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116. Selbstverantwortung - Eva Woitun

// Eva Woitun, Lucian Haas · 2023-09-01 · 00:46:20 · original episode

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[show notes]
Eva Woitun ist abgestürzt, weil ihre Bremsleinen verdrillt waren. Ein Gespräch über Ursachen von Glück und Unglück. +++ Wahrscheinlich hat das jeder von uns beim Gleitschirmfliegen schon einmal erlebt: Man steht am Startplatz, das Bauchgefühl sagt einem irgendwie, da stimmt noch etwas nicht so ganz, aber der Fluglehrer, der erfahrene Vereinskamerad oder einfach der nächste in der Startreihe signalisiert einem: Passt schon! Schwups ist die eigene Wahrnehmung überstimmt, der Verstand ausgeschaltet, man schwingt sich in die Luft und muss ab dem Moment ausbaden, was dann kommt. Diese Erfahrung hat auch Eva Woitun gemacht – und zwar schmerzlich. Die 53-jährige aus Biberach ist im Sommer 2022 während einer betreuten Reise bei einem simplen Flugmanöver abgestürzt und hat nur mit Glück überlebt. Sie war nicht ihrer Intuition gefolgt, eine arg verdrillte und deshalb verkürzte Bremsleine vor dem Start erst noch zu richten. In dieser Folge 116 von Podz-Glidz geht es allerdings weniger um den Unfallhergang. Viel interessanter sind die Gedanken und Träume, mit denen sich Eva während der langen Zeit im Krankenbett beschäftigt hat. Und so sprechen wir unter anderem über Selbstverantwortung, Fehlerkultur, Selbsthypnose und die Ursachen von Glück und Unglück beim Fliegen. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Les-ly | Künstler: Mini Vandals No Copyright Music, Audio Library https://www.youtube.com/watch?v=38pYvX4sWYA

[transcript]

0:03Eva Woitun

Es sind uns etliche solche Erlebnisse gekommen, wo du einfach bei so einer betreuten Flugreise irgendwie deinen eigenen Verstand daheim lässt und dann sagst du, naja gut, da sagt einer, das ist okay, das Wetter ist gut, du kannst jetzt starten, es ist alles fein, mach dies, mach jenes, probier das doch mal aus und man macht den eigenen Verstand nicht mehr an.

0:44Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast,

0:46Eva Woitun

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens, heute mit Eva

0:52Lucian Haas

Wojtun und ich bin Lucian Haas.

0:58Lucian Haas

Wahrscheinlich hat das jeder von uns beim Gleitschirmfliegen schon einmal erlebt. Man steht am Startplatz, das Bauchgefühl sagt einem irgendwie, da stimmt noch etwas nicht so ganz. Aber der Fluglehrer, der erfahrene Vereinskamerad oder einfach der Nächste in der Startreihe signalisiert einem, passt schon. Schwupps ist die eigene Wahrnehmung überstimmt, der Verstand ausgeschaltet, man schwingt sich in die Luft und muss ab dem Moment ausbaden, was dann kommt. Diese Erfahrung hat auch Eva Wojtun gemacht, und zwar schmerzlich. Die 53 -Jährige aus Biberach ist im Sommer 2022 während einer betreuten Reise bei einem simplen Flugmanöver abgestürzt und hat nur mit Glück überlebt. Sie war nicht ihrer Intuition gefolgt.

1:46Lucian Haas

Kürzte Bremsleine vor dem Start erst noch zu richten. In dieser 116. Folge von Podz-Glidz geht es allerdings weniger um den Unfallhergang. Viel interessanter sind die Gedanken und Träume, mit denen sich Eva während der langen Zeit im Krankenbett beschäftigt hat. Und so sprechen wir unter anderem über Selbstverantwortung, Fehlerkultur, Selbsthypnose und die Ursachen von Glück und Unglück beim Fliegen. Wenn dir der Podcast gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit daran als Förderer. Wie das ganz einfach geht, erfährst du auf meinem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern.

2:28Lucian Haas

Eva, wie war dein Urlaub? Bist du zum Fliegen gekommen?

2:32Eva Woitun

Oh ja, trotz des jämmerlichen Wetters im Alpenraum. Wir haben uns wieder mal auf die Alpensüdseite verzogen, so nach dem Motto Basano geht immer. Da haben wir angefangen und sind dementsprechend auch zum Fliegen gekommen und haben dann die Runde gemacht über Meduno. Dann waren wir noch am Bischling und zuletzt am Hochries. Also ich bin schön zum Fliegen gekommen. Nicht so brüllermäßig, aber war gut.

2:59Lucian Haas

Das heißt aber auch, du fliegst auch wieder.

3:02Eva Woitun

Ich fliege wieder. Ja, es ist eigentlich unglaublich. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich so schnell wieder so fliege.

3:12Lucian Haas

So schnell wieder so fliegen. Kleine Aufklärung, vor rund einem Jahr hattest du einen ziemlich schweren Unfall. Erzähl mal, wie es dazu kam.

3:21Eva Woitun

Ja, da war ich mit einer Mädelsgruppe im Piemont unterwegs und es war ein herrlicher Tag. Abends noch, im Prinzip ein Abgleiter nicht. Es ging abends noch lang, aber total ruhige Verhältnisse.

3:41Eva Woitun

Und ich hatte einen Schirm, den hatte ich gebraucht gekauft, erst viermal geflogen. Naja, auf jeden Fall direkt über dem Landeplatz. So in 300, 400 Meter Höhe funken die Mädels. Wir wollen jetzt in die Bar gehen. Du bist die Letzte, die noch oben ist. Und dann wollte ich einfach schlicht und ergreifend nur abachtern. Also noch nicht mal Wing -Overn, sondern einfach nur abachtern. Und ja, habe offensichtlich den Schirm rückwärts abgerissen, also einseitig abgerissen. Dann so eine Rückwärtsspur. Dann so eine Rückwärtsspirale. Und ja, ich sage mal, klar, irgendein Akropilot hätte das lustig wieder ausgeleitet, das Ding.

4:30Eva Woitun

Mein einziger Gedanke war, das ist der Fall für den Retter. Und immer auch so viel gehört, ja, bloß nicht zu spät den Retter werfen. Und ja, also ich war irgendwie völlig, ich war auch noch ziemlich, also ich habe es zumindest so in Erinnerung eigentlich gelassen, dass ich gesagt habe, so, jetzt muss halt der Retter raus. Nur das ging nicht. Also der hat aus welchen Gründen auch immer... Immer geklemmt, wahrscheinlich einfach auch durch die Fliehkraft, die ich nicht rausgekriegt habe oder nach oben gezogen. Ich kann es dir nicht sagen. Naja, auf jeden Fall bin ich dann ohne Retterwurf unten eingeschlagen.

5:06Lucian Haas

In dieser Rotationsbewegung dann, oder? In

5:08Eva Woitun

dieser Rotationsbewegung. Das war wahrscheinlich auch das große Glück, ja, dass das einfach ein bisschen an Dynamik weggenommen hat, weil das Vario hat zwölf Meter pro Sekunde angezeigt gehabt, mit der ich da unten angekommen bin. Ja, und dementsprechend auf der Seite aufgeschlagen.

5:29Eva Woitun

Und naja, also ich kann mich an all das nicht mehr erinnern. Das ist wahrscheinlich auch der große Vorteil, warum ich jetzt wieder fliege. Das ist alles gelöscht. Ich weiß das nur alles halt von meinen Freundinnen, denen ich quasi vor die Füße gefallen bin am Landeplatz. Also für die auch echt der Horror. Und dementsprechend ging die Rettungskette dann... Es ging dann auch zügig los. So, dass in der Viertelstunde der Hubschrauber aus Turin da war. Ich war wohl bei Bewusstsein, hab den Rettern da noch fleißig Anweisungen gegeben.

6:06Eva Woitun

Ja, es war echt heftig. Also Becken total zertrümmert, Schenkel, Hals, Ellbogen. Das Schlimmste war, dass alle Rippen durch waren und in der Lunge drin hingen. Alle

6:18Lucian Haas

Rippen? Auf einer Seite oder auf beiden Seiten? Nein,

6:21Eva Woitun

auf beiden Seiten. Wow.

6:25Eva Woitun

Ja, also es war gründlich. Es war gründlich. Ja, und dann war es im Grunde genommen so, dass drei Tage war es also zwischen Leben und Tod. Dann haben sie mich ins Koma gelegt und haben gesagt, jetzt ist zwar alles repariert, aber ob es der Körper packt, muss man mal schauen. Ja, und dann bin ich wieder aus dem Koma aufgewacht. Und das Erste war, dass ich meine Zehen bewegt habe. Und habe gedacht, yes. Die Zehen sind da. Das ist schon mal gut, ja.

7:02Lucian Haas

Aber der ganze Rest hat noch eine Weile gebraucht, bis er sich wieder richtig bewegen konnte. Schon. Ich möchte jetzt allerdings jetzt nicht eine Krankheitsgeschichte mit dir so völlig aufarbeiten und welcher Knochen wie wann geheilt ist oder sonst irgendwie was. Mich interessiert aber schon eine Sache. Du hast jetzt erzählt, du bist abgeachtert. Und beim Abachtern hast du deinen Schirm abgeachtert. Abgerissen. Da wird jeder, also denkt man sofort, was muss das für eine bescheuerte Pilotin sein. Wie kann man beim Abachtern den Schirm abreißen? Also wie kann man beim Abachtern den Schirm abreißen, Eva?

7:39Eva Woitun

Ja, glaube mir, das war auch, genau das hat mich auch massiv beschäftigt. Und ich habe gedacht, das kann jetzt nicht wahr sein. Ich fliege seit zwölf Jahren knapp.

7:54Eva Woitun

Wie kann man, also ja. Ja, genau das ging ja auch so. Und das hat mich auch schwer, schwer, schwer beschäftigt. Den Schirm hat man hinterher natürlich eingeschickt. Und der wurde überprüft. Und da kam zumindest schon mal raus. Ja, also die Bremsleinen waren grenzwertig kurz. So, okay, grenzwertig kurz. Aber deswegen muss man beim Abachter noch nicht abreißen.

8:24Eva Woitun

Und eigentlich die Erhellung. Die Erhellung kam mir erst, als ich den Artikel vom Till Gottbrat gelesen habe. Wo war der drin? Free, wie heißt das? Free Arrow oder sowas, gell? Das Ding, ja. Also auf jeden Fall dieses Online -Paraglider -Magazin. Und da hatte der Till einen Artikel geschrieben mit, so nach dem Motto, passt auf mit den vertreten Bremsleinen. Und hatte dann, haben da also auch Versuche gemacht, wohl bei Nova, wo sie nachgewiesen haben, dass also, wenn sich das ausreichend auftrellert, also so verkrangelt, ja, wie bei einem Kletterseil, dass das also wirklich zu massiven Verkürzungen führen kann.

9:12Eva Woitun

Ja, und da kam bei mir dann plötzlich das Aha -Erlebnis. Nämlich, dass ich mich daran erinnern konnte, also dieser Schirm, der hatte keine Wirbel an den Bremsen. Wie ich das immer gewohnt habe. Und war, ehrlich gesagt, ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt.

9:31Eva Woitun

Und ich hatte am Flug, beim Flug davor, stand ich noch am Startplatz, vor dem Rückwärtsstart, gell, gucke auf meine Bremsleinen drauf und sehe, dass die total aufgetrellert sind. Ja, da stand sogar noch jemand von der Flugschule dann daneben, gell. Und ich sage, das sieht aber jetzt gar nicht gut aus, gell, mit diesen aufgetretenen Leinen. Eine von den Mädels meinte noch, komm, ich helfe dir, die erst mal auszudrehen und so. Und dann meinte ich, ach, Quatsch, das dreht sich beim Fliegen, zieht sich das schon raus, jetzt start mal.

10:06Lucian Haas

Das hat der Fluglehrer gesagt, oder?

10:10Eva Woitun

Und na ja, und dann habe ich ehrlich gesagt, habe ich die Sache dann auch nicht so ernst genommen. Ich habe gesagt, na ja, gut, dann kann es nicht so wild sein. Und habe mich dann auch nicht mehr damit beschäftigt. Und am langen Ende, ja, war das. Aber dann tatsächlich, das ausschlaggebende Quäntchen wahrscheinlich, was dazu geführt hat, dass die Bremsleinen einfach so kurz waren, dass ich beim hundsgemeinen Abachtern das Ding abgerissen habe.

10:39Lucian Haas

Ich habe diesen Beitrag im Friaero auch mal gelesen. Und mir sind zwei Zahlen da quasi noch hängen geblieben. Die eine Zahl war, das waren diese Versuche, die du gerade erwähnt hast, die bei Nova mal gemacht wurden. Die eine Zahl war, 60 Umdrehungen von so einer Bremsleine ergibt eine Verkürzung, eine Verkürzung von 10 Zentimetern.

11:01Lucian Haas

100 Umdrehungen, das drüllt sich ja immer stärker dann auf. Und 100 Umdrehungen, also gar nicht mal, ist noch nicht mal das Doppelte oder sonst was, ergeben schon mehr als 30 Zentimeter Verkürzung. Und das ist ja dann schon eine Hausnummer. Weil bei 30 Zentimetern, wenn du dann startest und je nachdem, wie du mit den Bremsen hantierst, kommen ja schnell immer nur ein, zwei, drei, vier Umdrehungen noch mehr dazu. Und wenn man die nicht rausdrillt und dann wieder neu in die Bremsen reingreift, dann sind wir wieder beim nächsten. Dann ist der Bremsenflug fünf Umdrehungen weiter dazu. Also der Weg von 10 Zentimeter verkürzt zu 30 Zentimeter verkürzt ist dann gar nicht mehr so weit. Oder die Zeit dazwischen ist gar nicht mehr so weit. Bei 30 Zentimetern, das ist natürlich schon eine Hausnummer, wo es einem wahrscheinlich dann schon ziemlich schnell dann auch gefährlich werden kann. Oder wie in deinem Fall, dass es einen dann wirklich runterhaut.

11:49Lucian Haas

Ja, genau. Warum, kannst du dich noch daran erinnern? Ich meine, du sagst ja, daran kannst du dich noch erinnern. Kannst du dich denn auch noch daran erinnern, warum du in dem Moment nicht dabei geblieben bist, zu sagen, das sieht komisch aus? Warum hast du diesem Fluglehrer da so vertraut?

12:06Eva Woitun

Das habe ich mich auch gefragt, ganz ehrlich. Und das ist einfach auch die Geschichte, die mich wirklich dann auch zum Nachdenken gebracht hat. Und wo ich mich gefragt habe, war das jetzt zum ersten Mal so? Oder war das nicht eigentlich schon öfter so? Nur diesmal ist was passiert. Und dann kamen wir auch so mit meinem Mann zusammen. Wo wir so überlegt haben, es sind uns etliche solche Erlebnisse gekommen, wo du einfach bei so einer betreuten Flugreise irgendwie deinen eigenen Verstand daheim lässt. Und dann sagst du, na ja, gut, da sagt einer, das ist okay.

12:50Eva Woitun

Das Wetter ist gut, du kannst jetzt starten. Es ist alles fein. Mach dies, mach jenes. Und dann hat man gesagt, okay, der hat irgendwie eine Ausbildung und macht den eigenen Verstand nicht mehr an. Und dabei ist es ja nun mal so, dass der Fluglehrer dich ja auch nicht wirklich kennt. Also oft bei solchen Reisen, sag ich mal, nimmst du irgendwo an so einer Reise teil. Und das ist jemand, der weiß zwar, ja, du hast 800 Flugstunden auf der Uhr, und fliegst diese oder jene Dinge, fliegst diesen oder jenen Schirm. Aber um deine wirklichen Skills weiß er doch nicht so Bescheid.

13:37Eva Woitun

Die kennst du besser.

13:39Lucian Haas

Wenn man das jetzt so hört, würdest du sagen, dass sich Fluglehrer zu viel zumuten?

13:46Lucian Haas

Oder Flugreisende, die solche, in Anführungszeichen, betreuten Flugreisen mitmachen, geben die einfach zu viel Verantwortung ab?

13:56Eva Woitun

Ich glaube, es ist eine Kombination aus beidem. Ja. Also ganz sicher, also für mich zumindest, ich kann ja nur von mir sprechen, für mich ist es auf jeden Fall ganz klar die Konsequenz, dass ich sagen muss, das ist ein Fehler, da so den Verstand auszuschalten. Ich bin für mich verantwortlich und nicht irgendein Fluglehrer für mich verantwortlich. Und ich mache da jetzt auch aus meiner Geschichte keinen Vorwurf oder so. Das ist einfach nicht bequem. Ich habe das besser gewusst. Und ja, ich hätte meiner Intuition folgen sollen. Also ich glaube schon, dass das ein Thema ist, dass man selber da durchaus etwas kritischer unterwegs sein darf und vor allen Dingen auf sein Bauchgefühl auch hören.

14:50Eva Woitun

Man selbst kennt sich einfach am besten und weiß ja auch, was man kann und was nicht. Das ist die eine Seite. Das andere ist schon, also ich selbst bin ja sonst auch in den Bergen unterwegs, bin Skitourenführerin und so. Also von daher auch so, kenne ich auch so diese Guide -Situation aus der anderen Perspektive, dass man grundsätzlich da einfach auch, gerade wenn ich die Leute nicht gut genug kenne, da auch ein bisschen vorsichtiger sein darf. Also andere Geschichte, da haben Leute ja also dicht über Grund über dem Landeplatz ihre Flugreise teilnehmenden Flap -Technik üben lassen.

15:43Eva Woitun

Da war aber dann, ja leider war halt der Beschleuniger ein bisschen zu lang eingestellt, sodass da eben nicht richtig Vollgas drin war. Trotzdem hat man über Funk gesagt, ja, zieh die Bremsen tiefer, da muss mehr rein. Und zack, das Ding voll abgerissen und eingeschlagen, ja.

16:04Lucian Haas

Mit Flap -Technik meinst du diese kombinierte Einsatz von Beschleuniger und Bremse, dass du so ein Hohlprofil ausbildest und dann eigentlich einen relativ stabilen Flügel haben willst. Genau. Nur müsst dann halt das Verhältnis von wie viel Beschleuniger und wie viel Bremse man gibt, sollte dann schon ungefähr in der Waage sein.

16:21Eva Woitun

Sollte passen, ja, genau, sollte passen. Und im Grunde genommen kann man bei sowas ja auch, ich sag mal, ich sehe es ja auch an der, der Profilverformung oder wie das Profil reagiert. Steht der wirklich voll im Beschleuniger oder nicht? Ja, kann der jetzt noch mehr Bremse ziehen? Ja, also das sind, da finde ich schon, da darf man ruhig dann auch im Zweifelsfall zurückhaltender sein. Finde ich schon.

16:49Lucian Haas

Das heißt, dann sagt man als Flugschüler, du, ich traue dem Braten noch nicht so ganz, ich mache das jetzt nicht. Aber gleichzeitig, ich meine, man will ja auch was lernen oder denkt, ja, ich kann ja von dem was lernen und so. Wie kann man diese bisschen schwierige psychologische Situation überwinden im Grunde?

17:07Eva Woitun

Ja, klar, wenn du nicht irgendwo aus deiner Komfortzone rausgehst, kannst du nichts lernen. Das ist klar. Aber ich finde halt, ja, so Manöverfliegen -Geschichten, wo einfach auch Gefahr von Strömungsabriss ist, solche Sachen gehört halt zumindest, zumindest wenn man es das erste Mal macht, einfach ins Sicherheitstraining, ja.

17:32Lucian Haas

Das heißt über Wasser.

17:34Eva Woitun

A, über Wasser und B, auch mit jemandem an der Funke, der genau mit der Geschichte halt wirklich viel Erfahrung hat. Also ich kenne mich jetzt nicht aus mit Fluglehrerausbildung beim DHV, aber ich denke einfach, dass so die Normal -Fluglehrerausbildung von Leuten, die dann eben halt Anfängerkurse machen und so, sich schon gewaltig unterscheidet von dem, was jemand an Erfahrung hat, der Sicherheitstrainings durchführt.

18:06Lucian Haas

Du hast selber jetzt einige Beispiele erlebt und sowas. Erlebst du denn dann auch, dass über so etwas dann unter Kursteilnehmer oder sowas offen gesprochen wird? Oder wie wird damit umgegangen?

18:21Eva Woitun

Also der Punkt ist ja der, dass es Gott sei Dank in den allermeisten Fällen ja gut geht. Ja, und wenn jemand dann was hingekriegt hat und neu gelernt hat und es ist alles gut gegangen, dann ist es ja toll. Ja, und es ist auch so, dass Flugschulen, die zu defensiv sind, oft auch in Fliegerkreisen belächelt werden. Also das habe ich auch schon festgestellt. Ja, so nach dem Motto, ach na ja, also mit denen, da kommst du ja überhaupt nicht. Wenn da nur das kleinste Wölkchen in der Ferne ist, dann lassen die schon niemanden mehr starten.

19:10Eva Woitun

Also ich denke, die Sprüche, die kennst du sicherlich auch. Also ich finde das für die Flugschulen auch schwierig, weil das von den Teilnehmern natürlich auch gefordert wird, bei grenzwertigen Wetterverhältnissen zu fliegen und solche Geschichten.

19:25Lucian Haas

Das ist ja auch gerade bei so Flugreisen. Ja. Also ich kenne das auch, dass die Leute sagen, okay, ich habe jetzt vier Wochen Urlaub im Jahr. Zwei Wochen davon muss ich auf jeden Fall eh mit meiner Familie verbringen. Da habe ich noch diese Pflichten und jetzt habe ich noch eine Woche oder zwei Wochen, die ich auf zwei Flugreisen, einmal im Frühjahr, einmal im Herbst oder was auch immer packe. Das ist dann meine Zeit. Und da will ich dann aber auch in die Luft kommen, weil ich eh sonst auch wenig Zeit habe zum Fliegen, gerade auch wegen Familie und Sonstiges. Und dann ist die große Erwartung da, Fluglehrer, mit dem ich jetzt hier fahre, du musst mich, also du musst mich auch gewissermaßen in die Luft bringen. Und dann ist wahrscheinlich auch der Anreiz für die Flugschule, die das dann entsprechend organisiert oder wer auch immer diese Betreuung dort macht, auch zu sagen, ich will ja auch den Leuten die größtmögliche Flugzeit ermöglichen.

20:16Eva Woitun

Ja, natürlich. Und

20:16Lucian Haas

schaue dann vielleicht über manche grenzwertigen Fälle vielleicht hinweg und denke, die Wolke sieht zwar dunkel aus, aber noch nicht schwarz. Und wahrscheinlich geht sich das noch aus. Und ich sage den Leuten, ja, und wenn die noch ein bisschen dunkler wird, dann geht halt landen. Aber manchmal können die das vielleicht auch gar nicht selber einschätzen oder es entwickelt sich dann doch viel schneller. Und dann passt halt das für diese wenig Flieger, passt dann auch dieses, das Wissen und die Technik, dann schnell zum Beispiel absteigen zu können oder sowas, passt dann einfach gar nicht.

20:46Eva Woitun

Eben, ja. Also das ist, ich meine, es ist halt ein gewaltiger Unterschied, ob ich, das ist ja, wenn es dann wirklich eklig wird, dann ist es ja nicht wie im Sicherheitstraining, dass ich in ruhiger Luft meine Spirale da runterdrehe, sondern dann wird es ja deutlich, ja, gemeiner. Den auch mal. Und das ist halt ein gewaltiger Unterschied, ob jemand in den Bedingungen eben es nur noch hinkriegt, die Ohren anzulegen oder ob jemand halt wirklich routiniert in härtesten Bedingungen mit 20 Meter pro Sekunde abspiralen kann. Das ist ein Riesenunterschied. Aber ich habe das, also die Fluglehrer stehen da wirklich auch gewaltig unter Druck von den Leuten, die da mitfahren.

21:35Eva Woitun

Eben auch, ja, auch Reiseteilnehmer, die vielleicht auch besser drauf sind, die auch eben diese Skills haben, das im Griff haben.

21:46Eva Woitun

Und, aber ich habe so, ich habe so Dinge schon erlebt, da hieß es so nach dem, das war schon rabenschwarz, ja. Ja, das geht schon noch, das geht sich schon noch aus. Ja, wir hatten im Endanflug die Hagelkörner auf dem Schirm.

22:05Eva Woitun

Ja, also wir haben echt im Hagel die Schirme schnell zusammengerafft, dass wir keine Löcher reingeschlagen bekommen haben. Ja.

22:14Lucian Haas

Habt ihr denn bei so einer Situation zum Beispiel, habt ihr danach ein, so was wie eine Art Debriefing gemacht und gesagt, okay, wir sind in eine Situation gekommen, die hätte auch schnell brenzlig werden können? Nein. Was hätten wir anders machen können? Oder wo lag vielleicht der Entscheidungsfehler oder so etwas? Ist sowas vorgekommen?

22:33Eva Woitun

Nein, aber wirklich 0,0, ja. Man hat im Prinzip drüber gelacht, gell. So, na ja, dann haben wir es halt gerade noch so gepackt, ja.

22:43Eva Woitun

Scherz. Und also wir haben auch zueinander gesagt, na ja, wir selber, wir wären da nie und nimmer noch raus. Auch das hat man eigentlich reflektiert. Aber ansonsten, ja, wie gesagt, also ist halt gut gegangen. Und von daher, ja.

23:03Lucian Haas

Wie würdest du dir denn eine, wie soll man sagen, eine gesunde Fehlerkultur in der Gleitschirmszene vorstellen?

23:13Eva Woitun

Ja, ich denke, das ist halt alles, was brenzlig ist, was so beinahe Unfälle sind, da spricht man eigentlich überhaupt nicht drüber, gell. Das habe ich jedenfalls den Eindruck. Also, dass man, ja, eben zum Beispiel nach so einer Situation, wie wir es gerade eben hatten, ja, dann einfach da auch sich ganz,

23:37Eva Woitun

dazu müsste man ja aber auch eingestehen, ja, das war jetzt echt nicht prickelnd, ja, dass wir euch da noch rausgeschickt haben. Also das war jetzt wirklich grenzwertig, ja. Ich denke, das ist schwierig für einen Fluglehrer, das auch einzugestehen. Aber es geht ja nicht nur darum, was, wo Fluglehrer, wo Fluglehrer irgendwelchen Käse da bauen, sondern auch insgesamt solche beinahe Unfälle, dass man gerade eben, wenn man mit einer Gruppe unterwegs ist, wo man ja die Möglichkeit einer guten Reflexion auch hat, ja, das hernimmt und sich abends nochmal zusammensetzt und sagt, also, hm, das ist jetzt alles gut gegangen, super, prima, ja,

24:23Eva Woitun

aber jetzt schauen wir mal, worst case, wie hätte es eben auch laufen können, wo ist es schiefgelaufen, ja, was hätte man im Vorfeld doch anders machen sollen, um dieses Risikopotenzial zu vermeiden. Aber es ist halt eben auch ganz häufig so, dass die Reflexion so läuft, dass auch unter Fliegern dann einfach gesagt wird, ja, da hättest du doch nur, ist doch ganz klar, Hände hoch, da hättest du das ausleiten können, easy, ja, von Leuten, die noch nie in so einer Situation waren. Klar, im Sicherheitstraining, ja, da kriegt man viel gebacken, ja,

25:12Eva Woitun

aber so im echten Leben sieht die Sache dann durchaus schon anders aus, ja, und bei

25:20Lucian Haas

einem Schirm mit vielleicht um 30 Zentimeter verkürzten Bremslein, weil die verdrillt sind, da hilft vielleicht auch Hände hoch, weil einem nach einem Strömungsabriss nicht mehr

25:29Eva Woitun

so viel geht. Nicht mehr

25:29Lucian Haas

so viel, dass der so schnell dann auch wieder anfährt oder sowas. Weiß ich nicht. Bisschen schwierig.

25:33Eva Woitun

Also wahrscheinlich ein routinierter, ein routinierter, besserer Pilot als ich hätte es wahrscheinlich hingekriegt, aber ja, ich

25:42Lucian Haas

halt nicht. Wie hast du eigentlich nach diesem Unfall den selbst für dich so aufgearbeitet, dass du jetzt auch heute sagst, ich kann auch wieder fliegen gehen? Weil ich kenne viele, oder naja, ich kenne nicht so viele, aber ich kenne ein paar Leute, die nach, vielleicht nicht solchen, aber blöden Erlebnissen dann wirklich sagen, ich höre jetzt auf mit dem Fliegen, das ist mir zu riskant. Ich habe was erlebt, das war jenseits meines Kontrollvermögens und damit höre ich damit auf. Tut mir zwar sehr leid, aber das kriege ich gefühlsmäßig nicht mehr gebacken. Wie hast du das geschafft, dass du heute wieder fliegen kannst? Trotz eines solchen ziemlich heftigen Unfalls.

26:25Eva Woitun

Ja, also ich habe recht gute Unterstützung einfach auch gehabt. Also ich glaube, es sind mehrere Punkte. Ganz klar, ein wesentlicher Punkt war, dass ich es für mich klären konnte, woran es lag. Also wenn das so stehen geblieben wäre, ja, ich habe beim Abachtern die Strömung abgerissen, ich glaube, dann wäre ich nicht mehr geflogen. Dann würde ich jetzt bei jedem Abachtern denke, um Gottes Willen, kann mir das wieder passieren. Also das war ganz wesentlich. Erstmal die Ursache ganz klar zu klären. Dann war ein wesentlicher Punkt, ich habe ein Jahr zuvor

27:09Eva Woitun

völlig unabhängig vom Fliegen, wegen einer ganz anderen persönlichen Problematik, mit der Katrin Ganter gearbeitet. Also so eine Hypnose -Therapie gemacht.

27:20Lucian Haas

Die war auch schon bei mir im Podz-Glidz, glaube ich. Eine der ersten Folgen Nummer drei muss das gewesen sein, oder vier. Ich verlinke die auf jeden Fall am Ende dann noch. Aber erzähl mal, von Katrin Ganter, was hat die mit dir gemacht?

27:31Eva Woitun

Die Katrin hatte ich irgendwie auch bei einem Frauenflug -Event in den Vogesen kennengelernt und ja, wie gesagt, das waren persönliche Probleme, die ich hatte. Hatte überhaupt nichts mit dem Fliegen so zu tun. Und dann habe ich bei ihr eben diese Hypnose -Therapie gemacht. Und der Witz ist bei der Katrin, das ist nicht so, dass sie mit, ja klar, mit dir was macht. Also du hast auch schon mal eine hier im Podcast, die auch so eine Hypnose -Therapie, irgendwie in Ulm, bei dem wie heißt der? Ramadami oder sowas?

28:08Lucian Haas

Ja, ich glaube. Und

28:10Eva Woitun

das ist aber ein anderer Ansatz, den die Katrin da hat. Und der Witz an der Geschichte ist, dass sie dir selber Werkzeuge mit auf den Weg gibt, sozusagen, mit denen du, du selbst Hypnose betreiben kannst. Es ist super nachhaltig, einfach, diese Geschichte bei der Katrin. Es ist nicht so, naja, ich mache mit dir jetzt zwei Sitzungen und damit ist jetzt dein Problem gelöst, sondern du hast ein nachhaltiges Werkzeug. Und das hat mir

28:49Eva Woitun

gigantisch geholfen. Also ich habe

28:51Lucian Haas

im... In welcher Form? Kannst du da mal so ein Beispiel nennen? Also was hat das, was für ein Werkzeug hast du genutzt, um jetzt mit diesem, mit diesem Unfall umzugehen?

28:59Eva Woitun

Ha, ähm, das hört sich ein bisschen schräg an. Du gehst in deine innere Welt. Das heißt, du zapfst im Prinzip dein Unterbewusstsein an, ja, und kannst mit deinem Unterbewusstsein arbeiten. Also zum einen, du kannst es befragen, sozusagen, um Rat fragen. Du kannst aber eben auch Denkweisen trainieren, sozusagen, oder durchspielen in deinem Unterbewusstsein, was Bilder, die dir dann hinterher wieder helfen. Und das Erste war für mich, überhaupt mal zu klären, ist es richtig für mich, wieder fliegen zu gehen? Will ich das wirklich?

29:44Eva Woitun

Oder

29:47Eva Woitun

ist ja auch leicht dadurch beeinflusst, mein Mann fliegt, ja, viele meiner Freunde, ist das jetzt eher eine Sache, die da von außen kommt, oder ist das wirklich, will ich wieder fliegen und ist es richtig für mich? Und da habe ich eben diese Selbsthypnose auch gemacht, um das klar zu kriegen. Und ich hatte dann Bilder so, ja, manchmal geht man dann auch irgendwie in die Tierwelt oder so. Ich war wie so ein goldener Vogel, der abgehoben ist. Und wenn es dann gerumpelt hat in der Luft und dann hat sich so eine Wolke um mich drum gelegt, die mich geschützt hat, ja, und auch ganz am Anfang, als ich, wo es noch gar nicht ums Fliegen ging, überhaupt erst mal gehen, wieder auf die Beine kommen, ja, bin ich einfach,

30:39Eva Woitun

wo ich fest gefesselt auf dem Bett lag, ja, nur auf dem Rücken liegen konnte, mit so einem riesen Fixateur um den Bauch. Und dann habe ich Bergwanderungen gemacht, ja, habe Hike and Flies gemacht,

30:53Eva Woitun

Traumreisen. Und es ist ja auch nachgewiesen, dass das sogar, also auch die Muskulatur tatsächlich anspricht, ja, diese Traumreisen, wenn du das also virtuell sozusagen machst.

31:05Lucian Haas

Das heißt, im motorischen Zentrum im Gehirn kommen die Signale an, auch wenn da jetzt seine Muskeln nicht die zucken und die echten Gehbewegungen machen, aber zumindest das Gehirn behält seine Nervenverbindung da entsprechend bei oder aktiviert sie dann.

31:20Eva Woitun

Das habe ich also schon im Krankenhaus trainiert. Naja, und dann, gut, ich habe bis,

31:28Eva Woitun

also relativ zügig bis im Januar konnte ich wieder gescheit, na, relativ gescheit, also gehen, ja, von Rennen sprechen wir nicht, aber gehen ist im August passiert, also das war schon recht zügig. Ach so, und dann nächster Punkt war natürlich, ich habe alles Material, was an diesem Unfall beteiligt war, kam weg. Alles? Alles. Alles. Auch Gurtzeug? Alles. Alles. Alles. Ich habe gesagt, nichts, nichts darf mehr damit zu tun haben.

32:02Lucian Haas

Das heißt, irgendwie da, ich vertraue nicht, da kam der Retter nicht raus oder sonst irgendwie was, sage ich, alles, wo ich vielleicht einen Vertrauensmangel habe, das gebe ich weg und ich schaffe mir eine ganz neue Ausrüstung an. Also ich habe jetzt... Von der ich zwar auch nicht weiß, ob sie besser ist, aber sie hat zumindest nicht dieses Manko, mit der bin ich schon mal runtergeknallt.

32:21Eva Woitun

Ja, genau. Genau. Und halt erst mal ein braves Schirmchen geholt, und fliege jetzt erst mal mit zwei Rettern, was einfach hier für die Birne ganz gut ist, dass ich zwei Retter dabei habe. Und in dieser Konstellation bin ich dann zu Ostern, habe ich meinen ersten Flug gemacht. Und da habe ich es halt wirklich so gemacht, dass ich erst mal am Startplatz, da es mir diese Bilder noch mal aufgerufen habe, ich habe gesagt, also entweder ich fühle mich jetzt wohl da draußen, das wird gut, und wenn es mich nur gruselt, dann war es das halt mit dem Fliegen. Und es war echter Hammer, ich bin genau dieser Moment,

33:08Eva Woitun

dieser Moment des Abhebens, da habe ich gedacht, wie geil ist das?

33:18Eva Woitun

Großartig, großartig.

33:20Lucian Haas

Das heißt, du wusstest sofort, das ist wirklich wieder meins. Ja. Ja. Was bedeutet dir denn das Fliegen? Ja. Dass du da so dranbleibst, beziehungsweise dann sagst, okay, ich habe neun Monate gebraucht, um da wieder hinzukommen, um meinen Körper wieder dahin zu bekommen, dass ich da abheben kann. Dann starte ich wieder raus und sage wirklich nach dem ersten Schritt, ja, das ist es.

33:47Eva Woitun

Es ist irgendwie ja, diese Leichtigkeit und also ich finde, es hat was,

33:55Eva Woitun

was Erhebendes einfach, dass du dich über dein, ja, es ist so ein bisschen tatsächlich, sich über das normale menschliche Dasein erheben. Das hört sich jetzt gigantisch an, aber ja, aber so ist es, ja, sich einfach über alles zu erheben und alles andere auch unten zu lassen. Diese Möglichkeit, also ich finde es einfach eine Gottesgnade, diesen Sport ausüben zu dürfen. Das ist, ja, ein Geschenk.

34:25Lucian Haas

Ist dieses alles unten lassen vielleicht auch ein Punkt, warum man manchmal das Risiko unterschätzt? Oder ausblendet, weil man sagt, okay, mit allem unten lassen lasse ich halt auch diese Gedanken unten, die Bremse können verdrillt sein und zu kurz oder so, oder ich lasse es halt einfach mal so. Oben in der Luft ist dann schon alles safe. Gefühlt, auch wenn es dann vielleicht gar nicht so ist.

34:51Eva Woitun

Ist möglich, aber also ich muss jetzt so für meine eigene Fliegerei eigentlich sagen, dass also ich war eigentlich nie sorglos, ja, was jetzt so mein eigenes Fliegen angeht. Weder was jetzt Verhältnisse angeht, noch was Material angeht. Also, nee, eigentlich also kann ich für mich jetzt so nicht sagen.

35:14Lucian Haas

Das heißt, am Boden hast du genug reflektiert, um dann sicher in die Luft zu gehen, sagen wir mal so.

35:19Eva Woitun

Ja. Um

35:19Lucian Haas

es dann in der Luft dann sorgenfrei zu genießen.

35:23Eva Woitun

Ja. Naja, gut, das heißt natürlich, wenn du auf Strecke gehst, logisch, nicht immer im Griff, was hinter der nächsten Ecke auf dich wartet. Und ob du dann einfach andere, neue Entscheidungen treffen musst, das ist klar. Ja, was Bedingungen angeht. Aber zumindest, was schon mal die ganze Materialsituation angeht, also da meine ich schon, das muss man unten einfach so sorgfältig geklärt haben, dass man sich da keine Gedanken mehr drum machen muss.

35:54Lucian Haas

Du fliegst jetzt zwölf Jahre, hast du gesagt. Das heißt, du bist mit wahrscheinlich, kurz rechnen, ich glaube, 40 oder 41 bist du zum Fliegen gekommen. Ist ja auch, ich meine, ist wahrscheinlich Durchschnitt, aber trotzdem auch relativ spät. Wie kam es dazu? Spät berufen. Ja, wie kam es dazu, dass du als Frau mit 40 anfängst, ich will jetzt noch fliegen?

36:15Eva Woitun

Ja, nee, ich habe auch niemanden gekannt, der fliegt oder so. Aber ich habe, ja, ich habe direkt zehn Minuten von der Wasserkuppe entfernt gewohnt. Na, da sieht man sie ja ständig. Da sieht man sie ständig. Und trotzdem habe ich immer gesagt, nee, also nee, nicht noch eine Sportart. Also ich mache Bergsport im Prinzip alles, was man sich vorstellen kann. Klettern, Bergsteigen, Skifahren, sowieso sämtliche Schneesportarten. Und ich habe gesagt, nee, also da muss jetzt nicht noch was dazu kommen. Ja, und dann, also ich bin vom Ursprung ja Herr Architektin, damals war ich noch selbstständig, habe ich für den Flugschulbesitzer sein Wohnhaus gebaut.

37:03Eva Woitun

Und da hat er mich zum Schnupperkurs eingeladen. Und das war es dann. Also das war sofort, ich war sofort mega infiziert vom Flugvirus und ja, dann habe ich auch Vollgas gegeben.

37:19Lucian Haas

Das heißt, so wie nach deinem ersten Flug nach dem Unfall, wo du sagst, ein Schritt in die Luft, hast du gesagt, das ist es, so war es bei dir schon beim Schnupperkurs dann auch?

37:27Eva Woitun

Ja, ja, echt wahr. Echt wahr, ja. Ja, also es liegt sogar bei uns in der Familie, dass die Fliegergene, also selbst mein Opa ist schon geflogen im Krieg und mein Vater ist geflogen und meine Schwester als Segelfliegerin und jeder hat sich gefreut in der Familie. So, ja, super, fliegt wieder jemand.

37:54Lucian Haas

Das heißt, du hast auch nicht Kritik gehört, sondern einfach nur Unterstützung an der Stelle gehabt.

37:58Eva Woitun

Selbst jetzt nach dem Unfall, also ich meine, da hätten jetzt auch viele sagen können, so, ja, musst du das jetzt wirklich wieder machen, gar, jetzt wo es dich so gemäht hat, aber nee, den habe ich alle total unterstützt.

38:12Lucian Haas

Das ist gut. Eva, zum Abschluss hin, verrate mir noch eine Sache. Ich habe auf deinen Facebook -Account geguckt und da taucht bei dir immer wieder, da tauchen Bilder auf mit einem Bergbieber als Stofftier. Was hat es damit auf sich?

38:33Eva Woitun

Der Bergbieber?

38:35Eva Woitun

Also, wir wohnen ja in Biberach, ja, und in Biberach ist der Biber eben das Wappentier. Und diesen Biber, den hat mir mein Mann ganz am Anfang mal geschenkt. Und dann, die Geschichte mit dem Bergbieber geht aber anders. Wir waren zusammen in Zermatt. Ach so, in den Biberach gibt es eben auch Brunnen, wo so Biber drauf sind, ja. Und in Zermatt, mitten in Zermatt, gibt es auch einen Brunnen. Das sind eigentlich Murmeltiere. Aber, wenn man sich diese Biber und Murmeltiere, die sehen sich unglaublich ähnlich. Und mein Spruch war, also als wir in Zermatt waren, sag ich, das gibt's ja nicht, die haben hier auch einen Biberbrunnen.

39:26Eva Woitun

Und seitdem sind das die Bergbieber. Und, ja, und dann kam das, wurde das irgendwie zum Kult, also den Bergbieber, den haben wir eben überall hin mitgenommen. Wird überall immer fotografiert und es gibt also immer einen Kalender, den Familie und Freunde bekommen mit dem kleinen Biber und seinen Abenteuern.

39:47Lucian Haas

Und der ist bei dir beim Fliegen auch immer mit dabei?

39:50Eva Woitun

Nicht immer, der fliegt nicht gerne Thermik. Also das ist ihm dann so Streckenfliegen, Thermik, das ist ihm ein bisschen anstrengend. Beim Hike and Fly ist er eigentlich immer mit dabei. Bei ruhigen Bedingungen kommt er gerne mit.

40:03Lucian Haas

Hat er da einen Absturz miterlebt? Ja, hat er. Und er ist dir nicht böse, dass du ihn jetzt wieder mitnimmst?

40:08Eva Woitun

Nee, er ist mir nicht böse, er war Gott sei Dank auch im Krankenhaus immer bei mir und hat mich gestärkt und weißt du, gibt er über den Betten dieses Hochziehtinger, gell? Und da hat er sich dann reingehängt und meinte, als nächstes käme Drachenfliegen dran.

40:25Lucian Haas

Ja, da hast du ja noch eine Aufgabe vor dir.

40:27Eva Woitun

Ja. Auf Facebook

40:29Lucian Haas

habe ich auch noch gefunden, bei dir, also in deinem Facebook -Account, und das hast du im Juni 2022 gepostet, also knapp einen Monat vor deinem Unfall. Und da steht ein Zitat, die Ursachen von Glück finden sich am wenigsten in äußeren Umständen, die Ursachen von Unglück am meisten im Glauben an die Macht der äußeren Umstände. War ja eigentlich fast eine prophetische Gabe, die du da hast, weil letzten Endes war ja das auch mit vielleicht der Auslöser von deinem Unfall, oder? Ja, zu sagen, die Ursachen von Unglück ist am meisten im Glauben an die Macht der äußeren Umstände. Und so gesehen waren ja die äußeren Umstände,

41:14Lucian Haas

letzten Endes hier vielleicht der Fluglehrer, der gesagt hat, das zieht sich schon aus. Und du hast dich dem einfach hingegeben.

41:20Eva Woitun

Wow.

41:24Eva Woitun

Respekt für deine Recherche.

41:27Eva Woitun

Ja, tatsächlich hat das wow, was Prophetisches. Ja, aber auf der anderen Seite auch insofern als ja, ich jetzt nicht irgendwie verhärmt bin über irgendwelche Dinge, die im Außen passiert sind, sondern einfach nur super, super dankbar bin und sehr, sehr glücklich.

41:55Lucian Haas

Jetzt, wo du da schon so sagst, du bist sehr, sehr glücklich. Was würdest du denn sagen, was war die positive Seite deines Unfalls für dich und für deine Fliegerei?

42:06Eva Woitun

Ich habe deutlich den Ehrgeiz rausgenommen und ich muss also so dieses ich muss irgendwie was beweisen, ich muss jetzt die und die Strecke fliegen oder auch dieses dieser Stress am Startplatz, ich muss jetzt hier performen. Also ich bin viel entspannter geworden und gestehe mir zu, wenn es mir keinen Spaß mehr macht, landen zu gehen. Unglaublich, oder? Weil man sagt ja, es geht ja an und für sich darum, dass man Spaß hat und

42:43Eva Woitun

nicht irgendwas beweisen muss. Also und das ist für meine Fliegerei wirklich super, super angenehm. Also mehr Freude denn je am Fliegen.

42:57Lucian Haas

Wirklich. Da passt dann auch wieder der erste Teil dieses Spruchs dazu. Die Ursachen von Glück finden sich am wenigsten in äußeren Umständen. Also wenn die anderen noch schön weiterfliegen, aber du sagst, ich habe keine Lust mehr oder mir sind die Bedingungen nicht geheuer oder was auch immer, gehst du landen und bist dann aus dir heraus glücklich.

43:15Eva Woitun

Ja, das geht jetzt. Ging früher nicht, bin ich durchgedreht, weil ich unten stand. Oder mit dem Messer zwischen den Zähnen weitergeflogen.

43:27Lucian Haas

Vielleicht schade, dass man dafür Unfälle braucht, um da hinzukommen, aber ist ja schön, dass du das heute so sehen kannst. Eva, danke dir für das Gespräch.

43:35Eva Woitun

Sehr gerne.

43:36Lucian Haas

Ich finde das klasse, dass du und wie du das hingebogen hast, dass du heute wieder so sagen kannst, du kannst mit Glück, mit Glücksgefühlen auch wieder fliegen gehen und dass das alles so stimmt. Und wünsche dir, dass das auf jeden Fall noch lange so bleibt und du vor allem deinen inneren, ja wie soll man sagen, deinen inneren Gefühlen und deinen inneren Reiter, der dir sagt, wo es längst gehen soll, dann weiter gehorchst und nicht mehr so viel auf irgendwelche Fluglehrer hörst, die dir zum falschen Zeitpunkt vielleicht den falschen Tipp geben.

44:07Eva Woitun

Ich danke dir, lieber Lucian Haas mich sehr gefreut, hat auch Spaß gemacht und wie gesagt, es ist nicht so, dass ich da das Vertrauen in Fluglehrer schmälern möchte und ich gehe jetzt auch wieder zum Sicherheitstraining. Da bin ich auch völlig, in völligem Vertrauen. Aber ja, einfach den Verstand nicht zu Hause lassen.

44:33Lucian Haas

Ein schönes Schlusswort. Verstand nicht zu Hause lassen, nehmen wir ihn einfach mit. Danke Eva und alles Gute. Danke.

44:46Lucian Haas

Das war die Podz-Glidz Episode 116 mit Eva Wojtun. Wie immer findest du in den Shownotes dieser Folge noch einige weiterführende Links. Ich bin Lucian Haas und der Produzent von Podz-Glidz und Blueglides. Podcast und Blog sind für mich Herzensprojekte. Als freier Journalist lebe ich aber auch von diesen Angeboten. Allerdings verzichte ich bei der Finanzierung bewusst auf kompromittierende Werbung, störende Paywalls oder Abo -Regelungen. Stattdessen setze ich darauf, dass, so wie die Natur mir beim Fliegen die Aufwinde schenkt, du mir als begeisterter Hörer und Leser finanziellen Auftrieb gibst. Als Förderer darfst du so viel geben, wie du willst, beziehungsweise selbst entscheiden, was dir so ein Angebot wert ist.

45:31Lucian Haas

Ein häufig gewählter Förderbeitrag ist 60 Euro im Jahr oder umgerechnet 5 Euro pro Monat. Aber egal, was du zahlst, jeder Betrag trägt in der Summe seinen Teil dazu bei, dass ich Podz-Glidz und Lu-Glidz im Dienst der Gleitschirmszene auch in Zukunft weiter betreiben und entwickeln kann. Alle nötigen Infos, wie dein Förderbeitrag mich erreicht, findest du auf www.Lu-Glidz.blogspot.com Dort gibt es den Menüpunkt Fördern. Lu-Glidz schreibt sich Lu-Glidz Bis zum nächsten Mal. Verdrill nicht deine Bremslein, fall nicht vom Himmel. Ciao.

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