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77. Über Elefanten - Veit Kessen

// Veit Kessen, Lucian Haas · 2022-03-04 · 01:10:45 · original episode · pdf

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[show notes]

Veit Kessen erzählt übers Buschfliegen in Kenia und warum dort das Gleitschirmfliegen fast verboten worden wäre.


Kenia war viele Jahre lang ein hoch gehandeltes Winterflugziel der Gleitschirmszene. Stets im Januar reisten etliche streckenhungrige Piloten aus Europa ins sogenannte Kerio Valley, um dort an der fast 100 Kilometer langen Felskante im Powersoaring-Modus persönliche oder gar global gültige Bestleistungen zu fliegen. Gregory Knudson beispielsweise stellte dort am 19. Januar 2014 den noch immer gültigen Geschwindigkeitsweltrekord für einen Hin-und-Rückflug über 200 Kilometer auf – mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 36 km/h.

In den vergangenen Jahren ist es aber ruhig geworden. Flüge aus Kenia tauchen kaum noch in den XC-Datenbanken auf. Schuld daran sind unter anderem drei Todesfälle, die sich 2018 in Kerio ereigneten. Sie wirkten offenbar für viele Piloten abschreckend, waren allerdings auch für die lokale Gleitschirmszene in Kenia ein Wendepunkt. Denn mit einem Mal waren die Gleitschirmflieger in den Medien, wenn auch mit schlechten Nachrichten. Und damit auf dem Radar der kenianischen Luftfahrtbehörde. Die war dann drauf auf dran, das aus ihrer Sicht illegale Treiben der Paragleiter zu verbieten.

Einer der viel dafür getan hat, dass es dann doch anders kam, ist Veit Kessen. Der 49-jährige mit deutsch-indischen Wurzeln war eine der treibenden Kräfte hinter der Gründung des kenianischen Gleitschirmverbandes. Heute ist er dessen Vorsitzender.

In dieser Episode Nummer 77 von Podz-Glidz erzählt Veit von dieser Zeit. Den wilden Jahren Kerios, dem jähen Ende und dem Bestreben, das Paragleiten in Kenia seither in etwas geordnetere Bahnen zu lenken.

Dennoch ist und bleibt das Gleitschirmfliegen in Kenia ein Abenteuer, mit ganz eigenen Risiken. Wer absäuft, muss schon mal befürchten, direkt neben einem Elefanten zu landen. Veit ist das schon passiert. Und es ist nicht die einzige spannende Buschpilotenstory, die er auf Lager hat.


Wenn Dir dieser Podcast gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit daran, als Förderer. Wie das ganz einfach geht, das erfährst Du auf der Website meines Blogs Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite „Fördern“. https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html


Musik dieser Folge: Track: Jela | Künstler: Elphnt No Copyright Audio Library Watch & Download: https://www.youtube.com/watch?v=jXvLHcjKszU


- Crashziel Kerio (Bericht auf Lu-Glidz, mit weiteren wertvollen Infos in den Kommentaren)


Links:


Quelle: https://lu-glidz.blogspot.com/2022/03/podz-glidz-77-uber-elefanten.html

[transcript]

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0:02Veit Kessen

Ja, bei mir war das Problem gewesen, ich bin in einer Gazellenherde gelandet. Und das ist ja alles ganz schön, das sieht ja wunderschön aus, wie die dann so auseinanderlaufen. Aber wenn man dann landet, denkt man sich, das Erste an meinem Kopf war Löwen. Oh mein Gott, Löwen. Löwen, Büffel, Elefanten. Und der andere Kollege, der ist dann auch fünf Kilometer weiter gelandet. Und der hat dann über das gebrochene Radio empfangen, hat er dann auch öfters gesagt, Er hat einen Elefant gesehen und der würde jetzt hinter einem Baum sich verstecken. Und oh Gott, er hätte Angst um sein Leben und so weiter.

0:44Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz-Podcast.

0:47Veit Kessen

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:50Lucian Haas

Heute mit...

0:51Veit Kessen

Veit Kessen.

0:53Lucian Haas

Und Lucian Haas am Mikrofon.

0:56Lucian Haas

Kenia war viele Jahre lang ein hochgehandeltes Winterflugziel der Gleitschirmszene. Stets im Januar reisten etliche streckenhungrige Piloten aus Europa in sogenannte Kirio Valley, um dort an der fast 100 Kilometer langen Felskante im Power-Sawing-Modus persönliche oder gar global gültige Bestleistungen zu fliegen. Gregory Knudsen beispielsweise stellte dort am 19. Januar 2014 den noch immer gültigen Geschwindigkeitsweltrekord für einen Hin - und Rückflug über 200 Kilometer auf, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 36 km/h. In den vergangenen Jahren ist es aber ruhig geworden. Flüge aus Kenia tauchen kaum noch in den XC-Datenbanken auf. Schuld daran sind unter anderem drei Todesfälle, die sich 2018 in Kerio ereigneten.

1:44Lucian Haas

Sie wirkten offenbar für viele Piloten abschreckend, waren allerdings auch für die lokale Gleitschirmszene in Kenia ein Wendepunkt. Denn mit einem Mal waren die Gleitschirmflieger in den Medien, wenn auch mit schlechten Nachrichten, und damit auf dem Radar der kenianischen Luftfahrtbehörde. Die war dann drauf und dran, das aus ihrer Sicht illegale Treiben der Paraglider zu verbieten. Einer, der viel dafür getan hat, dass es dann doch anders kam, ist Veit Kessen. Der 49-Jährige mit deutsch-indischen Wurzeln war eine der treibenden Kräfte hinter der Gründung des Kenianischen Gleitschirmverbandes. Heute ist er dessen Vorsitzender. In dieser Episode Nummer 77 von Podz-Glidz erzählt Veit von dieser Zeit. Den wilden Jahren, Kyrgios, dem jähen Ende und dem Bestreben, das Paragleiten in Kenia seither in etwas geordnetere Bahnen zu lenken.

2:36Lucian Haas

Dennoch ist und bleibt das Gleitschirmfliegen in Kenia ein Abenteuer, mit ganz eigenen Risiken. Wer absäuft, muss schon mal befürchten, direkt neben einem Elefanten zu landen. Falt ist das schon passiert. Und es ist nicht die einzige spannende Busch-Piloten-Story, die er auf Lager hat. Wenn dir dieser Podcast gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit daran als Förderer. Wie das ganz einfach geht, das erfährst du auf der Website meines Blogs Looglights und zwar dort auf der Seite Fördern.

3:07Lucian Haas

Veit, wir haben Anfang Februar, jetzt wo wir gerade hier sprechen, und das bedeutet meines Wissens nach Trockenzeit in Kenia. Heißt das, man kann jeden Tag fliegen gehen?

3:19Veit Kessen

Zuerst mal vielen Dank, dass du mich auf deinen Podcast eingeladen hast. Sehr gerne. Es ist momentan Trockenzeit. Februar ist eigentlich so die heißeste Zeit bis April. Es ist sehr, sehr trocken. Aber da wir am Äquator sind, ist der Wind jetzt primär aus dem Nordosten. Den nennt man auch den Kaskasi-Wind. Und da wir hier in der Nähe von Nairobi auf der Ostseite vom ostafrikanischen Grabenbruch sind, haben wir hier den Ostwind und Fliegen ist nicht so optimal, wie wenn der Wind aus dem Südosten kommt. Okay, ich erkläre es so. Am Äquator ist der Südostwind von Mai bis Oktober und in diesem Zeitraum sind bessere fliegerische Bedingungen als in der Saison vom Dezember bis April.

4:17Veit Kessen

Also es ist nicht so optimal, aber es ist fliegbar.

4:21Lucian Haas

Aber wenn man so guckt, Januar und Februar galten ja eigentlich, wenn man so in den XContest guckt und sonstiges, gelten die doch eigentlich immer als die Monate, wo Kenia am besten zu fliegen ist. Wo man auch zumindest früher immer gefunden hat, Januar war der Monat, wo plötzlich im XContest Kenia ganz vorne immer auf den Ranglisten stand und ganz viele Leute sind immer nach Kenia geflogen und sagten, ich muss da im Carrier Valley in die Luft gehen und dann wirklich große Strecken reiten. Aber so gesehen, würde ich eigentlich sagen, ist das gar nicht mal die optimale Zeit, um dort hinzufahren?

4:54Veit Kessen

Doch, absolut. Für Kirio Valley ist Januar die beste Zeit, auf jeden Fall. Ich habe jetzt über meinen Standort in der Nähe von Nairobi gesprochen. Im Kirio Valley sind die Windbedingungen im Januar am besten, weil der Wind zunimmt. Also er ist noch nicht zu stark und er ist auch nicht zu schwach. Also der Nordostwind legt gerade zu und da ist Mitte Januar, bis Ende Januar ist so die optimale Zeit, um dort zu fliegen.

5:22Lucian Haas

Wenn man jetzt aber guckt, Carrier Valley, das hat ja so richtig mal so einen Boom erlebt, hatte ich zumindest so den Eindruck. Da war jahrelang, war das so immer das Ziel im Januar, wo es dann hieß, wo kann man weit fliegen. Dann haben alle immer gesagt, da muss man nach Carrier fahren und sowas. Und das waren so ein paar Jahre und das ist dann mit einem Mal irgendwie abgebrochen. abgebrochen. Was ist da passiert?

5:43Veit Kessen

Ich habe das regelrecht miterlebt. Also ich war da zum ersten Mal 2013 im Carrier Valley. Absoluter Anfänger mit meinem Ozone-Bus. Da bin ich dann mit Freunden hingefahren und die lokalen Piloten aus Nairobi, die sind da jedes Jahr hingefahren. Wir tun das immer noch. Also das ist keine Gruppe, manchmal alleine, manchmal mit zwei, drei Leuten und campen da für für ein, zwei Wochen, normalerweise Mitte Januar. Und das war ein Happening. Also wir, kann man sagen, Intermediate-Piloten kamen da hin und da waren ja Gleitschirmgruppen aus Deutschland, Russland, weiß nicht, Tschechei, USA, selbst Perser waren da, also größere Gruppen.

6:30Veit Kessen

Und die sind dann richtige Rekordflüge geflogen. Das war ein Erlebnis. Also auch morgens um sieben Uhr einen Platz zu finden, um seinen Schirm auszulegen, war schon schwierig. Da war so viel los. Ja, ja. Wir hatten da auch, ein Kollege ist dann auch, hat einen Midair gehabt mit einem anderen Gleitschirm, ist dann in einem Baum gelandet an dem Mal. Da war richtig was los. Auch viele Tandemflüge. Da waren drei oder vier Tandempiloten, die den ganzen Tag Passagiere hochgenommen haben. Ich würde mal sagen, das waren 50 bis 100 Gleitschirme, die so am Tag ausgelegt wurden.

7:09Lucian Haas

Okay. Kira Valley war ja hauptsächlich, glaube ich, ein Startplatz, der da immer benutzt wird. Da gibt es direkt ein Hotel daneben, Kira View heißt das, glaube ich. Und dann war da der Startplatz. Waren denn alle diese ganzen ausländischen Piloten, die da waren, waren die alle immer in diesem Hotel untergebracht? Und das war damit auch so eine große Gleitschirm-Community, wo man sich dann auch abends dort immer traf? Oder wie war das da?

7:34Veit Kessen

Soweit ich es gesehen habe, vor 2018 war das Curio View Hotel immer ausgebucht. Aber da gibt es auch in der Nähe noch ein Camp, das heißt Lellin Camp. Das ist weiter unten, also in der Nähe vom Landeplatz, also eine Stufe unterm Tal. Das war auch dann komplett ausgebucht. Wir hatten dann Schwierigkeiten, einen Zeltplatz zu finden auf dem Campplatz. Das war dann ausgebucht. und dann hat auch das Kilima Resort geöffnet. Die waren dann auch immer ausgebucht. Das kam etwas später.

8:06Lucian Haas

Du hast gerade gesagt, bis 2018. Was war denn da 2018, dass da so ein Bruch reingekommen ist?

8:15Veit Kessen

Ja, der absolute Schocker.

8:18Veit Kessen

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es schon immer wieder Vorfälle von leichteren Abstürzen. Aber soweit ich es miterlebt habe, Das war nie ein Todesfall. Es ist nie ein Todesfall da draußen geschehen. Und der Todesfall ist dann direkt durch die Medien gegangen. Und ich wusste auch nichts davon. Ab 2018 war ich zu Hause und dann hat ein Kollege, also ein Safari-Kollege, mir ein Foto über WhatsApp geschickt von einem Zeitungsartikel von einem deutschen Piloten, der abgestürzt ist. ist, hier am Torque Wasserfall. Und das war dann schon ein großer Schocker, weil bis dahin hatten wir alle geglaubt, ja, so Gleitschirmfliegen,

9:04Veit Kessen

also klar, kann man einen Unfall haben, aber also am Kirio Valley sterben, das passiert nicht. Und das war dann der, das war eine schwierige Zeit und dann kurz darauf ist dann der Tandempilot abgestürzt. Und das war, das ging dann noch näher, weil Weil der Tandempilot war ein guter Freund von Freunden, also von Gleitschirmkollegen. Und die waren ein paar Nächte davor mit denen in der Burana Conservancy Gleitschirmfliegen gewesen. Mit der ganzen Family. Und der Pilot und die Passagierin ist dann kurz danach abgestürzt. Und sie war ja auch in diesem Kletterverein in Nairobi.

9:49Veit Kessen

Ich glaube, sie war Leiter des Klettervereins. und das war dann auch so eine persönliche, das ging sehr nah.

9:57Lucian Haas

Und das waren jetzt zwei beziehungsweise drei Tote, die innerhalb eines Monats dann dort Anfang 2018 waren. Und das hat dann dafür gesorgt, dass wirklich das Gleitschirmfliegen im Carrier Valley so runtergegangen ist, also dass dann die Leute gesagt haben, wir kommen nicht mehr?

10:16Veit Kessen

Ja, interessanter war, also das Schockierende an der Sache war auch, Auch, dass die Körper der Verstorbenen, dass es sehr schwierig war, die Körper zu finden und dann auch die Toten dort zu bergen.

10:36Veit Kessen

Und da hat man dann schon gemerkt, dass Kirio Valley schon sehr weit draußen ist. Also irgendwie, it's a very remote place. Und dann, wir waren 2019 da, im Januar, also ein Jahr später, leer. Wir waren dieses Jahr im Mitte Januar, also Mitte Januar waren wir jetzt dort, da waren ein paar Tschechen da. Aber Anfang, also sagen wir Mitte Januar bis zum 20. Januar waren wir drei Gleitschirmflieger in der Luft. Also keine Buchung, gar nichts. Und das ist jetzt schon vier Jahre später. Da

11:16Lucian Haas

spielt vielleicht auch Corona noch eine Rolle mit, aber trotzdem wirklich sowas, dass man sagen kann, okay, von 100, seid ihr nicht auf null runtergegangen, aber von 100 Gleitschirmpiloten, wo du sagst, so viele haben da an einem Startplatz ausgelegt, ist es jetzt halt wirklich wups runtergegangen auf drei, fünf, vielleicht zehn Leute, die dann dort fliegen. Ich habe damals, 2018, habe ich sogar auf Looglights, meinem Blog, habe ich auch über diese Unfälle was geschrieben. Das war dann getitelt Crash-Ziel Kirio, wo dann auch Leute geschrieben haben, ja, ist vielleicht ein bisschen heiß getitelt, aber das, was ich dann beschrieben habe, das würde schon auch auf die Verhältnisse dort entsprechend zustimmen. Außerdem, was ich dort auch geschrieben habe, das hatte ich dann nämlich in den Medien gelesen, dass dort damals auch diskutiert wurde, deswegen das Gleitschirmfliegen in Kenia zu verbieten.

12:10Lucian Haas

Also dass es dort entsprechende Diskussionen gab. Wie ist das denn mit diesen Diskussionen gegangen? War das wirklich eine reale Gefahr, dass das Gleitschirmfliegen in Kenia hätte verboten werden können? Ja,

12:21Veit Kessen

das war eine sehr große Gefahr. Ich habe zu dem Zeitpunkt am Wilson Airport als Buschpilot gearbeitet oder kurz auch die Jahre davor und hatte dann guten Kontakt zu einem Kollegen, der das motorisierte Gleitschirmfliegen einführen wollte. Er war sehr aktiv und war viel mit der Luftfahrtbehörde in Kontakt und ich war auch ein paar Meetings dabei. Er hatte den Plan, Gleitschirmfliegen in die Regularien der Luftfahrtbehörde, in die Gesetzgebung einzuführen.

13:01Lucian Haas

Also dass es irgendwie legalisiert wird, dass man dort fliegen kann. Genau,

13:04Veit Kessen

dass es legalisiert wird.

13:07Veit Kessen

Und er rief mich an, nachdem er den Zeitungsartikel mir dann geschickt hat über die drei Piloten und sagte mir ganz klar, dass die Luftfahrtbehörde, dass der Leiter der Luftfahrtbehörde vorhat, Gleitschirmfliegen komplett in Kenia zu verbieten, weil die Luftfahrtbehörde bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht wusste, dass so viele Touristen ohne Genehmigung im chineanischen Luftraum fliegen würden jedes Jahr. Und mein Kollege sagte mir dann, dass die Luftfahrtbehörde Unfallberichte der drei Todesöpfer verlangte. Also die wollten, dass das irgendjemand denen halt erzählt, was genau passiert ist, weil zu dem Zeitpunkt des Absturzes wussten wenige oder wussten die Behörden nicht, wer der Piloten, wer die Passagierin war und es deswegen auch zu einer größeren Investigation gekommen ist.

14:08Veit Kessen

Und die Deadline von der Luftfahrtbehörde war bis Ende der Woche, das war dann Montag, wo ich den Anruf bekommen habe, dass ich die Unfallberichte halt schreiben sollte oder die würden halt den Sport verbieten.

14:19Lucian Haas

Das war so richtig Pistole auf die Brust. Entweder Unfallbericht und wir wissen, was dort abgegangen ist oder ihr dürft erst mal gar nicht, oder was heißt erst mal, ihr dürft gar nicht mehr fliegen. Das heißt, du hast innerhalb einer Woche dann auch wirklich zwei Unfallberichte über drei Tote geschrieben.

14:35Veit Kessen

Ja, ich habe dir da auch meinen Gleitschirmkollegen dann zuerst mal die Unfallberichte vorgezeigt und die haben sie dann durchgelesen und gesagt, okay, das ist okay so und habe die dann meinem Kollegen weitergeschickt und der hat sie der Luftfahrtbehörde dann weitergegeben. und da kam die Antwort, dass okay, das ist schon mal gut und ihr müsst euch organisieren bis Ende des Jahres. Ihr müsst irgendwie einen Verein gründen, um diese Flugtouristen, Daten der Flugtouristen abzuspeichern, damit die Luftfahrtwirten wissen, wer genau da im kenianischen Luftraum fliegt.

15:10Lucian Haas

Das heißt, ihr müsst, wer ist jetzt ihr? Ihr Gleitschirmflieger in Kenia? Ja,

15:16Veit Kessen

ihr Hippie-Gleitschirmflieger praktisch. Wir sollten uns organisieren, einen Verein gründen und die haben sehr stark gesagt, wir sollten eine Webseite entwerfen, wo jeder Pilot, der in Kenia einreist und fliegen will, seine Daten eingibt. Tourist Visa, sein Name, Vor - und Nachnamen. Weil sie wollen keine Komplikationen haben, wenn es zu einem Unfall kommt. Sie wollen nicht gefragt werden, wer ist dieser Typ. Und

15:46Lucian Haas

dann haben sie keine Ahnung so ungefähr, sondern dann können sie sagen, wir gucken mal in die Liste, wer hat sich denn dort eingetragen und sagen, ja, das muss Pilot XY aus Deutschland, Schweiz oder was auch immer sein. Das heißt, ihr, ein paar von euch Gleitschirmfliegern aus Kenia, ihr habt euch dann zusammengetan und wirklich einen Verein gegründet? Ja,

16:09Veit Kessen

ich hatte zu dem Zeitpunkt wirklich regelrecht Angst, dass der Sport verboten werden würde, weil ich Gleitschirmfliegen liebe und in Kenia ist wirklich ein Paradies fürs Gleitschirmfliegen. Es gibt viele Gleitschirmspots und es ist immer ein sehr schönes Safari-Abenteuer, Gleitschirm zu fliegen. Und ich hatte einfach nur Angst, dass der Sport verboten würde und war praktisch so der Anführer in der Vereinsgründung. Und das war sehr schwierig, weil man kann entweder einen Verein gründen in Kenia oder einen Club. Sportclub. Und ein Sportclub, da muss man zum Sportministerium.

16:56Veit Kessen

Es ist sehr schwierig, ein Sportclub zu registrieren. Da ist viel Papierkram, das dauert dann Jahre und dann muss man vielleicht dem einen oder anderen was bezahlen. Und ich habe schon von vielen gehört, dass das eigentlich unmöglich ist, wenn man kein großes Kapital hat. Und das Das andere ist halt, einen Verein zu gründen. Aber der Verein, ein Verein in Kenia, ist unsportlich. Also hat nichts mit Sport zu tun. Okay. Aber sehr einfach. Also kostet um die 30 Euro, um zu registrieren, ganz wenig Papierkram. Da wird eine Namenssuche gemacht und dann geht das recht schnell. Und da musste ich bei den Behörden zuerst mal erklären, was Gleitschirmfliegen ist. Und das so hindeichseln, dass wir kein Sportverein sind, sondern eine Gruppe von Menschen, die das Gleitschirmfliegen diskutieren und so weiter.

17:52Lucian Haas

Okay, das heißt offiziell habt ihr jetzt einen Verein, in dem ja aber gar nicht so das Fliegen im Vordergrund steht, sondern mehr was auch immer, der geistige Austausch darüber.

18:04Veit Kessen

Nee, also sobald wir registriert sind, können wir jetzt eigentlich unsere sportlichen Aktivitäten unternehmen. Also wir sind jetzt praktisch eine offizielle Association. Aber für die Registrierung gab es viele, die sich da so ein bisschen quergelegt haben. Die gesagt haben, nein, nein, nein, da wurde ich hingewiesen, ich sollte doch einen Club gründen. Und das ist eigentlich unmöglich in Kenia.

18:30Veit Kessen

Kenia hat um die 20 bis 25 aktive Gleitschirmflieger.

18:36Veit Kessen

Und einen Sportclub zu gründen, da braucht man schon mehr.

18:40Lucian Haas

Das heißt, ihr seid jetzt ein Verein, auf Englisch dann Association, wahrscheinlich dann Paragliding Association of Kenya oder was auch immer. Genau, genau. Und habt jetzt auch eine Website und wenn man jetzt nach Kenya reist, habt ihr da dann auch, wie verlangt wahrscheinlich, dieses Formular, wo man sich eintragen sollte? Genau.

18:59Veit Kessen

Die Webseite ist paraglidingkenya.or.ke oder man kann einfach Paragliding Association of Kenya einfach eingeben auf Google und dann wird man da hingeführt. Und da gibt es eine Membership-Form und dort gibt man seinen Namen ein und seine Kontakt-E-Mail, Next of Kin und ganz wichtig ist die Farbe seines Gleitschirms. Das hat uns die Behörde auch gesagt. Das heißt, wenn da ein Unfall ist und dann suchen die jemanden, dann sehen die an der Farbe des Gleitschirms, wer ungefähr die Person sein könnte. Und das Ganze kostet, also um Mitglied im Verein zu sein, kostet 25 Dollar im Jahr.

19:44Lucian Haas

Das heißt, wenn man jetzt einmal nach Kenia reisen würde, müsste man sich bei euch eine Jahresmitgliedschaft holen, dann diese 25 Dollar zahlen und dann ist man für Kenia registriert und darf dort fliegen. Genau. Wie viele, ich meine jetzt kommen nicht so viele Touristen gerade oder Gleitschirmtouristen gerade ins Land, aber wie viele von denen schätzt du denn, wissen das überhaupt und tragen sich wirklich bei euch ein oder ist das meiste quasi noch so gesehen dann eine Schwarzfliegerei, die da abläuft? Es

20:12Veit Kessen

ist immer noch eine Schwarzfliegerei, weil die Luftfahrtbehörde uns noch keine Autorität gegeben hat, also noch keinen Brief geschrieben hat, dass wir wirklich autorisiert sind, uns selbst zu managen, self-regulation. Das wurde uns noch nicht gegeben. Das heißt, die meisten Piloten wissen nichts davon. Was wir als Verein machen, ist wie im Curio Valley, wie der Curio View Hotel Inhaber, der weiß von uns. Und die anderen auch in den verschiedenen Hotels, die wissen von uns und die weisen dann die Piloten darauf hin, Mitglied zu werden. Die meisten tun es halt nicht. Die registrieren sich halt nicht.

20:58Veit Kessen

Weil die sich auch die 25 Dollar dann

21:00Lucian Haas

sparen wollen wahrscheinlich.

21:01Veit Kessen

Genau, die wollen die 25 Dollar sparen. Aber wenn denen jetzt was passiert, möge denen nichts passieren, aber falls denen was passiert, würde ich dann als Vereins, hier als Chairman sagen, also wenn die Luftfahrtbehörde mich dann darüber anspricht, sage ich ja, diese Person wollte es nicht und wir haben auch keine Autorität, denen das praktisch aufzuzwingen. Wie zum Beispiel beim DHV oder in Südafrika, wenn man an verschiedenen Gleitschirmorten geht, muss man halt schon vorweisen, dass man Mitglied ist. Sonst kann man dort nicht starten.

21:35Lucian Haas

Du hast jetzt gerade gesagt, in Kenia gibt es so um die 25 aktive Gleitschirmpiloten. Sind das auch hauptsächlich Kenianer? Also sind das dann aus deutscher Sicht gesehen, Sind das alles schwarze Piloten oder sind das eigentlich eher irgendwelche Experts, also Weiße, die nach Kenia gegangen sind, um da irgendwelche Geschäfte zu machen, Ausgesandte, sonst was, die sagen, ich habe das Gleitschirmfliegen halt in Europa gelernt und jetzt will ich das natürlich in Kenia auch machen und letzten Endes ist das so die Gruppe derjenigen, die dort die Aktiven bilden.

22:08Veit Kessen

Ja, absolut. Es ist mehr europäische, amerikanische Nationalitäten, also hier Briten allgemein. Also Chineaner, also Schwarze, in dem Sinne gibt es zwei, einen Mann und eine Frau. Aber sonst sind es, die meisten sind halt Weiße mit chineanischer Staatsbürgerschaft. Und

22:35Lucian Haas

wo haben die dann das Gleitschirmfliegen gelernt? Also kann man überhaupt in Kenia Gleitschirmfliegen lernen oder nur learning by doing? Oder gehen die dann mal irgendwie nach Europa und sagen, ich mache einen Kurs bei irgendeiner normalen Gleitschirmschule dann dort irgendwo?

22:51Veit Kessen

Viele von den aktiven Gleitschirm-Piloten, die haben sich das einfach selbst beigebracht. Das sind so auch die Älteren, die aus den 90er Jahren dann einfach irgendwo in den Busch vom Berg gesprungen sind praktisch. Und dann gibt es die Gruppe von Piloten, die in Europa ihren Schein gemacht haben oder auch viele, die in Südafrika ihren Schein gemacht haben. In Kenia gibt es keine Schule, die offiziell Gleitschirmfliegen beibringt. Wir arbeiten aber daran, also woran der Verein arbeitet, ist eine Gleitschirmlizenz auszustellen. Also praktisch denen eine Lizenz zu geben, die schon seit längerem fliegen, aber nicht das Geld und auch nicht die Zeit hatten, nach Europa zu einer offiziellen Schule zu gehen.

23:39Veit Kessen

Also praktisch stehen denen einfach nach ihrem Können und nach einem Syllabus, den wir auch bei der Luftfahrtbehörde eingeschickt haben, daran zu erkennen, welches Level er hat. Ob er jetzt IP ist, manchmal ist es dieses IPPI-System. Also ist er jetzt IPPI 1, 2, 3,

23:58Lucian Haas

4 oder 5. Habt ihr denn auch vor, als Verein in irgendeiner Weise was anzubieten, dass auch Leute bei euch lernen könnten? Also jetzt lokale Leute, die sagen, ich wähle mich mal bei der Paragliding Association da, die sollen mir das beibringen. Wäre das möglich?

24:15Veit Kessen

Ja, es ist absolut möglich. Also ich selber und auch ein paar Kollegen, wir bringen gerne den lokalen Kenianern das Groundhandling bei, also mit älteren Schirmen. Aber dann sind wir meistens, dann gibt es immer einen Konflikt, weil wir haben drei von denen, die jetzt sehr gut Groundhandling können und die fliegen wollen, aber wir haben keine fliegbaren Gleitschirme. Und da kommt es, da muss halt dann der Pilot Geld investieren. Also dann einen Schirm, weiß ich, 3.000 bis 4.000 Euro ausgeben. Wir können auch ihm das Equipment bestellen, aber meistens geben die dann auf. einfach weil es einfach zu teuer ist. Ich weiß nicht, in Europa ist es auch ähnlich.

25:00Veit Kessen

Jeder will Gleitschirmfliegen, aber die wenigstens haben eigentlich die Lust, sich dann auch einen Gleitschirm zu kaufen und dann fliegen zu gehen. Das sind schon spezielle Menschen, die dann dieses

25:14Lucian Haas

Geld investieren. Ja, es ist ja Geld und vor allem auch Zeit, die man da investiert, weil man auch einfach da dranbleiben muss.

25:23Lucian Haas

Du sitzt jetzt in Nairobi, wenn ich das richtig sehe. Wie häufig kommst du denn so normalerweise zum Fliegen?

25:31Veit Kessen

Eigentlich jedes Wochenende. In der Saison, also im europäischen Sommer vom Juni bis Oktober bin ich eigentlich jedes Wochenende draußen. Zwei Stunden lördlich von der Ruby haben wir einen Homespot, der heißt Kijabe Hill. Und der funktioniert eigentlich das ganze Jahr durch. Aber jetzt, so in der Trockenzeit, ist es jetzt nicht ein entspanntes Gleitschirmfliegen, sondern mehr aktives, fortgeschrittenes Gleitschirmfliegen. Also das ist dann richtiges Flatland-Cross-Country-Wetter.

26:06Lucian Haas

Das heißt, auch relativ starke, harte Thermiken teilweise, auch weil es so trocken ist und die trockene Luft halt entsprechend turbulenter dann auch ist.

26:16Veit Kessen

Definitiv und auch, es kann sich sehr schnell innerhalb von 10, 20 Minuten überentwickeln. Ich bin schon mal im Kijabel in dieser Jahreszeit um 10 Uhr mittags in schöner Luft gestartet, also schon in thermischer Luft und in 20 Minuten später bin ich über den Berg in eine Wolke reingezogen worden. Also das geht ganz schnell. Also in der Saison vom Juni bis Oktober kann man das Gleitschirmfliegen mehr genießen. Also mehr auch mit Anfängern, auch mit Leuten, die auch weniger Flugerfahrung haben. Aber jetzt sind mehr so die XContest-Jungs sind dann draußen, Jungs und Mädels, die dann halt dann Strecken fliegen.

26:58Lucian Haas

Was ist denn in dieser Regenzeit? Ist da gar nicht Fliegen möglich, weil es täglich halt immer um 12 Uhr regnet? Oder wäre es auch möglich zu sagen, ganzjährig irgendwo in Kenia in die Luft zu kommen?

27:09Veit Kessen

Nee, in der Regenzeit ist es recht schwierig. Es ist halt Monsun, dann regnet es halt. Und dann ist es auch, also Kijabi ist auf 2600 Meter. Das heißt, Kijabi ist normalerweise in der Regenzeit halt auch in der Wolke. Also es ist sehr neblig. Und dann ist der Wind auch, der Wind dreht halt während der Regenzeit. Aber immer, also in Kenia ist es am besten zu fliegen kurz nach der Regenzeit. Wenn alles schön ruhig ist, alles schön grün, dann ist

27:40Lucian Haas

es optimal zu fliegen. Das heißt, der Boden ist noch ein bisschen feuchter, die Thermiken entwickeln sich nicht ganz so schnell und sind dann halt nicht ganz so heftig und sonstiges. Im Frühjahr gesehen wäre das dann Anfang Januar, wo du sagst, das ist so noch mit die beste Zeit?

27:55Veit Kessen

Ja, Anfang Januar, Mitte Januar ist halt gut für die Ostseite, für die Westseite des ostafrikanischen Grabenbruchs, also Kirio Valley und so weiter. Sehr gut. Aber für den Homespot Kijabi Hill dreht der Wind dann auf Nord und dann ist es halt Cowboy-Fliegen.

28:16Lucian Haas

Lass uns nochmal ein bisschen über Kirio sprechen. Was ist denn aus deiner Sicht das, was das so Faszinierende da ist, in Kirio zu fliegen? Beschreib einfach mal so ein bisschen die Landschaft dort.

28:27Veit Kessen

Warst du schon mal dort in Kirio?

28:29Lucian Haas

Nee, ich war leider, ich kenne Bilder und sowas, aber ich war leider noch nicht dort.

28:36Lucian Haas

Es gibt so viele Bucket Lists, die sind so lang und da steht zwar Kyrio auch drauf, aber ob ich da noch zu komme, das mal abzuhaken, das weiß ich nicht. Aber es wäre wahrscheinlich schon interessant.

28:46Veit Kessen

Ja, auf jeden Fall. Also es ist schon ein, ich nenne es ein magischer Ort, ein magischer Ort von vielen, ja, kann man sagen, von vielen Possibilities. Man hat viele Möglichkeiten dort. Ja, man hat viele Möglichkeiten. Es ist einfach eine sehr definierte Kante, die halt die besten Bedingungen für den Wind sind, sind aus dem Osten. Und die Kante ist regelrecht nach Süden und nach Norden. Um die 50 bis 100 Kilometer geht es halt nach Süden und nach Norden. Das heißt, man hat wirklich eine

29:19Lucian Haas

ewig lange Soaring-Kante.

29:22Veit Kessen

Genau. Und vom Startplatz, also von oben vom Kirio View Hotel zum Beispiel oder Kilima Resort, wenn man dann ins Tal schaut, ins Kirio Valley Tal, ist der Höhenunterschied manchmal sogar größer als ein Kilometer. Also man schaut praktisch, wenn man einfach ins Tal schaut, ist es so, als ob man in die Tiefsee schaut. Das ist ein Riesental, also das ist einfach groß. Das ist einfach ein Erlebnis selbst, sich das einfach anzuschauen. Und dann in diese Landschaft reinzufliegen und entlang des Hanges zu gleiten, ist schon ein Erlebnis. Wenn man nach Süden oder nach Norden rausfliegt, ist man dann auch öfters über einem sehr natürlichen Regenwald oder über, ja,

30:08Veit Kessen

einfach wunderschöne Landschaft und eine sehr große Landschaft. Also man fühlt sich da, jedes Mal, wenn ich dort fliege, fühle ich mich da sehr, sehr klein. Also es ist einfach, man ist einfach so wie so ein Staubkorn in so einer riesigen Landschaft. und man ist dann auch sehr den Bedingungen ausgesetzt, würde ich mal sagen. Also die Thermik ist dann auch stärker, man hat auch viele unberechenbar, der Wind ist manchmal unberechenbar oder die Thermik ist unberechenbar. Es ist schon sehr spannend, da zu fliegen.

30:43Lucian Haas

Du hast vorhin auch gesagt, ja, schon morgens um sieben am Startplatz ist es voll. Man hat da manchmal Probleme seinen Platz zu, oder hatte damals, als es noch so viele waren, die dort hinflogen, hatte dann seine Probleme. Morgens um sieben in den Alpen wird es ja nicht auf die Idee kommen, zu hunderten an einem Startplatz zu stehen. Geht das dann wirklich morgens um sieben schon?

31:02Veit Kessen

Also morgens um sieben ist keine Thermik, da ist einfach ein ganz leichter oder ein okay, also sagen wir, weiß nicht, fünf bis zehn Kilometer pro Stunde Wind, der aus dem Osten dann, also ein Ostwind kommt dann normalerweise dem Hang hoch. Und da der Hang sehr steil ist, braucht man eigentlich gar nicht so viel Wind, um halt zu gleiten. Aber es geht schon um sieben Uhr los. Also ich lande normalerweise halb elf, elf Uhr, weil es dann wirklich brutal,

31:33Veit Kessen

dann kommt die brutale Thermik rein. Also wenn es dann so gegen Mittag geht, dann zieht es einen schon hoch.

31:37Lucian Haas

Okay, das heißt in den Morgenstunden ist Kirio gewissermaßen sogar anfängerfreundlich sozusagen. Also da hat man wirklich relativ sanfte Bedingungen noch und hat damit keine Probleme. Und das, wo es heißt, so das Crash-Ziel oder sonstiges, weil es dann eben diese starken Thermiken und Turbulenten sind, die kann man auch vermeiden, wenn man früh startet und relativ früh dann auch wieder landet und sagt, okay, diese heftige Mittagszeit erspare ich mir einfach.

32:07Veit Kessen

Ja, kann man schon sagen. Ich habe meine schönsten Flüge von 7 Uhr bis 9 Uhr, 9, 10 Uhr gehabt. Es kommt auch darauf an, was man haben will. Wenn ich jetzt eine ruhige Luft haben will, ich will einfach nur den Kolobusaffen zuschauen, wie sie sich im Sonnenaufgang sonnen auf den Felssteinen, dann ist es 7 bis 9 Uhr, ist einfach absolut magisch. Aber das gesagt, es kommt auch darauf an, wo man fliegt, also wo man entlang des Hanges fliegt. Das ist genau dasselbe, wie wenn man sagen würde, Autofahren ist sicher, aber wenn ich meine Augen schließe, dann kann ich auch 10 km/h fahren und kann einen Unfall haben. Und das ist dasselbe wie im Kirio Valley. Ich denke von mir aus, dass der Ort des Torok-Wasserfalls, dort passieren die meisten Unfälle.

32:59Veit Kessen

Und dort sind auch diese drei Unfälle passiert. Und da ist es einfach deswegen, weil der Hang ost ausgerichtet ist bis zum Torok-Wasserfall, wenn man nach Süden fliegt. Und dann schneidet der Hang in einem großen Schüssel an. So ein Kessel. Genau, ein Kessel. Und dort gibt es halt, wenn der Wind etwas zunimmt, gibt es halt Rotoren. Und da muss man entweder, ich bin noch nie weiter geflogen. Ich halte mich dann immer ein bisschen von fern. Aber es ist halt, sagen mir viele Piloten, gut eine Thermik zu finden, weit hoch zu schrauben und dann über den Wasser, über diesen Kessel

33:41Lucian Haas

hinweg zu fliegen dann wahrscheinlich.

33:42Veit Kessen

Genau, genau.

33:43Lucian Haas

Okay, das sind jetzt die Morgenszeiten, wo du sagst, da ist es noch ruhiger. Man muss allerdings aufpassen bei bestimmten Geländeformen, weil da der Wind dann trotzdem seine Rotoren bilden kann. Dann wird es denn zum Nachmittag, das heißt ja auch in den Alpen, dass man die Mittagszeit, die heftige Thermikzeit vermeiden sollte als Anfänger und dann könnte am Nachmittag, dann treten wieder die ruhigeren Bedingungen ein oder die mit den größeren Thermiken und sowas. Ist das im Kerio Valley auch? Gibt es sowas wie so eine magische Luft zum Abend hin oder wie sieht es dann da aus?

34:13Veit Kessen

Absolut, absolut, absolut. Also so ab 4 Uhr ist dann auch magische Luft. Also ganz angenehme Soaring-Luft. Also wenn die Thermik dann abfällt und dann der Restwind dann hochkommt, dann ist es sehr, sehr magisch. Also bis zum Sonnenuntergang.

34:29Lucian Haas

Das heißt, da schiebt diese ganze Warmluft, die aus diesem 1000 Meter tieferen breiten Tal dann dort ist, wird dann noch an diesen Hang herangeschoben und löst dann sehr großflächig wahrscheinlich ab. Ja,

34:39Veit Kessen

genau, genau, die Restthermik. Aber ich muss dazu sagen, was schockierend war an dem Tandemunfall war, dass einmal der Pilot sehr erfahren war und dass sie früh am Morgen, ich glaube, das war vor 9 Uhr, sind die rausgeflogen und dann ist was passiert. Das hat mich sehr schockiert persönlich, weil ich gedacht habe, ich fliege hier ein auf sicher und ich könnte jetzt sterben. Und ja, da kann auch was passieren, wenn man auch im Kyrio frühmorgens rausfliegt. Aber es kommt auch darauf an. Ich bin mehr der Meinung, dass wenn man nicht in Rotor fliegen will, dann sollte man sich von diesem Kessel fernhalten.

35:19Lucian Haas

Ich habe gehört, weil wir jetzt die ganze Zeit über Kyrio und auch dieses Kyrio Hotel gesprochen haben, diesen überfüllten Startplatz, dass dieser Startplatz derzeit gar nicht mehr startbar ist, also dass der gesperrt ist. Ist da was dran?

35:31Veit Kessen

Ja, da ist was dran. Das ist letztes Jahr passiert.

35:37Veit Kessen

Irgendwie gab es oder es gab einen Streit zwischen dem Hotelbesitzer und der Landbesitzerin, der Nachbarin. Irgendwie haben sie sich nicht eingekriegt und die Landbesitzerin hat dann einen Zaun quer über den Startplatz gebaut Und hat dann das komplette Land dann beackert und hat selbst eine Hütte da aufgestellt. Die lokalen Piloten, die kenianischen Piloten, die da jeden Tag fliegen, die starten über den Zaun. Es ist noch möglich, aber es ist ein Sicherheitsrisiko. Also der Startplatz ist verloren. Die sind jetzt gerade vor Gericht und ich hoffe, dass das dann bald gelöst

36:20Lucian Haas

wird. Aber dafür müsste dann im Grunde auch wieder A, der Zaun, aber B, auch die Hütte abgerissen werden, damit man da wieder vernünftig starten kann.

36:28Veit Kessen

Genau. Es gibt dann einen weiteren Startplatz am Kilima Resort, etwas weiter südlich. Das ist auch ein ganz kleines Hotel, von einem Holländer geführt. Holländer, kenianisches Pärchen, mit drei Kindern, ganz süß. Und die haben ein größeres Feld neben ihrem Resort, wo man auch campen kann. Und von dort aus sind wir halt dieses Jahr auch gestartet.

36:49Lucian Haas

Kann man denn dort dann auch starten, wenn man gar nicht in einem Hotel ist? Also sagen die, ja, ja, geh einfach nur durch, da ist der Startplatz, hau dich dort raus? Oder muss man in diesem Hotel dann quasi eingebucht sein, um dann dort starten zu dürfen?

37:01Veit Kessen

Soweit ich weiß, muss man halt das Gelände betreten, also durch das Tor durch und dann fragt er danach für eine kleine Startgebühr. Aber das ist ganz kleines, ja. Aber

37:15Lucian Haas

das ist der einzige verbliebene Startplatz dann letzten Endes?

37:18Veit Kessen

Ja, es gibt noch mehrere wilde Startplätze. Also auch südlich vom Torok-Wasserfall waren wir auch mal, sind wir auch rausgestartet. Aber das ist dann alles ein bisschen mit Rucksack durch den Busch und dann irgendwie dann seinen Startplatz suchen. Es gibt dann multiple. Aber für so einen zivilisierten Startplatz ist Kilima Resort das einzige jetzt an der Kante.

37:37Lucian Haas

Das heißt, damit ist auch von daher so ein bisschen Kirio ein bisschen eingeschränkt von dem, was man da noch fliegen könnte oder von der Masse an Piloten, die vielleicht das Gelände dann noch allein startplatzmäßig verträgt.

37:49Veit Kessen

Ja, also Kirio View Hotel war der offizielle Startplatz. Also da steht auch ein Schild, sagt Kirio View Hotel Paragliding und es war ein recht großer Startplatz. Also Klima Resort ist nicht so zugänglich und auch nicht, ja, es ist einfach nicht der Hauptstartplatz vom Kirio Valley.

38:12Lucian Haas

Lass uns mal ein bisschen das Thema wechseln und einfach mal über dich reden. Erzähl mal, wie bist du eigentlich selbst nach Kenia gekommen?

38:20Veit Kessen

Hm, also in kurz, mein Vater ist Entwicklungshelfer, der hat für die GDZ in der Zeit gearbeitet und ich bin mit acht Jahren nach Kenia gekommen. Wir waren davor fünf Jahre in Tunesien. Mein Vater ist Tiefbauingenieur und hat dann hier auch in Kenia in der Entwicklungshilfe mitgewirkt. Und ja, ich kam mit acht Jahren nach Kenia und bin dann in die deutsche Schule in Nairobi eingeschult worden und habe in Kenia Deutsch gelernt.

38:57Lucian Haas

Aber hauptsächlich in der Schule oder hast du auch mit, dein Vater hat wahrscheinlich immer auch Deutsch mit dir geredet? Ja,

39:02Veit Kessen

weniger, weniger. Also die Muttersprache war mehr Englisch von meiner Mutterseite. Aber ich habe dann hier praktisch dann so richtig Deutsch gelernt und habe dann auch, ich war dann hier von 1980 bis 1992, habe dann mein Abi dann auch hier gemacht. Ein

39:15Lucian Haas

deutsches Abitur, aber an der deutschen Schule in Kenia, in Nairobi. Ja, genau. Und dann hast du noch in Deutschland studiert? Genau.

39:24Veit Kessen

Studiert, gearbeitet und bin dann 2011 wieder zurückgekommen.

39:30Lucian Haas

War das Zufall oder hat dein Herz hängt an Kenia und du hast gesagt, das ist eigentlich mein Jugendland, mein Traumland, da muss ich wieder hin zurück? Ja,

39:39Veit Kessen

es war mehr meine Jugendliebe. Sie war immer noch hier und ich bin auf den Urlaub zurückgekommen und wir haben uns dann wieder zusammengefunden. Und ich habe dann entschieden, nach Kenia zu ziehen und mit ihr zusammenzuziehen. Eine Frau ist schuld.

39:54Lucian Haas

Ja. Ist aber auch ein schöner Grund dann. Wenn du jetzt Kenia, so als deine Heimat und deine große Liebe ist auch da, aber was fasziniert dich an diesem Land? Zum

40:06Veit Kessen

einen, ich bin in Nairobi aufgewachsen. Deswegen, ich kenne die Stadt. Wir waren als Kinder und auch als Jugendliche war ich viel auf Safari. Was mich an Kenia hält, sind die Menschen und die Herzlichkeit und dann auch die Freiheit, die man hier hat. Also hier, wenn man etwas Geld hat, dann hat man hier mehr Freiheiten als in Europa. Also man kann viel mehr ins Land rausreisen, man kann Menschen kennenlernen. Also man kann es so erklären, es ist sehr abenteuerlich mit sehr schönen Eindrücken, die man dann bekommt. Du

40:49Lucian Haas

hast jetzt vorhin auch kurz mal angedeutet, du hast eine Weile als Bush-Pilot gearbeitet. Was heißt das eigentlich, Bush-Pilot?

40:59Veit Kessen

Also ich habe eine Pilotendizenz, eine Privatpilotendizenz in Tannheim gemacht und bin dann in die Staaten und habe dort meine kommerzielle Lizenz, die habe ich dann gemacht und bin dann nach Kenia, als ich nach Kenia gekommen bin, habe ich die Lizenz auf kenianische Lizenz converted, umgeschrieben und habe dann obendrauf noch eine Cessna Caravan Rating gemacht, Also für die Cessna 208, die 14-sitzige Maschine und hatte vor, mich hier als Buschpilot zu etablieren und habe praktisch hier eigentlich nur, also ich habe als Buschpilot gearbeitet, aber als Co. und habe praktisch Stunden, ich bin Stunden abgeflogen, um dann auf die 1000 Stunden zu kommen.

41:46Veit Kessen

Was ist jetzt der Unterschied zwischen

41:47Lucian Haas

Pilot und Buschpilot?

41:51Veit Kessen

Also es war General Aviation. Ich bin kein Airline-Pilot, sondern mehr ein Pilot, der für eine Chartergesellschaft arbeitet oder für ein Unternehmen, die man mit Ad-Hoc-Flügen buchen kann. Also praktisch, ich bin in Südsudan für eine Firma geflogen für sechs, für acht Wochen aus Juba und dort hatten wir jeden Tag oder jeden zweiten Tag, je nachdem wie lange die Flüge waren, kam ein Kunde und der hat gesagt, wir haben jetzt hier zwei Särge und wir müssen die jetzt rausfliegen zu einem Dorf und zur Beerdigung oder Geld für die Soldaten an der Front.

42:37Veit Kessen

Und weil das Straßensystem nicht so gut ausgebaut ist, gibt es da viele Charter-Bush-Piloten, die dann halt von A nach B fliegen. Praktisch, man fliegt in den Bush. Das

42:48Lucian Haas

klingt ja jetzt sehr abenteuerlich, auch wenn du sagst, Geld zu Soldaten an die Front und sowas. Bist du so ein Abenteuer-Typ? Also suchst du das Abenteuer?

43:00Veit Kessen

Ich suche die Erfahrung. Ja, definitiv. Also schon, ja. Ich suche das Abenteuer. Ja, ich fand es sehr spannend, habe aber das Ganze an den Nagel gehangen, weil das sehr familienunfreundlich ist und auch nicht so viel Geld abwirft. Das war das eine. Also ich habe mehr Geld reingesteckt, als dass ich irgendwie Geld rausgekriegt habe. Aber als Erfahrung, unvergessliche Erfahrung. Also es war schon sehr abenteuerlich.

43:28Lucian Haas

Was war denn so die spannendste Geschichte aus deiner Bush-Piloten-Zeit? Die

43:32Veit Kessen

spannendste Geschichte war oder die heftigste Geschichte war, wir sind von Juba aus in ein Flüchtlingslager geflogen und da wurde mehrmals um Kleidung, Zigaretten und Alkohol und irgendwelche Merchants haben uns gebraucht, um halt Waren ins Flüchtlingslager zu fliegen, also private Waren.

44:00Veit Kessen

einen Tag gelandet auf einer absolut vermatschten Buschpiste, die von der UN auch kontrolliert war. Also da standen da so ein paar UN-Soldaten rum, Blauhelme, und da, an dem einen Mal, wo wir dort gelandet sind, kam so ein Kindersoldat mit seinen Platoonen vorbei und die sahen dann alle aus wie aus dem Film, also mit so Ray-Ban-Brille und Gummistiefel an und Trenchcoat und aber Pistole in der Hand und und 14 Jahre alt. Und die waren schon sehr dubios. Und da hat mir auch der Captain gesagt, ich sollte denen nicht in die Augen schauen. Und ein UN-Soldat kam rüber und hat gesagt, pass auf, es ist angekündigt, dass heute Abend ein Angriff auf das Flüchtlingslager passiert.

44:49Veit Kessen

Und wir haben hier eine Gruppe von Menschen und die wollen halt raus mit euch. Und die haben das Flugzeug dann gestürmt. Und Kinder, Frauen, Männer, die haben das, als ob das ein Bus wäre. Wir mussten die dann alle, wir sind alle ins Flugzeug, also wir haben versucht, ins Flugzeug zu kommen, wir haben die dann alle rausgehalten. Und dann durften wir nur, haben wir nur Menschen mitgenommen, die halt gezahlt haben. Und da haben sich zwei Jungs, so acht, sieben, acht Jahre, die haben sich dann reingeschlichen und haben sich unter einem Sitz dann so versteckt. und nach Landung in Juba, ja, es war dann auch ein sehr holpriger Start, das Flugzeug war komplett überladen auf dieser Matschpiste, wir haben es ganz knapp rausgeschafft und da hat dann auch der Captain mir dann über Kopfhörer gesagt, dass

45:41Veit Kessen

der UN-Soldat auch gesagt hatte, dass die Rebellen unten am Boden sind und die haben halt hier Anti-Aircraft

45:50Veit Kessen

Bazookas, weiß ich, also wir könnten jetzt auch abgeschossen werden. Das war irgendwie, das ganze Erlebnis war für mich, ja.

45:59Lucian Haas

War das auch ein Punkt, warum du gesagt hast, vielleicht sollte ich das Ganze an den Nagel hängen? Ja, ja, unter anderem, ja. Mit deiner Erfahrung als Buschpilot, also auch deine Erfahrung mit Luftmassen und sonstigen, was man da macht und weil man da so wild rumfliegt und wahrscheinlich auch häufig relativ, vielleicht auch bodennah fliegt und sowas in bestimmten Bereichen. Gibt es davon Erfahrungen, wo du sagst, davon profitierst du auch heute als Gleitschirmpilot?

46:28Veit Kessen

Ja, also auf jeden Fall. Weil, weiß

46:33Lucian Haas

ich gar nicht.

46:35Lucian Haas

Oder ist das so was anderes, weil du sagst, das ist motorisiert, da fliegt man dann letzten Endes doch einen ganz anderen Stiefel?

46:42Veit Kessen

Also definitiv, also die Physik des Fliegens wird einem schon mehr klar, wenn man in verschiedenen Geräten fliegt oder mit verschiedenen Schirmen fliegt. Oder auch wenn man in einem Flugzeug sitzt und durch Luftmassen durchfliegt. Ich glaube, das Fliegen hat schon mir etwas beigebracht, auch von der psychischen Seite in einen Zustand zu gehen, wo man, auch wenn etwas außer Kontrolle gerät, dass man die Coolness behält und es versucht, in der Luft zu regeln. Wir sind in Juba in einem starken Gewitter gelandet und wir sind in einem Downdraft.

47:27Veit Kessen

Das Flugzeug war praktisch, ist aus dem horizontalen Flug dann auf 45 Grad oder noch mehr in den Sturzflug gegangen. Okay. Und da erinnere ich mich noch ganz genau, wie der Captain mir gesagt hat, ich sollte einfach, you have the controls, also ich habe dann die Kontrolle gehalten und habe versucht, die Maschine hochzuhalten, aber in diesem Ganzen, und wir haben nichts gesehen, wir waren komplett in der Wolke und das war ein ein heftiges Erlebnis, aber in dem Ganzen, nach dieser Erfahrung habe ich gemerkt, dass wir absolut cool geblieben sind. Da war überhaupt keine Panik im Cockpit. Das war nur, wir haben uns praktisch selbst

48:05Veit Kessen

gerettet, aber durch ganz klare Anweisungen, die meistens vom Captain kamen. Er hat mir einfach gesagt, genau was ich tun sollte. Und ich habe es einfach getan. Ich glaube, ich hatte gar nicht mal einen höheren Puls. Also ich bin nie in Panik geraten. Und das habe ich manchmal beim Gleitschirmfliegen, Wenn ich in eine Situation komme, wo es mir letzte Woche passiert, am Berg habe ich versucht, eine Thermik zu finden und da ging nichts. Und dann kam ich langsam in eine Thermik und dann ging die dann auf vier, fünf Meter pro Sekunde. Auf einmal war ich in der Thermik und dann stand ich in der Thermik mit dem Gleitschirm in den Wind und wurde einfach hochgezogen. Vier, fünf Meter pro Sekunde. Und da fühlt man sich schon ein bisschen außer Kontrolle.

48:51Veit Kessen

Also das Barrio war im Schrein und ich hing dann einfach und habe auf die Wolke hochgeschaut und die Wolke war halt oben grau. Ja, und dann habe ich mich wieder zurück in den Zustand gesetzt, okay, das ist jetzt eine Situation, der du noch nie warst. Einfach cool bleiben. Einfach cool bleiben, halt den Schirm über dem Kopf und das wird schon. Und das wäre genauso. Ich

49:14Lucian Haas

glaube beim normalen Fliegen gibt es ja so den einen Leitspruch, so fly the aircraft. Also du musst halt immer in Kontrolle als Pilot wirklich sagen, ich fliege jetzt weiter. Und selbst wenn es da jetzt scheiße aussieht, ich versuche erstmal das zumindest zu machen und nicht aufzugeben an dieser Stelle, sondern da einfach dran zu bleiben. Und das ist wahrscheinlich eine der wichtigen Sachen, die man dann lernt. Gibt es denn auch so Sachen wie, ich meine gerade wenn man, so diese klassischen Piloten lernen ja auch sehr viele Routinen, wo du sagst, also auch so Sicherheitsroutinen oder Checkroutinen, wo du sagst, ich gehe wirklich so Checklisten durch und sonstiges. Sind das auch Sachen, wo du sagst, sowas übertrage ich auch in meine Gleitschirmfliegerei oder sind das letzten Endes gefühlt andere Sachen, wo du sagst, naja, sobald ich in so ein motorisiertes Flugzeug steige, gehe ich meine Listen durch, aber wenn ich jetzt mit dem Gleitschirm am Hang starte, das ist für mich eine andere Sache?

50:05Lucian Haas

Hm, interessant.

50:08Veit Kessen

Also ich denke mir das Erste. Also ich denke mir, im Flugzeug bin ich mir mehr, beim Fliegen bin ich mir mehr sicher, dass die Checkliste mein Leben retten wird.

50:23Veit Kessen

Also allgemein auch das Flugzeug von außen anzuschauen, bevor man startet, auch den Motor sich anzuschauen, den Prop und alles mal so physisch anzufassen und zu schauen, dass alles in einem Stück ist. Beim Gleitschirmfliegen verläuft das ein wenig, weil es einfach ein einfacheres Fluggerät ist. Aber ich denke schon, ich habe mehr Sicherheitsbedenken oder ich denke sehr stark darüber nach, was ich eigentlich in diesem Moment vorhabe, bevor ich starte. Also ich weiß, es ist nicht so, als ob ich aufs Fahrrad steige. Ich denke mir natürlich, es ist so wie im Flugzeug, das ist jetzt was Ernsthaftes. Das könnte dein letzter Flug sein, das denke ich mir jedes Mal. Und deswegen jetzt, aber jetzt mal konzentrieren, dass hier alles, also ich gehe meine Fünf-Punkt-Checkliste schon durch, aber ich habe die jetzt nicht geschrieben auf ein Stück Papier.

51:16Lucian Haas

Wo hast du eigentlich das Gleitschirmfliegen gelernt und wann war das? Also hast du das auch in Kenia gelernt wie deine anderen Kollegen, die sagen, ich bin da mal wild im Busch fliegen gegangen und dann irgendwann konnte ich es so ungefähr?

51:26Veit Kessen

Nee, nee, nee, ich habe an der Wasserkuppe gelernt, an der Papillon-Gleitschirmschule, ja. Und zwei Jahre davor war ich am Tegelberg, habe dort einen Grundkurs gemacht. Aber den A-Schein, den ich da gemacht habe an der Wasserkuppe, war dann der richtige Kurs. Das ist 2008 oder

51:49Lucian Haas

so habe ich den gemacht oder 2007. Das heißt, du hast Gleitschirmfliegen schon gelernt, bevor du deine Privatpilotenlizenz gemacht hast? Ja,

51:55Veit Kessen

definitiv, ja. Aber aktiv bin ich erst nach der Privatpiloten-Lizenz geflogen, also richtig, also jetzt, wo ich nach Kenia kam und so weiter.

52:04Lucian Haas

Das heißt, Kenia ist dann wirklich erst so dein Flugspot geworden, wo du sagst, das war dann das Spannende. Ja,

52:09Veit Kessen

interessant war auch, für den A-Schein, das habe ich nie richtig verstanden. In Deutschland, für den A-Schein muss man nur vorwärts aufziehen. Man lernt überhaupt, also ich habe nie das Rückwärtsaufziehen gelernt. Und wenn ich jemandem das Groundhandling beibringe, sage ich denen zuerst mal, vorwärts aufziehen, forget about it. Rückwärts ausziehen ist das Wichtigste überhaupt, weil man in jedem Moment des Aufziehens die Kontrolle hat. Wobei beim Vorwärtsaufziehen läuft man einfach wie blind erst mal auf den Hang zu. Das ist so meine

52:45Lucian Haas

Meinung nach. Hängt aber vielleicht auch damit zusammen, ihr habt wahrscheinlich in Kenia viel Wind und selten Tage, an denen es gar keinen Wind gab. Ja.

52:53Lucian Haas

Lass uns mal, gerade weil wir auch das mit den Risiken beim Fliegen und sowas hatten, lass uns mal über die Gefahren beim Fliegen in Kenia sprechen. Und bei Keio hatten wir schon, okay, da gibt es Wind und vor allem diese Mischung mit den starken Thermiken und Turbulenzen und den unterschiedlichen kesselförmigen Geländeeinbuchtungen, wo es dann auch solche Rotoren geben kann. Aber gerade wenn man sich so vorstellt, Kenia, wildes Land, Safari hast du genannt und sowas. Was ist so mit solchen Gefahren, wie ich lande irgendwo und da gibt es wilde Tiere oder sowas? Ist das auch eine wirkliche Gefahr oder ist das nur eine Gefahr, die man sich jetzt so aus europäischer Sicht so vorstellt? Ja,

53:31Veit Kessen

da ist eine Lebensgefahr da. Ich würde mal so sagen, wo wir fliegen, dort sind wenige geflogen. Und das ist das eine dann auch. Es ist aber absolut ein fremder Ort. Es ist praktisch wie X-Alps. Irgendwo starten, wo noch nie jemand geflogen ist. Obwohl, was anders für den X-Alps ist, in Kenia ist es einfach so, dass man an sehr ausgelegenen Orten startet. Wenn da etwas passiert, dann dauert es vielleicht einen Tag oder zwei Tage, bis man da irgendwie rauskommt. Und das andere ist auch selbstverständlich. Man schleicht sich auf einem Startplatz hoch, wo Büffel fünf Minuten davor waren und

54:21Veit Kessen

ja, lacht dann ein bisschen mit seinem Freund, so hey, also glaubst du das, glaubst du, hier sind Büffel? Ja, schauen wir mal. So startet man dann halt. Das ist so die eine Gefahr und dann auch das andere ist auch das Landen ist sehr interessant. Wir waren in Lolldeigers letztes Jahr fliegen und das ist auch ein Hang und unten im Tal ist halt ein Park. Das sind halt Löwen, Elefanten, Giraffen oder was drum und dran. Und da war unsere erste Regel, okay, wir machen ein Top-Landing. Wir machen nur Top-Landing, wir landen nicht im Tal. Und wir sind alle drei gestartet mit Radios, super schön und dann irgendwann mal, ich weiß auch nicht, was da passiert ist, aber irgendwie bin ich dann unten im Tal gelandet und dann hat der Sai mir dann auch zugerufen über Radio, wo bist du? Und ich habe dann gesagt, ich bin hier und hier und er hat gesagt, ich lande auch bei dir.

55:09Veit Kessen

Aber bei mir war das Problem gewesen, ich bin über einer Gazellenherde gelandet. Und das ist ja alles ganz schön, das sieht ja wunderschön aus, wie die dann so auseinander laufen. Aber wenn man dann landet, denkt man sich, das Erste an meinem Kopf war Löwen. Oh mein Gott, Löwen. Löwen, Büffel, Elefanten. Und ja, wir sind dann, wir haben dann drei Stunden gebraucht bis zum Camp. Also wir sind dann zurückgelaufen und der andere Kollege, der ist dann auch fünf Kilometer weiter gelandet und der hat dann über das gebrochene Radio empfangen, hat er dann auch, ja, hat er dann öfters gesagt, er hat einen Elefant gesehen und der würde jetzt hinter einem Baum sich verstecken und, oh Gott, boah, der hätte Angst um sein Leben und so weiter. Das war schon sehr spannend.

55:51Lucian Haas

Gibt es denn da dann irgendwie eine zusätzliche Sicherheitsausrüstung, die man dann mitnimmt, wenn man so quasi jetzt als Gleitschirmbuschpilot unterwegs ist, zwangsweise? Also habt ihr dann alle noch einen Revolver mit dabei als zum Selbstschutz oder sonst irgendwas? Oder keine Ahnung, was? Es geht vielleicht ein Elektro-Taser um. Ich weiß nicht, ob man damit einen Löwen abwehren könnte oder keine Ahnung was.

56:12Veit Kessen

Nee, haben wir nicht. Ich habe eine Pfeife dabei. weil die habe ich mir dann zugelegt, nach diesem Erlebnis einfach so, dass ich irgendetwas habe, um einen Büffel oder den Fanden abzuschrecken. Aber ich glaube, wenn ein Büffel auf einen zuläuft, dann kann man nichts machen. Was wir hier haben, ist eine Versicherung, eine Helikopter-EVAC-Versicherung. Das heißt Flying Doctors, wo im Notfall, wenn man sich draußen verletzt, dann kommen die einen mit einem Hubschrauber abholen. Das ist so ein lokaler Service und das sollte jeder Flugtourist auch haben. Das ist so die einzige Sicherheit, dass wenn was passiert, wenn man sein Bein bricht, dass man dann auch recht schnell in ein Krankenhaus geflogen wird.

56:59Lucian Haas

Das ist aber dann quasi auch ein privater Verein oder sowas, diese Flying Doctors, wo du sagst... Es ist

57:05Veit Kessen

kein privater Verein, es ist eine Versicherung. Die kostet auch 25 Dollar im Jahr. Oh, ist ja günstig. Und die kann auch, ja, oder 16 Dollar für einen Monat. Und das ist auch ganz einfach online sich da zu registrieren. Und man ist sofort versichert. Man gibt dann seinen WhatsApp-Pin an oder irgendwie seinen Pin. Man ruft dort an bei der Stelle und gibt seinen Pin an und die holt dann ab. Also entweder mit Krankenwagen oder mit Flugzeug oder mit Hubschrauber. Ich

57:33Lucian Haas

meine, wenn du jetzt aber irgendwo draußen im Busch bist, weil du auch sagst, ja, viele von unseren Startplätzen sind vielleicht ein bisschen abgelegen, hat man dort überall Netz?

57:42Veit Kessen

Nee, nee. Es gibt zum Beispiel in den Chuluhills hat man keinen Empfang. Da passiert es auch öfters, dass man auch Radiokontakt verliert. Also wenn man dann irgendwie im Dickicht landet, dann verliert man auch Radiokontakt, dann ist man komplett allein auf sich selbst gestellt. Das ist mir auch schon mal passiert. Das ist ein interessantes Erlebnis.

58:03Lucian Haas

Das heißt, abseits der Städte wahrscheinlich sehr prekäre Gesundheitsversorgung in Kenia. Man ist vielleicht nicht mehr erreichbar und Sonstiges. Es ist also schon ein Wabang-Spiel auf gewisse Weise, was man dann da auch eingeht. Das ist sehr schön wahrscheinlich, sehr abenteuerlich, aber auch immer etwas, wo man sagen muss, vielleicht nicht für den ganz sicherheitsbewussten Flieger zu empfehlen.

58:28Veit Kessen

Würde ich nicht so sagen. Also Kenia hat eine sehr entwickelte Infrastruktur. Telefonnetz ist so wie in Deutschland. Aber wenn man jetzt im Nationalpark fliegt, wo es kein Netz gibt, dann ist man schon auf sich selbst gestellt. Aber wenn man nicht im Nationalpark fliegt, ist normalerweise Funkempfang. Und das Wichtigste, was man machen sollte, würde ich auch jedem Gleitschirmtourist empfehlen, ist, wenn man auf Strecke geht, sollte man in der Nähe einer Hauptstraße bleiben. Weil wenn man dann irgendwo im Busch landet, kann es sein, dass man dann, weiß ich, vier, fünf Stunden oder acht oder selbst einen Tag braucht, um da raus zu kommen. Also einmal Zäune, einmal wilde Tiere, das kann schon passieren.

59:14Veit Kessen

Aber solange man sich an die Hauptverkehrsadern hält oder in der Nähe von denen landet, dann kriegt man meistens ein Lift nach Hause oder es sind auch ganz nette Menschen. Man kriegt dann schon immer Transport Wort daraus.

59:27Lucian Haas

Aber du selbst hältst dich nicht immer an diese Regeln, weil, wie du jetzt beschrieben hast, Chiolo Hills, das ist ja, glaube ich, sagtest du ja selber, ist abgelegen irgendwo im Nationalpark, hat man kein Netz und sowas und wenn man da landet, dann steht man irgendwo im Busch und muss drei Stunden zum Camp zurücklaufen und sowas. Das klingt ja jetzt eher nach, okay, ich bin schon, ein bisschen Abenteuer will ich dann schon auch haben.

59:51Veit Kessen

Ja, definitiv.

59:52Lucian Haas

Hast du denn selbst bei solchen Flügen oder insgesamt bei deiner Fliegerei da in Kenia mit dem Gleitschirm schon auch wirklich kritische Situationen erlebt? Oder auch beim Landen dann kritische Situationen, wo du sagst, Mist, ich gucke dem Elefanten genau in die Augen oder sonst was?

1:00:08Veit Kessen

Ja, das ist mir in der Burana Conservancy passiert. Da bin ich 20 Meter von dem Elefant gelandet. Bei Sonnenuntergang. Das ist auch sehr interessant. Um zurück zum Auto zu gehen, musste ich praktisch dann den Hang wieder hochlaufen. und ich bin gelandet, ich habe den gar nicht gesehen. Ich bin gelandet und jedes Mal, wenn man landet, dann wird es auf einmal totenstille im Busch und dann höre ich, wie irgendwas ganz laut kaut. So, irgendwie an irgendwas kaut und schaue so, schaue um mich rum und sehe dann den Elefanten und der hat dann ganz gemütlich an einem Busch da irgendwie sein Abendmahl zu sich genommen und hat dann zu mir rüber geschaut und hat einfach weitergemacht.

1:00:52Lucian Haas

Das heißt, Der hat sich gar nicht gestört an den komischen Vogel, der dann da wohnt. Jetzt hast du gerade gesagt, wenn man landet, ist es plötzlich ganz ruhig im Busch. Ist das etwas, dass quasi die ganzen Tiere still werden, weil du als großer Vogel da gekommen bist? Oder wird es für dich nur ruhig, weil du halt die Fluggeräusche nicht mehr hast?

1:01:08Veit Kessen

Ja, genau. Das sind mehr so die Fluggeräusche. Ich bin auch mal in den Churro Hills auch in einer Waldlichtung gelandet. Und das war alles wunderschön während des Fluges. Der Landeanflug war perfekt. und dann bin ich in dem Elefantengras gelandet und dann in dem Elefantengras versunken. Und der Elefantengras war so ein Meter, also 20 Zentimeter über mir. Und ich konnte nichts sehen, nur Gras um mich rum.

1:01:35Veit Kessen

Und das ist dann so, dann steht man zuerst mal still, so oh shit.

1:01:39Lucian Haas

Und du hast auch von oben nicht gesehen, dass das ein Meter hohes Elefantengras ist.

1:01:43Veit Kessen

Nee, konnte man nicht sehen. Es war eine ganz schöne Waldlichtung, schöne grüne Waldlichtung. Da bin ich einfach so reingesunken.

1:01:51Lucian Haas

Das heißt, das sind dann die kleinen Schwierigkeiten, die man da erlebt. Jetzt zum Ende hin erzähl doch mal eine besonders schöne Geschichte von deinem Fliegen in Kenia, wo du sagst, das ist so richtig erhebend und deswegen lohnt es sich auf jeden Fall auch mal nach Kenia zu fahren und da seine Erfahrungen zu machen.

1:02:07Veit Kessen

Oh ja, ich habe viele schöne Erfahrungen gemacht. Ich denke mir, du hast auch sehr schöne Erfahrungen gemacht beim Fliegen.

1:02:13Lucian Haas

Ja, nur noch nicht in Kenia, das muss ich noch machen. anfangen. Jetzt erzähl mir mal, wo ich dann hin sollte oder welche schöne Erfahrung ich von dir quasi nachholen könnte.

1:02:22Veit Kessen

Also Kijabe Hill ist sehr leicht zugänglich von Nairobi aus und die schönste Erfahrung am Kijabe Hill war, ich bin alleine hochgefahren vor einem Wettkampf, den ich organisiert habe, zwei Tage davor und bin bei Sonnenuntergang dort oben angekommen am Startplatz in 2600 Meter Höhe und der Talboden ist 600 Meter tiefer. Und es war Sonnenuntergang und drei große Orge-Buzzards, diese Adler, die standen in der Luft in drei, vier Metern Höhe an beiden Startplätzen. Einfach, die standen da einfach. Das war eine absolut glasige Luft. Das war unglaublich, das war so laminar. Und ich habe dann sofort alles liegen lassen, das Schirm raus und bin dann gestartet.

1:03:08Veit Kessen

und bin dann, hab dann eine Stunde lang bin ich mit diesen Wildvögeln hin und her geflogen, an diesem an dem, also Soaringe rumgegleitet, bis die Sonne unterging und bin dann oben getopplandet. Das war für mich, das war eine

1:03:25Veit Kessen

persönliche Lebenserfahrung. Das war wirklich sehr schön.

1:03:27Lucian Haas

Und die Vögel hatten auch keine Angst vor dir? Nee,

1:03:29Veit Kessen

nee, nee.

1:03:30Lucian Haas

Also vor deinem großen Schirm? Nee, die

1:03:32Veit Kessen

flogen dann, die sind dann so ein bisschen so zur Seite geflogen und die sind recht, die kennen uns auch da. Also die haben Die sind aber weitergeflogen. Also einer ist manchmal rausgeflogen oder hinterher und dann wird da so ein bisschen rumgespielt. Das würde ich sehr empfehlen, wenn du nach Kenia kommst. Willkommen zum Kijabu-Hill.

1:03:50Lucian Haas

Da hast du jetzt aber gesagt, den eher in den Sommermonaten. Also das wäre dann so zwischen Juni und September. Die Klassiker, wo man normalerweise sagt, ja, wann kommt Kenia für einen Europäer so auf das Tablett, aus fliegerischer Sicht. Ist ja meistens, kann ich vielleicht den Winter verkürzen, und dann fährt man im Januar hin. Da war jetzt Kirio. Gibt es noch ein anderes gutes Ziel außer Kirio, was man im Januar fliegerisch in Kenia erkunden kann?

1:04:14Veit Kessen

Nicht, dass ich wüsste.

1:04:17Veit Kessen

Das

1:04:18Lucian Haas

heißt, Januar heißt schon Kenia,

1:04:20Veit Kessen

Kirio. Ja.

1:04:23Veit Kessen

Würde ich auch sehr empfehlen. Allgemein einfach nur fürs Erlebnis. Man kann auch, wenn man ganz konservativ ist, man kann am Anfang einen Abgleiter machen und dann so langsam die Luft

1:04:36Lucian Haas

erkunden. Ist Hike and Fly in Kenia empfehlenswert oder sollte man dort sich schon darum kümmern, dass man irgendwie immer mit dem Auto zum Startplatz kommt oder jemand hat, der einen wohin fährt?

1:04:46Veit Kessen

Besser mit dem Auto zum Startplatz, ja.

1:04:50Lucian Haas

Warum? Wegen den wilden Tieren?

1:04:52Veit Kessen

Nee, weil die

1:04:55Veit Kessen

Gleitschirmspots sehr weit weg sind. Aber man kann, wie auch in den Chuluhills, man kann praktisch campen und dann halt Hike and Flys machen. Also man kann mal an der Basis und dann kann man Hike and Flys machen, definitiv. Oder Kijabihill, was ich öfters mache, ich lande unten und wandere hoch und dann fliege ich runter, fliege rum und lande wieder im Auto und fahre nach Hause. Also das geht

1:05:18Lucian Haas

schon. Was ich von manchen Filmen, die ich Also so YouTube-Filmchen und Vimeo und Sachen, die ich von Kenia auch gesehen habe, da sieht man ja auch immer, Leute landen und dann hast du so gleich eine Riesentraube, meistens Kinder, um dich drum hängen. Ist das eigentlich auch eine, in Anführungszeichen, Gefahr, also für den Schirm oder ist das einfach nur Spaß? Also Gefahr in der Form, die schieben sich dran, trampeln dann auf deinem Schirm rum oder sonstiges? Ja,

1:05:45Veit Kessen

man muss dann schon ein bisschen, also zum einen ist es, wenn die Kinder dann alle ankommen und sich einfach nur freuen und einfach deine Landung feiern, dann ist es ein wirklich sehr schönes Erlebnis. Es sind sehr glückliche Kinder. Aber man muss dann sofort die Kinder managen. Man muss sofort Regeln aufstellen, ein bisschen strikter sein und sagen, hey, nicht anfassen, weil die sind ja sofort dabei und schauen sich dieses magische Stück Tuch an, was gerade angeflogen ist. Das sind ja Kinderhände halt. Und da muss man halt schon ein bisschen weghalten, aber eine Gefahr für sein Material nicht. Die sind meistens, oder bis jetzt, die hören einem schon zu, wenn man denen dann sagt, die sollen sich ein bisschen wegtreten. Obwohl ich bin einmal in einer Gruppe von Betrunkenen an einem Sonntagnachmittag gelandet, in der Nähe von irgendeiner Kneipe und die waren wirklich hart betrunken.

1:06:32Veit Kessen

Und die waren schon ein bisschen aggressiv. Das waren so ältere, so Jugendliche und so. Die wurden immer aggressiver. Ein Motorradfahrer hat mich da zum Glück rausgerettet. Der hat mir beim Gleitschirm, beim Packen geholfen. Dann sind wir sofort rausgefahren. Und die waren schon irgendwie aggressiv. Aber das war das einzige aggressive oder das einzige gefährliche Erlebnis, was ich erlebt habe. Okay.

1:06:52Veit Kessen

Was auch schön ist, ist, wenn man in abgelegenen Orten landet, also auch im Rift Valley, und manchmal landet man in der Nähe von Mars-Eyes. Da ist es sehr schön, dass die Kinder auf einen zulaufen, aber dieselbe haben noch nie sowas gesehen und sind komplett überrascht und laufen auf einen zu und stellen sich vor einem hin und ducken den Kopf ein. Und man muss dann praktisch aus Respekt, aus Respekt machen die Kopfnicker und dann muss man ihren Kopf berühren und dann laufen sie weg. Das ist also ein sehr, sehr schönes Erlebnis. Das

1:07:27Lucian Haas

ist auch eine Begrüßungsroutine von denen quasi? Ja,

1:07:32Veit Kessen

das ist so eine Begrüßung aus Respekt. Die geben einem so einen Respekt. Und danach, wenn der ältere Herr den Kopf berührt hat, dann sind sie entlassen und können wieder weglaufen.

1:07:45Lucian Haas

Aber wenn man die Köpfe nicht berührt, bleiben sie mit gesenkten Köpfen stehen und man hat sie dann da an der Backe.

1:07:50Veit Kessen

Also die bitten dann auch ein bisschen. Man berührt sie.

1:07:54Lucian Haas

Also noch ein Tipp, wenn man in Kirio Valley fliegt, raus ins Rift Valley, irgendwo runterkommt und dann Maasai auf einen zukommen. Also Kinder, wenn die den Kopf senken, einmal berühren, dann sind sie quasi auch wieder entlassen und man hat ihnen die Ehre gegeben, die sie dann da auch brauchen. Veit, Kenia klingt sehr interessant. Ich danke dir für die schönen Erzählungen über die Fliegerei in Kenia. Ich wünsche dir selber noch sehr viele, sehr schöne Erfahrungen, die du dort machen kannst. Bleib heile bei der ganzen Geschichte. Lass dich von keinem Löwen fressen und von keinem Elefanten aufspießen. Und falls du mal doch irgendwann auch mal wieder in Europa fliegen willst oder so, melde dich. Vielleicht können wir hier irgendwo mal zusammen fliegen gehen.

1:08:36Veit Kessen

Ja, danke schön Lucian Haas du mich hier sprechen lassen hast. Auf jeden Fall für alle Gleitschirmpiloten, Kenia ist ein Abenteuer. Wenn man abenteuerlich ist, come and fly with us.

1:08:54Lucian Haas

Das war die Folge Nummer 77 von Podz-Glidz mit Veit Kessen im Gespräch mit Lucian Haas. In den Shownotes zu dieser Folge auf Lu-Glidz findest du noch ein paar weiterführende Links rund ums Gleitschirmfliegen in Kerio und Kenia. Der Podcast Podz-Glidz ist ein Angebot des Gleitschirmblogs Lu-Glidz. Lu-Glidz steht völlig werbefrei im Netz und zwar unter www.Lu-Glidz.blogspot.com. Lu-Glidz schreibt sich L-U-G-L-I-D-Z. Wenn du Podz-Glidz für dich als wertvoll empfindest, dann empfehle den Podcast doch weiter. Zum Beispiel mit einem guten Rating auf Apple Podcasts oder Spotify, einem Post auf Facebook oder Instagram oder am besten einfach im direkten Gespräch mit deinen Fliegerfreunden.

1:09:39Lucian Haas

Noch mehr könntest du Podz-Glidz und Loglites weiterhelfen, indem du meine Arbeit daran auch finanziell unterstützt, als Förderer. Die Förderregeln sind ganz einfach. Du darfst geben, so viel du willst und ganz nach deinen Vorlieben als einmaliger oder auch wiederkehrender Förderbeitrag. Damit trägst du dazu bei, dass ich Podz-Glidz und Lu-Glidz auch in Zukunft unabhängig und werbefrei halten kann. Wenn du unsicher bist, welche Summe vielleicht angemessen wäre, dann habe ich hier einen unverbindlichen Vorschlag. Wie wäre es mit einem Euro pro Podcast-Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz? Selbst zusammengerechnet ist das immer noch günstiger als die Abo-Gebühren eines klassischen Magazins. Natürlich kannst du gerne erst ein paar Folgen hören und über Monate hinweg Looglights lesen und erst später einen gesammelten Förderbeitrag leisten.

1:10:30Lucian Haas

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