Mein Hirn ist da unglaublich dumm in sowas. Also ich hab mir im ersten Moment gedacht, um Gott, was denken denn die anderen jetzt, wenn jetzt da zwei Retter landen? Also ich hab nicht gedacht, oh Gott, ich leb noch. Ich hab mir erst gedacht, um Gott zuhören, was denken denn die anderen, wenn jetzt da zwei Leute am Retter hängen? Das war so der erste Gedanke. Und unten war dann, als ich gelandet bin, erst mal, puh, durchgeschnauft und so, hey, muss das dieses Manöver wirklich sein? Muss es wirklich sein, dass ich da sowas Dummes mach?
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gletschernfliegens. Heute mit
Daniela Freutzmiedl und
ich bin Lucian Haas.
Wer es in der Agro -Szene weit nach oben bringen will, muss vor allem eins. Fliegen, fliegen, fliegen und dabei üben, üben, üben. Es geht nicht nur darum, die verschiedenen Manöver sicher zu beherrschen, sondern auch perfekt, elegant, mit fließenden, spielerisch wirkenden Übergängen, Twists und Richtungswechseln. Ein Run, noch einmal der gleiche Run und dann wieder von vorn. Agro -Trainingstage bestehen aus ständiger Wiederholung, bis alles tief ins Muskelgedächtnis eingebrannt ist und sitzt.
In der Top Ten der Agro -Welt fliegen bisher nur Männer. Vielleicht, weil sie eher bereit sind, sich dieser adrenalin -schwangeren Form der Fliegerei mit vollem Einsatz zu verschreiben, aber das muss nicht so sein und bleiben.
Daniela Freutzmiedl aus dem Chiemgau ist auf dem Weg, sich in die Weltspitze vorzutambeln. 2024 kam sie in der Frauenwertung des Agro -Welt -Cups auf Platz 1 und in der Synchro -Wertung auf Platz 2, zusammen mit ihrem Partner Siegfried Heinrich. Aktuell, im August 2025, steht die 36 -Jährige in der Gesamt -Weltrangliste auf Platz 15. Und wenn es nach ihr ginge, wird sie in der Weltrangliste auf Platz 15. Dann wird sie bald ganz oben mitmischen, unter all den Männern. Was sie daran reizt und was sie alles dafür tut, das erzählt Daniela in dieser 167. Folge von Podz-Glidz. Weitere Themen sind unter anderem ihr Talent, Rückschläge, Angst, die simple Kunst des Infinit und die Sucht des Agro -Fliegens.
Da du den Podcast hörst, werde doch zum Förderer von Podz-Glidz. Wie das geht, steht im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz auf der Seite Fördern.
Daniela, wie viel Talent braucht man, um Agro zu fliegen?
Also, wenn man nach mir geht, relativ wenig Talent. Also, ich habe am Anfang meiner Flugkarriere null Talent gehabt. Ich sage immer nur, ich habe recht wenig Talent. Ich fliege einfach unglaublich viel und kann es dadurch ein bisschen kompensieren. Aber ich habe die ersten zwei Jahre absolut keine Ahnung gehabt, was der Schirm macht. Also, Technisch fliegen, aktiv fliegen war...
Also, es braucht mehr Commitment und mehr Zeit als Talent. Natürlich ist Talent förderlich. Also, wer Talent hat, lernt natürlich schneller. Oder wer als Kind einfach so fliegt, der kriegt das Talent, glaube ich, ein bisschen mitgegeben. Ich habe aber erst mit 27 als Fliegen angefangen, mit null Talent. Und mir ist es am Anfang wirklich, wirklich schwergefallen.
Wenn du so null Talent hattest, warum hattest du denn überhaupt Interesse? Ja,
gute Frage.
Die Interesse ist eher dadurch entstanden, dass ich andere gesehen habe. Ich habe gesehen, es funktioniert irgendwie. Ich habe anderen zugeschaut. Ich habe dann Helis gesehen und Infinite -Fliegen gesehen. Und dann habe ich mir gedacht, das muss ja irgendwie funktionieren. Der Schirm kann es ja irgendwie. Und man kann relativ dumm und talentbefreit sein. Aber man denkt, irgendwann muss ich es auch können. Und ich habe unglaublich viel Zeit reingesteckt. Vor allem bis zum ersten Heli. Ich habe ein Jahr lang gebraucht, bis ich ein Heli wirklich probiert habe, bis es einigermaßen funktioniert hat. Aber ich habe einfach nicht aufgegeben. Ich habe einfach immer weitergemacht, immer weitergemacht. Und ich habe gesehen, es muss ja funktionieren. Die anderen können es ja ahnen.
Hast du denn von Anfang an, du hast gesagt, 27 warst du, als du angefangen hast, jetzt bist du 36. Also mit diesen 27, hast du da schon die Idee gehabt, ich will mal agro fliegen? Also bist du mit dieser Idee zum Gleitschirmfliegen gekommen?
Nein, also am Anfang, ich habe gar nicht gewusst, dass es Agrofliegen gibt. Ich habe damals, da war ich noch im Studium und habe ein Video gesehen, wie ein Snowboarder relativ schnell fährt. Und auf einmal hat er einen kleinen Schirm gehabt und ist über die Klippe gesprungen und ist geflogen. Und ich war ein unglaublich schlechter Snowboarder. Da habe ich auch kein Talent gehabt. Auch kein Talent. Allgemeinen Sport habe ich, glaube ich, kein Talent. Da habe ich mir gedacht, hey, das ist ja super. Dann kann ich, wenn ich beschleunige und schneller werde, immer da, wo es dann Probleme gehabt hat beim Snowboarden, wo ich meistens aufs Maul gefallen bin. Da habe ich mir gedacht, da hebe ich dann ab. Das ist ja super einfach. Und dann habe ich im Internet schon geschaut und wollte mir einen Schirm kaufen. Da habe ich überlegt, welche Größe werde ich brauchen.
Ich bin recht klein. Ich habe wahrscheinlich S oder M gebraucht. Dann habe ich schon bei den Kleinanzeigen so für 300 Euro einen Schirm gesehen. Da habe ich gedacht, ja. Ich habe überlegt, wo macht man denn den fest? Ich habe ja null Ahnung gehabt. Da habe ich mir gedacht, wahrscheinlich gibt es eine Hose, wo man den fest bindet. Dann habe ich einen Sigi, meinen jetzigen Partner, kennengelernt. Der hat einen Gleitschirmschein gehabt. Dem habe ich das dann verzeiht, dass ich gerne irgendwie fliegen würde, weil ich halt schlecht snowboarde.
Und er hat dann gesagt, da braucht es ein bisschen mehr als nur den Schirm. Also muss ich einen Schein machen. Das ist halt auch nicht so einfach. Wirklich gefährlich am Anfang. Dann hat mich ein Freund vom Sigi mit einem Tandem mitgenommen. Der Arndt. Und der Matthias dann an einem Tag. Da habe ich dann drei Tandemflüge gemacht. Mir ist es unglaublich schlecht geworden vorne. Also ich bin vorne drinnen gehängt und es war ein thermischer Tag in Kössen. Und wir sind fast nicht mehr runtergekommen. Und dann bin ich unten am Boden gewesen und hätte mich da fast übergeben müssen. Da habe ich gesagt, das muss ich selber machen.
Aber es hat sich nicht gleich abgebracht. Gar nicht.
Eher im Gegenteil. Also in der Luft
hat es dir Spaß gemacht, nur als es dann schlecht war, hast du gesagt, okay, das muss ich selber in die Hand nehmen. Es war beängstigend.
Ich habe es schon nicht verstanden. Es war ja beängstigend. Ein bisschen war es faszinierend. Und dann habe ich mir gedacht, ich muss das selber machen. Das ist ja wie Beifahrer sein. Da habe ich auch Angst. Wenn ich selber fliege, ist die Angst vielleicht weg.
Und in der Zeit ist dann leider mein Opa verstorben. Aber der hat mir 3.000 Euro verdient. Mit den 3.000 Euro habe ich mir dann die Gleitschirmschulung bezahlt und die erste Ausrüstung gekauft. Das war ein 24 Quadratmeter Gradient Bright. Mit
dem habe ich auch gelernt, glaube ich. Also nicht mit dem, mit dem du geflogen bist, aber das war auch ein Gradient Bright, mein erster Schirm.
Der hat mir Angst gemacht. Der hat mich eigentlich null auskennt. Ich habe bei Papi auch gelernt. Das war recht gut.
Mein Fluglehrer am Anfang ist immer rausgeflogen und hat ein Infinite nach unten gemacht. Das war so das erste Mal, als ich sowas gesehen habe. Man denkt, okay, man kann ja mehr als geradeaus fliegen. Da kann man ja sowas machen. Da habe ich mir schon gedacht, okay, ist cool, aber werde ich nie schaffen. Erst mal geradeaus fliegen lernen.
Ich habe am Anfang dann nach der Schulung relativ viel Klappe gekriegt. Ich habe aber keine Ahnung gehabt. Ich bin dann einfach Mittag auf Kösten gefahren und Mittag rausgestartet. Bei voller Thermik dann? Ja. Ich habe null Ahnung von Thermik fliegen oder aktiv fliegen gehabt. Ich habe Klappe gekriegt. Ich bin immer runtergekommen. Ich bin stundenlang mit angelegten Ohren über den Landeplatz geflogen.
Aber das hast du dann trotzdem immer wieder gemacht. Also Angst scheinst du da ja nicht gehabt zu haben.
Ja, es ist zwischendrin. Ich habe oft Angst gehabt, aber es war trotzdem wunderschön. Es war für mich so faszinierend. Ich habe sehr viel Respekt danach gehabt. Es ist dann mehr von Angst in Respekt umgegangen. Die meiste Angst habe ich immer gehabt, nicht mehr runterzukommen. Ich habe 55 Kilo gewogen und habe einen 24 Quadratmeter -Arsch gehabt.
Ich habe es einfach oft gehabt, dass ich nicht mehr runtergekommen bin. Ich habe gedacht, das gibt es doch nicht. Die landen alle und ich hänge da oben mit angelegten Ohren. Und ich habe Rollenkinder und sonst nichts. Und dann habe ich es eben gesehen, wie ein paar Freunde von mir, die ich dann auch durch das Gleitschirmfliegen noch mehr kennengelernt habe, wie sie dann Helis gemacht haben und hohe Wingen. Und ich habe immer zugeguckt und gedacht, wow, das schaut ja super aus. Und die kommen runter damit.
Und das war dann so der Anfang. Das heißt, du bist zum Agro eingestiegen, weil du das eigentlich als Abstiegshilfe wolltest? Unter anderem, ja.
Eine seltene Motivation, aber es hat ja offenbar funktioniert. Ja.
Es hat cool ausgeschaut von außen. Ich habe mir nie gedacht, dass ich es lernen werde. Ich wollte nur Wingover und Heli lernen. Wingover hat mich beeindruckt. Da habe ich gedacht, wow, das schaut unglaublich geil aus. Und Heli habe ich mir gedacht, wenn ich Heli kann, dann bin ich durch. Dann kann ich alles.
Hast
du dann auch wirklich deinen ersten Heli noch mit diesem Bright geflogen?
Nein, gar nicht. Mit
24 Quadratmeter?
Nein, ich habe den Bright relativ schnell verkauft.
2016 habe ich meinen Schein gemacht. Und 2017 war ich das erste Mal an der Düne und da habe ich mir einen Dünenschirm gekauft, weil alle gesagt haben, das kannst du nicht mit deinem normalen Schirm. Du brauchst einen Dünenschirm. Und dann habe ich mir einen Team 5 Blue gekauft in XS. Und den habe ich an der Düne geflogen. Und das habe ich mir unglaublich viel gelernt. Also allgemein vom Schirmhandling, vom Schirmaufziehen, Starten, bei starkem Wind. Den habe ich für 500 Euro gekauft. Und der hat mir so gut gefällt. Ich habe da hinten schöne Sandlöcher reingemacht, dass der Sand rausgeht. Aber der hat mir so gut gefällt, dass ich den danach bei uns geflogen bin. Und dann habe ich den Gradient verkauft.
Weil den bin ich noch mal geflogen, der hat mir keinen Spaß gemacht. Und mit dem Blue habe ich dann leicht rollen, Wing -Over gelernt. Dann habe ich ein Sicherheitstraining gemacht. Ich glaube, das war 2018 dann. Und da war mir schon klar, dass ich Heli lernen mag. Und im Sicherheitstraining wollte ich nur Stollen lernen. Da habe ich dann drei Stolls mit dem Schirm gemacht, weil das Wetter relativ bescheiden war. Ich glaube, wir haben nur vier Flüge gemacht im Sicherheitstraining.
Und den Rest habe ich mir dann selber mit dem Schirm verkauft. Hast du denn
bei diesen Stolls Talent? Oder ist das erstmal auch völlig in die Hose gegangen?
Bei Stolls war das Einzige, was okay war, wo ich gar kein Talent hatte, waren die Sackflug. Ich habe mir gedacht, Stoll war. Meine Stolls haben anders ausgeschaut als andere. Ich habe den Schirm nicht angeschaut. Ich habe es ein bisschen anders für mich gemacht. Ich habe den Schirm langsam gemacht. Ich habe ihn gebremst. Dann habe ich ihn abgerissen. Und dann habe ich immer auf die Tragegurte geschaut, wo mein Punkt ist vom Flyback. Und habe nur geradeaus auf die Tragegurte geschaut. Und habe geschaut, dass ich mich da festhebe an den Tragegurten. Und ich habe den Punkt genau so gut getroffen vom Flyback, dass ich den Schirm abgerissen habe. Nicht zum Schirm hochgeschaut habe und mich einfach an die Tragegurte im Flyback festgehalten habe. Also es war talentbefreit. Es hat funktioniert.
Vielleicht war zumindest so viel Gefühl dabei, dass du jetzt immer sagst, es war talentlos, aber irgendwo vielleicht hast du ja versteckte Talente dann da auch gehabt. Offenbar musst du es ja gehabt haben, weil du hast ja mittlerweile eine ziemlich erfolgreiche Karriere im Agrofliegen dann hingelegt. Ja,
ich glaube, es liegt mehr an der Zeit, die ich dann verbracht habe. Also ich habe dann einige Stolls gemacht. Und dann habe ich mir gedacht, zum Helifliegen und Agrofliegen brauche ich einen Agro -Schirm. Und bevor ich die ersten Helis gemacht habe, habe ich mir dann meine erste Emily gemacht. In 20 Quadratmeter. Aber es haben ja alle davon abgeraten. Also ich habe noch keine schönen Wing -Over fliegen können. Das war immer noch so Rollen. Ich habe nicht Xythermic fliegen können. Im Nachhinein hätte ich nicht viel unter dem Agro -Schirm verloren gehabt. Aber ich wollte Agro fliegen. Und ich habe mir gedacht, ich brauche auch einen Agro -Schirm dazu.
Hattest du denn schon Agro -Gurtzeug? Oder das auch nicht? Nein,
ich habe nur, was habe ich denn gehabt? Das war, glaube ich, Advanced Access 2. Also ich habe am Anfang, das ist auch nicht so, da hätte ich jetzt nie jemandem erraten, ich habe am Anfang mit einem Retter gestollt. Aber mit einem Agro -Schirm. Ich habe dann die ganzen Stolls mit einem Retter, mit meinem Advanced gemacht.
Und irgendwann haben mir dann alle abgeraten. Die haben alle gesagt, kauf dir keinen Agro -Schirm. Du bringst dich um, du tust dir weh, du fährst ins Segel, du tust nicht, du tust nicht, kauf dir einen B -Schirm. Ich habe auf keinen gehört. Ich habe mir gedacht, das mache ich schon. Ich kaufe mir einen Agro -Schirm. Und dann habe ich mir ein paar Monate darauf einen Agro -Gurtzeug gekauft, mit zwei Rettern dann. Alle haben gesagt, ich bringe mich um. Ich habe nie eine Situation gehabt, wo ich mich umbringe. Also auch beim Fliegen. Ich habe zwar Klappe gekriegt, aber es war nie schlimm.
Und dann habe ich ein ganzes Jahr lang, bin ich in Kösten rausgeflogen. Jede freie Minute bin ich rausgeflogen und habe Sackflug geübt. Und das Jahr war anstrengend. Geistig.
Ein Jahr lang Sackflug üben?
Ein ganzes Jahr, genau.
Wir haben alle gesagt, ich werde mich umbringen. Ich darf kein Heli nicht andrehen. Ich fahre da ins Segel, weil ich kann das Ausleiten nicht. Die haben gesehen, ich fliege noch nicht lange. Die haben sich halt, glaube ich, einfach Sorgen um mich gemacht. Ich habe dann auch nicht so die super Agro -Profis um mich gehabt, die gesagt haben, hey, das ist einfach, mach das so. Und alle haben gesagt, die Basic ist der Sackflug. Und dann bin ich ein Jahr lang rausgeflogen und habe immer Sackflug. Ich habe gedacht, ich mache Sackflug. Hat sich herausgestellt, ich habe dann ein Jahr lang Minimalfahrt geübt.
Im Nachhinein.
Das heißt, irgendwann warst du mal wieder bei einem Sicherheitstrainer, der etwas mehr Ahnung hatte und der hat dir gesagt, du, was du dort machst, ist gar kein Sackflug. Oder wie bist du da draufgekommen, dass es eigentlich kein echter Sackflug war, was du da geflogen bist?
Das war dann 2019, als ich den ersten Heli andrehen lassen wollte, weil man denkt, Sackflug. Kann ich ja gut. Ein Heli lässt mir nur eine Hand jetzt los. Dann bin ich an die Gerlitzen über Wasser gefahren und habe den Schirm leicht angebremst auf Minimalfahrt und habe dann immer eine Hand losgelassen und habe mich gewundert, warum die Helis nicht gut andrehen. Ich habe auch nie zum Schirm hochgeschaut. Und damals habe ich dann einen Freund von mir kennengelernt. Der hat sich dann einmal ein Video von mir angeschaut und hat gesagt, hey Dani, schau doch mal zum Schirm hoch. Wie war das?
Und der hat dann gesagt, ich bin nicht schön im Sackflug. Dann habe ich gedacht, okay, okay. Und dann hat das Lernen eigentlich angefangen. Dann habe ich wirklich schöne Sackflug geübt. Je schöner die Sackflug waren, desto schöner sind die Helis geworden.
Damals habe ich mein Studium, glaube ich, so fertig gehabt. Ich denke, ich habe im Studium relativ viel Zeit gehabt zum Fliegen.
Was hast du studiert?
Ich habe Mathe studiert. Da habe ich mir auch gedacht, was kann ich denn am besten?
Da warst du nicht talentbefreit, sondern das kommt dazu. Da
habe ich Talent gehabt, genau. Das habe ich als Kind, glaube ich, von meinem Papa schon mitgekriegt. Er ist selber Lehrer und war Mathelehrer. Und er wollte, dass ich gut Mathe kann. Und ich habe als Kind immer überall schon rechnen müssen mit meinem Papa. Und der hat mir das ein bisschen in die Wiege gelegt, dass ich in Mathe ein großes Talent habe. Ich habe vorher Krankenschwester gelernt. Dann habe ich gearbeitet. Dann habe ich mir gedacht, wow, einen 40 -Stunden -Job als Krankenschwester, das mache ich nicht lange mit. Das ist der Schichtdienst. Dann hast du zwölf Tage am Stück durcharbeiten. Dann hast du ja gar keine Freizeit mehr. Dann habe ich mir gedacht, was kann ich? Was kann ich studieren? Mathe ist einfach. Mathe machen wir.
Aber dieser Anfang, 27, mit dem Fliegen, warst du da noch Krankenschwester oder warst du da schon im Studium?
Ich überlege. Ich denke, da war ich noch nicht ganz im Studium. Ich habe damals, ich habe blöde Zeitungen getroffen. Ich habe mein Abi in der 12. Klasse, da habe ich gesagt, ich brauche kein Abi. Ich breche es ab. Nein, der 13. war das noch. Da habe ich gedacht, ich breche das Abi ab. Brauche ich nicht. Ich lerne Krankenschwester. Dann habe ich Krankenschwester gelernt. Da habe ich gedacht, hätte ich doch Abi gemacht.
Dann bin ich auf die BOS gegangen und habe mein Abi nachgeholt. Und das war da, wo ich das Fliegen angefangen habe. Da war ich noch auf der BOS. Und dann, relativ zeitgleich, habe ich dann das Fliegen angefangen, wo ich Mathe studiert habe. Und Mathe studieren war nicht einfach.
Aber hat dir zumindest genügend Zeit gelassen, viel fliegen zu gehen. Und du hast das Mathe -Studium geschafft, letzten Endes.
Ja, genau. Ich habe länger gebraucht. Also ich habe, anstatt die vorhergesehenen drei Jahre, was man hat für einen Bachelor, habe ich viereinhalb Jahre gebraucht. Wollte dann auch noch einen Master machen. Also insgesamt habe ich dann fünfeinhalb Jahre studiert. Aber habe es dann während dem Master abgebrochen, weil ich gemerkt habe, das ist nichts für mich. Also mir reicht der Bachelor. Also wo ich hin mag, hat mir der Bachelor gereicht. Dann ein Master. Das sind dann oft zu einem Anzug in die Uni gekommen. Und ich habe mir gedacht, dann bin ich irgendwas hohes, wo ich viel Verantwortung habe. Da mag ich nicht hin in mein Leben. Ich mag in einer Firma nicht ganz rauf mit viel Verantwortung.
Sondern lieber Freiheiten mehr haben.
Genau, ein bisschen im Backend arbeiten. Das taugt mir gut. Jetzt habe ich einen guten Job in der IT gekriegt.
Mir ist alles in meinem Leben so ein bisschen zugelaufen. Ich habe ja nie gewusst, was für einen Job ich habe. Ich habe mich einfach auf einen beworben und habe mir gedacht, im schlimmsten Fall nehmen sie mich.
Der schlimmste Fall ist
eingetreten. Ja,
das war die erste Bewerbung, die ich gehabt habe. Dann haben die gesagt, was ich machen muss. Dann habe ich gesagt, ich habe schon Ahnung von IT. Aber genau das, was ich jetzt mache, habe ich gesagt, habe ich keine Ahnung. Ich kann mich halt schnell in Sachen hinein lernen. Das funktioniert gut. Aber genau von dem Arbeitsgebiet, was ich machen muss, habe ich gesagt, habe ich absolut keine Ahnung. Ich habe mir nicht gedacht, dass sie mich nehmen. Sie haben mich dann genommen.
Und jetzt bin ich da sehr glücklich. Ich arbeite jetzt reduziert auf 230 Stunden. Im Homeoffice. Und das gibt mir sehr viel Zeit zum Fliegen. Ich kann es mir viel selber einteilen. Und deswegen kann ich so viel Zeit unter dem Schirm verbringen.
Hast du bei der Bewerbung auch schon gesagt, dass du Gleitschirmfliegen bist? Dass du aggro fliegst? Dass du ganz viel Zeit fürs Fliegen brauchst?
Ja, habe ich auch noch gesagt. Ich habe nicht gesagt, aggro fliegen. Ich habe gesagt, ich tue Gleitschirmfliegen. Und dass es für mich wichtig ist, dass ich auch die Zeit zum Fliegen habe. Und das passt. Das kriegen wir auf alle Fälle. Also ich habe einen super Arbeitgeber. Deswegen habe ich mir nicht gedacht, dass sie mich einstellen haben. Ich hätte mich nicht eingestellt.
Na ja, aber jetzt bist du da. Offenbar ist er zufrieden mit dir, weil er hat dich noch nicht wieder ausgestellt. Und zwischendurch hast du einiges an Zeit, um trainieren zu gehen. Wie viel trainierst du dann eigentlich? Also was ist so eine klassische Woche bei dir? Du sagst, du arbeitest hauptsächlich oder komplett aus dem Homeoffice raus?
Genau, komplett aus dem Homeoffice. Das heißt, ich kann in der Früh aufstehen. Dann schaue ich erst mal Wetter. Also ich schaue am Vortag schon Wetter. Wenn ich weiß, es ist richtiges Regenwetter, wie jetzt die letzten Tage, dann arbeite ich mehr. Dann arbeite ich schon mal zehn Stunden am Tag. Aber kann im Gegenzug, wenn ich jetzt sehe, nächste Woche ist ein paar Tage schönes Wetter, dann mache ich in der Früh einen Laptop auf, arbeite zwei Stunden, mache zu und fahre auf Kössen zum Fliegen.
Kössen ist so dein Hausberg, dein Haupttrainingsberg.
Genau, genau. Da fahre ich noch ein bisschen unter eine halbe Stunde hin. Und Kössen geht halt fast in jede Windrichtung. Ich habe das Freizeitticket,
also das ist ein Jahresticket, auch für Kössen inkludiert, was halt auch für mich dann leistbar macht. Da muss ich nicht jeden Tag eine Tageskarte kaufen. Das heißt, ich zahle einmal dieses Jahresticket und fahre dann einfach oft um zwölf im Mittag erst rüber und kann trotzdem noch acht Flüge machen. Und so kann ich halt relativ gut trainieren mit der Arbeit. Also wenn ich jetzt wirklich von acht, von neun bis fünf im Büro sein müsste, hätte ich das Fluglevel ganz sicher nicht, was ich jetzt habe.
Erklär mir mal oder erzähl mir mal, wie trainiert ein Agroflieger beziehungsweise eine Agropilotin wie du? Hast du ein wirkliches, eine Art Trainingsprogramm, was du dir selber setzt? Oder ist es einfach trainieren, nur viel fliegen und sagen, jetzt drehe ich mal ein Heli, jetzt fliege ich mal was auch immer, jetzt mache ich mal Mistyflip und sonstiges. Also kommt das aus dir heraus und sagst, das ist Training, einfach nur viel, viel fliegen? Oder steckt viel, viel mehr Systematik dann eigentlich dahinter? Ich meine, du als Mathematikerin bist ja wahrscheinlich eigentlich systematisch vielleicht veranlagt, aber es ist die Frage, ob du das beim Fliegen auch so umsetzt.
Na, da herrscht Chaos.
Früh machen ist so, also Frühjahr, da sehe ich die trainieren wirklich, die haben einen Trainingsplan, die machen das Manöver, das, das, das. Aber für mich ist Spaß beim Fliegen auch wichtig. Also es gibt Wochen, wo ich trainiere, wie vor einem Wettbewerb, da habe ich meine zwei Wettbewerbsruns, dann fliege ich nur noch diese zwei Runs.
Aber ich muss vor jedem Flug wissen, was ich für ein Manöver fliege, das ist mir wichtig. Also wenn ich jetzt am Berg stehe und rausfliege und dann einfach drauf losfliege, das funktioniert nicht, weil dann müsste ich noch jeden Manöver machen, selber überlegen, was mache ich als nächstes. Also ein schöner Agroflug für mich
besteht aus Manövern, die alle zusammenhängen. Das heißt nicht ein Heli, dann geradeaus fliegen, dann ein Misti, sondern aus dem Schwung vom Heli raus muss ich ein Misti machen oder aus dem Satz muss ich mich einzwisten und dann gleich weiter. Also es muss ein schöner Flow drin sein und den Flow habe ich nur, wenn ich am Start schon weiß, was ich fliege.
Schreibst du dir das irgendwie auf oder ist das einfach wirklich, dass du sagst, wie so eine Choreografie, das kann ich mir noch gerade merken. Also am Start überlege ich mir, ich weiß, ich habe hier 600 Höhenmeter, die ich verbraten kann und dann weiß ich auch ungefähr, wie viel Höhe ich mit jedem Manöver so ungefähr verbrauche und dann stelle ich mir diese fünf, sechs, sieben Figuren irgendwie zusammen, mit denen ich dann dort runter tage.
Genau. Das mache ich dann am Startplatz oder beim Bahn oder beim Rauffahren oder in der Luft, wenn ich auf dem Weg zur Box bin. Dann überlege ich mir immer, welche Richtung, also wenn ich jetzt einmal einen Manöver nach links gemacht habe und der Heli nach links trat, dann habe ich Schwung nach links, das heißt, dann muss ich irgendwas nach rechts machen.
Das setze ich mir am Startplatz oder beim Fliegen in die Box vor. Außer die Wettbewerbsruns, die zwei, die ich habe, die muss ich mir vorher aufschreiben. Weil da gibt es viele Kriterien, dass ich dieselbe Anzahl, also ich darf, wenn ich jetzt drei Linksmanöver mache und fünf Rechtsmanöver, dann habe ich mehr Rechtsmanöver und dann gibt es Punktabzug. Das heißt, das schreibe ich mir wirklich auf der Liste drauf, schaue, wie viele Links habe ich, wie viele Rechts habe ich. Um viel Bonus zu kriegen, braucht man einige Twisted -Manöver. Man darf dann nur drei Reverse -Manöver haben und da gibt es viele Regeln. Und da schreibe ich mir, also da nehme ich mir wirklich eineinhalb Stunden fast Zeit und versuche mir zwei Runs aufzuschreiben, die viele Punkte geben, die einen guten Flow haben und die links und rechts ausgeglichen sind.
Das ist das Einzige, was ich mir aufschreibe und das Restliche ja pflege ich einfach.
Jetzt gibt es sicherlich ein paar Leute, die hier zuhören, die sich mit Arco nicht so gut auskennen. Vielleicht erklärst du mal zumindest so ein paar Sachen, das fällt jetzt einfach so bei den Arco -Leuten, fließt das einfach so aus dem Mund heraus und der Nächste sagt so, ich weiß nicht gerade, was die meint. Also fangen wir mal einfach an. Du hast gesagt, ja, ich muss mindestens so drei Twisted -Manöver pflegen oder so was. Was heißt das?
Twisted heißt, man pflegt nicht geradeaus, sondern man schnappt sich die Tragegurte und traht sich rückwärts ein. Also man macht so eine 180 -Grad -Drehung im Gurt -Set. Du guckst dann
nach hinten beim
Fliegen. Genau, ich pflege dann rückwärts die Tragegurte, sondern vorne via X überkreuzt.
Sinn gibt es glaube ich gar nicht. Da hätte ich jetzt überlegen, was das für einen Sinn hat. Keine Ahnung, es macht Spaß.
Macht Spaß und wahrscheinlich macht es einfach alles noch etwas anspruchsvoller, weil du wahrscheinlich Spiegelverkehr denken musst beim Steuern mit einem Mal, oder?
Genau. Die rechte Bremse hängt halt dann links oben und die linke Bremse rechts oben. Im Wettbewerb gibt es mehr Punkte. Das ist ein guter Punkt. Und manche Manöver fallen mir Twisted einfacher.
Aha, warum?
Man sieht den Schirm besser. Das ist wie Infinite zum Beispiel. Da kommt der Schirm, immer von hinten, und schießt dann vorne runter. Und hinter dir, da wo man korrigieren müsste, sieht man den Schirm eigentlich schlecht. Und wenn man das getwistet macht, kommt der Schirm immer vor einen hoch und man sieht den Schirm besser. Okay.
Das heißt, wäre es vielleicht sogar leichter, ein Infinite zu lernen, indem man ihn Twisted fliegt? Ich glaube nicht, nein. Ja, wenn du sagst, man sieht ihn dann besser vielleicht, ist es dann leichter, theoretisch. Theoretisch
vielleicht, ja. Aber man hat immer so den, also am Anfang, das Schwierigste ist, den Twist zu halten. Das hört sich so einfach an, man dreht sich ein und man zieht da und da an der Bremse. Das Schwierigste ist beim Twisted Fliegen einfach den Twist zu halten. Weil wenn man Twisted mal eine Kurve macht, vielleicht hat es irgendwer schon mal gemacht, merkt man gleich so, oh, das Pendel, man ist ja ein Pendel, das twistet dich gleich aus. Und da hat man bei Twisted, Infinite, muss man ja eine gute Spirale vorher machen, bevor man den einleitet. Und wenn man bei der Einleitung austwistet, das ist nicht gut. Es ist okay, aber es ist nicht gut.
Wie schafft man es dann, so einen Twist zu halten?
Ich denke eigentlich gar nicht darüber nach. Ich mache viel unterbewusster im Körpergewicht. Also wenn ich mich eintwiste, ich twiste mich nicht 180 Grad ein, ich twiste mich immer ein bisschen mehr ein, so 220 Grad oder ein bisschen über 200 Grad. Und das lockt den Twist ein bisschen.
Also es ist aber nicht so, dass man sich irgendwie mit einem Ellbogen quasi am Tragebot festhält oder so was, sondern...
Nein, gar nicht.
Okay. Ich habe mir auch
schon mal überlegt, was zum Basteln, was den Twist zusammenhält. Aber es ist halt blöd, weil man muss sich ja wieder austwisten, China, dann im Manöver. So eine Hilfe -Bastelung war auch nichts. Viel mit Körpergewicht und vorsichtig mit der Bremse arbeiten. Sobald man nämlich die hintere Bremse, die vorne weg ist, im Twist ein bisschen zieht, twistet es einen automatisch aus. Das ist ja der Grund, warum man bei den Manövern, wenn man dann die zu Heli spinnt, zum Beispiel irgendein Manöver, was man abreißt, man reißt immer die Seite ab, also die Seite negativ, die von einem wegschaut, der Tragegurt. Und in dem Moment twistet es dich aus.
Kann man denn alle Manöver im Grunde getwistet fliegen?
Ich denke schon.
Oder gibt es Manöver, die eigentlich nicht funktionieren, weil sie einen von der Flugdynamik her automatisch immer austwisten?
Normalerweise sollte man alles twistet fliegen, China.
Kannst du alles twistet fliegen? Es
hört sich einfach an. Manche denken, man fängt mit Twisted Wingover an. Falls irgendwer zuhört, der Twisted Wingover machen mag, fangt nicht mit Twisted Wingover an.
Das ist ultraschwierig. Das ist genau da, wenn man links und rechts an der Bremse zieht. Und der Wingover ist wirklich ein schöner Wingover. Finde ich wirklich schwierig zum fliegen. Und man macht da so viel mit Gewichtsverlagerung und mit der Bremse. Ich habe es noch nicht probiert, aber ich stelle
es mir unglaublich schwierig vor, Twisted Wingover. Sonst kann ich, mal überlegen, ich glaube fast alles, außer Twisted Heli habe ich auch noch, habe ich unabsichtlich oft probiert, funktioniert auch. Ansonsten kann ich alles twistet fliegen. Außer links Misty Heli. Das mache ich nicht.
Was ist links Misty Heli? Einfach nur, wenn schon so ein toller Fachbegriff wieder hier fällt. Für die, die sich mit Akku nicht so gut auskennen.
Heli glaube ich, konnte sich nur jeder vorstellen, was ein Heli ist. Da draht sich der Schirm über Ohren. Und ein Misty ist, wenn man den Schirm spinnt. Und zwar nimmt man ein bisschen Schwung, wie beim Nicken. Und in den Hochtauchen, in den Hochschaukeln, spinnt man den Schirm einseitig, sodass der Schirm sich 360 Grad dreht und wieder geradeaus fährt. Das heißt, der Misty Heli, man spinnt den Schirm mit der einen Seite 360 Grad und dann macht man das zum Heli.
Also im Grunde der Heli, da ist der Schirm senkrecht überein und beim Misty hängt der so ein bisschen hinter einem oder vor einem. Je nachdem, ob er getwistet oder nicht getwistet fliegt, wahrscheinlich.
Ja, genau. Genau. Er draht hinter, also er fängt hinter an zum spinnen und der Misty schießt am Schluss vor. Außer man macht ihn zum Heli, dann draht er zum Heli. Und das ist so das einzige Manöver. Es ist ein Anfangsmanöver,
aber ich mag es einfach nicht. Ich mag es nicht. Ich kann alles fliegen, aber ich mag keinen Misty Heli nach links. Das ist gefährlich.
Macht man nicht. Vorhin gab es noch einen anderen Begriff, den du genutzt hast. Reverse. Was ist das?
Erklärt man gut. Reverse ist, wenn ich jetzt einen Misty nach links mache, also ich nehme im Pendel einen Schwung und mache einen Misty nach links, dann spinne ich den Misty nach links. Das heißt, die Drehbewegung vom Schirm ist nach links. Und wenn ich da drauf hin jetzt kein Linksheli mache, sondern einen Rechtsheli, also der Richtungswechsel vom Heli ist dann der Reverse. Das heißt, der Misty nach links mit anschließendem Heli nach rechts ist ein Reverse.
Das heißt, die Drehrichtung an der Hochachse wird gedreht. Also reversed. Also einfach von links nach rechts oder von rechts nach links. Genau.
Das können fast alle machen, wie ein Sat. Sat ist, glaube ich, nur die meisten ein Begriff. Man kann auch einen Sat machen. Den kann man zum Beispiel nach links machen, einen Sat. Den kann man dann ganz langsam abreißen, den Sat. Und dann nach rechts im Heli dran lassen. Das wäre dann ein Sat -Heli -Reverse.
Da kommt einiges zusammen. Ja. Du hast jetzt, du hast gesagt, am Anfang noch kein Agro angeflogen, hat sich aber interessiert. Dann hast du angefangen, hast vor allem erst mal diese Sackflug geübt, ohne ein Jahr wirklich in Sackflug zu gehen und so weiter. Wie ging es dann weiter, dass du wirklich mal dahin gekommen bist, zu sagen, ich fliege einen Agro Wettbewerb mit?
Es ging, also ab da an, wo ich dann wirklich Heli trainiert und probiert habe, ist es relativ schnell gegangen. Ich weiß noch mal, wer es war, aber irgendwer hat zu mir mal gesagt, der hat gefragt, was ich fliege. Da habe ich gesagt, ja, ich probiere Heli. Und dann hat er zu mir gesagt, ach, wenn du Heli probierst, dann kannst du jetzt eh schon auch fast alles probieren. Dann probiere doch mal Misti, probiere mal einen Sat. Dann habe ich mir schon ein paar Manöver aufgezeigt, die ich probieren soll. Dann habe ich mir gedacht, okay, wenn der das sagt, dann wird das so stimmen. Und dann habe ich,
ich habe wenig Videos damals, aber ich hätte mir wahrscheinlich mehr Gedanken machen sollen. Ich habe es dann einfach ausprobiert. Theo, die Blick, glaube ich, ist jeder. Jeder Begriff ist ein sehr bekannter französischer Akro -Pilot, der YouTube -Tutorials macht. Die habe ich mir angeschaut. Aber nicht ganz, weil er hat immer so viel verzeiht. Oh, red nicht so viel. Und ich habe einfach immer vorgespult und geschaut, was macht er dann? Ah, er nimmt Schwung und er zirkt da an der Bremse. Und so habe ich mir dann viel Akro -Fliegen gelernt.
Durch abgucken gewissermaßen?
Genau. Bis ich dann meinen ersten Retter gebraucht habe in Olydenis.
Da hätte ich mir vielleicht vorher anhören sollen, was Theo in seinem Tutorial gesagt hat und nicht nur...
Nicht nur schauen, sondern auch gucken? Nicht nur schauen, ja. Weil manchmal sagt er auch, was man vielleicht an Fehlern machen könnte oder so.
Genau. Das hat er da ausgiebig... Da hat er zehn Minuten vorher gedacht. Was machen wir denn? Zehn Minuten über Manöver reden. Dann kommt er zum Punkt. Er hat einiges Wichtiges gesagt, das ich dann natürlich nicht gemacht habe. Und dann bin ich in Olydenis das erste Mal meinen Retter gekannt. Ab da habe ich mir gedacht, okay, ich schaue jetzt einmal, was schiefgehen kann und schaue mir mal ein bisschen mehr die Tutorials an.
Und habe dann... Der erste Infinite war 2020.
Den habe ich an der Gerlitzen geflogen. Da ich einen recht dummen Flug vorher gehabt habe. Das war Mittag und an der Gerlitzen, das ist ein Berg in Kärnten, vielleicht kennen manche. Da ist die Wolke oben am Startplatz drin gehängt. Aber die Wolke war sehr klein. Wir sind hochgefahren und haben ein bisschen gewartet. Und dann habe ich... Hat die Wolke so ein ganz kleines Loch aufgemacht. Und dann habe ich mir gedacht, ah ja, in dem Loch, da sehe ich eh das Wasser. Da starte ich jetzt. Da finde ich locker durch. Die Wolke war so ein bisschen weiter weg vom Berg. Und da bin ich gestartet. Und wir sind zu viert damals rausgestartet. Und unter dem Fliegen habe ich so gemerkt, oje, dieses Loch...
Das schließt sich schon wieder.
Es wäre kleiner und ich werde es vom Gleitwinkel gar nicht erreichen.
Dann habe ich mir gedacht, der See ist so ein bisschen vorne rechts. Dann habe ich vor der Wolke ganz leicht nach rechts gelenkt und habe mir gedacht, da bin ich eh gleich durch, durch die Wolke. Und dann bin ich in die Wolke rein. Da hat es so eine halbe Minute gedauert. Das gibt es doch nicht. Die war so klein, die Wolke. Und ich sehe immer noch nichts. Und habe nach unten geschaut und habe überrascht, woher ich hingeschaut. Und auf einmal war es unten dunkel. Dunkel, dunkel, dunkel. Dunkel ist nicht gut. Dunkel ist schlecht. Und dann habe ich so im Augenwinkel schon die erste Tanne vorbeiziehen gesehen. Da habe ich mir gedacht, oje. Und dann hat sich die Wolke gelockert und ich habe nur noch Tannen vor mir gesehen. Okay, was hat man in der Schulung gelernt, was dir die saftigste Tanne aussuchen kann? Ich habe mir die saftigste Doppeltanne ausgesucht
und bin dann reingeflogen. Ich habe keine andere Wahl gehabt. Natürlich Handy und alles hinten im Gurtzeug nicht erreichbar gewesen. Und zum Glück war das so ein kleiner Wanderweg und ich bin dann da oben im Baum gehängt und dann sind unten so Ehepärchen vorbeigegangen. Und ich habe mal runtergewunken, so hey.
Drei hatte ein bisschen Hilfe, ob sie die Bergrettung rufen können. Es ist eine lange Geschichte auf alle Fälle und ich habe mich die Bergrettung von Kärnten dann da sicher rausgeholt.
Nach ein paar Stunden erst wahrscheinlich, oder? Hat zwei
Stunden gedauert, ja. Das war eine gute Tanne.
Und dann war ich unten am Landeplatz, habe meinen Schirm angeschaut und dann habe ich gedacht, ich bin so dumm, dass ich da gestarrt bin. Das Wetter war dann super schön und an dem Tag habe ich mir gedacht, jetzt ist schon so viel schiefgegangen.
Probiere ich noch ein Infinite.
Genau, da habe ich gesagt, das kann nicht noch mehr schiefgehen, weil eine Sache, also es ist immer, an einem Tag kann nicht so viel schiefgehen, habe ich mir gedacht. Okay, dann habe ich auch nicht gefragt, wie man denn den Infinite fliegt. Ich habe vorher, ich glaube, drei, vier Mal rhythmisch geflogen, das habe ich für ungut empfunden, weil es hat mir einfach nicht gefällt. Dann habe ich halt jemanden gefragt, wie man Infinite fliegt. Die Christina war das, eine Tschechin, die damals schon relativ gut aggro geflogen ist und die hat dann gesagt, du machst einfach eine Spirale auf die eine Seite, wartest, bis der Schirm über dir ist und dann ziehst du den Sat 3, hebst den kurz und lässt ihn los. Ja okay, jetzt ist es einfacher.
Dann bin ich dann raufgefahren und das war dann mein erster Infinite und der war super. Also da habe ich dann wirklich ein Talent gehabt.
Wie viele Überschläge hast du direkt beim ersten gemacht oder war das einfach nur einer und dann war es schon wieder vorbei?
Na, ich glaube fünf bis sechs. Also ich habe das richtig gut gemacht. Ich war sehr erschrocken, dass ich so lange drinnen geblieben bin, weil sie hat gesagt, heb dich oben fest und du wackelst raus und ich bin da drinnen. Aber du
wusstest, wie du den auch ausleitest, also dass du dann nicht die Gefahr hast, ins Segel zu fallen oder so?
Genau, sie hat gemeint, wenn ich nur die Hände oben halte am Schirm, der Schirm kann das. Also ich habe auch sehr viel Vertrauen zum Schirm gehabt. Das hat mir sehr viel geholfen. Ich habe gewusst, der Schirm kann das. Aber wenn ich die Hände nur oben halte, dann wackelt man auf einer Seite wieder raus und dann landet man im Sat. Das ist eigentlich idiotensicher, wenn man nicht auf die Bremse kommt. Sie hat ja gesagt, du darfst nicht auf die Bremse kommen. Dann Sat einleiten, kurz halten, und oben festhalten. Und
das hat super funktioniert. Das heißt, wenn er nicht genügend Schwung mehr hat, fällt er automatisch in den Sat?
Genau, er muss am Anfang schon genügend Schwung haben, dass er reingeht, dass er auch zweimal drüber geht. Und dann, wenn er schief wird, fällt er automatisch in den Sat raus.
Das heißt, wenn man Sat fliegen kann und den Sat vernünftig ausleiten kann, ist Infinite eigentlich ein verhältnismäßig sicheres Manöver, solange man nicht auf die Bremse geht.
Genau. Und man muss gut spiralen können. Wenn man die Spirale noch gut ausleiten kann. Das sind die zwei Punkte, die man für Infinite kennen muss.
Das heißt, Infinite, was immer so als das Mega -Manöver gilt, ist es letzten Endes gar nicht das Schwerste?
Es ist das Einfachste. Es ist halt das mit am meisten Gefahr verbunden, wenn man einfach über den Schirm drüber geht. Das hat die Gefahr, dass mein Segelfeld wirklich da und präsent ist. Aber vom Skill -Level her ist es eines von den einfachsten Manövern. Weil man muss nur spiralen, Spirale aufstellen, Sat loslassen. Man braucht viel Eier dazu.
Don't do this at home, kann man hier nur sagen. Guckt euch ganz viele Tutorials von Theo de Blick an mit allen Erklärungen dazu und wahrscheinlich noch fünf Tutorials von anderen auch noch. Und bevor ihr das alles zu Hause irgendwie probiert. Aber ansonsten ist es ein ganz leichtes Manöver. Aber dann konntest du irgendwann diesen, oder du hast es gemacht, dann hast du gesagt, ah, jetzt kann ich Infinite. Und dann hast du gesagt, wenn ich Infinite kann, kann ich auch mal einen Agro Wettbewerb mitfliegen?
Ja, genau. War eigentlich genauso meine Meinung. Ich habe gesehen, die Frauen, die mitfliegen in die Agro -Wettbewerbe, die fliegen so okay, aber die fliegen auch nicht mehr als nur Infinite. Und dann habe ich mir gedacht, okay, also wenn ich Infinite kann, also ich habe gewusst, ich werde nicht super gut sein. Aber ich habe mir gedacht, ich kann auf alle Fälle mal mitfliegen. Und ich wollte einfach auf so einem Raft landen. Das sieht man in den Videos. Da gibt es einen Raft im Wasser, so eine Art Luftmatratze im Wasser, auf der man dann landen soll. Und das wollte ich unbedingt machen. Da habe ich mir die Videos angeschaut. Da
habe ich mir gedacht,
das sieht so toll aus einfach. Auch wenn ich schlecht fliege, ich mag da einfach mitfliegen. Und das Ganze hat mich dann sehr gepusht. Ich habe dann vor
dem Wettbewerb, das war 2020, da war ich ein bisschen gehypt. Da habe ich mir gedacht, ich kann jetzt Infinite fliegen. Ich fliege voll toll. Und das hat mir dann einen schweren Unfall beschert in der Türkei.
Hast du es übertrieben? Ich bin
bei Bedingungen gestartet, die nicht gut zum Fliegen waren. Also wir waren am Startplatz und der Wind war sehr stark. Und es ist immer wieder von links und von rechts von der Seite gekommen. Es sind sehr starke thermische Ablösen gekommen. Und ich war aber da gerade nur so in dem Mut. Ich habe gesagt, mir kann nichts passieren. Ich beherrsche den Schirm so gut. Ich starte raus und habe mir gedacht, wenn er einklappt, dann geht er wieder auf.
Dann habe ich eine ruhige Phase abgewartet. Es ist eine ruhige Phase gekommen. Und dann bin ich gestartet und ich bin gelaufen. Und dann habe ich mir gedacht, für den starken Wind hebe ich nicht ab. Und das war so komisch. Vor mir sind schon Tandems rausgestartet. Die haben alle Klapper gekriegt. Das hätte mir einfach ein Zeichen sein sollen. Das sind Bedingungen, da startet man nicht. Und da sind Tandems über den Startplatz rüber geschliffen. Und viele kennen, glaube ich, den Startplatz in den Lüdenis. Der ist halt nicht aus weicher Wiese. Der ist aus harten Betonsteinen. Und mich hat es dann nach dem Starten gleich 15, 20 Meter in die Luft gerissen. Also instant stehend nach oben. Ich habe dann, ich glaube, einen 80 -Prozent -Klapper gekriegt.
Er ist wieder aufgegangen. Aber in dieser Pendelbewegung bin ich dann sehr stark unten auf dem Beton. Eingeschlagen. Also wirklich
15 Meter hochgerissen und genauso wieder abgesetzt so ungefähr?
Ja, ungefähr. Also der Schirm hat sicher was gedämpft, glaube ich. Weil es war ein bisschen was über mir. Der hat sicher was abgefangen. Aber der Aufprall war sehr, sehr stark. Ich habe aber gleich gemerkt, da ist was kaputt.
Und was war kaputt? Ich habe immer
noch gedacht, es war der zwölfte Brustwirbel. Den hat es mal zertrümmert. Und das ist nicht cool in der Türkei.
Ist auch in Deutschland nicht cool, glaube ich. Aber der zwölfte Brustwirbel zertrümmert, ist nichts Cooles, würde ich mal sagen.
Und die haben halt keinen Hubschrauber da. Dann geht es erst einmal mit dem Sanker, der schon oben vor Ort war, weil der Startplatz jetzt hier ist. Die waren schon da, das war super. Geht es dann auf einer Holzpritze die 2000 Meter runter. Also die haben keinen so einen coolen Vakuum. Du wirst da auf die Holzliege geschnallt und dann geht es da ungefähr 50 Minuten lang. Den Berg runter und ins Krankenhaus. Und da haben sie halt festgestellt dann, dass er zertrümmert ist. Und ich wollte mich nicht in der Türkei operieren lassen. Aber nach fünf Tagen habe ich dann so leicht das Gefühl in die Beine verloren. Also auf der Hinterseite so gekribbelt. Die Fußsohlen habe ich so fast nicht mehr gespürt. Und der Arzt hat gesagt, es muss operiert werden. Ich kann nicht auf Deutschland fliegen.
Ich kann nicht transportiert werden. Und dann habe ich mich dort operieren lassen. Der Kanal
drückte im Grunde. Genau.
Das hat er am Anfang noch nicht gesehen. Nach der OP hat er gesagt, das war schlimmer als gedacht. Ich weiß bisher noch nicht genau, was die da gemacht haben. Er hat gesagt, er hat ein bisschen Knochenmaterial entfernen müssen, dass das Rückenmark wieder Platz hat, weil es angeschwollen war.
Und ja, die Zeit in der Türkei war hart im Krankenhaus. Also die Hygiene ist sehr fragwürdig da. Ich meine, du
als Krankenschwester kannst das ja wahrscheinlich noch besser beurteilen. Siehst dann genau, was machen die denn hier? Man
hat nicht einmal so eine Notklingel gehabt. Das Essen muss man sich selber holen. Das heißt, es kommt dann ein Essenswagen durch und der schreit jähmeck.
Konntest du denn laufen? Weil du sagst, selber holen? Genau, die ersten Tage habe ich nicht aufstehen dürfen, weil der Bruch noch nicht stabil war. Und das war einen Tag nach der OP, da habe ich auch noch nicht aufstehen dürfen sollen alleine. Und da schreit halt der Essenswagen jähmeck und ich schreie auf Englisch, dass ich nicht aufstehen kann. Sie sollen mir das bitte bringen.
Nichts. Also in der Türkei, die sind sehr auf die Familienmitglieder angewiesen. Da sind bei jedem Patienten die Familie dabei. Bei mir war der Sigi dabei, der war nur an dem Tag mal kurz was organisieren. Und der war jeden Tag im Krankenhaus dabei. Der hat mich da sehr unterstützt.
Und seit dem Tag bin ich sehr viel vorsichtiger geworden. Also das war mir dann ein sehr großer Denkzettel, dass egal wie gut man fliegt, es gibt einfach Bedingungen. Da hast du mit deinem Gleitschirm nichts in der Luft verloren. Du bist da platt im Wind. Und ich glaube, es hat mich vor Schlimmeren geschützt. Ich war in der Zeit einfach so gehypt, weil ich so früh, so schnell gelernt habe. Und wenn das nicht passiert wäre, glaube ich, war irgendwann was anderes passiert. Vielleicht was Schlimmeres.
Das heißt, so ein Unfall war für dich dann wie so eine Läuterung, wo du sagst, okay, ich will zwar weiterfliegen, aber wenn auf einem sicheren Niveau.
Genau. Der Arzt hat mich noch ausgedacht. Die ersten drei Tage, wo ich im Krankenhaus gelegen bin, habe ich mir gedacht, ich fliege nie wieder. Ich habe absolut keinen Bock mehr. Ich habe ein schönes Krankenhauszimmer gehabt mit Blick auf den Berg, mit Blick auf den Babadag. Ich habe die dann fliegen sehen. Und dann nach der OP, als ich gewusst habe, es wehrt wieder. Ich habe dann so aufstehen dürfen. Und dann habe ich einen Arzt gefragt, wann ich wieder fliegen darf. Und der hat mich auch geschaut, ob ich spinne. Frühestens in einem Jahr. Oh Gott. Okay.
Wie lange hat es dann gedauert? Acht Wochen.
Du hattest einen zertrümmerten Brustwirbel. Dir musste Knochen rausgenommen werden und sonst was, damit das wieder abschwillt. Du hättest schon fast vielleicht ein bisschen Lärm, Lähmungserscheinungen gehabt und sowas. Aber acht Wochen später warst du wieder in der Luft.
Also nicht abgerufen. Ich habe mich in Deutschland untersuchen lassen. Und irgendwann habe ich das okay gekriegt, neun Kilo zu tragen. Da habe ich gedacht, warte mal, neun Kilo.
Dann habe ich meinen Leichtschirm, mein Leichtgurtzeug, mein Wendegurtzeug und alles drauf. Und das hat 8,5 Kilo gehabt. Okay.
Ich habe das ärztliche Go. Ich kann wieder fliegen gehen. Genau. Also ich war halt
sehr vorsichtig am Anfang. Ich habe gleich nach dem Unfall, ich habe sehr viel trainiert. Also trainiert in Anführungszeichen. Ich habe gesagt, dass ich sehr schnell mobil wäre. Ich bin vier Wochen danach schon wieder am Berg an Hochfällen bei uns raufgegangen. Mit Schmerzen zwar. Also das hat ultra weh gemacht.
Das Schlimmste war, dass ich immer runtergehe, weil das so viele Erschütterungen im Rücken gemacht hat. Und als ich dann das okay gehabt habe, neun Kilo zum Tragen, habe ich mir gedacht, das macht eigentlich mehr Sinn, vorsichtig runter zu fliegen, als runter zu gehen.
Und dann bin ich, also am Anfang halt nur mit dem Leichtschirm geflogen. Dann habe ich auch mal, ich denke, die Emily gewogen. Dann habe ich mir gedacht, okay, da komme ich ja nur auf neun Kilo, ein bisschen über neun. Und dann habe ich Hike in Akro, also nicht Akro, aber ich habe halt dann, bin halt rausgeflogen und habe Helis gemacht. Also wirklich vorsichtig gewesen.
Sackflug geübt wieder.
Genau. Minimalfahrt ein bisschen gemacht.
Und bis ich halt wirklich das okay vor die Erde, also die haben ja nie das okay gegeben. Ich habe dann nur gefragt, wann es okay ist, dass ich, ich bouldere und kletter auch gerne. Da habe ich gesagt, wann es okay ist, dass ich wieder auf eine Bouldermatte fahre von so zwei, drei Metern. Und als ich das okay gehabt habe, habe ich dann wieder das Akrofliegen angefangen. Weil das war so für mich, wenn ich so von drei Metern auf eine Matte runterfallen kann, das kann ich ungefähr vergleichen mit einem Retterabgang. Also ich habe einen sehr guten, großen Retter. Und mit dem kümmere ich ungefähr so auf, als würde ich beim, also besser sogar, als würde ich beim Bouldern runterfallen. Und als das wieder okay war vor die Ärzte, habe ich gesagt, dann fliege ich wieder. War aber sehr viel vorsichtig. Also es hat schon einige Monate gedauert, bis ich, also bis ich allgemein wieder Vertrauen gehabt habe, hat es zwei Jahre gedauert.
Also ich bin zwei Jahre rausgeflogen und habe immer Angst gehabt, dass nach dem Starten in Thermik das hier mal klappt.
Aber die Angst war vor der Thermik jetzt gar nicht. Bei den Manövern selber hattest du keine Angst, sondern es war turbulente Luft, dass es dich da wieder hochreißt. Das hing dir im System einfach fest.
Genau, das ist sehr lange. Es ist immer noch da. Also jetzt, wenn super thermische Bedingungen sind, ich starte nicht raus. Das ist mir der Flug dann nicht wert. Also das hat wirklich was hinterlassen. Aber beim Manövern war es okay. Da ist ja nichts passiert gewesen. Das habe ich, Manövern ist eh, das ist so abgesteckter Raum. Da habe ich meine eigene Box. Da weiß ich, in einer gewissen Höhe höre ich auf. Da habe ich einen Retter, den ich ziehen kann. Das ist für mich relativ sicher. Sicherer als bei thermischen Bedingungen in den Staaten sogar.
Weil es für dich berechenbar ist.
Genau, ich kann das Risiko halt selber stellen. Also ich kann jetzt sagen, ich fliege in dieser Box, da wo ein Kösten, eine gute Wiese unten ist, da kümmere ich mich mit meinem Retter schön auf. Ich höre in dieser Höhe auf, da mache ich nichts mehr. Wenn es mir nicht so gut geht, mache ich leichtere Manöver, wenn ich ein bisschen pushen mag. Also es liegt halt in meiner Hand, was ich mache. Und nicht in der Hand von irgendwie, von einem Leerotor oder von Thermik, dass ich eine Klappe bekomme. Das liegt halt nur an mir. Und wenn ich mir vertraue und ich das kann, ist es für mich sicher.
Gibt es trotzdem beim Agrofliegen Momente, Manöver oder sonst was, wo du auch mal sowas wie Angst hast?
Ja.
Ich habe vorher von diesem Misti erzählt. Den Misti, den kann man jetzt nochmal ein bisschen schwieriger machen, indem man den eingetwistet macht. Also Misti war das, wo man geschaukelt hat und in der Aufwärtspendelbewegung den Schirm gespinnt hat. Das kann man getwistet machen. Das heißt dann Twisty Twist. Das heißt, man macht den twistet und in dem Moment, wo der Schirm spinnt, twistet man sich in die andere Richtung ein, in die Gegenseite. Okay. Es hört sich sehr einfach an und dann muss man diesen schießenden Sturm stoppen. Dieses Manöver hat mir nur letztes Jahr vier Ritter besorgt. Okay. Weil es einfach für mich oder auch für viele andere schwierig ist, wenn man sich von einer Seite auf die andere Seite twistet bei dem Manöver, das Schießen vom Schirm dann abfängt.
Das ist dann die Kunst, dass der Schirm nicht weiterschießt, dass er keinen Frontklapper kriegt. Wenn man einmal ein bisschen zu viel stoppt, landet er im Flyback. Dann ist man im twisted Flyback. Hat man dann nur eine Hand ein bisschen zu tief, twistet einen ein, lässt eine Hand los, schießt den Schirm wieder. Das ist das Manöver, vor dem habe ich jetzt noch sehr viel Respekt, weil da bin ich in die Kappe reingefallen.
Und wie bist du wieder rausgekommen? Durch Glück auch?
Auch. Da ist sicher sehr viel Glück dabei gewesen. Das war ein schöner Sommertag in Kösten. Da war es sehr, sehr thermisch. Und ich habe einen 14 -Quadratmeter -Schirm. Da habe ich damals mit meinem Sigi, mit meinem Freund, wir haben uns ein bisschen gezofft. Ich bin alleine hochgefahren, habe einen Flug gemacht, habe das Manöver, dieses twisty -twist -Manöver schon gemacht und wollte landen. Und am Landeplatz war so viel Thermik, dass ich einen großen Kreis gemacht habe und ich war wieder fast auf Startplatzhöhe. Und dann lande ich nicht. Dann habe ich auftrat, habe nochmal einen Rand gemacht und habe gemerkt, unten gehen so viele Böen, thermische durch. Und dann, das mache ich auch immer, wenn die Luft sagt, ich soll nicht landen, dann lande ich nicht. Dann ist es wieder hochgegangen. Dann habe ich mir gedacht, okay, wenn es wieder hochgeht, dann lande ich halt nicht.
Dann bin ich zum Berg geflogen und in der Zeit ist mein Freund, der Sigi, rausgeflogen. Dann habe ich ihm bei seinem Rand zugeschaut und er hat ein Manöver verkackt und ist dann am Retter gehängt. Und dann, wir haben uns halt gezofft und wir haben uns gemacht wie Idioten. Ich habe gesehen, er hat es gleich im Griff gehabt mit dem Retter. Wir haben einen Steuerbahnretter, einen, einen Beamer von High Adventure. Und ich habe gesehen, er hat es voll im Griff und das schaut sicher aus. Dann bin ich rausgeflogen und habe mir gedacht, jetzt muss ich einem beim Retterbacken helfen. Und es ist sehr hochgegangen. Also ich habe eine gute Höhe gehabt, den Kösten, Gott sei Dank. Dann habe ich wieder das Manöver probiert, bin im Flyback gelandet. Ich habe ein bisschen zu viel gebremst und dann bin ich ein bisschen mit der Bremse hoch und das mit verbunden mit meinem kleinen Akkuschirm und mit der Thermik hat dann dazu geführt, dass das Schirm, so, so stark schießt.
Ich bin, ich habe dann nur schießen gesehen und siegen nur unter mir. Und in dem Moment habe ich gedacht, bitte nicht. Und ich bin dann mittig ins Segel reingefallen
und das ist ein recht grausames Gefühl. Also man hört dann gleich diese Fackel, das macht und in dem Moment ist die Zeit sehr langsam vergangen. Ich habe so, so nach rechts unten geschaut und da habe ich ein kleines Stück Wiese gesehen. Da habe ich gedacht, super, rechts da ist mein Retter. Dann habe ich die ganzen Leinen vom Retter weggeschoben, so als hätte ich alle Zeit. Ich glaube, das ist relativ schnell gegangen. Also für mich war das so da, da haben wir die Leinen weg und habe dann den Retter rausgeholt und habe ihn durch das Loch rausgeschmissen und habe nur gesehen, die Leinen strecken sich, der Container geht weg und dann war er aus dem Sichtfeld raus und im ersten Moment habe ich gedacht, ja, er geht gut auf. Und im zweiten Moment habe ich dann gedacht, oh, ich bin im Freifall.
Und dann habe ich mich ganz klar gemacht und angespannt. Ich habe in dem Moment Angst gehabt, dass mir das Genick bricht, weil ich so schnell gefallen bin. Ja. Aber war nicht so sehr. Er ist mit einem richtigen Schnalz aufgegangen und dann bin ich erst einmal eine Viertelstunde am Retter gehängt, weil es so thermisch war. Viertelstunde? Viertelstunde, ja. Aber ich habe den Landeplatz besser getroffen als manche am Schirm wahrscheinlich. Ich habe eine lange Zeit gehabt.
Was geht einem durch den Kopf, wenn man im Grunde vielleicht gerade dem, man kann es ja so fast sagen, dem Tod von der Schippe oder dem Tod, der aus dem Schirm gesprungen ist, so ungefähr. Und dann eine Viertelstunde da hängt, bis du wirklich sicheren Boden unter den Füßen hast. Also was geht einem da für Gedanken durch den Kopf?
Mein Hirn ist da unglaublich dumm in sowas. Dumm? Ja, unglaublich. Ich habe mir im ersten Moment gedacht, um Gott, was denken denn die anderen, als wenn jetzt da zwei Retter landen. Also ich habe nicht gedacht, oh Gott, ich lebe noch. Ich habe mir erst gedacht, um Gott, was denken denn die anderen, wenn jetzt da zwei Leute am Retter sind. Das war so der erste Gedanke.
Und ich habe gar nicht viel, also in der Zeit, wo ich am Retter kenne, gar nicht viel nachgedacht. Ich habe meinen Schirm halt schon bei mir gehabt. Ich habe Steuern können. Ich bin dann erst Richtung Kössen in die Ortschaft ein bisschen gegen den Wind reingeflogen, weil viel Wind war. Dann bin ich zurückgeflogen, habe mich in den Wind gestellt und habe eigentlich nur gepeilt, dass ich gut runterkomme.
Also du warst beschäftigt eigentlich auch.
Ja. Und unten war dann, als ich gelandet bin, erst mal, puh,
durchgeschnauft und so, hey, muss das dieses Manöver wirklich sein? Muss es wirklich sein, dass ich da so etwas Dummes mache? Ich mag ja Spaß beim Fliegen haben. Es geht ja nicht darum, wer bringt sich da am lustigsten um, sondern ich mag Spaß dabei haben. Und ich habe auch dann aufgehört, das Manöver erst mal zu machen. Für zwei Wochen. Für zwei? Ja, okay. Das ist dann der innerliche Ehrgeiz.
Leider gibt es kein Video davon, weil sonst hätte ich geschaut, was für Fehler ich mache. Wenn ich weiß, welchen Fehler ich mache, dann ist es für mich gut, weil dann mache ich den Fehler nicht mehr und es passiert nicht mehr. Und ich habe auch kein Video gehabt, aber ich habe ungefähr gewusst, was ich falsch gemacht habe.
Ist das, kurze Frage zwischendurch, ist das wirklich so, dass wenn du deinen Fehler einmal siehst im Video, dann machst du ihn nicht mehr? Also ist das wirklich so ein Lernen, dass du sagst, okay, wenn ich es einmal vor Augen geführt hatte, das war es, dann kann ich das so einprogrammieren? Mach das nicht mehr. Also wenn
es ein ganz schlimmer Fehler war, wie der, kriege ich es hin, ja. Aber wenn es jetzt ein Fehler ist, wo nur die Hand ein bisschen zu tief ist, dann weiß ich, die Hand ist zu tief, ich flick raus und ich mache es wieder und die Hand ist wieder zu tief. Was ist denn los? Das mache ich dann so oft, bis ich es wirklich mal hinkriege, den Fehler nicht mehr zu machen. Aber bei sowas, also wo das passiert war,
waren beide Hände einfach zu tief und ich habe den Flyback einfach ein bisschen loslassen und das werde ich nie wieder in meinem Leben machen, dass ich, wenn ich eingetwistet im Flyback bin, werde ich den Schirm nie wieder fliegen lassen. Lieber schmeiße ich einen Retter, lieber twistet es mich zehnmal ein und ich schmeiße einen Retter, als versuche ich das nur irgendwie zu basteln und lassen fliegen und werde ich nie wieder machen.
Mhm. Du hast gesagt, zwei Wochen später hast du das Manöver wieder probiert. Ja. Was treibt dich da an, im Grunde immer an dieser Grenze auch zu gehen oder auch zu sagen, nee, ich will aber dieses Manöver können, obwohl ich mich damit vielleicht wirklich auch in gewissermaßen in Lebensgefahr bringe?
Ja. Ich weiß, da ist irgendwas ganz tief in mir drin, das ist verbunden mit ein bisschen Ehrgeiz. Also wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe und sieg, ist es machbar, weil es machen ja andere. Und ich das können mag, dann treibt mich irgendwas unterbewusst an und sagt, mach das, also mach es jetzt vorsichtiger, mach es nicht so wie vorher, sondern mach das. Ich weiß auch nicht, was es ist, ob es der Ehrgeiz ist, ob es Ego ist. Wenn ich sehe, dass jemand das macht und dass es möglich ist, mag ich das auch probieren und schauen, ob ich das auch kann.
Und fliegst du das dann, wenn du das überhaupt so abschätzen kannst, fliegst du das dann hauptsächlich für dich oder auch, weil du sagst, das Ego und sonst was, hauptsächlich auch für andere? Also genauso wie wenn du da am Retter hängst und gesagt hast, oh scheiße, jetzt die unten, was denken die jetzt? Da hängen jetzt zwei am Retter. Also wie doof sind die eigentlich? Die können es ja nicht oder was auch immer.
Genau. Also
wie viel von deinem Antrieb ist eigentlich nicht intrinsisch, also kommt aus dir heraus, sondern auch extrinsisch von außen, dass da jemand, dass du gefangen hast, dass du gefallen willst oder imponieren willst oder sowas?
Habe ich selber auch schon mal drüber nachgedacht, für wem und für was man das eigentlich macht. Ich bin auf keinen Schluss gekommen. Ich habe mir mal gedacht, ich habe mir dann vorgestellt, gäbe es absolut gar keine Menschen auf der Welt. Also gab es überhaupt gar keinen. Darf ich dann auf Kösten fahren und am Tag zehn Flüge machen? Das weiß ich nicht. Also es macht, natürlich mache ich es, weil es Spaß macht, aber man, ob ich es nur allein machen würde, wenn gar keiner gleiten würde, würde ich es wahrscheinlich auch machen, weil ich etwas Neues machen würde. Aber ist die Frage, ob du
dann die Grenzen so ausloten würdest oder ob du dann eher sagen würdest, vor allem nach so einer Erfahrung mal, wo du sagst, eigentlich war das schon an der, also für mich in dem Moment an der Grenze. Es hätte wirklich auch schiefgehen können. Will ich diese Grenze so ausloten oder will ich einfach nicht grundsätzlich weiterhin Spaß haben? Aber dann lasse ich diesen Tag, den Teil des Spaßes halt aus. Es gibt ja noch 99 andere Manöver, die ich wahrscheinlich auch noch fliegen könnte. Ich
glaube, das hängt bei mir ein bisschen mit Spaß zusammen, weil wenn ich, wenn ich alles perfekt kennengelernt habe, also wenn ich jetzt ab dem ersten Jahr alles perfekt geflogen war, dann hätte ich das Agrofliegen, glaube ich, aufgehört, weil dann konntest du ja alles. Dann ist, ich glaube, dieser bisschen, dass das Zusammenspiel zwischen etwas Neues lernen, Adrenalin, das dann mal können und das spielt alles zusammen. Und wenn ich es alles kennengelernt habe, dann würde ich es nochmal machen, weil dann wäre es, glaube ich, langweilig. Das ist wie, wenn ich zehnmal den gleichen Berg raufgehe und runter darf. Irgendwann hast du den Berg gesehen und den Weg gesehen und irgendwann weißt du das und dann braucht man was Neues. Das ist bei mir, glaube ich, sehr stark.
Welche Rolle spielen dabei für deine Motivation die Wettbewerbe? Also du trainierst ja ganz, ganz viel, gehst ganz viel fliegen. Da fliegst du hauptsächlich für dich, weil du die Sachen können willst. Aber bei Wettbewerben musst du dann dein Können zeigen, aber dich auch mit anderen punktemäßig direkt vergleichen oder du wirst verglichen. Was, wie viel von deiner Motivation zu sagen, ich will auch wirklich so viel trainieren, hat mit diesen Wettbewerben dann direkt zu tun?
Also das Wettbewerb Fliegen hat mir gelernt, sauber zu fliegen. Ein sauberer Horst, es darf kein Öhrchen reinkommen. Also die bewerten die Sauberkeit des Manövers. Sobald sich ein Öhrchen einrollt oder der Heli schräg nicht ein Achselrad, gibt es auch einen Abzug. Und auf das habe ich vorher nie Wert gesetzt. Das war oder so Connections wie Misty Heli. Wenn der Misty stehen bleibt und dann zum Heli erst trat, ist das kein schöner Misty Heli. Und da habe ich nie Wert draufgesetzt, bis ich Wettbewerb geflogen bin. Und dann habe ich mir gesagt, das ist ja kein schöner Misty Heli, was du da fliegst. Und das hat mich dann dazu gebracht, die Manöver, die ich konnte, schöner zu fliegen.
Also Wettbewerb ist so der Anreiz zur Perfektion?
Ja. Am Anfang. Jetzt ist es allgemein, weil ich es einfach schön fliegen mag. Aber am Anfang war das Wettbewerb fliegen das, was mich zum wirklich perfekt fliegen getrieben hat. Und jetzt gibt es ein paar Manöver, die ich nur mache zum Wettbewerb fliegen. Das sind aber hauptsächlich kleinere Manöver. Also es gibt einige Manöver, was sich wie Twisted Infinite momentan. Das fliege ich nicht im Wettbewerb. Das fliege ich einfach für mich, weil es mir Spaß macht. Und es gibt ein paar Manöver, die ich jetzt nur für einen Wettbewerb gelernt habe, die viel Punkte geben. Zum Beispiel? Die mir jetzt aber auch Spaß machen. Hört sich blöd an, aber Opposite McTwist.
Opposite McTwist, was ist das?
Genau. Also ein McTwist ist so etwas ähnliches wie ein Misty, nur dass man den aggressiver abreißt. Also man nimmt Schwung. Das war das Manöver, was mein erster Retter war. Man nimmt Schwung. Und genau wenn man unter dem Schirm am tiefsten Punkt ist, reißt man mit ziemlich aller Gewalt den Schirm einseitig negativ ab. Und dann spinnt der Schirm nicht 360 Grad, sondern er spinnt ultraschnell 720 Grad. Und normal nimmt man immer auf die Seite Schwung, wo man den dann abreißt. Das heißt, ich nehme zum Beispiel einen Viertel, Viertel oder halben Turn Schwung nach rechts und reiße dann nach rechts ab, dass der Schirm nach rechts geht.
Und man kann das natürlich auch machen, wenn man nach links Schwung nimmt. Dann muss man den Schirm gerade stellen und kann dann nach rechts spinnen.
Und das sind so Manöver, die sind für alle einfach. Ich weiß nicht, warum für mich nicht. Also ich habe mich bei dem Manöver jetzt super angestellt. Das war jetzt nicht das, was ich jetzt für den nächsten Wettbewerb, was mich am meisten geärgert hat,
weil ich es einfach nicht hingeregt habe. Und es eigentlich super einfach
ist. Wenn so ein Manöver für viele einfach ist. Du hast gerade gesagt, das ist ein Manöver, aber das viele Punkte bringt. Warum bringt das viele Punkte, wenn es für viele eigentlich einfach ist? Es
bringt nicht direkt viele Punkte. Da geht es wieder um diese Links -Rechts -Gleichheit. Also ich brauche Links - und Rechtsmanöver und ich habe einen Linksschwung und ich brauche Rechtsmanöver drauf, was nicht, also es ist dann ein Zusammenspiel. Das Manöver braucht nicht viel Höhe. Es ist relativ einfach zum Lernen. Es gibt einen Twisted Bonus, weil ich das Twisted fliege. Und es hat diesen Richtungswechsel. Ich brauche in den Run irgendwas, was ein Rechts -Heli macht drinnen. Da könnte ich einfach nur einen Twister machen. Ein Twister ist ein Links -Heli zum Rechts -Heli. Aber der bringt mir weniger Punkte als dieser Opposite -Twisted -Mech -Twist. Und so baue ich dann meine Runs auf. Und das ist einfach nur Kleinigkeit. Aber was dann im ganzen Flow einfach schöner ausschaut, das würde ich jetzt vielleicht einen Twister machen.
So wie du das hier erzählst, habe ich fast den Eindruck, dass du als Mathematikerin einen Vorteil in diesem Wettbewerbs -Business hast. Du kannst Punkte rechnen. Ja. Die relativ logisch gut zusammenbringen. Was funktioniert denn wie? Und was muss ich nach rechts und nach links? Und die Symmetrie? Und alles muss irgendwie da stimmen.
Das muss passen, ja. Vielleicht fällt mir das wirklich einfacher. Ich rechne mir wirklich die Bonuspunkte aus, die ich dann am Schluss kriege. Und rechne mir ungefähr aus, wie viele Punkte ich auf meinen Run kriege. Das machen, glaube ich, einige nicht. Aber muss man auch nicht machen. Ich mache es halt.
Jetzt hast du 2021, soviel ich weiß, deinen ersten richtigen Wettbewerb geflogen. Im vergangenen Jahr, 2024, hast du dann beim Acro World Cup die Frauenwertung gewonnen. Ja, das war toll. War
das ein
Ziel für dich, wo du sagst, ich will meine beste Frau werden?
Natürlich ist es ein Unterziel. Ich habe damit angefangen, weil ich gesehen habe, Frauen fliegen das. Aber mein Grundziel ist es nicht, bei den Frauen Erste zu werden. Mein Grundziel ist es, oben bei den Männern mitzumischen. Weil ich finde, eine Frau hat im Gleitschirmfliegen, also im Akrofliegen, im Streckenfliegen ist es nochmal anders, aber im Akrofliegen, hat eine Frau keine Nachteile zu einem Mann. Die Schirme können so klein gewählt werden, also Zweckskraft zum Spinnen, daran liegt es nicht. Und mein Ziel war einfach nicht dann, wie bei vielen Frauen, ich muss bei der Frauenwertung mitfliegen, sondern ich möchte einfach oben bei den Männern mitfliegen. Vielleicht hat mich das ein bisschen mehr gepusht, vielleicht bin ich auch gerade deswegen besser geworden, weil ich habe mir als Ziel nicht die beste Frau angeschaut, ich habe mir als Ziel einfach die besten Männer angeschaut.
Dann habe ich gesagt, ich mag da hin und ich mag nicht da hin, wo die beste Frau war, ich mag halt weit, weit drüber hin.
Und ich glaube, das hat mir letztes Jahr unter anderem dann einen guten Platz beschert. Also ich habe dann Platz 1 bei den Frauen gekriegt und es gibt eine AWQ, und eine AWT -Wertung.
AWQ steht für Qualifier, glaube ich.
Genau, genau. Und die AWT, das sind die zehn besten Piloten. Das sind aktuell nur die Männer.
Dürfen da auch nur Männer mitfliegen dann?
Oder könntest du aufsteigen aus dem AWQualifier? Könntest du, wenn du als Frau gut genug bist, dürftest du genauso bei der AWT mitfliegen?
Genau, da darf er nicht mitfliegen. Da müssen aber die ersten zwei, von der AWQ steigen immer auf. Und normal müssten die ersten zwei von der AWT absteigen. Aber bisher bei der AWT, also man fliegt nicht sein Leben lang Wettbewerb mit. Das wird mir auch irgendwann zu langweilig werden, weil es viel Zeit drauf geht. Also ich weiß nicht, wie lange ich Wettbewerb fliegen werde. Ich mache es, solange es mir Spaß macht. Und wenn ich keinen Spaß mehr habe, dann höre ich auf. Und dadurch hören immer wieder auch auf in der AWT. Und die zwei Besten von der AWQ steigen immer auf. Aber das Level in der AWQ ist enorm hoch. Also auch dieses Jahr, wenn ich sehe, wer da alles mitfliegt, das ist sehr
schwierig unter die ersten drei zu kommen.
Ich glaube, letztes Jahr warst du bei der AWQ Platz fünf, glaube ich, oder?
Genau. Das heißt, die zwei sind
aufgestiegen. Wenn die anderen nicht absteigen, könntest du jetzt, wenn du genauso fliegst und alles, also wenn man das rechnerisch so nehmen würde, alle bleiben genauso gut. Dann kamest du in diesem Jahr auf Platz drei. Und vielleicht dann, wenn wieder zwei aufsteigen und andere nicht mehr weiterfliegen, dann bist du in zwei Jahren auf jeden Fall dabei, dass du in die AWT aufsteigen kannst.
Genau, wenn alles gut läuft. Ist aber gar nicht. Ich weiß gar nicht, ob es mein Ziel ist, da aufzusteigen. Also aufzusteigen, ja. Aber ob ich dann mitfliege, weiß ich nicht. Die haben nämlich nur mehr Wettbewerbe. Das heißt, da fangen die Wettbewerbe schon im Juni an. Und dann war ich den ganzen Sommer nur auf Wettbewerb unterwegs. Und da fehlt, glaube ich, mir privat einfach die Zeit für mich zum Fliegen. Also die AWT hat, glaube ich, drei, vier Wettbewerbe mehr wie wir in der AWQ.
Und die sind meistens in Frankreich.
Ich bin noch nicht da, deswegen muss ich mich noch gar nicht entscheiden. Aber wenn ich mal da bin, wüsste ich nicht, ob ich alle Wettbewerbe in der AWT da mitfliege. Wahrscheinlich nicht.
Aber so weit bin ich noch nicht.
Das ist ja ein bisschen ein Gegensatz. Du sagst, ich will eigentlich am Leben am liebsten wäre ich auch unter den Männern auf Platz eins. Aber das ist mehr, dass du sagen würdest, ich will eigentlich nur auf dieses Niveau kommen, wo ich sagen würde, ich könnte es vielleicht schaffen, aber dann brauche ich es gar nicht mehr.
Genau. Also ich werde sicher dann Wettbewerbe mitfliegen, falls ich mal da wäre. Aber nicht alle. Das ist mir zu aufwendig. Das ist auch mit Geld verbunden. Das heißt, ich müsste die Fahrkosten, die Wettbewerbekosten, ich weiß, also die kosten einiges an Geld. Da kostet ein Wettbewerb 250 Euro ungefähr. Die musst du als
Teilnehmer zahlen. Oder Teilnehmerin in dem Fall.
Genau, die müssen die Teilnehmer zahlen. Dann nur die Hinfahrtkosten, die Unterbringung. Und das ist auch ein Grund, warum ich nicht mehr als vier Wettbewerbe machen werde im Jahr. Weil es einfach finanziell in keiner Relation dann steht. Vielleicht findet sich mal ein großer Sponsor, der sagt, da Dani, nimm. Dann ist es wieder was anderes. Aber wenn du jetzt sieben Wettbewerbe machst, dann musst du sieben Wettbewerbe verbessern. Und ich sieben Mal über 200 Euro nur die Wettbewerbsgebühr zahlen müsste. Das war mir einfach zu viel.
Vielleicht hört ja irgendein Sponsor diesen Podcast und sagt dann, diese talentfreie Frau,
die an die Spitze will,
die wollen wir unbedingt unterstützen. Die nehmen wir, genau. Was ich auch gesehen habe, du warst Platz fünf overall, AWQ, Platz eins bei den Frauen. Aber du hast auch Platz zwei im Synchro -Fliegen gemacht. Oh
ja. Das habe ich so fast vergessen. Ja, genau.
Was fasziniert dich am Synchro -Fliegen?
Es ist einfach ästhetisch. Also das ist nochmal ein Stück schwieriger wie einfach fliegen. Weil beim Synchro -Fliegen muss man auf seinen Partner schauen. Also ich muss die ganze Zeit, also mein Partner schaut auf mich oder ich auf ihn. Meistens schaue ich auf ihn. Und ich sehe dann, wenn er ein Manöver einleitet. Und dann leite ich das Manöver auch ein. Warum
schaust du auf ihn und er nicht auf dich? Weil es einfach ist. Also
du fliegst mit Siegfried. Genau, ja. Also meistens. Also er schaut auch bei manchen Manövern. Es ist je nachdem, in welche Richtung. Wenn wir jetzt ein Manöver haben, wo er dann links von mir ist und wir schauen beide zum Einleiten mit dem Körper leicht nach links, dann ziehe ich ihm. Dann muss ich warten, wie beim Infinite, wann er Infinite reinzieht. Und dass der synchron ist, muss ich dann, muss ich halt schauen, dass mein Schirm genau gleich steigt wie seiner. Und wenn er Infinite einleitet, muss ich auch einleiten. Aber wenn der Schirm für mich noch nicht perfekt ist. Und das ist das Schwierige dann, weil ich nicht nur auf meinen Schirm schauen muss, sondern ich bin geistiger eher dann beim Partner. Also das macht das Ganze so,
so schwieriger.
Nun fliegst du Synchro mit einem Partner, der auch im normalen Leben dein Partner ist. Ja. Macht es das leichter oder macht es das schwieriger?
Teils, teils. Es macht es einerseits leichter, weil ich ganz genau weiß, wie er fliegt. Also wir fliegen immer gemeinsam und ich weiß, wie er fliegt. Das heißt, zum Synchro -Fliegen an sich
ist es einfacher, wenn du deinen Partner kennst, wenn du weißt, was er fliegt, wenn du seine Stärken, seine Schwächen kennst, ist es einfacher.
Aber wir
einfach im Privatleben, ich sage jetzt mal nicht, dass wir uns beim Synchro -Fliegen streiten, aber es gibt einfach auch Meinungsverschiedenheiten. Es gibt halt Manöver zum Beispiel, die fliegt er gut, die fliege ich nicht. Und es ist wie Links -Infinite. Ich fliege nie, ich kann es, aber mir taugt es nicht. Und das sind Sachen im Wettbewerb, ist dann der einzige Tag im Jahr, wenn ich dann Links -Infinite fliegen muss.
Und ja, es macht es aber auch lustig. Das ist einfach, das ist dann Synchro -Fliegen. Du musst dich an die Stärken von deinem Partner besorgen, ein bisschen anpassen dann.
Nun müsstet ihr ja jetzt gemeinsam ehrgeizig sein beim Synchro -Fliegen, um was gewinnen zu können. Ja. Geht so ein Ehrgeiz dann auch manchmal, also dass ihr da drüber streitet? Also du hast was verhauen oder er hat was verhauen? Nein, gar nicht. Oder ist das dann letzten Endes doch nur Spaß?
Das ist viel Spaß. Also wir lachen eigentlich dann drüber, wenn wir dann im Nachhinein anschauen, was wir geflogen sind. Es hat einmal One Run letztes Jahr gegeben. Ja. Den wollten wir eigentlich in der Geschichte verschwinden lassen. Ich glaube, wir sind noch nie so schlecht Synchro geflogen. Und wir landen und das ist einfach, weil wir so schlecht geflogen sind, ist es schon wieder lustig gewesen.
Aber ihr seid trotzdem am Ende auf Platz zwei gekommen, oder?
Ja, der Rest war dann nicht schlecht. Also das war mal ein Run, der war wirklich schlecht. Und er ist Gott sei Dank nicht auf Video. Sonst, es gibt keinen Beweis mehr von diesem Run. Aber den Rest sind wir wirklich okay geflogen.
Gibt es beim Akrofliegen eigentlich auch so die Regel, oder was heißt die Regel, die beim Streckenflugwettbewerben, gibt es ja teilweise, wenn die zehn Tasks haben, dann können zwei davon gedroppt werden, weil man ist halt vorab gestanden und sagt halt, ich habe es heute nicht geschafft. Aber die gehen dann nicht in die Wertung letzten Endes mit ein oder werden nur teilweise. Gibt es das beim Akrofliegen auch, dass man sagt, man darf mal einen schlechten Tag haben, aber das fließt dann nicht in die Wertung ein?
Nein, leider nicht. Das schlechteste Ergebnis wird gestrichen? Nein, das macht es also spannend. Das heißt, wenn wir, wir haben 2023 war es, war im Wettbewerb in Brienz war das Wetter recht schlecht und wir haben nur einen einzigen Run fliegen können. Und der zählt halt dann. Also wenn du da schlecht warst oder einen schlechten Tag gehabt hast, dann ist Pech. Das macht das Akrofliegen oder die Wettbewerbe fliegen recht spannend, weil man hat nie das gleiche Level. Man hat manchmal Tage, da läuft alles super. Und dann gibt es immer wieder Tage, da kann man gar nichts. Und je nachdem, welchen Tag das ist, der wischt, hast du Glück oder Pech. Oder du performst halt immer auf gleichem Level dann.
Aber das macht keiner. Also jeder hat glaube ich Schwankungen. Und das macht es in die Akro Wettbewerbe auch so spannend, weil du nicht sagen kannst, hey, ich war jetzt da schlecht, das streichen wir. Sondern also jedes, jedes Mühe, jedes Mühe an Entscheidung, jeder Zentimeter an Bremse, den du zum hast, fließt in die Wertung ein.
Das heißt ja aber auch wirklich, man muss ungeheuer viel trainieren, damit man wirklich ein solches auch Muskelgedächtnis und sonst was aufbaut, dass man sagt, ich kann die eine Figur zehnmal fliegen und sie ist 9,5 mal, ist sie eigentlich perfekt. Ja,
genau so mache ich es auch. Also ich kann gar nicht zählen, wie oft ich die Manöver, die ich im Wettbewerb fliege, wie ich die so geflogen habe. Also die müssen sitzen. Die müssen für mich mental auch sitzen, weil wenn ich weiß, dass nur das 9 von 10 hinhaut, dann ist das schlecht. Dann würde ich es nicht fliegen im Wettbewerb. Weil dann bin ich am Startplatz so nervös, weil ich weiß, es hauen nur 9 von 10 hin, dass sicher der eine fliegt, der dann das ist, wo es nicht hinhaut. Das heißt, meine Manöver, die müssen, ich habe keinen Rat, die müssen natürlich, ich verhaue es auch immer wieder, also das macht jeder, aber die müssen mental, mental muss das so 10 von 10 sein. Ist es nie. Jeder verhaut was, aber mental muss ich wissen, dass das Manöver zu 100 Prozent sitzt.
Das klingt ja so ein bisschen wie Obsession dann auch. Ja. Eine Sucht.
Ja. Man kann sich dann ja gut mit einer Sucht beschreiben. Wenn ich eine Woche nicht fliege, dann fällt mir was. Dann werde ich nervös.
Dann hast du Entzugserscheinungen so richtig.
Ja, ja, da bin ich, man gewöhnt sich dann schon drauf. Also wenn es jetzt mal ein paar Wochen, es geht selten, es ist selten, dass ich mal eine Woche nicht unter dem Schirm hänge. Es geht, auch wenn es nur der Leichtschirm für einen Abgleiter ist, also ein kleines Flügel geht sich immer aus, aber wenn die Bergbahnen zu haben und ich dann keine Ranz fliegen kann im April und November. Hart. Das ist nicht gut, ja.
Tragisches Leben, ja.
Wirklich tragisches Leben. Gibt es denn auch die Gegenbewegung oder, was heißt Gegenbewegung, das Gegenteil davon, dass du manchmal des Fliegens, so wie du süchtig bist, manchmal überdrüssig bist, süchtig zu sein, dass du sagst, hey, wieso muss ich, wieso zieht es mich da so hin, dass es dich nervt, dass dir das Fliegen fehlt, so ungefähr?
Eigentlich nie, nein. Also durchs Fliegen, ich habe durchs Fliegen so viele neue Leute und so viele Freunde auch gewonnen. Es ist ja nicht nur Fliegen, das ist ja nicht nur das in der Luft, das ist das Ganze drum und dran, die ganzen Orte, wo wir sind beim Fliegen, die ganzen Menschen, die ich um mich habe. Und das ist ja nicht nur, oh, ich brauche dieses eine Manöver jetzt. Das ist einfach der Ort, die Leute, mit denen ich das mache, das Ganze drum und dran. Und das, das fehlt mir dann.
Du bist ja auch Tandem -Pilotin und bietest ja auch, der Sigi auch, ihr bietet Tandem -Flüge an. Was ist dann Tandem -Fliegen für dich? Ich meine, das ist jetzt kein agiler 14 -Quadratmeter -Schirm oder sowas, sondern dann hast du 41 oder 39 oder irgendwas Quadratmeter über dir. So ein Trecker. Wie fühlt sich das dann für dich an? Ist das einfach dann vielleicht nur eine Form von Arbeit, die du dann auch was abfliegst? Oder macht dir Tandem -Fliegen auch Spaß?
Wenn ich wenig Tandem fliege, macht es mir Spaß. Also ab fünf Tandems aufwärts ist Arbeit am Tag. Das mache ich selten.
Wenn ich Tandem fliege, schaue ich, dass ich zwei, drei Tandems am Tag mache. Dann ist für mich nämlich nur Spaß. Es ist halt der Panzer dann. Das ist Erholung, das ist dann Airtime, die ich habe, wo ich einfach entspannen kann, wo ich einfach andere Leute, die nicht fliegen, zeigen kann, wie schön es in der Luft ist, wie fein das ist. Und es ist für mich mental wirklich, je nach Bedingungen natürlich, es gibt jetzt auch Passagiere, wo ich mir denke,
ja, aber die haben wir Gott sei Dank selten. Also die meisten Passagiere, die wir haben, die haben richtig Lust zum Fliegen und die freuen sich da drauf. Und das ist ganz was anderes als Acro -Fliegen. Man zeigt jemandem sein Hobby. Das ist für die einmalig und das ist wirklich auch schön.
Und was ist da mit Thermik -Fliegen? Du hast vorhin gesagt, dass dir Thermik manchmal heute noch Angst macht. Passiert dir das auch beim Tandem -Fliegen?
Komischerweise nicht. Ich habe beim Tandem -Fliegen nur die ersten gewerblichen Tandems. Da habe ich nicht Angst gehabt, aber Respekt gehabt. Weil man hat halt vorne einen Menschen, den man einfach nicht verletzen mag. Und allein wenn der stolpert und sich sein Knöchel verstaucht, kann ich mir das nicht verzeihen. Weil das ist was Einzigartiges, das Fliegen. Und da die ersten gewerblichen Flüge jetzt auch immer noch. Also ich habe da sehr viel Respekt davor.
Aber wahrscheinlich habe ich da auch keine Angst, weil ich nie bei Bedingungen starte, die kritisch sind. Also beim Tandem starte ich wirklich nur bei Bedingungen, wo ich zu 100 Prozent weiß, dass das passt. Und da habe ich auch bei Thermik keine Angst. Ich habe jetzt auch vor Thermik keine Angst mehr, weil ich komme jetzt runter.
Jetzt weißt du, wie es geht. Irgendwie kannst du dich schon immer runterturmen.
Jetzt kann ich es.
Wie viel zeigst du beim Tandem -Fliegen dann den Leuten auch deine Agro -Fähigkeiten? Wie viele davon sagen, ja mach mal?
Die Hälfte ungefähr. Also man kann natürlich beim Tandem nicht so agro -fliegen, wie mit einem 14er -Agroschirm. Das funktioniert nicht. Aber ich frage es halt immer vorher, ob sie Lust auf Achterbahn haben. Und die Hälfte hat so Lust auf Achterbahn. Da macht man halt dann Wing -Over oder mal einen Sat oder Spirale. Und die meisten sind ja bei Wing -Over so völlig huuuh.
Und es freut mich immer, wenn jemand sagt, ja, mag er machen. Weil die können halt nur geradeaus fliegen. Und da sitzt du in deinem Sitzsack drin und fliegst geradeaus. Schön, aber langweilig auf Dauer. Und die sehen einfach, dass man dann mit einem Gleitschirm auch andere Sachen machen kann. Also der klassische Tandem -Flug bei mir ist starten, dann ein bisschen Thermik auftragen, ein bisschen am Berg rumfliegen. Dann steuere ich mit dem Passagier gemeinsam ein bisschen, dass er das Feeling vom Gleitschirm, das einfach die Bremsgriffe, dass er das mal hat. Und dann, wenn er Lust hat, ein bisschen Action. Gibt aber auch die Menge nur genießen. Genießen dann einfach. Da fliegen wir einfach geradeaus und genießen.
Und gibt es dann Tage, wo du innerhalb eines Tages zwischen Agro, also mit deinem eigenen Schirm, also mit dem Agro -Schirm, wechselst? Du fliegst beispielsweise, fährst morgens früh nach Kösten, sagst, ich habe noch kein, mein erster Passagier ist um 13 Uhr da. Ich kann also noch morgens früh drei Runs machen, wechsel dann auf den Tandem -Schirm, fliege drei Tandems ab und ab 16 Uhr bis Fahrschluss, Fahrschluss von der Bahn kann ich noch mal fünf Runs machen oder so. Ja, klar.
Ist ja der Plan dahinter.
Und wie leicht fällt es dir dann, umzustellen von dem einen Schirm auf den anderen? Weil es sind ja, ist ja schon eine völlig andere Steuercharakteristik und ein Riesenlappen oder halt 14 Quadratmeter. Das ist ja wirklich was anderes.
Es geht komischerweise einfach. Also der Weg zurück geht einfacher von Tandem auf Agro -Schirm, weil ich den Agro -Schirm einfach kenne, den Schirm. Aber ein Tandem ist einfach auch so einfach gebaut. Also da ist die Umstellung wirklich komischerweise einfach. Fällt mir nicht schwer.
Das ist ja dann natürlich ideal, wenn du auch sagen kannst, es ist ein Tag, wo ich ein bisschen was verdienen kann und gleichzeitig noch meinen eigenen Spaß voll haben kann.
Ja, genau. Genauso mache ich es ja oft. Ich stelle dann so früh auf, dann schaue ich, um 11 Uhr ist der erste Tandem, kann ich nur zwei Flüge vorher machen. Mache vorher zwei Flüge, mache dann ein Tandem, vielleicht noch mal einen zwischendrin, wieder Flüge, vielleicht dann noch mal ein Tandem. Ist aber geistig anstrengend, weil man einfach geistig zwischen ich muss den Passagier bekümmern, ich muss gut starten, muss viel reden, wieder fixieren, auf welche Manöver mache ich. Also es ist eher geistig dann anstrengend für mich, weil ich zwischendrin dann so viel labern muss mit dem Passagier und dann wieder zurück fixieren auf meine eigenen Baustellen. Das ist eher mental schwierig.
Aber macht halt auch Spaß.
Jetzt steht ja auch gerade wieder so ein bisschen die Wettbewerbssaison an.
Gleichzeitig war jetzt in den letzten Wochen das Wetter nicht unbedingt das fliegerfreundlichste, sage ich mal so. Es hat ziemlich viel geregnet und soviel ich weiß, bist du auch ziemlich viel hin und her gefahren, um irgendwo noch was Fliegbares, ein Fenster zu finden und sowas. Wie nervt einen das als Agroflieger, wenn man weiß, ich kann eigentlich nicht so richtig trainieren und da steht doch ein Wettbewerb an?
Je nachdem, also wenn ich alles schon kann und der Wettbewerb ansteht, ist es okay.
Es gibt da manchmal wirklich, wenn es wochenlang schönes Wetter ist und ich sehe dann, es regnet einen Tag, dann denke ich mir, ja, endlich regnet es mal einen Tag und dann kann ich meine Steuer machen. Dann muss ich diese ganzen Papiersachen, das ganze Organisatorische, was ich halt nie mache, das mache ich dann alles gebündelt an den Tag, wo es regnet. Der Arbeitgeber freut sich auch, weil ich natürlich mehr arbeite, wenn es regnet. Ich habe ja meinen ganzen Sommerurlaub im Sommer. Das heißt... Ich bin da relativ frei, aber jetzt die letzten Tage, da haben wir den ersten Wettbewerb, als wir abgesagt waren wegen dem Wetter.
Das war in Brienz in der Schweiz, ne?
Genau. Und da war ich anfangs so sehr genervt, weil einfach dieses eine Manöver, es sitzt, aber es ist halt nicht mental zu 100 Prozent, was ich vorher gemeint habe. Was
ist dein Knack -Manöver aktuell, wo du sagst, das sitzt noch nicht ganz mental?
Dieser Opposite -Mag -Twist.
Also ich mache echt schwierige Manöver in meinen Rands, die sehr viel anspruchsvoller sind, aber die fallen mir einfach leichter, wie dieses popelige kleine Manöver. Es gibt einfach, jeder hat so seine Schwächen und das ist meine Schwäche. Und weil das mental noch nicht zu 100 Prozent sitzt, habe ich mir gedacht, wenn es jetzt einfach mal eine Woche schönes Wetter war, dann war es okay, dann kriege ich das hin, dann mache ich meine 30 Rands und dann passt das. Dann schaust du halt, es ist Schlechtwetter, es ist wieder Schlechtwetter. Aber innerlich freue ich mich, wenn ich denke, ich kann das machen, ich kann das machen, ich komme wieder daheim sein. Bei meiner Miezi, die freut sich auch, wenn ich nicht den ganzen Tag unterwegs bin. Es hält sich die Waage. Aber jetzt darf es wieder schönes Wetter werden.
Du bist jetzt 36 und soweit ich sehe, es gibt eine ganze Reihe von Agro -Piloten, die ungefähr in diesem Alter dann auch irgendwann das Weltcup -Fliegen letzten Endes aufgegeben haben. Also auch sehr gute Leute und sowas. Ab wann ist man zu alt für Agro?
Ich glaube, natürlich gibt es ein Alter, wo man zu alt ist. Also wenn ich jetzt mit 90, ist einfach mein Hirn wahrscheinlich nicht mehr so schnell wie jetzt. Aber es gibt einige Leute, die auch für mich ein Vorbild sind. Das sind Micha und Manu. Das ist ein Ehepaar. Die sind ein bisschen über 50. Die haben jetzt gerade mit Agro -Piloten angefangen. Also nicht jetzt gerade, die haben vor ein paar Jahren mit Agro -Piloten angefangen.
Der Micha ist mit seiner Arbeit fertig. Der ist jetzt in Pension. Und er hat jetzt frei. Und er fängt mit Agro -Piloten angefangen und fliegt richtig gut. Und seine Frau, die Manu, die haben ein erwachsenes Kind. Das ist über 30. Und man denkt, cool, wenn ich das hinkriege. Also man wird einfach im Alter, glaube ich, langsamer. Aber die zwei sind für mich halt nicht alt. Also die sind im Kopf, im Geiste, die sind einfach jung. Und solange man jung im Kopf ist und körperlich aktiv ist, gibt es keine direkte Grenze. Wir haben einen Bekanntenkreis an, der ist jetzt keine 20 mehr. Der fängt aus, Agro -Piloten. Und die machen das richtig gut sogar.
Also es gibt für mich jetzt kein... Natürlich, es wird schwieriger, glaube ich, im Alter. Einfach was Neues zu lernen. Ich merke es ja selber bei mir schon. Aber direkte Beschränkung gibt es nicht, glaube ich. Wenn dein Geist und dein Körper nur kann und will, dann warum nicht?
Wäre das so ein Traum von dir, mit 50 mit Sigi noch mal, oder was heißt noch mal, noch immer synchro zu fliegen?
Wir werden es hoffentlich machen, glaube ich.
Also ich kann mir jetzt nicht vorstellen, was passieren müsste, dass ich Agro -Fliegen aufhöre. Vielleicht wäre es irgendwann langweilig. Vielleicht hat man es irgendwann gesehen. Vielleicht fange ich erst Streckenfliegen an. Keine Ahnung.
Das gibt es ja auch bei einigen Agro -Fliegern, die dann sich irgendwann umsatteln und dann auch bei Streckenfliegen sehr erfolgreich sind, weil sie einfach von ihren Agro -Skills her dann doch bei Bedingungen sind,
wo sie
sich dann durchbeißen können, wo andere dann schon ihre Schwierigkeiten haben und dann sagen die, nö, nö, nö, das fliege ich voll beschleunigt hier durch, da komme ich einfach weiter.
Falls du ehrgeizig bist, wäre das ja vielleicht dann auch noch eine Möglichkeit.
Es gibt ja Streckenflug -Wettbewerbe auch, habe ich gehört. Genau. Vielleicht ist das was, ja.
Das hast du aber noch nicht mitgemacht. Jetzt noch nicht.
Nein, noch nicht. Ich habe einen Streckenschirm, aber den fliege ich ein paar Mal im Jahr, dödelt bis hier rum. Es ist schön, aber es gibt mir noch nicht das, was mir Agrofliegen gibt. Aber vielleicht kommt es irgendwann. Es ist auch eine schöne Sportart. Aber aktuell hat mich einfach das Agrofliegen mehr als das Streckenfliegen.
Dann, Dani, wünsche ich dir ganz viel Erfolg noch im Agrofliegen, dass du vielleicht dieses Ziel, richtig oben bei den Männern mitzuwischen, mitzumischen und beim AWT irgendwann mal bis dorthin aufzusteigen und dann vielleicht doch nicht mitzufliegen, also sag ich, ich hätte es ja gekonnt, also auch nicht. Genau. Diesen Erfolg dann zu feiern, das wünsche ich dir. Danke für das Erzählen von deiner Geschichte. Hat mir viel Spaß gemacht und ich denke, vielen, die zugehört haben auch, weil sie so ein bisschen Einblick in die Gedankenwelt einer mathematisch versierten und ansonsten aber talentlosen Agroflieger. Genau. Das hast du gesagt. Ich zitiere dich nur, bis sie es bekommen haben. Mir hat es auch Spaß gemacht. Dankeschön.
Danke auch.
Das war Daniela Freuds -Miedel. Wenn dir die Episode gefallen hat und du noch mehr interessante Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens hören willst, dann werde doch zum Förderer von Podz-Glidz und dem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz. Auf www.Lu-Glidz.blogspot.com gibt es die Seite Fördern. Dort findest du alle nötigen Infos und Links, um mir finanziell unter die Arme zu greifen. Denn als freier Journalist stecke ich viel Zeit, Arbeit und auch Kosten in diese Projekte, damit ich das weiterhin so professionell, werbefrei und unabhängig tun kann, brauche ich deine Unterstützung. Welchen Betrag als Förderer du gibst, kannst du ganz frei wählen. Falls du dir unsicher bist und eine Anregung brauchst, mein unverbindlicher Vorschlag ist 60 Euro im Jahr.
Allen Förderern sage ich Danke. Bis bald. Bleibt gesund und genießt die Freiheit. Ciao. Euer Lucian.