Gute Piloten, die haben einfach extrem viel Erfahrung und die schauen an den Himmel und die können einfach das aktuelle Wetter viel, viel besser beurteilen als Leute, denen einfach die Erfahrung dazu fehlt. Also auch wenn ich vielleicht verstehe, wie irgendwie ein alpines Pumpen zustande kommt auf dem Papier, wenn du nicht weisst, über welchen Pass das dann geschieht und wie die Anzeichen dafür sind, also optisch, wie man das erkennt, dann bringt es mir auch nichts, wenn ich das auf dem Papier gelernt habe, dann muss ich wirklich einfach raus und fliegen und das erfahren und deshalb glaube ich, dass es genau in diesem Bereich einfach unglaublich viel auch für mich noch zu lernen gibt.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit…
Stefanie Westerhuis.
Und ich bin Lucian Haas.
Das Wetter stellt in der Gleitschirmfliegen stets die grösste Unbekannte dar. Heutzutage kann man zwar im Internet ein halbes Dutzend Wettermodelle studieren, um sich schon im Vorhinein einen ungefähren Reim darauf zu machen, ob, wo und wie sicher man an einem bestimmten Tag in die Luft gehen könnte. Doch was einen dann tatsächlich vor Ort erwartet, ist manchmal ganz anders als die Prognose.
Wer dann enttäuscht ist und mit den Medienmodellen hadert, dem fehlt vielleicht etwas an Verständnis, wie solche Modelle überhaupt arbeiten. Tatsächlich gehen die Modelle in vielem noch immer recht grobschlechtig um. Und das ist natürlich zu Werke. Ihre Ergebnisse sind zwar eine tolle Hilfestellung, aber eine, bei der man im Hinterkopf behalten sollte, dass sie eine große Streubreite besitzen. Eine Frau, die das von Berufswegen gut im Blick hat, ist Stefanie Westerhuis. Die 30 -Jährige arbeitet bei Meteo Schweiz an der Entwicklung von Meteo -Modellen. Und sie fliegt auch Gleitschirm. Sogar recht erfolgreich. 2022 kam sie auf Platz 4 der Frauenwertung der Schweizer XC -Liga. Bei ihren Flügen bekommt sie regelmäßig zu spüren und zu sehen, wo die Modelle stimmen und wann sie in der Realität an Grenzen stoßen.
Vor allem darum geht es in dieser 106. Folge von Podz-Glidz. Den Umgang mit dem Wetter und der Prognoseunsicherheit. Und warum man viel häufiger bei Mauenvorhersagen in die Luft gehen sollte.
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Stefanie, sind eigentlich Meteorologen oder Meteorologinnen in deinem Fall die besseren Flieger?
Definitiv nicht.
Warum nicht? Eigentlich, ihr kennt euch doch qua Amt oder qua Studium oder sowas schon super gut mit dem Wetter aus. Und wenn man sich gut mit dem Wetter aus... Oder fürs Fliegen braucht man eine gute Wetterkenntnis. Also warum sind dann die Meteorologen definitiv nicht die besseren Flieger? Also
ich glaube, es hilft sicher, wenn man einen meteorologischen Hintergrund hat. Aber gerade zum Gleitschirmfliegen muss man dann so viel Wissen auf kleinen Skalen ansammeln. Das lernt man gar nicht im Studium. Und die Leute haben dann immer das Gefühl, ja, du bist ja Meteorologin, du kennst jetzt alles. Und ich denke immer, ja, Hilfe, ich habe doch das alles auch erst jetzt in den letzten Jahren erfahren und gelernt und mir angeeignet.
Und ich glaube, die besten Piloten, die ich kenne, die sind zum Teil wirklich überhaupt nicht meteorologieinteressiert. Die können sich irgendwelche allgemeinen Prognosetexte zu Gemüte führen und wissen dann ziemlich schnell, Mittwoch ist der Tag der Tage und da kann ich das und das fliegen.
Und die gucken auch gar nicht mehr weiter ins Wetter, sondern die gucken sich nur die eine Prognose an und sehen so, ich weiß, diese Großwetterlage, das ist einfach Flugwetter. Und ich mache einfach daraus, was es ist. Ja,
ich sage nicht, dass sie das gar nicht anschauen, aber ich kenne einige gute Piloten, die verwenden viel, viel weniger Zeit als ich damit, Wetterkarten anzuschauen. Sondern die haben so viel Erfahrung, die wissen viel mehr, mit welcher Wetterlage sie welche Flüge realisieren können.
Du sagst, die verwenden viel weniger Zeit als du. Wie viel Zeit verwendest du für so ein... Wenn du jetzt sagen würdest, ich will heute fliegen gehen, was würdest du am Morgen... Wie viel Zeit verwendest du für so ein... viel Zeit investierst du dann morgens noch wirklich ins Internet zu gehen und da noch Wetterseiten zu gucken?
Also morgens investiere ich hoffentlich überhaupt keine Zeit mehr oder nur noch sehr wenig, weil wenn ich einen guten Streckenflug machen will, dann muss ich ja alles am Abend eigentlich schon vorbereitet haben und dann gehe ich morgens um sechs auf den Zug und dann muss der Plan schon stehen, wo das ich hin will und ungefähr welche Flugroute das ich machen möchte und deshalb ist es Pflicht, dass ich mir das spätestens am Vorabend anschaue und da das kann locker mal ein, zwei Stunden dauern so mit allem drum und dran. Also ich sage nicht, dass ich jeden Flugtag zwei Stunden vorbereite, überhaupt nicht, aber wenn ich irgendwie weiss, am kommenden Wochenende habe ich frei, ich kann fliegen gehen, dann
passiert es schon, dass ich die drei, vier Tage vorher jeden Tag eine halbe Stunde mich mit Wetterkarten beschäftige und hin und her überlege und dann wieder diskutiere mit meinen Fliegerbuddies und ja, außerdem sind das dann vielleicht zwei Stunden bis am Freitagabend und am Samstag hat man dann einen Plan.
Wie weit im Vorrhein guckst du denn? Also wenn du jetzt sagst, ich will am Wochenende fliegen gehen, würdest du dann sagen, es lohnt sich eigentlich erst wirklich drei Tage vorher reinzugucken, weil die Modelle verändern sich meistens noch so stark in ihren Prognosen, dass es auch gar nicht lohnt sich montags viel Zeit da rein zu investieren oder guckst du wirklich schon die ganze Woche und fieberst dann auch gewissermaßen da drauf hin?
Es gibt wie so zwei Entscheidungen zu treffen. Die eine Entscheidung ist, an welchem Tag gehe ich fliegen? Also ich habe den Luxus, dass ich ziemlich flexible Arbeitszeiten habe, das heisst, ich kann mir jetzt schon überlegen, welcher Tag nächste Woche könnte vielleicht gut sein und dann schaue ich in meiner Agenda, dass ich dort keine Meetings abmache und für das muss ich halt dann zum Teil so vier, fünf Tage im Voraus mich mit dem kommenden Wetter beschäftigen, aber so wirklich den Plan für den nächsten Tag, das mache ich eigentlich nie weit im Voraus, weil mir bewusst ist, dass die Wetterprognosen sich sowieso immer noch anpassen, vor allem in den Details.
Wenn du jetzt von gestern Abend dich jetzt gut vorbereitet hättest, guckst du wirklich auch, wenn du jetzt beispielsweise auf die Bahn gehst und dann zum Fluggebiet hinfährst oder mit der Bahn noch nach oben fährst, mit der Bergbahn dann, guckst du denn dann auch nochmal beispielsweise, beispielsweise irgendwie ein Satellitenbild an oder guckst du dir nochmal
reale Wetterstationsmessdaten an, um zu sagen, hey, stimmt das überhaupt mit der Prognose überein, die ich mir gestern Abend da zurechtgelegt habe?
Definitiv, also der Blick auf die Messwerte ist allgegenwärtig, also ich mache fast alle meine Gleitschirmausflüge mit dem Zug, da hat man meist ein, zwei, drei Stunden Zeit, bis man wirklich am Startplatz steht und dann gerade so Messwerte für Wind oder sobald dann die Sonne aufgegangen ist, will man dann wissen, hat es jetzt wirklich Sonne oder ist es immer noch bewölkt? Da schauen wir oft auf die Apps. Was ich sicher auch immer wieder anschaue, sind Niederschlagsvorhersagen, also gerade wenn ein Tag ansteht, an dem viele Gewitter angekündigt sind, dann ist mir bewusst, dass das sich jedes Mal, wenn ein neuer Modelllauf wieder rauskommt, wieder ändert und das schaue ich mir dann auch regelmässig wieder an.
Aber am Schluss ist eigentlich fast wichtiger der Blick raus in die Wirklichkeit als dann der Blick auf die Modellwerte. Also sagen wir zum Beispiel, ich will in Fisch fliegen gehen im Wallis und dann weiss ich ja, ich möchte zuerst gegen Osten das Goms hoch und dann wieder runter und je nachdem wie hoch das die Basis dann wird, kann ich noch weiter Richtung Furka oder je nachdem, ob der Grimsel aus dem Berner Oberland schon zu stark ist, muss ich weit vorne schon drehen oder eben nicht. Und all diese Sachen, das kann ich gar nicht im Voraus entscheiden. Also das Modell gibt mir schon ein Indiz, wie es sein könnte. Muss ich starken Grimseler erwarten oder eher nicht?
Aber am Schluss bringt es gar nichts, wenn ich mich dazu zu fest stresse, weil ich weiss es ja eh erst, wenn ich dann dort bin, hat es jetzt diesen 20er Nordwind über den Pass oder hat es den 20er Nordwind nicht? Also was ich fast am meisten anschaue, sind dann schon die Satellitenbilder oder
Sonnenscheindauermesswerte. Gerade an Tagen, wo es nicht so klar ist, ob es wirklich von Anfang an schön ist.
Guckst du auch im Flug nochmal in solche Apps rein oder suchst da nochmal ein Satellitenbild oder ein Regenradar, wo du sagst, hey, ist das jetzt ein vereinzelt stehendes Gewitter, was ich dort sehe oder zieht das auf mich zu? Also nutzt du solche Informationen auch noch oder sagst du wirklich im Flug, da gucke ich mit den Augen raus und da sehe ich das Wetter und das ist es, was ich dann nur noch beachte?
Nein, ganz klar. Ich schaue mir während dem Fliegen zwei Sachen an. Das eine sind Windwerte. Also gerade wenn ich in den Alpen fliege und mit viel Talwind rechnen muss, dann möchte ich wissen, hat es jetzt 10 km/h oder 45 unter mir? Oder wenn ich jetzt über diesen Pass drüber fliege, was erwartet mich dann auf der anderen Seite? Oder eben gerade beim Beispiel vom Grimsel, dann bin ich schon, sagen wir mal 20 km vorne dran und dann schaue ich den Messwert an und entscheide dann laufend, also wenn ich näher komme, schaue ich mir den Messwert immer wieder an, damit ich mir ein Bild machen kann, ist der Pass jetzt schon überspült oder nicht? Also die Windwerte, das sind das eine und das andere sind
Radars, also
Niederschlagsdaten und zwar nicht die Stationsdaten, sondern halt wirklich die Radarmessungen. An konvektiven Tagen ist es schwierig, finde ich, in der Luft zu sein und um sich herum zu entscheiden, sind das jetzt grosse Zellen oder kleine Zellen und ziehen die schnell oder ziehen die nicht so schnell und ja, was sich da entwickelt, weil gerade Gewitter sind halt schon etwas, das für uns ziemlich kritisch werden kann, sage ich mal. Da möchte ich weit im Voraus ein bisschen ein Bild darüber haben, wie das da aussieht.
Was nutzt du da im Flug für Apps, um solche Sachen noch schnell live checken zu können?
Ja, ich bin natürlich ein Meteor -Schweiz -Kind, deshalb schaue ich mir primär die Meteor -Schweiz -App an. Da hat es Messwerte für Wind und halt auch die Radardaten sind dort ziemlich gut aufbereitet. Zusätzlich zur Meteor -Schweiz -App benutze ich noch winds.mobi. Das hat ein Kollege aus dem Jura erarbeitet. Der sammelt einfach alle möglichen Windmessungen und stellt die auf einer Karte dar. Da hat es viele Holfui -Stationen in der Schweiz oder auch private Geräte, die irgendwo aufgestellt wurden. Dort hat es sicher viel mehr Messwerte noch drauf als auf der Meteor -Schweiz -App.
Wie häufig passiert es dir dann beim Fliegen mit deiner Erfahrung, zum einen diesem meteorologischen Hintergrund, dann diese Erfahrung mit den Apps, die du auch immer wieder aufrufst und sowas, dass du dann trotzdem feststehst, hier habe ich eine aus wettertechnischer Sicht eine falsche Entscheidung getroffen?
Ja, immer wieder. Ich glaube, mir passiert es vor allem zu oft, dass ich mich einschüchtern lasse. Dass ich eigentlich am Fliegen bin und alles ist gut und dann sehe ich irgendwo 35 km hat Talwind gemessen in Fiesb und dann, ja, wo soll ich jetzt landen gehen? Das verunsichert mich, ich will doch nicht in diesem starken Wind sein. Und dann muss ich mich wie so ein bisschen beruhigen und sagen, ja, nur weil diese Station genau dort die 35 km ist, heisst es ja nicht, dass du nicht in näherer Umgebung gute Landeplätze noch finden kannst. Ich glaube, das ist mehr mein Problem, als dass ich etwas komplett falsch einschätze heutzutage. Könnte
es sein, dass Leute, die sich zu sehr mit dem Wetter beschäftigen und zu sehr auf solche Werte dann auch immer achten, deswegen auch vielleicht nicht die besseren Flieger sind, wie wir es am Anfang hatten?
Ich glaube nicht, dass es einen per se schlecht macht als Gleitschirmpilotin oder als Gleitschirm-Blog, wenn man sich viel mit Messdaten beschäftigt. Ich glaube, man muss einfach einen guten Umgang damit finden. Ich glaube, man muss sich sehr gut damit auseinandersetzen, wie repräsentativ ist diese Messung, die ich mir anschaue. Also am Schluss will ich ja wissen, wie die Flugbedingungen sind und nur weil eine Messstation einen Zahlenwert aufweist, ist es nicht ganz so trivial dann zu entscheiden oder sich dann vorzustellen, wie die Luft darum tatsächlich ist.
Was war denn so bisher dein, ja im Grunde dein grösster Fehler bei der Wettereinschätzung in deiner Fliegerkarriere?
Ganz klar ein Ereignis, da habe ich mich mal wirklich schlimm getäuscht. Das war im Jahre 2000,
2017 oder so. Ja, da war ich ein halbes Jahr in Innsbruck, habe dort an der Uni ein Praktikum gemacht und in Innsbruck gibt es ja die Nordkette zum Fliegen und das ist jetzt nicht so der Ort, wo man einfach jeden Tag noch etwas fliegen kann, weil es hat ja noch den Flugplatz und das Tal selber ist jetzt auch nicht bekannt als Friede, Freude, Eierkuchen Fluggebiet, aber so im Februar wollte ich dann einen Schirm testen von AirDesign, die haben dort in der Nähe ihre Produktionsstätte. Ich habe gar nicht so weit weg davon gewohnt, ich war dann mit dem Fahrrad unterwegs, bin da zu ihnen gefahren, habe mir einen Schirm ausgeliehen, bin dann mit dem Fahrrad zurück und dann an der Nordkette hoch zur Seegrube und ich wollte ja nur einen Abgleiter machen und dann hatte ich nur noch mein kleines Hikenfly -Gurtzeug dabei und dann hatte ich sogar noch vergessen,
die Karabiner mitzunehmen, mit denen ich meinen Notschirm befestige normalerweise und ich hatte mir dann auch überlegt, ja, soll ich jetzt den Notschirm einfach in den Rucksack packen, weil ich mache ja nur einen Abgleiter, was kann da gross schief gehen und dann habe ich gedacht, ah nein, das mache ich jetzt trotzdem nicht und dann habe ich den Notschirm so ganz mühsam in die
Karabiner gehängt, wo ich auch sonst schon drin hänge, also das war nicht wirklich ein gutes Setup und dann habe ich, ähm, geschaut auf die Messwerte in der Umgebung, es hat vis -à -vis von der Seegrube den Patscherkofel und dort habe ich gesehen, ja, der misst irgendwie so pff, ich weiss auch nicht mehr die Details, in die 40 km/h Wind oder so und ich wusste schon, es hat tendenziell Südwind angesagt für diesen Tag und der Patscherkofel ist aber deutlich höher als der Startplatz, wo ich dann war und am Startplatz selber hatte ich etwas Aufwind, etwas Abwind, etwas Aufwind, kein Wind und dann habe ich gedacht, ja, es ist wie zu Hause im Jura, wenn da die hohe Station starken Wind anzeigt, dann gehen wir einfach 200 Höhenmeter weiter runter an den tieferen Startplatz und dort starten wir dann problemlos noch raus
und was dann passiert ist, ist, ich bin da gestartet und rausgeflogen und zuerst war ich noch erfreut darüber, dass mein Variometer gepiepst hat, weil ich hatte etwas Angst, ob es wirklich zum Landeplatz reicht, einfach, ich war ja noch nie dort unterwegs und dann hat mein Variometer immer mehr gepiepst und immer mehr gepiepst und dann irgendwann habe ich gedacht, ja, eigentlich will ich ja schon runter und gar nicht nur hoch und am Schluss ja, hat es mich da einfach extrem weit hoch geblasen, weil der Wind war viel zu stark und ich habe dann noch versucht, mit diesem Schirm, den ich ja auch nicht kannte, irgendwie Ohren anzulegen und einen Baseball zu machen und am Schluss ja, musste ich, hatte ich mich damit abgefunden,
dass es jetzt nur noch hoch geht und oben der Wind da immer stärker wird und dann hat es mich da über die Arztlerscharte geblasen mit 70 Stundenkilometer und hinten bin ich dann im Karwendel ja, gelandet, nachdem es mich da ziemlich durchgeschüttelt hat und ich bin dann, also es war eben Februar, ich bin dann hinten dran mit irgendwie einem Puls von 300 gelandet und froh am Leben zu sein und am Schluss musste ich dann noch den, den Hubschrauber anrufen, weil es hatte sehr viel Schnee und dann, ich hatte dann, als ich dann gelandet war und mal geparkt und mich ein bisschen beruhigt, habe ich dann meine Kollegen an der Uni angerufen so, du, kann ich da rauslaufen? Ich bin da hinten irgendwie im Karwendel, so dort und dort und er hat gemeint, nein Steffi, das geht nicht.
Entweder rufst du den Hubschrauber oder ich rufe den Hubschrauber, das ist viel zu gefährlich. Und dann hat mich da der Polizeihubschrauber geholt und quasi an der Uni vorbeigeflogen am Flughafen, Druck abgesetzt und dann bin ich dann pünktlich aufs Mittagessen zurück bei der Arbeit gewesen. Ja und da, also dieses Ereignis hat mich definitiv auch geprägt für meine späteren Flüge, weil ich habe das, ich habe wirklich die Situation komplett falsch eingeschätzt. Also dass diese Annahme, dass der Wind ja auf dem Patschkuffel stärker ist, aber der Patschkuffel auch höher und dass ich dann da problemlos noch rausstarten kann, das hat halt überhaupt nicht gestummen. Und auch viele Jahre nachher
hatte ich damit zu kämpfen, dass ich zum Teil Angst habe in der Luft, wenn ich irgendetwas erlebe, dass ich mir aus meteorologischer Sicht nicht ganz 100 % erklären kann. Weil ich dann immer wieder gedacht habe, hui, vielleicht bin ich jetzt wieder in dieser Situation, wo ich denke, A ist der Fall, aber eigentlich ist B und B wäre ganz ungünstig für mich jetzt in dieser Situation. Und so dieses Erlebnis, dass ich mal etwas ganz, ganz falsch eingeschätzt habe, das hat mich noch lange begleitet.
War dir das auch in gewisser Weise peinlich, weil du sagst, ich, Meteorologin, ich hätte das eigentlich besser einschätzen müssen?
Ja, vielleicht ein wenig, aber am Schluss sage ich ja immer, ich meine, ich habe zwar ein Studium gemacht in Meteorologie und Klimatologie, aber das ist schon sehr weit weg davon, von dem Wissen, dass man sich aneignet, wenn man Gleitschirmfliegen geht. Also, ich habe Vorlesungen besucht, da geht es um Chemie in der Stratosphäre und irgendwie klimatologische Indizes, aber man lernt an der Uni nicht, wie man so kleinskalige Meteorologie in situ beurteilt.
Welche Schlüsse hast du denn für dich aus diesem Erlebnis gezogen?
Das ist eine schwierige Frage, weil es ist schon einige Zeit her.
Was ich davon mitgenommen habe, ist eben, wie schon gesagt, erstens mal diese Angst, die mich dann jahrelang immer mitbegleitet hat, dass ich wieder mal etwas komplett falsch einschätze. Und was mir dagegen geholfen hat, war ganz klar die Wetterbesprechung mit meinen Fliegerkolleginnen und Kollegen. Also, ich habe in meinem Umfeld einige Personen, die sich auch sehr gerne mit Meteorologie befassen, und ich glaube, noch heute lerne ich am meisten davon, dass ich mir eine Prognose anschaue oder auch ein aktuelles Phänomen beobachte und das dann vielleicht am Abend danach mit diesen Personen bespreche.
Und ich habe, glaube ich, einfach auch gelernt, dass es noch viel zu lernen gibt.
Ja, das ist das Schöne bei Meteorologie, man lernt nie aus. Und immer, wenn du denkst, man hat was verstanden, dann stehst du wieder irgendwann am Startplatz und plötzlich passiert irgendwas, was der Wind frischt auf und so. Man steht davor und denkt, wieso jetzt? Ich verstehe das auch nicht. Kam eigentlich dein Interesse fürs Wetter erst mit der Fliegerei?
Ich kann das irgendwie gar nicht so gut beantworten. Das waren wie so zwei parallele Geschichten, die sich entwickelt haben. Als kleines Kind schon durfte ich meine Onkel und Großonkel begleiten, die damals Gleitschirm geflogen sind. Und für mich war klar, irgendwann mache ich das auch. Aber ich wurde dann 20 Jahre alt, bis ich mich angemeldet habe, für die Flugschule. Und gleichzeitig hatte ich mich unabhängig von diesen Interessen schon angemeldet fürs Studium. Mein Studium war Umwelt -Naturwissenschaften. Das ist ziemlich breit gefächert. Und für mich war am Anfang immer klar, ich mache sicher nicht diese Vertiefung in Klima, weil das wollen alle machen. Und irgendwie, ich mag doch Bäume. Und dann habe ich da die ersten Dendrologie -Vorlesungen besucht und gemerkt, dass man da ziemlich viel auswendig lernen muss.
Und auswendig lernen, das war nie mein Ding. Hingegen das ganze Programmieren und die Gleichungen und die Zahlen, das hat mich immer gepackt und das ist mir auch gut gelegen. Und das war halt eben diese Vertiefung in Atmosphäre und Klima. Und dann habe ich mich ziemlich gleichzeitig, wie die Anmeldung für die Gleitschirmschule, habe ich mich dann entschieden, meinen Master auch in diesem Gebiet zu machen. Also, vielleicht unterbewusst hat sich das schon irgendwie, hat das schon gepasst, dass ich mich einerseits für Gleitschirmfliegen interessiere und gleichzeitig auch meine Mastervertiefung mit, ja, Meteorologie nahe wähle. Aber für mich im aktiven Bewusstsein waren das zwei komplett getrennte Entscheidungen.
Heute arbeitest du ja, hast du vorhin schon gesagt, bei Meteo Schweiz.
Womit beschäftigst du dich da heute oder was ist so das Thema, mit dem du alltäglich da zu tun hast?
Also, ich habe mein Studium an der ETH gemacht und die ETH ist ziemlich Meteo Schweiz nah, weil die beiden Institutionen sind in Zürich und da hatte ich eine Vorlesung, die mir sehr gefallen hat und da hat jemand aus der Meteo Schweiz ein paar Vorlesungen gegeben. Und ich musste mich dann für eine Masterarbeit entscheiden und dann dachte ich, ja, eigentlich würde es mich noch interessieren, etwas zu machen, das nicht Grundlagenforschung betrifft, sondern vielmehr den Fokus auf angewandte Meteorologie hat. Und deshalb habe ich dann diese Person angeschrieben und habe dann die Möglichkeit erhalten, eine Masterarbeit bei der Meteo Schweiz zu machen. Damals hatte ich mich beschäftigt mit dem Auswählen von Ensemble -Members, mit denen wir dann das Meteo Schweiz Modell antreiben.
Und mir hat es so gut gefallen, dass ich dann so im Verlauf der Arbeit gefragt habe, ob es nicht die Möglichkeit gäbe, auch eine Doktorarbeit zu machen. Und dann haben wir, während meiner Masterarbeit, ein Forschungsproposal geschrieben zum Thema Nebelvorhersagen verbessern mit einem Metamodell. Das wurde dann angenommen und deshalb hatte ich dann vier Jahre lang die Möglichkeit, mich mit Nebelvorhersagen zu befassen. Und das Thema Nebel, das war eigentlich nicht mein Vorschlag, sondern das war der Vorschlag meines Betreuers, weil er hat gewusst, dass Nebelvorhersagen etwas ist, das die Meteo Schweiz herausfordern wird in der Zukunft oder wo sie halt noch ein
großes Manko haben, sagen wir mal. Oder die Modelle haben zurzeit sehr oft Mühe, akkurate Nebelvorhersagen zu machen. Ich persönlich hätte mich lieber mit Wind beschäftigt, als wenn du mich gefragt hättest zu diesem Zeitpunkt. Aber dann habe ich ja gedacht, ja, Nebel, ja, warum nicht? Ist eigentlich auch gut. Und dann habe ich mich vier Jahre lang mit dem Nebel herumgeschlagen. Dann am Ende meiner Dissertation ist mein Teamleiter auf mich zugekommen und hat mir angeboten, dass ich bei ihnen bleiben kann und weiterentwickeln an Modellen. Und was ich aktuell mache, ist, ich helfe mit in einem Projekt, wo wir das Cosmo -Modell durch das Icon -Modell ersetzen.
Also Cosmo ist ein Modell, das viele wahrscheinlich kennen im deutschsprachigen Raum. Das gibt es schon 20 Jahre.
Und der deutsche Retterdienst ist jetzt schon umgestiegen auf Icon. Icon ist ein neueres Modell. Und die Meteo Schweiz muss diesen Wechsel auch noch vollziehen. Und da gibt es ganz viele Sachen zu testen, zu optimieren. Und ich bin in diesem Team aktiv, wo wir uns damit beschäftigen.
Wenn ich jetzt schon mal eine Modellentwicklung am Mikrofon habe, können wir mal so ein paar grundsätzliche Dinge zu Wettermodellen durchsprechen, so typische Fragen, die immer auch von Fliegern kommen, wenn es um Wettermodelle geht. Vielleicht kannst du da ein bisschen einfach zur Aufklärung beitragen. Ganz einfache Frage, die ich auch immer wieder gestellt bekomme von irgendwelchen Leuten, die sagen dann Ah, Lucian, und jetzt Stefanie, welches ist denn das beste Wettermodell?
Das Beste ist natürlich Icon. Also ähm, nein, Icon ist wirklich ein sehr gutes Modell. Also der deutsche Wetterdienst, die rechnet das jetzt schon seit einiger Zeit global und auch regional. Und die vergleichen das auch immer wieder mit dem europäischen Modell und dem GFS und einem kanadischen Modell. Und es gibt einige Scores, die man sich dann anschaut. Also das ist nicht das, was uns Piloten jetzt als erstes interessiert. Das sind dann so Scores wie irgendwie die Temperatur auf 1500 Meter oder 500 Hektopascal geopotenzielle Höhe, oder solche Sachen.
Aber am Schluss gibt es so ein gutes Gesamtbild für die Performance eines Modells. Und Icon schliesst tatsächlich sehr gut ab dort. Aber wenn man mich dann fragt, ja, was ist jetzt das beste Modell für meinen Flugtag für morgen? Dann muss man schon sich in Erinnerung rufen, dass zum Beispiel gerade Gewitter sind stark davon abhängig, welchen Anfangszustand, dass man dem Modell auch gibt. Und gerade in diesem Bereich investiert die Meteo Schweiz sehr viele Ressourcen momentan, dass sie eine bessere Analyse, sagt man dem, generieren. Weil wir sagen ja, wenn der Anfangszustand des Modells nicht gut ist, dann sind auch die Vorhersagen nachher nicht gut.
Egal, wie hoch aufgelöst das Modell dann rechnet.
Lass uns mal über dieses Thema wie kommen die Daten in das Modell rein, lass uns da gleich nochmal drüber reden. Wo wir nochmal sind bei der Modell -Auswahl. Du hast gerade gesagt, Icon ist gut. Aber von dem Icon -Modell gibt es ja auch unterschiedliche. Es gibt ein globales Icon -Modell, es gibt ein europäisches Icon -Modell, also wo ganz Europa abgebildet wird. Dann gibt es das Icon D2, jetzt vom DWD gerechnet, wo dann hauptsächlich Mitteleuropa um Deutschland herum mit einem 2km Raster gerechnet ist und sowas. Kann man denn grundsätzlich davon ausgehen, dass diese feiner gerechneten Modelle für mich als Flieger eigentlich immer die relevanteren Modelle sind? Sollte ich immer in die feinen Modelle gucken oder gibt es Situationen oder bestimmte Analysesituationen, wo ich sagen will, da ist es viel sinnvoller, ein etwas größeres Modell zu nehmen, also mit einem größeren
Modellgitter und dann beispielsweise ein Icon EU statt einem Icon D2 oder so ganz ECMWF oder sowas reinzugucken. Anstatt dem Icon D2, wo ich sage, okay da ist der Raster, der Punktabstand ist ein bisschen größer. Kann das trotzdem Vorteile haben gegenüber dem feineren?
Ich denke nicht. Wenn du dich für morgen interessierst, dann würde ich das Modell nehmen mit der höchsten Auflösung, das morgen rechnet. Weil gerade Icon D2 ist ja ein regionales Modell, also das deckt nicht den ganzen Globus ab, aber die Randbedingungen, die kommt vom globalen Icon. Also das heisst, jegliche Informationen, die du im globalen Icon findest, die werden dann eingespiesen ins besser aufgelöste Modell. Und die Meteo Schweiz traditionsgemäss benutzt nicht das globale Icon, sondern immer noch das ECMWF, als globales Modell und alle Informationen, die du im ECMWF findest, die werden dann indirekt eingespiesen in unser regional hoch aufgelöstes Cosmo, das wir jetzt noch benutzen oder dann in Zukunft Icon.
Deshalb, ich glaube nicht, dass man da wirklich einen Mehrwert rausholt, wenn man sich die Zeit nimmt, für einen Tag wie morgen oder übermorgen noch die grob aufgelösten Modelle anzuschauen. Hingegen, wenn es dann darum geht, die Entscheidung zu treffen, ja, nehme ich jetzt nächste Woche am Dienstag oder am Mittwoch frei, dann kommt man gar nicht darum herum, die grob aufgelösten Modelle zu benutzen, weil die hoch aufgelösten Modelle, die rechnen jeweils so 33, 48, vielleicht mal knapp 50 Stunden, aber die sind so teuer, dass es sich nicht lohnt, die fünf Tage lang zu rechnen.
Wenn du jetzt weit in den Voraus guckst, sagen wir mal sieben Tage voraus, sagst du dann immer noch, da ist Icon, das kommt glaube ich gerade so an die Grenze von dem Icon EU Modell zumindest, da gucke ich noch rein oder da nehme ich dann auf jeden Fall ein ECMWF Modell als das große europäische Modell, was da vielleicht die besten Daten liefert.
Persönlich hängt das von mir eigentlich fast gar nicht wirklich vom Modell ab, sondern einfach, welches Modell ist für mich einfach verfügbar in den Grafiken, die ich gerne anschaue. Und gerade wenn wir darüber diskutieren, wo will ich in sieben Tagen nach heute fliegen gehen, dann muss man sich schon auch bewusst sein, dass die Vorhersage -Genauigkeit sehr tief sein kann, je nach Wetterlage. Und dann lohnt es sich vielleicht schon zwei oder auch drei Modelle anzuschauen, aber dafür nicht im Detail. Zum Beispiel Windy hat hervorragende Möglichkeiten, zwischen Modellen herunzuwechseln und dann geht man so sechs Tage voraus und dann schaut man sich mal das ECMWF an und dann das GFS und dann vielleicht noch das Icon.
Und dann sieht man, ja, eher hochdruckbestimmt, okay, vielleicht gutes Wetter oder ganz klar tiefdruckbestimmt in allen drei Modellen. Ja, das heisst, da muss ich jetzt nicht meine Agenda blockieren und die Meetings versuchen zu verschieben. Ich glaube, Leute, die nicht so viel mit Modellen zu tun haben, die sind etwas zu modellgläubig. Die können zum Teil zu wenig einschätzen, wie gross eigentlich die Ungenauigkeit wird, sobald man mehr als drei, vier Tage in die Zukunft rechnet.
Wann ist wirklich quasi Würfeln angesagt? Ab welchem Tag? Kann man das vereinfacht sagen?
Ja, das kann man eben nicht so einfach sagen. Wenn du sogenannte Omega -Hochdruckblockierte Lagen hast, dann kannst du das Wetter mehr oder weniger für die nächsten zehn Tage voraussagen, nämlich immer schön. Aber sobald du irgendwelche Randtiefs hast, dann ist zum Teil der Tag, also der morgige Tag schon ziemlich unsicher. Was ich mache, ist mir so ein bisschen eine Brille aufzusetzen, die dann immer genauer wirkt. Also dann schaue ich zum Beispiel heute, nächste Woche möchte ich irgendwann mal fliegen gehen und dann schaue ich mir an, welche Tage könnten potenziell sich als gut entwickeln und dann markiere ich die für mich so im Kopf und dann je näher es kommt, desto
feiner schaue ich mir auch die Prognosen an. Also es lohnt sich nicht, jetzt ganz im Detail anzuschauen, wie die Windprognosen auf zehn Meter Höhe irgendwo in einem Tal sind, fünf Tage in der Zukunft, weil das wird sich eh noch zehnmal ändern, aber so die grobe Wetterlage abschätzen. Und ich finde es selber immer wieder erstaunlich, wie schlecht die Modelle zum Teil sind, schon nur das Wetter übermorgen vorherzusagen. Also gerade wenn es dann um so Details geht, wie Schneefallgrenze oder Bewölkung, die ja schon für uns ziemlich relevant ist, dann ist man immer wieder erstaunt, wie ungenau das eigentlich die Vorhersage war. Und es ist mir auch immer wieder passiert, dass ich
irgendwie wusste, ja diese Woche stehen gute Flugtage an und dann konnte ich zum Beispiel nur am Mittwoch freinehmen und dann habe ich mich irgendwie damit abgefunden, ja ich gehe jetzt am Mittwoch fliegen und dann so Montag, Dienstag kommen dann die anderen in irgendwelchen Chatgruppen und sagen, ja aber Donnerstag sieht viel besser aus im Fall und dann ich soll so etwas enttäuschen. Nein, jetzt kann ich am Donnerstag gar nichts freinehmen, mache ich halt den Mittwoch. Und dann hat sich nachträglich herausgestellt, dass der Mittwoch der viel bessere Flugtag war, weil am Donnerstag irgendwann ein bisschen Bewölkung reingekommen ist. Ich glaube, es ist wichtig, dass man sich damit befasst, wo und wann könnte ein guter Flugtag entstehen, aber man darf sich dann nicht zu sehr von den Prognosen beeinflussen lassen, sondern immer so ein bisschen in Szenarien denken.
Also einen Plan A für ein optimales Szenario und einen Plan B vielleicht, wenn es etwas zu viel Wind hat und einen Plan C und dann einfach unterwegs schauen, was man daraus machen kann. Weil eben die Modelle, sie sind gut, aber es gibt auch vieles, das sie wirklich überhaupt nicht beherrschen. Also ein Beispiel, was ich irgendwie noch eindrücklich finde, sind zum Beispiel all diese Haarstaublagen. Also ich meine jegliche Modelle, die wir normal anschauen, die haben keine, die berücksichtigen Sahara -Staub, welcher aus der Sahara zu uns transportiert wird, nicht. Und es gibt andere Modelle, die genau das anschauen, aber wenn wir dann überlegen, was das für uns für Auswirkungen hat, es gibt Tage, die schreien nach 300 Kilometer und dann hat es einfach
dichteste Zirren und es geht vielleicht schon zum Fliegen, aber am Schluss muss man sich dann eingestehen, dass der Flugtag auf dem Modell, das man angeschaut, im Modell, das man angeschaut hat, viel, viel besser ausgesehen hat als gedacht, einfach weil eben der Sahara -Staub nicht berücksichtigt wird.
Warum werden solche Sachen dann nicht einfach in solche Modelle mit reingenommen, wenn man weiß, dass sie dann zwischendurch so wetterprägend sein können? Weil das, ich meine, die Wetterdienste kriegen das ja auch mit und die sagen dann ja auch manchmal, ja, jetzt kommt hier Staub und dann kann es halt viel dunstiger und sonstiges sein, aber die Modelle selber geben ja immer noch die viel optimistischere Prognose dann entsprechend aus. Kann man nicht einfach solche Staubprognosen in solche Modelle einfach integrieren?
Also die Arbeiten dazu, die sind am Laufen, aber gerade der Sahara -Staub ist einfach nicht ganz so einfach reinzukriegen, weil damit der Sahara -Staub aus der Sahara bei uns im regionalen Modell landet, muss er ja auch im globalen Modell schon drin sein und ein globales Modell zu rechnen ist sehr, sehr teuer und Sahara -Staub ist etwas, das ist sehr, sehr klein, also das ist auf einer Skala, das ist nie aufgelöst und deshalb lohnt es sich dort auch nicht primär das mitzurechnen und wenn der Sahara -Staub im globalen Modell nicht drin ist, kann er auch bei uns gar nicht erst landen. Also wenn man sich vorstellt, wie Wolken im Modell dargestellt werden, dann wird einem schon bewusst, dass Sahara -Staub zwar
nice to have wäre, aber eben noch etwas Zukunftsmusik, weil also Modelle aktuell sind ziemlich doof, wenn es um Wolken geht. Die wissen einfach, meine Meterbox, die ist vielleicht ein Kilometer lang, ein Kilometer breit und 40 Meter hoch, da hat es Wasser drin oder kein Wasser drin, also die wissen, es hat 0,4 Gramm pro Kubikmeter Wasser oder keines und dann gibt es noch so eine man sagt eine Parametrisierung oder eine Darstellung für subgridskalige Wolken, also man versucht dann noch so eine Annahme zu treffen, basierend auf Temperatur und Feuchtigkeit, wie viele sagen wir mal Cumuli, das es haben könnte.
Aber wir sind weit davon entfernt, dass wir in unseren Modellen mit Tropfen anzahlen rechnen. Also das ist etwas, das wird in der Forschung schon gemacht und wenn man irgendwie etwas ganz im Detail anschauen will, dann gibt es Modelle, die eben berücksichtigen Wolkentropfenanzahlen und die Verteilung, sind es kleine Tropfen oder grosse Tropfen, aber unsere operationellen Modelle, die wissen einfach, es hat Wasser und es hat kein Wasser und es hat so viel Wasser und diese Gitterbox ist ja riesig und wenn du dir dann überlegst, du müsstest jetzt noch den Sahara -Staub haben und der Sahara -Staub müsste dann irgendwie noch Kondensation von Wasser an diesen Staubpartikeln auslösen, das ist etwas, das geht noch lange, bis das wirklich im Detail abgebildet ist.
Meteor Schweiz ist ja eine der wenigen Wetterdienste weltweit, die auch ein sehr, sehr fein aufgelöstes Wettermodell rechnen. Das Cosmo 1 mit einem Kilometer Modellgitterabstand, für mich stellt sich da immer die Frage, okay, jetzt habt ihr so ein schön fein aufgelöstes Modell, aber es gibt ja nicht alle Kilometer eine Wetterstation, um mir jetzt diese Daten zu liefern, die ich in das Modell überhaupt einspeisen kann, um zu sagen, das sind meine Ausgangsdaten, mit denen ich losrechne. Wie kommen eigentlich diese letzten Endes wahrscheinlich doch ziemlich groben Anfangsdaten, die man hat, wie füllt man da so ein feines Modell entsprechend mit auf?
Das ist wirklich eine komplizierte Wissenschaft, also ich selber arbeite nicht in der sogenannten Datenassimilation, aber das ist eines der Themen, wo die Meteor Schweiz sehr viele Ressourcen investiert, weil genau das ist ja die Krux. Man hat eine komplexe Orographie, einige Messstationen und muss einen möglichst genauen Anfangszustand erreichen.
Was gemacht wird, also man hat all diese Messungen, man hat zwei Meter Temperatur, zwei Meter Feuchtigkeit, Bodendruck, dann hat man vor allem die Radiosondierungen und dann wird wie eine Stunde Modell gerechnet und dann korrigiert man diese eine Stunde Modelllauf mit all diesen Daten und dieser korrigierte Modellzustand, das ist dann der Anfangszustand für meine operationelle Vorhersage. Und es ist schon noch eindrücklich, eigentlich mit wie wenigen Daten, dass man trotzdem einen ziemlich guten Modellzustand hinkriegt. Aber das beruht schon auch darauf, dass die physikalischen
Gegebenheiten, die sind ja größtenteils richtig abgebildet. Also das Verhältnis zwischen wie viel Feuchtigkeit kondensiert bei dieser gegebenen Temperatur, das ist richtig implementiert, da müssen wir nicht darüber diskutieren. Es ist dann halt mehr auch die Schwierigkeit, dass man all diese Messungen wirklich auch lokalisiert, also dass man sich dann überlegt, ja diese zwei Meter Temperatur in Fisp zum Beispiel, wie wird sich die dann auf aus das Temperaturprofil im benachbarten Tal, aber auf einer Höhe von 3000 Meter. Also das ist schon, die ganze Maschinerie dahinter, das ist ziemlich ausgeklügelt und auch ziemlich komplex und ist auch ziemlich ressourcenintensiv.
Aber wenn man das überblicksmäßig mal betrachtet, was würdest du denn sagen,
sind letzten Endes eigentlich nur geschätzte Daten oder nur interpolierte Daten, weil man sagt, okay, ich habe zwei sieben Kilometer entfernte Wetterstationen und alles, was dazwischen passiert, da habe ich trotzdem noch fünf Punkte dazwischen liegen und den weise ich dann einfach mal etwas zu.
Ich glaube, es werden viel weniger Messdaten aktuell assimiliert, als man zunächst meint. Also zum Beispiel die zwei Meter Temperatur und Feuchte, die wurde vor gar nicht allzu langer Zeit gar nicht berücksichtigt. Einen sehr grossen Einfluss haben die Radiosondierungen, die dann halt ein vertikales Profil geben und dann halt schon auch die physikalischen Gegebenheiten, also einfach schon nur die Tatsache, dass die Sonne, sagen wir mal, um 7.00 Uhr aufgeht und dann um 19.00 Uhr untergeht und die Sonne hat ja immer die gleiche Energie, die dann auf den Boden einwirkt und all diese Prozesse, die sind ziemlich dominant und die kann man auch richtig darstellen.
Aber gerade dort kann man sicher hoffen, dass in Zukunft noch einiges verbessert wird, also die Meta Schweiz hat jetzt einige Messgeräte, die darauf ausgelegt sind, dass man eben nicht nur zwei Meter Werte berücksichtigt, sondern dass man die Grenzschicht, also die untersten paar hundert Meter,
scannt, sagen wir mal, also Temperatur - und Feuchtigkeitsprofile erhält und dass die dann auch in die Anfangszustände der Modelle einfließen.
Aber wie viele solche Scans sind dann beispielsweise für eine Region wie allein der Schweiz dann geplant? Sind das fünf, sind das 20, sind das 150?
Ja, eher fünf, von der Größenordnung her. Also wir haben in der Schweiz eine Radiosondierung, die ist in Bayern und dann werden die Radiosondierungen der umliegenden Länder mit berücksichtigt und jetzt seit noch nicht allzu langer Zeit werden Profildaten von diesen sogenannten
Mikrowellenradiometern berücksichtigt und die stehen dann zusätzlich noch in Gränchen und Schaffhausen und auch in Bayern und gerade so im inneralpinen Raum haben wir noch keine solche Geräte, die assimiliert werden, weil es eben sehr kompliziert ist, dass man dann das Modell nicht schlechter macht, als es eigentlich vorhin schon war.
Wenn man sich das so vorstellt, als Otto Normalpilot und so denkt, denkt man hm, da habe ich jetzt eine Radiosondierung, vielleicht drei noch Mikrowellen, was auch immer, wie du es gerade genannt hast, die auch noch nach oben gucken und mir solche Daten liefern und jetzt rechnen die mir auf einen Kilometer genau das Wetter schön oder schlecht oder was auch immer. Klingt auf den ersten Blick so, dass man denken würde, es ist ja, man muss ja sich schon glücklich schätzen, dass die das dann in irgendeiner Weise treffen.
Ja, das ist schon so. Also aktuell schauen wir uns gerade mit
Masterstudierenden ein paar Gebirgs - Meteorologie -Fälle an und es war zum Beispiel spannend zu sehen, dass wir einen Modelllauf starten, sagen wir mal am Mittag und dann läuft er zuerst durch die Nacht und dann simulieren wir den darauffolgenden Tag. Und die Nacht selber wurde ziemlich schlecht simuliert. Es gab Kaltluftseen in den alpinen Tälern und die wurden völlig unterschätzt von den Modellen. Aber sobald dann die Sonne kommt und die Talwände quasi angeworfen werden, dann stimmen dann die Beobachtungsdaten und die Modelldaten wieder viel besser überein. Und das ist das, was ich vorhin gemeint habe mit die grundlegenden physikalischen Gegebenheiten werden
von solchen Modellen schon richtig dargestellt. Also, dass du Sonne hast und dann hast du eine Erwärmung des Bodens und der führt dann dazu, dass du einen Tiefdruck also einen Hitzetief hast über den Alpenraum und das saugt Luft aus an aus den umliegenden Ländern. All diese Prozesse kannst du ziemlich gut reproduzieren, auch auf einem relativ grob aufgelösten Raster. Und auch wenn du dann im Detail den Kaltluftsee in der Nacht nicht richtig dargestellt hast oder eben die Messung nicht da war, um diesen Kaltluftsee zu korrigieren oder so, weil quasi die groben bestimmenden Prozesse richtig dargestellt sind, sind dann auch die Prognosen gar nicht allzu schlecht.
Eine Sache, die Meteorologen heute auch viel machen, das hast du auch vorhin schon erwähnt, sogenannte Ensembles, wo dann ein Wettermodell rechnet mit unterschiedlichsten Ausgangsdaten, also so kleinen Veränderungen und dann rechnen wir einfach mal 7 Läufe, 10 Läufe, 30 Läufe oder sowas durch und gucken uns die parallelen Lösungen an. Wie stark die streuen. Das machen aber die Wetterdienste, um daraus so ein bisschen auch abschätzen zu können, wie sicher ist das, was wir den Leuten eigentlich erzählen. Wenn ich jetzt aber beispielsweise Windy nutze oder sowas, kriege ich ja immer nur einen Lauf davon präsentiert. Ich kriege ja nie Ensembles in Windy dargestellt, um abschätzen zu können, okay, der zeigt mir jetzt Regen, aber ist das jetzt vielleicht nur in diesem einen Lauf gewesen und in 10 anderen Läufen wäre es trocken. Sowas kriege ich nicht zu sehen. Gibt es irgendwie eine Möglichkeit,
wo ich als Nutzer von Windy oder von anderen Sachen, wo ich immer nur so einzelne Modellläufe kriege, trotzdem abschätzen kann, wie wahrscheinlich ist das, dass das auch so kommt?
Ja, die Verbreitung von Ensembleinformationen ist wirklich erschreckend schlecht, würde ich mal sagen. Das ist sicher auch eine etwas politische Diskussion, weil immer so nicht so der Konsens herrscht, was darf man den Nutzerinnen und Nutzern zeigen, damit sie nicht überfordert sind. Zum Beispiel auf der Meteo -Seite des Schweizerischen Hängegleiterverbands haben wir einige Produkte gezeigt, die von der Meteo Schweiz stammen, wo eben diese Modellunsicherheiten abgebildet sind. Und sonst Seiten, die ich kenne, wo das einfach frei verbügbar ist, sind zum Beispiel die Wetterzentrale, da gibt es die Möglichkeit,
sogenannte Spaghettiplots anzuschauen oder auch auf
Windy oder auch auf der ICMWF -Seite kann man sogenannte Meteogramme sich anschauen und dann sieht man zum Beispiel eine Temperaturvorhersage, aber nicht nur eine Linie, sondern auch noch diese Boxen oben drüber und unten drüber und die geben dann eine Information darüber, wie unsicher die Prognose ist. Aber ich stimme dir absolut zu, ich würde auch hoffen, dass es in Zukunft viel, viel mehr solche Produkte gibt, wo auch du und ich einfach frei auf den frei verfügbaren Seiten Zugriff haben auf diese Modellunsicherheiten. Und wenn man sich zum Beispiel die Meteo Schweiz App
zu Gemüte führt und sich da Punktprognosen anschaut, dann sieht man, dass es da effektiv solche Unsicherheitsbalken hat, seit noch nicht allzu langer Zeit. Also die Meteo Schweiz versucht das laufend einzuführen, dass eben diese Modellunsicherheit wiedergegeben wird, aber mir ist schon auch bewusst, ich meine die Temperaturunsicherheit vier Tage im Voraus an einem Punkt, also an einem einzelnen Punkt, das hilft mir jetzt nicht abzuschätzen, ob dieser Tag jetzt ein guter oder ein schlechter Flugtag ist, weil die 2 Meter Temperatur sagt mir am Schluss nichts darüber aus, ob jetzt die Bewölkung so eintrifft, den ich sehe, prognostiziert oder eben nicht.
Also da sind einfach wirklich ist noch ein Aufholbedarf, würde ich sagen.
Eine Sache, die ich gerne mache, wenn ich morgens, deswegen hatte ich auch vorher mal gefragt, was du morgens nochmal checkst oder sowas, dass ich, wenn ich morgens ins Wetter gucke, auch nochmal mir so angucke, relativ grob auch, also Europa aufrufe beispielsweise in Windy und mir dann das aktuelle Regenradar aufrufe, mir angucke, wo läuft da gerade der Regen, mir auch ein aktuelles Satellitenbild aufrufe, wo sind da aktuell diese Wolken und das vergleiche ich dann mit den jeweiligen Modellprognosen, also switch dann einfach mal zwischen Regenradar und Regenprognose für die genau gleiche Zeit um, um dann zu sehen, okay, liegen die halbwegs konkurrent übereinander oder gibt es da große Unterschiede, auch um einfach zu sagen, hm, das sind jetzt so ein großer Unterschied, eigentlich kann ich diesen Modelllauf für den heutigen Tag, zumindest für den nächsten halben Tag wahrscheinlich wenig trauen, weil irgendwie hängt der Modell das Modell zwei Stunden hinterher oder ist zwei Stunden voraus oder was auch immer, um danach auch so ein bisschen zu entscheiden, welches Modell ist vielleicht den aktuellen Tag das Interessante, ja, einfach das Abchecken der realen Situation mit dem für mich vielleicht für den Tag am besten passenden Modell, wo ich sage, der bildet die aktuelle Wetterentwicklung gerade am besten ab.
Hältst du sowas für sinnvoll?
Ja, garantiert, also ich jetzt persönlich schaue mir dann selten fünf verschiedene Modelle an am Morgen von dem Tag, wo ich eh schon unterwegs bin, aber was ich dann schon mache ist, dass ich eben, ich habe vom Vorabend noch im Kopf, wie die Prognosen für heute ausschauen, dann gehe ich mit dem Zug irgendwo hin und ich sehe, ah, es hat noch viel mehr Wolken als erwartet oder uh, es hat irgendwie runtergeschneit oder es hat viel, also gerade auch viel mehr Regen als erwartet, kann auch ein ziemlicher Thermikdämpfer sein und das lasse ich dann einfach so einfließen in meine heutige Tagesplanung, also ich bin dann nicht so, dass ich meinen Flugtag jetzt komplett
über den Haufen werfe, also dann bin ich ja schon unterwegs und ob jetzt das Modell A oder das Modell B besser war, ist dann gar nicht mehr so entscheidend für meinen Flugtag, aber ich nehme das einfach zur Kenntnis, ah, du hast gedacht, heute so und so und Basis so und so, aber ja, es hat jetzt viel mehr geregnet als erwartet, vielleicht musst du damit rechnen, dass du einfach ein, zwei Stunden später in die Luft kommst als erwartet und ob das dann ein Modell richtig hat oder nicht, ist dann gar nicht mehr so relevant, weil ich bin ja dann schon über diesen Punkt heraus, wo ich die Modelle anschaue, sondern ich bin schon viel mehr sagen wir mal im Now -Casting Bereich und das ist definitiv auch einer der Punkte, wo ich
ganz viel zu lernen habe, obwohl ich ja auf dem Papier eine ausgebildete Meteorologin, Klimatologin bin, also das ist wahrscheinlich das, was ich gemeint habe, mit ja, die ausgebildeten Meteorologen sind gar nicht zwingend die besten Piloten, weil gute Piloten, die haben einfach extrem viel Erfahrung und die schauen an den Himmel und die können einfach das aktuelle Wetter viel, viel besser beurteilen als Leute, denen einfach die Erfahrung dazu fehlt, also auch wenn ich vielleicht verstehe, wie irgendwie ein alpines Pumpen zustande kommt auf dem Papier, wenn du nicht weisst, über welchen Pass das dann geschieht und wie die Anzeichen dafür sind, also optisch, wie man das erkennt, dann bringt es mir ja nichts, wenn ich das auf dem Papier gelernt habe, dann muss ich wirklich einfach raus und fliegen und das erfahren und deshalb
glaube ich, dass es gerade in diesem Bereich einfach unglaublich viel auch für mich noch zu lernen gibt, also beobachten und analysieren und richtig einschätzen.
Wie häufig machst du für andere das Wetter, also die Wetterprognose, dass du sagst, Leute wir gehen heute fliegen und ich erkläre euch mal, was uns heute zu erwarten hat?
Erstaunlich selten, also mein Vater, der fliegt auch und er will regelmässig wissen, ob es jetzt morgen fliegt am Hausberg oder nicht und er kommt dann immer mit dem Meteo Blue Meteogramm, weil da sieht man ja so schön, wie die Wolken sind und dann schaut er einfach den Gitterpunkt von unserem Hausberg an und sagt dann, ja, es hat da Südwestwind, das passt, da kann ich heute fliegen gehen und ich sage so, nein, du kannst heute nicht fliegen gehen, hast du nicht die anderen Karten angeschaut, ich meine, es kann schon sein, dass genau an diesem Gitterpunkt das Meteo Blue Modell etwas Südwestwind vorhergesagt hat, aber wenn du dir die große Karte anschaust, dann siehst du, dass es einfach viel zu viel Wind hat und viel mehr West als Südwest und das kannst du heute nicht bringen.
Also für ihn schaue ich zum Teil Wetter an und dann organisiere ich mittlerweile zweimal im Jahr für den Schweizer Hängegleiterverband zusammen mit Gabriela Jakober ein XC League Frauen Weekend und dort ist es auch so meine Hauptaufgabe, dass ich entscheide, wo gehen wir fliegen und vielleicht wann und dann versuche ich auch ein Meteo Briefing zu halten, aber ich muss sagen, ich habe extrem Respekt vor Leuten, die Wettkampftasks organisieren und managen und dann für hunderte von Piloten Entscheidungen treffen, wann starten, welche Flugroute Briefing, Debriefing, also das ist ziemlich
nervenaufreibend, wenn man dann nicht nur für sich selber verantwortlich ist, sondern plötzlich für andere.
Bist du denn bei solchen Sachen dann extra vorsichtig? Also merkst du dann, dass du denkst so, hm, ich bin mir nicht so ganz sicher, ich würde ja vielleicht fliegen gehen, kann das dann vielleicht noch einschätzen, ich gucke mir das an, aber von den 30 Frauen, die vielleicht bei dir bei so einem Weekend dabei sind, da haben vielleicht nicht alle so viel Wettererfahrung wie du. Viele fliegen vielleicht schon viel, andere fliegen noch nicht so viel, haben diese Erfahrung noch nicht, können die Wetterentwicklung, die man mit Erfahrung sofort erkennen kann, da fehlt denen diese Erfahrung, um das sofort zu erkennen. Also dass du dann auch sagst, im Grunde mache ich dann eher ein sehr vorsichtiges, ja, eine sehr vorsichtige Wetterprognose, um den Leuten zu sagen, geht lieber früher landen, als dass da irgendwie was passiert?
Mhm, also das ist ganz klar. Ich versuche einfach möglichst transparent alles mitzuteilen, was ich mir selber auch überlege, also wir hatten vor zwei Jahren, eineinhalb Jahren ein Fliegerinnen -Weekend im Wallis, in Viersch, und es war angekündigt, dass es Südwind geben wird, ich hatte das Gefühl, es geht zum Fliegen, aber man muss sich einfach laufend auch Messwerte anschauen, damit man nicht plötzlich überrascht wird, dass der Wind gedreht hat im Tal und plötzlich viel zu stark ist, und ich habe das dann einfach auch so präsentiert, und am Schluss haben sich dann zehn entschieden, den Stirn im Tal zu lassen, und die haben dann eine Wanderung gemacht, und zu viert waren wir dann in der Luft, und wir waren auch zusammen unterwegs, und haben
laufend auch die Windwerte beobachtet, und am Schluss haben wir einen super Flug gemacht, und sind gelandet und happy, aber ich versuche dann schon, dass ich einfach auch den Leuten bewusst machen, so ich denke, das Szenario wird sich so und so entwickeln, aber dort bin ich unsicher, und dort bin ich unsicher, und das schaue ich mir an, und das schaue ich mir an, und ihr müsst jetzt für euch selber entscheiden, was ihr machen wollt, und das hat eigentlich bis jetzt auch immer sehr gut funktioniert, und gerade bei uns in dieser Frauengruppe gab es irgendwie nie das Problem, dass sich dann irgendjemand in die Luft gewürgt hat, obwohl sie sich eigentlich nicht dafür gehabt hat, weil, ja, wir versuchen immer allen das Gefühl zu geben, hey, wir machen einfach das Beste aus dem Tag, und am Schluss, wenn du nicht geflogen bist, dann ist das überhaupt kein Problem, weil wir haben ja noch ganz viele
andere, sagen wir mal, Aspekte, die wir an diesem XC -Liga -Weekend miteinander anschauen, und ob jetzt du heute noch diese 10 Minuten geflogen bist oder nicht, das ist dann wie der kleinste Aspekt davon.
Hast du den Eindruck, gerade bei solchen Frauentreffen, wo dann die Frauen untereinander sind, gehen die dann auch, also haben Frauen ein anderes Gefühl für das Wetter als männliche Flieger?
Ich glaube nicht, dass man ein anderes Gefühl hat für das Wetter, aber ich glaube, es zeichnet sich so ab, dass im Durchschnitt, sage ich mal, Frauen einfach etwas vorsichtiger und zurückhaltender unterwegs sind als die Männer. Und ich glaube, das behalte ich dann im Hinterkopf, wenn ich eben so etwas plane, also wenn ich irgendwie mit meinen zwei Buddies gehe, die ich schon seit 10 Jahren kenne, und das sind beides Männer, und dann etwas noch von der draufgängerischen Sorte, dann planen wir halt andere Flugtage, als wenn ich weiss, ja, wir sind jetzt eine Frau, wir sind eine Frauengruppe, und einige davon haben erst ihren Pilotenschein seit einem halben Jahr. Aber es ist dann vielleicht weniger
die Tatsache, dass sie Frauen sind, sondern vielmehr, dass sie halt auch einfach weniger Erfahrung haben und dass ich mich darum kümmern muss, dass sich trotzdem alle abgeholt fühlen.
Machen wir noch einen letzten Themenwechsel. Hat auch ein bisschen noch mit Wetter zu tun. 2019 warst du mal Ersatz -Supporterin bei Kriegel Maurer bei den X -Alps. Hast du da für ihn auch die Meteoprognosen dann gemacht?
Sehr, sehr wenig. Also die Leute, die mich dann gefragt haben, ja, wie bist du da dazu gekommen? Hast du für ihn Wetter gemacht? Die denken immer, ich sei da den ganzen Tag mit Wetterprognosen beschäftigt gewesen. Aber eigentlich habe ich alles andere gemacht. Ich war da Ersatz -Supporterin, weil sein ursprünglicher Zweitsupporter hat sich kurzfristig verletzt, und ich hatte schon Erfahrung im Supporten von so langen Hikenfly -Rennen. Und ja, was man halt dann so macht, ist man muss primär immer schauen, dass man mit dem Auto am richtigen Ort steht. Und dann muss man schauen, dass es immer genug zu essen hat. Und dann muss man als drittes schauen, dass die Kleidung möglichst gewaschen und getrocknet ist, dass er immer seine Lieblingsschuhe wechseln kann.
Und es gibt dann schon Situationen, wo man am Abend zuvor dann kurz zusammensitzt und sagt, ja, also morgen ist das Wetter so und so und so. Und ja, es gibt jetzt wie mehrere Optionen, weiterzukommen in die richtige Richtung. Und wenn es so ist, dann machen wir das, und wenn es so ist, machen wir das. Aber gerade Krigl ist auch eine dieser Personen, die haben einfach einen ungeheuer grossen Erfahrungsschatz an
Meteo -Situationen und Gleitschirmfliegen. Und dem muss man dann gar nicht mehr so viel sagen. Der geht einfach selber raus und beobachtet dann, was macht das Wetter um ihn herum. Und dann trifft er die richtigen Entscheidungen.
Fliegt er nicht eh bei jedem Wetter?
Das kommt noch dazu. Er fliegt sowieso bei jedem Wetter. Ja, das ist das andere. Ich meine, er fliegt halt schon in vielen Bedingungen, wo viele andere schon längstens den Schirm gar nicht mehr ausgepackt haben. Und was ich dann als meteorologisch versierte Supporterin beitragen kann, ist, dass ich
im Tagesverlauf schon mich etwas mehr mit dem Wetter beschäftigt habe. Und dann kann ich ihm am Abend zeigen, okay, schau, morgen ist das und das und das relevant. Und dann schaut er sich selber nochmal das im Detail an. Und was ich auch sicher etwas im Griff habe, ist, ich weiss, wo kann ich, während er unterwegs ist, vielleicht Gewitter im Auge behalten. Also dann war mal ein gewitteriger Tag und dann haben wir am Morgen abgemacht, ja, behalte du die Gewitter im Auge und gib mir zwischendurch ein Update. Aber im Großen und Ganzen ist Triggl auch jemand, der eigentlich gar nicht gross bevormundet werden will, sondern seine Entscheidungen selber treffen möchte. Und das heisst, auch als Meteorologin ist man eigentlich mehr dazu da, dass man einfach etwas, die Informationen schnell aufbereitet und nicht wirklich dann sagt, so musst du machen und so musst du machen.
Das braucht er auch gar nicht.
Du warst ja auch mal bei den Xpeer als Supporterin mit. Hast du da dann mehr Wetter gemacht? Das war ja nicht für Triggl, sondern, wie heisst er noch?
Fabian Umbricht. Ja, so halb. Fabian ist halt ein Spezialfall, weil er ist selber Meteorologe und er ist im Gegensatz zu mir tatsächlich im Prognosedienst aktiv. Also ich selber muss ja auch immer wieder trainieren, Vorhersagen anzuschauen und dann Flugentscheidungen zu treffen. Und er macht das in seinem Beruf tagtäglich. Das heisst, er ist selber eigentlich mehr der Profi als ich, wenn es darum geht, Wetterprognosen zu erstellen. Und deshalb, ich habe da schon auch mitgeholfen, aber er ist dann auch der, der das selber anschauen möchte und dann selber entscheiden wird, was er denkt, was am nächsten Tag anfällt. Ich bin dann mehr vielleicht eine gute Diskussionspartnerin, wo ich sagen kann, ja und was denkst du dazu und was ist für dich ein Entscheidungspunkt in dieser Hinsicht, dass ich da ein bisschen mithelfen kann.
Aber ich musste dann gar nicht so viel wirklich im Detail anschauen, weil er das sowieso selber machen will. Aber gerade da haben wir dann schon gemerkt, es hilft halt enorm, wenn man im Alpenraum unterwegs ist, wo man das Wetter schon viel besser kennt oder viel mehr Training einfach hat darin, Prognosen anzuschauen und dann sich zu überlegen, wie das wirklich sein wird in der Luft. Als die Pyrenäen, wo wir einfach die Erfahrung damit nicht hatten, also es gab so Tage, wo sehr viel Feuchtigkeit in der Luft war und wir mussten dann irgendwie abschätzen, ja lohnt es sich jetzt hoch zu laufen und vielleicht können wir oben starten oder sind wir dann sowieso immer im Nebel drin und da konnten wir dann auch nicht mehr als einfach die Modelle anschauen und am Morgen rausgehen und hoffen und was vielleicht uns dann zugute kommt, im Gegensatz zu Personen, die
weniger Erfahrung mit Modellen haben, ist, dass wir zumindest wissen, dass die Modelle das nicht im Griff haben.
Ja, dann könnt ihr im Grunde sagen, ja, ich gucke einmal grob in die Modelle rein und ansonsten gucke ich halt jetzt nur noch lokal am Himmel, um dann zu sagen, okay, ich weiß, die Grundwindrichtung ist heute Südwest oder vielleicht in den Pyrenäen dann zwischendurch ist es irgendwie Nordwind, das ist doof, weil dann habe ich immer so leichte Pyrenäen -Föhneffekte quasi auf der Südseite, wenn man da fliegen muss, bei den X -Pyr, aber letzten Endes müsst ihr dann auch einfach vor Ort dann im Himmel gucken.
Richtig, also wir machen dann nicht in dem Sinne den Fehler, dass wir sagen, ja, aber meine App sagt im Fall, dass wir erst ab 1700 Wolken haben und unser Startplatz in der Nähe ist auf 1600, das geht sicher, weil wir sind uns einfach bewusst, dass die Chance vielleicht 50 -50 ist, dass es geht und dass wir uns im Voraus schon überlegen müssen, was ist Plan B, wenn es jetzt eben nicht so aufgeht, wie wir gedacht haben. Also einfach so ein Gefühl für die Unsicherheit der Modelle, zu haben, hilft dort sicher. Aber wie gesagt, wenn wir jetzt in den Pyrenäen zu Hause wären, hätten wir vermutlich mit weniger
Wettermodell beobachten, hätten wir vermutlich mit weniger Wetterkarten anschauen, besser einschätzen können, wie das tatsächlich wird, einfach weil man viel mit Erfahrung machen kann.
Wenn du zum Fliegen gehst, gibt es sowas wie ein Wunschwetter, oder ein Lieblings -
oder Lieblingswetterbedingungen, wo du sagst, die möchte ich auf jeden Fall haben? Oder kommt es bei dir auch so vor, dass du sagst, hey, ich bin ja wetterinteressiert, ich freue mich auch, wenn das Wetter eben keine die Super -XC -Bedingung hat, aber etwas, wo man sagen kann, da kann ich was Neues lernen oder was ausprobieren, oder da muss ich einfach lernen, mit diesen vielleicht nicht so optimalen Wetterbedingungen entsprechend zurechtzukommen.
Ich würde sagen, das eine schließt ja das andere nicht aus. Also ich habe ganz klar
Lieblingsflugbedingungen und zwar primär, wenn es einfach wenig Wind hat, dann bin ich schon mal glücklich. Also keine Unfälle, wie man wird über die Nordkette gespült und also grundsätzlich ich bin nicht so ein Talwind - Fan, oder ich bin zum Teil heute noch überfordert, die Talwinde richtig einzuschätzen, weil mein Heimfluggebiet ist der Jura und da gibt es das einfach nicht in dem Ausmass wie in den Alpen. Also mein Lieblingsflugtag ist eigentlich, wenn es einfach wenig Wind hat, egal wo ich bin. Aber das schließt ja nicht aus, dass es mich nicht packt, neue Dinge kennenzulernen. Wie gesagt, ich finde es eine coole Herausforderung, mir zu überlegen, welches ist jetzt der beste Flugtag nächste Woche und wo ist das beste Fluggebiet und was könnte man da maximal rausholen.
Aber am Schluss bin ich zu wenig kompetitiv, dass es mir dann wirklich eine Befriedigung gibt, dass ich jetzt das absolut Beste gemacht habe, sondern ich bin einfach jemand, die sehr einfach neugierig ist und Freude hat daran, Sachen zu entdecken. Und wenn ich jetzt einfach frei habe und ich gehe morgen fliegen und ja dann das Wichtigste ist für mich fast oft, dass ich zwei, drei Personen habe, die mitkommen, die ich wirklich gut mag, also dass ich einfach einen guten sozialen Ausflug hatte und
dann gibt es mir wirklich viel, dass ich einfach mal überlegt habe, wie könnte es werden und dann raus und exploren und das mache ich eigentlich nie, dass ich zu Hause sitze und denke, ja, heute war es jetzt sicher nicht so perfekt, ja, ich gehe jetzt einfach mal nicht, sondern ich packe dann das, ich möchte wirklich wissen, wie ist es jetzt dort und manchmal habe ich das auch schon etwas in die schlechte Richtung erlebt, dass ich irgendwo fliege und dann denke ich so, ja, da hinten hat es sicher ein Lee, das ist sicher nicht so angenehm und dann möchte ich aber wissen, wie es sich anfühlt, wenn man da reinfliegt und ich mache das dann nicht, wenn ich denke, es ist wirklich fahrlässig, aber es gibt immer so viele Unbekannte und am liebsten würde ich die alle aufdecken und herausfinden, wie es jetzt wirklich sein wäre, wenn man jetzt dort wäre und das machen würde und das ist auch eine der Sachen, die mir wirklich besonders gefällt am Gleitschirmfliegen.
Wenn ich jetzt
Geräte turne, ich habe früher Gerätetouren gemacht, dann weiss ich eigentlich jedes Mal, was mich erwartet. Ich gehe in eine Halle, es hat Ringe, es hat einen Barren, es kann sein, dass ich mal in eine andere Halle gehe und dann hat es aber auch Ringe und auch Barren und das ist für mich einer der schönsten Aspekte am Gleitschirmfliegen, dass man nie genau weiss, was einen erwartet und dass man sich immer wieder überraschen lassen kann.
Geht es dir auch manchmal so, dass du Flugtage, die eigentlich vom Papier her ziemlich schlecht sind, thermisch gesehen oder sowas, wo du vielleicht sagst, okay, der Wind ist schwach, man kann sicher fliegen, aber ich weiss, die Wolkenbasis ist sehr niedrig, die liegt vielleicht sogar oben auf, ich kann aber darunter starten, aber untenrum ist die Luftmasse trotzdem so labil, dass man darunter sich eigentlich sehr gut halten kann. Das ist jetzt kein Tag für das große Streckenfliegen, aber manchmal so ein Tag mit so super magischen Bedingungen, wo man extrem nah an die Wolken heranfliegen kann, wo es überall trägt, wo man quasi jedes kleinste Tal, es gibt keinen großen Talwind oder sowas, man kann überall reinfliegen und auch wieder rausfliegen, es trägt überall irgendwie super, wo dann aber letzten Endes nicht die Punktezahl am Ende das ist, wo man sagen kann, wow, das war ein super Flug, sondern einfach nur so ein Erlebnisflug.
Hast du sowas auch häufiger?
Ja, immer wieder. Also, so wie du es jetzt beschrieben hast, das klingt ja schon fast perfekt für einen Flugtag, weil klar, es gibt die Tage, wo es ganz offensichtlich ist, dass es gut geht für weite Streckenflüge, aber ganz persönlich finde ich es oft schwierig, wenn ich dann an einem guten Flug Tag irgendwie nach vier Stunden am Boden stehe, dann nicht unzufrieden zu sein, also dann muss ich halt heimfahren und irgendwie sehe ich, dass alle anderen noch besser fliegen und länger fliegen und ich wäre doch auch gerne noch in der Luft und ich habe schon noch oft erlebt, dass ich einfach frustriert bin und jetzt so die Tage, die du jetzt beschrieben hast, das sind ja eigentlich die besten Tage, um dem entgegenzuwirken, weil du hast dann null Erwartungen und hast trotzdem einfach
reine Freude am Fliegen selbst und das brauche ich zwischendurch so für die Seele, also wenn ich zu viele verpatzte, gute Streckenflugtage hatte, dann brauche ich das unbedingt, dass ich irgendwas erlebe beim Fliegen, das völlig losgelöst ist von einem
ehrgeizigen Kilometerziel und das kann sein eben so ein
postfrontaler
labiler
tiefbasiger Tag oder es kann auch sein ein Fliegen in die Abendsonne irgendwo an einem Sohringhügel oder es kann auch ein Hikenfly sein an einem Tag, wo es zu vielen Orten zu viel Wind hat und man kann trotzdem noch einen Abgleiter machen, also ich brauche das unbedingt, um meine Freude auch langfristig am Fliegen zu behalten.
Sind wir dann aber, wir Flieger, wir gucken immer nach dem tollen Wetter, oder das, was wir als gutes Flugwetter dann entsprechend einschätzen, nehmen wir uns nicht viel zu häufig die Möglichkeiten zu solchen Erlebnissen, weil wir immer zu gutes Wetter eigentlich haben wollen und bei den nicht so tollen Wetterbedingungen, wo man zwar sagen kann, vom Winter her ist es noch sicher zu fliegen, deswegen, und wenn es nur ein Abgleiter wird, aber zu sagen, diese Wetterbedingungen, die teste ich auch einfach mal aus und da gehe ich trotzdem fliegen, auch wenn es von der Papierform her suboptimal oder sogar relativ schlecht aussieht, aber wo man gerade dann diese, die Magie des schlechten Wetters in positiver Hinsicht dann mal zwischendurch erleben kann.
Ich glaube, das ist ein guter Punkt, den du hier machst, weil, wenn man so in dieser Streckenflugszene unterwegs ist, dann sieht man halt immer die guten Flüge von den Top -Pilotinnen und Piloten und das will man auch erreichen und dem eifert am Mann nach und dann vergisst man manchmal etwas, dass es einfach auch schöne Sonstflugerlebnisse gibt und dann habe ich nebendran eben meinen Vater, der ein paar Jahre jetzt schon fliegt und einfach primär am Hausberg unterwegs ist oder meine jüngere Schwester, die jetzt noch daran dabei ist, den Flugschein überhaupt zu machen und dann kommen die manchmal nach Hause und sagen hey, heute war so ein schöner Tag, wir haben einfach eine Stunde lang thermisch gedreht, immer im gleichen Schlauch und dann sind die voll glücklich und dann hält mir das so den Spiegel vor, dass ich denke, ja, das ist eigentlich auch das, was mich glücklich macht und
deshalb, ich versuche schon, dass ich irgendwie die guten
Streckenflugtage freischaufeln kann in der Agenda, aber ich habe auch so Wochenende, wo ich mich einfach in die Agenda schreibe, ja Gleitschirmfliegen und dann schaue ich einfach wo kann man irgendwas machen und wenn es halt dann eine Stunde Sohren ist, dann ist es halt eine Stunde Sohren und dann bin ich trotzdem glücklich, also ich bin selber dann auch zu wenig ehrgeizig, dass ich mich nur auf die guten Streckenflugtage fokussiere und ich behaupte auch, ich bin viel zu wenig gut, also wenn man schon seit 20 Jahren Strecken fliegt und nur noch ganz wenige Flugtage zur Verfügung hat, weil irgendwie familiäre und berufliche Verpflichtungen, dann verstehe ich schon, dass diese Personen sich halt die fünf besten Tage im Jahr
heraussuchen, aber ich fühle mich selber noch als unglaublich kleines Flugküken und für mich ist es auch wichtig, dass ich bei vielen Bedingungen rausgehe und austeste und meinen Schirm kennenlerne und die Umgebung kennenlerne und das macht mir auch einfach wirklich Spass.
Ist dir das über die Zeit demütiger geworden?
Definitiv, also das Erlebnis da an der Nordkette, das hat mich schon ziemlich eingeschüchtert und das hat mich ja sicher demütiger gemacht, aber gleichzeitig habe ich auch gelernt, dass man einfach mal rausgehen soll und schauen muss, also Kriegel ist so ein gutes Beispiel für das, also gerade in den Hike -Freirennen sowieso, das kannst du ja nicht ändern, dass du jetzt von A nach B musst und dann musst du schon das Beste draus machen und was ich schon gelernt habe über die Jahre, vor allem im Hike -Fly, ist, dass es meistens doch noch irgendwie besser fliegt, als man zunächst erwartet hat und deshalb habe ich auch so Tage, wo ich mich dann gar nicht
stundenlang mit dem Wetter beschäftige, sondern ich weiss, morgen irgendwie so Wind, so Bewölkung, es ist sicher nicht top, ich gehe jetzt einfach mal dorthin, wir machen einen Hike -Fly und dann machen wir das Beste draus und ich sage jetzt mal, in 80 % der Fälle fliegt man besser, als man eigentlich zunächst gedacht hat.
Das heisst, wir unterschätzen im Grunde meistens auf Basis der Prognose die realen Flugbedingungen?
Vielleicht nicht die realen Flugbedingungen werden unterschätzt, aber vielleicht die Möglichkeiten, die einem sich bieten würden, auch wenn die Flugbedingungen so sind, wie die Modelle sie sagen, also nur weil es bewölkt ist, heisst das ja nicht, dass es per se keine Thermik hat. Es gibt immer wieder Tage, da kann man sehr gut immer wieder aufdrehen, obwohl gar nicht so viel Sonneneinstrahlung am Boden angelangt. Und das sind genau diese Sachen, die lernst du nicht im Meteorologie -Studium und die lernst du auch nicht in der Flugschule und das lernst du auch nicht, wenn du einen Meteo -Vortrag bei jemandem hörst, sondern das lernst du nur, wenn du einfach rausgehst und versuchst. Und ja, ich sage mir dann immer, ich finde es auch gar nicht so schlimm, wenn ich mal irgendwo was versucht habe und dann sage, ja, jetzt bin ich halt heute nicht geflogen, weil es hatte wirklich zu viel Wind, aber dafür hatte ich eine gute Freundin dabei und wir hatten einen tollen Tag zusammen und dass wir dann nicht geflogen sind, das ist dann ein Punkt, aber dafür haben wir uns eine Stunde über das Wetter unterhalten und etwas gelernt und eine gute Zeit miteinander gehabt und ich finde, das ist ja dann auch Teil meines positiven Gleitschirmsport -Erlebnisses, auch wenn der Flug selber gar nicht stattgefunden hat.
Also Quintessenz kann man sagen. Leute, lasst euch nicht vom Wetter, egal in welcher Form, davon abhalten, mit dem Fliegen auch schöne, positive Erlebnisse zu haben. Definitiv. Gut, Stefanie, damit danke dir für deine tollen, hintergründigen Erzählungen rund ums Wetter und das Gleitschirmwetter, wie Modelle funktionieren und wie wenig man ihnen teilweise vielleicht vertrauen sollte oder zumindest indem man ihnen einen viel größeren Fehlerrahmen einräumen sollte, als man normalerweise immer denkt, dass da die genauen Punktprognosen immer rauskommen. Danke dir dafür und ich wünsche dir noch viel Erfolg dabei, noch immer mehr Erfahrung zu machen, dass du das, was du theoretisch verstanden hast und da immer weiter einbringst, immer mehr auch mit dem praktischen Blick zum Himmel sofort etwas anders umdeuten kannst, um zu sagen, hey, ich habe aber Recht und nicht das Modell.
Vielen Dank dir.
Das war die Podz-Glidz -Folge 106 Die Meteorologin mit Stefanie Westerholtz. Die Meteorologin mit Stefanie Westerholtz. Im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz gibt es noch einige weiterführende Links. Mein Name ist Lucian Haas. Ich bin der Produzent von Podz-Glidz und Herausgeber von Lu-Glidz. Wenn dir diese beiden Angebote gefallen und du sie regelmäßig nutzt, dann werde doch auch zu einem Förderer meiner Arbeit. Wenn du zum Beispiel einen Euro pro Podcast -Folge oder zwei Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz gibst, tut dir das sicher nicht weh. Aber du trägst einen wichtigen Teil dazu bei, dass ich dieses Projekt auch in Zukunft weiter betreibe und entwickeln kann. Und zwar unabhängig und werbefrei. Alle nötigen Infos, wie dein frei wählbarer Förderbeitrag mich erreicht, findest du auf www.Lu-Glidz.blogspot.com Dort gibt es den Menüpunkt Fördern.
Lu-Glidz schreibt sich Lu-Glidz. Übrigens, ich bin stets auf der Suche nach weiteren interessanten Gesprächspartnern mit hörenswerten Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Wenn du einen Vorschlag hast, dann erzähle mir davon und schicke mir, wenn möglich, gleich auch die Kontaktdaten. Am besten per E -Mail an lugleitzkontakt at gmail.com Bis zum nächsten Mal. Ciao.