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164. Almeria - Martin Stegmann

// Martin Stegmann, Lucian Haas · 2025-07-03 · 00:47:43 · original episode

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[show notes]
Martin Stegmann betreibt in Südspanien ein Gästehaus für Gleitschirmflieger. Wie hat sein Leben ihn dorthin geführt? +++ Das Leben an sich ähnelt nicht selten einem Streckenflug mit dem Gleitschirm. Man sucht Gelegenheiten, hangelt sich von Aufwind zu Aufwind, gleitet in neue Gefilde, und manchmal sind es Zufälle, die einen irgendwie weiterbringen. Allerdings erlebt man diese Zufälle nur, wenn man ihnen auch eine Chance gibt, indem man überhaupt startet. Dieses Bild passt gut zur Lebensgeschichte von Martin Stegmann. Der heute 67-jährige ist vor über 30 Jahren mit seiner damals jungen Familie nach Almeria in Südspanien ausgewandert, um dort Solaranlagen zu verkaufen. Es war eine glückliche Verkettung von Zufällen, die schließlich auch dazu führte, dass Martin in Almeria das Gleitschirmfliegen lernte. Heute betreibt es zusammen mit seiner Frau Annika am Rand des Naturparks Cabo de Gata das Gästehaus El Campillo – mit einem kleinen Hausberg ganz in der Nähe. Es ist eine beliebte Winterdestination für Gleitschirmgruppen. Wie es dazu kam, erzählt Martin in dieser Episode 164 von Podz-Glidz. +++ Du hörst gerne Podz-Glidz und liest den Blog Lu-Glidz? Dann werde zum Förderer dieser Projekte. Alle zugehörigen Infos gibt es unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Clouds Lifting | Künstler: Telecasted Youtube Audio Library https://youtu.be/Oyx6MllFGVs?si=5w9rHyR8r1lzanWj +++ Lu-Glidz Links: + Blog: https://lu-glidz.blogspot.com + Facebook: https://www.facebook.com/luglidz + Instagram: https://www.instagram.com/luglidz/ + Whatsapp-Kanal: https://whatsapp.com/channel/0029VaBVs05CHDynzdlJlU34 + Youtube: https://youtube.com/@Lu-Glidz + Soundcloud: https://soundcloud.com/lu-glidz + Spotify: https://open.spotify.com/show/6ZNvk83xxGHHtfgFjiAHyJ + Apple-Podcast: https://itunes.apple.com/de/podcast/podz-glidz-der-lu-glidz-podcast/id1447518310?mt=2 + Linktree: https://linktr.ee/luglidz +++ LINKS zu Martin Stegmann: + Gästehaus El Campillo: https://elcampillo.info/?lang=de + Gleitschirmfliegen mit Cabo Activo: https://www.caboactivo.com/de/index.php + Tandemfliegen auf Gran Canaria: https://tandemflightsgrancanaria.com/de/

[transcript]

0:03Martin Stegmann

Es ist potenziell gefährlich. Und vor allem in einem steinigen, felsigen Umfeld, wie wir hier haben, noch deutlich mehr. Es ist auf jeden Fall weniger fehlungsverzeichend wie eine weiche Almwiese oder auch ein Fichtenwald. Ich muss immer entscheiden, wie groß ist die Gefahr. Und wenn ich so denken würde, wenn ich immer Vorbehalte hätte, dann wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Mein Leben wäre ganz anders verlaufen. Podz

0:45Lucian Haas

-Glidz, der RuGlidz -Podcast.

0:48Martin Stegmann

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:51Lucian Haas

Heute mit Martin Stegmann. Und ich bin Lucian Haas. Das Leben an sich ähnelt nicht selten einem Streckenflug mit dem Gleitschirm. Man sucht Gelegenheiten, hangelt sich von Aufwind zu Aufwind, gleitet in neue Gefilde. Und manchmal sind es Zufälle, die einen irgendwie weiterbringen. Allerdings erlebt man diese Zufälle nur, wenn man ihnen auch eine Chance gibt, in dem man überhaupt startet. Dieses Bild passt gut zur Lebensgeschichte von Martin Stegmann. Der heute 67 -Jährige ist vor über 30 Jahren mit seiner damals jungen Familie nach Almeria in Südspanien ausgewandert, um dort Solaranlagen zu verkaufen. Es war eine glückliche Verkettung von Zufällen, die schließlich auch dazu führte, dass Martin in Almeria das Gleitschirmfliegen lernte.

1:42Lucian Haas

Heute betreibt er zusammen mit seiner Frau Annika am Rand des Naturparks Cabo de Gata das Gästehaus El Campillo mit einem kleinen Hausberg ganz in der Nähe. Es ist eine beliebte Winterdestination für Gleitschirmgruppen. Wie es dazu kam, erzählt Martin in dieser Episode 164 von Podz-Glidz.

2:04Lucian Haas

Da du den Podcast hörst, werde doch zum Förderer von Podz-Glidz. Wie das ganz einfach geht, steht im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern.

2:18Lucian Haas

Martin, wie heiß ist es heute? Wie ist es bei euch gerade in Almeria?

2:22Martin Stegmann

Andere sagen, es ist sehr heiß. Aber eigentlich, verglichen mit dem Landesinneren,

2:27Lucian Haas

ist es hier alles aneinbar. Ich habe gerade gelesen, es gab einen neuen Temperaturrekord in Südspanien, 46 Grad.

2:33Martin Stegmann

Ja, die gibt es jedes Jahr, also in Sevilla, in Cordoba. Aber hier ist man eigentlich relativ privilegiert, weil die Winde, die hier vorherrschen, die Ost - und Westwinde, die streichen immer erst über das Meer, bevor sie hier ankangen.

2:46Lucian Haas

Das heißt, du wohnst so mehr nah, dass du zumindest immer eine leicht feuchte Brise und etwas kühlere Brise abbekommst.

2:54Martin Stegmann

Sozusagen. Der historische Temperaturmaximalwert von Almeria liegt unter 40 Grad. Ah, okay. Zumindest galt das vor ein paar Jahren noch. Das mag sich vielleicht in den letzten Jahren doch noch geändert haben.

3:08Lucian Haas

Wenn du da im Sommer bist und es vielleicht keine 40 Grad, aber trotzdem sehr, sehr heiß wird, bereust du es manchmal, nach Spanien ausgewandert zu sein? Nein.

3:17Martin Stegmann

Nein. Nein, es ist hier alles annehmbar. Man muss sein Leben ein bisschen darauf ausrichten. Die Tage sind lang, man steht früh auf, nützt den Morgen. Und um die Mittagszeit, wenn es am heißesten ist, ist man entweder am Strand oder man zieht sich im Haus zurück, macht alles zu und hat angenehme 28, 29 Grad. Und wir kommen hier wunderbar ohne Klimaanlage aus. Nein, die Hitze ist kein Problem.

3:44Lucian Haas

Was hat dich damals in die Fremde getrieben? Hm.

3:47Martin Stegmann

Das ist jetzt nicht in ein paar Worten gesagt, aber grundsätzlich gewisse Abenteuerlust.

3:56Martin Stegmann

Das Klima. Ich komme aus Süddeutschland. Da wurde ein halbes Jahr im Winter oftmals Nebel verhangen. Ja, und ich war zu viel auf Reisen in meiner Jugend, sodass ich das deutsche Klima irgendwann nicht mehr so richtig geeignet war. Ein

4:16Lucian Haas

Klimaflüchtling. Und warum hast du dir dann Almeria als Standort ausgesucht? Das könnte man

4:23Martin Stegmann

andersrum sagen. Almeria hat sich uns ausgesucht. Ich kann jetzt auch nicht von mir allein reden, weil unsere ganze Projekte ist ein Gemeinschaftsprojekt mit meiner Frau Annika.

4:32Lucian Haas

Und wie hat sich dann Almeria euch ausgesucht?

4:36Martin Stegmann

Eine Kette von Zufällen. Ich war im Studium Maschinenbau. Zweites Praxissemester. Erstes Praxissemester war bei Mercedes -Benz in Sindelfingen. Da hätte ich auch das zweite machen können. Aber ich wollte in den Süden. Ich habe lange vorher versucht, eine Stelle zu bekommen. Ich hatte eine verbale Zusage über die GTZ für ein halbes Jahr in Nepal. Kathmandu Valley. In einem Recycling -Workshop. Und als die Zeit näher kam, gab es da eine Absage. Es ging nicht, aus rechtlichen Gründen.

5:14Martin Stegmann

Arbeitsgenehmigung ist schwierig zu kriegen. Blablabla. Okay, ich musste mich neu orientieren. Ein bisschen näher, aber ich wollte auf jeden Fall im Süden sein. Portugal, Spanien. In Portugal wiederum eine Zusage. Ein Kühlmaschinenhersteller Bizza aus Stuttgart.

5:36Martin Stegmann

Vorstellungsgespräch, Zusage. Dann, kurz vor Termin. Der Termin war 1. September 1991. Wiederum eine Absage. Dann. Die dritte Möglichkeit. Und das war wirklich Zufall. Genau in diesem Augenblick, als die Absage kam von Portugal, klopfte es an die Türe. Ein Freund von meinem älteren Bruder fragte mich, was ist los? Ich war irgendwie erschüttert. Mir standen die Tränen in den Augen.

6:05Martin Stegmann

Als er sagte, du, ich kenne da jemanden im Südspanien. Du weißt, ich habe da, ich lebe da seit zwei Jahren im Haus mit einem anderen gemeinsamen Freund. Und ich kann da mal kurz anrufen. Dann rief er an bei Antonio auf Spanisch. Ich habe natürlich kein Wort verstanden. Und hat das irgendwie gefragt. Und Antonio hat gesagt, que si, que venga.

6:30Martin Stegmann

Und das war unsere Vereinbarung. Mehr wusste ich nicht. Und dann bin ich mit Annika und ihrem Sohn Niklas, der Älteste von uns, oder eigentlich von ihr, sind wir dann aufgebrochen und kamen hier an und wurden freundlich empfangen. Und ich. Und dann kam die große Überraschung, wie schön das hier ist. Wir haben ein halbes Jahr hier gelebt. Ich habe gearbeitet. Und bevor wir hier weg sind, kam der Gedanke, es wäre doch schön hier zu leben. Von was könnte man hier leben? Und da kam die Idee mit der

7:11Lucian Haas

Solartechnik. Weil es da eh so viel Sonne gibt. Das liegt dann sehr nahe und auf der Hand gewissermaßen.

7:18Martin Stegmann

Ja, einmal das. Und zum anderen hat man erkannt, dass es hier doch eine gewisse ausländische Szene gibt. Von Leuten, Auswanderern, Deutschen, Engländern oder international, die sich Häuschen kaufen an der Küste oder im Landesinneren und Strom brauchen. Und Wärme. Also ich habe dann durchaus ein Betätigungsfeld gesehen.

7:43Martin Stegmann

Und das war die Grundidee. Und plötzlich konnte ich meinem Studium einen Sinn geben. Mein Studium war Maschinenbau mit Schwerpunkt Fahrzeug - und Energietechnik. Okay, ich gehe auf Energietechnik und in dem Fall auf erneuerbare Energietechnik. Das war die Grundidee. Und wissend, dass man Träume haben kann, aber die löst sich ganz schnell auf, wenn man nicht schon die ersten Schritte macht. Und der erste Schritt wäre gewesen,

8:14Martin Stegmann

ein Stück Land zu haben, eine Ruine zu kaufen, irgendwas, was erschwinglich war. Geld hatten wir damals nicht, aber 10.000 Mark wären möglich gewesen.

8:25Martin Stegmann

Nach einigem Rumsuchen hatten wir dann das Haus gefunden, was uns gefallen hat, aber es war natürlich viel zu teuer. Das, wo wir jetzt sind.

8:37Martin Stegmann

Und der Verkaufspreis war mit 100.000 Mark viel zu hoch. Hat aber erstmal Wochen gedauert, um diesen Leuten diesen Preis, um da eine Aussage zu bekommen. Weil das war ein rein privates Verhältnis zu den Verkäufern. Und die wussten nicht. Die mussten sich erstmal informieren, wie ist der Markt. Und dann haben wir gesagt, okay, dieses Geld haben wir nicht, das können wir jetzt vergessen. Und dann haben die uns wiederum offeriert, nein, ihr braucht das nicht auf einen Schlag bezahlen, wir können da einen Ratenvertrag machen. Und so haben wir das Haus anbezahlt mit zwei Eurochecks.

9:18Martin Stegmann

600 Mark damals, 300 Euro. Das war die erste kleine Anzahl. Hatten dann schon einen Schlüssel und sind mit diesem Privatvertrag handschriftlich nach Deutschland zurück und haben die Idee in unserem Umfeld erklärt, unser Projekt. Und die Eltern von Annika haben prima reagiert und haben gesagt, okay, wir können euch das Geld für die erste Rate geben. Also die erste Rate, es war dann drei Jahre, jedes halbe Jahr, eine Million peseten. Sprich, am Anfang, die erste Rate war 16.000 Mark. Dann hatten wir Glück, dass die Pesete

9:56Martin Stegmann

einen Wertverlust hatte, einen Stück Verlust hatte von einem Viertel und die zweite Rate waren nur noch 12.000.

10:05Martin Stegmann

Die zweite Rate hat dann mein jüngerer Bruder uns das Geld geliehen und ich musste ja weiter studieren, ich konnte ja kein Geld verdienen.

10:14Martin Stegmann

Und wir hatten schon die ersten Urlaube hier verbracht, die ersten Umzugsgüter und Solarmaterial. Und dann war man offen für Gelegenheiten. Und eine Gelegenheit hat sich geboten in Form von Sekt. Ich habe dann einen Sekthandel angefangen. Spanischen Cava, nach Deutschland transportiert und 100 Kisten, immer im Bus, 2 Tonnen. Und habe den im privaten Umfeld verteilt, ohne abzukassieren, mit dem Wissen, Silvester kommt, Sekt wird getrunken, ist ein Produkt, das nicht verdirtlich ist, kann man unbefristet lagern. Und so kam ein Geschäft in Rollen. Tatsächlich haben wir mit diesem Sekthandel dann die weiteren Raten bedient und es gab uns die Sicherheit, ja, wir könnten einen Sprung wagen.

11:07Martin Stegmann

Nach dem Studium 93 sind wir dann aufgebrochen mit zweieinhalb Kindern nach Spanien und mit viel Illusion, vielen Plänen und ich habe die Sache mit der Solartechnik angegangen, aber im ersten Jahr habe ich, glaube ich, noch fünf Reisen nach Deutschland gemacht, mit dem Sekt, um uns zu finanzieren. Und das hat alles wunderbar funktioniert. Und nach einem Jahr konnte ich den Sekthandel aufgeben, weil ich dann schon so viel Arbeit hier hatte, in der Solartechnik.

11:41Lucian Haas

Eine schöne Geschichte. Auswandern mit Sekt als Grundlage erstmal, um das zu finanzieren. Warst du damals eigentlich schon ein Flieger? Nein.

11:54Martin Stegmann

Gedanklich schon, im Traum.

11:57Martin Stegmann

Im Traum bin ich schon vielleicht als Flieger geboren. Also schon als Kind. Alles, was flog, hat mich fasziniert. Die ersten Erinnerungen, ich weiß nicht, als Dreijähriger mit den Eltern an der Adria, da gab es solche Plastikdinger, wo so ein Mini -Helikopter sich gelöst hat und zehn Meter in die Luft geflogen ist. Da muss man so eine Schnur ziehen und so was, ne? Genau, so eine Schnur ziehen. Und los geht's. Ich war fasziniert. Wie geht das? Und dann später in Süddeutschland, da waren ja damals noch die Amerikaner und Franzosen stationiert und es gab regelmäßig Fallschirmspringerübungen. Tja, das war für mich, da bin ich mit dem Fahrrad 15 Kilometer geradelt, um die Fallschirmspringer landen zu sehen und unter Umständen sogar ein Helikopter landen zu sehen.

12:50Martin Stegmann

Und ich fand das immer beeindruckend. Nein, zum Fliegen kam ich dann erst später. Das war immer ein Traum. Im Kopf. Ich habe die ersten Flieger im Allgäu während meinem Studium in den 80ern, Drachenflieger, als ich das erste Mal gesehen habe, ich konnte es schon nicht glauben.

13:09Martin Stegmann

Ich fand das so irrsinnig. Und die Vorstellung allein. Aber es war natürlich irgendwie für mich unerreichbar im Studium zunächst und später dann mit Familie und eben mit dem Auswandern. Da waren ganz andere Prioritäten. Da war kein Platz für Fliegen. Oder dem sich zu widmen. Irgendwas zu machen. Nein, das kam mit dem Fliegen, das kam erst später, als wir uns hier so einigermaßen etabliert hatten. Und das hat tatsächlich schon, um das Gefühl für mich, das Gefühl zu haben, ich kann loslassen, ich kann mich jetzt etwas anderem widmen. Auch die finanziellen Freiheiten, das hat ungefähr zehn Jahre gedauert.

13:54Martin Stegmann

Okay, dann ihr

13:55Lucian Haas

seid, du hast gesagt 1991, 1993 hat das angefangen, aber ihr seid dann quasi Anfang der 90er, 93 oder sowas, seid ihr ausgewandert gewissermaßen. Das heißt zehn Jahre später, 2003, 2005, hast du mit dem Fliegen dann angefangen. 2005, ja. Wie kam es dazu dann?

14:15Martin Stegmann

Da kam ein Anruf von einem Freund. Hör mal, da gibt es einen Kurs in Almeria.

14:22Martin Stegmann

Paragliding. Und kostet 300 Euro. Hast du da Lust mitzumachen? Ich habe gesagt, ach klar, natürlich, sofort. Ungefragt. Wobei ich noch nie einen Gleitschirm aus der Nähe gesehen habe. Ich habe sie nur am Himmel, auf der Fahrt nach Spanien in Annecy und vielleicht im Fernsehen. Die Entwicklung ist an mir vorbeigegangen erstmal. Und über diesen Kurs von einem lokalen Club in Almeria

14:49Martin Stegmann

war dann erst das Treffen, theoretische Einführung, ein, zwei Stunden, man hat sich kennengelernt und gleich verabredet für den nächsten Tag am Übungshang. Da habe ich zum ersten Mal einen Gleitschirm in echt gesehen.

15:04Martin Stegmann

Und tatsächlich habe ich es auch geschafft, irgendwie nach einer halben Stunde oder Stunde

15:11Martin Stegmann

vorwärts aufzuziehen und los zu rennen. Und plötzlich bin ich geflogen.

15:16Martin Stegmann

Und das war so ein eingreifendes Erlebnis, das erste Mal tatsächlich zu fliegen, was ich ja schon vorher immer wieder mal geträumt habe. Und der Flug war kurz. Das war kaum der Fall. Das war kaum der Rede wert. Ich war vielleicht vier, fünf Meter in der Luft und 20, 30 Meter geflogen. Zwei, drei Sekunden. Aber die Erfahrung, die war großartig. Und ich habe sofort gewusst, das ist meine Sache. Da mache ich weiter. Und so war das dann auch. Der Kurs war natürlich irgendwie sehr dilettantisch. Hier in Almeria gibt es ja keine gesetzlichen Vorschriften. Also jeder kann Gleitschirmfliegen und jeder kann Gleitschirmfliegen jemandem beibringen vor einem Gesetz.

16:05Martin Stegmann

Das ist wie Fahrradfahren. Und die Jungs, die waren zwar hochmotiviert, aber hatten natürlich keinerlei Erfahrung. Und da sind haarsträubende Dinge passiert und auch schwere Unfälle. Zum Beispiel? Zum Beispiel, als der Kurs mich... Wir hatten immer gescherzt. Wir waren nur unter einem Dutzend Flugschüler. Und die ersten Wochenende. Vielleicht vergessen sie die Übungsschirme bei mir im Auto. Und wir können dann vielleicht alleine ein bisschen Groundhandling machen. Aber keiner hat ernsthaft gedacht, da jetzt wirklich nachzufragen. Weil natürlich wird so ein Lehrer, der ein bisschen Verantwortungsbewusstsein hat, natürlich sofort sagen, nein, nein, nein. Ich lasse euch nicht alleine da rumspielen. Viel zu gefährlich.

16:51Martin Stegmann

Aber genau so war es. Der Fluglehrer hatte dann ein schlechtes Gewissen, weil dann ist das zweite Wochenende. Konnte er nicht. Da war eine Hochzeit oder... Naja. Er hatte ein schlechtes Gewissen und plötzlich steht er da und stellt mir zwei Schirme hin und sagt, übe mal alleine ein bisschen. Ja, was wir dann gemacht haben. Ich und ein Spanier.

17:14Martin Stegmann

Stundenlang Groundhandling. Wir fühlen uns gut. Wir haben es drauf. Wir können es. Der Wind wurde stärker. Und jetzt gehen wir noch darüber an einen kleinen Übungshang. Nicht meinen Hauspark. Aber ein Stückchen weiter. Und machen einen Abgleiter. Ja, und da ist ein schwerer Unfall passiert. Eben der Spanier.

17:35Martin Stegmann

Der Wind war zu stark. Der war böig. Der war nicht schön. Und er wurde ausgehebelt. Verschwindet aus meinem Gesichtsfeld. Und ich hatte die Gefahr nicht erkannt. Es ist ein runder Berg gewesen. Offensichtlich, wo erstmal kein Gefahrenpotenzial zu sehen war. Ja, später fiel mir ein auf der Nordseite. Da hat der Landwirt oder der Landbesitzer einen Weg, eine Zufahrt gemacht. Und über die Zufahrt ist eine Kante entstanden. Von vier bis fünf Metern. Senkrechte Wand. Und da ist der Alberto runtergefallen. Und ich habe ihn dann geborgen. Und zum Arzt gebracht. Oder zur Urgenzia.

18:19Martin Stegmann

Und er hatte innere Verletzungen. Er ging dann ganz schnell mit dem Krankenwagen ins richtige Krankenhaus. Und von dort mit dem Helikopter nach Malaga. Ein Spezialkrankenhaus. Am Ende hatte er einen Leberriss. Das ist passiert. Und damit war der Kurs zu Ende.

18:40Martin Stegmann

Und es sind noch andere Unfälle passiert. Weniger schlimm. Aber so, dass ich als einziger Schüler übrig blieb. Und ich war jetzt dann doch schon so angefixt. Ich habe mir dann einen gebrauchten Schirm gekauft. Ich habe ja inzwischen Kontakte gehabt zu der lokalen Szene. Und von meinem Ex -Lehrer einen gebrauchten Swing Arcus gekauft. Und dann habe ich den Hausberg hier entdeckt. Und natürlich vorsichtig geworden. Aufgrund von dem Gefahrenpotenzial. Es wurde mir alles bewusster. Ja klar, Fehler werden hier nicht verziehen. Schon gar nicht in diesem steiligen, felsigen Umfeld. Und habe dann schön langsam in meinen Hausberg hochgelaufen, runtergeflogen, hochgelaufen, runtergeflogen.

19:29Martin Stegmann

Und nach zwei, drei Monaten war ich dann so weit. Dass ich meinen Hausberg beherrscht habe. Ich konnte oben bleiben. Und du kannst dir nicht vorstellen, was für ein Triumphgefühl ich hatte. Über meinem eigenen Anwesen zu fliegen. Meine Kinder zu sehen. Und zu wissen, das ist mein Hausberg. Hier kann ich noch viele, viele Male fliegen. Und tatsächlich habe ich viele tausend Mal, wenn ich auf diesen Berg hochgelaufen, an dem hier

19:56Lucian Haas

geflogen. Über deinen Hausberg möchte ich gleich nochmal sprechen. Davor nochmal mit diesen Unfällen. Wenn du sagst, im Grunde hat der ganze Kurs fast unfallbedingt irgendwie aufgegeben. Nur du hast weitergemacht. Du hast die Erstversorgung von deinem Freund gemacht, der den Leberriss hatte und sowas. Warum hat dich das nicht abgeschreckt? Du hattest Familie. Du hattest Verantwortung. Du hattest Kinder. Was hat dich da trotzdem drangehalten, dass du sagst, ich will aber weiterfliegen. Auch wenn ich sehe, wie gefährlich es sein kann.

20:27Martin Stegmann

Ich habe gedacht, es liegt in meiner Hand. Ich muss immer entscheiden, wie groß ist die Gefahr. Und wenn ich so denken würde, wenn ich immer Vorbehalte hätte, dann wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Mein Leben wäre ganz anders verlaufen. Ich sehe die Gefahr ja, ich war auch Windsurfer. Habe ich vor dem Gleitschirmfliegen noch angefangen. Auch potenziell gefährlich. Immer bei ablandendem Wind.

20:55Martin Stegmann

Und ich habe es trotzdem gemacht. Ich glaube, ich kann einschätzen, wie ist die reelle Gefahr. Ich will keine Dummheiten machen. Und tatsächlich, ich bin ja immer noch hier. Ich fliege immer noch. Ich habe Unfälle gehabt später, aber das hat der Eindruck gesagt. Es ist potenziell gefährlich. Und vor allem in einem steinigen, felsigen Umfeld, wie wir hier haben, noch deutlich mehr. Es ist auf jeden Fall weniger fehlend verzeihend, wie eine weiche Almwiese. Oder auch ein Fichtenwald. Im Wald zu landen, auf einem Baum zu landen, ist bei weitem harmloser, als irgendwo zwischen Felsen. Also es hat mich nicht abgehalten. Nein, ich war zu sehr fasziniert.

21:42Martin Stegmann

Und wie gesagt, mein Leben wäre ganz anders verlaufen, wäre ich so, würde ich mich für irgendwelche potenziellen Gefahren dann einfach aus dem Weg gehen.

21:52Lucian Haas

Du hast gesagt, gelernt hast du letzten Endes an deinem Hausberg, der direkt hinter deinem Anwesen liegt. Dein Anwesen, Casa Rural Cortijo el Campillo heißt es, liegt etwas außerhalb oder deutlich außerhalb von Almeria, Cabo de Gata, eigentlich so ein Tourschutzgebiet dann auch teilweise. Und du bist am Rand davon und hast diesen Berg. Wie muss man sich einen Hausberg an dieser Stelle vorstellen? Also ist das ein 30 -Meter -Hügelchen oder kannst du da 300 Meter hochlaufen? Oder wie sieht das aus?

22:26Martin Stegmann

Der Berg ist vielleicht übertrieben. Es ist ein Hügel. Der Höhenunterschied sind 50 Meter. Die Lichtedistanz 500 Meter und ich bin in 10 Minuten oben. Das heißt früher, als ich hier noch mein Büro, mein Ingenieurbüro hatte, hatte ich eine Wetterstation auf dem Computer und ich konnte dann sehen, ach, jetzt könnte es eigentlich gerade passen. Jetzt machen wir doch mal eine halbe Stunde Pause.

22:51Martin Stegmann

Und es hat von der Entscheidung bis zum Start etwa eine Viertelstunde gedauert. Dann bin ich 20 Minuten geflogen, lande vor der Haustür, packe wieder ein und insgesamt ist eine Dreiviertelstunde vergangen. Und ich bin wieder schön erholt und wieder zurück an meine Arbeit. Also es war hervorragend.

23:14Lucian Haas

Und hast du auch quasi von der Windsituation her, von der Strömungssituation, die da ist, stellt sich dann im Tagesverlauf durch ein Seewindsystem oder sowas eigentlich immer was ein, wo du sagen konntest, eigentlich ab 14 Uhr geht mein Hausberg immer? Ich kann dann immer eine Stunde Mittagspause machen und gehe dann einmal fliegen?

23:31Martin Stegmann

Nein, nein. Das hängt auch völlig von der Jahreszeit ab. Also im Sommer kann man bis tagsüber fliegen oder um die Mittagszeit ohnehin vergessen. Es macht keinen Spaß. Es ist einfach zu thermisch, zu turbulent. Da gibt es vormittags ein, zwei Stunden und dann gegen den frühen Abend. Und im Sommer ist es ohnehin tagsüber zu heiß. Kein Mensch will dann die Berge hoch oder irgendwelche körperliche Aktivitäten machen. Wenn, dann geht man ins Meer. Aber es ist ja nicht immer Sommer. Die meiste Zeit ist ja eigentlich tatsächlich Herbst, Winter, Frühjahr. Und im Winter gibt es Tage, wo man den ganzen Tag theoretisch fliegen könnte. Jetzt ist der Berg natürlich

24:16Martin Stegmann

oder der Hügel eher klein. Und bei guten Bedingungen sind wir durchaus schon mit vier, fünf Schirmen gleichzeitig unterwegs gewesen. Also es ist eigentlich für die Größe, die er hat, ist er perfekt positioniert. Ist perfekt angeströmt. Oftmals. Oftmals mit laminaren, dynamischen Wind, fast wie am Meer.

24:45Martin Stegmann

Wie gesagt, es hängt von der Jahreszeit ab. Und von den täglichen Bedingungen. Durchaus manchmal mit eingeladenen Thermiken, wobei ich jetzt nicht mehr als vielleicht mal 100 Meter über Start kam. Aber es ist auf jeden Fall, es wurde nie langweilig. Ja.

25:05Martin Stegmann

Ich gehe immer noch regelmäßig hoch. Ich habe es noch nicht satt. Es ist einfach entspannend

25:12Lucian Haas

und es liegt vor der Haustür. Einmal kurz abhängen und dann kann man wieder weiterarbeiten. Ja. Heute bietest du ja in deinem Anwesen, hast du auch das zum Gästehaus ausgebaut. Oder seit vor einigen Jahren schon ausgebaut. Und bietest das eben auch gerade als Gästehaus für Gleitschirmfliegen. Wie kam es dazu?

25:35Lucian Haas

Das war auch wieder so, eine

25:36Martin Stegmann

Geschichte, wo man das Gefühl hat,

25:41Martin Stegmann

man kann die Dinge gar nicht so planen. Man muss nur offen sein für Gelegenheiten und zupacken, wenn sie dann kommen. In dem Fall war das 2008. 2008, ich war dann schon, wir waren dann schon 13, 15 Jahre hier, 15 Jahre Solartechnik. In den 15 Jahren habe ich eine Unmenge von Kunden gehabt inzwischen, Privatkunden. Ich habe denen Strom und Wärme verkauft und installiert. Das heißt, wenn es ausfällt, Strom und Wärme, dann ist immer Notfall.

26:18Martin Stegmann

Und wir haben ganz gut gelebt, ich habe gut verdient, aber ich konnte hier nicht mehr weg. Ich war unabkömmlich.

26:27Martin Stegmann

Aus Verantwortungsgefühl für meine Kunden. Und ich habe gesehen, das ist ein Kreislauf. Wie kann ich da wieder rauskommen? Oder der Wunsch, ich möchte da wieder rauskommen. Ja, ich kann ja nicht bis zu meinem Lebensende immer wieder neue Kunden mir suchen und dann wiederum mit jedem Projekt bist du mindestens fünf Jahre mit Garantieleistung verpflichtet. Wie komme ich da raus? Das war ein Grund. Dann war abzusehen, genau 2008, die Wirtschaftskrise schlägt zu. Hier in Spanien war das eine Baukrise und es kamen keine interessanten Projekte mehr rein. Ich war ziemlich verwöhnt. Mein Aktionsradius wurde immer kleiner. Ich hatte keinerlei Werbung, sondern die Leute kamen auf mich zu und meine Auftragsbücher waren voll.

27:17Martin Stegmann

Und plötzlich habe ich gemerkt, es ändert sich. Da kommt nichts Interessantes mehr rein. Also die Zeiten werden sich ändern. Ich müsste mein Aktionsradius wieder vergrößern. Und im gleichen Jahr hatten wir das Gästehaus, was eigentlich das Projekt ist, von Annika, meiner Frau. Die hat das Ganze gemanagt. Und wir hatten eröffnet. Und dann saß ich auf der Terrasse und denke mir, ja schön, in der Hauptsaison ist alles voll, aber die Nebensaison, die mindestens drei bis vier Mal so lange ist, wie könnten wir Leute kriegen? Und da kam die Idee, aha, ich habe doch hier den Hausberg. Es könnte doch interessant sein für Gleitschirmfliegergruppen,

28:06Martin Stegmann

für Schulen. Machen wir mal einen Versuch. Am gleichen Abend. Da ist ein Frust draus, war es. Tatsächlich.

28:14Martin Stegmann

Zehn E -Mails, frisches Internet. Es war alles neu. Wir hatten eine Internetverbindung. Es war sehr langsam. Aber ich finde da nur zwölf Flugschulen raus, schreibe eine E -Mail. Wir haben hier ein Gästehaus, ideal für Gruppen bis zwölf Personen. Wir haben einen kleinen Hausberg. Ich bin selber Flieger. Ich kann euch an die Fluggebiete bringen. Ja, könnt ihr euch das ja mal anschauen. Und es hat nicht lange gedauert. Ein paar Tage. Da kam schon eine Antwort von Papillon, größte Flugschule Deutschlands. Ja, sie sind interessiert. Sie schicken mal hier eine Gruppe vorbei. Ja, und das war natürlich irgendwie ein super Erfolg mit, wo

28:59Martin Stegmann

ich gedacht habe, das kann doch kein Zufall sein. Dann fing ich an zu recherchieren. Ja, wie machen die Flugschulen? Na klar, die können im Winter nicht arbeiten in Deutschland. Machen entweder zu oder bieten betreute Flugreisende. Das war dann abzusehen, dass die gängigen Ziele, wie hier in Spanien Algodonales oder Almunieca, zum Teil damals schon zu voll waren und die Leute neue Gebiete gesucht haben. Nur ich war noch nicht so weit. Ich musste, ich konnte mir nur begrenzt dem Thema widmen, aber der Gedanke war geboren 2008 und es hat bis 2012 gedauert, bis dann tatsächlich der Gedanke dann voll umgesetzt wurde. Ich war dann langsam, habe mich befreit aus der Solartechnik -Geschichte und konnte Cabo Activo gründen, also die Firma, die Aktiv -Tourismus -Firma, damit man das Ganze offiziell und legal betreiben kann.

29:54Martin Stegmann

Und dann fing ich an, halt richtig Werbung zu machen und es anzubieten und tatsächlich, die Gruppen kamen dann ab 2012. 2013 waren es, glaube ich, schon sieben Gruppen und es war relativ einfach, immer wieder Gruppen zu bekommen, wenn es dann notwendig war.

30:16Lucian Haas

Was hat denn, außer deinem Hausberg, was hat diese Gegend, um Almeria fliegerisch zu bieten? Die Bilder, die man sieht, das sind ja so das klassische Mar de Plastico, also das Plastikmeer von diesen ganz vielen Gewächshäusern, die dort stehen, aus der halb Europa mit Tomaten versorgt wird und sowas, ist ja nicht gerade optisch erst mal attraktiv. Nein. Wo kann man da in der Gegend denn dann schön fliegen? Ja,

30:43Martin Stegmann

es gibt wunderschöne Fluggebiete. Also, pass mal auf, dieses Mar de Plastico, ja, das ist eine Welt, da muss man sich arrangieren. Aber letztendlich sind es ungefähr vielleicht fünf bis zehn Prozent der Provinz Almeria, ja, und die prägen das Bild. Aber es ist hauptsächlich südlich von Almeria und tatsächlich versuche ich, diese Gegend, wenn möglich, zu meiden. Hier gibt es auch noch ein paar Gewächshäuser, aber nicht in dieser Größenordnung. Dann haben wir wunderbare Fluggebiete im Landesinneren. Die Provinz Almeria ist relativ groß und ziemlich jungfräulich im Landesinneren. Ganz anders wie Malaga, ja, wo bis ins Hinterland alles zugebaut ist und erschlossen.

31:28Martin Stegmann

Almeria hat hier mehrere kleine Mittelgebirge, die absolut ursprünglich sind, jungfräulich. Und da gibt es Fluggebiete, ein halbes Dutzend mindestens, wo man kein Stück Plastik sieht. Es gibt andere Gebiete, ja, wie gesagt, die versuche ich zu meiden. Ich finde es nicht schön. Das Auge fliegt nicht. Für mich ist es wichtig, dass das Umfeld muss irgendwie passen. Und wir haben tolle, schöne Fluggebiete. Wirklich. Mit toller Aussicht und ohne Plastik.

32:00Lucian Haas

Welches würdest du so als das schönste Fluggebiet bei euch in der Gegend bezeichnen? Landschaftlich das schönste

32:07Martin Stegmann

ist die Eremita. Die Eremita, oder es ist eher vielleicht manchmal bekannt unter dem Namen Alicun. Der richtige Name ist Huessicha, aber das ist so ein Zungenbrecher, den kriegen die wenigsten Augekleider hin.

32:21Martin Stegmann

Das ist schön, weil von dort hast du einen Blick auf die Wüste von Tavernas. Die Wüste von Tavernas kennt auch jeder aus den Spaghetti -Western -Filmen oder Schuh des Manitou oder Indiana Jones. Auf jeden Fall ist es eine außergewöhnliche Gegend, die ja eher an Arizona erinnert. Wobei ich dann hier in Arizona war.

32:46Martin Stegmann

Von den Filmen her kennst du es. Da kennt man auch die Filme. Ja, genau. Also es ist eine große Vielfältigkeit. Da treffen sich Sierra de Gado, Sierra Filabre, Sierra La Mia, Sierra Nevada. Also fünf Gebirge, mehr oder weniger, die aufeinandertreffen. Und mit einer Vielfältigkeit. Dieses Tal, da ist auch unterhalb der Ermita ist der Fluss Andarax. Ja, es ist eine ganz andere Welt, wie hier. Grundverschieden von hier an der Küste. Ja, da ist Wasser, da gibt es Herbstfarben, da gibt es Bäume und Fichten und Pinienwälder.

33:30Martin Stegmann

Alles in nächster Nähe. Es ist unglaublich, wie unterschiedlich hier die Mikroklimata

33:36Lucian Haas

sein können. Aber sind alles keine einfachen Start - und Landeplätze? Weil du sagst, es gibt viel Stein und man muss da gut aufpassen. Ja, also

33:47Martin Stegmann

sagen wir mal so, das ganz perfekte Fluggebiet gibt es hier nicht. Nein, es gibt immer, entweder ist der Startplatz ein bisschen schwierig oder die Landung ist ein bisschen schwierig.

34:02Martin Stegmann

Aber es ist alles tatsächlich für, wenn man entsprechend irgendwie vorsichtig ist, umsichtig ist, eigentlich kein Problem. Also ich habe jetzt wirklich viele, viele Flieger hier gehabt.

34:17Martin Stegmann

Kleinere Unfälle sind passiert. Gott sei Dank nie was Schlimmes. Und die Leute hinterher sind sie dann dankbar, weil der Landeffekt ist natürlich auch sehr groß, wenn die Bedingungen ein bisschen schwieriger sind. Man muss vorsichtig an die Sache rangehen, bewusst, überlegt.

34:35Martin Stegmann

Aber wir haben hier schöne Fluggebiete. Wir können nicht mit Streckenfluggebieten auffahren. Wir haben ein Streckenfluggebiet, aber das ist allerdings dann am, am Mar de Clastigo entlang und dann nicht so schön fürs Auge. Nicht so schön fürs Auge, nein. Aber was wollen die Leute? Die meisten, da gibt es jetzt auch Unterschiede. Unsere Flieger, und wir haben viele Wiederholer, die kommen vielleicht, oder es gibt ja andere Flieger, die wollen ihren Urlaub, die wollen fliegen, fliegen, fliegen. Ja, nichts anderes. Und möglichst hoch, möglichst weit, die sind hier vielleicht fehl am Platz. Da muss man schon im Vorfeld, bin ich dann irgendwie eher,

35:22Martin Stegmann

schreibe den Leuten, hört mal, also Streckenflüge und Rekordflüge, ihr könnt das nicht mit Algonales vergleichen.

35:31Martin Stegmann

Hier ist eher so ein Gemischturlaub. Fliegen vormittags oder nachmittags, dazwischen vielleicht irgendwie an den Strand. Ein halbes Jahr kann man durchaus baden, schnorcheln, ist eine ganz große Attraktivität. Und wenn man nicht mehr baden kann, kann man durchaus wandern. Also die Gegend ist sehr vielseitig und ja, also so ein Gemischturlaub. Auch wiederum ideal für Pärchen, zum Beispiel er fliegt oder sie fliegt und er oder sie nicht. Kann sich wunderbar ergänzen. In Las Negras zum Beispiel kann man fliegen und jemand unten badet am Meer.

36:16Martin Stegmann

Das ist ein Soaring Spot bei dir in der Nähe. Das ist ein Soaring Spot,

36:19Lucian Haas

genau. Wie hast du denn, jetzt hast du immer diese Fliegergruppen und bist damit auch quasi beruflich zum Flieger geworden auf gewisse Weise. Wie hast du dir da die Faszination fürs Fliegen behalten?

36:36Martin Stegmann

Das hat sich einfach so ergeben. Die Faszination ist da und die bleibt. Die kühlt nicht ab. Nicht deutlich. Ich habe immer noch das Herzklopfen, wenn ich auf den Hausbau gehe. Ich habe immer noch tolle Gefühle, wenn ich in der Luft schwere. Was sind das für Gefühle? Ja, Freiheitsgefühle.

37:03Martin Stegmann

Freiheitsgefühle? Das ist einfach zu fliegen. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber jeder Flieger kennt doch das. Es ist schön, es ist abzuheben. Ja, alles unter sich zu lassen. Nach wie vor. Ich fliege vielleicht nicht mehr ganz so viel und nicht bei jeder Gelegenheit. Nur bei guten Bedingungen. Aber im Prinzip hat es nicht nachgelassen, die Flugbegeisterung. Es ist nicht die Abgebrühtheit, die ich zum Beispiel bei manchen Fluglehrern dann durchsehen konnte, die hier mit Flugschirmen kommen, die gar keine Anzeichen haben von Flugbegeisterung, sondern nur noch am Walkie -Talkie hängen und ihre Schüler betreuen.

37:53Lucian Haas

Hat sich diese Fliegerei bei dir in der Gegend, hat sich die über die Jahre, verändert? Also spürt man da auch sowas wie einen Klimawandel oder andere Arten von Wandel, wo du sagst, heute muss man anders an die Fliegerei da herangehen? Das kann ich jetzt so konkret nicht beurteilen.

38:10Martin Stegmann

Ich glaube nicht. Es gibt immer,

38:14Martin Stegmann

nein, dass jetzt die Thermiken irgendwie brutaler sind wie früher. Ich kann es selber nicht jetzt so bestätigen. Es gab am Anfang schon heikle Tage

38:30Martin Stegmann

gefährliche Situationen und jetzt auch. Und wie gesagt, wenn es so richtig heiß im Sommer ist, sollte man tagsüber nicht ans Fliegen denken. Außer an der Küste in Las Negras. Da geht es natürlich immer. Wenn der Wind vom Meer kommt und laminar angeströmt ist, ist das natürlich grandios. Aber ich kann nicht sagen, dass ich da jetzt irgendeine Veränderung spüren würde. Da ist vielleicht auch zu wenig Zeit vergangen. 20 Jahre.

39:03Lucian Haas

Was ist mit der Fliegerei? Was ist mit deinen Kindern? Hast du denen deine Flugbegeisterung mitgegeben? Haben die die irgendwie geerbt? Oder haben die dich fliegen sehen und haben gesagt, der Papa hängt da immer am Berg? Das nervt eigentlich eher. Und sie haben sich was ganz anderem zugewendet. Ja, ich glaube, das Letzte ist ihre Sache.

39:20Martin Stegmann

Ich habe sie nicht indoktriniert, nicht übermäßig. Ich habe sie natürlich versucht mitzunehmen. Sie sind alle mit mir geflogen im Tandem. Ich habe sie auch zum Teil am Übungshang mal eingehängt. Und versucht irgendwie selber herauszufinden, wie viel Flugbegeisterung sie haben. Aber ihre Reaktion war eher verglichen mit mir, ist ganz nett. Und dann war ich es doch auch bewusst, dass sich die Kinder vermutlich immer ein bisschen, oder dass es auch besser ist, wenn sie ihre eigene Schiene fahren, ihre eigenen Hobbys, ihre eigenen Dinge halt machen. Und in dem Fall meine Jungs,

40:07Martin Stegmann

die haben die Welle entdeckt. Die sind passionierte Wellensurfer geworden. Also es sind keine Flieger, keine aktiven Flieger dabei. Wobei ich nicht ausschließen will, dass sich das irgendwann im Laufe der Zeit noch ändern kann. Aber wie gesagt,

40:21Martin Stegmann

diese heißblütige Inbrunst, die ich in mir gespürt habe, die ist bei meinen Kindern nicht zu finden.

40:27Lucian Haas

Du bist jetzt 67.

40:30Lucian Haas

Wie lange willst du noch fliegen?

40:34Martin Stegmann

Oh, solange es irgendwie geht. Ich denke an meinen Hausberg.

40:40Martin Stegmann

Das schaffe ich auch noch in zehn Jahren. Ich weiß es nicht. Ich will keine Aussage treffen. Ich bin froh. Mir geht es gut. Ich bin gesund. Ich fühle mich nach wie vor kaum eingeschränkt. Und ich werde das weiter betreiben.

40:56Martin Stegmann

Hier am Hausberg und andernorts. Ich habe ja schon erwähnt, also ich habe noch ein neues Projekt angefangen, was auch Fliegen bis ins hohe Alter erlaubt, nämlich da auf Gran Canaria. Was machst du da? Auf Gran Canaria habe ich nämlich das Fluggebiet entdeckt, wo ich hier immer gesucht habe, nämlich für Tandemflüge und nie gefunden habe, aufgrund von unsicheren Wetterverhältnissen, gefährlichen Startplätzen. Und auf Gran Canaria habe ich das gefunden. Laminarer Seewind, konstante Verhältnisse. Das dreiviertel Jahr bläst der Nordostpassart. Fast jeder Tag ist das gleiche Wetter.

41:41Martin Stegmann

Dann von der Logistik an der Hauptstadt Las Palmas. 250 Meter über dem Meer. Die Klippen. Die Anfahrt ist einfach. Ganz freie Startplätze. Und da habe ich was angefangen. Eine Tochterfirma von Coveractivo. Ich habe gedacht, ich habe die Firma, ich habe die Versicherungen. Ich will das versuchen. Auch im Hinblick vielleicht, weil ich zwei Söhne dort habe. Um einen Grund zu haben, dürfte es dort zu sein. Und auch um eventuell doch die Söhne, wenn sie dann später vielleicht doch noch aufs Fliegen zurückkommen, dass die da auch noch ein Betätigungsfeld haben. Und natürlich, weil es wirtschaftlich interessant sein kann.

42:27Martin Stegmann

Noch ist es nicht. Ich habe eine Bilanz von 200 Flügen bislang gemacht. Aber das Feedback ist natürlich hervorragend gut. Man sieht es an den Reserven, an den Reviews, auf den Plattformen. Und macht richtig Spaß. Das kommt noch dazu. Also wir haben so quasi jetzt zwei Orte, wo wir leben. Das ist Mejlas Palmas, die Gran Canaria. Und hier in unserem Cotijuel Campillo. Oder zumindest das Ziel für die nächsten Jahre.

43:07Lucian Haas

Das heißt, du wirst dann auch mit deiner Frau zusammen, immer mal wieder pendeln und sagen, wenn wir keine Gruppe haben, fliegen wir nach Las Palmas und arbeiten dort oder haben es schön dort. Und wenn wir eine Gruppe haben, dann fliegen wir zurück nach Almeria und betreuen die Gruppe, die zu uns ins Gästehaus kommt. Genau, so

43:23Martin Stegmann

ist die Idee. Also hier machen wir die Arbeit selber. Das Betreuen der Gruppen. Während in Las Palmas, da betreue ich nur und fliege selber nicht. Ich habe da lokale Piloten und will eigentlich auch die wenigen Flüge den lokalen Piloten, zuschanzen, weil ich die an mich oder an die Firma binden will. Der Anfang ist immer das Schwierigste. Noch ist es nicht so viel Arbeit, dass die Leute irgendwie ihr Leben, ihren Job ändern würden oder aufgeben. Aber ich bin auf dem Weg dahin. Wie gesagt, es macht richtig Spaß. Es ist eine tolle Sache. Und es ist ein neues Thema. Und außerdem haben wir uns ein Segelboot zugelegt, weil das liegt am Hafen von Las Palmas.

44:10Martin Stegmann

Wir haben auch noch das Segeln entdeckt. Also

44:13Lucian Haas

eine sehr windorientierte Alterszeit kommt auf dich zu. Du darfst entweder segeln oder Gleitschirmfliegen oder ein Tandem -Business weiter managen und aufbauen. Ja. Wunderbar, Martin. Ich danke dir für deine Erzählung. Man hat so ein bisschen Eindruck bekommen, wie jemand aus Deutschland durch viele Zufälle nach Spanien kommt und da sich ein richtig tolles Leben mit aufbaut und irgendwann zum Fliegen gekommen ist. Auf auch wieder spannende Weise. Für diejenigen, die irgendwann mal Lust haben, nach Almeria zu kommen und dort fliegen zu gehen, die entsprechenden Links zum Cabo Activo oder dem Cortijo El Campillo und sowas gebe ich dann natürlich in den Shownotes und entsprechend da noch weiter.

44:58Lucian Haas

Mich hat damals, ich war ja auch mal vor Jahren bei dir, fasziniert, dass man unter anderem bei einem Startplatz, da ist der Landeplatz quasi in einer Filmkulisse, wo man dann runterkommt und man sich dann da noch diese Westernkulissen und ich glaube irgendwas Ägyptisches ist auch noch dort und sowas, wo man sich das dann da quasi dazwischen landet und sich das alles noch wie so ein Freilichtmuseum angucken kann. Das fand ich damals auch sehr faszinierend. Das ist das wichtigste Fluggebiet hier.

45:26Martin Stegmann

Sierra Almeria. Das Zentrale und das wirklich am meisten oder am ehesten fliegbar ist. Fast immer. Sehr geschützt. Das ist unglaublich. Da kann zum Beispiel am Meer ein richtig starker, fast Sturm sein. Und 20 Kilometer nach hinten versetzt ins Inland, Sierra Almeria ist ruhig. Da kann man wunderschön fliegen. Und die Kulisse, wie du gesagt hast, ist natürlich einzigartig. Jeder kennt die Kulisse. Ganz viel Autowerbung wurde da schon gedreht. Immer wenn die Werbefuzzis eine exotische Kulisse brauchen, dann kommen sie her.

46:07Lucian Haas

Dann wünsche ich dir eine schöne Sommerzeit, eine tolle Zeit mit den Fliegern und danke für dieses interessante Gespräch. Dankeschön, Lucia. Komm halt mal wieder.

46:24Lucian Haas

Das war die Episode 164 von Podz-Glidz. Wenn dir diese Geschichte aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens gefallen hat, dann empfehle Podz-Glidz doch weiter. Erzähle deinen Fliegerfreunden davon oder schreibe einen Kommentar auf Luglite, Soundcloud, Spotify, iTunes oder wo auch immer du den Podcast hörst. Und wenn du mir persönlich etwas Gutes tun willst, dann werde doch zum Förderer von Podz-Glidz und dem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz. Als freier Journalist stecke ich viel Zeit, Arbeit und auch Kosten in diese Projekte. Damit ich das weiterhin so professionell, unabhängig und dabei werbefrei tun kann, brauche ich deine Unterstützung. Auf meiner Homepage www.Lu-Glidz.blogspot.com gibt es die Seite Fördern. Dort findest du alle nötigen Infos und Links, um mir finanziell unter die Arme zu greifen.

47:14Lucian Haas

Welchen Betrag als Förderer du gibst, kannst du ganz frei wählen. Falls du dir unsicher bist, mein unverbindlicher Vorschlag sind 60 Euro im Jahr. Das entspricht nur 5 Euro im Monat. Ich denke, das ist ein sehr faires Angebot für so viel aktuelle und hintergründige Information und Unterhaltung rund um das schönste Hobby der Welt. Allen Förderern sage ich danke. Bleibt gesund und genießt die Freiheit. Ciao.

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