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66. Der Thermik-Versteher - Burkhard Martens

// Burkhard Martens, Lucian Haas · 2021-10-01 · 01:05:45 · original episode

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[show notes]
Burkhard Martens ist mit seinem Thermikbuch und dem Streckenflugbuch der weltweit meistgelesene Gleitschirm-Fachbuchautor. Er hält auch noch andere Rekorde. +++ Wenn man Gleitschirmflieger fragt, welche Bücher über die Fliegerei man auf jeden Fall in seinem Regal stehen und am besten auch gelesen haben sollte, dann schaffen es zwei Titel immer ganz oben in die Antwortlisten: Das Thermikbuch und das Streckenflugbuch für Gleitschirm und Drachenflieger. Geschrieben von Burkhard Martens, in der Szene allgemein auch als der Burki bekannt. Burki hat etwas geschafft, was man auf den ersten Blick kaum für möglich halten sollte. Zum einen hat er das Thema Thermik- und Streckenfliegen so verständlich heruntergebrochen, anschaulich erklärt und bebildert, dass schon viele Pilotenjahrgänge dank der Lektüre seiner „Standardwerke“ viel schnellere Fortschritte bei ihrer Fliegerei machen konnten. Zum anderen hat er, wenn auch nur im Kosmos der Gleitschirmszene, Weltbestseller geschaffen. Seine Bücher sind in vielfacher Auflage bereits in 12 Sprachen erschienen. Der 58-jährige kann heute davon leben. In dieser Folge Nummer 66 von Podz-Glidz erzählt Burkhard Martens seine Geschichte. Wie er anfangs seine Flugtipps nur auf Zetteln niederschrieb und an Vereinskollegen verteilte. Wie daraus das Thermik- und später das Streckenflugbuch-Projekt wurde; wie es zur weltweiten Verbreitung derselben kam. Im Podcast geht es freilich noch um mehr. Burki gibt natürlich auch Tipps zum Thermikfliegen, erzählt unter anderem von seiner ehrgeizigen Jagd nach diversen Rekorden und erklärt, warum er es seit ein paar Jahren bei der Fliegerei deutlich ruhiger angehen lässt. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Pennywhistle | Artist: Audionautix Pennywhistle von Audionautix unterliegt der Lizenz Creative-Commons-Lizenz "Namensnennung 4.0". https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Künstler: http://audionautix.com/

[transcript]

0:08Burkhard Martens

Der größte Fehler, den Anfänger machen, wenn sie schlecht steigen, dass sie viel zu groß drehen.

0:14Burkhard Martens

Das ist übrigens der Thermik -Tipp Nummer eins, eng drehen. Die meisten drehen viel zu groß, um effektiv zu steigen.

0:33Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem

0:37Burkhard Martens

Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:40Lucian Haas

Heute mit Burki Martens und Lucian Haas am Mikrofon. Wenn

0:49Lucian Haas

man Gleitschirmflieger fragt, welche Bücher über die Fliegerei man auf jeden Fall in seinem Regal stehen und am besten auch gelesen haben sollte, dann schaffen es zwei Titel immer ganz oben in die Antwortlisten. Das Thermik -Buch und das Streckenflugbuch für Gleitschirmflieger und Drachenflieger, geschrieben von Burkhard Martens, in der Szene allgemein auch als Burki bekannt. Burki hat etwas geschafft, was man auf den ersten Blick kaum für möglich halten sollte. Zum einen hat er das Thema Thermik und Streckenfliegen so verständlich heruntergebrochen, anschaulich erklärt und bebildert, dass schon viele Piloten -Jahrgänge dank der Lektüre seiner, man kann schon sagen, Standardwerke, viel schnellere Fortschritte bei ihrer Fliegerei machen konnten. Zum anderen hat er, wenn auch nur im Kosmos der Gleitschirm -Szene, Weltbestseller geschaffen.

1:38Lucian Haas

Seine Bücher sind in vielfacher Auflage bereits in zwölf Sprachen erschienen. Burki kann heute davon leben. In dieser Folge Nummer 66 von Podz-Glidz erzählt Burkhard Martens seine Geschichte. Wie er anfangs seine Flugtipps nur auf Zetteln niederschrieb und an Vereinskollegen verteilte, wie daraus das Thermik- und später das Streckenflugbuch -Projekt wurde, wie es zur weltweiten Verbreitung derselben kam. Im Podcast geht es freilich noch um mehr. Burki gibt natürlich auch Tipps zum Thermikfliegen, erzählt unter anderem von seiner ehrgeizigen Jagd nach diversen Rekorden und erklärt, warum er es, seit ein paar Jahren, bei der Fliegerei deutlich ruhiger angehen lässt.

2:22Lucian Haas

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2:39Lucian Haas

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3:00Lucian Haas

Burkat oder Burki, was ist dir eigentlich lieber? Burki ist mir lieber. Woher kommt diese Kurzform

3:07Burkhard Martens

Burki?

3:11Burkhard Martens

Burkat hat man mich immer genannt, aber mir gefällt der Name nicht so toll. Und dann irgendwann ist mal einer auf Burki gekommen und da habe ich gesagt, ja, das ist mir eigentlich lieber als dieses lange Burkat. Außerdem verwechseln die mich in Bayern sowieso immer. Wenn ich sage, ich bin der Burkat, dann denken sie immer, das ist mein Nachname. Und ich sieht sie gleich. Okay. Das Duzen mit Burki ist einfach.

3:35Lucian Haas

Hast du denn das Burki dann erst bekommen, als du schon in Bayern warst oder war das schon viel früher? Du kommst ja ursprünglich aus Niedersachsen.

3:42Burkhard Martens

Ja, das ist erst in Bayern entstanden.

3:45Lucian Haas

Das heißt, so ein Bayer, der gesagt hat, Burkat ist ein blöder Name, ich nenne dich Burki, das versteht hier wenigstens jeder.

3:50Burkhard Martens

Oh, das weiß ich nicht mehr. Das ist jetzt schon so lange her. Ich bin ja schon bald 30 Jahre in Bayern.

3:58Lucian Haas

Ich habe mir diese Frage gestellt. Was ist dir lieber? Habe ich gleich noch eine. Was ist dir lieber? Frage Gleitschirmfliegen oder Mountainbiken?

4:06Burkhard Martens

Momentan ist es schwierig zu beantworten, weil das Mountainbiken ist ja immer stärker geworden. Aber die letzten knapp 30 Jahre war es Gleitschirmfliegen. Das war das Intensivste in meinem Leben, was ich bisher gemacht habe. Und das mache ich immer noch total gerne. Aber

4:20Lucian Haas

in letzter Zeit hast du ja selber schon gesagt, bist du immer häufiger mit dem Rad unterwegs. Ja. Das heißt, das ist dir auch immer lieber geworden. Warum eigentlich?

4:29Burkhard Martens

Ja, das ist gekommen durch meine Frau. Die ist Hebamme und arbeitslos geworden, weil die Geburtsklinik geschlossen wurde. Und dann hat sie den Gedanken gehabt, dass wir Mountainbikeführer machen. Und dadurch, also wenn man ein Buch schreiben will, dann muss man auch recherchieren. Und wenn man dann den ganzen Sommer recherchiert, dann ist man kaum noch zum Fliegen gekommen. Und dann haben wir immer gesagt, aber nächstes Jahr müssen wir aber wieder mal mehr fliegen. Und dadurch sind mir unglaublich viel Mountainbiken gewesen. Und ja, macht mir jetzt mittlerweile auch immer mehr Spaß. Hast du

5:01Lucian Haas

eigentlich schon mal versucht, irgendwie beides miteinander zu verbinden? Es gibt ja sogar, wie ich weiß, einen Hersteller, Skybean, der so ein Bike -and -Fly -Gurtzeug hat, wo man sagen kann, man kann dann hinten sein Fahrrad dann da drauf schnallen. Also er hat das extra so gebaut, dass das geht. Hast du das mal probiert?

5:18Burkhard Martens

Nein, nein, interessiert mich auch überhaupt nicht. Also das Bike. Das Bike ist natürlich auch toll, wenn ich mit dem Auto auf dem Startplatz hochfahre und dann mit dem Bike das Auto wieder runterhole. Das ist dann Bike -and -Fly.

5:33Lucian Haas

Okay, erst mit dem Auto hoch, runterfliegen und dann vorher aber das Fahrrad unten hingestellt haben und dann fährst du nochmal hoch, um das Auto zu holen. Ja, das machen wir auch ganz oft im Urlaub so. Eigentlich eine geschickte Technik. Ja. Nun hast du ja gesagt, mit deiner Frau zusammen schreibst du diese Mountainbike -Führer. Wo du dann wirklich sagst, hier, wir beschreiben die Strecken und das ist vor allem auch E -Mountainbike. Bist du eigentlich in dieser Mountainbike -Szene oder dieser E -Mountainbike -Szene mittlerweile mit deinen Führern so bekannt wie in der Gleitschirm -Szene?

6:04Burkhard Martens

Nein, nein, bei weitem nicht. Also in der Szene, ich kenne jetzt ein paar Bekannte in der Szene, aber das sind ganz, ganz wenig. Und der Verkauf von solchen Führern, der läuft bei Mountainbiken, läuft das in 95 Prozent über Buchhandlung. Und bei den Gleitschirmbüchern läuft es zu 95 Prozent über Gleitschirmschulen, über die Shops vom DAV Gleitschirm, einige große Flugschulen. Aber das ist ganz anderes Klientel.

6:34Lucian Haas

Ich würde jetzt mal behaupten, gerade weil es um diesen Bekanntheitsgrad geht, dass du zumindest in dieser Gleitschirm -Szene sicherlich einer der weltweit bekanntesten oder zumindest vom Namen her bekanntesten Gleitschirmpiloten geworden bist durch deine Bücher. Freut dich das? Ja,

6:50Burkhard Martens

doch, das freut mich schon. Ich meine, das hört sich vielleicht etwas eingebildet an, aber es ist irgendwie schön. Wenn ich jetzt in Italien in der Toskana gerade war, da waren wir fliegen und die Clubleute, die kannten mich immer. Das ist dann wirklich, wirklich sehr witzig.

7:08Lucian Haas

Deine Bücher, du hast jetzt gerade Italien gesagt, deine Bücher, also das Thermikflugbuch und du hast dir das Streckenflugbuch geschrieben,

7:15Lucian Haas

die gibt es eigentlich mittlerweile in wie vielen Sprachen?

7:19Burkhard Martens

Das Thermikbuch gibt es jetzt in elf Sprachen. Das Streckenflugbuch in acht Sprachen. Kriegst

7:25Lucian Haas

du die alle zusammen, also die Sprachen?

7:27Burkhard Martens

Na ja, so schnell aus dem Kopf schwierig. Also das Thermikbuch ist im Prinzip ganz einfach. Das sind die ganzen großen europäischen Sprachen.

7:36Lucian Haas

Also Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Englisch natürlich als internationale Sprache.

7:43Burkhard Martens

Portugiesisch und dann die östlichen Sprachen, Tschechen, Polen und aber auch in Asien. Das gibt es in China, Japan und Vietnam. Also russisch. Ja, wirklich sehr witzig, wie sich das entwickelt hat.

7:58Lucian Haas

Nun sind ja die Beispiele, die du in diesen Büchern häufig nennst oder da, wo du geflogen bist und aus dem du dein ganzes Wissen beziehst, ist ja jetzt auf die Alpen bezogen. Du beschreibst dann auch Phänomene wie bayerischer Wind und so ein Zeug. Kann dann Japaner oder ein Vietnamese damit überhaupt was anfangen?

8:15Burkhard Martens

Das Talwindsystem ist jetzt speziell auf die Alpen bezogen. Aber Talwindsysteme an sich entstehen in allen Bergen. Und wenn man das dann adaptiert auf sein Gelände, auf seine Berge, dann kann man das sehr wohl berücksichtigen oder anpassen eben.

8:32Lucian Haas

Wer hat denn für diese Sprachen auch so chinesisch und vietnamesisch? Wer macht denn da die Übersetzung? Hast du da einen gefunden oder kommt da irgendein Pilot auf dich zu und sagt du, ich habe dieses Buch gelesen auf Englisch oder was auch immer. Ich würde das gerne für unsere Piloten in Vietnam auch rausbringen. Darf ich das übersetzen oder wie geht so was?

8:49Burkhard Martens

Ja, genau so geht es. Also das Englische habe ich noch selbst gemacht. Der Mats Sindergaard hat es mir übersetzt. Ich habe es gesetzt, gelayoutet und im Eigenverlag vertrieben. Und als das englische Buch draußen war, dann sind ganz von alleine aus den Ländern Leute auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob es genauso, wie du es gesagt hast. Sie finden das Buch toll. Sie möchten

9:11Lucian Haas

das für ihre Piloten übersetzen. Sind denn dann in diesen Büchern teilweise vielleicht auch noch Ergänzungen, also lokale Ergänzungen drin, wo dann der Vietnamese sagt, und ich beschreibe nochmal spezielle Phänomene, die bei uns irgendwo auftreten?

9:22Burkhard Martens

In vielen Übersetzungen ist das so, dass sie ganz viele lokale Bilder auch benutzt haben, also von den Alpenbildern rausgenommen und von Sichtbildern reingenommen haben. Die Werbung, die drin ist, angepasst haben, dass die ihre Hersteller gefragt haben, ob die was machen. Und auch zum Beispiel Wetter, wenn ich das Alpenwetter beschrieben habe oder die Vorhersage, dann haben die das meistens angepasst auf ihre Wettervorhersagen, also auf die Spezialitäten.

9:53Lucian Haas

Ihre Webseiten noch eingebaut, wo man dann wahrscheinlich dann entsprechend besser nachgucken kann für Vietnam oder chinesische Wetterdienste oder was auch immer alles.

10:01Burkhard Martens

Ja, genau. Oder auch ein Piloteninterview gemacht haben aus dem Land.

10:07Lucian Haas

Hättest du eigentlich anfangs, als du angefangen hast, über dieses Thermikbuch zu schreiben, hattest du da mal gedacht, dass das ein solcher Erfolg werden könnte, auch ein weltweiter

10:16Burkhard Martens

Erfolg? Nein, also an sowas habe ich gar nicht gedacht. Also mein Ziel war, ich wollte ein Buch schreiben, wie ich es gerne gehabt hätte, als ich angefangen habe mit dem Fliegen. Einfach, viele Bilder und die Sachen einfach erklärt. Die Literatur, die es damals gab, die war für mich komplizierter. Da war unheimlich viel Text und unheimlich wenig Bilder. Das ist aber für mich schwer zu lernen. Ich lerne einfacher, wenn ich ein Bild habe und da steht eine kurze Erklärung dabei. Und so habe ich es ja dann auch gemacht.

10:48Lucian Haas

Woher kommt dieses, sagen wir mal, pädagogische Sendungsbewusstsein? Also du kannst ja auch sagen, ich habe mein Wissen, das habe ich jetzt für mich so erarbeitet oder erfahren. Das ist ja viel Erfahrungswissen dann auch. Woher kommt dieser Drive zu sagen, du, ich will das aber weitergeben. Ich will, dass viel mehr Leute davon profitieren.

11:06Burkhard Martens

Das kann ich dir nicht so genau sagen. Das steckt irgendwie in mir drin. Also irgendwie so ein bisschen Lehrertyp bin ich von Haus aus. War schon mein Kind damals. Und dann habe ich gesagt, oh, jetzt bin ich ja doch ein Lehrer.

11:24Burkhard Martens

Und ja, das ist schon, seit ich angefangen habe mit dem Fliegen, das, was ich wusste, das habe ich gerne den anderen Leuten weitergegeben. Habe ja dann auch unglaublich viele Artikel geschrieben. Und daraus ist ja dann im Endeffekt dieses Buch entstanden. Also es war eine Geschichte, da habe ich mir keine großen Gedanken drüber gemacht, dass ich einen Welterfolg schreiben will. Das ist dann irgendwie so. Wie schwer

11:47Lucian Haas

ist es dir eigentlich anfangs gefallen, dieses Wissen, was ja auch so viel Erfahrungswissen ist, überhaupt in Worte zu fassen?

11:55Burkhard Martens

Ich lerne gerne oder lese gerne Sachen, die einfach beschrieben sind. Und so habe ich es dann auch immer gemacht. Und es ist manchmal nicht so einfach, komplizierte Sachverhalte einfach mit einfachen Worten darzustellen. Und das habe ich schon vor 25 Jahren angefangen. Erst im Club habe ich Zettel verteilt mit Sachen, die mir aufgefallen sind, auf was man achten sollte. Also so ging es eigentlich los.

12:19Lucian Haas

Was heißt Zettel verteilt? Du hast zu Hause was geschrieben, 20 Mal ausgedruckt und im Club gesagt, hier, pass mal auf, meine Erkenntnisse, hier, lest euch das mal durch, vielleicht hilft es euch.

12:29Burkhard Martens

Ja, tatsächlich, so war das. Erst ein paar, vielleicht Club Schwaben, wenn wir Clubversammlungen hatten, habe ich dann Zettel ausgedruckt und denen mitgegeben.

12:38Lucian Haas

Weißt du noch, was die ersten Themen waren, die du auf diese Zettel geschrieben hast?

12:43Burkhard Martens

Das meiste waren dann so Erfahrungen. Was mir aufgefallen ist beim Fliegen, was man nicht unbedingt in anderen Büchern gelesen hatte. Oder manche Sachen habe ich dann auch recherchiert und geguckt. Und wie ist das? Und habe das dann zusammengefasst, kurz und prägnant.

12:59Lucian Haas

Das heißt, in deinem Thermik -Buch, das besteht ja ganz viel auch daraus, dass du immer so kleine Tippkästen hast. Das ist so quasi wie deine Zettelwirtschaft, so ungefähr. Ja, genau. Man kann auf so kleine Post -its, die man irgendwo sogar sich noch hinkleppen könnte, schreibt man immer einen Tipp drauf. Und den kann man weitergeben und sagt so, lies ihn dir mal durch und versuch beim nächsten Flug den anzuwenden.

13:21Burkhard Martens

Ja, zum Beispiel. Oder achte da drauf. Oder wenn man mal was gelesen hat, dann kann man besser darauf achten. Ah ja, das habe ich doch schon mal gehört oder so. Es gibt ja auch so die Erkenntnis,

13:31Lucian Haas

dass man vieles eigentlich selbst erst so wirklich versteht, wenn man es auch schafft, überhaupt in Worte auszudrücken. Ist dir das auch so gegangen? Oder hast du auch so im Verlauf des Prozesses, dass du dieses Buch geschrieben hast, überhaupt vielleicht manches von dem, was du beschreibst und von dem ganzen Thermikzeug, überhaupt dann erst richtig verstanden?

13:52Burkhard Martens

Nee, eigentlich andersrum. Eine Erkenntnis, die ich beim Fliegen gewonnen habe, die habe ich dann versucht in Worte zu fassen. Wenn ich mal in der Thermik, ich bin mal am Thermikrand runtergerutscht. Das war sehr beeindruckend, weil ich bin gegen die Thermik geflogen und habe fünf bis sieben Meter sinken. Und auf einmal komme ich in die Thermik rein und dann katapultiert es mich. Ich bin mit sieben Meter pro Sekunde nach oben. Und das war diese Erkenntnis. Oh, das war jetzt der Thermikrand. Das Wort hatte ich schon mal gehört, dass sowas passieren kann. Aber wenn man das dann erlebt hat, dann kann man es natürlich viel besser beschreiben, wie das jetzt wirklich ist. Und dazu habe ich dann ein Diagramm gemalt, weil eine Thermik sieht man ja nicht. Und mit diesem Diagramm kann sich jeder besser vorstellen, wie das passiert.

14:39Burkhard Martens

Oder wenn sowas passiert, was es sein könnte.

14:42Lucian Haas

Gibt es denn auch Dinge, die du dann beim Beschreiben,

14:47Lucian Haas

ja, wie soll man sagen, gibt es so Erkenntnisse, die sich für dich vielleicht fürs Thermikfliegen erst beim Buchschreiben so richtig erschlossen haben, wo du auch sagst, letzten Endes hat das Buchschreiben dir auch dann bei deiner eigenen Fliegerei weitergeholfen? Nee, so rum

15:04Burkhard Martens

nicht.

15:06Burkhard Martens

Es beruht eigentlich das meiste auf Erfahrung oder Recherche. Und die Erfahrung, die ich gemacht habe, teilweise recherchiert und dann in Worte gefasst. Es war nicht so, dass ich es geschrieben habe und dann habe ich es ausprobiert. Also ich habe es erst erlebt und dann habe ich es formuliert.

15:21Lucian Haas

Ja, es gibt ja so manche Erlebnisse, wo du vielleicht sagst, du erlebst etwas, dann hinterfragt man es, warum war das so? Dann sagt man, jetzt schreibe ich es auf, als wie eine kleine Regel, die man aufstellen kann. So wie deine Tipps sind ja auch im Grunde eine Zusammenfassung von vielen kleinen Regeln, die man so fürs Thermikfliegen haben kann. Und wo man auch sagt, wenn man sie einmal aufgeschrieben hat, dann könnte man ja auch vielleicht beim nächsten Flug viel regelhafter denken. Also es fällt einem viel schneller ein, weil man sagt, ich habe doch selber schon geschrieben, dass wenn du da aus der Thermik rausfällst, musst du auch sofort drehen und nicht erst zehn Sekunden weiter fliegen, um dann wieder festzustellen, Mist Burki, du hast dich an deine eigene Regel nicht gehalten.

16:01Burkhard Martens

Ja, da hast du jetzt recht. Das ist mir auch schon passiert. Da gibt es diese Wirbelringtheorie der Thermik. Da fliegt man gegen den Wirbelring, also im Gegenwind in die Thermik rein. Man ist dann aber noch lange nicht da, wenn ich in der Thermik drin. Und wenn man zu früh umdreht, ist man sofort wieder draußen. Da muss man ganz, ganz lange reinfliegen bis zum Zentrum und dann kann man erst drehen. Da passiert es mir immer wieder, ich fliege jetzt in den Thermikring, habe 20 km/h Gegenwind und fliege fünf, sechs, sieben Sekunden. Und dann denke ich, das muss doch jetzt reichen. Und dann bin ich sofort hinten wieder rausgefallen, wenn ich drehe. Und dann denke ich, du Depp, das war doch der Thermikring, du musst länger reinfliegen.

16:40Lucian Haas

Thermikring oder Wirbelring heißt das, kann man sich vorstellen, wie so ein Rauchring, den man so auch aushauchen kann und wo sich dann so ein großes, rundes Torus in sich selber dreht. Den Gegenwind erfährst du aber eigentlich nur, wenn du von oben an diesen Thermikring dran stößt, oder? Weil untenrum wird er dich ja eigentlich eher reinziehen.

16:59Burkhard Martens

Ja, es ist nicht so wie ein Zigarettenrauchring, sondern es ist lang gestreckt. Es geht über mehrere hundert Meter. Es geht überall von innen nach außen. Okay. Und du fliegst irgendwo auf diesen paar hundert Metern, gegen diesen Ring und hast einfach auch ganz plötzlich, gut, da ist es dabei, ein GPS dabei zu haben, wenn ich vorher 35 fliege und dann plötzlich 20, wo kommt der Gegenwind her? Und das ist ganz oft eben dieser Wirbelring. Und dann muss man ganz lange reinfliegen, bis man endlich mal in der Mitte ist und dann erst anfangen zu drehen. In

17:35Lucian Haas

der Mitte hast du eigentlich keinen Gegenwind dann mehr. Könnte man dann auch nach GPS fliegen und sagen, solange ich nur 20 jetzt habe, wo ich vorher 30 hatte, solange fliege ich noch nach vorne und sobald es dann wieder auf 30 zunimmt, dann drehe ich an der Stelle, wenn ich da noch steigen habe?

17:50Burkhard Martens

Ja, genau so ist es. Plötzlich wird die Geschwindigkeit wieder stärker und wenn ich dann über die Mitte draus fliege, dann habe ich nämlich auf einmal 45 auf dem GPS stehen und dann bin ich schon über die Mitte weggeflogen. Dafür ist ein GPS ganz toll, um diese Effekte ja richtig zu sehen dann.

18:07Lucian Haas

Was aber auch hieße, da muss man wirklich quasi auch durch das Zentrum der Thermik rumfliegen. Man kann ja auch, wäre ein bisschen Seitenwind, dass man die ganze Zeit mit Seitenwind am Thermikrand quasi entlang fliegt und es schiebt eigentlich einen immer nur weg, so ungefähr.

18:21Burkhard Martens

Theoretisch kann man das auch, aber das macht ja nicht so Spaß, als wenn man direkt im Zentrum ist und am besten steigt.

18:26Lucian Haas

Würdest du denn sagen, dass du durch dein eigenes Buch auch selbst noch zu einem besseren Piloten geworden bist? Ja, ich denke

18:34Burkhard Martens

schon, weil die Effekte, die ich dann ja auch aufgeschrieben habe, auch selbst immer wieder feststellen oder mir bestätigen, dass ich das richtig aufgeschrieben habe. Nun bist

18:42Lucian Haas

du ja mit dem Buchschreiben auch, du hast damit dann auch wirklich Geld verdient und diese Einnahmen haben dir ja sicherlich auch mehr, wie soll man sagen, zeitliche Freiheiten dann auch gegeben. Wahrscheinlich konntest du dann auch sogar noch mehr fliegen gehen. In der Form hast du vielleicht auch so von deinem Buch profitiert. Im

19:00Burkhard Martens

Endeffekt habe ich mit dem Buch wirklich schönes Geld verdient. Das wusste ich aber natürlich am Anfang nicht. Als ich das Buch geschrieben habe, ich habe ja eineinhalb Jahre gebraucht, da habe ich gesagt, da habe ich erstmal quasi gar kein Geld verdient. Da habe ich von dem Geld, was ich mit der Einnahme vom Flugschulverkauf bekommen habe, davon gelebt. Und ich wusste ja auch nicht, ob das so ein voller Erfolg wird. Ich habe 7000 Bücher drucken lassen von der ersten Auflage und dann kommt ein Laster, ein ausgewachsener Laster und bringt mir 7 Tonnen Bücher. Also da schaut man schon erstmal groß und da geht eine große finanzielle Vorleistung. Und dann haben sich die Bücher aber super verkauft, zwei Jahre, dann waren die 7000 Bücher weg. Und dann habe ich gedacht, wow, das ist jetzt aber super gelaufen.

19:46Burkhard Martens

Und naja, dann hat sich das immer weiterentwickelt. Und ich habe parallel immer noch als Freelancer gearbeitet, Streckenflugseminare gemacht oder Flugbegleitung gemacht. Und das konnte ich dann immer ein bisschen weiter reduzieren mit dem Erfolg der Bücher.

20:02Lucian Haas

Das heißt, die Bücher haben dir die Zeit gegeben, dass du auch mehr privat einfach immer noch mehr fliegen konntest, was du früher wahrscheinlich als Fluglehrer und sowas gar nicht so häufig konntest, weil du immer auch beim Schulen stehen musst und da den anderen was beibringen sollst.

20:18Burkhard Martens

Ja, der schlimmste Monat, das war der August 2003. Wer sich daran erinnern kann, das war dieser Hitzesommer. Da war jeden Tag 30 Grad, jeden Tag. Ich habe 30 Tage hintereinander geschult und dann habe ich einen ziemlichen Frust gekriegt, weil die anderen immer große Strecken geflogen sind. Und dann habe ich gesagt, Steli, ich muss meinen Anteil der Flugschule verkaufen, ich halte das nicht mehr aus. Ich muss fliegen, wenn schönes Wetter ist und wenn schlechtes Wetter ist, dann kann ich zum Beispiel schreiben und recherchieren. Aber wenn so super Wetter ist, dann muss ich öfter in die Luft.

20:51Lucian Haas

Das heißt aber, da bist du damals auch sehr ins Risiko gegangen, weil du sagst, ich verkaufe meine Flugschule, ich gebe eigentlich meinen Beruf auf gewisse Weise auf und fange jetzt mit etwas an, von dem ich gar nicht weiß, wie gut ich es kann oder ob es sich am Ende wirklich lohnt. Was wird eigentlich verkauft und was daraus wird?

21:10Burkhard Martens

Ja, das war insofern mal des Risikos überschaubar. Ich konnte ja immer wieder als Fluglehrer arbeiten. Also es ist ja nicht so, Fluglehrer werden irgendwie immer gesucht und Flugbegleiter von Reisen und so. Und das hätte ich ja trotzdem weitermachen können. Und das habe ich ja erst nach sechs, sieben, acht Jahren reduzieren können, weil erst da klar war, dass ich mir mit dem Geld, was ich verdiene, ich habe mir dann Eigentumswohnungen gekauft zur Rentenvorsorge und eben zur Kapitalanlage. Und weil ich ja ewig nichts in die Rente einzahle, ich muss ja dann privat vorsorgen. Dadurch habe ich dann immer mehr finanziellen Freiraum bekommen und einfach quasi nur noch fliegen zu gehen, ein bisschen nebenher zu arbeiten und natürlich auch immer neue Auflagen zu machen, neue Bilder zu machen, also immer am Ball zu bleiben.

22:02Burkhard Martens

Es gibt ja jetzt vier Auflagen vom Thermikbuch mittlerweile.

22:05Lucian Haas

Wird es auch noch eine fünfte und eine sechste geben? Bleibst du noch da dran? Oder ist jetzt das Mountainbiken so im Vordergrund, dass du sagst, eigentlich da entwickelt sich bei der Fliegerei nicht mehr so viel? Also

22:17Burkhard Martens

die Bücher sind ja zeitlos. Wenn ich jetzt das sehe, was ich von der Auflage drei zur Auflage vier, was ich da verändert habe, dann sind das in erster Linie Bilder mit neueren Schirmen. Wenn man das Buch aufschlägt, dass nicht uralte Schirme abgebildet sind. Dadurch macht es einen Eindruck, als ob es etwas neuer ist. Die Texte, da hat sich aber nicht viel getan. Da sind, ich glaube, sechs Seiten habe ich neu geschrieben, weil ich neue Erkenntnisse gefunden habe. Das andere, mal Fehlerkorrektur, ein paar Sachen abgeändert, ein neues Diagramm gemalt. Aber das Buch, das ist ja eigentlich zeitlos. Das sind ja nur die Bilder, die dann veraltern von den Schirmen.

22:56Lucian Haas

Hast du auf diese Bücher eigentlich auch mal Rückmeldungen von anderen Piloten gekriegt, die sagen, hey Burki, das kann nicht stimmen, was du da geschrieben hast. Ich erlebe das ganz anders. Oder hast du eigentlich immer nur die positiven, bestärkenden Rückmeldungen bekommen?

23:09Burkhard Martens

Also ich habe viel Feedback bekommen und das meiste war sehr, sehr positiv. Und ab und zu meine Korrektur, das Tal heißt aber jetzt nicht Lesachtal, sondern Geiltal in dem Bereich oder so. Oder der Berg, das heißt Haslital und solche Sachen. Das waren aber meistens Kleinigkeiten. Oder einer hat mal gesagt, auf meinem Bild habe ich das so gemacht. Da ist eingezeichnet, dass sich die Wolke links herum dreht. Aber er findet, die Wolke schaut so aus, als ob sie rechts herum dreht. Aber das sind alles Kleinigkeiten. Das meiste findet große Zustimmung. Und das Witzige ist ja sogar, dass mein Thermikbuch in der Schweiz mit zur Grundlage der Fluglehrerausbildung gehört.

23:52Lucian Haas

Ist das Standard -Lehrbuch dann quasi für die?

23:55Burkhard Martens

Ganz genau weiß ich es auch nicht, wie die ausbilden. Aber mein Vertriebler in der Schweiz hat gesagt, das wäre jetzt aber ziemlich blöd, wenn die Bücher auslaufen, weil das verkauft sich gut und gehört zum Lehrwerk der Fluglehrer. Da sage ich, ah, habe ich noch gar nicht gewusst.

24:13Burkhard Martens

Ach so, und wegen der Frage noch eine fünfte oder sechste Auflage. Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Ich habe jetzt noch so viel, dass es noch zwei, drei Jahre reicht. Vom Verkauf her, wenn der so weitergeht. Und der Verkauf ist schon langsamer geworden. Von daher ist noch nicht ganz sicher, ob es eine fünfte Auflage gibt. Die nächsten Jahre wahrscheinlich noch nicht. Na

24:34Lucian Haas

gut, aber wenn ich jetzt hier schon den Thermikexperten sitzen habe, vielleicht kannst du ja noch so ein paar andere weitere Tipps für meine Hörer geben und so was. Zum Beispiel, was würdest du denn sagen, wie lernt man oder trainiert man gerade als Anfänger am besten, dass Thermik fliegt?

24:54Burkhard Martens

Man fliegt in großflächiger, ruhiger Thermik. Wenig Wind, nicht zu starke Thermik. Da ist es für Anfänger sicherer. Und einfacher. Man schaut sich dann zum Beispiel in meinem Buch an, Zentriertechnik der Thermik. Wie zentriert man eigentlich? Und wenn man das Bild gesehen hat und die Zentriertechnik dazu gelesen hat, dann gezielt nach diesem Muster vorgehen, um eben gut das Zentrum zu finden. Dann eng zu kurbeln. Das ist übrigens der größte Fehler, den Anfänger machen, wenn sie schlecht steigen, dass sie viel zu groß drehen. Und im Zentrum der Thermik dann eng drehen.

25:39Burkhard Martens

Das ist übrigens der Thermiktipp Nummer eins, eng drehen. Die meisten drehen viel zu groß, um effektiv zu steigen.

25:45Lucian Haas

Da hast du jetzt schon meine dritte Frage, die ich hier noch bei mir so ein bisschen vorbereitend stehen habe. Da steht nämlich, was siehst du als die größten Fehler, die Piloten beim Thermikfliegen machen? Dann hast du schon gesagt, die meisten drehen zu weit. Ja, zu groß drehen. Was heißt denn zu groß beziehungsweise was heißt eng? Wie bemisst du das, in Radien oder sagst du, okay, jeder Kreis sollte nicht länger als 20 Sekunden dann dauern? Das ist eng drehen oder?

26:10Burkhard Martens

Also 20 Sekunden ist schon relativ eng, ja. Und die meisten drehen aber viel größer. Wenn man jetzt eine Riesenthermik hat, dann kann man natürlich auch groß drehen und steigt gut, weil die Thermik einfach so groß ist. Aber das ist eher der seltenere Fall.

26:25Lucian Haas

Was ich immer wieder so an Erfahrung mache, häufig gibt es ja so auch ein bisschen zerrissene Thermiken oder die so gefühlt manchmal wie so fünf Steigkerne haben. Und dann gibt es die einen, da kann man sich dann ganz eng reinhängen und sagen, ich drehe jetzt eng hoch. Aber manchmal sind die so eng, dass man vielleicht gar nicht sie so richtig durchzentriert bekommt, dass man da wirklich drin ist. Und dann gibt es andere, die große Kreise um einen herumfliegen und die dann bei den großen Kreisen durch fünf starke Steigkerne durchfliegen, dann aber auch wieder in das Flache kommen. Letzten Endes kommen die aber genauso schnell hoch wie ich mit meinem Engen. Es sei denn, ich habe wirklich einmal das Glück, dass ich das Engel so gut erwische, dann kann man natürlich durchsteigen und dann ist man weg. Das ist mir auch schon passiert.

27:09Burkhard Martens

Das ist aber in der Regel im unteren Bereich. Man kämpft, man versucht eins von diesen kleinen Zentren zu zentrieren und die anderen, wie du gesagt hast, fliegen um einen herum und steigen genauso gut. Aber das passiert in der Regel nur ein paar hundert Meter. Und dann wird auch ein enges Zentrum so groß, dass ich da drin bleiben kann. Und dann steige ich jeden schnell weg. Wie

27:31Lucian Haas

machst du das dann? Sagst du am Anfang, na gut, die drehen groß, dann drehe ich auch groß und in 200 Metern werde ich dann enger? Oder sagst du, nein, wenn ich unten schon was gefunden habe, dann hänge ich mich auch da wirklich eng rein?

27:42Burkhard Martens

Ja, ich versuche immer eins, diese engen Kerne eng zu zentrieren und damit schnell zu steigen.

27:50Lucian Haas

Okay, das wäre jetzt so der große, beste Thermiktipp, den man jemandem geben kann. Versuche auf jeden Fall zu lernen, irgendwann auch eng zu drehen. Ja. Um in solche engen Kreise sauber fliegen zu können. Was war denn so der beste Thermiktipp, den du vielleicht mal erhalten hast in deiner Ausbildung? Oder in deiner Pilotengeschichte? Kann ja auch sein, dass du erst mit großer Erfahrung noch mal einen Tipp bekommen hast, wo du gesagt hast, wow. Also, dann

28:17Burkhard Martens

ist das das Thema Flachlandfliegen. Und das habe ich am Anfang als extrem schwer empfunden. Und das war so undefiniert. Ich habe die Abrisskanten am Boden nicht richtig gesehen. Ich wusste nicht, wo die Thermik aufsteigt. Und wenn man dann mit Rückenwind im Flachland geflogen ist und in ein großes Sinkgebiet gekommen ist, dann haben mir welche erzählt, dann musst du im 90 -Grad -Winkel rausfliegen. Im Flachland schöne Steigen, nach dem Steigen starkes Sinken. Und dieses starke Sinken ist auch mit dem Wind versetzt. Das heißt, wenn man immer geradeaus weiter mit Rückenwind fliegt, dann bleibt man ganz lange in diesem Sinken. Und das war ein toller Tipp, den ich mal von anderen bekommen habe. Im 90 -Grad -Winkel rausfliegen.

29:02Burkhard Martens

Und ich habe mittlerweile so viel Flachlanderfahrung, dass ich sagen kann, ja, das ist wirklich wichtig. Sofort 90 Grad weg und in bessere Luft.

29:11Lucian Haas

Also auch nicht

29:11Burkhard Martens

45, sondern wirklich 90 Grad. Nein, 45 dauert auch zu lange im Sinken. 90 Grad quer zum Wind und so wie es besser wird, oder 70 Grad, also auf jeden Fall mal deutlich raus aus diesem Sinken. Und zwar im quasi rechten Winkel. Und dann wieder mit Rückenwind. Wenn man

29:30Lucian Haas

es überlegt, bei viel Wind heißt der 90 Grad auch, dass man eigentlich nicht 90 Grad fliegt, sondern mit dem Windversatz wahrscheinlich am Ende die eigene Flugspur, landet man eh dann bei 60 Grad oder sonst etwas, weil es einen so rüberschiebt. Ja, wenn das

29:42Burkhard Martens

starker Rückenwind ist, dann wird es eh 60 oder 45 Grad Winkel über Grund.

29:49Lucian Haas

Gibt es irgendeinen Teil oder irgendein Konzept in der Thermikentstehung, wo du sagen würdest, das habe ich bis heute nicht verstanden?

29:58Burkhard Martens

Nö, eigentlich nicht. Also mir ist das ziemlich klar, wie das passiert. Du hast es alles durchstiegen. Gedanklich und erfahrungsmäßig. Ja, also überraschend tut mir nichts mehr. Ich meine, es kann auch aus dem Schatten eine Thermik rauskommen. Zum Beispiel am Braunig ist das ganz normal. Und wenn der Talwind eingesetzt hat, dann schiebt der Talwind die warme Luft an den Berg und die warme Luft, die dann im Flachland entsteht, wird an die Nordplanke vom Berg geschoben und steigt dann sehr wohl als Thermik auf. Aber die Thermik ist ja nicht auf der Nordplanke entstanden.

30:31Lucian Haas

Sondern vorher schon im Flachland. Vorher im Flachland. Und dann halt nur dran geschoben. Nun gibt es ja auch manche Tage, wo es 100 % Wolkenbedeckung ist und es trägt dann überall. Gibt es dafür Tricks, wie man da dann trotzdem, also sind es dieselben Spots, an denen dann die Thermik ablöst? Oder gibt es für solche Tage andere gedankliche Techniken, mit denen man sowas für sich verorten kann? Also so ein Tag, wie du

30:55Burkhard Martens

beschreibst, das ist dann extremst labilste Luftmassen, wo schon der kleinste Sonnenhauch oder eine ganz kleine, ganz kleiner Wärmevorsprung reicht, um überhaupt das Thermik abzulösen. Dann teilweise auch großflächig. Aber die Spots selbst sind immer noch die gleichen.

31:12Lucian Haas

Was war für dich mal, wie soll man sagen, das krasseste oder das wundervollste Thermikerlebnis, an das du dich noch erinnern kannst?

31:22Burkhard Martens

Also das krasseste, was mir jetzt sofort einfällt, ist Bassano. Bassano geht normalerweise nie wahnsinnig hoch. Und an dem Tag ging es auf 3.500 Meter. Thermiken bis 10 Meter steigen. Und das mit einem Durchmesser von 500 Meter und größer. Also das war so wahnsinnig. Das Vario hat nur noch gejault. Und es war sowas von ruhig. Und das bei dieser Stärke vom Steigen. Also das habe ich, glaube ich, erst zweimal im Leben erlebt. Und dann auf 3.500 in Bassano, quasi in der vorgelagerten Po -Ebene über den Bergen. Auf einmal ist das Ganze in Monte Grappa massiv, nur noch ein kleiner Hügel. Es ist unvorstellbar.

32:05Lucian Haas

War das so ein typischer Nordwind -Tag mit kalter Luftmasse, die dann von Norden darüber geht, wo es dann heißt, da geht es in Bassano häufig thermisch sehr gut, ist aber in Hangnähe nicht immer unbedingt angenehm?

32:17Burkhard Martens

Es war theoretisch leichter Nordwind, aber der war so schwach, dass es einfach auch unten raus wunderbar zum Fliegen ging. An dem Tag habe ich ein Streckenflug -Seminar gehabt. Und das war dann gar nicht einfach, die Piloten beieinander zu halten, weil manche haben gesagt, 2.500 Meter, das reicht, höher will ich nicht. Aber wenn es geht, müsste so hoch, hoch, hoch fliegen. Und dann haben die einfach 1.000 Meter verschenkt zum Weiterfliegen, was natürlich immer noch extrem ausreichend war. Aber ich habe die Piloten aus dem Blick verloren.

32:48Lucian Haas

Weil die so verstreut waren? Genau.

32:54Lucian Haas

Was machst du bei solchen Streckenflug -Seminaren? Mittlerweile gibt es ja so Techniken, also Vario -Techniken wie so Farnet oder sowas. Nutzt du sowas mittlerweile, um Leute zu verfolgen oder auch mit anderen Leuten in der Gruppe zusammen zu fliegen?

33:10Burkhard Martens

Nein, das ist erst aufgekommen, wo ich Streckenflug -Seminare schon nicht mehr gemacht habe. Und selbst habe ich die Entwicklung zwar beobachtet, aber habe das Gerät selbst nie benutzt. Wenn ich für mich alleine auf Strecke gehe, dann war das auch nie so interessant, wo jetzt die anderen sind. Weil beim Streckenfliegen bin, wenn ich für mich auch zum Streckenfliegen gehe, um an einer Streckenflug -Meisterschaft mitzumachen, dann waren da vielleicht ein paar andere um mich herum, wo wir gemeinsam gestartet sind. Aber meistens verliert man sich schnell aus dem Blick. Und es ist auch nicht so interessant, wo die jetzt gerade sind. Es geht darum, dass ich meine Thermik oder meine Flugroute weiterverfolge.

33:52Lucian Haas

Wenn wir gerade bei Technik sind, also Varios und sowas, fliegst du immer mit Vario oder machst du manchmal auch bewusst, dass du sagst, ich schalte es aus? Oder ich mache bewusst auch Flüge, weil ich das nicht mache? Wo ich die Technik ganz zu Hause lasse und mal gucke, wie gut ich mit meinem eigenen Popo -Gefühl oder sowas da noch durchkomme?

34:09Burkhard Martens

Das passiert eigentlich nur, wenn mir die Batterie ausgeht. Ich fliege nicht motiviert Strecken. Wenn ich motiviert Strecken fliege, habe ich immer zwei Varios dabei.

34:18Lucian Haas

Die auch beide gleichzeitig piepsen?

34:21Burkhard Martens

Nein, eins ist leise gestellt. Aber im Notfall brauche ich es halt nur anmachen. Ich kann auch Thermik fliegen ohne Vario, komme ich mir aber irgendwie immer so halbnackt vor. Da fehlt einfach das Piepen. Ich kann das nicht so gut. Ich glaube, der Achim Joost, der ist da hervorragend drin. Er sagt, dem ist das egal, ob er ein Vario hat oder nicht. Aber so geht das bei mir nicht.

34:44Lucian Haas

Wenn du jetzt zentrierst und sowas, achtest du da auch immer sehr stark auf den Vario -Ton? Oder ist das mittlerweile auch so, dass du sagst, okay, das Vario hilft mir zwar zu erkennen, wo fängt die Thermik an oder sowas und auch ein bisschen zu spüren, wo sie vielleicht jetzt, wie stark sie ist. Aber dass du sagst, für das Zentrieren brauche ich das gar nicht. Da reicht eigentlich mein Körpergefühl aus.

35:07Burkhard Martens

Nein, ich fliege ganz extrem nach dem Sound vom Vario. Der ist ja auch moduliert. Also er wird enger und höher, je stärker das Steigen ist. Und das ist für mich ein ganz wichtiger Anhaltspunkt, wie ich zentriere.

35:22Lucian Haas

Nutzt du beim Vario auch sowas wie so einen Thermik -Schnüffler, der schon anschlägt, bevor es eigentlich zumindest mit deinem Schirm schon hochgeht? Die Luftmassen steigen ist vielleicht schon da. Du hast ein verringertes Sinken von 0,5 und das tickert schon irgendwie so ein bisschen. Oder brauchst du das nicht? Nein, also

35:38Burkhard Martens

ich habe das ausprobiert, auch mit der optischen Anzeige. Aber das hat mich irgendwie mehr irritiert. Ich habe so gelernt, ich höre auf den Sound und konzentriere mich nur aufs Pippen.

35:52Burkhard Martens

Und ich achte darauf, vielleicht auch als Tipp, dass ich, wenn die Thermik schräg ist, dass ich immer im Luft der Thermik zentriere. Da ist meistens das bessere Steigen. Und wenn ich im Luft rausfalle, bin ich sofort wieder drin. Wenn ich im Lee von der Thermik rausfalle, dann dauert es meistens länger, bis ich wieder drin bin und ist für mich schwieriger, wiederzufinden. Wie weißt du innerhalb einer Thermik, wo Luft und Lee ist?

36:15Burkhard Martens

Steigen ist in der Regel im Luft stärker. Und ich versuche mich immer im stärksten Bereich aufzuhalten. Und wenn ich in den schwächeren Bereich versetzt werde, fliege ich erst wieder geradeaus. Und wenn ich dann merke, dass das Steigen schwächer wird, dann drehe ich sofort um. So stelle ich sicher, dass ich im vorderen

36:34Lucian Haas

Bereich bin. Ich habe so beim Luft Thermik -Fliegen manchmal die Erfahrung gemacht, dass man so ein bisschen noch verarscht wird, weil du fliegst vorne, sagst, ich halte vielleicht noch ein bisschen vor, fliege noch ein bisschen wieder nach vorne. Und manchmal haben diese Thermik -Bärte dann im Grunde noch davor noch mal quasi den dynamischen Aufwind von dem anstehenden Wind, wo es dann, es nimmt erst mal ganz kurzzeitig ab und dann nimmt es noch mal deutlich zu. Und dann denkt man, ah, jetzt kommt noch was. Und dann fliegst du noch weiter geradeaus, denkst jetzt, ich muss noch in die Richtung weiter, noch besser zentrieren. Das beste Steigen ist da vorne. Und dann bist du aber schon rausgefallen. Wenn du direkt umdrehst, fliegst du direkt wieder rein, wie du sagst, das ist der Vorteil auf der Luf -Seite. Aber trotzdem, also mir passiert es immer wieder, dass mich Thermiken an dieser Stelle auch so ein bisschen verarschen oder ich mich ein bisschen verarschen lasse.

37:23Burkhard Martens

Ja, ja, ja, das kann passieren. Und dann, wenn das zweimal hintereinander passiert ist, dann achtet man besser darauf, da nicht mehr drauf reinzufallen.

37:32Lucian Haas

Eine Sache, die mir auch noch immer wieder auffällt, gerade wenn ich mit noch nicht so erfahrenen Piloten zusammenfliege, dass viele von denen eigentlich, also die versuchen zu zentrieren und das machen die alle teilweise relativ sauber, aber viele sind beim Thermikfliegen, gucken eigentlich nicht mehr viel rum. Und manchmal ist es ja so, dass 30 Meter weiter oder 50 Meter weiter, der steigt viel besser. Und man sieht, oder man selber steigt besser, man sieht den einen dort kreisen und denkt, der muss doch jetzt nur noch zu mir rüberfliegen. Der muss eigentlich seinen Kreis nur ein bisschen öffnen, um hier rüberzukommen. Dann hat er gleich zwei Meter mehr an Steigen. Und das machen die dann aber nicht, sondern bleiben stur auf ihrem Ding. Ja,

38:13Burkhard Martens

das ist mir auch schon aufgefallen und das passiert immer wieder. Ich denke, dass es in der Regel eher die wenig Flieger sind, die so froh sind, dass sie überhaupt das Steigen haben und so fokussiert sind, dass sie nicht mehr in der Gegend rumschauen, wo es eventuell besser gehen könnte. Auf den Kanaren ist es mir mal passiert, die steigen mit einem Meter und ich schieße mit fünf Metern an denen vorbei. Und ich denke, das gibt es doch nicht, die müssen doch zu mir rüberkommen. Haben sie nicht gemacht. Nö, nö, kam nicht.

38:40Lucian Haas

Vielleicht war es ihnen auch zu heftig. Die denken, der ist so vorbeigestochen, das will ich gar nicht.

38:46Burkhard Martens

Ich glaube, die sehen es nicht. Der Bruce Goldsmith hat mal geschrieben, das ist wie beim Pferderennen. Immer wenn ein Pferd schneller ist, dann springt er auf das vordere Pferd, was ein bisschen weiter vorne ist. So ist es beim schnellen Zentrieren. Oder wenn man natürlich auch ambitioniert ist und Strecke fliegen will, dann ist es natürlich wichtig, schnell zu zentrieren. Wenn ich nur ein bisschen rumfliegen will, dann ist es ja auch irgendwie völlig wurscht, ob ich schnell oder langsam steige. Ist

39:12Lucian Haas

die Zentriertechnik für das schnelle Zentrieren eine andere?

39:15Burkhard Martens

Nee. Vor allem geht es um das enge Zentrieren im stärksten Kern, der in der Gegend ist.

39:21Lucian Haas

Das heißt, wenn man wirklich sagt, hier ist es eng, heißt auch schnell zentrieren dann wirklich sehr schnell an dieser starken Stelle sagen, hier drehe ich wirklich, diese schnelle Entscheidung treffen, hier drehe ich jetzt eng ein, um dann eben diese starke Steigung mitzunehmen.

39:37Burkhard Martens

Ja, genau. Und wenn ich einen Piloten 100 Meter neben mir sehe, der schneller steigt, dann bin ich sofort bei dem.

39:44Lucian Haas

Wenn du jetzt Vögel irgendwo fliegen siehst, fliegst du zu denen immer hin, weil du sagst, die wissen, wie es geht? Oder ist es dir auch schon mal passiert, dass die dich richtig verarscht haben?

39:55Burkhard Martens

Ja, haben sie auch schon. Aber fangen an zu drehen, ich fliege hin und dann fliegen sie weg. Ja, dann war die Thermik schon durch. Aber das ist eher selten. Es ist ja auch besser zu Vögeln oder anderen zu fliegen, die vor allem möglichst auch tiefer sind. Wenn einer 500 Meter über mir ist, dann fliege ich, bleibe ich lieber in meiner Thermik, weil es zu schwierig ist. Ob überhaupt noch die Thermik da ist, ist eh die Frage, wenn ich dahin komme. Wenn der so weit über mir ist, dann ist das Finden der Thermik schwierig und es ist nicht sicher, ob das nicht eine Blase ist, die durchgestiegen ist, dass da sowieso nichts mehr zu finden ist.

40:34Lucian Haas

Gibt es irgendeine Möglichkeit, an Tagen aus Prognosen oder sonst etwas herauslesen zu können, ob so Tage vielleicht eher Blasenthermik sind oder eher durchziehende Badthermiken?

40:48Burkhard Martens

Der Temperaturgradient spielt dann eine ganz große Rolle. Und früher, also ganz früher, fand ich immer, je höher der Gradient ist, umso besser ist es. Aber jetzt habe ich dann festgestellt, wenn der Gradient Richtung 1 geht, dann ist die Thermik so zerrissen und so stark, dass es zum Thermikfliegen kontraproduktiv ist. Es ist viel besser, wenn die Thermik ein bisschen später aufsteigen, aber dafür ein bisschen größer und auch ein bisschen langsamer hochsteigen, als dieses explosionsartige, man fliegt irgendwo rein, es reißt mit 5 Meter an und das ist so groß, dass ich es nicht zentrieren kann. Also das macht keinen Spaß. Also lieber ein bisschen kleinerer Gradient. Was sind

41:28Lucian Haas

dann so, wenn man nur so ein paar Kennzahlen sagen könnte, was wäre so deine liebste Thermik- oder Wetterprognose, wo du sagst, ich hätte gerne einen Luftdruck um X und einen Thermikgradient um Y und der Wind sollte nicht stärker oder nicht schwächer sein als Z. Was würdest du da nennen?

41:49Burkhard Martens

So 1024 Hektopascal hört sich gut an. 0,7 Grad Temperaturgradient. Und möglichst kein Wind in den Bergen. Wenn ich im Flachland unterwegs bin mit Rückenwind, dann ist mir lieb, wenn unten wenig Wind ist und der nach oben konstant stärker zunimmt. Weil wenn der Wind unten nicht stark ist, dann können sich schön große Thermiken ablösen und wenn der Wind unten im Bodenbereich schon stark ist, dann sind es wieder diese kleinen Reißer, die sich ablösen und das ist dann unangenehm zu fliegen.

42:24Lucian Haas

Wie stark darf der Wind dann oben werden?

42:27Burkhard Martens

In Brasilien, wenn der Wind zunimmt auf 40, 50 km/h in großer Höhe, dann ist das gut. Dann komme ich schnell weg. Aber nicht am Boden. Am Boden will ich höchstens 20.

42:39Lucian Haas

Wenn du in den Bergen jetzt mal fliegst, was wäre da so dein Lieblingsobermaß an Wind, was du da haben willst?

42:46Burkhard Martens

Da habe ich auch einen ganz einfachen Anhaltspunkt für mich. 20 Grad Wind von nördlichen Richtung. Nord, Nordost, Nordwest. Das heißt, verursacht solche starken Leegebiete auf der Südseite, ich fliege ja in der Regel auf den Südflanken von der Thermik, dass ich da nicht mehr fliege. Dann mache ich keine Streckenflüge mehr, wenn so starker Wind auf Gradniveau ist.

43:13Burkhard Martens

Aus diesen nördlichen Richtungen. Wenn das südlich ist, dann ist es ja unterstützend. Dann habe ich ja auf der Südflanke auch nicht das Lee.

43:21Lucian Haas

Okay. Was nutzt du eigentlich für deine, also als Wettergegenstand, Wetterquellen für deine Vorbereitung? Guckst du da auch in spezielle Thermikvorhersagen rein, wo du dann auch wirklich, Ausdruckkontrolle ist auf jeden Fall immer das Ding, also Alptherm, oder gibt es noch andere spezialisierte Dienste, die du nutzt, wo du sagst, mit denen komme ich am besten zurecht oder die liefern mir die wichtigsten Infos, die ich eigentlich brauche?

43:45Burkhard Martens

Also momentan reicht mir eigentlich Alptherm. Und ich fahre ja auch nicht mehr so viel durch die Gegend wie früher, dass ich jetzt von hier auf die Alpensüdseite führe. Für einen Tag habe ich es eh noch nie gemacht. Aber für zwei, drei Tage dann rüberfahren, dann nutze ich auch andere Meteo -Modelle. Aber jetzt beim Fliegen reicht mir Ausdruckkontrolle. Die sagen mir die wichtigsten Werte. Und wie der Tag ganz genau wird, das weiß man sowieso immer erst, wenn man in der Luft ist. Und wenn man ambitioniert beim Streckenflug, bei der Meisterschaft mitmachen will, dann muss man sowieso fast jeden guten Streckenflugtag ausprobieren. Wenn es nichts ist, geht man halt landen. Aber ich sage immer, der Tag könnte besser werden.

44:33Lucian Haas

Das heißt, man muss auch einem mittelprächtigen Tag, wenn man ambitioniert unterwegs ist und sagt, ich will wirklich Punkte sammeln, da muss man auch einem mittelprächtigen Tag die Chance geben, besser werden zu können und es wirklich darauf anlegen.

44:44Burkhard Martens

Ja, genau. Und wenn man nach einer Weile merkt, es ist nichts, nach zwei Stunden habe ich immer noch erst 15, 20 Kilometer zurückgelegt, dann kann das eh kein großer Flug mehr werden.

44:56Lucian Haas

Du warst ja eine Weile sehr ambitioniert auf Strecke geflogen. Wie bist du dann mit solchen Tagen umgegangen? Sagst du dann, okay, jetzt habe ich zwei Stunden geflogen, mein Schnitt ist nur 13 statt 20, was ich gehofft habe, oder nur 15 statt 25. Das bringt jetzt nichts mehr. Ich gehe jetzt landen. Oder konntest du an solchen Tagen dann quasi in einen Genussmodus umschalten und sagen, so what, es gibt keinen großen Streckenflug mehr von der Punktzahl her. Aber jetzt gibt es den großen. Ja. Genussflug für mich selbst.

45:29Lucian Haas

Es

45:29Burkhard Martens

sind verschiedene Sachen. Wenn ich noch was in petto habe, eine Idee, was ich gerne anschauen möchte oder einfach mal in die Gegend fliegen, wo ich noch nie war, dann nutze ich so einen Tag einfach, fliege dann langsam dahin, um mir das mal anzuschauen. Oder ich drehe nach 30 Kilometern wieder um und sage, jetzt schaue ich wenigstens, dass ich zum Auto zurückkomme und nicht auch noch trampen muss. Um dann auch Energie zu haben für den nächsten Tag, der dann vielleicht der richtig gute Tag ist. Weil wenn man dann 10 Stunden geflogen ist, dann ist man so K.O., dass es schwierig für mich ist, am übernächsten Tag halt nochmal 10 Stunden zu fliegen. Du

46:10Lucian Haas

bist ja auch, hatte ich ja gerade schon gesagt, auch jahrelang ziemlich erfolgreich und ambitioniert Strecke und auch Wettkämpfe geflogen. Warst auch schon mal deutscher Meister. Hast auch wirklich, hast auch einige Rekorde geflogen im Streckenfliegen. Also ich weiß noch 2013, da ging es auch so ein bisschen hin und her. Da warst du in Brasilien und hast gleich zweimal einen neuen deutschen Streckenflug Rekord aufgestellt. Zwischendurch hatte noch ein anderer Deutscher, den auch nochmal dich nochmal geschlagen. Dann hast du nochmal nachgelegt. Am Ende hattest du so 390 Kilometer auf der Uhr mit, ich glaube Chili war das damals, also so einem B -Schirm. Chili, ja,

46:46Burkhard Martens

ja. Das galt dann eh

46:47Lucian Haas

noch so. So weit war, glaube ich, noch nie jemand mit einem B -Schirm geflogen. Zumindest kein Deutscher. Das weiß ich jetzt nicht, ob es weltweit dann der Rekord war.

46:55Burkhard Martens

Ja, es war dann deutscher Rekord. Also ich habe an diesem deutschen Rekord im Zielflug schon ein paar Jahre hingearbeitet. Dann habe ich ihn und am nächsten Tag nimmt ihn mir der Anti -Ecker wieder weg. Ich meine, dafür sind Rekorde da, um gebrochen zu werden. Aber wenn man jahrelang daran hinarbeitet und hat den Rekord einen Tag, dann ist das doch ein bisschen frustrierend. Und dann konnte ich aber noch eine Schippe drauflegen und ihn mir quasi wieder zurückholen. Aber auch diese Rekorde sind dazu da, um geschlagen zu werden. Ja, der ist

47:27Lucian Haas

mittlerweile auch schon wieder gebrochen. Mittlerweile

47:29Burkhard Martens

ist er eh schon wieder gebrochen, ja, genau.

47:32Lucian Haas

Es gibt einen Rekord, der auf jeden Fall noch steht. Und damit wirst du auch bei der FAI geführt, nämlich einem Europa -Rekord im Höhengewinn. Das war auch, ich glaube, bei einem Flug 2014. Da hast du einen Höhengewinn von 3.469 Metern gemacht. So steht es zumindest bei der FAI. Kannst du dich an diesen Flug noch erinnern?

47:51Burkhard Martens

Ja, da kann ich mich recht gut dran erinnern, weil den Höhenrekord, den habe ich schon 15 Jahre im Kopf gehabt, den mal zu schlagen. Und es ist in den Alpen sehr schwer. Man muss die Luftraumbeschränkung einhalten. Und da im Großteil der Alpen der Luftraum höchstens auf 3.850 Meter geht, war der Rekord gar nicht zu schlagen. Aber ich wusste, dass im Ötztal, das Flugbeschränkungsgebiet, bis über 5.000 Meter geht. Ich glaube, damals waren es sogar 5.900. Jetzt sind es nur noch knapp 5.000. Und es war einer dieser Tage, wo ich ein großes Dreieck fliegen wollte. Aber ich war viel zu langsam. Da habe ich gedacht, okay, das große Dreieck geht nicht mehr.

48:35Burkhard Martens

Dann schaue ich, dass ich jetzt ins Ötztal fliege. Und zwar ganz nach hinten, da, wo der Luftraum viel, viel höher ist. Und da konnte ich dann in etwa 4.700 Meter aufdrehen. Und der Rekord gilt vom niedrigsten Punkt bis zum höchsten Punkt. Also bei dem Flug muss man einmal möglichst tief sein. Das war ich beim Streckenflug nämlich in der Jachenau. Da war ich nur noch 200 Meter über Grund. Und dann aufdrehen auf diese 4.600 Meter, dass dann ein Höhengewinn von 3.469

49:08Lucian Haas

Meter war.

49:09Burkhard Martens

Dass das dann dabei rauskommt. Das heißt

49:13Lucian Haas

aber, es ist nicht der Höhengewinn innerhalb einer Thermik, sondern der größte Höhenunterschied innerhalb eines Fluges. Es ist

49:23Burkhard Martens

der Wert vom niedrigsten Punkt des Fluges bis zum darauffolgenden höchsten Punkt. Also von daher ganz einfach. Hat nichts mit aufgeaddierter Höhe zu tun. Niedrigster Punkt, höchster Punkt, das ist der Höhengewinn.

49:38Lucian Haas

Das heißt aber, du bist für diesen Rekord nicht extra im Ötztal nochmal abspiralt, um zu sagen, ich muss von ganz unten wieder die beste Thermik wieder aufdrehen, um dann … Nein,

49:46Burkhard Martens

nein. Der tiefste Punkt war ja ein paar Stunden vorher schon bei einer großen Querung. Aber das Problem war auch, es ging so dermaßen stark im Ötztal hoch. Und ich musste erst in den Luftraum kommen, wo ich so hoch fliegen darf. Ich habe ein paar Mal vorher abspiralt, um nicht schon vorher zu hoch zu sein. Weil vorher durfte ich ja nur auf 3.800 Meter fliegen. Und dann bin ich halt quasi unter 3.800 Meter endlich so weit geflogen, bis der Luftraum frei war. Und das sieht man ja auf der Luftraumstrukturkarte, die im Vario hinterlegt ist.

50:20Lucian Haas

Wäre es an dem Tag eigentlich noch höher gegangen? Oder war auf 4.700, wie du gesagt hast, war dann die Basis und gesagt, höher geht es nicht?

50:28Burkhard Martens

Ja, da war dann Ende. Da ging es leider nicht höher, obwohl ich noch höher gedurft hätte. Aber es war halt Ende. Hast

50:33Lucian Haas

du da die Höhe schon gemerkt? Also auch, dass du sagst …

50:36Burkhard Martens

Nein. So euphorisch war ich, weil ich es geschafft habe. Aber ich glaube nicht, dass es am Sauerstoffmangel lag. Was bedeuten dir solche Rekorde?

50:49Burkhard Martens

Es macht mir Spaß, einen Rekord aufzustellen, was zu planen und diesen Plan dann auch umzusetzen. Macht mir einfach Spaß. Dann hängt da der Rekord an der Wand. Ich schaue ihn an und sage, ja, schön gemacht, war ein schöner Tag.

51:07Lucian Haas

Nun ist ja, um Rekorde zu erfliegen oder auch weite Strecken zu fliegen und sowas, muss man ja auch ehrgeizig sein auf gewisse Weise. Man muss ja überhaupt erstmal den Plan haben, dieses Ziel, also dieses Rekordziel und so weiter zu erreichen. Manche Menschen werden ja aber auch so von Ehrgeiz dann zerfressen, weil sie dann vielleicht viele Misserfolge für sich selber erleben, weil sie sagen, ich bin zwar weit gekommen, aber nicht so weit, wie ich geplant habe oder den Rekord habe ich nicht geschafft und sowas. Wie ist das bei dir?

51:35Burkhard Martens

Also das, was du sagst, das ist ja der häufigere Fall.

51:44Burkhard Martens

1998 bin ich meinen ersten Weltrekord geflogen und zwar 100 Kilometer Zielrück. Wo war das? Und auf Zeit, das war im Inntal, also im Gnadenwald. Das ist in der Nähe von Jenbach bis nach Westen, 50 Kilometer und 50 Kilometer wieder zurück. Und das Ganze auf Zeit. Den Rekord habe ich aber sicher schon fünf, sechs Mal angegangen und normalerweise klappt es nicht. Und einen Rekord zu fliegen, mittlerweile wird es sowieso immer schwieriger, weil die Messlatte bei allen Rekorden unglaublich hoch ist, da setzt man ganz oft an und einmal hat man Erfolg. Und schaffen tut man es sowieso nur, wenn man diesen Ehrgeiz hat. Ob das jetzt gut ist oder schlecht ist, entweder hat man ihn oder man hat ihn nicht.

52:31Burkhard Martens

Aber meistens

52:32Lucian Haas

klappt es nicht. Wie bist du dann mit solchen Situationen umgegangen? Also ist das für dich dann leicht, dass du sagst, war halt nicht? Oder hat dir das schon im Magen irgendwie gefressen?

52:44Burkhard Martens

Nein, nein, dann denke ich nur, schade, hat nicht geklappt. So wie in Australien, wo ich gesagt hatte, dieser deutsche Rekord mit dem Zielflug. Ja, jahrelang darauf hingearbeitet und dann habe ich ihn und dann ist er weg und dann habe ich ihn wieder. Das ist eine gewisse Befriedigung, aber da muss man natürlich unglaublich Ehrgeiz für haben. Und wenn er weg gewesen wäre, mittlerweile sind sowieso alle weg. Also die Weltrekorde, deutsche Rekorde habe ich noch recht viele.

53:15Lucian Haas

Du hast gerade gesagt, wenn man so Rekorde fliegt, sehr ambitioniert fliegt, und jetzt noch diese neuen Rekorde aufstellen wollen würde, dann müsste man ja eigentlich, ja die Messlatte liegt sehr hoch und vieles davon kann man eigentlich nur schaffen, indem man wahrscheinlich auch relativ anspruchsvolle Bedingungen dann auch entsprechend in Kauf nimmt. Also beispielsweise für One -Way -Rekorde viel Wind, damit es einen entsprechend anschieben kann und sowas. Was dann häufig auch heißt, viel Wind am Startplatz oder sonstiges. Also auch Größe oder wenn man dann zwischendurch mal absaufen würde, müsste man vielleicht auch in Brasilien mit sehr viel Wind dann dort landen und vielleicht rückwärts fliegend da irgendwo im Cerrado da runterkommen und macht dann vielleicht nicht so viel Spaß dann noch, sage ich mal.

54:00Lucian Haas

Oder birgt auch gewisse Gefahren. Hast du dir auch vielleicht aus einer Überambitionierung heraus oder sowas auch irgendwann mal wehgetan?

54:12Burkhard Martens

Ja, das war im Ötztal 2002.

54:17Burkhard Martens

Da bin ich völlig übermotiviert. Motiviert war ich immer, aber da war ich so übermotiviert, weil ich am Tag vorher genau an der gleichen Stelle abgesoffen bin nach 160 Kilometern. Ich wollte 200 Kilometer FAI Dreieck fliegen. Und der nächste Tag war wieder so ein Tag. An der gleichen Stelle komme ich nicht weiter, weil der Ostwind zu stark gegen mich gearbeitet hat. Und dann habe ich versucht noch ein Lee zu umgehen, habe es aber falsch eingeschätzt, bin dann doch ins Lee gekommen. Und dann musste ich einfach sagen, da ist die Natur stärker. Hat mir so einen auf dem Schirm gegeben, dass ich in 20 Meter Höhe runtergefallen bin. Zeit für Rettung war auch nicht mehr, weil ich ja nicht so hoch war.

55:03Burkhard Martens

Und da habe ich mir drei Wirbel angebrochen und dann konnte ich erst mal ein halbes Jahr nicht mehr fliegen. Und seitdem bin ich zwar immer noch motiviert gewesen, aber auch deutlich vorsichtiger und bin solche Risiken nicht mehr eingegangen. Lieber einen Flug abgebrochen. Als als zu hohe Risiken einzugehen. Seitdem habe ich das Gefühl, da bin ich deutlich sicherer unterwegs. Mit Starkwind habe ich jetzt wenig Problem, wenn er von vorne kommt, aber eben nicht nicht im Lee.

55:34Lucian Haas

Wenn du jetzt heute ja auch viel Mountainbike fährst, welche Risiken gehst du dabei ein? Oder ist es wirklich nur gemütliches auf die Berge hochfahren? Oder bist du so einer, der dann auch die Trails runter rast und sagt Okay, mich kannst du auch mal runterhauen? Also

55:51Burkhard Martens

Mountainbiken kommt mir von daher für mich jetzt sicherer vor, dass der Boden zum Beispiel nicht ganz so weit weg. Und ich fahre auch Trails, auch schwierigere Trails. Aber so wie es für mich zu schwierig wird, steige ich ab und schiebe darunter. Und solange also ich bin da sehr viel vorsichtiger. Man könnte auch versuchen, Trails runterzufahren, wo ich schiebe. Aber nein, ich möchte nicht stürzen. Daher schiebe ich lieber. Aber

56:20Lucian Haas

das ist ja dann der Vorteil auch vom Fahrrad, dass man sagen kann, ich kann jederzeit absteigen und schiebe jetzt ein Stückchen oder sowas, was ja beim Gleitschirm nie so ist.

56:29Burkhard Martens

Wenn du erst im starken Lee drin bist, dann bist du drin und musst da irgendwie durch und kannst nicht absteigen.

56:35Lucian Haas

Gibt es Situationen, wo du gesagt hast Okay, da wäre ich am liebsten abgestiegen von meinem Gleitschirm und bist aber irgendwie glücklich durchgekommen?

56:45Burkhard Martens

Ja, das ist ein paar Mal passiert in meiner Lernphase beim Streckenfliegen. Da bin ich zu wenig Erfahrung, bin ins Lee gekommen. Hätte mit dem heutigen Wissen, wäre ich da niemals hingeflogen. Aber damals bin ich einfach drauf losgeflogen, bin dann in das Lee gekommen. Das war so eine 800 Meter hohe Flanke im Lee, wo es runter ging. Da bin ich 500 Meter mit dem zerstörten Schirm quasi runtergefallen. Dann hat das Lee aufgehört und ich konnte da unten wegfliegen. Also da habe ich mir gewünscht. Da wäre ich doch gerne abgestiegen. Zwischendrin.

57:23Lucian Haas

Aber es war dann nicht so ein extremes Erlebnis, dass du nicht so gerne wieder aufgestiegen bist? Oder hat das schon eine Weile gedauert, bis du da durch warst?

57:31Burkhard Martens

Ich bin sofort gleich weiter geflogen. Ich habe den Streckenflug nicht abgebrochen. Ich bin dann in das nächste Malheur geflogen, in so eine Ecke, wo es keinen Landeplatz gab.

57:43Burkhard Martens

Und im Endeffekt bin ich dann auf einer ganz kleinen Lichtung gelandet und habe den Schirm über eine Telegrafenleitung gelandet. War dann freundlich. Ich war froh, dass es keine Hochspannungsleitung war. Aber das war eigentlich auch nur Glück. Und dann habe ich gedacht, oh, das muss vielleicht doch ein bisschen vorsichtiger angehen, das Ganze.

57:59Lucian Haas

Das heißt, in deinen Anfangsjahren warst du auch noch sehr hart im Nehmen, so ungefähr?

58:04Burkhard Martens

Ja, da war ich irgendwie schmerzfrei, ja.

58:07Lucian Haas

In der Vorbereitung auf dieses Gespräch, wir haben ja E -Mails ausgetauscht und sowas, da hast du auch geschrieben, dass du durch diesen Umstieg, oder nicht Umstieg, aber durch das mehr Mountainbike fahren, was du heute machst, da hast du auch geschrieben, ich zitiere mal, dadurch bist du von dieser extrem intensiven Fliegerei heruntergekommen. Was meinst du mit extrem intensiv? Ist das im positiven oder im negativen Sinn gemeint? Es betrifft wahrscheinlich

58:34Burkhard Martens

die Motivation. Bis dahin wollte ich noch jedes Jahr den Streckenflugwettbewerb gewinnen. Und wenn du den gewinnen willst, dann musst du brutalst motiviert sein und das ist extremst intensiv. Und da wir dann 2017 den Sommer, den Mountainbikeführer recherchiert haben, bin ich halt weniger zum Fliegen gekommen. Und dann habe ich auf einmal jetzt, wie jetzt auch noch, die Ruhe, so intensiv Streckenfliegen muss ich nicht mehr. Fliegen, Genuss fliegen, schön fliegen, zwei, drei Stunden rumfliegen, einen kleinen Streckenflug machen, aber nicht mehr dieses Streckenflugpokal, werde ich nie wieder gewinnen.

59:14Lucian Haas

Bist du denn dann, würdest du sagen, erlebst du heute das Fliegen? Oder bist du nach einem solchen Genussflug von zwei, drei Stunden schön durch die Landschaft durch, würdest du sagen, du bist dann heute glücklicher, als du vielleicht früher nach vielen Flügen warst?

59:28Burkhard Martens

Nein, glücklicher nicht. Ich habe die Ruhe weg, dass ich mir da keine großen Gedanken drum mache. Nach einem Streckenflug von zehn Stunden, so heute im Nachhinein, ich glaube, ich war adrenalin geladen, geflasht. Da landest du und bist völlig fertig körperlich, aber auch vom Adrenalinschub. Den Adrenalinschub, den du nach zehn Stunden hast. So erlebe ich das jetzt nicht mehr, aber brauche ich auch nicht mehr. Braucht man in jungen Jahren mehr Adrenalin? Naja, so jung war ich vor vier Jahren auch nicht mehr.

1:00:05Burkhard Martens

Ich habe ja erst spät angefangen mit dem Fliegen. Ich meine, das Fliegen gab es ja noch vorher gar nicht. Aber wenn ich mit 27 anfange mit dem Fliegen, da war ich genauso motiviert wie heute die 16 -Jährigen würden, die mit ihrer Agro -Fliegerei total motiviert sind und draufgängerisch sind. Und das war ich mit 27 auch noch. Aber jetzt mit, ich bin jetzt 58, jetzt lasse ich es doch ruhiger angehen. Bist du mal Agro -Geflehrung?

1:00:33Burkhard Martens

Richtig, Agro gab es, wo ich so wild drauf war, nicht. Ich habe quasi für, nicht für DAV, aber Extremanöver für die Hersteller gemacht. Full -Stall -Negativ, solche Sachen. Das war für mich eigentlich schon damals Agro -Fliegerei. Und erst nachdem ich bei den Herstellern weg war, habe ich auch mit dieser Testerei von den Schirmen aufgehört. Und dann kam das richtige Agro -Fliegen raus. Aber ich war vom Herzen her Streckenflieger und nicht Agro -Flieger. Wenn

1:01:07Lucian Haas

du heute fliegen gehst, nach welchen Erlebnissen trachtest du dann? Wenn du früher gesagt hast, ich fliege auch um XC -Punkte zu sammeln. Gibt es heute irgendwo etwas, wo du sagst, das ist so mein Kernziel, was ich heute habe? Ich fliege

1:01:24Burkhard Martens

gerne mit meiner Frau zusammen, dann gehen wir zusammen ans Braunig. Früher bin ich dann aufgedreht und bin ja quasi weggeflogen. Und heute fliegen wir gemeinsam, wir warten aufeinander, drehen umeinander rum, machen Fotos, machen kleine Streckenflüge zusammen.

1:01:41Burkhard Martens

Ja,

1:01:41Lucian Haas

das ist schön. Und gibt es noch irgendein Erlebnis, das für dich noch aussteht, wo du sagst, das würde ich gerne fliegerisch nochmal erreichen oder dir selber möglich machen, verwirklichen?

1:01:55Burkhard Martens

Ich wollte gerne nochmal nach Nepal fliegen, vor den richtig großen Bergen. Nach Mexiko mit den Schmetterlingen fliegen.

1:02:08Burkhard Martens

Ja, so ein paar Sachen gibt es schon noch, aber das kann man ja alles noch machen. Gut Burki, dann

1:02:16Lucian Haas

mögen diese Reiseziele für dich noch in Erfüllung gehen. Wahrscheinlich muss das große C, also das Corona -C, da noch ein bisschen wieder abgebaut werden, dass man das auch überhaupt insgesamt etwas freier planen kann. Ist ja nicht so, dass es heute nicht möglich wäre immer, aber es ist halt immer so mit so einem großen Vorbehalt noch dabei. Möge sich das noch lösen und dass du das auch noch erleben kannst. Burki, ich danke dir für das Gespräch und ja, ich bin mal gespannt, ob es vielleicht doch noch eine fünfte Auflage gibt. Die Schweizer wird es wahrscheinlich auf jeden Fall freuen, damit die Fluglehrer da noch ihr Lehrbuch bekommen.

1:02:49Burkhard Martens

Ich habe gerade das Streckenflugbuch aufgeschlagen und sehe, du hast mir ja im Streckenflugbuch ein achtseitiges Wetter -Spezial geschrieben damals. Ja, vielleicht wirst du ja dann ein bisschen stärker in eine neue Auflage involviert. Das schauen wir dann mal.

1:03:05Lucian Haas

Melde dich einfach und dann gucken wir, was da raus wird. Manchmal überlege ich auch noch, ob ich noch ein Meteobuch schreibe, wo es auch, also ähnlich wie du, wo man sagt, wie kann man die Sachen möglichst ganz easy runterbrechen. Ja. Weil

1:03:17Burkhard Martens

ich erstmal

1:03:17Lucian Haas

die ganze Grundmeteorologie so kompliziert erklären muss, dass jeder, der da, bis er da durch ist, hat da gesagt, ich habe schon keinen Bock mehr. Und eigentlich fürs Fliegen, das Wichtige, ist dann schon hinten runtergefallen, weil die Leute eigentlich diese Zeit da nicht investieren. Ja. Aber wer weiß, noch habe ich es nicht angefangen und ich muss irgendwann noch, die Muse muss mich da noch küssen, dass ich die Zeit zu finden habe oder sich Lust zu kriegen.

1:03:40Burkhard Martens

Ja, frag mich, vielleicht machen wir was zusammen. Ja, oder

1:03:43Lucian Haas

so. Gut. Oder so. Burki, danke dir und ja. Gerne. Schöne Flüge noch und schöne Touren mit dem Mountainbike. Danke, danke und ja, eine schöne Zeit dir. Dankeschön.

1:03:59Lucian Haas

Das war die Folge Nummer 66 von Podz-Glidz mit Burkhard Martens im Gespräch mit Lucian Haas. Mehr über Burkis Bücher und Rekorde erfährst du über die Shownotes zu dieser Folge im Blog Lu-Glidz. Dort habe ich eine Reihe von weiterführenden Links zusammengestellt. Lu-Glidz findest du im Netz. Und zwar unter www.Lu-Glidz.blogspot.com. Lu-Glidz schreibt sich Lu-Glidz. Von Podz-Glidz gibt es bereits viele weitere Folgen mit interessanten Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Du findest sie auf Lu-Glidz und Soundcloud sowie überall dort, wo es gute Podcasts gibt. Also Spotify, iTunes, Google Podcasts etc. Podz-Glidz und Lu-Glidz sind übrigens völlig werbefrei und ohne jede Bezahlschranke zugänglich.

1:04:46Lucian Haas

Dennoch muss ich meine Arbeit daran irgendwie finanzieren, damit ich dir auch in Zukunft immer wieder neue Inhalte liefern kann. Wenn du dich als Hörer und Leser von mir gut informiert oder auch gut unterhalten fühlst, dann würde ich mich freuen, wenn du bei Gelegenheit etwas zurückgibst als Förderer. Dein einmaliger oder auch wiederkehrender Förderbeitrag liegt ganz in deinem Ermessen. Anders gesagt, du darfst geben, so viel du willst. Wer sich nicht entscheiden kann, dem mache ich einen wirklich unverbindlichen Vorschlag. Wie wäre es mit einem Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz? Natürlich kannst du gerne erst ein paar Folgen hören und über Monate hinweg Lu-Glidz lesen und dann einen gesammelten Förderbeitrag leisten. Zahlungen sind ganz einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich.

1:05:34Lucian Haas

Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

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