kleines Stück Stoff, damit auf den Berg steigen und runterfliegen können. Also das ist echt ein extrem schönes Gefühl von Freiheit für mich. Freiheit auch im Sinne von Leichtigkeit irgendwie. Auf der anderen Seite ist da auch wieder, gerade wenn wir sehr viel unterwegs sind, sind wir immer wieder an neuen Plätzen, wo man sich immer wieder neu in die Gegend einlesen muss.
Und am liebsten würde man halt dann, hey cool, da oben, da wäre jetzt vielleicht ein Startplatz und spazieren wir da rauf. Aber ganz so einfach funktioniert es halt leider auch nicht. Es gibt halt überall wieder lokale, irgendwie die ganzen lokalen Gegebenheiten, die man dann nicht kennt und macht es manchmal nicht so einfach. Das heißt für dich
Verantwortung, was du vorhin gesagt hast, hieß ja dann auch, okay, ich muss mich, so gut es geht, auch immer zu diesen lokalen Regeln oder was es da immer gibt, Beschränkungen und sonstiges, muss ich mich auch immer informieren. Und da steht man halt immer noch davor und fragt, was geht, was geht nicht.
Ja, genau. Und manchmal irgendwie ist man vielleicht so in seiner Idee und in seinem Eifer und nimmt einfach am liebsten in den Schirm und spaziert wo rauf und fliegt runter. Und das finde ich einfach so ein schönes Gefühl. Also jetzt auch so dieses Gefühl von der Freiheit, was das Fliegen ausmacht. Aber kann halt dann passieren, dass man im Nachhinein vielleicht drauf kommt, eigentlich bewegen wir uns da in einem Naturpark und eigentlich darf man da nicht fliegen. Also das ist dann manchmal etwas kritisch, wo es einem vielleicht leid tut, wenn man sich nicht vorher genauer informiert hat, einfach weil man so dieses Freiheitsgefühl so liebt und so schätzt.
Erlebst du denn beim Fliegen ein größeres Freiheitsgefühl für dich als beim Klettern?
Kann ich so nicht sagen. Kommt glaube ich auch darauf an, wie halt die Gegebenheiten sind. Also Fliegen ist ja auch nicht immer gleich Fliegen. Und wenn man perfekte Bedingungen hat, dann fühlt man sich beim Fliegen auch viel freier, wie wenn man weiß, okay, es ist dann der Föhn prognostiziert und der Wind ist da noch und dann kommt vielleicht der Kaltfund. Also man muss sich da auch immer so in diesem großen Ganzen versuchen zu bewegen. Und manchmal gibt es perfekte Tage, wo man sich beim Fliegen oder wo ich mich beim Fliegen viel freier fühle, wie beim Klettern vielleicht und dann gibt es beim Klettern Tage, wo ich mich dort freier fühle.
Fühlst du dich beim Fliegen sicherer als beim Klettern?
Kommt auf den Tag drauf an, auf die Verhältnisse.
Kann ich so nicht verallgemeinern. Also ich glaube, man kann das Fliegen sehr sicher betreiben und riskanter und genauso kann man das Klettern sehr sicher betreiben. Und wenn man anders mal mehr Lust hat, mehr Risiko einzugehen, dann könnte man das da wie dort, glaube ich, machen. Wie
bist du eigentlich zum Gleitschirmfliegen gekommen? Du bist ja schon eine ganze Weile geklettert, als erst der Gleitschirm dann auch noch in dein Leben trat. Erzähl mal.
So wirklich begonnen habe ich an einem Dezembertag. Da habe ich mir mein Sprunggelenk verletzt gehabt und das Bergabgehen, das hat mir so schlimme Schmerzen bereitet. Und das mit dem Fliegen habe ich irgendwie immer schon so ein bisschen im Hinterkopf gehabt und mir gedacht, irgendwann kommt es schon, aber ich muss jetzt nicht, weil das Klettern ist meine große Leidenschaft und das Bergsteigen, das Fliegen, das kann noch warten. Und dann war da so diese Zeit im Dezember und irgendwann habe ich dann zu meinem Partner, zum Andi gesagt, du Andi, magst du mir das zeigen mit dem Fliegen bitte?
Der konnte
das schon?
Der konnte das schon. Der hat
auch schon einen Schein gemacht? Der
ist schon, glaube ich, vier Jahre lang geflogen. Ja, genau. Und war da auch sehr motiviert und auch bei diversen Hike and Flys, als wir gemeinsam unterwegs waren, ist er hinuntergeflogen und ich hinuntergegangen. Und das habe ich mit der Zeit dann auch nicht mehr ganz so lustig gefunden, da immer wieder alleine hinuntergehen zu müssen.
Immer gehst du
fliegen, Andi, ich muss immer laufen.
Ja, weil ich dann dachte, jetzt habe ich zwei Optionen. Entweder ich bleibe dabei, dass ich ihn dann anspinne.
Oder ich versuche es einfach selber. Und dann warst du
intelligent genug zu sagen, dann fange ich jetzt auch das Fliegen an.
Genau, also war die bessere Option für uns beide.
Und er ist dann mit dir zu einem Übungshügel gegangen und hat dir mal gezeigt, wie es so geht?
Genau. Und er hat das Gefühl gehabt, dass ich mich da ganz geschickt anstelle.
Und am selben Tag noch, am Nachmittag, sind wir dann auf unseren Hausbecken. Wir sind auf dem Hausberg hinauf, ca. 600 Höhenmeter. Und ja, er hat mir nachher seinen Schirm gegeben. Und er hat noch einen zweiten Schirm gehabt, einen Akroschirm. Den hat er da hinaufgetragen. Und mir hat er seinen Pi gegeben. Und ja, die Bedingungen waren perfekt.
Und irgendwie habe ich mir dann gedacht, okay, dann versuche ich das jetzt da. Und
dann bist du die 600 Meter vom Hausberg abgeglitten. Erster Flug gleich ein Höhenflug.
Ja, genau. Also es war mega spannend. Wir sind zuerst noch zum Landeplatz. Und es war in meinen Augen damals ein kleiner Landeplatz, also ungefähr fünf Fußballfelder groß. Richtig perfekt mit riesengroßem Windsack. Und da hat er mir noch erklärt, wie man so die Landeenteilung macht und wie das funktioniert. Und irgendwie haben wir geschaut. Nein, dann gehen wir mal hinauf und dann schauen wir. Und der Wind oben war perfekt, ganz ein leichtes Lüftchen aus Süd. Und er hat noch Funkgeräte mitgenommen, damit er mir das anweisen kann, nur aus der Luft.
Und ja, dann bin ich, glaube ich, circa 15 Minuten oben gestanden am Startplatz. Und die ganzen Bewegungsabläufe, die er mir da erklärt hat, bin ich noch einmal durchgegangen im Kopf. Und irgendwann dann habe ich mir gedacht, ja, das kann ich machen. Und er hat mich auch versichert, wenn man nicht irgendwie einen großen Bock schießt, dann passiert da nichts. Also nicht irgendwo wild anreißen bei einem alleine. Und irgendwie haben wir dann echt so, ich habe so Vertrauen gehabt in den Andi, in mich. Und in das Material, dass da einfach nichts passieren kann. Und ja, so war es dann auch. Ich bin rausgestartet, das hat super funktioniert. War dann nur so spannend, weil von diesem Funk habe ich nur ein Rauschen gehört.
Das war so schräg. Ich habe mir gedacht, jetzt sagt er mal wie und was.
Und ich habe mir gedacht, wow, okay, mein allererster Flug. Und ja, keine Anweisung. Aber ich habe gewusst, ich kann einfach rausgleiten, nur in eine Richtung. Ich habe den Landeplatz gesehen und dann gewusst, was ich dort machen muss. Und bin perfekt gelandet und hatte dann eine Woche lang einen dicken Grinser im Gesicht. Und habe gewusst, oh ja, das ist jetzt eine neue Dimension am Bergsteigen, die ich da für mich entdeckt habe.
Dann hast du aber schon noch einen normalen Schein nachher gemacht und bist dann jetzt auch ganz offiziell. Damit unterwegs.
Genau, also ich habe das auch für mich behalten und ja, noch ein paar solche Flüge gemacht. Aber habe dann schon sehr bald auch einen Kurs begonnen und das in einer richtigen Flugschule gelernt.
Hast du denn in der Flugschule noch mehr gelernt, als du schon konntest? Oder war eigentlich der Andi der bessere Fluglehrer?
Da muss ich die Frage beantworten.
Wir können es auch einfach so stehen lassen. Dann gucken wir mal in eine andere Richtung. Welche Ziele verfolgst du denn heute beim Fliegen?
Keine konkreten Ziele, muss ich sagen. Ich weiß, dass der Gleitschirmsport noch so viele Möglichkeiten bietet und ich bin gespannt, in welche Richtung das geht. Also für mich war jetzt einfach einmal klar, hike and fly. Und ja, eigentlich das Abgleiten und das Fliegen, das ist für mich schon richtig cool. Ich schnuppere immer wieder mal gerne in die Thermik, aber nach ein, zwei Stunden. Ich darf es wahrscheinlich eh nicht laut sagen, aber ja, da wird mir dann meistens langweilig. Ich habe da keine genauen Ziele.
Aber ich finde es schon richtig, richtig cool, was man mit dem Gleitschirm alles machen kann. Und ich glaube, ich könnte da richtig schnell in eine Richtung reinkippen. Das war ganz lustig beim letzten Sicherheitstraining.
Da war es dann so, ob noch ein Flug möglich ist oder ob kein Flug mehr möglich ist. Und ich habe mir dann irgendwie so gedacht, nein, im nächsten Flug, da probiere ich nur einen Satz. Und es war dann eigentlich wirklich erleichtert, dass wir keinen Flug mehr gehabt haben. Weil ich glaube, das Gefühl vom Satz, das würde ich dann vielleicht immer wieder gerne haben. Und es war dann echt so, dass ich mir gedacht habe, nein, eigentlich ist es gut so, dass ich da viel durchprobieren habe können wieder. Aber ja, und genauso glaube ich ist es auch mit dem Streckenfliegen, dass man da auch richtig, ja, richtig reinkippen kann. Und momentan ist es aber für mich besser, dass ich es nicht probiere und mich auf meine,
meine Lieblingsbeschäftigungen konzentriere.
Sonst würdest du irgendwann dem Andi nur noch davonfliegen.
Ja, es ist eh relativ gemein, weil wir dieselbe Schirmgröße haben und ich ein bisschen leichter bin und dadurch ja meistens ein bisschen länger in der Luft bin. Steigst du in soften Bedingungen auf jeden
Fall meistens ein bisschen besser und bleibst länger oben und er steht dann immer schon am Landeplatz. Kann er wenigstens schöne Bilder machen, wie du landest, das hat doch auch immer seine Vorteile. Genau. Hast du beim Fliegen eigentlich manchmal auch Angstgefühle? Du hast jetzt viel von dem Spaß gesprochen und sowas. Aber kommt das auch, dass du sagst, nee, hm, scheiße?
Ja, es kann passieren und ich sage, ich glaube gerade am Anfang, wenn man noch nicht so die Routine hat, dann, also zu Beginn ist sicher noch mehr Unbehagen mitgeflogen, weil ich mir am Anfang auch nicht so die Zeit nehmen wollte, dass ich mich wirklich intensiv mit dem Fliegen beschäftige. Und das braucht halt einfach einmal Zeit. Das
war einfach
Klettern plus
add -on von den Bergen runterfliegen. Und das hast du einfach so mitgenommen.
Ja, genau. Und ich bin halt dann auch echt nur bei ganz ruhigen Bedingungen geflogen. Also da, ich habe lange nicht rückwärts starten gekonnt, weil ich für mich gewusst habe, ich fliege einfach, wenn ich mehr als 15 km/h Wind habe, dann bleibe ich zu Hause, dann gehe ich klettern. Ich habe so viele andere Optionen und ich möchte echt nur fliegen, wenn es absolut safe ist. Und natürlich, wie es so ist, passieren dann immer wieder mal oder kommt man immer wieder mal zu Punkten, wo man dann doch denkt, naja, vielleicht wäre es möglich, aber eigentlich nicht. Und ich habe das für mich so entschieden, dass ich nur dann in die Luft gehe, wenn es wirklich 100 % passt für mich. Und ja, das war halt dann der Punkt, wo ich mich halt auch intensiver mit dem Fliegen beschäftigt habe
und dadurch auch wieder mehr Sicherheit gewonnen habe.
Und ja, dann rückt natürlich auch wieder mehr der Spaß in den Vordergrund. Das
heißt, mittlerweile kannst du auch perfekt rückwärts starten und hast das bestens trainiert?
Nein, vom Perfekt bin ich nur weit weg. Aber ich habe es trainiert und war da extra mal eine Woche an der Düne in Dänemark, nur um das zu trainieren. Weil ich habe gewusst, wenn ich an der Düne bin, dann habe ich keine Berge und keine Klettermöglichkeiten und dann konzentriere ich mich echt einfach mal eine Woche auf den Schirm. Und das war so eine geniale Zeit, wenn man sich da so viel Zeit nimmt, nur mit dem Schirm zu spielen und echt im starken Wind zu bändigen. Also das war richtig cool und hat mir richtig viel Vertrauen gegeben dann für die hohen Berge.
Inwieweit hat das jetzt so dein Windfenster im Grunde geöffnet? Wenn du vorher sagst, ja bei 15 km/h war Schluss, da gehe ich nur noch klettern. Wo setzt du jetzt so deine Grenze?
Ich kann es nicht sagen, weil ich kein Windmessgerät je mit hatte, muss ich ehrlich sagen. Und ich fliege ja immer ohne Devices. Also wenn ich Thermik fliegen gehe, dann mache ich das alles nach meinem Gefühl und nach meinem Instinkt. Und ich mag das Piep, Piep, Piep. Ich mag das gar nicht. Ich will ja meine Ruhe haben.
Das heißt, du hast gar keinen Vario, auch gar keinen Höhenanzeiger, wo du sehen kannst, dass du vielleicht steigst, auch wenn es nicht piept oder so? Nein.
Sportuhr, auf die du drauf guckst, um noch zu sehen, okay, es sind jetzt doch schon 3.500 vorwärts, 3.200 oder sowas?
Nein, gar nicht. Also ich mache das echt nur nach meinem Gefühl. Und ich liebe das, nach meinem Gefühl zu fliegen und denke mir, wenn ich irgendwann mal Ambitionen habe, dann wird das cool, wenn ich dann einen Vario habe. Weil ich glaube, dass ich mir so einfach mein Gefühl schon richtig gut trainieren kann.
Und ja, so gesehen. Kann ich weder sagen, wie lange ich jemals geflogen bin, wie weit ich jemals geflogen bin und wie groß mein Windfenster ist. Ich weiß es nicht.
Soweit das Bauchgefühl es gerade zulässt wahrscheinlich
dann. Genau, so ist es, ja.
Okay Marlies, machen wir jetzt einfach zwischendurch mal ein kleines Kreativspiel. Oh. Geht auch um deine Geschichte noch weiter und so, aber ein bisschen anders herangetreten. Ich gebe dir einfach ein paar Sätze vor, also die Anfänge der Sätze und du kannst sie dann einfach so ein bisschen ergänzen. Mal sehen, was dir einfach spontan immer dazu einfällt. Mhm.
Okay?
Bin bereit.
Marlies, mein höchster Start war am?
Mont Blanc von 4810 Metern.
Und wie war das so?
Genial. Wie weit soll ich ausholen?
Ja, so dass wir noch im, bevor meine Speicherkarte voll ist vom Aufnehmen, dass wir damit durch sind. Nein, du musst jetzt nicht jede Sekunde des Fluges nacherzählen, aber was war denn das Beeindruckendste für dich?
Es war. Einfach diese
Höhe oder?
Eher die Unsicherheit, ob es funktionieren könnte.
Und die Tatsache, dass das am 1. September war, also im Juli und August, darf man am Mont Blanc nicht Gleitschirmfliegen, da ist Flugverbot. Und der 1. September war jetzt der erste Tag, wo es offiziell wieder möglich geworden ist. Und wir sind zwei, drei Tage zuvor in Chamonix mit Freunden zusammengesessen und einer ist Tandempilot und der andere war noch nie am Mont Blanc. Und irgendwie haben wir so die spontane Idee geboren. Wir gehen jetzt am Mont Blanc und fliegen runter. Und da war noch das Besondere daran, dass das. Dass die beiden Kollegen am 2. September wieder in der Arbeit sein mussten. Und zuvor war das Wetter schlecht. Jetzt haben wir die Idee geboren, dass wir in der Nacht im Tal starten und die ganze Nacht durchgehen und in der Früh dann vom Gipfel runterfliegen.
Also die ganzen 3800 Höhenmeter vom Tal zu Fuß aufsteigen und die Nacht halt durchgehen. Und ja, im Aufstieg hat es sehr oft danach ausgesehen, als hätten wir einfach keine Chance. Und wir haben das Wetter aber doch sehr genau recherchiert gehabt. Ein Kollege ist beim Bundesheer und hat da die besten Wetterkanäle. Und wir haben gewusst, hey, wir haben ein Fensterhammer, eine Chance von 50 Prozent und die versuchen wir. Und es hat bis zum Gipfel selbst, hat es eigentlich nie danach ausgeschaut, als dass wir die Chance wirklich nutzen könnten und wir kommen an am Gipfel. Der Wind ist auf einmal startbar und ein Wolkenfenster öffnet sich nach Chamonix.
Und wir waren zu viert oben, also die zwei Tandempiloten und der Andi und ich. Also der eine Tandempilot. Und wir haben dann echt runterfliegen können. Und ja, das war echt so ein schönes, spannendes Erlebnis. Was immer cool ist, wenn man einfach näht. Genau. Ja, geht das jetzt auf, dieser Plan oder nicht? Irgendwie sind das dann schon die eindrücklichsten Touren und die Touren, die wirklich in Erinnerung bleiben, finde ich.
Hätte das nicht geklappt, wärt ihr an demselben Tag diese 3.800 Meter zu Fuß wieder runtergegangen?
Genau, ja, wäre der Plan gewesen. Wir hätten dann für das letzte Teilstück die Bahn nehmen können. Aber ja, wären dann 3.000 Höhenmeter schon wieder zum Absteigen gewesen, ja.
Da freut man sich natürlich, wenn man die Gleitsche nehmen kann und sich das Ganze dann erspart. Machen wir mal in dem Spielchen weiter. Zweite Frage. Mein Partner Andi ist für mich …
Mein Lebenspartner, Seilpartner, Arbeitskollege, bester Freund, Seelenverwandter.
Küchenkollege.
Oh, Küchenkollege, das ist natürlich auch wichtig.
Flugbegleiter. Ja.
Vorbild?
Nein, Vorbild nicht, nein.
Nein, und einfach ein Mensch, an dessen Seite ich auf Augenhöhe leben kann und wir in dieselbe Richtung blicken im Leben. Und genau.
Ich bin ein Fan von Komposttoiletten, weil …
Weil die einem das Leben erleichtern, im wahrsten Wortsinn. Und ja, weil die auch so das Leben im Bus erst wirklich autark und frei machen.
Weil
man keine Chemietoilette hat, die man immer irgendwo entsorgen muss. Ja, ganz
genau. Also so Chemietoiletten finde ich ganz schlimm. Und ja, es ist einfach sehr nachhaltig, sehr wassersparsam und ein sehr simples Prinzip, das funktioniert. Nur muss man ein bisschen darauf achten, wie man den Bus parkt, weil in unserer Trockentrenntoilette, da ist ein Lüfter eingebaut. Und wenn der Wind etwas stärker dagegen drückt und der Lüfter nicht mehr so stark nach außen pustet, dann kann es kurz einmal passieren, dass es ein bisschen stinkt im Bus. Aber das ist sehr, sehr, sehr selten.
Das heißt, wenn es anfängt zu stinken, sagt ihr, wir müssen umparken.
Genau, so quasi.
Okay. Nächste Frage. Mein peinlichster Moment mit dem Gleitschirm bisher war als …
Als ich mich zwischen zwei großen Landewiesen nicht entscheiden konnte.
Und was war in der Mitte?
Ein Zaun.
Und … Und du
bist dann genau im Zaun gelandet. Ich bin
echt so mit dem Hintern noch in den Zaun gelandet und habe niedergerissen. Das war in lauter Brunnen, nachdem wir vom Jungferjoch geflogen sind. Wirklich ein mega eindrücklicher Flug über die Gletscherspalten und ja, richtig ein angenehmer Abgleiter. Und unten dann zwei große Landewiesen. Und keine Ahnung, ich habe mich einfach nicht entscheiden können. Und ja, das war mir mega peinlich. Also zuerst war ich sehr erleichtert, dass mir einfach nichts passiert ist. Und ja, dann bin ich so etwas rollmütig zur Seilbahnkasse gegangen und habe das gebeichtet. Und das war dann so mega nett, weil die Frau in der Kasse gesagt hat, ja, du warst nicht die Erste und du wirst doch nicht die Letzte sein.
Und ich soll mir keine Gedanken machen. Und sie gibt es weiter und der Zaun wird wieder aufgestellt.
Das war aber ein ganz einfacher, nur so ein Drahtzaun. Oder war das richtig so ein Holzlattenzaun? Es war ein
Holzlattenzaun, ja.
Okay. Aber gut, dass du dir nichts getan hast dann.
Ja, genau. Also war dann auch meine Konklusion. Am Anfang war ich sehr geknickt und habe mir gedacht, oh Gott, ich kann nicht einmal mehr landen. Und wie man sich dann vielleicht schlecht vorredet.
War das so klassische Hindernisfixierung?
Ja, ich bin mir sehr sicher. So wie
andere Leute genau den einzigen Baum, der auf einer riesigen Wiese stehen, sagen, nicht reinfliegen, nicht reinfliegen. Ich habe doch gesagt, nicht reinfliegen, weil sie dann schon drin hängen. Und so ähnlich war das mit dem Zaun?
Möglicherweise. Also normal bin ich gefeit vor solchen Fixierungen. Aber da ist das einfach passiert oder ich habe es einfach falsch eingeschätzt. Ich glaube, ich habe zu lange gezögert, welche Wiese ich dann wirklich nehmen will. Lieber wäre man die gewesen, die nicht auf dem Auto steht und nicht die Größere. Und ich glaube, das war dann so der Grund, dass ich mich einfach zu spät festgelegt habe, was ich will. Was ich wirklich machen mag. Und das ist ja doch wichtig, dass man klare Entscheidungen trifft und nicht bis zuletzt im Zwiespalt fliegt.
Kleine Zwischenfrage zwischendrin. Da hast du dich nicht verletzt. Hast du dich beim Gleitschirmfliegen denn schon mal verletzt?
Nein, glücklicherweise nicht. Dann
soll es auch so bleiben. Genau. Dann machen wir mit den Fragen weiter. Marlies, mein größtes Vorbild ist?
Ist das schlimm, wenn ich sage, ich habe kein Vorbild?
Das ist überhaupt nicht schlimm. Ja. Okay, passt. Ich finde es nur immer interessant. Manchmal kommen interessante Antworten darauf, manchmal auch nicht. Dann, am meisten ärgere ich mich am Berg, wenn?
Wenn mich irgendeine Kleinigkeit nervt.
Irgendwas, was das Material vielleicht betrifft. Wenn einfach der Klettverschluss von der Jacke nicht mehr hält oder so. Also es sind oft wirklich nur so ganz Kleinigkeiten, die mich, glaube ich, am meisten ärgern. Aber ich denke nur noch, vielleicht fällt mir da noch was ein. Warum? Weil die
dich so aus deinem Flow rausziehen oder was ist das? Also dass gerade so diese Kleinigkeiten das ist, was dich ärgert.
Ja. Weil sie einfach nerven und nicht sein müssten. Wenn einfach, ja, bei meinem Ski zum Beispiel geht die Bindung so schwer zum rüberdrehen. Verstehst du mich überhaupt nur, wenn ich da gerade einmal einhaken kann? Ist ein ganz schlimmer Dialekt, oder? Ja,
ist ein bisschen schlimmer geworden, aber ist alles okay. Wir können ja einfach mit der nächsten Frage weitermachen. Ja, passt. Was ich jedem anderen Flieger nur empfehlen kann, ist?
Zu fliegen. Warum? Weil es Spaß macht und weil es Routine und Übung bringt. Und ja, also ein Punkt, also wenn mich jetzt jemand, der vor allem vom Bergsteigen kommt, oder so fragen würde, was ich ihm empfehlen würde, ich glaube, das wäre echt so ein Starkwind -Groundhandling -Training. Das hat mir extrem viel gebracht. Ja, weil es einfach, gerade am Berg hat man sehr oft einfach nicht die perfekten Bedingungen. Und wenn man dann einfach den Schirm unter Kontrolle hat, dann ist das so gut für das eigene Gefühl.
Das heißt, einfach die Sicherheit, die man damit dann noch zusätzlich gewinnt.
Genau. Das Vertrauen und einfach die Kontrolle. Und im alpinen Gelände kann es halt auch wirklich einmal gefährlich werden. Und wenn man sich dort Zeit nimmt, zwischendurch immer wieder einmal. Also das ist für mich persönlich, glaube ich, was ich merke, wenn ich dann einfach wieder einmal länger am Klettern bin, dass ich echt wieder einmal die Zeit für mich haben mag, wo ich mich intensiver mit dem Schirm beschäftige. Sei es jetzt wieder im Sicherheitstraining oder mal vielleicht an der Düne sein und dort wieder mehr Groundhandling oder so an. Also das gibt echt viel, viel positive Inputs.
Ganz unerwartet passieren, glaube ich, ja. Also so echt die spontanen Flüge. Und Flüge sind bei uns eh meistens spontan. So gesehen sind mir eh die meisten am liebsten. Ja, also keine verallgemeinernden. Das finde ich eigentlich auch schön. Wenn es jetzt der Flug in den Sonnenuntergang ist. Es ist irrsinnig schön mit einer Freundin gemeinsam.
Oder einfach wirklich, wo man sich einen langen Abstieg erspart. Also es hat jeder Flug für sich was Schönes. Das kann ich nicht allgemein sagen.
Gibt es denn irgendeinen Flug, wo du sagst, so das war vielleicht bisher aus meiner Fliegerkarriere so das Highlight?
Hm. Hm.
Der höchste Highlight im Sinne von Höhepunkt so von Mont Blanc. So auf jeden Fall. Großartig. Ja, eine Erfahrung, da, das fühlt sich heute noch ganz magisch an, wenn ich daran zurückdenke. Das war in Marokko. Da haben wir vorigen Winter verbracht. Nachdem wir da mit den gefrorenen Wasserleitungen nicht so gut umgehen haben können. Ja, sind wir dann irgendwann in Marokko angekommen. Und da waren ein paar richtig schöne Flüge dabei. Und einer an der Atlantikküste über dem Felsentor von Lekzira. Da haben wir einen wunderbaren Stellplatz gehabt. Direkt über dem Meer. Und an einem Nachmittag hat da der Wind so perfekt gepasst.
Da sind wir ja einige Stunden da in der Luft gehängt. Und immer über dem Meer und über dem Felsentor gesaut. Und ja, sehr viele Top -Landungen. Mehr Top -Landungen als in meinem bisherigen Leben. Und das war so spielerisch. Und so hat man sich echt so vogelfrei gefühlt, wenn man da einfach wieder landet und weg tapsen kann. Und das war über mehrere Stunden einfach ein richtig, richtig schönes Flugerlebnis.
Der Felsentor von Lekzira. Vielleicht, dass die Hörer sich das ein bisschen vorstellen können. Das ist im Grunde eine Steilküste. Und dann gibt es eine so eine Felsnase, die sich in das Meer hinausschiebt. Und die ist unten drunter unterhöhlt. Also man kann quasi durch dieses Tor dann unten drunter durchlaufen am Strand entlang oder so Steinstrand entlang. Und oben kann man aber auch an dieser Nase dann entsprechend sohren und dann wirklich raus zum Meer rausfliegen und über dem Wasser im Grunde fliegen und dann auch wieder zurück. Und dann oben auch wieder Top -Land oder eben unten am Strand. Je nachdem, wie man es trägt oder wie man gerade Lust hat. Es ist eine schöne Ecke, da war ich auch schon mal. Das ist echt nett.
Marlies, anfangs, wenn ich das richtig gesehen habe, anfangs in deiner Fliegerkarriere warst du ja hauptsächlich auch noch mit einem Single -Skin unterwegs bei deinen Bergabflügen. Ist ja noch mal ein bisschen leichter und ein bisschen kleiner vom Packmaß her und sowas. Dann hast du das aber irgendwann immer weniger gemacht und es sein lassen. Warum eigentlich?
Weil ich dann mit der Susi eigentlich einen Schirm gefunden habe, der ebenso wirklich leicht ist und einfach so viel mehr Vorteile von einem klassischen Doppelsegel hat, dass der kleine Gewichtsunterschied dann nicht mehr so die Rolle gespielt hat. Also ich bin Single -Skin sehr lange geflogen und war nur mein einziger Schirm eine gewisse Zeit lang. Das war aber natürlich dann auch der Punkt, warum mein Startfenster nicht größer war, weil bei mehr Wind halt ein Single -Skin mehr Einbussen hat. Und ja. Irgendwann war es dann soweit, dass ich auch durch ein paar Erfahrungen, die nicht ganz so cool waren, Was heißt das?
Nicht ganz so cool?
Rückwärtsflüge und Landungen auf der Straße oder ja. Die
du auch sagen würdest, das ist dir in der Form passiert, weil es ein Single -Skin war, weil du mit dem Doppelsegel wahrscheinlich vielleicht schon noch so beschleunigt hättest können, dass du noch nach vorne kommst. Aber mit dem Single -Skin drückst du dich dann schon nach hinten, oder?
Ja, ich glaube, das war echt gerade in so einem Grenzwindbereich, wo das vielleicht anders anders gewesen wäre.
Ich bin nach wie vor voll ein Fan von den Single -Skins und werde mir jetzt da wieder einen neuen zulegen, vermutlich. Das Ufo 2 und auch in einer ganz kleinen Größe. Und ich glaube, ich habe auch manche Flüge eigentlich, oder manche Flüge und Starts hat so ein Single -Skin erst möglich gemacht, wo ich einfach mit einem anderen Gleitschirm vermutlich nicht so gut starten hätte können.
Und ja, man muss glaube ich einfach wissen, wann man welchen Schirm einsetzt. Dann ist halt jetzt noch dazu gekommen, dass wir im Bus, im Camperway einfach nicht mehr Platz haben für mehrere Schirme. Das heißt, da passt ein
Schirm pro Person rein, aber mehr darf es eigentlich nicht sein.
Genau. Und so ein 13er Ufo. Obwohl
so ein
Single -Skin könnte man ja noch gut
irgendwo in irgendeiner Ecke noch schnell reinstopfen.
Das hätte dann gepasst. Nein, aber für uns waren irgendwie einfach vom Flugspektrum die beiden Schirme dann schon so nah beieinander, dass wir gesagt haben, okay, jetzt reicht eigentlich ein Schirm. Und es ist halt so ein bisschen der Kompromiss und der Platzkompromiss, den man eingehen muss.
Wenn du jetzt heute bei bestimmten Touren dann trotzdem entscheiden müsstest oder beides zur Verfügung hättest, in welchen Situationen würdest du dich für den Single -Skin entscheiden? Wo du sagst, da hat der einfach nur Vorteile.
In ganz kleinen Startplätzen,
wenn man nicht viel Platz hat, wenn man echt schauen muss, dass der Schirm schnell in die Luft kommt und wenn man weniger Wind zu erwarten hat, wenn man weniger Talwind zu erwarten hat. Also wenn man vielleicht echt das Startfenster an die Randstunden vom Tag legen muss. Oder ganz einfach, wenn man in der Früh irgendwo raufspaziert und nur einen Abgleiter machen mag. Es ist einfach so simpel und so leicht und da reicht ein Single -Skin, wenn man nur irgendwo in ruhiger Luft unterwegs sein mag.
Es gibt, soweit ich es zumindest beobachte, zunehmend ja auch Bergsteiger und Alpinisten, die von so einer Disziplin Fly & Climb ein bisschen träumen oder in die Richtung planen, dass die sagen, okay, ich nutze den Gleitschirm nicht, um abzufliegen, sondern im Grunde als Zustiegsmöglichkeit oder dass ich mich überhaupt erstmal den Bergen näher und manchmal, also gerade im Himalaya oder sowas, wo du sagst, ich müsste eigentlich eine Woche dahin laufen, um überhaupt erstmal im Basiscamp anzukommen, kann ich vielleicht innerhalb eines Tages dahin fliegen und sowas und den Streckenflug dann machen. Und damit auch vieles natürlich ganz einfach. Das würde mich ganz deutlich erleichtern, was bestimmte Expeditionsvorstellungen und Ideen dann überhaupt betrifft. Ist das so etwas, wäre das auch was für dich? Ist das etwas, wo du auch überlegst, da
in diese Richtung mehr zu machen?
Das ist auch wieder so ein wunderbares Spektrum, das sich da mit dem Fliegen öffnet und ich habe jetzt nichts Konkretes im Sinn und müsste auf jeden Fall meine Streckenflugfähigkeiten da massiv verbessern, aber ich kann mir schon vorstellen, dass das irgendwann einmal interessant sein könnte. Irgendwohin fliegen, das Fliegenswillen oder Kletternswillen, das ist schon eine schöne Vorstellung.
Wie sehen deine konkreteren Pläne in puncto Gleitschirm aus?
Da habe ich auch keine konkreten Pläne. Das heißt, du
nimmst die Berge, wie sie kommen und fliegst von denen, wo es möglich ist?
Ja, schon irgendwie. Also die Ideen entstehen. Die entstehen dann am liebsten einfach spontan und wir würden mal richtig gerne nach Norwegen und da wäre es auch schön, einfach mit einem Boot und mit einem Gleitschirm unterwegs zu sein. Und ja, wenn wir mal wieder wo ein Zuhause haben, eine Wohnung, dann würde man sicher gerne einfach einmal vielleicht quer über die Alpen oder irgendwo einen Endpunkt definieren und da drauf los hiken und fliegen. Und ja, ich glaube, man hat so viele Möglichkeiten.
Weil du vorher gesagt hast, so irgendwo hinfliegen. Also wir waren vor zwei Jahren in Pakistan oder vor drei Jahren mittlerweile und da hätten wir auch den Gleitschirm mitgehabt, damit wir von die Lagerplätze oben runterfliegen können. Und ja, also das ist schon nach wie vor ein Traum, auch vielleicht von einem ganz hohen Berg irgendwie runterfliegen zu können. Aber nichts Konkretes.
Was wäre oder gibt es solche Pläne? Hast du so etwas wie einen Traumflug, den du dir noch gerne erfüllen würdest?
Habe ich auch keinen konkreten Traumflug. Aber eher so ein Traumgefühl, so ein Fluggefühl. Es ist vielleicht wirklich so, das Sohren und das Wing -Overn über diesen Felsendorf von Lekzira. Einfach so ein Gefühl zu haben. Und ich glaube, das wäre mir dann gar nicht so wichtig, wo das ist. Einfach eine schöne Landschaft und schöne Farben und eine coole Natur rund um mich. Und so irgendwie ein Erlebnis.
Was ist dieses Gefühl? Wie würdest du das beschreiben? Ist das einfach Zeitlosigkeit in dem Moment oder was erlebst du da?
Zeitlosigkeit trifft sicher. Und das Gefühl einfach aus sich und die Elemente so zu spüren, wenn man einfach echt so mit dem Wind über den Wellen da so gleitet. Und so wie dort, wenn man einfach wirklich über dem Meer raussegelt. Und dann diese roten Felsen und das Tor hat. Und einfach so eine unglaubliche Natur. Also ja, einfach das Gefühl so richtig bei sich zu sein, eins zu sein mit dem Schirm. Und so ganz so oft habe ich das noch nicht gehabt. Aber ich glaube, dass das ein Gefühl ist, auf das ich mich schon wieder sehr freue.
Von dem man noch auf gewisse Weise abhängig werden kann?
Hm.
Ja, ich glaube, eine gewisse Abhängigkeit. Ist da vielleicht schon im Spiel.
Aber da finde ich es einfach auch schön, wenn man so eine Abwechslung hat. Gerade mit dem Bergsport und das Fliegen da einfach so ein weiteres Element ist. Und wirklich so ein Puzzleteil, das man wieder einmal mit einbauen kann. Und einmal, ja, mal wieder weglässt. Und da hat man echt wunderschöne Möglichkeiten, jeder für sich. Und ich finde ja auch das Schöne, dass das Fliegen irgendwie so, so ganz individuell ist und vielleicht dann noch individueller wie jetzt irgendeine Kletterroute oder so. Das ist, ist jeder Flug anders.
Individueller, weil die Kletterroute ist viel stärker vorgegeben. Der Fels ist immer der gleiche. Okay, der kann ein bisschen an der Eisauflage oder sonst wo einmal sein. Aber ansonsten sagst du, den bin ich schon einmal so hoch geklettert. Ich weiß, wo der Griff ist. Aber beim Flug bist du nie an derselben Stelle, in derselben Luft, mit derselben Turbulenz, die da gerade.
Genau. Und wenn man das dann noch mit dem Klettern kombiniert, dann ist das ja nur einmal viel mehr was Einzigartigeres und einfach was, was man nur für sich macht. Das
heißt, hike and fly oder climb and fly ist für dich der Himmel auf Erden.
Genau, ja.
Schön gesagt.
Gut, Marlies. Dann würde ich sagen, lassen wir es da mal gut sein. Möge dir dieser Himmel auf Erden noch häufig beschieden sein.
Danke dir auch.
Und mögest du noch gut durch den Rest Winter kommen und hoffentlich bald, also nicht nur du, sondern wir alle hoffentlich bald wieder ein bisschen freier hier durch diese Welt ohne Corona oder zumindest mit wenig Corona -Beschränkungen uns wieder bewegen dürfen, dass wir davon einfach noch viel mehr erleben können. Danke dir für deine tollen Erzählungen und deine Bereitschaft dazu. Und dir noch alles Gute.
Das war Marlies Czerny im Gespräch mit Lucian Haas. Marlies hat übrigens ein Buch darüber geschrieben, wie es geschah, dass sie die 82 Viertausender der Alpen bestieg. Er trägt einen doppelsinnigen Titel, den man ganz nach Belieben als Viertausender erleben oder Viertausender leben aussprechen kann. Das Buch ist im Bergwelten Verlag erschienen. Die zugehörigen Daten habe ich in den Shownotes zu dieser Podcast -Folge im Blog Looglides vermerkt. Dort findest du auch noch weitere Links zu anderen Infos rund um Marlies Berg - und Gleitschirmabenteuer. Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann empfehle Podz-Glidz doch weiter. Diese und alle weiteren Podcast -Folgen findest du auf Looglides und Soundcloud sowie in bekannten Audio -Katalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc.
Um keine neue Folge zu verpassen, kannst du Podz-Glidz auch gleich im Podcatcher deiner Wahl abonnieren. Vielleicht hast du auch Vorschläge für weitere interessante Gesprächspartner in Podz-Glidz. Es gibt sicher viele bislang unerzählte, aber hörenswerte Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Schreibe mir einfach eine E -Mail an looglideskontakt at gmail.com. Und wenn du es nicht eh schon bist, dann nochmals der Tipp. Werde doch zum Förderer von Podz-Glidz und Looglides. So hilfst du mit, dass sich beide Projekte immer weiter entwickeln kann. Und jede Podcast -Folge ist dann auch irgendwie deine Folge. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog looglides auf der Seite Fördern. Und jetzt auf zu neuen Höhenflügen. Ciao.