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62. Küstenflieger - Ralf Piotrowiak

// Ralf Piotrowiak, Lucian Haas · 2021-08-06 · 01:04:25 · original episode

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[show notes]
Ralf Piotrowiak findet sein Glück seit Jahren beim Küstensoaring. Früher flog er auch große Strecken in den Bergen. Stress und Risiko waren ihm irgendwann zuviel. +++ Das Gleitschirmfliegen kennt viele Spielarten. Die Jagd nach großen FAI-Dreiecken in den Bergen beispielsweise. Oder die vom Rückenwind angeschobenen One-Way-Flüge nach Windenstart im Flachland. Die entspannteste Form der Fliegerei, zumindest wenn man es auch bei stärkerem Wind in die Luft schafft, ist freilich das Soaring an Dünen und Steilküsten. Ein Leistungsanspruch in Form von per GPS getrackten Kilometern besteht da erst gar nicht. Spielerisch abheben, einfach rumgondeln, in der Luft abhängen, aufs Meer und in den Sonnenuntergang hinaus schauen, zwischendrin Toplanden, und am Ende mit ein paar Fliegerfreunden den Tag noch ganz gechillt beim Bier am Strand ausklingen lassen. Das ist das Glück auf Erden eines Küstenfliegers. Der 63-jährige Ralf Piotrowiak aus Bad Oeynhausen im nördlichen Nordrhein-Westfalen ist von diesem Schlag. Seit vielen Jahren verbringt er unzählige Stunden in der Luft, und das mittlerweile fast nur noch in der Meeresluft. Das thermische Fliegen in den Bergen, das ihn zu Beginn seiner Fliegerkarriere vor fast 20 Jahren noch begeisterte, hat er zunehmend als zu riskant und stressig empfunden. In dieser Folge Nummer 62 von Podz-Glidz erzählt Ralf Piotrowiak unter anderem, was ihm gerade an der gewissen Langeweile des Dünensoarings so gefällt. Er erklärt, auf welche Parameter vor allem in puncto Wind, Wellen und Strömungsverhältnissen am Meer man achten sollte; gibt Tipps zur passenden Ausrüstung und guten Soaring-Spots; und er erzählt, was ihn dazu verleitet hat, sogar ein Buch über das Küstenfliegen zu schreiben. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://www.lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Nine Lives | Artist: Unicorn Head https://www.youtube.com/watch?v=Zt8yV4xesjw

[transcript]

0:09Ralf Piotrowiak

Am Ende suchen wir das Glück beim Fliegen. Ich habe das früher auch empfunden bei Streckenflügen, wenn ich dann Low -Safe hatte, musste mich wieder hochkämpfen, ja, man schafft es, man kommt wieder an die Wolkenbasis, dieses triumphale Gefühl, ich bin wieder ganz oben, ich bin wieder dabei, ich komme wieder weiter. Und diese Motivation, die treibt einen dann ja an, auch mal dann unangenehme Dinge in der Luft durchzustehen, die jede Thermik ist jetzt schön und gemütlich. Und dann stellt man sich irgendwann die Frage, mag ich das überhaupt noch oder mag ich mittlerweile eine andere Art von Fliegen lieber? Und wenn ich so zurückgucke, so über die letzten Jahre zumindest, gefallen mir und die glücklichsten Tage habe ich dann eigentlich immer so eher am Meer gehabt.

1:02Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

1:06Ralf Piotrowiak

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

1:10Lucian Haas

Heute mit Ralf

1:13Ralf Piotrowiak

Piotrowiak und

1:15Lucian Haas

Lucian Haas am Mikrofon.

1:20Lucian Haas

Das Gleitschirmfliegen kennt viele Spielarten. Die Jagd nach großen FAI -Dreiecken in den Bergen beispielsweise. Oder die vom Rückenwind angeschobenen One -Way -Flüge nach Windenstart im Flachland. Die entspannteste Form der Fliegerei, zumindest wenn man es auch bei stärkerem Wind in die Luft schafft, ist freilich das Zooring an Dünen und Steilküsten. Ein Leistungsanspruch in Form von per GPS getrackten Kilometern besteht da erst gar nicht. Spielerisch abheben, einfach rumgondeln, in der Luft abhängen, aufs Meer und in den Sonnenuntergang hinaus fliegen, zwischenderin Top landen und am Ende mit ein paar Fliegerfreunden den Tag noch ganz gechillt beim Bier am Strand ausklingen lassen. Das ist das Glück auf Erden eines Küstenfliegers.

2:06Lucian Haas

Der 63 -jährige Ralf Piotrowiak aus Bad Oeynhausen im nördlichen Nordrhein -Westfalen ist von diesem Schlag. Seit vielen Jahren verbringt er unzählige Stunden in der Luft und das mittlerweile fast nur noch in der Meeresluft. Das thermische Fliegen in den Bergen, das ihn zu Beginn seiner Fliegerkarriere in den Bergen verliebt hat, hat er zunehmend als zu riskant und stressig empfunden. In dieser Folge Nummer 62 von Podz-Glidz erzählt Ralf Piotrowiak unter anderem, was ihm gerade an der gewissen Langeweile des Dünensoaring so gefällt. Er erklärt, auf welche Parameter, vor allem in puncto Wind, Wellen und Strömungsverhältnissen am Meer, man achten sollte. Er gibt Tipps zur passenden Ausrüstung und guten Soaringspots und er erzählt, was ihn dazu verleitet hat, sogar ein Buch über das Küstenfliegen zu schreiben.

3:02Lucian Haas

Bevor das Gespräch abhebt, möchte ich aber nochmal im übertragenen Sinne ein paar Strippen ziehen und sortieren. Dieser Podcast Podz-Glidz und der zugehörige Blog Looglides stehen dir völlig kostenfrei zur Verfügung. Beide Projekte sind aber nicht kostenlos. Ich stecke hier vor allem viel meiner Arbeitszeit als freier Journalist hinein. Und die will irgendwie finanziert werden. Denn ich lebe ja auch davon. Allerdings will ich nicht via Werbedeals oder gesponserten Podcasts, meine Unabhängigkeit in der Berichterstattung über die Gleitschirmszene verkaufen. Als Alternative setze ich auf die Bereitschaft meiner Hörer und Leser, meine Arbeit nach eigenem Ermessen zu unterstützen – als Förderer. Bist du schon dabei? Dann sage ich Danke. Willst auch du noch Förderer werden?

3:48Lucian Haas

Dann lade ich dich ein, im Anschluss auf der Looglides Webseite den Menüpunkt Fördern aufzurufen. Dort erfährst du, wie du einfach und ohne jede Verpflichtung dazu beitragen kannst, dass die interessanten Infos und Geschichten, aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens, auch in Zukunft weiter sprudeln. Und wenn du dich nicht beteiligen willst, dann bleib trotzdem dran. Sieh diese Folge einfach als Geschenk.

4:13Lucian Haas

Ralf, hast du als Kind gerne im Sandkasten gespielt?

4:17Ralf Piotrowiak

Ja, am liebsten mit Freunden.

4:19Lucian Haas

Und was habt ihr da so gemacht?

4:21Ralf Piotrowiak

Tja, so genau erinnere ich mich nicht mehr. Aber ich denke, alles Mögliche. Vom Anfang wahrscheinlich von irgendwie Kuchen backen und mit Barfuß. Barfuß durch den Sand laufen. Und irgendwie ist die Liebe ja offensichtlich geblieben zum Sand über all die Jahre hinweg.

4:42Lucian Haas

Das heißt, du spielst auch heute noch gerne im Sand?

4:44Ralf Piotrowiak

Ja, so an der Küste. Am liebsten natürlich auch gerne Barfuß, wenn es das Gelände zulässt. Und dann kommt das Meer dazu. Eine wirklich sehr schöne Art zu fliegen.

4:57Lucian Haas

Liebst du eigentlich dann den Sand grundsätzlich oder ist es richtig nervig, Sand in den Schirm zu bekommen?

5:03Ralf Piotrowiak

Also im Schirm ist es natürlich, das versucht man zu vermeiden. Und man ist auch froh, wenn man abends den Sand dann mal wieder los ist. Aber so tagsüber finde ich es eigentlich ganz schön. Und besonders stark erlebt man das natürlich an Gegenden wie Namibia, wo dann wirklich der Sand überall ist. Und nach einem Namibia -Urlaub findet man ihn dann auch noch mal wieder an Stellen, wo man eigentlich nicht damit gerechnet hat.

5:31Lucian Haas

Gibt es eigentlich so etwas wie den ultimativen Trick, wie man Sand aus dem Schirm wieder schnell herausbekommt?

5:38Ralf Piotrowiak

Ja, wenn man sehr geschickt ist, kann man ihn versuchen in der Luft mit einem umgedrehten Schirm herauszuschütteln. Geht nur meistens mit einem sehr agilen Schirm. Ansonsten, wenn Sand einmal drin ist am Meer und der Wind ist da, dann wird es schwierig, ihn dann wieder so rauszubekommen. Man legt dann so eine Flügelspitze über die offene andere und versucht es dann irgendwie, zumindest grob, dann wieder zu entfernen. Das Beste ist Prävention, also verhindern, dass das gar nicht erst passiert.

6:12Lucian Haas

Wie kann man das machen? Gibt es einen Trick?

6:15Ralf Piotrowiak

Naja gut, im Laufe der Zeit ist man geübter.

6:21Ralf Piotrowiak

Man achtet stärker darauf, man weiß ja, welche Folgen dann auftreten, wenn man sich dann doch wieder Sand eingefangen haben sollte.

6:33Ralf Piotrowiak

Und naja, durch die Übung gelingt es dann, das meistens zu vermeiden. Aber es gibt natürlich immer wieder mal Tage, wo es dann doch mal bei seitlichem Wind, wo eine Böe kommt, wo der Schirm dann doch mal wieder unten landet und dann ist er ein bisschen gestrüppt und dann schlägt er irgendwie um. Und irgendwie scheint der Schirm den Sand zu mögen und er zieht sich dann sofort so in der Schippe wieder rein. Und man muss dann wirklich sehr aufpassen, dass es da nicht zu viel ist, sonst wird es fliegen gefährlich.

6:59Lucian Haas

Das heißt, wenn man an der Küste ist, dann muss man sich dann auch aufpassen, dass es nicht zu viel ist, sonst wird es fliegen gefährlich. Und wenn man an der Küste fliegt, muss man sich mit Sand auf jeden Fall anfreunden. Man soll sich nicht drüber ärgern.

7:06Ralf Piotrowiak

Nee, ich meine, das nutzt nichts. Das ist so wie das Wetter. Man muss lernen, damit umzugehen und halt das Beste daraus machen. Und naja, gehört halt mit dazu.

7:18Lucian Haas

Nun fliegst du ja hauptsächlich an der Küste. Was fasziniert dich persönlich so an der Küstenfliegerei?

7:25Ralf Piotrowiak

Also ich mag es mittlerweile so entspannt in der Luft. Also ich möchte mich gerne so in aller Ruhe zu diesem Fluggefühl so hingeben. Ich möchte mittlerweile nicht mehr kämpfen.

7:40Ralf Piotrowiak

Ich mag es halt so, man steht auf dem Campingplatz, man geht ein paar Schritte vor, man zieht den Schirm auf. Man muss nirgendwo hinfahren in den meisten Fällen. Man fliegt. An einem guten Tag landet man irgendwo einsam am Strand. Dann geht man ins Wasser.

7:58Ralf Piotrowiak

Dann setzt man sich wieder. Man läuft die Düne hoch, fliegt wieder ein bisschen. Manche sagen, es ist langweilig. Ich sage dann immer, mich langweilt es auch nicht mehr als die Leute, die dann badend am Meer sitzen und aufs Meer rausblicken. Und ich tue es halt aus der Luft. Also ich finde es schön, entspannt und vielleicht angenehm langweilig.

8:19Lucian Haas

Angenehm langweilig. Es gibt ja so diesen Begriff des Boring Soaring. Nutzt du den auch?

8:24Ralf Piotrowiak

Hör ich jetzt zum ersten Mal. Es trifft es ungefähr, ja. Ich mag es mittlerweile schon, wenn es ein bisschen langweilig ist und ich nicht immer gegen den Absturz kämpfen muss, wie bei Streckenflügen in den Alpen.

8:39Lucian Haas

Gegen den Absturz kämpfen ist gut. Wo siehst du denn den größten Vorteil des Küstenfliegens im Vergleich zu den anderen Spielarten der Gleitschirmfliegen, die wir so kennen?

8:50Ralf Piotrowiak

Also wie gesagt, das empfindet ja jeder anders. Mein Ziel ist ja jetzt nicht zu missionieren. Und da Leute zu überreden, das dann auch mal unbedingt zu machen. Also für mich persönlich, ich habe alle Arten von Fliegen oder Fliegereien ausprobiert. Und mittlerweile mag ich es halt, wie gesagt, so die Kombination Meer, Entspannung. Und ja, es ist für mich einfach eine schöne Zeit. Ich suche das Glück, wenn man so will. Und ich finde es, wenn ich so zurückblicke über das Jahr, finde ich es öfters beim Küstenfliegen, als mittlerweile bei Thermikflügen in den Alpen oder ähnlichem.

9:31Lucian Haas

Was ist das Glück des Küstenfliegers?

9:35Ralf Piotrowiak

Ja, ein schöner Tag, ein bisschen fliegen, mit Freunden zusammen sein, am Meer sein, den Möwen zuschauen. Und für viele mag es nicht spektakulär sein oder aufregend, aber für mich persönlich finde es halt nett.

9:52Lucian Haas

Und was sind die Nachteile des Küstenfliegens?

9:56Ralf Piotrowiak

Naja, Nachteile, man kann halt nicht immer fliegen. Und das wird einem da zwar manchmal erzählt, fahr mal in dieses oder jenes Gebiet, da kannst du immer fliegen, da ist jeden Tag, bist du da in der Luft. Ich bin schon viel rumgefahren und habe so ein Gebiet dann am Ende doch nicht gefunden. Also man hat halt die Tage, wo es dann stürmt, wo schlechtes Wetter ist, der Wind aus der falschen Richtung kommt, zu schwach ist, Küstennebel hat und so, wo man dann halt nicht fliegen kann. Und gut, das ist bei anderen Flugsportarten, ja, oder Thermikfliegen in den Alpen auch ähnlich, auch da kann man nicht immer fliegen. Und da muss man halt eine Möglichkeit finden, was anderes Nettes zu machen. Und die finde ich in der Regel auch am Meer. Also es gibt so viele Möglichkeiten da, einen Tag schön zu verbringen, auch wenn es mal nicht zum Fliegen geht.

10:43Ralf Piotrowiak

Und das ist für mich so der einzige Nachteil. Und vielleicht der Sand, ja, zugegeben. Manchmal.

10:49Lucian Haas

Du hast ja jetzt eine Weile deine nicht fliegenden Tage genutzt, um ein Buch zu schreiben übers Küsten. Küstenfliegen. Das heißt einfach Küstenflieger und beschreibt im Grunde so alles Grundlegende, was man dazu wissen sollte. Was war dein Antrieb, das alles aufzuschreiben, also deine Erfahrung in Textform zu gießen?

11:09Ralf Piotrowiak

Es war kein wirklicher Plan. Also ich war während der Pandemie jetzt fünf Wochen so als Dauercampinggast alleine in Löcken auf einem Campingplatz. Und ich habe Freunde in den Alpen, mit denen ich schon seit Jahren gerne mal an der Küste fliegen. Mit denen ich immer wieder davon erzählt habe und die das auch gerne mal machen wollen. Dann habe ich gedacht, na ja, ich schreibe mal so ein bisschen was auf. Und die erste Idee war vielleicht, es wird ein Artikel, vielleicht für DHV Info oder Thermik Magazin oder ähnliches. Dann habe ich angefangen mit dem Schreiben und dann wurde es immer länger. Die nächste Überlegung war dann, habe ich gesagt, na ja, ein Artikel Serie. Und von da war dann die Idee, dass es dann doch ein Buch werden sollte, war es dann doch etwas naheliegender. Und über Books on Demand hat man heute Möglichkeiten, so etwas dann ja auch im quasi Eigenverlag recht preisgünstig dann zu veröffentlichen.

12:03Ralf Piotrowiak

Und man schreibt natürlich auch so ein Buch, weil es dann am Ende gelesen werden soll und nicht nur irgendwo im eigenen Regal steht.

12:12Lucian Haas

Um so etwas aufschreiben und erklären zu können, muss man ja jetzt auch selbst erst einmal im Grunde besser verstanden haben, was man da macht, damit man das ja auch weitergeben kann. Wie viele Aha -Momente

12:23Ralf Piotrowiak

gibt es? Wie viele Aha

12:23Lucian Haas

-Momente hast du so beim Schreiben selber gehabt, dass du sagst, ah, jetzt verstehe ich überhaupt erst einmal, was ich da vernünftigerweise mache?

12:30Ralf Piotrowiak

So einige und das möchte ich auch sagen, es hat sehr viel Spaß gemacht, so das Buch zu schreiben und dann nochmal das alles zu durchdenken, was wir da machen. Und dann immer wieder mal zu gucken in der Praxis, also so Kleinigkeiten wie, man zieht einen Wind, beim 20er Wind am Strand unten den Schirm auf und denkt, na ja, der Schirm fliegt ja 35, 38 km/h. Und dann zieht man den Schirm auf und denkt, na ja, der Schirm fliegt ja 35, 38 km/h. Und dann zieht man den Schirm auf und denkt, na ja, der Schirm fliegt ja 35, 38 km/h. Beim 20er Wind gemessen auf zwei Meter Höhe zieht man den Schirm hoch und dann auf einmal geht es rückwärts. Man legt Gewicht rein und dann überlegt man natürlich, warum ist das so, woran liegt das? Und ja und dann denkt man nach. Und ja und dann denkt man nach, man hat ja dann auch viel Zeit, wenn es mal regnet und stürmt. Man hat ja dann auch viel Zeit, wenn es mal regnet und stürmt. Man recherchiert so ein bisschen, guckt. Ja und dann entsteht so nach und nach so das Bild.

13:16Ralf Piotrowiak

Ja und dann entsteht so nach und nach so das Bild. fassen und das Ziel war in erster Linie ein Buch aus der Praxis zu schreiben, aber in manchen Fällen muss man so die Theorie auch mit dabei haben, um so ein komplettes Bild für sich zu machen, wenn man dann irgendwie fliegen will, sei es von Strömungsverhältnissen an Dönen oder das Thema

13:42Ralf Piotrowiak

Windgeschwindigkeitsgradient, was das für uns dann in der Praxis bedeutet oder bedeuten kann und um die Frage zu beantworten, es sind dann schon einige Aha -Momente da gewesen, wo mir dann plötzlich auch das Thema Schaumkronenbildung, das ist auch so ein Thema, man richtet sich da als Küstenflieger immer nach und dann stellt man irgendwann fest, der Wind nimmt sehr schnell zu, aber man sieht gar keine Schaumkronen. Woran liegt das?

14:05Lucian Haas

Und woran liegt das?

14:06Ralf Piotrowiak

Naja, die Schaumkronenentstehung benötigt auch Zeit. Wenn der Wind sehr schnell zunimmt, dann sieht man oft nur, dass das Meer rauer und dunkler wird und so eine Viertelstunde später hat man dann die Schaumkronen mit einem Schlag dann wirklich überall und dann auch seitlich ausgedehnt, was immer ein Anzeichen dafür ist, dass der Wind sehr stark ist. Aber der Vorgang, dass der Wind über die Wellen streicht, die Schaumkronen sind ja nichts anderes als eine Vermischung zwischen Luft und der Wasseroberfläche und eine Gisch, die dann entsteht und das passiert dann eben erst nach einem gewissen Zeitraum. Von daher ist man als Küstenflieger dann auch angeraten, die Schaumkronen zu nutzen. Aber sie sind eben nicht so das Maß aller Dinge.

14:51Ralf Piotrowiak

Es gibt auch Wehzunahmen ohne Schaumkronen. Oder wenn jetzt ein starker Regenausfluss draußen auf dem Meer stattfindet, passiert das Gleiche. Man sieht plötzlich eine dunkle Fläche, die sich nähert, eine Böenwalze, keine Schaumkronen drin und das sollte man dann eben schon wissen, wenn man dort fliegt und sich nicht nur so wie die Segler an Schaumkronen orientieren.

15:14Lucian Haas

Braucht es für Schaumkronen auch eine bestimmte Wellenhöhe, dass sich das überhaupt solche Schaumkronen ausbilden kann? Keine Ahnung. Ich könnte mir das auch vorstellen, wenn eine Welle bestimmte Höhe hat, dann gibt es auch oben auf der Welle wie so eine Kompressionszone, wo dann der Wind nochmal beschleunigt wird und wo sich erst dann vielleicht diese Durchmischung von Luft und Wasser und entsprechend ausbildet, dass man sagt, dann ist die Schaumkrone erst da. Aber wenn das über eine relativ flache Wasseroberfläche noch geht, dass da der Wind eben noch gar nichts aufschäumen kann, auch wenn er mit ordentlicher Geschwindigkeit erstmal drüber schäumt. Also

15:43Ralf Piotrowiak

wenn das so ist, auch das beobachtet man manchmal, dass das Meer absolut glatt ist vormittags. Und dann nimmt über den Tag die Windstärke zu. Und dann sieht man sehr langsam, dass das Meer so etwas dunkler wird. Die kleinen Wellen werden durch den zunehmenden Wild etwas höher, immer etwas mehr. Und irgendwann kommt dann der Punkt, wo dann die Kräfte an der Wasseroberfläche so zusammenspielen, dass sich dann eine kleine Welle bricht und es dann so kleinere Schaumkronen entstehen können. Aber es gibt natürlich auch Tage, wo wir Wellengang haben, weil draußen irgendwo auf dem Meer zwei, dreihundert Kilometer entfernt ein großer Sturm war. Und dann haben wir sowieso schon hohe Wellen. Und der Wind ist vielleicht trotzdem schwach. Und man sieht hin und wieder dann doch mal eine Schaumkrone, die aber eigentlich nur durch das unruhige Meer entsteht.

16:28Ralf Piotrowiak

Also es muss einem bewusst sein, dass an der Wasseroberfläche so verschiedene Kräfte, auch Wellenrichtungen sind ja auch anders oft als Windrichtungen, dass diese Kräfte da zusammenspielen. Und dann ist das Thema Schaumkrone eben jetzt nicht so ein feststehendes Maß. Es gibt Tage, da hat man Schaumkronen schon bei relativ wenig Wind. Und es gibt eben, wir beschrieben auch die Windsituation, schnell zunehmender Wind, glatte Oberfläche und erstmal keine Schaumkrone.

16:58Lucian Haas

Nun hast du ja in deinem Buch so die verschiedensten, ja wie soll man sagen, die verschiedensten Aspekte der Küstenfliegerei in einzelnen Kapiteln beschrieben. Da geht es um Starttechniken, da geht es um Landetechniken, wie packt man seinen Schirm bei Starkwind, wie macht man am besten so eine Windeinschätzung, sowas. Wenn du jetzt aus diesem Buch ein Kapitel oder einen kleinen Themenbereich auswählen müsstest, wo es heißt, wenn einer etwas übers Küstenfliegen lesen sollte, dann auf jeden Fall, oder wissen sollte, dann auf jeden Fall das, welches Kapitel wäre das? Oder welches Thema wäre das?

17:34Ralf Piotrowiak

Ja gut, das für uns wirklich Wichtigste, weil das vielleicht Unfälle produzieren kann, sind am Ende die Rotoren, mit denen wir zu tun haben und wie die sich ausprägen können. Ja, das und das Thema, wie sich so der Wind einsetzt. Wie sich das an einer Düne auswirkt, also das Thema Luftstau, Turbulenzzonen, Rotoren, das ist eigentlich so, was man wissen muss, weil es uns unmittelbar betrifft und potenziell auch für uns gefährlich werden kann.

18:03Lucian Haas

Erklär mal kurz, was ist der Luftstau?

18:06Ralf Piotrowiak

Naja, wenn der Wind auf ein Hindernis trifft, das kann ein Berg sein, ein Haus oder eine erhobene Küste oder eine Düne, dann müssen die Luftmassen im Prinzip an der Stelle, wenn sie angehoben werden, das kostet Energie und diese Energie wird der Geschwindigkeit der anströmenden Luftmasse entzogen und kleinerer Effekt ist vielleicht auch, dass der Wind einfach nur direkt draufprallt und ein bisschen reflektiert wird. Also es entsteht vor einem Hindernis ein Bereich mit weniger Wind, wo sich die Luft staut, wo die Windgeschwindigkeit niedriger ist, wo wir es teilweise auch mit etwas wechselnden Windrichtungen zu tun haben.

18:52Ralf Piotrowiak

Und das erfahren wir dann relativ schnell, wenn wir vom Strand aus mit dem Schirm die Düne hoch händeln. Dann wird es plötzlich kurz vor der Düne wird es schwierig, schwieriger, manchmal fällt am Anfang der Schirm sogar noch runter, weil plötzlich zu wenig Wind da ist. Dann geht man ein, zwei Schritte höher, die Windrichtungen ändern sich, mal ein bisschen mehr von rechts, ein bisschen von links. Dann wird der Wind schlagartig schneller und es wird turbulent, weil sich zwei Luftmassen, die hohende Luftmasse, fortführen. Und die da drüber, über den Venturi -Effekt fließende, beschleunigte Luft, weil die sehr viel schneller ist und an der Grenzschicht zwischen beiden verwirbelt sich das Ganze. Ja, und dann machen wir manchmal einen Schritt und sind erstaunt, dass wir gerade noch einen ordentlichen Zug im Schirm hatten und 20 Zentimeter weiter sind wir plötzlich in der Luft, wenn wir in der Kompressionszone dann sind.

19:43Ralf Piotrowiak

Also da wird es dann…

19:44Lucian Haas

20 Zentimeter machen da manchmal schon den Unterschied

19:46Ralf Piotrowiak

aus? Ja,

19:46Lucian Haas

manchmal sind das, genau.

19:48Ralf Piotrowiak

Ein Meter, 20 Zentimeter ist dann schon wirklich… Ja,

19:51Lucian Haas

das ist richtig

19:51Ralf Piotrowiak

sehr spürbar. Es ist ein sehr enger Bereich, der einen dann auch immer wieder mal überrascht, weil beim Hochhändeln merkt man ja, die Kraft ist da. Aber dann nur noch ein bisschen mehr und plötzlich hebt es einen dann weg. Und das passiert dann auch schon mal, dass man auch mal rückwärts dann ausgehebelt wird, weil man dann doch immer wieder mal von den Kräften überrascht ist.

20:11Lucian Haas

Dann hast du, jetzt haben wir von Luftstau gesprochen, das war jetzt die Turbulenzzone, dann sagtest du noch Rotoren. Erklär das auch nochmal. Wo treten die auf und was ist da das Gefährliche? Ja,

20:22Ralf Piotrowiak

wenn der, also das Gefährliche am Rotor ist, ist eigentlich, dass wir ihn nicht sehen. Wenn man ihn sehen könnte, brauchte man nicht groß drüber zu reden. Und ein Rotor tritt im Prinzip auf, wenn eine Luftmasse, eine Bewegtluftmasse auf ein Hindernis trifft und die dann oben oder auch an den Seiten dann umfließen muss, dann wird oben und an den Seiten entsteht die Kompression und hinter dem Hindernis oder hinter der Kante des Hindernisses… entsteht ein Lee oder ein Unterdruck und das wird auch immer nur so punktuell von den Seiten und von oben her aufgeführt. Das heißt, die Luftmassen fließen an einer Kante oben über diese hinweg und fallen dann nach der Kante wieder runter.

21:09Ralf Piotrowiak

Man hat dann sogar hinter dem Dünenrand so einen Bereich, wo der Wind aus der anderen Richtung kommt und direkt an der Dünenkante hat man sogar einen windstillen Bereich in den meisten Fällen, wo man dann schön sitzen kann oder den Schirm packen kann. Und wenn man dann weiter weggeht vom Dünenrand, dann kommt man wieder in den Bereich, wo der Wind wieder herunterkommt und sich am Boden anlegt, wo man dann auch am Grasbewuchs erkennen kann, dass dort Bewegung ist und der Wind dann da wieder geeignet ist, um dort den Schirm dann aufzuziehen. Also der Rotor hat für uns Bedeutung bei dem Punkt, wo wir an der Düne starten, aber viel gravierender, wo wir eben beim Toplanden nicht mehr fliegen dürfen. Und das ist das, was beim Küstenfliegen eigentlich so mit zu den Hauptunfallursachen gehört, dass Leute das unterschätzen, zu weit vom Dünenrand wegfliegen und dann plötzlich aus fünf oder zehn Metern in so einem Rotor dann runterfallen.

22:07Ralf Piotrowiak

Und das geschieht dann ohne Vorwarnung. Ist dir

22:09Lucian Haas

das schon mal passiert?

22:10Ralf Piotrowiak

Ja, so an einer Stelle in Castel Sardo auf Sardinien. Ich habe mir dabei jetzt nicht wehgetan. Aber es ist so. Ich bin dann doch ein bisschen zu viel nach hinten geflogen. Jetzt war vor mir noch so eine Stromleitung oder ein Telefonkabel. Und dann hatte ich gedacht, ich komme darüber hinweg. Und dann hatte ich das Gefühl, ich schaffe es dann doch nicht mehr und musste dann hinter diesem Telefonkabel landen. Und dann war es auch mit einem Schlag jetzt nicht sehr hoch. Es waren dann vielleicht so zwei, drei Meter. Aber mit einem Schlag lag ich dann auf dem Protektor. Wie gesagt, nichts passiert. Aber der Rotor ist eben dann halt eigentlich immer da. Außer die Wiese oder die Kante, an der man landet, ist stärker geneigt in Richtung Meer.

22:55Ralf Piotrowiak

Dann ist er oft schwächer ausgeprägt. Und da gibt es so Stellen wie Norma zum Beispiel. Da kann man eigentlich überall wunderbar einlanden. Das ist so eine sanft geschwungene Kuppe. Da merkt man kaum Rotor. Es wird da auch einen Rotor geben, aber der ist dann für uns nicht mehr so relevant.

23:13Lucian Haas

Von dem, was du jetzt so für dein Buch für dich auch erarbeitet hast und sowas. Welche dieser Skills sollte man als Küstenflieger, wenn du aus einer normalen Fliegerei kommst? Ich bin Bergflieger und habe da so meine Erfahrung. Welche Skills muss ich besonders weiter ausbauen oder überhaupt erst neu aufbauen dafür?

23:32Ralf Piotrowiak

Also das Fliegen an der Küste selber, wenn man mal in der Luft ist, ist ja im Vergleich zum Streckenfliegen, Thermikfliegen in den Alpen sehr einfach. Da gibt es höchstens so kleinere Tricks mal beim schwachen Fliegen, wie man sich da noch besser oben halten kann. Aber ansonsten ist das Problem auch nicht die Landung. Also Toplanden ist natürlich auch ein bisschen anspruchsvoller. Aber man kann ja, wenn man das nicht will, immer am Strand landen. Aber das Thema ist eigentlich der Start. Also wie komme ich die Düne hoch, wenn ich vom Strand her aufziehen und dann starten will? Wo, an welchen Stellen kann ich oben gegebenenfalls von der Düne starten? Also das ist dann das, was das Küstenfliegen bei viel Wind. Wir haben ja teilweise 30 km/h. 33 km/h in der Kompression gemessen an der Kante.

24:19Ralf Piotrowiak

Und wir haben ein Stück Stoff mit 30 Quadratmeter. Also das sind dann schon richtig Kräfte, mit denen man da umgehen muss. Und das kann man teilweise beschreiben. Und es gibt natürlich viele Techniken, auch schöne Videos bei YouTube, wie man da seine Skills verbessern kann. Aber am Ende muss man das üben. Man muss es automatisieren. Und dann schafft man es auch, hinterher so die Düne im Luftstau mit so einem großen Schirm, bei viel Wind dann hoch zu händeln und dann auch sauber und kontrolliert zu starten.

24:49Lucian Haas

Wenn jetzt Leute, die noch nicht so erfahren sind, sagen, oh, ich will jetzt mal an die Düne fahren oder irgendwo an die Küste fahren und sowas. Was wird von denen aus deiner Sicht am meisten unterschätzt?

25:01Ralf Piotrowiak

Ja, das Küstenfliegen generell wird, habe ich das Gefühl, so ein bisschen unterschätzt. So nach dem Motto, naja, es ist eine langweilige Geschichte. Man eiert da so ein bisschen an der Düne hin und her. Und kann jeder, braucht keine besonderen Fähigkeiten. Aber das, was ich gerade geschildert habe. Also dieses Hochhändeln. Dann an einer Düne und dann noch im Luftstau, wo man auch nicht überall hintreten kann. Sondern man muss ja dann an einer bewachsenen Düne, wie zum Beispiel in Löcken, da muss man dann so finden, dass man so die Stellen findet, wo eben kein Gebüsch ist. Das heißt, ich kann da nicht frei hochhändeln, sondern das muss ich alles dann koordinieren. Und der Schirm darf nicht runterfallen. Und ja, das ist dann, das ist eigentlich der schwierige Moment, wo das Können gefragt ist. Und als Anfänger, ich meine, mir ist es ja auch so gegangen.

25:48Ralf Piotrowiak

Man fährt dann dahin, man sieht die anderen fliegen und die kommen ganz leicht in die Luft. Und man selber hat immer Sand im Schirm. Dann läuft man ein Stückchen hoch, dann fällt er wieder hin. Ja, dann schüttelt man den Sand wieder raus. Also man arbeitet eine Stunde, man schwitzt. Und irgendwie kommt man dann auch mal in die Luft. Und dann fliegt man glücklich. Aber man merkt natürlich dann auch relativ schnell, das muss eigentlich so ein bisschen besser gehen. Und naja, Üben hilft am Ende.

26:13Lucian Haas

Wenn man in den Bergen fliegt. Da gibt es ja viele, die, ja, Piloten, die es einem gut vormachen. Auch was Streckenfliegen betrifft und sowas. Da kann man sich auch irgendwelche Szenegrößen als Vorbilder nehmen und sagen, den möchte ich nacheifern. Und kann die Strecken, die die fliegen, genau analysieren und sagen, wo haben die die Talsprünge gemacht, mit welcher Höhe und sonst irgendwie was. Gibt es eigentlich sowas in dieser kleinen Szene der Küstenflieger, sowas wie Stars oder Vorbilder oder sonst was, an denen sich andere Leute orientieren? Oder ist das eigentlich was ganz anderes?

26:47Ralf Piotrowiak

Also habe ich jetzt nie so empfunden, es gibt da keine Wettbewerbe. Und es macht ja auch keinen Sinn. Am Ende geht es ja beim Küstenfliegen, vielleicht beim Fliegen generell, aber vor allen Dingen beim Küstenfliegen, geht es ja um das Glück, was man so erleben kann. Einen schönen Tag haben, entspannt mit Freunden am Meer sein, ein bisschen fliegen. Darum geht es. Und es ist halt am Ende kein Wettbewerb oder so. Aber man sieht natürlich relativ schnell, dass da einige dort sind, die ganz geschickt mal eben schnell die Düne hochlaufen, die schön oben top landen oder eine Weile auf der Düne stehen und dann wieder raus starten und fliegen, so wie die Möwen. Also das sind dann zwar nicht unbedingt die Stars, aber man kann dann schon erkennen, wer das dann gut kann, wer da geübt ist und wer das viel macht.

27:33Ralf Piotrowiak

Und man unterscheidet den dann schon relativ schnell von demjenigen, der dann hin und wieder mal ans Meer kommt, mit viel Schweiß und Mühe dann irgendwie in die Luft kommt und dann natürlich auch erstmal ein paar Stunden fliegen will und in Ruhe in der Luft abhängen will. Also die Könner, man sieht sie spielen. Das ist halt ein anderes Fliegen. Man landet ein, startet wieder raus. Als ich letztens im April da war, ist ein einheimischer Pilot, mit dem ich mich unterhalten hatte, der flog einen Boomerang. Der ist immer um mich herum geflogen, so einen Meter hinter mir. Und wir haben uns dabei unterhalten und ich habe ihn so ein bisschen gefilmt. Ja, das ist halt, man kann sagen, ja, es ist einfach eine spielerische Art zu fliegen wie die Möwen, was dann auch Spaß macht.

28:17Lucian Haas

Ist dieser spielerische Ansatz auch das, was letzten Endes einen in Anführungszeichen guten Küstenflieger ausmacht?

28:25Ralf Piotrowiak

Ach ja, ich weiß jetzt nicht. Ich habe jetzt nie angefangen, so die Küstenflieger nach gut oder so oder schlechter einzuteilen. Am Ende suchen wir alle so ein bisschen das Glück und den Spaß. Und sind dann ja Gewinner, alle Gewinner am Ende des Tages, wenn wir da sitzen mit unserem Bier und haben einen tollen Tag gehabt und sind alle geflogen. Aber klar, man sieht immer ein paar, die es dann etwas besser beherrschen und die das Spielen dann genießen.

28:56Lucian Haas

Bist du da manchmal neidisch, wenn du die siehst? Oder bist du auch ein solcher Spieler und sagst, nach vielen Jahren des Küstenfliegens bin ich auch ganz leichtfüßig dabei?

29:05Ralf Piotrowiak

Neid finde ich jetzt kein schönes Gefühl. Aber ich bewundere natürlich dann schon so zum Beispiel diesen dänischen Piloten, der wirklich bei sehr starkem Wind mit einem großen Schirm, mit dem Boomerang, das so toll beherrscht in der Perfektion. Dass das Fliegen so wie die Möwen einfach gerade überall das tun, was einem so einfällt. Da schaue ich auch gerne zu und das gefällt mir. Aber neid würde ich es jetzt nicht nennen.

29:33Lucian Haas

Lass uns mal so in aller Kürze so ein paar praktische Dinge der Küstenflieger erzählen. Auch was Fliegerei abklären. Auch was Ausrüstung betrifft und sowas. Ich gebe dir dafür einfach mal so ein paar Satzanfänge vor. Und du kannst dann nach bestem Wissen und aus deiner Erfahrung heraus ergänzend was sagen, was dann dazu passt. Okay?

29:53Lucian Haas

Der beste Schirm fürs Küstensoaring ist einer, der...

29:58Ralf Piotrowiak

Ja, man muss ihn gut handeln können. Er sollte Leistung haben. Und er sollte beschleunigt auch großes Geschwindigkeitspotenzial haben.

30:09Lucian Haas

Du sagst, er sollte Leistung haben. Sind A -Schirme für die Küstenfliegerei nicht geeignet?

30:14Ralf Piotrowiak

Sind sie. Und man kann mit dem A -Schirm alles an der Küste machen, was man gerne möchte. Aber es gibt halt so die Phasen, die Tage, wo der Wind dann mal etwas schwächer ist. Und wo dann der A -Schirm von der Leistung her gerade nicht ausreichend trägt und man mit einem anderen Schirmrad noch so fliegen kann.

30:33Lucian Haas

Und dann hast du das Punkt der Geschwindigkeit oder das Geschwindigkeit Fensters angesprochen. Da sind dann höhereingestufte Sportschirme auch im Vorteil, weil du sagst, okay, wenn der Wind dann mal stärker wird, habe ich mit denen einfach auch noch ein bisschen mehr Reserve.

30:47Ralf Piotrowiak

Ja, also in dem Fall ist an der Küste die maximale Geschwindigkeit, die der Schirm fliegt, ein Sicherheitsfaktor. Und viele geübte Flieger haben dann ja einen D -Schirm. Zum Beispiel, wie ich erzählt habe, von dem dänischen Piloten. Der fliegt dann Boomerang. Und der geht natürlich dann voll beschleunigt. Doch auch deutlich über 60 km/h. Und wenn der Wind dann mal schnell zunimmt, dann ist man ja auch in 30 Sekunden oder in einer Minute ist man unten am Strand gelandet. Aber der Wind kann so schnell zunehmen, dass man dann auch froh ist, dass man dann dieses Geschwindigkeitspotenzial noch hat. Ich bin dann auch schon mal beschleunigt gelandet.

31:29Lucian Haas

Nun gibt es ja auch die Möglichkeit, dass man die Geschwindigkeit eines Schirmes erhöht, indem man beispielsweise einfach einen kleineren Schirm nimmt und damit die Flächenbelastung höher hat. Genau. Wenn du jetzt entscheiden dürftest, gehe ich eher auf einen kleineren Schirm, um Geschwindigkeit zu haben? Oder nehme ich eher den sportlicheren Leistungsschirm, um ein größeres Geschwindigkeitsfenster zu haben und damit auch oben raus halt die entsprechende Geschwindigkeit zu haben? Was würdest du da eher empfehlen? Welcher Weg ist der bessere?

31:54Ralf Piotrowiak

Also ich für mich habe beides gewählt. Also ich habe einen Hochleister, den ich dann so am unteren Gewichtsbereich fliege für normale, schwache Bedingungen. Den ich dann aber auch nochmal durch etwas zusätzliches Ballast von der Fliege verwende. Und von 10 Kilogramm, ich sag mal, auch noch etwas schneller wieder machen kann. Und dann habe ich einen etwa 20 bis 30 Kilogramm überladenen XS -Schirm, der dann für stärkeren Wind geeignet ist. Also damit kann ich persönlich so für mich weite Bereiche so des möglichen oder des Flugbereichs abdecken oder der fliegbaren Tage abdecken. Und was da noch fehlt, sind dann vielleicht so 10 Prozent der Tage, wo dann der Wind so stark ist. Dann müsste ich dann irgendwie einen 16, 17 Quadratmeter Schirm haben oder einen Speedglider.

32:42Ralf Piotrowiak

Haben auch einige Küstenflieger, die haben dann drei oder manche sogar vier Schirme, dann auch für solche Fälle. Und ja, es hat auch seinen Reiz, bei so sehr starken Winden zu fliegen.

32:54Lucian Haas

Das heißt, der Trend bei Küstenfliegern geht ähnlich wie bei den Kitern zum Zweit-, Dritt - und Viertschirm?

32:59Ralf Piotrowiak

Genau, ja. Zumindest bei denen, die das sehr intensiv betreiben. Genau. Weil das Fenster, das wir so nutzen können, mit dem Gleitschirm ist sehr eng. Also in den meisten Fällen sind fünf Knoten zu wenig. Und mit normalen Schirmen sind oft dann elf oder zwölf Knoten an der Meereskante unten auf zwei Meter Höhe gemessen auch schon wieder zu viel. Und wenn man dann mit dem Equipment das um einige Knoten nach oben und manchmal auch dann ein bisschen nach unten erweitern kann, dann nimmt natürlich die Möglichkeit oder die Frequenz der, der Tagern, die man dann auch nutzen kann, nimmt dann deutlich zu. Deswegen haben die meisten, die es oft und viel machen, die kaufen sich gebrauchte Schirme irgendwo für wenig Geld im DRV -Gebrauchtmarkt zum Beispiel

33:47Ralf Piotrowiak

und decken dann damit eigentlich so einen ganz guten Bereich ab.

33:53Lucian Haas

Ist es auch üblich, so wie du das machst, seinen Schirm zusätzlich aufzulasten, indem man sagt, ich nehme jetzt noch Ballast mit in zehn Liter Wasser oder ich packe mir noch einen Sandsack hinten ins Gurtzeug rein oder was auch immer? Also ich

34:04Ralf Piotrowiak

weiß jetzt nicht, ob das jetzt alle machen oder so. Ich für mich persönlich mache das ganz gerne, weil der Ballast stört beim Küstenfliegen eigentlich nicht, weil im Gegensatz zu einem Bergstart, wenn ich in den Alpen mit Ballast starte und habe acht Kilo dabei und ich habe wenig Wind, dann ist der Start eine Quälerei. Aber beim Küstenfliegen ist es so, ich schleppe das Zeugs halt dahin. Das ist die Arbeit, die ich leisten muss. Aber in dem Moment, wo der Schirm hochgeht, trägt er den Ballast und ich spüre gar nicht, ob ich noch zehn Kilo zusätzliches Gewicht dabei habe. Und beim Fliegen spüre ich es dann sowieso nicht mehr. Und bei der Landung, gut, da packe ich dann ja eh zusammen. Da kann ich das Wasser dann auch wieder ablassen und muss es auch nicht wieder nach Hause tragen. Also ich finde, das ist eine gute Möglichkeit,

34:49Ralf Piotrowiak

das Flugfenster etwas zu erweitern. Also der Michael Nessler sagte mir mal, pro zehn Kilo Überladung wird ein Schirm etwa um viereinhalb km/h schneller. Das kann man jetzt nicht beliebig weit fortsetzen. Also ich sage mal so, wenn man 30 Kilo überladen hat, dann fliegt der Schirm nicht unbedingt 15 km/h schneller, sondern vielleicht nur noch zwölf oder so. Aber es ist eine deutliche Geschwindigkeitszunahme, die man hat und die man auch schon spüren kann.

35:16Lucian Haas

Machen wir mal weiter in dieser kleinen Satzergänzungsgeschichte. Auch beim Küstenfliegen sollte mein Gurtzeug einen Protektor haben. Weil?

35:26Ralf Piotrowiak

Oh ja, ich finde, das ist eine gute Idee mit dem Protektor. Weil es passiert doch immer wieder mal, dass es einen irgendwo aushebelt.

35:34Ralf Piotrowiak

Dass man vielleicht beim bodennahen Fliegen dann doch auch mal einen Kontakt haben kann mit dem Boden und das bei einer Geschwindigkeit von 20, 30 km/h. Also ein Protektor ist auf jeden Fall empfehlenswert. Ich meine, wenn einer darauf verzichtet, muss er selber wissen, was er da tut. Aber ich würde es für mich persönlich, möchte ich da nicht drauf verzichten.

35:58Lucian Haas

Was ist mit Retter?

36:00Ralf Piotrowiak

Ja, ein Retter, da glaube ich jetzt nicht, dass da Leute anderer meinen, dass die Leute anderer Meinung sind. Also einen Retter braucht man nicht an der Küste und er wird schnell gefährlich. Man braucht ihn nicht, weil man irgendwo 20, 30 Meter maximal vom Boden entfernt weg in der Luft ist. Würde man an der Stelle jetzt einen Retter benötigen, würde er sich nicht öffnen. Aber das vielleicht viel wichtigere Argument ist, wenn er sich dann wirklich mal öffnet bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h an der Dünenkante, dann kann sich jeder selber vorstellen, was dann passiert, wenn ich dann auch noch 40 oder 50 Quadratmeter Retter offen habe, was mich dann da durch die Gegend zieht. Und es passiert auch einfach zu schnell, dass ein Retter ausgelöst wird aus Versehen, weil sich beim Brauntandling irgendwie eine Leine drum gelegt hat und plötzlich zieht es einen da raus.

36:52Ralf Piotrowiak

Also der Retter gehört wirklich ausgebaut oder zumindest sicher blockiert.

36:57Lucian Haas

Wenn wir schon bei Sicherheit sind, nutzt du an irgendwelchen Küsten manchmal eine Schwimmweste?

37:03Ralf Piotrowiak

Nein. Also wenn es so gefährlich ist, würde ich da nicht fliegen. Also wenn da unten kein vernünftiger Strand zum Landen ist, wo ich zur Not runtergehen kann,

37:14Ralf Piotrowiak

dann würde ich da auch nicht in die Luft gehen wollen. Ich könnte mich da eh nicht entspannen bei solchen Bedingungen. Machen aber manche auch. Und eine Schwimmweste trage ich nie.

37:26Lucian Haas

Ich habe immer einen Windmesser mit im Sack. Weil?

37:31Ralf Piotrowiak

Weil ich den unbedingt brauche beim Küstenfliegen, um die Bedingungen einzuschätzen. Vor allen Dingen, wenn das Leute machen, die jetzt nicht ihr ganzes Leben und davon die meiste Zeit am Meer fliegen. Dann hat man irgendwo ein Gefühl. Ich komme aus den Alpen, bin da schön geflogen. Jetzt mache ich mal wieder einen Küstenurlaub. Jetzt stehe ich an der Düne bei einem 30er, 32er Wind. Also vom Gefühl her sagt man, da ziehe ich jetzt keinen Schirm auf. Das ist wirklich viel zu viel. Sind aber effektiv wirklich super Bedingungen, um zu fliegen. Man misst ja in der Kompression immer etwas stärkeren Wind. Also 30, 32 km/h an einer Düne wie in Lökken sind optimal. Die sind wirklich klasse zum Fliegen. Wenn man dann nicht auspackt, dann kommt man gar nicht in die Luft. Das hilft der Windmesser am Ende auch.

38:19Ralf Piotrowiak

Weil ich kann mit dem Windmesser wirklich eine rationale Entscheidung treffen. Ich kann unten an der Meereskante den Wind messen. Wenn ich sehe, da ist 18 km/h. Wunderbar, das sind gute Bedingungen. Habe ich oben an der Kante 32. Passt das immer? Das passt immer noch wunderbar ins Bild. Da kann ich sogar manchmal noch mit einem kleineren Schirm von oben von der Düne starten. Das ist dann auch noch manchmal möglich bei den Bedingungen. Und dann kann man auch prima fliegen. Wenn ich nur nach dem Gefühl gehe und ich schätze den Windmesser nicht,

38:50Ralf Piotrowiak

dann das kann man nicht einschätzen. Also kann mir niemand sagen, dass er den Unterschied zwischen 32er Wind in der Kompression und 26, ich glaube, das kann man nicht fühlen. Oder man muss wirklich extrem viel Erfahrung haben.

39:02Lucian Haas

Wie macht man das so an Küsten? Bei manchen kann man ja einfach sagen, ich gehe unten an den Strand, dann laufe ich ganz schnell mal die Düne hoch und vergleiche auch, die habe beide Windmesswerte. Aber es gibt ja manche Küsten, auch so Steilküsten, wo du nicht so einfach von unten mal nach oben kommst oder sowas. Du bist dann unten am Strand, kannst aber ganz schwer abschätzen, wie stark eigentlich der Wind dort oben in der Höhe ist. Was macht man dann?

39:25Ralf Piotrowiak

Ja, ist eine gute Frage. Also ich habe gerne beide Windwerte. Und ich investiere dann auch mal die 10 Minuten, um zu sagen, ich gehe jetzt doch mal unten an der Wasserkante messen und ich messe oben. Natürlich kann sich in der Zeit auch schon wieder was geändert haben. Also ich mache mir gerne ein komplettes Bild. Aber es gibt wirklich die Fluggebiete, wo das so nicht geht.

39:47Ralf Piotrowiak

Und ja gut, dann muss ich eben halt die Werte nehmen, die mir zur Verfügung stehen. Also ich persönlich finde es immer gut, wenn man oben starten kann, wenn es irgendwie möglich ist. Vom Gelände her, von den Windwerten her, ziehe ich das Starten von oben vor, auch um die Dünen so ein bisschen, die Dünenvegetation zu verbessern. Um das zu schonen. Weil wenn wir da als Küstenflieger immer rauf und runter laufen, gerade so auch an Dünen, die erodieren wie in Dänemark. Und dann gibt es das Thema Küstenschutz nicht nur in Dänemark, sondern auch gerade in Holland. Da möchte man das dann schon vermeiden, dass man da viel Platz tritt. Aber ich sage mal so, wenn ich jetzt nur den Wert von oben habe und der passt für mich, ich würde dann in dem Fall an der Kante 30er Wind messen, dann würde ich sagen, okay, ich kann es wagen und ich probiere das jetzt.

40:37Ralf Piotrowiak

Allerdings dann nur, wenn ich weiß, ich kann nach hinten den Schirm auch wieder ablegen, wenn ich dann feststelle, dass es vielleicht dann doch zu viel ist. Weil wir messen den Wind immer auf zwei Meter Höhe. Dann haben wir das Thema Windgeschwindigkeitsgradient. Also da auf der Höhe, wo unser Schirm dann am Ende steht, ist der Wind deutlich stärker. Und diese Geschwindigkeitszunahme, wir wissen, dass die logarithmisch verläuft, aber es gibt Tage oder böige Tage, wo der Gradient oder Windgeschwindigkeitsgradient stärker ausgeprägt ist. Und dann messe ich unten am Aufziehpunkt vielleicht 30 Meter hinter der Dünenkante. Ich messe dann da so 23, 25 Gramm h. Es müsste okay sein, ist es meistens auch. Aber es gibt die Tage, wo es doch zu viel ist. Und dann möchte ich den Schirm noch wieder ablegen können und sage, okay, hat keinen Zweck. Ich muss dann doch runter an den Strand und von dort starten.

41:25Lucian Haas

Wenn ich dich jetzt so richtig verstanden habe, nur um das mal noch mal so festzuhalten, so als ein paar Eckwerte, die man sich vielleicht merken kann. Hast du vorhin mal gesagt, die Wasserkante 20 km/h ist schon viel, schon sportlich. Oben, Dünen, Oberkante 30 km/h oder 33 oder so was ist dann auch schon sportlich. Genau, in der Kompression. Und in diesem Bereich, also das sind sowieso die Eckwerte, wo man sagen kann, hm, zumindest mit normaler Ausrüstung und so sollte es obenrum nicht mehr als 30 haben und auch unten an der Wasserkante nicht mehr als 20. Dass man sich das einfach so im Kopf mal als, als Daumenwerte so merken kann. Genau.

42:06Ralf Piotrowiak

Es ist in den meisten Fällen gut. Es gibt sehr unterschiedliche Gebiete, Dünenneigungen und so. Aber in den meisten Gebieten, oder nehmen wir den konkreten Fall, eine Düne, die so wie in Dänemark in Löcken, die so sechs, sieben Meter hoch ist oder vielleicht zehn Meter und die so 70, 80 Grad ansteigt mit einem ordentlichen Strand davor. Das sind halt dann so die Bedingungen, wo man da noch gerade fliegen kann. Es gibt natürlich dann, wenn man in der Luft ist oder am Strand dann gestartet ist, dann darf es an der Dünenkante auch mal 42 km/h sein, wenn man mit kleinerem Schirm unterwegs ist. Aber wir wenden uns ja, oder ich wende mich mit dem Buch ja auch an Leute, die das noch nicht so oft gemacht haben. Die haben dann meistens nicht den kleinen überladenen Schirm dabei. Die gehen mit normalem Equipment fliegen und für die sind diese Werte eigentlich so ganz grob schon

42:55Ralf Piotrowiak

so ein bisschen die Orientierungshilfen.

42:58Lucian Haas

Das sind ja jetzt die gemessenen Windwerte. Nun ist man ja auch, steht dann vor der Entscheidung, fahre ich überhaupt an die Küste? Also ich wohne jetzt zum Beispiel in Bonn. Ich könnte sagen, ich fahre dreieinhalb Stunden, wäre ich in Holland an der Küste. Ich könnte mal sagen, jetzt das Wochenende. Lohnt sich das oder nicht? Was ist so deine liebste Meteoseite oder die, die du am häufigsten nutzt, um zu sagen, da ziehe ich eigentlich die aus meiner Sicht besten Windinformationen heraus, was Prognosen betrifft?

43:25Ralf Piotrowiak

Tja, also es gibt,

43:30Ralf Piotrowiak

Windguru ist sicherlich nicht schlecht, hat aber auch nicht immer Recht und diese Modelle, die abgeleitet werden von Windguru oder von Windy oder Windfinder,

43:43Ralf Piotrowiak

mal hat der eine Recht, mal der andere. Und jetzt ist es ja für uns so, unsere Möglichkeiten, die wir nutzen können, sind ja ziemlich eingeschränkt durch unser relativ langsames und leistungsarmes Fluggerät. Dazu kommt dann noch, dass wir dann die Windrichtung ja auch noch genau haben wollen. Und auch die kann dann nochmal um 20, 30 Grad variieren. Die Windwerte können um 20, 30 Prozent nach oben oder unten variieren. Und da kommen so viele Variablen dann zusammen, dass man also nie genau wissen kann, dass es klappt. Und es gibt auch nicht den einen Wetteranbieter, wo man sagt, der hat immer Recht. Also ich gucke immer alle an und habe dann die Qual der Wahl. Wem, wem glaube ich jetzt? Und wenn ich dann so merke, na ja, so zwei, die tendieren dazu, dass es mal in Hanstholm oder in Dockedal oder in Waikanssee gehen könnte, dann denke ich, na ja, gut, lohnt es sich.

44:35Ralf Piotrowiak

Die Fahrt, der Aufwand dahin für dich jetzt, dreieinhalb Stunden Fahrt, ja, kann passieren. Man fährt nach Holland und steht dann da und der Wind ist dann 6, 7 km/h weniger und die Windrichtung passt eigentlich auch nicht so ganz. Und dann hat man noch die andere Option, dass man dann noch ein bisschen wartet. Gerade im Sommer sind die Tage, vielleicht kommt der Wind etwas später, vielleicht kommt er abends nochmal. Ja, aber ansonsten braucht man natürlich passende Bedingungen.

45:03Lucian Haas

Von deiner Erfahrung mit den Küsten her, wo liegen die Meteoprognosen eher daneben, bei der Windgeschwindigkeit oder bei der Windrichtung, die entsprechenden Prognostizien?

45:13Ralf Piotrowiak

Also das kann ich so vom Gefühl her noch nicht mal so richtig einschätzen. Also es ist beides, was variiert.

45:22Ralf Piotrowiak

Die Wetteranbieter, die berücksichtigen in der Regel auch nicht die Entstehung von Thermiken im Hinterland oder das, was da dann so passiert. Die gucken sich überregionale Windentwicklungen an und übertragen die dann auf die Küste, auf die Punkte, die uns dann interessieren. Das sind die Punkte, an denen wir fliegen, auch noch sehr kleinräumig. Und wenn dahinter ein ordentliches Stück Land ist, was dann Thermik entwickelt und dann so ab 1, 2 Uhr nachmittags so die Cumuluswolken richtig prall stehen, dann ist das in den Prognosen nicht mehr mit drin. Aber für uns bedeutet das dann an der Küste vorne doch starke Windzunahme und an einem schwachwertigen Tag doch, dass wir fliegen können.

46:02Lucian Haas

Wir haben vorhin so über die Eckwerte gesprochen, von den gemessenen Windwerten. Gibt es für dich Eckwerte, die du im Kopf hast, wenn du so eine Meteoprognose checkst, wo du sagst, wenn ich das sehe, dass beispielsweise da der Wind schon mehr als 15 Knoten hat oder sonst irgendwie was, dann fahre ich erst gar nicht in so ein Gelände raus? Oder sagst du, nee, das Wetter wird vor Ort gemacht? Letzten Endes, solange ich sehe, der Wind passt auch irgendwie. Und auch wenn ich sehe, das sind vielleicht 10 km/h zu viel. Aber irgendwann im Tagesverlauf werde ich schon mein Wind - und Flugfenster entsprechend finden.

46:35Ralf Piotrowiak

Ja, es ist so eine Abwägung dann zwischen vielen Dingen. Man wägt dann ab. Wenn natürlich 30 Knoten Wind angesagt ist, dann haben die meistens nicht so Unrecht. Da brauche ich nicht hinfahren. Also das probiere ich dann nicht. Aber wenn die Windrichtung passt, wenn ich sehe, es gibt keinen Regen, der mir dann auch noch mal dazwischen kommt, und wenn er vielleicht doch etwas stärker ist, als ich es eigentlich gerne hätte, dann sage ich manchmal, okay, ich probiere es mal. Ich habe ja noch den kleinen Schirm. Und vielleicht finde ich da noch eine Stunde oder zwei, wo ich dann doch bei nicht ganz so starkem Winter fliegen kann. Und vielleicht ist er auch generell etwas schwächer. Also es ist dann immer so eine Abwägung zwischen vielen Dingen. Ist man lange nicht geflogen, dann ist man stärker motiviert. Dann sagt man, ja, jetzt will ich mal wieder in die Luft. Jetzt fahre ich auch mal anderthalb Stunden. Und wenn es nicht klappt, na gut, dann riskiere ich das heute mal.

47:21Ralf Piotrowiak

Bin ich gestern geflogen, dann sage ich, na ja, ich war ja gestern schon in der Luft. Und der Aufwand heute, wieder Wohnmobil packen, wieder fahren, so, ach, habe ich keine Lust mehr auf etwas anderes. Also es ist immer unterschiedlich von Tag zu Tag.

47:35Lucian Haas

Bei Windy, ich glaube, bei Windguru gibt es das auch, weiß ich jetzt gar nicht, aber bei Windy weiß ich es, da gibt es ja auch Wellen - und Dünungsprognose, wo man auch sehen kann, okay, wie stark ist die ungefähr und aus welcher Richtung kommt die? Beziehst du sowas auch in die Einschätzung eines Tages vorab mit ein? Weil du auch sagst, okay, wenn ich sehe, es sind hohe Wellen vorhergesagt und aus einer anderen Richtung, als der Wind kommt oder sonst irgendwie was, dann weiß ich, da ist die Luft immer vielleicht ein bisschen turbulenter oder was auch immer?

48:05Ralf Piotrowiak

Ja, also ich lasse mich da in dem Moment nicht davon abhalten. Wenn alle anderen Faktoren passen, dann probiere ich es. Wenn ich jetzt merke, in der Luft ist es wirklich sehr unruhig und turbulent, kommt vielleicht auch ein bisschen seitlich und ist sehr, sehr stark bewegt, dann erledige ich das meistens für mindestens eine halbe Stunde, weil ich dann sage, jetzt halbe Stunde geflogen war ganz nett oder irgendwie so richtig schöner Tag ist es heute auch nicht, dann gehe ich halt landen. Und das ist ja das Schöne beim Fliegen an der Küste, wenn es mir in der Luft nicht gefällt, also in 30 Sekunden stehe ich unten am Strand, das ist gut. Ich muss dann nicht erstmal so wie in den Zentralalpen mich dann durch vier, fünf Meter Werte so Richtung Landeplatz kämpfen.

48:48Lucian Haas

Lass uns mal ein bisschen in deiner Fliegerkarriere zurückschauen. Kannst du an den Anfang mal, wie hat das bei dir überhaupt angefangen? Wie bist du zum Fliegen gekommen?

48:58Ralf Piotrowiak

Ich wollte eigentlich, wollte ich mal kiten. So diese Kombination zwischen, ich habe früher Windsurfen gemacht, so zwischen Wassersport und dann ein bisschen in der Luft sein. Das habe ich dann probiert und dieser Versuch ist dann kläglich gescheitert und ich habe es irgendwie nicht hinbekommen, so diesen Schritt aufs Board und dann die richtige Kraft zu haben, dass es mich dann wegzog. Dann kam ich so ein bisschen frustriert aus dem Urlaub wieder, habe mit einem Freund darüber geredet und dann sagte er, also ich wollte immer schon mal so richtig fliegen und so kam dann die Idee, dann haben wir angefangen mit dem Gleitschirmfliegen, das war so 2003 etwa, 2003 oder 2004, weiß ich nicht mehr genau und dann die übliche Fliegerkarriere, so mit am Anfang wenig Wissen,

49:45Ralf Piotrowiak

hochmotiviert, ein bisschen mutig und dann entwickelte sich das so über die Zeit hinweg. Dann kam das Streckenfliegen dazu, bei uns in Norddeutschland dann halt auch so ein bisschen Flachlandfliegen. Etwas später dann auch so Streckenfliegen in den Alpen, Zentralalpen und damals auch noch mit großer Motivation und auch viel Mut. Dann habe ich so im Laufe der Jahre dann so gesehen, was so alles um mich herum passiert, auch mit geübten Piloten. Ich habe dann meine eigenen Erfahrungen auch gemacht, wo dann Leute sind, die neben mir in einem Leber abgestürzt sind, in eine Kappe gefallen und nach der Talquerung in Sterzing war das und das raubt einem dann so ein bisschen die Illusion, dass das Gleitschirmfliegen, auch in der Strecke fliegen in den Alpen,

50:34Ralf Piotrowiak

dass man das, also das hat schon so seine Tücken und seine Risiken und dann muss man überlegen, ob man die bereit ist einzugehen oder nicht und wie gesagt, so im Laufe der Jahre mittlerweile finde ich es gemütlicher, wenn ich am Meer so bin, ein bisschen meinen Spaß habe. Es ist weniger riskant, ich muss beim Start ein bisschen aufpassen und kann den Flugsport wirklich für mich sehr schön genießen.

50:57Lucian Haas

Ist das Thermikfliegen in den Bergen oder Streckenfliegen, ist das für dich aus deiner Einschätzung persönlich ein zu großes Risiko mittlerweile?

51:06Ralf Piotrowiak

Ja gut, man weiß nie genau, wo die eigenen Grenzen liegen. Also man wird älter, das Reaktionsvermögen lässt natürlich irgendwann auch mal nach. Das empfindet man oder spürt man jetzt, nicht so unbedingt, aber man weiß natürlich schon, dass das passiert und die Bedingungen in den letzten Jahren, zumindest habe ich es so empfunden, sind auch vielleicht deutlich anspruchsvoller geworden, als in den Jahren so vor 15, 20 Jahren, als ich so angefangen habe mit der Fliegerei. Da kann ich mich zumindest in Erinnerung noch an gemütlichere Tage erinnern. Es muss jeder für sich selber so da den Weg finden, aber am Ende suchen wir das Glück, das Glück beim Fliegen. Und ich habe das früher auch empfunden bei Streckenflügen, wenn ich dann Low -Safe hatte, musste mich wieder hochkämpfen, ja man schafft es, man kommt wieder an die Wolkenbasis, dieses triumphale Gefühl, ich bin wieder ganz oben, ich bin wieder dabei, ich komme wieder weiter.

52:07Ralf Piotrowiak

Und naja, so über den Zeitverlauf hinweg ist mir da so ein bisschen die Motivation dann auch abhandengekommen. Und diese Motivation, die treibt einen dann ja an, auch mal dann unangenehme Dinge in der Luft durchzustehen, jede Thermik ist jetzt schön und gemütlich. Das wird dann, wenn man in den Alpen fliegt und man fliegt dann irgendwann den Schenkel auch mal in die Dolomiten rein, dann wird es natürlich dann irgendwie schon anspruchsvoll.

52:35Ralf Piotrowiak

Und dann stellt man sich irgendwann die Frage, mag ich das überhaupt noch? Oder mag ich mittlerweile eine andere Art von Fliegen lieber? Und wenn ich so zurückgucke, so über die letzten Jahre zumindest, gefallen mir oder die glücklichsten Tage habe ich dann eigentlich immer so eher am Meer gehabt, entspannter, ein bisschen langweilig, ja,

52:54Ralf Piotrowiak

aber ich sage mal, ja, halt glückliche Tage.

53:00Lucian Haas

Kann man ein bisschen provokant ja dann auch sagen, bist du aus Schiss zum hauptsächlichen Küstenflieger geworden?

53:09Ralf Piotrowiak

Nee, das kann man nicht sagen. Also im Laufe der Zeit ist mein Respekt so schon gestiegen. Also ich sage mal in Anführungszeichen natürlich auch der Schiss, weil ich weiß, was da passieren kann, auch wenn man geübter Pilot ist. Aber Küstenfliegen habe ich von Anfang an gemacht. Also ich habe angefangen mit der Fliegerei. Wann

53:25Lucian Haas

war das eigentlich der Anfänge deiner Fliegerei? Das hatten wir jetzt glaube ich noch nicht erwähnt.

53:29Ralf Piotrowiak

Das war 2003, 2004. Und kurz nach der Ausbildung war ich dann auch schon ganz mutig auf Sardinien. Hatte keinen Plan, weder vom Küstenfliegen noch so richtig vom Fliegen. Und Sardinien ist so, was die Startplätze angeht, ist alles ein bisschen tricky. Sehr kleine, enge Startplätze. Viel dickig, viel Gestrüpp. Wir hatten keinen Betreuer dabei. Ich war dann noch mit einem Fliegerkollegen da unterwegs, haben uns dann die Startplätze selber ausgesucht. Wir sind auch in die Luft gekommen, haben Einheimische kennengelernt, alles gut gegangen. Aber aus heutiger Sicht würde ich sagen, schon ziemlich mutig so, wenn man so ohne jegliche Erfahrung und irgendeinen Plan dann einfach mal so mal drauf losfliegt. Und dann auch in einem Gebiet wie Sardinien, da gibt es da so einfache Gebiete, wo man es besser lernen kann und auch erst mal richtig lernen kann.

54:15Ralf Piotrowiak

Also das Küstenfliegen hat schon von Anfang an sehr viel Spaß gemacht, immer. Aber das Streckefliegen im Flachland waren natürlich auch immer wieder Highlights, gehört mir zu meinen schönsten Erinnerungen. Aber Küste immer wieder auch von Anfang an.

54:32Lucian Haas

Du bist ja mit dem Küstenfliegen auch so ein bisschen auf der Welt herumgekommen. Wo warst du da schon überall?

54:41Ralf Piotrowiak

Ja, Südafrika, wie die meisten, die wahrscheinlich irgendwo sehr gerne an der Küste fliegen. Namibia. Namibia ist sicherlich ideal, wenn man es lernen will. Das würde ich im Nachhinein gleich als einen der ersten Urlaube machen, weil man da dann wirklich gescheit das Groundhandling, Hochkiten und so weiter lernen kann. Und ja, viel Dänemark, ein bisschen Holland, weil es so in der Nähe liegt und man dann relativ schnell dann auch mal da ist. Na ja, es hat dann noch einiges vor. Es gibt so viele tolle Gebiete, die ich jetzt alle noch nicht kenne, die ich mir dann auch noch mal anschauen will. Aber für jemanden, der anfängt, würde ich sagen, wenn man die Möglichkeit hat, wäre Namibia ein idealer Einstieg,

55:25Ralf Piotrowiak

um das dann auch gut zu lernen von Anfang an und dann auch kontrolliert in alle Gebiete gehen zu können, die einen interessieren.

55:32Lucian Haas

Gibt es jetzt so etwas wie deinen Lieblingsspot?

55:38Ralf Piotrowiak

Ja, ich bin sehr gerne in Dänemark, weil da habe ich viele Möglichkeiten, gerade so in Nordjütland. Da ist das, da wird ja Dänemark relativ schmal und man ist schnell von einer Seite auf die andere gefahren. Das dauert 50 Minuten. Also über Ostwind bin ich schnell auf der anderen Seite. Ich kenne das mittlerweile sehr gut. Ich mag diese weite Landschaft. Ich mag, wenn es nicht so viele Leute hat. Wenn in Löcken sehr voll wird mit Piloten, weiß ich Gebiete, wo ich dann ausweichen kann, wo dann ein bisschen weniger los ist. Und ich habe dann da meine Ruhe. Und es ist schon sehr schön. Ich mag es da oben.

56:17Lucian Haas

Nordjütland ist ja auch da, wo Löcken liegt. Ist das wirklich so das Eldorado der Küstenfliegerei?

56:24Ralf Piotrowiak

Ja, ich denke, Löcken ist sicherlich bei vielen bekannt und ein Begriff.

56:30Ralf Piotrowiak

Für Einsteiger würde ich es noch nicht mal so als das ideale Gebiet ansehen, weil es da eben doch auch sehr anspruchsvoll ist, dann diese steile und dann meistenteils bewachsene Bühne hochzulaufen. Also so zum Üben und um überhaupt erst mal reinzukommen. In dieser Art der Fliegerei bieten sich dann eigentlich andere Gebiete besser oder eher an. Aber klar, Löcken ist bekannt. Der Leuchtturm ist ein Highlight, wo man hinfliegen kann. Die Landschaft in der Nähe des Leuchtturms ist halt wie in der Sahara, eine riesige Sanddüne. Das hat schon was. Also es ist schon schön. Es ist auch ganz nett, wenn man ein paar Fliegerkollegen dann dabei hat, wo man sich mal unterhalten kann beim Paravating oder man trifft sich abends zum Grillen. Allerdings ist dann Löcken auch schnell wieder überlaufen.

57:16Ralf Piotrowiak

Wenn dann Kohorten da im Sommer anrücken und Flugschulen dort ihre Kurse abhalten und dann an der Düne, die ja lang ist, aber dann, wenn dann doch 100 Paragleiter da unterwegs sind, dann irgendwann nervt es dann auch so ein bisschen. Und ja, wie gesagt, es gibt Möglichkeiten auszuweichen. Man kann in Dänemark eigentlich überall an der Küste fliegen. Da gibt es viele Spots. Die haben noch nicht mal Namen. Da fahre ich manchmal hin mit dem Auto und schaue, steht der Wind an, dann bin ich da ganz allein, packe meine Sachen aus und dann fliege ich da für mich so ein bisschen. Und das kann man in Dänemark wunderbar machen. In anderen Ländern, Holland oder so, ist das schon alles kritischer. Also in Holland wird es an einigen Stellen toleriert, so wie in Waikans See oder in Zandvoort. Aber die Holländer sind sehr eigen und das ist auch richtig so mit dem Küstenschutz.

58:03Ralf Piotrowiak

Und die Küstenfliegerei ist da nicht besonders zuträglich, wenn man da immer durch die Dünen latscht.

58:09Lucian Haas

Warst du auch schon, wahrscheinlich ja, an der Düne der Pilar?

58:11Ralf Piotrowiak

Nee. Das war mir immer zu voll vom Hörensagen her. Also ich bin da gewesen, da habe ich aber noch nicht geflogen. Ich habe mir das mal angeguckt. Früher oft so Familienurlauber im Médoc verbrachten. Dann macht man da natürlich auch mal einen Abstecher hin. Aber die Vorstellung, dass ich dann so auch mal Videos sehe, wie viele Leute dann da so sind, eigentlich über das ganze Jahr hinweg. Und in der Zeit Juli, August haben die Franzosen auch selber Urlaub. Da fahren ja auch noch alle dahin. Also das ist mir zu voll. Also es gibt weiter nördlich so auch viele kleinere Fluggebiete in Routin und so an der Küste entlang, wo wenig los ist. Das würde mir mehr Spaß machen.

58:49Lucian Haas

Und Steilküstenzüringen in der Normandie beispielsweise? Ja. Hast du das schon gemacht?

58:54Ralf Piotrowiak

Nein, habe ich noch nicht gemacht. Ist aber ein Plan. Habe mir die Startplätze schon rausgesucht. Wäre jetzt auch eigentlich letztes Jahr schon dran gewesen. Aber dann kam die Pandemie. Frankreich mit schlechten Zahlen. Also ist jetzt noch so für den Herbst. Eine Überlegung, dass ich mal so die ganze französische Küste abfahre. Und je nach Zeit dann vielleicht sogar weiter, mal so ein bisschen durchs Bastenland, durch zum Portugal, dann so Richtung Winter. Also das ist schon so, was ich gerne mal machen möchte. Durchs Land tingeln und jetzt nicht nur auf die Fliegerei fixiert sein, auch ein bisschen rechts und links gucken, was es noch da Schönes anzuschauen gibt und zu erleben gibt. Und ja, es ist generell eine schöne Art, mit dem Gleitschirm so durch die Welt zu reisen. Länder kennenzulernen, immer wieder neue Freunde zu finden, mit denen man dann fliegen kann.

59:43Ralf Piotrowiak

Und ja, es ist ein gutes Leben. Also kann man nicht klagen.

59:46Lucian Haas

Kann man wirklich nicht klagen. Das klingt aber danach, dass du jetzt auch viel Zeit hast. Wie viel deines Lebens investierst du? Wie viel Zeit deines Lebens verbringst du heute mit der Fliegerei oder um die Fliegerei zentriert?

59:59Ralf Piotrowiak

Ja, sehr viel mittlerweile. Ich habe 2010 meine Firma verkauft, habe dann noch weitergearbeitet, aber nicht mehr Fulltime, so als Unternehmensberater, Freelancer und konnte das dann oft auch kombinieren. Ich habe dann den Gleitschirm auf meinen Geschäftsreisen mitgenommen, wenn ich dann nach Mexiko oder in die USA bin und habe dann immer wieder Möglichkeiten gefunden, wo ich dann auch fliegen konnte. Und in den letzten Jahren hatte ich dann auch eine Möglichkeit, da habe ich für die Bayer Tiergesundheit als, sagen wir mal, als Consultant gearbeitet. Da konnte ich einen Job von überall machen. Ich hatte eigentlich nur das Internet und konnte meine Analysen, Recherchen dann da machen und habe die dann an Bayer geschickt.

1:00:45Ralf Piotrowiak

Ich habe dann drei Tage in Dänemark bei Sturm mit gutem WLAN gesessen, habe dann von morgens bis abends gearbeitet und wenn das Wetter wieder gut war, dann bin ich von morgens bis abends geflogen. Also das war so das Allerschönste. Aber leider ist dieser Job jetzt im letzten Dezember nicht verlängert worden, nachdem Bayer von einem Konkurrenten übernommen wurde. Also habe ich im Moment noch mehr Zeit. Und deswegen sogar Zeit auch, um so ein Buch zu schreiben. Und ja, ich muss mich dann halt auch irgendwie so ein bisschen beschäftigen.

1:01:14Lucian Haas

Beschäftigen ist gut. Viele werden wahrscheinlich jetzt im positiven Sinne neidisch sein, wo die sagen, oh, das hätte ich auch gern, dass ich einfach die Zeit habe, durch Europa zu reisen und mir die verschiedensten Küsten -Sowing -Spots alle anzugucken und die alle mal auszuprobieren und sowas. Ralf, ich wünsche dir dafür die Gesundheit, dass die dir erhalten bleibt und die Möglichkeiten, dass du wenig durch Corona -Einschränkungen da jetzt solche Sachen umsetzen kannst und wirklich da deine Küstenreise fortsetzen kannst. Dein Buch kann ich allen Leuten nur empfehlen. Zumindest wenn man noch nicht viel mit Küstenfliegerei Erfahrung hat, denke ich, wird man da sehr viele Grundlagen finden, wo man einmal sagt, okay, da kriege ich auch so ein bisschen Leitplanken, an denen ich mich lang handeln kann, was ich vielleicht lernen sollte oder worauf ich achten sollte.

1:02:00Lucian Haas

Ich danke dir auch dafür. Ich denke, dass du damit der Szene auch einen Gefallen tust. Und dir alles Gute.

1:02:07Ralf Piotrowiak

Das wünsche ich dir auch, Lucian. Vielen Dank für die guten Wünsche. Und ich beobachte deine Arbeit ja seit Jahren. Und ich drücke die Daumen. Mach weiter so. Und ich finde, es ist wichtig, dass wir so in der Gleitschirm -Szene so eine wirklich unabhängige Informationsquelle haben, die auch kritisch über alles Mögliche berichtet. Und ja, von daher machst du einen super Job. Und ich darf das Kompliment also in vollem Umfang zurückgeben. Bleib du auch gesund. Ciao.

1:02:34Lucian Haas

Danke dir.

1:02:38Lucian Haas

Das war die Folge Nr. 62 von Podz-Glidz mit dem Küstenflieger Ralf Piotrowiak. Das von Ralf geschriebene und im Gespräch erwähnte Buch heißt Küstenflieger. Es ist im Verlag Books on Demand erschienen und kann auf der Website www.bod.de bestellt werden. Der Preis liegt bei 18 Euro. Zu dem Buch habe ich übrigens auch schon eine differenzierte Rezension veröffentlicht. Den Link dazu findest du in den Shownotes zu dieser Podcast -Folge auf Google+. Genauso wie einige Links zu weiterführenden Infos rund um das Thema Küsten -Sorring.

1:03:14Lucian Haas

Wenn du jetzt noch mehr Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens hören willst, dann findest du auf Looglights und Soundcloud noch viele weitere Folgen von Podz-Glidz. Sie stehen auch in bekannten Audiokatalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc. Du kannst Podz-Glidz einfach im Podcatcher deiner Wahl abonnieren. Und wenn du willst, dass es auch in Zukunft mit Podz-Glidz und Looglights noch weiter geht, dann werde doch zum Förderer. Du darfst geben, so viel du willst. Nur für jene, die sich dabei nicht entscheiden können, mache ich einen unverbindlichen Vorschlag. Wie wäre es mit 1 Euro pro Podcast -Folge und 2 Euro pro Lesemonat auf Looglights? Natürlich kannst du gerne erst ein paar Folgen hören und über Monate hinweg Looglights lesen und dann einen gesammelten Förderbeitrag leisten.

1:03:59Lucian Haas

Zahlungen sind ganz einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Looglights und zwar dort auf der Seite www.looglights.com. Am Mikrofon war Lucian Haas. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

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