Das fängt schon damit an, dass das Wort, mit dem das betitelt wird, aus meiner Sicht komplett falsch ist. Das ist dieses betreute Fliegen. Es gibt betreutes Wohnen, das machen alte Leute. Es gibt viele betreute Dinge, aber alles, was betreut ist, ist eigentlich negativ behaftet. Und deshalb ist dieses Wort betreutes Fliegen aus meiner Sicht komplett falsch. Es gibt kein betreutes Fußballspielen. Habe ich noch nie gehört. Aber jede Fußballmannschaft hat einen Trainer. Jede Eishockeymannschaft hat einen Trainer. Jeder Skisportler hat einen Trainer. Alle haben einen Trainer. Nur im Gleitschirmsport haben die Leute viel zu wenig Trainer, weil das ist ja betreutes Fliegen und das ist ja schlecht.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit… Andi Frötscher. Und ich bin Bluzian Haas.
Immer wenn wieder einmal die Red Bull X Alps starten, dann erfasst Andi Frötscher ein gewisses Fieber. Der 54 -Jährige aus Südtirol war schon vor 20 Jahren bei der legendären ersten Ausgabe dieses Hike -and -Fly -Rennens quer über die Alpen mit dabei. Bis 2013 folgten fünf weitere Teilnahmen. Die X Alps haben mehr als ein Jahrzehnt seines Lebens geprägt.
Die X Alps sind heute ein stark professionalisiertes Rennen. In den Anfängen war es noch ein ganz anderes Abenteuer. Die Piloten stapften mit 20 Kilogramm schweren Säcken auf die Berge, orientierten sich noch ohne Smartphones an gedruckten Topo -Karten, bekamen per SMS grobe Wetterinfos über den gesamten Alpenraum und schliefen auf dem Weg nach Monaco noch einfach in Pensionen. Andi erzählt von dieser Zeit und den Höhen und Tiefen, die er rund um die X Alps erlebt hat. Im zweiten Teil dieser Episode 110 von Podz-Glidz geht es aber noch um mehr. Heute ist Andi Frötscher ein Pilot, der gerne in Vorträgen und Trainings seine große Erfahrung zum Thema XC -Fliegen weitergibt.
Dabei geht es unter anderem um die mentale Seite des Fliegens und die Macht der positiven Gedanken im Flugsport. Andi hat einige unkonventionelle, aber sehr hilfreiche Tipps parat, wie man sich fürs Streckenfliegen motivieren kann.
Wenn dir Podz-Glidz gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit daran als Förderer. Wie das ganz einfach geht, erfährst du auf dem zugehörigen Gleitschirm-Blog Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern.
Andi, du hast vor ziemlich genau 30 Jahren mit dem Gleitschirmfliegen angefangen. Siehst du dich selbst als sowas wie einen alten Hasen? Nein,
eigentlich nicht, weil die Zeit vergeht so schnell, dass man sich ja nicht als älter sieht. Aber ja, es ist schon eine lange Zeit und ich habe halt sehr vieles erlebt. Es war eine andere Zeit. Und ich habe da, glaube ich, schon einen riesengroßen Wandel durchgemacht im Gleitschirmsport. Und selber sehe ich mich nicht als alten Hasen, aber ich glaube, ja, ich muss zugeben, ich bin einer.
Nun sind 30 Jahre ja auch 30 Jahre Erfahrung, ein ungeheures praktisches Wissen, was wahrscheinlich dann einfach auch so Bauchgefühl sich dann insgesamt ausgebildet hat. In welchen Bereichen, würdest du denn sagen, kannst du auch heute immer noch etwas lernen? Eigentlich
in allen Bereichen. Es ist so, dass sich ja zum Beispiel die Gleitschirme komplett verändert haben. Es hat sich ja sehr, sehr viel in der Entwicklung getan. Früher waren das mehr oder weniger Gleitflüge, die wir gemacht haben. Da musste schon mal richtig gutes Wetter sein, dass wir ein bisschen Höhe machen konnten und wegfliegen. Und das ist heute ganz etwas anderes. Die Gleitschirmfliegen heute viel weiter als vor 30 Jahren die, sagen wir mal, die Schulungsdrachen. Und da hat sich sehr viel getan in der Technik. Aber auch was das Wetter betrifft, das hat sich ja auch verändert. Das ist nicht gleich, wie es früher war. Auch da lerne ich viel dazu. Neue Fluggebiete, auch die Technik durch das Internet, durch das GPS, die Varios, es ist alles anders.
Und da tut sich immer was und da kann man immer was dazulernen. Und was ich auch ganz spannend finde, was früher nicht so war, das ist, dass ich mich sehr viel um die Flugpsychologie auch mir da Gedanken mache und versuche da dazuzulernen.
Was war denn so dein letztes Erkenntnishighlight, bei dem du gedacht hast, oh, hätte ich das doch nur schon früher gewusst?
Oh, das ist schwierig zu sagen, weiß ich jetzt nicht.
Da fällt mir jetzt so gar nichts ein. Na gut,
vielleicht kommt der später nochmal her. Ja. Gibt es denn irgendwelche Bereiche, jetzt 30 Jahre Flugkarriere, irgendwas, wo du sagst, hey, in dem, da war ich auch fast sowas wie ein Trendsetter?
Ja, auf jeden Fall ist es das Hike and Fly. Alles, was heute mit Hike and Fly zu tun hat, die leichten Ausrüstungen und so weiter. Ich glaube, dass wir, nicht nur ich, sondern all jene, die damals bei den X -Alps teilgenommen haben, bei den Ersten, dass die da schon so einen Trend gesetzt haben. Das gab es damals ja noch nicht. Es gab keine leichten Schirme, es gab keine leichte Ausrüstung. Es gab einzelne Dinge, aber es war nicht wirklich marktreif. Und da, glaube ich, haben wir schon einen Trend gesetzt. Und ja, das finde ich auch heute eine absolut coole Sache. Wie
häufig hast du an den Red Bull X -Alps selbst teilgenommen?
Ich war sechs Mal dabei, im Zeitraum von 2003 bis 2013, zehn Jahre lang. Warum hast du dann damit
aufgehört? Du könntest ja auch sowas sein wie Thomas Kokonea und sagst so, der Mr. X -Alps aus Südtirol wäre dann halt Andy Fretcher. Warum hast du aufgehört?
Wäre ganz cool, aber ich hatte damals, also beruflich war es bei mir so, dass ich keine fixe Arbeitsstelle hatte, sondern immer eine Jahresstelle. Die sich dann immer wieder erneuert hat zwar. Und um eine fixe Stelle zu bekommen, musste ich eine Zusatzausbildung, so eine Qualifikation für ein Jahr an der Uni in Brixen machen. Und das fiel dann genau in das Jahr, wo auch die X -Alps stattgefunden haben. Und dann konnte ich nicht. Also da war Anwesenheitspflicht und da ging es einfach nicht, dass ich teilnehmen konnte. Und ich habe dann halt gesehen, wenn man einmal draußen ist, aus diesem Hamsterrad, dann erkennt man erst, wie groß der Aufwand ist, den man betreibt, um bei diesem Wettbewerb eigentlich teilnehmen zu können.
Solange man da drinnen ist, da merkt man das. Oder ich habe es nicht so gemerkt. Vielleicht auch deshalb, weil ich von Anfang an dabei war und weil ich diesen Wandel, dass das Ganze viel professioneller wurde, mitgemacht habe und deshalb das nicht so auffallend war. Aber ja, das war der Grund. Und dann nochmal zwei Jahre später, also vier Jahre nach 2013, war ich dann einfach vom Kopf her nicht so, dass ich gesagt habe, ich würde jetzt nochmal mitmachen.
Diese ganze Zeit der Vorbereitung war dann nicht mehr so, dass ich das unbedingt machen wollte. Du hast gesagt
Hamsterrad. Warum Hamsterrad?
Ja, es ist ein Hamsterrad, weil man eigentlich, also man freut sich total auf die X -Hubs, man bereitet sich vor, man kommt dann zum Wettbewerb. Der Wettbewerb ist immer mit Höhen und Tiefen verbunden. Und je länger das Rennen dann dauert, bis zum Ende hingeht, dann denkt man immer, was mache ich da, was mache ich da, was mache ich da, das mache ich nicht mehr. Weil es einfach riesige Strapazen sind. Natürlich auch ganz, ganz tolle Momente. Aber es ist auch sehr, sehr anstrengend. Und gegen Ende hin sagt man dann, okay, das mache ich nicht mehr. Also das ist einfach Blödsinn, was du da machst. Viel zu viel Aufwand, Anstrengung, nein, mache ich nicht mehr. Und kaum ist das Rennen zu Ende, dann setzt man sich hin, irgendwo, wo die Zeit abgelaufen ist.
Ich bin ja leider nie ins Ziel gekommen nach Monaco, was ja immer mein großer Traum war. Dann setzt man sich da hin und dann dauert das vielleicht fünf Minuten. Und danach denkt man schon wieder nach, was könnte ich das nächste Mal besser machen. Und ja, man fährt nach Hause. Und hat einfach immer diesen Gedanken im Kopf, was kann ich verändern? Was sollte ich anders machen? Wo habe ich einen Fehler gemacht? Oder einfach, was war nicht so gut? Und man fängt schon wieder an, die nächsten X -Alps zu planen. Und deswegen sage ich Hamsterrad, weil man aus dem eigentlich dann gar nicht mehr rauskommt. Vielleicht, wenn man das nur einmal macht, ist es nochmal was anderes, als wenn man eben länger dabei ist. Dann denkt man direkt nach, ja, nächstes Mal das, das, das.
Es dauert vielleicht zwei Wochen, dass man sich erholt zu Hause. Und dann geht es mit dem Training schon wieder los. Und man hat eigentlich dann schon wieder die nächsten X
-Alps im Blick. Das klingt ja fast so ein bisschen wie so eine Sucht. Also warum haben die X -Alps ein Suchtpotenzial? Ich
weiß nicht, ob es für alle ein Suchtpotenzial ist. Ich bin vielleicht jemand, der den Wettkampf liebt in allen Bereichen. Ich habe mit vier Jahren mit dem Skifahren angefangen. Und bin dann mit sieben Jahren immer wettkampfmäßig Ski gefahren. Hier in Südtirol, die Rennen, Landesmeisterschaft und so weiter. Und dann musste ich mit dem Skifahren aufhören, weil es einfach schulisch nicht mehr ging. Dann habe ich mal ganz kurze Zeit Fußball gespielt. Das war nicht so mein Sport. Dann habe ich aber mit dem Radfahren angefangen. Damals Rennrad, gab es nur Rennrad in der Zeit. Mountainbike kannte man noch nicht. Und auch da habe ich sehr schnell mit dem Wettkampfsport wieder angefangen. Und ich habe das auch da wieder auf einem sehr hohen Niveau betrieben.
Und auch da war aber dann wieder dieser Bruch recht schnell. Ich hatte keine Zeit mehr für das intensive Training. Und habe gesehen, andere sind einfach besser als ich. Aber bedingt dadurch, dass ich nicht so viel trainieren kann. Dann habe ich gesagt, dann mache ich das nicht mehr. Und dann habe ich mit dem Gleitschirmfliegen angefangen. Und auch da habe ich ziemlich schnell den Weg in die Wettkampfszene gefunden.
Und auch da einfach immer wieder etwas dazuzulernen. Nicht einmal etwas machen und dann aufhören. Sondern die Erfahrung, die ich gemacht habe, dann einfach umsetzen für das nächste Mal. Und das vielleicht besser machen. Und das war eigentlich für mich immer so ein bisschen der Antrieb, dass ich das gemacht habe. Und weil es halt so war, dass ich das gemacht habe. Weil es halt etwas Besonderes ist für mich. Es ist nicht das Wettkampffliegen, wie es normal ist. Wo man zum Wettkampf hinfährt und rumsitzt und wartet. Und dann wird die Strecke vorgegeben und so weiter. Sondern man startet einfach und macht sein Ding. Und das macht mir richtig viel Spaß. Und deshalb habe ich ja eigentlich die X -Alps immer geliebt.
Wenn dieser Podcast rauskommt, da startet gerade wieder das nächste X -Alps -Rennen. Ich habe dich vor zwei Jahren mal am Grubigstein getroffen. Da haben wir uns ein bisschen unterhalten. Da hatte ich dich schon gefragt, ob du vielleicht irgendwo mal für einen Podcast bereitstehst. Da hast du ja gesagt. Das ist dann ein bisschen hingegangen in dem Gespräch damals. Da sprachen wir auch über die X -Alps. Und du hast gesagt, ja, in zwei Jahren, da ist ja dann das 20 -Jährige. Also 2003 war das erste. 2023 ist dann 20 Jahre später. Und da, das könnte dich vielleicht doch auch reizen, da wieder mitzumachen. Als dann die Nominierung war, habe ich darauf gewartet. Ja, wann scheint jetzt der Name Andi Frötz? Weil ich immer gedacht habe, hey, mit dem will ich einen Podcast machen, wenn der sagt, dann 20 Jahre später starte ich dann doch noch mal.
Dann warst du aber gar nicht dabei. Hättest du nicht doch gerne mitgemacht? Also wie stark hat dich das gereizt? Und warum hast du dich nicht darauf beworben? Oder hast du vielleicht und bist nur nicht genommen worden? Ich weiß es gar nicht. Bist du enttäuscht, dass ich nicht dabei
bin? Ein bisschen vielleicht.
Nein, ich hätte schon sehr gerne mitgemacht. Und wie ich zu dir auch gesagt habe, also diese Idee hatte ich schon mal. Aber es hat sich privat in meinem Leben ein bisschen was verändert. Und für mich gab es einen Plan, den ich dann hätte umsetzen müssen. Und das war für mich ganz klar, dass ich nicht in der Schule, also ich bin Lehrer an einer Oberschule, und dass ich da ganz normal arbeiten kann. Weil die X -Hypes starten immer zu Schulende, beziehungsweise in diesem Jahr sogar ein bisschen vor Schulende. Und das war immer der absolute Stress für mich, weil ich in den letzten Schultagen ja auch zu tun hatte mit Notenkonferenzen und so weiter. Und dann eigentlich zum blödesten Zeitpunkt vom Training und von der Vorbereitung her zu den X -Hypes musste.
Und da habe ich mir gesagt, wenn ich nochmal teilnehme, dann möchte ich ein Sabbatjahr einlegen, um mich dann auch wirklich gut vorbereiten zu können. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste. Das kommt ja auch dazu. Man erholt sich da nicht mehr ganz so schnell. Und man muss sich halt anders vorbereiten. Und das wäre so mein Plan gewesen. Aber das ging sich dann einfach nicht aus. War nicht möglich. Und deshalb habe ich mich auch gar nicht beworben, weil das dann keinen Sinn machen würde, da teilzunehmen. Nicht gut vorbereitet in das Rennen zu gehen. Das wäre nicht sinnvoll gewesen. Aber mich hat dann Lukas Hofer angerufen. Und der wäre ja als Team Italien 4 dabei gewesen.
Und der hat mir dann ein tolles Angebot gemacht, weil er gesagt hat, er würde gerne teilnehmen. Und ich könnte vielleicht als Supporter bei ihm dabei sein, wenn ich Lust hätte. Und das wäre schon spannend gewesen.
Das heißt, das hättest du zeitlich hinbekommen. Das ist nicht so viel in der Vorbereitung, dass man da machen muss, sondern eigentlich nur dann beim Rennen wirklich präsent sein. Der Lukas hat sich verletzt, beziehungsweise er hatte eine OP am Knie oder sowas und kann jetzt nicht teilnehmen. War das eine große Enttäuschung für dich? Ja,
das war schon eine große Enttäuschung. Natürlich war die Enttäuschung sicher für ihn viel größer als für mich. Mich hätte es wahnsinnig gereizt. Und es hätte mir total Spaß gemacht, auch das Ganze mal aus einer anderen Perspektive zu machen. Wäre auch cool gewesen, nach 20 Jahren, nach zehnmal oder sechsmal, ich sage es nach zehn Jahren, da dabei als Athlet, mal als Supporter dabei zu sein. Ja, aber es ist einfach so. Es hat sich ja beim Lukas schon die ganze Wintersaison im Biathlon ein bisschen durchgezogen, dass das einfach nicht lief mit seiner Verletzung. Und ja, ich habe halt auch gesehen, es wird nicht wirklich besser. Er hat zwar immer versucht, sich an den Strohhalm zu klammern,
aber irgendwann habe ich auch gesehen, das wird halt einfach schwierig. Auch für ihn, obwohl er ja super fit ist. Aber ja, die Zeit wurde einfach knapp. Und er hat es wirklich hinausgezögert und alles noch versucht. Und eben, wie du gesagt hast, nochmal eine OP. Und dann hat er sich aber nochmal verletzt. Und dann hat er mit seinem Arzt und mit dem Physiotherapeuten entschieden, dass es nicht geht.
Was würdest du sagen, ist das Reizvolle eines Supporters bei den X -Alps an dieser Aufgabe?
Ja, das kommt immer ein bisschen darauf an, was der Job des Supporters ist. Mein Job wäre ganz klar die fliegerische Seite gewesen und die Taktik. Das heißt also, ich wäre jetzt nicht unbedingt zuständig gewesen, mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und zu kochen. Da wäre jemand anderes zuständig gewesen. Für mich wäre es wirklich ums Fliegen, um die Taktik, einfach um diese Dinge gegangen. Und das ist etwas, was mir wahnsinnig Spaß macht, was ich ja auch so, wie soll ich sagen, nebenberuflich im Sommer ein bisschen mache, dass ich mit Leuten unterwegs bin. Und das wäre dann halt nochmal ein ganz anderes Niveau, ein ganz anderer Level, auf dem ich so etwas machen hätte können.
Wenn du jetzt nicht teilnimmst, weder als Pilot noch als Supporter, bist du dann trotzdem in einem X -Alps -Fieber? Also ist das so etwas, dass du dann sagst, ich hänge dann wirklich immer vor dem Live -Tracking? Oder fährst du vielleicht sogar irgendwo an die Strecke ran, um zu sagen, da, ich will was von dieser Stimmung einfach mitbekommen?
Ja, das werde ich auf jeden Fall. Also ich bin auf jeden Fall beim Start dabei in Kitzbühel. Und dann muss ich aber ein bisschen arbeiten. Sonst hätte ich Freie gehabt in der Zeit, wo die X -Alps stattfinden. Und so mache ich das natürlich nicht. Aber ich werde schauen, wenn es geht, an die Strecke, an der Strecke zu sein, ein paar Leute zu besuchen, am Live -Tracking werde ich mir das auch anschauen, weil ich mir vorgenommen habe, dass ich das Ganze auch aus meiner Sicht als Supporter einmal anschaue, was hätte ich entschieden, was der Luki machen könnte oder was irgendein Athlet machen könnte. Einfach so meine Entscheidungen zu treffen und dann zu schauen, was der Athlet macht oder was er nicht macht, wie es vielleicht da gegangen wäre, wo ich jetzt hingeflogen wäre oder so.
Einfach, dass ich das ein bisschen anschaue, dass ich das analysieren kann. Das habe ich mir vorgenommen und deshalb werde ich da schon dabei sein. Und zum Ziel möchte ich auch wieder hinfahren nach Zal am See und da auch nochmal die Stimmung ein bisschen aufnehmen nach 20 Jahren.
Nun kann man ja heutzutage mit dem Live -Tracking auf der einen Seite gefühlt sehr nah da dran sein. Du siehst da richtig teilweise, wie die ihre Kreise ziehen und sowas. Auf der anderen Seite kriegt man nichts mit, wie ist denn das Wetter. Du kannst zwar vielleicht eine Webcam angucken und siehst ungefähr ein Wolkenbild, aber so richtiges Gefühl kriegt man da nicht für. Wie ist das für dich, wenn du das als Athlet so im Live -Tracking verfolgst? Fehlt dir dann da was oder sagst du, ah, ich kann mir das schon viel besser vorstellen, als es wahrscheinlich so ein Otto -Normal -Pilot, der nie dabei war, der kann das gar nicht so übertragen. Also, dass du quasi ein, wie so ein Zusatzbild zu dem Live -Tracking für dich selber machst, weil du sagst, ich habe diese Erfahrung, aus dem ich dieses Bild dann im Grunde generieren kann.
Ja, ich glaube schon, dass das etwas anderes ist. Ich weiß halt, dass Entscheidungen, die ein Athlet trifft, nicht immer die sind, die derjenige treffen würde, der zu Hause zuschaut. Diese Entscheidungen, die haben schon immer einen Grund. Ich weiß auch aus meiner Zeit noch, dass viele geschrieben haben in den Kommentaren oder auch danach in den Gesprächen gesagt haben, ja, und warum bist du da oben so lange gesessen und warum bist du nicht losgestartet und so weiter. Und das war halt oft so, weil ich Rückenwind hatte. Aber wie du richtig sagst, das sieht man halt von außen nicht. Und ich glaube, da kann ich die Athleten viel besser verstehen. Da weiß ich schon, okay, wenn das jetzt zum Starten ginge, dann würde der da fliegen.
Aber irgendwas muss sein, dass er nicht fliegen kann oder dass er zum Landen geht und all diese Dinge. Da hängt ja sehr vieles zusammen. Also auch die körperliche Anstrengung, wie man körperlich bei sich ist, wie man zusammen ist. Man kann auch mal krank werden während des Rennens. Das ist mir auch passiert. Ich habe mich verkühlt und ich hatte Fieber und war dann eigentlich kurz vor dem Aufgeben, weil ich halt gesagt habe, also ich musste da über den Großglockner drüber, über die Großglockner Hochatemstraße. Es hat oben geschneit. Es war kalt und ich habe gesagt, Robert, wie soll ich da jetzt drüber kommen? Ich habe Fieber, ich habe Schüttelfrost. Das macht einfach keinen Sinn. Und diese Dinge, die kriegt halt der Zuschauer zu Hause nicht mit.
Und ja, das kann ich halt ein bisschen besser so nachvollziehen. Okay, das wird den Grund haben, warum der sowas entscheidet.
Die erste Ausgabe der X -Alps ist ja gewissermaßen legendär. Erzähl mal ein bisschen davon, wie es damals so war. Also was war damals so viel anders, als es heute ist bei den X -Alps? Die Leute sehen ja nur das, was heute so gemacht wird. Wie war X -Alps vor 20 Jahren?
Ja, X -Alps vor 20 Jahren war ein Abenteuer, ganz einfach. Man kann sich ja kaum vorstellen, dass wir damals kein Internet hatten. Wir hatten kaum Wetterinformationen. Unser Wetter gab es täglich in drei Seiten SMS. Das kennen heute auch nicht mehr alle.
Textnachricht, Wetter vom Dachstein bis nach Monaco. Und da war eigentlich alles drinnen. Also von Superthermik über Regen bis Thunderstorms war alles. Und wir hatten unterwegs jetzt nicht immer so die Möglichkeit, zu schauen, wie wird das Wetter. Damals hat man halt noch sehr viel im Fernseher. Einfach die Wettervorhersage am Abend geschaut. Hatten wir ja nicht. Und da sind wir oft einfach morgens auf den Berg gegangen. Und dann wurden wir halt überrascht von Rückenwind oder irgendwas. Das war eines. Das andere war schon einmal die Einstellung, die wir hatten. Also ich, ich muss da auch immer für mich reden, weil es gab schon ein paar andere, die das anders gesehen haben.
Für mich war es so, dass das eine Flugveranstaltung war und kein Wanderwettbewerb. Ich habe mich körperlich nicht speziell darauf vorbereitet. Ich hatte immer schon gute Kondition, weil ich halt aus dem Ausdauersport vom Radfahren kam. Aber für mich war das Fliegen, der Start bei den ersten X -Hypes war auch nicht an einem bestimmten Tag fixiert, so wie das heute ist, sondern der Start wurde einfach innerhalb einer Woche gemacht. Und zwar, wenn gutes Flugwetter vorhergesagt ist. Das war auch die Einstellung der Organisatoren. Und wir saßen dann in der Ramsau am Dachstein und haben gesehen, das Wetter wird gar nicht so gut. Wie startet man jetzt?
Und dann gab es halt ein kleines Flugfenster und da wurde dann gestartet. Wir sind dann aber auch nicht mit dieser Idee losgeflogen, dass man dann einfach landet und sofort zu Fuß losgeht, sondern ja, dann landet man und dann bleibt man da. Und wenn es nächstes Mal gutes Wetter gibt, dann fliegt man weiter. Und ja, das war dann halt nicht so. Und wir mussten halt zu Fuß gehen. Und für mich war es auch so, dass ich ja, mich kannte kein Mensch. Ich war der kleine Andi aus dem Südtirol, der da plötzlich, mit dem Weltmeister Kaspar Hänni am Start stand und den Hannes Arich da getroffen hat. Der Renndirektor war damals der Steve Cooks. Seines Zeichens auch Weltmeister. Dann war Will Gett dabei.
Das war der Weltrekordhalter im Streckenfliegen. Also alles Leute, die ich aus den Zeitschriften kannte. Und plötzlich stand ich mit denen da. Es war schon etwas sehr Spezielles. Aber wie gesagt, wir waren Abenteurer. Wir hatten Landkarten. Heute hat keiner mehr eine Landkarte in der Hand. Heute haben alle die Landkarten am Handy. Und wenn wir halt weit geflogen sind und keine Landkarte von dem neuen Gebiet hatten, dann mussten wir schauen, wie wir da irgendwie
zurecht kamen. Bist du da auch in den Laden reingelaufen und hast gesagt, ich brauche eine Topokarte hier von der Gegend? Oder wie ging das dann? Ja, wurde auch gemacht.
Oder wir haben gefragt einfach die Leute, wo kann man jetzt langlaufen? Die haben das überhaupt nicht verstanden, was wir da machen. Aber ja, entweder man hat sich eine Landkarte schnell besorgt oder man hat den Supporter angerufen. Mir ist es passiert, dass ich in der Luft war und ich habe mir die Strecke angeschaut. Ich habe ein fotografisches Gedächtnis und wusste, da müssen vier Täler weggehen. Von einem komme ich und dann sind nochmal drei. Und plötzlich waren aber fünf Täler da. Ich habe mir gedacht, das kann jetzt jetzt sein. Die Österreicher können ja nicht einfach einen Tal dazu gebaut haben oder so. Ja, und dann muss ich erstmal den Florian anrufen und fragen und sagen, schau, ich bin da und da und mir fehlt ein Tal und wo muss ich hinfliegen? Ja, das war schon sehr abenteuerlich, das Ganze.
Was hast du damals als Ausrüstung gehabt?
20 Kilo auf dem Rücken, ja. Das war die Grundausrüstung. Das war aber schon ein Liegegurtzeug, oder war das noch ein ganz normales, offenes Gurtzeug, mit dem man damals geflogen ist?
Nein, das war damals eines der ersten Liegegurtzeuge, wirklich Liege, Liege. Heute sind das ja eigentlich verkleidete Sitzgurtzeuge. Damals war das ein richtiges Liegegurtzeug, aber ich glaube, das Gurtzeug hat nur ohne Rettung, glaube ich, hat das acht Kilo gewogen. Das war ein Panzer mit Protektoren, also Schaumprotektor, dann nochmal ein Plexiglas drinnen, so eine Plexiglasplatte und ja, es war halt alles super schwer, auch mein Schirm. Es war ein AWACS von Gradient. Es war kein leichtes Tuch, der war auch schwer und die Rucksäcke, mit sowas geht heute keiner mehr irgendwo hin. Die hingen ja runter bis zu den Kniekehlen.
Das war schon ein bisschen eine andere Zeit,
ja. Hattet ihr denn damals auch, gerade weil man nicht so Kontakt mit den Supportern hatte, das Live -Tracking gab es ja in der Form noch gar nicht so und sowas, hattest du dann auch beispielsweise einen Biwaksack, einen Schlafsack oder irgendwas dabei, falls du da irgendwo im Nowhere, hoch oben in dem alpinen Bereich irgendwo runter gehst und sagst, na gut, da muss ich hier halt irgendwie überleben können? Nein, das war
eigentlich für uns nie so der Gedanke, dass wir irgendwo oben landen und oben bleiben, sondern es war eigentlich immer der Gedanke, dass wir im Tal landen. Dieses oben einlanden und dann eventuell mal auch irgendwo oben schlafen, oben bleiben, das kam erst später. Da hat man erst gesehen, ja okay, immer ins Tal fliegen bringt eigentlich nicht so viel. Das war einfach bei uns was anderes. Wir waren auch von den Autos her jetzt nicht so gut ausgestattet, dass man in den Autos dann immer geschlafen hätte oder so. Wir haben eigentlich in Pensionen geschlafen. Wir sind immer abends dann noch bis zum nächsten Dorf gelaufen oder ich bin bis zum nächsten Dorf gelaufen und habe da dann in einer Pension geschlafen, die da Florian vorher organisiert hat.
Das war halt mehr unsere, unsere Philosophie von dem Ganzen, wo ich dann aber gesehen habe, ja das war nicht ganz das Ideale.
Mit 20 Kilo auf dem Rücken, was war denn so die größte Strecke, die du damit mal gelaufen bist?
Mit den 20 Kilo? 2003 kann ich mich gar nicht so genau an die Kilometer erinnern. Ich weiß noch, dass ich in St. Johann in Pongau am ersten Tag gelandet bin und ich bin dann bis Zell am See gelaufen und da war ich schon kaputt. Also das war schon eine Katastrophe. Aber 2003 bin ich auch nicht sehr viel gelaufen, weil ich halt nicht entsprechend körperlich vorbereitet gewesen bin. Also große Strecken waren das damals eher nicht. Ich habe einen sehr weiten Flug geschafft, das schon, weil ich halt einfach aufs Fliegen gesetzt habe. Ich weiß nicht genau, war es der weiteste von damals, den ich gemacht habe, aber sicherlich einer der weitesten. Und ich habe es aber auch geschafft, minus ein Kilometer zu machen.
Minus eins? Ja, minus eins. Wie schafft
man minus ein Kilometer zu fliegen oder zu laufen?
Ja, ich bin in DeSantis morgens hochgegangen zum Startplatz. Also immer offizielle Startplätze, weil das auch nicht so war. Man geht halt irgendwo auf eine Alm und eine Wiese und startet da. Und unten in DeSantis haben sie gesagt, ja, geh morgen auf den Startplatz hoch. Und dann fliegst du von da an. Dann bin ich raufgelaufen und es war Rückenwind und Rückenwind und Rückenwind. Und irgendwann am Nachmittag, nicht ganz später, früher Nachmittag ging es dann zum Starten. Ich bin rausgestartet und bin jämmerlich abgesoffen. Und ich hatte damals auch noch nicht diesen Gedanken, ja, ich fliege einfach weiter, soweit es geht, und gehe dann irgendwo hoch und fliege dann wieder weiter. Und ich habe gesucht und gesucht.
Es gibt es ja nicht, dass ich da jetzt keine Thermik finde. Und bin dann direkt unten an der Talstation wieder eingelandet. Hatte natürlich einen Riesenhals, war total verärgert. Florian kam und ich habe gesagt, leck mich am Arsch, ich gehe jetzt nochmal hoch. Das kann nicht sein, dass ich da nicht wegkomme. Und bin dann nochmal zu diesem Startplatz hochgelaufen. Das war dann aber schon relativ spät. Und der Wind war da zwar gut, aber eher stark. Da kam halt schon der Talwind über den Oberalppass drüber. Und ich bin rausgestartet. Das war halt nur Wind, Wind, Wind, Wind, Wind. Und ich bin dann zum Teil rückwärts geflogen und bin dann einen Kilometer hinter der Talstation eingelandet. Ja, und dann war ich so grantig und habe gesagt, heute mache ich gar nichts mehr.
Ich bin zweimal zum Startplatz hochgelaufen, bringt ja nichts mehr und wir schlafen jetzt einfach da. Und dann haben wir halt einen Kilometer hinter der Übernachtung des Vortages geschlafen. Ja, und dann ging es am nächsten Tag weiter. Aber da bin ich dann halt sehr viel zu Fuß gelaufen, weil das Wetter schlechter war.
Sechsmal hast du bei den X -Alps teilgenommen, hast du ja gesagt. Teilnahme heißt ja eigentlich auch, man muss viel Zeit investieren, aber auch einiges an Geld investieren. Hast du so einen Überblick, was du für deine sechs X -Alps -Teilnahmen eigentlich selber in die Hand genommen hast dafür, finanziell?
Nein,
ich hatte für das Rennen immer ein paar Sponsoren. Und die Zeit in der Vorbereitung, die habe ich ja eigentlich nie als finanzielle Investition gerechnet. Natürlich musst du ja auch Turnschuhe kaufen, essen, was weiß ich. Aber das müsste ich ja sonst auch. Ich würde ja sonst auch Sport machen. Und bei den X -Alps bin ich meistens so auf null ausgegangen. Also ich glaube einmal sind uns 1000 Euro geblieben. Dann war es wieder mal ein Jahr, wo ich 1000 Euro draufgelegt habe. Aber ungefähr war es immer so ein Nullsummenspiel. Und ja, das hat eigentlich immer gepasst. Also für mich war das einfach eine Sache, wo ich gesagt habe, wenn ich nicht wirklich viel draufzahle, verdienen will ich nichts.
Wenn ich dabei bin, macht das Spaß. Und das ist das Wichtigste.
Nun bist du in Südtirol. Da sind die Alpen quasi vor der Haustür. Aber es gibt ja auch X -Alps -Teilnehmer, die aus Neuseeland kommen, aus Brasilien, aus sonst woher. Die müssen erstmal den Flug zahlen. Die müssen sich hier einen dicken Bus mieten. Also dick muss er nicht sein, aber irgendwie ein Auto mieten und sonst irgendwie was. Da kommen ja schnell ein paar Tausende zusammen. Ist das nicht ein bisschen ungerecht eigentlich?
Da habe ich ziemlich oft mit Hannes Aich drüber diskutiert. Und habe ihm da meine Meinung und meinen Standpunkt dargelegt. Ich finde es absolut ungerecht. Und ich habe es immer von der Organisation ein bisschen schade gefunden. Dass sie da nicht ein bisschen einen Ausgleich suchen. Ich habe immer gesagt, für mich ist es egal. Ich kann ins Auto einsteigen. Ich bin relativ schnell am Dachstein. Ich bin relativ schnell in Monaco. Aber ich weiß von Athleten. Einer aus Brasilien, der ist hergeflogen, hat sich hier mit dem Geld für den Rückflug ein Auto gekauft. Und hat die X -Alps mitgemacht. Danach das Auto nicht so verkaufen können, wie er das wollte. Und hatte dann kein Geld nach Hause zu fliegen.
Das sind so Dinge, wo ich sage, das müsste eigentlich nicht sein. Da hätte sicher die Organisation das ein bisschen besser machen können. Sie hätten nicht alles bezahlen müssen für jene Leute, die von weiter weg herkommen. Aber vielleicht ihnen einfach helfen mit Sponsoring. Mit günstigen Sachen. Das wäre schon ganz gut gewesen. Hätte vielleicht die ganze Szene auch ein bisschen professioneller gemacht. Aber ist halt nicht und war halt nicht.
Es ist ja so, dass die Piloten auch mit ihrer Leistung und teilweise eben auch mit ihrem Geld ja im Grunde auch eine Marketingmaschine mitfüttern. Wird das irgendwie diskutiert unter den Piloten? Also, dass man sagt, so wollen wir das? Oder ist es einfach so, wird das Stillschweigen akzeptiert? Das heißt, wenn man an diesem Red Bull, wie es schon heißt, X -Alps teilnehmen will, dann akzeptiert man das? Oder sagt man einfach, dass man Teil dieser Maschine dann wird?
Ja, man akzeptiert schon, dass man Teil dieser Maschinerie ist. Aber wir haben uns schon bei bestimmten Dingen auch gewehrt. Da waren natürlich nicht alle dabei. Aber einige haben da schon bestimmte Dinge nicht so ganz richtig empfunden. Und ja, gab es halt Diskussionen, Auseinandersetzungen, sage ich mal, so ein bisschen Grabenkämpfe. Aber wir haben immer versucht, dann das Ganze auch so zu lösen, dass es für alle okay ist. Aber ja, man kann natürlich nicht immer alles wollen. Die Organisatoren schauen, dass sie ihre Sache machen. Und die Athleten müssen halt schauen, dass sie auch ihre Sache machen. Das ist ganz wichtig, dass man sich da auch nicht verliert in irgendwelchen Streitereien oder so.
Also, dass man sich schon auf das fokussiert, was man selber machen muss. Und dann muss man halt schauen für sich, das Beste daraus zu machen. Und das ist ja auch unterschiedlich. Der eine sagt, ich mache da einfach gerne mit. Und auch wenn ich da was drauflegen muss, ist das so. Und der andere sagt, ja, es ist halt schade, dass ich alles selber bezahlen muss. Oder wie du eben gesagt hast, für die Leute, die von weiter weg herkommen, ist das wirklich eine finanzielle Belastung. Aber das wissen sie auch vorher. Und ja, da müssen sie sich einfach vorher schon damit auseinandersetzen und schauen, wie sie das
lösen. Von deinen ganzen X -Lives -Erlebnissen gibt es da irgendwie so ein Highlight, wo du sagst, das will ich auch später auf jeden Fall noch meinen Enkeln erzählen oder wem auch immer. Ich weiß nicht, ob du Enkel irgendwann haben wirst, aber wo man halt sagt, das möchte ich später auch noch wiedergeben. Das ist irgendwie eine Story, die hat sich in mein Leben reingebrannt.
Da gibt es so viele Storys. Wenn jemand bei meinen Vorträgen ist und mal zuhört, dann merkt er, eigentlich könnte ich ja nie aufhören, zu erzählen, weil das sind so viele eindrückliche Erlebnisse, die einem da bleiben. Das ist nicht eines. Und man kann auch nicht sagen, das ist das Tollste. Im Positiven wie im Negativen. Das ist eine ganze Menge. Und da könnte ich jetzt nichts herausheben. Sicherlich sind die Dinge, die so noch wenige Jahre zurückliegen, die so gegen Ende meiner X -Lives -Zeit passiert sind, die sind ein bisschen präsenter als die vom Anfang. Aber bei mir ist immer so, ich habe ganz vieles mit Bildern verknüpft. Und wenn ich dann Bilder sehe, dann fällt mir eigentlich immer alles wieder ein.
Da war ich da und da war das und so. Ich könnte nicht sagen, was das Tollste ist. Von den Anfängen war es sicher, also 2003 war es sicher die Siegerehrung mit dem heutigen Fürsten von Monaco, mit Albert. Das war schon ein Highlight. Das war schon absolut cool, weil normalerweise treffen den nicht so viele Spuren. Das war schon ein Highlight. dass der Sportler, dass der vorbeikommt, einem die Hand schüttelt, auch Interesse hat. Er hat sich die Videos, die sie da schon zusammengeschnitten haben, angeschaut und er war schwer beeindruckt. Er ist ja selber auch Sportler. Er war ja Popfahrer bei Olympia und so. Und er weiß schon, was da dahinter steckt. Und das war schon so. Das war schon eines der Highlights, muss ich schon sagen.
Aber es gab dann auch auf der Strecke ganz viele lustige Geschichten, wo ich mit den Japanern gekämpft habe. Da gibt es jede Menge Sachen, die ich da erzählen kann. Meinen Enkeln und jedem, der gerne
zuhört. Du hast gerade gesagt, bei meinen Vorträgen, da kriegt man das ja auch so mit. Das heißt, du bist ja auch einer, der gerne sein Wissen weitergibt. Welche Themen liegen dir da besonders am Herzen?
Es geht eigentlich schon um einmal das Streckenfliegen. Und um das sichere Streckenfliegen. Ich bin jemand, der erkannt hat in meiner Zeit, dass man von anderen Leuten sehr viel lernen kann. Früher war das nicht so. Früher wurde Wissen eher wenig preisgegeben. Jeder hat geschaut, dass er ja nicht dem anderen irgendwas erklärt. Und das ist heute halt anders. Und es geht sehr viel darum, dass man Wissen weitergibt, dass anderen hilft, dass sie nicht die schlechten Erfahrungen, die wir machen mussten, selbst machen müssen. Das, glaube ich, ist für mich eigentlich das Wichtigste.
Dass man den Leuten wirklich sagen kann, pass auf, bei dem Wetter einfach nicht fliegen gehen, weil es lohnt sich nicht, es bringt nichts. Ich bin so einer, der eigentlich für die meisten Piloten gegen dieses Föhnfliegen ist. Das ja schon mittlerweile ein bisschen heruntergespielt wird. Föhn hat ja verschiedene Facetten und da kann man schon und da ist Föhn geschützt und so weiter. Aber ich sage immer, was bringt es einem, muss es sein. Und da kann man halt sehr vieles weitergeben. Aber auch bei der Routenplanung von den Strecken und so weiter. Also auch da können die Leute heute sehr viel profitieren von den erfahrenen Piloten. Und ein bisschen die psychologische Einstellung.
Das ist für mich ja auch immer so ein Thema. Dass viele Leute nicht auf Strecke gehen, weil sie blockiert werden im Kopf von bestimmten Dingen. Und dass ich da halt ein bisschen helfe und selber auch für mich immer wieder was Neues ausprobiere. Schau, was könnte man machen, dass es mehr Spaß macht, dass es nicht eintönig wird. Aber auch, dass man motiviert ist, weiter zu fliegen und was
zu machen. Mehr Spaß, nicht eintönig, hast du gesagt. Nun fliegst du 30 Jahre. Ist es dir manchmal schon auch bei 30 Jahren Gleitschirmfliegen auch mal eintönig geworden beim Fliegen?
Ja, nicht unbedingt. Ich bin nicht jemand, der zum Beispiel jedes Jahr 20 Mal das FAI -Dreieck an der Grenze fliegen muss.
Da würde es mir langweilig und deshalb mache ich das nicht. Ich fliege dann lieber irgendwie eine Route oder eine Strecke, die noch nie jemand gemacht hat. Oder wenn das Wetter eigentlich gar nicht so gut ist, dann probiere ich was aus. Oder wenn jemand sagt, das geht überhaupt nicht, dann versuche ich das. Und das dauert dann auch meistens länger, bis man da wegkommt und irgendwas erreicht. Das geht nicht mit einmal. Und das sind für mich so ein bisschen mehr die Herausforderungen und deshalb wird es nicht langweilig. Ich genieße aber auch mittlerweile diese ganz gemütlichen Flüge. Auch wenn es nur mal ein Gleitflug ist im Herbst, dann schaue ich mir die vielen Farben an. Die man da sieht und das Licht. Ich fotografiere sehr gerne in der Luft.
Da wird mir eigentlich nicht langweilig, nein. Und ich könnte mich auch nicht erinnern, dass ich einmal gesagt hätte, das ist jetzt langweilig. Eigentlich nicht, nein.
Warst du denn früher jemand, der so nach XC -Punkten geflogen ist bzw. danach getrachtet hat, ja, ich muss am Ende des Tages, will ich da als Tagessieger oder mit zumindest mehr Punkten als die anderen Clubmitglieder bei uns hier in Südtirol oder sowas dastehen. Also warst du auch da in dieser Hinsicht so ein kompetitiver Pilot und bist erst später einer geworden, der gesagt hat, ja, ich fliege halt meine Sonderroute vielleicht. Da weiß ich, ich habe meinen Spaß. Vielleicht sind die XC -Punkte am Ende gar nicht so wichtig oder sind gar nicht so viele, die da zusammenkommen. Aber du weißt, dass du einen tollen Flug geleistet hast für dich. Aber war das früher was anderes? Eigentlich nicht.
Weil ich, jetzt bin ich doch relativ lange Lehrer und viele sagen, ja, die Lehrer, die haben ja immer Zeit. Aber ich habe halt nicht dann Zeit, wenn das Wetter gut ist, sondern ich habe das Wochenende Zeit. Wenn jetzt am Mittwoch ein super guter Streckenflugtag ist, kann ich nicht fliegen gehen. Ich kann nicht in der Schule sagen, ich komme einfach nicht. Und da habe ich gesehen, dass ich vielleicht, wenn am Wochenende ein guter Flugtag ist, kann ich in dieser Tageswertung vorne sein. Ja, das schon, das ist auch ganz nett und schön. Und wenn es passiert, ist es okay. Aber ich habe in der Gesamtwertung nie eine Chance, weil andere einfach einen Tag frei nehmen können. Und das kann ich nicht. Und deshalb war das für mich eigentlich nie so der Punkt, wo ich gesagt habe, da möchte ich vorne dabei sein.
Geht einfach nicht. Und wenn es nicht geht, dann brauche ich mich da auch nicht irgendwie drauf einlassen. Wie gesagt, Tageswertung mal vorne zu sein, das ist ganz nett. Aber das ist auch immer schwierig, weil man weiß ja nicht, was die anderen fliegen, wie weit die anderen fliegen. Das ist dann meistens auch immer so ein bisschen ein Zufallsprodukt. Die anderen fliegen auch gut, die fliegen auch weit. Und ja, ich habe da Respekt vor jedem, der noch weiter fliegt wie ich.
In einem deiner Vorträge, du hast gleich mal einen Vortrag bei der Wassergruppe gehalten, den kann man auch als Video abrufen. Und da ist eine ganz schöne Sache, die du da erzählt hast. Da hast du gesagt, fürs Streckenfliegen, du gibst den Wegpunkten, wo du hinfliegst, den gibst du Frauennamen. Warum?
Ja, das ist mir mal eingefallen, weil meistens bei den Wettbewerben und einfach immer, wo irgendwo Wegpunkte sind, dann heißt es ja Turnpoint 1, Turnpoint 2, Turnpoint 5 und was weiß ich. Und das ist ja total langweilig, ist mir vorgekommen. Das motiviert ja gar nicht. Und man vertut sich auch, man verwechselt sich. Und dann haben wir in Levico beim Dolomiti Superfly mitgemacht, Robert, mein Kumpel und ich. Und ich habe zu Robert gesagt, du Robert, ich probiere mal was aus. Das mit diesen Turnpoints, das passt mir nicht. Ich gebe den Wegpunkten jetzt Frauennamen. Und dann sagt er, Andi, du spinnst jetzt komplett. Und ich sage, nein, nein, ich spinne nicht komplett, sondern ich glaube einfach, dass das lustig ist.
Entweder wir nehmen einen Namen von jemandem, den wir da kennen, oder irgendeine Sportlerin, die ich toll finde, oder irgend sowas. Probieren wir einfach. Und dann sagt er, wenn du meinst, machen wir halt. Und in Veltri kenne ich dann die Martina Centa, die ja auch fliegt. Und dann war das so dieser Bezug. Wir fliegen zur Martina. Und deshalb war dieser erste Wendepunkt, das war die Martina. Und ja, das war dann ganz lustig zu sehen, wie man plötzlich eine ganz andere Motivation hatte, zu diesem Wendepunkt hinzufliegen. Allgemein. Weil es immer geheißen hat, ja, wie kommen wir da jetzt hin? Wenn wir da raufgehen und die Martina müssen wir schon heute besuchen, also morgen geht nicht und so.
Im Gespräch war das echt ganz, ganz lustig und nicht irgendwie so immer nur dieser Turnpoint. Und auch in der Folge war das dann halt immer so, ja, hat eigentlich Spaß gemacht. Und ich habe gesehen, mich hat es motiviert. Dem Robert hat es Spaß gebracht. Er hat gelacht. Und ja, das war eigentlich ganz, ganz, für mich eigentlich eine ganz gute Erfahrung. Es muss nicht ein Frauennamen sein. Es können auch irgendwie, ich habe es damals auch gesagt, wenn die Leute sagen, ich möchte bis da und da hinfliegen, dann kann man sagen, dass man sich da eine Belohnung holt, ein Bier oder irgendwas oder Eis. Und mittlerweile ist zum Beispiel bei meinen Streckenflugwochen ganz oft die Eisdiele in Sand in Taufers einfach, ja, ich fliege zur Eisdiele, so.
Und dann wissen wir, Wendepunkt Eisdiele oder Ziel Eisdiele, wissen wir halt, das ist Sand in Taufers. Und da freuen sich die Leute drauf, weil sie halt nicht sagen, ich fliege nach Sand in Taufers, sondern ich fliege in die Eisdiele und dann gibt es ein gutes Eis, wenn ich da hinkomme. Also das ist auch diese Belohnung. Und ja, so kann man halt ein bisschen so Spielereien machen. Für mich waren es halt damals diese Frauennamen, mit denen ich das einmal probiert habe.
Wenn du sagst, so Streckenflugwochen machst du da, wie kann man, wenn man gleich so eine ganze Gruppe von Piloten hat, wie kann man denen gut was mitgeben dabei? Weil du hast ja vielleicht ganz unterschiedliche Niveaus von Leuten, die schon relativ gut Thermik und Strecke fliegen können, die ihre Erfahrung haben und vielleicht welche, die sagen, ja, die müsstest du am besten das Zentrieren noch erstmal richtig beibringen, dass es das geht. Wie kriegt man so eine Gruppe zusammen?
Ja, du hast recht. Also das Niveau wurde, wurde mit den Jahren sehr, sehr unterschiedlich. Wir hatten Leute dabei, die wirklich sehr langsam fliegen, die erst am Anfang der Streckenflüge sind und welche, die schon sehr gut geflogen sind. Das haben wir jetzt ein bisschen geteilt. Da haben wir geschaut, dass wir Piloten mit gleichem Niveau so ein bisschen zusammenbekommen. Und für mich ist einfach die Aufgabe, dass ich so gut es geht immer den Überblick behalte. Ich muss halt schauen, dass ich sehr viel zwischen den Leuten hin und her fliege, muss sehr schnell fliegen, und dann kann ich den Vorderen wieder sagen, sie können da hinfliegen, das und das und das machen und so weiter. Also wir haben schon immer eine Grundstrecke vorgegeben, wo wir gesagt haben, das und das wäre heute möglich, das können wir machen, damit wir dann auch wirklich alle auf der gleichen Linie ungefähr bleiben und nicht der eine links und der andere rechts fliegt, weil dann würde das nicht funktionieren.
Und dann suche ich mir oft einmal die Strecken so aus, dass ich einen Schenkel habe, wo die Leute hinfliegen und wieder zurückfliegen, dann treffe ich sie auch wieder, dann können die Guten schon einmal vorausfliegen, haben dann irgendwo einen Wendepunkt und kommen wieder zurück. Und die, die weniger gut sind, die können dann, wenn die zurückkommen, einfach umdrehen und mit denen wieder ein Stück mitfliegen und so. Und wie gesagt, ich muss halt dann einfach schauen, dass ich so eine gewisse Zeit bei den Schlechteren bin. Irgendwann, wenn ich dann sehe, es geht einfach gar nicht weiter, dann muss ich denen auch sagen, jetzt schau einfach selber, dass du noch weiterkommst. Es kommt auch auf die Zeit drauf an, die fliegen ja dann auch nicht ganz so lange. Oft einmal sage ich dann, ich glaube, es ist jetzt auch genug für dich, höre in dich rein, schaue, ob es noch geht.
Und oft wollen sie dann auch selbst landen, wenn es bockig wird oder so. Wenn sie ins Tal rausfliegen und eventuell die Ohren anlegen, dann weiß ich, okay, jetzt kann ich den anderen hinterherbrettern. Und es geht schon. Also ich sehe die Leute auch meistens und es ist nicht leicht, aber ich kriege es halbwegs
gut zusammen, glaube ich. Das heißt, du fliegst hin und her, hast ein Funkgerät, funkst du dann mit den Leuten oder spiralst du zu denen runter und kreist dann mit denen rum und reißt die an und sagst, jetzt machen wir so und ein bisschen enger oder was auch immer?
Ja, genau. Also alles, je nachdem. Also wenn es jetzt eher schwierig ist, dann kreise ich oder spirale ich nicht immer runter, weil ich muss ja dann auch schauen, dass auch nicht ich absaufe, sondern dann helfe ich vielleicht eher über Funk. Ich weiß schon, wo die Thermiken stehen und wo die Thermikquellen sind und dann kann ich die Leute schon ziemlich genau hinschicken und weiß dann auch, okay, jetzt müsste es gehen. Und dann geht es auch meistens. Oder ich fliege wirklich dann runter und hilfe ihnen einkreisen und aufdrehen oder fliege dann auch mit ihnen einfach mal eine gewisse Strecke, eine gewisse Route, nehme mal eine Abkürzung, speziell mit denen, die ein bisschen schlechtere Schirme haben. Ich habe auch Leute dabei, die fliegen da mit A -Schirmen mit. Da waren wir vor zwei Jahren, waren wir mal mit dem Hauptkamm unterwegs auf über 4000 Meter,
einfach mit dem A -Schirm. Also es ist auch da keine Grenze gesetzt, was ja viele Leute immer glauben. Man muss ja einen hochklassifizierten Schirm haben, um sowas zu machen und das ist absolut nicht der Fall. Aber mit solchen Leuten muss ich dann eher schauen, dass ich ein bisschen Abkürzungen finde, damit wir den Besseren hinterherkommen. Aber ja, ich muss da alle Register meines Könnens ziehen. Das macht dir dann aber auch wahrscheinlich richtig Spaß. Es macht mir total Spaß. Es ist aber auch sehr anstrengend. Also am Ende des Tages bin ich dann ganz schön kaputt, weil ich muss im Grunde genommen für acht Leute fliegen, also für sieben Teilnehmer und für mich.
Und die alle im Blick behalten. Nutzt du auch heutzutage dann Technik dafür, dass du beispielsweise irgendwie so ein Live -Tracking hast und wo du sagst, da sehe ich meine Gruppe, habe ich irgendwie in einem Live -Tracking zusammen, und da kann ich drauf gucken und sehe, wer fliegt denn voraus und wer hängt hinterher? Oder ist das wirklich alles im Blick behalten, wirklich mit deinen Augen?
Ich versuche es immer im Blick zu behalten, wenn es geht. Wenn ich dann einmal wirklich gar nicht mehr weiß, wo die Leute sind, speziell so ein bisschen gegen Ende des Tages, dann schaue ich schon, wo die Leute umgehen. Da kann ich auch einmal ins Live -Tracking schauen. Aber es ist halt ganz oft, dass es nicht richtig funktioniert, dass es bei einem sich ausgeschaltet hat und der gar nicht merkt, dass es nicht läuft und so. Es funktioniert nicht immer perfekt. Ich versuche, wenn es geht, die Leute wirklich im Blick zu behalten und zu sehen, wo sie sind. Sie geben mir dann oft einmal auch einfach eine Rückmeldung. Ich mache jetzt diesen Talsprung und dann sehe ich sie aber auch gleich wieder. Dann weiß ich schon wieder, ah ja, da ist er. Und dann kann ich wieder weiterhelfen.
In der Vorbereitung zu diesem Talk habe ich dich auch mal gefragt, über welches Thema du gerne der Community vielleicht mal was mitgeben würdest. Und du hast gesagt als Antwort, die Macht der positiven Gedanken im Flugsport. Was ist die Macht der positiven Gedanken und wie groß ist diese Macht?
Ja, ich glaube, dass das schon viel ausmacht. In jeder anderen Sportart sind ja Sportpsychologen, die da den Athleten weiterhelfen. Und im Gleitschirmsport wird in diesem Bereich eher wenig getan. Das ist aus meiner Sicht zu wenig. Vor allem Ängste wegzunehmen. Dass man einfach Spaß am Fliegen hat und nicht sich selber blockiert, weil man bestimmte Ängste hat. Oder wie eben gesagt, diese Ziele sich setzen. Wo möchte ich hinfliegen? Speziell mit diesem Wegfliegen, das Streckenfliegen. Die Leute fliegen nicht weg, weil sie immer ans Auto denken.
Das ist halt diese Blockade. Das Auto steht da und wenn ich jetzt wegfliege, dann komme ich nicht mehr zum Auto. Und das ist für mich immer ganz spannend, wenn man die Geschichte dann umdreht. Wenn man zum Beispiel, was das Auto betrifft, nicht mit dem Auto zur Seilbahn und mit der Seilbahn zum Startplatz fährt und dann nicht wegfliegt, weil das Auto an der Seilbahn steht, sondern das Auto irgendwo stehen lässt und das Auto plötzlich zur Motivation wird. Weil ich will ja zum Auto kommen. Ich fahre morgens mit dem Auto da und dahin, lasse es stehen, fahre mit den Öffentlichen, Verkehrsmitteln bis zur Seilbahn, fahre mit der Seilbahn hoch und dann ist es eine Motivation, zum Auto zu kommen. Und so dreht man das Ganze um. Und so hat man plötzlich von dieser Bremse so einen positiven Gedanken.
Oder sich zu belohnen, das ist auch etwas, was ich gelernt habe, dass ganz viele Leute, ich habe dir vorhin gesagt, ich habe von Maximilian den Podcast gerade vorhin gehört, dass ganz viele Leute, wenn es nicht so läuft und wenn sie zu, also ihrer Meinung nach, zu früh landen müssen, dann sind sie grantig und fluchen rum und tun und machen und schimpfen. Und ich bin da jemand, der mag das überhaupt nicht, weil das ist absolut negativ. Weil das allererste ist, dass man froh ist, gesund gelandet zu sein, weil das ist nicht selbstverständlich. Das habe ich auch erst lernen müssen. Früher war das für mich auch so, dass das ganz logisch war und dass ich grantig war, wenn ich abgesoffen bin. Heute ist das nicht mehr so. Heute weiß ich, es hätte auch schiefgehen können. Oder wäre ich nicht da abgesoffen?
Vielleicht wäre es dann schiefgegangen. Das ist auch so ein Gedanke, den man mal haben kann, weil man weiß ja nicht, was gewesen wäre. Und dann einfach sagen, so, das ist gut gelaufen. Ich analysiere dann ganz kurz für mich, was habe ich falsch gemacht, dass ich da jetzt stehe und da diesen Talsprung oder was nicht geschafft habe. Das sind dann fünf Minuten. Die gebe ich mir. Da kann ich auch grantig sein mit mir selber. Aber danach ist auch gut. Und dann sage ich so, habe ich es gut gemacht? Ja, eigentlich schon. Das war jetzt schon. Also kann ich mich belohnen? Und dann gehe ich irgendein gutes Getränk trinken, das ich gerne mag, für mich als Belohnung ein Eis essen, so. Ich bin aber auch jemand, der sich bestraft, wenn ich weiß, das ist jetzt ganz schlecht gewesen. Dann sage ich auch, okay, heute gibt es kein Eis.
Fertig. Und wenn du jetzt schwitzt, ist es wurscht. Das nächste Mal strengst du dich mehr an. Muss ich nicht ganz oft zum Glück machen, aber mache ich auch. Und das habe ich auch bei den X -Libs gelernt. Das habe ich auch gelernt, einfach diese positiven Gedanken zu haben. Und wenn es schlecht läuft, wenn man irgendwo landen muss, bei den X -Libs zum Beispiel, einfach sagen, so und jetzt, weil es nicht so gut gelaufen ist, weil du einen Fehler gemacht hast, läufst du den Berg umso schneller hoch. Und dann kann man das Negative in das Positive umdrehen. Und dann macht das auch Spaß, dann den Berg schnell hochzuflitzen und zu sagen, die hole ich schon noch und so. Da gibt es ganz viele Anknüpfungspunkte, die aus meiner Sicht schon ganz spannend sind.
Hast du ein Beispiel, wo du mal besonders stark von positiven Gedanken wirklich profitiert hast? Wo du sagst, das habe ich eigentlich nur geschafft, weil ich diese positiven Gedanken dann hatte oder das entsprechend irgendwas Negatives ins Positive gedreht habe?
Sagen wir mal so, also die Euphorie ist ja auch was Positives. Und bei den X -Libs 2005, da lief es mir am ersten Tag richtig gut. Bin ich super gut weggekommen und bin dann zwar, wir sind damals auch am Dachstein gestartet und ich bin noch ungefähr bei Fieberbrunn, bin ich irgendwo gelandet am Abend und habe schon gemerkt so, das war jetzt richtig gut. Ich glaube, die anderen sind so hinter mir und es müsste eigentlich ganz gut gehen. Und dann habe ich gesehen, dass der Urs Lötscher noch in Talmitte über mir geflogen ist. Der hat da die umgekehrte Amik noch schön genutzt und ist bis nach Kitzbühel geflogen.
Und ja, natürlich tut einem das im ersten Moment weh, aber dann habe ich mir gedacht, okay, der ist jetzt an mir vorbeigeflogen. Das ist eigentlich der Einzige, den ich gesehen habe. Das heißt, ich müsste eigentlich Zweiter sein. Dann habe ich Florian angerufen und die Jungs, die da noch dabei waren, schaut einmal nach. Na, du bist Zweiter. Und ja, obwohl er an mir vorbeigeflogen ist, war es für mich aber dann die Motivation, richtig Gas zu geben und zu schauen, ihn einzuholen. Und da habe ich halt die Tage danach profitiert, wobei ich heute weiß, dass es mich übermotiviert hat. Ich habe dann zu viel gemacht und habe dann am Ende, nach drei Tagen, hatte ich meinen Pulver verschossen und das war dann nicht gut. Aber ja, es hat mich motiviert, einfach vorne zu sein, auch den Urs vorbeifliegen zu sehen, zu wissen, er ist vor mir, aber ich wollte ihn
immer einholen. Und das war damals bei ihm, aber es war auch bei den letzten X -Alps, ich weiß nicht mehr, wie der Japaner hieß, aber der hat mich da an der Zugspitze überholt. Wir saßen im Nebel und er war eigentlich hinter uns und schon da langsamer und ist halt oben rausgestartet bei Sonnenschein. Und ich habe ihn lange nicht gesehen, aber er war für mich immer so die Motivation, ich will den einholen, ich will den einholen. Viele andere, die sagen, ja, das ist eh alles blöd und so weiter. Und für mich war es einfach die Motivation. Er hat mich überholt, schlechtes Erlebnis, aber den will ich wieder erwischen.
Hast du denn diese Art des positiven Denkens, hast du dir das selbst beigebracht oder hast du mal irgendwie ein Mentaltraining gemacht, wo du sagst, so als Gleitschirmflieger, ich will mir da psychologische Hilfe holen? Oder sind das einfach deine Lebenserfahrung, oder deine Lebensweisheit, die mittlerweile da durchscheint?
Ja, im Grunde genommen habe ich das bei den X -Alps gemacht. Also zu den Anfängen gab es ja niemanden, der sowas gemacht hat.
Und da war es halt am Anfang wirklich so, dass man das Negative aufgenommen hat und in eine solche Negativspirale geraten ist. Das Wetter war schlecht. Ich war körperlich dann einfach schon total fertig. Ich konnte nicht mehr gescheit fliegen, weil ich mich nicht mehr konzentrieren konnte. Und dann hatte ich auch gar keine Lust mehr. Und dann war das halt nur mehr so ein Rumgejammer. Und dann habe ich irgendwann gedacht, okay, aber jammern hilft ja auch nichts. Du bist da dabei, du willst da dabei sein und da musst du jetzt durch. Das ist eben so. Und damals habe ich das noch nicht so wirklich herausgefunden oder noch nicht gemerkt, dass man das umdrehen kann. Aber das hat sich dann mit der Zeit entwickelt. Und als dann die Ersten kamen,
die gesagt haben, ja, das kann man auch im Gleitschirmsport machen und einfach da was angeboten haben. Da habe ich mir dann mein Buch durchgelesen und habe gesehen, ja, eigentlich mache ich das mittlerweile genau so. Und ja, die Psychologen, die das für den Gleitschirmsport anbieten, die sagen auch nichts anderes als das, was ich eigentlich mache. Das sind schon noch ein paar Kleinigkeiten, die dann noch dazukommen, wo ich sage, ja, das habe ich eigentlich gar nicht gedacht oder so. Aber im Großen und Ganzen hat sich das einfach durch, hauptsächlich durch die X -Hype so entwickelt. Einfach quasi learning by doing. Ja, ganz genau. Das haben wir ja früher auch gemacht. War ja sehr viel. Ich habe damals einen Flugschein ganz normal in der Flugschule gemacht, aber gelernt haben wir dann nicht wirklich so viel.
Sind rausgestartet und sind eingelandet. Das hat uns der Fluglehrer beigebracht. Aber Streckenfliegen oder so, das war halt damals noch nicht. Das hat ja niemand beigebracht. Hat man immer selber probiert, ausprobiert. Und so wie beim Fliegen, waren das dann halt auch irgendwann diese psychologischen Dinge.
Gibt es Sachen, wo du heute sagen würdest, oder wenn du mal zurückdenkst, an den jungen Andi, als er anfing zu fliegen und so seine ersten Versuche machte und sich vielleicht auch so die ersten Flügel mal so ein bisschen angebrochen hat oder sonst irgendwie was. Gibt es was, wo du sagen würdest, das würde ich dem eigentlich heute gerne mitgeben? Von deiner Erfahrung jetzt, wo du sagst, hey, damit könnte ich dir in deiner Fliegerkarriere irre was erleichtern. Was dann genauso jetzt vielleicht auch für Zuhörer, die sagen, ich stehe am Anfang meiner Fliegerkarriere. Also was kann ich, kann mir ein Andi mitgeben, wo ich sage, hey, das könnte eine echte Erleichterung für mich sein.
Also für mich selber jetzt, für mich und für mich als Typ, wie ich war, glaube ich, wäre das allerbeste, dass ich mir sagen würde, Andi, du bist nicht unsterblich. Das war so am Anfang ein bisschen das Problem. Also ich dachte immer, es kann eh nichts passieren. Und ich kann das und das ist alles kein Problem. Es ging dann einmal fast schief. Da hatte ich sehr, sehr viel Glück. Ja, ich habe halt in jedem Moment genau das Richtige gemacht. Ich bin damals ins Tuch gefallen und hatte einen 700 Meter Freifall. Die Sekunden habe ich nicht gezählt. Es war irgendwie eine irre lange Zeit, wenn ich so nachdenke. Das hat wirklich sehr lange gedauert, aber das waren ein paar Sekunden.
Und ich habe es geschafft, aus dem Tuch rauszukommen, weil ich damals ein Rettungssystem hatte, das Cutaway, das ja nur auslöst, wenn der Hauptschirm wegfliegt. Und wenn du dann im Schirm drinnen liegst, dann löst es halt nicht aus. Deswegen wäre das eigentlich nur mit Rundkappe zugelassen gewesen. Aber als Südtiroler braucht man halt keine zweite Rettung, habe ich damals gedacht. Und ja, es ist alles gut gegangen. Ich bin da ganz normal mit meinem Rettungsfallschirm gelandet. Aber das war eigentlich der Punkt, wo ich gemerkt habe, okay, du kannst nicht alles. Ja, es geht halt einfach nicht alles. Wir haben halt jeden Blödsinn einfach ausprobiert. Das würde ich mir schon mitgeben und sagen, lass das, pass einfach auf.
Du kannst ganz viel erreichen, du kannst ganz viel probieren, aber immer bewusst machen die Sachen. Nicht einfach so, jetzt fliege ich mal ins Lee, sondern bewusst ins Lee fliegen. Wenn du weißt, was du tust und was dich erwartet, oder wenn du zumindest eine Ahnung hast, dann bist du auch auf vieles vorbereitet. Und dann passiert das eben nicht, dass du da plötzlich im Schirm hängst. Es kann immer noch passieren. Aber ja, man ist halt einfach mehr gefasst auf diese Dinge.
Ja, das
wäre was.
Dafür muss man aber eigentlich auch erst mal wissen, was ist ein Lee? Wo bildet es sich vielleicht? Und zu sagen, jetzt fliege ich entweder bewusst rein oder ich vermeide es bewusst. Aber sehr viele Piloten und Pilotinnen, gerade auch am Anfang, wenn man noch gar nicht so viel weiß, kann man ja vieles eigentlich noch gar nicht richtig einschätzen. Und man begibt sich eigentlich, so gesehen ist ja jeder Flug dann ein Flug ins Ungewisse, so ungefähr. Man weiß häufig gar nicht selber, was man sich da vielleicht antun könnte.
Ja, da hast du recht. Das eine war ja jetzt auf mich bezogen. Und ich glaube, jetzt auf die große Masse bezogen, finde ich, dass die Leute heute sehr viele Möglichkeiten haben, sich erfahrene Piloten irgendwie zu angeln, die ihnen helfen. Ich hatte da auch mit dem DHV vor einem halben Jahr mal so ein bisschen die Diskussion und habe das auch ganz bewusst in meinem Vortrag dann so gesagt. Bei den Gleitschirmfliegern ist dieser Trainer eher verpönt, dass sich die Leute einen Trainer nehmen, einen Coach nehmen. Es fängt schon damit an, dass das Wort,
mit dem das betitelt wird, aus meiner Sicht komplett falsch ist. Das ist dieses betreute Fliegen. Es gibt betreutes Wohnen. Das machen alte Leute. Es gibt viele betreute Dinge, aber alles, was betreut ist, ist eigentlich negativ behaftet. Und deshalb ist dieses Wort betreutes Fliegen aus meiner Sicht komplett falsch. Es gibt kein betreutes Fußballspielen. Habe ich noch nie gehört. Aber jede Fußballmannschaft hat einen Trainer. Jede Eishockeymannschaft hat einen Trainer. Jeder Skisportler hat einen Trainer. Alle haben einen Trainer. Nur im Gleitschirmsport haben die Leute viel zu wenig Trainer, weil das ist ja betreutes Fliegen. Und das ist ja schlecht. Und ich finde einfach, die Leute sollten das erkennen, dass sie von denen, die schon lange fliegen, die viel Erfahrung haben und die diese Erfahrung aber auch weitergeben können, weil das ist auch noch so ein Punkt, das kann nicht jeder.
Nicht jeder kann das auch. Man kann das dann auch so wiedergeben, dass es dem anderen etwas bringt. Aber die Leute sollten davon profitieren und da haben sie auch die Möglichkeit. Und sie sollen sich nicht abschrecken lassen, weil es dann heißt, du gehst ja noch in eine Flugschule oder hier betreut oder so. Nein, das ist ein Trainer. Den hole ich mir. Das muss auch nicht eine Woche sein. Das kann ein Wochenende sein. Ganz egal. Irgendwo in einem Fluggebiet, da ruft mir jemand an, du schau, ich würde von dir gerne was lernen.
Was kostet das Ganze? Weil das kostet auch in anderen Sportarten was. Aber da wird das ja positiv gesehen. Ja, da bezahle ich was, aber dann kriege ich auch was dafür. Und beim Gleitschirmfliegen wird halt sehr viel selber probiert. Ja, dann sind ein paar Kumpels dabei. Die Kumpels sagen dann, ah ja, ja, da magst du nur reinfliegen, das ist kein Problem. Und ja, ja, das geht schon. Ja, dann hängt halt einer irgendwo im Baum oder so und dann ging es halt nicht. Und wenn man sich da aber ein bisschen an Leute wendet, die das schon professionell machen und die wissen, was sie tun und was sie da erzählen, dann glaube ich, könnten da sehr viele von dem profitieren.
Ich habe so manchmal den Eindruck, es gibt ja so die unterschiedlichsten Typen von Gleitschirmfliegern. Es gibt ja die, die voll darin aufgehen und dann fangen sie an zu fliegen und dann sind sie erst mal nur noch am Fliegen oder so was. Und es gibt die Leute, die das sagen, ja, das soll man ja relativ einfach machen können und dann machen sie das mal, machen so zwei Wochen Kurs, dann haben sie vielleicht ihren A -Schein fertig. Dann fliegen sie so ein bisschen, kriegen aber mit da, wo ich zu Hause bin, da kann ich gar nicht so regelmäßig wirklich fliegen und nach kurzer Zeit endet es eigentlich damit, dass sie vielleicht zwei Wochen im Jahr betreut fliegen gehen und dazwischen aber fast nichts machen. Also zwischen diesen zwei Urlauben, die sie dann vielleicht haben, eigentlich auch alles, was sie gelernt haben, schon fast wieder verlernen. Also da keine wirklichen Fortschritte machen.
Müsste man nicht eigentlich auch wirklich noch viel stärker betonen, dass man sagt, hey, wenn ihr schon Gleitschirmfliegen wollt, das ist ein wirklich auf gewisse Weise lebensgefährlicher Sport. Ihr müsst dann auch bereit sein, da entsprechende Zeit und entsprechendes Training reinzustecken. Wenn ihr das eigentlich nicht bereit seid, dann lasst es vielleicht besser.
Na, das
sehe ich nicht so. Also ich glaube, einmal einmal wäre es ganz wichtig, dass die Leute allgemeinen Sport machen.
Leider sind zu viele Gleitschirmsportler, keine Sportler. Die haben ganz oft nichts anderes gemacht. Die sind motorisch vielleicht nicht ganz so geschickt. Aber Gleitschirmfliegen geht für jeden. Und da wird es schon oft ein bisschen problematisch. Ich würde aber nicht sagen, es ist jetzt allgemein lebensgefährlich. Ich glaube immer, das kommt darauf an, was jemand machen will. Es gibt Leute, ich bin ja auch ab und zu in der Flugschule und rede da mit den Fluglehrern. Und die sagen, Andi, schau, du musst dir vorstellen, für diese Leute ist dieser Flug von 10 Minuten, 15 Minuten, wo sie einfach nur raus starten morgens und runterfliegen zum Landeplatz, eine Zeit, wo sie abschalten können.
Wo sie an nichts anderes denken als an das Fliegen. Und ich glaube, dass wir, die sehr viel fliegen, uns das oft gar nicht vorstellen können. Ich selbst mache ja im Flug, wenn ich da mit meinen Leuten unterwegs bin, alles nur nicht fliegen. Ich denke nicht ans Fliegen. Ich schaue, wo die sind. Ich checke das Wetter. Ich schaue die Winddaten. Wenn einer schon gelandet ist, dann bin ich schon im Internet und schaue nach den Busverbindungen, wie er ins Tal rauskommt. Ich habe alles Mögliche zu tun. Ich mache Fotos. Also ja, ans Fliegen denke ich gar nicht. Und das ist der Unterschied. Diese Leute, die starten raus, die vergessen alles. Die haben keine Sorgen. Die denken nicht an die Arbeit, sondern die sind wirklich 100 % auf diesen Flug fokussiert. Und das hat auch seine Berechtigung.
Aber dann
passt ja auf solche Leute eigentlich der Begriff betreutes Fliegen, passt ja dann eigentlich. Weil man sagt, okay, wir machen das Setting so, dass du dich wohlfühlen kannst. Du kannst deine 15 Minuten abgleiten. Du fühlst dich super. Und ich kümmere mich darum, dass das Wetter passt. Also, dass ich dir sagen kann, du kannst jetzt sauber raus starten und du wirst wahrscheinlich, wenn du nichts ganz doofes machst, wirst du heil unten ankommen. Und deinen Spaß haben. Genau. Aber das kann genauso
der Begriff Trainer. Da muss ich nicht sagen, das ist betreutes Fliegen. Weil wie gesagt. Aber Trainer klingt immer so
nach Weiterentwicklung. Also für mich. Und diese Leute, die wollen ja vielleicht manchmal einfach nur ein bisschen abhängen, ein bisschen runterfliegen, aber gar nicht unbedingt sich weiter. Sie träumen vielleicht davon, sich weiterzuentwickeln, aber haben gar nicht die Bereitschaft, die Zeit dafür dann auch zu investieren.
Da gebe ich dir auch recht. Aber es gibt ja auch kleine Weiterentwicklungen. Ich glaube, die Weiterentwicklung ist ja auch zum Beispiel beim Start und beim Landen. Dass die Leute dann nicht sich irgendwie nur raushauen, sondern dass sie den Start perfektionieren. Das ist auch eine Weiterentwicklung. Und das macht auch ein Trainer, der dir dann erklärt, pass auf, zieh den Schirm langsamer auf oder mach das oder mach jenes. Man muss auch nicht immer nur fliegen. Man kann auch, wenn dann der Wind nicht mehr ganz so gut ist, einfach mal auf die Wiese gehen, und Groundhandling machen. All diese Dinge, das ist schon ein Weiterentwickeln aus meiner Sicht. Wenn man schaut, wie die Leute die ersten Tage, auch nach, was weiß ich, einem halben Jahr, wo sie nicht mehr fliegen, die ersten Tage starten. Und wie sie dann gegen Ende der Woche starten.
Man kann auch sagen, wir machen irgendwie einen kleinen Punktlandewettbewerb oder so. Also muss man immer aufpassen, dass die Leute dann nicht den Schirm abreißen. Aber da gibt es, glaube ich, schon sehr viele Dinge, wo man die Leute ein bisschen weiterbringen kann, sie aber nicht überfordern muss. Man muss nicht sagen, ihr müsst alle super Streckenflieger werden. Und wenn dann ein Interesse da ist, dann kann man auch mal sagen, das hast du jetzt sehr gut gemacht, jetzt fliegst du mal dahin. Ich bin halt einfach so ein bisschen dagegen von diesem Begriff. Weil, wie gesagt, dieser Begriff meistens mit älteren Menschen zu tun hat. Und da ist es betreut. Und im Flugsportbereich wird das auch sehr negativ immer gesehen, wenn die Leute sagen, ich gehe betreut fliegen.
Ja, ja, ja, bist du nur betreut. Und deswegen sage ich vielleicht mehr Trainer. Punkt. Aus. Das ist einfach dieser andere Begriff. Und dazulernen kann jeder, egal ob er zweimal im Jahr, zwei Wochen oder eine Woche jeweils fliegen geht oder ob er in den Alpen wohnt und immer fliegt. Jeder kann dazulernen. Immer auf seine Art und Weise.
Du hast gerade eine Sache gesagt, damit würde ich auch gerne zum Abschluss kommen. Du hast gesagt, wenn du diese, deine betreuten, ich sage jetzt betreuten in Anführungszeichen, betreuten Gruppen hast, wo du sagst, ich zische zwischen denen hin und her und gucke, wo der Bus fährt und Sonstiges. Ich mache alles andere als fliegen. Du bist aber trotzdem in der Luft. Wie geht so was? Und dann auch zweite Frage kannst du in einem beantworten. Wenn du alleine fliegst, gibt es auch solche Momente, wo du fliegst und irgendwann feststellst, fliege ich eigentlich? Also was geht dir dann im Kopf vor?
Ja, also wenn es jetzt richtig bockig ist, dann bin ich auch am Arbeiten, konzentriert sein, dann muss ich wirklich fliegen. Dasselbe gilt, wenn ich tief bin, dann muss ich auch auf mich schauen, dass ich hochkomme, da muss ich fliegen. Und ansonsten bin ich jemand, der immer schon sehr viel probiert hat.
Ja, man kann nicht immer alles erzählen, glaube ich. Aber nee, zum Beispiel sich Thermik vorstellen. Ist ja ganz schwierig. Wie stellen sich die Leute die Thermik vor? Und ich habe dann ganz oft probiert, in meinem Fluggebiet am Ritenhorn, wo nur ich fliege, einfach einmal die Augen zuzumachen und mit geschlossenen Augen die Thermik zu zentrieren. Und so habe ich für mich ein Bild im Kopf, wie die Thermik aussieht. Und davon profitiere ich heute, weil ich einfach in die Thermik reinfliege und automatisch schon weiß, okay, das geht jetzt so und so. Und da muss ich nicht mehr dran denken. Dasselbe gilt, dass ich sehr oft mit der linken Hand die rechte Bremse nehme und umgekehrt. Das heißt also, ich muss eigentlich seitenverkehrt denken, wie ich jetzt kreise.
Solche Dinge, die probiere ich halt oft und dadurch muss ich dann nicht immer ans Fliegen denken. Und da gehen halt sehr, sehr viele Dinge einfach automatisch. Auch wenn ich da irgendwie am Handy was suche und ich muss dann plötzlich rechts drehen und links tue ich am Handy was suchen. Dann nehme ich halt mit meiner linken Hand die rechte Bremse und dann drehe ich da auf. Also das wird dann einfach alles viel normaler. Und wenn ich alleine unterwegs bin oder so mit Kumpels oder so, dann mache ich auch oft Fotos. Für mich ist dann halt immer so, dass der Spaß im Mittelpunkt und nicht unbedingt das Fliegen und wie wir vorhin auch gesagt haben, dieses ich muss jetzt viele Kilometer machen, ich muss schnell sein.
Das kann auch einmal sein, wenn ein guter Tag ist, dann sage ich mir so, heute will ich immer Gas geben, dann mache ich das auch, dann macht mir das auch Spaß. Aber es ist nicht so etwas, was ich immer machen muss. Und ja, davon profitiere ich halt und kann das dann auch, wenn ich mit Leuten unterwegs bin, zu deren Nutzen nutzen. Hast du noch einen fliegerischen Traum?
Vielleicht nochmal X -Rays machen
und ansonsten nein, einfach gesund bleiben und die schönen, schönen Flüge genießen. Und das müssen keine Weiten sein. Das ist ganz egal. Also ich genieße es, immer in der Luft zu sein. Macht mir immer Spaß.
Das ist doch ein schönes Ende. Andi, ich wünsche dir noch viele tolle Momente in der Luft. Vielleicht auch irgendwann mal bei den X -Alps, ob als Pilot vielleicht nochmal oder vielleicht sogar eher mal als Supporter, weil du sagst, die Rolle willst du auch noch kennenlernen. Freue ich mich, dich dann auch da dann wieder irgendwie auf andere Weise verfolgen zu können. Danke dir für dieses Gespräch. Und alles Gute. Danke dir und danke den Leuten, die zugehört haben.
Wenn dir diese Podz-Glidz -Folge mit Andi Frätscher gefallen hat, dann hinterlasse doch auf Spotify, iTunes oder welche Audio -Plattform du auch immer fürs Podcast hören verwendest eine positive Bewertung. So hilfst du mit, Podz-Glidz in der Gleitschirmszene bekannter zu machen. Oder du empfiehlst den Podcast gleich im persönlichen Gespräch mit deinen Fliegerfreunden weiter. Einige Links zu den in dieser Folge angesprochenen Themen findest du in den Shownotes in meinem Gleitschirm-Blog Blueglides. Ich bin Lucian Haas und der Produzent von Podz-Glidz und Blueglides. Als freier Journalist lebe ich auch von diesen Angeboten. Allerdings verzichte ich bei der Finanzierung bewusst auf Werbung, Paywalls oder Abo -Regelungen. So wie die Natur mir beim Fliegen die Aufwinde schenkt, so setze ich darauf, dass du mir als begeisterter Hörer und Leser finanziellen Auftrieb gibst.
Als Förderer darfst du so viel geben, wie du willst, beziehungsweise selbst entscheiden, was dir so ein Angebot wert ist. Falls du dir unsicher bist, welcher Betrag vielleicht angemessen wäre, hier eine kleine Hilfestellung. Ein häufig gewählter Förderbeitrag ist umgerechnet 5 Euro pro Monat. Aber egal, was du zahlst, jeder Betrag trägt in der Summe einen wichtigen Teil dazu bei, dass sich Podz-Glidz und Blueglides im Dienst der Gleitschirm -Szene auch in Zukunft weiter betreiben und entwickeln kann. Und zwar unabhängig und werbefrei. Alle nötigen Infos, wie dein Förderbeitrag mich erreicht, findest du auf blueglides.blogspot.com. Dort gibt es den Menüpunkt Fördern. Blueglides schreibt sich Lu-Glidz.
Bis zum nächsten Mal. Fall nicht vom Himmel. Ciao.