Das war sogar so die Krönung, dass ich am Ende gedacht habe, was mache ich denn jetzt als nächstes und mir ist nichts eingefallen. Also das war für mich schon immer von Anfang an der Traum, einmal vom Atlantik bis zum Mittelmeer zu fliegen, ohne auf andere Mittel als meine Beine und meinen Schirm zurückzugreifen. Wenn ich das jetzt in vier Tagen abgeritten hätte, weil das Wetter so perfekt ist, dass du jeden Tag 150 Kilometer fliegen kannst. Ich weiß nicht, ob mir das besser gefallen hätte.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Boris
Stähli und
ich bin Lucian Haas.
Mit Schirm und Zelt auf dem Rücken einfach tagelang durch ein Bergmassiv laufen und fliegen. Das ist die Idee des Volbiv. Von dieser Art des Biwak -Fliegens träumen viele Gleitschirmpiloten. Es gilt als besonders starker Ausdruck der fliegerischen Freiheit. Der 53 -jährige Boris Stähli aus Bonn hat sich diesen Traum erfüllt. Eine Woche nachdem die Teilnehmer des diesjährigen Hike -and -Fly -Rennens X -Pure durch die Pyrenäen rauschten, ging er mit fünf gleichgesinnten Piloten an der Atlantikküste an den Start, um in ähnlicher Manier, nur ohne Hast, ebenfalls bis ans Mittelmeer zu gelangen. Sie nannten ihre Tour die Transpyrenäen -Rallye, kurz T -Pure.
Für Boris war es ein Abenteuer, das ihm starke Glücksgefühle bescherte. Es brachte ihn aber auch an die Grenzen seiner körperlichen Belastungsfähigkeit. Diese 88. Folge von Podz-Glidz ist keine Nacherzählung der einzelnen Wander - und Flugetappen. Vielmehr berichtet Boris unter anderem über die Hintergründe des Projektes, seine Vorbereitung, die Ausrüstung und wie ihn zwei frühere Flugunfälle dazu führten, auch bei dieser Tour auf ein strenges Risikomanagement zu achten. Wenn dir Podz-Glidz gefällt, wenn dir Podz-Glidz gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit als Förderer. Wie das ganz einfach und ohne jede Verpflichtung möglich ist, erfährst du auf der Website meines Blogs Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern.
Boris, wie ist es, einen Tag lang mit 18 Kilogramm Gleitschirmausrüstung auf dem Rücken durch den Regen zu laufen?
Das ist nicht sehr schön. Es ist eine sehr feuchte Angelegenheit. Es ist sehr kalt. Vor allem, was man dann immer nicht so vor Augen hat, Regen und in den Bergen, bedeutet auch, dass der Regen sehr kalt ist. Der ist eisig und die Stimmung trübt sich dann schon sehr ein. Also es ist nicht sehr schön.
Hattest du dir denn so dein großes Pyrenäen -Abenteuer vorgestellt?
Ich war darauf vorbereitet. Ja, ich war nicht zum ersten Mal in den Pyrenäen, sondern es war jetzt der zweite Versuch, diese Reise zu machen. Und ich wusste, dass ich oft mit Tagen rechnen kann, wo die nicht bilderbuchartig zu fliegen sind, wo man nicht den ganzen Tag schön durch die Sonne segelt und lange Strecken fliegt, sondern ich wusste, dass es erstens wettertechnisch sehr schwierig sein kann mit Regen und Wind und Gewitter. Und ich wusste auch, dass ich deswegen sehr weite Strecken laufen muss. Also war meine Moral an dem. Den einen Tag. Den Tag, auf den du anspielst. Nicht sehr weit im Keller. Schön ist das nicht, aber man muss halt durch. Und mich hat der Tag 30 Kilometer weiter Richtung meines Zieles gebracht, Richtung Mittelmeer.
Deswegen war das in Ordnung.
Warum hast du so einen Tag nicht einfach ausgesessen? Du hättest ja auch sagen können, ich bleibe einfach an dem Ort, schlage mein Zelt dort auf oder ich gehe in eine Bar rein und warte dann einfach ab. Und ich gehe am nächsten Tag weiter, wenn es dann vielleicht trocken ist.
Ja, das hat zwei Gründe. Der eine Grund ist so psychologisch emotionaler. Ich mag es nicht, ruhig zu sitzen und zu warten. Der zweite Grund ist, dieser Regentag war an einer Stelle, wo ich schon vorher in meiner Vorbereitung gesehen habe. Da ist die Wahrscheinlichkeit zu fliegen geringer als weiter im Zentrum der Pyrenäen, weiter Richtung Mittelmeer. Und ich wollte einfach diese Zone mit Potenzial schaffen. Ich will schlecht im Wetter schnellstmöglich überbrücken. Und deswegen setze ich mich nicht hin und warte, bis es vorbei ist, sondern mache Kilometer auf dem Boden.
Jetzt sind wir mittendrin eigentlich schon in dieser Story. Aber erzähl mal überhaupt den Anfang. Wie kam es zu dieser Idee, eine Transpyrenäen -Rally zu machen? Ihr habt das T -Pure, glaube ich, genannt. Wie ist sowas entstanden?
Die Idee ist eigentlich, es ist auch eine zweigeteilte Frage. Einmal die Idee, wie das bei mir entstanden ist, mich für die T -Pure. Oder für die Pyrenäen generell zu interessieren. Und der zweite Teil ist, wie es dazu kam, dass wir in einer Gruppe unterwegs waren. Der erste Punkt ist, als ich 2016 meinen Gleitschirmschein gemacht habe. 2006, Versprecher, 2006. Habe ich relativ kurz danach einen Bericht gelesen. Damals in der Gleitschirm hieß das, glaube ich, in der Zeitung. Wo Leute eine Biwaktour gemacht haben. Die dann von einem Berg zum nächsten geflogen sind. Gezeltet, biwakiert haben. Das hat mich unglaublich gereizt. Weil ich auch damals schon gerne in der Natur, in den Bergen unterwegs war.
Und gerne wandere. Und das war für mich so der Ansporn, das Gleitschirmfliegen richtig zu lernen. Weil ich da ganz teilweise auch naive Vorstellungen hatte. Dass man morgens ausschlafen kann. Dann startet man von da, wo man gecampt hat. Man segelt ein bisschen in der Gegend rum. Und wo es einem gefällt, landet man. Und kann dann am nächsten Tag weitermachen.
Genau. Der nächste Punkt ist, das hat mich nie losgelassen, diese Idee. Gerade auch die Pyrenäen. Weil die sich relativ gut eignen für so eine Biwaktour. Die sind vielleicht etwas wilder als die Alpen. Aber gerade das macht für mich auch so einen Reiz aus. Und deswegen habe ich das Thema eigentlich immer im Hinterkopf verfolgt. Und das war eines meiner großen Ziele, Gleitschirmtechnisch das umzusetzen. Der zweite Punkt ist, weil ich das immer vorhatte, habe ich mir Anfang letzten Jahres einen Zeitpunkt gesetzt und gesagt, ich mache das jetzt im Juli. Weil wettertechnisch der Juli, der Monat ist mit den wenigsten Regentagen.
Und bin durch Zufall mit einem Freund, den ich kennengelernt habe, darüber ins Gespräch gekommen. Und der sagte, da gibt es eine Chatgruppe, die sich gerade gebildet hat auf Telegram. Wo jemand aus Großbritannien eine Tour organisiert dahin. Und dann habe ich gesagt, ja, das ist interessant. Es gibt viele Leute, die das machen. Auch gerade durch die Expure ist es ja populär geworden. Habe es mir aber trotzdem angeguckt. Habe den Kontakt aufgenommen. Und habe festgestellt, dass mich die Idee eigentlich doch auch interessiert. Und die Idee ist, sich mit allen Leuten, die mitmachen möchten, dann am Atlantik zu treffen. Da gemeinsam loszulegen. Und dann keine Rennen zu veranstalten. Also es geht nicht darum, wer ist am schnellsten.
Sondern es geht darum, gemeinsam loszulegen. Und sich dann gegenseitig ein bisschen Unterstützung und Kameradschaft zu geben. Der erste Tag ist man natürlich komplett gemeinsam unterwegs. Aber schon am ersten Tag abends splittet sich das dann auf. Weil jeder eine andere Route wählt. Jeder weiterkommt und so weiter. Und wir haben dann eine Live -Tracking -Seite eingerichtet. Wir waren permanent über unsere Inreaches miteinander in Kontakt. Also hat es auch Sicherheitsaspekte, die dadurch gewährleistet sind.
Weil du immer von allen anderen quasi unter Beobachtung stehst. In positiver Hinsicht.
Genau. Wir hatten tatsächlich auch Leute, die uns zu Hause beobachtet haben. Und die auch gesagt haben, wir gucken jeden Tag rein, wer wo ist. Und wir erwarten von euch auch, dass ihr ein Lebenssignal sendet. Damit dann nichts passiert. Haben wir zum Glück alles nicht gebraucht. Es gab weder Unfälle noch irgendwelche Vorkommnisse. Es ist alles super glatt gelaufen. Aber das lag auch, glaube ich, daran, dass es eine Gruppe war von anfangs 6 Leuten. Die ein relativ hohes Niveau Gleitschirmfliegerisch hat. Und auch sehr sicherheitsbewusst das Ganze angegangen ist. Das hat sich ein bisschen daran auch festgemacht.
Die auch alle schon Hike -and -Fly -Erfahrung hatten? Richtig, ja. Alle. Das heißt, die wussten auch schon, was man so an Ausrüstung mitnimmt und sonstiges. Oder jeder hatte so sein Equipment. Die sind schon gewissermaßen ein bisschen optimiert. Ja, wir haben
natürlich... Ich habe ja gesagt, auf diese Gruppe bin ich fast ein Jahr vor dem tatsächlichen Termin gestoßen. Und wir waren seither regelmäßig im Austausch in der Gruppe. In dem Telegram -Chat sind sogar 50 bis 60 Leute drin, die sich dafür interessiert haben. Am Anfang machte es den Eindruck, dass wir eventuell sogar 15 bis 20 sein werden, die dann vor Ort sein werden. Aber dann brach das halt ein bisschen ein. Und wir waren halt sechs dann am Ende. Und wir haben uns natürlich ganz konkret ausgetauscht. Wer nimmt welchen Schirm? Was ist der Vorteil von dem Kochtopf A und dem Kochtopf B? Oder welcher Kocher? Nehmen wir Spiritus mit? Nehmen wir Gas mit? Und dann hat jeder seinen eigenen Weg beschritten.
Den Termin habt ihr denn auch zusammengefunden? Da muss ja jeder sagen, okay, dann und dann laufen wir los. Also habt
ihr euch dann auch geeinigt? Genau. Der Termin kam ursprünglich von dem Reece Fischer, der das Ganze, ich nenne es mal, organisiert hat. Der hat also die Telegram -Chatgruppe ins Leben gerufen und hat eine kleine Website aufgesetzt, wo man Informationen sammeln kann und abrufen kann. Und der hat den 1. Juli in den Raum gestellt als Starttermin.
Jetzt überschneidet sich dieser 1. Juli nicht mit der X -Pure, die dann die eine Woche vorher stattfand. Das wollten wir vermeiden, dass da nicht plötzlich Herden von Gleitschirmfliegern durch die Berge wandern. Er ist aber auch im Juli. Und interessanterweise, unabhängig von meiner Überlegung, das im Juli zu machen, hat der Reece genau den gleichen Weg begangen und Wetterdaten gecheckt und geguckt, wie sind die Klimadaten für den Juli in den Pyrenäen, beziehungsweise ist das von Vorteil, das dann zu machen. Und wir sind zum quasi gleichen Termin fast zur gleichen Woche gekommen.
Was macht gerade den Juli so interessant, weil es dann die höchsten Basen auch gibt, weil es so heiß werden kann oder weil es so wenig regnet, weil es Sommer ist? Oder wäre dann nicht sogar der August besser, was Regen betrifft?
Tatsächlich ist der Juli der Monat mit den wenigsten Regentagen. Man muss dann allerdings schauen, in welcher Region. Also die französische Seite der Westen ist etwas feuchter, Richtung Mittelmeer wird es sowieso etwas trockener. Und je länger man, je weiter man in den August, September, geht, da bleibt es zwar generell auch noch trockener als in anderen Monaten, aber das Gewitterrisiko steigt sehr stark an. Und das heißt, die ganze Luft wird labiler und es wird schwieriger, die Tage zu planen. Und so, deswegen war der sicherste, da haben wir das alles auf ein Pferd gesetzt und gesagt, wir machen es in der ersten Juliwoche.
Du hast gerade die XP erwähnt. Die XP, die haben ja dann x Wendepunkte. Ich glaube, in diesem Jahr waren es neun. Und
als wir dann in der ersten Juliwoche über
diese Fliegen mussten, hattet ihr dann für eure Tour auch so quasi eine Route vorgegeben, wo man sagt, bestimmte Wendepunkte, da sollte jeder dran vorbeikommen. Auch um eine Chance zu haben, zu sagen, vielleicht da trifft man sich halt wieder. Oder war es, wir laufen zwar an demselben Ort los, wir peilen ungefähr denselben Ort am Mittelmeer dann an, aber dazwischen war alle Route freigegeben?
Wir haben uns eine Route ausgedacht, die wir aber nicht akribisch abgeflogen sind. Wir haben also, wir haben uns längere Zeit, also länger vorher schon miteinander abgestimmt, teilweise auch in Zoom -Meetings, wo wir uns getroffen haben und haben gesagt, haben uns die Karte angeguckt, wie wollen wir das denn machen? Und haben so quasi ein bisschen aus dem gemeinschaftlichen Wissensstand von allen Leuten, die mitmachen wollten, geschöpft und eine Route, die für uns den besten Eindruck, den besten Weg dargestellt hat, festgelegt. Wir haben uns elf Wegpunkte gesetzt, also noch weitere Wegpunkte zwischen Start und Ziel. Wir hatten aber nicht vor, diese Wegpunkte unbedingt abzuarbeiten.
Also natürlich den Start klar, weil wir uns da gemeinsam treffen. Aber selbst am Meer, als wir am Mittelmeer angekommen sind, haben unterschiedliche Leute unterschiedliche Ziele gewählt aus verschiedenen Gründen, teilweise logistische Gründe etc. Das heißt, wir haben uns dann am Ende tatsächlich leider auch nicht mehr getroffen, obwohl drei von den sechs Mitstreitern, innerhalb von wenigen Stunden am Mittelmeer gleichzeitig eingetroffen sind, aber leider an anderen Stellen, weil sie auch vorher andere Routen gewählt haben. Die Routenwahl haben wir größtenteils an Wetter und Topografie festgemacht. Wir haben vorher geguckt, was waren die beliebtesten Routen bei den X -Pyr, wo sind Rennstrecken, so wie man es vielleicht aus den Alpen, der Pinzgauer Spaziergang ist eine Rennstrecke, wenn man sich da die Gleitschirmfliegen alle anguckt, dann sieht man, die fliegen alle die gleiche Strecke.
Solche Daten haben wir uns angeschaut und gesagt, wo ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass wir gut Strecke machen können und daraufhin dann auch die Wegpunkte gesetzt. Und das ging größtenteils auch gut auf.
Gibt es denn überhaupt Rennstrecken in den Pyrenäen? Von allem, was ich mal höre, sage ich, okay, diese langen, diese Längsttäler, die es halt in den Alpen gibt, wo man dann einfach an einer Ridge wirklich 100 Kilometer quasi entlangsegeln kann und teilweise halt wirklich im Definiermodus da wunderbar machen kann. Zumindest von der Topografie
her. Die
Topografie, die ich von den Pyrenäen kenne, sind ja ganz viele kleine Quertäler und Sonstiges, wo es das eigentlich gar nicht so funktioniert. Oder gibt es das doch?
Das ist eine berechtigte Frage. Also die Rennstrecken ist vielleicht nicht wie in den Alpen, wo eine Rennstrecke dadurch definiert ist, dass da schon 10.000 Flüge gemacht worden sind. Das sind dann halt vielleicht nur 50 oder 100. Und manchmal habe ich den Eindruck, die kamen alle von den XPEAR -Piloten, die vorher versucht haben, da irgendwie entlangzukommen. Es gibt aber tatsächlich einige Fluggelände, wo Flüge in Größenordnung 50, 100, 150 Kilometer gemacht werden. Und da kann man sich schon orientieren dran. Also wenn es irgendwo eine Gegend gibt, wo noch nie jemand vorbeigeflogen ist, dann kann man sich wirklich die Frage stellen, warum ist das so? Und muss ich dann der Erste sein, der das probiert in einer Veranstaltung, wo es darum geht, auch das Ziel zu erreichen? Wenn man jetzt zum Spaßfliegen geht, kann man das ja machen.
Aber wir wollten ja alle ans Mittelmeer und das möglichst innerhalb von 14 Tagen.
Das heißt, da dann schon geguckt, wo liegen die Tracks, die man auch auf den Karten dargestellt bekommt und sagt, okay, da wird viel auch längs geflogen. Also versuchen wir dort auch längs zu fliegen, weil es funktioniert wahrscheinlich gut.
Das ist genau richtig.
Es gab ein interessantes Ergebnis dadurch, dass wir mit mehreren Leuten unterwegs waren.
Wenn du die Pyrenäen visualisierst, das ist ja dieser lange Gebirgsbogen, der sich etwas bogenförmig von Westen nach Osten nach Norden streckt, also mit so einem Bogen über den Norden. Die meisten Fluggelände, die man so kennt, wie Berga oder Organia oder Castellón de Sous, liegen alle an der Südflanke und sind quasi fast noch im Vorgebirge. Also das wird ja dann immer flacher und es gibt diese Rippen, die im Süden der Pyrenäen liegen. Da sind natürlich die meisten Flugbewegungen. Und wenn man vom Atlantik, wo wir gestartet sind, zum Mittelmeer eine Linie zieht, dann geht diese Linie relativ gerade da drüber. Das heißt, das ist tatsächlich die kürzeste Linie.
Das war auch die Routenvariante, die ich gewählt habe. Und andere haben die Variante mit diesem etwas ausgedehnteren Bogen durch das Hauptmassiv der Pyrenäen gewählt. Am Ende muss man sagen, ich habe vielleicht durch das Fehlen des Hochgebirgsfliegen etwas Zeit verloren, weil es im Flachen ja immer etwas schwieriger ist und länger dauert, voranzukommen. Die anderen beiden, die diesen Bogen gemacht haben, die waren zwar fliegerisch länger unterwegs und haben teilweise auch längere Flüge gemacht. Die mussten dafür aber pausieren, weil es dort in den hohen Bergen auch mal schlechtes Wetter hatte und dort gewittert hat. Und dann mussten die einfach warten, bis das vorbei ist und konnten dann erst weiter. Also schlussendlich war die Routenwahl, was die Geschwindigkeit angeht, eigentlich dann egal am Ende.
Nun gibt es ja auch in den Pyrenäen im Hochgebirge, was mir von den X -Pier so untergekommen ist, da gibt es auch einige Lufträume, beziehungsweise so Nationalparks, wo man dann angeblich, was heißt angeblich, wo man nicht fliegen darf und sowas. Da habt ihr euch auch dran gehalten. Das heißt, die, die diesen Bogen über den Hauptkamm oder entlang des Hauptkammes eher gemacht haben, die mussten dann auch um diese Dinge dann hier herum?
Die mussten um diese Dinge herum. Ob sie es dann überall im Detail auch geschafft haben oder nicht doch mal touchiert haben, kann ich jetzt gar nicht beurteilen. Da habe ich mir die Flügel wirklich nicht so genau angeguckt. Das ist aber auch einer der Vorteile der Routenwahl, die ich gemacht habe. Da gibt es nur einen einzigen Zipfel, wo man aufpassen muss, dass man genügend Höhe hat, um nicht einen Luftraum zu touchieren. Und das ist mir dann auch am Ende gelungen. Die Lufträume werden tatsächlich kritischer, je weiter man Richtung Mittelmeer kommt. Aber da ich es persönlich nicht geschafft habe, nah ans Mittelmeer heranzufliegen, bin ich auch gar nicht da in die Bredouille gekommen.
Du hast gesagt, die XP haben eine Woche vorher stattgefunden, bevor ihr da wart. War das für dich auch quasi gedankliche Vorbereitung? Also hast du bei den XP dann auch voll mitgefiebert und da immer verfolgt? Wo sind die da jetzt gerade unterwegs? Werde ich da auch hinkommen und sowas?
Ja, das ist eine schöne Frage. Eigentlich fieber ich immer mit bei den XP und bei den X -Alps und bei vielen anderen Rennen auch und gucke dann immer am Computer und im Live -Tracking, was da so passiert. Und ausgerechnet dieses Mal war das gar nicht so intensiv, weil ich viel mehr mit meiner eigenen Vorbereitung beschäftigt war und habe nur ab und zu mal reingeklickt. Und die Route war ja auch mit diesem großen X quer über den Pyrenäen -Hauptkamm. Das hätten wir ja sowieso in der Form nicht machen können oder wollen. Und deswegen habe ich es nur am Rande verfolgt.
Mit diesem X war ja die Route von den XP über 600 Kilometer lang. Wie lang war deine, wenn du sagst, du bist eigentlich so die kürzeste Route, bist du an der Südkante von den Pyrenäen längst gegangen? Was war das so ungefähr?
Das waren in Größenordnung 500 Kilometer, etwas weniger. Und ich habe von der Strecke, die ich zurückgelegt habe, kann ich es genau sagen, ich habe genau 650 Kilometer zurückgelegt, davon 300 Kilometer zu Fuß und 350 Kilometer geflogen.
Ah doch, so 50, 50 Prozent, da bist du schon hingekommen. Und die XP, ich meine, die haben jetzt 650 Kilometer, die haben das in sechs Tagen abgerissen. Wie lange hast du gebraucht?
Ich habe genau 14 Tage gebraucht.
Dann hattest du nicht so gutes Wetter oder bist nicht so gut geflogen? Oder woran lag das dann? Also
erstens hatte ich zwischen 19 und 22 Kilo auf dem Rücken. Im Gegensatz zu den XP -Piloten, die auch, wenn sie eine Pause machen, sofort das Wasser und die Nudeln gebracht kriegen. Das ist ja nicht so. Ich war ja komplett autark unterwegs. Das ist der eine Punkt. Der andere Punkt ist, dass wir tatsächlich, fünf Tage hatten relativ zu Anfang, die nicht fliegbar waren. Wo es wirklich nur zu Fuß los und weiter ging. Das hält halt unglaublich lange auf.
Ist das nicht auch schon demoralisierend, wenn man direkt am Anfang erst mal nur laufen
muss? Nein, im Gegenteil. Wir hatten super Glück am Anfang, ganz am Anfang. Wir konnten, also in der Regel ist der Start am Atlantik durch die Feuchtigkeit des Meeres sehr gestört. Wenn man da in Larun, also diesem ersten Punkt, wo auch die XP stand, wenn
man da
gestartet, hochläuft, habe ich persönlich eigentlich nur damit gerechnet, einen Abgleiter zu machen und dann direkt den nächsten Berg hochlaufen zu können. Und wir konnten sogar von da schon 15 Kilometer Luftlinie ins Landesinnere fliegen. Und haben am gleichen Tag dann noch einen Flug gemacht. Also hätte besser nicht laufen können. Also die ersten drei Tage sind wir jeweils geflogen. Damit habe ich nicht gerechnet, dass wir da sehr viel Strecke machen. Und dann kam das schlechtere Wetter. Das war ein Tag Regen, viele Tage Wind. Und damit habe ich gerechnet. Und da ich auch gerne wandere, natürlich gerne mit leichterem Rucksack, aber wenn es nun halt dabei ist, ich habe mein Flugzeug mit, dann muss das halt auch sein. Und dann werde ich auch nicht grimmig. Das hätte, ich habe auch damit, mein Ziel war es zu versuchen.
Mein Ziel war nicht das Ankommen. Ich habe gesagt, ich möchte das probieren. Und wenn ich es nur bis in den 17 Tagen Zeit, die ich mir gesetzt habe, nur bis zur Hälfte schaffe, dann ist das so. Deswegen bin ich umso früher, umso glücklicher, dass es geklappt hat. Sogar noch schneller als ich erwartet.
Das heißt, nach 17 Tagen musstest du wieder nach Hause? Oder da hattest du auch einen Flug gebucht, der dann dich wieder nach Hause bringen würde? Nein,
den Flug hatte ich noch nicht. Aber ich habe mir zwei Wochen plus ein paar Tage Urlaub genommen und musste an dem Montag dann wieder ins Büro und weiterarbeiten. Und das war also die scharfe Grenze. Und ich war etwas vorher fertig und bin dann auch einen Tag nach meiner Ankunft dann nach Hause geflogen.
Springen wir nochmal ganz am Anfang. Da hast du gesagt, da seid ihr zu sechst losgelaufen.
Kanntest du, außer aus der Chatgruppe, aber kanntest du jemand von denen schon vorher persönlich?
Nur ganz flüchtig. Ich kannte den Emanuel, den ich vorher in Kolumbien beim Fliegen getroffen habe. Und wir haben uns ganz kurz ausgetauscht. Und so nach dem Motto, ach, du bist auch in dieser Telegram -Chatgruppe. Du überlegst da auch mitzumachen. Ja, ich auch. Näher kannten wir uns dann aber noch nicht. Haben uns natürlich jetzt gut kennengelernt. Und die anderen fünf Mitstreiter, vier Mitstreiter, die waren mir nur durch die Telegram -Chatgruppe bekannt.
Das heißt, das ist dann wirklich so nur eine gemeinsame Idee, ein gemeinsamer Traum oder so was. Und darauf baut das dann auf und dann trifft man sich.
Ja, und das Schöne, wir haben uns wirklich gut verstanden. Ich würde sogar so weit sagen, dass wir Freunde geworden sind in dieser Zeit. Es hat super geklappt. War ganz prima.
Aber nun, wenn ich es richtig verstanden habe, seid ihr ja gar nicht so viel zusammen wirklich unterwegs. Am Anfang losgelaufen, aber dann hat sich das ja, so wie es klingt, relativ bald dann auch aufgeteilt. Unterschiedliche Routenwahl dann auch und so was. Ja. Trotzdem sagst du, ich habe sie gut kennengelernt und wir sind gute Freunde geworden. Habt ihr dann zwischendurch auch immer wieder Kontakt gehabt? Habt ihr euch angerufen oder auch per Telegram dann wieder gechattet oder wie war das?
Wir haben uns permanent quasi, kann man fast schon sagen, über die Chatgruppe Nachrichten geschickt. Und wenn es nur so eine Nachricht war, schwitzt du auch so wie ich. Es ist furchtbar heiß heute, es hat 40 Grad. Und wir laufen hier gerade tausende Höhenmeter den Berg hoch. Was das Schöne war und das war für mich auch völlig unerwartet, ist, dass wir uns in kleineren Gruppen tatsächlich über die komplette Route verteilt immer wieder getroffen haben. Ungeplant, sondern man ist
sich quasi über den Weg geflogen oder
gelaufen. Und das Ungeplanteste, was mir passiert ist, ist wirklich am vorletzten Tag, also wo es wirklich nur noch Hiken Richtung Mittelmeer war, bin ich abends schon total müde, weil ich fast fünf Stunden war. Ich
bin 50
Kilometer gelaufen und gucke und sehe da vorne, das sieht aus wie ein Mensch mit Gleitschirmrucksack. Das kann aber gar nicht sein, weil das wirklich mitten im Nirgendwo war. Und gucke nochmal und sehe, das ist der Minczek tatsächlich und der war 200 Meter vor mir. Und wir wussten zwar, dass wir grob in die gleiche Richtung unterwegs sind, aber dass wir uns dann unverabredet auf der Straße treffen, war der Knaller. Zwischendurch hatten wir immer wieder Situationen, wo ich dann gesehen habe, okay, die sind auf der Karte jetzt einen Berg weiter. Und ich habe dann kurz getextet oder sie haben mir getextet, warte mal eben, dann treffen wir uns und schlagen gemeinsam ein Nachtlager auf und haben das dann so gemacht. Und das hat wunderbar geklappt.
Wo du Nachtlager sagst, lass uns mal ein bisschen über die Ausrüstung reden, die du da mit hattest. Du hast gesagt 18, 19 Kilo war das so, wahrscheinlich mit Wasser da noch ein bisschen mehr. Was hattest du alles in dem Sack dabei?
Also in dem Sack, was ist da alles drin? Das ist natürlich die Flugausrüstung. Ich bin mit meinem Schirm, Schirm, den ich jetzt schon seit zwei Jahren habe geflogen. Ich habe kurz überlegt. Was ist das? Das ist der Ozone LM7. Ich habe kurz überlegt, ob es Sinn macht, einen anderen Schirm mitzunehmen, der vielleicht vom Anspruch her etwas niedriger ist. Habe mich dann aber dagegen entschieden, weil ich mit dem Schirm super gut klarkomme und alles gut passt. Als Gurtzeug habe ich das neue BV1 von Ozone mit, das gerade auf den Markt gekommen ist.
Das speziell für das
Biwakfliegen konzipiert ist. Das speziell für das Biwakfliegen konzipiert ist.
Ich hatte
da auch das Glück, dass ich von der Flugschule drei Monate vorher vor der Tour einen Tester kriegen konnte, um mir das mal anzuschauen. Es hat natürlich auch negative Seiten. Da sind manche Dinge, die ich persönlich ändern würde. Aber die positiven Seiten überwiegen für so eine Tour tatsächlich. Es ist wirklich gut durchdacht. Es hat einen riesigen Kofferraum, wo man viele Sachen reinstecken kann. Es ist dann auch nicht unbalanciert in der Luft. Das ist ganz prima. Dann, was Flugausrüstung angeht, eine leichte Rettung, aber in Standardgröße. Da mache ich keine Kompromisse. Natürlich Helm, Handschuhe etc. Natürlich Helm, Handschuhe etc. Dazu kommt, was man zum Übernachten braucht. Dazu kommt, was man zum Übernachten braucht. Das Zelt, die Matte, Schlafsack, ein kleines Kochgeschirr zum Essen.
Ein kleines Kochgeschirr zum Essen. Für mich ein Luxusartikel ist der Kaffee morgens. Den brauche ich, sonst komme ich nicht in die Gänge. Dann hast du auch Kaffeefilter.
Hast du auch einen Kaffeefilter?
Da habe ich lange überlegt, ob ich das anrufen kann. Ich mag Kaffee sehr gerne und habe auch 7 verschiedene Geräte zum Kaffee zubereiten. Aber habe ich nicht übers Herz gebracht, die Aeropress oder die Mokka -Kanne mitzunehmen. Aber habe ich nicht übers Herz gebracht, Für kurze Touren mache ich das. Aber da war es dann Instant Kaffee.
Und an Technik?
An Technik habe ich als Vario den XC -Tracer Max mit. Er hat den Vorteil gegenüber den Solargeräten, die man nicht nachladen muss, dass man die Grunddaten, also die Steigwerte, die Höhe, die Geschwindigkeit über Grund tatsächlich auch permanent lesen kann. tatsächlich
auch permanent lesen kann.
Ich habe das Handy dann auch mit und mit dem XC -Tracer gekoppelt. Da habe ich die Navita -App drauflaufen und habe das aber nur als Kartenanzeige benutzt und habe das auch zwischendurch immer wieder mal ausgeschaltet im Flug, um etwas Energie zu sparen. Und habe es auch an eine Powerbank dran gehängt, um das nachzuladen bei längeren Flügen. Das ist dann schon notwendig. Dazu kommt ein 17 Watt Anker Solarpanel. Das reicht im Prinzip um während des Wanderns, wenn man es auf den Rucksack drauf schnallt oder während des Fliegens vorne auf den Beinsack die Powerbank dann wieder aufzuladen. Also nach
einem Tag dann ist diese Powerbank wieder voll. Wie groß ist die, also die Powerbank selber?
Das ist eine 10 Wattstunden Powerbank und es geht tatsächlich etwas schneller. Ich glaube dadurch, dass die Sonneneinstrahlung in den Pyrenäen so stark ist, braucht das Solarpanel einen guten halben Tag um die komplett von leer wieder auf voll zu bringen. Das reicht.
Und für wie viele Tage hast du dann Essen mitgehabt? Viel zu
viel. Da haben mich die Kollegen auch ausgelacht, weil es gibt ja diese Adventure Packs, wo man nur Wasser drauf gießen muss für die Mahlzeit. Davon hatte ich 10 mit und dann hatte ich noch ein halbes Pfund Käse und zwei Salamis und ein ganzes Brot und ein paar Snacks und Nüsse und Schokolade und viele Dinge zum Knabbern. Das habe ich deswegen gemacht, weil ich mir die Autonomität nicht nehmen lassen wollte. Ich wollte nicht sagen, okay, jetzt war ich drei Tage unterwegs und muss in den nächsten Ort, um Proviant nachzukaufen. Das wollte ich vermeiden. Am Ende bin ich so oft in Ortschaften mit kleinen Lebensmittelläden vorbeigekommen, dass es nicht notwendig gewesen wäre.
Aber das weiß man halt vorher nicht. Und dann trage ich das zusätzliche Gewicht tatsächlich gerne.
Das heißt, wenn du mal eine T -Pure 2 machen würdest, dann würdest du dir auch ein bisschen davon wieder einsparen, oder?
Ja, ich würde solche Kleinigkeiten, ich würde mir eine Notration machen, die ich sage, das rühre ich jetzt nicht an. Das ist für den Fall der Fälle. Und ansonsten würde ich mich etwas mehr darauf verlassen, dass ich Dinge nachkaufen kann. Brot, Wurst, Käse, Sandwiches oder ähnliche Dinge kriegt man in den kleineren Orten zwischendurch ganz gut. Liegt aber auch daran, dass ich als Route tatsächlich diese etwas südlichere gewählt habe, wo es auch noch mehr Ortschaften gibt. Wenn man versucht, wirklich der spanisch -französischen Grenze folgend durch den Hauptkamm zu fliegen, da sind dann nicht mehr so viele Orte. Und dann muss man top landen und dann hat man nur das, was man jetzt mit hat.
Wenn du jetzt so zurückblickst auf diese 13 Tage, die du unterwegs warst, würdest du sagen, das war ein hartes
Abenteuer? Das war knallhart, ja. Das ging an die körperliche Leistungsgrenze ran. Ist so. Also der längste Tag, den ich gewandert bin mit Gepäck waren 46 Kilometer in der spanischen Sonne. Brutal heiß, kostet sehr viel Wasser. Ich glaube, ich habe da 7 Liter Wasser an dem Tag getrunken und wieder ausgeschwitzt. Ich hatte Tage, an denen waren es nur in Anführungszeichen 30 Kilometer mit 2000 Höhenmetern und das muss man erst mal schaffen. Ich war darauf aber vorbereitet. Ich habe quasi fast 2 Jahre ein relativ
durchgängiges Sportprogramm für mich zusammengestellt, dem ich auch gefolgt bin. Und das habe ich deswegen gemacht, nicht weil mir die Grundfitness gefehlt hätte, sondern weil ich mir persönlich sehr viel Gedanken über Sicherheit im Gleitschirmfliegen mache und ich gesagt habe, je besser ich körperlich vorbereitet bin, umso mehr Leistungsressourcen habe ich zur Verfügung, wenn ich nach einem harten Anstieg auf den Berg gekommen bin und möchte losfliegen. Ich möchte nicht nach 1000 Höhenmetern oben sitzen und erst mal 2 Stunden kaputt sein und pusten müssen und nicht wissen, wie mir passiert, sondern ich möchte oben ankommen, was trinken, meine Sachen vorbereiten und starten können mit genügend körperlicher Reserve geistig auch fit für einen 3, 4, 5, 6 Stunden Flug zu sein.
Du hast gerade gesagt, ein Trainingsprogramm hast du quasi für dich zusammengestellt. Was gehört zu so einem Trainingsprogramm für dich dazu?
Ja, leider sind wir jetzt nun im Flachland und ich kann nicht jeden Tag 1000 Höhenmeter den Berg hochlaufen, das wäre das Beste gewesen. Aber ich habe einfach ein Lauftrainingsprogramm genommen, das Marathonläufer benutzen und bin auch im Verlauf des Trainings zwei Marathons gelaufen und habe dann aber noch eins draufgesetzt und da kann man, das ist im Prinzip so ein Trainingsplan, der über ein Online -Programm abgebildet wird, das ein Sportwissenschaftler erstellt hat, Train as One heißt das, wo man seine Laufziele eingeben kann und das Programm errechnet dann einen Plan, was man jeden Tag machen muss. Dem bin ich gefolgt und habe versucht, das Programm so zu machen, als würde ich am Start
der Pyrenäen
zwei Ultramarathons von jeweils 50 Kilometern laufen. Das heißt, das hat mir so die Grundfitness und die Fitness in den Beinen gebracht. Was ich gemerkt habe, was mir fehlte, waren tatsächlich die Höhenmeter und Gehen ist tatsächlich auch eine andere Belastung. Gehen mit Gewicht ist eine völlig andere Belastung als Laufen. Das war mir aber klar vorher und deswegen habe ich dann in den Wochen und Monaten vorher versucht, möglichst an den Wochenenden auch noch lange Wanderungen mit ein bisschen Zusatzgewicht zu machen und mich so irgendwie körperlich darauf einzustellen. Perfekt ist das alles nicht. Man braucht auch irgendwie noch Zeit, ein bisschen anderen Ausgleichssport zu machen, Radfahren oder Schwimmen gehen. Aber ich kann halt auch nur mit den Begebenheiten arbeiten, die wir hier in Bonn haben und wir haben halt leider keine Berge.
Rückblickend, was würdest du sagen, wo war dein Schwachpunkt, jetzt körperlich gesehen?
Körperlich gesehen würde ich sagen, waren es tatsächlich die fehlenden Höhenmeter, aber das auch nur ein kleines bisschen. Also das wusste ich vorher und dass das der Schwachpunkt sein wird, war klar. Das heißt, ich weiß, dass ich nicht wie einer der XPUA -Athleten jeden Tag 5000 Höhenmeter machen kann. Bei mir ist so die Grenze gewesen, 2000 bis 3000. Das musste ich aber nie auskosten. Also insofern hat das alles gut geklappt und ich würde die Vorbereitung tatsächlich nochmal so machen.
Rückenmäßig und so mit dem vielen Gewicht, hast du da was gespürt? Nein. Was ich
gespürt habe, ist die Belastung auf den Schultern. Da gab es dann auch irgendwann rote Streifen und solche Abriebserscheinungen. Das liegt aber an dem Rucksack, den ich benutzt habe. Da habe ich verschiedene durchprobiert und ich glaube, es gibt keinen Gleitschirmrucksack, der so gut geeignet wäre wie ein Hikingrucksack. Da geht man ins Geschäft, hat 30 verschiedene in verschiedenen Größen, die man auf Rückenlängen einstellen kann und kann sich beraten lassen, kann ein Geschäft mit Gewicht ausprobieren und auch mal ein bisschen hin und her laufen. Das würde ich in der Gleitschirmszene wirklich vermissen. Das vermisse ich da, dass wir gutes Rückenequipment haben. Das ist leider nicht so. Zumindest habe ich noch nichts gefunden. Wobei gute
Hikingrücksäcke ja auch häufig noch teilweise so Stützstreben hinten drin haben, um wirklich das Gewicht dann auf den Hüftgurt zu bringen. Was ja dann wieder dem Packmaß wahrscheinlich wird man dann darauf verzichten, auf solche Säcke, weil wir das einfach nicht vernünftig dann unterbringen können.
Tatsächlich auch so, der Sack, den ich gewählt habe, ist der von Cortell, der 80 Liter Biwak -Sack. Der hat noch so ein Erweiterungsfach obendrauf, wo ich dann am Anfang das ganze Essen reingemacht habe. Das konnte ich dann hinterher zusammenpacken und unten reinstecken. Und der hat so eine kleine Metallstrebe hinten tatsächlich im Rücken drin. Deswegen habe ich mir den auch besorgt. Der Nachteil dieses Sacks, das habe ich dann aber auch erst gemerkt, nachdem ich mal zwei, drei Tage mit dem sehr hohen Gewicht unterwegs war, ist, dass man sich durch die etwas zu schmalen Schulterriemen in den Schultern einschneidet. Das ist bei mir so. Vielleicht geht das anderen anders, aber das ist halt eine sehr individuelle Sache mit den Rucksäcken.
Gerade bei den Gleitschirmrucksäcken, die man so schlecht von der Rückenlänge her einstellen kann, muss man wirklich gucken, was bei einem dann passt. Wir haben jetzt gerade über körperliches Training gesprochen. Hast du denn auch eine gewisse Form von Flugtraining gemacht?
Absolut, ja.
Ich habe schon darauf geachtet, dass ich jetzt in der Zeit, die ich vorher hatte, vor allem alpines Fliegen machen kann. Gut, das ist jetzt nicht alpin. Ich hatte das Glück, dass ich die ersten drei Monate des Jahres ein Sabbatical machen konnte. Da war ich im Urlaub und war einige Wochen in Mexiko zum Fliegen. Ich war einige Wochen in Kolumbien zum Fliegen und war quasi in der Woche, zwei Wochen vor der Pyrenäentour nochmal bei einem Wettbewerb in Slowenien in den USA. Ich war in den Bergen, um da nochmal ein bisschen Bergluft zu schnuppern. Das heißt, ich habe dieses Jahr
etwa 120 Flugstunden gehabt vor der Tour. Und das war mir auch natürlich wichtig, dass ich da jetzt nicht nach einem langen Winter oder so ähnlich oder nur hier ab und zu mal Flachlandfliegen da in die Berge gehe und mich durchbeuteln lasse. Insbesondere, was ich festgestellt habe, ist, dass die Pyrenäen nochmal eine Spur wilder sind als die Alpen. Das meine ich sowohl von der Bevölkerung, von der Zivilisation. In den Alpen gibt es quasi auf jedem Gipfel ein Hotel und in jedem Tal gibt es ein Örtchen, wo man sich ausstatten kann. Das ist in den Pyrenäen nicht so. Das ist wirklich wild. Da ist nichts. Da gibt es Füchse und Bären, die ich getrunken habe.
Es ist aber auch wild, was die Wetterbedingungen angeht. Es herrschen sehr stramme Winde, in denen man trotzdem fliegen muss und es ist sehr starke Thermik unterwegs. Deswegen bin ich ganz froh, dass ich diese beiden Aspekte der Vorbereitung so gut machen konnte. Ich glaube, wenn ich nicht intensiv vorher hätte fliegen können, hätte ich die Tour auch dieses Jahr nicht gemacht, sondern hätte es verschoben. Was ist mit Top
-Landetraining und so?
Top -Landetraining habe ich jetzt nicht dezidiert gemacht. Ich habe das nicht gemacht, das habe ich versucht.
Ich muss aber auch sagen, da komme ich noch mal zurück, was ich zu Anfang gesagt habe, dass ich mir früher vorgestellt habe, dass man beim Volbif so schön von einem Berggipfel zum nächsten fliegt und wo es einem gefällt, kann man landen und dann kann man am nächsten Tag von da wieder starten. Das war so mein Traum. Das funktioniert so gar nicht, denn wenn man
das nicht erreicht, dann steht man immer unter dem Druck, habe ich jetzt vielleicht noch eine Stunde Thermik, die mich noch eine Stunde, also 20 bis 30 Kilometer weiter bringen kann, suche ich schon mal nach einem Platz, der vielleicht geeignet ist, was mache ich da? Und wenn ich mich für das Erstere entscheide, weiter fliege, dann steigt das Risiko, dass ich dann trotzdem absaufe und im Tal lande. Wenn ich aber sage, ich lande hier schon, dann muss ich in der thermikstarken Zeit landen. Und das ist ja auch nicht so ohne. Man kann nicht irgendwie sich eine Stelle aussuchen und dann schön einschweben, wie am Talboden, sondern da kacheln dann auch die Ablösungen durch und da ist richtig aktives Fliegen angesagt. Deswegen habe ich, ich würde mal sagen, wie
viele Flüge waren es? Von acht Flügen tatsächlich nur drei Toplandungen gemacht. Die anderen alle im Talboden und bin dann am nächsten Tag oder am gleichen Tag nochmal hochgelaufen. Und das dann auch mit dem Sicherheitsaspekt hauptsächlich? Richtig. Also ich bin, ich glaube von mir ein relativ sicherheitsbewusster Pilot zu sein. Mache sehr kleine Schritte, was meine Weiterentwicklung zum Beispiel was Schirmklassen angeht, betrifft. Hängt auch damit zusammen, dass ich schon mehrere Vorfälle hatte. Zum Glück gingen die alle immer sehr glimpflich aus.
Das ist eine gute Fracht, mal darüber nachzudenken, was machen wir da eigentlich und wie mache ich mein Risikoassessment? Wie gehe ich auf diese Situation zu? Wie verhalte ich mich in welcher Situation? Und da bin ich eher einer, der auf der vorsichtigen Seite ist. Und wenn ich dann abwägen muss, an einer schwierigen Stelle top zu landen oder an der sicheren Stelle im Tal mit dem Wiederaufstieg, dann tendiere ich eher dazu, ins Tal zu fliegen.
Muss mich ja nicht beeilen.
Hast du denn auf dieser Tour mal eine Situation gehabt, wo du nachher sagen musstest, puh, da habe ich jetzt aber Glück gehabt? Zum Glück nicht, nein. Ich
hatte eine Situation, wo der Start kritisch war, in Anführungszeichen. Das war aber ganz einfach. Ich habe an einer relativ easy Stelle auf einer Wiese mit einer schönen Neigung, die ich mir ausgesucht habe, den Schirm aufgezogen und genau in dem Moment hatte ich eine Ablösung von unten durch. Und du weißt, wie das ist, wenn man sowieso ein sehr schweres Gurtzeug hat und nicht schnell genug auf den Schirm zulegen kann. Dann hat es mich dann halt hochgelupft und dann wieder auf den Hintern abgesetzt. Und der Schirm fluppte dann so rum. Den musste ich dann irgendwie wieder einfangen. Es ist also nichts Wildes passiert. Und eine Top -Landung war tatsächlich etwas tricky, weil auch gerade im Landeanflug eine Ablösung durchging und ich den Schirm wirklich einfordern musste und musste sagen, da jetzt runter.
Und das war, glaube ich, ich bin da nicht stehend gelandet, sondern bin irgendwie durch den Aufschlag dann auf die Knie und bin hingefallen. Aber das ist nichts Dramatisches. Das war jetzt auch nicht eine Stelle, wo man vom Berg runterpurzeln würde, wenn es nicht passt. Das muss man sich vorher halt auch angucken.
Wirklich gefeit ist man ja nie davor. Kann ja immer mal ein blödes Loch da sein oder ein Stein, den du übersehen hast und dann muss ja gar nicht eine riesige Verletzung sein. Aber beispielsweise man hat den Knöchel so verbogen oder sowas, wo du sagst, ich kann jetzt erstmal nicht weiterlaufen. Hattet ihr denn in der Gruppe da irgendwelche Absprachen? Was ist, wenn es einem irgendwo was ist? Kümmern sich die anderen dann darum? Weil die sind ja vielleicht irgendwo in der Gegend. Versucht man dann so eine Art Rettungskette aber irgendwas dann da anzuleiern
oder sonst was? Das war genau der große Vorteil dieser Gruppe. Was mich auch so darauf,
was
mich immer so
angesprochen hat, das in einem Team zu machen und nicht alleine. Wenn ich es alleine gemacht hätte, hätte ich mich darauf verlassen, dass Leute zu Hause mein Live -Tracking verfolgen und wenn ich mich mal 10 Minuten nicht bewege, dann auch mich anklingeln und sagen, was ist da los. Und das habe ich dann zusätzlich gemacht. Also es gab ein paar Freunde, die mich hier verfolgt haben und dann immer auch ermutigende Textnachrichten geschickt haben, wenn es gut klang.
Und wir hatten, wir haben darauf bestanden, da hat auch niemand widersprochen, dass wir alle mit einem
InReach ausgerüstet sind, mit dem man erstens nachverfolgen kann, wo die entsprechende Person ist, wo man sich aber auch Nachrichten schicken kann. Denn auch das sind wieder nicht die Alpen. Die Pyrenäen haben ein sehr schlechtes Mobilfunknetz. Da gibt es nicht auf jedem Berggipfel auch eine Funkantenne. Und man muss irgendwie aktiv bleiben. Das heißt, es gab mehrere Sicherheitsnetze, die wir hatten. Wie gesagt, wir haben es nicht gebraucht. Zum Glück, toi toi toi. Aber ich finde, solche Dinge sind am besten, wenn man sie nicht braucht. Aber das heißt nicht, dass man sie nicht haben soll. Viele Leute sagen, ich fliege ja nur in den Alpen oder ich fliege nur hier lokal, deswegen brauche ich keinen InReach oder Spot. Da bin ich nicht der Meinung. Denn wenn es einmal passiert und man würde es brauchen,
dann ist beim Spot einfach die SOS -Taste gedrückt und dann kommt die Kavallerie, bis man das Handy rausgefummelt hat, die richtige Nummer gewählt hat und dann vielleicht sogar schlechte Verbindung oder gar keine Verbindung. Das ist mir im Notfall zu wenig. Wir geben so viel Geld für Gleitschirmfliegen aus, für die Ausrüstung, für das Reisen etc. Da soll es wirklich an den paar Euro, die so ein Gerät kostet und an den monatlichen Gebühren nicht scheitern.
Das ist das Wichtigste, was man als Hausberg fliegt.
Nimmst du dein InReach auch bei deinen Lokalflügen? Also du wohnst in Bonn und fliegst im Umland in der Eifel und sonst was. Hast du da auch InReach immer dabei und an?
Nein, hier an der Eifel habe ich es nicht an, weil ich weiß, dass die Abdeckung einfach gegeben ist mit dem Handy. Ich habe einen Datentarif, den ich bedarfsbezogen aktivieren und deaktivieren kann. Das heißt, wenn ich jetzt sage, ich fahre am Wochenende irgendwie in die Berge,
dann kann ich das von dem Tag, vom Freitag bis zum Sonntag z.B. aktivieren und danach kostet es dann auch wieder nichts. Das heißt, das läuft nicht permanent durch, während es zu Hause in der Schublade liegt. Deswegen wäge ich das ab, wenn ich jetzt weiß, ich fahre an die Mosel und mache einen Streckenflug, dann nehme ich das nicht mit. Da habe ich noch nie erlebt, dass das Telefonnetz nicht ausreichend gewesen wäre. Wenn ich aber in die Berge fahre, dann kommt das auf das Cockpit.
Wenn du jetzt die ganze Tour so siehst,
und du sagst, ein gewisses Risikoniveau hatte die ja, auch wenn alles gut gegangen ist. Was würdest du sagen, was sollte man als Pilot, wenn man sowas nachmachen wollte oder auch machen wollte, was sollte man dann können? Was ist so ein Mindestniveau, was man mindestens haben muss, wenn man das überhaupt in irgendeiner Weise beschreiben kann? Also gerade die Pyrenäen, die, wie du sagst, etwas wilder sind als die Alpen. Vielleicht so ein 2 -Tage -Wollbeef in den Alpen ist da schnell mal gemacht.
Das
Problem mit dieser Frage ist, dass diejenigen Leute,
die es eigentlich brauchen würden, diese Antwort zu hören, die sind wahrscheinlich von ihrem Ego bzw. von ihrer eigenen Einstellung her so von sich überzeugt, dass sie denken, ich brauche das nicht. Und alle anderen, die sicherheitsbewusst unterwegs sind, die können sich vielleicht schon ganz gut selber einschätzen und überlegen, was will ich da machen? Das heißt, wenn ich jetzt sage, man sollte vielleicht 3 -5 Jahre regelmäßige Flugerfahrung haben, man sollte eine Handvoll Sicherheitstraining, mindestens 2 gemacht haben, man sollte einen Schirm haben, mit dem man, ich würde mal sagen, 150 -200 Stunden gemacht hat und ihn wirklich, wirklich gut kennt in jeder Situation, dann ist das für mich so der Mindestlevel.
Es gibt viele Leute, die sagen nach 2 Jahren, ich probiere so eine Tour. Manche sind ein bisschen draufgängerischer unterwegs und machen es einfach und dann ist es halt Glück, ob alles gut geht oder nicht. Das Schöne beim Biwak -Fliegen ist ja, man muss ja nicht mit einer 14 -tägigen Pyrenäenreise anfangen, sondern man kann im Kleinen anfangen. Man kann seine Sachen sortieren und abends mit der Bergbahn auf den Berg fahren, irgendwo, wo es erlaubt ist, übernachten und morgens wieder runter.
So habe ich auch angefangen und habe dann einfach diese einzelnen Schritte immer weiter ausgebaut. Ich habe dann irgendwann mehrere Tage gemacht. Ich habe dann irgendwann auf Transportwege verzichtet, auf Transportmittel verzichtet und so arbeitet man sich dann heran und dann findet man auch selber für sich heraus, wo ist denn die Grenze, wo war jetzt eine Situation, die war total Mist, das hätte ich nicht machen sollen und wo hat es dann auch prima geklappt.
Wenn man sich hinter sich hat, dann für sich dann auch wieder reflektiert, wo waren die Knackpunkte, was hat gut geklappt, was hat schlecht geklappt und das dann auch verinnerlicht.
Wie gesagt, was das fliegerische Niveau angeht, sollte man insbesondere bei den Pyrenäen schon wissen, was auf einen zukommt.
Wenn sich jemand zutraut, im Frühjahr in den Alten zu fliegen, dann kann er das machen. Wenn jemand sagt, ach, die Dolomiten im Juli, da warte ich lieber, bis es Oktober ist, dann wären die Pyrenäen vielleicht auch nicht das Richtige.
Nun hast du ja gerade selber gesagt, du hast es langsam angehen lassen beziehungsweise mit den Volbifs und Hike and Flyer und sowas, du hast klein angefangen und dann immer mehr was drauf gemacht. Würdest du jetzt sagen, so im Rückblick diese Tour in den Pyrenäen war die Krönung davon oder gab es andere Touren, wo du sagen würdest, eigentlich waren die kürzeren mir letzten Endes viel lieber?
Nein, das war die Krönung. Das war sogar so die Krönung, dass ich am Ende gedacht habe, was mache ich denn jetzt als nächstes? Und mir ist nichts eingefallen. Also das war für mich schon immer von Anfang an der Traum, einmal vom Atlantik bis zum Mittelmeer zu fliegen,
ohne auf andere Mittel als meine Beine und meinen Schirm zurückzugreifen.
Das war auch die wildeste Tour, die abenteuerlichste. Es hat alles gut geklappt, bis auf so ein paar kleinere Debakel wie verlorene USB -Kabel oder kaputte USB -Kabel etc. Es ist nichts an der Ausrüstung beschädigt. Ich hatte keine wilden Landungen. Alles hervorragend. So insgesamt, ich bin ein Mensch, der auch sagt, wenn ich das jetzt in vier Tagen abgeritten hätte, weil das Wetter so perfekt ist, dass du 250 Kilometer fliegen kannst. Ich weiß nicht, ob mir das besser gefallen hätte, weil ich muss nicht eine große Strecke fliegen und sagen, boah, das waren jetzt 200 Kilometer, das macht mich super happy, sondern für mich ist so eher der Weg das Ziel.
Auch wenn das nur 10 Kilometer Wandern mit dem Rucksack auf dem Rücken sind, dann freue ich mich an den Blumen am Wegesrand, so kitschig sich das anhört, oder an den Wildpferden in den Pyrenäen und bin einfach da. Deswegen war das schon das Highlight meines bisherigen Fliegerlebens.
Dann bist du am Ende am Mittelmeer angekommen und sagst ja, aber im Rückblick war es auch quasi wie, ja, jetzt habe ich kein Ziel mehr. War das in dem Moment denn trotzdem eine Erleichterung oder war das in dem Moment wirklich schon so zu sagen, oh Mist, ich bin schon da?
Ich war überrascht, dass ich schon da bin. Natürlich,
je weiter man sich zum Mittelmeer hin bewegt, umso schlechter werden die Flugbedingungen. Weil, dass die feuchte Luft wieder reindrückt, die Basis geht immer weiter runter, das ist der eine Punkt, dann kommen die Lufträume dazu, das ist der zweite Punkt und dann wird auch die Gegend immer mehr unfliegbar. Die Berge werden niedriger, es gibt mehr Wald, man findet keine Startplätze mehr und irgendwann auch keine Landeplätze. Das heißt, ich war schon darauf vorbereitet, die letzten Tage zu Fuß zu machen und am Ende waren es dann auch 86 Kilometer, die ich vom letzten Landeplatz bis zum Mittelmeer noch laufen musste, also etwa zwei Tage. Und in den zwei Tagen war ich noch so richtig im Modus, im Hike -and -Fly -Modus, das geht jetzt hier immer so weiter und ich muss jetzt nur weiterlaufen, dann kommt vielleicht irgendwann der nächste Startplatz
und plötzlich stehst du da und da ist das Mittelmeer und ich wollte gar nicht aufhören weiterzulaufen, aber es muss dann halt sein. Dann habe ich erst ein Bier getrunken, habe mich umgesetzt, ein bisschen mich selber konzentriert und gefeiert und dann war es das.
Gibt es von dieser Tour auch so etwas, wo du sagen würdest, das war das absolute Highlight für mich?
Eigentlich war jetzt nicht ein Highlight, wo es so einen Aha -Moment gab, denn der hat sich über mehrere Stationen hinweggezogen. Wenn man sich die Topografie anschaut, ist es dort oft so, dass aus Frankreich also von Norden feuchte Meeresluft herangeführt wird, die dann auf der französischen Seite gegen die Berge drückt und auf der anderen Seite die spanische Luftmasse ist sehr trocken und sehr heiß und die versucht das Ganze so ein bisschen zu blockieren und abzuhalten und wenn man dann oben quasi auf dem Kamm auf dem Hauptkamm der Pyrenäen unterwegs ist, dann sieht man solche Effekte, dass quasi von unten so ein richtiges
wie so eine dicke ölige Suppe an die Berge heran drückt und dann ganz knapp über die Berge drüber schwappt und dann sich in das in die spanische Ebene ergießt und das ist ganz wunderbar. Das sind Augenblicke, wenn man da über den Wolken sitzt auf einer Wiese, die Schafe im Hintergrund und die Blumen und die Bienen und die Vögel das klingt kitschig, aber es ist ganz wunderbar vom Dasein. Man fühlt sich dann so klein in dieser großartigen Welt und das waren eben mehrere Momente, weil ich dann auch eine Zeit lang an diesem Grat entlang gewandert bin. Leider hat es das Fliegen auch unmöglich gemacht. Wollte ich
gerade sagen, es ist ja wie so zwei Seiten einer Medaille, weil du siehst die Schönheit von der überfließenden Wolkenmasse und kannst gleichzeitig denken, ja da fließt jetzt kalte, feuchte Luft da jetzt in mein Tal rein und ich habe Wind von hinten und fliegerisch ist da ja nichts mehr zu holen.
Insbesondere waren diese Tage perfide, weil ich wusste, dass von der Wetterlage her war es so, es war eine relativ stabile Wetterlage. In den höheren Luftschichten, so über 2500, 2000, 2500 war der Wind relativ niedrig. Vielleicht 5 km/h, 7 km/h, also durchaus fliegbar. Je weiter das nach unten ging, unterhalb des Kammniveaus brach dann dieser Nordwind mit 50, 60, 70 Stundenkilometern in die Täler hinein. Und das war ein Moment, wo ich auch sagen muss, da kommt wieder dieser Sicherheitsgedanke heraus, wenn ich das fliege, kann ich das fliegen, solange ich oberhalb dieser Ebene bleibe. Kann ich aber garantieren, jederzeit an diesen Kanten wieder top zu landen.
Und ich für mich habe dann gesagt, das kann ich nicht, das traue ich mir nicht zu oder ich will es vielleicht auch gar nicht riskieren. Und bin deswegen gelaufen. Deswegen mochte ich diese Variante ohne Zeitdruck wesentlich lieber als beispielsweise ein Rennen zu machen, wie bei den X -Pure, wo dann schon auch so dieser Konkurrenzgedanke mit reinkommt und man sagt ja, die anderen fliegen jetzt vielleicht, ich muss das auch versuchen. Das ist für mich ein großer Stressfaktor. Deswegen habe ich das in dem Moment auch nicht gemacht und habe es dann auch abgehakt und dann denke ich auch nicht mehr auch hätte ich doch oder ich sollte doch, sondern für mich ist dann die Entscheidung getroffen und dann geht es zu Fuß weiter und das ist klar. Würde dich denn
ganz grundsätzlich mal sowas wie eine X -Pure interessieren? Also als Wettbewerb sowas zu machen?
Nein, eben aus diesem Grund nicht. Ich bin dazu, ich würde mich dazu sehr unter Druck setzen und ich kenne mich, dann geht es mit mir durch, dann kommt der Ehrgeiz und dann mache ich vielleicht dumme Sachen und das möchte ich deswegen nicht. Ich habe schon mehrere Hike & Fly Wettbewerbe mitgemacht und ich finde das Format bewundernswert und ich habe höchste Hochachtung vor den Leuten, die da riesige Strecken fliegen, nachdem sie 70, 80 Kilometer gelaufen sind und wieder zurück. Also finde ich ganz großartig, auch Hut ab, aber für mich ist das nicht das richtige Format. Zum Training und zum Vorbereiten auf solche Bivaktouren, ja, aber nicht so oft, ist zu gefährlich für mich.
Aber
wenn ich es richtig weiß, du fliegst ja auch klassische Wettbewerbe fliegst du ja schon. Also da bist du dann auch ehrgeizig und dann sagst du, da gebe ich dann auch Vollgas und dann versuche ich auch mit dem ganzen Truppe mitzuhalten. Das sind aber dann für dich zwei unterschiedliche Geschichten, oder?
Das sind für mich zwei sehr unterschiedliche Geschichten, denn bei den Hike & Fly Wettbewerben bin ich auf mich alleine gestellt und ich entscheide, ob ich jetzt hier starte oder ob ich laufe, so wie sie in der Regel organisiert sind. Man hat einen gemeinsamen Startpunkt, rennt los auf den nächsten Berg und guckt dann wie man es selber am besten packt. Dadurch, dass die
normalen Gleitschirmwettbewerbe ja immer dieses
Start in der Luft haben, sind alle 130 gemeinsam und man ist gemeinsam unterwegs. Und dann ist die Entscheidung, ob ich starte oder nicht, meistens schon gefallen. Ich habe es noch nicht erlebt in den Wettbewerben, bei denen ich dabei war, wo ich selber gesagt habe, die anderen fliegen, aber ich starte für mich nicht. Ich hatte aber schon den Fall, dass ich gestartet bin und habe das Rennen einfach abgebrochen, weil mir es in der Luft nicht gefallen hat. Der Task hat stattgefunden, der wurde auch geflogen, aber für mich war das eine Spur zu wild. Und dann gehe ich dann landen und so weit geht der Ehrgeiz bei mir dann nicht. Ich finde aber, dass Wettbewerbsfliegen eine wunderbare Vorbereitung auf solche Touren ist. Denn im Unterschied zum normalen in Anführungszeichen XC -Fliegen sucht man sich die Route ja nicht selber aus.
Und wenn ich XC fliege und es geht mir darum möglichst 100 Kilometer zu schaffen, dann suche ich mir die Route natürlich so aus, dass ich die 100 Kilometer am einfachsten packe. Und dass ich nirgends absaufe. Im Wettbewerb sind aber immer bei jedem Task Stellen dabei, wo man sagt, da würde ich normalerweise nie hinfliegen. Also nicht weil es gefährlich ist, sondern weil da ein Absaufrisiko besteht. Und das fordert und der Lerneffekt ist schon relativ groß. Also ich finde für mich ist Wettbewerbsfliegen einfach ein Lernen mit anderen, die genauso viel Spaß bei der Sache haben wie ich. Und was ich dabei lernen kann ist, schneller in der Thermik zu sein, schneller am nächsten Wendepunkt zu sein, gute Linien zu fliegen.
Und das kommt bei solchen Volbif -Touren kommt mir das dann zugute, weil ich einfach mehr, ich weiß wo kann ich pushen, wo muss ich mich zurückhalten, wie muss ich meine Linie legen und das lernt man in Wettbewerben sehr gut.
Wenn du jetzt vor der Auswahl stündest, ist jetzt ein bisschen hypothetisch die Frage, aber könnte mal sein, dass es heißt, okay, ich kann einen tollen Wettbewerb fliegen oder ich kann einen tollen Volbif machen. Was wäre dir lieber?
Das kann ich so fast gar nicht beantworten. Ich glaube, das würde davon abhängen, wie viele Wettbewerbe ich dieses Jahr schon gemacht habe oder wie viele Volbifs ich dieses Jahr schon gemacht habe oder wie viele Streckenflüge ich dieses Jahr schon gemacht habe oder wie viele Flachlandstreckenflüge ich gemacht habe. Also das ist für mich, das sind alles Spielarten von einem großen Hobby und ich kann mich gar nicht festlegen, was mir lieber ist davon. Ich habe die, ich fliege gerne Strecke, ich fliege gerne Wettbewerb, ich mache gerne Biwaks und ich mache auch gerne Hike -and -Fly -Wettbewerbe und immer wenn ich drei oder vier Mal das eine gemacht habe, denke ich, jetzt musst du unbedingt mal wieder das andere machen. Also das reißt auch gar nicht ab.
Also es ist wirklich so, die vielen Facetten des Fliegens willst du alle auskosten. Dann lass uns auch mal über die dunklen Facetten des Fliegens sprechen. Du hast das vorhin auch schon mal angedeutet, dass du auch schon mal ein paar nicht so schöne Vorfälle gehabt hast. Was war das denn zum Beispiel?
Nicht so schöne Vorfälle, also ich hatte bisher zwei Unfälle in meiner Gleitschaumkarriere. Das eine war, das ist fast nicht erwähnenswert, weil es direkt im Prinzip drei oder vier Flüge nach meiner Grundausbildung, nach meiner Ausbildung war, nach dem A -Schein. Da habe ich dann noch in einem unserer lokalen Gelände einfach den Wind falsch eingeschätzt und bin mit Rückenwind gelandet und da war ich viel zu schnell unterwegs und habe mir ein Bein gebrochen. Also das ist ein dummer Anfängerfehler. Das hieß dann aber auch erstmal ein halbes Jahr nicht mehr fliegen, oder? Das hieß damals ein ganzes Jahr nicht fliegen, weil ich hatte eine Schraube im Bein und vielleicht hätte ich gekonnt, aber dann war ich dann auch erstmal vorsichtig und dachte dann, naja, ist das denn jetzt das richtige Hobby? Und danach hat es dann aber schon wieder klack gemacht.
Dann musste ich dann weitermachen. Und dann ist längere Zeit ist alles immer gut gegangen und dann hatte ich tatsächlich mal einen Retterabgang bei einem Versuch, das Möltal -Dreieck zu fliegen. Am Tag vorher hat das wunderbar geklappt. An dem Tag war das Wetter nochmal genauso und ich wollte einfach die Wendepunkte nochmal ein bisschen größer machen und bin dann an einer Stelle relativ geländenah in die Thermik eingeflogen und konnte meinen Schirm dann nicht mehr händeln und habe einen Klapper gekriegt, den ich nicht parieren konnte. Er war innerhalb von Sekunden im Spiralsturz eingetwistet, das übliche Programm, und konnte zu Glück noch rechtzeitig die Rettung ziehen, um da dann im Gelände aufzusetzen. Mir ist nichts passiert.
Die Ausrüstung war total schaden, aber das ist ja ersetzbar. Hauptsache dem Pilot passiert nichts. Was mir damals aber hängen geblieben ist, ist tatsächlich einen Satellitentracker mitzunehmen, weil das war ein Vorfall, wo ich keinen Handyempfang hatte. Und ich saß da auf einer Stelle im Berg, relativ hoch, 2500 Meter vielleicht, und ich kam nirgends so runter. Also wenn ich... Ich hatte meine Ausrüstung dann irgendwie zusammengeräumt und wollte da... Hab geguckt, wo kann ich denn jetzt hier absteigen? Und es ging nicht, weil überall Steilwände und ohne
Bergsteigerausbildung oder Ausrüstung wenigstens hätte ich mir das nie zugetraut, da irgendwie runterzukommen. Und dann dachte ich, naja, dann muss er jetzt die Rettung rufen. Und das Handy funktionierte aber nicht. Und dann saß ich da und war traurig. Und was hast du dann gemacht? Was ich gemacht hab, war... Ich dachte, wenn ich nicht runtersteigen kann, dann steige ich halt hoch und gehe mal den Berg nach oben. Vielleicht erwische ich dann irgendwo eine Stelle, wo es ein bisschen Funk hat. Und das war dann auch tatsächlich so. Dann konnte ich den Notruf absetzen. Dann hat es dann nochmal eine halbe, dreiviertel Stunde gedauert, bis der Helikopter kam und die haben mich dann mit dem Seil da rausgeholt. Und das ist für mich... Das war so einer der Knackmomente, wo ich gesagt hab, das passiert mir nicht nochmal. Ich will, wenn ich irgendwo im Baum hänge, eine Baumlandung hab oder einfach nur in einer blöden Situation bin.
Das muss ja nicht immer das größte Übel sein. Es kann ja auch sein, dass man irgendwie eine Landung hat, wie du eben sagtest, und verknackst sich den Fuß. Und kann da nicht alleine wieder weg. Dann will ich einfach das SOS drücken können und dann kommt die Kavallerie oder sucht mich. Das ist mir wichtig. Was auch dazu geführt hat, dieser Unfall, war, dass ich mir grundsätzlich über meine Fliegerei und über Sicherheit Gedanken gemacht hab und hab gesagt, ich muss mir selber klar darüber werden, Gleitschirmfliegen ist kein Hobby wie
Fahrradfahren oder Wandern gehen, obwohl da ja auch Unfälle passieren, sondern es hat schon ein gewisses Risiko. Und das Risiko besteht nicht aus, wie beim Fußball, gebrochenen Beinen oder einer Gehirnerschütterung, sondern es geht dann gleich ans Eingemachte. Man ist dann gleich tot oder lebenslang schwer verletzt. Und das ist ein Gedanke, der bei mir immer mitfliegt. Das hab ich seit dem Unfall auch nie wieder abgelegt. Ich hab Sicherheitstrainings gemacht und versucht irgendwie diese Leichtigkeit, die ich vorher hatte, oder ich sag jetzt mal das Ungestümte, das Draufgängerische, wieder zu erlangen. Und ich bin aber, hab mir immer noch diesen Sicherheitsaspekt im Hinterkopf behalten. Und das perfide ist beim Gleitschirmfliegen, es ist nie der eine Fehler, den man macht, der einen aus dem Himmel holt, sondern es ist immer eine Verkettung
verschiedener
kleiner Fehler. Das Wetter ist vielleicht marginal. Man hat am Tag vorher vielleicht ein Bier zu viel getrunken und fühlt sich nicht ganz so fit oder merkt das vielleicht noch gar nicht mal. Dann, man ist vielleicht mit einem neuen Schirm oder neuer Ausrüstung unterwegs und das alles macht so eine gewisse, das summiert sich auf. Das vergrößert dieses Risiko. Und das sind Dinge, wo ich feststelle, dass viele Gleitschirmflieger und Fliegerinnen nicht intensiv darauf achten. Sondern das ist mehr so ein Spaßhobby. Man geht an den Berg und dann fliegt man ein bisschen und dann hat man dieses gesellschaftliche Zusammensein. Das ist alles gut, macht mir ja auch sehr viel Spaß. Aber ich würde mir wünschen, dass die Gleitschirmfliegergemeinschaft sich immer mehr daran erinnert, dass das Luftfahrt ist, was wir betreiben.
Und das hat ein Risiko. Und in keinem anderen Bereich der Luftfahrt geht es zum Beispiel ohne Checklisten und ohne Sicherheitsmaßnahmen. Verstehe nicht falsch, ich will den nicht einführen, aber ich will, dass die Leute sich bewusst darüber sind, was sie dafür machen können. Und für mich sieht das halt so aus, dass ich intensiv
einen Flugtag vorbereite. Ich checke das Wetter aus allen möglichen Quellen, die ich finden kann. Ich checke die Topografie, das Gelände. Und wenn ich dann ins Fluggelände komme, dann schaue ich mir auch an, stimmt das mit dem, was ich gesehen habe, überein? Und wenn das nicht so ist, dann warum ist es nicht so? Kann ich dann starten oder nicht? Und fälle dann meine Startentscheidung. Und fliege auch mal beispielsweise Pyrenäen, das ist ein gutes Beispiel, eine Strecke oder aus einer Thermik raus, weil die mir zu wild ist. Manche freuen sich, wenn es mit acht Metern pro Sekunde nach oben geht. Ich freue mich da nicht unbedingt. Ich will da weg. Für mich ist so eine Altherren Thermik von zwei Metern pro Sekunde genau das Richtige. Das dauert dann ein bisschen länger, aber am Ende fühle ich mich besser dabei.
Macht ja auch mehr Spaß eigentlich. Man kann auch in der Gegend rumgucken, man kann schon überlegen, wo will ich als nächstes hinfliegen oder kann unten im Mähdrescher zugucken, wie er da gerade seinen Weizen einfährt und sonstiges alles.
Mit diesem Retterabgang, den du da hattest, wo du jetzt so einen In -Reach hast, das ist jetzt eine Detailfrage, wenn du da jetzt wieder landen würdest, würdest du dann jetzt auch sagen, ah, ich drücke jetzt einfach bei diesem In, also dir geht es gut, dir ging es ja auch da gut. Ich drücke jetzt einfach auf dem In -Reach meinen Knopf und setze damit viel in Gang, weil die wissen erst mal gar nicht, wie es mir geht oder sonst was. Da hat nur irgendeiner gerade diesen SOS -Knopf gerade gedrückt und wir können ihn jetzt nicht erreichen. Oder würdest du da sagen, bevor ich diesen In -Reach -Knopf drücke, gucke ich erstmal, laufe ich vielleicht da hoch
und das würde ich situationsabhängig machen. Wenn ich beweglich bin, ich habe nichts, ich bin halt nur irgendwo in einer Zwickmühle und komme dann nicht weg, dann würde ich natürlich gucken,
ich mache meine Karte auf, auf dem Handy gibt es hier irgendwie auf der anderen Seite des Berges einfach einen Wanderweg, der da runter führt. Das würde ich als erstes checken. Dann würde ich checken, habe ich Handyempfang, ganz klar. Wenn das aber nicht gegeben ist und ich sehe auch, ich kann da jetzt nicht
mit dem SOS -Knopf, denn man muss sich auch damit auseinandersetzen, was passiert denn dann überhaupt. Also das ist nicht so, ich kaufe das, tue das in mein Gurtzeug und dann habe ich das, sondern ein bisschen muss man auch überlegen, was setzt man denn damit in Gang. Und zwar ist es so, wenn man dieses SOS drückt, dann wird eine internationale Notrufzentrale, die zu diesem In -Reach -Konzern gehört, die wird kontaktiert und dann kommt das Schöne an dieser SOS, an diesem In -Reach gegenüber anderen Geräten. Das ist nicht nur ein SOS -Beacon, also das setzt nicht nur das Notsignal ab, sondern man wird dann über dieses Gerät auch von denen kontaktiert und die stellen dann die Frage, was ist denn los, wie ist die Notsituation und dann kann ich über das Gerät auch beschreiben,
jetzt ist es nicht dringend, aber ich bin hier in der Zwickmühle oder ich habe einen offenen Bruch und ihr müsst so schnell kommen, wie ihr könnt. Wenn man nichts macht, dann ist die Aussage dieser Notrufzentrale tatsächlich, dann setzen die alles in Gang, was möglich ist und das machen die so, dass sie Orten, wo ist dieser Unfall, die haben ja dann die Position, dann gucken die, in welchem Land ist das und dann rufen die die örtlichen Rettungskräfte an, ob das dann Feuerwehr ist oder in den Alpen die Rettungshelikopter oder die Polizei, das ist dann situationsbedingt. Deswegen kann man und sollte das auch auf der Internetseite, die zu diesem System gehört,
persönlich zugeteilt ist, da kann man seine Kontaktdaten hinterlegen. Da gibt es auch einen Bereich, wo man ganz frei im Fließtext reinschreiben kann, ich bin jetzt in den Pyrenäen unterwegs, ich habe die und die Route geplant, das und das ist mein Vorhaben und hier sind die Kontaktdaten von Ansprechpartnern, wenn mir was passiert und ich setze das SOS ab, dann ruft die bitte an. Das ist nicht so knopfgedrückt fertig, sondern das setzt erstmal einen Kommunikationsprozess in Gang und deswegen würde ich da nicht zögern, das auszunutzen, dafür bezahlt man ja Geld.
Aber das ist dann auch etwas, was du dann als Pilot sehr aktiv auch pflegen musst auf gewisse Weise. Korrekt. Du sagst, okay, jetzt war ich im Pyrenäen, danach muss ich mich daran erinnern, ich muss das wieder rauslöschen, nicht, dass die beim nächsten Mal, wo ich im Himalaya bin, die immer noch meinen, ich sei in den Pyrenäen unterwegs. Das
ist ganz korrekt, das ist aber mit zwei Klicks mit der Maus gemacht und ich schreibe tatsächlich immer rein, was ich so mache. Ob ich jetzt, wenn ich sage, ich fahre jetzt drei Tage in die Berge, in den Alpen und fliege da, dann schreibe ich da wenig rein. Bei dieser Pyrenäentour habe ich schon mehrere potenzielle Stationen eingepflegt, ich habe Kontaktdaten eingepflegt etc. und dann sind, was immer hinterlegt ist, sind meine Notfallkontakte. Also das ist erstmal meine persönlichen Daten und dann aber auch die meiner Frau und von ein, zwei Freunden, Fliegerfreunden, die wissen, wie das Hobby funktioniert. Meine Frau weiß das nicht, die will das auch gar nicht wissen, die steht da eher ablehnend gegenüber, weil ich dann so oft weg bin, aber Leute, die sich damit auskennen, die sollte man dann auch damit einpflegen.
Ich hatte jetzt beispielsweise Philipp Pyrenäen auch extra einen Freund gefragt, ob er da unterstützen kann, wenn es mal so wäre, der Spanisch spricht, wenn ich auf der anderen Seite unterwegs bin. Sowas hilft dann natürlich.
Jetzt zum Ende hin will ich eigentlich nur nochmal ein ganz kleines Thema ansprechen, eigentlich nur eine Frage. Du fliegst jetzt glaube ich seit 2006? Richtig.
Und hast jetzt deine tollen Volbifs erlebt, sagst jetzt dieser Pyrenäending, das war so bisher die Königserfahrung, sage ich jetzt mal. Gibt es sonst auch vom Fliegen allgemein etwas, wo du sagst, wow, das sind besondere Momente oder ein besonderer Moment, der mir absolut hängen geblieben ist?
Ach, es gibt so viele Momente. Ich finde, das ist doch das Schöne beim Fliegen, dass jeder Flug, ich sage immer, der nächste Flug ist der wichtigste Flug meines Lebens. Aus zwei Gründen. Einerseits, weil ich fliege, weil es mir Spaß macht und ob ich jetzt hier über dem Hausberg hänge oder über der wildesten Landschaft, die man sich vorstellen kann. Es hat alles schöne Aspekte und man kann überall was Neues und was Tolles erleben. Das Zweite ist halt nochmal der Sicherheitsaspekt, weil der nächste Flug, wenn man den wirklich so sicher empfindet, da hängt mein Leben dran, dann geht man auch mit einer anderen Einstellung da rein und springt nicht einfach auf den Berg, weil man es schnell hinter sich bringen möchte. Aber was ich am Fliegen generell mag, ich bin ein sehr reiselustiger Mensch, ich bin sehr gerne in der Welt unterwegs
und Fliegen, das bringt uns an Stellen und Orte, die man sonst nie erreichen würde. Und das mag ich. Damit meine ich jetzt nicht nur, dass man nach Kolumbien oder Neuseeland oder nach Indien fahren kann, um da lokal in Fluggeländen zu fliegen. Das ist schon mal super, denn man sollte dann auch möglichst vielleicht mal ein bisschen was von der Kultur und der Mentalität der Menschen mitnehmen und sich da ein bisschen umgucken und nicht immer nur Startplatz und Landeplatz anschauen. Das tun doch die meisten, wenn sie Flugreisen machen. Sondern gerade beim Streckenfliegen, man säuft irgendwo ab, wo man sonst nie hingekommen wäre. Und gerade das passiert nicht nur in den abgelegenen und exotischen
Fluggeländen, sondern das kann auch hier bei uns in der Mosel passieren. Man geht auf einen Streckenflug und mal gucken, wo es mich heute wieder hintreibt. Und das eigentliche Abenteuer beginnt, wenn man am Boden steht. Ja, wie komme ich da jetzt wieder zurück? Das Land ist in irgendeinem
abgelegenen Eiffeltal, also abgelegen in Anführungszeichen, je nachdem von welcher Dimension man her guckt. Aber es ist trotzdem auch für deutsche Verhältnisse dann abgelegen und sagst, okay, hier ist so, wo Fuchs und Haas sich irgendwie gute Nacht sagen oder sowas. Was würdest du denn anderen nicht erfahrenen Piloten empfehlen, wie sie besonders viele schöne Flugmomente sammeln können? Gibt es da einen besonderen, na Trick nicht, aber irgendwie einen Rat, den du geben könntest?
Ja, vielleicht gibt es da tatsächlich einen Rat, den ich geben könnte. Ich würde ihnen raten, nicht alles auf einmal zu wollen. Ich habe so das Gefühl, dass die Nachwuchspiloten, die neuen Leute im Verein und die Leute, die so neu dazukommen, direkt denken, ich habe jetzt den Schein und ich habe meinen B -Schein, jetzt kann ich auf Strecken gehen, ich muss jetzt sofort nächstes Jahr 200 Kilometer fliegen, ich muss einer der Besten werden,
der da auch immer steckt. Das ist eigentlich gar nicht der Sinn der Sache für mich. Da denke ich sehr daoistisch, der Weg ist das Ziel. Wir fliegen, um uns permanent zu verbessern und wenn ich höre, wenn solche Größen wie Kriegelmauer und die Tops unserer Szene sagen, dass sie in jedem Flug noch was dazulernen wollen, nicht nur können, sondern wollen, dann zeigt mir, dass dieser Weg nie enden wird. Und wenn ich mir jetzt ein hehres Ziel setze,
dann bin ich die fünf Jahre davor vielleicht frustriert, weil ich noch nicht da bin. Wenn ich aber sage, der nächste Flug, egal ob er jetzt kurz oder lang oder schön wird, den werde ich genießen auf seine Weise, dann macht Gleitschirmfliegen nochmal gleich viel mehr Spaß. Wie lange hast du gebraucht, um da hinzukommen? Ah, ich habe da auch ein bisschen gebraucht, ja. Kann ich jetzt nicht festmachen. Ich denke mal, dieser Retterabgang, wann war der denn? Ich glaube, ich müsste jetzt lügen, 2009? Der hat schon ein bisschen dazu geführt, dass ich mir über die ganze Geschichte Gedanken gemacht habe und überlegt habe, was will ich daraus ziehen, warum gehe ich dieses Risiko ein, Gleitschirm zu fliegen, wie kann ich das minimieren und was bekomme ich davon? Und das habe ich für mich so ein bisschen zurechtgerüttelt und bin jetzt in einer Situation, wo ich sage,
muss keine 200er Dreiecke fliegen, der nächste Flug, wenn er nur drei Minuten Abgleiter ist, dann ist er auch schön. Und wenn ich mit der richtigen Einstellung da hineingehe, bin ich dann am Ende nicht enttäuscht, wenn es so war, wie es war. Und alles, was an Top kommt, wenn ich mit einem drei Minuten Abgleiter rechne und es wird eine Stunde Soaring -Flug, ja, umso besser. Dann kann ich mich nur noch mehr freuen.
Das lasse ich mal einfach so stehen. Boris, vielen Dank für die Erzählung und noch viele schöne, ob drei Minuten oder drei Stunden Flüge oder 30 Tage Wollbeef, irgendwann mal die Anden entlang oder was du auch immer irgendwann noch planen wirst, um vielleicht auch diese Pyrenäentour nochmal zu toppen.
Danke, dass ich dabei sein durfte bei deinem Podcast. Sehr
gerne.
Podz-Glidz ist der Podcast des Gleitschirmblogs Lu-Glidz. Der steht im Netz unter www.Lu-Glidz.blogspot.com Lu-Glidz schreibt sich Lu-Glidz Auf Lu-Glidz findest du auf der Seite Fördern alle nötigen Infos, wie du meine Arbeit unterstützen kannst. Da ich Podz-Glidz und Lu-Glidz bewusst ohne Werbung und ohne Paywall halte, bin ich auch auf deine Hilfe angewiesen, um noch viele weitere Podcastfolgen
zu machen. Auf Lu-Glidz stehen auch die Shownotes zu dieser Folge über die Transpyrenäen -Rallye mit Boris Stähli. Dazu gehören einige Links, unter anderem zu einem 40 -minütigen YouTube -Film, in dem Boris seine Tour dokumentiert hat. Gerne kannst du auf Lu-Glidz auch einen Kommentar mit Lob oder Kritik zu dieser Folge hinterlassen. Übrigens, ich bin stets auf der Suche nach weiteren interessanten Gesprächspartnern mit hörenswerten Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Hast du einen Vorschlag? Dann erzähle mir davon und schicke mir, wenn möglich, gleich auch die Kontaktdaten. Am besten per E -Mail an lugleitzkontakt at gmail dot com. Weitere Folgen von Podz-Glidz sind schon in Arbeit. Also bis bald. Ciao!