podz-glidz// transcripts with a synced player

130. Der Auswanderer - Stephan Gradel

// Stephan Gradel, Lucian Haas · 2024-03-15 · 01:19:36 · original episode

// streaming from the original SoundCloud feed

[show notes]
Stephan Gradel verlor seinen Job und baute sich in Indonesien ein neues Leben auf – mit Gleitschirmreisen als Kern seines Abenteuers +++ Was macht man, wenn das Lebensschicksal einem den Arbeitsplatz wegnimmt, aber immerhin eine gute Abfindung beschert? Für einen Gleitschirmflieger liegt die Idee nicht so fern, erst einmal in die Welt zu ziehen und sich ein wenig treiben zulassen – immer irgendwelche Flugmöglichkeiten im Blick. Der Deutsche Stephan Gradel kam auf diese Weise im Jahr 2016 nach Indonesien. Die Kultur und vor allem die Freundlichkeit der Menschen dort zogen ihn so in den Bann, dass er sich schon bald dazu entschloss, länger zu bleiben. Jahrelang. Mittlerweile nennt der heute 54-jährige die Insel Bali seine Heimat. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit einer besonderen Form des Tourismus. Gemeinsam mit seiner indonesischen Frau bietet er geführte Reisen speziell für Gleitschirmflieger an, um sie auf verschiedenen Inseln Indonesiens in die Luft zu bringen. Seine Touren stellen aber nicht allein das Fliegen in den Mittelpunkt. Ihm ist es wichtig, dass seine Gäste auch ausreichend Gelegenheit bekommen, die exotische Kultur und Natur des tropischen Landes kennenzulernen. In dieser Episode 130 von Podz-Glidz erzählt Stephan Gradel unter anderem von der Herzlichkeit der Indonesier, die zuweilen etwas skurrilen Gepflogenheiten der lokalen Gleitschirmszene, seinem Konzept flug-kultureller Reiseangebote, einem Abgleiter in einen Vulkankessel, in dem Staubteufel tanzen, und einen nur mit Glück und etwas Verstand überlebten Gewitterflug. Es lohnt sich also, dran zu bleiben. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik: Spring Thaw von Asher Fulero Youtube Audio Library https://www.youtube.com/watch?v=ot0nXu8aDLQ +++ Lu-Glidz Links: + Blog: https://lu-glidz.blogspot.com + Facebook: https://www.facebook.com/luglidz + Insta: https://www.instagram.com/luglidz/ + Whatsapp-Kanal: https://whatsapp.com/channel/0029VaBVs05CHDynzdlJlU34 + Youtube: https://youtube.com/@Lu-Glidz + Soundcloud: https://soundcloud.com/lu-glidz + Spotify: https://open.spotify.com/show/6ZNvk83xxGHHtfgFjiAHyJ + Apple-Podcast: https://itunes.apple.com/de/podcast/podz-glidz-der-lu-glidz-podcast/id1447518310?mt=2 + Linktree: https://linktr.ee/luglidz

[transcript]

0:08Stephan Gradel

Ja, bei den normalen Flugreisen, wie man das von den Flugschulen her kennt, da geht es ja eigentlich zu 99 Prozent um die Gleitschirmfliegen. Man fliegt irgendwo zwölf Stunden lang irgendwo hin in ein entferntes, exotisches Land, ist aber dann jeden Tag am Fliegen und bekommt von dem Land selbst eigentlich nur das mit, was man eben durch die Transporte vom einen Startplatz zum anderen irgendwo erfährt oder wenn man irgendwann einen Stopp macht, um zu essen, oder wenn es einmal nicht zu fliegen geht, irgendein Notprogramm organisiert wird. Aber wirklich was von der Kultur oder so bekommt man normalerweise nicht wirklich mit. Und Indonesien ist viel, viel, viel zu schade, um nur hierher zu kommen und zwei Wochen lang oder drei Wochen lang jeden Tag nur zu fliegen.

1:08Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Stefan Gradl Und ich bin Lucian Haas.

1:22Lucian Haas

Was macht man, wenn das Lebensschicksal einen den Arbeitsplatz wegnimmt, aber immerhin eine gute Abfindung beschert? Für einen Gleitschirmflieger liegt die Idee nicht so fern, erst einmal in die Welt zu ziehen und sich ein wenig treiben zu lassen. Immer irgendwelche Flugmöglichkeiten im Blick. Der Deutsche Stefan Gradl kam auf diese Weise im Jahr 2016 nach Indonesien. Die Kultur und vor allem die Freundlichkeit der Menschen dort, zogen ihn so in den Bann, dass er sich schon bald dazu entschloss, länger zu bleiben. Jahrelang. Mittlerweile nennt der heute 54 -Jährige die Insel Bali seine Heimat. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit einer besonderen Form des Tourismus. Gemeinsam mit seiner indonesischen Frau bietet er geführte Reisen speziell für Gleitschirmfliegen, um sie auf verschiedenen Inseln Indonesiens in die Luft zu bringen.

2:16Lucian Haas

Seine Touren stellen aber nicht allein das Fliegen in den Mittelpunkt, ihm ist es wichtig, dass seine Gäste auch ausreichend Gelegenheit bekommen, die exotische Kultur und Natur des tropischen Landes kennenzulernen. In dieser Episode 130 von Podz-Glidz erzählt Stefan Gradl unter anderem von der Herzlichkeit der Indonesier, die zuweilen etwas skurrilen Gepflogenheiten der lokalen Gleitschirmszene, seinem Konzept flugkultureller Reiseangebote, einem Abgleiter in einen Vulkankessel in dem Staubteufel tanzen und einen nur mit Glück und etwas Verstand überlebten Gewitterflug. Es lohnt sich also, dranzubleiben. Wundere dich nicht, wenn in dieser Aufnahmezuweilen einige Hintergrundgeräusche zu hören sind. Es ist das akustische Kolorit von Vögeln, Verkehr und Donnergrollen auf Bali.

3:06Lucian Haas

Wenn dir dieser Podcast gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit daran als Förderer. Wie das ganz einfach geht, erfährst du auf meinem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern.

3:20Lucian Haas

Stefan, wo erwische ich dich gerade? Du erwischst

3:24Stephan Gradel

mich gerade im Süden von Bali, Indonesien. Wie ist das Wetter? Regenzeit?

3:32Stephan Gradel

Regenzeit, momentan gewittrig. Bei uns ist es jetzt kurz nach vier Uhr am Nachmittag. War den ganzen Tag eigentlich schön. Auf abends oder nachts zu kommen dann die Gewitter auf. Regenzeit, der Regen ist immer mit Gewitter verbunden hier. Also es donnert schon in der Entfernung. Ich hoffe mal, dass es vorbeizieht. Schauen wir mal.

3:48Lucian Haas

Wenn ich jetzt bei dir zu Hause vorbeiziehe, was passiert? Wenn du mich begrüßen würdest auf Javanisch, was würdest du dann sagen? Selamat datang, herzlich willkommen. Und was ist das Wort für Gleitschirm auf Javanisch?

4:00Lucian Haas

Paralayang. Paralayang

4:01Stephan Gradel

heißt Gleitschirmfliegen.

4:03Lucian Haas

Und der Gleitschirm alleine ist nur der Paralang?

4:05Stephan Gradel

Da gibt es kein wirkliches Wort dafür auf Indonesisch. Aha. Da nimmt man meistens die englischen Worte dafür.

4:11Lucian Haas

Einfach Paraglider? Genau. Paraglider, Parachute sagen manche. Gibt es denn überhaupt lokale Gleitschirmflieger auf Indonesien oder in Indonesien?

4:21Stephan Gradel

In Indonesien gibt es insgesamt, man weiß es nicht so genau, weil viele fliegen ja ohne Lizenz. Man muss zwar eine haben hier, aber da gibt es keine Statistiken, nichts. Aber man schätzt, es gibt hier in ganz Indonesien ungefähr gute 2000 Gleitschirmpiloten. Doch. Ja, bei einer Bevölkerungszahl von über 250 Millionen. Ist

4:44Lucian Haas

vergleichbar schon sehr wenig. Ja, dann darf man die wahrscheinlich wie eine Nadel im Steck haufen. Wie heißt das? Nein, die Stecknadel im Heuhaufen suchen heißt es.

4:56Stephan Gradel

Ja, genau. Denn diese gut 2000 Piloten, die verteilen sich auf, ich sage jetzt mal die komplette Anzahl, auf über 17.000 indonesische Inseln. Das heißt, die

5:05Lucian Haas

Pilotendichte ist nicht sehr hoch. 17.000 Inseln sagst du, 2000 Piloten, das wären ja quasi 0,1 irgendwas Pilot pro Insel so.

5:15Stephan Gradel

Richtig. Auf den meisten Inseln gibt es keine Piloten oder wird nicht geflogen. Die meisten Piloten gibt es auf der Insel Java, das ist die Hauptinsel mit der Hauptstadt Jakarta. Da gibt es auch die meisten Piloten.

5:29Lucian Haas

Da, wo du bist, sagt das Südosten von Java? Bali. Bali. Bali bist du. Also Südosten von Bali. Gibt es da denn einige Piloten oder bist du der Einzige?

5:40Stephan Gradel

Nein, hier gibt es einige Piloten, wobei sich hier eigentlich alles auf die gewerbliche Tandemfliegerei konzentriert. Also so reine Fernpiloten wie mich jetzt. Jetzt gibt es hier nur sehr wenige, ganz wenige. Eine

5:54Lucian Haas

Handvoll. Und gewerbliche Tandemfliegerei, sind das hauptsächlich Touristen, die dann dort geflogen werden? Oder gibt es auch Einheimische, die mit Gleitschirmfliegern dann Tandem mitfliegen?

6:03Stephan Gradel

Also hier auf Bali sind es hauptsächlich Touristen, weil es hier auch ein bisschen teurer ist, das Ganze. Also die Tandemflüge. Auf Java gibt es auch ein paar professionelle Tandemorganisationen. Da sind es aber überwiegend dann lokale Touristen. Hier auf Bali sind es überwiegend Chinesen, die hier kommen.

6:19Lucian Haas

Fliegst du die dann auch? Also bist du auch professioneller Tandempilot? Nein, ich bin nur Privat

6:26Stephan Gradel

-Tandempilot. Ich möchte mit dem Einheimischen hier nicht in Konflikt kommen und denen ein Geschäft wegnehmen und so weiter. Trotz, dass ich schon einige Jahre hier bin, bin ich trotzdem ein Ausländer und das wäre nicht gut.

6:39Lucian Haas

Du sagst schon, trotzdem ich schon einige Jahre hier bin. Du lebst ja jetzt dort auf Bali und so. Erzähl mir mal die Geschichte, wie du überhaupt nach Indonesien kamst. Woher gekommen bist du und warum?

6:51Stephan Gradel

Ja, das fing eigentlich so an, ich bin schon lange von Südostasien fasziniert. War schon öfter in Thailand gewesen und bin hier schon viel herumgereist. Generell bin ich mein ganzes Leben schon sehr gerne gereist. Verschiedene Kontinente überall auf der Welt.

7:12Stephan Gradel

Und angefangen das mit Indonesien hat eigentlich mit meinem letzten Arbeitgeber in Deutschland. Ich habe für einen sehr großen Tabakkonzern gearbeitet. Da war in meiner Heimatstadt in Bayreuth das größte Werk weltweit. Ich habe da viele Jahre gearbeitet und irgendwann im Jahr 2016 hat das Management mit dem Sitz nicht in Deutschland, sondern in London bekannt gegeben, dass das Werk in Bayreuth geschlossen wird aus wirtschaftlichen Gründen. Deutschland ist einfach zu teuer zum Produzieren. Die Manpower ist zu teuer. Die Steuern gehen immer weiter nach oben. Die Regularien, was Zigarette betrifft, von der EU, die werden immer strikter.

7:58Stephan Gradel

Und es ist einfach für so ein Konzern schwer, in Deutschland was zu produzieren mittlerweile. Und also es wurde beschlossen, das Werk zu schließen und die komplette Produktion nach Osteuropa zu verlagern. Und es werden aber keine Angestellten mitgenommen. Alle müssen den Koffer packen. Gott sei Dank hat der Betriebsrat mit dem Management eine einen sehr guten Vertrag ausgehandelt mit Abfindungen und so weiter. Dann habe ich mal das Rechnen ein bisschen angefangen und dachte mir, jetzt gehst du erstmal ein bisschen auf Reisen. Jetzt hast du Zeit, musst nicht unbedingt gleich wieder aufs Arbeitsamt laufen. Jetzt kannst du erstmal ein bisschen reisen. Und da war meine Idee Südostasien, gefällt es mir sehr gut. Ich möchte jetzt mit meinem Gleitschirm sechs Monate durch Südostasien reisen.

8:46Stephan Gradel

Da hatte ich dann auf der Liste Teilnehmer. Thailand, Vietnam, Malaysia, Philippinen und Indonesien. Von der Regenzeit her, haben wir jetzt auch gerade wieder. Im April wollte ich starten. 2017, ja. Im April wollte ich loslegen. Und regenzeitbedingt ist Indonesien das einzige Land in dieser Gruppe, wo die Regenzeit umgekehrt ist zu den anderen. Also hier ist momentan jetzt Regenzeit in Thailand und dem Rest ist momentan Trockenzeit. Kann man momentan sehr gut fliegen. Also musste ich gezwungenermaßen in Indonesien starten. Hatte ich vorher überhaupt nicht so eigentlich auf dem Schirm. Ist ja nicht so jetzt das Top -Urlaubsland Indonesien. Kennt man eigentlich nur Bali und Jakarta aus den Medien.

9:33Stephan Gradel

Und auch oft nur negative Nachrichten, irgendwelche Vulkanausbrüche, Erdbeben oder Demonstrationen in den Jakarta oder was auch immer. Habe mich dann ein bisschen reingelesen und dachte ich mir, das hört sich doch sehr interessant an alles. So bin ich dann das erste Mal nach Indonesien gekommen. Mit Gleitschirm schon dabei? Mit Gleitschirm schon dabei, genau. Das war ja mein Plan, diese Länder abzuklappern mit meinem Gleitschirm. Ich hatte keinen festen Plan gemacht, wie lange ich jetzt wo bleiben wollte. Also schon ein bisschen auf mich zukommen lassen, schauen was passiert, wie es mir wo gefällt. Habe dann in Indonesien hier begonnen. War dann am Anfang auf Bali gewesen, weil hier ist ein bisschen einfacher reinzukommen. Hier die Infrastruktur ist sehr gut.

10:18Stephan Gradel

Es sind viele Touristen hier, nicht gleich irgendwo in die Wildnis. Und habe hier auf Bali angefangen, bin dann aber nach zwei Wochen dann gleich weiter Richtung Osten auf die nächste Insel Lombok rüber. Und da ist schon sehr, sehr, sehr weniger vom Tourismus her und ganz anders schon wieder als Bali. Und da habe ich dann meine ersten wirklich guten Erfahrungen gemacht auf der Insel Lombok, was die Locals hier angeht. Die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit, wie die sind. Hatte ich vorher so noch nie irgendwo erlebt in einem anderen Land. In vielen anderen Ländern sind die Menschen offen und gastfreundlich. Da gibt es gar keinen Zweifel. Aber hier ist nochmal eine Steigerung. Das, was ich hier erlebt habe, habe ich vorher noch nicht erlebt. Und das war so herzerwärmend.

11:05Stephan Gradel

Und ich habe mich hier so gut gefühlt. Das Bauchgefühl war so gut, dass ich mir schon nach relativ kurzer Zeit gesagt habe, ich will von dem Land mehr sehen und von den Menschen hier.

11:17Stephan Gradel

Ja. Und dann war ich da ein paar Wochen auf Lombok.

11:21Stephan Gradel

Ja, kurz die Story, die gute Erfahrung auf Lombok. Ich war da auf dem großen Vulkan gewesen, dem Mount Rintjani, 3700 Meter hoch. Da wollten wir eigentlich runterfliegen. Da ging es aber nicht von den Wolken her. Wir mussten wieder runter. Und da oben ist es natürlich, auch hier im tropischen Land, in der Höhe ist es sehr kalt da oben. Und ich habe mir da eine wirklich starke Erkältung eingefangen. Und war da mit hohen Fieber erst einmal flach gelegen. Auf dem Weg zum Berg hoch habe ich angefangen. Da habe ich einen lokalen Piloten kennengelernt, der im Süden von Lombok an der Küste wohnt. Der hat mir seinen Kontakt gegeben. Der sagte nach der Tour, kommst du mich besuchen, dann fliegen wir unten bei mir ein bisschen.

11:59Stephan Gradel

Und dann war ich erst einmal außer Gefecht. Der hat mich dann angeschrieben, wo bleibst du, warum kommst du nicht. Da habe ich mir erklärt, was los ist. Dann hat er gesagt, schwenk dich auf deinen Roller, komm zu mir runter, dann kannst du dich bei mir auskurieren. Da oben, wo du jetzt bist, das war auf immer noch 1500 Meter das Dorf, da ist es nachts richtig kalt. Da gibt es ja kein warmes Wasser, keine Heizung. Also bei 5 Grad plus dann mit kaltem Wasser waschen, das ist schon, wenn du Fieber hast, nicht so angenehm. Okay, dann habe ich mich eingemummelt und bin dann mit meinem ganzen Gepäck zu ihm rübergefahren. Das sind mit dem Roller so, ja, ich denke mal gute drei Stunden Fahrzeit. Und war dann dort. Der hat dann für mich das Kinderzimmer ausgeräumt und hat mir da Platz gemacht. Und dann war ich da bei dem eine Woche einquartiert. Die haben mich da gepflegt und wieder aufgepäppelt.

12:45Stephan Gradel

Haben mir Medikamente vom Arzt besorgt. Und so weiter. Und dann ging es mir wieder gut. Dann war ich wieder gesund. Und das war so die erste richtig schöne Erfahrung, die ich hier gemacht habe. Und das zieht sich dann Stück für Stück so durch meine ganze Reise durch. Immer wieder ähnliche Erfahrungen gemacht. Nicht, dass ich krank war, aber mit der Gastfreundschaft. Wie selbstlos die Menschen sind. Die Menschen hier, die interessiert nicht, wo du herkommst, welche Religion du hast. Ob du Muslim bist oder überhaupt nicht gläubig. Oder welche Hautfarbe du hast. Ob du zehnmal so viel Geld hast, wie sie selbst. Die meisten Indonesier sind ja in unseren Augen eigentlich arm. Das interessiert die Menschen hier nicht. Die sind einfach selbstlos. Die teilen das, was sie haben mit dir.

13:32Stephan Gradel

Und das ist einfach schön.

13:35Lucian Haas

Das heißt für dich war das auch, kann ich mir so vorstellen, nach dieser erlebten Zurückweisung gewissermaßen von deinem Arbeitgeber, der dich fallen lässt, kommst du plötzlich in eine Art Paradies, das dich auffängt. Ja,

13:48Stephan Gradel

richtig. Genau. Kann man so sagen. Ja, und diese Gastfreundschaft kennt man von Deutschland her jetzt auch nicht unbedingt. Ich sage jetzt mal, ich habe in Deutschland auf dem Land gewohnt. Und wenn da durchs Dorf irgendjemand durchläuft, der nicht deutsch aussieht, dann wackeln die Vorhänge. Dann schaut jeder vom Fenster raus und denkt sich, wer ist denn der jetzt? Der gehört nicht hierher. Schauen wir mal, wo der hingeht und ob der auch wirklich wieder vom Dorf rausläuft. Ist krass. Aber es ist leider so. Hier, wenn ich, ich bin für jeden jetzt Ausländer erkennlich, wenn ich hier durch ein Dorf laufe, wo keine anderen Ausländer weiter sind, da kommen die Leute von den Häusern raus und bitten mich rein und bieten mir einen Kaffee an oder was auch immer.

14:33Stephan Gradel

Das ist ganz normal hier. Also das ist ein komplett anderes

14:38Lucian Haas

Feeling, als man es von Deutschland her kennt. Machen die das denn auch, wenn ein fremder Indonesier durch deren Dorf läuft? Oder ist das jetzt das Privileg des Weißen? Also die Leute, die da halt durchkommen und sagen, okay, der ist so ein bisschen exot, den laden wir so ein. Also die sind sicherlich genauso freundlich auch zu anderen. Aber ob sie so, so, so zuvorkommt sind, wenn jetzt ein fremder Indonesier durch ein Dorf läuft, wo die sagen, den kennen wir nicht, der kommt nicht von hier, aber den laden wir jetzt auch ein. Eigentlich, ja,

15:06Stephan Gradel

eigentlich schon, ja. Wenn der erkennlich als Fremder ist, der gehört nicht hierher oder was, dann fangen sie normalerweise mit dem ein Gespräch an und dann wird sofort Kaffee angeboten und reingebunden. Das ist ganz normal hier.

15:17Lucian Haas

Das ist ganz normal hier. Wenn du damals unterwegs warst und auch heute noch bist, aber damals schon 2017, wenn ich das richtig sehe, dann, wie hast du dich denn mit den Leuten eigentlich unterhalten? Konntest du indonesisch, es gibt ja hunderte indonesische Sprachen und sowas, also wie geht das?

15:32Stephan Gradel

Ja, richtig, es gibt insgesamt über 700 indonesische Sprachen, also da sind noch keine Dialekte mit drin, das sind wirklich grundauf verschiedene Sprachen.

15:42Stephan Gradel

Und nein, ich kannte am Anfang überhaupt nichts Indonesisches. Ich bin auch kein wirklicher Sprachtalent. Ich kannte nur ein bisschen Englisch, vom Job her sowieso. Und auf Bali ist es einfach, auf Bali sind Touristen gewohnt und da sprechen viele Englisch. Auf Lombok war es dann schon schwieriger. Also da war mit Hand und Fuß, konnte man sich da verständigen oder der Indonesier wusste jemanden, der von der Schule ja ein bisschen Englisch kann, dann wurde der Freund noch geholt und der hat dann übersetzt. Also irgendwie so ist man dann durchgekommen.

16:14Lucian Haas

Aber mit der Zeit hast du indonesisch gelernt?

16:18Stephan Gradel

Also meine Frau ist Indonesierin und ich sage jetzt mal, das Nötigste kann ich auf Indonesisch, aber es reicht immer noch nicht, um wirklich mit jemandem jetzt zu diskutieren oder so. Also so wie mit dir jetzt, kann ich mich mit einem Indonesier nicht unterhalten.

16:31Lucian Haas

Und wie sprichst du mit deiner Frau?

16:33Stephan Gradel

Wir sprechen einen Mischmasch. Wir sprechen einen Mischmasch aus Englisch, Indonesisch und Javanesisch.

16:39Lucian Haas

Drei Sprachen, Indonesisch und Javanesisch. Also Indonesisch ist quasi die Nationalsprache, die eigentlich arbeitet. Die alle können sollten, also in dem auch das Fernsehprogramm quasi läuft oder sowas. Und dann hat jede Insel noch so ihre eigene Sprache oder wie hat man sich das vorzustellen?

16:56Stephan Gradel

Ja, so ähnlich. Also Indonesisch ist ja eine Sprache, die erschaffen wurde. Das war damals nach der Kolonialzeit, die war so zeitgleich mit Ende des Zweiten Weltkriegs war die Kolonialzeit hier zu Ende. Und vorher gab es ja noch kein Indonesien. Da waren das alles eigenständige kleine Inseln.

17:14Stephan Gradel

Und da hat man dann Indonesien gegründet sozusagen. Und da die alle unterschiedliche Sprachen sprachen und sogar inselintern oft unterschiedliche Sprachen es gab, hat die Regierung natürlich gesagt, wir brauchen eine Amtssprache. Und dann wurde dieses Indonesisch kreiert, das sich auf eine malayische Sprache aufbaut. Also wer malayisch spricht, der versteht auch ein bisschen Indonesisch. In Singapur, die verstehen ein bisschen Indonesisch und so weiter. Die Sprache wurde dann kreiert und die Kinder lernen die Sprache hier in der Schule, wenn sie in die Schule gehen, ab dem sechsten Lebensjahr. Ansonsten wachsen sie mit ihrer Muttersprache, mit ihrer Heimatsprache der Regionalen, wachsen die Kinder hier auf.

18:01Stephan Gradel

Und es gibt aber auch Menschen hier, sehr alte Menschen oder Kinder, die nur ganz kurz in der Schule waren oder überhaupt nicht, die kein Indonesisch sprechen. Also ich war mit meiner Frau schon in Regionen gewesen, wo die Kinder nicht zur Schule gegangen sind, da sprach keine Indonesisch. Da ist auch meine Frau nicht weitergekommen, die Indonesierin ist, ja.

18:25Lucian Haas

Das heißt, die müssen dann auch mit Hand und Fuß sich irgendwie miteinander verständigen, die Indonesier selbst? Richtig, richtig,

18:31Stephan Gradel

genau. Also meine Frau, wo die jetzt herkommt, aus Ost -Java, Banjewanki heißt die Stadt. Allein in dem Bezirk spricht man so drei komplett unterschiedliche Sprachen. Da gibt es Indonesisch. Dann gibt es Javanesisch, dass man auf ganz Java spricht. Und die Region Banjewanki, das, ich sage jetzt mal, ist wie ein Regierungsbezirk auf Java, ist der größte von Java. Die haben nochmal ihre eigene Sprache, die sich Osing nennt. Das ist eine Sprache, die ist wieder komplett anders wie Indonesisch oder Javanesisch.

19:05Lucian Haas

Ist denn dann, wenn es so viele unterschiedliche Sprachen gibt, merkt man dann auch deutliche Kulturunterschiede zwischen den einzelnen Sprachregionen? Oder ist es dann letzten Endes die Menschen sind, die doch sehr ähnlich sind? Oder ist letztendlich nur die Sprache eine andere?

19:18Stephan Gradel

Ja, man merkt schon Unterschiede. Den deutlichsten Kulturunterschied findet man hier auf Bali. Weil auf Bali die einzige Insel ist, die zu über 90 Prozent hinduistisch geprägt ist. Also sind meistens Hindus hier. Deshalb ist Bali auch so bekannt von den Tempeln und die Tempelgewänder, die Zeremonien, die hier ablaufen. Also ist alles Hindu hier komplett. Andere Kultur als auf Java oder Lombok. Und auch so von Insel zu Insel dann sind die Kulturen und die Bräuche schon sehr unterschiedlich.

19:52Lucian Haas

Du lebst ja jetzt mittlerweile auf Bali und bist gewissermaßen ausgewandert. Aber wie bist du dann überhaupt auf die Idee gekommen? Beziehungsweise wie kam es dann zu der Entscheidung, dass du gesagt hast, ich breche meine Zelte in Deutschland ab? Und wie schwer ist dir das gefallen? Also ich

20:07Stephan Gradel

hatte schon, bevor ich meine erste Tour hierher machte 2017, hatte ich schon so ein bisschen im Hinterkopf, wenn du durch diese Länder reist, vielleicht findest du ja irgendwo einen Ort, an dem du sogar länger bleiben möchtest, könntest. Das ist ja nicht überall so einfach mit Visum und Aufenthaltsgenehmigung und, und, und. Das muss ja alles passen. Und auch vom Wohlfühlen her dann. Das hatte ich schon so ein bisschen im Hinterkopf. Hier in Indonesien, also das komplette halbe Jahr, dass ich eigentlich durch Südostasien reisen wollte, habe ich dann in Indonesien verbracht. Ich habe mir dann nach ein paar Wochen einen gebrauchten Reisen gemacht. Ich habe mir eine Roller hier gekauft und mit dem bin ich dann hier ein paar tausend Kilometer durchgefahren. Und habe viele, viele Menschen kennengelernt, auch Piloten und auch meine jetzige Frau.

20:58Stephan Gradel

Und habe die kompletten sechs Monate eigentlich, na nicht eigentlich, wirklich nur gute Erfahrungen gemacht. Da war keine einzige schlechte Erfahrung dabei. Gar nichts. Überhaupt nichts. Kein Moment der Angst oder wo irgendwas schief gelaufen ist, hat alles gepasst in den sechs Monaten. Das Bauchgefühl war dann so gut gewesen, dass ich gesagt habe, hier will ich länger bleiben. Mir gefällt es hier. Hier will ich länger bleiben und ich fühle mich hier richtig wohl. Also im Laufe dieser sechs Monate kam ich immer mehr zu dem Entschluss, dass ich ziemlich schnell wieder hierher möchte. Habe dann ein bisschen geplant und auch ein bisschen gerechnet mit der Abfindung, die ich hatte. Wie lange ich hier bleiben könnte, wenn ich jetzt nichts weiter dazu verdiene und so weiter. Und dachte, ja, ein paar Jahre geht es.

21:44Stephan Gradel

Das Leben hier ist sehr gut. Sehr günstig.

21:47Stephan Gradel

Und habe dann den Plan gemacht, bin zurück nach Deutschland im September 2017. Habe mir dann den Plan gemacht, zwei Monate gebe ich mir Zeit, in Deutschland alles klar zu machen. Alle Versicherungen zu kündigen. Ich hatte ein Auto, ich hatte ein Haus, einen Roller und und und. Viele Sachen, Werkzeuge, viel Schnickschnack. Ich habe gesagt, acht Wochen gebe ich mir Zeit. Das ist sehr sportlich, aber das muss funktionieren. Und im Dezember vor Weihnachten will ich wieder hier sein. Habe mir dann eine ellenlange Liste gemacht mit allem, was zu kündigen ist. Das war ja Wahnsinn, was man da alles hat. Ein riesiger Rucksack voll. Ja, habe mich dann da wirklich dahinter geklemmt. Hat viel Zeit gekostet, viel Energie.

22:32Stephan Gradel

Aber es hat funktioniert. Habe die Liste abgearbeitet und die Liste wurde immer kleiner und das Gewicht auf dem Rücken wurde immer geringer. Und mein Grinsen wurde immer größer. Also ich merkte, es funktioniert. Ja. Und dann irgendwann im Dezember war dann wirklich alles weg. Das einzige, was ich noch hatte, war eine Auslandsreisekrankenversicherung, die über mehrere Jahre geht.

22:52Stephan Gradel

Mein Mountainbike und meinen Schirm. Ja, dann bin ich los. Das war jetzt für mich überhaupt nicht schwer, der Schritt. Muss natürlich auch im sozialen Umfeld alles passen. Also wenn man noch minderjährige Kinder hat oder Eltern, die vielleicht schon ein bisschen krank sind oder was auch immer. Irgendwelche sozialen Verpflichtungen. Dann ist es natürlich schwierig bis nicht möglich. Also da muss schon drum herum auch alles passen, dass man das machen kann.

23:20Lucian Haas

Du hast gerade gesagt, mitgenommen hast du letzten Endes noch dein Mountainbike und deinen Gleitschirm. Sind das so die zwei wichtigen Sachen für dich im Leben? Neben dem Sozialen, was du jetzt da auch auf Bali und so weiter erlebst?

23:34Stephan Gradel

Ja, mehr brauchte ich hier eigentlich nicht. Ich fahre sehr gerne Mountainbike. Und da mein Bike noch nicht allzu alt war. Und hier die Bikes nicht allzu günstig sind und qualitativ auch nicht allzu gut. Da dachte ich mir, nimmst du dein eigenes Bike mit. Warum sollst du dann für wenig Geld verkaufen und hier irgendeinen Schrott kaufen müssen dann? Und ja, Gleitschirm sowieso. Es gibt hier auch keine Gleitschirmshops oder Hersteller oder ähnliches. In Indonesien ist es schwierig an einen Gleitschirm heranzukommen. Generell an einen neuen. Sehr schwierig hier. Und ja, das waren die Sachen, die ich mitgenommen habe. Und... Ja, alles andere kann man sich wieder besorgen hier, was man braucht. Aber generell braucht man ja das meiste nicht.

24:19Lucian Haas

Warum den Gleitschirm? Andere Frage, die damit verbunden ist. Was bedeutet dir das Gleitschirmfliegen? Was gibt es dir?

24:27Lucian Haas

Gleitschirmfliegen ist

24:28Stephan Gradel

für mich eine Leidenschaft. Das ist nicht einfach ein Sport oder irgendwas, was man ab und zu mal macht. Wenn man so langweilig ist. Gleitschirm ist für mich eine Leidenschaft. Das gehört dazu. Das ist genauso wie ein Surfer, ein Wellenreiter. Hier gibt es ja massenweise Surfer. Hier in Süd -Bali dafür ist es bekannt. Das ist für die auch eine Leidenschaft. Jeden Tag sind die da draußen und warten auf die perfekte Welle. Und sind am gleichen Ort. Machen das Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Und die können sich das ohne nicht vorstellen. Ich kann mir das ohne die Gleitschirmfliegen auch nicht vorstellen. Das gehört einfach dazu bei mir.

25:02Lucian Haas

Bist du dann auch, wenn es nicht regnet, zumindest Tag für Tag irgendwo draußen? Jetzt nicht auf der Welle, sondern am Sohringhang oder wo auch immer. Und gehst fliegen? Ja, jeden Tag

25:12Stephan Gradel

jetzt nicht. Ist auch ein bisschen schwierig hier mit Sohringhang und so. Durch die Vegetation. Es geht hier eigentlich nur da zu fliegen, wo auch ein Startplatz ausgewiesen ist. Sonst ist es eben schwer, weil alles zugewachsen ist. Oder wenn man irgendwo was rodet, dann ist es in zwei Wochen wieder zugewachsen. Und von dem her ist es nicht so einfach, jetzt irgendwo auf eine Wiese zu gehen, wie man es aus Deutschland hier kennt. Das ist schon schön in Deutschland. Also raus, irgendwo zwei Kilometer weg und gleich irgendwo Groundhandling machen oder ein bisschen Zorn in der Wiese. Das geht hier leider nicht. Aber wenn es fliegbar ist, dann gehe ich in der Woche so zwei bis drei Mal zum Fliegen hier.

25:53Lucian Haas

Ist das bei dir dann auch in gewisser Weise irgendwie um die Ecke wurde, mit dem Mountainbike oder Roller oder sowas hinfahren kannst? Oder ist das von dort, wo du jetzt bist, musst du da immer das Auto nehmen und dann ein bisschen weiterfahren?

26:04Stephan Gradel

Ne, also da, wo ich wohne, das ist ungefähr zehn Minuten mit dem Mountainbike. Zwölf Minuten vom nächsten Startplatz entfernt.

26:11Lucian Haas

Und das ist dann Küstenzoring oder was machst du dort?

26:13Stephan Gradel

Das ist hier Küstenzoring. Das ist hier die bekannte Küste von Süd -Bali, wo man auf vielen YouTube -Videos sieht. Und das ist eine Kante, die ist ca. 15 bis 17 Kilometer lang. Spektakuläre Landschaft und die kann man komplett auf - und abfliegen, wenn der Wind gut passt. Und ja, da kann man wunderschön spielen und

26:34Lucian Haas

die Seele baumeln lassen. Wird dir das nicht irgendwann langweilig? Ich meine, die Kante, wie häufig bist du da jetzt schon geflogen? Jetzt wohnst du schon einige Jahre da. Wenn du alle zwei, drei Tage da fliegen gehst, dann werden ja schon einige hundert Flüge dort zusammengekommen sein wahrscheinlich.

26:50Stephan Gradel

Ja, das letzte Mal erst gestern, ja.

26:54Stephan Gradel

Ne, mir wird es da nicht wirklich langweilig. Ich bin da jetzt nicht so der Pilot, der ständig einen neuen Startplatz braucht. Es gibt ja viele Piloten, denen wird es ganz schnell langweilig. Die müssen wieder was Neues entdecken, einen neuen Startplatz und wieder woanders fliegen. Ich bin vor Indonesien schon gern gesohrt. Also ich fliege gern thermisch, aber ich bin noch lieber irgendwo in Deutschland an einem kleinen Hang, der gar nicht so spektakulär hoch sein muss. Wenn der Wind perfekt ansteht, einfach gesohrt, ein paar Wingovers und Bodennähe. Und das ist so die Sache, die mir Spaß macht, das Spielerische. Und das ist hier perfekt. Und wenn man immer wieder neue Sachen ausprobiert, der Wind ist ja auch nicht jeden Tag gleich, mal ein paar Wingovers macht und sich austobt. Also ich finde es nicht langweilig.

27:39Lucian Haas

Das machst du dann aber auch nicht stundenlang, sondern sagst, das mache ich dann ein, zwei Stunden und dann ist es auch wieder gut, dann kann ich wieder nach Hause fahren.

27:45Stephan Gradel

Richtig, genau so ist es. Da fahre ich dann hin, dann fliege ich da ein, zwei Stunden, je nachdem wie gut der Wind ist. Und dann fahre ich wieder nach Hause, trinke meinen Kaffee und genieße

27:53Lucian Haas

den Rest vom Tag. Und schön war es. Den Rest vom Tag genießen. Was machst du sonst am Rest vom Tag, wenn du nicht fliegen gehst auf Bali?

28:01Stephan Gradel

Tour planen für unsere Touren. Neue Touren planen, organisieren. Es ist hier generell. Viel zu tun am Haus und im Garten. Also die tropische Vegetation, da ist man ständig eingespannt, vor allem jetzt in der Regenzeit. Da haben wir ständig was zu tun. Der tropische Regen hier, der ist so dermaßen stark, da tropft es dann mal irgendwo vom Dach rein. Das muss wieder repariert werden oder außen fällt irgendein Baum um oder irgendwas ist überschwemmt. Das ist hier fast in der Tagesordnung. Also da gibt es ständig irgendwas zu tun.

28:32Lucian Haas

Du hast gerade gesagt Touren vorbereiten. Was für Touren bietest du denn an oder was für Touren machst du? Ja,

28:38Stephan Gradel

wir bieten geführte Gleitschirmtouren durch Indonesien an. Die Idee kam mir 2018. Das hatte ich vorher überhaupt nicht geplant oder so. Also du

28:49Lucian Haas

warst quasi schon ausgewandert

28:50Stephan Gradel

und dann kam dir erst diese Idee? Richtig, genau. Ich war schon ausgewandert, war schon fest hier, war mit meiner jährlichen Frau schon zusammen.

28:59Stephan Gradel

Und wir haben uns dann 2018, die Idee hatte ich, als ich dann gleich wieder rüberkam, Ende 2017, haben wir uns 2018 am Anfang einen alten gebrauchten Ford Everest, das ist so ein größerer Jeep mit Allrad, habe ich mir gekauft und zum Camper ausgebaut. Also es gibt in Indonesien keine Wohnmobile oder Caravans. Es fängt jetzt ganz langsam an, aber es gibt hier keine Hersteller und generell so Camping gibt es hier so gut wie gar nicht. Ich dachte mir eben, mit so einem Camper kann man hier schön noch die Gegend erkunden und die Inseln erkunden und du musst nicht immer irgendwo untergehen. Du musst die Unterkunft suchen, du bist flexibel, du kannst irgendwo in der Wildnis, wenn da ein schöner Strand oder eine schöne Sorgenkante ist, da stellst dich hin und dann probierst du es dort aus. Und das war so meine Idee gewesen bei dem Projekt.

29:46Stephan Gradel

Und da habe ich eben das Auto gekauft und der Cousin meiner Frau, der ist Schreiner, und dachte ich mir, der kann das bestimmt innen mit Holz ausbauen und alles. Habe da die Sitze rausgemacht und so weiter und habe einen Plan gemacht, was alles rein muss mit Elektrik und was hat alles reingehört in den Camper. Und der hat es dann innen komplett mit Teakholz ausgebaut. Wunderschön und vor allem sportbillig hier. Und habe mir dann obendrauf ein Dachzelt gebaut, das ich aufs China kommen habe lassen. Sowas gibt es ja als Jahr auch nicht gegeben. Und dann sind wir da ein paar Monate über mehrere Inseln gefahren, meine Frau und ich zusammen. Den Gleitschirm dabei, die Mountainbikes hinten drauf. Und das war eine wunderbar schöne Zeit.

30:32Stephan Gradel

Auf diese Tour habe ich dann eben noch viele Startlöcher gemacht. Startplätze entdeckt und Piloten kennengelernt, Einheimische kennengelernt. Und da dachte ich mir dann im Laufe der Zeit, es gibt keinen einzigen Anbieter, Flugschule, was auch immer, die Touren nach Indonesien anbieten. Ich bin vorher auch schon, da habe ich ein paar Mal Touren mitgemacht mit Flugschulen nach Brasilien oder wohin auch immer. Und von daher wusste ich, wie solche Touren ablaufen. Und da dachte ich mir, das könnte man doch versuchen.

31:04Stephan Gradel

Piloten aus dem deutschsprachigen Raum hierher nach Indonesien zu bekommen, die hier eine geführte Tour machen. Sowas wird noch nicht angeboten. Es gibt keinen Ansprechpartner hier, keinen Guide, überhaupt nichts. Und das war dann so meine Idee. Und da dachte ich mir, das könnte man versuchen. Da hast du nicht viel dabei zu verlieren. Keine Investitionen groß. Magst deine Webseite, magst noch ein paar Kontakte und probierst noch ein paar Startplätze aus. Und da haben wir das dann. Ende 2018 haben wir das dann angeleiert. Haben die Webseite gemacht und ein paar Touren ausgedacht, zusammen mit meiner Frau. Was aber uns wichtig war bei dem Projekt, dass wir uns nicht nur aufs Gleitschirmfliegen konzentrieren.

31:50Stephan Gradel

Bei den normalen Flugreisen, wie man das von den Flugschulen her kennt, da geht es ja eigentlich zu 99 Prozent um die Gleitschirmfliegen. Man fliegt irgendwo zwölf Stunden lang irgendwo hin in ein entferntes exotisches Land. Ist aber dann jeden Tag am Fliegen und bekommt von dem Land selbst eigentlich nur das mit, was man eben durch die Transporte vom einen Startplatz zum anderen irgendwo erfährt. Oder wenn man irgendwann einen Stopp macht, um zu essen. Oder wenn es einmal nicht zu fliegen geht, irgendein Notprogramm organisiert wird. Aber wirklich was von der Kultur oder so bekommt man normalerweise nicht wirklich mit. Das hat mir bei den Reisen, die ich mit Flugschulen gemacht habe, auch ein bisschen gefehlt. Dass man da... mehr mitkriegt vom Land und Leute.

32:37Stephan Gradel

Und Indonesien, da, meine Frau und ich sind wir da uns zu 100 Prozent einig, Indonesien ist viel, viel, viel zu schade, um nur hierher zu kommen und zwei Wochen lang oder drei Wochen lang jeden Tag nur zu fliegen. Das Land hat so viel zu bieten von der Kultur und vor allem von der Natur her. Vulkane, ganz spektakulär. Die Reisfelder hier, die Natur, der Dschungel. Das muss ein guter Mix sein, haben wir gesagt. Fifty -fifty. Also 50 Prozent Fliegen und 50 Prozent Kultur und Natur. Das wollen wir den Leuten zeigen. Und da meine Frau eben hier geboren und aufgewachsen ist, auf einem kleinen Dorf im Dschungel Ostschawa, haben wir da eben auch ganz andere Möglichkeiten, was wir den Leuten zeigen können.

33:22Stephan Gradel

Als wenn jetzt hier ein normaler Tourist herkommt. Das, was wir den Leuten zeigen, wo wir mit unseren Gästen hingehen. Da geht kein Ding. Kein normaler Tourist hin. Das ist wirklich ganz nah bei den Locals hier. Und das war unser Plan bei den Reisen, die wir anbieten. Anfang 2019 habe ich die Webseite freigeschaltet mit dem Plan, jetzt vielleicht mal ein paar Kontakte zu knüpfen und dann irgendwann 2020 kommen dann vielleicht mal Gäste. Aber das war erstaunlicherweise oder für mich erstaunlicherweise, waren dann schon ziemlich viele Klicks auf der Seite drauf. Von Anfang an. Und wir haben dann auch 2019 schon unsere ersten beiden Touren gemacht, was wir gar nicht so auf dem Plan hatten.

34:09Stephan Gradel

Und das hat super funktioniert. Den Leuten hat es gefallen. Und ja, für 2020 waren wir dann schon ausgebucht. Also wir haben uns gesetzt, pro Jahr so fünf bis sechs Touren. Das soll nicht so komplett voll sein. Wir wollen nicht so zack, zack, zack Fließbahnarbeit. Wir wollen auch dann wieder ein, zwei Wochen Zeit dazwischen haben, um Nachbereitung und Vorbereitung zu machen und auch keine Touren parallel laufen zu lassen. Bei allen Touren sind wir jetzt beide selbst dabei. Und ja, da waren wir für 2020 schon ausgebucht. Und dann kam leider Corona.

34:40Lucian Haas

Wie lange hat Corona für euch quasi gewütet? Also dir das Geschäft in der Form kaputt gemacht so?

34:46Stephan Gradel

Ja, bis Anfang letzten Jahres. Wir hatten 2022 haben wir, ich glaube, eine oder zwei Touren am Ende des Jahres. Dann letztes Jahr war es wieder ganz gut für uns. Da haben wir dann fünf Touren. Jetzt für dieses Jahr. Da haben wir jetzt schon sechs Touren, die fix gebucht sind. Läuft eigentlich ganz gut.

35:08Lucian Haas

Wie hat man sich so eine Tour vorzustellen? Also was bietest du denn da an? Oder was ist das? Ist das, man fliegt nach Indonesien, ist dann zwei Wochen vor Ort und du hast einen kleinen Bus oder sonst was, mit dem du mit den Leuten rumfährst und verschiedene Startplätze besuchst? Oder wie sieht sowas aus? Wir haben die

35:27Stephan Gradel

Tourgröße auf Maximum acht Teilnehmer begrenzt. Dass es übersichtlich bleibt. Und auch vom Transportmittel nicht zu groß wird. Denn die Straßen hier sind klein und eng. Und mit einem großen Bus kommt man hier nicht weit. Also das muss ein kleiner Van sein oder ein kleiner Bus. Und mit acht Personen mit dem Gleitschengepäck und so weiter ist eine schöne Größe. Also das ist unser Maximum. Wir können auch verschiedene Fahrzeuggrößen zugreifen, je nachdem wie viele Personen das sind. Es können auch nur zwei Personen sein. Also wir hatten mehrmals auch nur Paare hier für zwei Personen. Und ja, egal wie groß, wie viele es dann sind. Zwei, drei oder Maximum acht. Haben wir die entsprechende Fahrzeuggröße, auf die wir zugreifen können. Ja und dann stecken wir die Tour eigentlich so ab, wie der erste Kunde, der die Tour bucht, das gerne haben möchte.

36:18Stephan Gradel

Also uns kontaktiert jemand. Wir haben auf der Webseite zum Beispiel eine Tour, drei Inseln, Java, Bali und Lombok. Und da ist ein grober Ablauf dann auf der Webseite, was man da alles macht. So jetzt kontaktiert uns jemand, der sagt, ich wäre für die Tour interessiert. Es gibt noch keine Interessenten bis jetzt. Und dann bieten wir den Arm, die Tour so festzulegen, wie er das gerne haben möchte. Er ist der Erste, der bucht. Und er kann sich jetzt entscheiden, was er gerne machen möchte. Und dann frage ich ihn, was er gerne macht. Geht er mal irgendwo schnäukeln am Korallenriff? Oder geht er lieber mal wandern auf dem Frikan und und und? Und dann bauen wir die Tour so zusammen. Dass dem das passt. Und die nächsten Teilnehmer, die Interesse an der Tour haben, die müssen die Touren eben so mitnehmen, wie die jetzt festgelegt ist.

37:10Stephan Gradel

Und die Touren sind eben so ausgelegt, dass auch ein nicht fliegender Partner, Ehefrau, Ehemann, wenn er nicht fliegt, was auch immer, dass die auch auf ihre Kosten kommen. Was man bei normalen Gleitschirmreisen eben nicht hat. Wenn jetzt eine nicht fliegende Ehefrau mit nach Brasilien geht, wo Gleitschirm geflogen wird, die sitzt halt meistens dann nur am Startplatz oder Landeplatz und wartet. Und das hast du halt hier nicht. Hier machen wir halt wirklich ein sehr schönes, buntes Programm, wo für jeden was dabei ist. Und auch wenn wir jetzt beim Fliegen sind, also wenn wir jetzt eine Gruppe haben mit sechs Piloten und zwei fliegen nicht, dann sind wir am Startplatz und dann hat der Fahrer Zeit. Und dann kann der Fahrer mit den beiden Nicht -Fliegern irgendwo hinfahren und ein Tempel anschauen oder an den Strand fahren oder was auch immer.

37:57Stephan Gradel

Und

37:58Lucian Haas

dann teilt ihr euch auch so auf, dass du dann quasi die Flieger betreust und deine Frau ist dann mit den anderen dabei und zeigt denen quasi die indonesische Kultur noch mal weiter.

38:07Stephan Gradel

Genau, meine Frau selbst fliegt nicht. Die fliegt höchstens meine Tante mit, aber auch da ist sie jetzt nicht so begeistert. Also sie hat es nicht im Blut. Und ja genau, sie kümmert sich dann um die nicht fliegenden Gäste und fährt mit denen dann durch die Gegend, zeigt ihnen ein bisschen was, wenn wir fliegen.

38:22Lucian Haas

Wie häufig kommt es denn dann vor? Ich meine, du hast dann teilweise wahrscheinlich auch sehr gemischte Gruppen dann irgendwann. Irgendwie. Wie gehst du bei sowas mit so Flieger, klassischer Fliegergruppendynamik um, wo dann die Leute sagen, ich will jetzt aber gerne fliegen oder noch mehr und der andere nicht. Und du hast jetzt deine eigene Vorstellung, dass du denen ja noch mehr Kultur anbieten wolltest und noch mehr Indonesien näher bringen willst und sowas. Wie findest du da so einen Ausgleich?

38:48Stephan Gradel

Das haben wir ehrlich gesagt wirklich noch nicht so extrem hier. Alle, die kommen zu uns, die kennen ja vorher das genaue Programm. Ja. Also bevor bei uns jemand bucht, ich mache denen verschiedene Ablaufpläne, wie die Tour sich zusammenstellt und dann entscheiden sie sich für was und dann wissen sie genau, was jeden Tag, was wir da machen, welche Unternehmungen. Und dann wissen sie auch, an wie vielen Tagen, dass wir wo zum Fliegen gehen. Da gibt es keine Überraschungen. Also wir hatten das noch nicht, dass jetzt jemand hier ist und sagt, jetzt waren wir drei Tage auf Java im Dschungel gewesen, ich möchte jetzt morgen unbedingt fliegen gehen. Ich bin jetzt hungrig. Obwohl morgen dann immer noch irgendwo Java offen bleibt. So was hat man noch nicht, weil sie ja wissen, wie der Plan fix abläuft.

39:33Stephan Gradel

Und es war auch bis jetzt so gewesen, dass wir schon Fälle hatten, wo es wetterbedingt fast zum Beginn der Regenzeit dann nicht so gut zum Fliegen ging, weil sie halt ein bisschen spät dran waren mit der Tour und dann wenig Flugausbeute war. Aber auch da waren dann Aussagen dabei, die gesagt haben, ja, war jetzt ein bisschen schade, aber ich habe es auch nicht unbedingt so vermisst, das Fliegen, weil wir so viele interessante Sachen gesehen haben und so viel unternommen haben. Das war so kurzweilig. War jetzt gar nicht so schlimm, dass das Wetter nicht so mitgespielt hat.

40:08Lucian Haas

Aber ist denn dann, wenn man in der klassischen Trockenzeit kommt, das Wetter so stabil, dass du wirklich sagen kannst, ich kann so einen Zwei -Wochen -Plan machen und kann sagen, Tag drei sind wir am Startplatz XY, statt Tag fünf sind wir dann an dem nächsten und Tag sieben an wieder dem übernächsten. Und du weißt, diesen Plan kannst du auch so einhalten, weil das Wetter einfach immer passt?

40:28Stephan Gradel

Zu 99 Prozent ja. Die Windrichtung hier ist eigentlich immer gleich in der Trockenzeit. Wir haben hier zwei Windsysteme. In der Trockenzeit kommt der Wind aus Südost, in der Regenzeit aus Südwest bis West. Da bewegt sich nicht viel von der Windrichtung her. Also von der Windrichtung ist das alles kein Problem. Das Einzige, die Windstärke, das kann schon sein, dass in der Trockenzeit mal der Wind ein bisschen heftiger bläst, aber irgendwann im Tagesverlauf ergibt sich ein Fenster, wo wir fliegen können. Also das können wir schon zu 99 Prozent, dass wir in der Trockenzeit gut fliegen können.

41:04Lucian Haas

Guckst du denn dann überhaupt noch in Wetterberichte? Oder sagst du, nein, ich muss eigentlich nur aus dem Fenster gucken und sehe, ja, ja, das sieht alles so normal aus wie immer. Und der Wind, der muss ja dann jetzt um diese Zeit aus Südost kommen und das wird schon passen.

41:19Stephan Gradel

Also ein Wetterbericht funktioniert hier sowieso nicht. Da habe ich meine Erfahrung gemacht. Also da gibt es wirklich nichts, was das Wetter für morgen vorhersagt. Das funktioniert ja überhaupt nicht. Und vom Wind her ist für mich eigentlich am interessantesten die Windstärke. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Das funktioniert relativ gut mit Windy. Mit Windy kann man das ganz gut schon vorhersagen, die nächsten Tage sogar. Das klappt ganz gut und das ist auch die App, die ich eigentlich hier immer nutze.

41:49Lucian Haas

Beschreib mir mal so typische Flugmöglichkeiten. Wir haben vorhin schon, hast du gesagt, die Südküste von Bali, da kann man schön sohren. Aber was gibt es denn für andere Möglichkeiten? Oder du hast vorhin mal gesagt vom Vulkanfliegen oder sowas. Was sind denn so die spektakulärsten Flüge, die du bisher da in Indonesien gemacht hast?

42:09Stephan Gradel

Also der überhaupt spektakulärste Flug, den ich je gemacht habe, das war auf Java gewesen. Ost -Java an der Grenze zu Zentral -Java, ist ziemlich weit im Westen schon drüben. Da gibt es einen Vulkan, der heißt Mount Bromo. Dann kann man mal googeln, ganz spektakuläre Landschaft dort. Ganz, also ein bisschen wie auf dem Mond, überall Vulkan gerade und es ist auch ein aktiver Vulkan, also da brodelt es unten noch richtig im Schlund. Da bin ich bei meiner ersten Tour, die sechs Monate, die ich hier war, hatte noch überhaupt keine Erfahrung mit Indonesien, Fliegen und so weiter, aber das hatte ich auf dem Plan. Da kann man bestimmt fliegen dort. Und das war mein spektakulärster, eigentlich ein ganz kurzer Flug, von nur zehn Minuten, aber vom Empfinden her wirklich spektakulärster Flug hier.

42:59Stephan Gradel

Der Mount Bromo ist irgendwo 2400, irgend so was hoch, weiß nicht genau. Da ist eine riesige Kaldera, die aus Sand besteht, vulkanischer Asche und Sand. Und in der Mitte der Kaldera ist so ein kleiner Vulkankegel, wo es brodelt. Und außenrum um diese Kaldera ist dann eine Felswand. Das war früher quasi mal ein einziger riesengroßer Vulkan, der keine Ahnung, 4 -5.000 Meter hoch war. Und der ist irgendwann in sich zusammengestürzt. Und außenrum ist dann diese Kraterwand noch, um diese Kaldera rum. Und die ist so 400 -500 Meter höher als die Kaldera unten der Boden selbst. Und da gibt es einen schönen Aussichtspunkt da oben, den nennt man den Sunrise Point, weil man dann einen wunderschönen Blick auf den Sonnenaufgang hat.

43:46Stephan Gradel

Da wird dann der Vulkan von der Sonne seitlich angestrahlt und alles erscheint einem ganz traumhaften, unvorstellbar schönen Licht, das Ganze da oben. Ein bisschen die Wolken ziehen da herum, so Nebelschwaden, also ganz unwirklich. Das war mein Plan, da von da oben runter zu fliegen, wenn es ein bisschen trägt, vielleicht zum Vulkankegel rüber, wenn nicht dann irgendwo in dieser Sandkaldera landen. Und da bin ich dann hingefahren, bin dann nachts hochgelaufen mit Stirnlampe. Irgendwann nachts um zwei bin ich da gestartet, dass man früh zum Sonnenaufgang da oben ist.

44:23Stephan Gradel

Und hat dann zeitlich auch geklappt. War ein bisschen Kletterei dabei. Als ich da oben ankam, war noch vor dem Sonnenaufgang, da hatte ich ungefähr 30 km/h Rückenwind. Also überhaupt nicht ans Fliegen zu denken. Aber war mir in dem Augenblick ein bisschen egal, weil es war so schön da oben. Hab dann den Sonnenaufgang beobachtet, wie die Sonne hochkommt und viele Fotos gemacht. Und im Minutentakt, als die Sonne dann hinten über die Flanke drüber kam, ist die Windgeschwindigkeit, der Rückenwind, nach unten gegangen. Und irgendwann, zehn Minuten später, war plötzlich null Wind. Und nochmal zehn Minuten später kam plötzlich ein leichter Hauch von vorne. Also die Sonne hat das komplette Windsystem umgekehrt. Und ich dachte mir, wow, klasse, pack aus.

45:11Stephan Gradel

Und hab mir da ein Plätzchen am Hang im hohen Gras gesucht, da gibt es ja keinen Startplatz dort. Hab dann da ausgepackt und ja, hat funktioniert. Bin da rausgestartet. Hat leider nicht getragen, aber war nicht so schlimm. Bin dann über diese Sandlandschaft drüber geflogen, Richtung Vulkankegel rüber. Und das war einfach so unvergesslich und spektakulär. Ja, wunderschön. Kann man aber nur wirklich in der Früh machen. Denn da oben, da herrschen so utopische Bedingungen. Das heizt sich extrem schnell auf, wenn die Sonne höher steigt. Und diese große, knochentrockene Landschaft da oben, die heizt dich auf wie ein Backofen. Ja, da oben kühlt es nachts ab auf 5 bis 10 Grad. Und tagsüber heizt es sich auf auf über 30 Grad da oben.

45:58Stephan Gradel

Da entstehen dann Dust Devils, 10, 15 Stück gleichzeitig, die dann durch diese Karriere durchtanzen. Und da möchte man nicht in der Luft sein, wenn die entstehen. Und ich bin dann gelandet und dann wirklich 20 Minuten später hat sich der erste Dust Devil gebildet. Und nochmal ein paar Minuten später waren sie schon überall. Also das muss man schon wissen und auch respektieren, das Ganze.

46:20Lucian Haas

Wusstest du das denn vorher? Ich meine, du bist da jetzt als Nicht -Local wahrscheinlich auch zum ersten Mal da hochgewandert. Wusstest du, dass das so extrem werden kann?

46:28Stephan Gradel

Ich wusste das, weil ich schon einen Tag vorher dort war. Und bin dann durch diese Karriere gewandert, zum Vulkan rüber. Und habe da selbst mitbekommen, was da passiert da unten. Also ich bin da rübergewandert und da waren schon Dust Devils unterwegs. Bei meiner Rückwanderung vom Vulkan Kekiltan war dann ein richtiger Sandsturm. Ich habe da Fotos gemacht. Man sieht vom Selfie -Stick von der GoPro bis zu meinem Gesicht, kann man fast nicht mehr sehen. Also da war komplett totaler Sandsturm da oben. Und ja, das ist eben normal dort. Und unter der Tageszeit

47:02Lucian Haas

kann das passieren. Du hast dir das jetzt zugetraut. Du bist da einfach rumgereist, hast dann da diesen Flug gemacht und sicherlich noch andere spannende Flüge gemacht.

47:12Lucian Haas

Wie schätzt du das denn ein? Ich meine, du bietest jetzt Touren an, aber trotzdem kannst du mal eine persönliche Einschätzung geben. Wie ist es Indonesien? Als Gleitschirmflieger auf eigene Faust zu entdecken. Ist das zu empfehlen oder ist das eigentlich etwas, wo du sagen würdest, nee, kann man eigentlich gar nicht empfehlen?

47:28Stephan Gradel

Also wenn man genügend Zeit mitbringt, dann kann man das tun. Es geht aber auch immer nur mit Kontakt zu den lokalen Piloten. Also ohne Kontakt zu den lokalen Piloten geht überhaupt nichts. Zum einen daran, dass die Startplätze schwer zu finden sind, weil es eben wenig Gleitschirmbetrieb hier gibt. Wie kommt man hoch zum Start? Und das andere ist eben das Wettersystem. Welcher Startplatz ist überhaupt geeignet? Und was erwartet mich dort? Also das ist eigentlich wie überall auch. Also wenn ich das erste Mal jetzt nach La Palma gehe oder Teneriffa oder wohin und will auf eigene Faust da irgendwo fliegen gehen als Pilot, der zwei, drei Jahre fliegt, das ist auch nicht so einfach ohne irgendjemanden, der da irgendwas erklärt.

48:14Stephan Gradel

Das ist eigentlich überall so. Und in Indonesien noch ein bisschen schwieriger, weil es eben wenig Piloten gibt. Und weil, dass wir hier überall auf Inseln fliegen, die ganzen Wettergeschehene noch ein bisschen anders sind, als wenn man irgendwo auf dem Festland fliegt. Wenn man genügend Zeit mitbringt, wenn man jetzt sagt, ich habe jetzt da sechs oder acht Wochen Zeit, dann kann man das machen. Aber wenn man nur drei Wochen Zeit hat, dann ist es so gut wie unmöglich. Dann kann man hier auf Bali unten an der Küste ein bisschen fliegen, wo die Kommissarien -Tandem -Unternehmen sind. Das ist überhaupt kein Problem. Aber jetzt Lombok, Java oder sonst auf einer anderen Insel, da wird es

48:51Lucian Haas

schon schwierig. Von den Touren, die du anbietest. Du hast gesagt, du hast verschiedene Startplätze da auch ausgeguckt und sowas. Sind das denn, wie du vorhin sagtest, alles präparierte Startplätze? Oder sind da auch welche sehr abenteuerliche dabei gewissermaßen? Wo du sagst, ich weiß, da kann man starten, weil das ist so oben exponiert. Da ist die Natur noch nicht so vorgedrungen oder der Urwald wächst da nicht so oder sowas. Oder sind das alles wirklich Startplätze, die dort auch von Locals betrieben werden?

49:17Stephan Gradel

Also die Startplätze, wo wir mit unseren Gästen jetzt hingehen, das sind alles Startplätze, die von den Locals betrieben werden und die auch präpariert sind. Wir wollen da auch kein Risiko eingehen mit unseren Gästen. Wir wissen ja vorher auch nicht, bevor die kommen, unsere Gäste, wie gut die jetzt sind, welche Startskills haben sie und, und, und. Und da wollen wir natürlich kein Risiko eingehen. Also da gehen wir dann nicht an irgendwelche abenteuerlichen Startplätze. Außer es sind jetzt Gäste hier, keine Ahnung, zwei Piloten. Und ich sehe nach drei, vier Tagen, die Jungs haben es ja voll drauf. Die sind besser als ich. Da kann man natürlich dann auch mal an einen Startplatz gehen, wo man sagt, da würde ich jetzt mit anderen nicht hingehen.

49:56Lucian Haas

Wie riskant ist das dann, würdest du sagen, in Indonesien zu fliegen? Weil Luftrettung und Sonstiges gibt es ja wahrscheinlich nicht. Also wenn du da irgendwo dir an einer blöden Stelle wahrscheinlich auch nur den Fuß verknackst, sieht es schon ein bisschen blöd aus, oder?

50:10Stephan Gradel

Ja, natürlich. Aber ich denke mal, dass es in vielen anderen Ländern, ob man jetzt nach Kolumbien geht oder irgendwo nach Brasilien, irgendwo weg von Rio, von der Großstadt, ein bisschen weg. Ich denke, dass es da nicht viel anders ist. Also es gibt hier keine Bergrettung, klar. Es gibt hier keine Rettungshubschrauber. Es gibt hier keine Notärzte. Krankenhäuser sind oft mehrere Stunden entfernt, da wo wir fliegen. Das erkläre ich aber unseren Gästen gleich am ersten Tag, wenn die hier ankommen. Das erkläre ich unseren Gästen. Und da müssen sie auch dafür unterschreiben, dass ich ihnen das erklärt habe, dass sie kein unnötiges großes Risiko eingehen sollen, weil eben die Bergung oft schwierig sein kann und ein Krankenhaus oft weit weg ist. Und das kann bei gewissen Verletzungen schon entscheidend sein.

50:55Stephan Gradel

Also da soll man dann doch lieber einen Gang zurückschalten und nicht irgendwie eine neue Agrofigur ausprobieren, sondern einfach nur das genießen, was man hier machen kann.

51:05Lucian Haas

Hast du in der Zeit, wo du dir die Touren anbietest, oder in der Zeit, wo du selber auch fliegst, also selber das erlebt, also irgendwo mal was Krasses gehabt, wo du sagst, oh, das ist vielleicht gerade noch glücklich, oder vielleicht sogar blöd, nicht nur glücklich, sondern vielleicht wirklich mal einen Unfall gehabt, wo du sagst, hm, das war jetzt doof? Also ich selbst jetzt? Ja, oder bei deinen Touren? Bei

51:25Stephan Gradel

unseren Touren hat man eigentlich erst einen Unfall. Da hat sich ein Pilot den Ellenbogen gebrochen. Das war, ja, muss man sagen, glücklicherweise hier auf Bali an der Kante. Und hier auf Bali, durch die vielen Touristen, gibt es spezielle Touristenkrankenhäuser, die international zertifiziert sind. Ja, ich sage jetzt mal, das ist ein First -Class -Krankenhaus. Und das ist nur 15 Minuten vom Startplatz entfernt. Und da hatte der Pilot Glück, dass es hier passiert ist. Ja, die haben den bestens versorgt. Also wahrscheinlich besser als bei uns in Deutschland irgendwo im Krankenhaus. Und ja, hat gepasst. Aber wenn sowas natürlich irgendwo auf Lombok oder Sumbawa passiert, ja, Sumbawa ist die nächste Insel nach Lombok, da ist noch ein bisschen weniger Infrastruktur.

52:13Stephan Gradel

Wenn du da blöde Verletzungen hast, dann kann es schon sein, dass dich mit dem Hubschrauber extra nach Bali dann fliegen müssen.

52:19Lucian Haas

Und hast du selber schon beim Fliegen auf Bali, Lombok, Sumbawa oder sowas irgendwelche blöden Erlebnisse gehabt, wo du sagst, wie komme ich jetzt hier wieder weg? Nee, also ich selbst noch nicht. Hast du überhaupt in deiner Fliegerkarriere schon mal grenzwertige Erlebnisse gehabt? Ja,

52:38Stephan Gradel

also ein wirklich grenzwertiges Erlebnis. Meine Fliegerkarriere hatte ich ziemlich am Anfang. Also ich fliege jetzt seit 2001. Bin von Anfang an eigentlich ziemlich viel geflogen und hatte mein erstes oder eigentlich das einzige wirklich grenzwertige Erlebnis. Das war ein gutes Jahr, nachdem ich meinen Schein hatte. Also im zweiten Fliegerjahranfang. Ja, ich habe damals, bin ich dann umgestiegen von meinem Schulungs -A -Schirm auf den nächsten auf B -Schirm. Das war damals ein Advance Epsilon. Keine Ahnung, was es für eine Nummer war. Damals, da bin ich im Sommer, ja im Frühsommer, bin ich dann nach Kössen runter zum Fliegen. Hatte noch nicht wirklich so viel Thermik -Erfahrung.

53:23Stephan Gradel

Und war ein schöner Sommertag. Der Wetterbericht hat nachmittags leichte Gewitterneigung vorhergesagt. Also ich weiß das Erlebnis noch ziemlich genau, weil ich damals nach dem Erlebnis habe ich das aufgeschrieben, um das verarbeiten zu können. Deshalb kann ich mich auch noch sehr gut daran erinnern alles. Hat nachmittags leichte Gewitterneigung angesagt. Okay, hoch auf den Berg, waren schon viele Piloten oben, wie es in Kössen halt so ist. Viele in der Luft, viele haben aufgedreht, gute Thermik. Und ich bin da dann raus. Bin schön geflogen, habe auch in der Thermik aufgedreht. War super happy, weil ich das erste Mal so richtig gute Startüberhöhung hatte. Also war richtig schönes Fliegen für mich, gefühlsmäßig. Und irgendwann, so nach einer Stunde, habe ich dann um mich herum geschaut und denke,

54:09Stephan Gradel

allzu viele Piloten sind nicht mehr hier. Und ich habe dann auch gemerkt, also ich habe damals kein Vario mit GPS gehabt, sondern nur ein normales Vario mit Pipestone ohne irgendwelche GPS oder Geschwindigkeitsanzeige. Habe dann aber gemerkt, dass ich nicht mehr wirklich groß Vorwärtsfahrt habe.

54:29Stephan Gradel

Und bin dann ins Beat System rein und habe immer noch gemerkt, das geht immer noch nicht wirklich richtig vom Berg weg. Habe dann schon gesehen, warum so viele Piloten nicht mehr da sind. Also hinter mir. In südlicher Richtung war es da richtig dunkel mittlerweile.

54:45Stephan Gradel

Das heißt, da kam ein Gewitter. Deshalb auch der starke Wind vom Norden her. Das hat gezogen. Naja, hatte immer noch richtig gute Überhöhung über den Gipfel drüber. Dachte mir, was machst du jetzt? Also ich habe dann die Ohren angelegt. Bin aber mit angelegten Ohren immer noch gut gestiegen. Dachte mir, das bringt nichts. Ohren anlegen, Speed System, immer noch nichts gebracht. Immer noch gestiegen. Dann dachte ich mir, wir haben ja damals in der Ausbildung noch den P -Stall geladen. Ging ja auch mit den alten Schirmen noch super gut. Habe dann den P -Stall gezogen. Das war kein Problem. Haben wir gelernt. Bin aber, ja jetzt wird es blöd. Mit P -Stall bin ich immer noch gestiegen. Ich frage mich nicht, wie viel Meter pro Sekunde. Aber es ging immer noch nach oben.

55:30Stephan Gradel

Und dachte ich mir, das ist überhaupt nicht gut. Mir gingen dann schon Horrorszenarien durch den Kopf. Ich hatte damals meine damalige Freundin. Die war unten am Campingplatz im Wohnmobil. Und ich hatte Funk dabei. Und mein Funkgerät war auf Voice Control gestellt. Und durch den steigen Wind und durch das Piepsen der Vario, war das ständig offen und ich habe alles mitgehört.

55:54Stephan Gradel

Und auf jeden Fall, das war ein Gänsehautmoment. Ich wusste, das wird jetzt richtig kritisch für dich. Du kommst nicht nach unten. Und das Gewitter ist natürlich näher gekommen. Ich habe dann schon zwei, drei andere Piloten gesehen, die mit Rettungsschirm nach unten sind. Ich dachte mir dann, das nächste nach dem P -Stall ist dann die Steilspirale. Die man ausprobieren kann. Habe ich vorher noch nie gemacht. Noch nie ausprobiert. Aber ich dachte mir, das war für mich, war das jetzt dann der Moment, wo ich sagte, das kann jetzt hier um Leben und Tod gehen. Du musst irgendwas tun. Ja, bin dann da in die Kurve rein. Stark gezogen. Und habe dann irgendwann auch gespürt, die Fliehkraft im Gesicht und im Körper. Ich dachte mir, jetzt bist du drin. Und es ging dann auch nach unten mit fünf, sechs Metern pro Sekunde. Aber es ging nach unten.

56:40Stephan Gradel

Und dachte mir, klasse, super, es funktioniert. Ich war aber eben leider nicht über den Tal drüber, sondern über der Bergflanke. So, jetzt wenn du spiralst, über der Bergflanke immer näher kommst, dann kannst du ja irgendwann den Abstand zum Boden nicht mehr wirklich einschätzen. Und es gibt ja da auch keine Möglichkeit zum Landen dort. So, irgendwann musst du aus der Spirale wieder raus, machst die Spirale, stoppst die Spirale, hat alles funktioniert, super gemacht. Bin dann nach oben geschossen wie eine Rakete.

57:09Stephan Gradel

Und das war dann für mich wirklich ein Moment, wo ich dachte, das könnte jetzt nicht funktionieren. Das könnte jetzt für dich gewesen sein. Ich hatte da vorher schon Berichte gelesen, wie Piloten irgendwo in die Gewitterwolke gesaugt wurden und als Eisklotz irgendwo anders wieder ausgespuckt. Und das ging mir eben durch den Kopf. Und ich dachte mir, das musst du mit aller Gewalt vermeiden. Aber wie? Zum Glück hatte ich in dieser ganzen Stresssituation immer noch klare Gedanken. Keine Hektik und keine Panik irgendwie. Also bin ich selbst überrascht gewesen. So. Mein wirklich allerletzter Plan, das war so ein Kamikaze -Plan, wo ich mir dachte, vielleicht funktioniert es. Flieg auf die Gewitterwolke zu, über den Berggipfel drüber, dass du irgendwann ins Lee vom Berg kommst.

57:56Stephan Gradel

Und dass dich dann der Lee -Rotor einfach nur nach unten spielt. Wie auch immer das dann ausgeht. Kannst du dann irgendwann die Rettung schmeißen, was auch immer.

58:04Lucian Haas

Echter Kamikaze -Plan, jaja.

58:07Stephan Gradel

Ja, aber du wirst nicht in die Wolke reingezogen. Ja, das war mein Gedanke. Nicht in die Wolke reingezogen. Irgendwas tust du. Und wenn du da Beine prickst, was auch immer, wurscht. Aber du überlebst es. So, ich bin dann auf dem Berg zugeflogen. Mit einer hellen Geschwindigkeit, keine Ahnung. Wie gesagt, ich hatte ja kein GPS dran.

58:27Stephan Gradel

Und immer noch fleißig gestiegen dabei. Bin dann übers Gipfelkreuz drüber. Und bin dann so seitlich, von der Windrichtung her, so seitlich in das Tal ein bisschen abgedriftet, wo es dann Richtung Süden runter geht. Richtung, wo geht es denn hin? Ich glaube Richtung Kitzbühel geht es da runter. Der seitliche Tal ein bisschen abgedriftet. Irgendwann ist auch das eingetreten, was ich geplant hatte. Ja, ich kam in eine Leessituation. Mir hat es den Schirm zerlegt. Und als ich den ersten richtigen Klapper hatte, habe ich mich wieder gegen den Wind reingestellt. Und dann hat es mich nur noch zerlegt. Also der Schirm war nur noch am klappen, links, rechts, links, rechts. Ich war nur noch am Arbeiten, da oben den Schirm wieder aufzukriegen. Und habe dann durch diese ganze Klapperei und durch diese Leessituation viel Höhe verloren.

59:13Stephan Gradel

Gott sei Dank.

59:15Stephan Gradel

Irgendwann hat es mir dann die Seite so stark reingedreht, dass es sich in den Leinen verfangen hat. Und der Schirm ist dann schlagartig auf die Nase und in die Spirale rein. Und da war mir auch dann sofort klar gewesen, da braucht es gar nichts probieren. Da kommst du nicht mehr raus, weil ich ja immer noch nicht über den Tal war. Also ich hatte nicht so viel Zeit, irgendwas zu tun. Ich war immer noch über der Bergflanke gewesen. Da kommst du nicht mehr raus. Warte noch ein bisschen, bis du ein bisschen tiefer bist und dann schmeißt die Rettung raus.

59:44Stephan Gradel

Habe ich dann auch gemacht. Rettungsschirm ist raus. Habe noch genügend Zeit gehabt zu überlegen, in welche Richtung ich die Rettung schmeiße. Wie rotiert der Schirm, dass er nicht irgendwie da ins Gehetter kommt mit dem Hauptschirm. Und habe dann die Rettung geworfen. Super aufgegangen. Schön nach unten gesegelt. Und bin dann so irgendwo am Hang, ca. 500 Meter über dem Tal an der Baumgrenze, bin ich dann da eingebombt am Steilhang. Der eine Schirm hing im Fels. Der andere Schirm hing in einer Baumkrone. Und mit den Zehenspitzen war ich am Boden. Also ohne irgendeinen Bruch oder einen großen Kratzer bin ich da dann heil eingebombt. Und dann fing es auch schon an zu hageln. Wow.

1:00:29Stephan Gradel

Ja. Wie gesagt, das prägt sich ein. Und das war für mich eine wirkliche Lehrstunde, was Wetterkunde angeht. Respekt, dunkle Wolken gegenüber und so weiter. Das habe ich immer noch drin. Also ich bin seitdem her oft am Boden geblieben bei dunklen Wolken, wo viele andere Piloten sich raushauten, wo ich mir gesagt habe, nee, das

1:00:54Lucian Haas

hat mir gereicht. Das brauche ich nicht mehr. Wie ist das? Ich nehme an, dass zumindest in der Regenzeit auf Bali und sonst wie, dass es da auch häufiger Gewitter gibt. Erlebst du die als bedrohlich dann auch? Einfach nur, dass du sagst, da hängt mir immer noch was in der Seele nach? Oder ist das gar nicht mehr?

1:01:12Stephan Gradel

Mittlerweile hier nicht mehr, weil die Gewitter hier sich anders verhalten als am Festland. Am Anfang schon. Da war ich auf Java gewesen an einem Startplatz im Bergland. Und da war hinten an der nächsten Bergkette waren da Gewitter gewesen. Hat man auch gesehen, da regnet es. Und den Donner hast du gehört. Und die lokalen Piloten, die sind da fleißig gestartet, ohne das überhaupt wahrzunehmen. Und ich habe da eben gesagt, wollt ihr nicht mal langsam aufhören? Also ich packe jetzt nicht aus. Und die haben mich auch gefragt, warum packst du nicht aus? Und die Antwort war dann, kein Problem, das Gewitter ist da hinten und es bleibt da hinten. Das kommt nicht her. Du hast auch hier nicht dieses Phänomen, diesen starken Sog und diese Böenweizen, die wir kennen. Die entstehen hier nicht. Ich frage mich nicht, warum das so ist.

1:01:59Stephan Gradel

Aber das hast du hier nicht. Hier ist auch ein Gewitter normalerweise nicht mit starken Winden verbunden. Das donnert hier extrem laut. Also man muss sich den Donner hier, auch wenn man unten im Strand ist, so laut vorstellen, als wenn man in den Alpen irgendwo auf 2.000, 2.500 Meter oben ist. Extrem laut.

1:02:20Stephan Gradel

Aber kaum Wind. Und die Gewitter ziehen auch wenig. Also ganz anders, als wir es kennen. Und deshalb, wenn ich hier jetzt an der Küste fliege, jetzt in der Regenzeit, wenn mal ein guter Tag ist wie gestern, und 20 Kilometer weiter hinten über der Hauptstadt, über dem Bergland, da toben die Gewitter und da regnet es und du hörst auch den Donner, macht man sich mittlerweile nicht mehr viel Gedanken, weil man weiß, die ziehen extrem langsam. Also sollte das Gewitter wirklich näher kommen, hast du immer noch genügend Zeit, irgendwo zum Landen zu gehen am Strand. Und es entsteht aber trotzdem auch kein Sogwind. Diese Böenweizen gibt es hier nicht. Interessant. Bisschen entspannter wie bei uns mit dem Gewitter.

1:03:02Lucian Haas

Das ist jetzt so die Erfahrung, die du dann auch von den Locals quasi lernen musstest. Denken oder wie ist denn eigentlich so die Kultur unter den Inseln?

1:03:09Stephan Gradel

Bei den

1:03:09Lucian Haas

indonesischen Piloten. Ist das ähnlich, weil man sagen würde, irgendwie Piloten überall auf der Welt denken irgendwie ähnlich? Oder würdest du sagen, eine deutsche Pilotenfliegerkultur ist irgendwie eine andere als eine indonesische?

1:03:25Stephan Gradel

Sagen wir es mal so, die indonesische Fliegerkultur ist eine andere als die deutsche. Also die indonesischen Piloten hier machen sich eigentlich überhaupt keine Gedanken, was passieren könnte. Und wenn was passiert ist, machen sie sich auch überhaupt keine Gedanken, warum das jetzt passiert ist. Da passieren Sachen hier, die ich mir auch jetzt nach ein paar Jahren immer noch nicht verstehen, nicht erklären kann. Aber das ist die indonesische Mentalität. Wenn man sich hier irgendwas bricht, was auch immer, dann überlegt man nicht, warum das passiert ist. Ist halt passiert, war schlechtes Karma, war schlechter Tag, Allah hat nicht auf mich aufgegeben, was auch immer. Die schieben das dann auf die Religion oder einen schlechten Tag oder was auch immer.

1:04:13Stephan Gradel

Aber dass man jetzt selbst dann Fehler gemacht hat, das Wetter falsch eingeschätzt oder ins Leere ausgestattet, da denkt man keine Sekunde drüber nach hier. Es gibt ja auch keine Unfallanalysen. Also es gibt ja auch tödliche Unfälle von lokalen Piloten. Da wird aber überhaupt nicht analysiert, warum der Unfall jetzt passiert ist, was der falsch gemacht hat, um vielleicht den nächsten jungen Piloten daran zu hindern, denselben Fehler zu machen und auch zu sterben.

1:04:39Lucian Haas

Gibt es hier überhaupt nicht. Das ist einfach eine andere Herangehensweise auch ans Leben. Also wahrscheinlich nehmen die ihr ganzes Leben dann so, dass sie sagen, das ist irgendwie Karma, was dann vielleicht kommt und dann muss man, das hat den einen jetzt getroffen, das heißt jetzt nicht, dass das für die anderen genauso gelten sollte.

1:04:56Stephan Gradel

Ja, genau so ungefähr ist es ja. Also wenn jetzt hier ein Pilot auch irgendwo am Startplatz oben steht und es bläst gefühlsmäßig extrem stark, dann schaut man nicht auf dem Windmesser, wie viel Wind da jetzt wirklich bläst, geht es überhaupt noch oder macht es Sinn. Da wird dann eine Winddamme rausgeschickt. Also die professionellen Dundim -Seiten hier, die haben eine Winddamme und da wird doch viel bezahlt, sich ins Unglück zu stürzen. Und da wird dann rausgeschickt und dann wird geschaut, fliegt der vorwärts oder fliegt der schon rückwärts. Und so geht man hier ran. Und wenn er nicht rückwärts fliegt und grenzwertig vielleicht in der Luft steht, ja dann geht es, dann fliegen wir.

1:05:36Lucian Haas

Und der Winddamme muss ein Jahr lang als Winddamme überlebt haben, dann darf er irgendwann zum Tandempiloten aufsteigen, so ungefähr oder wie geht das?

1:05:43Stephan Gradel

Ja, das sind meistens schon ganz gute Solo -Piloten, die das machen, denn der muss dann mit der Situation umgehen können. Ja, wenn der beschleunigt, mit dem Beschleuniger dann schon rückwärts fliegt, dann muss der mit der Situation umgehen können und irgendwo hinfliegen, wo er trotzdem noch sicher dann einlanden kann. Also die Winddamme sind schon gute Piloten, aber ich habe da schon Sachen gesehen, wo man als Deutscher dann nur mit dem Kopf schütteln kann. Wo man sagt, das ist unglaublich, für mich ist das ganz klar, dass man da jetzt nicht fliegen kann, aber trotzdem schicken die den Kerl da raus, weil er dafür bezahlt wird.

1:06:15Lucian Haas

Wenn du jetzt mit deinen Touren und deinen deutschen Piloten da so hinkommst und natürlich dann auch mit den Locals zusammenkommst, weil das dann eben auch die Startplätze sind, die von den Locals betrieben werden und so weiter, gibt es da sowas auch manchmal wie so einen Clash of Cultures oder kommen diese internationalen Piloten dann auch sehr schnell zueinander?

1:06:32Stephan Gradel

Nö, die kommen sehr schnell zueinander. Also die lokalen Piloten hier, wenn man mal von den Kommandantienplätzen weggeht, die lokalen Piloten auf den Nachbarinseln Lombok, vor allem Sumbawa dann, je weiter man von Bali wegkommt, desto entspannter wird es, die freuen sich extrem, wenn ausländische Piloten zu ihrem lokalen Platz zum Fliegen kommen. Das ist für die eine Ehre, eine Auszeichnung. Die fliegen jetzt Tausende von Kilometern von Europa hierher, um bei uns an unserem Startplatz hier zu fliegen. Da sind die überglücklich und extremst hilfbereit und bemuttern dich quasi den ganzen Tag, dass du hier bist und geben dir sämtliche Unterstützung, die du irgendwie brauchst.

1:07:15Lucian Haas

Wie kommen diese Lombokanischen, Lombokinischen, Lombok -Piloten überhaupt dazu, selber zum Fliegen zu kommen? Also wenn du sagst, es gibt keine Gleitschirmflugschulen und sonst irgendwie was, also wie kommen die da, die Locals, auf die Idee, überhaupt Gleitschirm zu fliegen? Die Gleitschirmfliegen

1:07:34Stephan Gradel

hat hier begonnen in Indonesien, ich glaube, auf Java. Java ist die Insel mit der größten Bevölkerungsdichte. Die Hauptstadt ist da oben. Da sind auch die meisten Universitäten und Krankenhäuser. Die größte Infrastruktur ist einfach auf Java. Und ich glaube, da hat auch die Gleitschirmfliegen begonnen. Ich weiß nicht, von wie vielen Jahren das her ist. Auf jeden Fall der Pilot auf Bali hier, der das älteste Tandem -Unternehmen hat, der ist hier schon vor Auffang. Und der hat auch 25 oder 30 Jahre geflogen. Also die Fliegerei ist hier auch schon relativ lang bekannt. Aber das waren eben auch nur ganz wenige vereinzelte Piloten, die keine Ahnung woher, die die Ausrüstung bekamen, die dann das hier eingeführt haben. Und irgendwann sind dann mal Piloten von Java nach Lombok rüber, um neue Startplätze zu suchen, ein bisschen Abenteuer und so weiter.

1:08:25Stephan Gradel

Und dann gab es eben irgendwelche interessierte junge Menschen auf Lombok. Die dann da drauf angesprungen sind. Die dann gesagt haben, okay, das will ich auch irgendwie lernen und probieren. Und so hat sich die Fliegerei dann von Insel zu Insel ein bisschen weiter verbreitet. Wobei auf Lombok gibt es nicht mehr wie, ich sage jetzt mal, 10 oder 15 Piloten.

1:08:47Lucian Haas

Die sich einen Startplatz teilen oder von denen jeder seinen eigenen Startplatz hat, so ungefähr?

1:08:51Stephan Gradel

Auf Lombok gibt es eigentlich massenweise Startplätze. Von der Beschaffenheit her ist Lombok nicht so sehr tropisch bewachsen wie Bali. Von der Beschaffenheit her ist Lombok nicht so sehr tropisch bewachsen wie Bali. Da gibt es im Küstennähe extrem viele kleine Berge und Hügel, wo man fliegen kann. Und es gibt auch, ich weiß gar nicht wie viele, fünf, sechs oder mehr Startplätze, die regelmäßig beflogen werden, die auch gut in Schuss gehalten sind und immer gepflegt werden.

1:09:20Lucian Haas

Und ist das Fliegen dort eigentlich immer ein lokales Fliegen? Also dieses Surren an einem Ding oder Abgleiter oder halt lokales bisschen Thermikfliegen? Oder gibt es auch Leute, die wirklich fliegen? Oder die wirklich dort auf Strecke gehen? Also auf Lombok geht

1:09:34Stephan Gradel

das nicht. Da ist es lokale Thermik und Soaring.

1:09:40Stephan Gradel

Inseln, wo man wirklich auf Strecke gehen kann, ist eigentlich nur Java und die Insel Sulawesi. Das hängt erstens mal mit der Größe der Insel zusammen. Und zweitens mal, dass eigentlich von allen, so gut wie allen Fluggebieten, irgendwo ein größerer Flughafen in der Nähe ist. Das ist das Hauptproblem hier. Auf Lombok ist ein internationaler Flughafen, auf Zimbabwe, hier auf Bali, auf Java, überall sind internationale Flughäfen. Wenn es hier Lufträume gäbe, dann dürfte man hier so gut wie nirgends fliegen. Es gibt aber keine Lufträume in Indonesien. Klingt komisch, ist aber so.

1:10:21Lucian Haas

Das heißt aber auch, ich nehme mal an, dass so 70 Prozent der Fliegerei eh in Küstennähe und Surren und so weiter stattfindet, dass man sagen würde, da sind eh keine großen Verkehrsmaschinen unterwegs.

1:10:31Stephan Gradel

Naja gut. Hier auf Bali, in der Küste, wo wir jetzt fliegen, da sind wir Luftlinie vom Flughafen entfernt. Das könnten so 20 Kilometer sein. Wenn überhaupt. Wahrscheinlich weniger. Also wir sind schon sehr nahe dran am Flughafen. Und wenn es Lufträume gäbe, dürften wir hier wahrscheinlich nicht fliegen. Aber wie gesagt, es gibt hier keine Lufträume und dementsprechend kann man so gut wie überall fliegen. Es gibt mündliche Absprachen mit den Flughafenbetreibern. Hier ist sämtliche private, also zivile und auch kommerzielle Luftfahrt übers Militär geregelt. Das heißt, auch der internationale Flughafen auf Bali hier ist der Airbase, dem Militär unterstellt.

1:11:16Stephan Gradel

Und die haben eigentlich die Hand über sämtliche Fliegerei, was hier in Indonesien passiert. So, wenn man jetzt irgendwo auf Lombok oder wo auch immer einen neuen Startplatz offiziell machen will, theoretisch, geht man einfach irgendwo hin und fliegt, ja. Aber wenn man da trotzdem jetzt vielleicht an Tandem fliegen will, kommerziell, oder Gäste hinbringen will, einen Startplatz aus dem Boden stampfen, dann trifft man sich mit denen an einen runden Tisch. Und dann wird ein bisschen besprochen, wie gefährlich ist es, wie nah sind wir am Flughafen dran, was dürfen wir und was dürfen wir nicht. Und dann wird halt beschlossen, wenn ihr da fliegt, dann fliegt nicht in diese Richtung, sondern nur in die andere Richtung und dreht nicht weiter auf als 500 Meter über den Startplatz, als Beispiel jetzt, und dann dürft ihr dort fliegen und fertig ist.

1:12:05Stephan Gradel

So sind hier die Luftregularien geregelt.

1:12:10Lucian Haas

Musstest du für deine Touren auch irgendwelche Absprachen treffen? Absprachen musste ich nicht treffen,

1:12:15Stephan Gradel

aber wir involvieren immer lokale Piloten, wenn wir irgendwo hingehen. Also wenn wir mit unseren Touren jetzt dann rüber nach Lombok gehen, dann texte ich denen schon vorher, pass auf, nächste Woche an dem und dem Tag sind wir bei euch zum Fliegen. Dann wissen die Bescheid und alles ist gut. Es ist immer wichtig hier, dass die lokalen Piloten ein bisschen Bescheid wissen.

1:12:38Lucian Haas

Aber die sagen dann auch immer, ihr seid jederzeit willkommen.

1:12:41Stephan Gradel

Ja, ja, absolut,

1:12:43Lucian Haas

absolut. Du bist jetzt 54, siehst du dich selber auch in Indonesien bleiben oder hast du Pläne, irgendwann vielleicht doch noch nach Deutschland zurückzukommen?

1:12:56Stephan Gradel

Nö, ich sehe mich schon hier bleiben. Also in Indonesien möchte ich irgendwann begraben werden. Das ist für mich jetzt meine Heimat. Ich habe zwar noch eine Postadresse in Deutschland, aber für mich ist Indonesien meine Heimat. Hier habe ich Freunde, Familie, von meiner Frau her. Das ist der Platz, wo ich sein möchte.

1:13:20Lucian Haas

Und gibt es Dinge, wo es dich manchmal zurückzieht, dass du sagen würdest, oh, Kösten würde ich gerne auch nochmal fliegen, auch wenn das jetzt vielleicht eine schlechte Erinnerung ist, aber irgendwas, wo du sagst so, die Alpenfliegerei hat ja doch was Schönes, was ich hier in Indonesien nicht haben kann?

1:13:35Stephan Gradel

Ja, das sind aber nur kurze Momente. Also wenn man irgendwo Social -Media -Freunde sieht oder Bekannte, die jetzt irgendwo in den Alpen unterwegs sind, die einen schönen Flug haben, irgendwo in den Dolomiten oder was auch immer, sagt man natürlich, das war schon eine geile Zeit, dort aufzufliegen, war schon schön alles. Aber das sind nur ganz kurze Momente. Das ist jetzt nicht so, dass ich irgendwie da wieder Reisefieber bekomme oder Heimweh, so stark ist es nicht.

1:14:04Lucian Haas

Was hättest du noch an interessantem oder für dich spannendes Projekt für Indonesien, wo du sagst, da würde ich gerne nochmal fliegen?

1:14:11Stephan Gradel

Ja, das ist schön, dass du das jetzt ansprichst.

1:14:17Stephan Gradel

Wir planen gerade eine neue Tour für nächstes Jahr. Vor unserem Gespräch war ich da gerade wieder drüber gesessen. Und zwar eine Tour nach Sumatra. Sumatra ist eine sehr große Insel westlich von Java. Die nordwestlichste Insel von Indonesien, auf der Höhe von Singapur sind die schon. Die sechstgrößte Insel weltweit. Ungefähr ein Drittel größer als Deutschland. Aber weitaus weniger Einwohner. Und da planen wir für nächstes Jahr eine Gleitschirmreise dorthin zu machen. Zwei Touren im August und September. Da sind wir gerade beinzusammen. Das ist schon ein bisschen mehr Planung erforderlich.

1:15:04Stephan Gradel

Da gibt es auch ausgewiesene Startplätze und Fluggebiete. Aber Sumatra ist ganz speziell von der Natur her. Also auf Sumatra gibt es, wo wir bei der Tour auch hingehen, noch wirklichen Regenwald. Mit Orang -Utans, Elefanten, Tigern und sonstigen Getieren. Da gehen wir während unserer Tour auch in den Dschungel rein. Für drei Tage. Übernachten im Dschungel. Haben da Guides vor Ort. Die uns dann alles erzählen und erklären. Und ein bisschen was beibringen im Dschungel. Das ist ein richtiges Abenteuer. Und was auf dieser Tour noch dabei ist. Sumatra, eine vorgelagerte Insel. Die nennt sich Mentawai.

1:15:50Stephan Gradel

Da gibt es den ältesten Tribe, Kulturstamm von Indonesien. Das ist der Mentawai Tribe. Und die leben heute noch so, wie sie vor hunderten von Jahren gelebt haben. Also die gehen ihre traditionellen Ländenschurz und ihre Bemalung und so weiter. Die gehen auch heute noch mit Blasrohren und Giftpfeilen in den Dschungel rein. Und schießen ihr Abendessen. Was das auch immer ist. Irgendwelche Vögel oder Affen. Und die leben immer noch so als Jäger und Sammler. Und da gehen wir auch hin. Über drei bis vier Tage zu denen in den Dschungel. Auf einer Insel, die vorgelagert ist an der Westküste. Da braucht man schon einen ganzen Tag, um da überhaupt hinzukommen. Und das wird eben eine ganz spezielle Tour.

1:16:36Stephan Gradel

Und es ist aber auch Fliegen dabei. Da ist unter anderem ganz am Anfang Gleitschirmfliegen. Am größten Kratersee der Welt fliegen wir da. Und auf der Westseite sind ein paar gute Fluggebiete mit Thermik und auch Soaring. Und das ist alles in drei Wochen eingepackt.

1:16:51Lucian Haas

Das klingt sehr spannend. Dann hoffe ich mal für dich, dass das von den Plänen auch so aufgeht. Dass das tolle Touren werden. Auch die anderen Touren, die du anbietest. Die Internetseite von dir werde ich in den Shownotes verlinken. Dann können die Leute sich dort angucken, was du an zwei Wochen und drei Wochen Touren über ein, zwei, drei, vier verschiedene Inseln, wenn man jetzt Sumatra dazuzählt, dann irgendwie dann anbietest.

1:17:16Stephan Gradel

Sehr schön.

1:17:17Lucian Haas

Vielen Dank für deine Erzählung. Und dir noch alles Gute in Indonesien. Mögest du gesund bleiben. Und die ganzen Touren so führen können, dass die auch alle, die dort hinkommen, die Begeisterung, die du für Indonesien hast, dann genauso zu spüren bekommen.

1:17:32Stephan Gradel

Ich danke dir, Lucian Haas du auf mich zugekommen bist und mir das angeboten hast. Und ich fühle mich geehrt. Ich sage herzlichen Dank zu dir.

1:17:49Lucian Haas

Das war die Episode Nr. 130 von Podz-Glidz mit Stefan Gradl. Seine Internetseite findest du unter paragliding -indonesia.org. In den Shownotes im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz, habe ich noch einige weitere Links zusammengesteckt. Wenn dir die Folge gefallen hat, dann abonniere doch Podz-Glidz. Das geht überall, wo es Podcasts gibt. Wenn du dort auch noch ein positives Rating hinterlässt, hilfst du mit, Podz-Glidz noch bekannter zu machen. Oder erzähle direkt deinen Pflegerfreunden davon. Podz-Glidz und Lu-Glidz sind frei von bezahlter Werbung. Ich halte das so aus Überzeugung und im Sinne der Unabhängigkeit. Dennoch stecken viel professionelle Arbeit und natürlich auch Kosten in diesen Angeboten. Um sie zu finanzieren, setze ich auf das Konzept der freiwilligen Unterstützung.

1:18:38Lucian Haas

Wenn du bis hierhin zugehört hast, sollte der Podcast ja einen Mehrwert für dich haben. Als Förderer kannst du einfach etwas zurückgeben. Den Betrag kannst du selbst bestimmen. Ein häufig gewählter Förderbeitrag sind übrigens 60 Euro im Jahr oder umgerechnet 5 Euro im Monat. Aber egal was du zahlst, jeder Betrag trägt seinen Teil dazu bei, dass sich Podz-Glidz und Lu-Glidz im Dienste der Gleitschirmszene auch in Zukunft betreiben und weiterentwickeln kann. Dafür sage ich danke. Alle nötigen Informationen, wie dein Förderbeitrag mich erreicht, findest du auf www.Lu-Glidz.blogspot.com. Dort gibt es den Menüpunkt Fördern. Lu-Glidz schreibt sich Lu-Glidz.

1:19:24Lucian Haas

Bis zum nächsten Mal. Fall nicht vom Himmel. Ciao.

·top