Die Nachricht hat mich tatsächlich zwei Tage erreicht, nachdem ich mich wirklich glücklich im Wohnmobil zurückgelehnt habe und gesagt habe, ich habe meinen Berg gefunden. Ich war oben, ich habe mehrere Hike & Fly dort gemacht, er scheint mir ideal, das tut er mir bis heute. Und wir sind weggefahren und ich habe meine Kumpels angerufen und habe gesagt, hey, ich habe einen Berg, lasst uns mit der Planung beginnen. Und zwei Tage später kam dieses Video und ich habe die gleichen Leute nochmal angerufen und habe gesagt, ich glaube, wir müssen uns nochmal was überlegen, die Vorzeichen sind andere.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Jeremy Paxson und ich bin Lucian Haas.
Stell dir vor, du bist vier Wochen lang in anderen Ländern unterwegs. Die Mission, einen Berg zu finden, ideal gelegen und geformt, um dort einen Traum zu erfüllen. So häufig an einem Tag hinauflaufen und wieder herunterfliegen. Dass die Summe der Höhenmeter einen neuen Weltrekord ergibt. Stell dir nun auch noch vor, du findest diesen Berg. Bist ganz euphorisch, siehst aber wenig später ein Video im Internet. Es zeigt dir, der Traum vom Weltrekord ist schon geplatzt, bevor du überhaupt richtig loslegen konntest. So ist es Jeremy Paxson ergangen. Der 41 -Jährige aus Rottweil ist sowohl begeisterter Gleitschirmflieger als auch Ultramarathonläufer.
Hike & Fly, auch in Extras. In extremer Form ist seine Passion. In dieser Folge 89 von Podz-Glidz erzählt Jeremy seine Geschichte. Von den Details will ich hier vorab nicht mehr verraten. Nur so viel, Jeremy hat Biss. Und wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, zeigt er Durchhaltevermögen. Und sei es nur, um es sich selbst zu beweisen. Das war schon so, als er vor zehn Jahren ein anderes, ungewöhnliches Projekt realisierte. Er nähte sich zu Hause einen eigenen Single Skin Gleitschirm. Einfach um zu zeigen, dass ein Gleitschirm ohne Untersegel durchaus fliegen kann. Damals war das vielen in der Gleitschirmszene noch gar nicht klar. Wenn dir Podz-Glidz gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit als Förderer.
Wie das ganz einfach und ohne jede Verpflichtung möglich ist, erfährst du auf der Website meines Blogs Looglides. Und zwar dort auf der Seite Fördern.
Jeremy, warum bist du ein wenig sauer auf Andy Simons? Ich
weiß gar nicht, ob ich wirklich sauer bin. Vielleicht bin ich ein Zwischending aus voller Bewunderung und ein bisschen neidisch. Und habe durch ihn eigentlich den Anstoß bekommen, über ein Thema nochmal konkreter nachzudenken, welches mich schon eine ganze Weile lang beschäftigt hat. Und deswegen bin ich ihm eigentlich nicht sauer, sondern irgendwie dankbar. Und ich bin gespannt, wo uns diese Überlegungen noch hinbringen.
Was hat denn der Andy Simons genau gemacht, was dich sauer oder dann nachdenklich und dann vielleicht letzten Endes dankbar gemacht hat?
Andy Simons hat eine aus meiner Sicht wirklich außerordentliche Leistung vollbracht. Er hat den Hike and Fly Rekord auf ein Niveau hochgeschraubt, das ich nach meinen Kalkulationen eigentlich für das absolute Maximum hielt, was, denke ich, derzeit möglich ist. Er hat es auf eine ganz besondere Art und Weise geschafft und die unterscheidet seinen Rekord von allen bisherigen. Und zwar ist er eben auch zu nächtlicher Stunde geflogen. Und das ist ein großes Unterscheidungsmerkmal, denn alle, die bisher Hike and Fly Rekorde gemacht haben, also das maximale Aufsteigen an Höhenmetern zu Fuß mit Schirm auf dem Rücken innerhalb von 24 Stunden, das haben alle bisher eben unter den sogenannten Sichtflugbedingungen gemacht und sind einfach geflogen nach den Regeln, die für uns eigentlich weltweit für Gleitschirme gelten, nämlich eben bei Tageslicht zu fliegen.
Und Andy hat eigentlich eine gute Idee gehabt und hat gesagt Mensch, wenn ich noch mehr Zeit nutzen möchte, dann muss ich wahrscheinlich die Nacht einfach dazu nehmen. Und ich glaube, man kann ihm auch deswegen gar nicht böse sein oder sauer sein, denn er hat es sogar in einem rechtlich offensichtlich akzeptablen Rahmen gemacht. Er hatte eine spezielle Genehmigung. Ich glaube, es ist sogar ein Notem rausgekommen damals. Und er hat an seinem Berg, wo er das gemacht hat, einen kleinen Luftraum gehabt, wo die Nachtfluggenehmigung erteilt war. Aber genau das ist auch einer der Punkte, die ich in gewisser Weise kritisieren möchte, denn Rekorde sind auch dafür da, gebrochen zu werden. Und genau das dürfte jetzt jedem zukommen.
Und ich glaube, das wird auch den zukünftigen Rekordversuchler schwerfallen. Denn ich glaube nicht, dass es so einfach wird, in anderen Ländern oder auch dort noch einmal eine solche Nachtfluggenehmigung zu bekommen.
Das heißt, so ein Rekord ließe sich nicht unter gleichen Bedingungen wiederholen. Also Wetter ist eh nicht gleich, aber zumindest die Rahmenbedingungen, dass man sagt, du hast jetzt 24 Stunden und das kann jetzt auch nachts geflogen werden. Aber meinst, das kriegt man nicht immer hin? Also ist dieser Rekord, steht vielleicht für die Ewigkeit da? Also
ich glaube, dass er unter diesen Bedingungen sicherlich erst einmal sehr lange Bestand haben wird. Entweder es kommt jemand, der wirklich ähnlich fit ist und das ist er ganz offensichtlich, wirklich bewundernswert fit, denn das ist schon eine echte Leistung. Und er bekommt ein ähnliches Permit oder möchte das genau auf diesem Wege machen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass der Rekord gebrochen werden kann. Eventuell auch einfach durch ihn selbst, denn er hat es am Ende seines Videos, wo er diesen Rekord vorgestellt hat, eigentlich ganz deutlich auch gesagt, es ist jetzt eigentlich alles offen. Und nicht nur unbedingt, wie viel kann man in 24 Stunden machen, wenn man die Nacht durchfliegt, ist man ja eigentlich nicht mehr darauf fixiert oder limitiert. Man könnte 48 Stunden fliegen oder noch länger.
Und genau darin sehe ich auch ein bisschen die Gefahr. Und wir hatten das Ganze, glaube ich, beim Segelfliegen schon mal, das ist viele, viele Jahrzehnte her, als das Thermikfliegen immer besser funktioniert hat. Und es natürlich darum ging, ja, wer kann denn am längsten fliegen? Irgendwann sind die Leute den ganzen Tag geflogen und wirklich erst in der letzten Dämmerung gelandet. Und bis einer auf die Idee kam, man könnte auch dynamisch an der Düne fliegen und den Wind nutzen und viel länger fliegen. Und dann hat man das gemacht. Und dann hat man die Düne gefunden, wo der Wind auch nachts geblasen hat. Und dann ist man unter abenteuerlichen Bedingungen da einfach weiter geflogen. Ich glaube, der Rekord ging irgendwann bis 50 Stunden oder so was, bis einer im Flug eingeschlafen ist. Und an den Dünen zerschellt ist. Und spätestens dann muss man sich fragen, was ist denn so ein Rekord eigentlich wert?
So ein Risiko aus meiner Sicht sicherlich nicht.
Aber warum tangiert sich das jetzt, was der Andy da gemacht hat? Wolltest du selber auch einen Rekord schaffen irgendwie? Und hast du gesagt, jetzt hat er was gemacht, was ich nicht kann oder was ich nicht schaffe?
Also absolut, genau so war es. Andy und mich unterscheiden ein paar Dinge. Wir haben auch ein paar Gemeinsamkeiten. Wir sind deutlich unterschiedlichen Alters. Ich bin deutlich über 40. Er ist ein junger, topfitter Kerl. Und das ist natürlich bewundernswert. Wir sind beide interessiert an dem Ultra -Traillauf. Also diesen Langstreckenläufen in wirklichem Gelände oder hochalpinem Gelände. Und das ist mal eine Gemeinsamkeit. Eine weitere ist eben, dass wir uns beide gut vorstellen können, diesen Hike -and -Fly -Rekord in Angriff zu nehmen. Er hat es nun jetzt schon gemacht. Und er hat es lustigerweise während einer Zeit gemacht, während ich in der konkreten Vorbereitungsphase war, genau das Gleiche zu tun.
Und letztendlich ist es so, dass nach vielen, vielen Vorbereitungen es für mich eigentlich gerade an dem Punkt war, wo ich gesagt hätte, alles klar, jetzt stelle ich noch zwei, drei Leute zusammen, die mein Team bilden. Und dann werden wir das in Angriff nehmen. Und genau, wie es der Teufel will, zu dem Zeitpunkt kam die Nachricht von ihm. Das Video war online. Er hat gezeigt, wie er das gemacht hat. Und damit waren meine Überlegungen eigentlich erstmal dahin. Denn unter den Bedingungen, wie er es gemacht hat, möchte ich es nicht machen. Ich denke, für mich wäre wichtig, dass es so etwas ist wie, das ist so ein Begriff, den man ganz oft im Bergsport beim Barsch macht. Beim Höhenbergsteigen hört, by fair means. Also einfach auf ehrliche Art und Weise.
Ich will nicht sagen, dass er geschummelt hat. Aber by fair means bedeutet einfach auch mit den zur Verfügung stehenden normalen Möglichkeiten. Im Bergsport beispielsweise ganz klar ohne die Verwendung künstlichen Sauerstoffs. In
diesem Fall halt dann wirklich nur tagsüber fliegen. Vielleicht sollten wir noch ergänzen, einfach nur, dass die Leute das verstehen. Was heißt denn Weltrekord in diesem Fall der Andy Simons? Also der ist 16.876 Meter, also nur aufgestiegen, um dann wieder abzugleiten. Das war in Frankreich und das war in diesem Frühjahr oder ich glaube im Mai 2022 war das. Nun hast du gesagt, als das Ganze rauskam, warst du selber in der Vorbereitung. Was war denn dein Plan? Was wolltest du machen?
Mein Plan? Und wo? Ja, absolut. Also genau das sind die spannenden Fragen. Denn ich habe natürlich auch die Rekorde davor beobachtet. Und nicht zuletzt den von Tengai oder ich weiß nicht, wie man es genau ausspricht. Ich glaube, er ist Franzose, fliegt für Niviuk, der den bisherigen Rekord 2021 gehalten hat mit knapp 13.400 Metern. Das war der Ausgangspunkt, von dem ich ausgegangen bin und von dem ich die Hochrechnungen gemacht habe. Und jetzt ging es darum. Mir war schon klar, wir sind hier wirklich in einem oberen Bereich. Hier wird es richtig schwierig für jeden Profisportler. Amateur, jeder, der hier noch was erreichen will, der muss wirklich alles optimieren. Nicht zuletzt hat Andy das ja auch gemacht mit seinem Nachtflug.
Nur eben auf eine Weise, wo ich ein bisschen das Gefühl habe, das war schon eine gewisse Vorteilsnahme. Denn das ist einfach so nicht für jedermann wiederholbar. Ich habe aber auch versucht, die Rahmenbedingungen zu optimieren. Konkreterweise geht es einfach darum, man muss leistungsfähig sein. Und leistungsfähig ist man vor allem da, wo die Luft dick ist. Das bedeutet, wenn man das hoch in den Bergen macht, dann hat man einfach eine geringere Leistungsfähigkeit. Zum Beispiel, wenn ich 1000 Meter aufsteigen will und in 2000 Meter anfange, dann endet das in 3000 Metern. Und dort ist einfach schon mal weniger Sauerstoff und etwas weniger körperliche Leistungsfähigkeit. Das spricht schon mal dafür, ein Gebiet zu suchen, wo man auf möglichst niedriger Höhe anfängt.
Und trotzdem steile Berge hat, die möglichst so steil sind, dass die Wegstrecke, die man zurücklegt, um die 1000 oder wie viel auch immer Höhenmeter zu bewältigen, so kurz ist, dass es genau das richtige Verhältnis hat. Und wenn man sich die Werte anguckt von dem Hang, wo Andy diesen Rekord geflogen hat, und die Werte anguckt von dem Hang, den ich nach langer Suche gefunden habe, dann stellt man fest, dass die sich fast nicht unterscheiden. Wir reden hier über zwei Kilometer Wegstrecke pro 1000 Meter Höhenunterschied. Das ist so steil, dass man in einigen Bereichen zwangsläufig mit den Händen den Boden berührt.
Du hast jetzt gesagt, ich wollte irgendwo hingehen, wo es tief ist, wo man tief anfängt. Das heißt, wahrscheinlich hast du dir ein Küstengebirge irgendwo gesucht, wo man sagt, man startet fast auf Meereshöhe oder sonst was und dann geht es richtig hoch. Und wahrscheinlich willst du auch sagen, naja, ich will ja lange fliegen können, also im Tag lange, also brauche ich lange Zeit. Du hast wahrscheinlich irgendwo im hohen Norden geguckt. Wo war das? Genau,
das sind die zwei weiteren Punkte. Und wenn man alle diese Suchfaktoren zusammen nimmt, dann kommt man eigentlich zwangsläufig auf Norwegen. Und Norwegen ist ein Land, das sehr, sehr viele Fjorde hat, wo die Berge im Prinzip steil hochgehen und zwar direkt auf Meereshöhe. Das ist schon mal also ein Riesenvorteil. Zweitens liegt Norwegen natürlich deutlich nördlicher als alle Gegenden, wo bisher die Hike and Fly Rekorde gemacht wurden. Und damit zwangsläufig in den Sommermonaten. Mit einer deutlich, deutlich längeren Tagesdauer und damit auch fliegbaren Tagesdauer nach Sichtflugbedingungen. Natürlich könnte man immer noch weiter nördlich gehen und vielleicht irgendwo einen Platz erreichen,
wo es wirklich fast gar nicht dunkel wird. 24 Stunden fast fliegbar ist. Ganz genau. Aber es geht schon darum, alle diese Faktoren unter einen Hut zu bringen. Und deswegen habe ich in Mittelnorwegen geschaut und dort nach längerer Suche, nach einigem Rumfragen und nicht zuletzt auch nach Kontaktaufnahme mit einer deiner bisherigen Podcast Gäste Ulrike Jüse, die mir viele Tipps gegeben hat, wo ich in etwa in Norwegen sowas suchen könnte. Und habe einen Berg gefunden, der 1150 Meter Höhenunterschied hat, was pro Runde, die man ja dann mehrfach absolvieren muss, ein sehr guter Mittelwert ist. Haben die anderen übrigens meistens auch so gehabt. Es hat 2,1 Kilometer Wegstrecke. Es fängt 30 Meter über dem Meeresspiegel an.
Und es liegt in einem Bereich, wo man durchaus mit weit über 20, 21, 22 Stunden Flugbedingungen rechnen könnte. Allerdings ist Norwegen, und das habe ich relativ schnell gemerkt bei der Suche, alles andere als wetterstabil. Und das ist sicherlich auch eine der Schlüsselthemen bei diesem Hike and Fly Rekord. Ein Gebiet zu finden, einen Tag auszuwählen. Und der so lange stabile Bedingungen hat, dass man mit so einem leichten Schirm, eventuell mit einem Single Skin natürlich, oder eben auch einem leichten Bergschirm fliegen kann über so einen langen Zeitraum.
Das heißt, man müsste aber vielleicht wie bei manchen anderen Rekorden, die aufgestellt werden, wo es heißt, wir haben so ein Fenster von zwei Wochen, wo wir sagen, in dem Bereich muss es passieren. Wir campieren vor Ort oder sonst was und warten ab. Und dann heißt es, morgen ist der Tag der Tage.
Ja, genau. Alle
Zeichen stehen dafür. Morgen rennen wir los und sowas. Wann wäre denn, gerade da in Norwegen, um wie viel Uhr morgens könntest du denn da frühestens starten? Und bis wie viel Uhr abends könntest du spätestens noch landen?
Also das Frühstarten, das muss man erstmal unterscheiden, ob man Frühstarten mit Gleitschirmstart meint oder natürlich mit dem Aufstieg. Denn der Aufstieg könnte sehr wohl noch vor Sonnenaufgang stattfinden, haben die bisherigen Rekordversucher ja auch alle so gemacht. Den ersten Aufstieg einfach bei Dunkelheit zu nutzen. Und wirklich, wenn. Wenn einfach gerade jetzt sozusagen die Sonne über den Horizont kommt, dann wirklich den ersten Flug zu starten. Also starten würde man wahrscheinlich um Mitternacht und das erste Mal wirklich gemütlich gehen, um nicht zu viel Energie zu verschwenden. Und mit dem ersten Start könnte man dann wahrscheinlich gegen drei Uhr beginnen. Und das Ganze könnte also circa bis 23.30 Uhr, je nachdem, wo man dann wirklich startet, tatsächlich fliegen.
Das
heißt, du hast wirklich quasi 20 Stunden Zeit, in denen du fliegen könntest? Wenn
man es genau ausrechnet, wahrscheinlich noch mehr, ja.
Wenn du das jetzt für dich so hochrechnest, was hast du denn erwartet? Wie viel könntest du denn realistischerweise schaffen in diesen 20 Stunden? Wie viele Aufstiege?
Also die ersten Hochrechnungen waren die, da bin ich von dem bisherigen Rekord, 13.400 Meter, ausgegangen und habe überlegt, um wie viel kann man den toppen. Und die letzten Schritte, in denen sich die Rekorde ausrechnen, waren die folgende. Die Rekorde, die die Rekorde verbessert haben, waren alle relativ klein, aber die haben wirklich auch alle einfach in Fluggebieten in den Alpen stattgefunden. Ich glaube, das war am Kronplatz, am Bischling, an verschiedenen... Der Seiseralm gab es, glaube ich,
auch nochmal.
Seiseralm, ja, absolut, genau. Also das sind Gebiete in der Mitte, im Herzen der Alpen. Und damit natürlich mit entsprechend kleinen Tagesfenstern oder kleineren, zumindest im direkten Vergleich. Und so habe ich ausgerechnet, dass es möglich wäre, dass man sicherlich beispielsweise in Norwegen es hinkriegen könnte, körperliche Voraussetzungen natürlich gegeben, dass man gegen 15.000, 16.000 Höhenmeter hinbekommen könnte.
Das heißt aber, den Rekord von Andy Simons mit den fast 17 Kilometern, den würdest du dort als nicht schlagbar halten? Ich
glaube, wenn man sich die Zeiten anguckt, die Andy gebraucht hat, dann sieht man, dass das schon relativ knapp gestrickt ist. Und ich glaube, wenn man das Gebiet vielleicht noch ein bisschen optimiert oder wirklich Richtung ganz genau 21., 22. Juni geht, also wirklich auf die Minute des Ausreits, dann ist es sicherlich möglich, vielleicht ein Zeitfenster hinzubekommen, das so lang ist wie das, das er genutzt hatte, bis bei ihm auch beim letzten Flug dann das schlechte Wetter kam oder einfach der zu starke Wind. Aber dann muss man immer noch ganz genau so fit sein, wie er und das ist wirklich eine große Herausforderung. Und deswegen zu diesem Zeitpunkt wusste ich das noch nicht und habe gerechnet, 15.000 sollten gehen.
Das wäre eine deutliche Steigerung des bisherigen Rekordes unter eigentlich gleichen Bedingungen, weil wiederholbar für jeden, der sich daran interessiert. Und ob jetzt tatsächlich so eine Fabelzahl wie die von Andy möglich wäre, das müsste man wirklich im konkreten Fall schauen. Und da bin dann vielleicht ich auch nicht mehr der Richtige dafür, sondern da muss wirklich einer von den jungen Wilden kommen. Aber ich will trotzdem sagen, dass das Alter nicht zwangsläufig entscheidend ist, denn wir reden hier über einen ganz langen Ausdauersport im Prinzip. Und da zeigt die Erfahrung, die ich habe, gerade aus diesen langen Ultra Trail Rennen, dass das Alter gar nicht mal primär entscheidend ist, sondern die Faktoren, die entstehen aus mentaler Stärke, aus Erfahrung, aus sich selber gut kennen, sich selber gut zuhören, die spielen sich gerade bei den langen Distanzen deutlich aus.
Ich erinnere mich an viele Rennen, wo bis zur Rennmitte hin junge, topfitte Leute neben mir hergerannt sind und im Prinzip schon fast rübergeguckt haben. Ja, was willst denn du hier? Und ich mir einfach nur gedacht habe, lass dich nicht ärgern, wir sehen uns wieder. Und genau so war es. Ich glaube, dass das auch dort gilt, weil letztendlich wird es eine Unternehmung, wo man wahrscheinlich über 23 Stunden unter Volldampf sein wird. Und ich glaube, da muss alles passen. Deswegen habe ich einen kleinen Puffer mit reingenommen bei meinen Rechnungen, einfach für Sachen, die menschlich sind, dass man nicht immer einen topschnellen Transition dahin bekommt und mit dem nächsten Schirm wieder los, sondern irgendwann muss man einfach mal auf Toilette oder braucht ein bisschen länger zum Essen.
Das ist ganz normal, das sind alle nur Menschen. Wenn ich diese ganzen Puffer rausrechne, dann habe ich gedacht, was theoretisch möglich sein müsste, ist ein Double -Everesting, also die zweifache Höhe von Mount Everest vom Meeresspiegel auf den Gipfel. Das ist lustigerweise eigentlich mehr oder weniger genau die Zahl, die Andy hinbekommen hat.
Nun warst du, glaube ich, wenn ich es richtig weiß, sogar in der Zeit in Norwegen, als du diese Nachricht bekamst, dass Andy Simons den Rekord da hatte. Absolut. Du warst gerade dabei, das vorzubereiten. Wie hat dich das damals getroffen? Was hast du da gedacht, als du das gelesen hast? Einfach nur laut Scheiße geschrien?
Vermutlich, muss ich meine Frau fragen. Wir waren mit der ganzen Familie da, das war eine riesen Unternehmung. Vier Wochen mit dem Wohnmobil, mit drei kleinen Kindern, mehr oder weniger planlos durch Norwegen gefahren, um so einen Berg zu suchen, mit ein paar Stichworten und Informationen. Und die Nachricht hat mich tatsächlich zwei Tage erreicht, nachdem ich mich wirklich glücklich im Wohnmobil zurückgelehnt habe und gesagt habe, ich habe meinen Berg gefunden. Ich war oben, ich habe mehrere Hike and Fly dort gemacht. Er scheint mir ideal, das tut er mir bis heute. Und wir sind weggefahren und ich habe meine Kumpels angerufen und habe gesagt, hey, ich habe einen Berg, lasst uns mit der Planung beginnen. Und zwei Tage später kam dieses Video und ich habe die gleichen Leute nochmal angerufen und habe gesagt, ich glaube, wir müssen uns nochmal etwas überlegen.
Die Vorzeichen sind andere.
Hast du denn trotzdem noch vor, irgendwie dieses Projekt noch weiter zu verfolgen? Oder sagst du, das hat mir so einen Schlag versetzt. Andy Simons, tut mir leid, aber dich greife ich jetzt nicht mehr an. Norwegen, es war eine schöne Zeit, die vier Wochen. Ich habe viel gelernt, viel gesehen. Meine Familie hat vielleicht viel gelitten unter mir, was ich da alles da durchgemacht habe. Aber das war es dann jetzt halt in der Story. Oder willst du trotzdem noch weitergehen und das wirklich ausprobieren? Was ist dort eigentlich möglich? Also
ich denke, dass man Rekorde ja grundsätzlich unterscheiden kann in die allgemeingültigen, die es einfach gibt, die stehen und eben in die persönlichen Rekorde. Und ich glaube, dass ich den persönlichen Rekord und einfach, ja, stets zu wissen, wie viel kann ich denn leisten? Nicht im direkten Vergleich, sondern einfach nur für einen selber. Das finde ich nach wie vor hochinteressant und da steiles Bergauflaufen und einfaches Gleitschirmfliegen, wieder bergab eigentlich meine Hauptleidenschaften sind, ist es naheliegend, das miteinander zu verbinden und das auch zu versuchen. Was aber eigentlich passiert ist durch diesen Rekord ist, dass es mich wirklich zum Denken angeregt hat, wie man denn grundsätzlich eventuell diese Misere behandeln könnte.
Denn natürlich ist mir schon klar, dass High -Gain -Fly Rekorde nichts sind, um was sich die Welt dreht. Das ist eine ganz, ganz kleine Nische. Und es gibt ein paar Leute, die sich dafür interessieren und wahrscheinlich nicht mal innerhalb der Gleitschirmszene sind das alle, die sagen, ja, toll oder so. Ich meine, Gleitschirmfliegen ist wirklich vielseitig. Also das ist ja echt nur ein kleiner Bereich. Die meisten
werden vielleicht denken, auch schon wieder so ein Verrückter, der über die
Berge hochrennen will und so was. Ich meine, das kann man denen nicht mal krumm nehmen. Das ist, es ist ja wirklich ein bisschen verrückt, aber das sind alle Rekorde. Es ist ja, der Rekord ist ja immer was, ein bisschen auf die Spitze getrieben. Und deswegen glaube ich schon, dass ich das versuchen will. Ich glaube aber, dass ich es unter diesen Bedingungen versuchen will, wie die bisherigen Rekorde stattgefunden haben. Natürlich mit den Optimierungen, die ich mir überlegt habe, bezüglich in den Norden zu gehen, tiefer anzufangen, ideale Steilheit des Geländes zu finden, wirklich aktuelles Material zu verwenden. Aber das wäre mir, glaube ich, wichtig, sozusagen diesen, in Anführungsstrichen, diesen Querenkodex, den alle vorherigen im Prinzip einfach stillschweigend befolgt haben,
den weiterzuführen und zu gucken, was ist in diesem Bereich möglich. Und wenn man wirklich nah an den Rekord von Andy ran käme, dann wäre das trotzdem ein tolles Signal. Und dann ist es letztendlich jedem selber überlassen, ob er sagt, jawohl, ich erkenne den anderen Rekord an, weil, naja, er ist nun mal mehr Höhenmeter hochgelaufen. Oder man sagt, nee, es ist schon richtig. Gleitschirmfliegen findet einfach unter VFR -Bedingungen statt, nach Sichtflugregeln. Dann wollen wir bei Tageslicht fliegen. Und der Rekord, der unter diesen Umständen rausgekommen ist, den wollen wir gelten lassen. Aber es sind ja alles inoffizielle Rekorde, muss man sagen. Man könnte
ja auch einfach sagen, pass mal auf, ich definiere jetzt mit einem Mal für deinen Rekord, ich sage, ich definiere jetzt mal eine Rekordregel und nenne meinen Rekord, also den du dann vielleicht aufstellen würdest, nenne ich dann einfach den, den
du nennen würdest. Das ist der
Daytime -Hike -and -Fly -Rekord, weil er zu Tageszeit, also mit Tageslicht geflogen wurde. Und der andere von dem Andy Simons ist vielleicht einfach der 24 -Stunden -Hike -and -Fly -Rekord. Das sind dann einfach zwei Kategorien. Und du hast dann halt den Rekord in der einen Kategorie und Andy Simons den Rekord in der anderen. Und beide könnten fürchterlich glücklich damit sein.
Also absolut. Ich glaube, das wäre sogar das Vernünftigste. Einfach zu sagen, es gibt sozusagen eine offene Klasse. Da kann jeder das machen sozusagen, wie er will und rennen und fliegen, solange er will. Und gucken, was rauskommt. Und es gibt vielleicht eine Klasse, die man dadurch definiert, dass man sich wirklich an die Tagesflugbedingungen hält. Und zum Beispiel finde ich persönlich auch, dass man es zum Beispiel so machen könnte, dass man sagt, jawohl, man verwendet zumindest eine zertifizierte Ausrüstung. Muss ja nicht gleich LTF sein, aber EN -zertifiziert. Einfach so, wie Gleitschirmfliegen eigentlich stattfindet. Man nimmt einen Retter mit, man zieht einen Helm auf und man hat vielleicht einen Protektor dabei. Denn dann ist es auch so, dass man einfach sagen kann, jawohl, zu diesem und jenem Zeitpunkt hat der Rekord so stattgefunden.
Und dies oder jenes war eben damals möglich. Und vielleicht tut sich noch mehr beim Material. Vielleicht werden die Schirme, die Gurtzeuge noch leichter. Das heißt, einfach durch weglassen. Naja, das ist ja klar. Ich glaube, in Frankreich fliegt man viel Volibre einfach. Und ja, aber ich denke, das wäre sicher was, wo man eine Kategorie schaffen könnte. Dass man einfach sagt, jawohl, wir machen das so. Wie es Gleitschirmfliegen ist, mit dem aktuellen Material. Und versuchen, was unter diesen Umständen möglich ist. Ich glaube, das wäre die Version, mit der ich mich persönlich am ehesten anfreunden könnte.
Möge es so werden. In diesem Zusammenhang interessiert mich aber schon noch eine Sache von dir jetzt persönlich. Nämlich, was ist für dich eigentlich, wo drin liegt der Reiz an dieser Form des, ich sag mal, die Ultraform des Sports. Dass man sagt, ich will es wirklich bis an eine Grenze heranführen. Warum fliegst du nicht einfach wunderbar fröhlich und gelassen in der Gegend herum, sondern sagst, nein, ich will auch noch 15 Mal den Berg hoch rennen.
Also das ist eine gute Frage. Und ich habe mir die ehrlich gesagt auch selber gestellt. Und ich glaube, die Antwort ist individuell sehr unterschiedlich, wenn man das verschiedene Leute fragen würde. Ich denke, letztendlich ist es inzwischen ein Ding aus dem, was es jedem Einzelnen bedeutet. Also eine sehr persönliche Sache. Und natürlich auch irgendwo ist die Antwort in dem, urmenschlichen Streben nach Verbesserung oder Optimierung zu suchen. Dass sozusagen man immer versucht hat, vielleicht was einfach noch besser zu können. Und sobald es ein Rekord gibt, dann löst es automatisch das Gefühl aus, dass man denkt, Mensch, geht das nicht auch noch besser? Also entweder durch den Rekordhalter selber oder durch sein Umfeld. Dieses Kompetitive, das dadurch entsteht eigentlich, ist, denke ich, eins der Grundprinzipien, die ja bei jedem Wettkampf, bei jedem Turnier, bei jeder Olympiade und somit natürlich auch bei jedem Rekordversuch mitschwingt.
Und dieses Kompetitive ist, glaube ich, wie gesagt, eine ganz normale menschliche Sache. Und der eine hat das vielleicht ein bisschen mehr, der andere weniger. Aber ja, einfach zu sehen, wo sind denn die Grenzen? Wo sind die eigenen Grenzen? Ein Rekordversuch ist ja auch immer ein bisschen Neuland betreten oder Neuland suchen. Man geht ja immer einen Schritt weiter als bisher. Das übt, glaube ich, schon einen enormen Reiz aus, wenn man so ein bisschen dieses Kompetitive hat. Und ja, das ist sicherlich der Grund.
Nun ist ja das, was du da vorhattest, ist ja etwas, wo du sagst, das ist im Grunde etwas Kompetitives, auch vor allem gegen dich selbst. Weil du läufst letzten Endes alleine dort hoch. Du musst dich selber schlagen so ungefähr oder deinen eigenen Plan erfüllen, was du dir vorher ausgerechnet hast oder am besten übererfüllen usw. Wie steht es bei dir mit kompetitivem Denken, wenn du mit anderen zusammen bist? Also nimmst du zum Beispiel auch an anderen Hike -and -Fly -Wettbewerben teil und sagst dann, da will ich mich auch messen und auch möglichst aufs Podium kommen oder was auch immer?
Absolut. Also ich glaube, dass ich diesen kompetitiven Gedanken durchaus habe. Und der ist einfach irgendwie so gekommen. Ich habe den irgendwann entdeckt und ich erinnere mich eigentlich recht gern daran, wie ich den entdeckt habe. Weil mir die Geschichte, wie es dazu gekommen ist, eigentlich bis heute in ganz, ganz vielen Bereichen im Leben wieder begegnet. Ich muss da ein bisschen ausholen. Es war eine Zeit in der Jugend. Wir waren alle sehr cool, haben Zigaretten geraucht und ich war absolut unsportlich. Und es kam der Tag, wo ich meine Ausbildung begonnen habe. Und an dem Tag hat mich das gestört. Ich habe auf der Stelle aufgehört und habe gedacht, ich fange jetzt mit Laufen an. Das sei doch eine gute Idee. Ich bin ein paar hundert Meter gelaufen und schier kollabiert. Und habe gedacht, um Gottes Willen, hier passiert überhaupt nichts.
Das ist nichts für mich. Ich habe es trotzdem am nächsten Tag wieder gemacht und habe übernächsten wieder. Und nach einem Monat habe ich auf die Uhr geschaut und festgestellt, ich bin hier gerade eine Stunde am Stück gelaufen. Und das war unglaublich, weil ich mir das nie, niemals zugetraut hätte. Ich habe einfach gedacht, ich kann das nicht. Und plötzlich hat es geklappt. Dieses Erfolgserlebnis war plötzlich der Motor, mit der Sache weiterzumachen. Das war die große Motivation. Weil ich mich so gewundert habe, was in kurzer Zeit möglich ist. Dann habe ich weitergemacht. Und nach ein paar Monaten mehr habe ich geschaut und ich war plötzlich einen Halbmarathon gelaufen. In gut zwei Stunden oder so, nicht sonderlich schnell. Aber jetzt plötzlich habe ich das auch nochmal verdoppeln können.
Und so ging das immer weiter. Dann habe ich gedacht, Mensch, wenn ich einen Halbmarathon laufen kann, dann kann ich doch vielleicht auch einen Ganzen laufen. Und dann habe ich mich angemeldet und bin einen Ganzen gelaufen. In einer sehr guten Zeit. Ja, dann war ich plötzlich richtig Läufer. Und dann geht das Denken immer weiter. Und dann versucht man, den noch schneller zu laufen. Und nochmal schneller. Und noch mehr zu trainieren. Und noch ein bisschen schneller. Bis ich irgendwann gedacht habe, warum versuche ich eigentlich immer, den schneller zu laufen. Wer sagt denn eigentlich, dass man bei der Marathondistanz aufhören sollte zu laufen? Da gibt es doch gar keinen Grund. Das sind 42, irgendwas Kilometer. Aber warum laufe ich nicht einfach weiter? Was passiert hinter dieser Schwelle? Und das hat mich wahnsinnig interessiert.
Und da bin ich einfach mal weitergelaufen. Und habe geguckt, was hinter der Schwelle passiert. Und interessanterweise ist schlicht und ergreifend gar nichts passiert. Weil der Körper weiß ja nicht, wie viele Kilometer es sind. Und das hat mir eins ganz deutlich gezeigt. Diese Schwelle, die ist nicht in den Füßen, nicht in den Muskeln. Die ist einfach nur im Kopf. Und wenn ich anfange, diese Kopfschwellen in den Griff zu kriegen, mir die wegzudenken, zu sagen, diese spielen in dem Zusammenhang gar keine Rolle, dann ist plötzlich alles offen und alles möglich. Und damit ist der Weg frei für ein gewisses Vorstellungsvermögen, Sachen zu erreichen, die man früher für unmöglich gehalten hätte. Und genau diese Erfahrungen haben jetzt dazu geführt, dass ich immer mehr in diese Langstreckenrennen reingekommen bin und mir wirklich auch Rennen rausgesucht habe, wo ich früher gesagt hätte, das halte ich nicht für möglich, dass das geht.
Und ich glaube, das ist auch der Grund, warum man die letztendlich macht. Nämlich die Freude, wenn man etwas hinbekommen hat, was eigentlich unmöglich schien. Die ist nicht zu beschreiben. Und es gibt, glaube ich, so einen englischen Spruch, oder ich weiß nicht, ob es ein Sprichwort ist. Das heißt, it always seems impossible until it's done. Und das zeigt es eigentlich ganz gut. Man denkt einfach, dass es nicht geht. Aber das denkt man so lange, bis man es probiert hat und bewiesen hat, dass es doch geht.
Wenn man das hier hört, könnte man jetzt meinen, wir sind in einem Läufer -Podcast und nicht in einem Gleitschirm -Podcast. Erzähl doch nochmal, wie du dann dazu gekommen bist, dein Laufen und diese Geschichte mit dem Fliegen zu verbinden und zu sagen, okay, dann bringe ich zwei Hobbys da in einer Weise zusammen.
Als ich mit dem Gleitschirmfliegen begonnen habe, das war, 2003, das ist also auch schon ein paar Tage her, war mein allererstes Interesse im Prinzip, als ich diese neue Freiheit hatte, dass ich zu all denen Bergen hingefahren bin, wo wir damals als Kinder mit der Familie unseren Sommerurlaub verbracht hatten. Viel in der Schweiz. Und ich habe mich erinnert, wie ich damals oben auf diesen Bergen stand, mehr oder weniger gelangweilt, und ich mich plötzlich gefreut habe, wenn ich diese Bergdolen dort habe umfliegen sehen, im Hangaufwind, diese wahren Flugkünstler. Und ich habe mir damals als Kind gedacht, muss das nicht gehen, also einen ganzen Tag hier rum zu fliegen, und es muss doch, das ist doch das Ultimative. Sobald ich den Schirm hatte, den Schein hatte, bin ich genau zu all diesen Bergen gefahren, bin hochgelaufen und habe diese offene Rechnung aus Kindheitstagen beglichen und bin von genau diesen Bergen runter geflogen.
Und damals haben wir das noch nicht hike and fly genannt, sondern das war wirklich, das war mit der großen Schulschirm, Ausrüstung mit riesigem Gurtzeug, einem Retter von über zwei Kilo und irgendeinem A -Schirm, das war echt anstrengend. Und für mich war das aber, ja, die ultimative Freiheit. Und das ging immer so weiter, und es hat dann immer noch keiner irgendwie hike and fly genannt, aber es ist immer mehr passiert, und ich habe mir immer höhere Berge ausgesucht. Irgendwann habe ich mir einen der ersten Bergschirme ausgeliehen und habe beschlossen, Mensch, welches ist denn hier so der höchste Berg, und bin auf den Mont Blanc hoch. Und mehr oder weniger einfach allein, mit ein paar Infos, die ich hatte, und habe beschlossen, ich fliege jetzt hier vom Gipfel runter. Ich habe es auf dem Gipfel geschafft, in relativ schneller Zeit, und sah mich dort mit 70 km/h Wind von schräg hinten konfrontiert.
Und es war mir auch zu der frühen Zeit in meiner Flugkarriere klar, dass das keine Flugbedingungen sind. Und bin großteils wieder abgestiegen, bis zur Gouttee -Hütte damals, und habe mich dann im windgeschützten Bereich, aber im Prinzip in der gleichen Wetterlage, da abenteuerlich über den Gletscher rausgehauen und bin runtergeflogen nach Les Houches. Ja, sicherlich etwas, was ich nicht mehr machen würde, aber damals schien mir das in Ordnung. Ja, dann war ich unten, aber ich war nicht vom Gipfel geflogen, also hatte ich noch eine Rechnung offen. Und das hat dann einige Jahre gedauert, aber ich bin da ausdauernd gewesen und habe dann irgendwann einen eigenen kleinen Schirm gehabt. Das hat dann angefangen, diese runterskalierten A -Schirme.
Damals war das der Nova Ibex, der allererste. Da hatte ich einen mit 15 Quadratmetern und den habe ich dann einige Jahre später gepackt und bin wieder zügig hoch auf den Mont Blanc und dann hat das geklappt mit dem Start vom Gipfel. Ja, damit waren die hohen Berge hier in der Gegend eigentlich beflogen. Es gab hier einfach keinen höheren mehr. Ich habe dann Reisen nach Nepal unternommen, allerdings nicht, mehr um einfach in die hohen Berge zu kommen, nicht um wirklich von dort zu fliegen. Aber ab diesem Zeitpunkt habe ich eigentlich nie wieder eine Bergbahn genutzt, um Gleitschirm zu fliegen. Es war für mich einfach das absolut Normalste und von meinem Empfinden her das Vernünftigste, die Berge, die man runterfliegt, davor zu bewandern.
Das heißt, du hast wirklich seither, von allen Bergen, von denen du runtergeflogen bist, bist du auf alle hinaufgelaufen?
Ja, das bin ich absolut. Ich habe immer schon diese zwei Leidenschaften gehabt. Ich habe damals schon viele Laufwettkämpfe gemacht. Dieses Berghochlaufen mit dem Gepäck war ein ideales Training. Es gab keinen Grund, die Bahn zu nehmen. Es ist also nicht der schwäbische Geiz, den man mir vielleicht an der Stelle unterstellen mag, dass ich die Bahn nicht zahlen will, sondern ich habe wirklich immer und aus Überzeugung die Fußvariante gewählt. Und ich muss auch sagen, dass ich annähernd jedes Mal beim Runterfliegen, ganz bewusst gespürt habe, dass ich die Höhe mehr zu schätzen weiß, dass ich die Höhe mehr genieße, wenn ich sie mir tatsächlich körperlich erarbeitet habe, als sie mir erkauft zu haben.
Glaubst du, ich weiß nicht, ob du sowas wirklich in der Intensität schon mal gemacht hast, wenn du jetzt so einen High -and -Fly -Rekord machen würdest, wie jetzt in Norwegen, den Versuch dorthin, das zu machen, glaubst du, dass du dort dabei das Fliegen auch noch genießen könntest?
Also ehrlich gesagt kann ich das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Ich weiß aus der Erfahrung von den langen Läufen und anderen langen sportlichen Unternehmungen, dass sich das Gefühl und die Wahrnehmung für das Umfeld im Verlauf von solchen langen Geschichten durchaus verändert und Empfindungen plötzlich anders sind und man sicherlich auch von der Wahrnehmung her gegenüber anderen und vielleicht auch den Sachen, die man macht, sicherlich defizitiert ist.
Ich glaube, das ist sicherlich eine Schwierigkeit, das gute Fliegen über so eine lange Zeitspanne zu können und das wird man sicherlich auch trainieren müssen. Ich glaube, das ist nichts, wo man sagt, körperlich bin ich fit, jetzt mache ich das einfach. Ich glaube, das muss man auch trainieren. Vor den sehr, sehr langen Läufen, da weiß man zwangsläufig, werde ich durch eine ganze Nacht laufen. Und wenn man Sorge hat, dass man sich nicht mehr so gut fühlt, dass man nicht durch eine ganze Nacht laufen kann, dann muss man das einfach trainieren. Und das habe ich viele Male gemacht. Einfach nachts um halb eins aufstehen und mal sieben Stunden laufen gehen. Warum nicht? Man kann immer das gut, was man viel macht und deswegen, ich denke, das ist sicherlich auch etwas, was man trainieren muss.
Wie ist das denn gerade, was die Materialwahl betrifft? Was für einen Schirm würdest du dann nehmen? Man könnte auch sagen, zum Beispiel, man könnte sagen, ich nehme einen möglichst kleinen, möglichst schnellen, der auch ein starkes Sinken hat, um möglichst schnell wieder unten zu sein. Könnte genauso sein, auch sagen, naja, ich verzögere oder ich verhindere ein bisschen damit meine Erholungsphase, die ich ja auch im Fluge habe. Vielleicht ist ja ein Schirm, mit dem ich etwas langsamer oder etwas länger unterwegs bin, unterm Strich auf den gesamten Rekord oder auf die Zeit bezogen, sogar interessanter. Der schnelle, kleine ist wie der junge Sprinter, mit dem du vorhin gesagt hast, auf halber Strecke hast du gesagt, pass mal auf, ich hole dich noch ein. Ich bin ein bisschen langsamer, gemütlicher unterwegs, aber hinten raus habe ich dann einfach noch die Power dazu. Welche Überlegung hattest du da? Was hättest du da gewählt?
Ehrlich gesagt, meine Überlegung war, zwei Schirme mitzunehmen. Und zwar eigentlich genau diese zwei Kategorien, die du gerade genannt hast. Es muss einen geben, der so leicht ist, wie es nur irgendwie geht und in meinem Fall würde ich auf einen kleinen Single Skin zurückgreifen. Ich persönlich fliege einen Sir Edmund in der kleinen Größe. Das ist ein wunderbarer Schirm, der völlig problemlos fliegt und mit dem kann man gut runterspiralen, also das wäre sicherlich machbar. Der überfordert einen nicht, auch wenn man schon lang fliegt. Aber man muss auch daran denken, dass es einfach über so einen langen Zeitraum relativ wahrscheinlich ist, dass es windintensive Phasen gibt und ich glaube, das wäre dann schade, wenn man zwei Drittel dadurch wäre und sich wirklich extrem angestrengt hat und am Ende, wie beispielsweise jetzt auch Andy, mit so starkem Wind konfrontiert ist, dass man sagen muss, unter den Bedingungen geht es nicht mehr.
Dann würde ich einen zweiten Schirm mitnehmen und das ist sicherlich was, wo man auch überlegen muss, ist das denn okay, also mit zwei Schirmen, denn das hätte noch einen weiteren Vorteil. Man könnte eben sagen, ob man nicht ein bisschen Hilfe in Anspruch nimmt, die den Schirm in der Zwischenzeit packen unten, also im Prinzip zwei komplette Ausrüstungen, dass man unten den Wechsel noch viel viel schneller hin bekäme, dass der Schirm fertig gepackt in einem zweiten Rucksack schon dasteht und man direkt wieder hochgehen könnte.
Ich nehme den Schirm mit, was mein Starthelfer jetzt oben gerade sagt, hey, wir haben jetzt 30 km/h Wind, ja, dann kann ich den Single Skin wohl unten lassen. Ja, dann nimmt man lieber 12 Quadratmeter Mini -Wing.
Und das würdest du so entsprechend miteinander kombinieren?
Das war die Überlegung, dass man sozusagen Material für unterschiedliche Bedingungen hat und das dann auch von Flug zu Flug entsprechend wählt. Natürlich wäre der kleine Schirm deutlich schwerer als ein einfacher Single Skin, aber wenn das bedeutet, dass der Flug eben stattfinden kann und man nicht warten muss oder es die gesamte Unternehmung gefährdet, dann wäre das sicherlich was, wo ich sagen würde, ja, dann lohnt es sich, ein Kilo mehr mitzunehmen.
Wenn ich es richtig sehe, von den anderen, die alle diese Rekorde geflogen haben, war, glaube ich, kein einziger mit Single Skins unterwegs, sondern die hatten alle leichte Doppelsegel -Bergschirme. Nun ist bei dir eine interessante Geschichte und ich springe damit jetzt ein bisschen im Thema, aber weil du auch sagst, so Single Skin, mir bist du als erstes aufgefallen, sogar schon vor ein paar Jahren, da hattest du, da hatte ich von deinen Hike and Fly und Ultramarathons und sonstigen hatte ich noch keine Ahnung, dass du das machst, aber da warst du einer der Ersten, die sich selbst zu Hause einen Single Skin genäht haben. Damals hatte ich da auch auf meinem Blog Lu-Glidz darüber geschrieben.
Wie bist du damals auf die Idee gekommen, sowas überhaupt zu machen? Das war gerade am Anfang, als so die ersten Single Skins aufkamen und alle noch gar nicht wussten, ob die vernünftig fliegen können und sowas. Und dann setzt du dich zu Hause an der Nähmaschine und nähst dir selber einen Single Skin.
Ja absolut, also das ist genau der Punkt gewesen. Wir wussten einfach nicht, wie die fliegen. Und ich erinnere mich sehr gut, wir waren damals unter Fliegerkameraden am Hang gestanden und hatten alle dieses Video gesehen. Plötzlich war da dieses Video von dem ersten Prototyp von Ozon, von dem XXLight und jeder hat sich erstmal gefragt, hä, kann das sein? Ist das Video ein Fake? Stimmt das denn überhaupt? Wie kann denn das sein? Wie kann das fliegen? Und selbst wenn es fliegt, ja wenn der einklappt, der geht ja nie wieder auf, der hat ja überhaupt keinen Staudruck, der hat ja gar keine Crossports. Ich meine, das ist doch was Extremes, das muss doch ein Spaß sein. Also die wollen uns doch veräppeln.
Und ich habe mich zurück erinnert an die Zeit, wo ich in der Modellfluggruppe und später auch als Konstrukteur von vielen Modellflugzeugen ganz viel mit Hohlprofilen gearbeitet habe. Das war eine Zeit, in denen wir viel in Turnhallen geflogen sind. Wir wollten immer möglichst langsame Modelle haben mit möglichst viel Auftrieb und da eignet sich das Hohlprofil natürlich ideal. Und bei näherem Betrachten stellt man fest, dass der Single Skin eigentlich nichts anderes hat als ein stark gewölbtes Hohlprofil. Und deswegen war mir relativ klar, dass das durchaus gut fliegen wird. Und ich habe Überlegungen angestellt, was ist denn tatsächlich? Wird der Schirm wirklich nicht öffnen im Falle, dass der Schirm eine Klappe hat, eine größere Kappenstörung
oder was auch immer? Meine Überlegungen waren relativ klar und ich habe die damals auch deutlich ausgesprochen im Kreis der Fliegerkameraden und die haben mich im Prinzip belächelt und gesagt, hey, du redest doch was, da hast du doch überhaupt keine Ahnung davon. Und ich war mir aber so sicher, dass ich gesagt habe, ich gucke, dass ich so einen Schirm kriege und ich gehe über Wasser und ich zeige das einfach, dass es so ist. Aber an so einen Schirm war natürlich nicht heranzukommen. Das war damals ein Prototyp und es gab im Wesentlichen keine anderen. Und dann hatte ich das aber schon ausgesprochen und dann habe ich gedacht, was mache ich jetzt? Und dann habe ich denen gesagt, passt auf, wenn ich keinen Schirm kriege, dann nähe ich einfach so einen und mache damit die Beweisführung.
Und dann hast du den Schirm wirklich alles selbst entworfen, gezeichnet, geschnitten, genäht? Ne.
Also erstmal muss man sagen, dass die, die davor nicht schon gesagt haben, jetzt der ist verrückt, die haben mich dann natürlich vollends für verrückt erklärt. Denn es gibt ja keine Selbstbauszene eigentlich bei Gleitschirmen so wie jetzt bei Modellflugzeugen oder sonst was. Und deswegen war es sehr, sehr schwierig an Informationen heranzukommen. Und letztendlich, ein Gleitschirm ist ja doch auf dem Singleskin eine so komplexe Sache. Das ist ja nichts, was ich mit einem Geodreieck und einem Lineal irgendwie auf einem Blatt Papier mir zeichnen kann. Der Gleitschirm ist natürlich im Prinzip die zweidimensionale Abwicklung dieses dreidimensionalen Modelles, so wie er später aussehen soll. Und dass das nicht mehr mit einem Taschenrechner und einem Bleistift geht, das ist klar. Und darum habe ich mich auf die Suche gemacht, wo man Pläne herkriegt von sowas.
Und ich habe tatsächlich eine Seite gefunden, sehr zu meiner eigenen Verwunderung. Und das war eine Seite, die ich bis heute oft besuche. Die nennt sich Laboratori den Woll. Und es ist die Homepage von einem spanischen Konstrukteur, Peri Casellas, der das als ein Open -Source -Projekt seit Jahren betreibt. Er konstruiert nicht nur Gleitschirme, er konstruiert Fluggeräte ganz im Allgemeinen, Hängegleiter. Er hat irre Ideen, was man alles fliegen lassen könnte, hat einen ganz eigenen Stil, er zeichnet ganz viel von Hand, stellt nur die Skizzen online und er ist ein genialer CAD -Könner und auch ein ausgesprochen guter Programmierer. Ich glaube, das macht er sogar hauptberuflich. Er arbeitet an einer Universität in Barcelona.
Es ist wirklich eine sehr eindrucksvolle Persönlichkeit. Und den habe ich online gefunden und er hat gesagt, ja, ich habe das auch gesehen mit dem Single Skin und ich habe ein Programm, mit dem man Gleitschirme konstruieren kann. Er hat das Programm selber geschrieben. Es ist sehr, sehr kryptisch. Ich glaube, er ist der Einzige, der es wirklich bedienen kann. Und er hat gesagt, hey, ich habe hier eine Konstruktion. Es gibt gerade einen Prototyp, den hat Adrenalin Paragliders in Spanien gebaut. Es sieht ganz gut aus, aber es stimmen einige Sachen überhaupt nicht. Die Bremsvorspannung stimmt nicht.
Viele, viele Details haben überhaupt nicht gestimmt. Er hätte das überarbeitet und er freut sich sehr, dass ich ihn kontaktiere, weil er sucht jemanden, der einen weiteren Prototyp näht.
Ich habe zwei gefunden. Ich habe Konstruktionsdaten von einem Schirm gebraucht. Er hat jemanden gebraucht, der einen Prototyp näht. Und kurze Zeit später hatte ich ein File, ein riesiges DXF -File, wo alle zweidimensionalen Stücke drauf waren, die man für einen Single Skin braucht, wie man ihn sich damals vorgestellt hat.
Und dann bist du auf der Seite von Xtreme Textil gegangen, hast dir Stoffe besorgt und hast gesagt, wunderbar, jetzt fange ich an, mir sowas auszuschneiden
und wahrscheinlich auf Papier irgendwie auszuplotten oder sonst was das dann auf Stoffe zu übertragen oder so.
Also das ist eine lustige Geschichte. Genauso war es. Ich habe einen Drachenladen gefunden, der schönes Ripstop -Gewebe hat. Das war silikonbeschichtet, das Ripstop mit ungefähr 40 Gramm pro Quadratmeter, also ganz normales Gleitschirmtuch eigentlich. Und dort habe ich bestellt 45 Quadratmeter und habe auf OK gedrückt und dann hat es einen halben Tag gedauert. Dann hat bei mir das Telefon geklingelt und der Inhaber hat mich angerufen und gefragt, ob das ein Tippfehler sei. Seine üblichen Kunden würden so zwei bis vier, manchmal fünf Quadratmeter bestellen. Ich hätte 45, ob das richtig sei. Und ich habe ihm gesagt, ja, das wird ein etwas größerer Drachen. Das hat schon alles seine Richtigkeit und ich freue mich, wenn er es mir trotzdem zu den normalen
Versandkosten versenden kann. Und das hat er gemacht. Und man muss bedenken, meine damalige Wohnung hatte ungefähr 45 Quadratmeter. Also ich habe so viel Stoff bestellt, dass ich meine ganze Wohnung hätte bedecken können da damit. Und dann ging das los, denn mit diesen DXF -Files auf dem Computer kann man überhaupt nichts anfangen. Man braucht die in echter Größe. Man muss sie irgendwie auf das Ripstop übertragen. Erst habe ich ausgerechnet, wie viele einzelne DIN -A4 -Seiten das wären, wenn man das ausdruckt,
weil man einen tollen Tesafilmer braucht, um die alle zusammenzukleben. Und das war im Prinzip hoffnungslos. Und dann habe ich zum Glück einen Fliegerkameraden gehabt, der in einem Architekturbüro gearbeitet hat. Und die hatten einen DIN -A0 -Endlosdrucker und konnten DXF -Files ausdrucken. Und das war eine große Hilfe, denn die drucken eben dort ihre, ich glaube, diese Pläne von ihren oder Konstruktionszeichnungen von den Häusern aus. Und der hat gesagt, ja, du kaufst eine Rolle Papier für deinen Drucker und dann drucke ich dir das alles aus. Und das habe ich gemacht. Und dann hatte ich die das erste Mal in echter Größe, habe die mit der Schere ausgeschnitten, habe dann diese Schablonen einzeln mit dem Stift auf das Ripstop übertragen, so durchscheinen lassen und abgepaust sozusagen.
Und das war eine Arbeit, die hat alleine weit über drei Monate gedauert. Jeden Tag mehrere Stunden. Viele Kugelschreiber, Minen leer.
Jetzt machen wir ein bisschen Long Story Short, damit es nicht, wir können natürlich jeden einzelnen Schritt da noch weiter gehen, aber wie lange hast du gebraucht, um letzten Endes diesen Schirm wirklich fertig zu nähen?
Ich war wirklich fleißig und habe jeden Tag daran gearbeitet und nach neun Monaten lag der Schirm fertig vor mir und ich bin nach Feierabend raus und auf die Wiese und habe ihn das erste Mal aufgezogen. Neun Monate hat es gedauert mit allen Tests, mit Lernen, wie man Leinen spleist, alle Sachen nähen, natürlich auch lernen, wie man näht, so einen Schirm. Nähen konnte ich schon ganz gut, aber Ripstop Gewebe nähen ist was ganz anderes wie ein Baumwollstoff. Die Maschine muss entsprechend eingestellt sein. Alles das ist innerhalb dieser Zeit passiert und dann stand ich mit dem Schirm bei mir auf der Wiese. Es war abends, es war ganz, ganz leichter Wind und das war so der Moment der Wahrheit. Und ich hatte extra eine Go -Kart, die ich mit dem GoPro auf meinen Helm montiert, weil ich gedacht habe, ja, das werde ich dann online stellen, dieses erste Aufziehen von meinem selber genähten Schirm.
Und ich habe ihn aufgezogen und er hat sich perfekt entfaltet, ist schnurgerade hochgestiegen und ich habe das Video nachher angeguckt, meine Stimme, ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe, sie hat sich überschlagen. Ich war so außer mir vor Freude über diesen Moment, wo sich dieser Schirm sozusagen das erste Mal gezeigt hat, ja, in also einer Schönheit sozusagen. Denn davor war es einfach nur ein wirklich störendes Stück Knäudelstoff in meiner Wohnung, die mir eh schon zu klein war und jetzt plötzlich war der da. Und dann war der Schirm hier und ich habe plötzlich gemerkt an den Tragegurten, hey, das zieht nach oben. Hier passiert tatsächlich Auftrieb.
Wenn ich jetzt drei schnelle Schritte mache, dann hebe ich ab. In dem Moment ist mir klar geworden, dass es überhaupt nicht darum geht, zu beweisen, ob man einen Schirm selber nähen kann oder so. Natürlich kann man das. In dem Moment ist mir klar geworden, dass genau jetzt mein größter innerer Kindheitstraum in Erfüllung geht. Nämlich der, ich baue mir meine eigenen Flügel. Und dieser Moment, wenn ich da dran denke, bis heute, das treibt mir wirklich schier die Tränen in die Augen. Nicht weil ich was genäht habe, was Auftrieb liefert, sondern schlicht und ergreifend, wegen der Größe des Moments und was er mir persönlich bedeutet hat.
Bist du denn nachher überhaupt mit diesem Schirm fliegen gegangen? Oder hast du gesagt, es reicht mir das aufzuziehen? Ich merke, er könnte fliegen, weil er hat Auftrieb genug, aber wer weiß, ob er überhaupt sicher ist, ob er schon vernünftig getrimmt ist und sonst was. Ich bleibe lieber am Boden damit, aber ich habe gezeigt, dass es funktioniert.
Die ersten Tests haben gezeigt, dass der Schirm im Wesentlichen stimmt. Ein paar Korrekturen habe ich gemacht, aber nichts Wesentliches. Ich bin ihn in der Form zu diesem Zeitpunkt nicht geflogen, schlicht und ergreifend, weil es ist ein Amateurbau. Ich habe einfach keine Zertifizierung gehabt. Ich lebe hier in Deutschland. Ich gebe mir Mühe, mich an die geltenden Regeln zu halten und das hat mich davon abgehalten, den Schirm wirklich zu fliegen, obwohl ich mir absolut sicher war, dass er fliegen wird. Später zu
einem gegebenen Zeitpunkt habe ich tatsächlich die Möglichkeit gehabt, Höhenflüge mit dem Schirm zu machen und das habe ich auch gemacht. Ich habe ihn auch über Wasser geflogen und ich habe ihn manövert. Und alle diese Sachen, weswegen ich ihn eigentlich mal genäht habe, nämlich einfach zum zeigen, ja, das wird vermutlich so und so und so passieren, war dann letztendlich auch genau so. Es war allerdings ein bisschen eine späte Genugtuung, denn zu dem Zeitpunkt gab es schon einige Single -Skin -Schirme und die Beweisführung war schon längst erbracht, aber trotzdem war es schön und ich erinnere mich schon noch, wie ich da in der Luft hing und wirklich über 1000 Meter einfach runtergeguckt habe und es sah genauso aus, wie 1000 Meter aussehen, wenn du unter irgendeinem Gleitschirm hängst, aber wenn du hochgeguckt hast, das ist der Moment, der den Unterschied gemacht hat.
Wenn da dieses Gebilde ist, wo du jeden Zentimeter Tuch von Hand ausgeschnitten hast, wo du jeden Stich dir angeguckt hast, ob er die Güte hat, dass er, dieses Gebilde, so zusammenhängt, dass du ihm dein Leben anvertrauen würdest, wo du jede Leine gespleißt hast, eingefädelt hast, wenn du hochguckst und das siehst und runterguckst und weißt, jawohl, er trägt mich, das ist ein Moment, ja, das war die ultimative Freiheit oder wie Skyman Markus Grundhammer sagen würde, gewaltig.
Ja und Nosenbohrer dann noch wahrscheinlich hinterher und sowas. Ja, genau. Was hat sich denn, hat sich durch dieses Projekt und diese Erlebnisse, die du damit hattest, beziehungsweise auch vielleicht mit den entsprechenden Aufmerksamkeiten, die du damit vielleicht auch in der Szene bekommen hast, hat sich damit irgendwas in deiner Fliegerkarriere geändert?
Ehrlich gesagt hat sich was geändert und das war ganz interessant, weil das war der Teil sozusagen, der nicht geplant war. Der Schirm war fertig, er war beim Groundhandling erprobt, das war klar. Du hattest sogar darüber berichtet, was mich damals wirklich sehr, sehr gefreut hat und so hat sich das bisschen rumgesprochen in der Szene, aber dieses Selbstbauprojekt war für mich erstmal abgeschlossen. Bin dann viel Normalgleitschirm geflogen, damals auch ein bisschen Strecke und Wettkämpfe und ich habe mich, ich erinnere mich, wie ich bei der Bavue mitgeflogen bin und wir uns abends nach dem Task irgendwie zusammenstanden und ja, sind ein paar hergekommen und haben gesagt, ob ich der wäre, der sich einen Schirm selber genäht hat und dann habe ich gesagt, ja klar, das bin ich und so weiter, tut mir leid, ich habe ihn nicht dabei, aber genau, das habe ich gemacht. Und dann haben die mir gesagt, hey, guck mal, da ist eine Stelle offen, da suchen die jemanden, der in so einer
Konstruktionsabteilung mitarbeiten könnte und ein bisschen Testpilot sein und wäre das denn nicht was für dich? Und da sage ich, puh, habe ich noch gar nicht gehört, cool, kann man sich da noch bewerben, dann mache ich das mal. Das heißt, eine Stelle bei einem Gleitschirm herstellen. Absolut, ganz genau. Und da habe ich mich hin beworben und dann haben die mich eingeladen und gesagt, ach ja, bring doch diesen Schirm mal mit, wir würden den gerne sehen. Und dann habe ich mein Gesellenstück sozusagen unter den Arm genommen und bin dorthin. Der Schirm hat denen sehr gut gefallen, sie haben ja attestiert, dass er sehr, sehr sauber genäht sei. Das hat mich wirklich gefreut und ich habe die Stelle gekriegt und ich habe im ersten Moment natürlich gedacht, Mensch, das ist der Wahnsinn. Ja, weil das ist, glaube ich, eigentlich, wovon ich insgeheim immer geträumt habe. Fluggeräte bauen,
konstruieren, ausprobieren, das ist doch genau meins. Und ja, ich habe meine Wohnung gekündigt, ich habe meinen langjährigen Job gekündigt, ich habe alles in meinen VW -Bus gepackt, wo ich denke, dass ich es brauchen könnte und bin ins Allgäu gezogen. Das hat dann auch wirklich toll angefangen. Ich habe in kürzester Zeit viele Größen aus der Gleitschirmszene kennenlernen dürfen und das war für mich natürlich genial. Im Prinzip meine Superstars, die habe ich gekannt aus dem Magazin oder mal vom Stubai -Cup oder so, aber nicht einfach so jetzt neben mir und wir machen hier was zusammen. Und das war schon wirklich irre. Und das war eine ganz, ganz tolle Zeit, aber auch um die Geschichte etwas abzukürzen, muss ich sagen, dass ich relativ schnell gemerkt habe,
dass das Fliegen, das ich dort mache, mir zwar trotzdem Spaß macht, es mir im Nachhinein aber nicht das Gleiche gibt wie früher, als ich einfach für mich geflogen bin. Es hat mir nichts ausgemacht, Prototypen zu fliegen, ganz im Gegenteil. Das fand ich eigentlich interessant, denn da hat man ja am meisten darüber gelernt. Es war eigentlich eher so das Gefühl danach. Früher war das immer so, man ist fliegen gegangen und es hat gut geklappt und dann ist man richtig beseelt nach Hause gefahren und ah ja toll, es hat sich wieder gelohnt und wie auch immer. Und jetzt plötzlich war es ein Job und man ist geflogen. Das Fliegen war okay, klar, es ist immer noch ein Gleitschirm, aber es hat mir nichts mehr gegeben. Und dann habe ich angefangen zu überlegen und habe wirklich gedacht, Mensch, beraubt mich hier sozusagen dieser Traumjob eigentlich meiner größten Leidenschaft und
ich habe die Vermutung gehabt, dass es so ist und die Vermutung war rückblickend betrachtet auch richtig und deswegen bin ich nach einem guten halben Jahr zu denen hin und habe gesagt, Leute, tut mir leid, es ist eigentlich wirklich mein Traumjob, aber es muss ohne mich gehen, es tut mir leid, ich kann das nicht machen.
Wie war die Reaktion von denen? Die
war total fair und verständlich. Ich glaube, ich möchte da auch wirklich überhaupt niemand die Schuld geben. Das Ganze ist wirklich meiner eigenen Blauäugigkeit und meiner eigenen offensichtlich sehr großen rosaroten Brille in dem Zusammenhang geschuldet gewesen, denn das ist einfach ganz normal. Ich hatte einfach falsche Vorstellungen. Es ist einfach was anderes, ob man was einfach für sich aus freien Stücken macht als Ausgleich, als ja, als auch Überzeugung dass das das Richtige ist, was man in seiner Freizeit machen kann oder eben, ob es das ist, was man macht, um schlicht und ergreifend Geld zu verdienen. So oder so. Diesen großen Unterschied, der ist mir dort einfach bewusst geworden und deswegen bin ich dankbar, man hat das verstanden und
ich bin ebenso dankbar, dass ich zurück in meinen alten Job konnte und das war mein Ausflug in die Gleitschirmbranche. Rückblickend betrachtet bin ich froh drum. Ich habe eine Weile gebraucht, bis das Gleitschirmfliegen mir wieder das gleiche gegeben hat, wie es davor gewesen ist, aber jetzt ist es wieder so. Das freut mich sehr und über die Kontakte, die ich in dieser Zeit kennenlernen durfte, über die freue ich mich auch sehr. Zu einigen habe ich bis heute noch Kontakt und ja, das ist eine wirkliche Bereicherung.
Diese Lehre, die du da gezogen hast, im Grunde daraus, aus diesem Ausflug in die Gleitschirmbranche, war ja sozusagen, dass du sagst, hm, wenn man sich zu intensiv damit, mit dem vielleicht im Kommerziellen beschäftigt, damit Geld verdienen muss, dann verliert man die Begeisterung für die Fliegerei.
Was würdest du allgemein sagen, als Empfehlung vielleicht aus deiner ganzen langen Fliegerkarriere und auch dem Engagement im Hike & Fly und Ultra Projekten, die du da hast, wie behält man sich die Begeisterung fürs Fliegen?
Also ich glaube, dass man die vor allem dann behält, wenn man sich selber treu bleibt und wenn man sich einfach überlegt, was bedeutet mir das Fliegen? Und genau da unterscheidet sich das ja eben, wenn man sozusagen das beruflich macht, dann ist es nicht mehr nur das eigene, sondern dann ist es vor allem das eben, je nachdem, in welcher Position man arbeitet. Und ich glaube, man behält die Freude am Fliegen dann, wenn man sich selber die neuen Ziele steckt, ob die jetzt groß sind oder klein, sei mal dahingestellt, das muss jeder für sich selber entscheiden. Aber sich selber treu zu bleiben, sich zu überlegen, warum mache ich das eigentlich, ja? Also manchmal auch einfach, ja, wenn man über einen kommenden Flugtag nachdenkt, sich zu überlegen, was verspreche ich mir davon?
Was mache ich das? Warum mache ich das? Mache ich das, um dass es cool ist? Mache ich das für meinen Social Media Account oder mache ich das, weil ich mir nichts Schöneres vorstellen kann, als das einfach ab und zu in meinem Leben zu haben, dass ich von oben runter gucken kann und denken, Mensch, ja, ist doch super, dass ich die Möglichkeit habe, die ganze Sache aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.
Ich möchte nochmal zu einer Sache zurückspringen, zum Anfang, oder relativ Anfang zumindest, das erste Thema, dieses Hike & Fly und das Trainieren dafür und Ultramarathon und sowas. Du hast nebenbei erwähnt, du warst in Norwegen und hast drei kleine Kinder, das heißt, du hast Familie. Du gehst fliegen und du trainierst für Ultramaratons und Sonstiges. Wie schaffst du das? Also wie trainiert man dafür, wenn man im Grunde auch Frau und Kinder zuhause sitzen hat? Wie kann man das überhaupt zusammenbringen? Wie kann man das integrieren?
Also ich denke, da sind verschiedene Sachen notwendig. Das ist tatsächlich was, das kann man nicht außer Acht lassen, denn das sind ja echte Verpflichtungen und denen muss man nachkommen. Ich meine, so war die Entscheidung. Mein konkretes Vorgehen ist das, dass ich bestmöglich versuche, die Familie einfach ins Training zu integrieren und in meinem Fall habe ich das so gemacht, dass ich einfach diese Lauftrainings so gestalte, dass ich den Babyjogger, den geländegängigen Kinderwagen einfach mitnehme und da die Kinder reinsetze, die einfach gerade mitkommen wollen. Und das ist also wirklich toll und am Anfang, als wir ein Kind hatten, war das überhaupt kein Problem und auch mit zwei ging das noch gut. Als wir drei Kinder hatten, wurde das Ganze schon wirklich schwierig, weil es solche Kinderwagen nicht gibt
und ich habe damals eine Konstruktion gebaut und die habe ich bis heute regelmäßig im Einsatz, wo ich zwei Kinderwagen mit einer großen Aluminiumstange hintereinander verbinde und selber in der Mitte laufe wie so eine Art Mittelmotor und dieses Gespann mir die Möglichkeit gibt, alle drei Kinder mitzunehmen und das hat viele, viele Vorteile. Der erste Vorteil ist, die Kinder sind an der frischen Luft. Der zweite Vorteil ist, ich kann sehr, sehr gut und sehr intensiv trainieren und der dritte Vorteil ist, meine Frau hat endlich mal ihre Ruhe, worüber sie, glaube ich, auch nicht böse ist ab und an. Das
heißt, die sagt zwischendurch, Jeremy, geh mal wieder trainieren. Ja
genau. Aber nimm die Konstruktion mit, genau. Und so machen wir das dann. Und ja, mit allen drei Kindern drin wiegt es weit über 60 Kilo. Wenn man da wirklich steile Schotterberge hochrennt, dann ist es ein sehr, sehr intensiver Trainingspuls und trainiert wirklich gut. Zweitens arbeite ich in meinem Hauptjob im Schichtdienst. Das bedeutet, ich habe einfach oft tagsüber Zeit, weil ich nachts gearbeitet habe und es vielleicht nicht so anstrengend war. Dann ist es auch noch so, dass ich, glaube ich, ganz ehrlich einfach sagen muss, dass ich mich sehr, sehr glücklich schätzen kann mit meiner Familie, die wahnsinnig verständnisvoll ist für die Sachen. Sowohl fürs Fliegen, aber natürlich auch für den Ausdauersport. Wir reden hier über in der heißen Phase 15 bis 20 Trainingsstunden pro Woche.
Das ist schon eine Zeit, die muss irgendwo herkommen. Ein Großteil kann ich eben integrieren, aber es gibt auch die Phasen, wo ich einfach nachts laufen gehe und es vom Schlaf wegnehme, weil es einfach nicht reicht. Aber beispielsweise im Vorfeld von der Reise nach Norwegen wollte ich wirklich wissen, auch im Hinblick auf den Rekord, wie viel Höhenmeter kann ich denn eigentlich laufen in 24 Stunden?
Dazu habe ich mich angemeldet bei einem ganz interessanten Lauf. Er findet in Sachsen statt. Es ist ein Treppenmarathon. Es sind 24 Stunden, die man eine Weinbergtreppe hoch und runter rennt. Gewonnen hat der, der die meisten Runden schafft. Das ist ein traditionsreicher Lauf und ich bin dahin ohne wirklich speziell zu wissen, was mich erwartet. Und ich bin Zweiter geworden und habe in 22,5 Stunden ungefähr, so lange haben wir das gemacht, 11.500 Höhenmeter bewältigt. Wenn man das jetzt vergleicht mit dem Höhenrekord, denkt man, da fehlt ja noch einiges. Man muss aber bedenken, dass ich diese ganzen 11.500 Höhenmeter hoch und runter gelaufen bin. Also natürlich nichts geflogen dort. Und das Runtergehen ist mit zunehmender muskulären Erschöpfung teilweise eigentlich der anstrengendere Bart.
Und nach dieser Erkenntnis wusste ich, dass ich, glaube ich, in der Lage bin, in einem sehr, sehr ordentlichen Bereich eine Leistungsfähigkeit zur Verfügung zu stellen, die so einen Rekord möglich machen könnte.
Ganz zum Abschluss. Jetzt verrate mir noch eine Sache. Du hast gerade gesagt, mit deinen drei Kindern im Gespann 60 Kilo läufst du diese Schotterwege den Berg hinauf. Wie kommst du nicht fliegend den Berg in dem Fall wieder runter, weil 60 Kilometer müssen dann ja auch irgendwie gehalten werden?
Der vordere dieser Wägen hat eine Bremse und die betätige ich dann. Das führt dazu, dass ungefähr alle drei Wochen die Bremsbeläge runter sind und die Felge schon zweimal gewechselt werden musste, weil sie durchgeplatzt ist. Da ist wahnsinnig viel Energie, die in Wärme umgesetzt wird und damit versuche ich das Gespann zu bremsen und den Rest müssen die Oberschenkel schaffen. Ich habe das ganze Gespann mit einer Leine bei mir um den Bauch befestigt. Das sollte ich stürzen, dass das nirgends hinfährt. Das bleibt einfach bei mir. Wir fallen dann hin. Also das ist so ein Sicherheitsfeature, das ich eingebaut habe. Aber das ist wirklich sehr, sehr intensiv und bereitet mich gut vor, sei es für die langen Sachen, aber natürlich auch für die schnelleren
Einheiten am Berg, die zum Beispiel auch bei kleineren High -and -Fly -Wettkämpfen gefordert sind, die ich sehr, sehr gerne mitmache. Diese Eintagesgeschichten, oft diese Kombinationswettkämpfe mit Berglauf, Mountainbiken, Gleitschirmfliegen, was immer mehr kommt. Ein bisschen angefangen mit dem Grazimann damals, aber es gibt tolle neue Formate. Paul Guschlbauer macht da ganz, ganz viel. Beispielsweise der Aerodlon findet in zwei Wochen statt. Also das sind tolle Wettkämpfe für jedermann und da muss man kein Superstar sein, sondern man kann einfach mit dem Schirm, den man hat, mitmachen und mit den Fähigkeiten, die man hat, mitmachen und einfach in einem Wettkampf fliegen, wo die echten Superstars das sehen, die auch teilweise dabei sind. Das sind hochkarätige X -Alps -Athleten, die einfach mitmachen und es ist schon toll zu sehen, wie professionell die das machen,
wie doch ganz anders die was angehen. Aber letztendlich ist es auch interessant zu sehen, das sind auch nur Menschen und die kochen auch nur mit Wasser, aber eben auf sehr, sehr hohem Niveau.
Wenn ich es richtig weiß, hast du ja im letzten Jahr beim Aerodlon auch teilgenommen und standest auch mit auf dem Podium.
Das ist richtig und bei dem Mal davor auch schon. Beim ersten Mal war ich auf dem dritten Platz und da war Paul Guschlbauer, hat der gewonnen und ein Andy Huber hatte den zweiten Platz gemacht, der auch sehr, sehr gut ist. Er ist ein extrem guter Mountainbike -Fahrer. Im letzten Jahr, das ist das Jahr, das du gerade angesprochen hattest, ja, da bin ich auf den zweiten Platz gekommen. Erster Platz war Aaron Durongati und dritter Platz war Thomas Friedrich, also Top X -Alps - Athleten. Ich will mich eigentlich gar nicht in der Form in einem Atemzug mit diesen tollen Athleten nennen, denn man muss das wirklich im Zusammenhang mit diesem Wettkampf sehen. In einem Format wie den X -Alps hätte ich sicherlich nicht den Hauch einer Chance
mit diesen Leuten gleich aufzubleiben. Aber in diesem Format, und das ist eben, warum ich das vorher auch genannt habe, ist es eben möglich und das ist schon ein tolles Gefühl. Ja, weil ich meine, das sind die coolen Jungs.
Dann sage ich mal, in diesem Gesetz der Serie warst du Dritter, dann warst du Zweiter, dann musst du nicht, aber dann kannst du ja in diesem Jahr Erster werden beim Erotlon, wenn das in zwei Wochen stattfindet. Ich bin mal gespannt, das ist vielleicht auch ungefähr der Zeitpunkt, wenn dieser Podcast rauskommt. Also Leute, guckt dann da mal in die in die
Endplatzierungsliste, wo Jeremy Paxton dann letzten Endes dort steht. Und vielleicht lest ihr auch im nächsten Jahr auf Looglights, dass Jeremy Paxton irgendwie in Norwegen einen neuen Hike -and -Fly -Weltrekord. Zumindest im Daytime -Fliegen aufgestellt hat. Jeremy, ich danke dir herzlich für diese ganzen Erzählungen zu all der großen Passion, die du da hast fürs Hike -and -Fly, für Single -Skin -Bau und sonst was alles. Da steckt wirklich viel Energie und Herzblut dahinter. Danke dir für all die Erzählungen.
Danke Lucian für die Einladung, für die Möglichkeit das zu erzählen und ganz allgemein im Namen der Szene möchte ich mich auch wirklich ein bisschen bedanken für deinen tollen Dienst in Form deines Podcasts, und natürlich auch deines Blogs. Was du für die Szene machst, ist glaube ich von unschätzbarem Wert und deswegen stellvertretend von mir an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.
Danke auch.
Podz-Glidz und den zugehörigen Blog Looglights betreibe ich bewusst ohne Werbung und ohne Paywall. Beides ist aber mit einigen Kosten und vor allem viel Arbeit verbunden, die irgendwie finanziert sein will. Anders gesagt, ich bin auch auf deine Hilfe angewiesen, um noch viele weitere Podcast -Folgen produzieren zu können. Als Förderer von Podz-Glidz und Looglights bleibst du völlig frei. Denn es gibt nur eine einfache Regel. Du darfst geben, so viel du willst. Und das kann ein einmaliger oder auch wiederkehrender Förderbeitrag sein. Du entscheidest. Falls du trotzdem unsicher bist, welche Summe vielleicht angemessen wäre, dann habe ich hier einen ganz unverbindlichen Vorschlag. Wie wäre es mit einem Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Looglights?
Selbst übers Jahr hinweg zu zusammengerechnet ist das immer noch günstiger als die Abogebühren eines klassischen Magazins. Zahlungen sind ganz einfach per Paypal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Looglights und zwar dort auf der Seite Fördern. Looglights steht im Netz unter looglights.blogspot.com Looglights schreibt sich Lu-Glidz
Übrigens, ich bin stets auf der Suche nach weiteren interessanten Gesprächspartnern mit hörenswerten Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Hast du einen Vorschlag? Dann erzähle mir davon und schicke mir, wenn möglich, gleich auch die Kontaktdaten. Am besten per E -Mail an looglightskontakt at gmail.com
Weitere Folgen von Podz-Glidz sind schon in Arbeit. Bis zum nächsten Mal. Ciao.