Das habe ich mich auch schon mal gefragt. Ich kann es nicht beantworten, weil das wäre spannend zu sehen. Was ist, wenn ich an den Bergen oder in den Bergen wohnen würde? Würde ich weniger bloggen und weniger podcasten, wenn ich mehr zum Fliegen käme? Das weiß ich nicht. Es sind für mich eigentlich auch zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe. Es beschäftigt sich zwar mit derselben Sache. Es geht immer ums Gleitschirmfliegen. Aber im Grunde sind es zwei unterschiedliche Hobbys, weil das eine ist das Hobby, der Erklärbär zu sein, so ungefähr. Und das andere ist das Hobby, ich fliege für mich.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des
Gleitschirmfliegens. Heute mit mir als Gast in meinem eigenen Podcast. Und
ich bin Stefanie Westerhals, Gesprächspartnerin aus dem Podcast Nr. 106.
Für diese Jubiläumsfolge 150 von Podz-Glidz habe ich einfach mit Stefanie mal die Rollen getauscht. Und damit übergebe ich die Gesprächsleitung. An Sie.
Lucian Haas ist der bekannteste Gleitschirm-Blog und Podcast -Host im deutschsprachigen Raum. Sein Blog Lu-Glidz» wird bald 20 Jahre alt. Und auch der Podcast Podz-Glidz» feiert seinen 150. Geburtstag. Zu diesem Anlass habe ich ihn angefragt, ob er denn nicht Lust hätte, den Hörerinnen und Hörern einmal einen Einblick in sein eigenes, gleitschirmgeprägtes Leben zu gewähren. Er erzählt, wie er nur dank seiner Frau Saskia überhaupt mit dem Fliegen begonnen hat. Wir sprechen darüber, wie er sich im Selbststudium ein riesiges Wissen über Flugmeteorologie angeeignet hat. Wir gehen der Frage nach, wie viel Zeit er eigentlich in Blogs und Podcasts investiert und ob er irgendwann Werbung in die Podcasts einbaut, um seine Arbeit besser finanzieren zu können.
Zudem gibt er Tipps, wie man herausfindet, ob ein Testschirm gut passt und teilt seine Gedanken zu Zweileinern. Und schliesslich verrät er auch, wie er sich für seine Arbeit beschäftigt. Er erzählt auch noch, was er selbst schon lernen konnte aus seinem Podcast.
Ich finanziere Podz-Glidz» und «LooGlides» übrigens allein über Förderbeiträge meiner Hörer und Leser. Wenn du auch dabei sein willst, so findest du alle nötigen Infos auf dem Gleitschirm-Blog «LooGlides» und dort auf der Seite «Fördern».
Ja, hallo Lucian. Ja,
hallo Stefanie. Bist du nervös? Äh, ein bisschen. Also ich bin vor allem gespannt. Mal sehen, was du daraus machst. Normalerweise bin ich auf dieser Seite des Fragenden. Normalerweise bin ich auf dieser Seite des Fragenden. Und jetzt mal selber ausgefragt zu werden. Hm, mal sehen.
Ich habe gedacht, ich steige mal ein. Also wir wissen alle, du bist Wissenschaftsjournalist, du bist ein Podcast -Host, du schreibst Blogs. Aber welche Art Pilot bist du eigentlich?
Ich bin auf jeden Fall ein Pilot, der a sehr gerne fliegt, der versucht viel zu fliegen, der es dort, wo er wohnt, nämlich in Bonn, und das ist so eher Mittelgebirgsregion und sowas, nicht so viele Flugstunden zusammen kriegen kann, wie ich das in den Alpen wahrscheinlich zusammen kriegen würde. Trotzdem auf relativ viele Starts dann entsprechend noch komme, weil manche Flüge bei uns nur drei Minuten dauern und da muss man schon wieder schnell hochrennen und dann startet man nochmal am selben Tag, wo man woanders stundenlang dann fliegen würde. Und ich bin ein Pilot, der, ich glaube, wahrscheinlich relativ gut fliegt, aber überhaupt nicht leistungsorientiert ist. Ich mache zwar gerne Streckenflüge, aber am Anfang meiner Karriere war das noch spannend, sozusagen auf die Punkte zu gucken und sonst was. Und ich lade zwar meine Flüge auch irgendwo hoch, aber ich bin ein Pilot, der sich da auch immer auf die Punkte kümmert. Aber nicht, um in irgendwelchen Rankings dann irgendwo oben hinzukommen, sondern ich bin wirklich mehr der Genussflieger, der auf Strecke fliegt.
Also es ist jetzt nicht, dass ich sage, ich kurve nur da irgendwie so ein bisschen wo rum. Und ich bin vor allem auch einer, das hat aber auch viel mit meiner Schirmtesterei zu tun, ich bin einer, der viel gerne ausprobiert. Sowohl was die Schirme dann betrifft, aber auch was so, wie sind denn hier die Strömungsverhältnisse? Mich interessiert einfach mal, wie ist jetzt dort drüben, geht da wirklich die Thermik so ab oder nicht? Ich habe verschiedene Thermikmodelle im Kopf und teste sowas manchmal häufig gerne durch. Und fliege dann gar nicht die große Strecke, sondern mache ich mal eine Thermik fünfmal an, um dann verschiedene Sachen auszuprobieren.
Welchen Schirm fliegst du jetzt, wenn du selber für dich fliegen gehst?
Ich würde sagen, 70 Prozent meiner Flüge im Jahr mache ich echt mit Testschirmen. Und den Schirm, den ich für mich noch habe, das ist fast eher so der Winterschirm. Und das ist ein Skyman Cross Country 2, den habe ich jetzt allerdings schon einige Jahre. Und gekauft habe ich den damals. So ein super easy Handling hat. Leichtes, ich wollte mal was Leichtes auch für Hike and Fly haben. Und der ist jetzt auch nicht hyperleistungsorientiert oder sonst was. Aber das ist der, den ich immer in den Pausen fliege, wenn ich gerade keinen Testschirm da habe. Aber wie gesagt, eigentlich ist so in der thermischen Zeit des Jahres habe ich fast immer einen Testschirm da. Und dann fliege ich immer abwechselnd was anderes.
Und wie läuft das so ab mit dem Testen? Also wie hast du damit angefangen und wie geht sich das mittlerweile aus? Kriegst du einfach die Schirme zugeschickt en masse und dann musst du dir irgendwie Zeit freischaufeln, damit du überhaupt dazukommst, die zu fliegen? Oder schaust du, was kommt raus und dann gehst du proaktiv auf die Händler zu und sagst, könnt ihr mir den bitte schicken?
Zum einen, also angefangen hat das damit, dass ich irgendwann gesagt habe, ich könnte ja auch mal auf meinem Blog einen Schirmtest schreiben. Und dann habe ich gesagt, ich will mir demnächst einen neuen Schirm kaufen. Das war, wann habe ich angefangen? Vor über zehn Jahren habe ich mit den Tests angefangen. Da habe ich gesagt, ich will einen neuen Schirm kaufen. Ich teste jetzt einfach so ein paar Modelle durch und schreibe dann auch was da drüber. Ich glaube, meine ersten Tests, die lesen sich zwar vielleicht auch ganz gut, aber damals war ich noch lange nicht so erfahren, auch was das Testen betrifft und worauf es mir dann ankommt und was eigentlich das Wichtige ist.
Da konnte man, also ich glaube, die Leute konnten auch schon was damit anfangen. Aber heutzutage, wo ich viele, viele Modelle getestet habe, ich halt einen viel besseren Vergleich auch im Kopf habe. Also wie fliegt dieser im Verhältnis zu einem anderen Schirm oder Typschirme, die es so gibt. Zu den Testschirmen komme ich zum einen damit, dass manchmal Hersteller mich anschreiben oder anrufen und sagen, Lucian, wir haben hier gerade den neuen Schirm XYZ, hast du Lust, den mal zu testen? Das ist die eine Variante. Die andere Variante ist, dass ich den Hersteller anschreibe, weil ich versuche auch immer so ein möglichst breites Bild mir zu machen, was gibt der Markt gerade her. Wobei ich noch dazu sagen muss, ich teste. In der Praxis eigentlich fast, oder nicht fast, sondern eigentlich nur noch B -Schirme.
Zum einen, weil ich selber in der Klasse zu Hause bin und das fliege. Ich fliege zwar auch mal schon mal einen C -Schirm und gucke mal, wie das so ist. Aber ich möchte für die Testerei eigentlich einen so möglichst breiten Marktüberblick haben. Und wenn ich jetzt sagen würde, ich teste mal einen B -Schirm, ich teste mal einen C -Schirm, zwei Liner, dann teste ich mal wieder einen A und dann nochmal einen leichten D oder was auch immer. Dann könnte ich gar nicht für die einzelnen Schirme. Ich könnte für die einzelnen Schirme eine vergleichende Aussage machen, weil die einfach von dem Typ her so unterschiedlich sind. Aber wenn ich jetzt sage, ich teste hauptsächlich B -Schirme, da gibt es auch Riesenunterschiede zwischen einem Low -B und einem High -B und sonst was. Aber trotzdem habe ich so viele mittlerweile getestet, dass ich da so ein gutes, wie so einen guten Erinnerungsvergleichspool habe, um zu sagen, was kann der gut, was kann der nicht so gut, was gefällt mir, was gefällt mir nicht so gut an denen.
Und so ist es dann halt. Es gibt die Hersteller, die ich dann anschreibe und sage. Ich hätte Interesse an dem und dem Schirm. Ich habe auch meistens so eine Liste von Schirmen, die ich interessant fände für den Markt oder wo ich denke, da ist ein neues Feature dran. Ich möchte einfach mal mitkriegen, ob ich davon was spüre. Macht das irgendwie was? Also suche ich mir danach die Hersteller auch aus und schreibe die dann an. Aber dann ist auch nicht jeder Hersteller, der sofort Hurra schreit und sagt, ja, Lucian, wir schicken dir den Test dazu.
Sondern es gibt auch einige, die sagen, ja, wir haben aber, ich meine, die haben auch nur relativ kleinen Pool. An Testschirmen da. Und ich bin halt einer, der sagt, ja, ich möchte jetzt nicht nur das Wochenende den Schirm haben, sondern ich will den etwas länger haben, weil ich den wirklich gründlicher testen will. Und dann ist noch der Punkt, dass ich halt eben nicht in den Alpen wohne, sondern hier in Bonn und so zwar auch in die Alpen reinfahre, aber nicht so regelmäßig auch immer die besten Streckenflugbedingungen und Thermikflugbedingungen und sowas habe. Von daher dauert ein Test bei mir auch schon mal ein paar Wochen, wenn das Wetter auch noch scheiße ist, wie es jetzt in diesem Jahr zum Beispiel im Frühjahr ganz viel war. Das hat sich alles sehr lange hingezogen. Dann muss ich halt den Herstellern sagen, ja, ihr müsst eigentlich den Schirm mindestens vier Wochen entbehren können.
Und dann winken ein paar von denen schnell ab oder sagen, ja, frag uns nochmal im Herbst, wenn die Haupttestsaison vorbei ist oder sowas. Also da muss man immer so ein bisschen hin und her spielen. Aber wenn man hin und her spielt und die verschiedensten Hersteller auch hat, gibt es meistens immer irgendeinen, der doch gerade etwas frei hat, wo ich dann sage, okay, dann nehme ich den jetzt als nächstes. Und so ist dann fast die ganze Thermik -Saison durch bis auf kurze Zwischenpausen. Ich habe selten wirklich Überlappungen, dass zwei Schirme gleichzeitig bei mir liegen, versuche ich auch zu vermeiden. Es gibt so kurze Phasen, wo ich dann am Wochenende nochmal mit meinem eigenen Schirm fliegen gehe und dann fliege ich wieder die anderen. Wobei das mit dem eigenen Schirm fliegen gehen ist auch immer ganz gut, um wieder Referenz so ein bisschen sich selber abzugleichen, zu sagen, ah, jetzt war, ah, okay, ja, stimmt dann doch schon wieder.
Ist es schon mal vorgekommen, dass du einen Schirm erhalten hast? Und den geflogen bist und dann dachtest du, das ist einfach nicht mein Schirm und dann hattest du dich gar nicht dafür, überhaupt eine Referenz dazu zu schreiben, weil du ja nichts ganz Schlechtes dazu schreiben möchtest.
Einmal ist es vorgekommen, wobei es mir leid tat, dass es vorgekommen ist, weil ich glaube, dass ich dem Schirm wahrscheinlich nicht gerecht geworden bin. Ich habe, das war jetzt nicht in den letzten Jahren, sondern es ist schon ein bisschen eine Weile her. Ich habe mit der Zeit gelernt. Also für mich, also es gibt viele Schirme, da fliege ich den ersten Flug mit und denke so, oh Gott, was ist das denn? Oh, wie, der geht jetzt hier gar nicht um die Ecke und sonst irgendwie was. Dazu muss ich sagen, gerade bei uns im Flachland, wir haben so einige Starthügel, da hast du eine Chance, um in eine Thermik reinzukommen. Wenn du diese Thermik nicht erwischst und nicht mit dem ersten Kreis im Grunde in der Thermik drin bist, dann hast du verloren, dann stehst du unten. Einfach, weil wir nicht die Höhe entsprechend haben und wir haben keine Alternativthermik.
Die wir noch anfliegen können. Und dann ist es halt, wenn du rausfliegst, den Flug, den Schirm noch gar nie vorher geflogen bist und den ersten Kreis machst. Und du fliegst ihn natürlich noch im Grunde mit der Steuertechnik, die du gewohnt bist oder die du von den davorigen Schirmen dir angewöhnt hast für die Phase, wo ich mit dem geflogen bin. Und dann passiert es, dass ein Schirm kommt, der gar nicht zu dem passt. Davor war vielleicht einer, den musste man immer aus ein bisschen anbremsen, sonst tauchte der immer gleich weg. So fliege ich dann mit dem nächsten auch. Und der verträgt außen anbremsen überhaupt nicht und geht gar nicht mehr ums Eck. Und ich leite eine Kurve ein und denke ja, wann kommt denn die Kurve? Um dann festzustellen, oh Gott, da werde ich ja keinen Spaß haben mit diesem Schirm. Aber um dann mit mehr Flügen dann irgendwann zu merken, ah ok, nein, wenn du bei dem die Außenbremse ganz aufmachst und die Kurve mit einem kleinen Kick mit Gewicht einleitest,
dann stellt er sich plötzlich wunderbar in die Kurve und man kann auch die Thermiken relativ eng auch damit da noch auskurbeln. Aber das sind Erfahrungssachen, die ich auch erst mit den Jahren gelernt habe und immer mehr gelernt habe, wie man sich eigentlich an all diese verschiedenen Schirme steuertechnisch immer ein bisschen anpassen muss. Und wenn man das macht, dann auch ganz häufig feststellt, so richtig Kack -Schirme, wo ich sage, den würde ich gar nicht fliegen wollen, gibt es eigentlich nicht. Es sei denn, es gibt Schirme, wo du schon mal merkst, eigentlich sind die ganz gut, aber die haben so bestimmte kleine Macken. Beispiel. Beispielsweise du hast einen Schirm, der fliegt wunderbar, aber der hat immer die Tendenz zum Überschießen am Start. Ist mittlerweile weniger geworden, weil die meisten Schirme heute Profile haben, die doch sehr, sehr viel wegdämpfen und nicht so vorschießen, nicht so vornicken.
Aber es gab eine Weile welche, die in der Thermik super toll geflogen sind, aber am Start musstest du die immer fürchterlich einbremsen, zurückhalten, sonst irgendwie was machen. Und das waren dann Sachen, wo ich gesagt habe, ok, deswegen gebe ich jetzt den Schirm nicht zurück. Dann schreibe ich das aber auch. Dann schreibe ich das auch halt entsprechend in meinen Testbericht rein. Wobei ich über die Jahre auch festgestellt habe, es wird eigentlich immer schwieriger, so richtige Macken bei den Schirmen zu finden. Also offenbar ist die Entwicklung auch von der Software und so weiter immer so viel weitergegangen, dass man so richtige Schirme, wo ich sagen würde, nee, die würde ich auch keinem empfehlen oder sonst was, also nicht als Ganzes empfehlen, sondern grundsätzlich davon abraten, hatte ich in den letzten Jahren eigentlich gar nicht mehr.
Würdest du sagen, dass die Schirme mittlerweile alle sehr ähnlich sind und sich auch alle nicht mehr so viel weiterentwickeln oder ist es gar nicht so?
Nein, es ist gar nicht so. Wobei ich würde mal sagen, der Range der Unterschiede ist etwas schmaler geworden. Also früher gab es wirklich Schirme, die echte Leistungskrücken waren und andere, die leistungsmässig wirklich schon weit voraus waren. Aber heute ist es eigentlich... Es ist eigentlich so, dass wenn du einen modernen High -B -Schirm kriegst von egal welchem Hersteller, natürlich gibt es da noch deutliche Leistungsunterschiede, aber dieser Range ist deutlich schmaler geworden. Wahrscheinlich auch deswegen, weil nach oben raus kann man gar nicht mehr so viel mehr rausholen und von unten her nähern die sich, auch die vielleicht nicht so sophisticated Schirme, nähern sich diesem Durchschnitt dann irgendwie an und sind dann leistungsmäßig da besser.
Wo es schon noch Unterschiede gibt, ist einfach... Es ist einfach wirklich im Handling und da hat so jeder Hersteller und teilweise auch von Schirm zu Schirm oder je nachdem, welche Testpiloten das sind, merkst du, die haben so typische Einstellungsweisen, wie die die Bremse einstellen. Diese Unterschiede merkt man dann wirklich auch im Flug und da ist es aber wirklich so, jede Bremseinstellung braucht eine andere Steuerweise. Wie ich vorgesagt habe, manchmal musst du halt mit der Außenbremse eingreifen, manchmal musst du die Außenbremse immer laufen lassen. Es gibt manche, wo du merkst, okay, der geht nicht. Der geht nicht sofort, sofort ums Eck, weil eben zum Beispiel der Außenflügel nach außen hin wenig angebremst wird, sondern die erste Bremswirkung eher so in der Mitte des Flügels oder Mitte des halben Flügels, des Seitenflügels so einsetzt.
Die werden nicht ganz so zackig erstmal ums Eck gehen, aber wenn du ihnen die halbe Sekunde mehr gibst, wird das eigentlich ganz genauso besser. Das sind so Sachen, wo ich schon sagen würde, da gibt es noch deutliche Unterschiede zwischen den Herstellern oder zwischen......den Schirmen. Ist aber auch sehr gut, weil man so denke ich auch wirklich die Auswahl hat. Also für die Leute, die Schirme kaufen, zumindest wenn sie in einem Gewichtsbereich sind, wo es viel Auswahl gibt, dann haben sie auch wirklich Auswahl, wo man sagen kann, da kann ich nach meinen Vorlieben auswählen. Ich will einen gesprächigen Schirm oder ich will einen sehr ruhig dahingleitenden Schirm. Ich will einen, der sehr zackig ums Eck kommt oder einer, wo du sagst, nee, brauche ich gar nicht. Ich soh da nur gemütlich rum oder sonstiges.
Ich will gar nichts, was in irgendeiner Weise eine Aufregung an mich als Pilot vermittelt. Ich will so ruhig dahin fliegen wie möglich, dann fühle ich mich am wohlsten in der Luft und habe auch am meisten Spaß. Und da gibt es mittlerweile, würde ich sagen, wirklich große Auswahl.
Hast du ein paar Tipps, was man machen kann, wenn man jetzt einen neuen Schirm sucht und dann nimmt man mal einen Testschirm oder die meisten haben ja dann nicht die Gelegenheit, zehn Schirme zu testen. Man kann vielleicht einen oder zwei auftreiben und dann macht man den ersten Flug und dann ist man sich nicht so sicher. Ja, ist das jetzt der Schirm oder habe ich einfach noch nicht so richtig herausgefunden, wie eben zum Beispiel der Bremsimpuls funktioniert. Also was kannst du empfehlen, damit man dahin kommt, dass man den Schirm lernt richtig zu steuern, so in ein paar wenigen Flügen und dann entscheiden kann, das gefällt mir oder das gefällt mir nicht.
Der große Tipp, den alle immer haben, Ground Handling, Ground Handling, Ground Handling. Also wenn ich einen neuen Schirm kriege, versuche ich, einen Schirm erstmal Ground Handling mässig. Zu testen und man kann beim Ground Handling auch schon sehr, sehr viel mitbekommen. Allein schon, okay, ganz viel das Aufziehverhalten, das Verhalten davon, das ist wirklich Aufziehen mit verschiedenen Techniken, auch verschiedener Geschwindigkeit, wo ich mal sage, okay, ich ziehe jetzt deutlich an den Ahr, wie reagiert der Schirm dann? Klappt er dann vorne ein oder schießt er dann schnell hoch oder macht das trotzdem alles noch ganz gemütlich? Ich lasse die Ahr vollkommen lang. Ich lasse die Ahr vollkommen lang, ziehe eigentlich nur mit Körpergewicht hoch. Kommt der Schirm dann überhaupt hoch?
Kommt er ganz gerade hoch? Oder viele Schirme, wenn du sie einfach von dem, wie sie runtergefallen sind, wirklich nur mit Gewicht, diesem Gewichtsimpuls aufziehst, je nachdem wie flach und gestreckt oder wie auch immer die Leinenanlenkung da ist, gibt es halt viele, die dann in der Mitte abknicken und dann die Ohren ein bisschen früher kommen, bevor die Mitte dann wieder hochswitcht. Sowas einfach testen, um dann zu merken, okay, welche... Schwierigkeiten kann mir so ein Schirm vielleicht beim Start machen. Man kann auch am Boden schon einfach mal, wenn der Schirm groundhandling -mäßig über einem steht, wirklich mal langsam die Bremse beidseitig runterziehen und einfach mal die Hinterkante angucken und gucken, wo setzt denn der erste Bremsimpuls oder der erste Bremsauslenkung, wo setzt die an?
Ist das über die ganze Spannbreite? Ist das nur in der Mitte von jeder Flügelhälfte? Ist das betont eher auf dem Auge? Und davon kann man mit ein bisschen Erfahrung oder sowas so ein bisschen was für sich ableiten, wie schnell ein Schirm wahrscheinlich dann auch reagieren wird in der Luft. Und das kann mich dann, wenn ich später fliegen gehe und gesehen habe, okay, das ist ein Schirm, der eigentlich gefühlt, so was ich so sehe, eher die Außenflügel anlenkt als die Schirmmitte. Das ist dann etwas, wo ich dann sage, jetzt leite ich mal einfach eine Kurve ein und guck mal, wie schnell er dann wirklich mit der ganz einfachen Kurveneinleitung... Ohne Gewichtsverlagerung, wie gut er dann schnell wegdreht. Und das sind so Sachen, wo man das ein bisschen abschätzen kann und vergleichen kann.
Das habe ich gesehen, das habe ich schon erwartet. Macht er das dann auch? Was ich dann aber auch immer interessant finde, gerade wenn man eine Thermik hat, die relativ gut fliegt oder gut steigt und so eine Hausthermik, die immer da ist, dass man auch mit einem Testschirm nicht einfach sagt, ah, ich drehe auf und freue mich jetzt, ich will ja fliegen, sondern wenn man einen Testschirm hat, sollte man wirklich sagen, ich will den testen, um für sich herauszufinden, passt der oder nicht. Und dann auch wirklich mal sagen, okay, ich drehe diese Thermik aus mit der Technik, wie ich es immer mache, dann lasse ich mich daneben vielleicht wieder absinken, 200 Meter oder 300, dann fliege ich wieder in diese Thermik rein und versuche mal, ich probiere einfach mal eine andere Steuertechnik aus. Was heißt andere Steuertechnik? Okay, ich fliege jetzt mal Außenbremse völlig frei.
Was macht der Schirm dann? Pitscht der dann die ganze Zeit vor und ich muss die... Eigentlich habe ich das Gefühl, ich muss ihn steuern. Ständig, ständig abfangen. Ist mir das zu nervös oder nicht? Oder macht er trotzdem sehr ruhige Flüge, ruhige Kreise in dem Moment? Das sind lauter so Sachen, die man dann entsprechend ausprobieren kann. Was auch zu einem klassischen Testflug für mich dazugehört, ist einfach Nicken und Rollen. Das müssen keine hohen Wing -Over sein oder sowas, sondern einfach, um Schirme vergleichen zu können, zu sagen, okay, ich mache die Einleitung der Nickbewegung so gut es geht identisch und gucke mal, okay, wie schnell pickt so ein Schirm dann entsprechend dieses Vorschießen auf und wie schnell fängt er sich dann auch wieder ein, wenn ich es nicht noch weiter forciere.
Und genauso beim Rollen, wo ich sage, okay, ich rolle erstmal wirklich nur mit Gewicht und mache dieselben Rollbewegungen bei jedem Schirm und gucke mal, wie hoch kommt der eigentlich allein mit Gewicht ins Rollen und wie leicht ist der schon nach dem ersten und nach dem zweiten Rollen. Also wie gut lässt der sich aufschaukeln und dann sofort neutral gehen und wie schnell fängt er sich dann auch wieder ab. Das sind dann auch so Sachen, wo man viel davon ableiten kann, wie sich solche Schirme dann eigentlich auch in bewegterer Luft letzten Endes verhalten, also wie viel Nervosität sie einem selber dann auch vermitteln. Und das andere ist wirklich das Bauchgefühl, beziehungsweise im Gurtzeug sitzen und zu gucken, wie stark werde ich von diesem Schirm durchgeschüttelt oder wie viel Feininformation bekomme ich dann da eigentlich von diesem Schirm, überwiegend.
Und ist das etwas, was mir taugt? Also ich möchte gerne ganz viel Informationen haben. Oder ist es jemand, der sagt, nee, das ist mir zu viel. Wenn man einen Schirm fliegt und nach einer Stunde denkt, so jetzt ist mein Adrenalinspegel zu hoch, kann natürlich manchmal an Wetterbedingungen liegen, aber manchmal sind einfach die Schirme selber so viel gesprächiger als andere, dass wenn man damit noch nicht so viel Flugerfahrung hat, das für einen wirklich anstrengend werden kann. Und dann wäre das so etwas, wo man sich sagen würde, okay, dann wähle ich vielleicht auch lieber den Schirm, wo du dich gefühlt einfach angenehmer fühlst beim Fliegen, weil das macht dann letzten Endes auch mehr Spass.
Was sind so deine Gedanken zu der Entwicklung der Zweileiner? Es gibt ja seit ein, zwei Jahren viele C -Zweileiner. Bald kommen vielleicht die ersten B -Zweileiner. Freust du dich darauf oder siehst du dem ein bisschen mit Bauchweh entgegen? Was denkst du dazu?
Also ich glaube, dass die B -Zweileiner nicht kommen werden, zumindest nicht in nächster Zeit. Weil dafür müsste erst noch mal die ganze EN umgestellt werden. Und ich glaube, das will keiner wirklich forcieren derzeit. Deswegen wird einfach allein zulassungstechnisch werden, die B -Schirme alles Dreileiner bleiben, beziehungsweise sehr viel im High -B -Bereich. Diese Zweieinhalb -Leiner wird sich wahrscheinlich als Standard durchsetzen, dass der Außenflügel wie ein Zweileiner aufgehängt ist und der Mittelflügel wie ein Dreileiner. Und das sieht man jetzt, dass im Grunde fast alle Marken, die jetzt mit neuen High -Bs rauskommen, nicht alle, aber sehr, sehr viele in diese Richtung dann schon tendieren und die Schirme entsprechend so aufbauen.
Bei den C -Zweileinern, ich glaube, es ist eine, also von allem, was ich so höre und auch das, was ich mit Zweileinern schon geflogen bin, es ist wirklich ein bisschen andere Art der Fliegerei durch die sehr gute Steuerung über die B, ist aber eine für leistungsorientierte Fliegen eine tolle Form.
Und ist sicherlich etwas, aber was, also wo ich die Hauptprobleme sehe, ist eigentlich, dass du mit dieser Bauform der C -Zweileiner halt vieles schlechter trainieren kannst. Also es geht jetzt hauptsächlich um Sicherheitstrainings und wo man keine vernünftigen Klapper mehr ziehen kann und sonst was. Ich glaube, je länger man an Zweileiner fliegt und auch viele von diesen Manövern oder nicht Manövern, sondern von den Schirmreaktionen, die im Extremfall, die halt seltener sind, aber im Extremfall heftiger werden können, dass man das halt viel weniger noch trainiert. Und das ist so ein bisschen, da läuft so die Sicherheitsschere ein bisschen auseinander. Die Schirme werden stabiler und damit auf der einen Seite sicherer, auf der anderen Seite, wenn es mal abgeht, von allem, was ich so höre, reagieren sie dann in der Regel heftiger als entsprechende Dreileiner und
haben damit halt einfach einen deutlich höheren Anspruch, den Piloten sowas dann wieder abzufangen. Und von dem, was ich jetzt auch so höre, ich meine, die C -Zweileiner gibt es noch nicht so lange am Markt, aber das jetzt sich so ein bisschen abzeichnet, als ob da man schon sieht, dass die Unfallzahlen mit den C -Zweileinern im Verhältnis höher liegen als das, was man mit den C -Dreileinern vorher hatte. Und ist halt schon eine Aussage oder was, wo man ein bisschen genauer hingucken sollte und wo man, glaube ich, von der Erfahrung her auch wirklich da sagen wird, lass uns da nicht mit den Zweileinern, die dann in die B -Klasse gehen. Weil wenn die noch weniger erfahrenen Piloten auch noch weniger Trainingsmöglichkeiten haben, dann haben sie eigentlich gar keine Chance, sich auf solche Extremsituationen entsprechend einmal vorzubereiten.
Hattest du selber schon mal einen Unfall?
Nein, zumindest keinen, den man als richtigen Unfall bezeichnen würde. Ich hatte schon mal ein paar harte Landungen, auch was, wo dann die Ferse dann irgendwie noch den halben Tag danach wehgetan hat. Auch schon mal was, irgendwie eine Arschlandung, wo ich dann im Grunde vor den Protektor gerutscht bin und dann gemerkt habe, das hat jetzt schon einmal ordentlich im Rücken gezogen und dann hatte ich so ein bisschen Verspannung die nächste Zeit noch. Aber richtigen Unfall, bei dem ich mir dauerhaft was wehgetan habe oder ins Krankenhaus musste oder sonst irgendwas, hatte ich noch nie. Es gab einen Fall, das ist aber schon lange in meiner Fliegerkarriere her, da war ich mal in Norma, das ist in Italien ein Startplatz. Und da kam der Wind ein bisschen schräg und ich habe gedacht, da gibt es noch so einen Alternativstartplatz und das ist so ein bisschen klippenmäßig, sonst was.
Da ziehe ich mal auf, da hat es mich dann aber mit dem Seitenwind so weggerissen und hat mich ziemlich gegen einen dort stehenden Stein gedotzelt. Ich hatte dann ein schön aufgeschürftes Knie. War aber so, dass ich gedacht habe, da hat wahrscheinlich nicht viel an Energie gefehlt, dann hätte ich ein Schienenbein durchgehabt so ungefähr. So einfach vom Gefühl, der war auch ein dicker blauer Fleck später dann mal. Und das war für mich aber damals auch so ein bisschen leere, dass ich gesagt habe, nee, Lucian, an solchen exponierten Startplätzen mit Seitenwind oder so, das machst du nicht mehr. Und ich bin da schon ein sehr kopfiger Mensch an der Stelle, dass ich mir solche Regeln eigentlich selber auferlege und die dann eigentlich auch einhalte.
Du fliegst jetzt schon sehr lange. Hast du das Gefühl, es liegt einfach so in deinem Naturell, dass du so unterwegs bist, dass du nie einen Unfall gemacht hast? Oder hattest du einfach Glück? Oder bist du wirklich so jemand, der sich schon im ersten Flugjahr irgendwie ganz bewusst war, hey, das ist eine Risikosportart und ich setze mir diese und diese Regeln, damit ich immer unfallfrei bleibe?
Unfallfrei will jeder fliegen. Von daher, natürlich war das mein Ziel, unfallfrei zu fliegen. Ich bin sicherlich ein, ja, ich würde sagen, ich bin ein sehr bedachter Flieger. Das heisst nicht, dass ich ein risikoloser Flieger bin, aber mir schon überlege, was mache ich und manchmal auch, wenn ich jetzt kein großes Ziel irgendwo habe, dann auch sage, ich muss jetzt nicht in dieses Lee dort reinfliegen, von dem ich weiß, dass es ein Lee ist. Ich käme da wahrscheinlich hoch, aber muss ich jetzt nicht. Ich kann auch was anderes mit diesem Flugtag anfangen. Dann bin ich schon einer, der eher so mal reagiert. Ich habe ja auch vorher gesagt, ich bin nicht so der leistungsorientierte Flieger, der sagt, ich muss die Riesenstrecke jetzt fliegen. Ich habe einfach Spaß am Fliegen und am Ausprobieren. Was auch dazu kommt, ist, ich habe, sehr früh in meiner Fliegerkarriere gelernt oder erkannt, ich muss Meteo verstehen.
Ich will wissen, was da an Strömungstechnik oder strömungsmäßig in der Luft einfach so abgeht. Und habe mich da dann halt immer weiter auch reingefuchst. Und ich, da sehr, sehr viele Unfälle meteo -bezogene Unfälle sind, von dem, was ich so verfolge, würde ich sagen, mit einem guten Meteo -Verständnis und gleichzeitig auch der Einstellung, dass ich sage, wenn es zu Risiko oder das Risiko zu groß wird, dann halte ich mich eher zurück, dass ich damit eigentlich ganz gut gefahren bin. Und das sicherlich ein Punkt ist, warum ich noch keinen Unfall als solchen hatte. Wobei ich genauso sagen muss, das war vor einem Jahr oder vor zwei Jahren,
bin ich mal gestartet und hatte dann auch festgestellt, ich hatte die Beingurte nicht zu. Also ich bin nicht gestartet, sondern ich habe das im Startlauf, noch gemerkt und habe sofort dann abgebrochen. War auch so eine klassische Situation, bla bla bla, am Startplatz, zehn andere Leute, man quatscht. Und dann kam einer noch an und fragte mich was und ging wieder weg. Und bups, ich habe mich ablenken lassen von meiner eigentlich sehr akribischen Startroutine und hatte dann ein Gurtzeug, bei dem man nicht, der Beinsack war geschlossen und da sah man nicht, dass diese Beingurte noch offen war. Und dann laufe ich halt los und merke, das zieht da hinten mir das Gurtzeug hoch. Ich habe sofort die Bremsen runtergerissen. Und bin dann so ein bisschen in den Brombeeren unten dann halt wieder runtergekommen. War alles safe, war alles gar nicht, überhaupt nicht schlimm.
War aber für mich auch nochmal so ein Hallo wach zu merken, so hey, so akribisch du auch vieles durchgehst, trotzdem können dir solche Fehler passieren, gerade aus so Ablenkungssituationen heraus. Und wo ich dann auch eher sage, ja okay, dann lieber noch wieder einen Schritt zurück und sich zu überlegen, wie kann ich es schaffen, auch solche Fehlerquellen völlig ausschließen zu können. Kann man sich, sie nie, aber trotzdem sich das noch stärker wieder ins Bewusstsein zu rufen, auch zu sagen, wenn ich am Startplatz stehe, selbst wenn da jetzt fünf dahinterstehen, die jetzt starten wollen, diese, das sind ja häufig nur zehn Sekunden oder 15 Sekunden, die man nochmal für einen schnellen grundsätzlichen Chart, so fünf Punkte Check oder sieben Punkte Check, je nachdem, was man für ein Gurtzeug hat oder sowas, dass man wirklich sagt, ich gehe die noch einmal ganz konsequent durch.
Bis hin zu, ist mein Beschleuniger eingehängt als Einsendpunkt zum Beispiel. Ja, weil wenn du rauskommst. Wenn du rausfliegst und merkst dann, oh, jetzt hat sich gerade wieder der Brummelhaken gelöst, ist auch doof. Und wenn man sich das wirklich angewöhnt und es auch sagt, ich setze es grundsätzlich auch um, dann ist viel gewonnen.
Du hast vorhin das Meteo angesprochen. Mittlerweile gibt es ja sogar Vorträge, Workshops zum Thema Meteo, aber ursprünglich hast du nicht, jetzt wie zum Beispiel ich, ein Meteorologiestudium gemacht. Und wie bist du dazu gekommen, dich darin zu vertiefen und vor allem, wie hast du das gemacht? Also du hast das ja, hast du irgendein Buch? Hast du ein Buch gehabt, das sehr viel Einfluss auf dich hatte? Oder hast du dich durch Unfallberichte gekämmt? Oder ja, was hat dazu geführt, dass du dich mittlerweile wirklich als Meteoprofi bezeichnen darfst?
Ich kann mal die Anfangsgeschichte erzählen. Da hatte ich gerade meinen A -Schein.
In welchem Jahr war das?
Oh, 2006.
Und da waren wir auf einem Vereinsausflug in Greifenburg. Und ich war noch nicht viel thermisch geflogen bis dahin.
Und waren super tolle Thermikbedingungen und ich fliege und drehe auf und bin total glücklich und sowas. Aber wie das so ist, wenn man noch nicht so viel fliegt, so nach einer halben, dreiviertel Stunde Thermik fliegen, war alles ein bisschen bumpy und sonst was, zumindest für mich damals gefühlt. So habe ich gesagt, jetzt möchte ich gerne landen gehen. Also fliege ich raus und gehe landen. Nur da, wo ich rausgeflogen bin, ging es nicht runter. Das war kein Überentwicklungstag, wo es überall trägt. Es gab nur ein Phänomen oder es gibt ein Phänomen in Greifenburg, wo sich manchmal eine relativ große Konvergenz über dem Tal und über dem Landeplatz von Greifenburg einstellt. Und wenn man relativ hoch dort rausfliegt, kann es sein, dass man in diese Konvergenz reinkommt.
Und dann ist man über den Landeplatz und denkt, hier muss es doch eigentlich runtergehen. Ich habe im Meteorunterricht gelernt, an den Hängen geht der Wind hoch und im Tal geht es immer runter. Und dann bist du jetzt hier in Talmitte und es geht nicht runter. Und ich bin halt dort geflogen. Und je länger ich dort geflogen bin. Überall, wo ich hinflog, ging es nicht runter.
Ich bin dann auch nicht sehr weit geflogen, weil ich dachte, das muss doch hier immer irgendwie so sein. Aber je länger das ging, desto ungemütlicher wurde es natürlich für mich. Und ich habe gesagt, ey, es kann nicht sein, dass du dich in ein Medium begibst, wo du herumfliegst und nicht weißt, warum etwas gerade so ist, wie es ist. Zumindest ansatzweise, dass ich eine Idee habe. Und da hatte ich wirklich keine Idee. Fast zu allen Modellen oder von allen Vorstellungen, die ich bis dahin gelernt hatte, passte das nicht hin. Dann habe ich gesagt, damit muss ich mich mehr beschäftigen. Ich bin dann wenig später, hat gar nicht mehr so lange gedauert, bin dann gelandet, war dann unten, habe aber für mich gesagt, okay, Lucian, du musst ein bisschen mehr von Meteo verstehen lernen.
Und habe dann angefangen, eigentlich alles zu lesen, was ich so zum Meteo in die Finger bekommen habe. Ich habe mir dann entsprechende Bücher bestellt. Jetzt keine Meteo -Fachbücher, was du vielleicht...... in deinem Studium hattest, sondern so halt die allgemeine Meteo -Literatur, die man, wenn du auf Amazon jetzt guckst, so ein einfaches Wetterkunde für und Bergwetter und Wolkenbilder lesen, lernen und so was, was da so ist. Das habe ich dann angefangen zu lesen und mich da so reinzudenken. Habe dann aber schnell gemerkt, dass ganz viel von diesen Wetterbüchern und von der Wettertheorie, die es so gibt. Und auch was Meteorologen lernen. Sehr viel davon, das nicht so richtig abdeckt, was wir als Gleitschirmflieger eigentlich erleben.
Das kann ich also bestätigen. Die Bücher, die man im Meteorologiestudium liest, die helfen dir wirklich gar nicht, um nachher Gleitschirmphänomene zu verstehen.
Ja, weil bei uns ist das so kleinskalig. Du fliegst am Hang und dann ist alle 50 Meter im Grunde eine andere Luftmasse, die sich da gerade in irgendeiner Weise bewegt. Und dieses Chaos denken Meteorologen ja. Also das haben die vielleicht irgendwo im Hinterkopf, dass da viel chaotisch in der Atmosphäre abgeht. Aber wenn die dann ihre Modelle mit einem Rasterabstand von zwei Kilometern bis acht oder noch mehr Kilometern rechnen, da findet das halt alles nicht statt oder ist halt nur in irgendwelchen Formeln völlig parametrisiert enthalten. Aber man kann daraus nichts für sich selber ableiten.
Und was hat die dann schließlich zum Durchbruch verholfen? Zum Meteoverständnis -Durchbruch, wenn man so will?
Zum einen, ich habe relativ schnell, weil ich mich da so reingefuchst habe, habe ich gemerkt, ich weiß jetzt deutlich mehr, als andere Leute wissen. Einfach aber nur aus dem eigenen Interesse heraus. Und weil ich immer mit der Brille des Gleitschirmfliegen draufgeguckt habe und dann angefangen habe, Sachen zu gucken. Okay, was sagt auch die Internetprognosen? Welche Daten findet man da? Und was ist das, was ich dann wirklich am Startplatz, oder so erlebe und das so immer besser gelernt, das in Beziehung zu setzen? Und ich habe damals angefangen, für den Verein, in dem ich hier bin, DGC Siebengebirge, zu jedem Wochenende hin eine Wetterprognose oder eine Flugwetterprognose zu schreiben. Wo man und wie man Samstag, Sonntag fliegen kann.
Und so ein bisschen immer beschrieben, wie das Wetter so ist. Damals war so Zeit, da gab es noch kein Windy, kein Meteoparapont und Sonstiges, sondern es gab wirklich nur die Wetterzentrale oder wetter3.de, da konnte man schon GFS -Karten und sowas ablesen, die waren alle sehr grob. Aber trotzdem konnte man, wenn man ein bisschen Verständnis dafür hatte und auch sich Höhenwetterkarten angucken konnte und Höhenwindkarten angucken konnte und sowas, mit einem Mal war da einer, der deutlich mehr den Leuten erklären konnte, von dem, was passieren wird, als das, was man normalerweise so kann. Und so war es dann schnell, dass nicht nur die Leute bei mir im Verein mein Wetter angeguckt haben. Sondern im Grunde fast alle Piloten hier irgendwo in der Region angefangen haben, auf diese Seiten zu gucken.
Ich habe dann auch irgendwann angefangen, das auf meinem Blog entsprechend zu schreiben. Und zu jedem Wochenende gab es dann immer quasi das Wochenendflugwetter von Lu-Glidz. Und das hat immer größere Kreise eigentlich gezogen. Ich habe das immer auf den Regionen hier um Bonn, das ist vor allem Eifelregion als Mittelgebirge bezogen. Aber dann waren auch Leute, die teilweise im Schwarzwald wohnten, haben trotzdem bei mir mitgelesen. Weil sie sagten, da kriege ich teilweise mehr, noch zusätzliche Infos raus, die ich woanders nicht sehen kann. Auch was ein bisschen Einschätzung der Großwetterlage und sowas ist. Und mit diesem sehr regelmäßigen Aufschreiben davon, da habe ich auch unheimlich viel gelernt.
Weil man sich ständig natürlich damit beschäftigen muss. Und jedes Woche, ich meine, allein dieses Wochenendwetter schreiben, hat dann mich immer mit nachgucken. Und sonst war es eigentlich immer zwei Stunden Arbeitszeit gekostet. War aber gleichzeitig zwei Stunden Trainingszeit für mich, wo ich immer mehr da gelernt habe. Und so bin ich da hauptsächlich reingefuchst, reingewachsen. Und mit der Zeit, ja, man wird halt immer auch feiner in dem, was man wie beschreiben kann, beziehungsweise was man an eigener Erfahrung, an Flugwetter und eigenem Flugerleben und sowas zusammenbringen kann. Und wo ich am Anfang sehr viel mich halt wirklich auf dieses, das, was man noch direkt aus den Modellen rausziehen kann, bezogen habe, habe ich dann mit der Zeit auch immer mehr gelernt, Sachen zu beschreiben, die in diesen ganzen Meteobüchern vielleicht gar nicht so drinstehen.
Strömungsverhältnisse entlang eines Hanges oder wie sich Thermiken da verteilen an bestimmten Punkten, wo man bei bestimmten Hangformen am ehesten strömungstechnisch auch weiter vorgelagert noch Thermiken findet und sowas. Vieles, was ich selber mit der Zeit einfach immer ausprobiert habe, so Theorien entwickelt habe, die dann für mich eigentlich bestätigt gefunden habe, wenn ich selber das gefunden habe, um dann zu sagen, okay, davon erzähle ich dann wieder was. Und dann habe ich da für das DAV -Magazin mal was geschrieben und das aufgeschrieben. Und so ist dann mit der Zeit immer mehr das dahin gewachsen, sodass ich jetzt eigentlich so einen Fundus an selbst erdachten oder nicht nur selbst erdachten, aber auch auf meinem Mist gewachsenen Theorien dann entsprechend auch habe,
wo ich dann viel weitergeben kann. Und ich auch sehe, dass viele davon profitieren. Und ich auch sehe, ich selbst profitiere davon, wenn ich mich an meine eigenen Theorien manchmal halte. Häufig vergesse ich sie auch und ich fliege dann einfach nur rum und im Nachhinein denke ich, Lucian, du hast doch mal gesagt, bei solchen Verhältnissen müsstest du eigentlich da vorne gucken. Wieso hast du das eigentlich nicht? Und dann, naja, beim nächsten Flug mache ich es dann wieder anders.
Machst du mal ein Buch «Meteor für Gleitschirm -Pilotinnen. Das gesammelte Wissen von Lucian Haas?»
Ja, den Plan habe ich schon lange. Aber die Zeit, die Zeit habe ich nicht oder ich nehme sie mir noch nicht. Zeit hat man eigentlich, ich sage immer, Zeit hat man nicht. Die Zeit nimmt man sich. Die Sache ist die, dass ich immer wieder feststelle, nee, das könntest du, wie kann man das noch einfacher ausdrücken? Meine ersten Beschreibungen waren auch sehr meteorlastig, sage ich mal in der Form von der Sprache auch her, noch eher so wie Meteorologen das dann ausdrücken. Dann habe ich, da ich Wissenschaftsjournalist bin und versuche da auch Sachen dann manchmal vereinfacht auszudrücken, dass auch so Normalmenschen, sie verstehen können, dann angefangen zu sagen, okay, wie kann man die Sachen, die da von den Meteorologen so beschrieben werden, wie kann man die ein bisschen umgangssprachlicher so ausdrücken, dass die Leute damit was anfangen?
Dann kamen aber die Punkte, dass ich sage, okay, jetzt komme ich aber in Themenbereiche rein, die von den Meteorologen gar nicht so beschrieben werden. Was ist denn deine Sprache dafür? Wie kann man, wie kannst du das erklären? Und je länger ich erkläre und je mehr ich auch mal Vorträge halte und sowas, bei jedem Mal kommt immer noch was Neues dazu, oder ich lerne wieder auch selber, da kommen auch Fragen zum Beispiel und ich sage, ah, das ist eine Frage, die man da haben kann, dann könnte man das ja entsprechend, müsste ich das ein bisschen anders ausdrücken oder vielleicht brauche ich eine andere Folie, wo ich was ein bisschen anders noch erklären kann. Und so wächst das eigentlich ständig noch, dass ich immer merke, nein, mein Stil der Meteovermittlung verändert sich auch mit der Zeit. Und manchmal sage ich auch, na gut, dass ich nicht vor zehn Jahren oder vor fünf Jahren schon ein Buch geschrieben habe, weil ich würde es heute völlig anders schreiben.
Oder manchmal denke ich auch, vielleicht müsste man gar nicht so viel schreiben, sondern viele Bilder einfach nur darstellen. Ja, und ganz viel in Bildmodellen den Leuten Sachen erklären, damit die mit, weil man braucht eigentlich Bilder im Kopf von dem, was in der Luft so vorstellt, was ich nicht sehe, in dieses Nichtsichtbare ein Bild hinein projizieren. Wie sieht diese Thermik vielleicht jetzt gerade aus? Wo befinde ich mich im Verhältnis zu dieser Thermik? Wie kann ich die anfliegen? Wie muss ich vielleicht meinen Thermikkreis setzen, dass ich die am besten ausfliegen kann und sowas? Und wenn man solche Bilder hat und fantasievoll damit umgeht und ein bisschen so Fantasie auch in den Köpfen der anderen wecken kann, dann glaube ich, dass das sehr, sehr viel bringt.
Viel Text ist zwar nett, aber wird dann sehr schnell trocken und die Fantasie bleibt dann ein bisschen hinterher. Und da ist mein eigener Anspruch von dem, wie ich es vermitteln will, ist eigentlich höher als das, was ich manchmal selber immer gleich liefern kann. Und deswegen gibt es immer noch kein Buch von mir, weil ich sage, ah, dann müsste ich aber sehr gute Grafiken haben. Na, dann müsste ich eigentlich entweder einen teuren Grafiker bezahlen. Dann lohnt sich mein Buch eigentlich gar nicht mehr, wenn ich alle diese Grafiken machen will. Oder ich müsste selber diese Grafiken machen. Dann müsste ich aber erst mal lernen, diese ganzen Grafikprogramme entsprechend vernünftig zu bedienen, damit ich das in halbwegs vernünftiger Arbeitszeit dann hinkriegen kann. Und daran scheitert es hauptsächlich. Bisher noch.
Du hast gesagt, Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich. Wie viel Zeit nimmst du dir durchschnittlich pro Woche für deine Podcasts, deine Blogs, deine Meteorecherchen? Hast du das mal überhaupt ausgerechnet oder hast du dich gar nicht an diese Rechnung herangewagt?
Also ich kann sagen, zu viel, wenn man es verdienstechnisch sieht. Mittlerweile, durch die Förderbeiträge und sowas, ist ja auch Blueglides und Podz-Glidz zu einem Teil meines Einkommens geworden. Wenn ich jetzt aber sagen würde, okay, ich stecke diese Zeit, die ich in den Blog und Podcast und so weiter stecke, stecke ich da rein, dass ich mich noch mehr um meinen Wissenschaftsjournalismus kümmere und meine Beiträge fürs Radio verkaufe und sowas, dann ist das, was ich dann unterm Strich verdienen würde, pro Stunde gerechnet, wäre dort deutlich besser. Gleichzeitig ist für mich Blog und Podcast halt auch so, auch ein Herzensprojekt und auch etwas, da ich da so viel mehr Feedback von Lesern und Hörern bekomme, ist das auch etwas, was mir eine größere Befriedigung auf gewisse Weise verschafft.
Also ganz viel von Radiobeiträgen, die ich mache, die werden gesendet. Dann kommt vielleicht noch irgendein Kollege und sagt, war schön und mehr hört man aber nie dazu. Und vielleicht haben den hunderttausend Leute gehört, aber du weißt nicht, haben die das jetzt verstanden? Fanden die das gut? Fanden die das interessant oder nicht? Beim Blog ist halt doch, dass ich zu ganz viel, vor allem wenn es hintergründigere Texte sind, dann auch teilweise Nachfragen bekomme, die Kommentare. Vieles ist auch so, dass die Leute gar keine Kommentare schreiben, sondern mir eine persönliche E -Mail schreiben und dann noch was nachfragen oder eine Anmerkung haben oder sowas. Und das ist halt etwas, was ich sonst nicht so bekommen würde. Und das ist im Grunde auch Teil meines Lohnes. Auf deine erste Frage, bei der du gesagt hast, wie viel Zeit investiere ich da rein?
Ich würde sagen, von meiner Arbeitszeit, die ich habe, wobei ich jetzt nicht in 40 Stunden Woche oder sonst irgendwas rechne, aber ich würde schon sagen, dass ich mindestens die Hälfte, wenn nicht zwei Drittel meiner Arbeitszeit, finanziell gesehen leider, für Blog und Podcast einsetze. Aber da ich insgesamt damit halbwegs davon leben kann, ich nicht reich werde, nicht reich, aber glücklich bleibe oder sowas, dann kann ich das auch so machen.
Wie hat dich das so entwickelt? Also du hattest ja nicht den ersten Blogbeitrag geschrieben und dann gleich irgendwie, hier kann man mich fördern. Hast du dann irgendwann so, hat das so angezogen und dann konntest du wie, keine Ahnung, reduzieren bei deiner sonstigen Arbeit oder wie hat sich das so eingependelt?
Die ganzen ersten, ja, ich glaube die ersten zehn Jahre meines Blogs, und den Blogs gibt es jetzt schon 18 Jahre, habe ich gar nichts damit verdient oder außer positiven Rückmeldungen, nichts zurückbekommen. Und es war auch überhaupt nicht darauf ausgerichtet. Ja, das war einfach ein Projekt, was ich aus Spaß gestartet hatte, auch weil ich ein bisschen lernen wollte, wie man überhaupt Blogs macht. Das hat mich damals interessiert. Und dann ist das ganz von, ja, von den ersten Würzelchen heraus langsam gewachsen und dann ist ein großer Busch daraus geworden mittlerweile.
Also ich habe irgendwo die Zahl gelesen, schon 4000 Blogbeiträge. Wenn man das aufrundet auf, wir haben 20 Jahre, die du schon schreibst, dann sind das 200 Blogbeiträge pro Jahr, also was wirklich eine ungeheure Zahl ist.
Wenn ich das selber mir immer zurücküberlege, also wenn ich solche Zahlen auch sehe und das mal für mich umlenke, dann denke ich so, Lucian, da hast du jetzt aber schon ziemlich viel reingesteckt. Aber es ist ja auch einfach Teil von mir. Also das ist Teil, gehört einfach zu meinem Leben dazu. Und es ist auch nicht, dieses Blogschreiben empfinde ich eigentlich nie als eine Pflicht. Also es ist nichts, was ich muss. Und das ist auch einer der Punkte, warum ich, als ich angefangen habe zu sagen, ihr könnt mich fördern, also ihr könnt mir einen Beitrag irgendwie übersenden. Angefangen hat das damit, dass ich irgendwo beim Googlen mal gesehen habe, ah, man kann einen PayPal -Button ganz einfach mit so einem iFrame -Link sich auf die Seite setzen und dann können einem die Leute per PayPal einfach was schicken.
Dann habe ich gesagt, das probiere ich mal aus. Ich setze einfach so einen PayPal -Button auf meine Seite. Dann können die Leute draufklicken und sagen, ja, ich bezahle dir mal ein Landebier oder sowas. Und dann kamen am Anfang auch die ersten Beträge, waren wirklich auch nur Landebierbeträge mal. Das waren Euro zwei, das waren mal fünf. Wenn es hochkam, waren es zehn. So. Und am Anfang war das wirklich nur so ein kleines, wirklich kleines Zubot. Das ist dann aber von Jahr zu Jahr ein bisschen, also eigentlich immer mehr, geworden und hat dann einen relativ großen Sprung gemacht, als ich angefangen habe, die Podcasts zu machen.
Das war 2018.
Genau.
2000 war das, 18 oder 19, ja, egal. Jetzt vor fünf Jahren so ungefähr.
Als ich die Podcasts angefangen habe, da habe ich verstanden, ah, mein Blog, da komme ich ja als Mensch so gut wie nicht drin vor. Ja, ich schreibe ja keinen persönlichen Blog. Ich schreibe zwar manchmal. In manchen Beiträgen, wo ich schreibe, kommt das Wort ich drin vor. Aber das ist selten. Meistens, ich schreibe auch nicht über meine Flüge und die tollen Erlebnisse und sonst irgendwie was, sondern im Grunde ist es ja eigentlich fast ein journalistisches Gleitschirmmagazin im Blogformat. Und da könnte ich schreiben, können aber auch zehn andere schreiben. Das wird dann vielleicht gar nicht mal so auffallen, wenn da jetzt kein Name jeweils immer irgendwie drüberstehen würde, wer da jetzt der Autor entsprechend ist. Und so haben die Leute das halt auch konsumiert eigentlich, als ein gesichts - oder namensloses Produkt,
was für sie sinnvoll war und hilfreich war, aber wo die nicht gesagt haben, ah, da steht ja ein Mensch dahinter, der das macht, sondern das ist irgendwie so ein Umsonstangebot, wie es so viele im Internet gibt, die man da einfach abgreifen kann. Und mit den Podcasts habe ich gemerkt, ah, jetzt bin ich für die Leute plötzlich als Mensch nicht sichtbar geworden, aber ich bin hörbar geworden. Und plötzlich saß ich bei denen mit dem Auto oder im Wohnzimmer oder sonst was. Und da haben die Leute mich als Stimme mitbekommen und plötzlich gesehen, oh, da ist einer, den finde ich vielleicht auch sympathisch von der Stimme her oder der stellt Fragen, die ich mich auch frage. Also irgendwie, da muss ich vielleicht etwas mehr zurückgeben oder zu sehen, ah, da ist wirklich ein Mensch, der sich auch viel Zeit nimmt dafür. Und da ist dann so, man kann es fast Durchbruch nennen, wo dann das in einen Bereich gekommen ist, wo ich sagen kann, okay,
jetzt ist es nicht mehr nur ein Hungerlohn, sondern letzten Endes ist es etwas, wo ich sagen kann, davon kann ich immer noch nicht insgesamt leben, aber es ist etwas, was realistischer wird von der Darstellung, wie viel Zeit stecke ich dort rein und so.
Und hast du dann auch tatsächlich mehr Zeit reingesteckt, als es dann eben die Möglichkeiten gab, irgendwie finanziell etwas auszugleichen, was du vielleicht bei deinem anderen Job nicht verdienst, weil du dort weniger Zeit investierst?
Also ich habe, sicherlich noch mehr Zeit reingesteckt, aber gar nicht mal zwangsläufig erstmal zu sagen, ich will damit, weil es jetzt dieser Verdienst -Ding ist. Ich war immer der Punkt, also ich mache so, wie ich Auftragslage vom Radio habe und wenn ich Zeit dazwischen habe, dann bin ich eigentlich sofort immer beim Blog oder beim Lesen, beim Recherchieren, bei Podcast, Leute anschreiben, willst du vielleicht mal und sonstiges. Mit dem Podcasten ist sicherlich meine Arbeitsbelastung, für Lu-Glidz und Podz-Glidz deutlich gestiegen, weil einfach zwei, also alle zwei Wochen eine Folge zu machen, bedeutet eigentlich mindestens pro Folge, mindestens immer einen ganzen Arbeitstag mit allem drum und dran, wenn nicht teilweise sogar mehr.
Und das ist halt etwas, wo ich sagen muss, okay, diesen Arbeitstag habe ich vorher nicht in den Blog investiert, das ist jetzt nicht rübergeswitcht und den Blog mache ich eigentlich genauso intensiv, wie ich ihn vorher gemacht habe. Also da ist was gewachsen. Damit ist dann auch zwar das Einkommen mitgewachsen, aber es war nicht das Ziel oder das eine hat das andere ergeben, sondern das war aus dem Spaß heraus, dass ich gemerkt habe, das Podcasten macht mir auch so viel Spaß, weil man da so halt, heißt ja auch Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens, weil man da plötzlich Themen oder Leute und Geschichten aufgreifen kann, die ich in schriftlicher Form im Blog niemals so aufgreifen könnte oder würde. Oder wenn, dann nur als einen kurzen News -Beitrag, von sonst irgendwas. Und dann kann man sich plötzlich mal die Geschichte dahinter erzählen lassen und den Menschen dahinter kennenlernen und lernen, wie vielfältig diese ganze Gleitschirm -Szene ist, von den unterschiedlichsten Vorstellungen, die da sind.
Und das ist etwas, was für mich auch schon viel Motivation ist, da immer wieder dran zu bleiben.
Wie kam es tatsächlich zum allerersten Podcast -Beitrag?
Vor zehn Jahren etwa hat ein Fliegerkollege von mir gesagt, Lucian, ich fahre immer, der war so ein Vertretertyp und der saß immer jeden Tag fünf Stunden im Auto und musste immer irgendwo rumfahren. Und der hat gesagt, Lucian, ich höre immer Podcasts, mach doch mal einen Gleitschirm -Podcast. Und damals habe ich gedacht, oh Gott, was soll man denn in so einem Podcast erzählen oder keine Ahnung was. Und jetzt soll ich meinen Blog in eine Podcast -Form bringen und da konnte ich gar nichts mit anfangen oder konnte mir das nicht vorstellen, wie das vernünftig funktionieren kann. Weil der aber gesagt hat, ich höre immer Podcasts, habe ich dann mal geguckt, okay, wie hören sich denn so Podcasts überhaupt an? Bin da drüber dann halt auch auf, damals hat gerade Gavin McClurg seinen Podcast,
wie heißt das, Cloud -Based Mayhem oder sowas gestartet. Und dann habe ich mir das angehört und habe gesagt, ah, okay, so eine Art Gesprächspodcast, ja, das könnte ich mir vielleicht vorstellen. Und wenn ich das sage, ich mache den halt nicht auf Englisch, sondern ich konzentriere mich auf die deutschsprachige Szene, das könnte vielleicht, das könnte vielleicht interessant sein und funktionieren. Hat dann aber trotzdem noch ein paar Jahre gedauert, bis ich mich dann dazu durchgerungen habe. Und weil ich auch noch nicht so ein richtiges Konzept hatte, wen will ich dann eigentlich wie fragen und wie soll das dann genau laufen? Und dann habe ich mal bei uns an einem Übungshang ein Pärchen getroffen, die mir erzählten, dass sie gerade von einem einjährigen Reise zurückgekommen sind, wo die ein Jahr durch ganz Europa mit ihrem Bus gefahren sind, um von Fluggebiet zu Fluggebiet zu fahren.
Ich habe mich super gut mit denen am Startplatz unterhalten und habe dann gesagt, ey, das wäre doch mal ein interessantes Podcast -Geschichte. Wie machen solche Leute das? Die haben dafür ihren ganzen Job aufgegeben, haben den Bus gebaut, haben den Bus gekauft, haben den Bus ausgebaut und sind dann losgefahren und kommen jetzt wieder zurück und müssen in ihr normales Leben wieder zurück. Sag ich, ist doch eine tolle Geschichte, sowas will ich mir mal erzählen lassen. Dann habe ich das mit denen ausgemacht und habe gesagt, ja, dann ist das vielleicht der Start des Podcasts. Ich gucke mal, wie das so läuft und wie ich auch Spaß daran habe, wie viel Arbeit mich das kostet und wie das insgesamt so ist. Ja, das war dann die erste Podcast -Folge. Die wurde auch relativ gut abgerufen und dann habe ich gesagt, ja, okay, dann kümmere ich mich mal um die Nächsten.
Am Anfang hatte ich noch nicht diesen Zwei -Wochen -Rhythmus. Am Anfang hatte ich, glaube ich, erst mal so einen Vier -Wochen -Rhythmus oder so, wie es gerade so kam. Und dann war es aber, es hat dann so Spaß gemacht, dann habe ich mich schon um den Nächsten gekümmert. Der Nächste hat gesagt, ja, ich habe schon, aber übermorgen könnten wir. Und dann wurden die Zeitabläufe, die waren sehr viel knapper. Und dann hatte ich irgendwann mal drei Podcasts quasi auf Halle dort liegen und habe gesagt, ja, aber jetzt immer vier Wochen zu warten, die werden ja quasi alt. Und irgendwie, ich habe ja auch Lust, noch mehr zu machen. Dann habe ich gesagt, okay, dann mache ich halt alle zwei Wochen jetzt erst mal einen. Und dabei ist es dann geblieben. Und seitdem versuche ich wirklich, und bisher habe ich es auch eigentlich immer durchgehalten, dass ich alle zwei Wochen eine Folge bringe. Wobei das schon manchmal, weil ich mich da selber jetzt quasi unter den Zwang setze, ich will eigentlich, eigentlich alle zwei Wochen einen bringe, ist das erste Mal, dass ich manchmal nicht groß Stress damit habe, weil ich auch sage, ich kann es ja jederseits aussetzen lassen, aber trotzdem so ein bisschen Verpflichtung mir selber gegenüber fühle.
Da muss ich was weiterbringen. Und das eigentliche Bloggen im Verhältnis dazu, das ist ja ganz viel auch auf Aktuelles bezogen oder so, die Themen fallen dann immer mal so an. Und wenn sie gerade angefallen sind, schreibe ich was drüber. Und wenn gerade nichts anfällt, dann schreibe ich halt gerade nichts.
Wie wählst du die Personen aus, mit denen du einen Podcast machen möchtest?
Wie wähle ich sie aus? Eigentlich danach, ob ich da eine Geschichte drin sehe.
Also musst du doch danach suchen. Also hast du das manchmal, dass du denkst, irgendwie nächster Podcast, mir fällt einfach nichts ein und dann googlest du dich mal quer durch die Welt, bis du irgendwie auf einen Namen, auf eine Geschichte stolperst? Oder hast du sowieso immer eine Liste mit 50 Köpfen, die du gerne mal interviewen würdest?
Also wenn ich so machen wüsste, dass ich für jeden Podcast mich erstmal lange durchgoogeln müsste und es anstrengend wäre, einen Gesprächspartner zu finden, zumindest die Idee dafür zu finden, dann würde ich es nicht machen. Sondern irgendwie fallen mir die Leute zu. Auf unterschiedlichste Weise. Das kann sein, beispielsweise, also eh auch für den Blog selber, ich lese ziemlich viel oder folge ziemlich vielen Leuten und Seiten und sonst was, Facebook und Instagram und lese viel in Foren, Gleitschimpf Drachenforum, das Deutsche und Paragliding Forum auf Englisch und sonstiges. Lese da mit und kriege halt auch viele Entwicklungen, die da so angesprochen werden, entsprechend mit. Und dann ist manchmal, dass da einfach was aufpoppt, wo ich sehe, ah, da steckt eine Geschichte dahinter.
Und die wird dann vielleicht da ganz kurz erwähnt, beschrieben und dann sage ich, ah, das wäre aber vielleicht etwas für den Podcast. Und für mich ist so, dass ich gesagt habe, ich will für den Podcast halt nicht nur die Szenegrößen interviewen, weil man sagt, ja, ein Kriegel Maurer, ein Paul Guschlbauer, eine, vielleicht Stefanie Westerhütz oder sowas, muss man halt mal gehört haben oder will man mal gehört haben, was diese denken, sondern ich habe dann auch gesagt, ah, wenn es andere, also auch ganz Normalpiloten haben ja teilweise tolle Erlebnisse von positiven zu negativen und da habe ich gesagt, ich will eigentlich möglichst breit das streuen. Und bei den, jetzt sage ich mal, den Szenegrößen, da weiß man die Geschichten eigentlich, weil die immer präsent sind.
Bei diesen wenig Bekannten, da würde ich auch mit googeln wahrscheinlich nicht drauf kommen, weil das viele halt private Geschichten sind. Und da ist es 50 Prozent so, dass ich es irgendwie durch zufälliges Lesen irgendwo verfolge. Und die anderen 50 Prozent sind dann so, dass ich wirklich mittlerweile auch immer Themen, Empfehlungen kriege, dass Leute mir schreiben und sagen, ah, Lucian, du suchst doch auch zwischendurch Gesprächspartner für so und so. Ich kenne die Conny was auch immer und die hat eine ganz tolle Leistung gebracht oder die hat ein ganz seltsames Erlebnis gehabt und so weiter. Und dann höre ich mir das an und denke, ja, das klingt interessant. Dann schreibe ich die Leute an. Meistens kriegt man dann erstmal eine Ablehnung oder erstmal so, ah, aber wieso?
Ich bin doch gar nicht wichtig und ah, ich kann doch gar nicht reden und ah, wie soll das denn funktionieren und sonstiges was. Gleichzeitig erlebe ich aber doch bei allen, dass sie sich einerseits ein bisschen gebauchpinselt fühlen, dass ich sie anfrage für einen Podcast und andererseits meistens gerade diese Themen, wenn es irgendwie erzählenswerte Themen sind, die beschäftigen die halt auch. Ja, also die haben vielleicht eine schlechte Erfahrung gehabt, sind da irgendwie mit was rausgekommen und so was. Da haben die meisten Leute auch eigentlich Interesse daran oder kriegen Lust zu erzählen, wenn jemand kommt und sagt, ich habe Interesse für diese und die Geschichte. Ich will mir die mal von dir erzählen lassen. Und dann kommen die Leute auch oder sind dann auch eher bereit, sich dann wirklich die Zeit dafür zu nehmen.
Die sind dann häufig am Anfang sehr aufgeregt, wobei ich die Erfahrung gemacht habe, meistens, wenn man sie irgendwann mal so ein bisschen, wenn die erste Nervosität abgefallen ist und wenn man wirklich an den Themen ankommt, von denen sie von sich aus was zu erzählen haben, dass die meisten dann eigentlich auch sehr schön erzählen können.
Wie viel Zeit brauchst du dann noch, um so eine Aufnahme nachzubearbeiten?
Hängt ein bisschen davon ab, wie das Gespräch verlaufen ist. In den meisten Fällen schneide ich inhaltlich so gut wie nichts. Es sei denn, dass zwischendurch was war, wo der eine sagt, du, jetzt habe ich dir da was erzählt, das möchte ich nicht, dass das, ich habe nochmal kurz darüber nachgedacht, möchte nicht, dass das in die Öffentlichkeit kommt. Dann sage ich, okay, dann schneide ich diese zwei Minuten dort raus oder so was. Und je nachdem, kann das, ich höre ja im Grunde den ganzen Podcast nochmal an. Und wenn ich eine Stunde Aufnahme habe, habe ich mindestens eine Stunde nochmal abhören. Mit den ganzen Schnitten und Feinarbeiten, die ich da noch mache, ist das eigentlich mindestens zwei Stunden für die Stunde. Mit danach noch das ganze Online -Stellen und sonstigen sind es dann mindestens nochmal eine Stunde und sonst was alles.
Also insgesamt, ja, jede Folge ist dann mindestens ein gesamter Arbeitstag. Selbst wenn die eigentliche Aufnahme nur eine Stunde war und wenn davor das Recherchieren und sonst was vielleicht auch eine Stunde oder zwei waren, je nachdem, wie viel man da reinsteckt, ist es am Ende dann ein echter Arbeitstag von acht Stunden oder zehn Stunden und so was.
Wenn du mal zusammenrechnest auf allen Plattformen, wie oft werden deine einzelnen Podcast -Folgen angehört?
Von dem, was ich so nachverfolgen kann, weil auch jede Plattform da so seine eigene Statistik führt, würde ich sagen, so die Durchschnitts -Folgen, mit höherer Zahlen, liegen irgendwo zwischen 3.000 bis 5.000, wobei einzelne Folgen auch schon mal bis zu 10.000 hochgehen können. Was dafür, dass ich sage, okay, ich bin nur deutschsprachig und ich habe nur den deutschsprachigen
Gleitschirmkunde eigentlich, ist 10.000 schon relativ viel. Wobei es dann auch wieder sein kann, ja okay, von den 10.000, wie viele dann wirklich durchgehört haben oder so was oder nur kurz reingehört haben, das weiß ich da nicht. Und ich weiß auch nicht, wie gut die Doppelzählen das auseinanderhalten können, wenn einer einen Podcast dann fünfmal kurz anspielt, ob das dann fünfmal da reinfließt oder so. Weiß ich nicht. Da ich auch meinen Podcast nicht vermarkte und jetzt keinen Werbekunden habe, den ich da drin nehme, der dann sagt, ja wie häufig, weiss mir mal nach, wie häufig du gehört wirst, verfolge ich das ehrlich gesagt auch gar nicht so viel. Sondern mich interessieren die Leute, mich interessieren die Themen. Ich finde das, zwischendurch gucke ich mal immer so ein bisschen rein, wie ist das denn so gelaufen.
Aber ich führe keine regelmäßige Statistik und irgendwie zu sagen, ah, das Thema ist viel besser gelaufen als das, deswegen mache ich jetzt nur noch eher Themen aus diesem Themenbereich oder so was. Sondern ich finde es genauso wichtig, auch mal ein Thema aufzugreifen, was so ein bisschen randständig ist, wo ich auch weiß, das wird wahrscheinlich wenig abgerufen. Aber vielleicht gibt es gerade ein paar Leute, die sich dafür interessieren und dann profitieren die jetzt halt gerade mal davon.
Du hast die Wertbegründung in Podcasts angesprochen. Ich habe das immer so verstanden, dass du das aus Prinzip nicht machst, weil das halt zu einem sauberen Journalisten gehört. Denkst du dir manchmal, ich bin so ein Idiot, wieso habe ich das gemacht? Es wäre ja so einfach verdientes Geld, da irgendwie noch ein paar Werbungen einzuspielen oder ist es gar nicht so, wäre das dann mega viel Aufwand? Also wie stehst du dazu oder kann sich das in Zukunft auch mal ändern, deine Einstellung zu den Werbekunden in Podcasts?
Ich wollte den Podcast immer sehr unabhängig machen. Unabhängig betreiben und unabhängig nicht nur von Unabhängigkeit von irgendwelchen Herstellern und Werbekunden, sondern auch unabhängig von irgendwelchen anderen Abhängigkeiten. Ich wollte schreiben können, was ich will, aber auch schreiben können, wann ich will und auch mal nicht schreiben können, wenn ich nicht will. Und habe dann immer gesagt, wenn ich jetzt anfangen würde, klassische Abos zu verkaufen, dann erwarten die Leute eine Gegenleistung und sagen, du versprichst mir bei 12 Ausgaben pro Jahr oder wenn ich das Abo, dann kriege ich aber auch 40 Podcast -Folgen oder was auch immer. Das wollte ich nie und auch mit Werbung selber. Ich wollte nie Leuten was nachhalten oder vorführen müssen, damit sie sehen, ja, das lohnt sich da und dafür.
Und ich wollte, gerade was Werbung betrifft, das war mir sehr wichtig, ich wollte keine Abhängigkeit haben, dass beispielsweise ich schreibe einen Schirmtest und dann irgendwie ein Hersteller kommt und sagt, aber Lucian, wir haben doch gerade bei dir,
jetzt kannst du da nicht so kritisch drüber schreiben. Oder, was im Journalismus ja ein sehr feststehender Begriff ist, so die Schere im Kopf, dass man selber sagt, hey, die haben mir jetzt gerade 2000 Euro für die Werbung oder was auch immer überwiesen. Ich habe jetzt zwar gedacht, der Schirm hat da so eine Sache, die finde ich jetzt nicht so toll. Wenn ich die so herausstellen würde, wie ich sie normalerweise herausstelle, es ist klar, wahrscheinlich wird die das ein paar Verkäufe kosten. Wäre jetzt aber unfreundlich, dann verliere ich den wahrscheinlich als Werbekunden. Sowas will ich nicht. Und dann habe ich von daher gesagt, ich will darauf grundsätzlich verzichten. Ob das auf Dauer, eigentlich will ich es auf Dauer so halten, die Frage ist halt immer,
wie viel verdiene ich auch sonst noch und wie sind da die Verdienstmöglichkeiten? Irgendwo muss man ja auch gucken, dass man selber noch damit über die Runden kommt. Solange es so geht und so Spaß macht, wie ich es jetzt mache, werde ich das auch so weitermachen.
Deine Frau, inwiefern beeinflusst sie sich vielleicht oder hat sie dich beeinflusst in deiner Flügerkarriere oder jetzt auch eben für deine schriftlichen und Audio Produktionen, die du machst?
Also in meiner Fliegerkarriere hat meine Frau mich auf jeden Fall beeinflusst, weil ich würde nicht fliegen ohne sie. Und sie hat schon von ihrer Familie her, die hatte einen Vater, der Drachenflieger war. Die Mutter ist auch sogar Drachen geflogen, musste dann aber wegen, nicht vom Fliegen, wegen eines Unfalls dann aufgeben. Es ging dann nicht mehr, aber die haben dann gesagt, die ganzen Kinder haben dann auch Drachenfliegen gelernt. Die Saskia, meine Frau, war dann eine Weile Drachenfliegerin, hat dann aber irgendwann festgestellt, als sie dann im Studium war, so ein riesen Drachen und das war alles viel zu aufwendig. Dann ist sie ein paar Jahre nicht geflogen. Das war in den 90ern und Ende der 90er hat sie dann gelernt, ah, Gleitschirmfliegen wäre vielleicht eine Option für sie und dann hat sie angefangen, einen Gleitschirmschein zu machen. Und als sie angefangen hat, diesen Gleitschirmschein zu machen, das war genau die Zeit, als wir uns kennengelernt haben.
Und die hat gesagt, du, ich mache da diese Schulung, das war hier schon in Bonn, also die Schulung war nicht in Bonn, das war in der Nähe, in so einem Mittelgebirgsbereich. Und hat die gesagt, der Fluglehrer, der bietet auch so Schnupperkurse an, wenn du Lust hast, kannst du ja mal am Wochenende mitkommen. Dann habe ich gesagt, ja, da komme ich halt einfach mal mit. Habe da den Tag Schnupperkurs gemacht. Der Fluglehrer, also ich habe mich wohl nicht doof angestellt, der Fluglehrer hat dann gesagt, ja, Lucian, du hast Talent, du solltest auf jeden Fall weitermachen. Ich bin wieder nach Bonn zurückgefahren, ich hatte damals kein Auto, ich hatte nur ein Fahrrad
und habe mir das so überlegt, habe gesagt, Gleitschirmfliegen, das ist eigentlich was für die Berge, das ist nichts für Bonn und Mittelgebirge und Flachland. Wenn, dann müsstest du ja ständig irgendwo weit hinfahren. Ich habe damals für einen Umweltverband gearbeitet als Pressesprecher und habe gesagt, nee, das ist eigentlich nicht das, was ich will, so weit fahren immer, irgendwo fliegen zu gehen und habe dann gesagt, ich mache das nicht. Meine Frau hat dann aber weitergemacht. Damals war wir noch nicht, war das noch nicht meine Frau, war noch nicht mal meine Freundin zu dem damaligen Zeitpunkt, aber ist halt eins zum anderen gekommen. Irgendwann hatten wir eine Tochter. Meine Frau ist deswegen eine Weile nicht geflogen und irgendwann hat sie gesagt, sie will wieder fliegen gehen. Wir waren damals in Südfrankreich in einem Urlaub unterwegs. Sie hatte erstmals ihren Schirm wieder mit.
Wir sind nach Saint -André an den Startplatz gefahren. Sie wollte starten, war aber zwei Jahre nicht gestartet. Der Wind oben war ziemlich stark und sie hat sich da nicht getraut. Gleichzeitig waren dann aber drei französische Flugschulen und sonst was. Der Himmel war voll von Gleitschirmen, die alle an der Westkante von Saint -André, die Leute, die das vielleicht kennen, das ist eine wunderschöne lange Kante, wo dann abends die Sonne draufsteht, noch schön ein bisschen Thermik da hochgeblubbert kommt und es einfach, man kann bis zum Sonnenuntergang an dieser Kante längs sohren. Und das sah so toll aus, wie dort längs gesohrt sind, dass wir, ein bisschen kurz gefasst, auf der Rückfahrt Saskia eigentlich sagte, du, ich höre auf. Das wird so nichts mehr. Und ich war angefixt von dem, was ich gesehen habe, wie schön man da dort fliegen kann und wir auch die Überlegung hatten, vielleicht fahren wir ja noch häufiger mal nach Südfrankreich dahin,
dass ich dann gesagt habe, Saskia, bevor du aufhörst, fange ich an. Dann können wir wenigstens zusammen fliegen gehen. Und dann habe ich wenig später schon, das war drei Wochen später, war im Herbst, habe ich direkt den Gleitschirmkurs, also zumindest den Grundkurs, gebucht und habe dann direkt eine Woche das losgelegt, dann im nächsten Frühjahr noch entsprechend weitergemacht. Aber das war im Grunde die Initialzündung. Später war es dann so, dass ich deutlich, oder auch heute, ich deutlich, deutlich mehr fliege als die Saskia. Die Saskia zwischendurch auch, weil sie zeitlich viel eingeschränkter war als ich, auch viel Frust geschoben hat, was sie gesehen hat. Ich bin eigentlich durch sie zum Fliegen gekommen und ich habe sie dann irgendwann überholt gehabt und war viel mehr am Fliegen und viel besser am Fliegen.
Und wenn sie mit mir zusammenfliegen war, war ich oben und sie war unten oder was auch immer. War auch zwischendurch ein bisschen stressig. Das haben wir aber über die Jahre dann ziemlich gut hingekriegt.
In der Vorbereitung für diesen Podcast habe ich mir noch so überlegt, ja, der Lucian, der wohnt ja an einem Ort, was eben, wie du jetzt schon gesagt hast, nicht so oft fliegt. Ist so deine Arbeit im Podcast oder im Bloggen auch ein bisschen ein Ersatz dafür, dass du eben sonst nicht so oft in die Luft kommst?
Ah, das habe ich mich auch schon mal gefragt. Ich kann es nicht beantworten, weil das wäre spannend zu sehen, was ist, wenn ich an den Bergen oder in den Bergen wohnen würde, würde ich weniger bloggen und weniger podcasten, wenn ich mehr zum Fliegen käme. Das weiß ich nicht. Es sind für mich eigentlich auch zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe. Es beschäftigt sich zwar mit derselben Sache, es geht immer ums Gleitschirmfliegen, aber im Grunde sind es zwei unterschiedliche Hobbys, weil das eine ist für mich beim Fliegen wirklich das Erleben der Elemente in dem Moment und das Im -Moment -Sein, sich mit dem auseinandersetzen, was da gerade ist und in dem Moment erleben, was passiert da genau wie.
Das Schreiben wiederum, das ist eigentlich mehr so die Passion, weil ich auch vom Journalismus her gelernt habe, ich kriege es wohl offenbar ganz gut hin, Dinge relativ gut erklären zu können und komplexere Sachen vereinfacht für Leute so darzustellen zu können, dass sie sich was vorstellen können. Oder dass ich auch, ich arbeite als Wissenschaftsjournalist, da muss man ganz viel sich in Themen schnell reinlesen können und auch komplexere Sachen halt schnell so die wichtigsten Punkte dort rausziehen können. Und das ist glaube ich auch etwas, was ich im Blog eigentlich ganz gut mache, weil ich so viel lese durch die ganze Szene durch, und auch durch die ganzen Hersteller durch und sowas, dass ich halt einen sehr guten Überblick habe, was läuft gerade wo, was ist wirklich eine neue Entwicklung oder sowas
und dann auch relativ schnell verstehe, worum geht es dabei eigentlich, was ist das Entscheidende da dran. Und das ist das, was mir dann da halt entsprechend Spaß macht. Aber wo ich sagen würde, das eine ist das Hobby, der Erklärbär zu sein so ungefähr und das andere ist das Hobby, ich fliege für mich.
Bei deiner ganzen Arbeit, entweder beim Bloggen oder beim Podcast, nehme ich an, hast du auch viel gelernt. Ist irgendwas mal bei dir speziell hängen geblieben, irgend so eine Podcast -Folge, wo du gedacht hast, das hat jetzt mich persönlich auch irgendwie weitergebracht beim Fliegen?
Eine, ja, habe ich, ja, doch, doch, doch. Eine Folge, das ist eine Folge mit einem Fluglehrer Paul Seeren und die Folge, ich weiß jetzt nicht, welche Nummer das ist, die kann ich ja in den Shownotes dann noch dazuschreiben, die Folge heisst Kurvenlehre. Und Paul Seeren ist ein Fluglehrer, der auch Modellflugzeuge baut und da eine spezielle Art von Modellflugzeugen baut, die nicht ferngesteuert sind, sondern die nur eigenmäßig so eingestellt sind, dass die im Grunde Kreise fliegen und es gibt da richtige Wettbewerbe, wer baut ein Modell, was am längsten in der Luft bleibt. Und diese Modelle haben die Fähigkeit, sich selbst in der Thermik zu zentrieren. Dafür müssen die eine spezielle Einstellung dafür haben, wie die Flügelschränkungen und wie die Flügel arbeiten können und sowas.
Und dieses Autozentrieren von den Modellen hat der Paul Seeren dann gesagt, ja, ich probiere aus, ob das mit den Gleitschirmen, wie gut das damit aufprobiert, funktioniert. Und der hat dann das ausprobiert und hat gesagt, ja, man kann genauso autozentrierend mit Gleitschirmfliegen. Und er hat das dann auch in dem Podcast selber erklärt, wie das so funktioniert. Und da habe ich gesagt, ah, das ist was, das will ich ausprobieren. Seither, diesen Podcast war, glaube ich, vor zwei Jahren oder sowas, seither arbeite ich daran, beim Gleitschirm -Thermikfliegen immer weniger als Pilot zu machen und immer mehr den Schirm machen zu lassen. Je heftiger, je stärker die Thermik ist, desto mehr muss man als Pilot noch machen, einfach weil auch durch Pendel -Effekt und sowas vieles gestört wird und natürlich der Schirm offen bleiben soll und nicht klappen soll und sonst was.
Aber bei etwas schwächeren Thermiken, da kann man den Schirm ausprobieren, da kann man ungeheuer viel machen lassen. Und das ist etwas, was ich immer noch mehr lerne und mehr übe und was ich auch interessant finde, mit jedem neuen Schirm, den ich jetzt als Testschirm habe, zu gucken, wie gut kannst du das jetzt? Also das ist im Grunde so eine neue Aufgabe in meinem Testkatalog, dass ich dann zwischendurch sage, ja, Schirm, ich bin jetzt mal gespannt, wie gut du selbst dich zentrieren kannst, weil wirklich jeder Schirm in den Punkten ein bisschen unterschiedlich ist. Da spielen ganz viele Sachen rein von Krümmung, von Schränkung des Außenflügels, von wie steif sind die Schirme, wie gut reagieren die ein bisschen auf Gewichtsverlagerung oder nicht. Also sie machen das unterschiedlich gut, aber eigentlich können es alle Schirme und das ist etwas, was ich wirklich aus den Podcasts gelernt und mitgenommen habe und was ich als jetzt noch großen Spaß immer empfinde, wenn ich sage so, hey, du lässt dich jetzt einfach von deinem Schirm fliegen,
und wenn es funktioniert, ist das ein tolles Gefühl.
Letzte Frage. Bald ist Weihnachten. Was wünschst du dir persönlich entweder für den Podcast, für den Blog, für die Fliegerwelt, für die Fliegerinnenwelt? Was wäre so ein Wunsch, was irgendwas mit dem Gleitschirmfliegen zu tun hat für dich?
Wenn ein Wunsch wäre, dann ist es der, dass möglichst wenig Unfälle passieren und die Leute so viel Spaß und auch ich dann genauso eingerechnet, so viel Spaß wie möglich beim Fliegen haben können. Ja, ohne allzu viele negative Erlebnisse.
Und ist das etwas, dass du auch in deinen Podcasts irgendwie bewusst aufgreifst oder bewusst irgendwie Leute einleitest, die dazu einen Input geben können?
Ja, schon. Also es ist ganz häufig, dass auch Themen wie Sicherheit in den Podcasts irgendwie drin vorkommen oder dass ich auch Leute schon mal eingeladen hatte, die ein schlechtes Erlebnis hatten und wo es darum ging, wie seid ihr damit umgegangen? Was hast du daraus gelernt? Oder ich hatte schon mal eine Frau, die lange nicht geflogen ist, weil sie ein schlechtes Erlebnis hat und dann wieder zum Fliegen gekommen ist und jetzt wieder sehr begeistert fliegt und wo die Schalter da waren, die das umgelegt haben, dass sie dann wieder zum Fliegen zurückgekommen ist. Also das finde ich auch immer mit die interessantesten Themen, wo ich auch mitkriege von den Rückmeldungen, die ich dann zum Beispiel auch gar nicht mal immer als Kommentar nachzulesen, aber auch als E -Mail kriege, wo ich dann eine persönliche Geschichte von dem Nächsten erzählt bekomme, der sagt, du, ich habe was ganz Ähnliches erlebt.
Manchmal, je nachdem wie gut die Geschichte ist, sage ich dann manchmal, ich schreibe mir den auf die Liste, ich mache den jetzt nicht als nächsten Podcast, das ist ein ähnliches Thema wieder, aber den könnte ich vielleicht im halben Jahr dann mal machen. Manchmal ist es aber auch einfach, dass die Leute sagen so, ey, das hat mir total geholfen, weil ich habe plötzlich eine Idee gekriegt, wie ich damit vielleicht umgehen kann oder dass ich mir Hilfe holen sollte oder dass ich jetzt, es gab ein paar Folgen, da kam auch immer das Thema Hypnose beispielsweise mal auf.
Und offenbar, ich habe es selber noch nicht gemacht, aber was viele Leute immer so erzählen, dass sie auch mit Hypnose es geschafft haben, manche Flugblockaden wieder aufzuheben.
Und da das schon mehrfach kam, waren auch Leute, die gesagt haben, du, auf diesen Podcast hin habe ich mit dem und dem Hypnosearzt da mal Kontakt aufgenommen und bei mir hat das schon auch was gebracht oder so. Und das finde ich immer toll, wenn ich mitkriege, okay, der Podcast hat wirklich Leuten weitergeholfen. Und dann ist mir auch völlig egal, ob das jetzt nur, selbst wenn es nur dieser eine Hörer gewesen wäre, der den angehört hat und der hat da was rausgezogen, dann hat sich dieser Podcast auf jeden Fall schon gelohnt.
Gut, Jan, ich hoffe, du kannst auch in Zukunft mit deinen Beiträgen ganz, ganz viel Gutes bewirken und vielen Menschen etwas mitgeben, das sie beim Gleitschirmfliegen mitnehmen können. Und ich hoffe vor allem für dich, dass du die Freude daran behältst und selber ganz viele schöne Flüge genießen kannst. Ich bedanke mich jetzt mal nicht nur von meiner Seite, sondern von allen, die dir zuhören, dass du das machst und so viel Herzblut investierst. Ich glaube, es gibt wenige Leute, die so viel Zeit aufwenden, um anderen irgendwie das Gleitschirmfliegen näherzubringen. Vielen, vielen Dank und ich wünsche dir dann ja, ein gutes 2025.
Ja, vielen, vielen Dank. Die Freude ist ganz meinerseits. Und solange ich Freude habe, werde ich das wahrscheinlich auch noch eine ganze Weile weitermachen. Das Schöne ist, also in meinem Leben, ich habe eigentlich ein sehr positives Leben bisher gehabt und habe da immer gesehen, wenn eine Sache vielleicht irgendwann mal weggebrochen ist, ist immer etwas anderes dafür reingewachsen, was mir auch Freude gemacht hat. Von daher mache ich mir jetzt auch keine Sorgen, falls ich irgendwann mal die Lust am Gleitschirmfliegen oder am Gleitschirmpodcasten und sowas verlieren sollte, dann kommt sicherlich etwas anderes. Derzeit habe ich die Freude, aber das Zeichnet es sich aber noch nicht ab. Also ihr kriegt noch einiges von mir zu hören und zu lesen.
Das freut mich. Das freut mich. Vielen Dank.
Sehr gerne.
Das war die Jubiläumsfolge 150 von Podz-Glidz mit mir, Lucian Haas. Mein Dank geht an Stefanie Westerhuis, die überhaupt diese Idee an mich herangetragen hat, einmal mich zu befragen, damit auch ihr etwas mehr von meiner Geschichte und meiner Motivation mitbekommen könnt als Blogger und Podcaster durch den Kosmos des Gleitschirmfliegens zu reisen.
Mehr zu Stefanie könnt ihr übrigens in der Folge 106 von Podz-Glidz die Meteorologin erfahren. Es lohnt sich, die sich auch nochmal anzuhören. Wenn du meine Arbeit an Podz-Glidz und Looglights fördern möchtest, dann findest du alle wichtigen Infos dazu auf der Website looglights.blogspot.com. Dort gibt es den Menüpunkt Fördern. Bis bald. Fall nicht vom Himmel. Ciao.