Aber ich passe schon mal ausreichend auf, also es soll jetzt nicht so klingen, dass ich hier irgendwie Suizid mich irgendwo, nee, ist wirklich nicht so, also sonst wäre ich auch nicht mehr nach 30 Jahren Flugsport gesund, ne, aber, also mit der Fotografie ist es schon so, dass man natürlich Risiken eingeht, aber da sind eher, erfahrungsgemäß sind die Models gefährdet und nicht der Fotograf. Podz
-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. In dieser Folge mit Felix Wölk und Lucian Haas am Mikrofon.
Wer immer mal wieder diverse Gleitschirmmagazine durchstöbert, deren Titelbilder bestaunt oder im Inneren nach abenteuerlichen Reisereportagen sucht, der wird, über eher kurz als lang, auf einen Namen stoßen. Felix Wölk. Der heute 48 -Jährige fliegt seit 30 Jahren. Er hat seit 30 Jahren Gleitschirm und hat die Fliegerei nicht nur zum Hobby, sondern zum prägenden Antrieb seines Lebens gemacht. Felix ist Fluglehrer, Flugfotograf und vor allem auch Flugreisender, der schon auf und über allen nicht vereisten Kontinenten der Erde mit dem Gleitschirm unterwegs war. Mancher Ort sogar als Pionier mit etlichen Erstbefliegungen. Geschichten dazu gäbe es viele, aber die lassen sich packender in Felix' Reportagen nachlesen, von denen ich einige in den Shownotes zu dieser 80.
Podcast -Folge auf Fluglights verlinkt habe. Mich interessierte mehr der Hintergrund. Was ist es, was ihn antreibt? Wie hat er es geschafft, nicht nur mit, sondern auch vom Gleitschirmfliegen leben zu können und dabei irgendwie immer auch sein Ding zu machen? Von all dem erzählt Felix Wölk im folgenden Gespräch. Es geht unter anderem um Flugsucht, Abenteurertum, seine Vorstellungen einer ästhetischen Gleitschirmfotografie und seine Arbeit für die Gleitschirmfotografie. Wir sprechen über die Risiken von Fotoshootings in der Luft, Starts von aktiven Vulkanen und worauf er bei der Aus - und Weiterbildung von Piloten besonders Wert legen würde. Immerhin hat Felix Wölk erst kürzlich eine neue Flugschule mitgegründet.
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Felix, definier mir mal den Begriff Flugsucht.
Oh, das ist ja gleich eine Denkaufgabe zu Anfang. Flugsucht, na gut, kann ich natürlich aus meinem Leben gleich erzählen. Die Flugsuchterei hat mich definitiv gleich ziemlich süchtig gemacht. Das heißt, eine Sucht ist etwas, was man tut und dann alle anderen Dinge im Leben darunter leiden, würde ich mal sagen. Und so war das bei mir früher eben auch. Mich hat die Sache so begeistert, dass ich im Grunde alles andere, was ich bis dato gemacht habe, gelassen habe. Und dementsprechend kann man doch von der Flugsucht reden, würde ich sagen.
Du hast mir so einen kurzen Lebenslauf. Und da steht sehr schön drin, deswegen bin ich überhaupt auf dieses Thema Flugsucht gekommen. Da steht drin, 1995 Schreinerlehre abgebrochen nach einem Jahr, da ich bereits flugsüchtig war und Zeit brauchte. Dann geht es weiter, 1996 Landschaftsgärtnerlehre abgebrochen nach einem Monat wegen Flugsucht und Ausbeuterei der Lehrlinge.
Also damals war Flugsucht schon ein bedeutender Bestandteil deines Lebens.
Ja, das hat natürlich mein Leben gleich bestimmt, muss ich sagen. Ich hatte damals... Ich habe meine Schule beendet, in München Gymnasium Abitur gemacht und hatte danach dann im Grunde keinen Plan, was ich so anfangen sollte. Und da dachte ich, jetzt gehe ich erst mal fliegen. Da bin ich draufgekommen und ja, dementsprechend hat mich natürlich so ein bisschen im Laufe der Zeit danach mein schlechtes Gewissen noch geplagt, dass ich irgendwie eine Berufsausbildung oder sowas noch schaffen sollte. Aber dazu kam es dann nicht. Ich habe das, wie du schon erwähnt hast, mit einer Schreinerlehre mal probiert und mit einer Landschaftsgärtnerlehre. Aber... Es war einfach unerträglich. Ich konnte nicht jeden Tag von morgens bis abends einer Tätigkeit nachgehen und nicht fliegen fahren. Das war unmöglich für mich. Ganz abgesehen davon, dass Fliegen natürlich auch Geld kostet, auch damals schon.
Und ich musste das natürlich auch bezahlen. Und naja, mit einer Lehre, damals 400 irgendwas Mark im Monat. Wie sollst du da ein Fluggerät kaufen? Schwierig, gell? Also insofern gab es für mich keine andere Möglichkeit.
Was hast du denn dann gemacht? Was hast du gemacht, um
an Geld zu kommen? Ja, ich habe gejobbt. Ich bin Fahrrad gefahren in München. Ich habe als Fahrradkurier gearbeitet im Winter, weil das ja keine Flugsaison war und ist in der Regel. Und bin dann in München im Winter als Fahrradkurier unterwegs gewesen und habe so mein Geld verdient. Das war ein ganz gutes Einkommen, muss ich sagen. Damals aber natürlich auch ein recht anstrengender Job im Winter. Acht bis zehn Stunden am Tag. Aber das Gute war, dass ich danach... In fünf Monaten Winterzeit recht einigermaßen Geld hatte. Und dann konnte ich mir den ganzen Sommer freinehmen, um eben fliegen zu gehen. Das hat mir natürlich auch einiges gebracht. Zum Fliegen braucht man viel Zeit. Man muss Flugstunden sammeln. Und die habe ich mir eben so genommen.
Das war dieses Leben, was ich damals führte, ja.
Nochmal einen Schritt zurück bei deiner Schreinerlehre oder Landschaftsgärtnerlehre. Du sagst, das habe ich abgebrochen aus Flugsucht. Was ist das für ein Gefühl, wenn du sagst flugsüchtig? Wie hat sich das ausgeprägt? Wenn man irgendwelche Drogensucht hat, dann kriegt man vielleicht einen Zitterer oder sonst irgendwie was. Was kriegt man als Flugsüchtiger?
Ja, ich habe im Grunde, kann ich mich erinnern, nur ein Beispiel, was mir spontan einfällt. In diesem Maschinenraum, in dem man da in der Schreinerlehre musste. Da hatte er große Fenster und da konntest du den Himmel auch sehen. Jetzt hattest du als angehender und begeisterter Flieger natürlich schon einen Blick für die Wolken. Und wenn du da an der Maschine stehst und... Draußen siehst du die Cumuluswolken wachsen und es ist 11 Uhr, halb zwölf und du könntest den ganzen Tag Thermik fliegen. Da kriegst du den Rappel. Das habe ich nicht gepackt und da fühlst du dich eingesperrt. Eingesperrt fühlst du dich da.
Aber du hast noch alle Finger, also nicht beim Wolkengucken irgendwie aus Versehen einen abgeflext oder sonst irgendwas. Das
wäre noch das Beste gewesen. An der Kreissäge meinst du, wegschauen und dann... Ja, ja. Nee, da habe ich schon aufgepasst. Aber es ist mir auch gelungen, ein Jahr abzuschließen.
Ähm, ja, das war ja in der Schulzeit auch schon das Schlimme irgendwie, dass ich mich nicht irgendwie in ein Zimmer sperren lassen konnte. Ich habe das einfach nicht ausgehalten. Auch dieser Drang nach draußen irgendwie, das war auch früher schon, als es vor der Fliegerei, hat mich einfach die Natur irgendwie zu viel, zu sehr gelockt. Und die Freiheit und draußen sein und Bewegung und mit dem Fliegen war das natürlich noch ausgeprägter.
Ja. Hast du die Flugsucht als etwas Angenehmes empfunden oder war sie dir auch manchmal unangenehm?
Nein, das war mir nie unangenehm. Ich habe das grundlegend empfunden als eine absolute Erfüllung, ein Tiefsitz in der Träume. Also, und es war eine Riesenfreude und ist ja immer noch so. Es ist jetzt ein bisschen zur Gewohnheit geworden natürlich, weil ich irgendwie beruflich auch seit Jahren in der Szene arbeite. Aber, aber das war ein wunderbares Gefühl. Ich habe das nicht als Zwang gesehen, um Gottes Willen. Also, überhaupt nicht. Es war endlich eine Erfüllung dieses Freiheitsdranges, den ich verspürt habe. Also, das war ein wunderbares Gefühl, kann man überhaupt nicht anders sagen.
Dann ist vielleicht, sucht ja vielleicht auch im Grunde ein zu negativ behafteter Begriff. Ja. Ich war bereits fluglustig oder was auch immer und deswegen musste ich, ich konnte nichts anders. Kann
man auch so sehen, ja. Man kann natürlich auch sagen, fluglustig wäre ein anderes Wort dafür. Aber es war bei mir schon so ein bisschen extremer. Also, ich habe ja mein ganzes Leben dann sofort dieser Sache gewidmet und darauf dahingehend auch eingerichtet.
Also, so zu behaupten, es ist einfach eine nette Tätigkeit, der ich nachgegangen bin, das wäre untertrieben, denke ich. Also, eine Passion, eine Leidenschaft könnte man sagen, eine, ja, so in der Gegend vielleicht.
Wie hast du es denn dann gemacht? Wie hast du es geschafft, auch mit deiner Flugsucht dann letzten Endes ein Leben zu bestreiten, mit dem du letztendlich auch Geld verdienst und auch all das Geld verdienst, was du für deine Flugsucht oder Fluglust dann entsprechend brauchst oder brauchtest?
Ja, das ging dann damit los, als ich nach einigen Jahren das Bedürfnis hatte, auch irgendwie Erinnerungen der tollen Abenteuer, die ich damals auch viel mit dem Drachen erlebt habe, bei mir zu behalten und angefangen habe.
Also, ich habe dann angefangen, am Drachen Kamerakonstruktionen hinzuhängen, wilde Gerüste drangebaut, was viele auch überhaupt nicht daran gedacht haben in der Zeit. Da war ich also hübsch der Einzige, denke ich. Und dementsprechend, ja, habe ich dann Fotomaterial gesammelt. Aber die Intention war, zuerst mir Erinnerungen zu verschaffen von den tollen Tagen, die ich beim Fliegen erlebt habe. Und dann bin ich einfach mal auf die Idee gekommen, das Bildmaterial an Magazine und Verlage zu schicken und hatte dann, ich kann mich noch erinnern, ganz plötzlich gleich ein Titelbild auf einem Magazin. Das war damals das Drachen - und Gleitschirmfliegermagazin. Fly and Glide hieß es damals. Und da dachte ich ja, hoppla, mit der Sache kann ich ja auch Geld verdienen.
Und dann habe ich das forciert betrieben, die Fotografie. Und damit war dann eigentlich auch so eine Grundlage gegeben. Eben Geld damit zu verdienen. Und dann kam natürlich die Fluglehrer -Geschichte auch noch dazu. Habe ich parallel den Fluglehrer auch noch gemacht, die Ausbildung und was ja auch ein sehr schöner Beruf ist. Aber das ist dann so in die Richtung eigentlich gegangen, ja.
Bekannt geworden, vor allem dann auch in Gleitschirmkreisen bist du ja vor allem mit deinen, sag ich mal, den Abenteuerreisen und den entsprechenden Reportagen, die du dann in den Gleitschirmmagazinen veröffentlicht hast. Einige von diesen Reisen bezeichnest du selber auch als Reise? Als Pionierfahrten. Was hast du da in diesen Ländern gesucht, wo du sagst, da warst du Pionier?
Ja, das war natürlich dann nochmal ein größeres Abenteuer. Ich erinnere mich an viele Afrika -Reisen zum Beispiel, die jetzt schon viele Jahre her sind, muss man dazu sagen. Damals war ich ja oft mit Michael Gebert unterwegs, war mal ein gutes Team damals. Haben zum Beispiel Äthiopien bereist und waren da ja ziemlich sicher die ersten Menschen, die überhaupt Gleitschirm geflogen sind. Also das war natürlich eine Pionierreise. Da waren wir an Orten mitten im Landesinneren, wo die Menschen noch nie einen Weißen gesehen haben. Und wir kamen dann mit Gleitschirmen vom Himmel und haben neue Flugmöglichkeiten auch gesucht. Wir haben uns damals sehr viel Zeit genommen. Jedes Jahr im Winter haben wir uns zwei, drei Monate zusammen Zeit genommen und den Globus bereist und mit der Intention, irgendwie neue Fluggebiete zu entdecken oder Flugmöglichkeiten.
Fluggebiete gab es ja oft noch gar nicht. In Äthiopien sowieso nicht zum Beispiel. Auch in Tansania, wo wir waren oder Kenia oder auch in Südamerika viel.
Und das waren definitiv Pionierreisen. Da waren wir Flugpioniere. Da haben wir das Neue, das Ungewisse gesucht mit unseren Gleitschirmen. Und das ist ja auch gefunden, muss ich sagen. Die Welt ist groß und Flugbedingungen und meteorologische Phänomene gibt es ja enorme Vielfalten, die einen immer wieder komplett aus der Bahn werfen, weil sie so toll sind und so unerklärlich. Das glaubt man gar nicht. Ich erinnere mich auch an einen Nachtflug in Brasilien. Thermik bei Nacht auf einer Insel, die uns dann 800 Meter über den Meeresspiegel getragen hat. 11 Uhr nachts sind wir gestartet und haben gedacht, das probieren wir einfach aus. Da sind Thermikwolken mitten in der Nacht entstanden. Ja, das sind einfach tolle Sachen, tolle Erinnerungen.
Und das waren sicher Pionierreisen. Pionierfahrten, also waren wir wie Gleitschirmpioniere unterwegs, der Michel und ich. Und der Federico, muss ich dazu sagen. Federico Kutscheid. Starkes Travelteam, würde ich mal sagen.
Bleiben wir nochmal bei diesem Thema Äthiopien, wo du gesagt hast, das war eine so deiner großen Pionierfahrten. Nimm uns mal ein bisschen dahin mit. Was sind so die prägendsten Erlebnisse oder Bilder, die du jetzt noch davon hast? Auch wenn du sagst, das liegt schon eine Weile zurück.
Ja, da sind Dinge passiert, die vergisst man nie. Wir waren, wie gesagt, im ganz tiefen Afrika unterwegs, wo die Menschen noch nie eine weiße Hautfarbe gesehen haben in ihrem Leben. Und dementsprechend waren dann die Folgen unserer Fliegerei gesellschaftlich gesehen enorm. Also wir haben natürlich viele Polizeistationen und auch Gefängnisse von innen gesehen. Wir hatten Menschenmassen, die unvorstellbar waren. Also Tausende. Also das ist eigentlich die größte Aufgabe dort in Äthiopien gewesen. Nicht das Fliegen und irgendwo starten und landen oder die Turbulenzen. Das ist ja alles irgendwie machbar. Die viel größere Aufgabe ist es, irgendwie gesellschaftlich dort das zu realisieren.
Weil du mit Menschenmassen zu tun hast, die unvorstellbar sind. Und die sehen ja auch alles. Die sind ja nicht so, dort die Menschen waren oder sind noch nicht so abgestumpft. Wie in den zivilisierten Ländern unserer westlichen Welt. Und die Kinder, die dort rumlaufen, sehen über viele, viele Kilometer, die einen Gleitschirmfliegen. Und laufen dann auch 20 oder 30 Kilometer, um dort zu sein, wenn der dort landet. Also du hast Tausende um dich herum. Und alle wollen dich anfassen. Das ist natürlich auch anstrengend. Du brauchst auch harte Nerven und brauchst auch eine gewisse Taktik, dass du zum Beispiel nach der Landung sofort, so schnell wie möglich, dein Equipment zusammenpackst. Weil sonst ist ja alles zerfleddert und der Retter draußen. Und da fehlt ja so ein bisschen die Distanz, sag ich mal.
Also schon das Bestreben, da so einen weißen Menschen, der vom Himmel kommt, auch anzufassen.
Wusstest du denn oder wusstet ihr denn, was euch da erwartet? Oder war das wirklich, ihr seid da ziemlich blauäugig hingefahren und dann gesagt, komm, Äthiopien klingt interessant, da scheint es irgendwie tolle Berge zu geben. Komm, lass uns da mal fliegen gehen. Und dann landet man beim ersten Mal und wird vom Mob quasi fast überrannt.
Ganz genau so war es. Wir haben uns da vor jedem Winter, haben wir uns den alten Dirke -Weltatlas aus der Schulzeit rausgezogen und haben ein bisschen geblättert und dann mit dem Zeigefinger auf irgendwas gedeutet. Und dann haben wir da die Reise veranstaltet oder sind dort halt aufs Blaue hingefahren. Immer mit wenig Budget und auf Sparkurs und mit öffentlichen Verkehrsmitteln und so weiter. Und genau, dann haben wir uns einfach ins Blaue in diese Länder begeben. Und ja, haben das gemacht. Und wir haben das auch irgendwo genossen. Also es war eine tolle Art und Weise, so zu reisen, weil du das Land natürlich auch enorm gut kennenlernst. Aber dementsprechend wurden wir dann überrascht manchmal mit den Folgen unseres Tuns.
Wenn du sagst, ihr wart da im Winter zwei, drei Monate unterwegs. Wahrscheinlich Äthiopien wart ihr auch dann mehrere Monate oder mehrere Wochen auf jeden Fall.
Ja, mehrere Wochen auf alle Fälle. Du brauchst viel Zeit, wenn du so reist und vor allem in solchen Ländern fliegen willst. Wie gesagt, da musst du ja auch damit rechnen, dass du nach dem ersten Flug erstmal eine Woche eingesperrt wirst oder so. Und dich irgendwie mit diplomatischen Mitteln rausreden musst in irgendeiner Form. Also in Äthiopien war das ja zum Beispiel so. Da wurden wir dann eine Woche lang festgehalten. Aber bis das dann schließlich hinaus lief auf eine lebenslange Flugerlaubnis in Äthiopien. Seitens des äthiopischen Generals, der uns persönlich besucht hatte. Was natürlich schon auch ein tolles Erlebnis ist. Und der saß dann bei euch in der Zelle? Der hat uns besucht, genau.
Und dort, wo wir, wir waren nicht in der Zelle eine Woche. Wir waren quasi unter
Hausarrest. Ja,
das Hausarrest, genau. Bewachter Hausarrest. Und naja, das war aber dann ein sehr schönes Treffen mit dem Herrn General, muss ich sagen. War auch ein schönes Netzwerk. Ein sehr nettes Gespräch. Und dann konnten wir ihm erklären, dass wir für das Land auch was tun. Dass wir den Tourismus auch ankurbeln dadurch. Und das hat ihm sehr gefallen. Und dann haben wir diese lebenslange Flugerlaubnis gekriegt. Und durften wieder weiterreisen.
Warst du denn später nochmal in Äthiopien? Hat dir diese lebenslange Flugerlaubnis was gebracht? Ja,
insgesamt waren wir dreimal dort. Ja, wenn ich mich recht erinnere, war das dreimal oder viermal. Wir hatten ja sogar dann auch eine Gruppenreise. Wir hatten Leute mitgenommen. Um denen dort äthiopische Fluggebiete in Anführungsstrichen zu zeigen. Insgesamt waren wir viermal dort, ja. Aber selbst wenn du so eine Erlaubnis hast, bringt dir das natürlich auch nichts, weil niemand davon weiß.
Aber es waren tolle Reisen, muss ich sagen. Und gerade das Zwischenmenschliche, was dir da widerfahren ist. Gerade in Afrika, das hat mir immer sehr gut gefallen. Diese Herzlichkeit der Menschen. Und die Freundlichkeit. Das sind so Eigenschaften, die man doch in unserer Welt vermisst oft.
Es gibt noch ein anderes Abenteuer, von dem ich hörte, dass du es gerne als so dein schönstes und wildestes bezeichnest. Du hast auch darüber eine Reportage geschrieben. Bevor ich jetzt aber verrate, um was es ging. Ich habe dir einen Ausschnitt zugeschickt, wo ich gesagt habe, den würde ich gerne, dass du den vorlesen kannst. Ja. Wenn du den mal zu dir ran ziehst, würde ich dich bitten, einfach diesen kurzen Ausschnitt mal daraus vorzulesen. Dann sprechen wir noch, worum es dann eigentlich im Hintergrund darum ging.
Ja, den habe ich hier vor mir liegen. Ich kann den einfach mal deinen Hörern vorlesen. Sehr gerne.
Und wieder einmal haben wir Glück. Der Spätnachmittag bringt eine perfekte Startbrise. Zum letzten Mal heißt es auf drei. Mit drei Schritten gegen den Wind wird der Traum unserer Vulkan Trilogie wahr. Wir schweben vom Krater des höchsten aktiven Vulkans Europas Richtung Meer. Die Luft ist ruhig. Abends, hoch über den Laternen von Safarana et Nea, überfällt mich Sentimentalität. Ich stimme lauthals Umberto Tozzis Weltschnulze Ti Amo an und gröle, unterbrochen von Schwefelwürgreizen, meine italienische Liebeserklärung in den kitschig gefärbten Abendhimmel. Noch ein letzter Pendelschwung über den Bolzplatzzaun von Safarana et Nea. Ein paar jubelnde Kinder und der Erdboden hat uns alle wieder.
Wir sind vollgepumpt mit Glückshormonen. Ein paar Augenblicke später. Wir können nicht fassen, was wir sehen. Der Ätna bricht aus. Genau dort, wo wir noch vor 45 Minuten standen. Eine tiefschwarze Rauchfontäne steigt rasant bis zu zwei Kilometer in die Höhe. Der Sabianere, schwarzer Sand, wird morgen wieder die Straßen Siziliens bedecken. Das Monster lebt.
Sehr schön.
Diese Reportage hat als Überschrift Inferno. Um was ging es dabei? Also was war das für eine Reise?
Ja, das war eine meiner schönsten Reisen, die ich jemals gemacht habe, muss ich sagen. Vor drei oder vier Jahren ist es jetzt her. Und damals bin ich mit Tobias Böck, Fliegerkumpel von mir, aus dem Allgäu, als ich damals dort noch lebte, mit dem Fahrrad von Deutschland. Also Süddeutschland über die Alpen bis durch ganz Italien, bis nach Palermo gefahren. Und auf dem Weg haben wir die drei aktivsten Vulkane Italiens und damit auch Europas beflogen. Und das war der Vesuv bei Neapel. Dann der Stromboli und die Insel Stromboli mit dem aktiven Vulkan Stromboli. Und zum Schluss eben der Ätna auf Sizilien, der zu der Zeit aktiv war wie Hölle.
Und das war natürlich eine tolle Reise. Das war natürlich ein tolles Abenteuer, auch weil es hingehauen hat. Wir hatten Wetterglück, auch vor allem am Ätna zum Schluss. Und diese Art und Weise zu reisen mit dem Fahrrad. Wir hatten Zelte dabei, wir haben gezeltet. Meine ganze Kameraausrüstung war dabei. Ich hatte einen Hänger, ich bin mit dem Hänger gefahren. Und dann noch die Gleitschirme, das war einfach wunderbar, muss ich sagen. Und dann durch Italien, das voll von kulinarischen Sensationen ist. Jeden Abend hat man einen Bärenhunger nach dem Fahrradfahren. Und futtert sich durch ein Paradies. Also das war eine tolle Reise, muss ich sagen.
War denn, als ihr im Allgäu losgefahren seid, war es da schon klar, dass ihr diese drei Vulkane besteigen und befliegen wollt? Also das war auch wirklich so das Ziel?
Ja, das war das Ziel. Ja, das hatten wir uns so als Aufgabe, als Motto vorgenommen. Das probieren wir einfach. Und das war das Ziel. Und das ist uns ja wirklich auch gelungen.
Nun ist es ja gar nicht, soviel ich weiß, überhaupt erlaubt, von diesen Vulkanen zu fliegen. Also erlaubt war
in meinem Leben wenig, was ich gemacht habe. Aber es ist ja kein Verbrechen, dass irgendjemandem schadet, wenn man einfach mal klammeimlich von einem Vulkan fliegt, der, naja, offiziell Naturpark ist. Aber tut mir ja niemandem weh. Aber es war natürlich so mit ein bisschen Tricks verbunden, die wir, ja, wir mussten ein bisschen tricksen, dass das klappt. Vesuv ist in Neapel, ist natürlich auch, naja, wahrscheinlich nicht, ja, offiziell erlaubt, dort zu starten. Muss ich schon ehrlich sagen. Aber die andere Sache ist, will man da eine offizielle Erlaubnis anfragen, wird es dann möglicher.
Ich wage es zu bezweifeln manchmal. Ja.
Beim Ätna war das damals natürlich schon nachvollziehbar, dass der Berg gesperrt war. Man kann ja normalerweise schon auf den Ätna rauf, auch bis zum Krater, wo wir waren und dann auch gestartet sind. Aber zu der Zeit war der natürlich massiv aktiv. Also war die ganze Insel, ganz Sizilien, war schon auf dem Hinweg, als wir mit dem Fahrrad dorthin geradelt sind, mit dem schwarzen Sand bedeckt. Häufig, also am Straßenrand, mussten sie den schon wegschieben, weil der natürlich, ganzen Wochen davor, vom Himmel kam. Naja gut, aber was machst du, wenn du durch ganz Italien geradelt bist und zwei vulkanisch und toll beflogen, befliegen konntest und dann vor dem dritten Finalen stehst. Und da lacht er dich an und das Wetter ist gut, der Wind ist schwach und die Chance ist da.
Naja, manche Sachen macht man halt dann doch, auch wenn sie nicht erlaubt sind.
Hattet ihr denn bei sowas auch Zweifel? Oder ist das einfach, ist man dann nach so einer Erlaubnis? So eine eingeschworene Gemeinschaft, da sagt er, scheiß drauf, wir ziehen das jetzt durch. Wir gehen jetzt auf den Vulkan, oder?
Ja, so war das. Und da gab es überhaupt keine Diskussion. Also, aber wo du jetzt sagst Zweifel, muss ich dazu sagen, ein Weggefährte auf dieser Reise, der Jochen Schweizer, das ist nicht dieser Erlebnis Jochen Schweizer mit dem Big Business, sondern Jochen Schweizer aus Sonthofen, Toppilot, auch ein Fluglehrer und ein alter Freund und Super -Vorfahrer. Ein Fotomodel von mir. Der hatte uns auch zwei Wochen begleitet, ist am Neapel dazugestoßen. Und das ist eine ganz witzige Geschichte. Also er ist ein Toppilot, Top -Akropilot, Top -Streckenpilot und ganz hart im Nehmen. Allerdings hat er Geologie studiert. Und das war auf der Reise natürlich sein Fehler. Und so habe ich ihn eigentlich nie gesehen.
Der hatte schon am Stromboli, hatte dann irgendwie ganz große Bedenken, da zu fliegen. Und am Ätna, wenn du als Geologe von einem Vulkan fliegst und dann siehst, dass der genau dort ausbricht, wo du gestartet bist, dann kriegst du, glaube ich, Bedenken. Ich bin da völlig ahnungslos diesbezüglich und war eigentlich nur den Hotshots hinterher, den tollen Fotos. Und ja, dementsprechend habe ich mir weniger gedacht. Aber Jochen, weiß ich nicht, ob ich ihn noch mal überreden kann, von einem aktiven Vulkan zu fliegen. Aber auf jeden Fall hat er es tapfer durchgezogen und wie immer super gemodelt vor der Kamera.
Also in deiner Reportage kommt ja auch so vor, ihr startet da. Und ich weiß jetzt nicht, wer es war, aber du schreibst ja auch, dann sind dem beim Starten erstmal an dem scharfen Lavagestein noch zwei Leinen gerissen. Er ist ja trotzdem in die Luft. Und dann ist, glaube ich, noch irgendwo ein Segel mit eingerissen. Und dann seid ihr geflogen. Und so wie du es beschrieben hast, zumindest hinkt ja über dem Krater und sagst, okay, absinken darf jetzt kein Mensch. Sonst landest du halt drinnen und nicht mehr drauf. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Aber wo ist denn so ungefähr? Das war eher
am Stromboli der Fall. Ach so, okay. Stromboli hat ja so eine relativ markante Nordflanke, diese schwarze, wo auch die Lava dann immer nachts ins Meer fließt. Und da stand der Wind sauber an und dementsprechend konnten wir am Stromboli dann sogar aufsohren, was absolutes Glück war. Aber da reden wir schon von Startwind, Windgeschwindigkeiten von 30 bis 40 km/h. Also mit Bergsteigerschirmen brauchst du ja schon dann ganz schön Wind. Und da ist es uns gelungen. über den Vulkan zu fliegen, indem wir uns im Aufentband über den Vulkan versetzen lassen konnten. Da darfst du natürlich nicht verhungern, dann sitzt du im aktiven Vulkan Krater drin und bist dann gleich tot, muss man schon klar sagen. Aber da kann man ja aufpassen, dass man noch genug Vorwärtsfahrt hat und sich nicht weit genug nach hinten versetzen lässt.
Aber die Startbedingungen waren am Ätna eher ein bisschen schwieriger, weil auch mit dem Schnaufen, weil das alles nach Schwefel so gestunken hat und da darf man ja auch nicht zu sehr einatmen und das Gestein war als schärfer, ist jetzt kein Gleitschirmfreundliches Pavement, wenn man das so sagen darf. So ein Vulkan.
Wenn du in so spannenden Situationen bist, wie an so einem Vulkan zu starten und du weißt, die anderen zwei sind schon weg, bei dem einen waren die Leinen durch und sonst irgendwie was, bleibst du bei sowas ganz cool oder geht dir da auch die Düse?
Also ich würde lügen, wenn ich jetzt nicht auch irgendwie
aufgeregt wäre, aber ich kann mich erinnern, dass, was diese Vulkan -Trilogie angeht und die Flüge von den Vulkanen, ich da natürlich auch sehr besessen davon war, Fotomaterial zu kriegen und zwar Top -Material, weil wo hast du das schon? Und dementsprechend habe ich Dev sicher irgendwie da ein bisschen ein Auge zugedrückt, was jetzt Windstärke und so weiter angeht und dann muss ich ganz klar sagen, da klopfe ich mich einfach mit der Kamera hinterher, wenn die Models schon in der Luft sind und dann zählt der Shot, aber ich passe schon ausreichend auf, also es soll jetzt nicht so klingen, dass ich hier irgendwie Suizid mich irgendwo, nee, ist wirklich nicht so, also sonst wäre ich auch nicht mehr nach 30 Jahren Flugsport gesund,
aber also mit der Fotografie ist es schon so, dass man natürlich Risiken eingeht, aber da sind eher erfahrungsgemäß sind die Models gefährdet und nicht der Fotograf.
Über dieses, gerade was mit der Fotografie und diesen Shootings und mit Models und so zusammen, lass uns da nachher gleich nochmal drauf kommen. Vorher interessiert mich noch eine andere Sache, weil wir gerade jetzt bei dieser Reportage auch sind. Du hast ja eben neben diesem Fotografie schreibst du auch viel, also du lieferst immer quasi ganze Reportagen ab mit Bildern und auch von dir geschriebenen Texten. Und das nicht nur für Gleitschirmmagazine, sondern ich habe gesehen, du schreibst auch für andere Abenteuer, Magazine oder Automagazine, wo du sagst, da lieferst du dann auch entsprechende Abenteuerreportagen ab. Was gibt dir in diesem ganzen Prozess das Schreiben?
Was es mir als Mensch gibt. Also hilft dir
das auch nochmal sowas zu verarbeiten? Ja, ganz genau.
Also das ist eigentlich aus dem gleichen Grunde wie die Fotografie entstanden, dass ich diese Abenteuer, die ich erlebt habe und auch vor allem im Fliegen erlebt habe, dass ich die irgendwie festhalten wollte. Und so hat das eigentlich bei mir angefangen mit dem Schreiben, dass ich mich einfach danach hingesetzt habe und eine Geschichte über das Abenteuer, was ich erlebt habe, geschrieben habe. Und dann wurde das natürlich auch im Laufe der Zeit, sag ich mal, professioneller. Musste ich auch nach Richtlinien, nach redaktionellen Richtlinien und so weiter halten. Aber so ging das auch los. Ich habe das ja auch nicht gelernt. Ich habe jetzt keinen Journalismus oder was studiert oder irgendwelche Kurse besucht. Ich schreibe immer noch mit dem Adler -Suchsystem mit zwei Zeigefingern.
Dauert deswegen natürlich auch lang. Aber so ging das los. Das war der gleiche Grund wie mit der Fotografie. Und daraus wurde dann auch einfach so eigentlich ein Job, weil das doch einige Leute anscheinend gut fanden.
Wenn du jetzt guckst, was macht dir mehr Spaß, das Fotografieren oder das Schreiben oder so als Erinnerung an solche Abenteuergeschichten?
Schwer zu sagen.
Eigentlich das Fotografieren, aber das liegt daran, dass man mittlerweile beim Schreiben sich doch an viele Richtlinien eben halten muss, was grundsätzlich so nicht in meiner Natur unbedingt liegt. Das heißt Längenvorgaben. Längenvorgaben und natürlich auch
die Bedürfnisse der Sponsoren, die du natürlich dann auch hast und musst natürlich dann auch überlegen, was du alles schreibst und ja, mal ganz unter uns die Wahrheit ist ja nicht immer erwünscht, sag ich mal. Also und dementsprechend ist das mit der Fotografie ein Stück freier, dass ein Foto kannst du eigentlich immer veröffentlichen. Ich meine, da ist das gleiche Problem mit Sponsoren und so weiter und so fort, aber und hast auch Richtlinien bei gewissen Fotojobs können wir ja auch nochmal darauf zu sprechen kommen, aber was die Arbeit, die fotografische dann auch ein bisschen weniger schön macht, muss ich auch dazu sagen, aber grundsätzlich habe ich mehr Freiheiten beim Fotografieren.
Was mir aufgefallen ist beim Lesen deiner Reportagen im Vergleich so zu anderen Flieger -Stories, die andere Leute abliefern. Du schreibst immer ungeheuer viel auch über die Erlebnisse drumherum. Teilweise machst du eine Flieger -Reportage, aber dann ist letzten Endes, sag ich mal, vielleicht 10 % geht es ums Fliegen und 90 % geht es um das Ganze drumherum, was ja klar, wenn man das in die Zeitungstage umsetzt, ist ja mindestens, man fliegt noch nicht mal 10 % der Zeit auf so einer Reise. Also die Erlebnisse kommen ja auch häufig von was ganz anderem. Also trotzdem in diesen Flieger -Reportagen kommt das Fliegen eigentlich relativ kurz. Was ich mir da als Frage gestellt habe, liegt das vielleicht auch daran, dass man dieses Gefühl des Fliegens so schwer in Worte fassen kann?
Das will ich eigentlich nicht sagen.
Das kann man schon in Worte fassen, denke ich. Ich glaube, dass ich da meinen Stil auch im Laufe der Jahre so ein bisschen geändert habe. Das hat wahrscheinlich damit auch zu tun, dass ich so ein bisschen abgebrühter geworden bin nach 30 Jahren und vielleicht diese jugendliche Begeisterung, die man verspürt bei den Anfängen der Fliegerei, nicht mehr ganz so empfinde, weil ich vieles oft schon erlebt habe. Und ich denke, meine Texte waren früher mehr aufs Fliegen fixiert und die Sache und die Gefühle und die Emotionen beim Fliegen und sehr subjektiv auch geprägt. Und mittlerweile, ist das definitiv so ein bisschen objektiver geworden mit ein bisschen mehr Nutzwert und vielleicht weniger emotional und
ja, und dadurch, dass ich, ja, die Interessen sind vielleicht auch ein bisschen weiter gefächert bei mir mittlerweile und vielleicht ist es auch deswegen so, dass verschiedene Themen in den Storys außer dem Fliegen auch noch angeschnitten werden. Aber ich kann ja eigentlich die Frage nicht so richtig beantworten. Aber ich denke, übers Fliegen schreiben, ist überhaupt kein Problem. Da kann man Bücher füllen, ob die jetzt sachlich sind oder emotional.
Gibt es ein Buch von dir oder planst du sowas, wo du sagst, ich schreibe mal meine Story auf, ohne auf Sponsoren, Wahrheitstweaks oder sonstiges achten zu müssen?
Ja, das wären dann die Memoaren. Irgendwann, ne? Könnte ich eigentlich bald mal anfangen. Ah, sorry.
30 Jahre Fliegerleben mit Abenteuerreisen, da hat man ja wahrscheinlich schon genug zusammen, um zumindest für diesen Teil sehr interessante Memoaren schon zu schreiben.
Ja, das ist in der Tat ein Gedanke von mir, dass ich aus all den Texten und auch vor allem in Rohfassungen der Texte von früher, die ich natürlich archiviert habe, da mal die Essenz rausredigiere und irgendein schönes Eigenwerk schaffe.
Es ist leider eine brotlose Kunst. Das ist ein bisschen das Problem. Also im Eigenverlag Dinge, die persönlich sind, ich bin mir nicht sicher. Kostet halt sehr viel Zeit, relativ brotlos. Ja, und man muss natürlich auch
schauen. Ist nicht dieses Abenteuerreisen eh relativ brotlos? Also gerade in der Zeit, wenn du sagst, du machst bis zwei Monate lang in Afrika unterwegs, hast zwar super intensive Reise, aber letzten Endes kann man ja mit Reportagen dann wahrscheinlich nicht so viel verdienen, dass du am Ende sagst, ja super, da bin ich einen guten Schnitt bei rausgekommen. Man muss ja
auch sagen, man muss ja auch
noch die Zeit ins Schreiben und sonst was alles, die Foto bearbeiten, alles mögliche eintüten. Da kann ich mir nicht vorstellen, dass man da als vor allem in heutigen Zeiten, wo immer weniger gezahlt wird, verhältnismäßig, dass man da einen guten Schnitt eigentlich beim macht.
Ja, die Frage ist natürlich, was ist ein guter Schnitt? Da ist, glaube ich, jeder Mensch hat einen anderen Ansatz. Aber definitiv ist das natürlich kein Beruf, um Reichtum anzuräufen. Das ist definitiv nicht so. Aber das steht ja jetzt auch nicht irgendwie bei mir persönlich an erster Stelle meiner Liste. Und da habe ich ganz andere Prioritäten. Also da, ich will ein erfülltes Leben führen und möglichst das machen, was ich mir vorstelle und was meine Träume waren und die möchte ich realisieren. Geld spielt natürlich eine Rolle, ist ja klar. Zwangsläufig, ohne Geld funktioniert es nicht. Da dreht sich die Welt nicht in unserer Zeit. Aber es soll dann nicht an Nummer eins der Liste stehen.
Oder für mich
zumindest. Zu deinen Reportagen gehören ja auch immer viele Bilder. Du bist auch als Flugfotograf, gehst du sicherlich als einer der namenhaftesten Gleitschirmfotografen, würde ich mal so sagen heutzutage. Was macht für dich denn eigentlich ein gutes Flieger - oder Flugfoto aus?
Das hat sich bei mir natürlich auch gewandelt. So mein Stil, sag ich mal, in der Fotografie. Aber das hat sich auch gewandelt, weil sich die Fotografie an sich geändert hat.
Aktuell ist für mich ein gutes fotografisches Foto, muss ich ganz klar sagen, eins, was den dokumentarischen Bildregeln entspricht, also ein dokumentarisches Foto, was eine ästhetische Ausstrahlung hat, also was auch den klassischen Richtlinien der Fotografie entspricht. Ich bin also aktuell nicht so der Freund von super weit, Weitwinkeloptiken oder sowas, weil das natürlich auch mittlerweile jeder machen kann mit GoPros und was halt auch mit der Realität relativ wenig zu tun hat. Das ist meine Meinung jetzt, meine persönliche. Früher war ich da anders, da hatte ich ganz früh mit super Weitwinkeloptiken experimentiert, gerade beim Drachenfliegen mit so 14mm Optiken, die natürlich am Rand dann auch verzerrt haben.
Fischei -Optiken waren natürlich eine Sensation am Anfang, weil das gab es noch nicht, oder nur im absoluten Profi Fotobereich. Und das war damals natürlich für mich dann ein Topfoto, als ich das das erste Mal mit so einer Weitwinkelbrennweite dann hingekriegt habe. Wie gesagt, das hat sich gewandelt. Ich bin ein Freund von klassischen Brennweiten wieder geworden, eher von Teleaufnahmen, von Fotos mit dokumentarischem Charakter und wenig Bildbearbeitung.
Was ehrlich gesagt auch daran liegt, dass ich das nicht besonders gut kann, die Bildbearbeitung und keinen Nerv habe für stundenlange Bildbearbeitung und Computerarbeit. Aber nichtsdestotrotz wenn ich ein Foto sehe, auch von anderen Fotografen, ich freue mich über dokumentarischen Wert, weil jedes Kind kann mittlerweile Bilder bearbeiten, verzerren und Bildretusche betreiben und Dinge reinbasteln und rausnehmen. Und ich denke, dass das dokumentarische Foto überleben wird, hoffe ich zumindest, wie auch das Theater beim Schauspiel seinen Platz weiterhin einnehmen wird und sollte und muss.
Jetzt sagst du immer dokumentarisches Foto. Wie viel von dem, was du fotografierst, du hast ja auch deine Auftraggeber vielleicht im Hintergrund und sowas, wie viel davon ist im Grunde trotzdem irgendwie geplant oder gestellt oder wie häufig ist es eigentlich ein letzten Endes Dokumentarfilm? Dokumentarischer Schnappschuss.
Es ist sehr viel Planung. Also auch bei einem dokumentarischen Foto, wie ich es anziele, ist sehr viel Organisation und Planung und alles also eine Vorarbeit dabei. Wenn es das Budget hergibt, ziehe ich ja mit dem Team los, mit Top -Piloten, das geht alles über Funk und ich habe eine Bildvorstellung und gebe die dann über Funk weiter und alle fliegen wirklich nur für die Kamera dann. Das erhöht natürlich auch dann die Resultate, die qualitativ hochwertigen. Und ich sag mal, meine Fotos haben, wenn wir ehrlich sind, einen Look, denke ich, der dokumentarisch ist. Und es ist auch so, es ist eine Tatsache, dass dieser Pilot in dieser Szenerie über diesen Gletschern fliegt und eine schöne Position hat, die aussieht als ob er gleich in die Thermik einkreist und es ist Action im Bild und Bewegung.
Also ich versuche Fotos zu machen, die aussehen, wie eine Momentaufnahme, aber in Realität sind sie durchstudiert mit Top -Piloten, mit einem Top -Team und geplant, weil du das anders gar nicht hinkriegst. Du kommst anders gar nicht an das Objekt so nah hin und so weiter. Du kommst gar nicht gemeinsam an den Ort auf dreieinhalbtausend Meter irgendwo in der Gletscherwelt, wenn du das nicht diszipliniert an einem richtigen Tag machst und
durchorganisierst. Es sind Fotos, wie gesagt, die dokumentarischen Charakter haben, auch dokumentarisch sind, weil die Action ja stattfindet, aber der Weg dorthin ist nicht anders zu realisieren als mit einem durchorganisierten Shooting mit guten Leuten.
Du arbeitest als Fotograf ja auch bei den Red Bull X Alps und bist dort der Leiter des Aerial Photography Team. Entschuldigung. Was genau macht eigentlich dieses Team oder was definiert dieses Team, Aerial Photography Team? Und soweit ich es verstanden habe, gibt es ja da nicht nur Fotografen, sondern eben auch Piloten dabei.
Ja, das ist so. Ich bin ja bei den X Alps schon immer Fotograf oder fast immer. Das sind jetzt, glaube ich, 15 Jahre oder sowas. Und das hat sich, meine Arbeit hat sich dahingehend geändert. Insofern, dass ich früher einer der, sag ich mal, Normalfotografen war, die den Event bebildert haben. Das heißt, du fährst den Leuten hinterher, fotografierst die Athleten, machst die Porträts im Vorfeld von den Athleten und so weiter. Und was mir auffiel, oder was ich dann auch dem Veranstalter mal mitgeteilt habe, ist, dass eigentlich Luftaufnahmen fehlen. Und natürlich fliegen da ein Haufen Hubschrauber rum und da sitzen Fotografen drin, aber
Hubschrauber ist sehr begrenzt in der Gleitschirmfotografie. Du kannst ja nicht sehr nah hin an das Fluggerät, weil es sonst durch die Turbulenzen gefährlich wäre. Du kannst auch nicht über den Piloten fliegen, durch den Downwash. Du kannst nicht vor ihn fliegen, weil er ja dann durch den Downwash durchfliegen würde. Also es bleibt immer nur eine sehr begrenzte Perspektive beim Hubschrauber. Und dann hatte ich vorgeschlagen, dass ich mich um die Luftaufnahmen kümmere, aus dem Gleitschirm, wo man da an die Piloten hin kann. Und dementsprechend ist das dann entstanden. Und jetzt gibt es natürlich noch die Probleme, dass du im Wettkampf keine Chance hast, einen Athleten zu fotografieren, weil der auf den Fotografen nicht wartet, der da irgendwie im Tandem rumgondelt und meint, jetzt einen Shot zu machen.
Das ist ja ein langwieriges... Wenn der mit Funk noch durchkippt, fliegt er noch einmal zurück. Du
warst fast, aber ich war noch nicht ganz so weit. Die
Standard -Kommando des Fotografen in der Luft an die Models ist immer tiefer, tiefer, tiefer. Du fliegst meist zum Tandem und kommst nicht hinterher. Also da macht ja keiner mit. Aber nichtsdestotrotz, aktuell ist mein Job der bei den X -Hypes, dass wir nicht den Wettkampf an sich bebildern, weil das eben nicht möglich ist. Der wird aus dem Hubschrauber bebildert. Oder eben von Fotografen, die am Boden stehen. Und ich mache mit meinem Team jetzt jedes Mal Produkt, also Werbeaufnahmen sind das, die die Sponsoren bedienen. Also der Event lebt ja von einem Haufen Sponsoren. Und die haben alle vertraglich auch Recht auf Bildmaterial, um ihre Produkte mit den Bildern zu bewerben und so weiter.
Und ferner wird auch der Event vor allem zwischen den zwei Jahren Leerpause, die es immer gibt, durch meine Shots dann auch in den Online -Medien beworben und so weiter und so fort. Aber das sind Aufnahmen, die ich mit meinem Team mache und den Event oder den Geist der Red Bull X -Alps verkörpern und zeigen. Das
heißt, der Geist ist da, aber der Zuschauer, also jetzt derjenige, der die Bilder sieht, der weiß das ja vielleicht im Hintergrund nicht, der geht davon aus, da fliegt jetzt irgendwie einer dieser X -Alps -Athleten und der wurde jetzt gerade beim Flug vor dem Gletscher XY fotografiert. Und das war gar nicht der X -Alps -Athlet, wer auch immer, sondern das war jetzt einer, der ihn quasi nachgestellt hat mit dem selben Schirm. Nein, weil da muss man auch auf die
BU's immer achten. Also, genau, das sind ja ganz korrekte Bildunterschriften bei den Veröffentlichungen immer, das ist ja eine sehr professionelle Arbeit dort. Und da steht dann ganz klar, dass das eine Aufnahme bei Pre -Shootings ist, die eben nur
zum Beispiel, die Region, in der sich jetzt ein Pulk von Piloten befindet, schön darstellt, in einem schönen Foto, dass man auch einfach als Zuschauer sieht, ah, jetzt sind sie, sag ich mal, am Matterhorn und das Matterhorn schaut schöner aus und spektakulär und so. Das wird bebildert einfach ein bisschen attraktiver dadurch.
Wie viele von den echten, ich sag mal, echten, in Anführungszeichen X -Alps -Piloten fliegen dann auch für dich mal vor die Linse, also schaumäßig davor? Hauptsächlich ein anderes Team von Leuten, die da am Wettbewerb letzten Endes gar nicht teilnehmen?
Also wenn immer, also die X -Alps -Athleten stehen natürlich immer zur Verfügung, alle. Also vor dem Wettkampf müssen sie ja auch, dass das Bildmaterial gesammelt werden kann. Aber grundsätzlich habe ich ein eigenes Team mit eigenen Piloten, was mir auch viel lieber ist. Meistens ist das der Johannes Baumgarten, der ja einer der besten deutschen Piloten überhaupt ist und der Anselm Rau. Der vielleicht bekannt durch die DHV -Ausbildung, in der er tätig ist und der für Air Turquoise Testpilot ist. Also das sind alles Vollprofi -Flieger und die ich auch schon lange kenne. Wir kennen schon ewig, sind Freunde und das ist viel wert bei dieser Arbeit, weil es die Arbeit viel, viel sicherer macht. Also sicher kannst du mit fremden Piloten Fotoshootings machen, aber
selbst bei super -top -Profis ist immer noch das Risiko höher. Dass für die Kamera einfach zu riskant geflogen wird und es dann gefährlich wird. Und das kann ich ausschließen, indem ich Leute mitnehme, die ich gut kenne, wo ich das Vertrauen habe, dass die für die Kamera eben nicht zu viel riskieren. Ich hatte auch mal schlechte Erfahrungen, also bittere Erfahrungen gemacht.
Bei den letzten X -Hypes ist doch jemand
abgestürzt, der für dich geflogen ist. Habe ich das falsch gehört? Ich hatte nicht bei den letzten, ist niemand abgestürzt, um Gottes Willen. Zum Glück. Aber ich hatte bei Shootings schon mal einen Unfall, und zwar auch einen schweren. Also einer meiner Models. Und ja, das war auch ein... Ist alles wieder gut geworden, aber war schwer verletzt.
Ja, ist zum Glück wieder topfit jetzt, aber es war so ein... War ein bisschen nachdenklich danach. Also, habe ich auch die Art und Weise, wie ich arbeite, definitiv. geändert, nach dem Erlebnis, weil das ist ja das Schlimmste, was passiert.
Aber war das in der Situation zu viel Risiko? Also war das zu viel Pilotenrisiko, was der eingegangen ist für den Shot, der war einfach zu riskant? Ja, genau
so war es. Das war am Mont Blanc. Wir hatten uns dann verabredet für ein Abendshooting auf dem Gletscher. Wir wollten am Abend mit der Seilbahn dann hochfahren und er war noch in der Luft und dann hatte ich gesagt, okay, treffen wir uns oben auf dem Gletscher. Er hat probiert, hochzufliegen und top zu landen und dann war es so eine giftige Wetterlage mit einer Invasion drauf, wie es da oft der Fall ist. Und er hat dann einfach zu gewaltsam versucht, diesen Treffpunkt einzuhalten und hochzukommen und flog dann in übler Luft ganz nah am Hang, um durch die Invasion durchzukommen. Und das ist da Hochgebirge und felsig und dann ist er leider da in die Felsen rein und musste mit dem Hubschrauber geholt werden. Aber wie gesagt, das ist im Endeffekt gut gegangen.
Aber er hat es einfach zu hart probiert, um eben dem Fotografen zur Verfügung zu stehen am Abend am Gletscher oben. Und es war jetzt auch eben kein Pilot, den ich über Jahrzehnte schon kenne, wie das mit dem Anselm zum Beispiel der Fall ist. Oder mit dem Jochen Schweizer, der durch Italien mit mir geradelt ist. Oder auch der Baumhieder, Johannes Baumgarten.
Wie gefährlich sind solche Fotoshootings oder Gefährlichkeiten? Wie riskant sind solche Fotoshootings in der Luft auch für dich? Du sagst jetzt, viel fliegst du am Tandem. Da sitzt du wahrscheinlich vorne und musst nichts mehr steuern. Kannst dem nur noch sagen, wo er hinfliegen soll und hast aber beide Hände frei. Aber es gibt ja auch andere Fälle, wo du eben nur am Solo Gleitschirm wahrscheinlich, deine Vulkangeschichte, da bist du ja solofliegend hinterhergeflogen und musst dann alles freihändig machen und wahrscheinlich auch nicht immer in angenehmster Luft da unterwegs zu sein. Ganz klar.
Ja, Entschuldigung.
Hast du da schon mal auch riskante, negative, gefährliche Situationen für dich erlebt, wo du sagst, ach du Scheiße? Oder am liebsten hättest du dir die Kamera fallen lassen oder was auch immer?
Zum Glück ohne Folgen. Also richtig gefährliche Situationen hatte ich beim Solo -Fotografieren zum Glück noch nicht. Aber es ist natürlich heikel, da brauchen wir überhaupt nicht reden. Um im Tandem zu fliegen mit der Kamera, brauchst du grundsätzlich starke Thermik, sonst säufst du einfach weg den Models und anderen Schirmgegnern. Gegenüber. Und dann wird es dir für die anderen auch mühsam. Also du kannst dich nicht in eine Top -Position bringen, weil du einfach schlechter steigst. Und dementsprechend ist es natürlich viel einfacher, wenn du mit einem leistungsstärkeren Flügel fliegst. Aber auch umso gefährlicher, die Bremsen immer loszulassen. Fotografieren bedeutet komplett freihändig fliegen. Du musst ja auch innerhalb von Sekunden die Kamera einstellen und dafür brauchst du zwei Hände. Ich zumindest. Also ich mache ja keine so Snapshots, sondern muss ja auch in Blende und Zeit und so kümmern, auch spontan mal.
Und das heißt, da fliegst du immer nah am Objekt, schaust durch die Linse, hast eine andere Brennweite. Das heißt, du kannst die Distanz zum Model natürlich auch nicht einschätzen. Mit Erfahrung eben schon. Wenn du eine Weitwinkellinse drauf hast, weißt du, es schaut weit weg aus, aber ist ganz nah.
Und natürlich ist das eine heikle Angelegenheit. Mir ist aber noch nie was passiert, zum Glück. Ganz wichtig ist, dass man beim Solo -Fotografieren ein Gerät fliegt, was passive Sicherheit hat. Jetzt bringt aber, sage ich mal, ein Schulungsschirm da auch nichts, weil du dann keine Performance hast und nicht hinterherkommst. Also, das muss ja auch irgendwie von der Leistung ein bisschen passen. Wenn du einen Zweiliner fotografierst, kannst du nicht mit einem ENA -Schirm
hinterherfliegen. Das schaffst du einfach nicht.
Mit was fliegst du dann hinterher? Einen C -Schirm?
Ja, aktuell fliege ich zum Fotografieren den Advanced Sigma 11, den neuen Sigma. Den hatte ich sehr ausgiebig. Geflogen und auch fotografiert und hab den für mich sehr sicher erachtet. Auch freihändig. Für einen C -Schirm, muss man dazu sagen. Wir sprechen hier vom C -Schirm. Es soll jetzt nicht heißen, dass das ein Anfängerschirm wäre, um Gottes Willen. Aber für mich als sehr geeignet.
Das heißt, du hast dir selbst bei Fotoshootings noch nie wehgetan?
Also, ich nicht. Ich selber mir nicht. Nein. Ja, okay. Das war die Frage. Raumi hat mich im Tandem mal in den Hang gepflanzt. Wenn er das jetzt hört, wird er lachen. Naja, also mal ein Fehlstart mit dem Tandem, weil man doch irgendwie bei schlechtem Wind raus muss. Ja, hat es uns halt schon mal erwischt, aber jetzt nie ernsthaft. Da war halt dann die Kamera kaputt und
Knochen verbogen oder so, aber jetzt nichts Ernstes. Man probiert beim Fotografieren oft was mit Gewalt. Da brauchen wir überhaupt nicht um den heißen Brei rumreden. Also, man fliegt bei Bedingungen, die nicht sauber sind, weil man halt gerade mit dem Fototeam in der Kulisse ist und auch unter Erfolgsdruck seinen Job fertig bringen muss. Und da fliegst du oft in lausigen Bedingungen, die vielleicht nicht ganz sauber sind oder definitiv nicht sauber sind. Dementsprechend brauchst du eben ein großes Niveau auch in dem Team, dass das eine sichere Sache bleibt. Das ist halt schon sowas
wie Stuntman -mäßig, klingt das so ein bisschen. Ja,
klar, kann man so vielleicht vergleichen.
Ich kann mich erinnern, in meiner Fliegerkarriere, die etwas jünger ist als deine und sowas. Wie alt ist sie denn? Ich habe 2004 angefangen. Ah, 2004, das ist aber auch schon Ja, es hat jetzt schon einiges, aber es ist trotzdem, deine ist ja, glaube ich, schon nochmal mindestens 10 Jahre länger oder sowas. Auf jeden Fall, das erste Foto, an das ich mich erinnere, was ich von dir gesehen habe, das war mal so eine Fotoserie, das war gleich beim DHV dann mal veröffentlicht, da hast du bewusst, hast mal eine Baumlandung simuliert und du bist bewusst in eine hohe Tanne geflogen, die schneebedeckt war, glaube ich, noch so. Genau. Und da habe ich damals gedacht, oh wow, das ist ja ein harter Kerl.
Hast du noch häufiger auch noch so Stunts gebracht für irgendwelche Fotos?
Ja, definitiv. Ich habe ja früher so Kurzfilme auch gemacht, damals mit Michael zusammen. On the Run hieß der eine, da waren wir auf Lanzarote und dann hatte ich natürlich auch geschauspielert und musste, habe mir eingebildet, vom Drehbuch her einen Gleitschirmflieger, der es überhaupt nicht beherrscht, zu geben, schauspielerisch und ja, Startversuche bei 40 km/h Wind und über die Lava schleifen lassen im Rückwärtsgang und sowas waren da zu sehen. Das hat natürlich ein bisschen wehgetan, aber für die Kamera macht man als Profi alles.
Aber ja, die Baumlandung war gut. Das war eine Idee mit dem Burki damals, da waren wir Skifahren am Braunegg und es hat gerade so schön geschneit und mit dem Burki kann man ja auch, mit Burkhard Martens kann man ja auch mal gerne oft mit Gedanken kommen. Da haben sich gerade an dem Tag zwei gefunden und dann haben wir das realisiert. Da habe ich gesagt, da fliege ich jetzt rein, weil die rieselt so schön ab, die Tanne und dann filmen wir das und ist ja auch schön abgerieselt. Musste ein bisschen mit dem Pendelschwung noch davor rein, den Knallen und passiert ja nichts, wenn so eine Tanne so verschneit ist. Habe ich Freunde in Lenkries, die haben sich einen Spaß daraus gemacht, dass sie mit Skiern auf einer Schanze in solche Bäume reingesprungen sind. Also Tanne ist nicht so schlimm, aber ich habe einen Integralhelm an, dass halt nicht irgendwie ein Ast ins Auge geht oder sowas.
Nun hast du gesagt, beim Fotografieren hast du dir selber noch nie wehgetan. Bist du denn ohne Fotografie beim Fliegen schon mal richtig abgestürzt?
Ja, das blieb natürlich nicht aus. Ich habe viel Glück gehabt, muss ich schon sagen, gerade zu Anfang meiner Karriere. Es war aber damals auch noch eine andere Zeit. Ja,
ich bin mit dem Gleitschirm, hat es mich gleich am Anfang 1994 war das, glaube ich, eineinhalb Jahre nach meiner Ausbildung, dachte ich, jetzt starte ich durch und werde Weltmeister und habe mir dann einen Prototypen gekauft für einen Haufen Geld, der mir auch verkauft wurde. Das muss ich auch dazu sagen. Das fand ich eigentlich sehr verantwortungslos damals. Und das war ein Harakiri -Gerät. Der hatte nie eine Zulassung bekommen und mit dem wäre es es fast gewesen bei mir immer nicht. War mit anderthalb Jahren. Ich bin viel geflogen, hatte hatte sicher auch Talent, aber war dem reinrassigen Prototyp aus den neunziger Jahren ist kein Mensch gewachsen gewesen. Also glaube ich nicht mal ein Vollblut -Testpilot, weil das einfach Fehlkonstruktionen noch waren. Ja. Aber wurden halt einfach verkauft.
Also das ist natürlich schon bin ich ehrlich gesagt immer noch ein bisschen sauer drüber, weil das hätte es auch sein können. Damals es war sehr, sehr knapp und na ja, mit dem Drachen auch bei Kunstflug Aktionen. Aber das waren war ehrlich, war mein Fehler. Da war ich für Red Bull mal für Filmaufnahmen, so Drachenflieger und Standpilot und sollte vom Heißluftballon starten. Und dann hatte ich meinen Drachen aber falsch rum, nicht falsch rum. Im falschen Winkel aufgehängt. Der Winkel war nicht steil genug unter dem Korb, sondern flach und dann klappt es ja nicht, weil der Drachen nicht in den Sturzflug geht, sondern er fällt erst. Und durch die Pfeilung gibt es dann dieses, dieses Drehmoment in die falsche Richtung, also nach vorne zu massiv.
Und dann das ist wie so ein Papierschnipsel Effekt. Und das ist dann eingetreten und dann taggt der Drachen nach vorne. Und das ist mir passiert. Aber da konnte ich einen Retter noch schmeißen. Aber das war natürlich mein Fehler. Ich hätte mich da besser informieren müssen, wie man so einen Start vom Heißluftballon angeht. Aber da waren wir halt einfach jung und wild. Das war damals mit Guido zusammen, mit Guido Germann, der da auch an einem Ballon hing. Der ist
aber sauber rausgekommen.
Ja, sauber ist sauber auch nicht. Aber er hat es geschafft.
Und eigentlich, ja genau, er ist zuerst gestartet neben mir. Und da habe ich gesehen, oh weh, wir hängen ja total falsch. Aber das war eigentlich ganz interessant. Das würde ich heute auch nicht mehr machen. Ich habe ganz genau gesehen beim Guido, wir haben uns beide falsch aufgehängt. Er auch flach, ich flach. Er startet und es sah aerodynamisch total unsauber aus. Er ist halt, fast hat er sich überschlagen, war schon negativ und gerade noch hat sich der Drachen gefangen. Und dann hätte ich eigentlich die ganze Sache abblasen müssen. Ich hätte sagen müssen, nee, ich klinge nicht aus, wir hängen falsch. Aber das machst du als junger, begeisterter Pilot dann nicht. Du denkst, da schwören da die Ultraleichter um dich rum. Die filmen dich alle. Dann hängst du am Heißluftballon, bist für Red Bull unterwegs und denkst, jetzt startest du durch mit deiner Karriere und dann denkst du dir, es geht schon gut.
Also ohne jetzt diesen Druck mit den Kameras und dem ganzen Ding, hätte ich gesagt, wir gondeln jetzt irgendwo auf eine Wiese und ich starte hier nicht. Aber so dachte ich, wird schon gut gehen. Drei, zwei, eins, Seilkappen und das war's, ist nicht gut gegangen. Aber das erfährt man auch erst, wenn man reifer wird. Dass man da auch mal Nein sagen muss.
Hast du denn später nochmal so einen Drachenstart am Ballon gemacht, dann mit richtig eingestellten Winkel oder war für dich die Lehre daraus, nee, sowas ist einfach zu riskant, man kann das nicht endgültig vernünftig berechnen, einstellen, was auch immer. Das lasse ich lieber.
Nee, damals hätte ich das schon wieder gemacht, weil ich wusste ja, woran es lag. Also da hätte ich mich dann einfach richtig aufgehängt und dann hätte es auch geklappt, wie bei den ganzen Klippenstarts mit dem Drachen, die ich damals ja gemacht habe. Das ist einfach eine Winkelsache. Vom Drachen, dass du da einfach die Nase runternimmst und nicht gerade raushupfst. Also musst einfach schon die Sturzflugvoreinstellung einnehmen bei der Klippe oder auch beim Start vom Heißluftballon. Aber es hat sich damals nicht ergeben, dass ich da nochmal irgendwie an einem Heißluftballon mit dem Drachen hing und dann habe ich mich anders, anderweitig orientiert, wieder andere Sachen einfallen lassen.
Fliegst du heute eigentlich noch Drachen oder bist du ganz auf Gleitschirm umgestiegen?
Ich bin eigentlich ganz umgestiegen. Also mein letzter Drachenflug war vor vier Jahren, was echt ein bisschen schade ist, weil es war ja doch irgendwie mein ganzes Leben lange Zeit oder lief parallel oder war eigentlich die Hauptsache auch vor dem Gleitschirmfliegen. Es lief immer parallel bei mir. Ja, es hat sich einfach jetzt so komplett zum Gleitschirmfliegen gewandelt eigentlich. Aber ich will jetzt nicht sagen, dass ich ganz aufgehört habe. Ich werde immer wehmütig, wenn ich Drachenflieger sehe. Und ich habe auch noch meinen turmlosen Drachenflug. Drachen, Wettkampftrachen, packe ich irgendwann wieder aus.
Schön. Machen wir jetzt zum Ende hin nochmal einen kleinen Themenwechsel. Du hast ja kürzlich zusammen mit Reini Vollmers nochmal eine eigene Flugschule gegründet, Prealpi.
Warum startest du jetzt nochmal eine Flugschule? Also was reizt dich an so einer Aufgabe?
Weil es ein schöner Beruf ist, Fluglehrer. Ich habe ja mein Leben lang eigentlich 20 Jahre sicher als Fluglehrer schon gearbeitet. Und. Also immer wieder und irgendwann hat man das Bedürfnis, nicht mehr als Flugschüler für jemanden zu arbeiten. Das spielt sicher auch eine Rolle, dass man doch auch einiges an Erfahrung gesammelt hat und gewisse Dinge, was Ausbildung angeht, auch anders sieht als andere Schulen. Und das meint selber besser machen zu können. Das spielt sicher auch eine Rolle. Und also ich bereue es überhaupt nicht. Es ist natürlich so ein bisschen Verwaltungsaufwand, der auf uns zukommt. Aber mit dem Reini. Reini Vollmer, das ist ja wirklich auch ein ganz erfahrener Flieger, eine Ikone. Viele werden ihn kennen, der schon ewig fliegt und auch geschäftliche Erfahrung hat.
Ist das, glaube ich, eine ganz gute Kombination oder es läuft sehr gut an auf alle Fälle. Ja, das haben wir. Wir spezialisieren uns im Moment auf Fortbildung und Flugreisen. Also wir bilden im Moment nicht aus, aber beginnen gerade. Also wir bieten auch Höhenflug Ausbildung an, aber noch keine Grundkurse. Wollt ihr das denn noch? Also wollt ihr Grundkurse überhaupt anbieten? Ja, das. Das halten wir uns mal offen. Also ich kann mir das sehr gut vorstellen. Also mir hat das immer eine große Freude gemacht, in meiner Fluglehrerarbeit, egal für welche Schule, einen kompletten Fußgänger auszubilden und die Freude zu sehen, wie das losgeht am Anfang. Und diese Freude, wenn er den ersten Hüpfer macht von fünf Metern, das weiß ich ja selber noch bei mir. Also das sind diese Haupterlebnisse am Anfang, die man nie vergisst. Der erste Hüpfer am Übungshang, dann der erste Höhenflug ist das, den man auch nie vergisst.
Und dann der erste Thermikflug. Das vergisst man normalerweise auch nie. Also wenn man ein Flieger ist und Begeisterung hat für den Sport. Und dann kommt der erste Streckenflug noch dazu. Das sind eigentlich so diese vier Grundpfeiler. Der Hüpfer, Höhenflug, Thermikflug, Streckenflug. Und die Begeisterung, die man selber auch irgendwie erfahren hat damals, wir hatten ja am Anfang von meiner Begeisterung auch gesprochen, die weiß ich ja noch. Und wenn man das dann sieht und weitergeben kann, ist ein schönes Gefühl. Also ich finde den Beruf Fluglehrer einen schönen Beruf, muss ich ganz klar sagen. Also in allen Belangen. Also auch dieses, dass man Verantwortung übernimmt. Es gibt immer weniger Berufe heutzutage, wo Verantwortung übernommen wird. Man gibt sie ab. Niemand will mehr Verantwortung übernehmen. Das ist eine traurige Entwicklung meines Erachtens.
Und als Fluglehrer bleibt ja nichts anderes übrig, Verantwortung zu übernehmen. Und ich mache das auch gerne. Und das müssen auch in der heutigen Zeit Menschen tun. Das ist ganz wichtig. Also aus der Verantwortung immer rausziehen, bedeutet irgendwann in allen Belangen. Stillstand und beim Fliegen ist es auch gefährlich, weil man sein Wissen sich nicht mehr traut, dann weiterzugeben, aus Angst Fehler zu machen und verklagen, aus Angst verklagen und so weiter. Wie gesagt, Verantwortung übernehmen macht mir Spaß und das mache ich gerne. Du
hast jetzt vorhin gesagt, ja, ich sage es noch ein bisschen anders, aber im Grunde unterm Strich war so, ja, weil ich es glaube ich auch besser kann als manche anderen oder besser.
Das soll jetzt nicht irgendwie um Gottes Willen so arrogant klingen oder so. Daraus
hervorgehend die Frage besser machen heißt ja auch irgendwie erst mal anders machen. Also was, wie gehst du anders an eine Ausbildung heran, als es vielleicht so viele andere Schulen machen würden? Oder wo denkst du, wo müsste eine Ausbildung vielleicht anders laufen, als sie im Alltag so häufig gemacht wird?
Ja, ich bin ja grundsätzlich ein Freund, nicht nur beim Fliegen von Aufklärung, Sicherheit durch Aufklärung und Fortbildung und Weiterbildung und nicht durch Verbote. Also das ist das eine. Ich werde sicher niemandem irgendwie verbieten, irgendwas auszuprobieren, aber ich werde meinen Rat dazu geben und meine Meinung auch.
Dann ist es beim Fliegen, glaube ich, auch wichtig, dass man den finanziellen Aspekt so ein bisschen nicht überhand gewinnen lässt und den Teilnehmer einer Flugreise oder den Flugschüler auch in der Ausbildung, als Cash Cow sieht. Das ist sicher nicht mein Motiv. Das kann ich auch irgendwie nicht verantworten mit der Sicherheit und der Zukunft eines Piloten. Also Wissen und Übung ist Sicherheit. Wir versuchen, dass die Leute viel Flugzeit kriegen. Das ist das, was zählt. Viel Thermikflugzeit auch kriegen, weil das macht besser und sicherer und bildet fort. Das ist ja nicht die Fluganzahl, das sind die Flugstunden.
Und Reini ist ja zum Beispiel auch ein wandelndes Flugsportlexikon. Er ist theoretisch topfit. Was ich nicht so bin, ich kenne mich ja, muss ich ganz klar sagen, mit den theoretischen Themen wie Luftrecht und Navigation bin ich jetzt nicht das Ast. Ich bin ein Mann der Praxis, aber wir ergänzen uns da sehr gut.
Das heißt, du bist
mehr so der Bauchflieger? Ja, kann man so sagen. Ich habe mir mein Wissen mit den Augen und mit der Praxis angeeignet. Ich habe keine Bücher gelesen. Ich habe gute Leute damals gefragt und auch gute Leute als Mentoren gehabt, wie damals zum Beispiel der Karl Reichecker, der Italiens bester Drachenflieger war und meiner Meinung vielleicht sogar noch ist. Und der hatte mich ja damals so unter seine Obhut genommen zum Anfang der Wettkampfzeiten bei mir mit dem Drachen. Und dann bin ich mit dem Karl immer rumgereist und habe von dem wahnsinnig viel gelernt. Der Reichecker Karl, dem habe ich viel zu verdanken, definitiv. Und? Ja, ist auch irgendwie deswegen auch die eigene Flugschule, weil ich sowas auch erlebt habe, wie ich an die Hand genommen wurde.
Und als Pilot brauchst du das, um sicher eine Karriere zu bestreiten. Du brauchst jemanden, der dich ein bisschen führt und an die Hand nimmt. Also sonst ist es ein bisschen riskantes Ding, glaube ich. Also wenn man sich vorstellt, 40 Flüge ohne jemals Thermik zu sehen. Danach kriegst du eine Lizenz, die dich fasst. Auf der ganzen Welt zu jeder Tages - und Jahreszeit fliegen lässt.
Hat man da schon die Erfahrung, das zu können? Schwierig. Also eigentlich brauchst du noch eine fortführende Betreuung privat oder eben auch im Rahmen einer Flugschule, denke ich, um sicher durchs Leben zu gehen als Pilot.
Ich stelle mir immer von allem, was du so erzählst und was ich aus deinen Reportagen rauslese und sowas, denke ich immer, ja, du bist so der Bauchgefühlflieger, der wirklich ganz viel... Im Bauch heraus entscheidet, ob er fliegen geht oder nicht und sonst irgendwie etwas. Nun ist ja so etwas, ein Bauchgefühl hat ja ganz viel mit Erfahrung zu tun. Du hast jetzt 30 Jahre Erfahrung und wirklich bis und mit allen Luftwassern gewaschen wahrscheinlich so ungefähr. Aber wie kann man einem Flugschüler, der zu dir kommt, wie kann man ihn dorthin führen, vielleicht relativ schnell zumindest einen Teil dieses nötigen Bauchgefühls zu entwickeln?
Indem ich oder wir versuchen, ein Auge bei ihm zu entwickeln. Ein Auge bei ihm zu entwickeln für die äußeren Eindrücke, also dass man versucht, die Sinne zu benutzen beim Fliegen und sich weniger auf Messinstrumente und Computerprogramme verlässt. Also das ist einfach absolutes Basis, Basis auch was Sicherheit angeht, dass du deine Augen benutzt, Wolkenbilder liest, dass man Menschen dahingehend sensibilisiert. Das ist für mich eigentlich der beste Meteorologie -Unterricht, der draußen ist. Wenn Wolken sind, kannst du dir alles erklären, auch Großwetterladen, das ist kein Hexenwerk, aber man muss es ein bisschen trainieren und man muss sich das auch irgendwie erzählen lassen. Das habe ich auch immer so gemacht, es ist viel Erfahrung dabei, klar.
Aber das ist viel mehr wert, wenn man das Wetter vor Ort mit dem eigenen Auge entscheidet und liest, als sich irgendwelche Windwerte und Daten über das Handy, die um die ganze Welt herumgehen und fehlerhaft sein können, irgendwie verinnerlicht. Und sich dahingehend dann... Wenn man einen Flugplan für den Tag macht, also sicher ist eine Wetterprognose nicht schlecht, ein grundsätzliches Satellitenbild für die nächsten Tage, das ist nützlich, um Gottes Willen. Aber das Auge ersetzt, glaube ich, kein Computer. Nur ein Beispiel, also diese, sage ich mal, die Schärfung der Sinne wieder einfach, dass man die Sinne auch nicht vergisst zu benutzen beim Fliegen, das ist wichtig. Kommt das in der
klassischen Flugausbildung vielleicht ein bisschen zu kurz?
Ich denke, ja.
Weil es kostet halt auch Zeit. Das ist immer dieses Dilemma. Wetter beobachten und so ein bisschen drauf eingehen und sich das auch erklären, kostet Zeit. Das ist natürlich schneller erledigt, die Prüfungsfragen auswendig zu lernen und Kreuzel zu machen.
Aber dementsprechend eine Flugschule muss ich auch rechnen, da braucht man gar nicht drüber reden. Das ist so. Die Lösung ist wie bei allen Dingen. Das ist ein Kompromiss, denke ich.
Wie häufig erlebst du dabei, aus deiner Erfahrung heraus, auch mit den verschiedenen Fliegern, denen du da begegnest, dass überhaupt diese Bereitschaft da ist, sich so intensiv damit zu beschäftigen? Ich habe manchmal so den Eindruck, auch wenn ich manche Fortbildungen gebe oder sowas, auch im Meteor -Bereich, dass viele Leute immer sagen, ja, ich will es irgendwie so quasi eingetrichtert bekommen. Dann habe ich es einmal gehört und dann soll ich es eigentlich wissen und dann weiß ich es nach drei Wochen schon, das meiste habe ich schon wieder vergessen. Aber ich kümmere mich auch nicht mehr weiter, sondern dann ist es halt so und dann gehe ich halt fliegen und ich sehe, die anderen fliegen auch, dann gehe ich halt auch fliegen und mache mir doch keine weiteren Gedanken mehr.
Ja, das ist durchaus, diese Entwicklung ist durchaus zu beobachten. Also, dass da das Interesse vielleicht gar nicht mehr so da ist in der heutigen Zeit. Es ist immer schwer zu sagen, ob es früher besser war, was heißt besser, anders halt. Aber es ist so ein bisschen. Die Unmündigkeit vielleicht größer geworden in den letzten Jahren. Dieses Verantwortung auch abgeben, was wir vorhin schon hatten und nicht selbst übernehmen, ist auch so eine Sache. Man verlässt sich darauf, dass der Schirm mit der Klassifizierung einen sicher runterbringt. Man fragt gar nicht groß nach, ob das nicht so sein könnte. Das ist eine Tendenz in der heutigen Zeit. Aber nichtsdestotrotz findet man immer wieder Leute, die das durchaus auch von sich aus einsehen.
Das Fliegen jetzt keinen Hallenjuristen.
Sondern, dass man da einfach hoch fliegt und dass da auch Gefahrenpotenzial irgendwie da ist. Und dass man sich dann selbst eigenständig auch denkt, oh, da muss ich doch eigentlich ein bisschen aufpassen und ich muss mehr Erfahrung sammeln mit Wind und Wetter. Aber die Sensibilisierung geht ja relativ schnell, wenn Interesse da ist, kommt mir vor.
Wie hältst du es mit Technik? Ich meine, heutzutage gibt es ja auch schon die tollsten Apps, wo du dann im Flug aufrufen kannst und sagen kannst, wo, ach, da kommt schon der, es regnet dort hinten oder keine Ahnung. Und 37 Flugwindwerte, was macht der Patschakofel genau und sonst, also kann ich alles im Flug heute abrufen auch schon. Nutzt du sowas? Ja, Lucian, da
machst du jetzt aber einen Fass auf, Lucian.
Nee, ich nutze sowas überhaupt nicht. Ich halte es auch für gefährlich, sich zu sehr darauf zu versteifen, weil man eben den Blick für die Praxis verliert. Ich halte es auch für gefährlich, zu viel sich der Technik hinzugeben bezüglich Vario und GPS. Wenn man die Sinne immer mehr auf dem Gerät hat und nicht im Luftraum. Wir haben jetzt aktuell Zusammenstoßgefahr, ist ein Thema immer bei allen Fortbildungen, auch beim THV und so weiter, ist auch berechtigt. Aber ein Hauptgrund ist eben diese Fixierung auf technische Informationen, auf Geräte. Also meines Erachtens müsste man sich davon mehr verabschieden und den normalen Hausverstand mal wieder ein bisschen aktivieren. Das denke ich ist wichtig. Du fliegst aber
schon mit Vario oder fliegst
du immer ohne? Wenn ich auf Strecke gehe, natürlich mit Vario. Das gibt so ein paar Grundfunktionen natürlich, die brauchst du da. Also Geschwindigkeit über Grund und zum Zentrieren in großer Höhe, die Steigwerte auch, dass du einen breiten Bart in der Höhe dann sauber zentrierst und effektiv steigst. Natürlich ist das ein großes Hilfsmittel, das ist ja ganz klar. Aber ich benutze es eben als Hilfsmittel und nicht als Diktat. Ich benutze es als Diktat für meinen Flug.
Und ich fliege auch meistens im Gebirge. Wenn ich jetzt Bergsteigen gehe, fliege ich nur mit einem Piepser, der mit Solar funktioniert. Das ist easy und steigen tut man ja trotzdem. Und es interessiert mich ja eigentlich auch, mich jetzt beim Bergsteigen nach den vielen Jahren interessiert es mich jetzt ehrlich gesagt nicht, ob die Basis auf 3200 oder 3100 ist. Es ist einfach schön da oben und es geht heute prima, denke ich mir dann. Aber am Anfang sind das natürlich interessante Informationen. Wie groß war mein stärkstes Steigen heute und so. Das ist ja auch was Tolles, dass man das dann mal ablesen kann. Aber man muss eben aufpassen, dass man nicht zu sehr, vor allem mit den Messdaten von Windstationen und so weiter.
Dann ist ja unglaublich, wie viele Menschen sich verrückt machen dadurch und auch Druckunterschiede für Diagramme und so weiter und so fort. Also wenn man mal die Augen aufmacht. Sind bei enormen Druckunterschieden noch noch Flugfenster in bestimmten Regionen möglich? Also das darf man nicht unbedingt propagieren und laut sagen. Es ist aber so, wir fliegen mittlerweile in Mikroklimater, wie zum Beispiel im Stubaital, was was bei Föhn schon immer recht geschützt war. Auch auch in Lüsen, wo Papillon in Südtirol ausbildet. Das ist ein Mikroklimater, was bei starken Nordlagen, bei Föhnlagen noch lange geht. Und ebenso ist es an der Alpensüdseite, wo ich ja mittlerweile zu Hause bin. Wo sich das thermische System gegen das überregionale behauptet und zwar sehr, sehr lange.
Und manchmal ist das thermische System sogar noch stärker, wenn der überregionale Wind konträr läuft. Also es sind alles meteorologische Dinge, die das ist alles ein bisschen komplexer als nur Luftdruck Süd - und Nordseite. Und jetzt Föhn, jetzt nicht. Das kann man so nicht sagen. Gerade heutzutage im Laufe des Klimawandels haben wir mit komplexeren Wetterlagen zu tun. Das kommt ja auch noch dazu. Also da muss man ständig umdenken.
Nun hast du jetzt quasi 30 Jahre Fliegerkarriere oder fast 30 Jahre Fliegerkarriere, wenn ich es richtig gerechnet habe, so auf dem Buckel. Wo siehst du deinen Fliegerweg noch in den nächsten zehn Jahren?
Da lasse ich mich treiben, wie immer so nach meinen Launen. Also im Moment hatte ich jetzt eben das Bedürfnis, seit letztem Jahr eine Flugschule zu eröffnen. Und das möglichst gut. Und das ist auch ein sehr guter Schritt zu machen.
Und fliegerisch bin ich seit einiger Zeit eher auf dem Streckenfliegen wieder. Ich freue mich, dass ich mich an die Zwei -Liner -Technologie gewöhnen konnte, was auch ein Schritt war, muss ich sagen. Das hat bei mir gar nicht, ging gar nicht so schnell. Also nach den vielen Jahren, weil man ja, weil das eine ganz neue Konstruktion ist, eine Zwei -Liner fliegen und mit den Handles im Grunde auch aktiv fliegen. Das ist eine. Hieß bei mir zumindest, meine ganzen Instinkte auch umzutrainieren. Also da musste ich mich wirklich mir selber so eine Art Trainingsplan auferlegen, dass ich da nicht immer reflexmäßig an die Bremsen greife, sondern an Handles bleibt. Das aber und dementsprechend interessiert mich das sehr im Moment. Also im Grunde Zwei -Liner bei allen Bedingungen überall hundertprozentig sicher auf Strecke zu fliegen, ist eigentlich so das, woran ich.
Gerade Arbeiter, also auch effizient zu fliegen, heißt auch schnell und beschleunigt zu fliegen, also auszufliegen. So ein Profil, wo
du jetzt gerade Zwei -Liner ansprichst und diese Handles und sowas, die waren ja früher mal die Zwei -Liner. Das waren nur die Wettbewerbs Schirme. Mittlerweile geht das ja bis runter in die HB Bereich, wo es dann jetzt die zwei, zweieinhalb Liner gibt, die aber von der Steuertechnik her im Grunde schon fast so gesteuert werden wie so ein Zwei -Liner. Ist da nicht eigentlich auch quasi Ausbildungsbedarf nötig? Weil die Leute kriegen jetzt. Sie kaufen sich solche Geräte, kriegen die einfach freikäufig. Aber in der Schule lernen sie nie, wie man mit so einem Ding eigentlich oder wie man das vernünftig macht. Und da, sondern das ist ja alles. Jeder muss da so ein bisschen Learning by doing machen bei der ganzen Geschichte.
Ja, das ist definitiv so. Da hat sich in der Entwicklung so viel geändert und man müsste das vielleicht schon ein bisschen anpassen. Ja, auch schon von Grund auf. Ich hatte mal letztes Jahr in Kolumbien meinen Freund Paul Takkerts besucht. Der ist ja sicher ein Begriff. Ja,
der Akkordeon.
Paul Takkerts ist ja ein Akkordeon, vor allem Streckenflieger. Und der meinte, die Zukunft irgendwann des Gleitschirmfliegens überhaupt wäre nur noch die Steuerung mit den hinteren Tragegurten. Es würde keine Bremsen mehr geben. So eine Vision kann man jetzt erst mal so im Raum stehen lassen. Aber so ganz abwegig ist das nicht, weil das einfach ein effektiverer Weg, den Gleitschirm zu fliegen ist. Also das ist schon im Kommen und dementsprechend sicher irgendwie dann auch Bedarf, da ein bisschen. Aufzuklären. Das
ist aber jetzt nichts, was ihr als Prä -Alpi bisher anbietet, dass ihr sagt, wir bieten den BC zweieinhalb Leiner Steuerkurs anbietet oder sowas. Das ist eine Idee,
die schreibe ich mir jetzt mal auf. Das ist vielleicht, warum nicht, aber wir haben das noch nicht jetzt im Plan. Nein, in der Regel, ich meine, wir bilden in unserer Schule natürlich auch nicht nur Profis aus, das sind, sage ich mal, Durchschnittspiloten, Hobbypiloten, die halt auch den sicheren Rahmen brauchen. Insofern sind jetzt da keine Piloten, die mit Zweileinern am Start stehen, in der Regel. Noch nicht. Schauen wir mal, was kommt.
Nö, das nicht. Aber die Entwicklung geht ja schon dahin, dass man sieht, also diese Steuertechnik zumindest, dass sie vorgesehen ist, die dringt ja immer weiter in die unteren Klassen auch drin vor. Es gibt jetzt auch schon so mit B so ein 777 Night 2, der hat auch schon eine voll ausgestattete CB -Steuerung mit Umlenkung und sonst was alles. Das ist möglich. Gleichgängig. Wo man auch wirklich sagen kann, okay, wenn man es nicht nutzt, hat man eigentlich störende Gebamsel am Tragegurt und muss sagen, das ist eher kontraproduktiv, wenn es ein Pilot gar nicht nutzt. Aber wenn er es nutzt, dann sollte er wissen, wie er dann damit umgeht oder wie das Ganze so geht. Aber da wird man, was ich so mitkriege bisher, ja nicht an diese starke technische Entwicklung herangeführt. Also da sehe ich durchaus Nachschulungsbedarf sicherlich bei einigen.
Oder was heißt Schulungsbedarf, einfach Trainingsbedarf. Und wo man vielleicht in manchen Sachen mehr lernen, also auch mit ein bisschen nur Anleitung wahrscheinlich schneller sich an solche Sachen herantasten würde und dann auch mehr mitkriegt, wo es auch vielleicht wirklich sicherheitstechnischen Vorteil ist, damit dann letzten Endes zu fliegen.
Ja, da ist mit Sicherheit, wäre vielleicht auch mal interessant, das weiterzugeben an Leute, die sich halt so Lehrpläne auch ausdenken. Das ist sicher ein guter Hinweis, mal mit dem Anselm sprechen und mit Peter. Du
hast ja da auch die Kontakte rein. Anselm, guter Freund von dir, also Quatsch, aber mit dem auch darüber, vielleicht passiert da ja was. Felix, ich danke dir für dieses super interessante Gespräch.
Ja, danke dir. Wird damit zum
Ende kommen. Tolles Leben, was du da schon geführt hast mit allen super Erfahrungen und international. Wir hätten sicherlich auch drei Stunden sprechen können, weil du warst in so vielen Ländern schon unterwegs und hast so viele Abenteuer da jeweils erlebt. Vielleicht machen wir das einfach zu einem späteren Zeitpunkt nochmal. Dann lade ich dich nochmal ein und dann gehen wir nochmal auf ein paar andere deiner super Abenteuer da noch ein.
Ja, gerne. Mich hat es gefreut. Dann wünsche ich allen, die hier zugehört haben, eine schöne Fliegerkarriere und immer weiter lernen, aber in kleinen Schritten, sage ich ja immer. Ein Schritt zu groß kann einer zu viel sein. Aber auch nicht stagnieren, sondern immer weiter
lernen. Dann wird man sicherer, guter Pilot. Der ein Schritt zu groß ist meistens ein Emotionaler. Ein Emotionaler, wenn nicht zwei emotionale Schritte zurück und dann traut man sich erstmal lange Zeit wieder nicht so viel. Ja. Und da muss man sich ja aufpassen. Ganz genau. Gut, Felix. Danke dir fürs Gespräch. Bis demnächst. Danke euch und auf bald auf diesem Kanal. Ciao, ciao.
Podz-Glidz gehört als Podcast zu meinem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz. Dort findest du auch die Shownotes zu dieser Folge Nummer 80 Inferno mit Felix Welk. Dazu gehören wie immer auch etliche weiterführende Links. Ciao. Lu-Glidz steht völlig werbefrei im Netz und zwar unter www.Lu-Glidz.blogspot.com. Lu-Glidz schreibt sich L -U -G -L -I -D -Z. Wenn du gerne Podz-Glidz hörst, dann empfiehle den Podcast auch weiter. Zum Beispiel mit einem guten Rating auf Apple Podcasts oder Spotify, einem Post auf Facebook oder Instagram oder am besten einfach im direkten Gespräch mit deinen Fliegerfreunden. Noch mehr kannst du Podz-Glidz und Lu-Glidz helfen, indem du mich und meine Arbeit finanziell unterstützt als Förderer. Dafür gilt eine ganz einfache Regel.
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