Ich fliege nur, wenn es mir Spaß macht. Und das ist fast jeden Tag der Fall. Das ist kein Witz. Das verstehen viele Menschen nicht. Die fragen halt, der fliegt ja an der gleichen Stelle und jeden Tag das Gleiche und so weiter. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier in einer Routineschleife fliege. Das ist immer wieder was Neues. Die Gerüche, die Düfte, die Aussichten, wie gesagt, mit Passagieren sowieso, das Feedback. Also für mich gibt es nach 21 Jahren immer noch ganz, ganz, ganz viel Spaß.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Hartmann
Peters von der Insel Madeira.
Und Lucian Haas am Mikrofon.
Madeira, das ist die Insel des ewigen Frühlings, rund eine Flugstunde von Portugal entfernt. Es handelt sich um ein beeindruckendes Felsmassiv, das sich bis zu rund 1800 Meter hoch aus dem Atlantik erhebt und dem Nordostpassat als vorherrschenden Wind in den Weg stellt. An der Nordseite, im Louvre, stauen sich die feuchten Luftflügel. Es regnet häufig. Die Südseite wiederum liegt im Lee, ist trockener, fällt aber auch sehr steil ins Meer hinab und kennt nur vereinzelte schmale Kiesstrände. Wer dort mit dem Gleitschirmfliegen will, sollte schon wissen, wo und wie er das am besten tun und auch wann er es lassen sollte. Einer, der das besonders gut weiß, ist Hartmut Peters. Er ließ vor über 20 Jahren seinen gut bezahlten Job im Rheinland sausen, um nach Madeira zu ziehen und sich fortan vor allem der Fliegerei zu widmen.
Er kaufte sich ein Stück Land, installierte darauf einen Start - und Toplandeplatz, baute ein Haus mit Gästezimmern aus und flog bzw. fliegt seither an jedem Tag, an dem es das Wetter erlaubt. Auf Madeira könne man leicht auf mindestens 300 Flugtage pro Jahr kommen, sagt er. Allerdings setzt das voraus, dass man das komplexe Wetter - und Windsystem von so einer Insel versteht. Vieles widerspricht der klassischen Lehrmeinung. Geflogen wird in der Regel im Lee und bei Föhnlage. Schaumkronen und Wolken walzen als sichtbare Grenzen im Blick. Sogar Streckenflüge sind da zuweilen möglich, wenn auch mit einem ganz anderen Charakter und Anspruch als in den Alpen. Im Podcast erzählt Hartmut Peters unter anderem über die Anfänge seiner Fliegerei, wie es ihn nach Madeira verschlug, wie er über die Jahre lernte, das besondere Inselwetter zu verstehen und fliegerisch zu nutzen und warum es ihn auch nach 21 Jahren nicht langweilt, sich vom immer gleichen Fleck in die Lüfte zu schwingen.
Natürlich sind auch ein paar Tipps und wichtige Hinweise dabei für Pilotinnen und Piloten, die selbst mal mit dem Gleitschirm auf Madeira fliegen wollen. Bevor es damit losgeht, noch ein kurzer Hinweis. Blueglides und Podz-Glidz gibt es zwar kostenfrei im Netz, der Blog und der Podcast sind aber nicht kostenlos. Ich stecke als professioneller, freier Journalist viel Herzblut und auch viel Arbeitszeit hier hinein. Dabei ist mir meine Unabhängigkeit sehr wichtig. Deshalb finanziere ich Blog und Podcast nicht über Werbung, versteckte Sponsoring, oder fixe Abogebühren, sondern allein über freiwillige Zuwendungen meiner Hörer und Leser. Wenn dir also der Podcast gefällt und du auch in Zukunft noch mehr hintergründige Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens präsentiert bekommen willst, dann unterstütze doch meine Arbeit als Förderer.
Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Blueglides und zwar dort auf der Seite Fördern.
Hartmut, ist das richtig, wenn ich dich als notorischen Lehflieger bezeichne? Ja. Das
ist sogar nötig, weil Luftfliegen, naja, seine spezielle Qualität hier hat. Das erkläre ich natürlich später nochmal.
Fliegst du denn überhaupt in Madeira manchmal auch im Luft?
Ja, wir fliegen ab und zu im Luft. Entweder im Winter, wenn wir dann südwestliche Winde haben bei Tiefdruckgebieten oder im Sommer halt auch schon mal auf der Nordseite. Dafür müsste ich aber dann meistens eine halbe, dreiviertel Stunde fahren, was die 30 Sekunden, eine Minute bis zu meinem eigenen Sprachplatz. Natürlich deutlich, deutlich ausdehnt.
Das heißt, meistens fliegst du oder eigentlich fast immer fliegst du, wie du selbst sagst, an deinem eigenen Startplatz.
Ganz genau. Da habe ich nur 100 Meter hier von meinem Haus und von da aus kann ich ja praktisch fast die ganze Insel anfliegen. Naja, außer auf die Nordseite. Das ist mir nur einmal gelungen, von Süd nach Nord zu fliegen.
Dein eigener Startplatz, wenn man sich das mal so vorstellt. Madeira ist eine Insel mitten im Atlantik. Also, was heißt mitten? Aber auf jeden Fall hat nichts drum rum außer Wasser erstmal. Ziemlich weit. Und das ist so wie so ein rechteckiger Block. 1000 Meter hoch ungefähr. Lange Nordkante, lange Südkante, schmalere West - und Ostkante. Ganz vereinfacht gesagt. Und dein Startplatz liegt jetzt hier auf der Südseite im Lee, direkt an der Küste. Ja. Ein bisschen Steilküste, also ein bisschen Höhe bis zum Wasser hast du dann da schon noch. Warum kann man da so gut fliegen, wenn eigentlich doch der Nordostpassat, ständig von der anderen Seite weht?
Ja, die Insel ist sogar noch ein bisschen höher. Die ist im Schnitt bestimmt 1000 Meter hoch oder an den tiefsten Stellen nur 1000 Meter hoch. An den höheren Stellen dann bis zu 1800, 1600 Meter hoch. Das ist so ähnlich wie der Alpenhauptkamm. Das heißt, die Hauptwindrichtung, die Nordostpassatströmung, die wird an den Seiten meistens vorbeigeleitet. Und dann bin ich auf meiner Südwestseite knapp 180 Grad entfernt. Sehr, sehr, sehr gut geschützt. Und weil die Insel sehr, sehr steil ist, im Gegensatz zum Beispiel Lanzarote,
halten die Berge mir den Rückenwind vom Hals oder vom Nacken halt in dem Fall.
Nun gibt es ja auch an dieser Südseite verschiedenste Startplätze. Ich war selber mal auf Madeira und da hatte ich so den Eindruck, dass trotzdem Deiner eigentlich so für die Fliegerei fast der Ideale ist, auch von den Windverhältnissen, die sich da jeweils einstellen. Warum ist das so?
Das hat sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass wir auch bei Süd -Süd -Ost -Windrichtungen sehr gut bei mir starten können. Wir haben morgens, mittags, abends natürlich unterschiedliche Sonneneinstrahlungen. Dementsprechend wärmen sich die südöstlich ausgerichteten Flächen morgens auf und da gibt es hier erst den Thermiken. Und da hat mein Startplatz halt direkt den Einstieg in diese Aufwinde. Und im Laufe des Nachmittages bis zum Abend dreht die Sonne natürlich rüber auf West. Und dann haben wir die Sonne natürlich rüber auf West. Direkt vor dem Startplatz die besten Aufwinde. Und dieser Startplatz selber liegt zum Rand eines halbversuchten Vulkankraters. Und in diesem Krater entsteht auch ein eigenes Mikro - oder Nanoklima.
Und an diesem fliegen wir halt sehr, sehr gerne rum. Und wie gesagt, die Berge hinter uns, die sozusagen den Rückenwind von uns abhalten, die sind über 1.000 Meter über uns. Das ist eine relativ gute Schutzzone.
Fliegst Du dann eigentlich, in so einem klassischen, was man immer so bezeichnet, so ein typisches Seewiss -Windsystem, also wo wirklich immer vom Meer der Wind dann zu Dir herkommt? Oder sind das aus Deiner Erfahrung her eigentlich noch andere Windphänomene, die dort auftreten?
Es ist die permanente Frischluftströmung, die die Thermik im Hinterland, das sind ja auch sieben, acht, neun Kilometer bis zur Hochebene. Die Winde, die vom Meer kommen, die füttern die Thermiken. Das heißt, die Thermiken, die im Hinterland hochgehen, die brauchen ja logischerweise wieder Frischluft und die kommen vom Meer. Das heißt, die Klippe ist warm, es fühlt sich an wie eine Thermik, ist aber auch eine Dynamik, ein dynamischer Wind, der die Hinterland Thermik dann wieder auffüllt. Und das ist eine permanente Thermik, die halt meistens ab 11 Uhr morgens einsetzt und dann vielleicht bei Sonnenuntergang dann wieder einschläft.
Wenn Du jetzt mal, Du hältst ja wahrscheinlich ziemlich genau Buch nach, übers Jahr gerechnet, an wie vielen Tagen kannst Du, an Deinem Startplatz in die Luft gehen? An
meinem Startplatz sind es garantiert 300 Tage oder mehr und in den ersten Jahren, im Jahr 2000 bis 2010, bin ich sehr viel um die Insel gefahren und da haben wir dann sogar bis zu 342 Tage in einem Jahr Flugwetter gezählt, wo wir tatsächlich auch mindestens eine Stunde geflogen sind, pro Tag mindestens.
Ist das denn dann trotzdem in den meisten Fällen Madeira dann Küstenzoring oder gibt es auch wirklich, gibt es sowas wie ein Inland, wo man sagen kann, man kann auch wirklich Inlandflüge dort machen?
Wir haben an, würde ich sagen, zwei Stellen in Porto da Cruz und in Funchal beim Praia Formosa Küstenzoring und die sämtlichen anderen Startplätze sind ja schon Klippen Thermik und fast, ähm, wie gesagt, Hochgebirgsfliegen. Es gibt auch die Situation, dass wir im Hochgebirge bei 14, 15, 100 Metern bei Pica da Cana oder Fanal, oben in Rabassal, Paul da Serra, auch Dynamik fliegen können, auch 14, 15, 100 Meter. Das ist dann so ähnlich wie Castelluccio oder verschiedene andere Gebiete, vielleicht auch Monte Baldo, wenn der entsprechende Wind sich einstellt.
Aber insgesamt würdest du sagen, du sagst, früher bist du viel rumgefahren, jetzt fährst du kaum noch rum und fliegst wirklich hauptsächlich bei dir.
Genau, wir haben den Startplatz auch nach Südost ein bisschen begradigt, ein bisschen angepasst und noch ein bisschen was vorgebaut und dadurch können wir jetzt, ja, an mindestens 180 Grad Windrichtung bei mir bequem starten und auch teilweise sehr bequem Top -Land machen. Was zuvor nicht der Fall war.
Wie lange lebst du jetzt schon auf Madeira?
Am 21.06. diesen Jahres wären es dann 21 Jahre.
Wenn du jetzt schon 21 Jahre auf so einer Insel bist, dann kann man sagen, du bist da der absolute Experte wahrscheinlich. Wie bist du denn dazu geworden? Also wie bist du überhaupt dazu gekommen, dass du sagst, ich wähle Madeira als meine Fliegerheimat?
Als Student hatte ich mir schon immer überlegt, dass ich gerne mal auswandern würde nach Südeuropa. Da wusste ich aber noch nicht genau wohin. Und mit der Gleitschirmfliegen, die ich dann irgendwann mal Anfang der 90er Jahre angefangen habe, habe ich dann auch relativ, ja ganz am Anfang schon sogar,
Portugal, Azoren und irgendwann auch mal Madeira besucht. Und ein Schlüsselerlebnis war halt ein besonders langer Flug im November 99 auf Madeira mit fast 5,5 Stunden. Und es war sehr, sehr einfach, so lange noch in der Luft zu bleiben. Und die anheimischen Flieger haben mir gesagt, das haben die öfters. Und das habe ich dann irgendwann mal überprüft.
Und da hier noch nie jemand, ja auf den Kanaren gab es ja schon Flugbetreuung auf Teneriffa, auf griechischen Inseln gab es das schon und auf Madeira oder Portugal auf den Azoren und so weiter gab es sowas noch überhaupt nicht, dass jemand sich für die Urlaubsflieger, die dann mit dem Gleitschirm anreisen, darum kümmert, Guiding macht. Und ja, das habe ich mir zur Aufgabe gemacht.
Das heißt, du hast wirklich gesagt, okay, ich baue mir ein neues Leben auf Madeira auf und werde Flugguide. Sehe ich das richtig?
Das war genau, das war die Idee. Allerdings war auch ganz von Anfang auch schon die Idee, nicht einfach nur Flugguide, sondern sogar einen eigenen Schlachtplatz zu haben, um eine vernünftige Infrastruktur aufzubauen.
Springen wir nochmal ein Stück zurück. Da warst du ja jetzt schon Gleitschirmflieger. Aber wie bist du denn überhaupt zum Gleitschirmfliegen dann gekommen?
Wenn ich ganz, ganz zurückblättere, wenn du auf das Schlüsselerlebnis dann in meiner Kindheit anspielen möchtest, das fing immer an, dass ich als kleiner Junge vom Fliegen geträumt habe. Nachts in meinen Träumen kam
immer wieder Fliegen vor. Also Fliegen mit irgendeinem Flugzeug oder so? Oder so dieses Klassische, was man als Kind häufig hat, man schwebt einfach durch die Luft und schwimmt quasi in Luft und guckt sich das alles von oben an?
Ganz genau, ganz genau. Diese Kindesträume fliegen ohne irgendwelche Gerätschaft, ohne irgendwelche Flügel, keine Federn, gar nichts. Also du fliegst, du fliegst, du fliegst, du fliegst. Und das hat mich niemals losgelassen. Und dann irgendwann sind wir mal zum Nürburgring gefahren und dann wurde ein Drachenflieger in die Luft gezogen hinter einem Auto. Das war 1973, wenn ich mich recht entsinne. Und da habe ich das zum allerersten Mal gesehen. Und das hat mich nie wieder losgelassen.
Wenn ich es richtig weiß, war bei 1973 Nürburgring, da ist ein Drache hochgezogen worden und ist gleichzeitig quasi im Lockout direkt wieder abgesetzt worden. Und das Ganze ging sogar tödlich aus.
Ja, der gute Mensch, der hat das nicht lange überlegt. Er lebt ja. Nach zwei Tagen wurde er wahrscheinlich abgeschaltet, nehme ich mal an. Das war ein Sturz bestimmt aus über 100 Metern Höhe. Es gibt tatsächlich ein Video davon.
Und das war mir in dem Fall nicht klar. Da war ich ja viel zu klein. Da war ich ja noch nicht mal acht Jahre alt. Das war kurz eine Woche vor meinem Geburtstag. Und das habe ich allerdings nicht mitbekommen. Ich habe das nur gesehen, da fliegt ein Mensch. Ein ziemlich kleines Stück Stoff mit ein bisschen Aluminiumstangen, nehme ich mal an. Und ja, das hat mich fasziniert. Das
war mit acht Jahren. Wie lange hat es dann gedauert, bis du dann wirklich selber auch in die Luft gekommen bist?
Oh, das war 1992. Mein aller aller erster Gleitschirmflug. Das war dann auch gar kein Schnupperkurs. Das war dann direkt in der Flugschule Göppingen im Schwabenland der
Elcheinkurs.
Also 92. Wie viel älter warst du dann da als acht? Da warst du jetzt 25 und sowas?
Da müsste ich ja dann 27 gewesen sein. Eigentlich normalerweise auch schon nicht mehr besonders jung. Da ist die Feinmotorik auch nicht mehr die von einem 15 -Jährigen, der dann heutzutage natürlich sehr leicht über zum Beispiel Slacklines springen kann, Federn kann und so weiter. Und als 27 -Jähriger ist man auch nicht mehr gerade der Feinsmotoriker. Da hat man ja auch schon sehr menschliche Reflexe. Und das ist beim Gleitschirmfliegen bekanntlich, aber bekannterweise ja auch nicht gerade ideal. Aber ich war fanatisch. Ich wollte das unbedingt lernen. Und habe mir sogar ein paar wenige Tage vor diesem Schulungstermin sogar noch aus dem Secondhand -Markt, das nannte sich damals Spermel, das war noch Zeitung.
Es gab ja noch kein Internet. Da habe ich mir schon einen gebrauchten Schirm gekauft, ohne zu wissen, was ich da hatte. Aber er war schulungstauglich und brachte mir den Vorteil, dass ich die Gleitschirmausrüstung mir nicht mit einem Schulungskollegen teilen musste, sondern hatte meinen eigenen und konnte dann halt doppelt so auf den Berg rauf und runterlaufen. Damit warst du dann relativ bald fertig.
Wenn ich es richtig weiß, hast du aber damals ja im Rheinland gewohnt, was jetzt zumindest auch für die damaligen Schirme von der Leistung her sicherlich noch nicht so viele Flugmöglichkeiten bot. Mittlerweile geht das teilweise ein bisschen besser. Bist du denn damals überhaupt vernünftig in die Luft gekommen oder bist du dann jede freie Minute irgendwo in den Süden gefahren, um dort fliegen zu gehen? Oder wie hast du das gemacht?
Ja, es war ein bisschen anders. Ich bin bei jeder freien Minute zu irgendeiner Kiesgrube gegangen und bin da reingehüpft.
Der erste Gleitschirm, das war von einer Firma Skydive Günther, irgendwie aus dem Saarland. Und das war ein umgebauter Fallschirm tatsächlich. Der wurde auch noch... Ja, das war von einer...
Fallschirmschule letztendlich. Und das hat mich ja nie losgelassen. Ich wollte ja dann immer wieder irgendwie in die Luft, ohne wirklich zu wissen, wo die Grenzen sind, wo die Gefahren sind. Und na ja, am Boden tut es halt schon mal weh. Und auch so, wie sagt man da, am Auto hinterherschleppen und so weiter, das haben wir auch probiert. Das war halt auch ein sehr übersichtlicher Erfolg. Es gab immer nur blaue Flecken. Und da ich viele andere Hobbys hatte, kam mir das gleich zum Pflegen. Leider zu diesem Zeitpunkt noch ein bisschen zu kurz. Und das ist, glaube ich, auch nicht so besonders gesund, wenn man so eine Sportart ausübt, sollte man die, glaube ich, mal sehr ernst nehmen, weil nur was man regelmäßig tut, kann man auch dann besonders gut.
Wie kam denn dann der Switch dazu, dass es dann wirklich dahin kam, dass du sagst, ah nee, ich will jetzt Gleitschirmfliegen auf gewisse Weise auch zu meinem Beruf machen oder zumindest zu meinem Lebensunterhalt? Das hat damit
zu tun, dass ich zwar, glaube ich, keinen allzu schlechten Job hatte, ich habe bei der Deutschen Telekom in der Forschung meinen Job gehabt, aber ich habe auch für diesen Job dann reisen dürfen oder reisen müssen nach Europa, europäische Hauptstädte. Zu internationalen Konferenzen hatte ich immer meinen Gleitschirm dabei, was heutzutage, glaube ich, auch viele Leute machen, denn wenn die beruflich unterwegs sind, haben die ja zumindest mal in den Sommermonaten immer Gleitschirmausrüstung dabei. Das habe ich auch gemacht und habe dann halt in, in Lissabon sehr, sehr nette Menschen getroffen und habe mit denen dann Wochenenden verbracht beziehungsweise Urlaube später. Und aus diesem Erlebnis und aus der Erfahrung, dass man zum Beispiel auf Madeira im ganzen Jahr fliegen kann, kam natürlich die Schlussfolgerung, hm, wenn man das ganze Jahr das machen kann, dann ist das auch eigentlich der ideale Zustand.
Dann brauchen wir keine zwei Jobs haben, wie Wintersportlehrer, also Skilehrer oder Gleitschirmfluglehrer, was man in den Alpen haben sollte. Da braucht man zwei Jobs, um das ganze Jahr sich zu ernähren. Und das habe ich dann herausgefunden, dass man das auf Madeira halt ganzjährig machen kann und habe gedacht, okay, wenn nicht jetzt, wann dann? Dann probieren wir
das. Wahrscheinlich, weiß jetzt nicht so, aber wahrscheinlich hast du als Telekom -Mitarbeiter in der Forschung und so weiter ja gar nicht so schlecht verdient. Jetzt springt man um auf Gleitschirm -Guide, Guide -Anbieter auf einer anderen, auf einer kleinen Insel und so was, wo vielleicht die Leute noch gar nicht so genau wissen, dass man da gut fliegen kann und so weiter. Ist ja auch ein gewisses Risiko, aber das bist du gerne eingegangen.
Das Risiko bin ich eingegangen, hatte allerdings einen Wahnsinnsvorteil. Ich kannte die Journalisten von den zwei deutschsprachigen Fachmagazinen aus dem französischsprachigen Magazin, die ich auch immer wieder auf den Azoren und auf Madeira kennengelernt habe. Und da hatte ich direkt einen Kontakt und habe auch direkt Kontakt aufgenommen und mitgeteilt, dass ich, wenn der neue Beitrag über Madeira dann irgendwann rauskommt, dass ich dann die Adresse bin für Leute, die dann mit dem Gleitschirm nach Madeira kommen. Und hatte glücklicherweise auch direkt in Schlachtplatznähe ein Haus kaufen können. Und das hatte auch direkt schon drei beziehungsweise vier Quartiere gehabt.
Um Piloten einzuquartieren. Und es gab rundherum wenig Häuser. Es gab praktisch keine Cafés, Restaurants in der Nähe. Nicht wirklich. Das heißt, auch mit der Unterkunft und dem Guiding und den Passagierflügen konnte man dann tatsächlich überleben.
Nun sagst du immer, dein Startplatz. Wie kommt man als dahergelaufener, dahergeflogener Deutscher auf Madeira dazu, dort einen Startplatz zu bekommen, wo man am Ende sagen kann, das ist mein Startplatz, das ist ja dein eigenes Gelände?
Ja, ich habe meinen Freund angerufen auf der Insel und habe gefragt, sagen wir mal, wenn ich zum Beispiel jetzt so ein Fliegercamp oder eine Flugschule aufmachen möchte, dann wäre natürlich sehr günstig, dass man da nicht auf irgendeinem potenziellen Bauland da was anfängt, was nachher zugebaut wird. Sondern... Ob es da ein Gelände gibt, zum Beispiel dieses da in Arco del Caleta, den Namen kannte ich damals noch gar nicht, den Ort, wo ich das Grundstück nachher gekauft habe. Da bin ich doch mal fünfeinhalb Stunden geflogen, ob es so was in der Art irgendwo zu kaufen gibt. Und damit ist, mit der Information ist mein Freund los und hat nach einer Woche sich gemeldet, hat die Eigentümer herausgefunden und hat gesagt, ja, das wäre zu verkaufen unter der Auflage, dass ich da nichts drauf baue.
Also keine Spekulation mache. Gebäude baue, verkaufe, Gebäude baue, verkaufe. Das Grundstück ist ja mit knapp 3000 Quadratmetern reizvoll groß, um da große, große, große Immobilien draufzusetzen.
So gesehen war das aber dann schon ein ziemlicher Zufall eigentlich, dass du wirklich das Gelände, von dem du sagst, da hast du deinen längsten Flug bis dahin gehabt, wo du sagst, da will ich gerne häufiger fliegen oder so was, dass dir das letzten Endes sogar zum Kauf angeboten wurde.
Das war absolutes Glück. Der wohlhabendste Bauunternehmer, der hier aus dem Ort kommt, der wohlhabendste Bauunternehmer von ganz Portugal, der konnte dieses Grundstück nicht kaufen. Aber ich habe gesagt, in Anliegen an die Vorfahren dieser Eigentümergemeinschaft, also der Erben, dass das ihr Ackerland war, ihre Lebensgrundlage und dem Versprechen, dass ich das auch weiterhin grün halte, beziehungsweise sogar noch mehr begrüne als zuvor. Nur mit diesem Versprechen gelang es mir, das Grundstück zu kaufen. Die Familie war auch schon deutlich älter, über 70, 80 Jahre alt.
Und da habe ich Glück gehabt. Da hat das Schicksal dann einfach mal mit mir gut gemeint. Die leben wahrscheinlich nicht
mehr, die, die das damals verkauft haben, oder?
Doch, die leben immer noch. Und ab und zu spazieren die davon. Die gehen da vorbei und gucken sich das an und es ist alles gut. Und die freuen sich. Du fliegst ja auf Tandem. Hast du die schon mal mitgenommen?
Das ist leider nicht möglich. Die Einheimischen, viele, viele Einheimischen, die müsste man kaufen sogar, damit sie mit einem mitfliegen. Die sind alle so zufrieden.
Ein Tandemflug und das ist für die eine verrückte Sache. Und fliegen und so weiter, da sind die nicht so abenteuerlustig, tatsächlich.
Das heißt, die sind sehr erdverbunden. Und das Element Luft ist dann für die eine große Gefahrenquelle quasi.
Du wirst als, am Anfang auf jeden Fall, wurde ich als verrückt dargestellt, was ich da mache. Ja, dass ich damit mein Leben verdienen sollte und so weiter oder wollte. Das konnte sich keiner vorstellen, dass das geht und so weiter.
Jetzt mit deinem Startplatz dort. Die Leute, die dort fliegen kommen, sind das auch sehr viele Piloten aus Madeira? Oder ist eigentlich die Piloten -Community auf der Insel relativ klein? Und das sind hauptsächlich irgendwelche Touristen, die dann halt dorthin kommen?
Nein, in den Sommermonaten sind es ja ganze Menge einheimische Piloten. Am Wochenende kommen die gerne aus der Hauptstadt. Das ist eine halbe Stunde entfernt, kommen die zu mir.
Und auch in den Wintermonaten, wenn dann teilweise Top -Piloten aus Europa kommen, dann kommen auch hier unsere Streckenflug -Racks dann zu mir zum Startplatz und hängen sich dann da an die Fersen von den Piloten. Mit den Liegegurtzeugen und den hochgestreckten Schirmen. Ja, wir lernen dann zusammen, wir fliegen dann zusammen. Das ist der Startplatz selber, ist eigentlich der Schmelztiegel für alle Piloten. Ob es Agro -Piloten sind, Streckenflieger, einheimische Piloten, Piloten aus Europa, aus Nordamerika, aus, wie soll man sagen, aus Asien, also von den Kanaren, eigentlich von Südamerika noch. Überall, von überall kommen die Piloten her. Der Startplatz ist irgendwie bekannt geworden durch verschiedene Filmaufnahmen, die wir da gemacht haben, zum Beispiel mit dem Just -Agro -Team, mit Paul Takats und Gabor Ketzi.
Mich freut es, dass da das Wissen, das Fliegerwissen auf der Insel sich, dass das wachsen kann, dadurch, dass man auf diesem Startplatz alle Piloten zusammenfindet.
Kann man sagen, dass du dann quasi auch mit so der, vielleicht nicht der zündende Funke, aber mit einer Säge... Da ist der auch wirklich diese lokale Flieger -Szene mit entfacht hat?
Mit Sicherheit. Am Anfang, im Jahr 2000, gab es knapp ein Dutzend Gleitschirmflieger, die selten geflogen sind und, ja, die eigentlich untereinander geflogen sind, auch Tandemflüge nur in Familienkreisen gemacht haben und so weiter. Plötzlich kam ich mit der Lust, jeden Tag zu fliegen, nicht nur am Wochenende. Dann kamen Urlauber. Die natürlich auch jeden Tag fliegen wollten. Mit ihrem Gleitschirm kamen die aus, die ersten kamen aus Österreich. Direkt in der Woche, nachdem ich das... Der hat den Farbpinsel noch in der Hand gehabt, das ist kein Witz. Und dann wollten die auch jeden Tag möglichst fliegen. Und dann, ja, fand Gleitschirmfliegen das ganze Jahr über, jeden Tag, jeden Wochentag fand es statt.
Und dementsprechend war die Akzeptanz natürlich größer, größer, größer. Und dementsprechend hatten auch die Jüngere einheimisch dann irgendwann den Wunsch gehabt, dann das Gleitschirmfliegen selber zu machen. Ich hatte von der Firmengründung her auch Flugschule auf dem Programm, hatte einen einheimischen Fluglehrer gehabt, ich war dann Assistent. Und wir haben tatsächlich einheimische Gleitschirmflieger hier ausgebildet. An deinem Startplatz? Teilweise tatsächlich Erstflüge an meinem Startplatz. Allerdings haben die vorher natürlich schon ein bisschen Groundhandling gelernt, und zwar ein bisschen mehr als normal. Also mein Können wäre hier leider arbeitslos. Unsere Flugschüler können alle rückwärts aufziehen, die können rückwärts den Schirm ablegen, die können eine ganze Menge, was andere Gleitschirmflieger dann aus dem alten Bereich irgendwann nach Jahren irgendwann im Zusatzkurs lernen.
Das können unsere schon von Anfang an. Wir haben kleine Start - und Landeplätze. Und die Schirmbeherrschung in Bodennähe, die sollte dann schon sehr, sehr, sehr gut sein. Und die Konzentration bei der Landung sollte doch noch hoch eingeschaltet sein auf hohem Niveau und nicht einfach auf irgendeiner Wiese und landen gehen. Das gibt es hier bei uns ja leider nicht. Ich
war vor ein paar Jahren ja auch mal auf Madeira, auch bei dir am Startplatz, und habe mir auch ein paar andere Startplätze auf Madeira dann angeguckt. Ich würde keinem nach klassischer Vorstellung von keinem sagen, er ist schulungstauglich. Ist das nicht ein gewisses Risiko, zu sagen, okay, Groundhandeln können sie, aber jetzt sage ich mal, mach deinen ersten Flug. Das ist ein Höhenflug vom Startplatz Arco. Und du musst direkt quasi einen Klippenstart, also hast zwar eine Wiese zum Anlaufen, aber dann kommt sofort die Klippe, dann bist du schon über ordentlich Luft unterm Hintern und musst am Ende dann zum Meer runterfliegen und dort auf einem relativ schmalen Strandstück, auch noch ein weitgehend Steinstrandstück, dann eben dort einlanden. Das ist ja nicht gerade das Einfachste.
Gut, was wir ja Gott sei Dank haben, wenn wir hier Ausbildung machen, wir haben hier den permanenten, relativ laminaren Aufwind, den haben wir am Startplatz und den haben wir natürlich am Landeplatz auch. Das vereinfacht die Sache, das heißt, wir brauchen keine großen Flächen beim Startplatz und wir brauchen keine großen Landeflächen. Es ist logischerweise auch wie in deutschen Schulungen immer ein Fluglehrer unten am Landeplatz, der auf einen Zentimeter genau die Einweisung macht.
Ich habe meine Fliegerjahre, die ersten zwei, drei Fliegerjahre, im Odenwald da verbracht, da gibt es den Startplatz Erlau, da gab es eine schöne große Eiche, das war auch nicht so besonders leicht, da rumzuzirkeln. Dann gibt es mittlerweile auch Schriesheim, das ist auch sehr, sehr speziell. Das ist jetzt auch, ich glaube, da haben wir auf Madeira leichtere Startplätze. Ich habe Oberammergau am Laber in den 90ern da einen schönen Start hingelegt, in Anführungszeichen. Das ist auch ein sehr, sehr, sehr, sehr steiler Startplatz. Startplatz ist auch nicht besonders, Fehler verzeihen würde ich mal sagen. Das kann man sehen, wie man will, wenn man zu den richtigen Bedingungen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, ist das alles gar nicht schwer. Wie gesagt, bei mir am Startplatz, der ist ja nur dann geöffnet und meistens bin ich auch dann dabei, wenn das Sinn macht, wenn sich da keiner wehtun kann.
Das kann natürlich egal, an jedem Startplatz in der Welt kann das passieren und leider ist es bei mir auch passiert. Aber generell, wenn die Bedingungen stimmen, dann ist das alles kinderleicht und heutzutage mit dem leichten Material, mit dem viel zu leicht zu startenden Schirm, glaube ich, braucht man gar nicht mehr so guter Pilot sein, wie wir damals in den Anfangen der 90er, wo wir dann mit dem heftigen Material zusätzlich noch kämpfen mussten, nicht nur mit den kurzen Startplätzen.
Wieso sagst du viel zu leicht zu startende Schirme? Bist du jetzt ein bisschen neidisch auf die heutigen Piloten, denen es so einfach gemacht wird? Oder findest du aus irgendeinem Grund, es ist wirklich zu leicht zu starten?
Heutzutage ist es so. Ich habe schon ein kleines Demonstrationsvideo gemacht. Gleitschirme starten heute ohne Anfassen von irgendwelchen A -Gurten, B -Gurten oder Bremsgurten. Also Bremsleinen, die bleiben ja meistens dann auch oben, wenn sie gestartet werden. Also Leichtschirm der Kategorie A. Was mir schon mal passiert ist, ich bin bei Starkwind am Kiesstrand gelandet und mein schöner Tandem, der auch schon ein bisschen moderner war, auch keine Meilers mehr hatte drin in der Eintrittskante, der ging dann, nach der Landung ging der wieder hoch und wir sind dann nochmal vom Kiesstrand abgehoben, nochmal 30 Meter weiter gelandet. Damit habe ich zu dem damaligen Zeitpunkt, als mir das passiert ist, vor vier, fünf Jahren oder sechs Jahren, habe ich nicht gerechnet.
Das hatte ich bisher nicht für möglich gehalten, dass ein flach liegender Schirm auf einem flachen Strand plötzlich wieder hochstartet, mich abhebt und so weiter. Gut, es ist nichts passiert, aber es war eine neue Situation. Und das ist bei den neuen Schirmen halt so einfach geworden, dass man ja gar nicht mehr viel dazu tun muss, um zu starten. Also wichtig ist da die Erkenntnis, dass der Flug erst vorbei ist, wenn der Schirm eingepackt ist und nicht, dass man schon gelandet ist. Der Flug vorbei ist, das ist heutzutage ein bisschen spezieller. Das sollte man nicht vergessen. Sogar die Piloten, die früh angefangen haben zu fliegen, das heutige Material hat riesen Vorteile, aber es hat auch Nebeneffekte,
Nebenwirkungen. Lass uns mal so ein bisschen für dich so als Madeira -Expert mal so ein bisschen über, über Meteorologie auf Inseln sprechen, wo ja Madeira ein klassisches Beispiel ist, was da so alles an Effekten auftreten kann. Eine der Schwierigkeiten ist ja beispielsweise, dass die Insel liegt so in dem Atlantik drinnen und hat so steile Küsten und geht so schnell auf tausend und weit über tausend Meter teilweise hinaus, dass das ja zum Beispiel auch in den Wettermodellen und in diesen ganzen, ja, entsprechenden Landschaftsmodellen, die den Wettermodellen dahinter liegen, gar nicht so richtig alles erfasst. Von der Höhe und von der Ausdehnung und so weiter. Wie kommst du denn dann zu einer vernünftigen Wettereinschätzung oder vor allem Einschätzung der Windsituation, wenn doch eigentlich die Wettermodelle selber nicht so genau das Ganze abbilden können?
Eine ganz wichtige Erkenntnis ist erstmal, dass der schönen Wetterluftdruck 1013 Hektopaskal, den man jetzt in der Schule dann noch durch die Alpen so lernt, dass das hier noch Tiefdruck ist. Also da ist die Luft sehr, sehr leicht und sehr, sehr beweglich, also sehr explosiv. Was hier wichtig ist, dass der Luftdruck über 1020 liegen sollte, damit man ein relativ bedenkenloses Fliegen hier an den Tag legen kann. Was auch der Fall ist, dass die Insel ja sehr, sehr, sehr steil aus dem Atlantik rauskommt, dass es einen Luftstau gibt, das heißt, die Luftmoleküle ja gar nicht dann mit 15 Knoten, wie in den Vorjahrsagen oft zu finden ist, also mit knapp 25, 30 Stundenkilometer dann da auf die Insel zuströmen oder die Insel gar nicht erreichen mit dieser hohen Geschwindigkeit, sondern dass dann da im unteren Dreieck dann auf der Nordseite, auf der Luftseite teilweise gar kein Wind herrscht.
Und auf der Nordseite ist auch klar, dass da kaum Wind herrschen kann auf einem, naja, senkrecht aus dem Meer herausragenden Hindernis. Da gibt es auch wenig Sonnenschein, die die Luft dann anheben kann. Letztendlich ganz oben in den Bergen im Louvre, wo die gesamte Luftmasse von knapp 60 Kilometer Breite und anderthalb Kilometer Höhe natürlich drüber muss, da herrscht natürlich ein extrem starker Wind, wie am Grat in den Alpen auch. Da ist so eine Kompressionszone, wo das dann richtig stark beschleunigt wird halt. Ganz genau, da ist dann dieser Venturi -Effekt deutlich und ganz unten im Louvre, da ist teilweise gar nichts. Also das, was vom Meer angeschoben wird, was dann in den Wettermodellen dann, da gemessen wird, das wird durch die Modelle, dieses Nanoklima und Mikroklima, was wir haben, das wird nicht korrekt wiedergegeben in den Modellen, in diesen Animationen zum Beispiel von Windy.
Und es gibt Piloten, die tatsächlich sich mit Windy vorbereiten, um die Startplätze zu finden. Die sind dann immer sehr überrascht, dass wir da geflogen sind, wo Windy gesagt hat, da geht es gar nicht. Und umgekehrt, die waren an Stellen auf der Insel gewesen, da war es unfliegbar, weil auch dann der Wind von hinten kam oder von den Bergen runter, obwohl er eigentlich von vorne kommen sollte.
Gibt es denn irgendwie ein Wettermodell, was du im Internet aufrufen kannst, wo du sagst, das gibt die Windverhältnisse, also das ist so fein gerechnet oder sonst was, dass es die Windverhältnisse ordentlich wiedergibt? Oder ist es wirklich einfach nur Erfahrung, die man als Inselflug, Meteo, Pilot und so weiter haben muss?
Ich bin der Meinung, ein aufmerksamer Pilot, der bei der Wetterkunde aufgepasst ist, und der auch weiß, dass es Webcams gibt, der auch in den Himmel gucken kann und die Wolkenzuggeschwindigkeit, die rotierenden Windräder richtig interpretieren kann, der Schaumkronen, Vögel - und Wolkenbildung ablesen kann, der braucht keine Modelle. Und die Modelle sind ja Bestätigung seines Wissens, beziehungsweise teilweise funktionieren sie ja nicht. Also ich bin der Meinung, es gibt keine Modelle, die blind veranschaulichen, was tatsächlich funktionieren wird die nächsten Tage. Der tägliche Blick aus dem Fenster, der tägliche Blick auf das Flughafenwetter, was ich dann auf die Topografie der steilen Insel projiziere, und zwar das Flughafenwetter von der Nachbarinsel, von Porto Santo, wo auf der Landebahn tatsächlich der echte Wind, der tatsächlich strömende Wind übers Meer gemessen wird, und die tatsächlichen Wolkenformationen, die auf Madeira rüber geschoben werden,
dieses Wetter transferiere ich. Ich habe die Webcams rund um die Insel, um zu bestätigen, wo die Wolken sind, wo die Schaumkronen sind, also wo die Probleme sind, also wo die Sicht nicht reicht und die Geschwindigkeit vom Wind zu stark ist. Für mich ist das Fliegen hauptsächlich zu sehen, wo sind die Grenzen, und das hole ich mir über Webcams, was passiert im Laufe des Tages, das hole ich mir über das Flughafenwetter. Plus schön anschauliche Wetterdiagramme von der Wetterzentrale. Aber ein Modell bildet das nicht ab. Ein einziges Windi -Modell mit allen möglichen Datasets, also von Meteo Blue und so weiter, da kann man ja alle möglichen Modelle auswählen. Das funktioniert leider nicht.
Das haben wir schon oft genug ausprobiert. Das führt dann zum Suchen der Nadel im Heuhaufen. Also man sucht zum Beispiel, man sucht die Nadel im Falle des Windes, dann kommt man zum falschen Heuhaufen.
Das heißt, wenn man als reisender Pilot auf die Insel fährt, läuft man häufig Gefahr, wirklich am falschen Startplatz zu stehen, wenn man nicht irgendwie einen Local hat, der einem da weiterhilft.
Genau, es lohnt sich ja immer, das Telefon dabei zu haben, und es kostet heutzutage ja keinen Cent mehr, das Roaming ist inklusive, und das Datenvolumen ist auch inklusive. Man kann mich da gerne anrufen, zwar nicht morgens um sieben bei Sonnenaufgang, bei solchen Flügen kann ich leider nicht assistieren, da träume ich noch von schönen Sonnenflügen am Nachmittag, aber im Grunde genommen stehe ich jederzeit zur Verfügung, um abzufragen, ob der Pilot an der richtigen Stelle ist, und kann ihn aufklären über alle möglichen Mikroklimaeffekte, wenn er an dem und dem und dem Startplatz zu der und der Uhrzeit ist, und was er sehen muss, damit er sich in Sicherheit wägen kann, und wie die Flugplanung dann von dem und dem Startplatz auch zu dem und dem Landeplatz aussehen würde. Also da kenne ich die Insel wie meine Westentasche.
Wie häufig hast du es selber auch schon erlebt, und damit auch vielleicht deine negativen Erfahrungen gemacht, dass irgendwelche komischen Wetterphänomene rund um so eine Insel auftreten, die dich dann in der Luft gewissermaßen überraschen? Also wie häufig passiert zum Beispiel, dass du bei dir fliegst, und dann bricht irgendwie doch der Passat durch, reicht von hinten rüber und kommt plötzlich als kalter Fallwind vielleicht bei dir irgendwie dann noch an?
Vorgestern erst wieder.
Mein Kollege ist noch gestartet mit Passagier. Bei mir hat es ein bisschen länger gedauert, länger gedauert, länger gedauert, und dann kam heiße Luft, kalte Luft, heiße Luft, kalte Luft. In der Vorhersage war auch klar, dass in der Höhe die Luft stark abkühlt. Es gab Invasionsschichten, unter der Invasionsschicht beschleunigte der Wind, und so weiter, und so weiter. Ich habe mich nicht wohl gefühlt, nach einer Viertelstunde Parawaiting mit Passagier schon angeklinkt, habe gesagt, na, das lassen wir mal lieber. Das wird die nächsten Tage besser. Und mein Fliegerkollege ist gelandet, ruft mich an und sagte nur, wenn er gewusst hätte, was auf ihn zukommt, wäre er nicht gestartet. Okay, er hat den Flug sauber zu Ende geführt. Es war kurz vor der Landung kamen halt Kaltluftmassen über die Berge rüber,
Warmluft vom Strand hoch und so weiter. Der Schirm ist niemals eingeklappt. Aber gemütlich und stressfreies Fliegen sieht anders aus. Also uns passiert, uns Einheimischen passiert fast nichts im Fliegen, was auf irgendein Wetterphänomen zurückzuführen wäre. Die, die hier fliegen, die haben das hier gelernt, die können die Vorzeichen alle ablesen, die wissen, was da kommt, beziehungsweise die spüren oder sehen halt die Gefahr, die im Anrollen ist, in Anführungszeichen. Also wenn die, wir fliegen ja tatsächlich so, da wird man in den Alpen niemals fliegen gehen. Du siehst fünf Kilometer weiter, okay, da sind die Schraubenkrone, 200, 300 Meter über dir, da biegen sich die Bäume.
Da fliegen wir, fliegen dann halt nicht so hoch. Wenn du das in den Alpen siehst, da gehst du nicht fliegen. Oder du heißt mit Nachnamen Mauer vielleicht und es ist gerade X
-Alps. Das heißt, du fliegst, du siehst Grenzen, wo du sagst, da vorne sollte ich auf jeden Fall nicht hinfliegen. Ich bin hier aber noch im safen Bereich. Aber woher weißt du, dass dein Bereich safe bleibt? Also dass du einfach sagst, okay, wenn ich mich in diesem Höhenband aufhalte, dann wird alles schon gut sein. Wie kannst du da so sicher sein?
Erstens permanentes Überprüfen während dem Flug. Immer wieder überlegen und vielleicht am Fluginstrument, also im Windversatz auch gucken, in welcher Höhe ich jetzt gerade unterwegs bin. Geht es schon aus dem Meer raus oder nicht? Der Übergang ist ja sehr oft geschmeidig. Der ist ja nicht digital. Zweitens die Wettervorhersage natürlich lesen, was im Laufe des Tages dann passiert. Was mit Windrichtung und Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Höhe passiert. Also einigermaßen eine Flugplanung, eine grobe Flugplanung über das, was im Laufe des Tages passiert. Muss ich nachmittags aufpassen oder wird alles gut? Also wird alles einfach? Das ist Grundvoraussetzung. Und wie gesagt, immer im Flug, auch mit den anderen Piloten, die da fliegen, vergleichen, was da so gerade los ist. Alle fliegenden Objekte sind ja Informationsquellen.
Und wenn die dann zu sehr schaukeln, obwohl das bei denen normalerweise nicht üblich ist, dass da der Schirm so schaukelt, dann muss man da nicht hinfliegen. Zum Beispiel. Also wir fliegen tatsächlich in einen Bereich, der von No -Go -Zonen umrandet ist. Über uns, rechts und links und außerhalb. Tatsächlich, ja. Das würde man nicht machen. Ich kann mich an eine Situation erinnern. Andelsbuch, glaube ich, war es gewesen. Du guckst nach Norden zum Startplatz, nach Norden raus und guckst dann Richtung Westen rüber und siehst dann über dem Bodensee die großen Wolken kommen und so weiter. Dann gehst du da normalerweise nicht fliegen oder du fliegst relativ schnell runter. Bei uns ist es anders.
Solange das da alles noch dahinten ist, so 1, 2, 3 Kilometer weiter und so weiter, da starten wir und fliegen wir. Weil wir wissen, das kann nicht näher kommen. Das sind ganz normale inseltypische Effekte. Aber das bedeutet halt, dass man das entsprechend ablesen kann und einschätzen kann.
Das braucht dann aber halt die entsprechende langjährige Erfahrung, dass du weißt, wenn da hinten die Wolken da so aus dem Tal rausgetrieben werden, das ist dann die Kaltluft, die da hinten runter fließt. Aber die kommt bei mir nicht unbedingt an. Oder wenn sogar vielleicht als Wirbel zurück wieder auf dich zugerichtet, weil die dann erst aufs Wasser rausgeht und da dann quasi wieder nach links oder rechts abbiegt und bei dir dann vielleicht sogar den Aufsinn erzeugt.
Genau, das liegt auch an der Topographie der Insel. Die Bergkette Richtung Westen. Die wird immer, immer niedriger. Und hinter unserem Schlachtplatz haben wir ein 400 Meter höheres Gebirge plus eine mehrere Kilometer große Durchmesser, glaube ich, 5 Kilometer Hochebene, die natürlich auch eine Warmluftquelle ist, eine Thermikquelle, die dementsprechend den Rückenwind auch noch einmal über uns drüber hebt. Und wenn man die Topographie kennt, wenn man weiß, klar, die Sonne geht da unter, dementsprechend gibt es in dem und dem Tal die ersten Schatten und die ersten abströmenden Windmassen, die man auf der Meeresoberfläche ablesen kann. Ja, wenn man dieses 1 und 1 und 1 zusammenzählen kann,
dann kann man sich ja gleich ausmalen, ist das noch gut hier oder wann soll ich landen gehen? Es ist dann ungünstig, wenn man vom Meer aus zum Landeplatz anlanden muss. Das ist dann, klar, jede trockene Landung. Und wenn man zu Fuß auch noch vom Landeplatz weggehen kann oder vom Toplandeplatz, ist immer noch eine gute Landung, aber das muss ja nicht sein.
Wie häufig ist dir schon passiert, dass du wirklich aufs Meer rausgetrieben worden bist und dann da notwassern musstest? Ich kann
mich an eine Situation erinnern, da habe ich sogar absichtlich die Wasserlandung gewählt. Da bin ich mit Thorsten Siegel innerhalb von einer Veranstaltung geflogen. Es könnte sein, dass es 2000 oder 2001 gewesen ist. Ich glaube, es war 2001. Ja, da haben wir uns alle gewundert, wie auf der Luftseite dann plötzlich die Luftmassen mit 5 Meter Richtung Meer runtergehen. Und wer mit 5 Meter senkrecht dann auf eine kleine Wiese runterfliegt, die rundherum mit großen Felsen umspickt, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder du federst das ab oder ich habe mir das Hafenbecken nebenan ausgesucht, weil schwimmen konnte ich und Beine brechen kann man sich da nicht. Der Schirm wird halt nass, das ist das Einzige.
Und wie gesagt, Material, Ausrüstung ist sehr schnell zu ersetzen, Knochen nicht. Und Thorsten Siegel hat sich dann auch gewundert. Er ist auch 200, 300 Meter weiter am Strand gelandet. Und ja, das hatten wir alle noch nicht so erlebt. Aber das sind halt so Effekte, da suchst du dir dann eventuell freiwillig das Meer. Das ist manchmal sogar lebensrettend, wenn man am Wasser landet, weil da kann man geborgen werden. An verschiedenen Stallküsten kann dir kaum jemand helfen. Geschweige denn, das sieht einer, dass du da gelandet bist. Oder runtergefallen bist. Aber aufs Meer selber vom Wetter rausgespült worden bin ich noch nicht. Ich habe das immer rechtzeitig erkannt.
Und es gibt ja Abstiegshilfen. Die sollte man natürlich auch nicht nur mal in der A - oder B -Theorie abgeprüft haben und abgehakt haben. Man sollte sie anwenden können, ob es B -Stall ist, Steilspirale oder, oder, oder. Das gehört zum Reparatur dazu.
Ist es denn schon trotzdem, wie jetzt deine 21 -jährige Madeira -Geschichte, schon häufiger vorgekommen, dass da dann auch Touristen, die sich halt mit vielen dieser Effekte nicht so auskennen, die auch die Wetterzeichen nicht so gut lesen können, dass es denen häufiger passiert, dass sie eben zwangsläufig im Wasser landen oder so?
Bei Urlaubsfliegern, bei Gästefliegern, die auch viel zu selten fliegen, die eigentlich hauptsächlich im Urlaub fliegen und dann da besonders viel Gas geben, habe ich schon mehrmals festgestellt, dass die bei Sonnenuntergang, wenn die kalten Luftmassen von den Bergen runterkommen, dann geht natürlich vorne an den Klippen die Thermik umso besser, bessere Temperaturdifferenz. Da gibt es welche, die drehen dann auf und konnten über die Insel drüber schauen und standen dann da oben im Nordwind. Also wenn abends diese Thermik besser funktioniert als mittags, wenn die Sonne scheint oder nachmittags, dann muss ich sagen, das hat was mit Übermotivation zu tun beziehungsweise mit Ignoranz und so weiter. Da braucht man sich nie wundern. Dass man dann im Meer landet. Also man sollte tatsächlich dann aufpassen, was man da tut, in welchem Element man ist, auf welcher Seite der Insel man ist.
Ich erkläre das gar nicht, weil wenn es schief geht, kriege ich auch meistens noch Anrufe und muss eine Erklärung abgeben und bin dann Anlaufstelle für alle möglichen Menschen. Und das ist natürlich sehr unangenehm teilweise. Und das habe ich, wie gesagt, nicht ausgesucht, als ich mir den Schlachtplatz da aufgebaut habe, dass ich mich auch mit sowas beschäftigen möchte. Ich möchte, dass die Leute alle glücklich sind, dass wir alle zusammen was feiern können nach jedem Flugtag und am nächsten Tag wieder fröhlich in die Luft gehen.
Was war von dir selbst so dein eigenes heftigstes Erlebnis mit seltsamen Wetter oder sonstigen Phänomenen beim Fliegen auf Madeira?
Ich habe ganz am Anfang, am Tag, als ich die Lebensversicherung unterschrieben habe, um die Haushypothek abzusichern, bin ich auf der Nordseite fliegen gegangen. Es war allerdings Sommer und da funktioniert die Nordseite ja relativ gut. Und dann bin ich rausgeflogen zum Ostkap, was gleichzeitig auch die Einflugschneise vom Flughafen ist. Ich erinnerte mich noch an die tollen Videos am Ostkap mit dem Raul und Richard und Felix, also den Akropiloten, mit Jimmy Pacher und so weiter. Die sind alle hinten rausgeflogen. Natürlich hatten die viel bessere Schirme, klar. Und die können auch viel besser fliegen als ich. Ich habe die Aufnahmen gesehen und habe gedacht, wow, heute ist der Tag, heute fliegst du da auch mal hin.
Und dann bin ich natürlich nicht mit den gleichen Waffen da unterwegs gewesen und kam dann ab einem gewissen Punkt dann hinten am Ostkap, hinter Maschiko, hinter Kanissal, also wo die Einflugschneise anfängt, wo der CTR schon längst angefangen hat, kam ich gar nicht mehr zurück. Es ging dann immer nur noch rückwärts und immer nur hoch in Richtung Flughafen. Und da habe ich dann gemerkt, hoppla, ab und zu sollte man probieren, dann mal zurückzufliegen, gucken, ob es noch geht. Es ging nicht mehr. Unter mir war auch ganz wenig Land und unter mir war auch eine große Klippe und ein riesen Leerrohr zu erwarten.
Und Hochspannungsleitung von einem Kraftwerk, von einem Industriepark. Und für mich stand fest, ich muss jetzt hier runter und zwar ganz schnell. Und was ich gut kannte, was ich sehr gut beherrscht habe, war Stahlspirale. Und die ging bis über 20 Meter, bis zu 24 Meter. Liegt natürlich am Schirm. Es geht wahrscheinlich heutzutage gar nicht mehr, wenn die Schirme gehen, kann ich nicht mehr so leicht runter. Und bei dieser Stahlspirale war dann plötzlich der Schirm dann oben weg. Und bei so einer hohen Beschleunigung und so hohen Fliehkräften, das habe ich nicht erwartet, dass dann der Schirm einklappen könnte. Im Roten, in turbulenter Luft ist tatsächlich passiert und von dem Schirm war nicht mehr viel übrig. Die Höhe hat noch gereicht. War noch 200, 300 Meter vielleicht über dem Boden.
Aber der Rettungsschirm, den ich da vor mir hatte, Frontrettung, das war halt nur die Tandemrettung. Die war für die Höhe natürlich viel zu groß. Also auch das noch rationell abzuschätzen, das hat mich echt gewundert, dass ich da so, ja, wie soll man sagen, so cool war, dass ich das noch nicht gemacht habe, die 60 Quadratmeter Tandemrettung zu werfen. Dann wäre ich garantiert irgendwo im Meer gelandet. So habe ich halt gewartet. Gewartet, gewartet, gewartet, gewartet, bis ich vielleicht nur 100 Meter hoch war. Und auf einmal ging der Schirm dann wieder auf und irgendwann auch dieses Riesenknäuel allein ging auch wieder auf, wie von Geisterhand. Und die Landung war dann extrem sanft in dem Industriepark, der gerade planiert worden ist, unter mir, wo auch jetzt Solarpanels montiert sind. Da könnte man heutzutage nicht mehr so notlanden.
Aber schlimm war, wie gesagt, der Adrenalinspiegel. Der war so hoch, ich habe 12 Stunden lang gezittert. Also unglaublich. Und dieses Erlebnis, wo auch unverarbeitete Lebensereignisse vom Sandkasten bis zur Gegenwart durch den Kopf schießen, dieses Erlebnis ist ziemlich schrecklich und steckt ziemlich lange in den Knochen. Und ich habe mir auch geschworen, dass ich das nicht wiederholen möchte. Also Voraussicht ist extrem, extrem wichtig. Also Stress beim Fliegen, das wirft dich so zurück, das nimmt dir dann die Sicherheit, die Erfahrung und alles wird fast auf null zurückgesetzt. Bist du dann nach einer Weile nicht geflogen? Na, ich bin sofort wieder geflogen am nächsten Tag.
Aber bei jedem kleinen Schütteln und Rütteln am Schirm bin ich fast wie zerstarrt, fast wie eine Eissäule. Also das steckte mir wochen-, monatelang in den Knochen.
Das heißt, du hast es aber dann irgendwie, durch immer wieder Fliegen und so weiter, hat sich das quasi aus dem System so langsam wieder rausgelöscht. Oder hast du dir auch noch anderweitig mentale Hilfe irgendwo geholt oder sowas?
Also ich habe mir diesen Schrecken, den habe ich mir aus den Knochen geflogen, durch tägliches Fliegen und natürlich dann wahrscheinlich irgendwann auch durch provoziertes Klapperziehen und Fullstalls und Basefalls. Und ja, da muss man sich intensiv mit der Materie beschäftigen, weil... Der Fehler war ja gewesen, da hinzufliegen. Der Fehler war ja auch gewesen, zu glauben, dass eine Steilspirale halt ein sehr, sehr stabiles Manöver ist, wo der Schirm nicht einklappen kann und so weiter. Gut, zum damaligen Zeitpunkt war mir das nicht so bewusst. Aber man lernt dazu. Ich lerne jeden Tag, dass du nach 21 Jahren jeden Tag fliegen, lerne ich jeden Tag immer noch dazu. So frei bin ich mittlerweile.
Hartmut, machen wir jetzt mal langsam zum Ende kommend. Hätte ich noch so ein paar touristische Fragen? Gerade für Höhrer, die vielleicht mal überlegen, nach Madeira reisen zu wollen und so was. Wann ist denn da so die beste Jahreszeit zum Fliegen? Auch wenn du sagst, ja, man kann das ganze Jahr über fliegen. Aber gibt es trotzdem so etwas wie eine Zeit, in der man sagen kann, zumindest zum Fliegen ist es die vielleicht trotzdem bessere?
Also wer gerne in kurzer Hose und T -Shirt fliegen möchte, der sollte im Sommer kommen. Da kannst du dann auch von wolkenfreien Bergen starten bei über 20, 25 Grad. Die Thermik ist leider nicht so gut. Wenn die Luft natürlich warm von Afrika rübergeschoben kommt, dann ist Streckenfliegen natürlich aufwendiger oder fast gar nicht möglich. Aber man kann jeden Tag viel länger fliegen. Wenn man im Herbst kommt, so ab Oktober, November bis März, April, wenn die Luftmassen, die vom Meer her kommen, kühler sind, da ist der Thermik -Spaß viel größer. Da ist auch für Akropiloten halt sehr viel Spaß garantiert, die Thermiken sind eng und stark, 5, 6, 7 Meter pro Sekunde. Also Akropiloten müssen da auch nicht unten landen, die können ihr ganzes Programm den ganzen Tag
oberhalb vom Startplatz ausleben. Also das ist aber dann wieder was für Aktivfliegen, Aktivpiloten. Und die weniger Geübten und Familienflieger, Urlaubsflieger, die sind sehr, sehr gut zwischen Mai und Oktober aufgehoben hier auf der Insel.
Wenn man so nach Madeira reist, du hast gesagt, du bietest ja selber auch Zimmer an, aber das ist ja dann wahrscheinlich auch relativ schnell, ausgebucht und so weiter. Was würdest du denn so als besten Standort auf der Insel ansehen, wenn man dorthin reist, vielleicht sogar einen Partner mitten hat, wo man sagt, oh, ich will zwar mal fliegen gehen, aber wir wollen auch mal wandern gehen oder sonst was. Wo sollte man, in welcher Ecke der Insel, sich da vielleicht am besten einquartieren, um so insgesamt die vielleicht kürzesten Anfahrwege zu den interessanten Punkten zu haben?
Also Gleitschirmfliegen findet extremst häufig, also fast jeden Tag in der Region Caleta, Madalena do Mar, Arco da Caleta, also auf der Südwestseite statt. Und wie gesagt, da gibt es auch Strände, da gibt es Tauchschulen, da gibt es direkt Wanderungen hoch in die Berge. Da ist der Tourismus noch sehr ländlich, wenig Hoteltourismus, hauptsächlich Apartment - und Ferienwohnungstourismus. Und das kann ich da nur empfehlen, weil das ist die sonnige Seite der Insel.
Wie siehst du das mit so klassischen Sachen, dass auch Leute pauschal buchen und sagen, sie haben dann irgendwo bei Funchal oder sowas ein Hotel, wo sie dann da untergebracht sind? Wäre das auch eine vernünftige Gesamtlösung oder würdest du lieber sagen, mach es eher etwas individueller?
Also mein Vorschlag wäre, es gibt Pauschalhotels, Pauschalreisen, speziell in der Ecke Canizzo, was das erste touristische Ziel der Insel war. Danach kam Funchal, aber das ist auch schon wieder eine halbe bis dreiviertel Stunde Fahrzeit vom Süden Westen entfernt. Und man muss ja auch abends dann wieder zurückfahren.
Wenn ich Natur möchte, Meer, Berge, Fliegen und so weiter, dann ist der Südwesten tatsächlich absolut der beste Bereich, den man sich ausruhen sollte. Es gibt hier auch Hotels, es gibt kleinere Hotels, große Hotels, die auch Pauschalangebote anbieten.
Funchal, ich finde Funchal, das ist eine sehr, sehr schöne Stadt. Ich finde es für mich aber auch ausreichend, dass man da hinfahren kann, eine halbe Stunde. Man kann dann den ganzen Abend da verbringen, den ganzen Tag verbringen und man kann dann abends wieder aus der Stadt raus. Sie ist schon deutlich hektischer, viel mehr Fahrzeugverkehr, viel mehr Leute, viel mehr Geräusche, natürlich auch viel mehr Abgase als hier draußen auf dem doch jetzt deutlich ausgebauten Land.
Wenn man als Flieger zu dir kommt, weil es ja auf die Insel kommt, gibt es da irgendwelche besonderen Vorschriften zu beachten? Also muss man irgendwelche Anmeldungen haben, spezielle Versicherungen? Sollte man irgendeine besondere Ausrüstung mitbringen?
Wenn man in Madeira kommt, klar, die normale Versicherung, der Flugschein ist ausreichend, die EpiCard schadet nicht, die fragt hier niemand ab. Aber klar, im Unfallfall ist es natürlich vorteilhaft, wenn man die Dokumente dabei hat. Was man nicht unbedingt braucht, man braucht keine Dreijacken, keine Thermohandschuhe, man braucht nicht Dreifluginstrumente und so weiter. Das kann man alles mitbringen. Liegegurtzeug kann man mitbringen. Man muss nicht unbedingt einen Bumerang mitbringen, das ist eher nur ein Nachteil. Da ist ein guter 1 -2er Schirm oder so was, ENB, High -End und C -Schirm ist komplett ausreichend.
Und ja, man sollte nicht nur mit Sandalen kommen. Wie gesagt, an einem Kiesstrand mit runden Steinen ist man auch schnell schon mal umgeknickt. Auch wenn man zum Strand runter geht, sind nicht so viele Sandstrände hier. Ansonsten würde ich sagen, man kann ganz normal hier herkommen, braucht keine besondere Vorbereitung. Das ist hier nicht Hochalpi, braucht keine Sauerstoffmaske oder sonst irgendwas. Ganz selten haben wir hier 3 oder 4 Tage oder 5 Tage im Jahr Schnee oben in den Bergen. Das heißt, alles sehr geschmeidig. Das ist die Insel des ewigen Frühlings oder Frühlings -Sommer. Und es gibt keine bösen Insekten, keine Schlangen und kein... Ach, ich weiß nicht. Ein anderes Ungeziefer, was einmal tritt hier.
Also es ist sehr entspannt hier auf der Insel.
Ist auf Madeira auch Streckenfliegen möglich? Und in welchem Rahmen?
Streckenfliegen, ja. Die Strecken, die von meinem Startplatz geflogen sind, sind so knapp 20, 25 Kilometer entfernt. Also viel weiter kommt man nicht. Dann hört die Insel auf oder der kontrollierte Luftraum vom Flughafen Funchal, vom Cristiano Ronaldo Flughafen begrenzt dann halt das Fliegen. Auf der Nordseite ist es ähnlich. Habe alle meine Flüge zwischen 2007 und 2018 dokumentiert in der globalen Flugdatenbank Leonardo. Also das ist direkt hier auch verlinkt vom DAV. XC ist die gleiche Plattform, nur die internationale. Da kann man alle Flüge nachschauen. Es gibt eine eigene Liga, die nennt sich XC Madeira Open. Da sind alle Flüge, die auf Madeira,
zwischen Madeira und Porto Santo, die sind im Planquadrat, stattgefunden. Die sind da alle dokumentiert. Und da kann jeder reinklicken und sich in den entsprechenden Jahreszeiten und Jahren orientieren, wann wo welche Flüge gemacht worden sind. Ich habe meistens da so um die 500 Flüge einreichen können pro Jahr.
200 bis 300, 350 Flugstunden pro Jahr, problemlos.
Da kann man reichlich recherchieren. Es gibt dementsprechend auf Thermel 7kk, glaube ich, das ist auch so eine Internetplattform, wo Thermiken und Flugstrecken visualisiert sind. Da kann man auch nach Madeira da mal reinzoomen und sieht dann deutlich die Hotspots, wo geflogen wird, wo die meisten Flüge sind, die größten, die besten Strecken und Thermiken. Es gibt reichlich Informationsmaterial. Wer das haben möchte, ich kann auch die Links schicken. Das ist als Hintergrundinformation vielleicht ganz hilfreich. Es gibt auch eine Weltflugdatenbank mit den Fluggeländen. Paragliding 365, Paragliding Earth, da findet man auch Stachplätze. Also man kann sich auch schon zu Hause vorbereiten. Aber wie gesagt, vor Ort stehe ich immer zur Verfügung.
Man kann mich whatsappen oder per Signal chatten und so weiter. Wir kommen zusammen und jeder kriegt die Information, dass er dann ein möglichst optimales Flugerlebnis erlebt.
Strecken fliegen, hast du gesagt, von dir sind so 20 Kilometer möglich. Wenn ich mir das Gelände so vorstelle, beziehungsweise aus der Erinnerung, was ich da noch so habe, da ist ja wirklich Strecken fliegen obenrum. Wenn man nicht unten am Strand landet, gibt es so gut wie gar keine Landemöglichkeiten. Es sind auch immer zum Meer hin, gibt es immer so halt die kleinen, ziemlich schroffen Täler, die dann immer mit kleinen Bächlein dann dort unten reinfließen und sowas. Also es ist schon, wenn man dort Strecke fliegen will, ist es quasi so, dass man sollte wissen, was man tut, beziehungsweise man muss sich einiges trauen.
Siehst du das auch so?
Das ist so. Was ich aber erfahren habe, wie gesagt, wenn ich mit meiner klassischen DRV -Flugausbildung da herkam und geflogen bin, dann habe ich erst mal zu wenig Landeplätze gesehen für meinen Geschmack. Tatsächlich ist es so, du fliegst, du hast Thermik, solange es hochgeht, brauchst du ja nicht nach unten gucken. Ich habe von vielen Schweizer Gleitschirmfliegern gelernt, die sind ins Landesinnere geflogen, wo überhaupt kein Landeplatz ist, aber da gab es halt Thermik. Und solange es hochgeht, brauchst du dich um Landeplätze nicht zu kümmern. Ist nicht unbedingt meine Strategie. Ich hätte gerne immer noch direkt einen Zugang zu Plan B, den hätte ich auch gerne immer sichtbereit. Das ist an so einer steilen Landschaft wie Madeira oft gar nicht möglich, dass man den Landeplatz sieht. Wenn man aber dann Richtung Küste rausfliegt und sieht, ah, okay, ich bin 500 Meter hoch, ich kann ja eigentlich noch fünf Kilometer gleiten, da ist immer was.
Das ist halt nur visuell sehr, sehr ungewöhnlich, dass man das halt nicht so sieht, dass es da Landeplätze gibt. Man findet praktisch immer was, also muss man sich natürlich klar rechtzeitig drum kümmern. Wenn man dann nur noch irgendwo abgeleitet und hofft, dass man irgendwas findet, das ist natürlich dann nicht gerade die beste Variante.
Das heißt, die Flanken von der Insel sind im Grunde so steil, dass man normalerweise zumindest bis zum Meer noch vorfliegen kann und dort dann vielleicht doch noch die kleine Bucht, den kleinen Steinstrand oder sonst was da noch trifft.
Genau, und meistens gibt es ja da unten in der Küste entlang auch Straßen und Wege. Also das heißt, der Anschluss an die Zivilisation ist garantiert und man kommt dann auch wieder weg. Wenn man da irgendwo gelandet ist. Oder mit Autostopp kommt man dann auch weg. Und ja, die schlimmsten Erlebnisse sind, dass man sogar direkt bis zum Startplatz wieder per Autostopp kommt, obwohl derjenige, der einen da herfährt, gar nicht den Plan hatte, dich da abzusetzen. Und die kommen dann auch noch gucken und tragen dir den Schirm auch noch runter. Wir haben ja Sachen erlebt, das war so extrem lustig. Also anders, als ich es im nördlichen Alpenraum erlebt habe.
Wo liegt der
Streckenflugrekord von Madeira?
Ich meine, zu wissen, dass ich den immer noch innerhalb meiner Halte mit 73 oder 74 Kilometern, den habe ich aber, glaube ich mal, muss ich nachschauen, auf der Nordseite geflogen. Das ist aber dann auch eine akkumulierte freie Strecke mit drei Turnpoints und so weiter. Also mit, wie ist das dann, sind das vier Schenkel, ja? Genau, drei Turnpoints. Das heißt, da
reitet man dann eine Flanke von dieser Insel mehrmals von West nach Ost ab und dann landet man irgendwann unten am Strand.
Oder du landest, weil dein GPS unterwegs mal leer ist. Ja, das ist mir dann halt passiert. Nach über 66 Kilometern oder sonst was. Das war dann halt auch ein bisschen frustrierend. Ja, das ist tatsächlich so, dass man, wenn eine gute Wettersituation eintritt, dass man da gar nicht kurbeln muss. Wie gesagt, Alfredo Studer, der hat ja mal den XC World Cup gewonnen, der hat es so beschrieben, dass die 15 Kilometer auf Madeira so ungefähr so anstrengend sind wie 100 Kilometer in den Alpen. Weil wenn man dann da höher macht, dann ist man ruckzuck an der Basis. Das heißt, 300, 400 Meter hat man Arbeitshöhe. Dann hast du nur 2, 3 Kilometer Reichweite, bis du die nächste Thermik finden musst und so weiter. Und in den Alpen ist das ja natürlich alles eine andere Dimension. Und so muss man sich das vorstellen.
Das ist die 1200, 1300 Kilometer Alpen geschrumpft auf 60 Kilometer. Und da findet dann halt auch Fliegen im Reagenzglas statt, kann man sagen. Also auf engstem Raum oder der Sturm im Wasserglas.
Und hast du gerade gesagt, du hast deine Flüge alle hochgeladen? Bis zum Jahr 2018? Danach nicht mehr? Und warum nicht?
Ganz banal, ich habe das Laptop gewechselt. Ich habe es nicht geschafft, irgendeinen Treiber da zu installieren für die alte serielle Schnittstelle. Ich habe da noch einen Ercodec XC Trainer mit serieller Schnittstelle gehabt. Und da ist es mir tatsächlich nicht gelungen. Und dann habe ich das mal kurz einschlafen lassen. Und dann habe ich es auch komplett liegen lassen. Das waren 10 oder 11 Jahre genug, festzustellen, dass man ja fast jedes Jahr auf Nummer 1 der Welt in Flügen oder in Flugstunden sein kann. Also immer in den Top 10 in dieser statistischen Auswertung. Und das hat dann auch gereicht.
Heutzutage fliegst du ja auch mit dem Handy und kannst direkt nach dem Flug einen Druck des IGC -Files hochladen und so weiter. Das mache ich jetzt auch nicht mehr.
Bist du über die Jahre ruhiger geworden als Flieger?
Ich bin extrem ruhig geworden. Morgen ist ein Tag. Übermorgen ist ein Tag. Ich habe zwei Tandempiloten, die auch top sind, die sehr, sehr gut auch mit den Passagieren umgehen können. Ich helfe denen. Die haben Familie, die haben Kinder. Coronabedingt haben die dementsprechend ein bisschen mehr Ausfall als ich. Und denen helfe ich gerne und lasse die immer vor und unterstütze jeden, damit er viel Spaß hat beim Fliegen, jeder Urlauber und so weiter. Also dass ich vorfliege und zeige, dass es doch geht, die Zeiten sind so ziemlich vorbei. Das mache ich ganz selten noch mal oder für Fernsehaufnahmen. Jetzt nächste Woche haben wir da wieder was für ein großes Musikvideo und so weiter. Klar, da mache ich natürlich mit. Aber die verrückten Zeiten, die wilden Zeiten, die habe ich hinter mir gelassen.
Nun fliegst du hauptsächlich nur noch an deinem Startplatz mit einem kleinen Radius drumherum, was man da so hauptsächlich auch streckenflugmäßig so machen kann. Wenn man das 21 Jahre jetzt schon macht, ist einem das nicht irgendwann leid, beziehungsweise ist das einem nicht langweilig, immer am selben Spot zu fliegen, wo du sagst, eigentlich, den kenne ich jetzt schon wie meine Westentasche. Gibt es da immer noch irgendwelche positiven Erlebnisse und wirklich Überraschungen, wo du sagst, hey, da ziehe ich immer noch Energie raus?
Das ist tatsächlich jeden Tag der Fall. Und ich fliege nur, wenn es mir Spaß macht. Und das ist fast jeden Tag der Fall. Das ist kein Witz, das verstehen viele Menschen nicht. Die fragen halt, der fliegt an der gleichen Stelle und jeden Tag das Gleiche und so weiter. Jeder Flug ist anders, jede Minute ist anders. Es gibt hier für mich, ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier in einer Routineschleife fliege. Das ist immer wieder was Neues. Die Gerüche, die Düfte, die Aussichten, wie gesagt, mit Passagieren sowieso, das Feedback. Und für mich gibt es nach 21 Jahren immer noch ganz, ganz, ganz viel Spaß. Keine Routine, auf keinen Fall. Jeder Flug ist neu. Und jede Top -Landung ist neu. Es ist immer wieder eine neue Herausforderung.
Gibt es einen Flug, den du auf Madeira gerne noch machen würdest? Irgendwie so auf deiner To -Do -Liste, Bucket -Liste oder sonst etwas stehen hast?
Was ich noch nie erfolgreich abgeschlossen habe? Ein Flug von den Gipfelspitzen. Das hat ein bisschen andere geschafft. Das zum Beispiel war Mario Eder, hat das gemacht. Und auch mit Hochleistungsschirm und sind an der Landung, hatten auch nur noch eine Kurve machen können, um am Landeplatz dann noch einzuladen. Das ist ein sehr, sehr interessanter Landschaftsflug mit kaum Höhengewinn unterwegs. Den habe ich bisher noch ausgelassen. Aber es kommt der Tag, dann gehe ich dann die Berge hoch und vielleicht noch mit einer Leichtausrüstung. Dann mache ich den Flug irgendwann mal. Und ziehe mir dann die Landschaft da rein, die da unter mir dann vorbeigleitet.
Das ist momentan noch nicht passiert, weil immer noch sehr, sehr viele Passagiere kommen. Und weil ich auch reichlich Spaß habe, mit Passagieren und mit den anderen Piloten dann bei mir am Startplatz unterwegs zu sein. Aber irgendwann zieht es mich mal wieder hoch in die Berge, in die Einsamkeit. Und dann mache ich auch diese Flüge wieder. Das
wäre also ein Flug vom Höchsten, vom Höchstenberg von Madeira. Das sind irgendwie ein bisschen mehr als 1800 Meter, glaube ich. Und dann nach Norden oder nach Süden?
Das kann nach Norden oder nach Süden gehen. Zum Süden hin sind sehr, sehr tiefe, steile Schluchten auf dem Weg. Besonders reizvoll. Aber ganz, ganz wenig oder gar keine Landeplätze. Es wird wahrscheinlich eher Richtung Norden gehen. Also es geht vom Pico Ruivo 1861 Meter. Da gibt es eine Startfläche, die reicht gerade für den Gleitschirm. Da darf nicht viel Wind sein. Da sollte aber ein bisschen Wind sein. Das ist auch nicht oft der Fall. Es wird wahrscheinlich ziemlich früh morgen sein, bevor die Wolken sich zuziehen. Und das, denke ich mal, es könnte Flug auf der Nordseite sein. Da gibt es auch noch Landemöglichkeiten, nicht so tiefe Schluchten und Windsysteme, die dann unberechenbar wären.
Das ist noch auf meiner To -Do -Liste. Also ich bin da bisher immer nur hochgewandert, hochgewandert, hochgewandert. Und naja, du sitzt dann da oben. Und denkst, ja, wäre schon geil, von da oben auch zu fliegen. Beim Hochwandern hast du immer deine Ausrüstung dabei gehabt?
In den letzten Jahren auch nicht mehr so sehr. Wenn ich dann da zum Beispiel zum Wandern unterwegs bin, dann gehe ich tatsächlich nur zum Wandern. Also bis vor fünf, zehn Jahren hatte ich immer den Schirm dabei. Aber mittlerweile kann ich auch da abschalten und sage, okay, heute lassen wir mal den Schirm da zu Hause. Den brauche ich nicht immer dabei zu haben.
Okay, Hartmut. Ich danke dir für deine Erzählung rund um die Insel Madeira mit allen ihren wirklichen Höhen und Tiefen beziehungsweise allen ihren Schwierigkeiten meteorologisch und was, worauf man da alles achten muss. Sicherlich eine sehr, sehr spannende Geschichte. Ich wünsche dir, dass du diesen tollen Flug vom Gipfel Madeiras dann nochmal irgendwann schaffen wirst. Und wenn nicht, wahrscheinlich, wenn du sagst, du bist ruhiger geworden und insgesamt wirst du wahrscheinlich auch so noch genießen, wenn du bei dir einfach am Startplatz sitzen kannst und den anderen zuschaust, wie sie versuchen, bei dir an der Klippe wieder top zu landen, oben auf dem schön eingesähten Berg. Dann kannst du auch mal auf dem grünen Rasen und drum rum irgendwelche Hühner picken und so weiter.
Ich habe mittlerweile auch eine Ziege, eine Startplatzziege, kümmert sich gerade um die Brombeeren in der Nachbarschaft, die hier reinwachsen. Und die Hasenmäher oder Rasenmäher, also Hasenmäher, die nachts sich um den Rasen kümmern, die sind jetzt auch gerade wieder in Vorbereitung. Die werden gerade trainiert. Also wir haben da tatsächlich relativ biologische Bedingungen. Also wir haben da, wir arbeiten nicht mehr am Rasenmäher. Wir arbeiten tatsächlich mit den Tierchen, unseren Haustieren, die auch ein kleiner Kinderzoo sein können für die Passagiere, die dann ihre Kinder mitbringen. Also auch ganz toll. Küken laufen da rum. Es ist aber alles frei, also ist nichts eingezäunt. Und ich glaube, das ist auch ziemlich einmalig in der Welt, am Startplatz so etwas vorzufinden. Und ein Pool und Unterkünfte teilweise im Untergrund. Das ist auch noch ziemlich neu.
Dank des großen Cs hatten wir viel Zeit, um uns hier auszutoben und hier Sachen zu basteln und zu bauen, um die Infrastruktur auszubauen. Also wir haben den Kopf nicht hängen lassen. Wir haben hier andere Sachen gemacht. Klasse,
Hartmut. Dank dir also für deine Erzählung und dir alles Gute.
Das war Hartmut Peters im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du mehr zum Gleitschirmfliegen auf Madeira, Hartmuts Flüge und seine Angebote für Gastpiloten auf der Insel erfahren willst, dann findest du in den Shownotes zu dieser Podcast -Folge auf Looglides eine Reihe von weiterführenden Links. Wenn dir die Folge gefallen hat, dann höre und empfehle Podz-Glidz doch weiter. Du findest alle Podcast -Folgen auf Looglides und Soundcloud. Sie stehen auch in bekannten Audio -Katalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc. Natürlich kannst du Podz-Glidz im Podcatcher deiner Wahl auch abonnieren.
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