podz-glidz// transcripts with a synced player

54. Verschollen - Olaf Salewski

// Olaf Salewski, Lucian Haas · 2021-04-16 · 01:39:44 · original episode

// streaming from the original SoundCloud feed

[show notes]
Olaf Salewski erzählt, wie er sich nach einem skurrilen Gleitschirm-Absturz im Schweizer Hochgebirge eine Woche lang zurück in die Zivilisation kämpfte. +++ Diese 54. Folge von Podz-Glidz ist ein erzählter Flieger-Albtraum – allerdings, wenn auch kaum zu glauben, eine wahre Geschichte. Olaf Salewski, ein durchaus erfahrener Gleitschirmflieger aus Norddeutschland, startet im Schweizer Wallis einen Streckenflug. Nach einigen Stunden in großer Höhe verliert er das Bewusstsein, crasht irgendwo im Nirgendwo in felsiges Gelände und kommt dann – schwer verletzt und vermutlich unter Schock – nicht einmal auf die Idee, einen Notruf abzusetzen. Stattdessen beginnt er mit dem schmerzhaften Abstieg vom Berg. Es folgen sieben bange Tage, verschollen im Hochgebirge. Was Olaf dabei alles erlebt und gewissermaßen auch überlebt, welche Gedanken und Gefühle ihn in seiner Einsamkeit beschäftigen, was ihm Hoffnung macht, was ihn verzweifeln lässt und durch welche wirklich glückliche Fügung er am Ende doch noch gerettet wird – all das ist ungeheuer spannend und beschert einem die eine und andere Gänsehaut. Es ist mutig, wie Olaf seine skurrile, in Teilen tragische, aber auf jeden Fall auch lehrreiche Geschichte so offen und authentisch erzählt. Er tut das in der Hoffnung, dass andere daraus etwas lernen können. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://www.lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Song: Wistful Harp | Künstler: Andrew Huang Download: https://www.youtube.com/watch?v=nzexan5pLkI +++

[transcript]

0:07Olaf Salewski

Und es war von der Aussicht her, wie soll ich sagen, einfach schön, war toll. Dann macht man noch ein Selfie bei der ganzen Geschichte. Ja, und dann fliegst du halt weiter. Aber danach, kurz danach, wie gesagt, ist dann keine Erinnerung mehr da. Und ja, bin dann halt, so wie es aussieht, dann bei ungefähr 3.700 Meter halt das Bewusstsein verloren. Und dann noch ohne Bewusstsein eine ganze Ecke weitergeflogen. Bis dann, wie soll ich sagen, irgendwann mal, tja, der Berg halt im Wege war.

0:59Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

1:02Olaf Salewski

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

1:07Lucian Haas

Heute mit Olaf Salewski und Lucian Haas am Mikrofon.

1:18Lucian Haas

Diese 54. Folge von Podz-Glidz ist ein erzählter Fliegeralbtraum. Aber, kaum zu glauben, eine wahre Geschichte. Olaf Salewski, ein durchaus erfahrener Flieger, geht im Schweizer Wallis auf Strecke, verliert dann in großer Höhe das Bewusstsein, crasht irgendwo hoch oben in felsiges Gelände, und kommt dann, schwer verletzt und vermutlich unter Schock, nicht einmal auf die Idee, einen Notruf abzusetzen. Stattdessen beginnt er mit dem schmerzhaften Abstieg vom Berg. Was dann folgt, sind sieben bange Tage, verschollen im Hochgebirge. Was Olaf dabei alles erlebt und gewissermaßen auch überlebt, welche Gedanken und Gefühle ihn in seiner Einsamkeit beschäftigen, was ihm Hoffnung macht, was ihn verzweifeln lässt, und durch welche wirklich glückliche Fügung er am Ende doch noch gerettet wird, all das ist ungeheuer spannend, und hat mir schon bei der Aufnahme die eine und andere Gänsehaut beschert.

2:12Lucian Haas

Ich finde es sehr mutig von Olaf, seine skurrile, in Teilen tragische, aber auch lehrreiche Geschichte so offen zu erzählen. Er tut das in der Hoffnung, dass andere daraus etwas lernen können.

2:25Lucian Haas

Wenn dir der Podcast gefällt und du auch in Zukunft noch mehr hintergründige Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens von mir präsentiert bekommen willst, dann unterstütze doch meine Arbeit als Förderer. Ich finanziere Podz-Glidz und den zugehörigen Gleitschirm-Blog Lugaitz nicht über Werbung, versteckte Sponsoring oder Abogebühren, sondern allein über freiwillige Förderbeiträge meiner Hörer und Leser. Zahlungen sind ganz einfach bei PayPal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Lugaitz, und zwar dort auf der Seite Fördern.

2:58Lucian Haas

Olaf, du bist im September 2020 in die Schweiz gefahren. Warum?

3:04Olaf Salewski

Ja, ich hatte Urlaub geplant im September nochmal, bevor das fliegerische Jahr eigentlich für mich zu Ende mehr oder weniger sein sollte. Hatte ich da geplant, mit einer Gruppe einfach nochmal in die Schweiz zu fahren, ein neues Fluggebiet kennenzulernen. Und da war ich dann halt auf dem Weg am 12. Samstag dann dahin und wollte mich halt mit einer Gruppe dort

3:23Lucian Haas

treffen. Was heißt mit einer Gruppe? Kanntest du die schon oder war das einfach so eine klassische Ich -seh -Reise, die man irgendwie bucht und dann trifft man sich dann dort vor Ort und guckt mal, wer so alles da ist?

3:33Olaf Salewski

Nee, also ich kannte die, hatte schon bei dem Veranstalter vorher schon mal, ich sag mal insgesamt, glaube, drei Veranstalter. Ich hab bei den Veranstaltungen dann teilgenommen, war bis dato eigentlich auch relativ soweit zufrieden und gab auch soweit keine Vorkommnisse. Da war soweit eigentlich alles immer okay bei denen. Also ich hab mich da nicht, nicht irgendwie unwohl gefühlt oder solche Geschichten. Es war eigentlich, wie immer, ich brauchte auch nicht viel Betreuung in der Richtung, weil ich hab das eigentlich mehr oder weniger nur deswegen gemacht, so eine Betreuung, um einfach ein neues Fluggebiet kennenzulernen, um irgendwelche Gepflogenheiten da besser aufnehmen zu können, ohne dass ich mich da groß intensiv, ein bisschen verletzt habe. Wenn ich mich da in diesem Fluggebiet beschäftigen muss, ist das so immer für mich so die einfache Art und Weise, das neue Fluggebiet halt mal kennenzulernen.

4:18Lucian Haas

Du fliegst aber ja schon ein bisschen länger, soviel ich weiß. Braucht man da noch solche XC -Seminare oder warum, also was ist das? Warum bucht man sowas, wenn man die Erfahrung hat, die du schon hast? Erzähl mal so kurz den Hintergrund.

4:29Olaf Salewski

Für mich ist es hauptsächlich da gewesen, um das Fluggebiet kennenzulernen. Ich sag mal, das war ganz neu für mich da in der Schweiz auch. Wo war das denn? Wenn ich jetzt zum Beispiel nach Österreich, das war in Fisch. In Fisch. Im Fischertal. Also Wallis. Auf dem Aletschgletscher.

4:43Lucian Haas

Hochgebirge, Hochalpen. Genau. Richtig schönes Streckenfluggebiet.

4:46Olaf Salewski

Genau, richtig schönes Streckenfluggebiet. Hab gesagt, Mensch, machst du mal wieder so eine Gruppe, weil fliegerisch brauche ich es nicht, sondern eher einfach, um ein bisschen Hintergrundwissen zu bekommen vom Gelände her. Das ist so, wie halt die Windverhältnisse nochmal da sind, worauf man vielleicht achten sollte. Das ist so eigentlich der Hauptgrund gewesen.

5:02Lucian Haas

Dann bist du also in die Schweiz gefahren und am nächsten Tag ging dieses XC -Seminar los. Was war für diesen Tag der Plan?

5:11Olaf Salewski

Also mein Plan war im Endeffekt einfach, ich sage ganz ehrlich, ich gehe da immer ein bisschen sehr unbedacht an die ganze Geschichte ran. Also ich plane da nicht so hundertprozentig von A nach B zu fliegen, weil, wie gesagt, ich kannte das Fluggebiet nicht. Ich habe einfach gedacht, okay, nimmst du das mit, was geht. Und habe auch kein Problem, irgendwie mal auf Strecke zu gehen, eine Außenlandung zu machen. Das ist nicht, wo ich Angst vor habe. Ich habe gesagt, nimmst du den Tag so gut mit, wie es halt machbar ist und versuchst so viel rauszuholen, wie es geht. Hat ja dann auch soweit ganz gut geklappt. Sind dann so, ich glaube mal, so zehn, halb elf sind wir dann eigentlich erst hochgekommen auf den Berg. Musste noch ein bisschen warten und habe dann eigentlich einen guten Zeitpunkt abgepasst, um zu gucken, jetzt langsam ist die Thermik halt durch. Könntest du starten, dass du halt auch mal oben bleibst und nicht, wie gesagt, gleich wieder absäufst und den Tag auch vernünftig nutzen könntest.

6:00Lucian Haas

Wie waren dann so, ich meine, du bist dann gestartet. Wie waren dann so die Bedingungen? War das wunderschönes September -Herbst -Fliegen oder heftige Thermik? Wie war das?

6:10Olaf Salewski

Ich kann immer nur von meinem Eindruck halt sprechen, also ich fand es auch nachher im Flug nachher, es war ein ganz wunderschöner Tag, genauso wie du es gerade beschrieben hast. War ein wunderschöner Herbsttag mit keiner, ich sage mal, Hammer Thermik. Meiner Meinung nach eine gut ausgeglichene Thermik. Ich sage, die Sichten waren gut. Wir hatten wenig Wolken. Die Basis lag so bei, ich sage mal, so 3.700, 3.800 Meter. Es war also nicht groß ruppig. Irgendwelche großen Berg - und Talwinde gab es auch nicht, meiner Meinung nach. Also von meinem Gefühl her. Und es sah eigentlich sehr, sehr gut aus für den Tag. Also nicht, dass man sagt, es wird jetzt so ein super anstrengender Flugtag, sondern war eigentlich, ich sage mal, ein richtig schöner Streckenflugtag.

6:52Lucian Haas

Das klingt ja alles super. Aber irgendwie ist dieser Tag ja dann doch zu deinem Schicksalstag geworden. Was ist da passiert?

7:00Olaf Salewski

Ja, das ist ja dann wirklich. Also ich bin ganz normal, wie gesagt, habe dann, was ich eben gerade sagte, einen guten Startzeitpunkt erwischt. Es ging auch, ich sage mal, gut hoch. Also ich hatte da keine Probleme, relativ schnell bis knapp unter die Basis aufzudrehen. Habe mich dann ostwärts, sage ich mal, auf den Weg gemacht Richtung Gerstenhörner und war auch wirklich gut unterwegs, ohne Probleme, immer relativ weit oben auch. Und ja, bin dann hingewählt bis in Gerstenhörner ungefähr. Dann war dann halt das Gebirge ein bisschen zu hoch, weil die Basis eben nur bei 3.700 war. Bin dann wieder umgedreht. Ganz normal. Und war mehr oder weniger schon wieder auf dem Rückweg eigentlich zum Startplatz, Landeplatz in der Richtung schon wieder.

7:47Olaf Salewski

Ob es da noch weiter ging, habe ich da dann noch nicht entschieden. Wenn es gut gegangen wäre, wäre ich weiter gefangen. Aber dann irgendwann auf dem Rückweg bin ich dann, ja, wie soll ich sagen? Kann ich mich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr daran erinnern, weil da bin ich wohl, so wie es aussieht, ohnmächtig geworden. Ohnmächtig? Ja, da ist Bewusstsein verloren. Einfach weg? Einfach weg. Ich habe vorher das... Komisch ist ja, ich habe vorher sogar noch Fotos gemacht, kurz davor. Was sieht man auf diesen Fotos? Das sieht man bei mich. Ich habe so ein Selfie halt gemacht, so die Landschaft halt. Und es war von der Aussicht her, wie soll ich sagen, ja, einfach schön, war toll. Dann macht man noch ein Selfie bei der ganzen Geschichte. Ja, und dann fliegt es halt weiter. Aber danach, kurz danach, wie gesagt, ist dann keine Erinnerung mehr da. Und ja, bin dann halt, so wie es aussieht, dann bei ungefähr 3.700 Meter halt das Bewusstsein verloren.

8:38Olaf Salewski

Und dann noch ohne Bewusstsein. Und dann ist dann eine ganze Ecke weiter geflogen. Bis dann, wie soll ich sagen, irgendwann mal, tja, der Berg halt im Wege war.

8:47Lucian Haas

Du bist dann bewusstlos gegen diesen Berg geflogen? Ja. Wahrscheinlich. Aber du kannst dich gar nicht daran erinnern? Nein. Ab wann weißt du denn wieder oder ab wann warst du wieder so bewusst, dass du sagst, ja, hm, wo bin ich jetzt hier?

9:02Olaf Salewski

Das war relativ spät. Also ich sage mal, ich habe so, also mir fehlt so ein ganzer Zeitraum von guten dreieinhalb Stunden. Der fehlt mir einfach komplett. Der ist auch nicht wieder, bis jetzt nicht wieder zurückgekommen. Man fragt ja, erinnert sich an irgendwas wieder? Muss ich sagen, nee. Also davon ist nichts, nicht mal ansatzweise irgendwas wiedergekommen. Es gab irgendwelche Bruchstücke, an die man sich erinnern konnte, gar nichts. Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich dann irgendwann da wohl gestanden habe. Ich saß nicht mehr im Kurzzeug. Daran kann ich mich auch nicht erinnern, wie ich mich vielleicht ausgeschnallt habe, wie ich den Helm abgenommen habe, mir so eine, ich sage mal, so eine Schirmütze aufgesetzt habe. Das ist alles nicht da. Da gibt es keine. Ich habe keine Erinnerung dran. Ich weiß auch nicht, was ich ihm sagte. Auch den Helm, den habe ich irgendwie gar keine Erinnerung mehr, wo er überhaupt ist. Weiß ich nicht. Und auch, es tat zwar dann weh am Körper an einigen Stellen und nicht wenig weh.

9:53Olaf Salewski

Und am Kopf habe ich dann halt auch später erst gemerkt, nachdem ich mich irgendwie auf die Mütze gefasst habe, dass sie obendrauf so ein bisschen hart gewesen ist. Und dann auch erst festgestellt an der Mütze, dass das Harte eben durch eine relativ große Kopfwunde gekommen ist. Die ungefähr 20 bis 25 Zentimeter lang war und dass das eigentlich so eingetrocknetes Blut gewesen ist.

10:13Lucian Haas

So eine richtige Platzwunde dann da?

10:16Olaf Salewski

Ja, eine richtige Platzwunde ist gut. Ich sage mal, 25 Zentimeter lang, die war schon etwas mehr als nur so eine kleine Platzwunde. Ich denke mal, wenn ich, nehme ich jetzt einfach mal vorweg, gleich ins Krankenhaus gekommen wäre, hätte man die vielleicht genäht. Aber wie gesagt, die dann, nachdem man mich ja dann, aber kommen wir ja später nochmal darauf zu, wo man mich dann später mal gefunden hatte, dann war es dann halt, ich sage mal, schon relativ spät dann dafür, denke ich mal.

10:38Lucian Haas

Das heißt, du sagst, dir fehlen dreieinhalb Stunden. Als du wach, oder ja, wachbewusst wieder geworden bist, warst du irgendwo, dein Helm war weg, deine Ausrüstung war irgendwie schon ein bisschen zusammengepackt oder was auch immer?

10:52Olaf Salewski

Nee, die lag da noch so irgendwie. Aber da kann ich mich, wie gesagt, wie die lag, kann ich mich nicht erinnern. Ich habe die Ausrüstung dann irgendwie, weil es wurde dann schon langsam dämmerig, irgendwie einfach zusammengerafft, sage ich mal, ganz grob in den Packsack gesteckt. Aber nur, wie gesagt, den Schild. Das Schirm halt, das Gurtzeug nicht. Warum nicht? Ich kann es nicht sagen. Ich stand, habe auch immer noch, also lange Zeit das Gefühl gehabt, auch im Krankenhaus später, dass ich einfach noch ein bisschen neben mir gestanden habe die ganze Zeit. Deswegen kann ich dir das nicht erzählen, warum ich da bestimmte Sachen gemacht oder nicht gemacht habe. Das kann ich dir nicht sagen, weil es wurde dann halt schon immer dunkler und habe den einfach nur so zusammengerafft, was halt so im

11:30Lucian Haas

Groben halt ging. Hast du denn da in dem Moment verstanden? Soweit man das überhaupt noch nachvollziehen kann. Dass du sagst, oh, mir ist ein Unfall passiert und hast du dann gesagt, okay, wo ist mein Handy? Ich muss jetzt irgendwo anrufen und muss Bescheid sagen hier, ich wähle mal 112 oder was auch immer.

11:48Olaf Salewski

Ja, genau, das ist schön, dass du das ansprichst, aber genau das ist der Punkt. Ich kann dir nicht sagen, warum ich das genau in dieser Situation nicht gemacht habe.

11:55Lucian Haas

Nicht gemacht.

11:56Olaf Salewski

Du lagst da. Ich stand schon eigentlich, oder hockte, das kann ich dir nicht sagen, aber wie gesagt, ich bin ja aus dem Gurtzeug irgendwie raus, muss ich ja. Und dann stand ich da und habe dann irgendwie halt, wie gesagt, das zusammengerafft. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keinerlei Gedanken daran, weiß auch nicht warum, nicht das Telefon zu nehmen, welches auch einen Schaden genommen hat. Also ich sage mal so Funkgerät, Vario, das war alles kaputt. Das Telefon war auch, ich sage mal in Anführungsstrichen kaputt. Das hatte dann so einen Riss halt im Display, aber das funktionierte glücklicherweise noch. Und da kann ich dir nicht sagen, warum ich da zu dem Zeitpunkt nicht, wie du schon so schön gesagt hast, einfach den Notruf abgesetzt und gesagt, Leute, hier Hilfe. Solche Geschichten. Keine Ahnung. Muss allerdings davor wegnehmen, dass ich, als ich in die Schweiz gefahren bin, auch schon ein bisschen Probleme mit meinem Netzanbieter hatte, weil wir da eben das mit den Flats und das alles nicht so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt hatten.

12:53Olaf Salewski

Aber das nur nochmal so am Rande und deswegen war ich da schon so ein bisschen angefressen, auch was nachher so die Verbindung, wo wir noch später bestimmt drauf zurückkommen, zu meiner Frau, dass die mich dann irgendwann nicht vermisst hat und solche Geschichten. Und da hatten wir halt schon Probleme. Wir hatten schon Probleme am Anfang, dass sie dann kein Netz hatte und der Netzaufbau nicht funktioniert hat und das war dann halt später nochmal eine andere Geschichte, die dann eben auch noch zum

13:17Lucian Haas

Tragen kommt leider. Da, wo du gelandet bist oder eingeschlagen bist oder zumindest da, wo du dann wach geworden bist und das so langsam realisiert hast, wo war das denn an dem Berg? Also auf welcher Höhe in etwa? Du hast gesagt, fliegerisch warst du auf 3.700 unterwegs, dann fehlt eine ganze Weile. Vielleicht bist du da noch irgendwo. Du

13:38Olaf Salewski

bist da noch irgendwo

13:38Lucian Haas

vor dich hingeglitten, aber irgendwann musst du ja gegen diesen Berg, ja wirklich mit dem Berg zusammengestoßen sein so ungefähr. Richtig. Was war das? War das eine Wiese? War das voll gegen den Fels oder was das?

13:50Olaf Salewski

Das war wirklich so, wie es aussieht, war das so ein Geröllfeld, wo halt größere Steine, kleinere Steine halt da gewesen sind. Also Oberpunkt so einem leichten Geröllfeld war das dann und da bin ich dann halt irgendwo, ich sag mal zum Land gekommen ist gut, kann man jetzt sagen. Da war er wirklich eingeschlagen mehr oder weniger und da dann halt aufgewacht. Also es war wirklich auf dem Berg, es war so eine Höhe nachher so von, ich sag mal so 3.200 Meter ungefähr. Das war die Höhe, wo ich eingeschlagen bin. Das kann ich jetzt eigentlich mehr oder weniger fast genauso mit den 3.200 Meter, weil nachher, wo ich mich dann länger aufgehalten habe, da mal so nachgeforscht, waren dann so die 3.000 Meter, wo ich dann gewesen bin. Das passt dann auch relativ gut mit den Entfernungen und den Höhen halt.

14:35Lucian Haas

Du hast gesagt, es war schon Nachmittag. Es wurde dann vielleicht auch langsam dunkel. Genau. Was hast du denn dann gemacht? Was war dein Plan? Du hast keinen Notruf abgesetzt. Was war stattdessen? Also was war deine Idee? Was wolltest du machen? Ja runter.

14:49Olaf Salewski

Ich sag mal runter, weil ich sag mal oben, was war halt Geröllfeld, ich sag mal da war ja im Endeffekt ja nichts. In den Schweizer Bergen hab ich dann gesagt, okay, du musst hier jetzt runter und das habe ich dann auch genauso gemacht. Und dann habe ich eben, wie ich ja eben schon gesagt hatte, einfach meine Ausrüstung genommen, den Berg halt runtergerollt, weil ich konnte sie nicht tragen, weil ich hatte ja unheimlich viele Verletzungen vorgetragen. Also tragen war nicht möglich, hab dann dieses Geröllfeld, das war relativ steil auch, runtergekullert. Die

15:19Lucian Haas

Ausrüstung? Die Ausrüstung. Beziehungsweise, du hast gesagt, du hast nur den Schirm in den Sack gepackt. Das Gurtzeug hast du oben liegen lassen oder wie? Nein,

15:26Olaf Salewski

das Gurtzeug habe ich auch so genommen. Dieses Beines habe ich dann getrennt immer von diesem Geröllfeld runtergerollt. Verrückt. Nachts dann halt. Und dann habe ich ganz, habe ich dann anstatt, habe ja keine Taschenlampe, habe dann das Telefon genommen mit der Taschenlampenfunktion, um dann eben die Ausrüstung, die ich runtergerollt habe, die ist dann ja immer ein bisschen weitergerollt, als ich gucken konnte in der Nacht und musste dann wirklich das Telefon halt nutzen, beziehungsweise die Taschenlampenfunktion des Telefons nutzen, um die Ausrüstung zu suchen, die immer dann runtergerollt ist. Die ist ja nun teilweise 20, 25 Meter gerollt, auch mal 30 Meter und habe die dann immer wieder suchen müssen. Das eine ist ein bisschen nach rechts gerollt, das andere ein bisschen nach links gerollt und war dann halt nicht ganz so einfach, halt durch die Felsen, Steine halt durch und habe dann dann nachts immer die Ausrüstung wieder zusammengesucht, die dann runtergerollt ist,

16:15Olaf Salewski

damit ich sie dann immer wieder weiter runterrollen konnte. Ich selber bin dann immer auf allen Vieren, ich sage mal, auf dem Hosenboden mehr oder weniger auf dieses Geröllfeld dann da, ja, runtergerutscht, geglitten, gekrochen mehr oder weniger, bis sich dann irgendwann mal, ja, bis dann irgendwann hell wurde. Ja. Und ich dann, wie soll ich sagen, an so einem leichten Plateau angekommen bin, wo halt auch etwas größere Felsen waren, aber wo es dann halt an der Ecke schon etwas flacher gewesen ist, wo man hätte, ich sage mal, auch wieder starten können, rein theoretisch.

16:47Lucian Haas

Du sagst, wo es wieder hell wurde, das heißt, dieses Runterlaufen und Runterschmeißen von deiner Ausrüstung und Runterkullern und dem Hinterherkrabbeln und sonstiges, das hast du die ganze Nacht durchgemacht?

17:01Olaf Salewski

Ja, das hat eine

17:02Lucian Haas

ganze Nacht gedauert.

17:03Olaf Salewski

Das hat wirklich die ganze Nacht gedauert, bis ich dann da unten an diesem, ich sage mal, am Ende des Geröllfelds, wo es dann eben wirklich flach wurde, eben angekommen bin, das hat die ganze Nacht gedauert. Weil, wie gesagt, ich konnte ja, also ich nehme es mal vorweg, also die Verletzungen, was ich dann im Krankenhaus erfahren habe, waren ja nun, dass das Becken mehrfach gebrochen gewesen ist, dass einige Wirbelfortsätze abgebrochen sind, also es waren vier Stück, die Wirbelfortsätze, die weggebrochen sind, eben ein Leberriss hatte, und eben diese 20 Zentimeter, beziehungsweise 25 Zentimeter Kopfwunde mit einer noch leichten Kinnverletzung. Und dementsprechend war meine Geschwindigkeit wohl dann auch nicht allzu schnell, um da diesen Berg halt runterzukommen, zumindest das Geröllfeld.

17:47Lucian Haas

Da muss man doch auch irre Schmerzen haben. Ich meine, Hüftbruch und sich dann ein Geröllfeld runterkrabbeln und dann Sachen, wenn du sagst, Sachen runterschmeißen, das sind ja alles auch immer Bewegungen, du musst immer ein Gewicht hochheben. Zum Beispiel, was hast du denn zum Beispiel als Kurzzeug? Ja. Und als ein bisschen erfahrener Streckenflieger wahrscheinlich fliegst du ein bisschen so ein klassisches Liegegurtzeug, was ja auch dann wieder sein Gewicht auch hat und so. Ist

18:12Olaf Salewski

das so? Ja, das ist so, genau. Deswegen, wie gesagt, ich konnte es ja nicht tragen. Ich konnte es dann ja immer nur auf dem Boden halt, wenn ich es zusammengesucht habe, so zusammenraffen und dann wieder weiter runterkullern. Weil tragen war halt nicht möglich von der Ausrüstung. Das war nicht drin. Und die Schmerzen, ja, die waren halt wirklich da. Und sie waren halt auch nicht wenig, zeichne ich es mal jetzt so im Nachhinein. Es war schon sehr, sehr schmerzhaft.

18:34Lucian Haas

Und auf dieser ganzen Zeit, auch diese ganze Nacht, bist du nicht auf die Idee gekommen zu sagen, halt stopp mal, hier stimmt was mit mir nicht. Oder mit der ganzen Situation, ich sollte einfach mal einen Notruf absetzen, selbst wenn die mich erst morgen früh hier vielleicht holen können.

18:47Olaf Salewski

Nee, genau dieser Gedanke ist mir komischerweise nie gekommen in der Situation.

18:52Lucian Haas

Das ist ja verrückt. Das ist ja wie so, ja wahrscheinlich wie so eine Schockreaktion des Körpers auch, wo der das einfach in dem Moment gar nicht wahrhaben will, sondern nur auf Überlebensmodus schaltet.

19:02Olaf Salewski

Genau, wo der dann einfach, denke ich mal, auch das sagt. Dass es einfach nur funktioniert und die irgendwann mal eingespielten Sachen im Kopf einfach zusammensetzt und sagt, einfach machen.

19:13Lucian Haas

Jetzt bist du diesen Hang runtergekrochen, sagst, du kamst dann auf so einem leichten Plateau an, dort hätte man auch starten können. Hast du wirklich daran gedacht, ob du da dann runterfliegst?

19:27Olaf Salewski

Ja, ganz ehrlich. Es wurde dann ja hell und ich habe gesagt, hier kommst du ja so. Jetzt sind wir relativ weit oben. Habe gesagt, okay, ja, so mit runterlaufen, das wird nichts. Das ist, bis du da unten bist, das dauert ja ewig und solche Geschichten und da denkt man auch, irgendwo möglichst schnell irgendwo hinzukommen. Habe dann wirklich diesen Gleitschirm da ausgelegt, das Gurtzeug da hingepackt und habe versucht, den Schirm dann wirklich wieder startfähig hinzubekommen. Denke aber, habe da noch wirklich den ganzen Tag probiert, das Ganze dort zu machen, den Gleitschirm auszulegen. Aber der war im Prinzip... Durch die ganzen Schnüre und Leinen und vielleicht auch durch mein nicht ganz klares Bewusstsein zu dem Zeitpunkt immer noch, habe ich es einfach nicht hinbekommen, den Gleitschirm wieder so von den Schnüren und von den Leinen so hinzubekommen, dass ich hätte starten können.

20:20Olaf Salewski

War immer noch ein bisschen verdreht und solche Geschichten. Gehe auch mal davon aus, dass vieles passiert ist eben durch das ständige Runterrollen. Es ist immer mehr verdreht und immer mehr eingetwistet ist und solche Geschichten. Und habe wirklich fast den ganzen Tag da versucht, an diesem Plateau halt... Diesen Gleitschirm wieder startfähig zu machen. Aber wie gesagt, das ist mir dann auch nicht gelungen. Und habe dann wirklich, wie du dann sagst, dann ist dann irgendwann ja immer mehr so der, ich sag mal so, dieses Bewusstsein vielleicht, das reelle Bewusstsein gekommen, wo ich sagte, Mensch, nur

20:52Lucian Haas

drauf absetzen.

20:54Lucian Haas

Aber das war wirklich erst am Ende dieses, sagen wir, zweiten Tages. Du hast den ganzen Tag schon probiert, versucht, deine Leinen zu entwirren, was nicht geklappt hat. Und dann irgendwann hast du gesagt, okay, jetzt sollte ich mal einen Notruf absetzen.

21:08Olaf Salewski

Genau in dieser Richtung, genau. Das konnte ich jetzt aber jetzt nur nachvollziehen, weil ich eben bei meiner Frau dann später mal geguckt habe. Weil bei mir am Telefon konnte ich es nicht mehr nachvollziehen. Aber ihr waren so, diese SMS wohl eingegangen ist. Ob das dann, es war so gegen 16 Uhr oder sowas, gegen 15.30 Uhr. Da habe ich dann dementsprechend wohl eine SMS geschrieben, ihr und auch einem aus dieser Gruppe. Aber selbst mal an diese SMS, die ich meiner Frau geschickt habe, an die habe ich null Erinnerung, dass ich ihr überhaupt was geschickt habe. Sondern was ich mich erinnern kann, ist, dass ich nur eben einem aus der Gruppe geschrieben habe. Nicht, dass ich Hilfe brauche, sondern auch da nur komischerweise, dass ich Rückenprobleme habe und dass ich nicht mehr dabei bin.

21:48Lucian Haas

Das heißt, du hast dich einfach aus der Gruppe gewissermaßen abgemeldet. Und die sind davon ausgegangen, ach, der Olaf, warum auch immer, der hat Rückenschmerzen, der kommt jetzt nicht mehr.

21:59Olaf Salewski

Genauso in der Richtung. Er hat sich zwar schon noch ein bisschen gewundert, dass da wohl so viele... Er hat mir dann im Nachhinein gesagt, so viele Rechtschreibfehler wohl drin waren in diesem Text, was ich geschrieben hatte. Ja, und dann gehe ich mal davon aus, dass die Gruppe davon ausgegangen ist, dass er wohl nicht mehr dabei ist.

22:18Lucian Haas

Und deiner Frau, was hattest du der geschrieben? Hast du auch nur geschrieben, du, ich habe Rückenschmerzen?

22:22Olaf Salewski

Ja, genau, so in dem Sinn. Ich habe wohl irgendwie die wohl vielleicht nur weitergeleitet. Aber wie gesagt, auch nur, dass sie im Rückenproblem nicht dann eben erstmal raus bin aus dem Fliegen. Und danach war das Telefon leider leer. Ich konnte mehr als... Ich konnte erst diese zwei SMS nicht mehr versenden.

22:39Lucian Haas

Das, um jetzt das nur zu verstehen, du bist da jetzt runtergeklettert, der zweite Tag. Du hast zwei SMS verschickt, aber nicht gesagt, ich brauche unbedingt Hilfe, sondern nur, ich habe Rückenprobleme und ich fliege jetzt erstmal nicht mehr. Mehr war aber nicht, man konnte nicht aus dieser SMS herauslesen, dass du in einer wirklichen absoluten Notlage irgendwo am Berg hockst.

22:57Olaf Salewski

Nee, also ich denke mal, dass man das aus dieser SMS hätte nicht ersehen können, genau.

23:03Lucian Haas

Okay, jetzt ist der zweite Tag, es ist Nachmittag. Sein Handy ist leer, du hockst an einem Startplatz, von dem du nicht starten kannst. Dein Schirm ist durcheinander gewuselt und du verstehst so langsam, dass du in einer Notlage bist. Wie geht es weiter?

23:20Olaf Salewski

Dann, da es ja schon relativ wieder spät war an dem Tag, halt brauchte ich da nicht weiter darüber nachdenken. Ich sage mal, das mit dem Gleitschirm habe ich ja probiert gehabt. Das funktioniert nicht, also war nicht startfähig mehr in dem Sinne oder ich habe es halt zu dem Zeitpunkt nicht hinbekommen. Ja, noch irgendwo hingehen, nachts war keine Option und habe dann gesagt, okay, Gleitschirm hast du hier. Da war dann so ein etwas größerer Felsen auf diesem Plateau halt, wo ich gesagt habe, okay, dann musst du jetzt halt eine Nacht hier bleiben. Habe dann versucht, das Beste draus zu machen, hatte dann zu dem Tag auch noch mal ein, ein, zwei Wärmepacks noch mit für die, für die Handschuhe, die ich mir mal sicherheitshalber eingepackt habe. Habe gesagt, Mensch, wird ja relativ kühl die Nacht, machst ja die auf, wenn es dunkel wird und packst dich da in seinen Gleitschirm nachher ein.

24:05Olaf Salewski

Dass du so ein bisschen halt geschützt bist, als Zudecke und solche Geschichten und habe das dann halt so gemacht. Habe die Nacht da in diesem Gleitschirm, unter dem Gleitschirm verbracht da, an dem Gutschein so ein bisschen, ich sage mal angekuschelt, damit es ein bisschen wärmer ist die Nacht halt und habe da dann die Nacht halt verbracht.

24:23Lucian Haas

Hast du auch geschlafen oder ist das so, dass man sagt, Schmerzen, sonst was, Situationen, man wacht eigentlich diese Nacht da durch, hockt irgendwo am Fels unter seinem Gleitschirm zusammengekabbert?

24:35Olaf Salewski

Ja. Das ist so, dass, wie gesagt, durch die Schmerzen, also ich denke mal, also durchschlafen kannst du nicht, weil, wie gesagt, durch die Schmerzen, wenn du ein bisschen falsch liegst und so, das tut dann natürlich weh, dann bin ich auch zwischendurch ein paar Mal aufgewacht, aber ich habe dann wohl auch ein paar Momente, ich sage mal, geschlafen, ja. Trotz der Situation, trotz der Kälte, wo ich dann nachts eben auch mal aufgewacht bin wegen der Kälte, aufgewacht wegen den Schmerzen, aber ich denke mal, so im großen Ganzen habe ich auch mal so vielleicht mal ein, zwei Stunden in einem Stück mal schlafen können oder ruhen können.

25:03Lucian Haas

Ich meine, du hast ja auch die Nacht davor. Schon durchgearbeitet, indem du dich diesen Hang darunter gearbeitet hast. Irgendwann wird der Körper wahrscheinlich von selber einfach in einen absoluten Dösschlaf dann zwischendurch verfallen. Jetzt hast du die Nacht durchgeschlafen, nächsten Morgen, wieder geht die Sonne auf, du bist immer noch oben am Berg, du weißt, du hast kein Handy mehr, wahrscheinlich verstehst du jetzt langsam deine Notlage, in der du bist. Was hast du dann gedacht? Sagst du, scheiße, ich bin jetzt hier verloren, hier oben oder was muss ich tun?

25:33Olaf Salewski

Also da ist es wirklich. So dieser Überlebensinstinkt gekommen. Ich sage mal, was sind jetzt einfach gucken, ist Situation, was machen wir daraus, wie kriegst du das jetzt hier eventuell hin? Weil ich sage mal, abholen war dann zu dem Zeitpunkt keine Option, weil wer sollte mich hier finden, wer sollte mich ja irgendwie suchen in der Richtung? Keine Ahnung, habe gesagt, okay, gut, es gibt nur eine Option halt für dich, irgendwie weiter abzusteigen. Möglichkeiten waren halt relativ schwierig abzusteigen, weil. Da, wo dieser Startplatz war, ging es dann halt zu einer Seite relativ steil runter, da konnte man halt nicht runtergehen, weil das war ja eigentlich in der Nähe vom Aletschgletscher, wo ich dann runtergekommen bin. Und da gab es halt mehr oder weniger nur eine Richtung, nicht direkt den kürzesten Weg ins Tal runter, sondern ich musste mehr oder weniger am Hang entlang, wo es dann leicht weiter bergab ging runter.

26:32Olaf Salewski

Das ist wirklich also dieses Aletschgletschertal halt da dran lang und habe gesagt. Es hilft halt nichts, ich muss hier weg, hier wird keiner kommen, versuch es halt irgendwie mit der Verletzung weiter runter zu kommen. Die Ausrüstung konnte ich natürlich nicht mitnehmen, weil die konnte ich nicht tragen, das hatte keinen Sinn. Habe dann dementsprechend alles vernünftig eingepackt, soweit es halt möglich war, den Packsack da an so einem Felsen halt stehen gelassen und habe dann eben mich versucht da so peu à peu weiter runter zu schleppen. Was ja dann auch mehr oder weniger halt geklappt hat den Tag.

27:07Lucian Haas

Jetzt nur vom Verständnis auch, jetzt steht deine Ausrüstung da oben, wahrscheinlich steht sie dort immer noch. Hattest du denn irgendetwas zu essen auch mit oder warst du jetzt schon 24 Stunden eigentlich auch ohne Essen dann da unterwegs, weil du sagst, die zwei Müsli -Riegel, die habe ich im Flug schon weggedrückt gehabt oder sowas?

27:24Olaf Salewski

Ja, so genau so war das. Das heißt, ich hatte eigentlich, brauchte bis dato eigentlich nie viel, ich hatte nie Probleme, sage ich mal, irgendwie mit Flüssigkeit, dass ich zu wenig hatte, hatte mir dann eine Wasserflasche mitgenommen, so eine Dreiviertel -Liter -Wasserflasche, das reichte bislang auch immer, ohne dass ich Probleme damit bekommen habe und die war natürlich an diesem ersten Tag, wo ich auf diesem Plateau war, natürlich ausgetrunken. Da hatte ich halt das Glück, sage ich mal, dass da noch so vom Gletscher so ein leichter Rinnsaal gewesen ist, vom Gletscherwasser, was da halt so runterging und da ging das dann noch relativ ganz gut. Also ich habe dann erstmal meine Wasserflasche ausgetrunken und habe dann eben dieses, ja, von diesem Rinnsaal halt da das gemacht. Habe dann, bevor ich dann eben weiter runter bin, meine Flasche nochmal voll gemacht und bin dann halt weiter runter.

28:12Olaf Salewski

Essen war natürlich nichts da. Also das ist, da war nichts.

28:16Lucian Haas

Das heißt, weiter runter, du hast nur das mitgenommen, was du am Mann hattest, plus eine Wasserflasche in der Hand so ungefähr?

28:22Olaf Salewski

Genau so. Das, was ich anhatte, an Kleidung und eben die eine Wasserflasche.

28:28Lucian Haas

Das Gelände war unwegsam, das heißt, es gab da keinen Wanderweg, sondern du bist einfach jetzt quer Wald ein, quer Fels ein. Quasi hast du dich da längst geschleppt, muss man ja wahrscheinlich sagen. Das ging ja wahrscheinlich alles ziemlich langsam.

28:41Olaf Salewski

Genau, das ging alles ziemlich langsam, weil jeder Schritt, ich sage mal, jeder Fehltritt, jedes, ich sage mal, Wegknicken an irgendeinem Felsen, irgendeinem Stein war natürlich höllisch schmerzhaft. Also war es dann wirklich, ich sage mal, diesen Schneckentempo halt da ganz, ganz langsam runter, soweit es halt ging. So lange, bis ich dann von oben irgendwo in weiter Ferne, meiner Meinung nach. Ja, das ist relativ.

29:11Lucian Haas

Für eine

29:11Olaf Salewski

Schnecke, wenn du sagst, du warst

29:12Lucian Haas

als Schnecke unterwegs, ist natürlich wahrscheinlich, Distanzen, die man zurücklegt, wo man denkt, das ist jetzt schon sehr weit, ist dann als Schnecke wahrscheinlich dann gar nicht so weit. Aber du hast was gesehen oder irgendwie Hoffnung, etwas Hoffnungsvolles gesehen und sagst, da muss ich hin?

29:27Olaf Salewski

Genauso ist es. Ich habe dann von oben gesehen, das sah aus der Entfernung halt aus wie so Hütten, so klein. Da habe ich gedacht, oh Mensch, das sieht da so prima aus, Mensch, in die Richtung. Hieß sie dann, versuchte dann nicht weiter dahin zu gehen und habe das dann auch gemacht. Hat sich dann aber so im Nachhinein herausgestellt, dass das ein Trugschluss gewesen ist. Es ist leider nur so ausgesehen hat wie Hütten. Es war so eine Beobachtungswetterstation, Anführungsstrichen, von der Universität Zürich, was ich halt im Nachhinein erfahren habe, die die andere Seite von dem Gelände halt angeguckt hat, wo so Muren abgingen. Da war dann auch so, konnte man auch sehen. Dass da so Muren schon weg waren und die haben dann wohl so eine Station aufgestellt, um das halt weiter zu beachten.

30:12Olaf Salewski

Und da bin ich dann halt hingegangen. Aber ja gut, war dann aber nichts mit Hütte, sondern da war so ein Solarpanel und so eine Alubox und so eine Kamera und Messgerät standen da. Das war dann aber eigentlich auch alles. Also nichts mit Hütte.

30:28Lucian Haas

Nichts mit Dach über dem Kopf oder sonstiges, sondern halt nur, wie du sagst, wie so eine Wetterstation mäßig.

30:37Olaf Salewski

Genau, wie so eine Wetterstation mäßig. Da bin ich dann angekommen, hab gesagt, oh, naja, keine Hütte. Aber hab dann halt natürlich wieder ein bisschen Hoffnung geschöpft halt, weil ich sage, so eine Wetterstation hat ja vielleicht irgendwo was. Dann hab ich dann geguckt, was da für Instrumente halt verbaut waren. War eine Kamera verbaut und war halt so eine große Alukiste. Da waren so ein bisschen Papier, Pappkartons von irgendwelchen Materialien halt noch drin. Und hab gesagt, ja, was machst du denn? Versuchst du die mal irgendwie bemerkbar zu machen? Weil da halt so eine Kamera mit drauf war. Ich wusste aber nicht, was für eine das genau ist. Sah mehr aus wie so eine, ja, so eine, wie so, wenn halt die Landvermesser so eine Messstation haben, wenn sie irgendwelche Geländer ausmessen. So eine Apparatur war das ungefähr mit so einem, ich sag mal, so einem Eimer oben drüber mit Löchern reingeschnitten. War eigentlich relativ witzig, das Ding, was sie da gebaut haben.

31:26Olaf Salewski

Und hab dann gesagt, okay, dann guckst du mal, wie du dich bemerkbar machst. Und da war eine so eine Alukiste, die war ja nicht verschlossen, die war auch relativ groß. War so Akku drin und wie gesagt, so diese Übermittlungsgeschichte per Satellit. Und ja, dann hab ich mir so ein Pappding da rausgenommen. Etwas mit, da war auch ein bisschen Werkzeug drin. Hab dann so einen Schraubendreher genommen. Hab dann in diese Pappding mal so, brauche Hilfe, eingeritzt. Und das Ganze dementsprechend da vor diese Kamera gehalten. Mich dann da vorgestellt und dann so lange davor, bis ich der Meinung war, das müsste jetzt eigentlich aufgenommen worden sein und übertragen worden sein. Und ja, hab gesagt, okay, das ist ja vielleicht ja immer so ein Hilfsbegriff. Dass das vielleicht einer mitbekommt. Und hab dann im Nachhinein oder dann, als ich dann damit fertig war, hab ich gesagt, jetzt ziehst du noch hier einfach mal, als das alles wohl übertragen worden ist, einfach mal noch einen Stecker raus.

32:19Olaf Salewski

In diese ganze Übermittlungsgeschichte. Weil dann hab ich gedacht, wenn du irgendwo einen Stecker rausziehst, wird dir wohl irgendwo einer, wenn das permanent übertragen wird, ja einer sehen, oh, da ist irgendwas jetzt kaputt. Da müssen wir uns mal drum kümmern.

32:30Lucian Haas

Das war so deine Hoffnung. Du hast quasi den Notruf per Pappschachtel, also per geritzte Pappe abgesetzt. Da steht, brauche Hilfe. Und dann, wenn das Bild ausfällt, guckt einer hin und sagt, was ist denn da gewesen? Und dann guckt er und findet vielleicht dieses Bild. Wonach hast du denn festgemacht, dass wahrscheinlich deine Aufnahme übertragen worden ist? Sah man irgendwie, blinkt da eine LED und du sagst, ah, jetzt sendet er gerade oder sonst was? Oder war das einfach ein Bauchgefühl?

32:58Olaf Salewski

Nee, nee, ich hab das, wie gesagt, auch nicht nur einmal, ich hab das mehrmals gemacht. Weil diese Kamera, die da drauf war, die hat immer so einen zeitlichen Rundlauf gehabt. Also die macht immer die Bewegung, die sich halt, die macht ja wohl sowieso... Die ist außer immer von verschiedenen Positionen halt Bilder und ist dann wieder einmal rumgelaufen und fing dann immer wieder von vorne an, nach so einem bestimmten Zeitrahmen. Das habe ich mir dann immer vorerst noch angeguckt. So, wie lange braucht die ungefähr, diese Kamera, die da drin ist, bis sie dann dementsprechend einmal diese ganzen Punkte abgefahren hat, um die wohl zu beobachten und dann wieder in die Grundstellung fährt. Und daraufhin habe ich das dann dementsprechend zweimal gemacht. Diesen Rundlauf und hab dann, oder dreimal, und hab dann dementsprechend ja diesen einen Stecker halt rausgezogen. Wo ich dann der festen Überzeugung war, dass eben dreimal,

33:38Olaf Salewski

dann übermittelt worden ist zur Sicherheit und dann erst, wie gesagt, einfach diese Steckern rausgezogen

33:44Lucian Haas

habe. Und wenn du den wieder reingesteckt hast, hast du wirklich sich wieder rebooted und hat neu angefangen und ihr Programm wieder weitergemacht?

33:51Olaf Salewski

Genau, man konnte dann, wie gesagt, einen Verbinder halt dann sehen, dass die dann eben wieder rebooted ist, dass die, wie gesagt, anfangen zu blinken und solche Geschichten. Und da habe ich dann von ausgegangen, ja, das wird dann wohl irgendwann da angekommen sein. Und auch diese Störmeldung, die man dort halt hat.

34:05Lucian Haas

Das heißt, das war jetzt diese Kamera, so dein Symbol der Hoffnung. Du sagst, ich habe hier irgendwie Kontakt zur Außenwelt noch. Ich bin zwar völlig abseits am Arle -Gletscher hinten drin, irgendwo am Berg, aber hier ist eine Kamera. Ich kann sagen, ich brauche Hilfe. Und damit war aber auch klar, okay, wenn du wahrscheinlich an dieser Station bist, die wissen, wo diese Station ist, dann musst du bei dieser Station bleiben. Das war auch so der

34:28Olaf Salewski

Gedanke. So habe ich das auch dann gesagt. Ich habe dann ausgerechnet, so einen Tag brauchen sie, bis es übermittelt worden ist. Dann habe ich gesagt, nächsten Tag, ja, müssen das mal auswerten. Dritten Tag irgendwas organisieren. So. Das heißt, so am vierten Tag sollten dann schon irgendwie was kommen.

34:43Lucian Haas

Stopp mal, stopp mal, stopp mal. Erster Tag, zweiter Tag, dritter Tag, vierter Tag. Das heißt, du hast schon damit gerechnet, du musst jetzt mehrere Tage da noch neben dieser Station am Berg ausharren. Das wusstest du?

34:55Olaf Salewski

Das wusste ich nicht, aber ich habe dann mit dem schlimmsten Fall halt gerechnet. Weil der beste Fall wäre ja gewesen, es sieht jetzt sofort einer, wenn ich das da mache, die alarmieren sofort was und schicken sofort einen Hubschrauber los. Das wäre natürlich die optimale Version. Aber ich weiß, wie es ist, was ich eben sagte. Also einmal muss man gucken, dann muss derjenige vielleicht sein Programm da gerade aufrufen. Der muss dann gerade gucken, der muss das sehen. Dann brauchen sie vielleicht einen Tag, um einfach was zu organisieren. Ja, Hubschrauber kriegen wir ein, kriegen wir kein. Und solche Geschichten, so habe ich dann eben ausgerechnet, dass es halt ein bisschen länger dauern wird als nur eben einen Tag.

35:30Lucian Haas

Okay. Jetzt hast du dort oben gesessen. Wie viele Tage hast du neben dieser Station dann letzten Endes gesessen?

35:38Olaf Salewski

Ja, neben der Station muss ich es jetzt wieder in Anführungsstrichen sagen, als auf dem Weg dahin zu dieser Station bin ich, das ist nicht weit, ich glaube mit vielleicht 100 Metern, so eine Geschichte, noch so zwei so kleine, ja so Felsformationen halt drüber gekommen. Und da habe ich dann ganz zufällig bei einer gesehen, dass da so eine Art, ja so ein Felsübersprung, Mini -Höhle sich da gebildet hatte. Das hatte ich dann auch noch gesehen.

36:03Olaf Salewski

Und das nur einfach nochmal vorweg zu nehmen. Und an der Station direkt habe ich dann, an auch so ein etwas größerer Felsen, wo man sich, naja drunter liegen nicht, aber so ein bisschen drunter kauern konnte, damit es eben nicht ganz so doll zieht, habe ich dann dort genau eine Nacht verbracht. Genau direkt an der Station, muss ich sagen. So und dann bin ich dann eben...

36:25Lucian Haas

Für die nächsten Nächte bist du noch umgezogen, so gesehen.

36:29Olaf Salewski

Ja genau, ich bin dann für die nächsten Nächte nochmal diese 100, 150 Meter halt umgezogen und habe mich dann nachts immer in diese Mini -Höhle, Mini -Fels -Überwurf -Höhle da hinein gezwängt halt, wo ich gesagt habe, da bist du vom Wind her noch ein bisschen besser geschützt. Und dann gehst du halt immer dahin.

36:48Lucian Haas

Du hattest ja jetzt keinen Gleitschirm mehr, den hast du ja schon oben liegen lassen. Das heißt, du hattest auch nichts mehr, um dich zuzudecken oder sonst was. War das nicht bitterkalt dann schon wahrscheinlich? Ja. War ja gutes Wetter, wie du gesagt hattest, zumindest am ersten Tag. Aber wahrscheinlich die nächsten Tage waren auch noch relativ gut, so ein schönes Hochdruckgebiet im Herbst. Genau.

37:07Olaf Salewski

Du sagst, es war noch relativ gut. Also das Wetter wurde halt von Tag zu Tag halt immer schlechter. Man hat es halt gesehen, es war nicht mehr so gut wie den ersten Tag. Ich habe zwischenzeitlich auch noch Gleitschirmflieger über mich rüberfliegen sehen, habe auch zwischendurch gerufen, kann aber jetzt sagen, das kann man einfach vergessen. Also ich sage rufen und winken und diese ganzen Geschichten, das ist bald vergebene Liebesmühe. Es sei denn, es ist dann wirklich genau einer in der Nähe, guckt vielleicht einer genau dahin und solche Geschichten. Ich habe auch Hubschrauber fliegen sehen ohne Ende, die da halt, die da ja schon gearbeitet haben. Und ich sage mal, es war ja nun auch schon September, es war ja nicht mehr groß Hochsaison. Und da, wo ich halt abgestürzt bin, ist auch noch so ein Naturschutzgebiet gewesen, was er vorhin angesprochen hat. Also sind auch keine Wanderwege, die da groß lang gehen.

37:53Olaf Salewski

Ja, und dann lag ich da. Und aus dieser Kiste, weil du eben gerade sagtest, war halt relativ kalt. Ja, es war sehr kalt. Also ich schätze mal so nachts so um die fünf Grad da oben und habe dann in dieser Kiste, wo ich ja diese Pappe gefunden habe, auch noch so ein bisschen anderes Papier gefunden. Ja. Das habe ich dann genommen und habe mir das wirklich in meine Klamotten so untergesteckt halt, so ein bisschen als Wärmepolster noch alles, was da an Kartons gewesen ist, an Pappkartons, an Papieren. Wirklich alles da genommen und wirklich unter die Klamotten halt gesteckt,

38:25Lucian Haas

dass das eben nachts nicht so kalt gewesen ist. Also richtig so ein Überlebensinstinkt, der dann da kommt. Aber das heißt ja, dass du bis dahin schon geistig wieder relativ klar geworden bist. Ja, auch dass du so realisierst, wie funktioniert diese Kamera, was kann ich da vielleicht machen, wie kann ich die beeinflussen und sowas. Also da musst du ja schon dann wirklich gut realisiert haben, in welcher Lage du dich eigentlich befindest. Nun sitzt du da in deiner Höhle, ich nenne sie jetzt einfach mal Höhle, und weißt, okay, das ist jetzt vielleicht schon die zweite Nacht, ich muss hier vielleicht noch eine dritte verbringen, bis die dann da eben entsprechend kommen. Was hat man in so einer Situation für Gedanken, wenn man sagt, ich bin hier kontaktlos, bis auf diese komische Kamera, aber ansonsten kann ich mich nicht bemerkbar machen, ich sitze hier alleine am Berg, wahrscheinlich komme ich von alleine vielleicht hier gar nicht mehr runter.

39:16Lucian Haas

Was denkt man dann in solchen Situationen?

39:20Olaf Salewski

Also da denkst du, also ich, das Erste, woran ich gedacht habe auch, ist, ja, erst mal trinken, irgendwie noch zu Wasser zu kommen. Das so, sag ich mal, hauptsächlich halt, na, das ist doof an, einfach zu überleben. Hab dann da auch immer geguckt, wo... Oh, irgendwas ist aber da, in der Station war eben, wie so am ersten Tag leider nicht, kein Rinnensaal mehr, da war überhaupt nichts, ne, von irgendwelchen Mini -Bergbächen oder sonstiges, da war gar nichts in der Nähe. Und das war so mein erster Gedanke, weil die Wasserflasche war ja mittlerweile, die ich dann da mit runtergeschleppt habe von diesem Rinnensaal, war dann ja auch leer und hab dann geguckt, gesucht, ich sag mal, das ist so das Erste, was ich machen muss, trinken. Trinken ist überlebenswichtig und gesucht, gesucht, gesucht, aber nichts gefunden.

40:07Olaf Salewski

Und bis ich dann ganz zufällig beim Suchen und Gucken, wo ich auch eben über diese beiden, ja, leichten Felserhöhungen nochmal rüber bin, in so einer Grasnische, hab ich dann so eine kleine Wasserpfütze gefunden, die war so ungefähr 5 cm hoch, ich sag mal, so ein Durchmesser von 20 cm. Das waren so zwei, die halt an verschiedenen Positionen halt gewesen sind. Die eine war ein bisschen, ja, wie soll ich sagen, bisschen dreckiger, filziger in dem Wasser, die andere war ein bisschen sauberer.

40:36Olaf Salewski

Und hab dann einfach, ja, die genommen, die halt ein bisschen sauberer war. Hab dann gesagt, ja, wie kriegst du das Wasser jetzt hier raus? War das nächste Problem, weil meine Wasserflasche, die konnte ich da nicht eintunken, das hat nicht funktioniert. Mit den Händen würde ich einfach zu viel, ja, ich sag mal, zu viel von diesen Algen, was ich da dann gebildet habe, einfach aufwirbeln. War dann halt alles ein bisschen blöd und hab dann eben, was ich vorhin auch sagte, in dieser Kiste, in dieser Alukiste, ja, so ein bisschen Werkzeug gefunden. Und hab dann so einen Schraubendreher genommen und hab dann diese Plastikwasserflasche, die ich hatte, permanent mit diesem Schraubendreher, ganz immer rundherum eingeritzt, immer weiter gedreht, gedreht, gedreht, so lange, bis ich dann wirklich mit diesem Schraubendreher da ganz langsam dieses Kunststoff da, ich sag mal, abgeschabt hatte, dass ich im Prinzip diese Flasche zweiteilen konnte.

41:25Olaf Salewski

Und hab dann eben diesen, aus dieser Flasche eben da mehr oder weniger einen so kleinen Becher machen können, so einen flachen, und den dann halt in die, ja, Pfütze langsam, in die Pfütze langsam eintauchen können, um da eben das Wasser zu gewinnen. Und das konnte ich dann halt glücklicherweise trinken.

41:39Lucian Haas

Nur von der Vorstellung her, die Pfütze war nicht neben dieser Station, sondern die Pfütze war woanders. Da bist du hingeklettert, du hast sie gefunden, dann stellst du fest, okay, meine Flasche krieg ich da nicht unter. Ich muss mir das überlegen. Ah, dann muss ich mir, was kann ich machen? Ah, da hinten war Werkzeug, das heißt, du hast dich wieder zu dieser Station zurückgeschleppt. Hast dir diesen Schraubenzieher da rausgenommen und hast dann angefangen, dir diesen Becher zu basteln und so weiter. Das war so was. Wahrscheinlich dieses Hin - und Herschleppen, 100 Meter war für dich mit Schmerzen und sonst was, dann auch wieder nichts von, ich laufe mal in zwei Minuten hin und her, sondern wahrscheinlich war das eine Stunde Arbeit oder so. Wie muss ich mir das vorstellen?

42:15Olaf Salewski

Es ist halt echt immer die Überlegung halt, wie weit machst du das, wie weit gehst du, weil was hältst du jetzt aus, die Schmerzen oder der Überlebenswille, inwieweit gehst du da jetzt? Dieser Gedanke kommt dann auch, und was kannst du halt, und hört sich ein bisschen blöd an, aber was ist dir das jetzt wert, da nochmal hinzugehen, nochmal was zu trinken oder nicht? Wie nochmal bemerkbar machen, in diese Höhle da halt, also in der Höhle habe ich mich halt wirklich, wie gesagt, nur nachts aufgehalten, weil tagsüber habe ich gesagt, da musst du draußen sein, falls da irgendwo einer vorbeifliegt oder vorbeikommt. Habe auch wirklich den ganzen Tag immer gerufen, zwischendurch Hilfe gerufen, permanent, also bestimmt, ich sage mal, immer wieder und immer, immer wieder gerufen, in der Hoffnung, dass sich doch einer hört, einer sieht, ganz zufällig.

42:59Olaf Salewski

Und ja, das war dann so der Grund. Und wie du schon sagst, das hat wirklich immer sehr, sehr lange gedauert, bis zu diesen Pfützen halt wieder zurückzukommen, diese kleinen, war dann auch gedanklich immer so schwierig, wo waren die jetzt genau, weil das war so ein bisschen, ich sage mal, so flaches Bergegras, die man dann auch nicht sofort eben als Pfütze sofort sehen könnte aus der Entfernung. Du musst dann auch sagen, Mensch, wo war denn jetzt der Gehalt genau? Und der Punkt, und das war dann immer so ein bisschen auch wieder mit Gucken und Suchen, gut, am dritten Tag war es dann immer ein bisschen einfacher, die dann, ich sage mal, schneller zu lokalisieren als nach dem zweiten Tag.

43:32Olaf Salewski

Ja, das war dann halt so die Schwierigkeit halt, und wie gesagt, den ersten Tag, was du eben schon sagst, habe ich dann nochmal direkt an der Station verbracht und die anderen drei Nächte halt, die dann noch kamen, wirklich in diesem Felsvorsprung, habe dann da auch, wie gesagt, da war auch noch eine kleine Zange dabei, so eine Kneifzange, und damit es dann halt nicht so zieht in diesen Felsüberwurf, war ich dann noch so ein paar Bissen, bis dieses Gesträuch, was da war, es sah so ein bisschen aus wie Blaubeersträucher, glücklicherweise, weil die habe ich dann auch nochmal gegessen, aber ich weiß auch nicht, ob es welche waren, ich kann es dir nicht sagen, es waren so drei verschiedene Mini -Bären, die da an den Hängen so ein bisschen gewachsen sind, waren nicht größer als so ein halber Zentimeter, und habe gesagt, Mensch, die probierst du mal, haben natürlich nach nichts geschmeckt, aber ich habe gesagt, irgendwie musst du jetzt Flüssigkeit zu dir nehmen,

44:20Olaf Salewski

und habe versucht eben so viele von diesen, ja, ich sage mal als Mini -Blaubeeren, da versucht auch so viele zu nehmen, wie es geht, aber ich sage, bis so eine Hand voll ist, das hat natürlich ewig gedauert, weil es war schon September, da war der Beflug, glaube ich, auch nicht mehr so toll, im Sommer wäre es vielleicht schöner gewesen, und wie gesagt, das Wasser war auch nicht so, na, ich sage mal so pralle klar, man muss das auch noch ein bisschen absetzen lassen im Becher, damit du nicht gerade so die ganzen Algen mal mittrinkst, und das war dann eben so das, was ich halt essen konnte.

44:49Lucian Haas

Wie schmeckt so abgestandenes Bergwiesen -Pfützenwasser?

44:53Olaf Salewski

Also ich sage mal, es schmeckte relativ neutral, ich habe es mir schlimmer vorgestellt, gebe ich ganz ehrlich zu, also wenn es richtig muffelig geschmeckt hätte, dann hätte ich es auch nicht getrunken, bei der ganzen Geschichte, das mag vielleicht dann aus der, aus der Erfahrung halt von meiner Armeezeit noch kommen, und das hätte ich dann halt nicht getrunken, und solche Geschichten, ja, mich da mit den Folien, man hat gesagt, nimm immer so viel Blaubeeren, wie du kriegen kannst hier irgendwo, aber wie du schon sagst, es war halt immer sehr, sehr schwierig, weil ich musste ja für jeden, ja, jeden Weg, den ich machte, habe ich halt lange gebraucht, das war halt immer mit sehr, sehr viel Schmerzen verbunden, selbst nachts in diesen, ja, Höhle bezeichne ich es mal, war es halt so, dass ich nachts immer aufgewacht bin, so gegen zwei ungefähr, schätze ich mal jetzt, also ich war nicht, nicht lang, eben einfach von der Kälte, ja, wirklich gefroren habe, da gezittert habe bei der Kälte, und dann eben dadurch aufgewacht bin auch.

45:41Lucian Haas

Du sagst jetzt, du schätzt zu zwei, du hattest auch keine Uhr am Körper. Ich hatte

45:45Olaf Salewski

auch keine Uhr.

45:46Lucian Haas

Das heißt, es war wirklich so, hineinleben in den Tag auf gewisse Weise, absoluter Survival -Modus, zwischendurch Wasser holen, wenn du sagst, ich brauche mal wieder Wasser, Beeren essen, rumsitzen, Hilfe rufen, Gleitschirmfliegern zugucken, ich meine, wie häufig gab es... Gibt es dann Situationen zwischendurch, wo du sagst, also wo man so wirklich in sich zusammensackt und sagt so, scheiße, ich bin verloren?

46:13Olaf Salewski

Das gab es nicht nur einmal, das gab es sogar, wie soll ich sagen, des Öfteren. Es geht dann natürlich so am ersten und zweiten, dritten Tag, da geht das noch, aber ich sage mal, je länger du da oben bist, halt, je schwieriger wird es halt. Ich sage mal, in dieser Station war es schon, ja, sehr, sehr, ja, belastend dann auch irgendwann, wo du sagst, okay, wie geht es jetzt zu Hause weiter, es wird dich keiner finden. Wie, ja, hört sich ein bisschen an, wie geht es jetzt zu Hause weiter, es wird dich keiner finden. Wie endest du hier? Wirst du irgendwann, ich sage mal, dann, ja, ich sage mal, verhungern, verdursten, der Körper macht halt irgendwo nicht mehr mit, wie wird dann das Ende halt sein? Wirst du dann einfach einschlafen und am nächsten Tag nicht mehr aufwachen und solche Geschichten? Also man macht sich da schon Gedanken, wie geht es zu Hause weiter, wie geht die mit der Situation um? Werden sie dich dann, ich sage mal, irgendwann überhaupt mal finden?

47:01Olaf Salewski

Vielleicht so den letzten Standort vom Telefon mal ermitteln irgendwann, und sagen, okay, ab da müssen wir jetzt mal suchen gehen, werden die dann irgendwann finden? Also diese Gedanken gehen einem schon durch den Kopf. Vorhin auch, sage mal, wie geht es nach Hause? Und, Entschuldigung, das ist dann schon sehr, sehr schwierig halt.

47:20Lucian Haas

Ja, das kann ich mir vorstellen. Jetzt, du hast gerade gesagt, letzte Standort vom Telefon. Was natürlich gleich die Frage aufruft, okay, letzte Standort, was ist eigentlich so? Hattest du irgendeine Form von anderen Instrumenten noch dabei? Live -Tracking? Live -Tracking, ein Farnet -Vario, was vielleicht darüber seine Position hätte senden können oder sonst

47:43Olaf Salewski

irgendwie was? Ja, das hatte ich natürlich mit. Ich hatte natürlich von Skytrax ein Dreier mit, mit Farnet und Flam. Also wie gesagt, nur das war halt alles kaputt. Das ist alles beim... Ach, beim Aufprall ist das richtig zerschmettert so quasi. Das Funkgerät ist auseinandergeflogen, das Vario ging auch nicht mehr, konnte auch nicht mehr anmachen. Also es ging nur noch der Bildschirm halt, es wurde nur noch mal hell, aber man konnte auf dem Bildschirm halt auch nichts mehr erkennen in der Geschichte. Und das, wie gesagt, das Einzige, was halt wirklich noch einigermaßen Funktion hatte, das war dann wirklich, ja, das Telefon, was dann ja eben diese Zeit halt noch funktioniert hatte, was auch einen Riss halt drin hatte, aber eben, wo ich dann diese SMS schicken konnte und als Taschenlappe nutzen konnte. Das war das Einzige. Und dann war ich dann halt, wie gesagt, diese Tage da oben und hab dann irgendwann ja angefangen und hab gedacht, ja, jetzt kommt hier keiner.

48:33Olaf Salewski

Das hast du das ja so, was wir eben besprochen hatten. Also Zeit so ausgerechnet, einen Tag gucken sie, einen Tag organisieren, einen Tag mal sehen, U -Fahrer organisieren und am letzten, vierten Tag müssten sie dann ja eigentlich dann spätestens kommen. Es kam aber keiner. Und ich kann es auch noch mal vorwegnehmen, ich habe, wie gesagt, von denen, von der Station nur ein einziges Mal, also die Polizei hatte später noch nicht mal die noch mal angeschrieben und ich habe dann später nur noch einmal von denen was gehört, als ich die noch mal angeschrieben habe, da war ich auch schon relativ lange zu Hause, was damit nun ist, und da haben sie dann immer geschrieben, ja, wir müssen erst mal gucken, wer dafür zuständig ist. Und das war so das Letzte, was ich von denen mal gehört habe, von der Uni Zürich und seitdem habe ich auch nie wieder was von denen gehört, weder davor noch danach, was mit dieser Station ist, dass sie gesagt haben, oh ja, da haben sie ja was rausgezogen und eventuell was kaputt gemacht, ich habe von denen leider nie wieder was gehört.

49:22Lucian Haas

Du hast auch nie ein Andenkenfoto von denen bekommen, quasi hier deine Kameraaufnahme, du mit Hilferuf eingeritzt in die Pappschachtel.

49:31Olaf Salewski

Nee, nie wieder was von denen gehört, gar nichts. Und dann, wie gesagt, bin ich ja dann eben, ja, nach diesem vierten Tag dann halt da an der Stelle, muss ich sagen, gesagt so, hier kommt keiner, hier holt dich keiner ab. Einzige Chance ist wirklich, egal was kommt, ob Wasser oder nicht Wasser, du musst jetzt weitergehen, du musst jetzt weiter absteigen, das ist die einzige Möglichkeit, die einzige Option, die du halt hast.

49:54Lucian Haas

So richtig Überlebensinstinkt, der da noch einsetzt und sagt, okay, hier, das reicht nicht, ich muss weitergehen, irgendwie, selbst wenn ich dabei draufgehe, aber zumindest erhöht das meine Chancen, vielleicht doch noch jemand anderen zu treffen.

50:07Olaf Salewski

Genau, also man konnte ja, sag mal, da auch sehen, wo dann in weiter Ferne, ich sag mal, so auch Bergstationen halt waren, wo dann, was ich ja dann die ganze Zeit beobachten konnte, wo dann halt auch Hubschrauber hingeflogen sind, weiß nicht, ob die da was beliefert haben oder irgendwelche Baumaterialien hingeflogen sind, hab ich gesagt, okay, da in diese Richtung, da musst du halt hin und aus weiter Ferne konnte man da auch so einen Trampelpfad erkennen, aber der war halt sehr, sehr weit weg. Ich weiß nicht, wie viele Tage ich gebraucht hätte, um da hinzukommen, keine Ahnung, aber das war dann so der einzige Antrieb, um zu sagen, da in diese Nähe musst du hin, um zu kommen, vielleicht geht dann da ja in der Nähe einer hin und das Rufen, wenn ich ein bisschen näher dran bin, hört man dann vielleicht doch schon eher und hab mich dann halt wirklich dann auf den Weg gemacht.

50:46Lucian Haas

Bevor du da jetzt losgelaufen bist, ich meine, du hattest ja da deine Fotos gemacht und sowas, hast du da noch irgendwie noch eine andere Pappe eingeritzt und hab gesagt, bin weg oder bin in die Richtung weitergegangen, falls doch noch jemand dich suchen kommt oder sonst irgendwie?

51:01Olaf Salewski

Ja, ich hatte das auch gemacht. Ich hatte dann nochmal so einen Zettel, hab das dann in diese Kiste gelegt, damit die das dann auch wissen, was dann hier passiert ist und solche Geschichten und nicht, dass die dann irgendwo mich suchen und hab gesagt, in diese Richtung mit einem Pfeil raufgemalt, in welche Richtung ich gehen würde und solche Geschichten, damit man da nicht denkt, er ist in irgendwie eine andere Richtung gegangen. Also das habe ich schon noch gemacht. Was ich allerdings noch sagen muss, was noch ganz witzig war, habe ich ganz vergessen, ist, ich war da nur an dieser Station und den einen Tag, ich hab dann mal so zwischendurch mal so, ich bezeichne das so als Kuhglocken gehört und hab gesagt, okay Mensch, irgendwo auf der anderen, der anderen Talseite müssen doch irgendwo Kühe und sowas rumlaufen und irgendwie hörst du immer so ab und zu so ganz leicht irgendwie Glocken. Ja, und an dem einen Tag haben mich da wirklich Ziegen besucht. Okay. Bergziegen.

51:46Olaf Salewski

Aber ich konnte nicht zuhören, wo die herkamen, wo die hingingen. Keine Ahnung. Sie waren den einen Tag da und sind auch an dem Tag dann irgendwo wieder verschwunden. Ich hab dann auch überlegt so, auch ganz ehrlich, die haben sich dann da hingelegt, waren da so eine, weiß nicht, so ein, zwei Stunden

52:01Olaf Salewski

und hab dann gesagt so, wenn ihr jetzt am nächsten Tag wiederkommt, hab ich echt schon übernachtet, du hast den Schraubendreher in der Hand,

52:08Olaf Salewski

ja, lass es schon.

52:10Lucian Haas

Ja, ich meine, es ist, wie man es sich vorstellt, so wirklich verschollen auf einer einsamen Insel und man muss überleben. Genau, muss man die,

52:19Olaf Salewski

die am schwächsten ist, die man bekriegen kann, ich sag mal für morgen, wäre dann im Notfall, ob ich es gemacht hätte, weiß ich nicht, aber das wäre dann eine Option gewesen. Ich sag, wäre dann von einer vielleicht das Ende gewesen.

52:29Olaf Salewski

Aber gut, sie sind ja dann nicht mehr wiedergekommen, sie waren dann ja weg und dann hat sich das so, das ist ja im Endeffekt ja nicht mehr ergeben. Aber wie gesagt, komme wieder zurück da und ich hab mich dann halt auf den Weg gemacht und versucht dann eben weiter abzusteigen, eben wieder in meinem Tempo, was halt ging und bin dann, dann wieder so am vierten Tag, nachdem ich da in der Einstelle halt gewesen am vierten Tag, war ja mittlerweile schon der, der fünfte Tag insgesamt da oben

52:57Olaf Salewski

und bin dann noch weiter versucht abzusteigen und hab dann ganz, ganz rein zufällig eine einsame Bärkütte gefunden. Da hab ich dann wieder ein bisschen, bisschen Hoffnung geschöpft.

53:09Lucian Haas

Was heißt Berghütte, eine richtige Berghütte oder einfach so ein, ja so eine Biwak -Schachtel, die irgendwo oben am Berg ist, wo die wirklich nur so eine Notunterkunft eigentlich ist?

53:20Olaf Salewski

Nee, es war schon eine richtige Berghütte. Hab dann erfahren, dass das wohl von so einer Burgschaft, wird die wohl dementsprechend, ja wie soll ich sagen, in Stand gehalten, gewartet, wird dann eben auch genutzt für einen Schäfer, der dann dort oben wohl im Jahr wohl die Schafe auch betreut,

53:40Olaf Salewski

sogenannte Schwarznasenschafe. Aber das hab ich wieder erst später erfahren durch die, die mich gefunden haben. Und die ist wohl dann auch immer wohl ein paar Wochen dann auch im Jahr dann halt wohl bewohnt.

53:52Lucian Haas

Aber sie war nicht bewohnt, als du da kamst. Da war sie leer.

53:55Olaf Salewski

Als ich da kam, war natürlich da keiner. Und die waren natürlich, wie es dann halt ist, natürlich verschlossen und hab dann gedacht, ja gut, okay, wie kommst du denn da her? Wie machst du das dann? Und hab die dann aufgebrochen. Die Tür musste dann dementsprechend da so ein Schlüsselkasten aufbrechen und hab da dann einen Schlüssel drin gefunden und konnte dann halt in die Hütte.

54:16Lucian Haas

Hattest du dir Werkzeug mitgenommen von dieser anderen Station, wo du sagst, okay, den Schraubenzieher kann ich vielleicht brauchen?

54:21Olaf Salewski

Was ich mitgenommen habe, war der Hammer.

54:23Lucian Haas

Warum den Hammer?

54:24Olaf Salewski

Keine Ahnung, ich kann es dir nicht sagen, warum ich den Hammer mitgenommen habe, aber das war so das Werkzeug, wo ich sagte, das ist so das Sinnvollste, vielleicht so ein bisschen auch an die Ziegen gedacht, ich sag mal da dann eins zu erschlagen. Das ist dann am einfachsten.

54:37Lucian Haas

Verrückt. Das heißt jetzt auch, ich meine, das sind ja irre Bilder, die da vor einem entstehen. Du läufst den Berg, also kriechst, schleppst dich irgendwie diesen Berg hinab, hast einen Hammer in der Hand. Ja,

54:47Olaf Salewski

in der Hand nicht, aber

54:48Lucian Haas

ich hatte

54:48Olaf Salewski

den halt so dabei. Ich hatte den so irgendwie, wie irgendwie an der Hand immer, ich weiß nicht, ob ich ihn an meinem Dings da befestigt hatte, keine Ahnung, das weiß ich nicht mehr so genau, aber ich hab gesagt, ich hab den Hammer halt mit. Und hab gesagt, für irgendwas kannst du den Hammer halt gebrauchen. Das ist das stärkste Werkzeug, was du da halt hast. Weil mit dem Schraubendreher kannst du nicht groß was machen. Und hab dann wirklich dieser, diesen Hammer halt mitgenommen. Und ja, aber er hat mir dann im Endeffekt auch nicht viel genützt halt, ob ich den Hammer nun dabei gehabt habe oder nicht. Das hat ja bis zur Hütte oder an der Hütte auch nichts geholfen. Die hatten so ein großes Eisen an der Hütte noch stehen. Damit hab ich dann dementsprechend ja so einen Schlüsselkasten halt aufgeschlagen, um diesen Schlüssel da rauszubekommen und konnte dann eben die Tür öffnen. Das war auch, sagen wir mal so, mein großer Vorteil, den ich da halt hatte.

55:34Olaf Salewski

Hatten dann draußen auch was. Da kann auch mal so eine Tränke halt stehen, wo Wasser immer permanent zugelaufen ist. Und gut, mit Telefon und solche Geschichten hab ich natürlich auch nicht gerechnet in so einer Berghütte. Aber die war halt, ich sag mal, für so eine Berghütte meines Erachtens schon relativ gut ausgestattet. Hatte so einen kleinen, alten, uralten Ofen drinne. Hatten da ein paar Liegeplätze drinne, eben auch, ich denk mal, für irgendwelche Bergwanderer oder für diese Burgenschaft, die sich darum kümmern, dass die da mal was für sich hingehen und dann mal zwei, drei Tage verbringen. Also von daher war die schon... Ich sag mal, in meinen Augen zu dem Zeitpunkt schon recht luxuriös ausgestattet. Weil, ich sag mal, ein Bett zu haben... Da waren ein paar alte Schlafsäcke drinne, ich sag mal, damit sich zuzudecken und solche Geschichten. Das war... Und eben ein kleiner Mini -Ofen, so ein alter Holzofen, um es dann warm zu machen, war dann schon echt, echt, ja, luxuriös halt in dem Moment für mich.

56:24Olaf Salewski

Waren auch noch so ein paar Essensreste drinne, die da wohl übrig geblieben sind. Die da standen war so eine Tüte Müsli und so ein paar alte Nudeln und solche Geschichten. Die hab ich dann natürlich auch dann mir

56:35Lucian Haas

auch gleich gemacht. Das heißt, kochen konntest du auch oder hast du die Nudeln dann roh durchgekaut? Nee, nee, nee. Da

56:43Olaf Salewski

waren dann tatsächlich auch noch so alte Töpfe und hab dann versucht, Feuer anzumachen in dem Ofen. War am Anfang auch nicht ganz so einfach, weil der Schornständer stand in der falschen Richtung. Die hatten da irgendwie so ein System, wo dann der Wind, wo sich dann diese Öffnung halt immer dreht, die hat natürlich dann genau in Richtung des Windes gestanden, als er das erste Feuer dann versucht hat anzumachen. Da ist natürlich die ganze Putze da innen drin vollgequalmt.

57:07Olaf Salewski

War dann natürlich auch so. Wenn es schon scheiße läuft,

57:10Lucian Haas

dann kommt das Nächste noch dazu. Genau,

57:13Olaf Salewski

das heißt also schon, wenn dann scheiße, scheiße mit Schwung. Ja, hat dann auch nicht so funktioniert, aber es hat dann irgendwann halt geklappt. Und ich musste ja vorher, bevor ich zu dieser Hütte gekommen bin, musste ich, war also der sogenannte Driesbach. Den Alpen musste vorher dann noch so einen anderen flachen Bach halt durch, aber der hat irgendwie wohl keinen Namen. Und da ist dann natürlich auch im Sinne normal ganze Schuhe und die ganze Struktur. Und dann sind dann die Strümpfe, Klamotten halt nass geworden. Dann habe ich dann auch schon belegt, wenn ich da durchgehe, wenn der da jetzt ausrutscht, auch schon sehr, sehr schwierig. Ich habe mir versucht, die flachste Stelle halt da auszusuchen. Bin dann aber trotzdem, wie gesagt, bis ungefähr zu den Knien halt nass geworden. Und habe dann da in dieser Hütte auch, wie gesagt, dann heißt das Feuer angemacht, sodass meine Sachen dann auch glücklicherweise

57:53Lucian Haas

trocknen können. Das war dann zumindest so die Hütte schon als eine halbe Rettung. Du hattest ein bisschen was zu essen, es war wieder wärmer, du konntest die Nächte überstehen. Genau. Wie viel Zeit hast du dann jetzt noch an dieser Hütte verbracht?

58:06Olaf Salewski

Also zwei Tage.

58:09Olaf Salewski

Weil ich habe gesehen, dass das Wetter wurde halt von Tag zu Tag halt schlechter. Und zog halt immer, also fliegerisch war da nichts mehr. Im Prinzip sind auch die drei Tage schon nicht mehr. Und habe dann gesehen, okay, da musste einfach, das Wetter wird immer, immer, immer schlechter. Und die hatten auch was, was echt toll war. Die hatten ein Solarpanel in dieser Hütte und ein Radio. So konnte ich dann auf Visanino das Wetter sehen. Konnte auch den Wetterbericht dann hören.

58:38Olaf Salewski

Was dann da halt ging, so ein kleines Miniradio, ich sage mal so ein Kofferradio mäßig. Konnte dann dementsprechend auch ein bisschen, war dann nicht mehr ganz so alleine, in Anführungsstrichen. Sondern hatte so ein bisschen Verbindung zur Außenwelt. Und hatte dann ein Radio gehört. Und dann auch die sagten halt, dass das Wetter immer weiter schlechter werden würde. Und habe gesagt, okay, ja, konnte man noch sehen. Und habe dann gesagt, so jetzt bist du den zweiten Tag hier. Und das Wetter wird schlechter. Und es wird auch keiner kommen. Habe auch wieder gerufen. Hatte dort auch ein Fernglas. Konnte mit dem Fernglas auch noch weiter gucken. Konnte ein bisschen gucken, wo ich dann weitergehen könnte. Wo dann eben andere Leute gesehen, auf der anderen Bergseite. Auch so ganz, Leute gesehen, so ganz zwar mini klein, aber ich konnte es halt sehen. Habe dann auch dann, wenn ich dachte, die gucken in meine Richtung.

59:26Olaf Salewski

Mit meiner roten Jacke dann auch gewedelt. Oder wenn so ein Hubschrauber dann nochmal so durchs Tal geflogen ist. Auch nochmal gewedelt und solche Geschichten. Aber wie gesagt, auch gerufen. Aber auch das hat, was ich am Anfang ja schon mal sagte, auch überhaupt nichts gebracht. Was auch irgendwo nicht mal verständlich ist, wenn man da irgendwo ruft. Muss schon wirklich einer in der Nähe sein. Und dann auch vielleicht die Richtung noch bestimmen können. Ja, dann war ich dann da halt und habe gesagt, das Wetter wird immer schlechter. Was machst du jetzt? Hierbleiben ist keine Option. Du musst dann weitergehen. Und dann habe ich gesagt, okay, gut. Also ich muss am nächsten Morgen, das war dann wie gesagt bereits schon Sonntag. Habe dann entschieden, dass am nächsten Tag ich dann wieder weiter versuchen muss, weiter runter zu kommen. Habe dann da dementsprechend mir

1:00:13Olaf Salewski

so ein bisschen was eingepackt, was da so ein Essenrissen noch dabei gesagt hat. So lange, keine Ahnung, wie lange ich noch unterwegs sein müsste. Bis ich irgendwo so einen Weg finden würde, wo jemand langkommen könnte, bräuchte ich bestimmt noch zwei Tage dafür. Und nochmal nachts draußen frieren. Da hatte ich im Endeffekt, hört sich doof an, aber keine Lust mehr zu. Weil ich sage mal, so diese fünf Tage draußen frieren. Das hat mir eigentlich gereicht.

1:00:37Lucian Haas

Verständlicherweise. Da war noch so ein

1:00:38Olaf Salewski

alter Schlafsack, da war hinten noch so ein alter Rucksack. Und dann habe ich gesagt, das nimmst du jetzt alles mit. Das packst du dann alles ein. Den Sonntag schon mal alles fertig gemacht. Habe gesagt, wenn das am nächsten Morgen, habe ich gesagt, wenn das dann hell ist, dann gehe ich dann los.

1:00:52Lucian Haas

Du sagst Sonntag. Wenn ich es richtig verstanden habe, war auch dein erster Flug an einem Sonntag. Das heißt, du warst da jetzt schon eine Woche lang am Berg. Ich war da jetzt schon eine Woche lang am Berg. Genau so ist das. Und nach einer Woche sagst du, okay, ich muss jetzt hier meine rettende Berghütte verlassen, weil auf die Dauer ist das keine Rettung, also muss ich noch weiter runter. Du schulterst jetzt deinen Rucksack. Und dann?

1:01:16Olaf Salewski

Diesen kleinen Rucksack, den ich da gehabt habe, den ich zusammengepackt hatte. Und habe gesagt, am nächsten Morgen gehst du dann halt so früh los, wie es geht, so wie es hell wird. Und ja, den Rest des Tages war dann schon, ich sage mal 16.30 ungefähr. Und habe gesagt, okay, dann sitzt du halt hier und hast auch schon gesehen, dass es einen anderen so gegenüberliegenden Berg und ein bisschen weiter weg schon ein bisschen geregnet hatte, leicht nieselig war und war dann, denke ich mal, auch zu dem Zeitpunkt die richtige, im Nachhinein auch, muss ich sagen, die richtige Entscheidung, das dann so machen zu wollen. Ja, und dann kam ganz rein zufällig an diesem Tag, eine halbe Stunde später, 16.30 war es dann, im Endeffekt hat 16.30 das entschieden, so zu machen. 16.30 kamen dann tatsächlich nochmal so vier Jäger, Schweizer Jäger da hoch.

1:02:02Olaf Salewski

Du

1:02:02Lucian Haas

warst auf dem Weg oder die waren, die kamen zu der Hütte?

1:02:05Olaf Salewski

Ne, die waren, die kamen, die wollten zu der Hütte, die wollten dann nochmal, bevor die Saison für die auch gleich komplett zu Ende war, kamen die halt hoch und haben gesagt, wir wollen dann nochmal zur Jagd gehen, da oben und gucken. Und die sind dann da ganz rein zufällig an diesem Tag nochmal hochgekommen.

1:02:21Lucian Haas

Und die haben dich dann gefunden?

1:02:23Olaf Salewski

Die haben mich dann da gefunden. Ich habe dann denen erzählt, was so passiert ist, wo ich dann abgestürzt bin und mich dahin geschleppt habe. Die haben dann von da aus relativ schnell die Rettung gerufen. Die war dann auch sehr, sehr schnell da. Ich sage mal, die hat vielleicht eine Viertelstunde, 20 Minuten hat es noch gedauert. Dann war der Rettungshubschrauber da und ich bin dann dementsprechend, ja, relativ schnell dann auch in diesen Rettungshubschrauber eingestiegen. Also sie mussten mich nicht tragen, nicht betreuen. Ich konnte dann noch ganz langsam halt selber hingehen. Bin dann da auch eingestiegen und dann haben sie mich halt ins Krankenhaus geflogen und habe dann da auch eigentlich erst wirklich gewusst, was für Verletzungen ich eigentlich hatte. Das war mir vorher... Ja. So noch gar nicht bewusst, was wirklich alles kaputt gewesen ist.

1:03:07Lucian Haas

Ja, man guckt ja auch in den eigenen Körper gar nicht hinein. Wie war denn so, ich meine, du hast denen das jetzt auch den Ärzten wahrscheinlich erzählt, wie war denn deren Reaktion? Also sagen die, was ist das hier für ein Wunder? Oder passiert denen ja auch nicht jeden Tag, dass da jemand kommt, der sagt, du, ich habe eine Woche in den Bergen gehockt und hatte hier gebrochenes Becken, ein Leberriss und Sonstiges.

1:03:31Olaf Salewski

Also die haben ganz klipp und klar gesagt, also ich sage mal, für die war das halt auch ein Glücksfall für mich, dass ich halt das überlebt habe, weil sie gesagt haben, so die Knochenbrüche und solche Geschichten, das wäre alles im Endeffekt ja nicht lebensbedrohlich gewesen.

1:03:46Olaf Salewski

Das wäre halt, wenn es schief zusammengewachsen wäre in der Zeit oder so, das wäre alles nicht stimmt, das hätte man alles wieder richten können. Nur wie gesagt, den Leberriss, den ich dort halt hatte, da habe ich sehr, sehr viel Glück gehabt, dass dieser sich relativ schnell verkapselt hat. Vielleicht auch dem... Ich sage mal, dem Gedanken, dass ich mich vielleicht nicht so schnell bewegt habe, nicht so viel machen konnte, eben durch die anderen Schäden, die ich halt hatte, mich nicht so viel bewegen konnte an der Station, an dieser Beobachtungsstation vielleicht, da auch mich viel halt hingelegt habe, auch nicht so viel bewegt habe, dass der sich relativ schnell verkapseln konnte und eben die Blutung halt da nicht weitergelaufen wäre, weil sonst haben sie gesagt, wäre ich da halt innerlich verblutet und da hätten sie halt auch nichts mehr machen können. Das wäre dann im Endeffekt so, ja, das Ende gewesen.

1:04:31Lucian Haas

Wie ist das denn von deinem Erleben her gewesen? Du wurdest jetzt gerettet, der Rettungshubschrauber kommt, fällt dann eigentlich in einem eine Riesenlast vom Herzen in dem Moment oder ist das eigentlich mehr so, dass man wie so diese ganze Kraft, die man davor eine Woche lang hat, du hast ja eigentlich Übermenschliches geleistet, wenn man sich das Ganze so vorstellt, fällt man dann quasi in sich zusammen und wird dann so in dem Moment zum Häufchen Elend, den man eine Woche nicht war?

1:05:00Olaf Salewski

Eigentlich, also bei mir jedenfalls nicht. Also ich war da froh, dass ich wirklich da wegkomme. Es fällt wirklich, wie du schon sagst, es fällt so eine Last ab, es nochmal überlebt zu haben, dass man da weg ist, dass man einen gefunden hat und dass es jetzt, ja, wie soll ich sagen, einfach du in, ja, Entschuldigung, in sicheren Händen halt bist, dass du sagst, die geschieht halt überlebt zu haben.

1:05:21Lucian Haas

Ja klar, das ist sehr heftig. Wie lange warst du im Krankenhaus dann dort in der Schweiz?

1:05:26Olaf Salewski

Ja, im Krankenhaus war ich dann noch nur eine Woche, wo man dementsprechend die ganze Untersuchung gemacht hatte, weil man muss überlegen, dass eben diese Knochenbrüche ja schon eine Woche her sind. Das heißt im Prinzip ja dann nachher schon zwei Wochen. Und da haben sie, wie gesagt, ein CT gemacht, ein MRT und, ja, Ultraschall von der Leber mehrmals, um zu gucken, ob das dann wirklich verheilt und so alles ganz gut läuft. Und ja, ich muss sagen, es ist da gut gewesen, alles gemacht. Sie mussten mich nicht operieren. Wir brauchten nichts machen. Es ist alles von alleine wieder verheilt. Sie mussten auch nichts richten. Hier, als ich in Deutschland war, war ich dann noch mal zum Spezialisten. Der eine ist halt immer so mit unterschiedlichen Meinungen von Ärzten. Der eine sagte, ja, wir wollen da doch noch mal operieren. Die anderen sagten, ja, nee, das versuchen wir so noch hinzubekommen.

1:06:12Olaf Salewski

Das sagten die auch im Krankenhaus. Wenn ich ganz vorsichtig mache, auch in der Schweiz, mich nicht viel bewege, keine anstrengenden Geschichten, viel liege und solche Geschichten, dann kommen wir vielleicht um eine OP drum rum. Was sich jetzt im Nachhinein ja auch bewahrheitet hat. Ich bin also um eine OP, sag ich mal, an der Hüfte drum rum gekommen. Es ist alles wieder so einigermaßen richtig zusammengewachsen. Und ja, es geht mir dementsprechend eigentlich wieder sehr gut. Jetzt so nach dem halben Jahr eigentlich ist es mehr oder weniger ohne große bleibende Schäden. Da bin ich halt davon gekommen. Also ich merke es ab und zu noch mal, wenn ich ein bisschen länger laufe, gehe und solche Geschichten, dann eine Pause mache und dann wieder, ist so ein bisschen Trägheit drin am Anfang.

1:06:58Olaf Salewski

Aber das ist viel, viel besser geworden. Und das Ding, man wird auch noch ein bisschen besser. Und ich denke mal, wenn in einem Jahr mal rum es dann noch mal Revue passieren ist, was dann so halt noch an Sachen halt geblieben sind, dann denke ich mal schon, dass ich da sehr, sehr gut von weggekommen bin.

1:07:15Lucian Haas

Wie war das denn dann mit deiner Frau? Du warst jetzt im Krankenhaus. Hast du sie angerufen, um ihr Bescheid zu sagen? Du, ich war eine Woche am Berg und jetzt bin ich im Krankenhaus und ich bin jetzt safe?

1:07:26Olaf Salewski

Nee, das ist... Da haben... Eigentlich die Jäger oben am Berg habe ich schon darum gebeten, dass sie meine Frau halt anrufen und sagen so, es ist alles soweit okay. Weil sie ist ja davon ausgegangen, was ich am Anfang mal sagte, wir hatten ja Probleme mit dem Netzanbieter. Und dann hat sie auch gesagt, na gut, da Probleme, kein Problem.

1:07:49Olaf Salewski

Ich bin ja dann öfter mal, dass sie mich nicht halt erreichen, solche Geschichten. Ja, die ist ja in einer Gruppe unterwegs und dann erreichen halt man nicht. Dann wird schon alles in Ordnung. Fingen dann sich wirklich dann Gedanken anzumachen, eben als die Jäger dann halt angerufen haben und haben gesagt, ja, wir haben einen Mann gefunden, solche Geschichten, und haben dann Bescheid gesagt und dann ging es natürlich los, dass ich da Gedanken gemacht hatte.

1:08:12Lucian Haas

Ja, klar. Aber eine Woche, die Woche selber, hat sie sich zumindest keine Sorgen machen müssen. Dir ging es dreckig, aber sie wusste das nicht, sondern sie war... Genau. Der ist mit seinen Jungs fliegen und dann hat er immer seinen Spaß und eigentlich ist alles wunderbar.

1:08:25Olaf Salewski

Genau. Und da in einer Gruppe unterwegs ist, ist er da sowieso sicher. Und solche Geschichten, wenn da irgendwas ist. Und dann ist dann wohl alles, ja, ist dann ja alles in Ordnung.

1:08:34Lucian Haas

Im Grunde ja eigentlich auch keine schlechte Lösung, zumindest für deine Frau. Weil sonst hätte die sich ja fürchterliche Sorgen wahrscheinlich gemacht.

1:08:41Olaf Salewski

Richtig, genau. Und

1:08:42Lucian Haas

so musste sie sich erst Sorgen machen. Okay, wie geht es denn jetzt noch? Aber sie wusste, du bist schon safe und bist schon im Krankenhaus und Sonstiges und du lebst noch.

1:08:49Olaf Salewski

Genau so ist das. So sieht das aus. Ja, und wie gesagt, was ich noch sagen wollte, also diese Entscheidung, da dann runterzugehen, war dann eigentlich auch, als der Rettungshof da kommt, also den nächsten Tag halt, den Montag runterzugehen, war auch die richtige Entscheidung. Weil wenn ich so zwei Tage gebraucht hätte, weil es hat tatsächlich, als ich am Mittwoch dann im Krankenhaus noch gelegen habe, hat es dann auch bis 1.300 Meter runter angefangen zu schneien. Und da wäre es dann halt wesentlich schlechter geworden. Dann denke ich mal, weiß ich nicht, ob ich dann das auch geschafft hätte, so in der Form halt. Weil da war dann die Entscheidung zu treffen, wirklich den Montag, wenn die nicht gekommen wären, weiter runterzugehen, denke auch da die richtige Entscheidung gewesen.

1:09:28Lucian Haas

Jetzt ist die Sache. Und wie ist der ganze Vorfall mit einer irren Geschichte, einem guten Ausgang und so weiter, jetzt über ein halbes Jahr mittlerweile her, wie bist du in dieser Zwischenzeit damit umgegangen? Ist das etwas, was dich auch viel immer noch beschäftigt, was einem nachhängt, wo man dann sagt, was hätte ich besser machen können, wo du viel drüber nachgrübelst? Oder war das, weil du schon so intensiv damit in der Zeit das erlebt hast und dir selber Gedanken darüber gemacht hast, dass du sagst, eigentlich sind alle Schritte für dich schon klar. Wie siehst du das heute?

1:10:04Olaf Salewski

Also ich sage mal so, ich mache mir jetzt weniger Gedanken drum, weil es einfach schon so lange her ist. Aber wie du schon hast es genau richtig gesagt, am Anfang machst du wirklich, was hättest du anders machen können? Machst du Gedanken, warum ist es passiert? Wie ist es passiert? Ich war auch kurz, als ich im Krankenhaus gelegen habe, sage ich auch ganz ehrlich, ich habe auch eigentlich damit abgeschlossen gehabt, jemals wieder fliegen zu gehen zu wollen und habe gesagt, ich will nicht mehr. Ich habe auch wirklich alles gekündigt. Ich bin überall ausgetreten. Ich habe gesagt, ich mache das nicht mehr. Solche Geschichten will ich nicht mehr, mache ich nicht mehr.

1:10:37Olaf Salewski

Und alles gekündigt, weil Ausrüstung stand ja nun auch auf dem Berg. Das war so der nächste. Das war aber zu dem Zeitpunkt noch nicht so wichtig, weil ich sage mal, da habe ich da mal eben so, wie soll ich sagen, mal 6000 Euro versenkt, die da oben stehen. Das ist keine kleine Summe. Und ich habe dann gesagt, okay, ich will auch nicht mehr fliegen. Mache ich nicht mehr. Aber wie gesagt, so nach und nach, auch viel darüber nachgedacht. Was ist da passiert genau? Wie könntest du es anders machen? Was würdest du beim nächsten Mal anders machen? Wie kannst du dich besser, wenn so eine Situation passieren würde? Nochmal, wie würdest du dich heute darauf vorbereiten? Was würdest du mitnehmen? Was für Gerätschaften machst du, um da eben mehr Sicherheit zu bekommen? Warst du mit dem Anbieter im Endeffekt nachher so zufrieden, dass der sich so vernünftig verhalten hat, wie du es dir eigentlich bei so einer Situation gewünscht hättest?

1:11:25Olaf Salewski

Und solche Geschichten, welche Faktoren da dann zusammengeschrieben sind? Und die, die da gespielt haben, die dazu geführt haben, ich sage auch körperlich, hat man ja leider nichts mehr herausfinden können, warum es passiert ist oder ich dann eben das Bewusstsein verloren habe. Das konnte man im Krankenhaus auch nicht mehr herausfinden, weil es war einfach schon zu lange her. Wir hatten ja ein CT gemacht, ein MRT, aber da war nichts zu sehen, nichts zu erkennen.

1:11:51Olaf Salewski

Und beschäftige mich wirklich immer noch sehr viel damit. Habe auch mit einem von den Jägern, die mich da gefunden haben, auch ein bisschen Kontakt immer noch. Schreibe auch mit denen noch und habe auch beschlossen, letztes Jahr schon noch, dass ich irgendwann noch mal raufgehen werde,

1:12:08Olaf Salewski

um zumindest die Ausrüstung dort wegzuholen. Und es hat sich dann auch, wie gesagt, einer von den Jägern hat sich auch angeboten, mit mir dann noch mal raufzugehen, dass er mich da unterstützt, mir hilft. Er kennt sich da ganz gut aus, hat er gesagt. Das kann ich dir dann eben helfen und gehe dann noch mal rauf und suche die Ausrüstung noch mal. Weil genau wo sie steht, kann ich nichts sagen. Ich kann nur ganz grob sagen, wo sie steht. Und ich rechne mal so mit drei Tagen. Das heißt einen Tag rauf da zu der Hütte, einen Tag suchen und einen Tag wieder runter, um auch, sage ich mal ganz ehrlich, für mich damit auch mental abzuschließen. Weil es irgendwie, hört sich doof an, aber es hängt immer noch was von mir da oben. So diese Ausrüstung. Und selbst wenn sie nicht mehr fliegbar sein dürfte, wovon ich mal jetzt ganz stark ausgehe, möchte ich sie da aber eigentlich weg haben,

1:12:54Olaf Salewski

um wie gesagt auch einfach damit abschließen zu können. Und zu sagen so, das hast du alles weggeholt. Du warst da. Es ist nichts mehr von dir da oben. Und holst das halt runter. Vielleicht habe ich auch noch mal Glück und kann, wie gesagt, das Vario noch mal auf irgendeine Art und Weise noch mal auslesen lassen und sagen, vielleicht gibt es da noch mal neue Erkenntnisse, wie weit ich da dann ohne Bewusstsein geflogen bin. Genau die Flugrichtung noch mal und die Höhe, dass man da vielleicht mal ein bisschen was rausziehen kann aus der ganzen Geschichte. Aber ich denke noch sehr oft drüber nachher.

1:13:22Lucian Haas

Lass uns mal ein bisschen so über die Lehren, die du für dich da draus geschlossen hast, noch mal ein bisschen reden. Zum einen war die Frage, auch wenn es ganz schwer ist, das überhaupt zu verstehen oder zu erklären. Was ist denn derzeit so deine sinnvollste Erklärung, warum du möglicherweise einfach so im Flug ohnmächtig geworden bist?

1:13:43Olaf Salewski

Ja, ich denke mal, ich habe dann noch mal später noch mal im Verein darüber gesprochen. Und dann hat dann einer gesagt, ja, er kennt wohl einen Fluglehrer, dem ist so etwas Ähnliches passiert. Der ist dann wohl auch gestartet, hat dann auch impft, das Bewusstsein verloren und ist dann aber im Flug noch mal wieder aufgewacht und konnte dann halt vernünftig landen. Und dann wurde ich halt hellrührig und der sagte, ja, bei dem hat man halt sogenannte Dehydration festgestellt.

1:14:10Olaf Salewski

Und dann habe ich dann versucht, mal alles Revue passieren zu lassen und habe gesagt so, wie war es denn bei dir? Ich sage mal, auch mal geguckt wegen Höhe und solche Geschichten, überall recherchiert im Internet. Ja, die sogenannte Höhenkrankheit und solche Geschichten mit Sauerstoffmangel. Aber ich sage mal, bei 3600 Meter ist das ja noch nicht so der kritische Punkt oder die kritische Höhe. Die fängt ja in der Regel so, man sagt ja ab 4000 Meter an. Das kenne ich also auch noch aus meinem anderen Sport und von früher vom Fallschirmspringen und habe gesagt, okay, aber wird dann halt schon ein bisschen dünner und ich habe vielleicht den ersten Tag, wo ich dann angereist bin, vielleicht auch ein bisschen wenig getrunken, habe dann an dem Flugtag vorher auch nicht so viel getrunken, dass das so diese beiden Faktoren, ja, sein könnten, die dann einfach da zusammengespielt haben in dem Flug, wo ich dann auch eben schon diese dreieinhalb Stunden auch noch unterwegs war.

1:14:59Olaf Salewski

Ich habe auch bis dato nichts weiter getrunken gehabt und dass das dann dazu höchstwahrscheinlich geführt haben könnte, dass ich dann einfach eben das Bewusstsein verloren habe.

1:15:10Lucian Haas

Nun muss man ja auch sagen, du kommst ja aus Norddeutschland. Ja, genau. Flachland. Ja. Ich weiß nicht, wie hoch das ist. Wahrscheinlich 60 Meter, 80 Meter oder so was, was du da hast. Und dann fährst du also innerhalb eines Tages in die Schweiz bis in Fiesch, gehst am nächsten Tag fliegen und bist dann relativ schnell auf 3700 Metern. Das sind ja auch so wahrscheinlich auch Anpassungsleistungen, die der Körper da bringen muss, die man zwar immer meint, ja, das geht ja relativ easy, aber vielleicht gerade in so einer Kombination mit zu wenig getrunken, vielleicht auch ein bisschen wenig Schlaf und anstrengender Anfahrt davor gehabt und sonst was. Also lauter so ein Zeug, was man normalerweise gar nicht so einrechnet, aber was dann auch letzten Endes für den Körper dann schon eine ganz schöne Belastung sein kann und kann ja schon mal sein, dass so was dann so zusammenkommt, dass das dann darin sogar noch mündet.

1:16:01Lucian Haas

Blut ein bisschen zu dick, weil zu wenig getrunken und sonst was. Und dann spürt man die Höhe, wo man sagt, die ist erst ab 4000 Meter kritisch, ist dann vielleicht schon ab 2000 Meter kritisch.

1:16:10Olaf Salewski

Ja, genau so ist das. Wie gesagt, und dann hört es sich blöd an, aber auch dann, wie gesagt, ja, ich sage mal, habe es ja vorher auch schon gemacht. Ich sage mal, in den Alpen sind ja, bin ja im Prinzip ja jedes Jahr da unten, verbringe ja da oft mal meinen Fliegerurlaub halt und da hat mir das auch nie was ausgemacht. War auch schon was, war ich neun Stunden in einem Stück unterwegs, auch ohne was zu trinken und solche Geschichten. Da hatte ich nie Probleme mit, auch keine Kopfschmerzen oder irgendwelche Andeutungen. Aber wie gesagt, du hast schon recht und bin ich auch der Meinung, ich sage, dann kommt ja noch das Alter dazu, was man dann ja so, wenn man jünger ist, dann nicht ganz so der Körper sagt, ja, kann ich noch alles verkraften.

1:16:42Lucian Haas

Wie alt bist du jetzt?

1:16:43Olaf Salewski

Ich bin jetzt 51. Und dann verzeiht der Körper einem vielleicht das nicht ganz. Und das sind dann eben, wie du auch gesagt hast, alle Faktoren, die dann eben negativ dazu geführt haben, von jedem ein bisschen, ergibt dann nachher doch ein ganz großes, großes Negatives. Wenn alle Faktoren zusammenspielen und dass das dann eben dazu geführt hat.

1:17:01Lucian Haas

Das ist jetzt die eine Sache der Erklärung, wo du auch sagen würdest, okay, eine der wichtigen Lehren wahrscheinlich daraus wird sein, viel trinken, beim Fliegen immer trinken. Was für sonstige Lehren hast du oder Erkenntnisse, wo du sagst, was würdest du noch anders machen, wenn du sowas überhaupt noch mal jemals machst?

1:17:18Olaf Salewski

Also wenn ich sowas weitermache, dann würde ich auf jeden Fall mir noch so ein Spotty halt besorgen.

1:17:23Lucian Haas

Spotty, also ein Satellitentracker, dass die Leute das immer zuordnen können.

1:17:27Olaf Salewski

Das noch mal mitnehmen, genau, mir dann wirklich noch mal was, es gibt es ja auch im Seenotbereich, im Wassersport, gibt es ja auch noch solche Leuchtkugelfackeln und solche Geschichten, sowas würde ich dann auch mitnehmen, noch zusätzlich, die dann im Wasser über 80 Meter hochgehen und eben eine Leuchtkugel mit einem Geräusch entwickeln für die Berge. Sowas dann dementsprechend mitnehmen, weil das sind alles Kosten, die sind relativ gering für irgendwann einen relativ großen Nutzen, wie sich dann ja zeigt. Ob es dann mal wieder passieren sollte, ist eine andere Geschichte, was man ja nicht hofft.

1:17:57Olaf Salewski

Wir machen ja mit, weil man eben sagt und hofft, dass es eben nicht passiert, aber dass man da dann eben gewappnet ist. Auch wie gesagt, beim nächsten Mal, wenn ich dann eben mit einem Veranstalter mitfahren würde, eben auch darauf achten würde, wie so seine, wie soll ich sagen, seine Überwachung halt ist im Endeffekt, wie dann damit nachher umgegangen wird. Das hatte ich vorher eben, was ich ja am Anfang gesagt habe, ja auch nicht so beachtet. Ich habe gesagt, war halt nur für mich wichtig, dass ich die Informationen kriege vom Fluggebiet und da würde ich jetzt auch mehr darauf achten, wie läuft das dann, wenn alle wieder zurück sind und solche Geschichten. Einfach das mal vorher auch erfragen, wie das dann da geregelt ist und nicht so wie hier, weil hat sich ja dann auch ausgestellt, dass ja auch am ersten Tag, als ich ja dann angeblich ja nicht wieder da war, da hätten ja schon im Prinzip ja irgendwo schon,

1:18:45Olaf Salewski

ja Alarmglocken hätten läuten müssen, was ja auch nicht passiert ist, dass darauf sind das Sachen, die ich halt beachten würde und eben auch den, den telefonischen Kontakt auch, ich sage mal nach Hause eben nicht mehr sagen, ich bin in einer Gruppe unterwegs, das ist alles okay, sondern wirklich auch da sagen, wenn ich mich dann halt abends nicht spätestens dann und dann gemeldet habe, dann ist irgendwas nicht in Ordnung.

1:19:06Lucian Haas

Dass man wirklich so ein paar Sicherheitsnetze noch einzieht. Ja, genau.

1:19:09Olaf Salewski

Dass man die noch einzieht und sagt, wenn ich mich da nicht melde, dann musst du davon ausgehen und du mich dann auch nicht irgendwie erreichst und ich keine Nachricht geschickt habe, dass dann da halt irgendwas passiert ist, was nicht ganz dem Normalen entspricht, sage ich mal.

1:19:21Lucian Haas

Du sagst aber auch vom Veranstalter her, dass man da wirklich auch so, so was wie eine Rückmeldepflicht oder sonstiges hat für den Veranstalter. Also ich kenne das zum Beispiel bei uns, wenn ich mit unserem Verein, Vereinsausflug mache und wir sind in den Bergen, da gibt es so Regelungen, dass immer sagt okay, dein Zimmernachbar, wenn man ein Doppelzimmer hat oder sonst, man sucht sich immer einen, wo man sagt, du bist mein, mein Buddy fürs Bescheid sagen so ungefähr und wenn ich, das heißt dann immer abends zum Abendessen, wenn jemand nicht aufgetaucht ist, weiß der Buddy Bescheid und wenn du sagst, ich bin außen gelandet, ich komme später, dann muss man halt Bescheid geben, aber wenn man nicht Bescheid hat, dann gibt es da so die Regel im Verein, okay, wer bis 19 Uhr sich nicht abgemeldet hat und nichts gemeldet hat, dann wird die Rettung losgeschickt und dann auch zu Kosten von dem, der sich eben nicht abgemeldet hat.

1:20:07Lucian Haas

Das ist dann halt das Pech desjenigen, aber das ist einfach die Sicherheit, die man als Ebene dann da noch einzieht. Ja, das ist

1:20:12Olaf Salewski

da so, an dem Tag leider nicht so gelaufen. Das ist, wie du schon sagst, das ist so genau das, wo ich halt beim nächsten Mal noch mal explizit dann hinterherfragen würde, wie ist das dann geregelt, ob der Veranstalter es nur vergessen hat, es anzusprechen oder wie auch immer ich meine, ich kann es nicht sagen, was dazu geführt hat, dass das da eben nicht so gelaufen ist, kann ich dir nicht sagen. Ich will auch keine Vorwürfe machen und solche Geschichten, weil ich ja eben auch am zweiten Tag, ich mache da nur die Vorwürfe, was ich eben sagte, dass am ersten Tag nichts passiert ist, sondern eben erst am zweiten, weil wenn am ersten Tag, hätte man mich ja versucht vielleicht anzurufen, wo ich dann eben vielleicht geistig dann mehr auf der Höhe gewesen wäre, dann hätte ich, hätten sie gefragt, ja Olaf, was ist mit dir, du hast dich nicht gemeldet, alle suchen dich, hätte ich vielleicht darauf anders reagiert, als eben diesen Notruf abzusetzen. Ja, an diesem ersten Tag, aber dann wäre eben von der anderen Seite eben nochmal was gekommen und hätte versucht mich zu erreichen, aber da ist ja dann auch im Endeffekt ja nichts gekommen, sondern erst am Folgetag halt erst, als ich diese SMS geschrieben habe.

1:21:06Olaf Salewski

Deswegen kann ich das immer so halb, halb halt, halb vorwerfen, halb nicht vorwerfen, weil am zweiten Tag sind sie halt davon ausgegangen, ja gut, der ist nicht mehr dabei, mit dieser ominösen SMS, die ich da wohl geschrieben habe, nur eben diesen ersten Tag könnte ich dann halt als Vorwurf machen, dass man selbst am ersten Tag nicht gleich schon da irgendwie tätig geworden ist.

1:21:24Lucian Haas

Und was ist mit, Hotel oder Vermieter? Ist denen nicht aufgefallen, dass du gar nicht in dein Zimmer gekommen bist? Nee, ich hatte da

1:21:30Olaf Salewski

zu dem Zeitpunkt noch kein Zimmer. Ich hatte gesagt, okay, ich hatte so leicht campingmäßig mein Fahrzeug ausgebaut, hab gesagt, entweder übernachte ich dann da halt oder ich suche mir dann, wenn ich dann gelandet bin, halt noch eine Pension oder solche Geschichten. Das wollte ich dann eigentlich erst vor Ort dann noch entscheiden. Ach so,

1:21:43Lucian Haas

das heißt, du warst angefahren, hattest die Nacht in deinem Auto verbracht, das Auto stand wahrscheinlich an der Bahn und du hast dann gesagt, nach dem schönen Flug, dann suche ich mir noch eine schöne Unterkunft, ob ein Campingplatz oder was auch immer. Aber von daher wusste auch kein anderer vor Ort, war noch irgendwie dem auffällt, der gute Olaf, wir haben doch hier einen, der hat ein Zimmer gebucht und jetzt taucht der nicht auf. Ich frage mal nach. Also es gab eigentlich nichts, was die Rettungskette hätte irgendwie von sich aus unbedingt auslösen müssen.

1:22:11Olaf Salewski

Also ich sage mal, zu dem Zeitpunkt nicht. Also das Auto hat da unten gestanden. Das hat wirklich, wie gesagt, eigentlich 14 Tage an dieser Werkstation gestanden. Ob das hätte da irgendeinem auffallen müssen, dass es da permanent gestanden hätte, weil ich hatte ja, auch noch an dem ersten Tag, so die ganzen Ladegeräte noch in mein Auto gepackt, weil man eben da nicht wusste, als wir uns da getroffen haben an der Bergbahn, hatten die die ganzen Ladegeräte noch mit für die Funkgeräte, die man teilweise noch verteilt hatte. Also ich hatte mein eigenes, habe ich das dann in mein Auto gepackt halt. Aber auch da ist leider auch nie einer drauf gekommen, dieser Mensch, ja jetzt brauchen wir die Ladegeräte wieder heute Abend zum Aufladen der Funkgeräte. Wo ist er denn und solche Geschichten? Meldet sich gar nicht. Da hätte es vielleicht auch auffallen können und eigentlich auffallen müssen schon am ersten Abend.

1:22:54Lucian Haas

Ja, verrückt. Aber manchmal gibt es einfach verrückte Geschichten. Wie wird es denn,

1:23:02Lucian Haas

also hast du Vorstellungen davon, wie wird es in deiner Fliegerkarriere weitergehen? Wird es überhaupt eine weitere Fliegerkarriere noch wieder geben?

1:23:10Olaf Salewski

Ja, also ich habe ja, also mein Sohn ist ja auch noch Flieger, der hat ja relativ früh angefangen, auch seinen Pilotenschein zu machen

1:23:17Olaf Salewski

und habe lange überlegt, machst du weiter, machst du nicht weiter, was ich eben ja schon gesagt hatte. Und ja, ich habe beschlossen, ich werde wohl erst mal nochmal wieder anfangen und gucken, wie gut ich damit umgehen kann, ob ich das dann, es hört sich ein bisschen doof an, ob es mir das noch wert ist oder nicht, die Geschichte.

1:23:36Olaf Salewski

Und habe aber, wie gesagt, ich sage mal in Anführungsstrichen, relativ früh entschieden, dass ich es wohl nochmal wieder probieren werde, nochmal wieder fliegen gehen werde, weil es mir ja dann doch sehr, sehr viel Spaß gemacht hat und ja, es war auch so mein Ding. Ich bin eigentlich schon immer geflogen, wo ich es dann im Prinzip mir leisten und machen konnte von der Ausbildung her und habe gesagt, gut, ich werde es dann halt wieder machen, muss halt nur gucken, eben wieder Ausrüstung zu bekommen und eben auch einfach zu sagen, ich will, für mich ganz wichtig, sage ich auch immer wieder, ich muss da nochmal hoch, ich muss dann abschließen können mental, ich muss meine Ausrüstung da wegholen und ich denke mal schon, dass ich auch wieder fliegen werde und wenn ich in einer Gruppe fliege, was ich auch eben sagte, dann wirklich darauf achten, wie das dann da geregelt ist und auch eben den Kontakt, wenn ich alleine fahre, wo meine Frau gesagt hat immer, ich lasse dich nicht mehr irgendwo alleine hin, also wenn, dann fahre ich immer mit,

1:24:29Olaf Salewski

damit dieser Aspekt da schon mal weg ist, also das hat sie zumindest mal gesagt, ob das dann später dann mal genauso sein wird, wird man halt sehen. Auf jeden Fall lässt sie mich nicht mehr irgendwo hin von ihrer Seite, wo dann nicht das in der Gruppe alles so hundertprozentig geregelt ist, wie sie sich beziehungsweise wir uns das halt wünschen. Also ich kenne auch andere Veranstalter, die das ein bisschen anders machen, wenn da eben einer fehlt, was du auch sagtest, dass dann da eben wirklich nachgeforscht wird, wo ist ja was passiert da. Also das wird dann in der Form, wenn ich es halt brauche, so nicht mehr passieren halt. Aber im Moment bin ich eher zu 95 Prozent da dran, dass ich wieder fliegen gehe. Ich hatte mir nur, wie gesagt, einen Zeitpunkt gesetzt, wo ich sage, bis dahin fliege ich auf keinen Fall, um eben dem Körper einfach genügend Zeit zu geben, sich zu erholen, sich zu regenerieren, bis das alles vernünftig zusammengewachsen ist.

1:25:16Olaf Salewski

Da habe ich gesagt, bis dahin fliege ich halt nicht und der Zeitpunkt ist demnächst eigentlich abgeschlossen und dann werde ich mal gucken, so wie sich dann das Ganze dann die Gelegenheit wieder ergibt und wir hier bei uns auch mal wieder fliegen können beziehungsweise dürfen, dann werde ich wohl auch wieder starten halt.

1:25:30Lucian Haas

Du könntest auch sagen, ich gehe nicht mehr ins Hochgebirge, ich fliege nur noch im norddeutschen Flachland. Wenn es mich dann da irgendwo verbläst und ich irgendwo runterkomme, dann muss ich zumindest keinen steilen Berg abwärts laufen und gehe da irgendwo verloren.

1:25:43Olaf Salewski

Ja, das ist aber nicht die Angst davor. Ich sage mal, weil das ist da, wenn du so den Sicherheitsaspekt dir anguckst, finde ich es hier im Flachland aber genauso gefährlich, im Endeffekt zu fliegen oder ungefährlich wie im Gebirge auch. Weil ich sage mal, wenn es mir hier im Flachland passieren würde, so in der Form und ich komme irgendwo runter, ich sage, wir haben ja sehr, sehr viel Überlandleitungen,

1:26:04Olaf Salewski

Hochspannungsleitungen, Autobahnen und solche Geschichten. Also ich sage mal, da ist die Gefahr genauso groß wie im Hochgebirge halt auch, wenn so was noch mal passieren würde. Aber wie gesagt, auch dahin habe ich dann geguckt. Ich werde vorher immer viel trinken. Ich werde vorher auch so eine immer permanente, auch im Flug so eine O2 -Messung machen, wie dann der Blutsauerstoffgehalt ist. Solche Geschichten gibt es ja heutzutage genügend. Einfache Gerätschaften, die man dafür nutzen kann, um das zu sehen, um einfach diese Geschichten, ja wie soll ich sagen, möglichst auszuschließen, die darauf vielleicht hindeuten können, ah hier, pass auf, du bist schon wieder in so einem Level gekommen, wo es halt gefährlich werden könnte. Also ich kann wirklich nur so ein Ausschlussverfahren machen, um zu gucken, was könnte die Ursache sein, dass das wieder dazu kommen könnte. Diese ausschließen werde ich es nie können, ist ganz klar.

1:26:51Olaf Salewski

Ich sage mal, kann man auch, wenn ich über die Straße gehe, in den LKW komme ich überfahren. Also klar muss man das abwägen, aber von daher denke ich mal schon, dass ich wieder mich in die Luft begeben werde, auf jeden Fall.

1:27:04Lucian Haas

Nun war das ja ein lebensbedrohliches, wirklich traumatisches Erlebnis auf seine Weise. Gibt es trotzdem etwas, wo du sagen würdest, aus dieser Woche verschollen am Berg? Hast du auch irgendwie etwas Positives daraus gelernt für dich, wo du was draus ziehen kannst und sagen kannst, diesen Teil davon, den will ich eigentlich vielleicht, so schlimm das drum rum war, aber den will ich eigentlich nicht messen. Ich habe für mich etwas erkannt, entdeckt, Gefühle entwickelt oder sonstiges, wo du sagst, ich habe etwas neu, anders verstanden?

1:27:38Olaf Salewski

Ja gut, ich sage mal so, anders verstanden schon. Also ich sage mal, man sollte vielleicht so die Prioritäten vielleicht so ein bisschen anders setzen. Also für mich jedenfalls. Da habe ich dann so als Resümee herausgezogen, dass einfach so die Sachen, die halt wichtig sind und die halt nicht so wichtig sind. Habe schon relativ früh auch damit angefangen, ein bisschen so die Lebenseinstellung so, ja wie soll ich sagen, vom Gedanken abzuändern, was für einen wichtig ist und was für einen nicht wichtig ist. Aber ich sage mal so, nach dem Unfall ist das, ja wie soll ich sagen, noch mehr in den Vordergrund gerutscht. Ich sage mal so, die finanziellen Geschichten, ich sage Arbeit, Freizeit, dieses ganze Ausgewogene, was ist wichtig, was ist nicht wichtig, wo kniest du dich rein, in welche Geschichten, wo du sagst, ach weißt du was, ist es das wert, da jetzt so viel Herzblut reinzustecken.

1:28:28Olaf Salewski

Nicht nur was jetzt das Fliegen angeht, sondern auch was Beruf angeht, was die finanzielle Geschichte angeht, solche Geschichten. Da hat sich schon ein bisschen, ja noch ein bisschen was in diese Richtung halt geändert.

1:28:38Lucian Haas

Würdest du das dann auch im Rückblick auf gewisse Weise als,

1:28:43Lucian Haas

na schwer zu sagen vielleicht, aber irgendwo auch dem was Positives abgewinnen?

1:28:47Olaf Salewski

Ja, das ist ja für mich schon was Positives. Also ich sage mal, ich sage mal arbeitstechnisch Positives sein, dass ich eben viele Sachen auch in einer Firma, wo ich arbeite, auch sage, wisst ihr was, macht es im Endeffekt so, wie ihr das möchtet. Es ist mir, naja, hört sich jetzt ganz salopp an, aber es ist mir egal, was ihr da jetzt macht, sondern das ist im Endeffekt eigentlich nicht wichtig. Das ist so, ich sage ja, so die Priorität, das ist zwar schön und wenn das so macht, ist es okay, vielleicht nicht meins, aber wenn ihr der Meinung seid, ihr müsst das so machen, dann macht es so. Aber für mich persönlich ist das, von der Wichtigkeit her, so weit nach hinten gerückt, ich habe gesagt, Leute, ihr müsst überlegen, dass ich wirklich von meinem Denken, ich bin da aus dieser Geschichte, ich habe keine Querschnittslähmung erhalten, ich habe die ganze Geschichte überlebt und solche Geschichten und das ist für mich wichtig und ich will noch ein paar Jahre leben

1:29:35Olaf Salewski

und da rücken viele andere Sachen einfach so in den Hintergrund, wo du sagst, das ist für mich wichtig oder ich mache einfach ein ganz blödes, saloppes Beispiel. Ja, so ein tolles Auto zu fahren, das wäre für mich wichtig oder Karriere machen oder zum Nimmerleinstag, das ist für mich wichtig, da noch das zu erreichen, da noch hinzukommen beruflich, das sind alles so Geschichten, wo ich sage, ist das wirklich wichtig, ist das das, was für dich wichtig ist, ist es da, wo ich hin will oder das Leben an sich, was erwartest du eigentlich noch davon, was ist da für dich noch erstrebenswert und wirklich mal zurückzugehen zur Basis halt. Ich sage, geh raus, guck dir die Natur an, ist die, ich sage mal, dieses, wie soll ich es bezeichnen, einfach dieser Konsum so wichtig für dich,

1:30:21Olaf Salewski

noch was du halt brauchst oder worauf kannst du im Leben wirklich noch verzichten, was für dich gar nicht wichtig war und jetzt gar nicht mehr wichtig ist, das sind so die Sachen, die ich da wirklich rausgezogen habe und sage jetzt, es ist halt noch extremer geworden und ich sage, das ist für mich nicht wichtig, da habe ich früher gedacht, okay, ja, das will ich erreichen, das will ich haben, das muss ich haben, wo ich jetzt sage auch, nö, das ist für mich nicht mehr wichtig, ich sage mal,

1:30:48Olaf Salewski

geh raus, genieße das Leben, auf Deutsch gesagt, du hast nur eins davon, ich sage mal, es war dein zweiter Geburtstag, guck dir im Endeffekt an, wie gut es dir eigentlich geht, so wie es jetzt ist, weil es könnte viel, viel schlimmer sein, ich sage,

1:31:04Olaf Salewski

guck dir andere Menschen an, die auch, wie gesagt, die die Chance nicht, nicht ein zweites Mal gekriegt haben, noch mal, ich sage mal, anführungsgemäß leben zu dürfen, das sind so alles so die Geschichten, die ich halt da rausziehe und das ist kein, man hätte auch, wie ich schon sagte, viel, viel schlimmer hängen können, querschnittsgelähmt, nur da hätte ich dann gesagt, okay, dann lieber ganz auf dem Berg bleiben und gar nicht zurückkommen, weil das wäre für mich im Moment keine Option, dann hätte ich das für mich halt entschieden, ich sage, wenn das hätte so schlimm, wäre so schlimm gewesen, dass ich eben vom Kopf an eben durch den Unfall eben querschnittsgelähmt gewesen wäre, dann

1:31:36Lucian Haas

hätte ich gesagt, dann wäre ich lieber auf dem Berg geblieben. Du hättest ja auch gar nicht absteigen können, schon von dem Moment an, dann wärst du wahrscheinlich auch ziemlich sicher auf dem Berg geblieben. Ja genau,

1:31:43Olaf Salewski

aber wie gesagt, ich kann auch noch ein andere Dings da rausziehen, hört sich jetzt ein bisschen makaber an, ich sage mal, die Aussicht da oben, auch diese fünf Tage, war natürlich toll. Ich kann es nicht anders beschreiben, ich sage mal so von den Eindrücken, von dem Gebirge da oben, sie war natürlich einmalig, also sie waren echt toll, ich sage mal, das Panorama, so Geschichten, auch trotz des Unfalls, es war ein Flutgebiet, wo ich sage, es ist von der Optik her, von dem, was du siehst, von dem, was da gibt, ist es natürlich toll, wirklich toll.

1:32:12Lucian Haas

Sagst du das jetzt im Nachhinein oder hast du auch in den Momenten, wo du warst oder in diesen Tagen, wo du natürlich viel, verbracht hast mit dir, hast du auch diese Momente des Glücks gehabt, wo du sagst, ich habe rumgeguckt und habe gesagt, mir geht es scheiße, aber es sieht einfach geil aus.

1:32:28Olaf Salewski

Ja, genau so, genau so ist es. Und wirklich, es ist echt von der Landschaft her, es ist echt toll, es ist einmalig hier, solch ein tolles Naturschauspiel und solche Geschichten mit dem Gletscher und ja.

1:32:41Lucian Haas

Gut, Olaf, dann wünsche ich dir, dass du deinen nächsten, zweiten Geburtstag oder so, vielleicht wirklich dann auch im September wieder oben am Berg verbringen kannst. Vielleicht ist es sogar so, dass du genau zu dem, deinem Geburtstag wahrscheinlich, ist das der Tag, an dem dich die Jäger gefunden haben und dich damit quasi gerettet haben, dass man sagen kann, vielleicht ergibt sich ja wirklich so was, dass du dann auf deine Hütte steigen kannst, sagen kannst, ich feiere hier meinen zweiten Geburtstag, ich hole jetzt noch meine Ausrüstung darunter und schließe mit diesem Kapitel im dann wirklich positiven Sinne ab und kann sagen, ich habe für mich was für das Leben echt was daraus gelernt. Toll, dass du noch da bist. Toll, dass du das auch so bereitwillig erzählen kannst. Ich glaube, dass da werden einige Leute zwischendurch echt Gänsehaut haben von dem, weil es lauter so Sachen sind, die man sich A nie wünscht, A nie, B nie vorstellt und C teilweise auch gar nicht vorstellen kann, dass man eigentlich denkt, so man landet irgendwo und ist dann in einer, in einer solchen europäischen Zivilisation auf gewisse Weise dann doch ziemlich easy dann auch verschollen in solchen Bergen und ist dort ganz auf sich alleine gestellt und muss sich da irgendwie durchbeißen.

1:33:52Lucian Haas

Also toll, dass du es geschafft hast und dass man

1:33:55Olaf Salewski

dann einfach sieht, dass andere noch eine Lehre vielleicht daraus ziehen können und sich dann eben, so wie ich es eben oder wie wir es eben gerade besprochen haben, sich einfach da noch ein bisschen mehr absichern, was an Instrumentalen da ist, eben auch darauf gucken, dass sie eben vernünftig ausgeruht, vernünftig getrunken auch während des Fluges sich da, dementsprechend auch, dass so wie ich das vielleicht auch getan habe, so leicht abgetan habe, brauche ich nicht, brauche ich bislang auch nicht, ging alles immer gut, da vielleicht daraus ziehen, da ein Resümee daraus ziehen, sagen, ja Mensch, hier, guck mal, ich kann nicht immer nur auf den Körper hören, bis es zu spät ist, sondern ich muss ihn einfach vorher versorgen und auch, sage ich mal, was die Sicherheitskette angeht, gucken, dass da wirklich alles funktioniert und läuft, dass da vielleicht andere eben auch sagen, ja Mensch, klar, da habe ich auch noch nicht so drüber nachgedacht, das sollte ich vielleicht dann auch ein bisschen beachten, wenn ich so etwas mache und dass vielleicht auch andere da eben was daraus ziehen können und es gibt immer wieder einen Weg, auch nach unten, wie man sieht

1:34:49Olaf Salewski

und auch daran denken, was ich noch mal sagen kann, sollen sich alle vernünftig absichern, denn so eine Rettung ist nicht gerade günstig, wenn ich das sagen darf, also ich habe dann so im Nachhinein auch erfahren, was der ganze Spaß mal so gekostet hat, so im Krankenhaus, was so kosten, das kriegt man ja so in der Regel ja kaum immer mit, es sei denn, man ist eben privat versichert, aber ansonsten war das schon auch dieser Flug darunter, diese halbe Stunde, wo sie mich ja nicht mal irgendwie intensiv betreuen mussten, hat diese halbe Stunde über fünf, zehn Tausend Euro gekostet, nur der Flug, also da ist man schnell bei, also das sollte man wirklich gucken, dass man da auch, wenn man ins Ausland fährt, sich da vernünftig absichert, dass da nachher nicht noch irgendwelche Kosten auf einen zukommen, weil das wäre dann zu so einem Unglück auch noch mal ein Obendrauf und das war natürlich auch mein Glück, dass ich das alles hatte, auch das, dass die Leute das einfach bedenken,

1:35:37Olaf Salewski

weil ich sage mal, auch mit diesen, hört sich blöd an, ich schiebe es einfach jetzt mal hier noch mal rein, ich sage so beim DHV ist die Absicherung zwar auf 10.000 Euro mitversichert im Notfall, aber da ist man, wenn man wirklich so eine Suchaktion starten müsste, nicht wie bei mir, sondern wirklich suchen müsste über einen Tag hinaus, ich sage Leute, da kommt ihr auch mit dieser Summe, was so das finanzielle angeht, niemals hin, auch wenn es Bergsteigen ist oder der Absturz, ich sage da vielleicht auch mal drauf gucken, weil immer daran denke ich, ich schließe eine Versicherung ab, nicht weil ich weiß, dass was passiert, sondern in der Hoffnung, dass nichts passiert, das auch noch mal für andere, die dann sagen, Mensch ja klar, an sowas habe ich gar nicht gedacht, dass das doch alles viel kostspieliger sein könnte im schlimmsten Fall, weil das wäre vielleicht für manche Menschen noch dann so der Todesstoß, wenn sie sagen, ich habe einen Unfall gehabt und muss dann noch 20.000 Euro aus eigener Tasche bezahlen, weil ich eben nicht vernünftig abgesichert gewesen bin.

1:36:25Lucian Haas

Guter Tipp für die Leute, die sich jetzt für sich selber dann gucken können, was können sie für sich daraus lernen, gleichzeitig muss man natürlich auch sagen, heil rauskommen und das Leben zu haben, ist auch etwas, wo man dann sagen kann, scheiß auf die 20.000 Euro letzten Endes wahrscheinlich, wenn man sich entsprechend glücklich fühlt, dann sagt man halt, die kriege ich, irgendwie kriege ich das dann wahrscheinlich, auch noch wieder hin. Olaf, ich hoffe, dass du noch viele glückliche Stunden in deinem Leben haben wirst, vielleicht auch sogar wieder schöne glückliche Stunden im Flug, die du auch genießen kannst und wo du sagen kannst, wow, was ist das für eine geile Landschaft, auch gerade von hier oben zu gucken. Wünsche ich dir, dass das so aufgeht. Danke dir für deine Erzählung und ja, alles Gute und grüß deine Frau, sie soll dich immer schön anrufen, abends immer, oder du sie.

1:37:12Lucian Haas

Das will sie auch.

1:37:14Olaf Salewski

Sie sitzt mir so ein bisschen schräg gegenüber und hört dem Ganzen natürlich zu.

1:37:18Lucian Haas

Sie lächelt stumm vor sich hin, halb leidend, halb freudig wahrscheinlich dabei. So sieht das aus. Okay Olaf, danke dir und alles Gute weiterhin. Ich habe dir zu danken.

1:37:42Lucian Haas

Das war Olaf Salewski im Gespräch mit Lucian Haas. Mich hat Olafs Geschichte sehr bewegt und im Nachgang schon zu einigen Gedanken angeregt. Man kann solche Erfahrungen anderer ja gut nutzen, um sein eigenes Tun zu hinterfragen. Trinke ich genug und konsequent beim Fliegen? Sollte ich als Flachland -Tiroler nach einer langen Anreise vielleicht das Hochgebirgsfliegen etwas sachter angehen und nicht direkt am ersten Tag schon stundenlang in ungewohnt großen Höhen cruisen? Was ist mit Live -Tracking? Wäre es nicht sinnvoll, im Gurtzeug auch immer eine kleine Powerbank samt Ladekabel mitzuführen, um einem vielleicht leeren Handy zumindest die Energie für einen Notruf zu sichern? Wem gebe ich wie Bescheid, wann und wo ich fliegen gehe? Welche zwingenden Rückmeldeabsprachen sollte ich treffen und mit wem?

1:38:28Lucian Haas

Habe ich ein Erste -Hilfe -Set im Gurtzeug? Befindet sich eine leichte metallene Rettungsdecke darin? Derlei Fragen und noch viel mehr kann man sich ruhig mal vor dem nächsten Flug durch den Kopf gehen lassen.

1:38:42Lucian Haas

Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann empfehle Podz-Glidz doch weiter. Diese und alle weiteren Podcast -Folgen findest du auf Looglites und Soundcloud sowie in bekannten Audiokatalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc. Vielleicht hast du auch Vorschläge für weitere interessante Gesprächspartner in Podz-Glidz. Es gibt ganz sicher viele bislang unerzählte, aber hörenswerte Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Schreibe mir einfach eine E -Mail an loogliteskontakt at gmail dot com.

1:39:13Lucian Haas

Und wenn du es nicht eh schon bist, dann nochmals der Tipp. Werde doch zum Förderer von Podz-Glidz und Looglites. So hilfst du mit, dass sich beide Projekte immer weiter entwickeln kann. Und jede Podcast -Folge ist dann auch irgendwie deine Folge. Der Förderbeitrag ist übrigens völlig frei wählbar. Ich wünsche dir allzeit eine gute und sichere Landung. Ciao.

·top