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119. Sicherheitsapostel - Timo Schleeh

// Timo Schleeh, Lucian Haas · 2023-10-13 · 00:54:27 · original episode

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[show notes]
Um ein besserer Pilot zu werden, beschäftigt sich Timo Schleeh gerne mit den Dingen, die ihn beim Gleitschirmfliegen umbringen könnten +++ Timo Schleeh ist ein gewöhnlicher Gleitschirmpilot, der sich ein ungewöhnliches Thema auf die Fahnen geschrieben: die Sicherheit. Timo findet, dass in der Szene viel zu wenig über den Umgang mit Flugrisiken gesprochen wird – und wie man diese reduzieren kann. Über diesen Umstand könnte man klagen, oder man kann etwas tun, damit sich in der Szene etwas ändert. Timo ist das auf eine ganz eigene Weise angegangen. Über Jahre hinweg hat er viel Material zum Thema Sicherheit beim Gleitschirmfliegen gesammelt und katalogisiert. Erst einmal nur für sich selbst, weil er merkte, dass die Beschäftigung mit den Dingen, die ihn beim Fliegen umbringen könnten, ihn zugleich motiviert, ein besserer Pilot zu werden. Später stellte der heute 32-jährige in Gesprächen fest, dass seine Sammlung auch anderen weiterhelfen kann. Er lancierte er eine Website namens Paragliding-Safety.com. Dort kann man nach Belieben immer tiefer in die verschiedensten Sicherheitsthemen und Unterthemen eintauchen. Die verlinkten Dokumente reichen von der mentalen Seite des Fliegens über Schirmbeherrschung, Risikomanagement, Ausrüstungswahl, Wetter, die Einschätzung und Wahl von Fluggeländen bis hin zum körperlichen Zustand, in dem man dann an den Start geht. Warum es sich lohnt, tief in diesen Info-Schatz einzutauchen, darüber spreche ich mit Timo Schleeh in dieser 119. Folge von Podz-Glidz. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Last Night Radio | Künstler: Kevin MacLeod CC 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Künstler: http://incompetech.com/

[transcript]

0:07Timo Schleeh

Was ich eigentlich möchte mit Paragliding Safety ist, diesen Spaß in den Vordergrund zu stellen, diese positive Herangehensweise zu haben, gemeinsam einfach. Wir haben eine Szene in der Community, die sich sehr gut umeinander kümmert, die sehr, sehr positiv ist, aber ich denke manchmal, man könnte sich noch mehr um den anderen sorgen am Startplatz. Ich habe oft eine Haltung, wo ich denke, okay, jeder ist selbstverantwortlich, das ist beim Fliegen sehr stark ausgeprägt und das ist nicht mein Bier, ich will damit nichts zu tun haben. Aber eigentlich ist es, denke ich, eine schlechte Einstellung. Ich habe das sehr oft, aber mir selber gefällt es nicht.

0:55Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Timo Schlee und ich bin Lucian Haas.

1:10Lucian Haas

Timo Schlee ist ein gewöhnlicher Gleitschirm-Blog, der sich ein ungewöhnliches Thema auf die Fahnen geschrieben hat, die Sicherheit. Timo findet, dass in der Szene viel zu wenig über den Umgang mit Flugrisiken gesprochen wird und wie man diese reduzieren kann. Über diesen Umstand könnte man klagen oder man kann etwas tun, damit sich in der Szene etwas ändert. Timo ist das auf eine ganz eigene Weise angegangen. Über Jahre hinweg hat er viel Material zum Thema Sicherheit beim Gleitschirmfliegen gesammelt und katalogisiert. Erst einmal nur für sich selbst, weil er merkte, dass die Beschäftigung mit den Dingen, die ihn beim Fliegen interessieren, nicht einfach ist. Zudem motivierte er ihn, ein besserer Pilot zu werden. Später stellte der heute 32 -Jährige in Gesprächen fest, dass seine Sammlung auch anderen weiterhelfen kann.

2:00Lucian Haas

Er lancierte eine Website namens paraglidingsafety.com. Dort kann man nach Belieben immer tiefer in die verschiedensten Sicherheitsthemen und Unterthemen eintauchen. Die verlinkten Dokumente reichen von der mentalen Seite des Fliegens über Schirmbeherrschung, Risikomanagement, Ausrüstungswahl, Wetter, die Einschätzung und Wahl von Fluggeländen bis hin zum körperlichen Zustand, mit dem man an den Start geht. Warum es sich lohnt, tief in diesen Infoschatz einzutauchen, darüber spreche ich mit Timo Schlee in dieser 119. Folge von Podz-Glidz.

2:39Lucian Haas

Wenn dir der Podcast gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit daran als Förderer. Wie das ganz einfach geht, erfährst du auf meinem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern.

2:55Lucian Haas

Timo, du hast eine Internetseite Paragliding Safety und da steht ganz prominent ein Zitat von Paulo Coelho. Und das heißt, es gibt nur eine Sache, die einen Traum unerreichbar macht, die Angst vor dem Versagen. Was bedeutet dir dieser Satz?

3:16Timo Schleeh

Also ich habe das Zitat tatsächlich erst entdeckt oder ich glaube erst kennengelernt, als ich die Webseite aufgesetzt habe. Ich denke aber, für mich selbst hat mich das schon vom Inhalt her begleitet. Weil beim Gleitschirmfliegen oder auch sonst, ja, man muss manchmal einfach einen Schritt nach vorne gehen, was Neues ausprobieren. Und beim Gleitschirmfliegen habe ich das zumindest regelmäßig, dass ich dann auch darüber nachdenke, was könnte jetzt schiefgehen. Aber um dann einen Traum zu verwirklichen, muss man dann einfach den Schritt gehen.

3:52Lucian Haas

Hast du denn beim Gleitschirmfliegen, was hast du dann gemacht? Beim Gleitschirmfliegen Angst zu versagen?

3:57Timo Schleeh

Nicht akut, aber ich denke, Angst hat man bei anspruchsvollen Flügen oder wenn man ein neues Manöver ausprobiert, schon. Bei mir ist es eher so, dass es dann eben die typischen Körperreaktionen sind, wie Anspannung oder klar Nervosität vom Start. Also so wirklich Versagensängste in dem Sinne habe ich nicht beim Fliegen. Dafür macht es mir einfach zu viel Spaß, denke ich. Da muss ich mich eher bremsen meistens, wenn ich was Neues ausprobieren möchte. Und vielleicht nochmal darüber nachdenken, ob das wirklich eine gute Idee ist. Aber ich denke, wenn man eine steile Lernkurve bevorzugt, was ich mache, dann ist Angst schon auch ein Teil davon. In einem gesunden Maß, denke ich.

4:42Lucian Haas

Hast du denn beim Fliegen schon mal so richtig versagt?

4:48Timo Schleeh

Sicherlich öfters, ja. Meistens im Nachhinein sehr spaßig. Ich habe am Garten gefahren. Beim Radarsee, beim Trainieren über Wasser schon ein paar Wasserlandungen, halbe Wasserlandungen und so weiter gehabt, die alle eine gute Lernerfahrung waren. Aber im Nachhinein ganz klar falsche Entscheidungen, eine lange Kette von falschen Entscheidungen. Ich meine, man ist über Wasser, um die Konsequenzen eben rauszunehmen. Von dem her macht es dann auch Spaß. Aber das habe ich schon öfters gehabt oder auch bei anderen Flügen, denke ich. Manchmal merkt man dann doch. Okay, jetzt habe ich hier Grenzen überschritten, meine eigenen oder wettertechnisch. Und das ist für mich dann schon ein Versagen.

5:27Lucian Haas

Auch wenn es gut ausgeht. Also wenn du sagst, ich bin gestartet und hätte eigentlich diese Schlechtwetterfront oder was auch immer, die hätte ich vorher erkennen müssen. Ich komme zwar noch heile runter, aber im Grunde habe ich versagt. Ich habe mich selber in Gefahr gebracht.

5:43Timo Schleeh

Genau. Also ich erinnere mich an den Flug. Damals bin ich noch einen High -B -Schirm geflogen und hatte einen C -Schirm zum so ein bisschen loswerden. Und mit dem war ich in Greifenburg, habe ich die Kreuzekrunde versucht und da war nicht besonders viel Wind, aber schon Wind. Und ich bin relativ tief hinter einer Quere angeflogen und dachte, okay, wenn ich im Gas fliege, dann reicht das noch drüber, was auch gut gereicht hat. Aber ich bin dann noch in den Leerwirbel gekommen, habe einen Klapper kassiert. Es war kein großes Event. Ich habe den Verhänger dann rausgestallt. Aber ich habe halt diese Fähigkeiten dann gebraucht. Weil ich eine falsche Flugplanung hatte, einen falschen Flugweg. Ich meine, man hätte in dem Fall einfach einen Bogen fliegen können und ohne Probleme dann trotzdem aufdrehen können auf der anderen Seite.

6:32Timo Schleeh

Es war reine Geschwindigkeit gegen Risiko.

6:36Lucian Haas

Hast du das dann für dich so analysiert, dass du nachher gesagt hast, im Grunde habe ich da versagt?

6:41Timo Schleeh

Ja, schon. Also ich hatte auch bei dem Flug vorher zwei Klapper oder so, kleine. Und das ist für mich, eigentlich ein Klapper ist für mich schon fast ein Versagen. Also ich, für mich darf eigentlich kein Klapper vorkommen, wenn ich fliege, wenn ich innerhalb, wenn ich bei normalen Bedingungen fliege, für mich.

6:59Lucian Haas

Bist du ein Sicherheitsfanatiker?

7:01Timo Schleeh

Ja, schon wahrscheinlich. Aber ich glaube, ich bin auch, manchmal gehe ich gerne auch bewusst, mache ich was, was Sportliches, Interessantes. Oder ich habe auch schon, vielleicht bin ich Sicherheitsfanatiker, weil ich weiß, dass ich manchmal ein bisschen übertreibe gerne, auch beim Fliegen oder Autofahren, was auch immer. Und da muss man sich dann selber ein bisschen regulieren.

7:23Lucian Haas

Du hast ja nun eine, hatte ich ja eingangs schon erwähnt, eine Internetseite aufgesetzt. paragliding -safety.com. Warum?

7:32Timo Schleeh

Das hat eine längere Geschichte. Ich habe vor vielen Jahren angefangen, Sicherheitsthemen für mich in einer Mindmap zu strukturieren. Hauptsächlich waren es damals Podcasts von Cloud -Based Mayhem. Da gibt es viele, die sehr inhaltsreich sind. Sehr zentral. Viel auch zum Thema Sicherheit. Da habe ich für mich so die Schmankerl rausgepickt. Und habe dann aber immer mehr Themen dort gesammelt in dieser Mindmap. War für mich einfach ein Strukturierungstool. Ich habe tatsächlich auch nicht so viel danach immer noch drauf gearbeitet, dass ich nochmal was angeschaut hätte oder so. Aber ich habe es für mich so gesammelt.

8:12Timo Schleeh

Und seit ich fliege, bin ich bei einer Freizeit vom CVRTM dabei. Da habe ich die Ausbildung gemacht. Das ist eine Veranstaltung. Wo man die Ausbildung machen kann in einem Rahmen von einer Freizeit. Und dort habe ich irgendwann gedacht, man könnte ja mal über das Thema Sicherheit sprechen. Vielleicht besonders in die Richtung, sich selber zu reflektieren. Wo steht man denn? Wo hat man Baustellen? Wo ist man gut unterwegs? Und da kam mir dann die Idee, diese Mindmap zu nutzen. Und das haben die anderen, die die Freizeit organisieren, ganz gut gefunden. Und dann habe ich da was vorbereitet. Und das dann, ich glaube, vor einem Jahr durchgeführt mit den Teilnehmern. Das war sehr positiv.

8:57Timo Schleeh

Also man hat sich anhand einer Mindmap dann selber reflektiert. Wo man denn steht bei den verschiedenen Punkten. Sei es Wetter oder Flugtechnik, Geländewahl und so weiter. Das Feedback war so gut, dass ich dann dachte, ich möchte es gern denen zur Verfügung stellen. Auch meine Mindmap mit Inhalten. Also mit Links dann. Wo man dann sich weiter noch informieren kann. Dann habe ich technisch überlegt. Ich bin dann darauf gekommen, dass eine Website für die anderen die beste Variante wäre. Für mich war es dann am Ende doch eher viel Aufwand. Aber ich denke, es hat sich gelohnt. Und so hat sich das dann entwickelt, von dem ausgehend.

9:34Lucian Haas

Mindmap, nur dass die Leute sich das vorstellen können. Das ist im Grunde sowas wie ein Themenbaum. Wo du sagst, das Hauptthema ist Sicherheit. Das wäre quasi der Stamm. Und von dem zweigen sich dann die unterschiedlichsten Themenäste ab, mit denen man sich beschäftigen könnte. Und am Ende stehen vielleicht einzelne Links, so wie die Blätter an den einzelnen Ästen eines Baumes. Wo du einen hast, vielleicht technische Ausrüstung. Der andere Wetterfragen. Das andere Geländerauswahl, was du gerade so schon genannt hast. Und dann findet man da in deiner Mindmap dann so weiterführende Links jeweils. Wo man sich noch viel tiefer mit diesen Themen dann einzeln beschäftigen könnte.

10:05Timo Schleeh

Genau. Alles aufgebaut mit Zweigen, um eben auch das Ganze zu strukturieren. Die erste Ebene ist so ein Thema wie Ausrüstung, Wetter, Gelände. Mentale Seite, Risikomanagement. So ein paar Basics. Und dann geht es weiter. Bei mentaler Seite gibt es Psychologie, Human Factors, also der menschliche Faktor und so weiter. Und so wird es eben unterteilt. Am Ende sind eigentlich immer Links, weil wir haben in der Szene schon super gute Inhalte, eben weit verstreut. Und da ging es mir eher darum, die auch schnell verfügbar zu machen. In dem Sinne, wenn ich mich jetzt mit Psychologie beschäftigen möchte. Dann die fliegerspezifischen Themen schnell zu finden und auch gute Dinge zu finden.

10:50Timo Schleeh

Ich meine, es gibt auch nicht so gute Inhalte im Internet, die halt vielleicht nicht so inhaltsreich sind oder nicht so tief sind. Und da habe ich eben dann nach meinem Gefühl die Dinge, die mir gut gefallen haben, einfach rausgesucht. Mit der Zeit, wenn ich auf etwas gestoßen bin, habe ich es einfach ergänzt. Und nur so konnte das auch so wachsen, weil es einfach mit der Zeit über die Jahre entstanden ist.

11:12Lucian Haas

Auf dieser Seite heißt es auch. In alle Themen rund um die Sicherheit beim Gleitschirmfliegen einzutauchen, war ein Game Changer für mich. Also da schreibst du über dich. In welcher Form war das ein Game Changer?

11:26Timo Schleeh

Ich denke, es hat mir geholfen, einfach mehr Spaß zu haben. Weil ich denke, wenn ich das Gefühl habe, ich bin jetzt vernünftig unterwegs, ich habe genug Sicherheitspuffer, dann kann ich mich auch mehr entspannen in der Luft. Wenn ich weiß, da stimmt was nicht oder das ist irgendwie sehr riskant, was ich mache. Dann verspannt man sich eher. Ich bin dann nicht so leistungsfähig, nicht so offen für Beobachtung, wenn ich jetzt Strecken fliege. Oder für ein Manöver nicht so präsent, wenn ich irgendwas ausprobiere. Und ich denke, da hat es mir geholfen. Und auch einfach mehr Dinge im Blick zu haben. Also auch Kleinigkeiten, die sicherheitsrelevant sind. Zum Beispiel? Ja, also mir fällt tatsächlich das Beispiel ein.

12:11Timo Schleeh

Weil ich hatte auch den Podcast von eVY2. Und da habe ich auch mit der Bremsleine zu tun gehört. Das ist wirklich, finde ich, so eine Kleinigkeit, die sehr große Auswirkungen haben kann. Und das habe ich erst vor ein paar Jahren entdeckt für mich. Ich habe alle meine Schirme dann umgerüstet, die keine Wirbel hatten. Und das ist für mich jetzt ein Standard, dass ich darauf achte. Aber wenn man das nicht weiß und nicht darauf achtet. Ja, und so ist es mit vielen Dingen. Man kann am Anfang nicht alles wissen. Und man hat auch nicht so viel systematische Unterstützung, sich in die Breite zu informieren. Man hat selektiv sehr gute Podcasts, Inhalte, YouTube -Videos. Man kennt vielleicht Flybubble oder Fly with Greg, dein Podcast. Auch Cloudbase Mayhem, englischsprachig gibt es viel. Der DHV hat gute Artikel im DHV -Info zum Beispiel, DHV -Magazin.

13:00Timo Schleeh

Aber sich in die Breite systematisch zu informieren, das hatte ich das Gefühl, das gibt es noch nicht so in der Szene. Und dann war das für mich auch eine Rechtfertigung, wirklich die Arbeit in diese Webseite zu stecken. Paragliding Safety, die Mindmap. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Also ich wollte nichts, was es schon gibt, machen.

13:19Lucian Haas

Jetzt kurz nochmal für die Leute, die sich vorhin gefragt haben, mit der Bremsleine, worum ging es da? Es ging darum, dass wenn man die Bremsen wickelt und man hat keine Bremswirbel da dran, wo sich das automatisch weiterdreht, können sich die Bremsleinen mit der Zeit so aufwickeln, dass die sich verkürzen und sogar dramatisch verkürzen können, dass es dann letzten Endes ein Sicherheitsproblem werden könnte. Was dann in diesem Fall von Eva Wojtun dann auch mit der Bremsleine, die dazu geführt hat, dass sie einen Unfall damit hatte. Thema Sicherheit. Ist aber, wenn du jetzt sagst, ja, das war ein Gamechanger für mich und ich flog damit besser, ist nicht Sicherheit auch manchmal eine Spaßbremse? Oder dieser Fokus auf die Sicherheit, sage ich mal, dass man sich nicht manchmal, ja, dass man sich im Grunde manche Erlebnisse verwehrt damit, dass man zu sehr auf die Sicherheit schielt?

14:07Lucian Haas

Ja,

14:08Timo Schleeh

wenn man übertreibt damit sicherlich. Aber ich denke, es gibt schon Unterschiede. Man sieht, ob ich eben viele Dinge im Blick habe oder darüber Bescheid weiß und dann bewusste Entscheidungen treffen kann. Also ich treffe auch bewusste Entscheidungen für riskantere Aktivitäten oder Flüge, wo ich mir dann Spaß erhoffe, aber eben auch dann bewusst abwägen zu können, bekomme ich was raus für das Risiko, was ich reinstecke? Im Englischen heißt das Risk and Reward. Risiko -Ertragsverhältnis kommt so ein bisschen aus der Betriebswirtschaft oder Wirtschaft. Und dass man da einfach bewusst entscheiden kann. Und ich denke, mir hat es keine Einschränkung vom Spaß gebracht. Ich denke, ich mache immer mal wieder was, wo ich

14:52Timo Schleeh

schon mehr Risiko eingewege. Durchschnittsflug vielleicht. Aber wo ich schon relativ genau weiß im Vorfeld, habe ich die Fähigkeiten dazu? Habe ich dafür trainiert? Bin ich dafür vorbereitet? Und ich investiere auch viel in Training, Groundhandling, Training über Wasser, um eben auch mal sportlichere Flüge machen zu können, die mir dann neue Landschaften erschließen oder einfach für mich ein Abenteuer darstellen.

15:19Lucian Haas

Wie kann man dieses Thema Sicherheit bei sich selbst, aber auch mit seinen Flieger -Buddies oder im eigenen Verein und Club, wie kann man das Thema da stärker in den Vordergrund bringen, ohne dass die Leute, die Angst haben davor jetzt, dass sie quasi ihren Spaß vielleicht dadurch verlieren?

15:36Timo Schleeh

Sehr schwierig. Das habe ich mich sehr viel gefragt, als ich die Webseite aufgesetzt habe. Und ich habe eben versucht, mein Erlebnis, zu transportieren. Deswegen auch der Claim, have fun in the sky. Ich denke, es kann eben auch Spaß bringen. Wie man es genau vermittelt, keine Ahnung. Ich habe da keinen Goldweg. Ich denke viel über Gespräch, einfach über Miteinander unterwegs sein. Vielleicht auch in der richtigen Weise manchmal sensibilisieren. An Stadtplätzen oder was sehr schwierig ist, finde ich. Ich gehe da oft auch, mache dann lieber einen Rückzug, als mich irgendwo einzumischen, weil ich nicht weiß, wie ich es positiv formulieren kann, sodass es auch ankommt. Ich meine, irgendwas sagen kann man immer, aber es ist leichter, eine Abwehrhaltung zu erzeugen.

16:22Timo Schleeh

Aber einfach vor allem mit Piloten, die man gut kennt, einfach offen unterwegs zu sein, offen darüber zu sprechen, nicht zu sagen, ich habe jetzt da den Klapper gehabt, aber dann habe ich es durchgezogen und das war der Wahnsinn. Sondern einfach ehrlich zu sein und so eine ehrliche Austauschkultur zu haben, das, denke ich, ist schon der Schlüssel, um das nach vorne zu bringen. Ich habe sonst aber keine besonderen genialen Ansätze dafür.

16:51Lucian Haas

Wäre es sinnvoll, vielleicht nach jedem Flug für sich selbst oder auch mit anderen zusammen, mit denen man zusammen war, so eine Art von Safety -Debriefing zu machen, wo man einfach nochmal guckt, was war nicht so toll in dem Flug oder wo war ein Risiko? Hätte man das in irgendeiner Weise vermeiden können, um dann dort weiterzukommen?

17:07Timo Schleeh

Ja, ich denke auf jeden Fall. Ich habe das... Als ich ein sehr motivierter Anfänger war, bei jedem Flug in meinem digitalen Flugbuch geguckt, wo kann ich dazulernen? Also auch performanceorientiert, aber auch sicherheitsorientiert, über Landungen Gedanken gemacht, stichpunktartig. Ich habe das irgendwann aufgehört. Ich denke auch so diese Anfangsmotivation geht irgendwann ein Stück weit weg. Und ich lasse oft meine Flug -Debriefing schleifen, auch beim Streckenfliegen, weil ich dann doch nicht so wahnsinnig leistungsorientiert bin beim Streckenfliegen jetzt, beim Aquafliegen eher schon, dass ich da viel analysiere im Nachhinein. Aber ich denke, ich habe es jetzt bei Flugreisen zum Beispiel erlebt, wenn dann auch ein Fluglehrer mal Themen anspricht, die er in der Gruppe beobachtet und man darüber spricht. Ich denke, das hat schon einen sehr großen Effekt, wenn man es schafft, dass man für sich selber seine Fehler erkennt, was oft sehr schwierig ist.

17:59Timo Schleeh

Oft hilft es, wenn man gegenseitig sich das sagen kann. Weil gerade beim Starten zum Beispiel, wenn man Videos von seinem eigenen Start sieht, wenn man natürlich sehr grobe Fehler macht, sieht man das. Aber die Details bleiben einem selbst oft verborgen. Und das haben wir schon bei Flugreisen gemacht. Wir haben Videos von den Starts gemacht und dann gemeinsam besprochen. Das setzt natürlich auch eine gute Feedback -Kultur voraus oder einfach auch vielleicht, dass man sich schon ein bisschen kennt oder fair miteinander umgeht. Und hat dann die Starts ziemlich auseinandergenommen, was aber am Ende allen geholfen hat. Da kann man schon Dinge machen. Auch allein nur, wenn man einen Track von einem Streckenflug hat, und ein bisschen über das Wetter Bescheid weiß, habe ich schon gute Deep Briefings auch bekommen von Fluglehrern.

18:45Timo Schleeh

Gucken wir

18:46Lucian Haas

mal so ein bisschen in deine Seite rein. Und ich greife nur so ein paar einzelne Sätze oder Themen raus. Und du darfst ein bisschen was dazu erzählen, die ich einfach interessant finde. Unter anderem zitierst du dort den US -Gleitschirmflieger und Eiskletterer Will Gatt, der gerne davon spricht von the positive power of negative thinking. Gefällt dir der Satz?

19:09Timo Schleeh

Ja, der gefällt mir sehr gut. Deswegen habe ich ihn dort drin. Der Satz fällt in einem Podcast, in Cloud Press Mayhem Podcast von Gavin McClurg, den ich sehr viel höre, den Podcast. Dort geht es darum, wir haben heute in unserer Gesellschaft eher diese Mentalität, wenn ich jetzt positiv denke, dann kann ich alles schaffen. Ich brauche ein positives Mindset und dann kann ich Dinge erreichen und ich kann ein Business gründen und ich kann alles voranbringen. Und er prägt, durch seinen Hintergrund auch im Klettern, eine andere Sicht. Er sagt, dass es sehr gefährlich ist, diese Mentalität, wenn man Extremsportarten macht oder wenn man einfach Dinge macht, wo man Risikomanagement braucht, wo man Risiken hat, die vielleicht über das übliche Maß hinausgehen.

19:55Timo Schleeh

Und er sagt, er versucht eher zu überlegen, was könnte hier schiefgehen. Er sagt, I will look for the stone that will break the glass. Also er schaut, welcher Stein bricht in das Glas. Wo er überlegt sich, was kann eben hier schiefgehen, ohne sich jetzt in eine negative Grundstimmung zu manövrieren, was ja auch wieder ein Thema ist, was manche machen vor dem Start. Aber er schaut einfach konstruktiv und dann hat er das auf der Platte und dann kann er auch in den Flug gehen und damit umgehen. Von dem her fand ich das sehr interessant, weil man sich glaube ich leicht sicherlich auch mitreißen lässt. Das ist ja schön, wenn man auch in einer Gruppe unterwegs ist.

20:35Timo Schleeh

Und nochmal schaut, wenn ich jetzt das und das mache, für mich so auch die Frage, ist das vielleicht eine dumme Idee, frage ich mich dann manchmal. Man macht ja gern verrückte Sachen und ja, ist ja schön, wenn man das noch länger machen kann.

20:48Lucian Haas

Auf der Seite erwähnst du auch das Ampelprinzip. Was steckt dahinter?

20:54Timo Schleeh

Ja, wenn man sich vorstellt, ich komme zum Beispiel zum Startplatz und dann, wenn ich jetzt müde bin, ich habe viel Wind, ich habe vielleicht einen neuen Schirm seit kurzem, dann habe ich mehrere Faktoren, die für mich jetzt gelb sind, vielleicht nicht rot, sag ich mal, also den Schirm, den habe ich schon eine Weile, der Wind geht noch, ich bin halt ein bisschen müde, aber ich habe jetzt mehrere Faktoren, die gelb sind, dann habe ich in Summe vielleicht ein Rot für mich für den Tag oder für den Start oder für den Moment und verzichte dann vielleicht auf den Flug oder entscheide mich für einen konservativeren Flug

21:31Timo Schleeh

oder verzichte vielleicht auf den Dynamic Store noch in der Höhe. So ist es einfach ein Tool, was man nutzen kann, um relativ einfach sich auch wieder bewusster mit der ganzen Risikomanagement -Thematik zu beschäftigen. Einfach direkt am Start, einfach und schnell.

21:49Lucian Haas

Hast du nach diesem Ampelprinzip schon mal dich verhalten in der Form, dass du dann wirklich gesagt hast, ich bin jetzt hier hochgelaufen auf den Berg und jetzt gucke ich mal, höre ich mal in mich hinein und stelle dann fest, oh, das steht auf gelb, das ist auch nochmal gelb und keine Ahnung, die Bremsleine war verdreht, zeigt mir irgendwie beim Start, irgendwas war nicht ganz sauber. Nee, das ist jetzt eigentlich das Stoppschild für mich. Ich gehe jetzt doch wieder runter. Hast du sowas schon mal erlebt oder dann wirklich so durchgezogen?

22:17Timo Schleeh

Ja, je länger ich fliege, desto öfter. Ich habe es am Anfang leider oft nicht gemacht, sondern dann trotzdem gestartet. Daraus habe ich dann gelernt. Also ich habe jetzt vor kurzem bei der Flying Chair Veranstaltung,

22:32Timo Schleeh

war ich relativ müde und nicht so fit und da habe ich dann regelmäßig einfach, bin ich an den Startplatz, die anderen sind auf den oberen Startplatz gegangen, ich bin auf den unteren Startplatz gegangen und ich habe teilweise noch eine Stunde am Startplatz geschlafen und habe dann, während die anderen gekämpft haben im Absaufen, geschlafen und dann später einfach aufgedreht und noch eine Weile geflogen und dann früher gelandet, um dann einfach was zu essen und mich einfach so ein bisschen zu erholen. Also so, das habe ich dann öfter schon gemacht oder wenn ich merke, ich bin jetzt mit einer Gruppe unterwegs und es wird abends spät, dann bin ich morgens relativ,

23:08Timo Schleeh

nicht unkonzentriert, aber ich bin nicht so fit fürs Fliegen und brauche eine Weile, bis ich auf Touren komme und dann habe ich jetzt auch schon einfach den Start nach hinten verzögert. Oft verliert man dadurch nicht viel, wenn man jetzt keine großen Strecken plant und war dann einfach fitter in der Luft und hatte automatisch einen kürzeren Flug, damit mehr Energie noch, vielleicht bei der Landung, aber genau so oft habe ich es nicht beachtet, muss ich zugeben.

23:34Lucian Haas

Da steht auch in dem Zusammenhang der schöne Satz, man sollte den Überblick behalten über die Dinge, die dich wahrscheinlich umbringen werden.

23:42Timo Schleeh

Das finde ich ein sehr schönes Konzept, weil es sehr direkt ist. Für mich, ich habe diese Liste seit ein, zwei Jahren und versuche die immer wieder mal zu aktualisieren. Seit einem Jahr hat sich jetzt eigentlich nichts verändert auf der Liste bei mir. Bei mir ist es aggro zu tief, also zu nah am Gelände, fliegen bei viel Wind, was ich sehr gerne mache, aber was eben bekanntermaßen Risiken hat und wenn ich fliege, wenn ich müde bin oder lange Phase mit viel Stress und wenig Schlaf hatte. Das sind so für mich die Faktoren und ich denke, es hilft halt sehr, sich einfach sehr bewusst und sehr konkret mit den Dingen umzugehen. Ich denke, es ist nicht jedermanns Sache, so offensiv vielleicht damit umzugehen, mehr mein persönlicher Stil, der mir auch hilft dann zu sagen, okay, jetzt lasse ich halt vielleicht den letzten Stall noch sein oder jetzt muss kein Heli probiert werden, jetzt gehe ich landen.

24:34Timo Schleeh

Das hilft mir selber dann einfach.

24:37Lucian Haas

Umbringen ist ja schon ein starkes Wort. Wahrscheinlich werden viele Leute das zumindest gedanklich nicht mit Fliegen in Verbindung bringen wollen, weil sie dann sagen würden, wenn ich sowas immer bedenken würde, das könnte mich jetzt auch umbringen, dann gehe ich am liebsten gar nicht mehr in die Luft. Einfach weil das, man sagt ja, wenn ich dieses Risiko vermeiden wollte, dann müsste ich ja gleich ganz am Boden bleiben. Das hast du aber nicht.

25:00Timo Schleeh

Nein, also ich finde, so ähnlich wie bei dem Thema The Positive Power of Negative Thinking, geht es mehr um Bewusstsein, um einfach sensibilisiert zu sein. Und für mich, wie gesagt, auch ein persönlicher Stil. Ich meine, wenn ich Autofahren gehe, dann habe ich ja genauso ein Risiko und dort mache ich auch gerne mal eine sportlichere Fahrt oder sowas. Und ich weiß ja, was für ein Risiko ich eingehe. Ich meine, ich könnte, es gibt ja viele Möglichkeiten zu sterben und das Leben ist eben endlich. Das ist für mich auch eine Sache, für die ich mich ganz bewusst damit auseinandersetze und womit ich auch kein Problem habe. Und je mehr man mit Dingen bewusst umgeht und es nicht verdrängt, desto

25:41Lucian Haas

besser eigentlich. Ein anderes interessantes Thema auf deiner Seite finde ich auch die

25:49Lucian Haas

Risikohomöostase. Es geht um die Risikobereitschaft von den Menschen und wie die sich verändert unter bestimmten Hintergründen. Erklär mal den Hintergrund dazu. Worum geht es?

26:00Timo Schleeh

Den Wortursprung kann ich nicht erklären, aber es geht darum, ich habe ein empfundenes Risiko, für mich, jeder hat eine eigene Hemmschwelle, was das angeht, jeder hat ein eigenes Risikoempfinden, was durch die Vergangenheit geprägt ist oder Veranlagung und das Konzept oder die Risikohomöostase besagt, wenn ich jetzt mein Risiko z.B. reduziere durch, sei es passive Sicherheit z.B., wenn ich einen niedriger klassifizierten Schirm pflege oder sage, ich habe einen großen Protektor oder sowas, dass ich dann die Menschen dazu neigen, ihr Risiko, was sie eingehen, automatisch zu erhöhen um wieder das gleiche empfundene Risiko zu haben. Und das hat man untersucht im Bereich Automobil und ich glaube, es ging um die Einführung von Airbags damals

26:46Timo Schleeh

und da hat man eben festgestellt, dass die Unfallzahlen danach hochgegangen sind. Weil die Leute eben durch dieses Sicherheitsmechanismus, die dazugekommen sind, sich sicherer gefühlt haben und da jeder die Hemmschwelle irgendwie immer gleich liegt vielleicht, gut, das kann sich über das Leben natürlich verändern, aber ungefähr haben die Leute einfach ihre Risikobereitschaft dann wieder angepasst. Ich habe das Thema, ich weiß nicht, wie ich darauf aufmerksam geworden bin, wahrscheinlich auch wieder in Cloudbase Mayhem Podcast, aber ich habe es mit aufgenommen, weil ich denke, wir haben diese Gefahr beim Gleitschirmfliegen, gerade bei der ganzen Schirmdiskussion oder bei dem Thema, wie viel Schirmbeherrschung brauche ich wirklich, wird oft eher der Weg gegangen, ja, ich nehme einen niedriger klassifizierten Schirm und investiere aber keine Zeit in meine

27:31Timo Schleeh

eigentlichen Fähigkeiten und da in dieses Themenfeld, denke ich, spielt die

27:37Lucian Haas

Risiko -Homöostase schon rein. Hast du das bei dir selbst auch erlebt? In deiner Karriere, dass du gemerkt hast, okay, irgendwann habe ich halt mehr Risiko akzeptiert, weil ich dann auch gesehen habe, okay, das gleiche ich aus durch Invest in was auch immer, in Training von oder ich habe jetzt das neue Gurtzeug, was den dickeren Protektor hat oder was auch immer.

27:58Timo Schleeh

Ja, auf jeden Fall, also bei mir war es mehr so in die Richtung, ich habe in Training investiert und mich dann sicherer gefühlt und war vielleicht auch in manchen Aspekten sicherer, muss gerade überlegen, was es konkret war, also ich habe eben viel Sicherheitstrainings gemacht, relativ früh und dann viel selber trainiert und festgestellt, ich kann diese Dinge schon auch beherrschen, in einer kontrollierten Umgebung wohlgemerkt und habe mich dann schon manches Mal, glaube ich, zu Dingen verleiten zu lassen, wo ich sage, ich fliege gerne in der Luft, deswegen ist da das Risiko noch erhöht und habe dann Dinge ausprobiert, auch bei anspruchsvollen Bedingungen, die ich wahrscheinlich nicht gemacht hätte, wenn ich jetzt nicht diese Sicherheitstrainingserfahrung gehabt hätte und das Problem dabei ist, dass in meinem Fall jetzt das Sicherheitstraining ein super Tool ist, aber es lehrt mich halt nur, in Anführungsstrichen, gut meinen Schirm zu beherrschen, wenn was schief geht oder klar auch ihn offen zu halten, logisch, Groundhandling -Erfahrung und so weiter, aber es lehrt mich nicht, vielleicht das Wetter richtig einzuschätzen, das Gelände, eine andere Flugroute zu wählen, im Vorfeld einfach intelligent zu agieren, um diese Sicherheit gar nicht erst abrufen zu müssen.

29:10Timo Schleeh

Das habe ich halt gelernt und da bin ich mittlerweile, versuche ich mir auch bewusst zu machen, okay, ich fühle mich vielleicht sicherer, als ich bin, weil ich viel trainiert habe, aber vor allem, wenn man einseitig trainiert, hat man immer noch offene Flanken irgendwo.

29:26Lucian Haas

Das ist ja das Schöne an deiner Webseite, du bietest da ja auch an, man kann sich ein PDF runterladen zur Selbstreflexion, wo man sich einfach mal eintragen kann, da sind so die verschiedensten Themenbereiche einfach mal aufgerufen, man kann gucken, wo stehe ich dort eigentlich? Machst du das heute auch noch immer mal wieder regelmäßig, dass du sagst, ich druck mir dieses Ding aus und gehe das auch noch mal durch für mich?

29:49Timo Schleeh

Ich habe es zweimal jetzt schon gemacht, mehr öfter nicht, muss ich zugeben, ich habe es einmal selbst gemacht, als ich es mit den Teilnehmern auf der Freizeit gemacht habe, wo ich das erste Mal das überhaupt mit einer Gruppe gemacht habe und habe das dann auch später noch mal angeschaut, wie habe ich mich denn damals einfach aus dem Bauch raus eingeschätzt? Da geht es mehr um diese Bauchrauseinschätzung, nicht um jetzt ewig nachzudenken, weil ich denke, man liegt dann eigentlich recht gut, man hat ja schon auch ein Gespür, wo man Probleme hat, sage ich mal, das weiß man oft doch recht gut und ich habe es dann noch mal sehr bewusst gemacht, als ich eine Baumlandung hatte, als Unfall -Debriefing, um zu gucken, wo klemmt es bei mir eigentlich, warum habe ich diese Baumlandung gehabt und habe da schon sehr deutliche Schwerpunkte dann gesehen.

30:37Timo Schleeh

Von dem her finde ich es ein super Tool, eigentlich eine gute Idee, das auf regelmäßiger Basis zu machen. Das einzige, was ich auf regelmäßiger Basis mache, tatsächlich, was ich vor kurzem erst angefangen habe, so ein bisschen für mich so ein Safety -Debriefing, zu gucken, was sind meine Baustellen, wo möchte ich mich weiter entwickeln, genau.

30:59Lucian Haas

Ein Thema noch, was dort auch auf deiner Seite erwähnt wird, ist der Survivors Bias. Was ist das?

31:06Timo Schleeh

Ja, ich denke, es ist sehr ähnlich zu dem Thema Risikohomöostase, oder man kann auch sagen, Build -up Risikohomöostase, also so eine aufgebaute Risikohomöostase. Wenn man jetzt zum Beispiel anspruchsvolle Top -Landungen macht, man macht es öfters, es geht immer gut, dann wird eben auch dieses empfundene Risiko für diese spezielle Aktion niedriger werden. Einfach dieser Gewöhnungseffekt, es ging immer gut, und es kann aber sein, es war jedes Mal sehr, sehr knapp, und es ist beim Fliegen schon auch ein Problem, dass man keine direkte Feedback -Schleife hat. Man kann Dinge tun, die sehr riskant sind, kann gut wegkommen, ohne es jemals zu verstehen, was man da gemacht hat, dass es vielleicht

31:51Timo Schleeh

sehr knapp war, nur sich schwer zu verletzen, oder sogar einen Unfall mit Todesfolge zu haben. Beim Survivors Bias, in der Psychologie, glaube ich, heißt es Survivorship Bias, da wird eben, in der Psychologie gibt es eben diese Untersuchungen, also das einfach, das betrifft jeden Menschen, und beim Fliegen, denke ich, sind es einfach wiederholte, riskante Aktionen, wo man dann eine gefühlte Sicherheit bekommt, die nicht wirklich da ist. Ich denke, es gibt auch Fliegen bei viel Wind, oder es gibt viele verschiedene Beispiele.

32:22Lucian Haas

Also du hast einen Klapper beispielsweise, der geht auf, und du sagst, ach, es war ja alles gut. Dann hast du nochmal einen Klapper, und dann fünfmal, und fünfmal geht es gut, und du sagst, Klapper kann ich eigentlich handeln, so ungefähr, aber es war eigentlich nie der entscheidend Große, oder der, wo du sagst, in einer turbulenten Luft, wo der Schirm dann mal wirklich was ganz anderes macht, und nicht einfach nur ganz brav wieder aufgeht, wie du es in vielleicht halbwegs toter Luft über dem See beim Sicherheitstraining selbst gezogen hast, und dann vielleicht gedacht hast, ah, das kann ich ja, das geht ja alles gut so. Ja, genau. Am Startplatz, wenn du da so auftrittst, und mit anderen Leuten zusammen bist, bist du da so als der Bedenkentrainer, eigentlich bekannt in deiner Freundeskreisgruppe? Eher nicht, würde ich

33:03Timo Schleeh

sagen. Schwer zu sagen. Ich fühle mich manchmal unwohl, wenn ich mit sehr gemischten Pilotenniveaus fliege, weil man immer denkt, ja, das und das kann passieren. Ich selber, ich nehme mich oft vielleicht zu viel zurück, ich weiß es nicht, auch bei dem Startplatz, wo ich regelmäßig fliege, an der Wanne in Pullingen, in Klippenstadt, habe ich mich nach, zum Beispiel einer Baumlandung schon manches Mal gefragt, ja, vielleicht hätte ich was sagen sollen. Wenn man es eben sieht, man sieht die Piloten, die gefährdet sind, man sieht es sofort, wenn die Leute Angst haben, noch nie in einem Klippenstadt waren, einen Gruppendruck haben, weil es noch vier andere Männer dabei sind, große Sprüche und so weiter, aber ich

33:48Timo Schleeh

glaube nicht, dass ich, also ich bin vielleicht im Vorfeld Bedenkenträger, oder aber am Startplatz selbst hoffe ich zumindest nicht, weil das mag ich gar nicht. Ich denke, wenn man fliegt, dann muss der Kopf frei sein, dann gibt es keine schlechten Geschichten, keine Bedenken, das ist jedem seine persönliche Sache, auch auf dem Weg zum Startplatz, das mag ich überhaupt nicht, wenn dann irgendwelche Klappergeschichten erzählt werden, oder Leute sich selbst so fertig machen, also im Sinne, ja, jetzt ist es so turbulent, oder einfach da ist es wichtig, bewusste Analyse zu machen, aber dieses Gerede oder diese Unfallgeschichten, auch abends, Unfallgeschichten, finde ich nur sehr eingeschränkt sinnvoll, wenn man das sauber analysiert, aber meistens sind es einfach Geschichten, wäre so, und das halte ich nicht für so sinnvoll.

34:34Timo Schleeh

Man sollte eher eine positive Kultur prägen, sagen, boah, heute habe ich das hinbekommen, und sei es noch so wenig, oder da habe ich Spaß gehabt, oder so, diese Geschichten, Horrorgeschichten sind nicht gut für uns.

34:48Lucian Haas

Wie rufst du dir denn dann selber vor einem Flug dieses Thema Sicherheit ins Bewusstsein? Hast du da irgendwie eine Checkliste, zumindest im Kopf, eine interne Checkliste, wo du sagst, da gibt es einfach so ein paar Sicherheitspunkte, die ich für mich vor einem Start nochmal durchgehe? Oder sagst du, nein, das muss ich schon viel früher durchgegangen sein, vor dem Start will ich eigentlich mich nur noch aufs Fliegen freuen?

35:13Timo Schleeh

Ja, ich denke, meistens passiert es unterbewusst, ich denke, man muss die Arbeit schon vorher investieren. Ich habe mir nach der Baumlandung damals, habe ich mir eine Checkliste überlegt, die befolge ich aber bewusst Schritt für Schritt nicht oft, da mache ich mir Gedanken, ob ich gerade ungeduldig bin, weil das bei mir eben ein Thema war, ob ich unbequem bin oder bequem, also bequem bin, es mir leicht machen möchte. Einfach mal zu schauen, wie bin ich eigentlich drauf an dem Tag? Das ist nicht etwas, was bei mir natürlich kommt, ich übergehe das einfach, auch wie meine Verfassung dann an dem Tag ist. Das versuche ich zumindest mir bewusst zu machen und was ich tatsächlich nutze, denke ich öfters, bevor ich wirklich starte, also wenn ich meinen Startcheck fertig habe, diese drei Fehlerregeln, nenne ich das,

36:02Timo Schleeh

dass ich schaue, habe ich im Vorfeld Fehler gemacht, also irgendwelche Kleinigkeiten, habe ich irgendwie mein Funkgerät vergessen, habe ich mein Handy nicht an die Powerbank angeschlossen, habe ich

36:13Timo Schleeh

irgendwie beim Einhängen oder beim Startcheck etwas verdattelt und wenn das drei Sachen sind, sei es auf dem Weg zum Fluggebiet oder direkt vom Start, dann ist das für mich so ein Warnzeichen, hier stimmt etwas nicht. Ich bin tatsächlich, also so eine letzte Prüfung, wie mein innerer Zustand, meine Verfassung ist, bei mir, ich bin zu müde oder irgendwas lenkt mich ab, aber es passiert doch meistens recht unbewusst und vor allem, ich merke es oft, wenn ich es nicht beachtet habe, merke ich im Nachhinein, oh, die vier Sachen sind gewesen, da hätte ich vielleicht das mal lieber bleiben lassen, aber so habe ich einfach ein paar Schritte, auch dieses Konzept Threat and Error Management habe ich mich im letzten Jahr mehr beschäftigt, zu gucken, wo sind Bedrohungen, sagt man quasi, also

37:00Timo Schleeh

schlechtes Wetter oder schlechte Verfassung für meinen Flug, die dann zu Fehlern führen können, also die Fehler einfach bevorzugen.

37:06Lucian Haas

Du hast jetzt schon mehrfach diese Baumlandung erwähnt, scheint ja irgendwie ein bisschen prägendes Erlebnis für dich gewesen zu sein, was hat denn aus deiner Sicht dazu geführt, dass du im Baum gelandet bist?

37:18Timo Schleeh

Ja, mehrere Dinge, wie so oft, es sind oft mehrere Dinge, ich habe die Wochen davor sehr viel gearbeitet, war im Stress, habe wenig geschlafen und war ziemlich, also ich würde sagen, im Nachhinein ziemlich fluggeil, also in der Analyse habe ich noch gesagt, ich war etwas fluggeil, aber ich würde sagen, ich war schon ziemlich fluggeil und habe dann schon gewusst, es ist recht viel Wind, ich nehme mal lieber noch meinen kleinen Schirm mit, ich habe noch einen XXS -Schirm, den ich dann ordentlich belade und dachte, gut, dann kann ich ja zur Not da auf den noch ausweichen, weil mit dem möchte ich eh immer mal fliegen, wenn es geht. Und dann habe ich schon unten in der Nähe vom Landeplatz gemerkt, also keine Chance mit dem Normalschirm zu fliegen,

38:05Timo Schleeh

also gut, anderen Schirm eingepackt, hoch geht's, oben keiner stattert, thermische Böen, relativ windig, nach dem Startplatz ist es relativ flach und dann war klar, nein, keine Chance, nicht fliegen und dann habe ich mich halt auf eine Bank gelegt, versucht ein bisschen zu dösen, ich war müde oder mich mit dem Piloten dort ein bisschen unterhalten und dann kam eine Zirrenbewölkung rein, komplett vollflächig, hat abgeschattet und dadurch sind die Böen deutlich zurückgegangen und dann habe ich es eine Weile beobachtet, also ich habe schon ich denke, ich war zwei Stunden am Startplatz, habe es eine halbe Stunde dann noch beobachtet und bin dann, habe mich fertig gemacht, die anderen haben sich nicht fertig gemacht mit den normalen großen Schirmen, bin gestartet und war mega, also schöner, aufwendend, immer mal wieder kräftige Thermik dazwischen, man konnte Wingover machen, und und und

38:57Timo Schleeh

aber nicht viel Vorwärtsfahrt mit dem kleinen Schirm dann war ich schon so ein bisschen nervös und dachte, wenn es jetzt abstellt, dann habe ich das Problem, das Gelände geht flach und dann kommt so ein Tal und dann kommt nochmal so ein Berg und man muss nochmal über einen kleinen Berg zum Landeplatz und dieses Tal hat schon viele gefangen, also dort sind Baumlandungen sehr heuschig und dann wurde ich nervös, ziemlich nervös und habe, denke ich, einfach Angst bekommen und habe überlegt, was mache ich jetzt, okay, versuche ich zum Landeplatz zu fliegen oder lande ich top an dem großen Startplatz was jetzt nicht unbedingt üblich ist dort und sicherlich nicht einfach anzufliegen, weil es flach ist und habe dann gedacht, keine Chance, mein Skinlevel lässt diese Toplandung nicht zu und habe dann unten einen kleinen Fleck gesehen, da gibt es so eine Wanderhütte, dachte zur Not, lande ich dort, ich warte jetzt einfach, ich mache noch ein bisschen Höhe, bleibe einfach hier, es klappt ja ganz gut

39:54Timo Schleeh

und dann ging es runter, abgeschwächt und ich habe halt probiert, probiert, weil ich wusste, es gibt noch ein Hausbad unterhalb von einem anderen Startplatz und dann war es irgendwann zu tief, um zum Landeplatz zu fliegen und ich habe versucht, top zu landen an diesem kleinen Fleck bei dieser Wanderhütte, also eine sehr, sehr anspruchsvolle Toplandung, weit über meinem Level, weil ich nicht viele Toplandungen mache und wenn dann nur an den Schwäbischen Alpus, finde ich relativ einfach geht und habe den Anflug versemmelt, also dann noch mit Steigen, Kärmisch, Turbulent und so weiter und habe dann gemerkt, das wird nichts, ich wusste, eine verkackte Toplandung auf hartem Grund ist extrem gefährlich, habe dann in den Wind gedreht und da war so kleiner, dichter Bewuchs links von der Stelle und bin dann

40:46Timo Schleeh

vorwärts in den Wind mit relativ verlangsamter Fahrt logischerweise, wegen dem Gegenwind, in diese kleinen Tannen eingeflogen, da war dann dahinter größerer Bewuchs und die haben mich sehr gut aufgefangen, ich war dann unverletzt, war irgendwie 30 Zentimeter über dem Boden und mit der Nase irgendwie 20 Zentimeter vor dem Baumstamm, konnte mich aushängen auf Zehenspitzen und habe dann geguckt, bin ich verletzt, habe nichts festgestellt und hatte kein Netz, was dort auch üblich ist, man nimmt normal Funk mit, Funk hatte ich vergessen an dem Tag, weil ich schnell fliegen gehen wollte und ja, also es waren viele Dinge, ich habe ganz klar blockiert, weil ich Angst hatte in dem Moment, weil ich hätte es locker zum Landeplatz geschafft,

41:33Timo Schleeh

höchstwahrscheinlich, ich hatte den Düseneffekt, ich hatte die Thermik am Hang, ich hatte viel mehr Wind oben am Hang als draußen im Tal, sag ich mal und es wäre wahrscheinlich im Tal auch nicht stark gesunken und ich hatte ja einen Schirm, der sehr klein ist, wo ich im Gas sehr gut nochmal vorangekommen wäre, also einfach sehr viele dumme Entscheidungen, ich denke, wenn ich fit gewesen wäre, hätte ich den Flug auch schaukeln können, aber trotzdem war es halt vielleicht ein bisschen unnötig, das zu versuchen überhaupt, zumal es eine halbe Stunde später easy ging mit den Normalschirmen und die alle über mich drüber geflogen sind und ja, sich so ihren Teil dachten.

42:09Lucian Haas

Welche Aspekte des Themas Sicherheit kommen denn aus deiner Sicht, auch was du so kennst aus deiner Piloten -Community, mit der du hauptsächlich unterwegs bist, welche Aspekte des Themas Sicherheit kommen aus deiner Sicht am ehesten zu kurz oder werden am ehesten verdrängt?

42:25Timo Schleeh

Ich denke ganz klar, die ganze mentale Geschichte, also Human Error, Psychologie, weil es einfach auch in der Ausbildung wenig behandelt wird, ich habe sehr wenig jetzt bewusst wahrgenommen, kann mich aber auch nicht mehr genau erinnern, das kommt stark zu kurz, ich denke, Umgang mit Angst wird auch wenig thematisiert, immer mehr, ich denke, du hattest auch schon tolle Podcasts, wo das zur Sprache kam, es kommt mehr und auch die jungen Piloten, denke ich, sind da offen dafür,

42:57Timo Schleeh

was wird sonst vernachlässigt? Groundhandling, ganz klar, massiv vernachlässigt in der Breite, sage ich jetzt mal, die Profis machen alle Groundhandling oder viele, denke ich, aber die Normalpiloten im Schnitt viel zu wenig.

43:11Lucian Haas

Und welches Sicherheitsthema hat dich selbst am meisten weitergebracht, würdest du sagen?

43:17Timo Schleeh

Groundhandling und Training über Wasser hat mich sehr vorangebracht und einfach die Beschäftigung damit, also vielleicht Risikomanagement, aber schon hauptsächlich auch das Praktische, Groundhandling, das Wohlfühlen mit dem Schirm, Spaß am Stadtplatz.

43:32Lucian Haas

Was sagst du zum Thema Restrisiko? Gibt es das eigentlich überhaupt oder ist das letzten Endes nur ein Wort für all das, mit dem wir uns eben bisher nicht so gedanklich beschäftigt haben? Ist all das das Restrisiko im Grunde?

43:48Timo Schleeh

Ja, ich denke, wir haben auf jeden Fall ein Restrisiko, weil es eben auch Dinge gibt, die niedrig über Grund passieren können, wo auch keine Beherrschung der Welt helfen würde. Wenn man einfach in der kritischen Höhe einen starken Klapper bekommen würde oder sowas, vielleicht klar die Wetterbeobachtung, Wettercheck ist nie perfekt. Vielleicht hat man da ein kleines Restrisiko. Man hat definitiv ein Restrisiko, wie in vielen Bereichen vom Leben. Und wenn man das nicht akzeptieren kann, denke ich, dann sollte man nicht Gleitschirmfliegen, weil das Problem ist auch, wenn man das verdrängt und sagt, es gibt kein Restrisiko, dann tut man sich so selbst ein bisschen beschummelt. Und ich denke, man muss es einfach akzeptieren und versuchen zu minimieren.

44:31Lucian Haas

Zum Ende hin, lass uns nochmal einen kleinen Themensprung machen. Du hast es relativ am Anfang schon erwähnt, du bist zum Fliegen gekommen über den CVJM. Was hat ein christlicher Verein junger Menschen mit Paragliding zu tun?

44:45Timo Schleeh

Das ist eine sehr gute Frage und als ich erfahren habe, dass es eine Gleitschirmausbildung im Rahmen einer CVJM -Veranstaltung gibt, war ich sehr begeistert. Ich war selbst im Gleitschirm aktiv bei mir daheim und Gleitschirmfliegen völlig außerhalb der Vorstellung, die man da hat von dem, was man da macht. Man macht eher Sport, Fußball, Camps und solche Dinge, aber kein Gleitschirmfliegen. Und das hat ein CVJMer aus dem CVJM Baden hat das angefangen. Der Eckhard Roth, der hat das ins Leben gerufen vor vielen, vielen Jahren. Ja, da bin ich dann zu meiner Gleitschirmausbildung dazugekommen und habe davon sehr profitiert, es sehr genossen. Bin da bis heute noch jedes Jahr bei mindestens einer Veranstaltung dabei. Es ist im Prinzip eine Veranstaltung mit Freizeitcharakter, es sind auch nicht Flieger dabei.

45:34Timo Schleeh

Man verpflegt sich selbst mit einem Küchenteam und hat eine Partnerflugschule, die die Ausbildung stemmt und einen Flugwehrer, der die Leute mit Schein begleitet.

45:41Lucian Haas

Das heißt, du machst auch oder du hast auch deine Ausbildung im Rahmen einer solchen CVJM -Freizeit gemacht. Da war dann ein Fluglehrer mit, der dann einfach an dieser Freizeit mit teilgenommen hat und gesagt hat, okay, wir machen hier einen schönen CVJM -Ausflug und wir fliegen lernen, kann das auch machen.

45:59Timo Schleeh

Genau, also wir hatten sogar zwei Fluglehrer. Einer hat eben die, die schon den Schein gemacht hatten in den Jahren davor begleitet, auf den verschiedenen Trips zu den Fluggebieten und die Anfänger waren bei einer Flugschule in einem Kurs mit integriert, der auch dann zu dem Zeitpunkt schon gemischt war, eben Teilnehmer außerhalb von der Freizeit und Teilnehmer von der Veranstaltung selbst. Und das war damals im Südschwarzwald, Skymaster Paragliding, Walter Wagner, auch ein Urgestein in der Szene und er hat die Ausbildung mit uns gemacht. Und das war großer Spaß auf jeden Fall.

46:30Lucian Haas

Jetzt hast du gesagt, du engagierst dich da auch heute noch. In welcher Form?

46:33Timo Schleeh

Also ich bin jetzt in diesem Leitungsteam für das Paragliding im CVJM Baden bin ich mit drin und wir organisieren eben verschiedene Veranstaltungen. Ich bin jetzt immer nur Teil bei der Freizeit. Wir haben auch ein Auftaktfliegen, eine Safari, wo man mit Camping dann durch die, auf die französischen Alpen zieht. Genau. Bist du ein sehr religiöser Mensch? Ja, auf jeden Fall. Also ich bin, seit ich Teenie bin, bin ich im Glauben unterwegs, bin in einer Beziehung mit Jesus Christus und das hat für mich auch das Fliegen geprägt oder ich sag mal, das Fliegen war für mich ein Geschenk und das möchte ich auch immer so als ein Geschenk weiter handhaben. Also ich habe noch weiteres Engagement auch in anderen Bereichen.

47:19Timo Schleeh

Für mich ist es auch wichtig, dass das Fliegen nicht meine Hauptsache ist, auch wenn es vielleicht im Urlaub definitiv zeitlich meine Hauptsache ist. Aber für mich darf es eigentlich nie die Hauptsache werden von dem, was mich definiert und was mich ausmacht.

47:33Lucian Haas

Hat dein Fokus auf Sicherheit und, sagen wir mal, Achtsamkeit auch etwas mit deinem Glauben zu tun?

47:42Timo Schleeh

Vielleicht, ja. Also ich denke, auf jeden Fall habe ich einfach einen Charakter, der, wo ich sehr analysierend bin. Ich bin Ingenieur, ich verdiene mein Geld damit, auch Dinge gut zu analysieren und Lösungen zu finden. Ich bin sehr strukturiert und analysierend. Das kann auch so weit gehen, dass es fast schon nervtötend ist für manche. Aber es ist einfach meine Art, an Dinge heranzugehen und das mache ich beim Gleitschirmfliegen auch. Ich habe viel gesehen, wie ich doch viele Charaktereigenschaften einfach ans Gleitschirmfliegen mitnehme. Man fliegt, wie man lebt und man lebt, wie man fliegt irgendwie.

48:17Lucian Haas

Wenn man jetzt Sicherheit und so weiter mit Glauben in Verbindung bringt, also Gleitschirmflieger - Sicherheit, da fällt einem oder mir ist direkt so der Begriff eingefallen, der Sicherheitsapostel. Bekommst du so etwas häufiger zu hören?

48:32Timo Schleeh

Nicht direkt, aber ich bin schon in diesem Leitungsteam bin ich sehr stark Bedenkenträger geworden, sicherlich auch zu stark. Wenn man einfach ein Thema wie jetzt mit dieser Webseite sich sehr viel und sehr intensiv damit beschäftigt, dann rückt es einfach sehr stark in den Vordergrund. Ich versuche eigentlich das nicht zu sein und ich möchte das auch nicht sein. Ich bin es für mich selber, finde ich auch nicht. Ich mache gerne verrückte Dinge, auch außer gerade vom Fliegen. Ich habe schon immer auch als Kind riskante Dinge gemacht und habe es bis heute unverletzt überstanden, vielleicht weil ich auch sehr analytisch war, damals schon bei verschiedenen verrückten Sachen. Also ich möchte eigentlich nicht in diese Ecke gehen. Was ich eigentlich möchte mit Paragliding Safety ist diesen Spaß in den Vordergrund zu stellen, diese positive Herangehensweise zu haben, gemeinsam einfach.

49:21Timo Schleeh

Wir haben eine Szene, die in der Community, die sehr gut sich umeinander kümmert, die sehr, sehr positiv ist. Aber ich denke manchmal, man könnte sich noch mehr um den anderen sorgen am Startplatz. Ich habe oft eine Haltung, wo ich denke, okay, jeder ist selbstverantwortlich. Das ist beim Fliegen sehr stark ausgeprägt und das ist nicht mein Bier. Ich will damit nichts zu tun haben. Aber eigentlich ist es, denke ich, eine schlechte Einstellung. Ich habe das sehr oft, aber mir selber gefällt es nicht.

49:47Lucian Haas

In welcher Weise könnten wir ums Meer umeinander kümmern, ohne nervig zu werden?

49:54Timo Schleeh

Ja, indem man manchmal, wenn man jemanden kennt oder wenn man einfach positiv auch Dinge anspricht, die nicht so gut laufen im Fliegerischen, wenn mir Leute Feedback geben, wo ich vielleicht was riskantes mache, dann finde ich das sehr positiv. Das ist natürlich charakterabhängig und da muss man sehr vorsichtig sein. Aber am Startplatz für mich eben auch, es nicht sich leicht zu machen. Ich habe es mir schon oft leicht gemacht, wie gesagt, an diesem Klippenstart, an dem ich oft starte. Ich mag das, ich habe da kein Problem damit, aber man sieht oft Leute, die kommen, die waren noch nie an einem Klippenstart, und ich habe es mir oft leicht gemacht, einfach zu starten oder sich wegzudrehen und nicht einfach ein Gespräch zu suchen mit den Leuten. Hey, bist du neu hier? Hey, wie geht's? Hast du schon eine Einweisung bekommen? Möchtest du ein paar Tipps? Ich habe auch schon klasse Gespräche gehabt, wenn man vorne an der Kante steht, die Leute schauen runter.

50:42Timo Schleeh

Ja, dieses Gefühl, okay. Und dann unterhält man sich einfach locker darüber, wie kann man hier gut fliegen, wo geht hier die Thermik, wenn jemand auch noch nicht so erfahren ist. Einfach auch diese Spannung, ein bisschen rauszunehmen, die Leute ein bisschen Lockerheit zu geben, ein gutes Gefühl zu geben und dann kann man vielleicht auch, wenn man so ein Gespräch hat und jemand wirklich im Stress ist und wirklich mal merkt, das wird nicht gut sein für den, wenn der heute fliegt, also vielleicht passiert nichts, aber er hat keinen guten Flug, dann könnte man vielleicht sowas auch ansprechen. Ich habe es mir da oft leicht gemacht. Wenn man da manchmal sich ein bisschen mehr überwindet, würde es schon helfen.

51:19Lucian Haas

Als was würdest du gerne in

51:21Timo Schleeh

der Szene gesehen? Einfach als normaler Pilot. Ich weiß nicht, ob ich das pinne, aber... Ein

51:27Lucian Haas

normaler Pilot, der sehr viel auf Sicherheit setzt und damit vielleicht auch ein bisschen in der Szene, zumindest bei den Leuten, die mal auf deine Internetseite gucken und sich damit intensiver beschäftigen, was sehr empfehlenswert ist. Also ich bin da selber auf einige Themen gestoßen, als ich da durchgeguckt habe. Da müsste ich, da kann ich auch noch selber was dran tun und weiter machen. Timo, danke dir für dieses Gespräch und danke dir für deine Initiative auch mit dieser Internetseite. Ich denke, dass da einige davon profitieren können, bis hin zu Clubs vielleicht, die wirklich mal sagen, lass uns einen Clubabend machen und wir machen jeder so eine Selbstreflexion und gucken dann in gemeinsamen Gesprächen noch, wo man da weiterkommen kann oder wo man vielleicht als Club feststellt, hey, zehn Leute von uns haben eigentlich in demselben Punkt die Schwierigkeit.

52:14Lucian Haas

Vielleicht können wir da was machen, dass wir da uns gegenseitig weiterbringen oder einen gemeinsamen Kurs noch besuchen oder uns mal einen Referenten einladen, der uns da noch ein bisschen weiterhilft oder sonstiges. Also ich denke, da kann man auf der Basis von dem, was du auf deiner Internetseite dort lieferst, als Anregung ungeheuer viel weiterkommen. Danke dafür.

52:33Timo Schleeh

Vielen Dank für die Einladung, das tolle Gespräch und auch dein Engagement mit dem Podcast.

52:37Lucian Haas

Ja, sehr gerne.

52:41Lucian Haas

Das war die Podz-Glidz Episode 119 mit Timo Schlee. Seine Website zur Sicherheitskultur im Gleitschirmfliegen findest du unter www.paragliding -safety.com In den Shownotes dieser Folge auf dem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz findest du noch einige weitere Links. Wenn dir die Folge gefallen hat, dann abonniere doch Podz-Glidz. Das geht überall, wo es Podcasts gibt. Wenn du dort auch noch ein positives Rating hinterlässt, hilfst du gleich mit, Podz-Glidz noch bekannter zu machen. Oder erzähle einfach deinen Fliegerfreunden davon. Vielleicht ist dir aufgefallen, dass Podz-Glidz und Lu-Glidz frei sind von Werbung. Das halte ich so aus Überzeugung und im Sinne der Unabhängigkeit. Dennoch steckt einiges an professioneller Arbeit und auch Kosten in diesen Produkten.

53:29Lucian Haas

Für die Finanzierung setze ich auf das Konzept der freiwilligen Förderung. Wenn du schon bis hierhin zugehört hast, dürfte der Podcast für dich einen Mehrwert bieten. Ich lade dich ein, wie schon andere Hörer und Leser, als Förderer einfach etwas zurückzugeben. Die Summe kannst du selbst bestimmen. Ein häufig gewählter Förderbeitrag ist 60 Euro im Jahr oder umgerechnet 5 Euro pro Monat. Aber egal was du zahlst, jeder Betrag trägt in der Summe seinen Teil dazu bei, dass sich Podz-Glidz und Lu-Glidz im Dienst der Gleitschirmszene auch in Zukunft weiterbetreiben und entwickeln kann. Alle nötigen Infos, wie dein Förderbeitrag mich erreicht, findest du auf www.Lu-Glidz.blogspot.com Dort gibt es den Menüpunkt Fördern.

54:14Lucian Haas

Lu-Glidz schreibt sich Lu-Glidz Bis zum nächsten Mal. Fall nicht vom Himmel. Ciao.

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