Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast, Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens, heute mit Ralf Böhms und ich bin Lucian Haas. Jeder
Flug ist ein Flug. Diesen Satz hörte ich kürzlich im englischsprachigen Gleitschirm -Podcast Cloudbase Mayhem von Gavin McClurg. Es ging um das Bewusstsein, wenn man sich mit dem Gleitschirm in die Lüfte erhebt, dann schwingt immer, immer auch das Risiko mit abzustürzen. Wir blenden das gerne aus. Wenn es doch mal passiert, wachen wir umso härter in der Realität auf. Dann stellt sich die Frage, wie gehen wir damit um? Wenn wir dem Tod vielleicht gerade noch von der Schippe gesprungen sind? Einer, der davon erzählen kann, ist Ralf Böhm. Der 54 -Jährige hat im vergangenen September ein Sicherheitstraining am Achensee absolviert. Am letzten Trainingstag verlor er beim letzten Manöver die Kontrolle über seinen Schirm und schlug dann im vollentwickelten Spiralsturz ungebremst auf dem Wasser auf.
Mit lebensbedrohlichen inneren Verletzungen kam er ins Krankenhaus. Wenige
Tage später war seine Lage so stabil, dass die Ärzte ihm eine gute Heilungsprognose geben konnten. Ralf fasste sofort den Plan, nach voller Genesung wieder fliegen zu wollen. Den Weg dorthin definierte er für sich selbst als Projekt mit mehreren Phasen. Eine davon sollte die konsequente Aufarbeitung des Unfalls sein. In dieser Episode 128 von Podz-Glidz erzählt Ralf Böhm über seinen nicht ganz gewöhnlichen Umgang mit den Unfallerlebnissen. Und über die Folgen. Wie er mittlerweile sowohl seine Herangehensweise an die Fliegerei als auch sein übriges Leben neu fokussiert. Wenn dir dieser Podcast gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit daran als Förderer.
Wie das ganz einfach geht, erfährst du auf meinem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite fördern.
Ralf, in einer E -Mail im vergangenen Herbst hast du mir geschrieben, ich zitiere mal, ich habe mal mit meinem Nachruf auf mich selbst angefangen. Schwierige Kiste. Wie weit bist du mit deinem Nachruf gekommen?
Der Nachruf ist fertig geschrieben. Ich habe das Thema verschriftlicht und bin mit meiner Geschichte durch. Die ist fertig.
Warum oder wieso kommt man auf die Idee, einen Nachruf auf sich selbst schreiben zu wollen oder zu müssen?
Naja, ich hatte ja den Gleitschirmunfall und ich hatte vor langer Zeit ein Buch gelesen von Harald Welser. Nachruf auf mich selbst. Und dieses Buch hatte ich dann nochmal in den Händen. Und ich hatte etwas Zeit und habe angefangen, meine Geschichte aufzuschreiben, weil ich dachte, es ist eine gute Form, das zu verarbeiten.
Wie ernst war denn deine Situation, dass du wirklich schon an Tod und Nachruf und sowas dachtest?
Ich habe meinen Unfall reflektiert mit den Freunden, die mit waren. Und ich glaube, die waren der Meinung, dass man mich da tot aus dem Achensee fischt.
Jetzt sprechen wir miteinander. Also gestorben bist du nicht.
Nein, natürlich nicht. Du siehst
auch noch herrlich lebendig aus. Aber über diesen Unfall und was da draus geworden ist, da will ich heute mit dir sprechen. Bevor wir jetzt aber speziell über den Unfall sprechen, noch eine andere Anmerkung. In dieser E -Mail, die du mir geschrieben hast. Die E -Mail war vom 14. September und das war vier Tage nach deinem Unfall.
Für mich war das sehr spannend, als ich diese E -Mail bekam, weil du da schon schriebst, dass mit dem Unfall ein Projekt für dich gestartet sei. Und da hast du ein Projekt -Ziel formuliert. Weißt du noch, was du da als Ziel geschrieben hast?
Dass ich wieder befreit fliegen möchte, wie vorher.
Genau. Und du hast gesagt, du willst wieder angstfrei fliegen. Und dann hast du gleich drei Projektphasen definiert. Ja.
Körperliche Genesung, Aufarbeitung des Unfalls und wieder fliegen. Also mir hat dieses derart strukturierte Vorgehen von einem, der gerade mal quasi vier Tage vor dem Tod von der Schippe gesprungen ist, jetzt irgendwo im Krankenhaus liegt, mir eine E -Mail schreibt und sich schon so genau vorgelesen hat, okay, ich mache da so ein Projekt draus und habe mal diese Zwischenziele und sonst was. Gehst du all dein Leben so geordnet und geplant immer an?
Ich bin ein sehr strukturierter Mensch und bin von Beruf aus Projektmanager. Und wenn man das 25 Jahre lang macht, dann färbt das ab und zieht auch ins Privatleben rein. Und ja, ich arbeite in diesen Strukturen. Denke ich und lebe ich auch. Ja, das ist so.
Jetzt erzähl mal kurz, was ist eigentlich passiert? Wie kam es überhaupt
zu diesem Unfall? Es kam zu diesem Unfall durch ein Manöver im Sicherheitstraining am Aachensee. Ich habe einen beschleunigten Klapper geflogen und war mit diesem Manöver in der radikalen Form dann überfordert mit dem Ergebnis, was dann passierte. Und bin in den Aachensee gefallen, habe die Rettung nicht rechtzeitig rausgebracht, habe möglicherweise auch das Manöver in einer zu tiefen Höhe begonnen für mich und bin ungebremst in den Aachensee eingeschlagen mit 80 bis 90 km/h.
80 bis 90 km/h, da kann schon einiges kaputt gehen. Also schön, dass du da jetzt wieder so sitzt. Dann lass uns direkt mal in deine erste Projektphase einsteigen. Körperliche Genesung. Wie weit bist du damit gekommen? Und erzähl erstmal, was war eigentlich überhaupt wirklich kaputt bei dir?
Okay, also kaputt bei mir war am Ende relativ wenig. Ich hatte eine Milzruptur vierten Grades und ich hatte mir das Sprunggelenk ein bisschen vertan und ich hatte ein Hämatom an der Niere, innere Verletzung. Das wurde behandelt in der Uniklinik in Innsbruck und man musste mich nicht öffnen. Und für das, was mir geschehen ist, ist relativ wenig kaputt gegangen und an mir passiert. Und durch strenge Bettruhe. Die ersten Tage hat man das quasi, wie soll ich sagen, alternativ behandelt und hat sich dazu entschlossen, mir die Milz im Körper zu lassen, was ich sehr begrüße, wenn die Milz im Körper ist. Und ich bin sozusagen wiederhergestellt und kann zu 90 Prozent wieder meinen Dingen nachgehen. Der nächste Marathon muss noch ein bisschen warten, der ist erst im Mai.
Insofern bin ich da guter Dinge.
Milzruptur vierten Grades. Wie viele Grade gibt es? Fünf. Das heißt fünf, da wäre sie ganz durchgerissen, oder wie nennt man
das? Ja, und das ist so eine Verletzung, wie mir die Ärzte sagten, an denen verbluten im Prinzip die Motorradfahrer, wenn sie hinfallen, weil sehr viel Blut durch die Milz geht und du dann sehr schnell innerlich verblutest. Also ich hatte einfach Schwein.
Jetzt ist die Milz wieder zusammengewachsen. Funktioniert wie vorher auch, oder?
Alles in Ordnung. Die Ärzte sind zufrieden mit meinem Körper und meiner Milz und alles ist wieder so, wie es sein soll. Das
heißt, du hast auch keine bleibenden Schäden davon behalten?
Nein, ich habe keine bleibenden Schäden und bin sehr froh darüber und genieße sozusagen meinen zweiten Geburtstag.
Okay, das heißt Phase 1 ist sehr erfolgreich abgeschlossen. Kommen wir zur Phase 2. Da hast du geschrieben, die Aufarbeitung des Unfalls. Von dem, als der Unfall passiert ist, was weißt du eigentlich selber noch? Oder jetzt weißt du wahrscheinlich relativ viel, weil du es aufgearbeitet hast. Aber zu dem Zeitpunkt, als du mir geschrieben hast, was wusstest du damals schon über den Unfall? Konntest du dich da noch voll dran erinnern?
Nein, ich habe keine Erinnerung selbst an den Unfall. Vom Einleiten des Manövers bis zum Aufwachen im Hubschrauber habe ich keine Erinnerung an das, was passiert ist. Ich hatte so ein Blitzlichtbild im Kopf, wie ich aufs Wasser aufschlage und die Rettung noch ausgelöst auf dem Wasser lag, aber nicht getragen hatte. Dieses Bild hat sich allerdings dann mit dem Video auch erinnert. Das ist schon bestätigt. Also das ist so auch gewesen. Da habe ich sozusagen ein Foto irgendwie im Kopf.
Aber alles andere, was eigentlich dazu geführt hat und sowas, das wusstest du gar nicht mehr?
Nein, das ist komplett ausgeblendet. Da habe ich keine Erinnerung dran. Und das gab dann nur die Berichte von den Mitfliegern, die mich dann natürlich umgehend im Krankenhaus besucht haben und das, was dann gesagt wurde. Ich habe das dann auch eine Weile sacken lassen und runeln lassen. Und habe mich dann mit dem Trainer vom Achensee auch getroffen. Ich bin hingefahren und wir haben das Video dann gemeinsam analysiert und ausgewertet. Und für mich war schon relativ klar am Anfang, es war mein Fehler. Ich bin selber schuld. Es ist kein anderer, dem ich jetzt irgendeine Schuldzuweisung machen kann oder damit hadern kann. Ich bin nicht rechtzeitig an die Rettung gekommen. Das war ungefähr ein Zeitraum von vier Sekunden, in die ich da sozusagen nicht reagiert habe.
Warum auch immer. Kommen wir vielleicht dazu. Von
dieser Aufarbeitung her, ich meine, das ist ja auch ein traumatisches Erlebnis im Grunde. Der Körper blendet das ja auch aus. Hast du eigentlich überhaupt vielleicht auch in Erwägung gezogen zu sagen, ich lasse es dabei. Ich lasse es einfach ausgeblendet. Vielleicht ist das für meine Seelengesundheit sogar ganz gut.
Ich glaube, ich bin eher der Typ, ich will es dann wirklich wissen. Und ich gehe dann in die Sache rein und höre in mich rein und möchte es gerne aufgearbeitet wissen. Quasi meinen Seelenfrieden zu haben. Es zu verdrängen wäre, glaube ich, nicht der richtige Weg, um wieder befreit fliegen zu gehen und das genießen zu können.
Jetzt im Nachgang, ich greife schon ein bisschen vor, du hast das aufgearbeitet, hast das Video angeschaut, hast da sicherlich viel mit dem Sicherheitsträger darüber diskutiert und sowas. Da ist jetzt auch nichts Negatives bei dir hängen geblieben, wo du dann sagst, hm, das hätte ich lieber jetzt nicht gewusst.
Hm. Ich habe es vor unserem Podcast auch nochmal gesehen, das Video. Natürlich ist es schon, wie soll ich sagen, ich muss schon zwei-, dreimal schlucken, wenn ich das sehe. Und ich werde es mir auch nicht regelmäßig ansehen, ja. Aber ich habe es sozusagen in einem Ordner, der heißt Giftschrank, bei mir auf dem PC abgelegt.
Da musst du auch noch zwei Passworte davor eintippen, damit du da dran kommst, oder?
Ja, ja. Und ich, es ist gut aufgehoben und ich weiß, wo es ist und ich gucke es mir nicht täglich an.
Damit die Leute, die jetzt zuhören, das trotzdem ein bisschen nachvollziehen können, was war denn das genaue Manöver, was du da geflogen bist? Und wo lag vielleicht, wenn man es überhaupt so analysieren kann oder aus der Analyse mit deinem Sicherheitstrainer dann rausgekommen ist, wo lag denn dann vielleicht der Fehler dabei?
Also das Manöver, was ich geflogen bin, war ein beschleunigter Klapper. Ich habe, das war das zweite Manöver in dem Flug, ich bin davor eine Spirale auf links geflogen, die war ordentlich, die war gut. Und habe dann noch den beschleunigten Klapper geflogen. Ich habe das Manöver unterschätzt, ich bin vorher den unbeschleunigten Klapper geflogen, der war gut zu handhaben. Das Wegdrehen des Schirmes konnte ich gut handhaben. Das war für mich sozusagen eher ein alltägliches Manöver, was nicht kritisch war. Und dass der beschleunigte Klapper sich derart unterscheidet, habe ich einfach unterschätzt, die Radikalität, die dann entsteht. Der Schirm ist nach links weggeflogen. Der Schirm ist nach links weggedreht, also links gezogen. Ich war ein Beschleuniger. Ich hatte dann in meinem Habitat noch einen zweiten Piloten gesehen, Thermik möglicherweise etwas abgelenkt hat oder meine Aufmerksamkeit ein Stück weit von meinem Manöver weggenommen hat.
Und habe dann nach dem Klapper einen Gegenklapper kassiert, der noch radikaler war als der Klapper, den ich eingeleitet hatte. Und im Flug ist dann aus der Linksdrehung eine Rechtsdrehung geworden. Der Trainer hat am Funk richtig reagiert. Ich habe diesen Drehrichtungswechsel, wenn ich es jetzt sehe, nicht realisiert und überhaupt nicht ansatzweise darauf reagiert. So ein bisschen wie das Kaninchen vor der Schlange. Und habe also den Drehrichtungswechsel nicht registriert und bin dann natürlich mit zwei Klappern quasi in einer relativ radikalen Steilspirale dann Spiralsturz übergegangen.
Kaninchen vor der Schlange, sagst du. Bist du jemand, der auch sonst quasi in Stresssituationen einfriert? Also weißt du sowas von dir einfach von der Psyche her? Es gibt ja so die unterschiedlichsten Reaktionstypen auch von Leuten, die dann wirklich quasi Freeze machen und sagen so, ich bewege mich jetzt nicht mehr. Die anderen, die wirklich wegrennen vor einer Situation und die anderen, die dann sehr besonnen dann teilweise noch handeln und so.
Eigentlich nicht. Eigentlich bin ich der Typ, der das bis zum Ende dann macht. Der durchsteht und nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sitzt und da gelähmt auf irgendein Ende wartet, sondern ich bin eigentlich der, der agiert und reagiert und tut und macht.
Hat dich das dann gewundert, so ein Video zu sehen, wo du siehst, hey, der ruft Rettung raus, Rettung raus und du reagierst eigentlich sekundenlang nicht?
Also ich habe da vier Sekunden nicht reagiert, bevor ich eingeschlagen bin. Ich weiß nicht, ob ich auf dem Weg, ob mein Bewusstsein schon getrübt war. Durch die Rotation. Ich weiß es schlichtweg nicht. Ich frage mich, was sind die Gründe dafür? Möglicherweise habe ich den Rettergriff nicht greifen können. Möglicherweise war die Zentrifugalkraft so hoch, dass ich da nicht sauber rankam. Ich weiß es nicht. Und damit habe ich auch meinen Seelenfrieden gefunden.
Von der Analyse, die du da gemacht hast, auch mit dem Sicherheitstrainer zusammen, habt ihr irgendwie einen Fehler vielleicht identifiziert? Einen Flugfehler, den du da gemacht hast? Einen Steuerfehler? Um vielleicht das, die Situation, den Verhänger, den du dann auch hattest, irgendwie eben es gar nicht dorthin kommen zu lassen?
Also wir haben uns das gemeinsam angesehen. Ich glaube auch der Trainer vom Aachensee war heilfroh, dass ich lebend aus der Sache rausgekommen bin. Wir konnten keinen direkten Fehler ausmachen, außer dass ich auf die Ansagen über Funk nicht reagiert habe.
Also er hat ja mehrfach dann gesagt, dass ich die linke Bremse nehmen soll, die linke Bremse nehmen soll. Ich weiß auch nicht, ob der Ohrhörer möglicherweise aus meinem Ohr rausgerutscht ist. Ich weiß es einfach nicht.
Kann passieren. Ja, ja, ja. Wenn du dich eh nicht mehr daran erinnern kannst. Und das, was man auf dem Video dann hört als Ton, ist ja auch einfach der an der Kamera abgenommene Ton vom Funk, der dann da übertragen wird. Man weiß natürlich nicht, was davon dann überhaupt bei dir angekommen ist. War das denn der erste beschleunigte Klapper, den du überhaupt jemals geflogen bist?
Ich bin in einem Sicherheitstraining im Jahr davor auch einen beschleunigten Klapper geflogen. Allerdings mit einem anderen Schirm. Mit einem Geo 6. Also ein Low B. Und
was war das jetzt für ein Schirm?
Das war ein Swift 6, auch von Ozon. Ein High B. Und der beschleunigte Klapper mit dem Geo war auch gut zu handhaben und zu managen. Allerdings glaube ich, dass ich ihn nicht so, wie soll ich sagen, so radikal eingeleitet habe. Also ich habe den Klapper jetzt schon ordentlich runtergezogen. Und da war er auch ordentlich vom Flügel. Also vielleicht hätte ich ihn etwas ruhiger einleiten sollen.
Ja, aber ich meine, im Sicherheitstraining sagt man ja auch einfach mal, man will einfach mal probieren, was geht und wie ein Schirm reagieren kann. Und wie er vielleicht auch heftig reagieren kann. Und nicht nur, dass man so einen 30 % beschleunigten Klapper zieht und sagt, ja, guck mal, ich habe einen beschleunigten Klapper gezogen. Sondern es ist ja auch eigentlich sinnvoll zu sehen und es zu erleben, wie so ein Schirm dann abgehen kann. Du hast nur das Pech gehabt, dass der Boden bzw. der See in dem Fall dir schon relativ schnell nahe kam. Dem ist
so, ja, genau.
Und 50 Meter mehr Höhe hätten die Sache völlig entschärft und ich wäre einfach nur mit der Rettung ins Wasser gefallen, ja.
Würdest du jetzt mit der Aufarbeitung und sowas wieder einen beschleunigten Klapper fliegen in einem Sicherheitstraining? Oder ist das was, wo du sagst so, ich glaube, das wäre etwas, das will ich einfach nicht mehr?
Ich würde mich an die Sache herantasten. Ich werde wieder ein Sicherheitstraining besuchen. Dem ist so. Und der beschleunigte Klapper ist jetzt nicht das erste Manöver, was ich im Sicherheitstraining fliegen würde. Ich würde mich an die Sache herantasten, aber ich würde ihn nicht von vornherein abwählen. Nein, den fliege ich wieder in meinem Leben.
Das heißt, von deinen drei Projektphasen, Projektphase 3 hieß Fliegen, da bist du auch schon wieder angekommen.
Genau. Ich bin in dieser Projektphase angekommen. Ich bin am 16.10. letzten Jahres wieder geflogen an meinem Hausberg oder an meiner Hauskante. Und bin dort fast allein gewesen mit einem guten Freund. Und habe meinen alten Schirm, also den GEO ausgepackt und habe auch nicht das Liegegurtzeug genommen, sondern ein Sitzgurt. Und habe mich dort an der Kante hingestellt, habe den Schirm aufgezogen und bin eigentlich geflogen wie immer. Ich habe dann erstmal nur einen Abgleiter gemacht und war sehr froh, aber das war schon ein Tag, der sehr bedeutend war. Und ich war froh, dass ich den Schirm wieder aufziehen konnte, dass ich das Gefühl für den Schirm hatte, keine Angst hatte.
Ich wusste nicht, was in dieser Situation passiert, ob ich da möglicherweise, naja, nicht in Tränen ausbreche, aber irgendwelche Sachen hochkommen. Ich bin eigentlich ab dem 16.10. letzten Jahres wieder geflogen wie davor.
Das war dann quasi sechs Wochen nach deinem Unfall oder fünf Wochen nach deinem Unfall. Genau. Also relativ bald danach.
Ja, genau. Hattest
du da schon diese Aufarbeitung mit dem Sicherheitstrainer gemacht oder hast du auch das Video schon gesehen? Nein. Sondern da bist du quasi noch mit fehlender Erinnerung an das Ganze eigentlich an den Start gegangen?
Mit einer Ungewissheit. Ich hatte nur die Beschreibung der Kameraden, die mit waren im Sicherheitstraining. Ich hatte es nur vom Hörensagen, die den Unfall also live erlebt hatten. Das hatte ich in Ohren. Ich hatte also nur die akustische Beschreibung dieser Dinge. Gesehen hatte ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das haben wir erst vor Weihnachten gemacht.
Glaubst du, das hat dir vielleicht sogar geholfen? Eben diese Bilder nicht gesehen zu haben und dann vielleicht auch bei so einem ersten Start und sowas nicht vor Augen zu haben, sondern eigentlich mit so einem weißen Blatt Papier da zu stehen und zu sagen, okay, da ist was passiert, aber ich fühle mich jetzt eigentlich gut. Jetzt probiere ich einfach mal.
Jetzt, wo du mich fragst zu diesem Ding, klingt das logisch. Und ich glaube, die Reihenfolge ist im Nachgang betrachtet die richtige gewesen. Das Video sozusagen als zweite Stufe zu nehmen, der Aufarbeitung. Und vorher schon mal einen Flug zu wagen.
Es gibt ja häufiger, dass Leute so sagen, auch wenn man vom Feld fährt, am besten steigst du direkt wieder auf und reite es erstmal wieder weiter, damit da nichts von hängen bleibt. Und vielleicht auch bei dir, auch wenn das jetzt nicht sofort wieder aufsteigen war, aber auf gewisse Weise ja schon. Also nach Krankenhausaufenthalt ein paar Wochen zum ersten Mal wurde wieder halbwegs wieder rausgekannt, dass du sagst, jetzt mache ich zumindest einen leichten Abgleiter.
Ja, den Tag bin ich zweimal geflogen. Und der zweite Flug ging auch länger, eine halbe Stunde ungefähr. Also insofern war das für mich gleich wieder raus aufs Pferd, war ganz gut. Die Bedingungen waren auch ganz gut den Tag. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch mit meinem Sprunggelenk so ein bisschen Probleme und habe gesagt, ich lande vielleicht doch lieber auf dem Hintern. Aber es ging alles super. Ich bin einmal oben gelandet, einmal unten gelandet. Es ging einfach wieder. Und es war, glaube ich, gut, jetzt im Nachgang das Video erst später zu sehen. Das haben wir uns im Dezember mal zusammen angesehen.
Das heißt, davor hattest du schon eine ganze Reihe von Flügen wahrscheinlich gemacht?
Davor hatte ich schon eine ganze Reihe von Flügen. Ich bin dann regelmäßig wieder geflogen ab Oktober. Bist du dann für die Aufarbeitung extra wieder zum Achensee gefahren? Ja, ich bin extra zum Achensee gefahren. Das war mir wichtig. Ich stand auch die ganze Zeit mit dem Trainer in Kontakt und wir hatten das vereinbart. Und ich hatte, genau wie ich diese Projektphasen, die du vorhin genannt hattest, hatte ich mit ihm sozusagen drei Dinge so ein bisschen verbal vereinbart. Wir arbeiten das Video gemeinsam auf. Wir gehen gemeinsam fliegen und wir essen hinterher noch zusammen irgendwo zusammen was Leckeres. Und zum Fliegen und zum Essen ist es noch nicht gekommen, aber ich bin guter Dinge, dass wird noch stattfinden.
Hat dieser Sicherheitstrainer, war das für den was Ungewöhnliches, dass da jemand kommt und sagt, du, ich bin dir in See gefallen und jetzt will ich nochmal dahin kommen und du erklärst mir mal genau, was da eigentlich vorgegangen ist. Ist das was, was den selber vielleicht überrascht hat? Ich
glaube, es hat ihn auch überrascht, was da passiert ist. Und er hat, war glaube ich auch heilfroh, dass ich wieder, wir haben uns in den Arm genommen und haben uns gefreut, dass wir uns lebendig wiedersehen. Ich glaube, der hatte auch Faxhausen und war froh, dass er mich bei Gesundheit wieder sehen kann. Ich habe das Gespräch mit ihm auch vorbereitet und meine, wir haben erst ein bisschen rumgeplänkelt und dann habe ich ihn schon gefragt, ob ich sein erster Toter gewesen wäre und er hat das bejaht. Naja. Ja. Es war glaube ich für ihn auch eine dramatische Erfahrung.
Was heißt, du hast das Gespräch vorbereitet, du hast dir quasi Fragen überlegt, die du ihm stellen kannst oder wie?
Ja, ja, ja, ja, ja. Und wir haben das in Ruhe gemacht und ich wollte natürlich auch wissen, wie es ihm damit geht, weil es ist ja sein Job. Ich hatte so ein bisschen mit der Floskel mich arrangiert, das ist quasi wie ein Lokführer und jeder Lokführer statistisch betrachtet überfährt in seinem Leben zwei bis drei Jahre. Und wenn du Sicherheitstrainer bist, dann bist du ähnlich wie ein Lokführer unterwegs. Ist halt so.
Das heißt, mit einem Toten muss man irgendwann rechnen, meinstest du?
Ja, aber die Widerlegung des Ganzen ist ja, dass man auch sagt, wie vielen Leuten hat der was beigebracht und möglicherweise zukünftige Unfälle verhindert. Das ist ja die positive Sache und dafür ist ja ein Sicherheitstraining da. Das ist ja das Wichtige.
Ja. Ja. Kann man sagen, dass du aus diesem Unfall für dich etwas Positives gelernt hast?
Ja, durchaus. Ich habe für mich, wie gesagt, einen zweiten Geburtstag. Jeder Tag ist ein Geschenk. Ich betrachte das schon mit einer gewissen, wie soll ich sagen, zweiten Chance, ist vielleicht die falsche Beschreibung. Aber ich nehme es schon intensiver im Moment wahr und bin auch in der weiteren Ausrichtung meines Lebens, glaube ich, im Moment breiter aufgestellt. Und gucke mehr nach rechts und links und überlege, was ich so mit dem letzten Lebenstrittel noch anfange.
Das heißt, so ein Unfall rüttelt dann nicht nur die Fliegerkarriere durch, sondern das ganze Leben im Grunde. Also dir geht es ja genauso gut, sage ich jetzt mal wieder, wie vorher so ungefähr. Aber es ist trotzdem so, dass du sagst, hallo, wach, was auch immer, guck mal, was da noch geht.
Genau. Also ich habe so eine Floskel, dass ich sage, also Schriftgröße drei und vier lese ich in meinem Leben nicht mehr. Manche Briefe muss ich jetzt nicht gleich am ersten Tag aufmachen.
Also alles Kleingedruckte mal weglassen, nur noch das Wichtige. Genau. Obwohl im Kleingedruckten ja manchmal die wichtigen Details dann auch wieder drinstehen oder sowas.
Ja, da muss man geschickt agieren und muss Leute finden, die das für einen lesen.
Was hat sich denn dadurch schon in deinem Leben, außer dass du sagst, ich gucke jetzt ein bisschen mehr nach hinten, aber hat sich da schon wirklich was geändert?
Noch nicht so ganz. Also ich überlege. Ja. Wie geht es mit meinem Job weiter? Möglicherweise muss ich an der Schraube drehen. Wie soll ich es formulieren?
Wie agiere ich mit meiner Familie? Nehme ich die ernster? Mache ich die schönen Dinge des Lebens? Ziehe ich einfach im Moment vor und sage eben, was ist mir wichtig? Mit was möchte ich mich beschäftigen? Wie möchte ich meine Tage verbringen? Und am Anfang hatten wir Konflikte. Ich habe kurz das Buch von Harald Welser mal gesagt. Und der hatte in seinem Buch eine interessante Redewendung, die ich mir angenommen habe. Wie wollen wir gelebt haben werden? Futur 2 ist so ein Projekt. Und was soll eigentlich mal auf deinem Grabstein stehen? Soll da drauf stehen, er war ein fleißiger Projektmanager, der jeden Tag um acht sein Tagwerk begonnen hat? Oder er war ein Familienmensch und hinterlässt viele Freunde und hatte viele gemeinsame Erlebnisse?
Hat Bäume gepflanzt oder was auch immer getrieben, ja?
Apropos Familienmensch. Ich kenne ein paar Leute, die nicht solche Unfälle, aber vielleicht auch nicht so schöne Erlebnisse beim Fliegen hatten. Die dann aufgrund dessen entschieden haben, nee, das kann ich meiner Familie, also dieses Risiko, was man dort mit der Fliegerei eingeht und sowas, das kann ich meiner Familie nicht antun. Hast du dir solche Gedanken auch mal gemacht oder?
Dem ist so. Also ich habe schon gesagt, was mute ich den anderen eigentlich zu? Was will ich sein? Will ich ein ambitionierter Leistungspilot sein? Möchte ich ein Hobbypilot sein oder ein Urlaubspilot?
Ich habe auch in meiner Geschichte geschrieben, meine Frau hat milde mit mir geschimpft, weil sie eine ganz liebe ist. Naja, die Sachen nicht so dramatisch ausleben kann. Und ich habe für mich beschlossen, dass ich dann eher so ein Hobbypilot bin, der schon jede Möglichkeit zum Fliegen nimmt. Aber diese Leistungsorientierung würde ich jetzt für mich abwählen und würde nicht dieser Hype folgen, höher, schneller, weiter und würde mich da etwas ruhiger bewegen. Denn, wie soll ich es formulieren, also ich habe mich mit dem eigenen Tod dann schon auseinandergesetzt und eigentlich ist der eigene Tod nur für die anderen richtig schrecklich. Für einen selbst ist es kein Problem, das ist vorbei. Und habe für mich auch reflektiert, dass ich, wenn ich denn gestorben wäre, in meinem Leben so viel Schönes erlebt habe und nichts ausgelassen habe, eine wirklich prima Zeit hatte bisher.
Und alles, was jetzt beginnt, ist Bonusmaterial.
Bonusmaterial, das ist schön. Nochmal zu deiner Familie zurück. Es war aber nicht so weit, dass du gesagt hast, ich würde aufhören. Also da bedeutet dir das Fliegen schon so viel?
Also das Fliegen hat einen Stellenwert in meinem Leben. Dass ich eigentlich sage, ich bin Gelegenheitsflieger und fliege bei jeder Gelegenheit, die sich bietet. Dieser Zustand vom Fußgänger zum Vogel zu werden oder zu fliegen, ich glaube, das ist für uns alle ein riesen Erlebnis, wie wir mit minimalistischen Mitteln in die Luft kommen. So schlimm war mein Unfall dann doch nicht.
Du fliegst ja noch gar nicht so lange, wenn ich das gesehen habe. Ich glaube vier Jahre sind es jetzt so was. Genau. Was hat dich überhaupt dazu getrieben, noch in deinem Alter? Wie alt bist du jetzt?
Ich glaube
58, ne? Ne, ich bin 54 im Moment. Sorry, 54. Aber was hat dich da getrieben, dann mit 50 noch das Fliegen anzufangen?
Also ich habe als Jugendlicher mal Flugmodellbau gemacht und das Fliegen hat mich immer fasziniert. Und das war dann zu meinem 49. Geburtstag, habe ich mir von meiner Frau einen Tandemflug schenken lassen. Das war initial, das war in Sölden und das war der Start wie bei vielen. Da habe ich gesagt, das muss ich auch noch machen. Und ich weiß nicht, ob das jetzt Midlife -Crisis sind oder was auch immer. Ob sich 50 -Jährige dann ein Motorrad kaufen oder eine jüngere Frau suchen oder mit Fliegen anfangen. Ist halt so.
Was gibt dir das Fliegen?
Es ist herrlich, einfach selbstbestimmt die Natur draußen zu erleben. Und in meinem Berufsleben bin ich sehr strukturiert und bin sehr versucht zu steuern. Und beim Fliegen. Dieses kleine Fenster, dieses Wetterfenster zu nutzen. Der Wind muss aus der richtigen Richtung kommen. Es muss passen, die richtige Stärke haben. Und das wird es dann außen bestimmt. Und dass man beim Fliegen auch so viele Leute trifft, die genauso agieren. Und die einfach in der Haltung und Stimmung dazu genauso agieren. Und sagen, okay, es ist jetzt nicht verhandelbar. Es ist nicht mit Kompromissen. Ich weiß nicht. Also letzte Woche auch unterwegs.
Und man trifft andere Piloten und die sagen, ja, wir gehen heute fliegen. Da muss man sich nicht erklären. Und in unserer heutigen Zeit, ich erlebe es oder wir erleben es, glaube ich, alle in so einem privaten Umfeld.
Diese Multioptionsgesellschaft, in der wir leben. Man macht dies, man macht jenes. Die existiert beim Fliegen nicht. Entweder ich gehe fliegen oder ich lasse es.
Also 100 % Commitment im Grunde. Genau.
Nun hast du gesagt. Du willst nicht mehr so leistungs - oder denkst jetzt nicht mehr so leistungsorientiert beim Fliegen. War es denn denn davor so in deiner vierjährigen Fliegerkarriere, dass du schon auch Ehrgeiz entwickelt hast? Und sagtest, ich will höher, schneller, weiter?
Ich glaube, ich würde lügen, wenn ich dem nicht unterliegen würde oder das Einfluss auf mich hätte. Man guckt natürlich schon auf andere Piloten. Was die machen, was fliegen die für Material. Die sind einfach einen Ticken höher. Wir fliegen im Flachland. Und da ist neben dem fliegerischen Können, glaube ich, auch das Material entscheidend. Und bringt dann noch den Leistungsvorteil, den man dann eben mitnimmt im Flachland.
Und von daher meintest du auch mithalten zu müssen. Und hast dann gesagt, okay, ich steige zum Beispiel auf einen High -B um und fliege dann mit dem.
Genau. Also es war sozusagen an der Zeit. Ich habe überlegt, tue ich es und habe mich dazu entschlossen. Bin ja auch relativ viel geflogen. Und fühlte mich eigentlich dazu in der Lage. Wenn ich im Nachgang reflektiere, weiß ich nicht, ob all die Piloten, die mit höherklassigem Material unterwegs sind, wissen, was sie dort eigentlich tun. Und wir unterliegen wahrscheinlich auch so einem leichten Hype der Hersteller und der allgemeinen Strömung. Und dem höher, schneller, weiter. Das ist halt so drin.
Du hast gerade gesagt, Flachland fliegen. Also du
kommst wo genau her? Ich komme aus der Nähe von Halle. Und die nächste Möglichkeit zum Fliegen ist das Laucher. Das ist nur eine Sorin -Kante mit gut 100 Meter Überhöhung hier im Flachland. Und da geizt man natürlich mit jedem Meter Höhe.
Und da hat man mit einem leistungsstärkeren Schirm aus deiner Sicht Vorteile?
Ja, ich glaube, es ist so. Wenn ich mir meine Flugstatistik angucke, ist es so, dass mit einem höherklassigen Schirm, die Zahl der Top -Landungen, die ich hatte, war mit dem höherklassigen Schirm höher als mit dem GEO vorher.
Aber jetzt bist du wieder auf den GEO zurückgestiegen.
Genau. Also ich habe es so ein bisschen salopp formuliert. Der alte Freund ist wieder aufgetaucht. Ich hatte ihn liegen und wir fliegen wieder. Und ich hege und pflege ihn. Und wir passen gut zusammen. Und wir werden noch eine gute Zeit miteinander haben.
Geht es dir da nicht so, vielleicht ein bisschen abzusagen? Ich habe es jetzt ja schon mal gekostet, was für eine Leistung dann der Swift 6 in dem Fall gebracht hat. Oder ich konnte häufiger oben Top landen oder sowas. Meinst du nicht, es kann dir demnächst passieren, dass du unten stehst und denkst so, vielleicht mit dem Swift wäre mir das heute nicht passiert oder so?
Nö, das ist nicht der Fall. Ich scheue mich nicht vom Hochlaufen. Es ist halt so, wie es ist. Ob nun oben oder unten landen, ist am Ende Schnurz. Der Weg hoch ist einfach nur ein Training für den nächsten Marathon. Okay.
Das heißt, du hast deine Leistungsnadel ein bisschen anders orientiert jetzt.
Ich denke. Also dieser Unfall hat das schon ein bisschen relativiert. Und ich habe auch vorher schon riskante Toplandungen abgewählt und bin aus Sicherheitsgründen einfach unten gelandet. Weil es einfach mir einfacher erscheint, die 20 Minuten wieder hochzulaufen oder mich von einem Freund abholen zu lassen, als möglicherweise oben irgendwie einzustraucheln und mir was zu tun. Und dann längere Zeit. Ja, mich fliegen zu können.
Das sind jetzt so die Lehren, die du für dich aus deinem Vorfall gezogen hast. Was können denn andere Leute für Lehren ziehen oder auch deine Fliegerkollegen in Laucher, wenn du mit denen darüber sprichst? Also was ziehen die aus dem, was du denen erzählst, beziehungsweise was sie vielleicht auch selber beobachtet haben und so was? Wie gehen quasi deine Flieger Community damit um und was lernt die da draus?
Also das ist ziemlich spannend. Wir waren ja in einem Sicherheitstraining aus unserem Verein. Sechs Piloten waren in dem Sicherheitstraining und wir haben danach auch schon darüber gesprochen. Und es war in dem Training auch ein zweiter Zwift mit einem Piloten, der dann ins Wasser gegangen ist an der Rettung mit einem ähnlichen Manöver, der auch einfach überfordert war in der Situation, die entstanden ist. Wir haben da schon drüber gesprochen und es hat sich da schon, wie soll ich sagen, so ein innerer Zirkel gebildet, der für sich noch mal ein bisschen relativiert. Und über die Gefahren, beziehungsweise das Risiko spricht und sich da austauscht. Ist
dein Kollege dann mit seinem Zwift 6, ist der auch wieder zurückgestiegen und hat gesagt, nee, die Kiste ist mir dann doch zu heiß, vielleicht sollte ich ein Low Bay fliegen oder was auch immer?
Der fliegt den Zwift noch, aber ich glaube, so ein bisschen grummelt es in ihm.
Nun können ja auch niedrigere oder niedriger klassifizierte Schirme auch manchmal zur Sau werden. Also theoretisch könnte so ein Vorfall mit Verhänger und so einem Spiralsturz und sowas ja auch mit einem Low Bay passieren.
Ja, mir kann aber auch ein Dachzieger auf den Kopf fallen, wenn ich aus dem Haus trete. Also das Risiko ist geringer, aber die Lust und die Freude am Fliegen wiegt dieses Risiko auf. Das nehme ich in Kauf. Ja, dem ist so.
Worauf freust du dich in deinem zweiten Fliegerleben?
Dass die Saison startet, dass wir fliegbare Tage haben. Und dass die Saison startet, dass wir fliegbare Tage haben. Dass ich schöne Touren dieses Jahr unternehme. Das Jahr mit vielen schönen Flügen und Flugerlebnissen verbinde. Und es ist ja nicht nur das Fliegen alleine. Es ist der Aufenthalt draußen. Es sind Reisen, die man unternimmt. Es sind fremde Vereine, die man kennenlernt. Flieger an irgendwelchen Hotspots. Das sind alles Begegnungen, die Freude schaffen und die eine klare Bereicherung sind.
Planst du so ein Fliegerjahr auch als Projekt mit verschiedenen Phasen?
Ja, natürlich. Dem ist so, ja. Wir haben letztes Jahr auch in so einer Clique eine Frühjahrstour unternommen. Es wird auch dieses Jahr wieder so sein, dass wir rumziehen und einfach mal losfahren. Und dort sind, wo wir fliegen können. Und das sind dann eben auch Freunde, die ich da habe. Wie wir alle Flieger irgendwie Freunde sind. Die einfach sagen, wir fahren Richtung Süden und ob wir jetzt in Kössen fliegen oder am 12er oder ob wir nach Bassano fahren, das ergibt sich auf dem Weg dorthin.
Und lokal bei dir? Also jetzt in Laucher, gibt es da irgendwelche noch Ziele, die du dafür hast, was an deiner Kante da möglich sein soll?
Also fliegerisch habe ich dort, glaube ich, schon alles erlebt. Jetzt muss ich überlegen. Wir fliegen dort in einer guten Truppe. Es macht Spaß, diese Leute dort zu treffen. Und jedes Mal, wenn man dort ist und an dieser Kante steht und ins weite Land blickt, ist es schon wie ein Tag Urlaub. Das Ziel für dort wäre vielleicht, die Truppe, die wir dort haben, noch so ein bisschen mehr, ich sag mal, das Vorher und Nachher etwas zu gestalten. Wir haben da also ein Vereinsgelände. Wir haben dort auch ein Gebäude stehen. Wir haben dort quasi einen Campingplatz mit einer Feuerstelle. Dieses Ganze zu beleben und mehr zu nutzen. Und das Drumherum ein bisschen auszuschmücken. Das wäre nochmal so. Für den Verein, glaube ich, auch eine ziemlich gute Sache.
Ich habe gelesen, ihr feiert in eurem Verein in diesem Jahr ein großes Jubiläum.
Genau. In diesem Jahr haben wir ein Jubiläum. 100 Jahre Fliegen in Laucha. Und wir haben ein Jubiläum, 30 Jahre Flugtage in Laucha. Also vor 100 Jahren hat das Fliegen in Laucha begonnen mit den Segelfliegern. Es war neben der Wasserkuppe in der Rhön der zweite Hotspot in Deutschland, an dem mit rudimentären Mitteln die Fliegerei begonnen hat.
An der Kante, wo ihr jetzt mit Gleitschirm fliegt, sind die damals vor 100 Jahren schon mit dem Segelflugzeug hin und her gesohrt.
Genau. Dem ist so. Und es gab auch in den 50er Jahren, glaube ich, einen Weltrekord, dass da einer 24 Stunden geflogen ist. Es gibt da auch eine Beschreibung darüber, wie der dann mit irgendwelchen Feuern in der Nacht an der Kante mit dem Segelflugzeug hin und her gesohrt ist. Irre. Und es gibt auch Videos, wie dann die Segelflieger da vor 100 Jahren, mit Gummiseilen gestartet wurden. Einer saß drauf, hatte vielleicht ein, zwei Minuten mit dem Abgleiter der Freude und 20 Leute mussten dann mit irgendwelchen Mitteln da diesen Flieger wieder hochbringen. Ja, irre.
Was steht dann an zu 100 Jahre Laucha? Was ist da ein großes Fliegerfest, was ihr plant? Also
am 9. Mai finden die Flugtage in Laucha statt. Die finden dieses Jahr zum 30. Mal statt. Und das ist immer ein ziemlich großes Volksfest, was dort stattfindet. Wir als Gleitschirmflieger haben das schon. Wir haben da so ein bisschen ein Kloß im Hals, weil das natürlich von den Flächenfliegern, also von den Segelfliegern, Ultraleichtfliegern und Motorfliegern beherrscht wird und wir da eher so ein bisschen am Rande stehen. Das ist so, das nehmen wir hin. Mal sehen, wie es sich dieses Jahr entwickelt.
Das heißt aber, ihr als Verein, ihr seid ein totaler Mischverein. Das heißt, da sind Segelflieger drin und Gleitschirmflieger und Motorflieger.
Genau, UL -Flieger, ja. Und das Witzige an diesem Verein ist, der hat im Moment ca. 70 Mitglieder. Dass wir in der Sparte Drachengleitschirm in den letzten Jahren einen guten Zulauf hatten und dass wir die Mehrheit im Verein stellen. Und das haben die anderen noch nicht so richtig verstanden. Die denken
noch traditionell in alten Geschichten.
Genau, die leben noch in ihrer Welt und ich glaube, sie sind noch etwas neidischer von Gleitschirmfliegern. Die rollen immer mit den Augen, wenn ich komme und sage, der Gleitschirmflieger ist ein scheues Reh, weil er taucht auf, wenn es passt. Und wir nehmen unsere Tüte aus dem Kofferraum und fliegen dann einfach los. Und ich glaube, dass da ein Neid zu erkennen, dass die einfach sagen, okay, wir kommen hier nicht in die Luft, wir müssen erst eine Winde aufbauen, wir brauchen mehrere Leute und die sind einfach nicht so spontan und können das so nutzen. Und eine Episode ist, zur letzten Versammlung ging es dann darum, wie viele Stunden wer wo geflogen ist. Und die Segelflieger waren froh, dass sie im Jahr 100 Stunden geflogen sind, alle zusammen. Und wir können sagen, ja, ich bin auch 100 Stunden geflogen.
Aber
alleine dann.
Ja, ja, ja. Und ich glaube, das ist so ein bisschen ein Neidfaktor. Aber okay, damit können wir, glaube ich, leben.
Wie viele Segelflieger sind schon umgestiegen oder aufgestiegen? Was heißt aufgestiegen? Also nicht nur umgestiegen, sondern sagen, als Zusatz mache ich auch noch einen Gleitschirmschein, weil dann kann ich auch zwischendurch mal fliegen gehen, wenn es mit meinem Segelflugzeug vielleicht nicht geht.
Also das ist bei einem schon passiert. Das ist auch ein Segelfluglehrer, der einen Schein gemacht hat. Es sind auch schon mehrere Segelflieger, die mal einen Schirm in der Hand hatten und schon mal aufgezogen haben und schon mal beim Groundhandling sich an die Sache herangetastet haben. Da gibt es also Begehrlichkeiten.
Und bist du auch schon im Segelflieger mitgeflogen? Nein, ich
bin aber dazu fest verabredet.
Das wäre ja vielleicht auch noch eine Option, wo du sagst, okay, Gleitschirmfliegen, das Risiko tue ich mir nicht an. Ich gehe lieber ruhig Segelfliegen. Wobei man jetzt drüber sprechen kann, welches Risiko größer ist, Segelfliegen oder Gleitschirmfliegen. Also
ich habe mich schon angemeldet zu einem Flug mit einem Segelflieger, dass mich ein Freund mal mitnimmt. Der hat das auch zugesagt. Das ist derjenige, der schon, also der Fluglehrer, der einen Gleitschirmschein gemacht hat und der auch ambitioniert Gleitschirm fliegt. Dass ich umsteige auf Segelflugzeuge, halte ich für ausgeschlossen, weil dieser materielle und zeitliche Aufwand steht in keinem Verhältnis. Dieses Fliegen mit minimalistischen Mitteln ist nicht zu toppen. Also das Gleitschirmfliegen, ja. Da
bleibst du auch dabei. Und zwischendurch machst du höchstens mal einen Marathon noch irgendwo.
Genau. Der Rennsteiglauf.
Wunderbar. Lass uns damit mal zum Ende kommen. Danke für deine tollen Erzählungen über wie du das Projekt Zurück zur Fliegerei nach einem ziemlich heftigen Aufknall auf einem See, nach heftigem Klapper beim Sicherheitstraining, dass du das überlebt hast und da dann jetzt wieder auferstanden bist in bester Fassung. Finde ich klasse. Und toll, wie du das gemacht hast.
Ja, vielen Dank. Schön, dass du mir die Gelegenheit gegeben hast, hier die Geschichte mal zu erzählen. Und das ist ja auch Teil meiner Aufarbeitung und für mich auch ein wichtiger Punkt.
Das war die Episode Nummer 128 von Podz-Glidz mit Ralf Böhm. Der Originalton am Anfang des Podcasts ist übrigens ein Mitschnitt des Videos vom Absturz. Das Video selbst ist allerdings öffentlich, auf YouTube oder so, nicht verfügbar. In den Shownotes im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz findest du aber andere weiterführende Links. Wenn dir die Folge gefallen hat, dann abonniere doch Podz-Glidz. Das geht überall, wo es Podcasts gibt. Wenn du dort auch noch ein positives Rating hinterlässt, hilfst du mit, Podz-Glidz noch bekannter zu machen. Oder erzähle direkt deinen Fliegerfreunden davon. Podz-Glidz und Lu-Glidz sind frei von bezahlter Werbung. Ich halte das so aus Überzeugung und im Sinne der Unabhängigkeit.
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