Hinterher mache ich immer so einen Fünf -Punkte -Check. Da gehe ich dann immer meine Hand durch und sage dann Daumen hoch, was war gut an dem Tag. Dann der Zeigefinger, aufpassen, wo muss ich in Zukunft drauf aufpassen. Dann der Mittelfinger, worauf möchte ich in Zukunft verzichten. Dann der Ringfinger, woran möchte ich in Zukunft festhalten. Und der kleine Finger, der darf sich immer noch weiterentwickeln, also sprich, was habe ich gelernt aus dem Flug.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Yvonne
Date und
ich bin Lucian Haas.
Wer Gleitschirm fliegt, sollte sich immer wieder auch ins Bewusstsein rufen, warum oder wofür sie oder er das macht. Wer sich selbst gegenüber gute Argumente für das Gleitschirmfliegen ins Feld führen kann, wird es leichter haben, mit Rückschlägen und ängstigenden Erlebnissen in seiner Fliegerkarriere umzugehen. Einfach, weil man Gründe hat, dabei zu bleiben und sich nicht seiner Angst geschlagen zu geben, die einen ansonsten über kurz oder lang vom Himmel fernhalten könnte.
Yvonne Date kann davon ein Liedchen singen. Nicht nur, weil sie selber schon mit unangenehmen Rückschlägen in ihrer fast 30 -jährigen Fliegerkarriere zu kämpfen hatte. Vor allem auch, weil sie als Mentaltrainerin anderen Fliegerinnen und Fliegern auf die Sprünge hilft, mit Ängsten und weiteren Schwierigkeiten rund um das Flughobby besser umzugehen. In dieser Podz-Glidz Folge Nr. 109 erzählt die 46 -Jährige von ihrer Arbeit. Dabei gibt sie u.a. etliche Tipps, wie man es schafft, achtsam zu sein und seine eigenen Fliegerfreuden und Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Weitere Themen sind u.a. das Wettbewerbsfliegen, Fluch und Segen von Social Media, die Gefühlswelt von Fliegern, das Fliegerdoping und die X -Alps.
Denn an denen hat Yvonne auch schon mal teilgenommen. Aufgenommen haben wir diesen Film. Den Podcast übrigens ziemlich spontan an einem Regentag bei einem anderen Gleitschirmwettbewerb, dem NRW Cup im Sauerland. Wenn dir Podz-Glidz gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit als Förderer. Wie das ganz einfach geht, erfährst du auf dem zugehörigen Gleitschirm-Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern.
Yvonne, welche Frage meinst du, sollte sich ein Gleitschirmflieger auf jeden Fall mal stellen?
Ja, warum man überhaupt Gleitschirm fliegt. Warum fliege ich Gleitschirm?
Warum machst du es?
Ich mache es, weil mir das Reisen mit dem Gleitschirm unglaublich gefällt und weil ich über das Gleitschirmfliegen die Welt für mich neu entdeckt habe und einfach aus einer anderen Perspektive wahrnehmen kann. Und gerade über das Wettbewerbsfliegen habe ich eben neue Länder kennengelernt, wo ich früher gar nicht auf die Idee gekommen wäre, dahin zu reisen. Zum Beispiel eben Mazedonien oder Kolumbien oder Ecuador oder Portugal.
Und ja, das Gleitschirmfliegen hat mir eine neue Welt eröffnet.
Aber das ist ja etwas, was im Grunde beim Gleitschirmfliegen später kommt mit dem Reisen. Das hat man vielleicht am Anfang noch gar nicht so im Blick, dass das geht und dass das so eine ganz eigene Qualität des Gleitschirmfliegens auch ist. Was war denn bei dir der Urimpuls dafür?
Also bei mir war der Urimpuls, dass mein Vater und ich, also meine Eltern hatten sich getrennt und mein Vater und ich haben ein gemeinsames Hobby gesucht. Und wir waren dann zusammen beim Wandern und dann kam da einer mit so einem Rucksack an und hat dann oben auf dem Berg seinen Gleitschirm ausgepackt. Und ist dann ins Tal runter geflogen und da hatten wir dann gedacht, boah, das wäre ja cool, wenn wir das auch könnten. Und daraufhin haben wir zusammen einen Gleitschirmschein gemacht.
Wie lang war das zwischen, dass ihr es gesehen habt und gesagt, das ist cool und dem, dass du gesagt hast, jetzt stehe ich wirklich am Berg und mache meinen ersten Flug?
Das weiß ich gar nicht mehr. Ich weiß nicht. Also ich glaube, wir hatten dann, also ich war damals glaube ich 14 oder so.
Damals war ja auch schon, dass man erst mit 16 dann den Schein bekommt. Und mit 16 habe ich dann glaube ich den Grundkurs gemacht. Also genau, da habe ich den Grundkurs gemacht.
Also doch schon ein bisschen Zeit dahin. Gehst du heute mit deinem Vater noch fliegen?
Also er fliegt auch noch, aber wir fliegen tatsächlich eher selten miteinander. Warum? Ja, weil mein Vater einfach, also er wohnt auch woanders, also er hat andere Fluggebiete wie ich. Und wenn er da ist, dann fliegt er schon, aber er hat einfach auch andere Interessen beim Fliegen. Also ihm geht es halt dann mehr so ein bisschen ums Thermikfliegen und dann auch wieder Landen. Und ich bin ja mittlerweile dann eher, wenn ich im Allgäu bin, viel am Tandemfliegen, mache das dann halt beruflich. Und wenn ich nicht im Tandemfliegen bin, dann bin ich halt auf dem Wettbewerb und fliege dann halt bei Wettbewerben mit.
Was macht dir mehr Spaß, Wettbewerb oder Tandem?
Also ich finde, da gibt es kein entweder oder, sondern es gehört irgendwie beides zum Gleitschirmfliegen. Also ich finde das unglaublich schön. Andere Menschen mitzunehmen, die das Gleitschirmfliegen noch gar nicht kennen und die dann das Thermikfliegen erleben können, das Gleitschirmfliegen erleben können. Und wenn die dann am Boden stehen und über beide Ohren lachen, also das ist einfach super. Aber ich finde, genauso gehört es auch dazu, selber zu fliegen und dann eben auf Wettbewerbe zu gehen und mein eigenes Flugerlebnis zu erleben. Also ich finde, das ist beides gut, beides anders, aber es gehört irgendwie zusammen. Also nur Tandemfliegen. Wäre auf Dauer, glaube ich, auch nichts. Aber jetzt auch nur Wettbewerbe. Ja, es ist, glaube ich, einfach die Mischung.
Beim Tandemfliegen kommst du wenigstens häufiger in die Luft. Beim Wettbewerben musst du häufig immer warten, dass es losgeht und so. Und Tandemfliegen kannst du sagen, komm, wir fahren um 10 Uhr schon auf den Berg. Den ersten kann ich schon mal runterfliegen und dann geht da immer was voran. Geht es dir manchmal so, dass du denkst, ah, das Tandemfliegen, wenn man es so regelmäßig macht. Und wenn du sagst, das ist dann quasi schon ein Beruf, dass dir das auch manchmal zu viel wird?
Also dafür nehmen wir uns eben die Auszeiten. Deswegen ist das Wettbewerbsfliegen ganz gut. Also ich hatte jetzt zwei Jahre, die Corona -Jahre, wo ich keine Wettbewerbe geflogen bin. Und da war dann eigentlich auch die Idee, dass wenn das Wetter eben entsprechend gut ist, dass wir dann Streckenfliegen gehen, uns die Zeit nehmen. Aber das hat halt überhaupt nicht funktioniert, weil wenn ein guter Streckenflugtag ist, das weißt du ein, zwei Tage vorher. Und dann ist halt der Terminkalender schon voll mit Tandemfliegen. Und das hat überhaupt nicht funktioniert. Also ich habe praktisch keinen einzigen Streckenflug gemacht. Und beim Wettbewerbsfliegen, da weiß ich halt, okay, da und da ist der Termin. Das blocke ich mir dann und dann nehme ich einfach keine Termine an. Und das sind dann so die Auszeiten, die ich dann beim Tandemfliegen mir nehme.
Und das ist auch gut so, weil dann wird es eben nicht zu viel. Dann ist es auch nicht ein Beruf, sondern es macht weiterhin einfach Spaß. Mhm. Und ich glaube, wenn ich jetzt den ganzen Sommer nur Tandem fliegen würde,
ja, dann kann es wahrscheinlich zu viel werden. Aber so mit den Auszeiten, es ist gut.
Wie lange brauchst du, wenn du viel Tandem geflogen bist? Und dann sagst du, jetzt steige ich wieder um und fliege wieder meinen Wettbewerbsschirm. Wie lange brauchst du, um dich umzustellen auf diese andere Art der Steuerung, aber auch andere Art der Denke, andere Art der Fliegerei?
Ja, das ist eine gute Frage. Also früher ist mir das nicht so schwergefallen. Jetzt, nachdem ich zwei Jahre gar keine Wettbewerbe geflogen bin, also habe ich schon letztes Jahr gemerkt, als ich wieder so angefangen habe, dass der Umstieg gebraucht hat und ich glaube auch noch gar nicht so ganz vollendet ist. Also ich habe letztes Jahr am Anfang, da habe ich mich erst mal reinfinden müssen. Ah, so fliegt wieder ein Wettbewerbsschirm. Interessant. Und es hat eigentlich die ganze Saison gedauert. Also am Ende habe ich dann wirklich gedacht, so jetzt könnte es eigentlich losgehen. Dann war aber die Saison vorbei. Ja, also ich sage mal, dieses Umstellen. Also wenn ich jetzt wieder fliege, jetzt mit meinem Schirm, ich sage mal, der erste Flug ist erstmal so wieder reingewöhnen und mit dem zweiten, dritten Flug, da geht es dann schon, dass ich dann sage, okay, jetzt passt es mit dem Schirm und jetzt kann ich eigentlich Wettbewerbe fliegen.
Was fliegst du als Wettbewerbsschirm?
Aktuell in C02.
Zufrieden damit?
Ja, sehr.
Wenn du auf diese Wettbewerbe fährst, wovor hast du am meisten Angst?
Am meisten Angst? Oder
hast du überhaupt Angst, wenn du auf Wettbewerbe fährst?
Also am meisten Angst.
Also wenn ich auf Wettbewerbe fahre, habe ich keine Angst. Im Wettbewerb selber, also was mir Respekt einflößt, sondern halt die Wetterbedingungen teilweise. Und da schaue ich schon darauf, dass ich eben innerhalb meiner Möglichkeiten bleibe. Und wenn ich feststelle, dass das Wetter für mich nicht mehr fliegbar ist, dass es für mich nicht mehr passt, dann gehe ich auch landen oder starte auch gar nicht erst. Also das war auch letztes Jahr an der Palz oben. Da war mal ein Tag, wo einfach aus meiner Sicht viel zu viel Wind am Startplatz war. Und ich kannte auch das Fluggebiet überhaupt nicht. Und in der Palz, da sind ja auch viele so Täler und habe mir dann gedacht, ich weiß nicht, wie unten im Tal dann das mit dem Windsystem da ist. Und da habe ich gesagt, nee, da starte ich nicht.
Und bin dann halt an einem Tag gar nicht gestartet.
Geht dir das dann so, dass du am Abend denkst, ah, wäre ich vielleicht doch geflogen, wenn du siehst, dass andere dann gut geflogen sind? Oder kannst du zufrieden mit deiner Entscheidung sein und sagen, ich habe für mich meine Entscheidung getroffen und das ist gut so?
Also manchmal kommt es schon hoch, wenn ich ehrlich bin. Ich glaube, das kommt bei jedem dann mal hoch, wenn man so Entscheidungen getroffen hat und dann hinterher erfährt, die anderen sind super geflogen und war ja alles gar kein Problem. Aber mittlerweile bin ich schon so, dass ich dann auch sage, nee, ich habe die Entscheidung getroffen und für mich ist es okay. Zu dem Zeitpunkt hat es für mich nicht gepasst und dann ist es auch gut. Und meistens, also aus der Erfahrung heraus, waren es auch gute Entscheidungen. Also ich kann mich auch noch an andere Flüge erinnern, wo ich auch nicht gestartet bin und die anderen geflogen sind und häufig war es dann einfach so, dass die Piloten dann auch gesagt haben, ja, also eigentlich war das kein guter Flug und es war turbulent oder sie haben sich dann auch gefürchtet in der Luft. Und dann waren es meistens im Nachhinein gute Entscheidungen. Und ich denke mir auch, lieber ärgere ich mich einmal über einen Flug, den ich nicht gemacht habe und denke mir, ja, wäre vielleicht doch gegangen, anstatt dann vielleicht in der Luft zu sein und sich dann zu fragen, wäre ich doch lieber am Boden.
Das ist, glaube ich, die schlimmere Variante.
Hast du denn mal schlechte Erfahrungen gemacht, die dich dahin geführt haben, zu sagen, hey, ich passe da viel besser auf, was für mich noch stimmt?
Eigentlich von Anfang an, ja. Also ich war mal auf einem Wettbewerb dabei, da bin ich noch keine Wettbewerbe geflogen. Das war in Deutschland. Das war in Slowenien. Und da haben die einen Wettbewerb gestartet, obwohl es außenrum gewittert hat. Also da hat es wirklich gedonnert, die Wolken haben sich aufgezogen und die haben den Wettbewerb gestartet. Und es sind dann vom Wettbewerb alle heil gelandet.
Und in einem anderen Fluggebiet, aber wo eigentlich der Task hingegangen wäre, ist aber tatsächlich ein Pilot tödlich verunglückt, haben sie dann auch gesagt. Aber wir haben gesagt, ja, der war nicht im Wettbewerb. Ja, aber. Aber es war eigentlich Glück, sag ich mal.
Derselbe Tag, dieselbe Route, dieselben Bedingungen.
Genau, aber es war Glück, dass da halt vom Wettbewerb keiner verunglückt ist. Ja, und dann hatten die das aber am Folgetag nochmal gemacht. Da hat es auch wieder gedonnert. Die haben auch wieder den Tag gestartet und da hat es dann tatsächlich zwei, drei, die sind dann tatsächlich abgestürzt. Also verletzt halt, also nicht tot, aber verletzt. Und da habe ich schon gemerkt, man muss im Wettbewerb einfach selber entscheiden, passt es oder passt es nicht. Weil auch wenn 100 andere weiterfliegen, es können sich auch 100 Piloten irren. Vor allem mit der Gruppendynamik. Das kann immer mal wieder passieren, dass man dann einfach mitgerissen wird und da einfach immer wieder reflektieren, passt es für mich noch oder passt es nicht. Und wenn ich für mich die Entscheidung triff, nee, das passt für mich nicht mehr, dann gehe ich landen oder starte erst gar nicht.
Wie wird man ein reflektierender Pilot?
Ja, man darf sich das immer wieder bewusst machen, dass es diese Gruppendynamik gibt, diese Prozesse einfach gibt.
Und sich auch immer wieder hinterfragen und schauen, ja okay, passt es, passt es nicht. Würde ich jetzt noch fliegen, wenn ich frei fliegen würde, ja oder nein? Und da muss man halt immer wieder mal so ein paar Momente mal inne nehmen, also Stop machen und sagen, okay, wie ist es denn jetzt gerade, wie ist das? Und ich sage auch immer hinterher, mache ich immer so einen Fünf -Punkte -Check. Da gehe ich dann immer meine Hand durch und sage dann Daumen hoch, was war gut an dem Tag, weil an jedem Tag ist irgendwas Gutes, auch wenn es ein schlechter Tag war, ist trotzdem irgendwas gut gelaufen. Dann der Zeigefinger, so von den Eltern, aufpassen, wo muss ich in Zukunft drauf aufpassen. Dann der Mittelfinger, wo, worauf möchte ich in Zukunft verzichten.
Dann der Ringfinger, ist ja immer so zum Festhalten von Dingen, deswegen haben wir auch den Ehering am Ringfinger, also woran möchte ich in Zukunft festhalten. Und der kleine Finger, der darf sich immer noch weiterentwickeln, also sprich, was habe ich gelernt aus dem Flug. Und wenn ich das immer nach jedem Flug mache, was war gut, worauf muss ich aufpassen, worauf möchte ich verzichten, woran möchte ich festhalten und was habe ich gelernt, dann reflektiere ich automatisch eigentlich jeden Flug und kann dann auch das Gute rausnehmen und das, was ich gelernt habe.
Findest du denn bei jedem Flug immer etwas, wo du sagst, ich kann alle fünf Punkte erfüllen oder mit Inhalt füllen?
Ja, eigentlich schon.
Was
ist so etwas Typisches, wo du sagst, daran möchte ich festhalten?
Daran möchte ich festhalten, wenn ich es geschafft habe, gelassen zu bleiben im Fliegen. Also bei mir zu bleiben, meine Entscheidungen zu treffen.
Wie häufig gelingt dir das?
Ja, immer mal wieder.
Also manchmal auch nicht. Ich bin ja auch ein Mensch, auch wenn ich mal Psychologie studiert habe, aber trotzdem bin ich natürlich auch ein Opfer der psychischen Gefühle. Ich komme auch mal in die Gruppendynamik -Prozesse rein, aber ich hoffe, dass ich es dann vielleicht schneller merke, wie vielleicht andere und dann merke, jetzt bist du gerade wieder in diesem Lemming -Effekt drin, gehen wir wieder einen Schritt zurück. Aber ich versuche schon, eigene Entscheidungen zu treffen und es gelingt nicht immer, aber schon häufig.
Wenn es dir vielleicht, auch mit diesem psychologischen Hintergrund, vielleicht etwas häufiger gelingt als anderen im Wettbewerb, würdest du das sagen, unterm Ehrgeizgesichtspunkt oder sowas? Ist das ein Vorteil oder vielleicht ein Nachteil, wenn man manchmal ein bisschen zu viel nachdenkt?
Also zu viel nachdenken ist immer ein Nachteil. Also beim Fliegen ist es, die besten Flüge sind, wenn du einfach intuitiv fliegst und im Flow drin bist und gar nicht viel darüber nachdenkst. Das sind die besten Flüge. Also wenn man dann auch Piloten fliegt, die sehr gut ins Ziel geflogen sind und die so einen richtigen Lauf gehabt haben, wenn man mit denen hinterher spricht, die haben oft gar nicht wirklich nachgedacht, sondern es lief halt einfach und die haben ihrem Bauchgefühl vertraut und das ist einfach gut gelaufen und da haben die nicht viel nachgedacht.
Wie kommt man in den Flow?
Indem man fokussiert ist auf jeden Fall auf das, was zu tun ist, also auf die Aufgabe fokussiert ist, bei sich ist
und ein Ziel hat. Das einen fordert, aber nicht überfordert. Das ist auch immer so eine Geschichte.
Und ja, eigentlich der Hauptgedanke ist, denke ich, dass man fokussiert in dem Hier und Jetzt ist. Und in dem Moment, wo halt die Gedanken abschweifen oder man sich zu sehr auf die anderen fokussiert, in dem Moment bin ich dann eigentlich schon wieder raus aus dem Flow.
Gibt es irgendwelche psychologischen, mentalen Techniken, um näher an den Flow wieder dranzukommen? Also wenn ich jetzt merke, ich fliege und ich merke, ich bin irgendwie unkonzentriert oder ich bin nicht wirklich dabei. Gibt es da irgendwas, wo man sagen kann, wie kriege ich mich jetzt, wie komme ich wieder näher an mich heran? Wie komme ich wieder mehr ins Jetzt oder sowas? Wo man einfach sagen kann, so ein paar Grundtipps oder einfach Techniken, was auch immer, wo man sagt, dreimal atmen, was auch immer oder guck mal fünf Minuten nur nach vorne oder was, keine Ahnung. Vielleicht gibt es da irgendwelche tollen Tipps, wo man auch sagen kann, das funktioniert bei den meisten, auch weil es irgendwie eine körperliche Funktion dann auch weckt.
Ja, also in dem Moment, wo ich beim Körper bin, bin ich im Hier und Jetzt, weil den Körper kann ich nur im Hier und Jetzt spüren. Also mit den Gedanken bin ich eher in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Aber sobald ich mich auf meinen Körper konzentriere und meinen Körper spüre, bin ich auf jeden Fall im Hier und Jetzt, weil den Körper kann ich nur im Jetzt spüren. Und was ich gerne mache, ist ein Cross -Check. Das ist etwas, was mich einfach wieder ankert. Und ein Cross -Check geht dann, das geht eigentlich ganz einfach, indem ich zuerst mal mich auf etwas innen eng fokussiere, bei mir sind es meine Schultern, dann ziehe ich meine Schultern hoch, atme mal tief ein und aus und dann entspanne ich mich im Gurtzeug. Es ist auch immer gut, entspannt im Gurtzeug zu sein. Dann schaue ich auf mein Cockpit. Früher hatte ich da immer irgendwelche Aufkleber drauf, teilweise auch Atmen, weil wenn ich so angespannt bin, dann vergesse ich auch das Atmen.
Mittlerweile, also aktuell habe ich nichts drauf, aber ich schaue dann trotzdem auf mein Cockpit. Und dann blicke ich einmal um mich herum und schaue mir praktisch die Umgebung an. Damit habe ich praktisch meine Gedanken unterbrochen und bin wieder kurzfristig im Hier und Jetzt. Und der Vorteil ist auch, also ich habe das auch schon so nach Talquerungen angewendet, wo sich dann so der Fokus verengt hat und ich dann denke, oh Gott, jetzt geht es gleich runter, jetzt muss ich gleich landen. Und dann mache ich diesen Cross -Check und da ist mir schon mal passiert, dass ich einen ganzen Pulk von 15 Piloten einfach übersehen hatte. Und dann, nachdem ich dann einmal um mich herum geschaut habe, habe ich dann gesehen, ach,
da sind ja andere,
die sogar steigen. Dann fliege ich doch zu denen. Genau. Und die hatte ich vorher einfach komplett ausgeblendet. Und der Cross -Check, der hilft einfach, diesen Gedankenkreislauf zu unterbrechen und wieder einen offenen Blick zu haben.
Und Cross -Check, würdest du dann sagen, das sind 10 Minuten, 10 Sekunden? Wie lange braucht so etwas?
Also einmal eintrainiert, zwei Sekunden.
Also schnell die Schultern hochziehen.
Schultern hoch, einatmen, ausatmen, entspannen, Blick aufs Cockpit, einmal rundherum. Wenn ich das schnell mache, das geht ganz fix. Und
wenn es beim ersten Mal nicht funktioniert, wiederholst du das einfach nochmal? Dann
kann ich es nochmal machen und genau.
Du hast Psychologie studiert, hast du gesagt. Hast du von Anfang an, als du auch Psychologie studiert hast, das mit dem Ausblick gemacht, ich möchte das irgendwie auch mit Sport, mit Gleitschirmfliegen und so in diese Richtung irgendwie kombinieren?
Ja, weil bei mir war es tatsächlich so, dass ich erst eine Mentaltrainer - und Businesscoach -Ausbildung gemacht habe. Und ich hatte während der Mentaltrainer -Ausbildung einen Unfall mit dem Gleitschirm. Und mir hat das mentale Training extrem geholfen, diese Situation zu verarbeiten, also dieses Erlebnis. Und dass ich wieder entspannter fliegen konnte. Und ich habe ja dann auch angefangen, mentales Training für Gleitschirmpiloten anzubieten. Und es kamen dann aber immer mehr psychologische Themen dazu. Es kamen auch andere Themen dazu. Ich habe das dann für Selbstständige auch angeboten. Und dann habe ich eine Freundin kennengelernt, die dann gesagt hat, sie studiert Psychologie an der Fernuni Hagen. Ich dann solche Ohren bekommen. Und habe mir dann gedacht, okay, Fernuni, da muss ich nicht umziehen.
Das klingt ja ganz spannend. Habe mich da informiert und habe mich dann auch sofort eingeschrieben. Und dann eben fürs nächste Wintersemester dann Psychologie angefangen. Das heißt
tagsüber fliegen, abends studieren, so ungefähr?
So ungefähr, ja.
Wenn du jetzt noch als Mentaltrainerin für die Flieger arbeitest, wie sieht sowas aus? Ist das hauptsächlich Gruppenarbeit oder schon hauptsächlich Einzelarbeit, dass du sagst, ich habe die einzelnen Piloten, die auf mich zukommen und dann arbeite ich mit denen?
Also aktuell mache ich tatsächlich eher Einzelarbeit. Aber ich mache auch Gruppenprogramme. Also ich habe ursprünglich mit Gruppenprogrammen angefangen.
Ja, und dann mit Corona habe ich es dann auch online angeboten. Und jetzt aktuell habe ich eigentlich hauptsächlich ein paar Einzelcoachings. Aber ich möchte schon auch wieder Gruppenprogramme anbieten. Weil Gruppe finde ich eigentlich hat einen großen Vorteil, weil ich dann einfach auch von den anderen lerne. Die anderen haben ähnliche Probleme. Erstens mal erkenne ich, dass ich nicht alleine bin, sondern dass es anderen genauso geht. Und das Zweite ist, ich kann einfach von den Ideen der anderen auch profitieren. Also ich finde Gruppenprogramme super.
Vielleicht gerade bei solchen Sachen, wo du sagst, im Grunde Gleitschirmfliegen die Leute das, was sie erleben oder wie das ist, welchem Medium sie sich aussetzen. Und den Gefühl, den man sich aussetzt, werden nicht bei allen die gleichen sein, aber schon sehr ähnlich. Dass man sagt, das Setting ist ein ähnliches und da kann man sehr schnell über das Gleiche dann halt reden.
Ja, genau.
Von den Fragen, die dabei kommen. Oder bleiben wir mal bei den Einzelcoachings. Gibt es so typische Themen, wo du sagst 60 % oder 70 % oder was auch immer, meiner Coachings, drehen sich immer um das?
Also sehr viele kommen eben mit Ängsten und Unsicherheiten und wollen die Angst loswerden. Und dann muss ich sie immer enttäuschen. Und dann immer sagen, die Angst loszuwerden, ja, das funktioniert nicht so. Also es gibt keinen Zauberstab, der einfach simsalabim und weg ist sie. Sondern die Angst, sage ich mal, ist etwas, was uns begleitet, was beim Gleitschirmfliegen auch dabei ist. Und was auch dazugehört irgendwo. Weil wir halt einfach in einem Element sind, das unsichtbar ist. Und dadurch haben wir einfach viele Unsicherheiten. Und dann wird immer wieder die Angst auftauchen. Es wird immer wieder kommen und sagen, ja, pass auf, da könnte das oder das oder jenes sein.
Und ich sage mal, das sind Gedanken, die unser Verstand produziert. Keine Ahnung, woher die kommen. Das produziert einfach unser Verstand. Und im Endeffekt ist unser Verstand wie ein guter Freund, der uns beschützen möchte. Und manchmal übertreibt unser guter Freund und schickt dann irgendwelche Horrorszenarien, wie wir abstürzen oder Sonstiges. Und das ist die Aufgabe unseres Gehirns, uns eben zu beschützen. Und ich sage immer, das ist wie so ein Vorfahrtsachtenschild oder ein Stoppschild an der Straße. Und ich kann dann aber entscheiden, was ich damit mache. Also wenn ich jetzt an den Vorfahrtsachtenschild hinfahre, ja, dann kann ich nach links und rechts schauen. Wenn kein Auto kommt, dann fahre ich raus.
Aber ich habe halt erstmal Achtung, da könnte es gefährlich werden. Schaue erstmal, also gucke ich und dann alles gut, fahre ich weiter. Und genauso ist es mit unseren Gedanken auch. Also eine Angst, die dann kommt, ist ja in die Zukunft gerichtet. Ist ja meistens nichts, was jetzt real ist, sondern es ist etwas, was in die Zukunft gerichtet ist, was vielleicht auf uns zukommen könnte. Und unser Verstand sagt halt, hey, pass auf, schau dich nochmal um. Ist wirklich alles in Ordnung. Und dann überprüfe ich. Okay, Wind passt, Bedingungen passen, Schirm ist offen, alles gut. Ja, dann gehe ich weiter.
Oder, hey, da hinten, die Wolken werden schon etwas grau oder dunkel. Also das Wetter ändert sich jetzt gerade. Der Wind schaut auch so aus, wenn er gerade zunimmt. Es könnte vielleicht wirklich gefährlich sein. Okay, dann gehe ich landen. Dann bedanke ich mich bei meiner Angst, sage danke, dass du mir diese Signale geschickt hast und mich von der Dummheit bewahrt hast. Dann gehe ich landen. Oder wenn ich sage, nee, das ist jetzt einfach etwas Irreales, das passt überhaupt nicht. Ja, dann fliege ich weiter, obwohl die Signale gesendet wurden.
Sind denn diese Ängste, die dir die Leute schildern, wenn du guckst, woher kommen die? Würdest du dann sagen, gerade bei Gleitschirmfliegern, ist es bei vielen wie eine Urangst, die wir vielleicht haben, weil wir uns in ein Medium begeben, was halt so unsichtbar und wo wir eigentlich nicht hingehören? Oder ist es bei vielen auch eine Angst, die vielleicht eher eine Art traumatische Angst ist, wo sie ein schlechtes Erlebnis haben? Mit was auch immer. Kann ja super gut ausgegangen sein. Einfach, manche kann ja schon ein Trauma sein. Der Schirm klappt einmal ordentlich, rumst richtig. Sie werden einmal durchgeschüttelt, wussten halt für zehn Sekunden nicht, wo sie sind. Der Schirm fliegt danach wieder, aber danach können sie nicht mehr. Dann sind sie in der Angst starr oder sowas. Was würdest du sagen, was überwiegt mehr bei deinen, ich sage Kunden nenne ich jetzt mal.
Sind das so traumatische Ängste oder eher Urängste, die da mitschüren?
Also ich glaube, das ist so fifty -fifty. Also was halt passiert, immer dabei ist es natürlich das Bedürfnis nach Sicherheit. Also Unversehrtheit, dass ich gesund bleibe und dass ich den Flug gut überlebe. Und das Sicherheitsbedürfnis, das ist einfach mal das Grundbedürfnis, was da immer mitschwingt. Und wenn jetzt einer ein schlechtes Erlebnis hatte, wie du sagst, so ein Schock. Also manchmal kann es ja einfach bei einem Anfänger reichen, ein größerer Klapper. Und wenn das einfach sehr eindrucksvoll war, dann ist es halt ein Schock, was dann tief sitzt.
Und andere, die haben vielleicht wirklich eine Baumlandung oder irgendwas gehabt. Und dann ist es selbstverständlich, sage ich mal, dass ich im Anschluss Angst habe. Also wenn ich danach keine Angst hätte, dann würde ja irgendwas mit meinem Organismus nicht stimmen. Weil wenn ich ein schlechtes Erlebnis hatte, das vielleicht sogar wehgetan hat oder ich verletzt war, dann ist es vollkommen normal, dass der Organismus dann so das Vorfahrt -Achtenschild immer wieder rausholt und sagt, hey, pass auf, du bist wieder in einer ähnlichen Situation. Wie damals, das gar nicht gut geendet hat. Pass auf, dass dir das nicht wieder passiert. Und das ist die Angst im Endeffekt. Ich kann dann aber trotzdem entscheiden, höre ich drauf oder höre ich nicht drauf? Und wenn ich weiß, ich habe von Natur aus einfach diese Angst jetzt schon drin, vielleicht aufgrund eines negativen Erlebnisses, dann darf ich eben mit dem Kopf genauer überprüfen.
Okay, wie ist der Wind? Wie ist das Wetter? Sind die Bedingungen wirklich gut für mich oder nicht? Und wenn ich dann feststelle, ja, das passt, dann gehe ich fliegen, obwohl ich die Angst habe.
Von diesen zwei Angsttypen, die wir jetzt gerade hatten, die traumatische Angst und ich nenne sie mal Urangst oder sowas, ist eine von den beiden leichter zu bearbeiten oder sie loswerden, kann man sie nicht ganz, aber sagen, ertragbar zu machen?
Nein, ich glaube nicht. Es ist beides schwierig. Es hängt auch davon ab, wenn ich, also ich denke, ja doch, ein bisschen schwieriger ist es wahrscheinlich schon, wenn ich wirklich ein schmerzhaftes Erlebnis hatte, dann ist es wahrscheinlich ein bisschen hartnäckiger. Aber die Angst, wenn jemand Angst hat, dann hat er Angst, egal ob das jetzt eine Urangst ist oder nicht.
Und ja, und die loszuwerden, also wie gesagt, loswerden funktioniert eh nicht. Die Angst, die wird wahrscheinlich immer da sein. Sie wird auch immer wieder hochkommen. Es ist halt dann meine Entscheidung, was ich damit mache. Und es gibt halt Menschen auch, die von Natur aus einfach ängstlicher sind, von der Veranlagung her. Dann kann ich da auch nicht viel dagegen machen, außer dass ich sage, okay, ich akzeptiere die Angst und tue trotzdem das, was mir wichtig ist. Und das ist eben das Entscheidende. Was ist mir wichtig? Deswegen auch die Frage, warum fliege ich denn überhaupt Gleitschirm? Das sollte ich für mich dann schon beantworten. Warum ist mir das so wichtig? Warum sollte ich Gleitschirmfliegen gehen, obwohl ich Angst habe? Warum sollte ich das tun? Weil normalerweise sagst du ja, wenn ich Angst habe, wenn du ständig Angst hast, dann lass es doch einfach.
Unangenehme Gefühle, das schränkt ja auch nicht unbedingt dein Leben ein. Also dann lass es doch bleiben. Aber da muss ich für mich halt das Warum klären. Warum will ich denn das tun? Warum ist mir das so wichtig? Wenn ich da drüber nachdenke, also wo ich damals den Unfall hatte, ich hatte ja dann auch fast Panikattacken in der Luft. Und da war für mich auch schon fast klar, okay, ich lasse es bleiben. Aber ich habe dann für mich das Warum geklärt. Und das war für mich dann so wichtig, dass ich dann gesagt habe, nee, ich mache das jetzt trotzdem, auch wenn die Angst mitfliegt. Aber ich gehe trotzdem fliegen. Und irgendwann wird es dann auch besser.
Das heißt, Angst ist auch eine Gewöhnungssache?
Ja. Oder der
Umgang mit der Angst. Nicht die Angst ist eine Gewöhnungssache, sondern aber, dass man mehr sich auch daran gewöhnt zu sagen, okay, das ist die Situation, die meine Angst auslöst. Aber der Körper lernt, jetzt hast du schon wieder zehnmal dieselbe Situation gehabt, ohne schlimmen Ausgang. Dann wehr dich mal die Angst ein bisschen ab.
Ja, der Körper fährt sie runter. Und das Interessante ist, also wenn ich die Angst akzeptiere, also dass ich akzeptiere, dass ich Angst habe, dann wird sie auch nicht größer. Das Problem ist, wenn ich dagegen ankämpfe. Also wenn ich merke, okay, ich habe Angst und ich sage dann, nein, ich will die nicht haben. Ich schiebe die jetzt weg. Die muss weg sein. Die muss ich jetzt unterdrücken. Dann wird die Angst größer. Also weil Druck löst halt Gegendruck aus. Und umso mehr ich versuche, etwas nicht zu haben, desto größer wird es. Also wenn ich sehe, wenn ich jemandem sage, der vor Menschen reden soll, der läuft rot an und ich sage zu dem, lauf auf gar keinen Fall rot an. Tu alles, um nicht rot anzulaufen. Dann macht es pieken. Und fliege nicht
in diesen Baum. Genau.
Und das funktioniert nicht. Und deswegen ist eigentlich besser zu akzeptieren, okay, ich habe jetzt Angst. Okay, ich habe jetzt die und die Gedanken. Okay, ich habe die und die körperlichen Reaktionen. Mein Herzschlag geht nach oben. Okay, meine Knie zittern. Aha, okay. Und dadurch, dass ich mir das bewusst mache, das ist im Prinzip eine Achtsamkeitspraxis, indem ich mir bewusst mache, okay, welche Gedanken habe ich? Welche körperlichen Reaktionen habe ich? Welche Handlungsimpulse habe ich? Welchen emotionalen Ausdruck habe ich? Was geht in mir vor? Und indem ich mir das bewusst mache, wird dieser ganze Prozess etwas verlangsamt. Und dann kann ich eben auch entscheiden, okay, das ist alles da.
Interessant. Und wie so ein Wissenschaftler so, ah ja, diese Gedanken lösen aus, dass mein Knie zittert. Ah, interessant. Und dadurch bin ich schon ein bisschen distanzierter und kann dann aber auch entscheiden, okay, das ist zwar da, es ist unangenehm, das bringt mich jetzt nicht um und ich gehe trotzdem weiterfliegen. Ich meine, wir müssen da natürlich schon unterscheiden. Also wenn einer, diese körperlichen Reaktionen führen ja auch teilweise zu Verspannung. Und wenn ich zu arg verspannt bin in den Muskeln, dann kann ich natürlich auch den Gleitschaum nicht mehr gut händeln. Und ausgleichen. Und da darf dann jeder auch in sich hineinhören, wenn das halt dann zu stark wird und zu viele körperliche Reaktionen hat, dass ich dann auch sage, okay, jetzt ist es gerade einfach zu viel für mich und ich gehe jetzt landen.
Weil sonst wird es halt dann auch gefährlich, wenn ich dann irgendwann mich nicht mehr bewegen kann oder nicht mehr reagieren kann, ist ja das beim Kletschenfliegen auch nicht sinnvoll.
Gibt es manchmal, dass du auf Leute triffst, wo du sagen würdest, eigentlich würde ich dir am liebsten anraten, nicht mehr zu fliegen, weil ich mitkriege, da sitzt sowas so tief oder da ist, du kommst immer in eine, fliegerisch jetzt in eine Angststarre hinein, die für dich richtig gefährlich ist. Und wo man eigentlich sagen würde, für deine eigene Sicherheit, dein eigenes Wohlergehen, solltest du besser nicht mehr in die Luft gehen. Ist dir sowas schon mal vorgekommen?
Also zumindest mal nicht von meinen Klienten. Also wenn ich die merke, dass die große Angst haben, also die sind dann schon auch vorsichtig, dass sie dann halt nicht bei hochthermischen Bedingungen fliegen. Also die sind dann schon in ihrer Komfortzone drin. Und da geht es eigentlich eher darum, dass man dann mal schaut, okay, vielleicht die Komfortzone mal ein bisschen antesten und mal einen Schritt weitergehen. Aber da ist halt auch die Kunst, nicht einen Riesenschritt zu machen, sondern es geht halt um Minischritte. Weil wenn ich halt einen Minischritt mache, dann gehe ich so ein bisschen aus meiner Komfortzone raus, was dann auch selbstverständlich Nervosität mit sich bringt. Aber wenn ich halt einen zu großen Schritt mache, dann kann halt leicht auch Panik entstehen.
Und Panik ist halt das, was wir in der Luft gar nicht gebrauchen können.
Ich erlebe es manchmal, also ich begleite häufiger mal Vereinsausflüge, wo du alle Pilotenniveaus zusammen hast. Und die sind dann alle am Startplatz und es sind am Anfang die Bedingungen vielleicht noch thermisch schwach und sagen, da könnte man sagen, es ist jetzt eigentlich für die Nicht -zu -Erfahrenen besser, jetzt rauszugehen. Dann gibt es aber die ängstlichen Nicht -zu -Erfahrenen, die dann immer sagen, ich warte noch ab, ich gucke erst mal, wie es so geht. Und dann dauert das und dann denkst du, du wartest jetzt aber wieder so lange und guckst so lange, bis es eigentlich für dich keine guten Bedingungen mehr sind, wo du eigentlich wieder nur Erfahrungen machst, die dir vielleicht eher wieder Angst machen, weil die Thermik da mittlerweile so stark ist, dass es dich halt rumbeutelt und sonst was.
Gibt es da einen Tipp, wie man solche Leute dahin bringen kann, zu sagen, ich traue mir schon vorher mehr zu, um eben die schlimmeren Situationen zu vermeiden?
Ja, also ich sollte, also das ist ein ganz wichtiger Punkt, vor allem umso mehr ich am Startplatz stehe und sitze und mir die anderen zuschaue, desto größer wird ja auch die Angst. Also sinnvoll wäre es schon, möglichst schnell zu starten, allein damit die Angst gar nicht erst größer werden kann, weil mein Gedanken, das dreht sich ja immer weiter und umso mehr ich mir Gedanken mache, desto größer wird dann auch die Angst und es breitet sich immer mehr aus. Und dann kommt es noch dazu, dass die Bedingungen dann tatsächlich schwieriger sind. Also wäre es sinnvoll, wirklich früh zu starten. Und das kann ich denen auch einfach mal sagen. Ich meine, ich kann aber sagen, jetzt sind die Bedingungen super,
du möchtest eher ruhige Bedingungen haben, die sind jetzt, wenn du eine Stunde wartest, dann sind sie nicht mehr ruhig. Also meine Empfehlung wäre, dass du jetzt startest. Ob der das dann macht oder nicht, ist natürlich dann die Entscheidung von dem anderen.
Ja, in meinem Leben ist es dann häufig so, dass die Leute stehen und denken, okay, die guten Piloten, die warten jetzt alle noch. Ich will ja vielleicht auch Thermik fliegen, auch wenn sie es noch gar nicht können. Und gleichzeitig kommt, glaube ich, bei manchen so daraus, oh, jetzt gucken mir alle guten Piloten zu, wie ich jetzt hier raus starte mit meiner Unsicherheit, wo ich eh so selten fliegen gehe. Wenn ich jetzt früh starte, sind wirklich alle anderen schon oben, die noch warten und mir gucken nicht nur 10 zu, sondern jetzt gucken 50 zu. Gibt es da irgendwie einen Tipp, wie kommt man mit solchem Startstress besser zurecht? Eben so einem Theater -Effekt, wo du sagst, ich habe so viele Zuschauer. Das macht mir hauptsächlich Angst, dass ich denke, ich blamiere mich oder was auch immer das ist.
Ja, das erlebe ich auch immer mal wieder, dass Piloten eben Angst haben, dass sie sich blamieren könnten. Und da sage ich dann ganz gerne, denk doch mal drüber nach, wie viel du denn drüber nachdenkst über die anderen Piloten. Ich meine, es ist vollkommen normal, dass wenn einer einen Schirm aufzieht, dass dann alle im Blick dahin gehen
und das anschauen. Aber wie viel denken wir denn darüber nach, was damit ist? Also realistisch betrachtet schauen wir, okay, der Start war gut oder der war schlecht und sehen dann vielleicht, okay, da war ein Klapper oder keine Ahnung was. Aber im Endeffekt registrieren wir das und das war es dann auch schon. Und dann denken wir an ganz was anderes. Und genauso, wie wir wenig über andere nachdenken, ob das jetzt ein guter Start war oder ein schlechter Start war oder ob der sich jetzt blamiert hat oder nicht, genauso denken ja die anderen über mich auch nach. Also die schauen zwar, das ist einfach ein Reflex, ein körperlicher Reflex, der ausgelöst wird, aber die Gedanken sind im Endeffekt ja minimal, was die sich über uns Gedanken machen.
Also wir dürfen gerne mal davon ausgehen, dass die sich eigentlich gar nichts dabei denken und dürfen gerne mutig sein und an den Start gehen. Und ich sage auch immer, ich nehme eine aufrechte Körperhaltung ein. Also wenn ich eine aufrechte Körperhaltung habe, dann fühle ich mich auch ganz anders, als wenn ich so ein bisschen verängstigt an den Startplatz gehe, sondern einfach aufrecht sein, aufrecht stehen, eine Körperhaltung einnehmen wie jemand, der wirklich selbstbewusst ist
und dann wirkt sich praktisch diese Körperhaltung auch auf meine Stimmung aus und auf mein Selbstvertrauen. Da gibt es auch so eine interessante Studie von Amy Cuddy, die hat das mal untersucht, so eine Seesternhaltung, also Arme hoch, Beine hüftbreit, Kopf nach oben und lächeln und so fünf Minuten dastehen und die hat dann ihre Probanden einen Stresstest unterzogen und dann eben zwei Gruppen, die einen, die so in dieser Seesternhaltung waren vorher und eine Gruppe, die das eben diese Anweisung nicht hatten und die mussten dann von 1.053 in 13er Schritten rückwärts zählen laut vor einem Komitee und anschließend sich präsentieren, sich selber gut präsentieren und die haben eben festgestellt, dass die, die vorher diese Seesternhaltung gemacht hatten, die waren natürlich auch nervös, aber sie haben weniger Fehler gemacht beim Zählen und sie konnten sich auch besser präsentieren,
die eben diese Seesternhaltung nicht hatten und das ist eben so der Beweis dafür, dass die Körperhaltung tatsächlich darauf wirkt, wie wir uns fühlen und was für eine Leistung wir dann tatsächlich auch bringen können.
Also sehen wir demnächst mit diesem Tipp lauter Leute mit Seesternhaltung am Startplatz. Jetzt ist es gleich Viertel nach, ich glaube, wir müssen mal Pause machen. Okay. Aber bis dahin, danke dir schon mal.
Ja, gerne.
Kommen wir zum Teil 2 von diesem Podcast. Teil 2 ist es, weil wir sind gerade im Sauerland bei einem Wettbewerb, dem NRW Cup. Es regnet draußen und es gab zwischendurch ein Briefing, an dem wir teilnehmen mussten, um dieses Briefing zu hören, um dann jetzt wieder Zeit zu haben, den Podcast weiterzumachen, weil es regnet immer noch. Magst du Regen?
Ach, manchmal ist es ganz nett.
Beim Fliegen?
Nein, beim Fliegen natürlich nicht. Aber manchmal ist so ein Regentag ganz gut, weil man dann mit gutem Gewissen einfach mal entspannen kann.
Wie entspannst du am besten?
Ach, am liebsten in der Sauna. Tatsächlich, wenn es schön warm ist und ja.
Es gibt ja, glaube ich, in Ohlsberg gibt es eine Therme. Da könntest du heute noch in die Sauna fahren, falls sie das nachher absagen und nicht noch darauf hoffen, dass hier noch die Sonne irgendwie rauskommt oder zumindest der Regen aufhört und man noch an Stüppel, dem Startplatz hier dem Nächsten, irgendwie sohren kann.
Ja, vorausgesetzt wir kommen hier raus.
Ja, vorne ist es geteert, da ist es nicht so matschig und die Retrieve -Busse, die stehen vorne, die fahren nicht hier hinten auf die Wiese, wo das Bus jetzt steht, in dem wir hier das gerade aufnehmen.
Wettbewerb, warten, das ist immer etwas, wo viele Leute sagen, das ist das Schlimmste eigentlich beim Wettbewerb, dass man immer so viel wartet. Wie erlebst du das?
Ja, es gibt schon Tage, wo man lange warten muss und ich glaube, das mag keiner so wirklich gerne. So am Anfang von einem Wettbewerb ist es ja mal ganz nett, weil man dann die anderen Piloten wieder trifft und sich mit denen austauschen kann und wenn das dann aber so zwei, drei Tage ist, dann, ja, dann wird es manchmal schon ein bisschen lang, das Warten.
Aber Socializing ist doch auch nett mit der Flieger -Community. Ja. Geht es dir denn dann trotzdem auch manchmal so, dass du sagst, ich kann dieses Flieger -Gequatsche nicht mehr hören?
Also, nein. Also, wie gesagt, wenn man dann mal auf einem längeren Wettbewerb ist, der mal eine Woche geht und es ist eine Woche lang Regen, also dann ist es auch mal gut, wenn das dann irgendwann vorbei ist.
Aber ansonsten ist es immer wieder nett, die anderen Piloten zu treffen und sich mit denen auszutauschen. Das ist auch ein Grund, warum ich gerne auf Wettbewerbe gehe, weil man dann immer wieder die Leute trifft und es ist irgendwie wie so eine kleine Community.
Eine Fliegerfamilie, die sich da bildet.
Ja, genau.
Wie offen reden da eigentlich die Piloten untereinander über ihre Gefühle?
Also, wenn ich sie frage, dann eigentlich schon sehr offen. Also, ich kann mich auch noch erinnern, ich war mal in der Türkei auf dem World Cup und da waren wirklich heftige Bedingungen. Also, da war es sehr trocken, es war auch sehr hoch. Also, es war in Ost -Anatolien, da sind ja die Berge sehr, sehr hoch und trocken, heiß und viel Wind und das war dann schon teilweise wie so ein Hexenkessel und ich weiß noch, da bin ich an einem Tag, ich habe dann irgendwann gesagt, mir reicht es, ich gehe jetzt landen, mir ist es zu heftig und es ist ein einziger Pilot ins Ziel geflogen und den hatte ich dann hinterher gefragt, ob er sich nicht gefürchtet hat und er hat mir dann gesagt, doch, er hat sich fast in die Hosen geschissen.
Aber er ist trotzdem weiter geflogen, weil er überzeugt war, dass er mit den Bedingungen klarkommt und dass es für ihn okay ist. Und das ist, glaube ich, auch das Wichtige, dass wir wissen, was wir können und wo unsere Fähigkeiten sind und wenn mir halt die Bedingungen einfach für meine Fähigkeiten nicht ausreichen, dann ist es auch gut, dass ich Angst habe und dass ich dann nicht fliegen gehe. Also, das ist dann durchaus vernünftig.
Sprechen wir trotzdem als Piloten vielleicht eigentlich zu wenig über die Gefühle, die wir beim Fliegen haben? Viele Gespräche sind ja die coolen Erlebnisse oder die coole Darstellung, dass man sagt, da war es so und so und da habe ich den Klapper oder da hat es mich so hingerissen und keine Ahnung was. Aber weniger über diese Zwischentöne, die dann sicherlich in jeder Fliegerseele auch mitschwingen.
Ja, das kann schon sein. Also, wie gesagt, wenn ich dann die Leute direkt darauf anspreche, dann antworten sie schon, aber von sich aus, klar, da erzählen das die wenigsten.
Woran liegt das, dass da eigentlich eher die Coolness im Vordergrund steht und eigentlich, man hätte so viel miteinander zu teilen. Weil das, was die Leute, tierisch erleben, ist ja eben nicht nur die Coolness, sondern das sind ja ganz andere Emotionen, die man dann auch da in der Luft auch hat.
Und geteiltes Leid oder geteilte Freude, also geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist ja meistens doppelte Freude. Da könnte man doch eigentlich, wenn man mehr in der Community auch breiter über sich und seine Erlebnisse dort sprechen würde, sogar das eigene Erleben auch noch toppen.
Ja, das ist richtig. Aber warum man nicht so über seine, sag ich mal, negativen Emotionen spricht, ich glaube, das liegt einfach daran, wir streben ja alle nach Anerkennung und wenn ich mir jetzt die Social -Media -Kanäle anschaue, ich meine, da wird ja auch nur gepostet, was man gut gemacht hat und was toll gelaufen ist und über die Misserfolge wird ja wenig gesprochen. Und wenn ich mir halt auch Piloten anschaue, die halt sehr, sehr erfolgreich sind, dauerhaft erfolgreich sind, dann sehen wir immer, ah, wie toll und cool. Aber die haben ja auch alle irgendwo Misserfolge gehabt, so geteilt. Es wird halt immer nur das Schöne dargestellt. Man will sich ja immer möglichst gut präsentieren, das ist irgendwie auch so ein Bedürfnis von uns, dass wir uns immer gut darstellen wollen und dann wird halt über die negativen Seiten nicht so gesprochen.
Erlebst du es denn, oder erst mal anders gefragt, wie lange fliegst du eigentlich schon?
Also 1994 habe ich angefangen.
Okay, also du hast angefangen lange vor Social Media auf jeden Fall. Ja, genau. Bevor diese ganze Facebook, Instagram Bubble und sonstiges da hochkam. Hast
du erlebt,
wie Piloten damals miteinander umgingen, beziehungsweise was dann die Helden -Stories waren oder sonst was? Hast du erlebt mit der Zeit, dass durch Social Media und diese Bilder -Darstellungswut auf Instagram und sowas, dass sich was auch in der Art geändert hat, wie Piloten ihr Fliegen erleben oder wie sie darüber reden oder was sie als Druck empfinden oder was auch immer?
Kann ich jetzt gar nicht genau sagen. Also ich bin ja in meiner Anfangszeit nicht so viel geflogen. Also ich bin ja am Anfang tatsächlich wenig geflogen, weil ich auch, also ich habe mit 16 angefangen und hatte auch nicht das Geld, dass ich einen eigenen Schirm hatte. Ich habe mir dann immer einen Schirm von der Flugschule ausgeliehen. Und so richtig viel bin ich ja dann erst später geflogen.
Aber ja, es kann schon sein. Also ich meine, jetzt erlebe ich es halt so, dass man viel halt über Fluggebiete postet. Also was halt hinzugenommen hat, viele posten dann halt, wo sie gestartet sind und die Fluggebiete an sich. Und dadurch werden halt auch so diese Geheimtipps, die gehen halt so verloren. Also wenn ich bei uns schaue, da gibt es so einen Berg, wo wir früher schon mal wieder geflogen sind, auch wenn es nicht gerne gesehen wurde. Aber man ist halt da geflogen und man hat es halt nicht gepostet.
Und in Instagram oder auf dem XC sieht man dann, okay, da war der Startplatz und dann kommt noch das Bild dazu, oh cool. Und dann sind dann halt dann nicht mehr fünf, sondern auf einmal 50. Und das wird dann halt einfach nicht mehr geduldet von den Anwohnern oder von den Gebieten. Und dann ist halt jetzt zum Beispiel bei uns ein Fluggebiet komplett verloren gegangen. Was aber nie ein
offizielles Fluggebiet war, sondern nur ein für die Locals bekanntes. Da kann man mal hochlaufen und mal runterfliegen, wenn es schön ist. Genau.
Und jetzt ist es halt komplett gesperrt. Also jetzt darf man da halt gar nicht mehr. Und so sage ich mal, diese Geheimtipps, die sind halt jetzt immer mehr verloren gegangen durch das Posten in Social Media.
Siehst du denn noch positive Sachen in Social Media? Also für die Pilotenschaft? Ja. Auch was die Darstellungswut oder sowas betrifft, dass man sagt, daraus kann man trotzdem was Positives ziehen?
Ja, also ich meine, ich schaue ja auch,
wenn ich mich nicht auskenne, zum Beispiel hier im Sauerland war ich noch nie, haben wir uns natürlich auch auf YouTube mal umgeschaut, ob es da ein Video gibt und haben dann halt auch gesehen, schaut ja ganz nett aus, sieht ja schön aus, wie man hier fliegen kann. Ja, da gehen wir auch mal hin. Und da kann ich mich halt vorher schon mal einfach ein bisschen informieren und gucken, wie die Landschaft ausschaut. Oder jetzt auch, wenn ich ein XC anschaue, was es ja früher auch nicht gab. Aber im XC kann ich halt dann auch schon mal schauen, wie werden dann typischerweise Flüge absolviert in diesen Gebieten und kann mich da einfach schon vorab informieren. Und natürlich auch der Austausch, also wenn ich dann irgendwo einen Tipp brauche, dann schreibe ich in irgendeine Kleidschirmgruppe und sage, hey, ich fahre da und dahin, habt ihr mir da einen Tipp? Und dann kommt da auch meistens irgendwas zurück.
Und meistens sehr positive Rückmeldungen, gute Tipps.
Manchmal habe ich so den Eindruck, wenn man so Facebook liest, was so Leute posten, dass manche sogar richtig faul geworden sind. Also sich gar nicht mehr selber mal was ergoogeln und sagen, ich gucke mir die Seiten an, sondern man haut es erstmal einfach so in Facebook rein und sagt, kann mir jemand einen Tipp zu so und so geben? Und dann wartet man und es gibt immer, also es ist ja freundlich auf der einen Seite, gleichzeitig denke ich immer, wie viele Leute sich dann wirklich davon einnehmen lassen und sagen, ah, das ist jetzt so social, also muss ich da was zurückschreiben oder sonst was.
Und da wirklich sich auch auf gewisse Weise vielleicht auch Zeit klauen lassen dann von anderen. Ja,
ich meine, das ist ja Social Media generell, dass ich wahnsinnig viel Zeit dort verlieren kann, wenn ich mich da drin verliere, im wahrsten Sinne des Wortes. Also wenn ich in Social Media aktiv bin und da ganz viel poste und mich mit anderen austausche, das sind ja zwei Stunden weg wie nichts. Und ich habe das auch gemerkt, also mich hat das eine Zeit lang dann genervt, dass ich so viel Zeit in Social Media verliere und habe mich dann mal komplett rausgenommen und habe dann auch gemerkt, oh, das geht ja auch ohne.
Ja, und ich glaube, man darf für sich selber einfach einen Weg finden, wie es für einen gut ist. Ich meine, es gibt welche, die gehen da total auf und finden das super. Meine Online -Community ist auch eine Community, wo ich mich mit anderen austauschen kann. Aber wenn ich merke, dass mir das eben nicht gut tut, dann darf ich mich da auch gerne wieder zurücknehmen und eher im wahren Leben meine Kontakte suchen. Und ich denke, das Gute an Social Media ist, dass ja jeder für sich selber entscheiden kann, wie aktiv er dort sein möchte oder nicht. Aber wenn man jetzt zum Stresserleben oder so wechselt, dann kann man auch sagen, okay, es kann viel Stress auslösen, es kann auch Druck machen, wenn ich immer nur sehe, was die anderen für tolle Erfolge haben.
Aber da darf ich mir auch bewusst machen, dass es eben nicht das wirkliche Leben ist, sondern es ist halt die beste Darstellung von einem selber und es werden halt Misserfolge oder Pleiten, Pech und Pannen werden ja selten gepostet, das Ideale.
Was ich bei uns in der Region erlebe oder auch im Verein, wo ich bin, da gibt es auch WhatsApp -Gruppen und sowas, da wird halt auch immer gepostet, wo geflogen wird oder wer gerade wo. Und dann wird halt auch mittlerweile viel unter der Woche geflogen, weil irgendwer, entweder sie sind schon Rentner oder sonst was oder irgendwer hat immer mal Zeit oder ein bisschen Homeoffice und kann abends arbeiten oder sowas, was früher nicht so war oder zumindest nicht so wahrgenommen wurde, weil es nirgendwo aufschien. Und wo ich da mitkriege, dass Leute, die halt nicht so flexibel sein können, da dann fast mehr Frust entwickeln, weil die sehen, ah, dauernd gehen Leute fliegen und ich will doch auch mal und sowas. Und das hat zum einen die positive Entwicklung, dass zum Teil Leute viel mehr animiert werden, mal zu fliegen und viel Fliegen trägt ja dann auch wieder zur eigenen Sicherheit und dembei, also sie werden selber besser, auf der anderen Seite aber auch zu mehr, bei denen die halt nicht fliegen gehen können, dann im Grunde zu mehr Frust beiträgt, weil sie immer sehen, alle anderen fliegen, nur ich komm nie dazu und dann will ich mal und an diesem Wochenende, gerade dieses Frühjahr ist so scheiße, ist am Wochenende immer schlechtes Wetter und nur der Mittwoch ist gut oder sowas und dann sieht man immer am Mittwoch sind so tolle Strecken geflogen und dann will ich mal am Wochenende und dann geht wieder nichts.
Wie geht man mit solchen Frustmomenten am besten um?
Also ich sag mal immer mal hinter die Kulissen schauen, weil die, die halt immer Zeit haben, die haben auch nicht immer Zeit, sondern die haben halt gerade mal da vielleicht Zeit gehabt, aber sonst halt viel am Arbeiten oder haben andere Dinge, die verzichten vielleicht auch auf etwas, also ich kenne bei uns im Bekanntenkreis halt auch welche, die wirklich minimalistisch leben und dadurch halt auch viel Zeit haben, weil es hängt ja auch immer davon ab, welchen Lebensstandard möchte ich für mich selber gönnen, also es gibt Menschen, die brauchen nicht viel zum Leben und da reicht es halt, dass die einfach nur, sag ich mal, einen Nebenjob machen und kommen über die Runden und wenn ich aber für mich entschieden habe, ne für mich, ich brauche einen höheren Lebensstandard, ich möchte nicht so minimalistisch leben, ja dann arbeite ich halt auch mehr und
hab dann halt vielleicht nicht am Mittwoch Zeit, um das schöne Wetter auszunutzen und da sag ich mir immer, da darf jeder auch mal für sich entscheiden, was ist denn für ihn wichtig im Leben oder wenn ich eine Familie hab, ich mein, Kinder brauchen Zeit, Partner braucht Zeit und wenn mir mein Partner und meine Kinder wichtig sind, ja dann sollte ich mit denen auch Zeit verbringen und kann dann vielleicht auch mal auf dem Flugtag verzichten, weil mir halt meine Familie in dem Moment wichtiger ist. Wenn ich aber sag, okay, ich stell das Fliegen über alles und schau, dass ich einen minimalistischen Lebensstil hab, weil mir das Fliegen einfach so viel bedeutet, ja okay, dann hab ich vielleicht viel Zeit zum Fliegen, hab aber vielleicht wenig Geld, um einen hohen Lebensstandard zu haben und verzichte vielleicht auch auf den Partner, weil der das vielleicht nicht mitmachen würde
und da darf ich halt für mich dann auch immer wieder schauen, okay, was ist mir denn wirklich in meinem Leben wichtig, hat das Fliegen wirklich so einen hohen Stellenwert, dass ich jeden Flugtag mitnehmen muss oder sind mir eben auch andere Dinge wichtig im Leben?
Wie hältst du es mit der Work -Life -Fly -Balance?
Also ich mach im Winter viele Seminare zu Psychologie und im Sommer versuch ich möglichst viel zum Fliegen zu gehen. Das ist so meine Work -Life -Balance.
Wär's aber aus Sicht der Kunden nicht sinnvoller, mit ihnen im Sommer drüber zu sprechen, wenn die Erfahrung, die sie gerade gemacht haben und die Erlebnisse eigentlich frisch sind, anstatt dann zu sagen im Winter arbeiten wir das mal auf. Die ganzen Ängste, die du im Sommer aufgestaut hast vielleicht.
Ja, das mach ich ja in Einzelcoachings und dadurch, also wenn ich jetzt Piloten im Einzelcoaching hab, die wollen ja dann auch bei Regenwetter drüber reden, nicht bei Sonnenschein. Das passt dann ganz gut. Und das machen wir dann im Einzelcoaching online meistens, also viele wohnen ja jetzt nicht bei mir um die Ecke, sondern sind dann weiter weg, also da arbeiten wir dann online zusammen. Und ich arbeite ja jetzt nicht nur mit Gleitschirmpiloten, sondern ich gehe ja auch in Firmen und mach da Seminare zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz und Resilienz. Und diese Seminare, die mach ich dann eher im Winter, in den Wintermonaten.
Zu den Leuten, die zu dir kommen, zu so einem Mentaltraining, sind das auch schon Teil, oder nicht schon, sondern sind das auch manchmal noch wirklich erfahrene Piloten, die auch toll im Wettbewerb sind, aber die sagen, ich will mir da mal so ein Mentalcoaching holen? Oder sind das eher die weniger erfahrenen, die, die sagen, ich hab da meine Angstmomente und ich komm deswegen halt kaum in die Luft. Was bei denen ja nicht ist, auch wenn die vielleicht auch ihre Angstmomente haben.
Also sowohl als auch. Also ich hab auch erfahrene Piloten, die zu mir kommen, auch Wettbewerbspiloten. Und es gibt auch welche, die halt wirklich unerfahren sind und mit ihren Ängsten kämpfen. Ich mein, mentales Training, also ich hab auch eine Sportpsychologenausbildung, also es geht ja jetzt nicht nur um Ängste, sondern es geht natürlich um Zielsetzung, es geht aber auch um Entspannungsfähigkeit zu erhöhen, es geht um Visualisierung oder dann eben auch Selbstwirksamkeit erhöhen. Solche Sachen, genau. Also es ist nicht nur Ängste. Ängste ist ein Teilbereich davon.
Das heißt, die Fragen sind auch andere. Die Wettbewerbspiloten kommen dann eher mit diesen Wie kann ich meine Ziele setzen? Oder wie kann ich mich darauf fokussieren? Oder wie kriege ich das besser hin? Ja. Wenn vielleicht die Anfängerpiloten oder Anfänger in Anführungszeichen, also die weniger erfahrenen, vielleicht eher mit diesen Urängsten Geschichte oder sowas da noch mehr daherkommen.
Genau. Also ist dann häufig so. Und Zielsetzung ist immer ein ganz, ganz wichtiges Thema, weil viele, also gerade im Wettbewerb, die meisten gehen aus meiner Sicht viel zu ergebnisorientiert an die Geschichte ran. Also ich meine, klar, wenn ich auf den Wettbewerb gehe, will ich ein möglichst gutes Ergebnis haben. Aber das kann es halt nicht alleine sein, sondern ich sollte auch schauen, dass ich andere Ziele noch verfolge, weil wenn ich nur aufs Ergebnis schaue und ich meine, wenn ich jetzt versuche, aufs Podest zu kommen, hier sind jetzt 100 Piloten am Start, also es werden vielleicht von den 100, sage ich mal 60 probieren, aufs Podest zu kommen, aber nur drei schaffen es halt, da kann, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich gefrustet werde, doch relativ hoch. Und ich habe es auch schon erlebt im World Cup, dass einer in die Top 10 reingeflogen ist und vor lauter Frust am liebsten seinen Schirm verbrannt hätte, weil er halt nicht auf dem Podest steht.
Und das passiert halt, wenn ich total ergebnisorientiert bin. Wenn ich aber eben auch schaue, okay, ich schaue auf meinen Prozess oder auf Technikverbesserung oder dass ich halt gelassener bin, dass ich meine Haltung innerlich verbessere oder meinen Fokus halten kann und das dann als Ziel erreicht habe, dann kann ich auch mit einem, sage ich mal, mittelmäßigen Ergebnis
zufrieden sein, wenn ich meine anderen Ziele erreicht habe. Und ich sage mal, das Ergebnisziel ist ja etwas, was ich gar nicht selber beeinflussen kann, weil ich kann den besten Flug meines Lebens absolvieren und bin halt trotzdem bloß 20. oder 50. wenn die anderen halt noch besser geflogen sind. Und da ist es viel besser drauf zu schauen, welche innere Haltung habe ich oder welche Haltung brauche ich, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen, welche Fähigkeiten brauche ich und dass ich mich darauf konzentriere und meine Fähigkeiten, meine Haltung und meine Strategie vielleicht auch verbessere.
Man guckt ja immer so, oder man vergleicht sich gerne und guckt auf Leistung. Und Leistung im Fliegen wird ja entweder im Wettbewerb mit Plätzen gemessen oder dann mit Punkten und der eine hat 1000, der andere hat nur 970 oder was auch immer. Beim freien Fliegen gibt es halt die XC -Punkte, die man dann im DRV -XC oder XContest und sonstiges hat und kann dann sagen ah, ich hatte nur 60 und der andere hat 70 und ah, das wurmt mich jetzt wieder.
Gleichzeitig hat man ja gerne so was, vielleicht liegt das auch in der Natur des Menschen, dass man sich messen will auch mit anderen. Aber wenn man das nur auf diese Punkte reduziert, misst man sich ja immer nur in diese einen Dimensionen. Und dabei gibt es halt noch andere Sachen, wo man sagen kann, die Schönheit des Fluges oder ein super schöner Flugstil, wo man sagen kann, der andere fliegt eigentlich viel schöner, ästhetisch schöner als ich oder sowas. Gibt es eine Möglichkeit, wie man auch da quasi ein Maß finden könnte für sich, um zu sagen, wenn man sich nur vergleichen will, dass man sagen könnte, okay, der andere hat vielleicht die 10 Punkte mehr geflogen, aber für mich ist dieser Flug aus einem anderen Grund im Vergleich so viel mehr wert.
Ja, also im Endeffekt geht es darum, für mich selber bewusst zu machen, warum ich fliegen gehe. Deswegen wieder die Eingangsfrage, warum habe ich das Fliegen angefangen oder warum gehe ich fliegen, warum ist mir das so wichtig, was sind meine Werte dahinter und was sind meine Ziele bei dem Fliegen. Und ich kann mich auch erinnern, also als ich angefangen habe mit dem Streckenfliegen, war es genauso, wie du jetzt gerade gesagt hast, man vergleicht sich so mit anderen. Ich hatte mir dann auch so Vergleichspiloten rausgesucht im XC, die so ungefähr so gut sind wie ich, also ich habe sie so eingeschätzt. Und ich kann mich da noch an einen Flug erinnern, da ist mir mal was gelungen, was vorher noch nie geklappt hat. Ich hatte mich riesig gefreut, das war ein wunderschöner Flug und ich war so stolz auf mich, dass mir das gelungen ist und lade den Flug dann im XC hoch und sehe dann, dass einer meiner
Vergleichspiloten zehn Kilometer weitergeflogen ist. Und in dem Moment so Frust, so richtig scheiße. Und dann war dieses ganze tolle Erlebnis war im Prinzip dahin, weil jemand zehn Kilometer weitergeflogen ist. Und da habe ich dann für mich gesagt, hey bist du jetzt eigentlich bescheuert? Das kann es doch gar nicht sein. Es war ein toller Flug, du hast was geschafft, was vorher noch nie geklappt hat. Und jetzt kannst du einfach mal stolz auf dich sein.
Was war das, was da geklappt hat?
Ich weiß gar nicht, ehrlich gesagt. Es war irgendwie bei uns im Allgäu ein Flug und irgendwie eine Talquerung hat da super gut geklappt. Aber ich weiß noch, wie ich mich gefreut habe und ich kann mich noch so an diesen Frust erinnern, dass jemand wirklich weitergeflogen ist. Und das ist einfach nur schade, weil das Fliegen einfach viel, viel mehr hat. Und wenn ich etwas schaffe, was ich vorher eben noch nicht erreicht hatte, dann darf ich mich darüber freuen. Und ich bleibe dann lieber mit mir und auch im Wettbewerb. Also wenn halt ich es geschafft habe, konzentriert zu bleiben, bei mir zu bleiben, meine Aufgabe so zu fliegen, wie ich es mir ausgemalt habe und es klappt und jemand anders ist halt dann ein bisschen schneller im Ziel, ja dann darf ich mich für den anderen freuen und kann aber trotzdem mich auch darüber freuen, dass ich einen tollen Flug hatte.
Wie ehrgeizig bist du?
Wie ehrgeizig bin ich? Keine Ahnung, gibt es da eine Skala?
Du kannst deine eigene Skala definieren, aber wenn du dich so erlebst, also gibt es eine gewisse Form von Ehrgeiz, würde man sagen, es gibt so einen unterdurchschnittlichen, jemand der eigentlich für gar nichts, also nach Leistung gar nicht schielt, dann so einen durchschnittlichen und dann vielleicht einen, wo du sagst, der Ehrgeiz wird dann schon manchmal, kriegt so seine negativen Seiten, man wird schon verbissen dabei.
Genau, also für mich ist einfach wichtig, dass die Freude im Vordergrund steht. Und das ist auch das, also wie gesagt, es muss Spaß machen, es muss Freude machen, es muss ein tolles Erlebnis sein und das Ergebnis dann am Ende ist, sage ich mal, einfach noch das i -Tüpfelchen obendrauf. Also wenn dann ein Podest platzt oder so dabei rauskommt, dann ist es super, dann ist es on top, klasse gelaufen, aber wenn ansonsten, sage ich mal, das gut war, ein toller Flug hatte, schöne Erlebnisse hatte und ich mit mir zufrieden sein kann, dann ist es auch gut.
War das schon immer so oder hast du dich dahin entwickelt? Hast du das gelernt?
Ich glaube, also wie gesagt, also eine Zeit lang hatte ich ja schon so nach Ergebnissen geschaut und auch im XC, aber ich habe halt einfach erkannt, dass da wahnsinnig viel Frust dahinter steckt und das bestätigt sich auch in der Wissenschaft, also da wird es dann einfach nochmal bestätigt, das habe ich dann in meinem Studium eben auch gelernt, dass Menschen, die extrem nach Ergebnis orientiert handeln oder nach Ergebnissen streben, dass die halt zum Beispiel, wenn man in der Sportpsychologie schaut, da sind das halt die Menschen, die eher gefrustet sind, eher eben weil sie halt nicht immer erstes und nicht immer zweites sind, sondern es gehört halt zum Sport einfach dazu, dass ich auch mal verliere, in Anführungsstrichen und Menschen, die halt dann sehr ergebnisorientiert sind, die haben dann sehr viele Frusterlebnisse
und neigen auch eher dazu, Dopingmaßnahmen zu ergreifen, jetzt Doping beim Gleitschirmfliegen, ja, es sage ich...
Man könnte Schirmdoping betreiben, also ich glaube, es gibt viele Piloten, die sagen, ah, ich kaufe mir vielleicht doch jetzt den Zwei -Liner -C, statt nur den Alpiner zu fliegen, weil ich damit vielleicht die nächste Talquerung, dann schaffe ich sie endlich mal, die ich da noch nicht hatte und habe dann angeblich damit meine Glücksmomente, auch wenn ich vielleicht dann so viel angestrengter fliege, dass ich letzten Endes vielleicht im Durchschnitt meiner Flüge immer 20 Minuten früher landen gehe, weil ich sage, ich bin ausgepowert oder was auch immer.
Genau, also Schirmdoping kann ich betreiben oder was halt dann im Wettbewerb richtig ist, Doping ist das Wolkenfliegen, dass ich einfach höher aufdrehe, als ich eigentlich da darf und das ist Doping und wenn ich halt sehr ergebnisorientiert bin, dann neige ich eher dazu, zu solchen Maßnahmen zu greifen und die andere Orientierung ist halt dann prozessorientiert, dass ich eben schaue, dass ich
oder haltungsorientiert, dass ich eben schaue, dass ich mich selber verbessere, dass ich für mich ein gutes Ergebnis habe, dass ich für mich eine gute Haltung habe, um ein gutes Ergebnis zu bringen und solche Sportlerathleten sind eher eben
erlebnisorientiert und neigen auch weniger dazu, zu solchen Dopingmaßnahmen zu greifen, ob das jetzt Schirmdoping ist oder Wolkenflug oder was auch immer und ich meine mit dem Schirmen, da habe ich letztens ein Gespräch mit Kriegel Maurer gehabt und der hat das eigentlich sehr schön beschrieben, der hat gesagt, 90 % des Fluges muss er eigentlich unterfordert sein mit seinem Gleitschirm und er hat dann gesagt, so 7 -8 % ist er dann gefordert und maximal 1 % von seinen Flügen darf er vielleicht einmal an seine Grenzen kommen, aber die meiste Zeit muss er mit seinem Gleitschirm unterfordert sein, um wirklich gute Leistung bringen zu können. Also von daher ist es mit dem Schirmdoping, also ich bin auch der Meinung, dass wenn ich einen Schirm fliege, Thermik die ganze Zeit fordert, also ich sage mal bei ruhigen Bedingungen können viele jeden Schirm fliegen, aber es geht halt auch darum, wenn es dann halb mal thermisch ist oder turbulent ist, komme ich dann mit dem Schirm auch noch zurecht oder nicht und wenn ich da schnell überfordert bin oder
gefordert bin, dann sind halt einfach meine mentalen und physischen Ressourcen ziemlich schnell verbraucht und ich komme dann vielleicht gar nicht ins Ziel, was ich mit einem niedriger klassifizierten Schirm vielleicht schaffen würde oder aber ich habe halt einfach überhaupt keinen Spaß dabei.
Kommen wir noch zu einem letzten Thema, weil es jetzt auch bald wieder ansteht. Du hast selber mal bei den X -Alps teilgenommen. Was hat dich damals gereizt, dir diese Aufgabe zu machen?
Also ich hatte ein Video gesehen auf YouTube über die X -Pyr und das fand ich eigentlich sehr, sehr
herausfordernd, erlebnisreich. Also das X -Pyr ist ja ein Rennen vom Atlantik zum Mittelmeer über die Pyrenäen und das fand ich einfach sehr schön und spannend und da hatte ich mich dann für die X -Pyr angemeldet und das lief dann auch ganz gut und es hat unglaublich viel Spaß gemacht weil, also gerade durch die Pyrenäen, das war ein unglaubliches Erlebnis, weil die Berge ja irgendwie ganz anders stehen wie in den Alpen. Das ist mir dann aber auch erst in der Luft so richtig aufgefallen, dass es da gar nicht so wirkliche Täler gibt, sondern dass die irgendwie ganz kreuz und quer rumstehen und nicht so die breiten Täler wie bei uns. Auf
jeden Fall kein Längstal, wo man längs fliegen kann. Ja, genau. Es gibt immer nur Quertäler.
Aber das hat mir sehr viel Spaß gemacht und daraufhin habe ich dann gedacht, okay, ich könnte bei den X -Alps auch mitmachen und
daraufhin hatte ich mich dann bei den X -Alps angemeldet und es war auch ein sehr spannendes Erlebnis, auch davor, die Vorbereitungen, also wir hatten ja dann das Brenntergebirge uns auch angeschaut und auch das ganze Training vorneweg. Also das war schon eine sehr, sehr spannende Zeit, auch wenn dann das Ergebnis im Endeffekt nicht so gut war, war es trotzdem eine tolle Erfahrung.
Wird es im Rückblick heute manche Sachen anders machen?
Ja, also bei mir war es dann auch so, dass mit der Ausrüstung nicht so ganz geklappt hat, also es wäre schön gewesen, wenn das Wetter besser gewesen wäre und wir das hätten vorher etwas besser testen können.
Aber das Wetter können wir ja nicht beeinflussen, also das kann ich nicht ändern und wenn das wieder so schlecht wäre, hätte ich es wieder nicht testen können vorher. Von daher, eigentlich ist es ganz gut so gelaufen, also wie gesagt, was wir verpasst hatten, war ja, dass ich damals dann den Nightpass nicht genommen habe, aber im Endeffekt ich war an dem letzten Tag auch ziemlich kaputt, ich bin da fast 100 Kilometer gelaufen und drei Berge hoch, also ich war dann eigentlich schon auch ziemlich müde am Abend und wenn ich den Nightpass genommen hätte, dann wäre ich vielleicht noch zwei Tage länger drin geblieben in dem Rennen, aber dann wäre ich wahrscheinlich dann rausgekommen, weil irgendwann holte ich ja dann die Müdigkeit auch ein und von daher war das dann schon in Ordnung, wie es gelaufen ist.
Ich hätte mir dann gedacht, also wir sind dann gleich zum Tandemfliegen wieder gegangen, weil halt auch Termine da waren und Anfragen da waren und da habe ich mir gedacht im Nachhinein, ja wir hätten eigentlich trotzdem nach Monaco machen können, auch außerhalb des Rennens, also wir hätten einfach weitermachen können, weil es war ja schon alles organisiert, das Auto war da und die Zeit hatten wir theoretisch auch eingeplant gehabt und wir hätten ja einfach das Rennen zu Ende machen können, auch wenn wir nicht mehr im Rennen sind.
Machst du so manchmal Biwak fliegen?
Ja, also ich habe ein paar Mal bei den Border Races mitgemacht und wir haben immer so die Idee, das dann auch mal einfach so zu machen, ist immer ein bisschen schwierig mit der Organisation, also da muss ich mir dann irgendwie mal einfach die Zeit nehmen, weil wir halt dann oft einfach Termine haben. Das ist eigentlich so das Hauptthema, dass uns ein bisschen die Zeit dazu fehlt. Aber wir hatten das auch mal in Ecuador geplant, dass wir erst auf dem Hauptbewerb sind und dann so Hike and Fly mäßig durchs Land reisen. Da war uns aber noch nicht so bewusst, dass in Ecuador die Berge eben, weil die sehr hoch sind, dann eben auch der Talwind sehr stark ist und eigentlich Streckenfliegen in den Anden nicht wirklich möglich ist. Genau, also von daher haben wir es dort auch nicht gemacht, sondern sind dann eher auf Fliegen und Busfahren zurückgegriffen.
Was ja auch eine gute Variante dann zumindest in diesen Ländern dann auch ist, weil es in jedes Dörfchen eigentlich immer noch irgendwie dann einen kleinen Bus gibt, der dann irgendwann mal da hochfährt, wo man dann weiterkommt. X -Alps 2023, wer gewinnt?
Puh, schwierig. Ich weiß es nicht. Ich bin ganz gespannt. Also ich denke, mein Kriegel -Mauder ist immer ein Favorit, auf jeden Fall. Vielleicht gewinnt er auch wieder. Aber die anderen, also wenn ich mir so Maxime Pinot anschaue, der ist ja auch sehr, sehr ehrgeizig und wird konditionell auch immer besser. Ja, Aaron ist auch motiviert und ich glaube, es wird spannend.
Und von der psychologischen Sicht, wer glaubst du, ist der mental stärkste Pilot im Feld?
Also ich denke schon, dass Kriegel -Mauder der mental stärkste ist, weil er einfach auch von seinem Mindset her, das sagt er dann auch schon, er muss ja nicht mehr gewinnen, sondern er hat ja schon so viel gewonnen, die hat er ja schon. Und ich glaube,
mental ist er schon der stärkste. So
ein elder statesman, so langsam, der so ein bisschen über den Dingen schwebt, aber immer noch halt so viel Erfahrung und so gut fliegt eh und dann noch so viel Erfahrung mitbringt, dass er dann halt sagen kann, okay, das Feld kann ich noch mitkontrollieren.
Ja, und er ist vor allem, er gibt ja auch alles preis. Also das finde ich bei ihm total faszinierend. Also wenn jemand eine Frage hat und ihn fragt, er sagt ja alles. Also er ist ja sehr offen damit und er hat ja auch seine X -Alps Academy, wo er dann eben auch sein Wissen weitergibt, wo er sagt, das macht ihn selber ja dann auch wieder zum besseren Piloten, weil er dann einfach davon auch wieder das mit einer anderen Perspektive wahrnehmen muss, wie kann ich das anderen vermitteln und dadurch wieder einen neuen Blick auf die Sache bekommt. Und er geht da sehr offen damit um und ist auch bestrebt, dass andere besser werden. Und dadurch, glaube ich, ist er da mental gesehen schon der Stärkste im Feld.
Als du bei den X -Alps warst, war er ja auch da und es gibt dann so die Vorbereitungswoche. Krallt man sich da mal so einen Kriegel und sagt so, ich meine, wir sind jetzt kurz vorm Wettbewerb, aber ich bin wahrscheinlich eh nicht deine Konkurrentin so richtig. Hast du noch drei Tipps für mich oder sowas?
Also ich habe im Vorfeld, schon bevor ich mich beworben hatte, überhaupt mit ihm gesprochen. Also wir hatten uns da in Serbien getroffen auf einem Wettbewerb und da hatte ich mit ihm auch schon gesprochen.
Ja, also er ist da, wie gesagt, total offen und gibt auch Tipps. Also ich glaube auch die jetzigen Newcomer, also ich habe jetzt in Bassano gesehen, dass er auch mit den anderen X -Alps Teilnehmern gesprochen hat und ich glaube, die haben sich auch alle ausgetauscht und Fragen gestellt und untereinander einfach gesprochen. Und wie machst du das? Wie mache ich das? Und sich gegenseitig ausgetauscht.
Gibt es sowas wie den wichtigsten Tipp, den du von ihm mitgenommen oder gelernt hast?
Wichtigsten Tipp?
Weiß ich jetzt gar nicht. Also wichtigster Tipp.
Dann drehe ich die Frage um oder ein bisschen anders. Aus deiner Erfahrung, die du bei den X -Alps gemacht hast, was ist der wichtigste Tipp, den du jemandem mitgeben würdest, der auch da an solchen Rennen teilnehmen möchte?
Schauen, dass man möglichst viel Spaß hat. Also einfach ein tolles Erlebnis haben, Spaß haben, bei sich bleiben und das Erlebnis genießen.
Und einfach das Setting, dass man in Gegenden kommt, wo man wahrscheinlich für sich selber sich gar nicht hintrauen würde, gar nicht den Antrieb hätte, dort dann hinzugehen und zu sagen, ich versuche mal von dort zu fliegen. Also das Abenteuer dann dabei.
Einfach das Abenteuer suchen und jeden Tag genießen.
Schönes Motto. Lassen wir es damit gut sein. Jeden Tag genießen. Yvonne, vielen, vielen Dank für
deine Erzählung.
Dir noch viel Erfolg bei der NRW Cup hier im Sauerland. Wenn der Regen mal weg ist. Morgen sieht es gut aus. Morgen wird auf jeden Fall geflogen. Dann mal gucken, wie weit wir hier kommen. Und ansonsten noch viel Erfolg mit deinem kleinen Mentaltraining -Job. winmental, wenn das jemand sucht im Internet. winmental.de, glaube ich, als Seite. Und ansonsten hast du bei winmental auch noch einen eigenen Blog, also auch einen eigenen Podcast, wollte ich sagen, wo du immer mal wieder verschiedene Leute interviewst, unter anderem Kriegel Maurer, der bei mir noch nicht war, aber bei dir war er schon.
Von den Folgen, die ich bei dir gehört habe, fand ich das eigentlich mit fast die interessanteste bisher, weil du auch Kriegel dazu gebracht hast, ein paar andere Sachen zu erzählen, die ich bei anderen noch nicht von ihm gehört hatte oder in anderen Interviews noch nicht so gelesen hatte. Das fand ich dann sehr interessant. Wenn ihr mit einer Folge von Yvonne einsteigen wollt, nehmt diese Folge von Kriegel, die ist auf jeden Fall empfehlenswert. Und da gibt es noch einige andere ganz spannende Folgen dann auch noch da.
Dankeschön, Lucian. Danke für das Gespräch.
Sehr gerne.
Das war die Podz-Glidz Episode 109 mit der Mentaltrainerin Yvonne Date. In den Shownotes im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz findest du noch einige weiterführende Links. Unter anderem zu der hörenswerten Folge von Yvonnes winmental Podcast mit Kriegel Maurer. Podz-Glidz ist der Podcast des Gleitschirm -Blogs Lu-Glidz. Mein Name ist Lucian Haas. Ich bin der Produzent beider Angebote. Wenn dir die Folge gefallen hat und du gerne noch mehr Folgen von Podz-Glidz zu hören bekommen würdest, dann hilf mit, indem du zum Förderer meiner Arbeit wirst. 1 Euro pro Podcast -Folge und 2 Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz, das ist mein unverbindlicher Vorschlag. Das ist weniger als ein Bier oder ein Cappuccino, aber selbst kleine Beträge tragen in der Summe dann doch einen wichtigen Teil dazu bei, dass ich dieses Projekt auch in Zukunft weiter betreiben und entwickeln kann.
Und zwar unabhängig und werbefrei. Alle nötigen Infos, wie dein frei wählbarer Förderbeitrag mich erreicht, findest du auf www.Lu-Glidz.blogspot.com Dort gibt es den Menüpunkt Fördern. Lu-Glidz schreibt sich Lu-Glidz.
Übrigens, ich bin stets auf der Suche nach weiteren interessanten Gesprächspartnern mit hörenswerten Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Hast du einen Vorschlag? Dann erzähle mir davon und schicke, wenn möglich, gleich auch die Kontaktdaten. Am besten per E -Mail an kontakt at gmail.com Bis zum nächsten Mal. Fall nicht vom Himmel. Ciao.