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82. Sonnenscheiner - Volker Schwaniz

// Volker Schwaniz, Lucian Haas · 2022-05-12 · 01:19:03 · original episode

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[show notes]
Aus dem Leben eines Meteo-Nerds: Volker Schwaniz betreut seit Jahren die Wetterseiten des DHV. +++ Wer die Website des Deutschen Hängegleiter-Verbands (DHV) aufruft, der bekommt gleich prominent oben links eine kleine, aber feine Flugwetterprognose präsentiert. In wenigen Zeilen ist dort zusammengefasst, welche Flugbedingungen man in Deutschland, in den Nordalpen und in den Südalpen zu erwarten hat. Nur einen Klick weiter wird das DHV-Wetter dann, noch immer in kompakter Form und mit gleicher geographischer Aufteilung, für die nächsten drei bis vier Tage angezeigt. Wer dort hineinschaut, hofft auf grün unterlegte Texte. Denn grün ist der simple optische Hinweis: An solchen Tagen herrschen gute Thermikaussichten. Das DHV-Wetter ist freilich nicht das Werk eines Roboters, der einfach Ergebnisse eines Wettermodells in Textbausteine übersetzt. Dahinter steckt viel Fleißarbeit, Fachwissen und jahrelange Erfahrung. Volker Schwaniz ist „der“ Meteo-Man des DHV. Ein Gleitschirmpilot, der erst durch die Fliegerei zur Meteorologie als zweitem Hobby kam, doch heute in Sachen Gleitschirmflugwetter jedem ausgebildeten Meteorologen das Wasser reichen kann. In dieser 82. Folge von Podz-Glidz berichtet Volker Schwaniz von seiner Arbeit. Unter anderem: Wie er selbst bei seinen täglichen Wetterchecks vorgeht und welche Meteo-Seiten er allgemein empfiehlt. Der 58-jährige erzählt aber auch von seinen eigenen Anfängen, wir sprechen über die Schwierigkeiten vieler Piloten, sich tiefer mit der komplexen Materie Meteorologie zu befassen, und warum die Szene immer nach Hammertagen giert, wo doch ein Tag mit gemütlicheren Bedingungen den meisten das viel größere Flugvergnügen bereiten würde. +++ Wenn Dir Podz-Glidz gefällt, Du dich gut unterhalten fühlst und aus den Podcast-Folgen vielleicht auch etwas lernst, dann unterstütze doch meine Arbeit – als Förderer. Wie das ganz einfach und ohne jede Verpflichtung möglich ist, das erfährst Du auf der Website meines Blogs Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite „Fördern“. https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Freedom Trail Studio | Künstler: Rubber Dubs No Copyright Audio Library Watch & Download: https://www.youtube.com/watch?v=0uUJF9j3wR8

[transcript]

0:05Volker Schwaniz

Und dann sehe ich schon, habe ich mit der Basishöhe richtig gelegen, war es wirklich so ein guter Tag, wenn ich das dann sehe, was habe ich geschrieben und wie waren die Flüge, da ist so der Jagdinstinkt, sage ich mal, das will ich wissen und da warte ich drauf, jetzt will die Lust, wann kommt der, der den ersten großen Streckenflug einstellt, um zu sehen, ob ich da richtig gelegen habe mit dem Tag oder nicht, das hat eine Faszination.

0:49Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast,

0:53Volker Schwaniz

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens,

0:56Lucian Haas

in dieser Folge mit Volker Schwanitz und Lucian Haas am Mikrofon.

1:06Lucian Haas

Wer die Website des Deutschen Hängegleiterverbandes DHV aufruft, der bekommt gleich, prominent oben links, eine kleine, aber feine Flugwetterprognose präsentiert. In wenigen Zeilen ist dort zusammengefasst, welche Flugbedingungen man in Deutschland, in den Nordalpen und in den Südalpen zu erwarten hat. Nur einen Klick weiter wird das DHV -Wetter dann, noch immer in kompakter Form und mit gleicher geografischer Aufteilung, für die nächsten drei bis vier Tage angezeigt. Wer dort hineinschaut, hofft auf grün unterlegte Texte. Denn grün ist der simple, optische Hinweis, an solchen Tagen herrschen gute Thermikaussichten. Das DHV -Wetter ist freiwillig. Es ist sicherlich nicht das Werk eines Roboters, der einfach Ergebnisse eines Wettermodells in Textbausteine übersetzt.

1:53Lucian Haas

Dahinter steckt viel Fleißarbeit, Fachwissen und jahrelange Erfahrung. Volker Schwanitz ist der Meteor -Man des DHV. Ein Gleitschirm-Blog, der erst durch die Fliegerei zur Meteorologie als zweites Hobby kam, doch heute in Sachen Gleitschirmflugwetter jedem ausgebildeten Meteorologen das Wasser reichen kann. In dieser 82. Folge von Podz-Glidz berichtet Volker Schwanitz von seiner Arbeit. Unter anderem, wie er selbst bei seinen täglichen Wetterchecks vorgeht und welche Meteoseiten er allgemein empfiehlt. Der 58 -Jährige erzählt aber auch von seinen eigenen Anfängen. Wir sprechen über die Schwierigkeiten vieler Piloten, sich tiefer mit der komplexen Materie Meteorologie zu befassen und warum die Szene immer nach Hammertagen giert, wo doch ein Tag mit gemütlicheren Bedingungen den meisten das viel größere Flugvergnügen bereiten würde.

2:46Lucian Haas

Wenn dir Podz-Glidz gefällt, du dich gut unterhalten fühlst und aus den Podcast -Folgen vielleicht auch etwas lernst, dann unterstütze doch meine Arbeit als Förderer. Wie das ganz einfach und ohne jede Verpflichtung möglich ist, das erfährst du auf der Website meines Blogs Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern.

3:06Lucian Haas

Volker, jetzt wo wir diesen Podcast aufnehmen, ist gerade kurz nach neun am Morgen. Hast du dein Meteo -Tagwerk schon vollbracht?

3:14Volker Schwaniz

Ja, ich habe den ersten Durchlauf gemacht. Also mit der, das sind dann meistens mit dem Schwerpunkt, der aktuelle Tag nochmal gucken, ob sich was zum Vorlauf des Abends geändert hat und dann der Folgetag mal kurz abgeklopft. In der Regel mache ich dann im Lauf des Vormittages dann den kompletten Durchlauf. Also das sind in der Regel vier Tage, fünf Tage, je nachdem wie es von der Wetterentwicklung, von der Dynamik der Wetterlage Sinn macht, dass man nicht zu sehr in den spekulativen Bereich rutscht. Also bei einem großen Hochdruckgebiet, werde ich weiter Vorhersagen schreiben, als wenn ein ganz wilder Tiefdruckeinfluss ist, wo man weiß, nach drei Tagen ist alles wieder über den Haufen geworfen.

4:02Lucian Haas

Ich habe vorhin nochmal auf die DRV -Wetterseite geguckt. Dann steht dann immer oben, aktualisiert morgens um 8 Uhr, nächste Aktualisierung, ich glaube abends 18 Uhr oder so was. Für so eine Aktualisierung 8 Uhr. Wann stehst du denn dann auf? Wann fängst du an ins Wetter zu gucken? Und das muss ja auch noch ein bisschen was reinschreiben, auch wenn sich vieles, ich meine, das ist, von Tag zu Tag wird sich vielleicht nicht so viel ändern. Aber trotzdem, wie viel Arbeit steckt da noch dahinter in einer, wenn es einfach nur so das Update von diesem Morgen ist? Wann legst du da los?

4:31Volker Schwaniz

Es ist noch erheblich Arbeit dahinter, weil es darf einem ja nichts durchrutschen. Das ist ja, es sind ja manchmal so Feinheiten, die vom Wind fällt und ändern. Und da muss man schon konzentriert gucken und eine Routine haben, dass einem nichts durchrutscht. Und da kann man nicht einfach sagen, guck jetzt nur mal die Karte, das dauert fünf Minuten und dann ist gut so. Sondern man muss schon eigentlich den gesamten Durchlauf machen für den Tag, dass man sicher ist, okay, den habe ich im Griff. Da ist mir nichts durchgerutscht. Und also in der Regel bin ich so ab 6 Uhr auf dem Bein und dann surfe ich schon mal ein bisschen quer. Und so ab halb sieben dann recht konzentriert eine Stunde, anderthalb Stunden, so bis halb acht, acht ist dann schon,

5:19Volker Schwaniz

ist dann schon anzusetzen und zeitlich.

5:22Lucian Haas

Wie sieht denn dann so ein Abchecken so einer aktuellen Wetterlage bei dir aus? Also erzähl mal, wie gehst du dabei vor? Was ist so die Regel? Wo achtest du drauf? Welche Wetterseiten nutzt du dann vielleicht gerade für diesen Überblick des aktuellen Wetters nochmal? Was könnte man dann auch so als Normalpilot sich davon abgucken? Da

5:41Volker Schwaniz

kann man sich sicher eine ganze Menge von abgucken, bin ich überzeugt von. Weil diese super duper geheimen Hyperseiten, die nur für die Profis sind, sind das gar nicht, die ich benutze. Es ist die Zusammenstellung und die Systematik, mit der ich die einzelnen Seiten abgrase. Und zwar, lass uns gleich Butter bei die Fische geben. Anfangen tue ich mit den Webcam -Bildern, Foto -Webcam -EU, Nordalpen, Südalpen. Das sagt erst einmal schon viel aus. Z.B. Nebellagen, wo ist Nebel, wie hoch ist er? Sind vielleicht schon die ersten Auflösungserscheinungen vom Nebel zu sehen? Oder hat sich Nebel gebildet jetzt im Herbst, z.B.

6:28Volker Schwaniz

Winter, der vielleicht im Vorabend noch gar nicht da war? Und dann kann man sagen, der ist schon da. Dann löst der sich höchstwahrscheinlich auch nicht mehr auf im Tagesverlauf. Genauso, wenn so Sachen wie Zirbel, es kommt eine schleichende Wetteränderung. Das hat man eigentlich oft, so aus Westen, nehmen wir mal die ganz typische Änderung aus Westen, Tiefdruckeinfluss. Dann sieht man schon so Richtung Vorarlberg mit Blick nach Westen, da kommen schon die Zirren, da sind schon alte Cumulus, also Schäfchenwölkchen mit drin. Obwohl ja eigentlich vielleicht noch gar keine Gewitterneigung in den Prognosen des Vorabends zu sehen war. Und dann weiß man schon, oh, da scheint labilere Luft reingesickert zu sein. Mit dem Hinterkopf kann man dann auch wieder die Vorhersagekarten ein bisschen genauer interpretieren.

7:18Volker Schwaniz

Und neben den Webcams kommt dann als zweites ist Windy, Großwetterlage und auch ich ziehe mir da über diese Premium -Version die Temps, Temp -Vorschau. So kann ich da über alle drei führenden Wettermodelle und sogar noch ein paar Regionalmodelle ziehen. Das ist eine wirkliche Erklärung, eine Erleichterung im Vergleich zu den Jahren, wo das noch nicht greifbar war. Das muss man echt sagen. Das hat auch die Vorhersage verbessert.

7:51Lucian Haas

Ganz kurz mal zurück. Fand ich jetzt nämlich super interessant, weil das glaube ich etwas ist, was die wenigsten Leute beachten werden. Du hast gesagt, als erstes guckst du diese Webcams an. Das ist wirklich, dass du sagst, ich gucke erst mal, was macht das reale Wetter, bevor ich überhaupt ins Modell gucke. Weil das, was für uns letzten Endes zählt, ist ja das reale Wetter.

8:12Volker Schwaniz

Ja, auf alle Fälle. Es sind vor allem diese Übergangslagen. Die Front ist durchgezogen. Wo ist es denn schon abgetrocknet? Das sind ja so Übergangslagen, die kriegt kein Modell wirklich auf den Punkt gegriffen. Und da kann man einfach dann schon sagen, aha, vor Arlberg ist es durch. Hier hinten beim Zahmen Kaiser oder Richtung Chiemsee, da ist noch alles dicht. Und die Entwicklung der Zuggeschwindigkeit, der rückseitigen Auflockerung wird langsam erwartet. Also ist das im Osten überwiegend noch nicht nutzbar, sagt man so. Und da kann man viele Schlüsse draus ziehen. Auch ist die Straße noch nass. Im Winter Schneefallgrenze. Hat es Neuschnee gegeben?

8:58Volker Schwaniz

Bis wohin? Das beeinflusst ja dann auch die Thermikentwicklung erheblich. Und früher hat man viel mit dem Satellitenbild arbeiten müssen, was ungleich ist. Und das war dann noch zäher und ungleich,

9:13Volker Schwaniz

ja, unexakter war, also verschwommener. Und das ist eine tolle Sache. Vor allem diese Fotowebcams, die sind sogar nachts nutzbar. Die haben so eine hohe Lichtstärke, dass man auch da mit ein bisschen Mondschein sieht man, ob da schon Zirren sind oder bedeckter Himmel und so. Das ist eine ganz tolle Sache. Manche haben sogar Windwerte dabei. Das ist ja auch jemand, der das ganz ehrenamtlich macht. Das ist fantastisch.

9:40Lucian Haas

Bei diesen Fotowebcams, guckst du dir da 20 durch oder sagst du quasi, ich habe drei, vier auf der Nordalpenseite und drei, vier auf der Südalpenseite, so von West nach Ost, wo ich dann einfach immer gucken kann, klassisches Wetter zieht von West nach Ost. Also das Schlechtwetter zieht meistens irgendwie so von West nach Ost durch. Dann kann ich mir das dementsprechend einfach die vier so von West nach Ost abklappern und sehe dann, wie was wie gezogen ist. Ja,

10:05Volker Schwaniz

es sind also ungefähr zehn, zwölf an der Nordseite, die ich hier so in meinen Favoriten gespeichert habe. Da klicke ich einmal drauf und dann werden die reingeladen und dann kann ich die relativ schnell durchklicken. Wie du sagst, es geht von West nach Ost. Das ist eigentlich und vor allem am Nordalpenrand. Ich habe ein paar Inneralpine, aber Nordalpenrand ist meistens ergiebiger für die Aussage. Und für den Südalpenrand habe ich auch, das ist ja eher dann so der Ostalpenraum, das ist so Bozen, Kronplatz, Emberger Alm, so die typischen bis hin dann im Osten bis Tolmin, also Slowenien und Bassano natürlich.

10:52Volker Schwaniz

Die Sache westlich des Gardasees, die rufe ich nur fallweise auf.

10:58Lucian Haas

Nun sagtest du auch gerade Satellitenbilder. Das hättest du als eher anstrengend empfunden, so ungefähr war früher so. Mittlerweile ist es ja aber auch so, dass diese Meteosat -Bilder, auch das, was man z.B. bei Windy direkt aufrufen kann, das gibt es mittlerweile im 5 -Minuten -Rhythmus. Und ich finde die erstaunlich auch, also im Vergleich zu anderen Sachen, die man früher aufrufen konnte, viel höher aufgelöst als das, was man vorher sehen konnte. Und auch durch diesen 5 -Minuten -Abstand, in dem die da aufgerufen werden, kann man ja auch sehr schön sich Satellitenfilme von nur der letzten Stunde beispielsweise angucken und sieht dann sehr genau, wie schnell eigentlich bestimmte Wolkenbänder ziehen oder sowas. Nutzt du sowas auch zu dieser Einschätzung? Oder sagst du, nö, eigentlich reichen mir die Webcams?

11:43Volker Schwaniz

Nein, eben fallweise. Also in der Regel bin ich mit den Webcam -Bildern und der Erwartung aus den Vorhersagekarten gut abgedeckt. Fallweise, wenn ich sehe, oh, da sind irgendwie doch mehr Wolken als erwartet oder bei den hohen und mittelhohen Wolken, also Zirnen - und Schäfchenwolken, da tun sich die Modelle auch häufig schwerer. Und dann nutze ich auch ab und zu den Satellitenfilm. Aber so für den schnellen Durchgang sind die Webcams schon eine feine Sache.

12:16Lucian Haas

Jetzt hast du also Webcams geguckt, du hast geguckt, was sagen die Modelle im Verhältnis dazu. Wie kommst du jetzt, also wie gehst du da noch weiter vor, um dann beispielsweise zu sagen, okay, ich muss für heute eine Wetterprognose, die ich dann geschrieben habe, muss ich für den aktuellen Tag nochmal ändern und irgendwie etwas Besonderes dann da noch dazu schreiben?

12:34Volker Schwaniz

Wie gehe ich vor? Jetzt nach Windi kommen dann in der Regel die, oder was heißt immer, die Rohkarten der Wetterzentrale. Also das sind dann wirklich die Bodendruckkarten mit dem Geopotenzial, also die Höhenrücken und Tröge. Dann wichtig die 850er -Karten, wo ich dann den Faktor Föhn rausziehe. Vor allem kann ich über diese Rohkarten sehen, wie viel der Südströmung ist seichter Föhn und wie viel ist hochreichender Föhn. Und dann kann ich die Unterscheidung treffen, die ich auch immer im Wettertext schreibe, inneralpin Föhnig oder am Hauptkamm stark Föhnig, wenn dann dieser seichte Föhneffekt stärker ausgeprägt ist, als das rein auf den Druckdifferenzkarten zu erwarten ist.

13:24Lucian Haas

Wie kann man das an so einer 850er, also 850 -Hektopascal -Karte, einen seichten Föhn erkennen?

13:30Volker Schwaniz

Das sind die Temperatur, also die Differenzen. Ich gucke mir da die Europakarte, also die Mitteleuropakarten an. Die sind schon recht hoch aufgelöst. Und dann ist einmal die Druckfläche 850 in, ich sage mal, Isobaren drin und farblich die Temperaturen. Und man sieht dann im Alpenraum, dass bei seichtem Föhn, alpensüdseitig, also alles, was südlich des Brenners ist, deutlich kühlere Luft, und nennen wir eine Zahl, 5 Grad weniger als nordseitig des Brenners, das ist dann seichter Föhn. Man kann mit dieser 5 -Grad -Daumenregel schon sagen, ab da geht das schon zur Sache, selbst wenn der Wind kaum mitspielt.

14:19Volker Schwaniz

Dann ist rein ab dieser Temperaturdifferenz ist diese Südströmung so stark, dass sich dann zumindest im Inneralpin deutlich föhnige Effekte ausbreiten. Und je stärker der Wind in dieser Lage noch mitmischt, desto weiter reicht das dann auch nach Norden raus.

14:38Lucian Haas

D.h. seichter Föhn ist es hauptsächlich diese kalten Luftmassen, die von der einen Alpenseite auf die andere durch die Einschnitte, die es gibt, z.B. ein Brennerpass und Sonstiges, also die flacheren Stellen im Gebirge, da schwappt es dann einfach diese Kaltluft dann drüber.

14:54Volker Schwaniz

Genau, und runter vor allem als Kaltluft. Weil sie

14:56Lucian Haas

halt schwerer ist. Genau.

14:57Volker Schwaniz

Und die macht dann auch wirklich so. Wer aber Innsbruck kennt als Föhnloch, der weiß, wie das da fackelt. Während am Nordalpenland häufig immer noch fliegbare Bedingungen sind.

15:11Lucian Haas

Okay, dann hast du jetzt auch gecheckt, was macht diese Föhnsituation? Dann sagst du diese 850 Hektopascal -Karten. Was gehört noch zu deinem Wettercheck dazu?

15:20Volker Schwaniz

Dann geht es eigentlich weiter. Das ist auch so eine ganze Reihe. Ich glaube, die 18 Etapps gehen dann auf. Druckdifferenzdiagramm natürlich für den Föhn, auch als Hinweis der Entwicklung. Es nimmt ab, es nimmt zu.

15:37Volker Schwaniz

Dann lese ich mir auch immer aus alter Gewohnheit, muss ich sagen, aus der Kontrolle den Flugwetterbericht durch, der früher in meinen Augen deutlich besser war. Und dann kommt auch eine Sache, die auch so in den letzten 2, 3 Jahren eigentlich erst dazugekommen ist. Das Meteo -Paraport als Windvorhersage, die ist gesetzt bei mir. Und kann ich nur jedem empfehlen, nehmt diese Windvorhersage, nehmt Meteo -Paraport in eure tägliche Flugwetterroutine auf. Die sind die Darstellung und auch das Heraustreten der fliegerisch relevanten Sachen wie Föhn, seichter Föhn, ist da super gelöst.

16:27Volker Schwaniz

Also das ist vielleicht nicht das beste Modell, aber die Darstellung ist so überragend, das muss sein. Neben Meteo -Paraport gucke ich auch in das Icon D2 Windvorhersage rein. Und damit hat man eigentlich vom Wind her,

16:46Volker Schwaniz

die Temp -Wind, Höhenwindvorhersage habe ich natürlich im Vorfeld auch gesehen. Aber damit ist man windmäßig eigentlich auf dem, auf einem sehr hohen Level unterwegs. Und da rutscht auch nichts durch. Wenn ich kurz ausholen darf bei Meteo -Paraport, wenn wir gleich dabei sind. Der Tipp und der Trick, sage ich jetzt einfach mal, ist da nicht nur auf den Punkt tippen, wo ich fliege und zoomen wie ein Irrer bis hinter den letzten Grashalm, sondern ein bisschen mit Abstand zu gucken. Der groß, der großräumige Windverteilung, das Windfeld mit beachten. Liege ich an der Grenze zu einem Starkwindfeld oder ist das nächste Starkwindfeld weit weg? Das sind wichtige Informationen.

17:32Volker Schwaniz

Und immer zwei Punkte nehmen. Ich nehme jetzt mal für den Nordalpenrand, so Tirol und Kösten -Tegelberg die Ecke. Dann nehme ich den Punkt bei Bad Tölz als Punktprognose, um für den Nordalpenrand eine Aussage zu treffen, weil das so diese Ostwindsituationen, wunderbar abbildet. Wenn da Ostwind ist, dann zack, stehen da 30 km/h auf der Uhr, also wird da angezeigt. Dann muss eigentlich jeder Flieger wissen, Juhu, da ist was im Pusche. Und für den gleichen Tag, wenn ich inneralpin, ruhig bei Innsbruck draufdrücken auf den richtigen Föhnstrich, dann sehe ich, sobald irgend ein bisschen Föhn in der Luft liegt, dann legt der Punkt bei Innsbruck an.

18:22Volker Schwaniz

Und dann sind dann auch, 30, 40, 50 km/h Windgeschwindigkeiten für Innsbruck und Patscherkurve vorhergesagt. Und dann weiß man, ups, da ist Föhn oder Föhnig und kann dementsprechend auch schon gewarnt sein. Und je weiter man dann weiter im Osten oder Westen ist, dann die Punkte etwas weiter verschieben, aber im Prinzip immer einen vor den Alpen nehmen und einen inneralpin in einem Föhnstrich, so hat man eigentlich die Hauptfettnäpfe ganz schnell abgeklappert. Auch diese, vor allem im Nordalpenrand, diese Druckwellenproblematik, die wird da auch eigentlich gut in dem Rahmen des Möglichen

19:08Volker Schwaniz

vorhergesagt. Und das ist ja auch schon eine wirkliche Erweiterung des Sicherheitsbereichs.

19:17Lucian Haas

Du sagtest jetzt gerade Meteor -Parapont und auch so ein bisschen weiter öffnen. Jetzt nur von der Vorstellung her. Sagst du mit weiter öffnen, okay, ich gucke mir halt diese zwei Punkte an, die du jetzt genannt hast, oder sagst du, ich gucke mir das auch auf der Karte an, also wirklich diese Kartendarstellung von Meteor -Paraponte. Wenn du das nutzt, nimmst du dann den Bodenwind oder stellst du dann einen Wind in der Grenzschicht, was ja eine Variable ist, oder stellst du eine bestimmte Höhe dieses Windes ein, der dann dort auf diesen Karten angezeigt wird? Was nutzt du da?

19:46Volker Schwaniz

In dieser Karten, in dieser großflächigen Darstellung auf der rechten Seite, Windhöhe -Grenzschicht heißt das, glaube ich. Da gibt es einmal, genau, obere Grenzschicht und dann gibt es Höhe -Grenzschicht, heißt das. Sekunde, ich kann es dir.

20:02Lucian Haas

Ich glaube, Durchschnittswind in der Grenzschicht. Genau, das

20:04Volker Schwaniz

ist so im oberen Drittel der Grenzschicht. Das ist so das, was wir dann auch wirklich in der Realität spüren als Wind beim Fliegen. Und dann hat man rechts die großräumige Übersicht mit eventuellen Starkwindfeldern, Starkwindfeldern aus Osten meinetwegen, wenn ihr Ostwind aus Osten zunimmt. Und hat dann mit diesen zwei Punktdarstellungen, die ich da eben empfohlen habe, dann die Feinheiten föhnmäßig und auch am Nordalpenrand Windproblematiken im Griff und hat eine enorm gute Aussage. Ich kann das gar nicht hoch genug bewerten. Es ist im Vergleich zum Icon D2 -Modell, was ja über die Ableger von XC -Therm kommt, das muss man ja auch hoch anrechnen, ist es das Modell vielleicht nicht ganz so ausgefeilt, aber die Darstellung für den Otto -Normalflieger ist so, die kann man nicht besser machen.

21:04Volker Schwaniz

Ich bin da wirklich begeistert und ich nutze das selber auch. Das gehört auch zu meinem täglichen, zur täglichen Wetterroutine.

21:12Lucian Haas

Das heißt, wenn man so sagen würde, hast du eine Leib - und Magen -Wetterseite, dann würdest du auf jeden Fall Mithö -Parapont da ziemlich weit oben ansiedeln wahrscheinlich.

21:21Volker Schwaniz

Unbedingt, als gesetzte Größe, das ist gar keine Frage. Der Wind ist ein enorm wichtiger Faktor bei der Fliegerei, egal ob Mittelgebirge, Flachland, Alpen.

21:35Volker Schwaniz

Und dementsprechend gehört das dazu. Da gibt es kein Vertun. Das sind auch viele Turbulenzprobleme, die man allein schon vom Wind her erkennen kann. Und mit so einer guten Windprognose, dann dementsprechend einschätzen kann den Tagescharakter, sag ich mal.

21:53Lucian Haas

Du machst da diese Wetterbeobachtung jetzt schon sehr, sehr viele Jahre. Um wie viel ist denn so deiner Erfahrung nach die Prognose -Güte der Wettermodelle oder auch die Wettermodelle insgesamt, dadurch, dass sie auch feiner geworden sind, wie das ICON -D2 -Modell mit dem 2 -Kilometer -Raster, wo es früher nur 7 Kilometer gab und so was. Inwieweit ist das, diese Wettermodelle aus Fliegersicht, tatsächlich besser geworden? Inwieweit kann man heute viel treffendere und für die Flugsicherheit dann auch die sichereren Aussagen dann eigentlich dann treffen im Vergleich zu ein paar Jahren zurück?

22:26Volker Schwaniz

Also die Prognosequalität hat sich massiv verbessert. Auch durch die viel umfangreicheren Möglichkeiten, auf Modelle zuzugreifen. Es sind viele Modelle dazugekommen. Das ICON -D2 im Wind zum Beispiel. Dann Meteo Parapont hat sich ja auch, entwickelt über die Zeit. Da waren ja auch mal Abwege mit dem Aeron -Modell. Aber die haben sich so toll entwickelt. Und ja, ich sag mal, um wie viel besser. Man kann wesentlich weiter blicken und eine verwertbare Aussage treffen. Im Detail muss man dann immer schon sagen, mehr als zwei Tage, wenn es so, je nachdem, wenn die Situation sehr eindeutig ist, großes Hoch - oder wenig Zuggeschwindigkeit in der ganzen Wetterdynamik.

23:17Volker Schwaniz

Kann man auch schon mal drei Tage recht genau machen. Aber dann bis fünf Tage schon grob zielen. Das ist dann mit dem Wind mal ein bisschen mehr, ein bisschen weniger. Das wäre zu viel, das da in dem Bereich für fünf Tage schon wissen zu wollen. Aber das Grobe kriegt man so hin. Und das ist schon sehr viel wert. Wir haben zum Beispiel jetzt, die Frage war ja Hartenstein, die Season, das Season Opening. Und da konnte man schon sagen, aha, obwohl die Vorhersagereichweite recht lang ist, kann man sagen, es gibt starken Ostwind und ein bisschen durchwachsenes Wetter. Und das hat ja schon ausgereicht, um dann die Entscheidung zu treffen. Das ist zum Beispiel ein ganz aktuelles Beispiel, wie weit man dann schon gute Aussagen treffen kann.

24:02Lucian Haas

Bei sowas zum Beispiel, auf was achtest du denn da? Da guckst du dir hauptsächlich die Großwetterlage an und sagst, ich gucke dann wahrscheinlich verschiedene Modelle mir auch an und sehe, die sagen alle das Gleiche. Von daher kann man relativ sicher davon ausgehen, dass in fünf Tagen eine solche Ostlage herrschen wird. Und die sagen alle, okay, der Wind wird relativ stark werden, beispielsweise. Ist das so eine Sache, auf die du dann achtest?

24:25Volker Schwaniz

Ganz genau. Das ist die Großwetterlage. Auch wieder nicht nur zoomen auf Hartenstein selber und dann da im Fünf -Kilometer -Radius meinen, mit dem Modell jetzt ganz genau eine Aussage treffen zu können, sondern die Großwetterlage, wie verteilen sich die Hochtiefs in den Hartenstein, die Hauptwettermodellen und sage ich auch gleich dazu, ich benutze das europäische Modell, Globalmodell, das amerikanische GFS und das ICON, das deutsche. Diese Regionalmodelle kaum, weil die haben eine kurze Reichweite und in dieser kurzen Reichweite sind die Globalmodelle kaum schlechter. Und da mache ich es mir ein bisschen einfacher. Und also mit diesen drei Modellen, wenn die halbwegs gleich laufen, dann kann man sagen, juhu, das ist eine sichere Prognose.

25:17Volker Schwaniz

Früher hat man dann noch mit anderen Karten, da gab es Standardabweichungskarten und dieses Spaghettiplotz gearbeitet. Das hat sich eigentlich mittlerweile erübrigt. Im aktuellen Fall bei Hartenstein ist noch als Hilfe für mich dazu gekommen, die Lage, und zwar das nennt sich High Over Low, also ein Hoch im Norden und darunter ein kräftiges Tief. Das ist eine ganz stabile Lage. Die zieht nicht weg. Da konnte ich dann sagen, das bleibt so und der Wind bleibt dementsprechend auch kräftig.

25:49Lucian Haas

Das heißt, mit solchem Wissen kann man natürlich auch, wenn man sagt, ich plane einen Fliegerurlaub oder sonst was, könnte man auch relativ, also einen halbwegs kurzfristigen Fliegerurlaub, wenn man sagt, in einer Woche möchte ich gerne wegfahren, kann man mit so einem Wissen dann schon zumindest sagen, welche Region sollte ich auf jeden Fall ausschließen, weil da wahrscheinlich das schlechtere Wetter ist. Und dann kann ich mich auf die Region konzentrieren, wo das von der Theorie her oder von den Meteor -Modellen her zumindest das ruhigere, sicherere Wetter ist, ob ich dann gut zum Fliegen komme oder nicht. Also thermisch gut, das ist vielleicht immer noch dahingestellt. Das kann man vielleicht erst zwei Tage im Voraus so richtig sagen. Aber danach zumindest schon mal auswählen und sagen kann, ich schließe zumindest die Ecken aus, wo es ziemlich sicher nicht zum Fliegen geht.

26:31Volker Schwaniz

Ja, auf alle Fälle. Das geht recht gut in diesem, sagen wir mal fünf, dann zunehmend grob sechs Tage Bereich. Wenn sich große, langsam ziehende Druckgebilde dann etabliert haben, kann man auch mal noch einen Tag länger orakeln. Aber das geht sehr gut. Und auch eigentlich die thermische Qualität ist auch, ich will nicht gut sagen, abschätzbar, aber die Druckgebilde haben ja dann die Luftmasse in sich. Und da kann man dann eigentlich schon ganz gut die thermische Qualität abschätzen. Die Hammertage rausfiltern will ich jetzt nicht weit gehen. Aber man kann schon sagen, es wird tiefbasiges Gesuppe oder es wird mindestens mäßig bis knapp gut, sodass man als Normalflieger wirklich ausgiebig Spaß hat.

27:21Volker Schwaniz

Das geht gut.

27:23Lucian Haas

Nutzt du zu solcher Einschätzung, auch wenn du so ein paar Tage im Voraus guckst, guckst du da auch mal auf solche Wetterseiten wie zum Beispiel Paraglideable als so KI -gestützte Geschichte, um zu sagen, einfach nur die Grobeinschätzung? Oder sagst du, ich als Meteo -Guru brauche sowas absolut nicht mehr? Da habe ich mehr KI in mir, als ich mir da von irgendeinem Rechner was vorrechnen lasse.

27:46Volker Schwaniz

Also ich gucke es mir an, weil es kommen immer mal Rückfragen und die beziehen sich darauf, sodass man wenigstens damit umgehen kann. Aber das ist so Zitronenbeißer -Gesicht. Es ist für Leute, die sich nicht sonderlich tief einarbeiten wollen, eine Hilfe. Es funktioniert sogar in Teilen gar nicht schlecht, will ich nicht sagen. Aber es gibt Entscheidungen, die will ich treffen und die will ich nicht von einem roten, grünen Backen mir vorgeben lassen, ohne zu wissen, wie sie zustande gekommen sind.

28:20Lucian Haas

Ohne zu wissen, wie sie zustande gekommen sind. Du weißt, wie sie zustande gekommen sind. Aber jetzt lass uns mal ein bisschen zurückspringen, quasi an die Anfänge von deiner Meteo -Karriere. Wie bist du überhaupt dazu gekommen, dich so für Meteo zu interessieren?

28:34Volker Schwaniz

Ja, auch als Eigeninteresse, als Flieger. Ich habe 1990 angefangen zu fliegen und da war ja das Internet noch in den Kinderschuhen. Wir haben mit so Tröpfel -Telefonmodems gearbeitet. Und mal ganz zu schweigen, da hatte man ein paar Karten, auf die man sich dann nach und nach stützen konnte. Und das wurde dann erst mehr. Und der Zweck war einfach auch, wie jetzt auch, zielgerichteter fliegen zu können. Das waren natürlich viel kleinere Möglichkeiten, als das heute ist. Aber der Anstoß war dann einfach Eigeninteresse. Ich will die schlechten Tage aussortieren. Ich will die guten ungefähr wissen. Vielleicht sogar ein bisschen eine regionale Sache. Lohnt es sich, in die Alpen zu fahren?

29:20Volker Schwaniz

Ja, das war eigentlich der Hauptgrund, muss man einfach so sagen. Ich bin, wenn ich ganz ehrlich bin, auch ein bisschen ein Windschisser. Und immer, wenn so Starkwind lagen, habe ich versucht, immer weit aus dem Weg zu gehen. Und das war auch ein Hauptgrund, muss ich ehrlich sagen.

29:38Lucian Haas

90er -Jahre, da gab es ja noch so was wie Fax -Wetterberichte vom DVD. Da konnte man so eine Nummer anrufen und dann kamen irgendwie acht Seiten Fax. Wenn man einen Fax hatte zu Hause oder so was. Hast du sowas auch genutzt?

29:51Volker Schwaniz

Ja, aber ausgiebig. Aber meterweise. Fax -Polling, Abruf vom DVD. Ja, ja, ja, alles. Ich habe alles genutzt, was greifbar war. Und wenn ich das mal so sagen darf, da gibt es bestimmt auch noch so eine Flugwetterberatung für richtige Motorflieger, die man anrufen kann. Ich habe ja damals auch anfänglich wenig Ahnung gehabt. Und dann habe ich irgendwann gedacht, heute ist Hochdruckgebiet. Die haben bestimmt nichts zu tun heute Nacht. Dann habe ich die nachts genervt mit Fragen. Ich habe gesagt, ich bin Gleitschirmflieger. Wen ich jetzt störe, schmeißt mich raus. Aber die waren immer sehr freundlich. Und enorm hilfsbereit. Und denen bin ich ziemlich auf den Keks gegangen, glaube ich. Aber es hat geholfen.

30:37Lucian Haas

Woher, würdest du sagen, kommt dieses Dranbleiben, dieses Wissenwollen, gerade bei Wetterfragen? Ich kenne viele Flieger, die wollen gerne fliegen gehen. Da müssen sie das Wetter quasi in Kauf nehmen. Und wenn schlechtes Wetter ist, sagen sie, es geht nicht. Und wenn gutes Wetter ist, sagen sie, jetzt gehe ich halt fliegen. Gut, sagen sie, okay, es ist die Sonne scheint und der Wind scheint halbwegs zu passen. Aber so wirklich intensiv sich damit beschäftigen, wollen eigentlich nicht so viele Flieger. Habe ich so den Eindruck. Denen ist das dann vielleicht so anstrengend oder so was. Was war bei dir der Trigger, dass du sagst, ey, da fuchse ich mich wirklich rein?

31:11Volker Schwaniz

Man muss klar sagen, solange man merkt, man kommt voran, es wird besser, es hilft mir beim Fliegen, bleibt man dran. Es ist natürlich eine echte Zeitvernichtungsmaschine. Seien wir mal ehrlich. Man muss lesen bergeweise um dann tröpfchenweise. Gleitschirmfliegen. Ja, es ist eine echte Zeit, um wettertaugliche Informationen zu kriegen. Und es hat sich dann auch in diesem aufkommenden Internet dann viel Forumaktivität entwickelt mit Fachleuten. Also da waren viele Leute vom Deutschen Wetterdienst, die sich da eingebracht haben. Und da waren tolle Wetterdiskussionen und Aufarbeitung von Wetterlagen. Auch der Kachelmann war dabei und hat mitgemischt.

31:55Lucian Haas

War das so ein wetterzentrales Forum? Das war das Forum der

31:58Volker Schwaniz

Wetterzentrale. Okay. Und das war enorm lehrreich, muss ich einfach sagen. Und ich habe es dann mal so tituliert, das Internet ohne Trolls und ohne Fake News. Also wirklich Leute, die die Interesse haben, was weiterzugeben, was voranzubringen. Und das war eine Zeit, wenn ich da jetzt gucke, da könnten einem echt die Tränen in die Augen kommen. Ja,

32:25Lucian Haas

ist auch das Wetterzentrale Forum mittlerweile vertrollt? Also ich war schon lange nicht mehr da drauf. Ja, ja, ja.

32:30Volker Schwaniz

Und in dieser wirklich unheimlich, ich sage mal, befruchtenden Forendiskussion hat dann auch der Jörg Kachelmann das Wetterzentrale Forum eingeladen zu einem Workshop in, das war 2000, August 2000, in seinem Wetterstudio Alpen. Und da waren wir mit, ich glaube, 25 Leuten und haben dann wirklich, ein Wochenende hat er sich Zeit genommen. Wir konnten alles da benutzen, alles machen haben für den SWR damals. Wir haben damals einen Wetterbericht ausgearbeitet, der auch gesendet wurde, wo wir dann, er hat dann zum Schluss gesagt, wir haben heute Robbie Meteorologen bei uns zu Gast, die mitgeholfen haben und die bringen Ihnen dann noch ein Ständchen. Und dann haben wir gesungen, so ganz kurz im Abspann.

33:15Volker Schwaniz

Und ich weiß noch, also lachend, lachend, lachend kommt der Sommer über das Land. Aber das nur so als Rand. Es war also enorm lehrreich und dann hat man auch gesehen, ach, die kochen ja auch nur mit Wasser. Die machen es aber einfach strukturierter. Und das habe ich dann mir abgeguckt und dann auch in den Jahren, es sind ja alles Jahre, nachgebaut, also für mich nachgearbeitet und aufgearbeitet, so nach der Art. Das war aber ein enormer Anschub, den ich da von diesem Forentreffen und auch vom Kachelmann bekommen habe. Das war toll.

33:54Lucian Haas

A. Damals gab es ja auch noch, so Anfang der 2000er oder nicht nur Anfang, sondern später noch, gab es ja auch noch das Gleitsegelwetter von dem Stefan Hörmann. B. Genau,

34:03Volker Schwaniz

genau. Also 2000, der Stefan Hörmann, das werden bestimmt noch viele kennen, der hatte so einen Gleitsegelwetterdienst zum Schluss gemacht und war seinerzeit noch, muss man sagen, ganz weit voraus. Also das war ein Phänomen, muss man sagen. Und der hat 2000, war er mit auf dem Treffen vom Kachelmann und hatte da gerade angefangen, Gleitschirm zu fliegen. Ich habe ja schon da zehn Jahre auf dem Buckel gehabt und er hatte so die Intention, ich will Wetter live erleben, weil er kam so ein bisschen von der Schiene Sturmjäger und Gewitterchaser und Starkwindereignisse. Das hatte ihn so gepackt und er wollte jetzt Wetter live erleben und im kleinen Rahmen dann halt mit dem Gleitschirm im Wetter hängen.

34:53Volker Schwaniz

Und ja, daraus hat sich das Ganze entwickelt. Da hat sich dann eigentlich auch eine ganz gute Freundschaft entwickelt und wir sind dann, in den Volljahren hat sich dann auch, er hat sich selbstständig gemacht als Wetterdienstleister. Wie gesagt, man kann, der war da seinerzeit ganz weit voraus. Und als es dann tragisch zu Ende ging, war auch wirklich eine ganz schlimme Lücke, vor allem bei den Streckenfliegern, die dann der DAV so ein bisschen versucht hat aufzufangen. Dadurch, dass ich dann den Wettertext schreibe, im DAV -Wetter, aber das ist nicht so ausführlich, wie das der Stefan damals gemacht hat. Muss man auch klar sagen.

35:32Lucian Haas

Hattest du nie die Intention oder das Interesse zu sagen, ich meine, so traurig das mit dem Stefan zu Ende gegangen ist, dass du sagst, okay, da ist jetzt diese Lücke da. Ich habe eigentlich auch dieses Wissen, was du jetzt für ein DAV machst, aber könnte ich vielleicht auch so im Grunde das übernehmen, was der Stefan da geboten hat? Also du machst quasi Gleitsegelwetter 2.0 oder Sonnenscheinerwetter. Oder wie auch immer man es dann hätte nennen können.

35:58Volker Schwaniz

Eigentlich nicht. Weil die Arbeit, die sich der Stefan da gemacht hat, die habt ihr gar nicht, die hat der Normalpilot gar nicht gesehen. Was es für ein Aufwand ist, diese eine Seite mit den ganzen Einschätzungen und den Gradienten für die verschiedenen Flugregionen der Alpen, das muss ja alles erst ausgearbeitet werden. Dann muss es in die Form gebracht werden. Und dann hat er ja auch noch einen Telefondienst gehabt und hat die Leute telefoniert. Und dann hat er die Leute auch noch komisch beraten. Also wenn ich am Wetter sitze, dann muss ich mich echt konzentrieren. Und wenn dann das Telefon dazwischen funkt, dann ist erst mal der Gedanke schnell wieder weg und ich muss mich neu einarbeiten. Und auch diese Idee mit dem Telefonwetter. Guck mal, wenn du einen Flieger am Rohr hast, der was wissen will, dann sind da zehn Minuten Gespräch weg wie nix.

36:46Volker Schwaniz

Und dann kann man im Idealfall sechs Leute in einer Stunde abarbeiten. Das ist kein Durchsatz. Also die Arbeit, die sich der Stefan da aufgehalst hat, die er da geleistet hat, also ich hätte das nicht geschafft, muss ich sagen. Nein, das ist unmenschlich gewesen, muss man sagen. Unglaublich.

37:10Lucian Haas

Der Stefan, soweit ich es weiß, hat ja auch immer mal wieder darunter gelitten, dass Leute ihn eigentlich dann auch zwischendurch mal böse beschimpft haben, wenn was nicht so eingetroffen ist, wie er das erlebt hat. Sind das Sachen, die du auch hast? Wenn du das auch mitbekommst, also dass Leute sich bei dir beschweren und sagen, hey, du hast da geschrieben, es ist so und so und das war dann gar nicht so, oder?

37:31Volker Schwaniz

Ja, die lassen schon Frust ab. Also muss man schon sagen, mittlerweile, ja, also richtig krank. Früher hat es mir, wenn ich daneben gelegen habe und ich hätte es eigentlich wissen müssen, ärgert es mich. Das muss ich auch sagen. Wenn ich mal Mist geschrieben habe, das, oh, ja, ja, ja, dann zieht das schon so im Hirn. Aber wenn ich weiß, ja, der muss einfach jetzt nur mal Frust ablassen. Ich sage mal ein Beispiel. Da war jemand, da hatte ich im weiteren Vorhersage geschrieben, aufkommen nach Südföhn. Und dann kam eine bitterböse Mail. Du willst doch nicht etwa sagen, dass ich jetzt nächstes Wochenende in meinem Urlaub nicht in Adelsburg fliegen kann.

38:18Volker Schwaniz

Also richtig. Nein, das nehme ich nicht. So Sachen. Also wenn ich daneben liege und ich hätte es wissen müssen oder habe etwas falsch eingeschätzt, ärgere ich mich schon, aber dann über mich selber. Ansonsten, wenn einer sagt, hier, das war so und so anders, dann muss ich das auch annehmen. Und auch wenn notwendig, das auch eingestehen, dass ich daneben gelegen habe.

38:44Lucian Haas

Als das Gleitsegelwetter von Stefan dann zu Ende ging, auf tragische Weise, aber war diese Lücke da? Du hast dann gesagt, ja, dann kam der DRV. Ist der auf dich zugekommen oder hast du dem DRV das angeboten? Wie kam das zu dem Engagement, dass du jetzt freiberuflich, aber ganz regelmäßig für den DRV auf der Homepage das Wetter machst?

39:03Volker Schwaniz

Also ich war ja für den DRV schon, wie gesagt, freiberuflich mit vielen Artikeln, Vorträgen und auch dem Aufbau der Wetterseite ohne den Wettertext oder ohne nennenswerten Wettertext tätig. Und dann mit dem Ende, Ende vom Gleitsegelwetter, wie gesagt, da war eine riesen Lücke auf einmal. Da waren, er hatte was abgedeckt, was sonst keiner abdecken konnte, so genaue und Thermikprognosen für Streckenflieger regional.

39:32Volker Schwaniz

Dann musste es auch ziemlich schnell gehen und dann kam der DRV eigentlich auf mich zu. Und wir haben so ein paar Versuche gemacht. Was kann man schreiben? Was ist, in welchem Zeitrahmen soll das machbar sein? Und ich mache das ja auch sieben Tage die Woche. Also da ist nicht mit Wochenende und Sonntag und im Urlaub, wenn die Jungs noch, mit denen ich fliegen gehe, die liegen noch im Bett, dann habe ich schon am Laptop. Und abends, wenn die sich duschen und Essens fertig machen, dann hänge ich auch noch davor. Naja, also es ist, selbst in dem Rahmen, wie das ist, es ist nichts aus dem Ärmel geschüttelt.

40:09Lucian Haas

Wenn du das so ständig machst, da ist ja ganz viel Routine dann auch dabei. Was ist denn für dich heute noch spannend am Wetter dann? Also was fängt dich dann heutzutage noch, wo du sagst, wow, das ist ja jetzt spannend. Und dann, wo du wirklich noch, ja, wieder der Meteor -Nerd in dir herauskommt und du dann morgens da vielleicht irgendwie sitzt und sagst, ha, jetzt weiß ich, warum ich das mache.

40:34Volker Schwaniz

Die Auswertung eigentlich der XC -Flüge am Abend oder teilweise am Nachmittag sind sie auch schon drin. Und dann sehe ich schon, habe ich mit der Basishöhe richtig gelegen? War es wirklich so ein guter Tag? Wann ist die Thermik sicher durchgezogen? Also wann konnten die Streckenflieger losziehen? Oder hat sich das weit nach hinten verschoben? Oder wann kamen die Zirren früher und haben den Tag eher beendet? Also wenn ich das dann sehe, was habe ich geschrieben? Und wie waren die Flüge? Da ist so der Jagdinstinkt, sage ich mal. Das will ich wissen. Da warte ich drauf, jetzt will ich los. Wann kommt der, der den ersten großen Streckenflug einstellt, um zu sehen, ob ich da richtig gelegen habe mit den Tagen? Mit dem Tag oder nicht? Das hat eine Faszination.

41:22Lucian Haas

Das heißt, an solchen guten Streckenflugtagen guckst du aber auch wirklich, machst du wirklich eine gute Nachbereitung auch immer für dich. Und du guckst wirklich an und guckst dir einzelne Flüge an und guckst dann aufs Höhenprofil und wie hoch sind die gekommen und sonstiges.

41:34Volker Schwaniz

Genau. Und wann ist hat die Thermik eingesetzt? Zum Beispiel, wenn und was enorm hilfreich ist, wenn dann auch mal im Tag in dem Kommentar steht, so und so viel Gegenwind gehabt oder so oder Vormittagsgegenwind. So was. Das nehme ich gerne auf und kann damit auch wirklich was anfangen

41:51Lucian Haas

dann. Dokumentierst du das auch für dich in irgendeiner Weise? Also nur im Kopf oder schreibst du das auch auf und sagst, okay, das war meine Textprognose. Die habe ich jetzt, wahrscheinlich archivierst du alle deine Textprognosen über die Jahre hinweg, schätze ich mal.

42:05Volker Schwaniz

Ja, ich habe so über die Dropbox, kann ich so mit einem Knopfdruck einen Screenshot machen. Das speichere ich dann in der Form ab. Und ja, früher habe ich auch die Karten zugestellt, in bestimmten Lagen abgespeichert. Speziell für die Dolomiten im Herbst, weil da versagen viele von den Modellen, von den Thermik -Apps doch noch. Aber mittlerweile brauche ich das nicht mehr. Da kann ich, da kriege ich das so hin.

42:35Lucian Haas

Guckst du auch manchmal so über den Tag, bei so tollen Tagen ins Live -Tracking? Da sieht man ja auch häufig, also wenn man so bei Burner aufs Live -Tracking guckt, sieht man in einer Ecke, da sind jetzt gerade 20 Gleitschirme gleichzeitig zu sehen, sagt man, da hinten geht es wohl ziemlich gut und in anderen Ecken sieht man viel weniger oder sowas. Ist ja auch eine Möglichkeit, dann einen relativ guten Hinweis zu bekommen, wo geht es gerade gut? Welche Ecken werden viel beflogen? Wo wird vielleicht auch weit geflogen, wenn man sich die entsprechenden Tracks dann anzeigen lässt? Nutzt du sowas dann auch schon? Oder wirklich nur der Tag ist mit etwas anderem beschäftigt und abends sagst du dann, jetzt mache ich wirklich die Tagesrückblick -Analyse dann so?

43:13Volker Schwaniz

Also in der Regel gucke ich dann, gucke ich mir das nicht an. Ab und zu schon, besonders wenn ich weiß, dass Bekannte von mir in irgendeiner Ecke fliegen, die dieses Live -Tracking mitlaufen lassen. Das ist schon, aber eigentlich ist dann so ein Tag über, bin ich auch mal froh, wenn ich mal vom Computer wegkomme. Das muss ich einfach sagen. Und abends sehe ich dann alles, was ich wissen will und dann ist wieder das Wetter dran. Zwischendurch muss auch mal Zeit für etwas anderes sein.

43:41Lucian Haas

Mit deiner großen Wetterkenntnis, die du hast, wie hat die denn deine eigene Wetterkenntnis, deine eigene Fliegerei beeinflusst?

43:49Volker Schwaniz

Ja, sie ist zielgerichteter geworden und entspannter. Also es ist dann auch über die Jahre, muss man sagen, die Ansprüche, die ich selber an meine Flüge habe, sind mehr Richtung, ich möchte einen schönen Flug, einen schönen Flugtag haben. Und ob das jetzt 500 Meter mehr Basishöhe ist oder weniger, ist dann nicht mehr entscheidend. Und Strecken ist sowieso nie mein Ding gewesen. Ich habe einmal Streckenflug gemacht und wollte 100 Kilometer in Pinzgau fliegen. Und ehrlich gesagt, nach drei Stunden war mir das so langweilig. Und dann bin ich noch bis Hollerbach, habe da erst mal Zwischenlande gemacht und habe gesagt, egal, Strecke hin, Strecke her, das ist nicht mein Ding.

44:35Volker Schwaniz

Und ja, wie gesagt, ich kann halt sehr recht gut die schlechten Tage rausfiltern und gehe dann auch nicht fliegen. Oder verschliebe die Flüge dann vielleicht bis ganz spät, Nachmittag, Abend, um dann noch mal einen kleinen zu machen. Aber insgesamt, das Wohlfühlgefühl ist schon eine Güte, sage ich mal, die sich erarbeitet hat für mich selber. Das Wohlfühlgefühl, das kann ich nicht anders ausdrücken. Also ich versuche und ich muss mich an niemandem nichts mehr durchbeißen und nicht mehr durchkämpfen. Ich habe dann meine Vorstellung und wenn mir das passt, gehe ich fliegen. Und in dieser Wohlfühlblase fliege ich dann in meinem Rahmen einen schönen Flug und das finde ich toll.

45:25Lucian Haas

Würdest du denn sagen, durch deine Wetterkenntnis, womit man auch viel darüber weiß, was falsch oder nicht falsch, welche Risiken mit bestimmten Wetterlagen usw. verbunden sind, ist ja wahrscheinlich auch mit der Zeit immer größer geworden, dass du siehst, was zu was führt. Bist du da über die Jahre für dich im Grunde auch vorsichtiger geworden? Auch deswegen, dass du sagst, jetzt suche ich hauptsächlich diese Wohlfühlblase?

45:53Volker Schwaniz

Ja, und zwar speziell in der Auswahl der Fluggebiete. Wann bin ich wo und warum? Also ich meine jetzt die Hammergebiete.

46:07Volker Schwaniz

Beispiel, es hat sich dann mit so einer Gruppe, mit der ich dann immer unterwegs bin, mit den Kumpels herausgestellt, wir werden am glücklichsten, wenn wir die erste Septemberhälfte in Bassano sind. Das ist nicht der Top Spot, aber für uns ist es das. Es ist warm, man hat in der Regel keine Probleme mehr mit Gewittern, in Bassano keine Probleme mit Nordföhn in der Regel, man hat in Bassano in der Regel keine Probleme mit Bohrer Ostwind, wie in Slowenien. Man kann in der kurzen Hose fliegen. Eigentlich alles, alle Wettereinflüsse, die stören können, sind da zu dieser Zeit speziell, dieser Spätsommerzeit, ruhige Spätsommerzeit, minimiert.

46:54Volker Schwaniz

Und wir haben über sechs, sieben, acht Jahre schon da eine Flugausbeute, die ist phänomenal. Natürlich keine Rekordflüge, aber für uns das, was wir wollen.

47:06Lucian Haas

Sind auch durch diese ganzen E -Mails, XC -Datenbanken und Streckenfliegen, dass man immer sagt, darauf kommt es an. Glaubst du, dass viele Leute zu sehr danach gucken, nach den angeblich tollen, thermisch supertollen Flugbedingungen und dass sie halt viel zu wenig danach gucken, was will ich eigentlich? Ich will ja nur gemütlich fliegen. Wo finde ich eigentlich das gemütliche Wetter?

47:30Volker Schwaniz

Absolut, absolut. Also da gehen Sachen in den Köpfen der Flieger, der Unerfahrenen. Aber man ist ja dann heiß. Man brennt ja der unerfahrenen Flieger vor, die einfach falsch sind und vielleicht sogar gefährlich werden, dann in Richtung gefährlich gehen. Ich will mal ein Beispiel nennen. Eine bekannte Fliegerin fliegt nicht mehr. Eher eine vorsichtigere, mit viel hohen Sicherheitsbedürfnis, keine Turbulenzen wollte sie haben. Also so Thermiksohren wollte sie. Geht aber mit ihrem Urlaub, Jahresurlaub im Mai an der Emberger Alm.

48:09Volker Schwaniz

Ja, genau so. Und dass da natürlich bollert, ist ja klar. Aber das muss man ja wissen. Aber sie war nicht zu überzeugen, das mal irgendwie zu verlegen oder sich ein anderes Gebiet zu suchen, wo man einfach viel entspannter, ruhiger, sagen wir im Nordalpenraum. Da kann man dann im Nachmittag sich ganz locker aussuchen, wie stark soll es denn sein? Und dann weiß ich, es klingt ab. Es ist magische Luft, so Sachen. Aber sie hat es dann auch aufgegeben, weil sie nicht glücklich geworden ist.

48:44Lucian Haas

Das hängt ja auch viel damit zusammen, dass sich Piloten eigentlich zu wenig dann auch mit solchen Hintergründen der Meteorologie beschäftigen.

48:55Lucian Haas

Und da, was wir vorhin auch schon hatten, dass sie teilweise vielleicht auch nicht so bereit sind, so viel Zeit da rein zu investieren, um sich überhaupt die Grundlagen zu erarbeiten, um das so zu verstehen. Woran liegt das? Obwohl doch gerade Meteorologie eigentlich der Punkt ist, der ganz viel über die Sicherheit, aber ungeheuer viel auch über den Spaß, den wir beim Fliegen haben, letzten Endes mit entscheidet. Genau so was, dass man sagt, solche Bedingungen zu finden, die einem Spaß machen und nicht, indem man sich dann ängstigt und deswegen dann vielleicht aufhört, wo andere vielleicht noch toll fliegen, aber man selber sagen muss, das sind keine Wetterbedingungen für mich. Aber die kann ich für mich auch nur erkennen, wenn ich das ungefähr weiß, auch aus solchen Meteor -Prognosen oder so was herauslesen kann für mich. Das sind meine Bedingungen, mit denen ich gut zurechtkomme.

49:42Volker Schwaniz

Ja, das Problem ist in meinen Augen, dass sich die Leute nicht bewusst sind, dass sie mit dem Lehrstoff, der aus der Schulung kommt, dass das nur ganz grobe Züge und unheimlich schematisch dargestellt wird. Also daraus wirklich dann täglich die tagtäglichen Flugbedingungen in einem Gepäck, in einem Gebiet abzuleiten, das funktioniert, sag ich einfach, so gut wie nicht. Und das merken sie dann auch, das funktioniert ja nicht. Das ist ja Mist, das hilft mir ja nicht. Und dann kommt der Frust und dann kommen schnell die Sprüche. Hier ist sowieso immer alles anders. Warum soll ich mich dann überhaupt damit beschäftigen?

50:25Volker Schwaniz

Und einfach, es fehlt da ein bisschen so die Zähigkeit, sich so weiterzubilden, vorzuarbeiten. Bis man dahin kommt, für sich eine verwertbare Aussage treffen zu können.

50:39Lucian Haas

Aber ist das nicht auch vielleicht ein bisschen ein Manko in der Ausbildung, dass nämlich die Piloten, Pilotinnen nicht dahin ein bisschen stärker geführt werden und eben nicht nur darin gezeigt werden, das ist die super thermische Bedingung, sondern auch wirklich sagen, ich zeige euch jetzt mal, auf was man achten kann, um so ein gut Wetter, angenehmes Thermik Soaring hinzukriegen. Das sind die Bedingungen, die ihr eigentlich suchen solltet. Und nicht nur, dass man sagt, ja, in der Ausbildung wird dann gesagt, mittags ist es thermisch stark, dann dürft ihr jetzt als A -Schein -Piloten mal nicht fliegen. Ab 17 Uhr dürft ihr wieder raus und sowas. Aber wenn die dann ihren A -Schein haben, sind sie damit entlassen und stehen dann davor und wissen eigentlich nicht so ganz. Also wie könnte man denn die Meteo -Ausbildung in der Praxis verbessern, um gerade für diesen Anfänger, Durchschnittspiloten, Otto -Normal -Piloten, der vielleicht gar nicht die Hammer -Bildung hat, aber die die Hammer -Bedingung braucht, damit er da eigentlich das nötige Wissen hat, um damit umzugehen?

51:39Volker Schwaniz

Das ist eine schwierige Frage, muss man ehrlich sagen. Weil erinnere dich mal an deinen eigenen A -Schein, was für viele Informationen da ins Hirn reingestopft wurden. Von Luftrecht bis zu Aerodynamik, dann Vorflugregeln, alles neu. Und dann muss man die ganzen Sachen noch starten, landen. Einschätzung der Höhe. Was war das? Oder ist das oft auch ein Drama bei den A -Schein -Schülern? Und wenn man dann noch oben draufsetzen will, tiefgreifende Meteorologie und wir müssen dann wirklich auch mit Temp -Analysen arbeiten und Luftmassen analysieren. Damit überfordern würden wir die gnadenlos überfordern.

52:23Volker Schwaniz

Was schön wäre, wenn das mehr ins Bewusstsein reingeholt würde. Ihr habt jetzt zwar den A -Schein, aber seid mal ganz, ganz vorsichtig. Seid euch bewusst. Selbst eine normal starke Thermik, die für normal gute Piloten kein Problem ist, kann euch am Anfang runterholen. Und sich das auch wirklich bewusst machen. Es ist eine ganz schwierige Sache, weil es gibt auch immer wieder Leute, die setzen das super um. Die sind auch vielleicht so Intuitionsflieger, die können es einfach. Die haben einen groben Wetterrahmen. Und alles, was in dem Rahmen passiert, können sie aber handeln. Und die müssen gar keine super Temps analysieren.

53:11Volker Schwaniz

Aber das ist eher die Ausnahme.

53:15Volker Schwaniz

Ich habe auch keinen Königsweg dazu. Also ich kann immer nur raten, klemmt euch dahinter. Seid euch bewusst, das dauert lange. Und auf dem Weg dahin geht vorsichtig bei der Auswahl der Tage um.

53:29Lucian Haas

In einem Vorgespräch hast du mir mal erzählt, dass du gerade auch dabei bist, hast du, glaube ich, gerade zugeschickt bekommen, die Meteor -Fragen für die DHV -Prüfung. Da hieß es auch bitte an dich, was kann man da vielleicht überarbeiten? Was sollte man aktualisieren oder so etwas? Gibt es wirklich Meteor -Themen, wo du sagst, die kommen, also die wichtig wären, die aber bisher in der DHV -Prüfung so gar nicht vorkommen?

53:51Volker Schwaniz

Da gibt es nicht nur ein paar. Es kommt immer darauf an, wo das Ziel sein soll. Wie schon eben gesagt, die Arschhain -Leute sind halt wirklich schon von allen Seiten. Die werden mit Informationen zugepflastert, die auch wichtig sind.

54:09Volker Schwaniz

Und Meteo ist halt, das ist noch mal eine Welt für sich. Das ist wie, ich sage mal, eine andere Sprache lernen. Da nützt es nichts. Ich kann das A, B, C aufsagen auswendig. Davon kann ich aber noch keine komplizierten Texte verstehen oder mal einen Witz erzählen in einer Fremdsprache.

54:29Lucian Haas

Gibt es denn Sachen, wenn du sagst, du überarbeitest es jetzt? Ich weiß nicht, ob du mittlerweile da schon reingeguckt hast. Gibt es Sachen, wo du sagst, da muss auf jeden Fall was Neues her?

54:38Volker Schwaniz

Ja, es war eigentlich in dem letzten, das ist so eine Arbeitsgruppe, die Frage, was kann weg? Und das sind ja so ein paar, nicht nur in dem Meteorologie -Fach, sondern so ein paar Fangfragen, die keiner braucht. Also ich habe jetzt gerade keine im Kopf. Also Fragen, die einfach unnütz sind, die nur verwirren. Da wurde ziemlich viel weggestrichen und ein paar Sachen, die weggestrichen wurden, sollten bei der Meteorologie, habe ich gesagt, lass die mal drin. Zum Beispiel die Luftmassenbeschreibung, feucht, trocken. Weil das taucht im Flugwetterbericht schon immer mal auf und hat ja auch eine Aussage. Eine trockenkühle Luftmasse aus Nordwesten oder aus Nordosten, das sagt ja schon was über das Flugwetter aus.

55:25Volker Schwaniz

Und wenn ich dann diese Luftmassenbeschreibung weglassen würde, würden auch Informationen wegfallen. Also da habe ich gesagt, das zum Beispiel lassen wir das mal lieber drin. Das finde ich, hat nur Aussage wert.

55:37Lucian Haas

Was mir immer aufgefallen ist bei diesen Meteo -Ausbildungsgrundlagen, die dann da sind, da wird immer noch viel, glaube ich, aus der Tradition heraus oder wo das halt so herkam, wird viel mit den Augen geguckt, wie es von der klassischen Flugmeteorologie her geguckt wird. Also die großen Flugzeuge, die auch in großen Bereichen sich bewegen. Da wird auch von Thermikauslöse gesprochen. Aber diese Thermikauslöse kommt eigentlich von der Tradition her, von den Segelfliegern, die sagen, ich lasse mich auf 600 Meter hoch schleppen und bis dahin muss die Thermik dann halt entsprechend hoch reichen. Aber für mich als Gleitschirmflieger habe ich vielleicht auch schon Thermik, die reicht nur 300 Meter hoch, die kann ich aber nutzen. Aber dann wird der klassische Flugwetterbericht sagen, Thermikauslöse noch lange nicht, aber ich fliege schon in dieser Thermik und so was.

56:24Lucian Haas

Gerade diese kleinräumigen Prozesse und das, was am Hang stattfindet und so, das, was wirklich auch im Grunde nur wir Gleitschirmflieger und Drachenflieger auch noch, aber nur wir so erleben, was ein Segelfliegerteil viele dieser Prozesse gar nicht so erleben wird und die größeren Motorflieger erst recht nicht. Die haben dann auch gar keine Vorstellungskraft dafür und auch die Meteorologen beschäftigen sich dann, also die großen Flugwettermeteorologen beschäftigen sich dann auch nicht damit, es sei denn, sie fliegen auch Gleitschirm. Wäre es nicht wichtig, noch mehr von solchen Themen auch in die Ausbildung mit reinzunehmen? Also kleinräumige Turbulenzen, was kann Strömungsphänomene, die an irgendwelchen Geländern auftreten oder auch so Sachen wie, klar wird es als Gefahr genannt, aber wirklich noch besser erkennen zu können, beispielsweise wie, welche Bedingungen führen zu irgendwelchen Dust Devil -Entwicklungen und so etwas.

57:15Lucian Haas

Wo dann ein Segelflieger, der halt hochfliegt, dem kann das relativ egal sein, wenn sich untenrum so ein kleiner Thrombus bildet, aber für uns als Gleitschirmflieger, der gerade im Landeanflug ist und dann in 20 Meter Höhe da durchgewaschen wird, ist das ja absolut kein Spaß. Und dass man da noch viel mehr schon in der Ausbildung erkennt, das Kleinräumige, wie hängt das zusammen, wie kann sich so etwas bilden und da dann halt auch die Hinweise zu geben, was sind denn so die sichtbaren Erkennungszeichen dafür, worauf sollte ich dort achten?

57:46Volker Schwaniz

Wäre auch eigentlich eine wichtige Sache oder ist eine wichtige Sache. Das Problem ist, es kommt ja diese ganze Flugmeteorologie von der Leerstoff aus dem Segelflieger. Der Flugbereich, der wurde ja quasi übernommen und dann erst so nach und nach ein bisschen angepasst und vieles der kleinräumigen Sachen, also zum Beispiel Dust Devils, sind meines Wissens mittlerweile schon recht, werden besprochen im A -Schein, schon mit drin. Aber wenn man das jetzt alles aufschreiben wollte, ja, dann kommt man auch wieder so in den Wälzer, 5000 Seiten vielleicht, die sich keiner durchliest. Also was ein Weg wäre und da ist bestimmt bei vielen Flugschulen auch einer, dass man in dem Gebiet, wo man dann fliegt, wo man schult, wirklich auch ausgiebig auf die Eigenheiten und die auch den klimatischen Hintergrund eingeht.

58:45Volker Schwaniz

Mal speziell in Emberger Alm, da werden ja auch viele A -Scheine gemacht von deutschen Schulen, dass man dann auch wirklich sagt, hier, wir fliegen zwar hier A -Schein, es ist Mai, aber achtet drauf, wenn ihr mit Freiflieger seid, dass ihr da nicht in Tage reinkommt, wo es wirklich hammermäßig hochgeht und guckt auf den Talwind, wo kann Lee sein, wie entwickelt sich das Gebiet bei südlichem Wind, da gibt es ja selbst an der Emberger schon ein bisschen föhnige Effekte. Das sind so die dann Eigenheiten und Kleinigkeiten, die man dann eigentlich über die Gebietseinweisung, sag ich mal, am besten den Leuten näherbringt.

59:31Volker Schwaniz

Das wird man nicht in einem Schlag alpenweit schaffen, glaube ich nicht. Aber so nach und nach für die Gebiete und dann auch sagen, baut in den Gebieten, wo ihr fliegt, erstmal Erfahrung auf, rennt nicht von einem Hotspot zum anderen, sondern nehmt euch Zeit, die Gebiete zu verstehen und dann geht ihr weiter. Das wäre eigentlich so mein Gedanke zu dem Thema.

59:55Lucian Haas

Nun beobachtest du das Wetter schon seit vielen Jahren halt so intensiv. Was ist dir denn dabei selber auch so an Veränderung aufgefallen? Hat sich der Wettercharakter, der Flugwettercharakter für uns wirklich über diese 20, 30 Jahre, die du das jetzt machst, verändert?

1:00:13Volker Schwaniz

Man muss dann sagen, wir reden ja jetzt vom Klima. Und 20, 30 Jahre sind Peanuts fürs Klima. Das fängt so gerade an. So kann man mal versuchen, ein bisschen eine Tendenz rauszulesen.

1:00:30Volker Schwaniz

Aber hat sich was verändert? Also gefühlt, ich muss jetzt sagen gefühlt, waren vor allem so diese Jahre 1990 bis 2010 enorm fliegerfreundlich. Oder vielleicht sogar bis 2015. Viele sehr warme, hochdruckgeprägte Jahre. Aber gehe ich jetzt mal nur vom gemeinen Gefühl aus, wo man auch hier im Mittelgebirge Flachland bei uns, mit den Südlagen, viele Gebiete toll fliegen konnte. Und danach kam so ein bisschen ein Umbruch, wo lange Nord-, Nordostlagen, die wir hier jetzt speziell vor Ort wenig nutzen konnten. Und das hat sich eigentlich mit den durchwachsenen Lagen eher noch so auf dem nicht so hohen Level gehalten, sage ich mal.

1:01:20Volker Schwaniz

Ich will das jetzt nicht als Klimatrend per se titulieren. Sondern man muss sich bewusst sein, das Klima ist ja immer nur der rechnerische Mittelwert aus den normalen Schwankungen des Wetters. Und da gehören auch ein Jahrhundertsommer dazu. Und da gehören auch eine Jahrhundertflut dazu. Und man kann nicht sagen, wenn jetzt das Klima sich nicht wandeln würde, würden wir alle nur bei 17,5 Grad Mitteltemperatur Tag und Nacht alle Glückseligkeit erleben. Die Schwankungen bleiben immer da. Und diese Normaltemperaturen sind ja nur rechnerische Werte aus den Schwankungen. Und man muss dem Klima wirklich viel Platz lassen, ehe man eine Aussage trifft.

1:02:05Volker Schwaniz

Dass es wärmer wird, ist klare Sache. Das ist zu sehen. Das ist auch in diesen langfristigen Schwingungen des Klimas, wenn man das mal über die letzten 2000 Jahre sieht. Wir sind in einer Warmphase. Und dann muss man den Wissenschaftlern glauben, plus des Effektes, den der Mensch dann noch hat. Und dann muss man auch sagen, was ist das, was uns noch verursacht?

1:02:26Lucian Haas

Temperatur und Durchschnittstemperaturen ist ja das eine. Klimawandel heißt ja dann auch, dass sich bestimmte Wettermuster verändern. Aber dann auch bestimmte Sachen zumindest zu bestimmten Jahreszeiten verstärken können. Weil es vielleicht stärkere oder schwächere Temperaturunterschiede gibt zwischen größeren Räumen, die dann zu wieder Windverstärkung oder Windabschwächung und so weiter führen. Gibt es denn da Sachen, wo du auch gefühlt, weil man es vielleicht nicht absolut schon so nachweisen kann, aber wo du sagen könntest, gefühlt ist es eher so, dass ich sehe, Starkwindlagen nehmen zu oder grundsätzlich die Talwinde in den Alpen sind über die Jahre eigentlich im Durchschnitt eher stärker geworden oder so etwas. Also hat vielleicht mit dem schon für viele Leute gefühlt erkennbar laufenden Klimawandel, hat sich da das Flugrisiko vom Wetterrisiko her gesehen für uns schon erhöht?

1:03:19Volker Schwaniz

Puh.

1:03:23Volker Schwaniz

Also ich kann es so nicht bestätigen, sagen wir es so. Also ich will es nicht ausschließen, aber wenn man mal so überlegt, selbst wenn die Temperatur um 2 Grad steigt, wer ist denn so feinfühlig, um das wirklich zu fühlen zu können und sagen zu können, ja, ich merke, jetzt ist es wärmer geworden. Ohne da auf die reinen Zahlen und die Archive zu schauen, um die Zahlenarchive zurückzugreifen. Genauso beim Wind. Da muss man eigentlich wirklich dann eine Zeitreihe und die Extremwerte sich angucken, um eine Aussage zu treffen. Jetzt gefühlt kann ich das nicht sagen. Ich habe gefühlt, der Talwind ist jetzt 3 -4 Stundenkilometer stärker.

1:04:11Volker Schwaniz

Das kann ich nicht. Man muss dann wirklich auch immer über die langen Zeiträume Aussage treffen. Und da gehört dann auch mehr als ein Jahrhundertsommer dazu oder eine Jahrhundertflut oder ein Jahrhundertsturm, um dann mindestens irgendwie eine Grade ziehen zu können, eine Trendaussage treffen zu können. Also so pauschal kann ich es nicht ausschließen, aber gefühlt, ich habe es nicht fühlen können.

1:04:38Lucian Haas

Ich erlebe es immer mal wieder, auch wenn ich in den Alpen bin, da vielleicht sogar noch stärker als hier, dass mir dann Leute da erzählen, die dann auch ihr Leben lang auf der Südalpenseite beispielsweise gewohnt haben, die dann sagen, so Sommer wie die letzten, wo es immer so viele Gewitterlagen über Wochen hinweg gab, das gab es früher nicht, so etwas. Sind das aber so Sachen, wo du sagen würdest, da ist vielleicht auch dein Gefühl für früher ein bisschen zusammengestaucht? Und dann erinnerst du dich vielleicht an den entsprechenden Gewittersommer vor 20 Jahren halt auch nicht und jetzt war halt mal wieder so ein Gewittersommer? Oder ist es wirklich so, dass man sagen kann, es wird wärmer, die Luft kann damit auch mehr vorgehen? Es wird mehr Feuchtigkeit aufnehmen, im Großen und Ganzen gesehen, das sagen auch alle Klimaforscher, die sagen, okay, es wird feuchter, es wird mehr Starkregenereignisse geben, es kann mehr Gewitter geben und sowas.

1:05:27Lucian Haas

Und das ist das jetzt schon, was wir sehen? Oder ist es einfach nur halt gefühlt mal die Überspitzung eines schlechten Sommers oder sowas?

1:05:37Volker Schwaniz

Also um auf den Punkt zu kommen, eher das Gefühl. Und man muss ja sagen, wenn man dann Flieger ist, dann ist natürlich ein Sommer, der wirklich fliegerisch schlecht nutzbar ist, mit vielen Gewittern oder anderen Unbillen, der schmerzt ja körperlich, sind wir ja mal ehrlich. Früher hat man, naja, gut, okay, gehen wir halt nicht ins Freibad. Und jetzt, oh, das nimmt einen ja richtig mit. Und wenn dann der Urlaub auch noch verregnet ist, dann brennt sich das ins Hirn ein. Aber man muss dann eigentlich wirklich über die längere Sicht sehen und so Sachen. So gibt es halt auch mal so richtig üble Sommer, so richtige infizierte Lagen, die sich dann auch immer wieder selbst regenerieren.

1:06:27Volker Schwaniz

Und dann haben wir den Sommer dauernd nur schwüle Gewitterluft und immer nur Südwestlagen. Und das ist aber auch alles noch im Rahmen des Normalmöglichen. Man muss, um dann zu sagen, das geht jetzt in eine bestimmte Richtung, immer wieder viele, viele Jahre lange Zeiträume beobachten und das dann auswerten. Aber gefühlt und nicht nur gefühlt kann ich eigentlich fast immer sagen, das ist jetzt nur im Kopf der Flieger speziell der Schmerztest, der sich dann einstellt. Oder auch natürlich ja immer im anderen Fall, wenn eine superduper Jahrhundertsommerlage ist und diejenigen, die die Nutzung konnten vom fliegerischen Können her, für die hat sich dieser Sommer, dann geht es an dem alten Lager, im alten Lager, da fliegen wir 3000 Meter hoch.

1:07:15Volker Schwaniz

Naja. Ja, einmal in 20 Jahren ist vielleicht so ein Sommer, dass man da über viele Tage die Höhen erreicht. Aber für die, die eingebrannt haben, im alten Lager geht es 3000 Meter hoch.

1:07:29Lucian Haas

Ist da vielleicht auch so ein bisschen, also für diese Frusterlebnisse zumindest, ist da vielleicht auch so ein bisschen der Fluch der XC -Datenbanken, weil man halt, wenn man da immer reinguckt täglich und sagt, wo wurde denn geflogen? Man sieht, irgendwo wurde immer geflogen. Und man selber sitzt dann in dem Gebiet, wo man sagt, ja, aber hier war Scheißwetter und die anderen haben immer Glück und bei mir ist Scheißwetter, also dass sich so eine Schlechtwetterlage zumindest im Kopf quasi potenziert und das eigene Fliegerimmunsystem dann da verrückt spielt so ungefähr. Das dann alles noch stärker dem Wetter anlastet, als es eigentlich wäre.

1:08:06Volker Schwaniz

Auf alle Fälle. Also dadurch, dass man sofort am Abend sieht, wo war der Tag am idealsten nutzbar, verschiebt sich natürlich auch das, was die Leute als, bei uns war es, Scheiße auf Deutsch gesagt, war vielleicht nur zwei Stunden Flug mit vielleicht nur 300 Meter Überhöhung. Früher war das eine tolle Sache. Mittlerweile, oh, wenn sie dann aber unten 100, 150 sonstwie Kilometer geflogen werden, oh, so ein Mist da und wir haben hier im Scheiß, im Shit gehangen. Also da verschiebt sich die ganze, was ist gut, was ist schlecht enorm. Das ist schon zu sehen und glücklicher macht das die allermeisten Flieger nicht.

1:08:53Lucian Haas

Welches Wetterthema oder welches Phänomen ist für dich heute noch am spannendsten eigentlich?

1:09:01Volker Schwaniz

Eigentlich für mich selber die Entwicklung im weiten Vorhersagebereich. Wie platziert sich die Frontalzone? Wie stellen sich die Wettersysteme um? So alles, was so gerade so über der seriösen Wettergrenze ist und so ein bisschen rumorakeln. Was macht die Stratosphäre dazu dabei? Oder da gibt es ja dann diesen Polarwirbelsplit, der dann die Strömung in der oberen Atmosphäre verbiegt und dann wahrscheinlich oder häufiger zu bestimmten Wetteranomalien im Bodendruckbereich führt. So damit rumorakeln. Das macht mir aber nicht... Das macht mir am meisten Spaß. Das ist spannend. Hat jetzt nicht immer einen super zielführenden Ausgang, aber macht mir Spaß.

1:09:51Lucian Haas

Wann wurdest du das letzte Mal in der Luft selbst vom Wetter überrascht? Im Positiven wie im Negativen?

1:09:57Volker Schwaniz

Auch im Positiven schon des Öfteren, dass es einfach früher ging, höher ging, einfach die Thermik besser nutzbar war. Was natürlich auch immer ein bisschen mit der eigenen Tagesform zu tun hat. Also es gibt Tage, da kann man mehr Turbulenzen ab als an anderen Tagen. Aber richtig überrascht. Also es ist schon viele Jahre her. Also ich vermeide dann und bin auch dann, wenn ich einmal so in Fettnäpfchen getappt bin, sehr aufmerksam, dass mir das nicht nochmal passiert. Also ein Flug ist mir sehr in Erinnerung. Das war auch 2010 an der Emberger. Da war kein Gewitter angesagt.

1:10:42Volker Schwaniz

Eigentlich ein guter Streckentag. Es ist aber doch aus Süden labile Luft reingesickert, die dann so Richtung Lienz starke Gewittertätigkeit sogar recht früh am Mittag schon ausgelöst hat. Und wir sind hochgefahren und ganz im Kopf nur die Prognose, es ist heute gut, es gibt kein Gewitter. Man dödelt rum, man macht sich fertig. Und dann bin ich auch eher spät rausgestartet, biege nach rechts ab und sehe alles rabenschwarz. Leute! Und das war dann einmal so ein Scheiß. Was ist denn da los? Und dann war echt Alarm. Da musste ich dann auch sehr, sehr zügig nach unten mich verabschieden. Aber das sind Sachen, die hatte ich nicht im Kopf. Da bin ich überrascht worden.

1:11:27Volker Schwaniz

Es ist nichts passiert, aber es hat mich dann doch geärgert. Man hätte nochmal vorm Start wirklich rechts, links, oben, unten sich versichern müssen, dass man zumindest im Augenscheinbereich wie die Lage ist.

1:11:41Lucian Haas

Gerade wenn du sagst rechts, links gucken. Wenn du zu so einem Startplatz fährst, nutzt du dann auch manchmal auch noch quasi Windy als App auf dem Smartphone und sagst, ich gucke hier nochmal, bevor ich starte, einmal nochmal an, quasi einmal Satellitenbild oder einmal Regenradar oder sonst etwas. Oder guck einmal nochmal die Windstation, die man sich da ja auch anzeigen kann in der Umgebung. Einfach nur einmal vorm Start so angucken, ist irgendwie etwas Ungewöhnliches dabei. Machst du so was? Wie so quasi Startplatz? Routine, Wettercheck nochmal kurz?

1:12:13Volker Schwaniz

Also eher selten. Bei Windwerten schon immer mal wieder. Da gucke ich schon drauf. So die Referenzpunkte Sonnenblick. Jetzt werden wir mal an der Emberger bleiben oder auch so innerhalb im Dolomiten. Oben am Selajoch ist eine Station oder Rittnerhorn ist auch für die Dolomiten eine wichtige Sache. Und natürlich Nordalpenrand, Patscherkovel, wenn Föhn in der Luft liegt, föhnige Strömungen. Das gucke ich mir dann schon auch mal am Berg sitzend nochmal an. Den Rest eigentlich nicht. Das habe ich dann eigentlich so im Griff, sage ich mal, dass ich das, was ich sehe, einschätzen kann. Aber ich muss sagen, ich habe auch schon daneben gelegen. Und wenn ich das auch noch mal als Tipp loswerden kann, dass die Leute wirklich den Flugwetterbericht lesen und in dem Rahmen, der da steht, dann auch die Wolken, das, was sie sehen, deuten, sprich die Wolken speziell.

1:13:07Volker Schwaniz

Das heißt, wenn die Wolken da sind, wenn zunehmender Hochdruck erwartet wird, dann stört mich eine dickere Quellung in der Ferne viel weniger, als wenn abnehmender Hochdruckeinfluss, aus Südwesten kommt labile Luft. Wenn dann die Lage in diese Richtung geht, dann deute ich dieselbe Wolke ganz anders mit einem höheren Gefahrenpotenzial oder bin früher unten als bei einer Lage, wo gesagt wird, es stabilisiert sich eher oder es kommt trockene Luft ran.

1:13:36Lucian Haas

Das hieß aber auch, ich als Flieger könnte, wenn ich es nicht selber aus diesen ganzen Karten so herauslesen kann, ist es vielleicht auch sinnvoll, ein Textwetter zu lesen, wo einfach mal so eine Grundwetterentwicklungsbeschreibung mal drin ist.

1:13:48Volker Schwaniz

Ja, auf alle Fälle. Wenn man nicht wirklich mit den Karten sattelfest ist, dann gehört ein Textwetter immer dazu. Also ich habe ja hier bei dem letzten DRV -Meeting, das ist auch als Video auf der DRV -Wetter -Startseite.

1:14:04Lucian Haas

Das verlinke ich dann auch noch mal in den Shownotes bei mir.

1:14:07Volker Schwaniz

Und da kann man, da gebe ich Tipps für gute Textwetter. Und ein gutes Textwetter, wenn irgendwie greifbar, sprich in der Sprache, die man versteht, gehört immer dazu, weil es ist doch was rauszulesen, was in den Karten schnell mal unter den Tisch fällt oder was man übersieht als nicht wirklich ganz geübter. Gehört immer dazu, ist schnell abgearbeitet, gehört immer dazu.

1:14:34Lucian Haas

Volker, letzte Frage.

1:14:37Lucian Haas

Welches war dein vielleicht schönstes wetterbezogenes Erlebnis, das du beim Fliegen mal hattest?

1:14:43Volker Schwaniz

Das war eigentlich, kann ich so, sofort platzt das raus. Das Erkennen des Zeitraumes, den ich vorhin schon beschrieben habe in Bassano, wo alles so funktioniert, wie ich es mir wünsche und nicht nur ab und zu mal, sondern mit einer Regelmäßigkeit, die traumhaft ist. Das ist einfach, dann ist alles gut. Das kann man, ja, das ist, wir haben uns auch da dran arbeiten müssen. Wir waren erst Ende September, Anfang Oktober, da war schon immer viel mit Bassano -Smog und drüber Luft. Und dann hat man ja gemerkt, je mehr wir Richtung Sommer gehen, also etwas mehr Richtung September uns bewegen, desto wärmer ist es und dementsprechend weniger Smoglagen. Ah, das ist ja gut. Und ja, dann haben wir, bis wir dann die Zeit raus hatten, da Anfang bis Mitte September, die ist begnadet da für mich, das ist toll.

1:15:36Lucian Haas

Das heißt also, als Tipp, wenn jemand dich mal kennenlernen will, muss er einfach zwei Wochen Urlaub Anfang September in Bassano buchen, dann wird er dich dort irgendwo am Startplatz oder in der Antica Abbazia oder sonst irgendwo was, wird er dich dann antreffen können und auch mal einen direkten Wettertipp von dir abholen. Ja,

1:15:56Volker Schwaniz

auf alle Fälle, auf alle Fälle.

1:15:59Lucian Haas

Volker, ich danke dir für deine tollen Erzählungen rund um mich. Ich danke dir auch für dein Video. Ich denke, du machst da eine wirklich supertolle Leistung, was du da mit dem DAV -Wetter vor allem immer zur Verfügung stellst, aber auch das sonstige Wetterwissen, was du dann in den entsprechenden DAV -Infotexten und sonst was da immer auch noch weiter trägst. Also vielen Dank dafür, sage ich dir einfach mal, im Namen aller Piloten. Ich nehme mir das jetzt mal raus, da so reden. Und ich hoffe, du machst das noch eine ganze Weile weiter, weil das wirklich für viele sicherlich eine sehr, sehr gute Hilfestellung ist.

1:16:30Volker Schwaniz

Ja, also ich habe eigentlich, es macht mir Spaß. Ich habe weiter das vor. Und wenn ich da mal den Karelmann zitieren darf, dass er mir damals da am wetterzentralen Treffen gesagt hat, bei der Meteorologie ist Alter ein Vorteil, denn man hat Erfahrung gesammelt und das kann man sich nicht anstudieren, Erfahrung. Und ich kann das nur unterstreichen, weil über die Jahre, das sind Sachen, die sich über die Jahre dann entwickelt haben, die brauchen Zeit. Und ja, dementsprechend habe ich noch Spaß daran und freue mich da hoffentlich noch lange mitarbeiten zu dürfen.

1:17:14Lucian Haas

Gut, dann bleibst du uns als Elder Statesman oder Elder Meteor Man einfach dann noch erhalten. Volker, ich danke dir und dir noch eine gute Zeit. Ja,

1:17:24Volker Schwaniz

dir auch, Luciano. Und auch nochmal großes Lob für deinen Blog. Ciao.

1:18:11Lucian Haas

Ciao.

1:18:44Lucian Haas

Ciao.

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