Und das war halt so wichtig. Du kommst da an und sagst, ich habe es geschafft. Und dann jubeln die Jungs und sagen jawohl. Und du hast einen Flug, der sein muss. Das war dann einfach das Glück, tatsächlich wieder im alten Leben zu sein. Und der Körper spielt mit. Danke, lieber Körper. Und der Krebs spielt mit. Der Krebs lässt zu. Gleitschirmfliegen war lebenswichtig da. Podz
-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Gerhard Leinauer und ich bin Lucian Haas.
Wer des öfteren Sport -TV -Sender wie früher DSF, dann Sport1 und heute Eurosport schaut, der kennt ihn. Gerhard Leinauer ist ein Reporter -Urgestein, der zwar nicht den Fußball, aber andere interessante Sportarten wie Skispringen, Mountainbiken, Eishockey oder Segeln als emotionaler Kommentator begleitet. In dieser Episode 152 von Podz-Glidz gehen wir der Frage nach, warum eigentlich das Gleitschirmfliegen es nicht häufiger ins Fernsehen schafft. Gerhard wäre dafür als Moderator wie berufen, geht er doch selbst seit 30 Jahren regelmäßig in die Luft. Allerdings betreibt der 61 -Jährige selbst die Fliegerei ganz ohne sportlichen Ehrgeiz. Für ihn steht die pure Lust, die Welt mit all ihren Sorgen unter sich zu lassen, im Fokus.
Das Fliegen gibt ihm die Kraft, im Kampf gegen eine Krebserkrankung immer wieder neuen Mut zu schöpfen.
Da du den Podcast hörst, werde doch zum Förderer von Podz-Glidz. Wie das ganz einfach geht, steht im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Förder.
Gerhard, wie lange bist du jetzt schon Sport -Moderator? Seit
über 30 Jahren begleite ich den Job und es ist ein Traumjob. Es ist ein Traumjob. Es ist ein Traumjob. Es ist ein Traumjob für mich, den ich so eigentlich nie vorhatte, aber er entwickelte sich dann wirklich zu einem Traumjob und ich hoffe, dass ich ihn nun lange genug machen kann tatsächlich, auch mit 60
Jahren. Hast du denn in dieser ganzen Zeit, wo du Sport -Moderator warst für die verschiedenen TV -Sender, zuletzt hauptsächlich Eurosport, hast du da irgendwann einmal auch einen Gleitschirm -Event moderiert oder kommentiert?
Nein, habe ich nicht. Hatte ich nie die Gelegenheit dazu, weil es es ja im Fernsehen nicht gab. Ich hatte dann auch mal in den 2000ern eine Sendung am DSF damals mit einigen anderen Verrückten, die hieß Magic Sports. Da haben wir solche Sportarten, damals genannt Fun -Sportarten, versucht groß zu machen und hochzubringen, so ein bisschen in den Fokus zu rücken. Mountainbike zum Beispiel war das Thema. Jeder war verrückt nach Mountainbike. Wir hatten den Weltcup und ich habe das auch tatsächlich versucht mit dem damaligen Gleitschirm -Weltcup. Mit Uli Wiesmann. Uli Wiesmann, der hier bei mir um die Ecke gewohnt hat, also um die Ecke weitestgehend in Richtung Garmisch und war also mit ihm befreundet und habe das versucht und er war im Studio und wir haben dann immer irgendwie versucht, den Gleitschirm -Sport hochzubringen, was natürlich nicht einfach war.
Kleine Kameras gab es nicht. Wie filmst du den Gleitschirm -Sport? Wie filmst du so eine WM? Und haben dann also alle möglichen Sachen versucht, was aber dann nie wirklich gegriffen hat. Ich
meine, das war damals, lange her, damals gab es noch keine GoPro und sonstiges. Wäre es eigentlich nicht eine Idee oder gäbe es nicht eine Möglichkeit zu sagen, heute haben wir eigentlich die technischen Möglichkeiten und eigentlich sollte doch Gleitschirmfliegen so faszinierende Bilder, TV -affine Bilder liefern, dass man das wirklich ins Fernsehen bringen kann?
Ja, absolut. Erinnern wir uns an den Beginn der X -Alps, der Red Bull X -Alps. Da hat ja dann Red Bull da groß aufgefahren. Mit dem Start am Geisberg. Live -Übertragung bei ServusTV. Das ist der hauseigene Sender in Salzburg für Red Bull. Jetzt nicht mehr so direkt, aber damals. Und hat da ja dann auch live von den Stationen berichtet. Aber toll gemacht. Wirklich super vom Handwerklichen, super von der Technik. Aber es hat keinen Menschen hinterm Ofen hervorgezogen. Das war halt unsere Gemeinde, unsere Gleitschirm -Gemeinde hat das geschaut und fand das toll. Und dann hat man das dann tatsächlich nicht mehr weiterverfolgt. Ich habe das damals wirklich mit ein bisschen Neid betrachtet, dass da die Kollegen die Moderation übernehmen konnten, den Kommentar übernehmen konnten.
Ich dachte, Mensch, ich mache das selber und ich würde es auch so gern machen. Und ich fand das super, super toll. Aber es hat einfach niemand interessiert. Sagt man es wirklich so, wie es ist. Und jetzt gibt es die Möglichkeit, und du sagst es, natürlich auch mit den... Ja, du kannst natürlich jetzt auch keinen Helikopter oder keine Drohne in den Pulk der PWC schicken. Das geht natürlich jetzt nicht. Aber es gibt so viele andere Möglichkeiten. Schauen wir nur diese fantastischen YouTube -Videos, die es gibt während der X -Alps oder nach den X -Alps. Die könntest du alle eins zu eins diese Stunde als Magazin in den TV -Sender stellen. Und ich bin mir sicher, dass die, die das aufgenommen haben, sei es ein Gretel Mauer oder ein Patrick von Kähnel, wie sie alle heißen, dass die das auch TV -Stationen angeboten haben.
Aber nichts, gar nichts. Ich bin auch ratlos. Ich weiß nicht,
warum. Zurzeit läuft ja auch die Vendée Globe, so ein Segelrennen rund um die Welt. Und da ist ein Deutscher dabei, Boris Herrmann. Und ich lese ständig irgendetwas über den. Und sehe auch im verschiedensten Fernsehsendern und auch im Onlinesendern und Sonstiges, sind immer auch wieder kurze Ausschnitte von der Vendée Globe und von dem Live -Tracking und von sonst irgendwie was. Wo ich immer denke, okay. Ja. Der ist irgendwo am Südpol, ganz weit weg unterwegs. Und trotzdem schafft er das letzten Endes, also der und auch das gesamte Rennen schafft es irgendwie, ins Fernsehen zu kommen. Und dann denke ich, eigentlich müsste doch Gleitschirmfliegen genau so eine Faszination ausüben wie so ein Segelrennen. Sehr, sehr guter Vergleich, Lucian.
Sehr gut. Genau. Das ist ein Held, ein plötzlich aufsteigender Held, Boris Herrmann. Der bei der letzten Vendée Globe mal tatsächlich kurz vor dem dritten Platz war. Kurz vor dem Sieg. Plötzlich war der dann in aller Munde und ist dann ja 100 Kilometer vor dem Ziel tatsächlich mit einer Fischkutter zusammengestoßen. Und dann war das auch in aller Munde. Und Boris Herrmann war dann plötzlich, das Segeln mit speziellen, sautorgen Booten war dann plötzlich im medialen Interesse. Eurosport ist tatsächlich darauf angesprungen und hat vergangenes Jahr, also 2024, dann die bemannte Vendée Globe gemacht, die Ocean Race. Das ist dann auch Boris Herrmann mit einer Crew gewesen. Die waren dann zu fünft, vier Crewmitglieder und ein Onboard Reporter.
Und der Onboard Reporter segelt mit, aber er hat in erster Linie die Aufgabe, all das in die Welt zu schicken, was er aufnimmt. Der hat Drohnen, der schmeißt die Drohnen heraus beim Sturm und steuert die. Unglaubliche Aufnahmen. Und die verbreitet dann dieser Onboard Reporter. Und dann hat Eurosport gesagt, wir machen da auch eine Sendung draus. Boah, die Ocean Race. Die starten in Kapstadt, fahren einmal um die Ecke und sind weg. Wie machst du eine Live -Sendung draus? Das hat dann gut funktioniert, weil dann hat man die ein bisschen im Hafen rumfahren lassen. Und das war dann spektakulär, dass die auf die Foyers gekommen sind und tolle Aufnahme. Und dann waren die weg. So, dann sind die irgendwo tatsächlich ins Polarmeer verschwunden.
Und wir hatten dann die. Und zwischendurch schon auch mal eine Magazinsendung, eine Stunde mit den Aufnahmen von denen, die an Bord gemacht wurden, was super spektakulär war. Aber auch das war von den Zuschauern her jetzt nicht das, was wirklich auch attraktiv war, was Zuschauerquoten gebracht hätte und hat. Das war ein richtig großer Produktionsaufwand. Aber die Zuschauer waren so, ja, egal. Und da sind wir genau beim Thema. Mein Leid ist, ich bin alles andere als Fußballer und ich bin alles andere als Fußballreporter. Aber wir haben alles versucht, irgendwie an den Fußball mal ranzukommen, aber haben es nie geschafft.
Der macht einfach, der macht, der hüllt den Deckel, die Decke auf alle anderen Sportarten bei uns. Das ist wirklich schlimm und
schwierig.
Ich drehe mal den Sport. Spieß einmal um. Mit einer anderen Frage.
Hat es vielleicht auch Vorteile, dass das Gleitschirmfliegen gar nicht so stark im Sportmedien -Rampenlicht steht? Richtig. Ja.
Ich selber tue mir schwer mit der zunehmenden Wettkampfberichterstattung. Ich war lange Jahre Abonnent vom Cross Country, diesem britischen Magazin. Und das hat immer mehr die Formen angenommen. Ich berichte jetzt auch noch wirklich über den Walk and Fly. Der Hike and Fly Wettbewerb, der da hinten irgendwo in den Bergen stattfindet. Dann gibt es auch noch einen, der über zwei Tage geht. Dann gibt es einen, für die die Schuhe rechts binden. Dann gibt es einen für nur diejenigen, die B -Schirme fliegen. Und da wurde dann berichtet. Und ich sage mir, Leute, es interessiert mich nicht. Lasst uns doch unseren Hike and Fly machen. Es ist wunderbar. Aber nicht jeden Wettbewerb.
Was natürlich dann dagegen spricht, dass ich mich selber. Dann ertappe. Und ich verfolge die Red Bull X Alps mit Tracking und all dem. Das widerspricht dem wieder. Aber das ist dann auch wieder so eine traditionell inzwischen schon gelernte Veranstaltung, die man sehr gerne verfolgt, weil sie auch spektakulär ist. Aber so alle anderen, auch PWC. Es ist nett, toll, was die machen und super. Aber schwierig. Nett ist, wenn beim XContest die Menschen jetzt nach Brasilien fliegen, um da den XContest zu gewinnen.
Das hat nichts mehr damit zu tun mit dem DHV XContest so ungefähr. Und zu sagen, okay, wir sind halt in unserem Land und da versammeln sich die, die jetzt am weitesten fliegen, die meisten Punkte sammeln. Super. Aber dafür wirklich alles stehen und liegen. Fliegen zu lassen und zu sagen, ich mache hauptsache ich mache Punkte und hauptsache ich mache 500 Kilometer Strecke, um da möglichst viele Punkte zu kriegen. Da bin
ich dann raus. Du hast ja schon erwähnt, du bist ja auch Gleitschirmflieger. Aber wenn ich das jetzt richtig bei dir so raushöre, dann siehst du das Fliegen für dich aber eigentlich gar nicht als Sport.
Ertappt.
Ertappt. Weil ich. Ich habe immer als Jugendlicher dieses Fliegen so mit den Augen gesehen, so dass das ist für uns unerreichbar. Das ist unglaublich, dass wir uns das in die Lüfte erheben können. Und dann habe ich tatsächlich selber diesen Drachenkurs gemacht 1986 und hatte zum ersten Mal dieses Erlebnis. Oh, ich kann tatsächlich. Ich verliere meine Beine unter dem Boden und ich kann fliegen. Das, was vor uns der Schneider von Ulm und die Brüder Wright versucht haben, mit mehr oder weniger Erfolg. Wir sind die Generation, die fliegen können. Und mir ging es so um dieses Fliegen und hatte dann den Drachen, der mir dann tatsächlich zu kompliziert wurde, weil er zu sperrig war, ihn zu transportieren.
Und als dann das Gleitschirmfliegen aufkam, habe ich sofort auf Gleitschirmfliegen umgewechselt, weil ich da dann dieses Gefühl hatte, ich habe dann ein Päckchen auf dem Rücken, mit dem gehe ich auf den Berg hoch. Tatsächlich damals schon mit Hike & Fly, ohne Gondel oder mit wenig Gondel, gehe auf den Berg hoch und fliege da runter. Und das ist das, was mich immer so an diesem Fliegen begeistert hat. Und jetzt auch noch. Ich bin da oben, gehe nicht auf Strecke oder wenn es irgendwie geht, so ein bisschen um die Ecke und ein bisschen hier und her. Aber ich will von oben runter schauen und diesen Blick, der ist unvergesslich, der prägt sich so ein, dieser Blick von oben auf die Erde zu schauen, dass ich manchmal, wenn ich zu viel in der Thermik rumsuche oder irgendwelche Konvergenzen, die wir im Tal haben, versuche auszureiten und noch dahin zu kommen, dann lande ich und denke mir, Mensch, du hast kein einziges Mal auf die Berge geklotzt, kein einziges Mal auf die Hauptkette, kein einziges Mal ins Flachland, kein einziges Mal auf dem See.
Du hast nur damit beschäftigt, auf deinen Vario zu hören und zu sehen und irgendwo geradeaus den Blick, wo könnte jetzt die Wolke und wo könnte die Thermik sein. Und da bin ich dann gelandet und denke mir, Mensch,
schade, schade. Ich finde das interessant, dass du als, auf der einen Seite als Sportmoderator bist du ja sehr leistungshörig und achtest dann da drauf und berichtest ständig über Leute, wo es nur darum geht, auf welche Plätze kommen sie und wie weit springen sie oder wie weit fliegen sie. Also Fliegen jetzt beim Skispringen gesehen oder Skifliegen, was du jetzt auch gerade für Schanzen Tournee gerade moderiert hast und so weiter. Da geht es immer um Leistung. Und dann ist dann für dich das Gleitschirmfliegen aber so eine leistungslose Geschichte. Hast du da wirklich nie eigene Leistungsambitionen gehabt? In der Tat nein. In der Tat
wirklich nein, weil ich das so trenne, dieses, diesen Sport und diesen Genuss. Und der Genuss überwiegt über so viel, also dass ich da auch sage, ich muss jetzt auch die Leistung bringen. Ich habe es versucht mit meinen Gleitschirmkumpels, die besser fliegen als ich, die dann auch auf Strecke gehen. Und ich bin da echt ein Streckenversager. Ich komme da nicht weit und ich bin immer noch erstaunt, dass Menschen diese 100 Kilometer geschafft haben, die 300 Kilometer Dreiecke. Wie geht das? Aber es ist nicht meine Intention. Es ist nicht meine Priorität, die ich da oben habe.
Ganz, ganz komisch. Es reicht mir, wenn ich zweieinhalb Stunden in der Hausberg Thermik von der linken in die rechte Thermik dann ein bisschen, klar, schon ein bisschen weiter fliege, dann lasse es 20 Kilometer eine Runde sein. Damit bin ich vollkommen zufrieden, weil ich die Zeit hatte, diesen Flug zu genießen. Und das ist einfach, glaube ich, das ist in den 30 Jahren, 40 Jahren bald so zu drin, dass ich das nicht mehr in eine Leistungsstufe bringe. Vielleicht auch, weil ich mit so viel Leistung immer konfrontiert bin mit der 1 -0 -Berichterstattung in meinem Job.
Das heißt, der Sportmoderator Gerhard Leinauer ist im Grunde ein anderer Mensch als der Flieger Gerhard Leinauer.
Ja, ja. Also wirklich. Dieses Fliegen in dieser Faszination, durfte ich nicht verlieren, diese Faszination, dass du ein Mensch bist, der fliegen kann. Das ist immer noch so diese Faszination dahinter, die ich nicht mit, wie gesagt, nur Konzentration auf Sport, auf Strecke, auf wo ist die nächste Thermik und wie viel schaffe ich und wie lang darf ich, wie lang bin ich in der Luft heute gewesen? Habe ich mal die drei Stunden jetzt oder so? Nein. Nein, das bringe ich auch nicht mehr rein in meinen alten Schädel.
Hast du denn trotzdem mal beides in irgendeiner Weise kombiniert? In der Form, ich sage mal, als Sportmoderator bist du ja sicher weit auch in der Welt herumgekommen, weil es dann Sportevents auf aller Welt gibt und da müssen die Moderatoren, zumindest früher war das so, die müssten immer vor Ort sein. Heute gibt es mit Online -Medien teilweise sicherlich, dass du das auch von zu Hause kommentieren kannst. Aber wenn du so weit in der Welt herumgekommen bist, hast du dann den Gleitschirm mitgenommen, um zu sagen, in den Pausen kann ich da vielleicht auch irgendwo mal ein kleines Abenteuer erleben?
Ja. Damals, als wir diese Sendung Magic Sports hatten, waren wir dann ja immer tatsächlich in meinem Traumjob noch einen draufgesetzt. Du bist Reisereporter. Du kannst tatsächlich da, wo andere Urlaub machen, kannst du jetzt dein Geld verdienen und kannst die schönsten Orte dieser Welt in ein Programm fassen. Vor allen Dingen, weil ich damals ein bisschen, ja,
außergewöhnlich war. Ich habe viele Sportarten gemacht. Ich bin aufgewachsen mit dem Kanu -Sport. Ich hatte eines der ersten Mountainbikes, war dann auch Gleitschirmflieger und das war alles recht exotisch. Also war diese Sendung darauf aufgebaut, der Leinauer macht das alles und kann das alles selber machen und moderiert dabei. Und da war immer die Priorität, ich will meinen Gleitschirm dabei haben. Und weil das Gleitschirm -Thema ist überall, kann man überall fliegen, was dann auch so war. Da macht man dann so einen Zwischenpart. In Zypern macht man dieses und jenes und taucht. Aber in Zypern ist auch eine Klippe über den ganzen Ausgrabungsstätten.
Da kann man wunderbar so an. Tolle Bilder. Südafrika. Südafrika Lions Head. Da kann man auch irgendwo starten. Also schleppe ich meinen Gleitschirm dahin und kann auch da irgendwo starten.
Alles gut und schön. Allerdings war dann das Einschränkende bei so einem Reisemagazin, war dann nicht, ach ich fliege da jetzt schön Lions Head. Ich fliege jetzt schön eineinhalb Stunden oder so lange es geht. Zwei Stunden. Oder Babadag in der Türkei. Toll, wunderbar. Sondern es geht darum, dass du die Bilder im Kasten hast. Die Bilder im Kasten. Das heißt zack, zack, schnell, schnell. Wir haben keine Zeit. Wir müssen dann nämlich weiter. Wir müssen dann vom Gleitschirm vom Lions Head in Kapstadt müssen wir weiter in die Hans Bay zum Tauchen mit dem Weißen Hai. Also Tauchen mit dem Weißen Hai. Schnell, schnell, schnell. Und so weiter. So ist dann der Tag aufgebaut. Und ich hatte gar nichts von meinem Gleitschirm. Ich hatte nur einen Start. Den filmen wir. Und dann so ein bisschen in der Luft. Und dann musst du aber schnell landen.
Irgendwo. Weil dann geht es weiter. Trotzdem. Also bezahlt quasi so ein bisschen Gleitschirmfliegen. Das war jetzt nicht schlecht. Ich möchte es nicht
so schlecht machen, wie es tatsächlich war. Zeigt aber journalistisches Gleitschirmfliegen ist vielleicht nicht das, was man sich wünschen würde. Genau. Also das muss dann trotzdem noch einfach für mich, wie gesagt, immer noch der Genuss bleiben. Wie hat sich deine Herangehensweise an die Fliegerei denn über die Jahre verändert? Oder ist die wirklich immer gleich geblieben?
Ich war lange Zeit so Alleinunterhalter. Ich bin dann allein auf die Berge gegangen. Und bin fliegen gegangen. Habe die Thermiken vermieden. Habe tatsächlich die Thermiken vermieden. Oh, es rumpelt. Ich muss landen. Und weil ich allein war. Bei uns in den Bergischen Alpen rum. Die schönsten Startplätze dann so. Und da war das Hike and Fly noch nicht so das Thema. Und da habe ich dann tatsächlich immer nur das Berggehen im Kopf gehabt. Und ich kann mich halt einfach wunderschön genussvoll wieder nach unten begeben auf dem Gleitschirm. Und dann habe ich 2017 habe ich dann zwei Jungs, also ältere Jungs in meinem Alter kennengelernt.
Auf dem Weg auch nach oben. Ich kannte den Weg jetzt nicht mehr so. Und die waren da. Und wir kamen ins Ratschen und sind dann oben angekommen am Gipfel und haben so viel geratscht, dass wir gar nicht gemerkt haben, dass unten der Nebel von rechts und von links ins Tal reinkommt. Dann sind wir tatsächlich gerade noch in diesen Nebel rein. Was man da schon hätte nicht mehr machen dürfen. Wie dem auch sei. Wir haben uns dann wirklich so mit diesem Erlebnis auch dann weiterhin befreundet. Und dann haben sie gesagt, sie sind in der Gleitschirmgruppe. Der Heinz und der Guido. Da waren die zwei, die Gleitschirmgruppe. Wir sind dann ein paar Leute, die sich dann immer wieder mal versammeln. Die heißt Moin Fliegen. Also morgen fliegen auf Bergisch. Und da waren wir dann mit Siggy, Stefan.
So ein paar Leute. Und die sind... Wie gesagt, die besseren Flieger. Und da habe ich mich dann etwas mehr zusammenreißen müssen. Auch mal länger in der Luft zu bleiben. Und nicht Thermiken zu verarbeiten. Sondern auch länger in der Luft zu bleiben, um mit denen mitfliegen zu können. Was ich dann mehr oder weniger gut geschafft habe. Und habe dann auch mal einen High -B -Schirm mir angeschafft. Weil ich mir denke, mit einem High -B -Schirm geht das alles besser. Was dann auch wirklich gut war. Ich habe mich dann auch gut auseinandergesetzt. Und so kann ich jetzt da... Einigermaßen mithalten.
Brigitte und Heinz fliegen inzwischen zwei Liner. Da werde ich nicht mehr hinkommen. Aber mit Siggy und Stefan... Die sind dann etwas ruhiger. Da halte ich dann mit. Es ist einfach das nette Zusammensein. Und eine Freundschaft. Wo man halt einfach auf den Berg hochgeht. Und plaudert. Und über Gott und die Welt redet. Das ist dann wirklich das Schöne.
Ist dann noch das Fliegen so wichtig? Oder ist es mehr diese wirklich Gemeinschaft? Und das Fliegen ist dann nur noch das kleine Sahnehäubchen obendrauf?
Fifty -fifty. Ist die Gemeinschaft. Ganz tolle Gespräche am Berg hoch. Das Bergsteigen liegt mir sowieso auch so ein bisschen im Blut. Und dann ist es aber auch natürlich die Vorfreude auf das Fliegen. Das ist dann schon auch hike to fly. In erster Linie. Weil dann wir uns die Tage aussuchen, an denen es fliegbar ist. Also wir gehen jetzt nicht nur so gaudihalber in die Berge. Und nehmen unser Päckchen mit. Und schauen, ob es geht. Sondern es ist dann schon die Intention, dass wir fliegen gehen. Aber im Winter ist es dann tatsächlich halt nur der Abgleiter. Jetzt im Schnee. Wunderbar. Aber es ist dann auch das Gleiche mit, wenn wir im Sommer länger fliegen. Und eben auch zum Thermikfliegen gehen. Aber das ist wirklich einfach so eine angenehme.
Und für mich auch jetzt in meiner schwierigen Lebenssituation. Ganz, ganz wichtige Bezugspunkte, meine Freunde.
Du hast gerade selber gesagt, eine schwierige Lebenssituation. 2020 wurde bei dir eine seltene Form von Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Wie groß war das ein Schock für dich?
Der riesige Schock. Weil man ist unsterblich. Also man ist unsterblich geboren und bleibt auch unsterblich. Und dann kommt tatsächlich eine Krebsdiagnose.
Die wirklich, ja klar, brutal ist. Es kommt aber diese Diagnose. Und dann habe ich in so einem Blättchen gelesen. In so einem Krankenhausblättchen, Ratgeber. Das, was sie jetzt haben, so ungefähr, das ist lebensverändernd. Und ich so, nee, ist es nicht. Also ich werde jetzt mein Leben nicht verändern und will es auch nicht verändern. Ganz was anderes, wenn man natürlich unter so einem Krebs leidet, der einen dann... für Schmerzen bereitet, der einen dann gebrechlich macht und wirklich dann ans Bett oder an Instrumente bindet. Das ist ganz was anderes. Ich hatte jetzt diese Form, die man durchaus behandeln kann, die man bestrahlen kann. Und habe gesagt, ich will mein Leben nicht ändern, weil ich habe ein so glückliches Leben.
Ich habe den Traumjob. Und ich will, das war tatsächlich dann der Punkt, ich will weiter fliegen. Also ich will dieses Fliegen, das ist mir so wichtig und das ist wirklich lebenswichtig tatsächlich, dass ich das niemals aufgeben möchte und deswegen komme klar mit dieser Krankheit.
Wie passt denn Fliegen mit so einer Krebstherapie überhaupt zusammen? Also ich stelle mir vor, die ist ja auch relativ belastend. Du hast gesagt, du hast Bestrahlung bekommen, wahrscheinlich eine ganze Reihe davon. Sowas schwächt ja auch den Körper. Kann man dann trotzdem noch fliegen gehen oder ist es, dass man sagt, okay, ich habe jetzt ein halbes Jahr eine Krebsbehandlung und freue mich danach, irgendwann mal wieder fliegen gehen zu können?
Die Bestrahlung ist inzwischen ja auch von der Physik her so tadellos und das geht wirklich punktuell und dann wird das Ding weggeschmort. Das belastet nicht. Es muss dann halt eine Chemo, eine Nachfolgechemo gemacht werden, um sicherzugehen, dass alles wirklich ausradiert ist. Und diese Chemo ist dann das Belastende. Da liegst du dann eine Woche lang stationär, zwei Wochen dann zu Hause, wieder eine Woche stationär, liegst du da und es fließt tatsächlich rote Flüssigkeit in deinen Körper. Also wirklich Gift. Du siehst es, dass es Gift ist. Und dann liegst du da, was dich natürlich schwächt. Und natürlich, da entwickelst du diesen, da habe ich dann diesen Durchhaltewillen entwickelt. Ich habe gesagt, ja gut, die Chemo muss jetzt sein. Ich akzeptiere das.
Weil es ist ja auch in meinem Körper, dass das Böse, das Böse ist auch in meinem Körper. Also ich muss das auch akzeptieren, weil es mein Körper ist. Ich liebe meinen Körper. Es ist alles gut und da ist auch das Böse drin. Das ist schwer zu glauben, aber dann zu sagen, auch dich nehme ich an, du böses Lymphom da drin. Aber bitte geh halt auch wieder weg. Und auch dieses, es darf nichts Lebensveränderndes sein und zeig Stärke. Ich habe auch eine ganz starke Familie hinter mir. Meine Frau, so schwer das ist für Außenstehende, dann aber mir Stärke zu geben. Und ich habe alle gebeten, nicht jetzt auch Gottes Willen und auch zu jammern und zu sagen, um Gottes Willen, sondern gebt mir Stärke, sagt meine Eltern.
Gebt mir Stärke. Weil die Eltern natürlich dann gleich da sind und sagen, Gott, nein, das will ich nicht. Sondern ich brauche jetzt alle eure Stärke. Von meinem Sohn, von meiner Frau, von allen. Und das ist dann auch ganz wichtig, wenn du das um dich herum spürst. Und dann kommt auch tatsächlich das Gleitschirmfliegen ins Spiel. Und meine Freunde, die dann in dieser Phase Bilder geschickt haben. Sie sind in Bassano und fliegen und mir berichtet haben mit der Frage, ist es okay für dich? Oder zieht es dich runter? Da sage ich nein, gar nicht. Sondern ich will das sehen, was ich auch wieder machen kann und will. Also ihr seid jetzt in Bassano oder ihr seid in unseren Bergen und fliegt. Wunderbar. Ich neide es euch nicht, sondern es pusht mich, es baut mich auf,
das auch danach wieder machen zu können. Und tatsächlich, ich bin dann körperlich natürlich geschwächt, aus der Chemo raus, haben sie mich auf den Berg geschleppt und gesagt, so, wir gehen jetzt auf den Berg. Und wenn es bei dir geht, wenn es okay ist, gehst du mit. Sag ich, ja, ich probiere es mal. Wir müssen halt dann vielleicht umkehren oder ich muss umkehren. Und dann haben sie mich wirklich, so das letzte Viertel des Berges, haben sie mich motiviert. Wie ein Sportler sagt, komm, du schaffst das, du schaffst das. Wir gehen voraus, es ist okay für dich und du gehst deinen eigenen Rhythmus, aber du schaffst das. Wir treffen uns dann oben am Gipfel. Und das war halt so wichtig. Du kommst da an und sagst, ich habe es geschafft. Und dann jubeln die Jungs und sagen jawohl. Und du hast einen Flug, der sein muss, der sein muss, weil ich konnte nicht mehr gerade stehen.
Runterlaufen
wäre keine Alternative gewesen.
Wäre keine Alternative gewesen. Was er dann beim Heike gesagt hat, ich
habe den
Fly immer bei den Ratgebern, du musst dann schon oben noch Reserven haben, dass du runterkommen musst, dass du runterlaufen kannst. Das war nicht, nur kein Vorwärtsstart. Weil diese paar Schritte, Vorwärtsstart, schwierig, sondern einen schönen Rückplatz starten und aus dem Stand raus, perfekt. So ungefähr war das. Aber das war dann einfach das Glück, tatsächlich wieder im alten Leben zu sein. Und der Körper spielt mit. Danke, lieber Körper. Und der Krebs spielt mit. Der Krebs lässt zu.
Gleitschirmfliegen war
lebenswichtig da.
Bei diesem ersten Hochlaufen, wo du gesagt hast, die haben dich quasi hochgezogen oder so motiviert, aber oben, du hättest nicht mehr runterlaufen können. Hattest du denn so etwas wie einen Plan B? Oder hast du es wirklich drauf ankommen lassen?
Ich habe es wirklich drauf ankommen lassen. Also es war dann ziemlich bald klar, dass dann der Wind Südhang, dass also da die Ablösungen wirklich hochziehen und dass es auch so bleibt. Und man hat ja inzwischen sämtliche Windmodelle dann studiert und da geht nichts schief. Ein bisschen blauäugig natürlich. Klar kann was schiefgehen. Aber da habe ich es dann drauf ankommen lassen. Ja, ich hätte mich dann schon noch runtergeschleppt. Das wäre schon auch gegangen. Aber den Plan B hatte ich da nicht. Sondern das war so jetzt der Plan A muss funktionieren. Jetzt auch nicht auf biegen und brechen muss funktionieren, sondern ich bin einfach davon ausgegangen, dass er funktioniert. Weil ich habe wirklich gedacht, ich habe wirklich sehr fürsorgliche und umsichtige Gleitschirmfreunde.
Und die auch da dafür gesorgt hätten, dass ich wieder heil runterkomme.
Nun hast du ja nicht nur einmal Krebs gehabt, sondern wenn ich es richtig weiß, du hattest glaube ich 2020, ist das zum ersten Mal aufgetreten. Das wurde dann behandelt. Dann kam das ein Jahr später wieder zurück und 2023 dann noch einmal. Wenn man das immer wieder da so hat, zweifelt man daran, dass man dann auch manchmal, ob das Gleitschirmfliegen und sowas da noch Platz im Leben auf Dauer haben kann? Nein, nein. Gar kein
Zweifel. Wirklich gar kein Zweifel.
Das zweite Mal, das Rezidiv, wie es ja genannt wird, um mit der Arztsprache zu bleiben, das war verbunden mit Todesangst.
Wirklich Todesangst kennt man ja nicht. Kennen wir nicht. Man hat Angst. Man hat ein bisschen Angst, wenn man vielleicht einen Unfall hat und so. Aber Todesangst. Mit einem Rezidiv wieder eine Diagnose zu bekommen, du hast es wieder. Und damit war ja klar, dass die Chemo, die ich vorher beschrieben habe, dass die nicht geholfen hat. Und dann wird dir bewusst, okay, das ist jetzt das Ende, wenn die Chemo nicht hilft. Es war eine andere Ausprägung, Gott sei Dank. Es war eine ganz andere Ausprägung von Krebs. Schon in die Richtung, aber es hatte was mit dem Blut zu tun. Es ist nicht Leukämie, sondern es ist eine andere Variante.
Leukämie ist ja dann im Knochenmark die Fehlbildung des Blutes, wenn das Blut da herauskommt. Bei mir ist es außerhalb dann eine Fehlbildung des Blutes. Was aber ganz gut behandelbar ist mit der Stammzellentherapie. Man übernimmt die eigenen Stammzellen, die werden extrahiert und die werden mir dann wieder zugeführt. Was dann wirklich auch in den Augen der Ärzte eine richtig gute Chance hat, das zu heilen oder zumindest dann palliativ, dass ich möglichst lange damit leben kann, das funktioniert. Und da klammert man sich dann natürlich fest. Und dann sagst du auch trotzdem wieder, ich möchte mein Leben so weiterführen. Das ist das Ziel. Ich möchte mein Leben so weiterführen. Ich möchte meinen Job auch so weitermachen und möchte auch das Gleitschirmfliegen tatsächlich so weitermachen.
Da gibt es dann genau den gleichen Halt, den du beim ersten Mal hattest, der dich wirklich, ja, weitergebracht hat in der Überlebensform. Den musst du dann auch wieder natürlich übertragen auf die zweite Krebsart. Du musst sagen, okay, da geht es jetzt genauso weiter. Ich kann dann auch wieder meinen Job tätigen und ich kann auch wieder und will auch wieder Gleitschirmfliegen, weil das bringt mir so viel. Ich habe dann aus Dank oben in der Luft, habe ich geheult das eine oder andere Mal. Ich war einfach in der Luft und habe aus Dankbarkeit das jetzt auch überstanden, überstanden zu haben, sind mir die Tränen gekommen. Die Sorgen -Session, die hat eine Stunde gedauert. Da habe ich eine halbe Stunde geplagt da oben.
Und da merke ich halt, wie wichtig es mir da ist, da oben zu baumeln und die Erde von oben zu sehen und das zu machen, was ich liebe. Das habe ich da halt gemerkt, wenn du natürlich dann solche Emotionen hast. Und das will ich und wollte ich in keinster Weise irgendwo verlieren.
Ist für dich dann Gleitschirmfliegen gewissermaßen Teil der Therapie?
Ja, tatsächlich. Als mir die Stammzellen wieder gegeben wurden, da ist man ja drei Wochen lang, bin ich drei Wochen im Krankenhaus gewesen, weil man erst den ganzen Körper platt macht und dann meine eigenen Zellen wieder zurücktransplantiert. Und da ist es wichtig, alles jetzt natürlich zusätzlich zur Familie. Die Familie, die dann besucht und Kontakt hat, meine Frau, die mir so viel Stärke dann mitgibt, waren dann auch die Freunde, die halt dann auch erzählt haben, Lucy und Wolfi sind in Bassano und machen dieses und jenes. Und das war das gleiche Bild wieder. Du liegst drei Wochen da und neidest keine Minute von deinen Freunden, die jetzt in der Luft sind oder in Bassano sind, sondern du sagst auch da,
da will ich wieder hin. Und das gibt dann so viel Stärke in dir, dieser Wille, dieser Wille, da wieder hin zu wollen, wo du 30 Jahre lang immer wieder mal warst, in der Luft nämlich, auf dem Berg, in der Sonne zu sitzen, Brotzeit zu machen, gute Gespräche zu führen und dann runter zu fliegen, zufrieden zu landen und ein Landebier zu trinken, das ist so ein erfüllender Tag, der therapeutisch wirkt. Schon allein in der Vorstellung. Nicht zu wissen, ich kann es weiter, ich will es weitermachen, ich kann es weitermachen, aber allein in der Vorstellung, wenn mir meine Frau sagt, Freunde schreiben oder Bilder schicken, dann habe ich diese Vorstellung, dass ich das auch bald wieder mache und dieses Machen ist die Therapie.
Was sagen deine Ärzte dazu? Also wenn du so sagst, so gewissermaßen nach der Chemo als erstes, was ich mache, ist auf den Berg zu rennen und dann mal runter zu fliegen, ein bisschen übertrieben gesagt wahrscheinlich.
Nein, genau so war es auch. Also die Ärzte haben sich darauf eingestellt, ganz tolle Ärzte übrigens, in der heutigen Zeit, das ist unfassbar, wie empathisch die alle sind und du fühlst dich da, als Patient, wirklich nur von denen an die Hand genommen. Die haben irgendwann kapiert, was mein Überlebensdrang ist und was meine Überlebensstrategie ist in diesem ganzen Konstrukt. Das fing an, als ich gesagt habe, naja, ich habe dann jetzt, ich bin jetzt die Woche da, aber Freitag müsste ich dann mittags raus, weil 16 Uhr ist Skispringen. Dann ist er fertig. Also wissen Sie, Sie sind krank so ungefähr. Das haben Sie jetzt nicht so in den Mund genommen, aber meinen Sie wirklich?
Dann sage ich ja, ich bin Freier und es ist halt so, dass wir schon sehr spezialisiert sind auf unseren Posten und wenige das dann auch machen können. Also jetzt dann auch in die Schweiz. Ich habe gesagt, ich müsste dann raus, weil ich am nächsten Tag, am Samstag in die Schweiz müsste, um dort das Segeln zu kommentieren. Wie in die Schweiz? Ja doch, ich müsste dann, also wirklich, und dann haben die so langsam kapiert, dass mir das wichtig ist, dass ich da auch zu dem Zeitpunkt wissend, ich muss da, ich will da einen Job, dass das für mich wichtig ist. Und dann haben sie es akzeptiert und dann kam dann auch mit dem Gleitschirmfliegen, was, Sie fliegen Gleitschirm? Nein, das geht jetzt aber nicht, weil das können wir jetzt gar nicht brauchen, wenn Sie sich jetzt den Knochen brechen, das wärmiert in die Therapie.
Dann habe ich gesagt, ja, aber ich brauche es, liebe Leute, das ist so wichtig für mich. Ja, das können Sie doch gar nicht, Sie kommen doch gar nicht auf den Berg hoch, ohne Gondel, sag ich doch.
Das habe ich letztes Mal geschafft, schaffe ich jetzt auch und es geht und ich brauche es. Und sie haben dann schon Kopf geschüttelt, anfangs, aber dann ist wirklich schon gesehen, dass ich das als Therapie, sowohl Job, als auch Gleitschirmfliegen brauche und sind dann mit dem gewachsen. Also die hatten das natürlich auch noch nie, so einen Verrückten, der sagt, ich will jetzt da, ich muss raus, weil ich dann auf den Berg will oder weil ich dann in meinen Job muss. Das hatten die noch nie. Und jetzt haben sie in mir so einen ganz neuen Fall und haben gesehen, wie ich damit umgehe und wie ich damit lebe und wie stark mich das macht. Die haben immer gesagt, ja, Sie haben so eine tolle Konstitution, deswegen überstehen Sie auch diese Therapie so gut. Mir wird es nicht schlecht, ich muss nicht brechen,
ich stehe auf meinen eigenen Beinen. Das ist ja nicht oft der Fall und sie haben gesehen, dass ich das noch kann, dass ich dann einfach auf eigenen Beinen die Klinik verlassen kann und dann auch wieder zurückkomme und strotze, in Anführungszeichen, vor Gesundheit nicht, aber ich strotze und dann wussten die schon, da gibt es Zusammenhänge. Da hat sich Zusammenhänge zwischen diesem Freizeit -Job -Geschehen und dem Bewältigen der Krankheit.
Das heißt, Job und Fliegen geben dir Kraft. Ja. Hat sich denn durch diese Krebskrankheit
dein Erleben beim Fliegen verändert? Also jetzt nicht das Hochlaufen und so, wo deine Freunde, sondern wo du auch wirklich sagst, das Fliegen selbst nimmst du jetzt anders, intensiver, was auch immer war?
Ja, ich bin näher beim Herrgott.
Nein, das nicht. Das ist immer noch das Gleiche. Wie gesagt, die emotionalen Ausbrüche kommen öfter. Also wirklich diese, jetzt lass einfach mal die, also jetzt Hände hoch, Bremsleinen und flieg jetzt einfach mal gerade in die Sonne. Genieße diese Strahlen, die das Leben bedeuten und flieg darauf zu und lass die Thermik aus oder peile jetzt nicht den nächsten Hang an oder den Prallhang oder irgendwas, sondern flieg jetzt einfach. Und das kommt immer wieder mal so. In dieser ganzen Form, in dieser ganzen Fliegerei, wo man dann tatsächlich natürlich schaut, dass es nicht wackelt, dass der Schirm offen bleibt und so, wenn es schlimm ist. Aber dann kommt, muss dieser Moment, muss da sein.
Dieses innehalten, in Anführungszeichen innehalten, nach unten schauen und auch heulen. Und auch dann wirklich da oben heulen zu können, das ist vermehrt da.
Der Genuss am Fliegen ist das Gleiche.
Kannst du in der Luft sogar leichter heulen als auf der Erde? Ja.
Ja. Da tatsächlich. Ich habe dann natürlich, als es schlimm war, in den Armen meiner Frau auch geheult. Dann kamen die Tränen auf dem Sofa und ich habe geheult wie ein Schlosshund. Das dann schon. Das war aber eigentlich so das Krebsheulen. In der Luft ist es so das Dankbarkeitsheulen gewesen. Also da war es dann nicht die Verzweiflung, sondern da war es dann wirklich aus Dankbarkeit.
Nun ist das Moderieren, soweit ich es verstehe, der Job, das ist dein Leben, sehr emotional, wie du es machst. Und du fliegst und das ist auch wieder sehr emotional für dich. Gibt es etwas, wenn du jetzt sagen müsstest, okay, diese Krebskrankheit zwingt mich doch dazu, irgendwo zurückzutreten. Worauf könntest du eher verzichten? Auf den Job.
In der Tat, sage ich jetzt so leichtfertig, ich weiß nicht, wie es dann ohne wäre. Also meine Freunde sind dann schon zeitig aus ihrem Job raus, waren Manager bei BMW und so. Also wirklich gute Jobs, aber haben in der Früh gerettet und kommen gut klar damit. Aber das ist halt ein ganz anderes Konstrukt gewesen. Das war weisungsgebunden, Chef und all das. Ich bin ja frei, vogelfrei in der Arbeit, seit ich arbeite. Da jetzt wegzugehen, zu sagen, ach, ich brauche die Arbeit eigentlich gar nicht. Ich konzentriere mich mehr aufs Fliegen, kommt natürlich dann schon immer wieder so, dass du sagst, komm, jetzt mach mal langsam. Du hattest jetzt die Krankheit, du hast es überstanden. Jetzt setz dich mal in deinen Bus und fahr viel öfter in die Berge. Bleib da mal ein, zwei Nächte und konzentrier dich einfach mal auf die Berge und auf das, was du gerne machst, auch paddeln oder so.
Und vor allen Dingen fliegen. Und da brauchst du den Job nicht. Weiß ich nicht. Weiß ich nicht, aber ich würde da auf deine Frage wirklich sagen, ich könnte jetzt, wenn ich es mir aussuchen würde, tatsächlich auf den Job verzichten.
Du bist mit der Moderatorin Alexandra Pau in Polzin verheiratet. Fliegt die auch?
Nee. Nee. Also kein dran denken und auch kein ranführen. Sie hat einen schweren Knieschaden von der Handball, von ihrer Handballkarriere und das ist dann immer so eine Hemmung, auch beim Skifahren gewesen. Und auch wenn wir lang laufen gehen, ist das wirklich so eine Hemmschwelle, was jetzt in erster Linie jetzt nicht Knie und Gleitschirmfliegen ist keine Korrelation, ist keine Korrelation da, außer beim Anlauf oder beim Landen. Aber trotzdem, es ist halt diese, ich mache so was, was meinem Knie schaden könnte, weil das wäre dann irreparabel, wenn sie sich nochmal das Kreuzband reißen würde. Wäre dann wirklich schwierig, sagen alle Ärzte. Deswegen lässt sie so was dann eher sein und lässt mich machen.
Auch jetzt in oftmals Angst um mich, also wirklich so. Aber sie sagt, ich kann da gar nichts anders sagen, als dich zu lassen. Also das ist nie das Thema, weil ich ja sehe, wie viel es dir bedeutet. Das ist so eine ganz, ganz klare Aussage immer wieder gewesen. Und das ist wirklich auch stark, dass sie das einfach auch ohne Kummer lässt sie mich gehen und sagt, geh du, mach du dein Ding. Ich habe eh Arbeit oder ich mache andere Sachen.
Deine Frau sieht, dass das Fliegen dir was bringt. Deine Ärzte sehen, dass das Fliegen dir was bringt. Du siehst es eh. Also vielleicht wird irgendwann Gleitschirmfliegen noch zur neuen Therapieform heraufgestuft.
Ja, aber für die Krankenkasse wäre es dann wichtig, wenn die das bezahlen. Das wäre cool. So einen neuen Schirm. Ich bräuchte einen neuen Schirm. Liebe Krankenkasse, das ist eine wirkliche Therapie. Schaut her. Ihr müsst dann keine Chemotherapie mehr bezahlen, was unendlich viel teurer ist. Zahlt mir einen neuen Schirm und alles ist gut.
Ja, wäre wirklich viel günstiger als irgendwelche Immun - und sonstige Therapie, wo dann ein Shot dann teilweise Tausende von Euro dann oder Zehntausende von Euro dann manchmal sogar kostet. Ja, richtig, richtig. Heute, wo wir den Podcast aufnehmen, ist der 2. Januar 2025. Hast du dir für dieses Jahr etwas Besonderes vorgenommen?
Es ist in erster Linie mal wichtig, den Status quo. Also gehen wir mal von innen nach außen. Für mich ist es wichtig, dass es so bleibt. Die Ärzte haben beim letzten Check festgestellt, es ist nichts mehr da. Bis in die letzte Blutzelle ist kein Krebs mehr erkennbar. Also gar nichts, was das irgendwie fördert, weil es wirklich in der Blutzelle ja war, meine Abnormalität. Da ist nichts mehr da. Dieser Status quo, bitte, bitte,
bleib so, so lange wie möglich, aber jetzt erstmal für dieses Jahr. Würde reichen.
Und dann, ja, klar, die Wünsche nach außen, da geht es dann, dass es bitte in Deutschland nicht im Status quo bleibt, sondern auch nicht im Weiter -so, sondern dass da was vorwärts geht und in der Welt dann ganz nach außen, da soll sich bitte vieles ändern. Aber das ist so das, was ich mir so vorgenommen habe,
ja. Und hast du fliegerisch noch so was wie einen Traum, den du dir gerne realisieren würdest?
Ja, ich hatte jetzt letzten, als ich mit meinem Kumpel Heinz im Schnee nach oben gestapft bin, waren wir bei der Zugspitze. Und waren irgendwie so phantasierend, ja, von der Zugspitze fliegen. Wie Mike Hawker, Thermik damals ja auch so ein bisschen draufgebracht hat, mit dem Fliegen. Wir fliegen von der Zugspitze. Und da sage ich, ja, aber ich habe da mal damals gelesen, dass der Startplatz und so weiter, da sagt er, nee, das geht jetzt schon.
Das, ganz banal für meine Gleitschirmpiloten jetzt, die zuhören und sagen, hä, das ist ein Berg, der ist nicht mal 3000 Meter hoch, flieg runter. Und nach Hause fliegen. Nach Hause fliegen bedeutet, von Berg erste Reihe, von den Bergischen Bergen in die Vorstädte, also vor München. Das sind genügend Felder zum Landen. Was für viele auch wahrscheinlich jetzt ein Schulterzucken hervorruft. Das sind 40 Kilometer Luftlinie. Das ist so easy zu machen. Aber da zu sagen, ich fliege da weg und fliege die ganze Strecke, die ich mit dem Auto raus und rein fahre oder mit dem Fahrrad, mit dem Rennrad unterwegs bin, die fliege ich jetzt von oben ab, kann von oben sehen, ach, das ist das und das ist das. Und dann komme ich da in Richtung München und kann dann da vor meiner Haustür landen.
Das wäre der Traum. Und den habe ich jetzt von 22 auf 23 verschoben, von 23 auf 24 verschoben, aber jetzt 25 ist
er fällig. Dafür müsstest du dann allerdings auch noch das Streckenfliegen ein bisschen anfangen zumindest.
Gerhard, ich wünsche dir, dass du da auf jeden Fall zumindest vielleicht Teilerfolge bekommst. Man muss ja vielleicht erstmal nicht gleich bis nach Hause kommen, aber schon mal in Richtung nach Hause kommen und dann merkt man, ah, es geht und es geht weiter. Man hat da noch mehr Spaß dabei und da immer weiterzukommen. Und offenbar bist du ja so ein bisschen Stehaufmännchen und der immer weitergehen will. Also ich wünsche dir viel Kraft dabei, dass der Krebs jetzt auch wirklich fern von dir bleiben möge und dir deine Freiheit lässt, damit du diese ganzen kleinen Abenteuer und auch großen Abenteuer des Lebens dann auch weiter so erleben kannst.
Vielen lieben Dank. Das hast du ganz schön gesagt und ja, auch du bleib gesund. Das ist so wichtig und ja, alle, die ja zuhören, bleibt gesund. Und ja, es war mir echt eine Ehre, bei dir im Podcast zu sein. Danke, Lucia.
Danke dir.
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