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59. Hangloose - Eki Maute

// Eki Maute, Lucian Haas · 2021-06-26 · 01:11:20 · original episode

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[show notes]
Eki Maute leitet seit über 20 Jahren Gleitschirm-Sicherheitstrainings und hat eine ganz eigene Vorstellung vom Glück des Fliegens. +++ Stell Dir einen Sicherheitstrainer vor, der selbst am liebsten ohne Helm, Protektor, Rettung und dann noch barfuß fliegen geht. Für DHV-Lehrmeinungs- und Sicherheitsapostel wirkt so ein Freigeist natürlich wie ein Dorn im Auge. Allerdings ist Eki Maute, Leiter der Flugschule Achensee, eine anerkannte Größe in der Szene. Bei aller Provokation: Sein Wort, sein Wissen und seine Erfahrung haben Gewicht. Eki geht es vor allem darum, dass das Fliegen die Menschen glücklich machen sollte. Sicherheit gehört dazu, aber auch diese Momente des vollkommenen Loslassens. „Hangloose“ nennt er seine liebste Flugfigur oder Flugübung, bei der es darum geht, einfach nur unterm Schirm abzuhängen und das Gefühl des wohligen Getragenseins im Hier-und-Jetzt zu erleben. Wer nun meint, das klinge etwas spirituell, der liegt nicht falsch. Allerdings kennt Eki auch die andere Seite: Das Schauen auf Leistungsmaßstäbe, der Vergleich mit anderen, die Lust sich zu messen und mit seinem Können zu imponieren. In dieser 59. Folge von Podz-Glidz erzählt Eki Maute von all dem. Wir sprechen darüber, wie er zum Fliegen fand und zum Sicherheitstrainer wurde; welche prägende Rolle Fluglehrer für ihre Zöglinge haben; was einen guten Piloten ausmacht; die enormen Leistungsansprüche heutiger Piloten; die spirituelle Seite des Fliegens und warum es für ihn noch immer so wichtig ist, im simplen Fliegen das pure Glück zu finden. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://www.lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Wandering Soul Artist: Asher Fulero https://www.youtube.com/watch?v=3_LCO0mQCjM

[transcript]

0:05Eki Maute

Wenn diese Menschen unten stehen und diese Flugfiguren geflogen haben, diese Strecken, was weiß ich, vielleicht könnten sie sich auch mal fragen, hey, wie glücklich bist du jetzt? Und dann sagt er, oh, ich bin total glücklich. Und dann sagst du vielleicht, ich bin auch total glücklich. Und dann ist doch völliger Bullshit, sich jetzt zu fragen, wer noch länger geflogen ist oder was. Dann wäre es doch eher cool zu sagen, bin ich jetzt glücklich? Bist du glücklich? Okay, passt doch. Komm, dann gehen wir jetzt ein Bier trinken.

0:43Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Eki Maute und Lucian Haas am Mikrofon.

0:58Lucian Haas

Stell dir einen Sicherheitstrainer vor, der selbst am liebsten ohne Helm, Protektor, Rettung und dann noch barfuß fliegen geht. Für DRV -Lehrmeinungs - und Sicherheitsapostel wirkt so ein Freigeist natürlich wie ein Dorn im Auge. Allerdings ist Eki Maute, Leiter der Flugschule Achensee, eine anerkannte Größe in der Szene. Bei aller Provokation, sein Wort, sein Wissen und seine Erfahrung haben Gewicht. Eki geht es vor allem darum, dass das Fliegen die Menschen glücklich machen sollte. Sicherheit gehört dazu, aber auch diese Momente des vollkommenen Loslassens. Hang loose nennt er seine liebste Flugfigur oder Flugübung, bei der es darum geht, einfach nur unterm Schirm abzuhängen und das Gefühl des wohligen Getragenseins im Hier und Jetzt zu erleben.

1:45Lucian Haas

Wer nun meint, das klinge etwas spirituell. Der liegt nicht falsch. Allerdings kennt Eki auch die andere Seite. Das Schauen auf Leistungsmaßstäbe, der Vergleich mit anderen, die Lust sich zu messen und mit seinem Können zu imponieren. In dieser 59. Folge von Podz-Glidz erzählt Eki Maute von all dem. Unter anderem, wie er zum Fliegen fand und zum Sicherheitstrainer wurde, welche prägende Rolle Fluglehrer für ihre Zöglinge haben, was einen guten Piloten ausmacht, die enormen Leistungsansprüche heutiger Piloten, die spirituelle Seite des Fliegens und warum es für ihn noch immer so wichtig ist, im simplen Fliegen das pure Glück zu finden. Bevor du gleich in die Gedankenwelt von Eki Maute eintauchst, erlaube mir noch einen kurzen Hinweis.

2:31Lucian Haas

Für mich sind solche Gespräche, die ich für Podz-Glidz führe, auch stets Glücksmomente. Aber vom Glück allein kann ich als freier Journalist nicht leben, geschweige denn meine Familie ernähren. Die Zeit, die ich hier hineinstecke, will irgendwie finanziert sein. Wenn dir also gefällt, was ich hier biete, dann werde doch zum Förderer von Podz-Glidz und dem zugehörigen Blog LOOGLIGHTS. Zahlungen sind ganz einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf der Website von LOOGLIGHTS und zwar dort auf der Seite Fördern.

3:07Lucian Haas

Eki, was suchst du beim Fliegen?

3:13Eki Maute

Das geht ja schon gut los.

3:18Eki Maute

Ich habe lange was gesucht beim Fliegen. Ich fliege jetzt schon drei Jahrzehnte, über drei Jahrzehnte. Und ich glaube schon, dass ich jetzt schon ein paar Jahre fliegen werde. Ich glaube schon, dass ich ziemlich das gefunden habe beim Fliegen und

3:31Eki Maute

gar nicht mehr auf der Suche bin beim Fliegen, sondern das Fliegen einfach nur noch nehme, weil es da ist, weil ich es darf, weil es sich richtig anfühlt.

3:44Eki Maute

Suchen. Früher habe ich viel gesucht im Fliegen. Die Selbstverwirklichung, die Weite, das Abenteuer, Prüfungen, Wettkämpfe. Sich bestätigen, ganz viel. Jetzt sind wir schon ziemlich dicht dran. Und inzwischen ist es eher so, dass ich fliege und dann nicht das Gefühl habe, dass ich jetzt auf der Suche bin, sondern es ist einfach so, wie wenn du ins Wasser gehst und dann bist du im Wasser. Aber du suchst jetzt nicht unbedingt irgendwas im Wasser. Es fühlt sich halt gut an.

4:23Lucian Haas

Würdest du sagen, du hast da etwas gefunden oder hat es dich gefunden?

4:32Eki Maute

Du stellst Fragen.

4:37Eki Maute

Wenn ich so zurückdenke. Wenn ich so zurückdenke an meinen ganzen Werdegang, was das Fliegen anbelangt, würde ich schon so sagen, es hat mich geholt. Es hat mich angesprochen. Ich habe damals, als ich im Studium war oder noch früher, darauf reagiert.

4:59Eki Maute

Ich würde es sogar so ausdrücken, das Fliegen hat mich eingeladen und ich habe die Einladung angenommen. Ja genau, das passt gut für mich. Wie kam diese Einladung? Was hast du da als Einladung gespürt?

5:14Eki Maute

Bei mir war es, wenn ich ganz, ganz früh anfing, so von Kindesbeinen an, so wie wahrscheinlich vielen Menschen der Wunsch zu fliegen, da ganz, ganz stark träume, wo ich fliegen kann, dann war ich bei der Bundeswehr bei den falschen Megern. Aber das war nicht das Fliegen, das mich eingeladen hat, sondern das Fliegen, das mich eingeladen hat, war auch nicht das Drachenfliegen interessanterweise. Ich habe so einen Ausflug gemacht über das Drachenfliegen, so 1987, sondern die eigentliche Einladung, wenn ich jetzt da so rein spüre, war das erste Mal an einem Übungshang am Balsberg in Unterwüssen, einem Blow -up, das war der erste Gleitschirm vom Dolly Zalek, Daniel Düsentrieb, da durfte ich so runtergleiten und ich glaube, da hat diese Einladung begonnen.

6:07Eki Maute

Und das hat mich einfach fasziniert und berührt. Ja. Und

6:14Lucian Haas

das war einmal einen Übungshang runterlaufen und dann warst du gefangen?

6:20Eki Maute

Der Übungshang in Unterwüssen, der ist sehr steil und die Gleitschirme damals hatten ja eine Gleitzahl von drei, dreieinhalb vielleicht. Und dieses Runtergleiten, Runterfallen, das war ja kein Fallen, das war kein Gleiten, das war einfach so dieses langsame Runterschwappeln durch die Luft durch, das hat mich dann so, ja, ich konnte, ich konnte das nicht. Ich konnte der Einladung gar nicht ausweichen, ja, sondern das war einfach so intensiv. Ich habe damals studiert in Rosenheim, ich habe dann auch noch weiter studiert, ja, aber letztendlich war so ein bisschen mein Schicksal vorgegeben, ja, ich konnte dieser Einladung gar nicht mehr ausweichen, sondern ich habe mich da voll drauf eingelassen, ja, und seitdem fliege ich, ja.

7:09Lucian Haas

Wir haben jetzt in den letzten paar Tagen ein Sicherheitstraining gemacht und da hast du in einem, bei einer deiner, ich sage es mal, Ansprachen und so, hast du gesagt, ja. Ich fliege eigentlich mein Leben lang. Du hast auch vorhin gesagt, als Kind habe ich mir schon vorgestellt zu fliegen oder sowas. Kannst du dich an deinen ersten Flug erinnern, den du als Flug erlebt hast?

7:36Eki Maute

Das kann ich definitiv nicht, ja. Ich könnte suchen und sicherlich eine ganz tolle Geschichte daraus machen, wenn ich bemühen, mich bemühen würde, aber ich kann mich jetzt nicht an diesen ersten Flug erinnern. Da kommt nichts, muss ich. Nein, das kommt nichts. Es kommen jetzt ganz viele Flüge, aber dieser eine Flug, auf den du jetzt da so raus willst.

8:00Eki Maute

Mein Gefühl sagt mir, es hat schon viel früher stattgefunden in meiner Kindheit, ja, irgendwie eher in meinem Kopf, in meiner Fantasie, wo es Gleitschirme noch gar nicht gab. Aber ich kann jetzt keinen Flug nennen.

8:13Lucian Haas

Nein, kann ich nicht. Dann springen wir nochmal nach Unterwürsten an diesen Übungshang, steil, wo du dann darunter gesprungen bist. Nachdem du das zum ersten Mal gemacht hast und gesagt hast, es hat dich gefangen. Du warst jetzt dort,

8:28Lucian Haas

warst zwar noch studiert, aber es ging dann immer mehr in Richtung Fliegen. War dir der Rest dann auch egal, sodass du gesagt hast, es zentriert sich so ums Fliegen rum, dass du es eigentlich wie so ein Motto ums Licht sagst, das ist jetzt mein Lebenszentrum, der Kern?

8:49Eki Maute

Jein. Natürlich, wenn so ein junger Kerl, wenn der von irgendwas angefixt ist und ich vergleiche es mal auch mit einem Verliebtsein. Man hat diese rosa -rote Brille auf, man brennt nur noch für das eine Mädel oder für die eine Sache und lässt das andere rechts und links liegen. Ganz so krass war es nicht. Ich habe ja damals studiert und ich wollte ja auch das Studium fertig machen. Das war so mein Plan. Was hast du studiert?

9:21Eki Maute

Holstechnik, Ingenieurwesen Richtung Holstechnik in Rosenheim. Ich bin Zimmerer und ich wollte einfach dann in die Richtung gehen. Und dann kam dieses Gleitschirmfliegen und dann war das so eine Sache von einem halben Jahr, von einem Jahr, wo ich so nicht genau wusste, hey, wo soll ich jetzt hin, was soll ich jetzt machen? Dieses Fliegen hat mich total in Bann gezogen. Ja, mit dem Verliebtsein, ich glaube, das ist ein guter Vergleich. Man lässt dann das andere vielleicht ein bisschen hinten, aber letztendlich muss man ja auch leben, man will ja auch weitermachen. Natürlich gibt es auch die Stimmen. Von außen, hey, du kannst jetzt dein Studium nicht hinschmeißen, nur wegen dieser Fliegerei. Ich meine, 87 oder wann das war, da hat man Gleitschirmfliegen noch nicht gekannt.

10:10Eki Maute

Das war jetzt nichts, wo man sagt, hey, ich weiß noch, meine Mutter hat gar nicht gewusst, was das ist. Oder wo ich mir Geld geliehen habe für meinen ersten Gleitschirm von meinem Onkel, von meinem Patenonkel. Den musste ich erst mal erklären, für was ich jetzt 3.000 Mark brauche.

10:27Eki Maute

Und ich habe das andere, das Studium. Nicht einfach nur liegen lassen, das war mir scheißegal, sondern ich habe versucht, zweispurig zu fahren. Was mir aber dann nicht gelungen ist. Im Studium bin ich immer schlechter geworden. Und im Fliegen, in Anführungsstrichen, immer besser. Ich bin halt viel geflogen, bin viel auf dem Weg gewesen. Und klar hat mich das dann immer mehr auf die Seite gebracht. Und jetzt kommt meine Mutter wieder ins Spiel. Meine Mutter hat immer zu mir gesagt, du musst das machen, wo dein Herz dich hinführt. Und mein Herz hat mich ganz klar zum Fliegen geführt. Mein Kopf zum Studium und mein Herz zum Fliegen. Aber letztendlich habe ich das nie bereut, dass ich diesen Herzensweg gegangen bin. Hast du dann noch zu Ende studiert? Nein.

11:12Eki Maute

Am Tag des Vordiploms, also im Vordiplom bin ich quasi durchgefallen. Und ich musste dann nochmal in zwei Fächern in eine Nachprüfung. Und es war ein wunderschöner Tag zum Fliegen. Und ich weiß das auch noch ganz genau. Ich saß in dieser Maschinenelemente, das ist das spannende Thema. Und ich saß in der Prüfung drin von Maschinenelemente. Und es kam genau auf diese Prüfung an. Es war ein super schöner Tag zum Fliegen. Und der Heuberg war nicht fern. Das ist so ein Berg südlich von Rosenheim, wo ich viel war. Und ich habe die Aufgabe gelesen, morgens um neun in der Uni. Und ich habe die Aufgabe gar nicht verstanden. Also es war wie damals als Kind in der Grundschule. Ich habe eine Textaufgabe bekommen. Und ich konnte natürlich die Lösung gar nicht angehen für diese Textaufgabe. Weil ich den Text nicht verstanden habe.

11:59Eki Maute

Und dann war ganz klar, okay, das war es jetzt. Und dann weiß ich noch, wie ich hingeschrieben habe. Ah, ich verstehe die Aufgabe nicht, aber heute ist ein schöner Tag zum Fliegen. Und ich gehe jetzt zum Fliegen. Und dann bin ich raus und bin mit meinem Radl an den Heuberg gefahren. Und es war einfach ein geiler Tag.

12:15Eki Maute

Das

12:16Lucian Haas

heißt, du hast dein Studium nicht geschmissen, sondern du hast es weggeflogen quasi.

12:20Eki Maute

Ja, ich bin letztendlich gescheitert. Da habe ich versagt im Studium, muss man ganz klar so sagen. Aber es war auch nicht schlimm. Dafür sind andere Türen aufgegangen.

12:30Lucian Haas

Das war jetzt, wo du sagst, okay, hast du dich auch für deinen Lebensweg, fürs Fliegen entschieden? Ja, ja. Aber dann hat es ja wahrscheinlich noch eine Weile gedauert, bis du zu einem Fluglehrer oder zu etwas geworden bist, mit dem man dann auch Geld mit dem Fliegen verdienen kann. Oder ging das ganz schnell?

12:50Eki Maute

Ja, das ging ganz schnell. Es war wirklich spannend. Mein Fluglehrer damals am Baresberg, der Martin, Martin Ocker. Das gibt es heute ja noch, die Süddeutsche Gleitschirmschule. Und wir haben ein ganz schönes Verhältnis wieder miteinander. Wir haben auch zusammen die Flugschule gehabt, 15 Jahre lang in Chiemgau. Und der Martin hat, da war ich noch im Grundkurs an diesem Übungshang, von dem ich vorher erzählt habe. Ich konnte noch gar nicht landen. Meine Landungen waren immer so, dass ich auf dem Hintern gelandet bin. Also ich habe relativ lange gebraucht, bis ich landen konnte. Ich war jetzt nicht unbedingt der Begabteste, kann man wirklich nicht sagen. Sondern ich bin drei, vier Tage immer auf dem Hintern gelandet. Und so am dritten, vierten, fünften Tag sagt der Martin zu mir, Eki, du wärst ein sehr guter Fluglehrer. Dann habe ich ihn angeschaut und gesagt, Martin, ich kann nicht einmal landen.

13:39Eki Maute

Und dann sagt er, doch, überleg doch einmal, ob du nicht Fluglehrer werden willst. Und dann hat das natürlich in meinem Kopf rumort und in meinem Körper sowieso. Und durch das, dass ich da so gefangen, also gefangen, dass ich so begeistert war von dem, von diesem Sport, habe ich schon gedacht, weil ich zu Martin Vertrauen hatte, ey, der Typ, was will der von mir? Und da habe ich gemerkt, dass in mir schon der Wunsch da ist, etwas später weiterzugeben, was ich selber noch gar nicht kann. Also ich konnte gar nicht fliegen, ich konnte nicht landen. Und habe aber diesen Wunsch in mir gespürt, wow, wie wäre denn das, wenn ich dann irgendwann so etwas wäre wie der Martin, so ein guter Fluglehrer, der Leuten das beibringen kann.

14:26Eki Maute

Und da habe ich schon gemerkt, ah, ich glaube, das könnte ein Weg sein für mich. Und dann eben in den nächsten Monaten und so weiter hat sich das relativ schnell dorthin kristallisiert. Studium immer schlechter, Fliegen immer in Anführungsstrichen besser. Ah, okay. Und dann war ich ganz schnell Assistent. Innerhalb von ein paar Wochen von Tuten und Blasen, keine Ahnung, war ich schon selber am Übungshang und habe Leuten gezeigt, wie man den Schirm aufzieht. Und dann ging es rockezocke.

14:52Lucian Haas

Damals gab es aber noch gar nicht so etwas wie organisiertes, wer ist ein Fluglehrer, sondern der Martin hat einfach gesagt, ich mache dich jetzt zum Fluglehrer, ich nenne dich jetzt erstmal Assistent und dann sagst du halt, jetzt bist du Fluglehrer.

15:03Eki Maute

Ganz so wild war es nicht. Es ging schon in die Richtung. Ja, es war natürlich dann auch die Zeit, wo der DHV, den gab es ja schon. Diese Prüfverfahren gab es im Ansatz auch schon. Es wurden auch in einem Wochenende mal die ganzen Drachenfluglehrer zu Gleitschirmlehrern quasi erkoren. Das war so diese wilde Zeit. Und ich bin da so reingefallen und war dann auch bei einem Assistentenlehrgang. Das ging dann damals auch so los, aber eben nicht so zeitlich aufwendig wie heute. Es waren kurze Einweisungen, kurze Lehrgänge. Toni Bender war damals da und hat überprüft, ob man eine Spirale fliegen kann und eine Punktlandung machen kann. Und dann waren wir ja fast schon Fluglehrer. Eine wilde Zeit damals.

15:50Eki Maute

Ja.

15:51Lucian Haas

Und dann hast du, wie gesagt, 13 oder 15 Jahre mit Martin zusammen diese Flugschule gehabt. Hast du in der Zeit auch schon Sicherheitstrainings gemacht oder kam das erst danach?

16:02Eki Maute

Es ging relativ früh los. Ich denke mal, dass wir mit so die Ersten waren, die dann am Gardasee Sicherheitstrainings gegeben haben. Wenn ich da dran denke, dann wird es mir ganz schwindelig, weil mir damals, ja, nur ein kleines Beispiel. Ich schäme mich fast dafür, aber ich kenne dich jetzt, Lucian. Du warst jetzt im Training auch bei mir. Ich habe auch Vertrauen zu dir, deshalb bin ich auch so offen. Und ich finde es auch ganz schön, dass wir jetzt da so sitzen miteinander. Mein erstes Sicherheitstraining, da war das Rettungsboot ein Freund von mir, der auf einem Surfbrett saß, mitten im Gardasee. Okay. Und wenn ich da jetzt heute so sage, schäme ich mich dafür, weil wenn da was passiert wäre, das wäre furchtbar gewesen. Aber so haben wir angefangen. Gab es denn schon Rettungswesten?

16:49Eki Maute

Unsere ersten Schwimmwesten waren so feste Stoffwesten. Also so feste Schwimmwesten, wie man sie kennt aus diesen alten, diese Titanic -Filme, wo der Kragen so hoch geht. Wo du quasi, wenn du am Schirm hängst, gar nicht dich bewegen kannst mit dem Kopf, weil du quasi hier so drin hängst. Und du kannst eigentlich gar keine Flugfiguren fliegen, weil du in deiner Bewegung so eingeschränkt bist. Der blanke Wahnsinn. Aber es war damals so. Da bin ich jetzt nicht stolz drauf.

17:15Lucian Haas

Der wäre mit Händen hingepaddelt, oder?

17:17Eki Maute

Der hatte schon einen Ruder. Der hatte natürlich schon einen Ruder. Aber ich will mir nicht vorstellen, wenn was passiert wäre. Es ist nie was passiert. Gott sei Dank nicht.

17:27Lucian Haas

Die ersten Trainings hast du dann auch von dir aus so gemacht und hast gesagt, ich traue mir das einfach mal zu und sage den Leuten mal, was sie so machen sollen. Gab es damals schon Videotechnik und sowas, um das auch zu dokumentieren, um das nachzubesprechen? Oder wie wurde das da gemacht?

17:44Eki Maute

Ja, ich muss mich wirklich überlegen, weil es so lange her ist. Wir haben dann gefilmt auch. Aber die ganzen ersten Trainings haben wir nicht gemacht. Die ersten Trainings eigentlich nicht. Es gab damals schon Funkgeräte. Das gab es schon. Aber ich merke jetzt, und das ist mir jetzt ein bisschen peinlich, wenn ich da in diese Details reingehe, ich weiß gar nicht. Ich weiß gar nicht mehr alles. Ich weiß nur noch, dass der Landeplatz an sich ja schon eine riesen Challenge war. Wer den Gardasee kennt, damals vor 30 Jahren, da mussten wir auf so einem kleinen Schotterbereich landen, wo noch Segelboote waren. Da war ja die Landung an sich schon eine Meisterleistung.

18:24Lucian Haas

Das heißt, da gab es diese vorgelagerte, rasengesäte Insel, die gab es da noch gar nicht? Nein, nein, nein, nein. Das ist ja heute ein Flugplatz am Gardasee. Das waren die Anfänge, Sicherheitstraining am Gardasee. Wie kam es dann dazu, dass du gesagt hast, ich mache das zu meinem Hauptfokus?

18:45Eki Maute

Ich war mit der Martin bei der Süddeutschen Gleitschirmschule 15 Jahre lang. Wir haben zusammen geschult und haben so diesen Höhepunkt auch mitmachen dürfen. Von der Gleitschirmszene, wo die Leute in Reisebussen an Übungshallen gefahren worden sind, um einen Schnupperkurs zu machen. War das so?

19:04Lucian Haas

Reisebusse voll?

19:05Eki Maute

Reisebusse voll. Da sind Busse gekommen, da waren plötzlich 30 Leute im Schnupperkurs. Man hat sich zu fünft einen Schirm geteilt. Also Zustände, die man sich heute wirklich nicht vorstellen kann.

19:17Eki Maute

Tolle, wilde Zeit. Und dann haben wir uns natürlich auch weiterentwickelt in unserem Unterricht. Und die Leute sind weniger geworden. Wir haben selber gemerkt, wir haben Wert darauf gelegt auf eine gute Ausbildung, auf eine sichere Ausbildung. Haben dann jahrelang sehr schön zusammengearbeitet, gut zusammengearbeitet. Ich habe voll Spaß gehabt, den Leuten beizubringen. Vom ersten Aufziehen über Höhenflüge oder erst Übungshangflüge, dann Höhenflüge. Und habe dann gemerkt, dass ich gerne den Leuten noch mehr beibringen würde. Also nicht nur starten, fliegen, landen, Kurven fliegen. Sondern dann kam ja dieses Thema Spiralen. Man konnte mit Gleitschirmen ja auch spiralen.

20:03Eki Maute

Dann gab es irgendwann geteilte Tragegurte, dass der B -Gurt separat aufgehängt worden ist. Warum auch immer. Nicht aus dem Grund, dass man B -Stars machen konnte. Das war ja nicht wirklich der Grund, sondern es war konstruktionsbedingt so. Und wir haben angefangen an den Gurten rumzuziehen und haben festgestellt, wow, wenn man jetzt an den beiden B -Gurten zieht, dann entsteht sowas wie eine, heute nennen wir es Abstiegshilfe. Und dann habe ich Lust bekommen, das den Leuten beizubringen. Aber es war mir dann schon auch relativ schnell klar, dass das was Anspruchsvolles ist. Dass es auch schief gehen kann.

20:40Eki Maute

Es gab dann irgendwann Rettungsschirme. Wir sind ja am Anfang ohne Rettungsschirme geflogen. Ohne Rettungsschirme, ohne Helm. Wir sind einfach nur an so Strapsen rumgekinkt. So Kletterzeug, ja. Und das hat sich, im Nachhinein muss man das einfach so sehen, es hat sich so nach und nach entwickelt. Und dann kam der Wunsch in mir, oder das Bedürfnis oder auch die Notwendigkeit, dass mir klar war,

21:05Eki Maute

beim Gleitschirmfliegen, wenn man es dann so betreibt mit Thermikfliegen ist dazugekommen. Das war auch jahrelang nicht möglich. Irgendwann war es dann möglich, Thermik zu fliegen. Und dann hat es so Klick, Klick gemacht. Und dann habe ich verstanden mit der Zeit, ah, es bräuchte was, wo die Leute in einem gewissen Rahmen trainieren können. Und gleichzeitig ist es ja auch in der Schweiz passiert, am Walensee. Später am Achensee, der Karlslesack, ja. Das waren die Leute ja, die die ersten Sicherheitstrainings schon gemacht haben. Und da habe ich mich dann hingezogen gefühlt. Und so ist dann die Idee gekommen, auch so vor etwa 20 Jahren, dass ich mehr in den Bereich Sicherheitstraining gehen möchte. Und dazu brauche ich einen See.

21:49Eki Maute

Weil über Wald oder über Grund geht es einfach nicht. Und das war dann die, ja, ich sage mal die Grundidee plus der Einladung von der Christa Vogel. Ich komme ganz hinten rum, aber die Christa Vogel hat damals schon zu mir gesagt, hey, hast du Lust, machen wir eine Flugschule am Achensee auf. Und dann war die Zeit gekommen, dass ich mit der Martin Reh, dass wir uns zusammensetzen, dass wir uns trennen, dass ich weggehe von Unterwüsten und an den Achensee gehe. Und dort ist dann quasi das neue Kapitel, hat das neue Kapitel begonnen, ja, das große Kapitel Sicherheitstraining für mich, ja.

22:26Lucian Haas

Und das machst du jetzt 20 Jahre? Insgesamt, also nicht am Achensee 20 Jahre, aber dann Sicherheitstrainings seit 20 Jahren, wenn ich das richtig verstehe?

22:35Eki Maute

Hier am Achensee bin ich jetzt seit 20 Jahren. Und Sicherheitstrainings mache ich, würde ich jetzt sagen, seit 25.

22:44Eki Maute

Aber seit ich hier am Achensee bin, mache ich eigentlich gar nichts anderes als Sicherheitstrainings. Ich bilde nicht mehr aus, leider. Gott sei Dank.

22:55Eki Maute

Was ist das leider? Das leider ist, es ist so schön, einen Menschen, der gerne fliegen würde, aber es noch in der Praxis nicht getan hat, den in den ersten Tagen zu begleiten, dass im Flügelwachsen er vom Berg losläuft und fliegen darf. Und wenn man diese ersten Tage mit Gefühl und Empathie macht, dann glaube ich, kann man einen Samen setzen, wo dieser Mensch das Fliegen, jetzt muss ich aufpassen, wo dieser Mensch das Fliegen vielleicht auf eine andere Art und Weise betreibt, wie ich es heute oft beobachte, wo die Leute sehr leistungsorientiert das Fliegen betreiben, wo ich manchmal den Eindruck habe, oh, schade, dass sie nicht anders angelernt worden sind in den ersten Tagen.

23:52Eki Maute

Ich weiß nicht, ob du mich verstehst.

23:54Lucian Haas

Ja, es wird ein anderer Keim gesetzt. Ja, ja, ja, ja. Es gibt ja in der Biologie so Sachen, wo du teilweise Zellen hast, je nachdem, welchen Mikronährstoff du ihnen gibst, entwickeln die sich ganz unterschiedlich. Und was weiß ich, ist das da genau das, nämlich welchen Mikronährstoff oder welche Mikroidee vom Fliegen du den Leuten in den Kopf setzt? Da werden sie sich dann auch vielleicht, nicht alle, aber viele werden daraus dann in die Richtung dann wachsen, die man ihnen vielleicht so ein bisschen aufzeigt, was da möglich ist. Absolut. Was ist deine Richtung des Fliegens, die du den Leuten gerne zeigen würdest?

24:36Eki Maute

Mir kommt jetzt ein Bild in dem Moment, wo du das jetzt gerade gefragt oder auch gesagt hast, ja, ich habe mal einen relativ alten Mann, ja, heute, er war so um die knappe 70 herum, den durfte ich begleiten, dem durfte ich das Fliegen beibringen. Er hat ein Jahr lang gebraucht am Übungshang, bis er einigermaßen vernünftig starten konnte, Kurven fliegen konnte, landen konnte, über ein Jahr lang. Er kam ja immer und immer und immer wieder. Und er hat dann irgendwann in Kössen seinen ersten Höhenflug gemacht. Und damals waren die ersten Höhenflüge, ich sage jetzt mal, zwischen fünf und acht Minuten Maximalflugzeit. Und er hat seinen ersten Höhenflug gemacht.

25:21Eki Maute

Ich war am Landeplatz unten. Ich glaube, der Martin war oben am Startplatz. Und dieser ältere Mann ist gelandet vor mir. Und ich bin zu ihm hin und habe gesagt, ey, wie war es? Und er schaut mich an und geht auf die Knie, weil ihn seine Beine nicht mehr getragen haben und hat Tränen in den Augen gehabt und schaut mich an und sagt, es war so schön, danke. Für fünf Minuten Gleitzeit.

25:48Lucian Haas

Mhm. Und

25:49Eki Maute

wenn ich heute oft Leute, ich darf ja auch manchmal an Geländen sein, wo die Leute die ersten Flüge machen und sie landen ein. Und ich gehe hin und sage, hey, was? Und dann kommt fast immer, viel zu kurz.

26:04Eki Maute

Viel zu kurz. Und sie sind vielleicht schon zehn Minuten, 15 Minuten, keine Ahnung, 20 Minuten geflogen. Und ich glaube schon, dass darin viel liegt, wie ein Lehrer quasi diesen Weg, den Menschen hinführt an die Fliegerei und diesen ersten, ja, diesen ersten Kontakt, diese erste Begegnung quasi begleitet. Glaube ich schon, ja.

26:31Lucian Haas

Hat das auch was, vielleicht auch mit der technischen Entwicklung zu tun, dass die früher halt, wenn du sagst, du hast einen Gleitschirm gehabt, der 1 zu 3 irgendwo in Westen, Unterwesten, dann da runtergefallen ist auf gewisse Weise? Oder jetzt, wo schon die Schulungsschirme mit 1 zu 8 irgendwo wundern? Und dann kannst du da wunderbar rausgleiten und du direkt das Gefühl hast, ja, okay, das muss doch jetzt auch viel besser gehen. Es ist nicht klar, dass du sofort unten stehst, sondern du gehst schon mit Erwartungen schon beim ersten Flug raus, zumindest Höhenflug. Es wird schon länger dauern, so.

27:06Eki Maute

Definitiv, definitiv. Die Menschen, die heute Fliegen lernen, sie haben ja auch ganz andere Vorstellungen. Das ist ja auch klar.

27:15Eki Maute

Die Leute, die heute Fliegen lernen wollen, verbinden Fliegen oft mit Streckenfliegen, Thermikfliegen, Akrobatikfliegen. Menschen, die heute die erste Ausrüstung kaufen, bekommen nicht nur einen Gleitschirm, einen Rettungsschirm und ein Gurtzeug und einen Helm, sondern sie bekommen in der Regel auch immer noch ein Vario und dieses Instrument und was weiß ich, was man noch alles braucht zum Fliegen. Und ich will auf gar keinen Fall in diesen Rhythmus fallen, früher war alles besser und bla, ja, dieser ganze Scheiß, ich kann es nicht mehr hören, sondern Fliegen ist, du gehst auf den Berg, breitest die Flügel aus und gehst in die Luft. Und natürlich darfst du auch ein Instrument dabei haben und du darfst auch Thermikfliegen, Streckefliegen, Akrofliegen und deinen ganzen Spaß haben.

28:05Eki Maute

Das mache ich ja auch immer noch und habe meinen Spaß dabei. Wenn aber dir die Möglichkeit gegeben worden ist, am Anfang mal einfach nur zu fliegen,

28:17Eki Maute

starten, alles loslassen, nur fliegen, dich dem Fliegen so hingeben, auch gerne bei einem Streckenflug, Akroflug, wenn die Luft ruhig ist, beim rausfliegen, dann kommt eine Dankbarkeit und ein Gefühl in einem hoch, dass man einfach fliegen darf, was einen dann so glücklich macht, dass man nachher mit der Technik, die du ansprichst, vielleicht sogar noch ein paar Meter weiter oder noch ein paar Kilometer weiter oder noch eine bessere Flugfigur fliegt. Nur dieses von innen raus, diese Ruhe, diese Dankbarkeit, die durch das einfach nur Fliegen, kommt, haben wir nicht, wenn wir diesen Menschen gleich so auf Leistung, Streckenfliegen, Thermikfliegen, Gleitschirmfliegen, das ist Akrobatik, wenn man das gleich so einpflanzt, dann hat er gar nicht die Möglichkeit, in sich reinzuhören, um zu erforschen, was da eigentlich drin ist.

29:14Eki Maute

Jetzt wird es ein bisschen spirituell, aber... Das ist doch Teil von dir. Definitiv, ja.

29:21Lucian Haas

In deinem Sicherheitstraining erzählst du auch immer diese, du nennst sie als Flugfigur, Hang Loose, also das ruhige Abhängen, wie auch immer, mit welcher Haltung man einnehmen will im Gurtzeug. Ist das etwas, was du bei jedem Flug machst?

29:37Eki Maute

Fast immer, ja. Wenn die Luft ruhig ist und ich die Steuerleine loslassen kann, dann ist es definitiv ein Moment, den ich unglaublich genieße, den ich auch, du hast mich vorher gefragt, was suche ich beim Fliegen? Ich glaube, inzwischen suche ich genau das immer wieder, auch an meinen jetzigen Flügen. Jetzt merke ich, wie ich mir ein bisschen widerspreche von vorher. Ich mache das fast in jedem Flug, also wenn die Luft es zulässt und ich mal einfach alles loslassen kann, dann lasse ich alles los und dann lege ich mich nach hinten und schaue hoch zum Schirm und rede mit ihm auch manchmal, hey, hast du Lust auf einen Helikopter? Oder was weiß ich was. Das sind schon wirklich geile Gespräche entstanden. Und das ist schon das, wo ich dann immer noch merke, nach diesen vielen, vielen Flügen, die ich gemacht habe, in meinem Leben,

30:28Eki Maute

und ich mich satt geflogen habe, das ist auch etwas, wo ich jetzt fast erschrecke, wenn ich diesen Satz sage, ich durfte mich satt fliegen in meinem Leben. Aber das sind die Momente, wo ich dann in der Luft hänge, wo ich denke, leck mich, ist das schön, ist das was für ein Geschenk, wie privilegiert bin ich. Und dann geht es mir durch Mark und Bein und meine ganzen Poren gehen auf und ich sehe einfach alles. Und dann fühle ich mich unsterblich, wie früher. Ich weiß, ich bin es nicht mehr, leider. Aber dann ist so dieses, ich weiß nicht, wie es ist, wenn man Drogen nimmt. Ich habe noch nie Drogen genommen. Aber es ist so ein Zustand, den ich immer wieder auch suche, den ich gerne suche, den ich auch gerne erlebe.

31:14Eki Maute

Das ist dieses Hänglos, dieses sich hingeben an die Fliegerei, in dem Moment am Schirm zu hängen. Das ist einfach so etwas Wunderbares. Und aus dem heraus fliege ich dann meine Figur oder so. Es ist schon in meinem Leben, in meiner Fliegerei, ein wichtiges Instrument. Ich will

31:33Lucian Haas

nochmal ein Stück zurückspringen, wo wir vorhin bei der Schulung waren, wo du gesagt hast, was ist das, was dich an der Schulung so begeistert hat oder was da so schön ist. Gleichzeitig hast du auch gesagt, ja, Ying und Yang, beide Seiten. Du hast auch gesagt, Gott sei Dank machst du es nicht mehr. Was ist das Gott sei Dank nicht mehr?

31:56Eki Maute

Jetzt müssen wir ein bisschen in die Bürokratie oder in die Politik rein. Wenn ich heute Flugschulen beobachte, die gut ausbilden wollen, wo zwei Lehrer im Gelände sind, wo gute Funkgeräte da sind, wo einfach sich wirklich Zeit genommen wird, um den Menschen das Fliegen auf eine sichere Art und eine schöne Art und Weise beizubringen. Die Flugschulen tun sich heute so schwer, weil sie wirtschaftlich fast nicht mehr mitmachen können mit anderen Flugschulen, die eben anders arbeiten, die sich das eine oder andere sparen. Und das ist der eine Grund. Der andere Grund ist, wenn man schulen will, ausbilden will, braucht man ein gutes Gelände. Man braucht einen guten Übungshang.

32:41Eki Maute

Man braucht einen Bauern, der einem wohlgesonnen ist, wo man auch dementsprechend bei Geländen Ground handeln kann, Übungen machen kann, wo man Zeit hat. Das ist da noch ein Punkt. Dann gibt es noch einen weiteren Punkt. Der Mensch, der heute fliegen lernen will, ist in der Regel so, dass er am Telefon schon sagt, du, ich habe ein Problem. Mein Problem ist, ich habe keine Zeit. Also die Bereitschaft von Menschen, heute fliegen zu lernen, ist häufig einfach so, dass sie schon fast ein bisschen Druck machen und man gezwungen ist, als Flugschule anzubieten, erstens, bei uns geht es immer, bei uns ist das Wetter immer super und du kriegst in kürzester Zeit deinen Schein. Und das ist was, wo ich sage, Gott sei Dank muss ich da nicht irgendwie noch Wege finden, damit ich abends in den Spiegel schauen kann.

33:29Eki Maute

Ja.

33:32Lucian Haas

Und das ist das für dich, diese Sicherheitstrainingsgeschichte bewahrt dich zumindest vor diesem Teil. Aber wahrscheinlich hat Sicherheitstraining für dich auch die zwei Seiten einer Medaille. Was sind die zwei Seiten beim Sicherheitstraining? Absolut.

33:49Eki Maute

Beim Sicherheitstraining ist es so, dass wir einfach machen können, was wir wollen. Wir geben die Vorgaben. Also wenn ich sage wir, meine ich die Flugschule Aachensee. Und da bin ich Gott sei Dank nicht alleine. Und ich bin sehr, sehr froh darüber, dass die Menschen, mit denen ich arbeiten darf, die gleiche Philosophie haben. Die Philosophie, dass der Mensch absolut im Mittelpunkt steht. Dass im Mittelpunkt steht, dass der Mensch weggehen soll vom Sicherheitstraining und sagen soll oder darf, hey, das war eine gute Zeit. Ich habe nicht nur viel gelernt, sondern ich habe auch das Gefühl gehabt, dass die Menschen, die mit mir gearbeitet haben, auf mich aufpassen. Und ich glaube, da ich in dieser glücklichen Lage bin,

34:34Eki Maute

ja, der Älteste zu sein, in diesem Rudel, der Leitwolf zu sein, natürlich neben der Cordula, klar, neben einem starken Mann steht immer noch eine noch stärkere Frau. Aber wir haben einfach mit unserem Lukas, mit dem Stefan, mit dem ganzen Team Leute, die meine Gedankengänge und meine Wünsche einfach mittragen. Und ich kann die Vorgaben machen. Ich kann die Vorgaben machen, wie das Sicherheitstraining laufen soll, wie lange sie gehen sollen, welche Flugfiguren geflogen werden, welches Material wir einsetzen, welchen Preis wir verlangen für das Training. Wir können einfach unsere Welt so gestalten, wie wir denken, dass es für uns alle und für das Produkt an sich gut ist.

35:21Eki Maute

Und mit gut meine ich auch nachhaltig. Das ist auch so ein abgedroschener Begriff. Aber was ganz oben steht, ist, der Mensch soll nachher weggehen und sagen, wow, ich kann hier was mitnehmen. Es ist nicht immer so, dass die Menschen weggehen und sagen, das war toll, das war klasse und oh, der ist so sympathisch. Sondern manchmal ist es auch so, dass die Menschen weggehen von uns, vor allem, wenn sie mit mir arbeiten, dass sie sagen, hey, was soll das? Was wollt ihr jetzt gerade von mir? Das war jetzt eher unangenehm. Aber auch das habe ich kennengelernt in meiner Pflegerei. Menschen wie Mike Küng. Mike, wenn du das hörst, sei mal nicht böse.

36:06Eki Maute

Oder Andre Bucher. Das sind Menschen, das sind Lehrer für mich. Die haben mich geprägt. Und die haben mir nicht immer nur Gutes getan. Sie haben mir auch oft wehgetan. Und von denen habe ich aber so viel lernen dürfen. Ich habe von Mike, von Andre Bucher so viel gelernt. Und das ist genau das, was ich mitgeben will. Und das meine ich damit Gott sei Dank. Und zum Glück, ich kann das alles gestalten. Und das ist das Feine. Das, was mich so auch immer noch so anfixt und mich so lebendig macht. Und was ist die Kehrseite?

36:42Eki Maute

Das ist natürlich auch immer wieder so ein bisschen ein Kampf gegen Windmühlen ist, wenn man das so sehen will.

36:50Eki Maute

Zum Beispiel, dass vielleicht nicht alle so begeistert sind von dem Satz, lass den Kontrollblick weg oder flieg mal ohne Rettungsschirm. Aber das ist dann letztendlich wieder doch nicht die Kehrseite, sondern eher der

37:07Eki Maute

Benefit von der provokanten Art, was mir eher entspricht, um die Leute wach zu rütteln. Ich werde dann in eine Konfrontation natürlich geschickt oder ich schicke mich selbst in eine Konfrontation mit dem Gegenüber, wo ich dann achtsam sein muss, da sein muss, wach sein muss, präsent sein muss, was Kraft kostet und wo ich dann oft halt auch sehr müde bin. Aber ist eigentlich nicht richtig die Kehrseite. Eigentlich nicht.

37:35Lucian Haas

Ja. Die Kehrseite hat auch wieder ihre Kehrseite. Ja, genau. Wo du auch sagen kannst, okay. Ich darf Menschen begegnen. Ja, oh ja.

37:46Lucian Haas

Wenn du über die Jahre jetzt nicht nur die technische Entwicklung guckst, sondern auch dir so die Piloten anguckst, die auch dann in deine Sicherheitstrainings kommen, denen du auch sehr stark auch durch deine Art, wie du bist, sehr stark menschlich begegnest, hast du da eine Veränderung über die letzten Jahre festgestellt?

38:07Eki Maute

Definitiv. Die ersten Sicherheitstrainings -Teilnehmer, das waren eher so Einzelkämpfer.

38:17Eki Maute

Aber es liegt am Produkt an sich damals. Das Sicherheitstraining war eher was für ganze Männer, für Piloten, die einmal im Leben ein Sicherheitstraining machen. Und wenn sie das dann absolviert haben, dann waren sie geprüft für die Fliegerei und dann konnte ihnen nichts mehr passieren. Es war eher so wie eine Mutprobe, die man hinter sich bringt, wie so ein Ritual, das ein Mann hinter sich bringt, um dann ein Mann zu sein. Und Gott sei Dank hat sich das komplett verändert. Inzwischen ist es einfach so, dass für die meisten Piloten, die zu uns kommen, sie wissen, sie lassen sich auf eine Fortbildung ein.

38:52Eki Maute

Und sie freuen sich in der Regel auch drauf, haben natürlich schon auch ein bisschen Schiss, so wie wenn man zum Zahnarzt geht oder so, aber wissen letztendlich, sie tun sich was Gutes

39:01Eki Maute

und gehen dann auch gern hin. Und da hat sich schon der Markt oder die Nachfrage wirklich komplett verändert. Oder alleine die Tatsache, dass für ganz viele, die zu uns kommen, es glasklar ist, sie kommen nicht nur einmal, sondern sie machen das regelmäßig. Wir haben relativ viele Kunden, die kommen ein-, zweimal-, dreimal im Jahr zu uns und trainieren dann gewisse Flugfiguren.

39:25Lucian Haas

Du hast gerade gesagt, dass die ersten Sicherheitstrainer, das waren so die richtigen Männer. Kannst du dich noch an die erste Frau erinnern, die in deinem Sicherheitstraining kam? Nein.

39:34Eki Maute

Ich müsste suchen in meinem Gehirn und werde bestimmt auch irgendwo eine finden. Es waren ja auch damals schon Frauen dabei, aber allein die Tatsache, dass der Frauenanteil in den Anfängen schon, die Frauen, die beim Fliegen geblieben sind, so muss ich sagen. Es gab viele Frauen, die mal schnuppern wollten und so, aber die dann richtig beim Fliegen geblieben sind, das hat sich schon auch verändert. Gott sei Dank fliegen heute wesentlich mehr Frauen als noch vor 30 Jahren.

40:00Lucian Haas

Du siehst die ausgebildeten Piloten, du hast sie jetzt nicht selber ausgebildet, sondern sie kommen bei dir an den Hang, auch die Pilotinnen natürlich.

40:10Lucian Haas

Woran erkennst du, einen guten Piloten oder eine gute Pilotin, wo du sagst, sehr wahrscheinlich, manchmal brauchst du wenige Sekunden, um das zu sehen, aber was ist, gibt es da sowas, wie du sagst, ein Punkt, da muss ich eigentlich nur, wenn ich nur das sehe, dann weiß ich, wie der fliegt?

40:28Eki Maute

Am Start. Also wenn man einen Piloten sieht, wie er sich verhält am Startplatz, so fange ich vielleicht da an, wie er an den Startplatz geht, wie er sein Material fertig macht und da ist es egal, ob er rückwärts startet oder vorwärts startet, das spielt jetzt da wirklich keine Rolle, wie er sich verhält am Schirm, wie man einfach beobachtet, wie er das Wetter beobachtet, wo seine Blicke hingehen, wie er sich bewegt und dann natürlich im Startvorgang,

41:04Eki Maute

Aufziehphase, Kontrollphase,

41:07Eki Maute

Beschleunigungsphase, Abhebphase, die ersten 10, 20, 30 Sekunden in der Luft, dann bilde ich mir ein, fast alles über den Piloten zu wissen. Ja, doch. Im Sicherheitstraining bin ich natürlich nicht am Startplatz, aber ich schaue oft mit dem Fernglas dann hoch und beobachte den Start auch. Dann fliegt er raus, dann kommt das Nächste, wo ich ganz viel lesen kann. Im Sicherheitstraining können die Leute bei uns gegensprechen, dann melden sie sich an. Hallo Eki, hier ist der Hermann auf seinem Advance Epsilon. Ich würde jetzt gerne im Checkflug meine Spirale fliegen. Und allein vom Ton her, von der Stimme her, kann man schon viel raushören. Und dann natürlich durch die Flugfigur, das muss jetzt nicht die Spirale sein, das kann auch ein Vollkreis sein, am liebsten eine 8, muss auch keine schnelle 8 sein.

42:01Eki Maute

Spätestens dann weiß ich ziemlich genau, wo der Pilot steht und was er auch braucht, was ihm gut tut. Und wenn ich das dann noch update, mit dem Gespräch, das stattfindet, wo er hin möchte, ob er eine Vorstellung hat von seiner Fliegerei, dann kann ich ihn ziemlich genau so begleiten, dass ich denke, dass er nachher weggeht und sagt, hey, das war jetzt fein.

42:24Lucian Haas

Was ist für dich ein guter Pilot? Außer, dass er natürlich gut starten können sollte. Früher habe ich auch immer

42:30Eki Maute

unterrichtet, ein guter Pilot ist, wenn er Respekt, Humor und Geduld hat. Das war wie so ein Mantra. Das kommt jetzt so von innen hoch. Ich muss es nochmal sagen. Respekt, Humor und Geduld. Und das macht definitiv Sinn. Das habe ich mir irgendwann mal einfallen lassen. Ein guter Pilot muss nicht 180 Kilometer fliegen oder so. Ein guter Pilot ist für mich definitiv ein Pilot, der sich selber gut kennt, der am Startplatz und in der Luft für sich sinnvolle Entscheidungen trifft.

43:10Eki Maute

Wie wird man zu einem guten Piloten?

43:16Eki Maute

Ganz wundervoll ist es natürlich, wenn ein Kind Eltern hat, die ihr Leben so leben, dass nachher das Kind, wenn es anfängt zu denken und zu verstehen und Dinge zu hinterfragen, die Möglichkeit hat, eigene Wege zu gehen. Und für die Fliegerei ist es definitiv so, wenn ein Mensch einen Lehrer hat, der ihn sehr verantwortungsbewusst, gefühlvoll, empathisch begleitet, der selber sehr viel kann, der selber sehr viel weiß, der selber die Figuren alle fliegen kann. Das wäre natürlich der Idealfall, wenn es ums Fliegen geht und dieser Mensch, der sich entwickelt und über das Starten, Fliegen, Landen hinausgeht, der will wissen, wie ist es mit den Abstiegshilfen, wie ist es mit den Deformationen, wie ist es mit den Strömungsabrissen,

44:09Eki Maute

wie ist es einfach mit diesen speziellen Themen, die es da gibt im Leben. Ich vergleiche es gerne mit dem Leben in Sachen, wie ist es mit Drogen, Sexualität, Religion. Da ist es wirklich toll, wenn man Mentoren hat, Lehrer hat, Eltern hat, die sagen, hey, pass auf, beim Spiralen ist es so und so und da gibt es Körperspannung, Pobacken, Atmung, Innenbremse, Außenbringung, was ist der Geier, was? Aber letztendlich immer wieder auch diesem Menschen die Möglichkeit gibt, sich selber zu entwickeln und einen eigenen Stil zu entwickeln, einen eigenen Stil zu finden für sich, dass er später dann für sich die Spirale sicher fliegt. Also die Frage nochmal, wie geht es sicherlich ganz viel durch liebevolle Mentoren,

44:57Eki Maute

die selber wissen, was sie tun und nicht nur wissen, was sie tun, sondern es auch können. Ein Meister, der irgendwas unterrichtet, was er selber nicht gut kann, funktioniert bei der Fliegerei nicht. Das ist ein großer Unterschied zum Fußballspielen. Ich spiele kein Fußball, ich habe keine Ahnung vom Fußballspielen, aber ich glaube, beim Fußball ist es gar nicht so wichtig, dass der Trainer richtig gut Fußball spielen kann, aber,

45:21Eki Maute

beim Fliegen ist es anders. Beim Fliegen sehe ich so jemanden, der ein Sicherheitstraining leitet, das kann nicht sein, dass ein Sicherheitstrainingleiter jemandem erzählt, wie man Helikopter fliegt und selber keinen Helikopter fliegt. Das geht nicht.

45:34Lucian Haas

Sind schon mal Leute zu dir gekommen, die Figuren fliegen wollten, die du nicht konntest? Ja, ja, jede Menge natürlich.

45:41Eki Maute

Und da bin ich ja so froh, dass ich Leute um mich herum habe, wie den Simon, Simon Winkler, Stefan.

45:49Eki Maute

Wenn jemand heute zu mir kommt und sagt, ich habe ein Liegegottzeug, kannst du mir das Liegegottzeug einstellen? Dann werde ich sagen, ich kann das gar nicht, ich habe kein Liegegottzeug. Ich bin in meinem Leben noch nie in ein Liegegottzeug geflogen. Geh bitte zum Stefan. Wenn einer sagt, ich möchte gerne das Infinity Tumbling lernen, dann bin ich der falsche Lehrer, definitiv. Dann haben wir den Simon und der ist beim Simon in den besten Händen. Und da bin ich auch so froh drum. Definitiv, es gibt Sachen, die kann ich nicht.

46:16Lucian Haas

Wenn so Leute zu dir kommen, kriegst du denen dann den Wunsch, zu sagen, ich würde es ja eigentlich schon gerne können.

46:24Eki Maute

Oh, jetzt, wenn du mir vor acht Jahren oder zehn Jahren die Frage gestellt hättest, dann wärst du richtig in so ein Westennest rein.

46:33Eki Maute

Oh, und dann hätte ich mir echt was überlegen müssen, wie ich da rauskomme. Als es losging mit dem Infinity Tumbling, das ist so die Flugfigur, wo ich viel gelernt habe über mich auch. Es hat mich sehr beschäftigt. Ich habe lange, lange immer den Anspruch an mich gehabt, alle Flugfiguren zu fliegen, die es überhaupt gibt. Und als es dann losging mit dem Infinity Tumbling, habe ich gemerkt, oh, it's a challenge. Ja, jetzt müsste ich trainieren. Ich habe Angst davor. Ich müsste trainieren. Es hat mich hingezogen zu der Flugfigur. Thermik hat damals hier am Achensee die Figuren eben schon auch dann geflogen, trainiert. Ich konnte zuschauen. Wir haben zusammen gearbeitet. Wir sind recht gut befreundet. Ich konnte ihn auch immer wieder fragen. Und es war so die Zeit, wo ich eine Entscheidung finden musste für diese Flugfigur.

47:21Eki Maute

Und ich habe gemerkt, ich bin total zerrissen. Und das war so ein Prozess von vielen, vielen Wochen, wo ich hinwollte zur Flugfigur und wieder nicht. Hinwollte und nicht. Hinwollte und nicht. Ich habe Angst davor gehabt. Es hat mich hingezogen. Schlaflose Nächte, wo ich in den Schirm gefallen bin.

47:40Eki Maute

Und irgendwann, ich kann dir jetzt gar nicht sagen, was wirklich der Auslöser war, irgendwann nach so diesen paar Wochen habe ich mich gefragt, warum will ich das eigentlich, fliegen? Und bin dann gar nicht auf eine Antwort diesbezüglich gekommen, sondern meine Antwort war irgendwann so von innen raus oder von unten her oder von hinten kommen. Drück es aus, wie du es willst. Ich will es ja gar nicht. Ich will es ja gar nicht. Mein Kopf wollte die Flugfigur fliegen. Aber irgendwas in mir drin wollte es nicht fliegen. Und dann war ich total verwirrt. Dann war ich völlig durch den Wind. Weil da wusste ich gar nicht mehr, was ich jetzt machen soll. Und habe wieder so ein paar Wochen gebraucht, bis ich mich mit dem abgefunden habe, dass ich gesagt habe,

48:26Eki Maute

ja cool, wenn ich das gar nicht will, dann brauche ich es ja auch gar nicht machen. Und ab da hatte ich so meinen Frieden. Und dieser Frieden ist mir geblieben die letzten Jahre. Wenn ich heute die Jungen begleiten darf hin zu den ersten Flugfiguren, die in Vorbereitung sind für den Infinity oder so, dann freue ich mich total darüber. Und kann sie dann einfach so loslassen und gehen lassen. Dann gehen sie zum nächsten Lehrer, zum Simon, sind dort den Besten hinten. Und dann sehe ich die irgendwie ein paar Stunden oder Tage später Infinities fliegen und freue mich total und habe meinen Frieden. Und da ist gar nichts Neidisches oder so, sondern da ist einfach nur diese Freude. Auch interessant, ja, das so zu sehen im Nachhinein. Gab es da Zeiten, wo du auch Neid hattest? Ja.

49:11Eki Maute

Ja. Bei den Russen gibt es ja anscheinend diesen weißen Neid und den schwarzen Neid. Neid ist ja bei uns so ein Wort, wo, er sagt schon von sich aus gerne, ich bin neidisch. Das ist ja eher so. Neid ist was nicht so Schönes. Aber... Das kann ja ein sehr potenter Antrieb auch sein. Absolut, absolut, absolut. Und inzwischen kenne ich mich recht gut und ich sehe, wann ich eher in diesem schwarzen Neid bin, in diesem nicht gönnenden Neid, eifersüchtiger Neid, der mir nicht gut tut, Thermik eher hart macht und krank macht. Ich habe das auch manchmal leider, ja, in anderen Bereichen. Beim Fliegen ist es immer so, dass ich eher im weißen Neid bin. Ich schaue jemandem zu und denke mich, leck mich einmal, das ist geil, schau dir das an, ja, wie der das fliegt.

49:58Eki Maute

Wundervoll. Ich kenne beide Seiten. Gut.

50:04Lucian Haas

Du bist ja auch Buddhist. Nein. Nein? Nein. Hast du aber enge Verbindungen dazu oder hast du dich viel damit beschäftigt?

50:15Eki Maute

Ich hatte das große Glück, in meinem Leben Menschen um mich herum zu haben, die mir viel gezeigt haben. Ich habe immer sehr viele Freiheiten gehabt. Wenn ich nicht in den Kindergarten gehen wollte und zu meiner Mutter gesagt habe, du, ich will halt nicht in den Kindergarten gehen, dann hat sie gesagt, aber du musst in den Kindergarten gehen. Dann habe ich gesagt, aber ich will nicht in den Kindergarten gehen. Dann war das so, was zwischen Kindern und Müttern oder Vätern, Vater hatte ich leider keinen, oft stattfindet, dieser Fight. Und meine Mutter hat dann, oder konnte manchmal zu mir sagen, du gehst jetzt in den Kindergarten. Und sie hat mich in den Kindergarten quasi gestoßen. Und es gab aber auch Tage, wo sie gesagt hat, okay, was willst du denn machen? Und da habe ich gesagt, ich würde jetzt viel lieber in den Wald gehen. Dann hat sie gesagt, dann gehst du jetzt halt in den Wald, aber du kommst wieder.

51:00Eki Maute

Und ich hatte das große Glück, eben Leute um mich herum zu haben, die mir viel gezeigt haben, auch in Sachen Religion, Kirche und so weiter. Und mir diesen Freiraum offen gelassen haben, dass ich dort die Rosinen rauspicken konnte, wo ich einfach so für mich wollte. Und habe mir so meinen eigenen Glauben zusammengestöpselt, so wie ich auch meine eigene Fliegerei oder komme wieder zum Groundhandlen. Groundhandlen ist für mich, es gibt nicht die Wahrheit. Beim Groundhandlen gibt es verschiedene Techniken, so wie in einer Religion auch. Es gibt verschiedene Techniken. Du kannst meditieren, du kannst beten, du kannst was weiß ich was machen. Und für mich ist interessant, das rauszufinden, was für mich passt, was für mich gut tut. Und bei den Buddhisten habe ich genauso viel gefunden, wie bei irgendjemand anders, wo ich denke, das taugt mal, das nehme ich jetzt für mich her,

51:53Eki Maute

übertragen aufs Gleitschirmfliegen, ich habe so viel gelernt von Mike Küng, Andre Bucher. Ich würde aber nicht sagen, ich benutze ihre Technik, sondern ich habe einfach ihre Technik hergenommen und die auf mich umgemünzt und was zugetan, ein bisschen was weggemacht, sodass es für mich passt und habe so meinen eigenen Stiefel draus gebastelt. Und das ist jetzt so der Weg, den ich gehe. Na, Buddhist bin ich keiner, aber ich setze mich gerne hin und schaue ein bisschen Löcher in die Luft. Manche nennen das Meditieren. Es geht aber genauso gut, wenn ich durch den Wald gehe, morgens ein Zwölfer hoch. Es ist hart. Es ist auch nichts anderes als eine Gehmeditation oder einfach nur draußen sein und gern draußen sein.

52:31Eki Maute

Hat Fliegen für dich was Spirituelles? Absolut.

52:36Eki Maute

Definitiv. Es ist ja auch manchmal so, dass Leute zu mir kommen und sagen, du, jetzt bin ich doch mal bei dir und ich wollte mal ein Training bei dir machen, weil die ganzen Kollegen um mich herum sagen, geh ja nicht an den Aachensee, geh nicht zu dem Typen mit den langen Haaren, da lernst du nur das Atmen. Das ist so ein spiritueller Zipfel und deshalb bin ich jetzt hier. Ich will wissen, was das eigentlich ist. Und es wird so viel Tram Tram um dieses Spirituelle gemacht. Alles ist spirituell. Wenn man mal den Wortstamm anschaut, ich glaube, irgendjemand hat mir das mal gesagt, er kommt vom Spiritus, der Hauch, der Atem. Hallo! Wenn wir mal nicht mehr atmen, dann leben wir nicht mehr. Wenn du morgens aufwachst und du atmest nicht mehr, dann war es das einfach. Und von dem her, in dem Moment, wo wir atmen,

53:21Eki Maute

sind wir spirituelle Wesen. Das ist einfach meine tiefste Überzeugung. Wir sind alle spirituelle Wesen. Wir sind Lebewesen. Tu mir einfach mal dieses spirituelle Ersetzen durch Lebewesen. Wir sind alle Lebewesen. Wir sind alle Menschen. Wir sind alle Menschen, die auch gerne fliegen. Und deshalb ist das, was es uns verbindet. Die Spiritualität ist nur ein Wort.

53:44Lucian Haas

Vom Fliegen. Wenn du sagst, es ist auch etwas Spirituelles für dich.

53:54Lucian Haas

Ich komme jetzt gerade raus. Ich wollte irgendwo hin. Da komme ich jetzt aber gar nicht hin, wo ich hin wollte. Dann

53:59Eki Maute

habe ich dich mal rausgebracht. Das ist schön. Du hast mich

54:02Lucian Haas

rausgebracht.

54:05Lucian Haas

Dann frage ich einfach anders.

54:09Lucian Haas

Wenn dir das Fliegen so wichtig ist

54:13Lucian Haas

und du sagst, es ist auch etwas Spirituelles, was dich mit Leben füllt, dir Atem gibt,

54:21Lucian Haas

hast du dir schon mal vorgestellt, wie es wäre zu leben und du könntest nicht mehr fliegen?

54:35Eki Maute

Puhuhu. Jetzt erwischt mich ziemlich von der... Wow.

54:47Eki Maute

Hätte das jetzt stattgefunden, dieses Interview, oder wie man es auch nennen mag, von einem Jahr, dann wäre ich da jetzt ziemlich cool gewesen oder cool geblieben. Du hast mich ziemlich erwischt auch.

55:04Eki Maute

Ja, ein Leben ohne Fliegen, ich kann mir das schon vorstellen, aber es schmerzt mich, diese Vorstellung. Auf jeden Fall, definitiv. Und da geht es absolut nicht ums Streckenfliegen, ums Thermikfliegen. Ich bin schon hoch und weit genug geflogen. Aber was mir wirklich fehlen würde, wären diese ruhigen Gleitflüge, diese Abgleiter, abends, morgens, nachts. Nachts zu fliegen ist eine ganz eigene Dimension und nachts werden keine Flugfiguren geflogen. Ich habe noch nie in meinem Leben nachts einen Helikopter geflogen. Warum auch? Sieht mich ja keiner.

55:44Eki Maute

Und warum ich jetzt so ernst oder vielleicht auch kurz mal ein bisschen... Seit so einem halben Jahr,

55:54Eki Maute

seit so einem halben Jahr beschäftige ich mich viel mit meinem Körper. In meinem Körper sind ein paar Baustellen dazugekommen. Es ist so, wenn man mal alt wird, jetzt bin ich doch 58 und irgendwann ist man immer unsterblich, dann kommen Themen, wo man so als 20-, 30 -Jähriger, 40 -Jähriger vielleicht noch... Das waren für mich immer Themen mit, was weiß ich, Krebs und Tumor und Arthritis und was weiß ich, was die alten Leute immer so haben, wo sie dann irgendwann daran sterben und sich nicht mehr bewegen können. Das sind dann so Themen, wo ganz, ganz weit weg waren und für mich in meiner Unsterblichkeit einfach gar nicht greifbar waren. Und seit einem halben Jahr ist das anders. Seit einem halben Jahr darf ich mich auch mit diesen Themen beschäftigen, lerne da sehr, sehr viel.

56:41Eki Maute

Und zum Beispiel, ich bringe es mal auf den Punkt, zurzeit ist mein rechter Arm eingeschränkt. Ich sollte mit meinem rechten Arm nicht mehr höher gehen, als dass die Hand bei den Ohren ist. Jetzt muss man aber ja einen Gleitschirm starten. Das ist erst seit zwei Tagen so. Mein Gott, wir hätten auch das Interview vorher machen können. Scheiße, aber jetzt ist es so, wie es ist. Ich sollte meinen rechten Arm nicht mehr höher nehmen als Kopfhöhe, weil man sonst die ganzen Siegzeilen, die Szenen voll abreißen, in meinem Gelenk oben drin und dann kann ich ihn gar nicht mehr hochnehmen. Und jetzt bin ich gerade dabei, was ich eh schon seit ein paar Monaten mache. Ich versuche, gewisse Flugfiguren zu fliegen mit nur einer Hand oder mit einem eingeschränkten Körper, weil mich das auch immer schon angefixt hat. Ich durfte schon vor zig Jahren die Petra begleiten, die dann irgendwann im Rollstuhl war, wo wir uns überlegt haben, wie könnte mir dann jemand, der im Rollstuhl sitzt,

57:32Eki Maute

Gleitschirmfliegen -mäßig noch betreuen. Oder andere Handicaps oder so, Menschen, die keine Hände haben oder was weiß ich was. Es gibt ja auch ganz spannende Projekte. Und jetzt bin ich gerade dabei, das zu verfeinern. Zum Beispiel, ich habe vor ein paar Jahren die einarmige Spirale kreiert. Es ist noch relativ unbekannt, diese Flugfigur. Aber die Spirale ist eine Flugfigur im Sicherheitstraining, um die sich viel dreht. Und ich habe immer wieder Menschen auch, und jetzt bin ich selbst betroffen, zur Zeit, das wird hoffentlich wieder besser werden, dass ich nur begrenzt mit den Händen, mit den Armen arbeiten kann. Und diese einarmige Spirale funktioniert absolut super mit nur einem Arm. Habe ich schon ganz viel probiert, getestet und gemacht. Man kann eine Spirale bis 12, 13 Meter pro Sekunde, mehr sollte man nicht gehen, man sollte einen Schirm nicht auf die Nase legen.

58:23Eki Maute

Aber in diesem Bereich, wenn man in diesem Bereich frei bleibt und diese Abstiegshilfe dann sauber fliegt, kann man ohne Außenbremse eine Spirale fliegen. Und das ist auch wieder was, wo ich jetzt gerade merke, du kannst gerade jetzt nicht mehr ganz aus dem Vollen schöpfen, aber die Frage, gibt es für dich ein Leben ohne Fliegen, brauche ich mir momentan gar nicht stellen. Ich darf ja noch fliegen, ein bisschen eingeschränkt momentan. Und ich könnte ja auch jetzt in dieser Einschränkung wieder die Fülle sehen und ein neues Fass aufmachen. Also man nimmt mir momentan ein bisschen was weg, aber ich könnte auch mir dann diesbezogen was anderes holen. Und das werde ich jetzt die nächsten Wochen noch mehr mir anschauen, dass man eben starten kann, und so weiter und so fort. Also da merke ich schon, ah, da ist wieder Potenzial da.

59:10Eki Maute

Aber zurück auf deine Frage, ein Leben ohne Fliegen, so komplett, brauche ich mir ja gar nicht vorstellen, weil es momentan noch nicht Fakt ist.

59:20Lucian Haas

Gut. Vorhin hast du mal gesagt, du warst satt geflogen. Das wäre ja eigentlich ein Zustand auch, wo du sagst, ich brauche das Fliegen nicht mehr. Ich bin jetzt satt, zumindest in diesem Moment. Und das klang so, als wäre das jetzt auch eine Phase gewesen, wo du sagst, insgesamt war ich eigentlich dann ziemlich satt mit dem Fliegen.

59:41Lucian Haas

Wie hat sich das angefühlt und wie bist du wieder hungrig geworden?

59:47Eki Maute

Dieses ich habe mich satt geflogen bezieht sich ganz stark auf das ich will höher, weiter, extremer. Dieser Drang, dieser Hunger nach viel Flugzeit, lange Flüge, weit Fliegen, im Abenteuer sich

1:00:10Eki Maute

bestätigen auch.

1:00:14Eki Maute

Ohne das zu bewerten. Ich will jetzt auf gar keinen Fall sagen, das ist schlecht und man könnte sich spirituell weiterentwickeln, wenn man das nicht mehr hat. Im Gegenteil. Im Gegenteil. Was ich für mich meine, für meine Person, für mich als Piloten, satt geflogen, ich habe gar keinen Hunger mehr, zum Beispiel andere Länder zu bereisen, um dort zu fliegen. Früher konnte ich mich nicht satt fliegen in anderen Ländern. Ich wollte unbedingt überall auf der Welt fliegen und durfte auch in vielen Plätzen fliegen, durfte in vielen Plätzen der Erste sein, hatte diesen Hunger der Erste zu sein und das habe ich nicht mehr. Das habe ich nicht mehr. Der Wunsch, ganz am Anfang hast du das Wort benutzt, habe ich so noch nie in diesem Konsens

1:01:03Eki Maute

diese Frage auch gehört. Wann war die Einladung? Bist du eingeladen worden vom Fliegen? Da möchte ich nochmal, das kommt jetzt bei mir ganz stark hoch.

1:01:15Eki Maute

Am Startplatz bin ich da und ich schaue so runter ins Tal und dann spricht irgendetwas eine Einladung aus und dann merke ich, ah ja, ich habe Appetit, ich habe Hunger, nenn es Hunger, Appetit ist egal, aber es spricht jemand eine Einladung aus, wo ich gerne, ja, ich würde gern, ich würde gern was essen jetzt. Oh toll, was für ein wundervolles Gericht, oh Madonna, schau dir diesen Teller an, der ist jetzt für mich da und ich darf den jetzt essen. Und dann lasse ich mich auf jeden Fall darauf ein. Ich könnte sagen, nö, könnte jetzt auch darauf verzichten, aber diese Einladung, dieses Geschenk, dieses Essen anzunehmen, dem möchte ich mich gar nicht entziehen. Dann

1:01:57Lucian Haas

hast du auch gerade noch was für mich Interessantes gesagt. Du hast gesagt, du fliegst auch nachts. Das wäre eine ganz andere Art des Fliegens.

1:02:08Lucian Haas

Was erlebst

1:02:08Eki Maute

du da? Ich fliege gern nachts, ich fliege gern ohne Helm, ich fliege fast immer ohne Helm, ich fliege sehr häufig ohne Rettungsschirm, ich fliege am liebsten barfuß, am liebsten mit so wenig wie möglich an. Ich weiß, dass das verboten ist oder nicht gern gesehen und natürlich sich jetzt der ein oder andere wieder total provoziert pflückt. Ich sage aber nicht, dass das richtig ist und ich sage auch auf gar keinen Fall, dass das jemand anderes machen soll. Ich erzähle nur von mir, das erzähle ich jetzt dir und wer das hören will, soll es hören, macht es damit, was er will.

1:02:48Eki Maute

Fliegen ohne Drumherum, so wenig wie möglich. Dann bin ich am Fliegen näher dran.

1:02:59Eki Maute

Nachts bin ich noch näher dran. Warum auch immer, ich kann es nicht begründen. Ich fliege auch nicht viel nachts. Es ist nicht so, dass ich jede Nacht auf dem Weg bin, um Gottes Willen. Aber diese wenigen Flüge, die ich nachts machen durfte, die haben mich sehr berührt und mir sehr viel gegeben und diese Minuten, wo man nachts in der Luft ist, das ist so eine ganz eigene Erfahrung,

1:03:21Eki Maute

die ich nicht missen will. Wo ich noch näher am Fliegen dran war, wie tagsüber. Ich glaube, es gibt wirklich nur noch eine Steigerung, wirklich ohne alles zu fliegen und damit meine ich jetzt nicht Wingsuites oder so. Ich mache die Sache nicht. Das meine ich nicht. Aber ich bin dann noch näher dran an meinen Kinderträumen, wo ich fliege, ohne irgendwas.

1:03:46Lucian Haas

Und dann hast du gesagt, ich fliege nachts, aber keine Manöver, weil da sieht man mich ja nicht.

1:03:54Lucian Haas

Fliegst du Manöver nur, um gesehen zu werden?

1:03:57Eki Maute

Manchmal ist es so, dass ich mich hinterher frage, Eki, für wen hast du jetzt die Flugfigur geflogen?

1:04:06Eki Maute

Und wenn ich dann ganz ehrlich bin, muss ich manchmal sagen, nicht für dich selber. Und das ist etwas, was mir noch nicht so gefällt. Ich tue jetzt nicht hergehen und mir die Peitsche über den Rücken knallen und ich bin ein Sünder. Das ist Bullshit. Es gibt keine Sünde.

1:04:24Eki Maute

Aber es widerspricht meiner eigenen Philosophie, weil ich mir immer wieder auch sage, Eki, flieg einfach nur das, was du fliegen willst für dich. Und geh zu fliegen, wenn du zum Fliegen gehen willst. Es gibt Tage, wo alle anderen fliegen. Die Cordula zum Beispiel, die fliegt ja sensationell gut. Und es gibt Tage, da sind wir am Startplatz draußen und die Cordula sagt, sie fliegt jetzt. Und warum auch immer, fliege ich nicht. Weil ich, wenn ich in mich reinhöre, einen Wunsch höre, der sagt, Eki, flieg jetzt nicht. Und dann mache ich das, weil ich das für mich mache. Und dann hinterher festzustellen, dass ich etwas gemacht habe, eine Flugfigur geflogen für jemand anderes, nur weil er, dass er sehen kann, wie toll ich fliegen kann. Fuck. Dann denke ich mir manchmal, das ist jetzt ja nicht so toll gewesen.

1:05:10Lucian Haas

Wenn du jetzt viele Piloten auch in den Sicherheitstrainings erlebst, die dann auch mehr machen wollen und auch in Richtung Akro und die haben, sonst was viele, die da sicherlich auch, natürlich macht es Spaß und so, aber wie viel davon ist auch das Fliegen, um gesehen zu werden, auch bei den vielen Schülern, die du dann da hast? Du meinst für die Schüler dann selber? Ja, also wie viel von der Motivation, die die mitbringen, ist es auch zu sagen, ich will das auch können, aber eben, um die Show fliegen zu können.

1:05:42Eki Maute

Es steht mir sicher nicht zu, jetzt da das so zu sagen. Ich würde da eben ja gerne anders antworten. Unsere ganz spannende Aufgabe als Sicherheitstrainingsleiter ist genau, in diesen Raum zu gehen. In diesen Raum zu gehen, wo der Mensch, der zu uns kommt, das für sich selber rausfindet und sich immer wieder auch diese Fragen stellt. Warum will ich denn hin zu dieser Flugfigur oder zum Thermikfliegen? Warum will ich mich weiterentwickeln zum Akrobatikpiloten? Und diesen Menschen so begleiten zu dürfen, dass der näher für sich an die Wahrheit hinkommt, um zum Beispiel zu sagen, ja, das mache ich jetzt zu einem Teil, um Bestätigung zu finden, wieder ohne Wertung, um Bestätigung zu finden

1:06:32Eki Maute

von anderen für mich selber. Oder ich komme dahin, weil es mich total glücklich macht. Ich würde gerne zum Helikopter gehen, zum Beispiel, weil es mich technisch wirklich total interessiert, weil ich neugierig bin. Und was ist das für eine Motivation, aus einer Neugierde heraus in eine Flugfigur zu gehen? Das ist ja Dynamit in dieser Vorbereitung für das Gelingen des Projekts, dass du sagst, ich bin neugierig auf den Helikopter, ich bin neugierig, ob ich das kann. Und dann soll er herausfinden irgendwann, warum er dann die Flugfigur fliegt und diesen Menschen dahin zu begleiten, dass er sich noch, nicht nur die Flugfigur kennenlernt, sondern sich selber auch kennenlernt. Das ist so dieser Raum, den ich meine, wo Schüler und Lehrer oder Coach und Teilnehmer in diesen Raum reingehen, um in diesem Raum das zu erlernen.

1:07:23Eki Maute

Und das ist das, was mich ja auch immer wieder so motiviert.

1:07:28Lucian Haas

Und kriege ich immer so mit, wenn du so Leute siehst, die dann sagen, okay, auch bei den Figuren gibt es ja so was wie so einen Leistungsvergleich. Und zwar nicht in der Schönheit, wie sie geflogen ist, sondern auch wie so, ich habe eine 14 -Meter -Spirale, du hast 16 oder du hast 18. Und ja, ich habe schon vor fünf Jahren habe ich schon die 20 -Meter -Spirale geflogen. Damals konnten die Schirme das noch, heute bremsen sie bei 18 alle ein oder sonst was.

1:07:53Lucian Haas

Wie gehst du damit um, wenn du so was mitkriegst, dass die Leute die Fliegerei nicht aufs Gefühl ziehen, sondern auf Zahlen?

1:08:01Eki Maute

Sie sind für mich ein Spiegel. Von jedem Menschen, von jedem Teilnehmer kann ich lernen. Sie sind für mich ein Spiegel, wo ich immer mich auch wieder selber sehe und sehen darf, beobachten darf. Und ich kenne natürlich das auch. Ja, wie lange bist du geflogen? Und ich bin länger geflogen und ich war höher als du. Und mein Helikopter war schöner als du. Und ich kann links rum und rechts rum. Du kannst nur links rum und passt der Geier, was? Und letztendlich schauen sie an. Entscheidend ist doch, wenn diese Menschen unten stehen und diese Flugfiguren geflogen haben, diese Strecken, was weiß ich. Vielleicht könnten sie sich auch mal fragen, hey, wie glücklich bist du jetzt? Und dann sagt er, ich bin total glücklich. Und dann sagst du vielleicht, ich bin auch total glücklich. Und dann ist doch völliger Bullshit, sich jetzt zu fragen, wer noch länger geflogen ist oder was. Dann wäre es doch eher cool zu sagen, bin ich jetzt glücklich?

1:08:46Eki Maute

Bist du glücklich? Okay, passt doch. Komm, dann gehen wir jetzt ein Bier trinken. Bräuchten wir einen Online -Glückskonzert? Ja, oder so ein Instrument. Weißt du, ein Instrument, wo abzulesen ist, hey, wie glücklich bin ich momentan. Und die meisten Piloten, die schauen viel zu sehr auf irgendein Instrumentenscheiß und schauen, wo sie sind. Wenn sie irgendwo ein Instrument hätten, wo sie sehen würden, ah, okay, jetzt bin ich noch so und so fit. Und jetzt habe ich noch die und die Reserve. Und ich bin da, ich bin hellwach. Und noch ein anderes Instrument, wo draufsteht, ah, jetzt bin ich schon glücklich. Ja, da könnten sie ja auch aufhören. Da könnten sie ja zum Landen gehen. Sie müssen nicht unbedingt noch die 120 Kilometer voll machen. Weil, wenn sie da sind, weil, was willst du noch mehr haben, als glücklich sein? Das ist eigentlich ein schöner Abschluss. Ja,

1:09:27Lucian Haas

ich finde auch. Was willst du noch mehr haben, als glücklich sein? Ja. Schließen wir einfach da ab. Ecki, vielen Dank für das Gespräch. Ja, danke dir.

1:09:47Lucian Haas

Das war Ecki Maute im Gespräch mit Lucian Haas.

1:09:54Lucian Haas

In den Shownotes zu dieser Podcast -Folge auf Looglites habe ich noch eine Reihe von weiterführenden Links zusammengestellt. Auf Looglites sowie Soundcloud gibt es bereits viele weitere Folgen von Podz-Glidz. Du findest sie zudem in bekannten Audiokatalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc. Du kannst Podz-Glidz gleich im Podcatcher deiner Wahl abonnieren. Zum Schluss noch eine Erinnerung. Werde doch zum Förderer von Podz-Glidz und Looglites. Die Höhe deines Förderbeitrags kannst du völlig frei wählen. Wenn du nun unsicher bist, was denn wohl angemessen wäre, dann kannst du dich einfachheitshalber und unverbindlich an folgendem Vorschlag orientieren. Einen Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesung. Dann kannst du dich für den nächsten Monat auf Looglites verlassen. Also vielleicht so viel, wie ein Bier in deiner Stammkneipe kostet.

1:10:42Lucian Haas

Natürlich kannst du gerne erst ein paar Folgen hören und über Monate hinweg Looglites lesen und dann einen gesammelten Förderbeitrag leisten. Zahlungen sind ganz einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Looglites und zwar dort auf der Seite Fördern. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

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