So das Schönste, was mir der Gleitschirm gibt, jetzt auch im Winter versuche oder immer besser verstehe, dass der Gleitschirm einfach ein Fortbewegungsmittel in den Bergen sein kann. Er kann mir zum Beispiel einen Talsprung ermöglichen, ohne dass ich unten durch das Tal durch muss, wenn ich bei einer Frühlings -Ski -Tour am Schneeende ankomme und auf die andere Talseite will. Dann packe ich den Gleitschirm aus und fliege da rüber. Oder ich nehme ihn als Pure -Mans -Heli und versuche die Thermik zu nutzen, um irgendwo weiter hinzukommen, wo ich sonst mit Fällen aufsteigen muss oder andere Leute einen Hubschrauber dafür brauchen. Deshalb ist er immer, immer mehr auch im Rucksack beim Skitouren gehen. Und da sind natürlich die kleinen, leichten Schirme auch wieder super, weil man die fast nicht spürt, wenn man sie mit dabei hat.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Tim Fritz. Und ich bin Lucian Haas.
Das Matterhorn kann man wohl zu Recht als Ikone der Berge der Alpen bezeichnen. Seine pyramidenförmige Spitze ist weltbekannt. Wenn man die steilen Felsflanken vor Augen hat, würde man nicht unbedingt auf die Idee kommen, dort mit dem Gleitschirm starten zu wollen. Aber es gibt Menschen, die genau davon träumen. Und es gibt solche, die diesen Traum sogar realisieren. Darf ich vorstellen? Tim Fritz. Der 37 -Jährige aus Tottnau im Schwarzwald ist Anfang September 2025 erst solo in einem Zug auf das Matterhorn geklettert. Dort hat er sich dann von einem kleinen Schneefeld knapp unter dem Gipfel mit seinem Single -Skin -Schirm in die Lüfte geschwungen.
Viele Stunden Aufstieg standen am Ende zehn Minuten Abflug gegenüber. In dieser Folge 171 von Podz-Glidz erzählt Tim Fritz von diesem und weiteren Abenteuern. Rund ums Hike and Fly, Climb and Fly, Bike and Fly und Ski and Fly. Zum Beispiel einer Reise vom tiefsten zum höchsten Punkt Europas, bei der er es allerdings schaffte, letztendlich kein einziges Mal in die Luft zu kommen.
Solche Stories kann ich dir in Podz-Glidz übrigens nur präsentieren, weil es einige Förderer gibt, die meine Arbeit an dem Podcast finden. Sie können mich finanziell unterstützen. Sei auch du mit dabei. Alle nötigen Infos dazu findest du im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern.
Tim, wie lange hast du davon geträumt, einmal vom Matterhorn zu fliegen?
Also die Idee hatte ich ungefähr vor sechs Jahren.
Und seitdem schwirrte das immer im Hinterkopf mit und ich habe immer das Wetter gecheckt. Und so lange hat es jetzt gedauert. Ja.
Warum war das überhaupt ein Traum von dir und warum gerade das Matterhorn?
Wir waren früher schon immer viel im Wallis, um für Skirennen zu trainieren oder mit Oma und Opa im Urlaub.
Und wahrscheinlich wir alle wissen, das Matterhorn ist so der bekannteste Berg, den man so kennt und den schaut man einfach an. Und als Berggänger oder Alpinist würde man da schon auch gerne mal oben gestanden sein. Natürlich ist da viel los an dem Berg und um die ganzen schönen Mythen sind natürlich auch die Geschichten, dass da sehr viel los ist. Aber trotzdem wären wir gerne mal oben gewesen und ich war einmal schon mit 14 oben mit einem Skilehrer von uns. Und dann kamen in letzter Zeit immer mehr Fliegen dazu und da habe ich gedacht, das wäre doch schön, wenn man das mal noch verbinden könnte. Und dann hat es jetzt geklappt.
Wusstest du denn, dass man oben vom Gipfelgrat starten kann?
Ich hatte in Erinnerung vom ersten Mal, als ich oben war, aber das ist schon sehr lange her, dass es schon jetzt nicht überall senkrecht runter geht. Das wusste ich. Und mittlerweile kann man ja über Videoaufnahmen von der RZMAT und Google Maps und Fotos und alles schon nochmal genau nachschauen. Aber tatsächlich 100 prozentig sicher oder 99 prozentig sicher konnte ich mir erst sein, als ich oben war und gesehen habe, okay, der Schirm passt dahin und der Schnee liegt auch so, dass das funktioniert. Also die Idee war da. Ich habe mir schon gedacht, dass es funktionieren könnte, aber erst als ich oben war, war ich mir dann sicher, dass es geht.
Das heißt, du warst mit 14 einmal oben? Genau. Und jetzt das zweite Mal? Ja. Wie alt bist du jetzt? 37. Okay, also ganz schön lange Zeit. Nur hast du geplant, ich will dort runterfliegen. Stell mir das so vor. Hast aber nicht vorher bis nochmal hochgegangen, um zu gucken, um zu sagen, das geht auch wirklich.
Also die letzten Jahre war es immer so, dass ich so den Moment verpasst hätte. Also man sagt schon, es wäre gut, wenn man im Herbst gehen würde. Es sollte aber noch nicht so viel Schnee haben. Es sollte auch nicht so viel los sein am Berg. Es sollte ein ziemlich ruhiger Tag sein, also so thermische Hochzeiten im Sommer. Das würde man lieber vermeiden, auch wegen dem Landen unten im Tal. Dann habe ich gedacht, dieses Jahr. Dann nehme ich mir zwei Wochen Zeit. Da fahre ich nach Zermatt und dann baue ich das alles sukzessive schön auf. Da habe ich gedacht, gehe ich einmal hoch, schaue es mir an, nehme den Schirm nicht mit, gehe wieder runter, gehe vielleicht nochmal hoch. Und wie es dann so war, kam ich dann am Anfang von diesen zwei Wochen dahin. Es hatte schon 40 cm Neuschnee. Die Matterhorn -Saison war eigentlich schon vorbei.
Das haben mir die einheimischen Bergführer dann auch gesagt. Und dann habe ich gedacht, okay, ich schaue es mir mal an. Ich gehe mal hoch, aber in den nächsten Tagen ist das Wetter jetzt nicht so gut und es soll wieder anfangen zu schneien. Ich gehe jetzt mal hoch, aber ich nehme den Gleitschirm schon mal mit. Nicht, dass ich nachher da oben stehe und dann super Bedingungen hätte und ich denke, ach, jetzt habe ich den Gleitschirm vergessen. Und so kam es dann, dass es dann tatsächlich erst das zweite Mal war, dass ich da oben war und es dann gleich funktioniert hat.
An dem Tag, an dem du dort geflogen bist, war das aber trotzdem am Aufstieg, wo du eigentlich nicht damit gerechnet hattest, dass du fliegen könntest? Also war das so ein, ich probiere mal und ich nehme ihn mal mit, falls sich die Gelegenheit bietet, aber eigentlich war der Tag nicht der Tag, wo du sagst, heute ist es?
Die Windvorhersage war 30er Böen und 20er Grundwind aus West auf 4400 Meter. Das wäre viel zu stark gewesen und die falsche Windrichtung. Ich habe mir aber ja vorgenommen, ich gehe vorher einmal hoch und schaue es mir mal an. Deswegen hatte ich im gesamten Aufstieg, nicht wirklich so richtig die Hoffnung, dass es oben geht. Ich habe aber schon gemerkt, eigentlich hat es gar keinen Wind im Aufstieg. Also aus keiner Richtung, so aus der Nordflanke hat es so ein bisschen hochgezogen, aber das war nicht schlimm. Und kurz vorm Gipfel kam mir dann Allgäuer Bergführer entgegen und dann habe ich ihm gesagt, und dann hat er gesagt, es ist nicht mehr weit, es ist super schön oben. Dann habe ich gesagt, wie ist es oben? Hat es viel Wind? Er hat gesagt, es hat überhaupt keinen Wind.
Dann habe ich gedacht, cool, aber überhaupt keinen Wind. Ist jetzt auch nicht so gut, weil man gerne nicht vorwärts starten würde auf so einem Berg. Aber besser als zu viel. Und dann sprießte so ein kleiner Funken Hoffnung schon, dass es vielleicht doch klappen könnte.
Und dann hat es auch geklappt?
Dann hat es geklappt. Es hatte null Wind am Gipfel. Das heißt, du musstest vorwärts starten? Ich musste vorwärts starten, keine Chance rückwärts zu starten. Also ich wäre viel, viel lieber rückwärts gestartet. Ich wäre auch lieber Richtung Norden gestartet.
Aber man brauchte den Gipfelgrad, um diese drei, vier Anlaufschritte vorwärts hinzubekommen.
Hättest du da überhaupt
abbrechen können? Ja, ich hatte mir vorgenommen, ich mache drei Schritte. Und wenn ich dann den Ski am sehe und spüre und merke, dass er da ist über mir, dann beschleunige ich weiter. Wenn das nicht gewesen wäre, hätte man schon noch stehen bleiben können. Aber natürlich auf sehr, sehr schmalem Grad und stolpern braucht man in so einer Situation nicht.
Geht dir da die Düse als erfahrener Alpinist? Oder ist das etwas, wo man dann so konzentriert ist, dass man das einfach so durchzieht?
Vorher ist man nervös. Aber wenn man sich dafür entscheidet, wie in allen anderen Sportarten auch, dann ist man da so im Flow und ist so konzentriert, dass man dann das macht, was man zu tun hat. Ich habe es dann hinterher den Start auch analysiert und mal angeschaut. Und er kommt auf der rechten Seite ein bisschen schlechter hoch als auf der linken Seite. Es gibt trotzdem dann mit der rechten Hand nochmal einen Bremsimpuls. Das hat nicht bewusst stattgefunden. Also ich habe nicht gedacht, der Schirm kommt auf der rechten Seite ein bisschen schlecht hoch und dann lauf mal ein bisschen nach rechts, gib links ein bisschen Bremse, sondern das passiert dann alles automatisch.
Jetzt erzähl mal, was nutzt du eigentlich für eine Ausrüstung dafür? Das fragen sich jetzt wahrscheinlich viele, die denken, wie kann man da oben am Matterhorn mit drei Schritten starten?
Es war tatsächlich so, dass die Ausrüstung, die ich dabei hatte, nicht meine präferierte Bergausrüstung ist, aber dafür sehr gut funktioniert hat. Also ich hatte ein strapless -Gurtzeug, also ein kleines Bergsteiger -Gurtzeug. Und der Schirm war der aktuelle Pace von Skywalk, der leichteste Zertifizierte Schirm, den es gerade gibt. So ein Single -Skin. Genau. Natürlich zum Hochlaufen super. Also es gibt nichts angenehmeres, als da ein Kilo im Rucksack zu haben als Option. Und wenn man wieder runterlaufen müsste, dann macht das Kilo auch nichts aus. Dafür ist es super. Jetzt sind aber die Single -Skins, also die sind eigentlich einfach zu starten, auf einer Wiese, wenn es Wind hat.
Aber weil man die nicht so schön hinlegen kann und die legen sich so auf das Untersiegel, wenn sie Wind bekommen und man sie wieder hinlegt, dann verhängen sich die Leinen gern im Geröll oder in den spitzen Steinen, vor allem im Wallis mit dem Schiefer.
Also ich habe noch einen P3, den hätte ich eigentlich lieber dabei gehabt, der wäre solider gewesen, der wäre sicher auch schöner gewesen, zum Hinlegen und sauberer gestartet. Aber der war im Check.
Genau. Somit hatte ich jetzt eine ganz leichte Ausrüstung, das war super. Mit einem anderen Schirm wäre es aber sicher einfacher gewesen zu starten.
Matterhorn, weit über 4000 Meter hoch. Wie hast du dich darauf vorbereitet? Weil du kommst ja jetzt nicht aus dem Wallis, sondern du kommst aus dem Schwarzwald, da gibt es nicht so hohe Berge.
Ja, also ich bin viel im Berner Oberland unterwegs. Das ist von uns nur eineinhalb, ein Dreiviertelstunden hinzufahren. Ich bin auch viel im Wallis. Chamonix ist auch nicht so weit. Das ist so ein bisschen der Vorteil vom Schwarzwald. Man kann hier in den gemäßigten Hügeln wohnen und hat es nicht weit in die hohen Berge. Ich bin aber beruflich sowohl im Winter als auch im Sommer auch viel in den Alpen unterwegs. Also die Höhe mehr oder weniger gewohnt. Wir waren dieses Jahr auch schon auf ein paar anderen Viertausenden vorher. Also die Höhe, das ging gut. Klettern kann man auch bei uns üben. Jetzt nicht sechs Stunden lang, aber man kann sechs Stunden lang klettern gehen an verschiedenen Routen. Dann geht es auch hier hinter dem Haus.
Und das Wichtigste für die Unternehmung war starten und landen. Und das kann man ja überall üben, wo man kurz zehn Sekunden fliegt. Sei das am 300 Höhenmeter Berg bei uns oder am Übungshang oder beim Tandemfliegen. Das war so die Vorbereitung.
Aber macht das nicht schon einen Unterschied, ob man auf, keine Ahnung, im Schwarzwald 700, 800 Meter Höhe startet oder auf über 4000 Meter? Also die Luft ist schon deutlich dünner. Merkt man sowas da dann schon beim Start auch mit so einem Single Skin?
Tatsächlich habe ich mir darüber auch schon öfter Gedanken gemacht. Hab gedacht, naja gut, der Luftdruck ist weniger.
Fühlt sich der Schirm dann langsamer? Fühlt er sich schneller? Sinkt er mehr? Sinkt er weniger? Ich glaube, wenn man das auf 8000 Metern tut. Vor kurzem hatten wir ein Meeting und da war der David Göttler dabei. Der ist ja am Langgap -Harbert gestartet. Da ist es tatsächlich so. Da braucht der Schirm viel, viel mehr Schritte, um dann, wenn man ihn vorwärts starten würde, dann auch starten zu können. Aber am Matterhorn oder auch am Mont Blanc hatte ich jetzt nicht das Gefühl, dass das große Auswirkungen hat. Sobald man Wind hat, sowieso nicht mehr, weil man dann den Wind nutzt, um den Schirm zu starten. Und auch jetzt, wie er da weggetaucht ist am Matterhorn und weggeflogen ist, fand ich jetzt, das war relativ ähnlich wie hier bei uns, nicht am Matterhorn, sondern am Hasenhorn in Tottenham.
Auch ein Horn. Genau. Du hast gerade Mont Blanc gesagt. Das heißt, das Matterhorn ist jetzt nicht der erste Viertausender, von dem du geflogen bist.
Nicht der erste Viertausender, ja.
Mein Opa und die älteren Bergführer, die sagen immer, wenn man mit dem Schirm runterfliegt, dann ist es ja eigentlich so ein bisschen gecheatet, ein bisschen beschissen, weil man spart sich ja die Hälfte. Und wie man auch weiß, die gefährlichere Hälfte oder die anstrengendere Hälfte auf jeden Fall, bin ich absolut d 'accord mit der Meinung.
Es ist viel angenehmer für die Knie, für die Hüfte, für die Gelenke, für die Zeit. Man ist nach zehn Minuten wieder unten und kann sich unten ausruhen.
Ich finde aber, die mentale Anstrengung im Aufstieg ist sehr viel größer, als wenn man keinen Schirm dabei hat, weil man das auch immer noch im Hinterkopf hat. Das kennt jeder, der auch kleinere Hike in Fleiß macht. Man denkt immer, passt der Wind oben? Ist er nicht zu stark? Bin ich zum richtigen Zeitpunkt oben? Und bei sowas Großem ist es natürlich noch viel, viel mehr, dass man da sehr viele Ressourcen im Kopf schon verschwendet und das dann auch anstrengend macht.
Ist das wirklich so?
Glaubst du, dass es wirklich so viele Ressourcen sind im Kopf mit diesen Gedanken, die dann kreisen, ob man oben starten kann, dass das wirklich eine zusätzliche spürbare Belastung darstellt?
Bei mir schon. Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber bei mir auf jeden Fall. Es ist sehr viel darüber nachdenken, sehr viel zwischendurch dann auch wieder das Wetter checken und schauen, wird der Wind stärker? Wie sind die Messwerte im Tal?
Dann wieder das Burn -Hair anmachen und wieder schauen, wie verändert sich da der Wind? Also man ist schon sehr viel damit beschäftigt, zu schauen, ob der Flug dann funktioniert oder nicht. Natürlich, wenn die Bedingungen super stabil sind und alles passt, dann viel, viel weniger. Was ist denn für dich so das Besondere von so hohen Bergen zu fliegen?
Also ja, das Besondere ist, ich mag gerne hochgehen. Und wenn ich runterfliegen kann, ist es für mich ein sehr, sehr großes Sicherheitsplus. Ich habe nicht die alpinen Gefahren, wie tageszeitliche Erwärmung, Steinschlag,
nochmal die gleiche Zeit oft im Abstieg am Berg zu verbringen, sondern ich bin im Optimalfall. Am Mont Blanc fliegt man ein bisschen länger. Da ist der Gleitflug mit dem 16er Schirm fast eine Viertelstunde. Am Matterhorn war es ein bisschen kürzer. Aber sagen wir mal, nach zehn Minuten, wieder unten und bin eigentlich aus der Gefahr raus. Plus, ich habe noch einen schönen Flug erlebt und kann mir den Berg auch, kann ich eine 180 Grad Kurve drehen und mir das nochmal anschauen, was da jetzt in den letzten Stunden passiert ist. Das macht es aus. Also das Sicherheitsplus ist sicher ganz, ganz vorne. Und auch einfach das schöne Erlebnis, von so einem Berg starten zu dürfen, muss man ja sagen.
Die Berge lassen es nur zu. Wir können da wenig ausüben.
Jetzt sagst du Sicherheitsplus, aber dieses Plus ist ja nur gegeben, wenn ich wirklich im Grunde ideale Startbedingungen oben habe.
Genau. Deshalb, das lernt man ja schon in der Flugschule. Wenn man am Startplatz ist, wird entschieden. Und der Schirm ist immer nur eine Option, eine zusätzliche Option. Und da ist es natürlich wichtig, vor allem bei den hohen Bergen zu sagen, es gibt Plan A ist Fliegen, aber Plan B, Plan C, Plan D ist runterlaufen, abseilen. Also auch am Matterhorn, ich hatte 60 Meter Seil dabei, um mich abzuseilen. Ich habe das Seil kein einziges Mal gebraucht, weil beim Aufstieg braucht man es nicht und beim Runterfliegen auch nicht. Das heißt, ich habe es eigentlich umsonst mit hochgetragen. Aber es hätte natürlich auch sein können, dass man wieder runter muss und dann muss alles mit dabei sein. Das heißt, den Schirm immer nur als Option mit dabei haben und dann sagen, wenn es nicht zum Fliegen geht, hat man noch genug Zeit, um wieder runter zu gehen.
Am Mont Blanc war es ein bisschen anders. Da wurde der Wind erst um 3 Uhr gut. Und wenn man um 3 Uhr noch am Gipfel ist, dann muss man sich ganz schön beeilen, wenn man nicht fliegen kann, dass man wieder runterkommt. Da ist aber noch das Valois -Bivouac zwischendrin, in dem man dann sagen könnte, da kann man dann noch eine Nacht schlafen. Oder man läuft über die 3 -Gipfel -Route zur Aguille du Midi. Das wäre auch gegangen. Also diese Optionen immer im Hinterkopf haben und nicht nur auf das Fliegen setzen.
Wie lange hast du für den Aufstieg zum Matterhorn gebraucht? Du hast gesagt, Abflug war jetzt 10 Minuten.
Aufstieg war? Also ich bin von Tesch gestartet. Also wer schon mal in Zermatt war, man fährt mit dem Auto durch das Mattertal und dann kommt man nach Tesch und da fängt dann der Zug an. Weiter kann man mit dem Auto nicht fahren. Da habe ich auf dem Campingplatz geschlafen. Bin da um halb 3 Uhr gestartet. Nachts? Nachts, ja genau. Bin bis Zermatt mit dem E -Bike und dann zu Fuß hoch und war um halb 11 am Gipfel. Also halb 4, halb 5, halb 6, halb 7, halb 8, halb 9, halb 10, halb 11. 7 Stunden. Und dann noch ein bisschen Zeit am Gipfel. Eine halbe Stunde. Also nach 7,5 Stunden war ich dann in der Luft. Das ist weit, weit, weit davon entfernt,
wie die schnellsten Leute da hochlaufen. Also der aktuelle Rekord bei Zermatt, Matterhorn Gipfel und wieder zurück ist irgendwie bei 4 Stunden 40. Hin und zurück? Hin und zurück, ja.
Okay, du bist jetzt 7 Stunden hin gewissermaßen. Genau. Hättest absteigen müssen. Ja. Wären das auch
nochmal 7 Stunden oder geht das dann schneller? Nee, es geht ein bisschen schneller. Also wenn die Bedingungen passen und das hätten sie an dem Tag, das war ein wunderschöner Herbsttag, also besser hätte man ihn nicht malen können, dann wäre man danach. Also das ist dann auch weniger Weg, bis man dann wieder unten an der Hörnlihütte ist, als von Tesch unten hoch. Also da ist man dann nach 2,5 Stunden. Nach 3 Stunden ist man wieder an der Hütte. Wenn man es gemütlich macht, kann man natürlich auch viel schneller, ja.
Wie häufig ist es dir schon passiert, dass du solche wirklich hohen Berge bestiegen hast mit Schirm, wo du dann wirklich oben entscheiden musstest, nein, ich steige doch lieber ab, ich kann nicht fliegen, ich will nicht fliegen?
Tatsächlich gar nicht so oft, weil die Wettervorhersagen schon gut sind. Früher war das vielleicht anders, aber mittlerweile kann man sich da schon gut drauf verlassen. Bei meinem allerersten Versuch am Mont Blanc, da habe ich tatsächlich ein komplettes normales Setup, also ein Epsilon 4 oder Epsilon 5 mit 26 Quadratmetern und ein normales Sitzgurtzeug. Ich glaube, jetzt waren es Success und eine schwere Rettung auf dem Mont Blanc hochgetragen, aber da war ich auch noch jünger. 16 Kilo, 18
Kilo, was hattest du dabei?
Ja, so viel waren es nicht, also 15 insgesamt waren es auf jeden Fall. Also wahrscheinlich fast 15 mal so viel als jetzt am Matterhorn und da hat es uns oben vom Gipfel geblasen, also wir konnten fast nicht stehen und dann habe ich es wieder runtergetragen. Genau, der Benni, der dabei war, der hatte keinen Schirm dabei, der war dann beim Abstieg happy.
Dass er einen Partner dabei hatte, der mit ihm runtergeht.
Genau, zum einen, dass er einen Partner dabei hatte, der jetzt doch nicht weggeflogen ist, sondern mit ihm runtergeht und dass er keinen Schirm runtertragen muss. Genau, das war am Mont Blanc.
Wie
viel hast du da geflucht beim Abstieg? Wenn man jetzt sagt, kacke, jetzt habe ich 16 oder 15 Kilo da hochgeschleppt, um da irgendwie als stolzer Gladiator abgleiten zu können und jetzt muss ich das auch alles wieder runterschleppen.
Im ersten Moment war ich schon enttäuscht, im zweiten Moment musste ich mir eingestehen, dass es eigentlich von unten weg schon klar war, dass man den Schirm einfach hätte unten lassen können, weil die Windvorhersage schon so war, dass es stark war. Jetzt war der Flug aber nur ein Teil von einer größeren Reise. Da war ich zwei Wochen mit dem Fahrrad unterwegs und das Endziel war der Mont Blanc. Deswegen hat die Unternehmung trotzdem geklappt. Nur das i -Tüpfelchen mit dem Schirm hat nicht geklappt. Deshalb war ich doch froher gestimmt darum, dass die gesamte Unternehmung geklappt hat, als dass der Flug dann nicht funktioniert hat und beim Runtergehen war der Rucksack zwar schwer, aber nicht mehr so schwer wie beim Hochlaufen.
Wenn ich das jetzt richtig nachvollziehen kann, du sagst ein Projekt, du hast ja mal so ein, ich nehme an, das ist diese Reise, du hast mal sowas gemacht, dass du gesagt hast, ich will vom tiefsten Punkt Europas zum höchsten Punkt Europas kommen. War das das?
Genau, das war das, ja. Wo ist der tiefste Punkt Europas? Der ist in Nievekerk an der Eisel, wenn ich das richtig ausspreche. Ich hoffe, die niederländischen Zuhörer verzeihen mir, wenn ich es falsch ausgesprochen habe. Und er ist minus 12 Meter unter dem Meer, genau da oben, nördlich von Amsterdam. Das
heißt, du bist vom Schwarzwald mit der Bahn bis Nievekerk oder wie auch immer sich das ausspricht, gefahren mit deinem Fahrrad, immer den Schirm hinten mit drauf und bist dann die ganzen Reihen und sonst was hochgefahren, bis dann letzten Endes in Frankreich anzukommen.
Damals hat mich dankenswerterweise meine Mama hochgefahren und dann bin ich da oben gestartet mit einem Anhänger am Rad, mit Skiern drauf und Skischuh waren mit dabei und Seil und die ganze Bergausrüstung und der Gleitschirm. Wie haben die Holländer geguckt, wenn da einer mit... Die waren immer ganz interessiert, das war witzig. Aber ich glaube, man kam mehr mit den Leuten ins Gespräch aufgrund dieses Anhängers, als wenn man keinen Anhänger dabei gehabt hätte. Deswegen war das, das war immer super nett. Also da in Holland und dann in Belgien, da kamen dann auf einmal die Ardennen, wo ich gedacht habe, wo kommt jetzt dieses steile Mittelgebirge her? Das war dann auch ziemlich anstrengend. Genau, ja.
Bist du denn auf dieser Strecke irgendwo dann zwischendurch auch mal geflogen? Nee, tatsächlich kein einziges Mal. Das heißt, du warst zwei Wochen unterwegs, ein Anhänger dabei, mit Skiern und allem möglichen und 15 Kilo Flugausrüstung, um dann von Holland bis zum Mont Blanc zu fahren, auf dem Mont Blanc raufzulaufen, um dann wieder den Schirm wieder runterzuschleppen.
Oder auch nicht zu fliegen, ja. Also das war auch meine erste Radreise, meine erste Unternehmung auf dem Viertausender mit einem Gleitschirm und und und.
Also es war rundum, hat es funktioniert, aber das mit dem Gleitschirm, das hätte man sich wirklich sparen können.
Welche Lehren hast du daraus gezogen?
Besser vorbereiten, was das Wetter angeht, wobei man natürlich, wenn man zwei Wochen vorher in Holland losfährt, weiß man nicht, wie der Wind dann auf dem Mont Blanc ist, dann wenn man ankommt. Aber auch unterwegs, wenn sich Möglichkeiten ergeben, die Reise zu genießen und nicht nur an das Ziel zu denken. Und das ist auch das, was ich mir oft so beim Hike and Fly und beim Climb and Fly oft, wie vorhin schon gesagt, man ist so Tunnelblick auf den Gipfel und ob man starten kann und dadurch geht manchmal so das Genießen des Weges verloren. Also das merke ich auch manchmal, wenn ich mit meiner Freundin unterwegs bin oder so, man ist schon immer sehr fokussiert auf das, auf den Start und vergisst so ein bisschen, dann einfach am Wegesrand hinzusitzen, mal eine Stunde und einfach den Blick schweifen zu lassen, weil man immer denkt, ja jetzt passt gerade der Wind, passt er nachher auch noch, wenn wir ankommen.
Das heißt, deine Freundin fliegt auch? Die fliegt
auch. Oder
fliegt ihr im Tandem?
Wir sind früher immer im Tandem geflogen und dann hat sie irgendwann gesagt, sie will jetzt alleine fliegen, weil dann kann sie selber dahin steuern, wo sie will und muss nicht immer dahin fliegen, wo ich hinfliege.
Das heißt, ihr geht aber häufiger zu zweit auf den Berg, aber deine Erfahrung ist, sobald man das Fliegen im Kopf hat, nimmt man von dem Rest etwas weniger wahr oder läuft Gefahr, zumindest etwas weniger davon wahrzunehmen.
Oder man muss sich bewusst vornehmen,
nicht nur ans Fliegen zu denken, wenn es nicht nur ums Fliegen geht. Manchmal geht es ja auch nur ums Fliegen, wenn man abends noch schnell hoch springt und dann runter fliegt. Es gab auch schon ein-, zweimal die Situation, dass wir gesagt haben, komm, lass heute den Schirm da im Auto oder daheim, lass einfach wandern gehen. Dann ist es egal, wie lange man noch am Gipfel sitzt. Weil es einfach entspannter ist
dann letzten Endes.
Ja, genau.
Nun
bist du ja, soweit ich das sehe, du bist ja quasi Profi -Bergsportler, was auch immer. Also du hast eine eigene Bergschule, wie du sie nennst, in Tottnau und machst Skitouren gehen, Mountainbiken, Tandem fliegen, wahrscheinlich Klettertouren und sowas, was du da drüber anbietest. Von diesem Ganzen, was du dort machst, würdest du sagen, Gleitschirmfliegen ist vom Kopf her das Anstrengendste?
Nee. Nein. Sondern?
Das Freeriden und Skitouren gehen im Winter mit der Schneedeckenbeurteilung und allen alpinen Gefahren, die dazugehören, ist anspruchsvoller für den Kopf. Auf jeden Fall. Also für mich, wenn ich mich jetzt vielleicht mehr ins Streckenfliegen reinfuchsen würde, dann würde das auch anstrengender werden. Aber ich finde mental im Winter ist es schwieriger und anstrengender, die Sachen einzuschätzen als im Sommer. Ja.
Bist du denn dann bei so einer Skitour, bist du dann auch beim Aufstieg beschäftigt? Oh, wie wird denn das mit der Abfahrt? Also so ähnlich wie du jetzt sagst, beim Hochlaufen mit dem Schirm, kann ich denn oben starten? Und wie wird vielleicht dann mein Flug? Also dass man da schon auch in so einem Gedankenkarussell drinsteckt?
Es geht immer, ich glaube, es geht immer ein bisschen darum, was das Ziel der Unternehmung ist. Und wenn man ein leidenschaftlicher Skifahrer ist und eher aus dem Runterfahren kommt, dann läuft man eigentlich auf dem Berg, um wieder runterzufahren. Das Hochlaufen ist nur ein Mittel zum Zweck. Bist du so einer? Ich bin schon eher so einer, ja. Ich komme schon eher daher. Es gibt andere Skitourengeher, die sagen, hey, mir geht es ums Hochlaufen, ich möchte beim Hochlaufen meine Fitness verbessern und wenn es oben so schlecht ist, dass ich mit der Gondel wieder runterfahre, dann mache ich das. Auch das ist absolut cool, wenn jemand da seine Fitness damit trainiert. Bei mir ist es schon so, egal wie ich auf den Berg gehe, also ob ich den Gleitschirm dabei habe oder die Ski oder das Mountainbike,
mir geht es schon auch hauptsächlich darum, dann runterzufahren. Dann ist es ein schöner Singletrail, vom Berg runterzukommen. Und klar, dann beschäftigt man sich im Aufstieg schon oft mit der Abfahrt oder dem Abflug.
Wenn du im Winter Skitouren gehst, hast du dann auch häufig einen Schirm dabei oder verzichtest du dann darauf, weil du sagst, nee, die Abfahrt ist ja auch so toll, also dann fahre ich lieber mit den Skiern runter, als mit dem Schirm da runterzufliegen?
Ja, also einer, der auch schon mal mit Skiern vom Matterhorn weggestartet ist, der Ueli Kästenholz, der würde mich jetzt da verbessern. Der ist ein leidenschaftlicher Speedrider, also die, die mit den Skiern im Schnee sind und den Schirm oben drüber haben, so einen kleinen, um kurz abzuheben. Ich habe das auch versucht, aber mir ist das Skifahren, das Gefühl des Skifahrens dann zu lieb. Also ich mag einfach gerne mit den Skiern im Schnee sein und den Schnee spüren und nicht nur kurz reintauchen und wieder abheben. Deswegen wurde ich, oder hat mich das Speedriden gar nicht so fest interessiert und hatte am Anfang den Schirm nicht so oft dabei. Aber ich mag das in letzter Zeit immer, immer mehr, weil ich so das Schönste, was mir der Gleitschirm gibt, jetzt auch im Winter versuche oder immer besser verstehe, dass der Gleitschirm einfach ein Fortbewegungsmittel in den Bergen sein kann.
Also er kann mir zum Beispiel einen Talsprung ermöglichen, ohne dass ich unten durch das Tal durch muss. Wenn ich bei einer Frühlingsskitour am Schneeende ankomme und auf die andere Talseite will, dann packe ich den Gleitschirm aus
oder ich nehme ihn als Poor Man's Heli und versuche, die Permik zu nutzen, um irgendwo weiter hinzukommen, wo ich sonst mit Fällen aufsteigen muss oder andere Leute einen Hubschrauber dafür brauchen. Deshalb ist er immer, immer mehr auch im Rucksack beim Skitouren gehen. Und da sind natürlich die kleinen, leichten Schirme auch wieder super, weil man die fast nicht spürt, wenn man sie mit dabei hat. Für
Poor Man's Heli, diesen armen Leute -Helikopter, nutzt du jetzt aber nicht deinen kleinen Pace, den Single Skin?
Nee, es hat schon einmal mit dem Pi auch schon funktioniert, zum bisschen rübersohren. Aber da ist dann schon besser, wenn man einen, sagen wir, einen Streckenschirm dabei hat oder einen normalen Gleitschirm, um dann auch Höhe machen zu können und irgendwo hinzufliegen, wo man sonst aufsteigen müsste. Das geht mit dem kleinen Schirm natürlich nicht.
Soweit ich es verstehe, ich bin noch nie in eine große Skitour gegangen. Aber ich weiß, dass die Leute, die das machen, da ist ja ganz viel eine Risikoabwägung auch dabei. Auch sehr viel wegen Lawinen, Gefahr und so, dass man das einplätzen muss, wie ist der Schnee und sowas. Aus deiner Erfahrung, die du da drüber gesammelt hast, gibt es Sachen, wo du sagen würdest, da kann man was übertragen, auch auf die Fliegerei?
Ich glaube, man kann
aus Bergerfahrungen immer in die andere Sportart übertragen und sehr sehr viel mitnehmen, egal ob das Winter oder Sommer oder Frühling oder Herbst ist. Beim Skitouren gehen oder beim Freeriden ist es ganz oft so, dass man, oder es ist so, nicht ganz oft, sondern es ist immer so, man hat morgens, schaut man den Lawinen -Lagebericht an oder am Abend vorher schon, entscheidet sich dann, wo geht man hin, welche Berge, welche Hänge, welche Regionen kommen überhaupt in Frage, wo ist es zu gefährlich, wo ist es weniger gefährlich, wo ist es sogar vielleicht ungefährlich oder ist das Risiko sehr vertretbar und dann geht man dahin, aufgrund der Vorhersage, die ja mittlerweile wirklich wahnsinnig ist und kostenlos zur Verfügung gestellt wird mit Lawinen -Lagenberichten und alles von allen möglichen Regionen
und dann kommt man dahin und hat aber dann nicht die Garantie, dass wenn man dann an dem Hang X ist, dass es dann auch da so ist, wie es in der Vorhersage dann war im Lawinen -Lagebericht und muss sich das dann, das nennt man dann Einzelhangentscheidung, sich dann nochmal anschauen, ob man dann da nochmal ein Schneeprofil macht oder ob man einfach schaut, ist die Situation so, wie sie beschrieben ist und das ist genau das Gleiche, wenn ich mit dem Gleitschirm zum Startplatz laufe oder auf dem Berg, wo es keinen Startplatz gibt, keinen ausgewiesenen, dann muss ich aber auch vor Ort nochmal schauen, ist der Wind jetzt so, wie er angesagt war, im Optimalfall ist er viel, viel besser, so wie es jetzt am Matterhorn war, wie er in der App angesagt wurde, im Worst Case ist er
sehr, sehr viel schlechter und dann muss ich wieder runterlaufen, obwohl ich gedacht habe, naja, heute kann ich auf jeden Fall fliegen. Da gibt es auf jeden Fall Parallelen. Vor Ort, bevor man den Schirm auspackt und sich einhängt und losfliegt, die Augen aufmachen oder das Gefühl aufmachen, nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren und alles, was man sonst noch zur Verfügung hat, um dann für sich selber eine Entscheidung zu treffen.
Bist du als Bergführer in der Fahrenheit -Binist ein vorsichtiger, ein anderer Flieger, als jemand, der so einen Hintergrund nicht hat?
Ich glaube, umso mehr Erfahrung man sammelt, desto
vorsichtiger wird man, weil man weiß, was passieren könnte. Wenn man ganz blauäugig ist, dann weiß man ja manchmal vielleicht gar nicht, was für ein Resultat dabei rauskommen könnte, wenn es schief geht. Ich glaube aber auch, dass man sich ein größeres sogenanntes Skillset aneignet, wo man schwierigere Situationen meistern kann. Also es geht so einher und hält sich dann vielleicht die Waage. Was aber schon ein großer Punkt ist, ist, wenn man ausbildet, wenn man vielleicht auch für Leute Verantwortung hat, wenn man vielleicht auch Leute hat, die einem zuschauen bei dem, was man tut, hat man schon eine Verantwortung darin, dass man keinen Blödsinn macht. Und dass man dadurch dann schon vorsichtiger wird und sagt, hey,
ich will jetzt da nicht als schlechtes Beispiel vorausgehen und dann lässt man es vielleicht doch ein, zweimal mehr bleiben,
was man vielleicht vor zehn Jahren noch gemacht hätte.
Bist du, wenn du allein unterwegs bist, risikofreudiger oder risikobereiter?
Ja. Ich bin auf jeden Fall risikobereiter, weil ich, also ich glaube, das ändert sich nochmal, wenn man Kinder hat. Das
heißt, du hast noch keine?
Nein.
Dann hat man nochmal ganz andere Vorgänge, die da hinten im Hinterstübchen stattfinden. Das bestätigen mir auch viele befreundete Väter und Mütter.
Aber wenn ich alleine bin, dann treffe ich die Entscheidung für mich und wenn was passiert, dann betrifft es aktuell nur mich. Wenn ich jemanden mit dabei habe, dann ist er oder sie in der Situation dann dafür verantwortlich, wie läuft die Rettung ab. Er muss es mit anschauen oder sie muss es mit anschauen. Und, und, und. Also das ist das eine,
warum ich sicher risikofreudiger bin. Das andere ist auch, dass ich in der Situation keine Verantwortung für jemand anderen habe. Also wenn ich am Berg bin, ist es ganz, ganz oft schon so, dass ich die Verantwortung für die andere Person habe und dann natürlich Entscheidungen treffe, die nicht mal 50 % Risiko beinhalten, sondern viel, viel sicherer sein müssen. Weil ich die Entscheidung für die andere Person treffe. Das ist wie, wenn ich Tandemfliegen gehe. Da mache ich, da mache ich keine, da trainiere ich keine Manöver. Wenn ich alleine Gleitschirmfliegen gehe, dann trainiere ich Manöver, aber wenn ich da Tandemfliegen mit jemandem vorne dran, dann bin ich verantwortlich, dass der oder diejenige gesund am Boden ankommt und dann sind die Entscheidungen viel, viel, viel, viel defensiver, was auch gut so ist.
Wenn jetzt jemand zu dir kommt und sagt, Tim, du bist schon von einigen Vietausern gestartet, jetzt auch vom Matterhorn und so, was muss ich können, was muss ich tun, um sowas auch irgendwann mal realisieren zu können? Ganz,
ganz, ganz viel, also man könnte jetzt sagen, ganz viel Gleitschirmfliegen, das stimmt aber eigentlich gar nicht. Man muss ganz, ganz, ganz viel starten und landen, weil darauf kommt's an. Thermikfliegen muss ich da nicht können. Und dann viel in den Bergen sein und schon ein erfahrener Alpinist sein, um das alles einschätzen zu können, weil es kommt halt einfach noch diese Flugkomponente noch dazu. Jetzt ist es ja schon eh nicht einfach, auf so einen Berg zu steigen.
Auch schon auch nicht alleine da hoch zu steigen. Und dann noch die Entscheidung über den Start zu treffen. Also erstmal ein mehr oder weniger kompletter und guter Alpinist sein in diesen Bergen. Dann kommt irgendwann das Gleitschirmfliegen mit dazu. Das macht man jetzt auch nicht zwei Wochen nachdem man den Schein gemacht hat, sondern da geht man dann schon viel in die Berge. Viel, also das hat mir jetzt eigentlich nichts gebracht am Matterhorn, aber viel Groundhandling an kleinen, in kleinen Bereichen. Also ich hab das schon trainiert. Ich hab mir hier daheim auf der Wiese so einen kleinen Claim abgesteckt und hab gesagt, hey, hier zieh ich den Schirm auf und stabilisier den über mir und tritt nicht mit den Füßen über dieses Trassierband drüber, weil da kein Platz ist.
Wie klein war dein Claim dann da? Der war nicht groß, der war zwei auf zwei Meter. Zwei auf zwei Meter? Also der Schirm lag außerhalb dieses Claims, aber die Füße sollten da immer drin stehen bleiben.
Und du sagst, okay, es ist etwas Wind, du brauchst ja dann, mit drei Schritten wärst du aus deinen zwei Metern wahrscheinlich schon draußen. Aber mit etwas Wind, sagst du, sollte ich einen Schirm auf diesen zwei mal zwei Metern
aufziehen können. Genau, ob ich den jetzt dann in die Luft werfe und er sich dann von alleine aufstellt oder ob ich ihn kurz aufziehe. Aber, also das ist schon, das war schon spezifisches Training. Also da auf der Wiese, neben dem Haus, dann gibt's bei uns auch so, wie so Kletterfelsen, die dann halt einfach so einen Klippenstart erfordern. Auch da hab ich das ein oder andere Mal trainiert. Also man muss sich da drauf schon vorbereiten. Wie trainiert man Klippenstarts?
Oder wie hast du Klippenstarts trainiert?
Zum einen, indem man erstmal auf der Wiese übt, den Schirm sauber über sich zu kriegen, auf kleinem Raum. Diese zwei mal zwei Meter? Genau. Und dann am Felsen zu sein und den Schirm genauso aufzustellen, wie man auf dem kleinen Claim trainiert hat und dann mit Vorwind da auszuhüpfen. Und das am besten in einer Umgebung, wo man dann keine Hindernisse hat. Also wo keine Bäume im Weg stehen, wo man auch sauber rausgleiten kann. Und das gibt's bei uns hier tatsächlich erstaunlicherweise ziemlich viele hier direkt im Schwarzwald, direkt vor der Haustür. Wo man eigentlich den Matterhornstart, so wie er war, zu 100 % simulieren kann. Außer die Höhe.
Das heißt, man muss gar nicht auf die hohen Berge, um die Hochgebirgsstarts im Grunde draufzukriegen.
Ne. Also ich hab mal ursprünglich Wissenschaften studiert und hab da auch gelernt, wie man
Situationen trainieren sollte. Und das ist ja immer, man schafft eine Laborbedingung, in der man sich so eine Grobform aneignet. Irgendwann wird's dann eine Feinform. Und dann kann man erst in die Situation reingehen. Man ist schlecht beraten, wenn man
ohne Können in der Endsituation das versucht dann umzusetzen. Dann geht's meistens schief. Weil man dann nicht weiß, was man machen soll. Wenn
ich mir so viel viele Flieger anschaue, nicht alle, aber so in den verschiedensten Vereinen und so, die man so kennt, ist das Wort Training ja nicht unbedingt eins, was man mit Gleitschirmfliegen verbindet. Sondern die Leute wollen immer nur fliegen. Und nicht trainieren. Wie könnte man da das Mindset
ändern? Also ich glaub erstmal ist es ja gar nicht verwerflich. Oder wenn die Leute einfach zum Genuss Gleitschirmfliegen gehen, zur Entspannung, zur Abwechslung, zum Freunde treffen, um den Kopf frei zu kriegen. Ich glaub trainieren muss man erst, wenn man sich verbessern möchte, wenn man Ziele erreichen will, wenn man das vielleicht auch beruflich macht. Dann muss man spezifisch trainieren. Was schon gut ist natürlich, wenn man starten trainiert. Ich glaub das schadet niemandem.
Und wenn man so die
also es gibt ja relativ viele Gleitschirmflieger, die sich freuen, wenn eine Bahn da ist und dann mit dem zum Startplatz fahren. Was auch völlig verständlich ist, wenn ich eine komplette Streckenflugausrüstung dabei hab, die würde ich jetzt auch nicht den Berg hoch tragen. Aber das zeigen ja schon auch die guten Streckenpiloten, ob das jetzt der Maxim ist oder der Kriegel oder wie sie alle heißen. Oder der Simon Oberrauner, der erst vor kurzem bei dir war. Die sind alle fit. Natürlich müssen die auch laufen bei den X -Alps, aber es gibt auch bei den beim Gleitschirmweltcup die sind schon fitte Leute und ich glaube das hilft auch beim Fliegen an sich. Auch wenn man denkt, naja man sitzt ja da nur in diesem
Gurtzeug und muss eigentlich nicht viel machen, aber es ist dann doch anstrengend.
Es ist ja auch viel Anstrengung im Kopf, das Gleitschirmfliegen. Also manchmal mehr Anstrengung im Kopf als eigentlich im Körper. Wie kann man den Kopf fürs Gleitschirmfliegen trainieren?
Ich weiß gar nicht, ob ich da der Richtige bin, um viel Auskunft zu geben, weil so viel Airtime oder Flugstunden habe ich, also meine Flüge, die über fünf Stunden gehen, die kann ich an einer Hand abzählen.
Du bist eher der Berg -runter -Hüpfer? Ja, oder
ich bin eher derjenige, der versucht den Gleitschirm zu nutzen, um von A nach B zu kommen. Und das A nach B liegt meistens gar nicht so weit auseinander. Okay, von der einen Talseite zur nächsten. Genau, oder wir haben vor kurzem in unserer Freundesgruppe gesagt, wir machen eine Biwaktour und sind dann vom Thunersee an den Genfersee geflogen in drei Tagen. Also normalerweise macht man das an einem halben Tag.
Aber es war trotzdem schön. Der
Weg ist das Ziel. Wenn man zwischendurch schöne Momente hat, das ist ja die Hauptsache.
Genau, aber den Kopf trainieren beim Gleitschirmfliegen, also mir fällt das schwer tatsächlich. Ich habe so nach zwei Stunden Fliegen muss ich mich darauf konzentrieren, dass ich nicht abschweife, dass ich nicht an den nächsten Top -Landepunkt denke oder an die nächste Hütte, wo ich gerne landen würde, um ein Stück Kuchen zu essen, sondern mich wirklich auf das nächste Ziel fokussiere. Mir fällt das leichter, wenn ich... Wie
kommt das? Wenn ich mir das vorstelle, du kletterst auf das Matterhorn hoch, sagst sieben Stunden bist du da unterwegs und musst wahrscheinlich sieben Stunden sehr konzentriert auch da unterwegs sein, dass du nicht einen Fehltritt hast oder was auch immer machst. Warum schweifst du nach zwei Stunden Fliegen
ab? Wenn ich in den Alpen fliege oder in den Dolomiten, kann ich das besser bei der Sache bleiben, als wenn ich im Mittelgebirge oder im Flachland fliege, weil in den Alpen ist es so ein bisschen wie an den hohen Bergen, man hat immer was zu tun. Also es kommt wieder ein Talsprung und da muss man sich überlegen, wie funktionieren die Talwinde, wie ist das Windsystem, kann ich an dieser Flanke hochsohren oder muss ich doch Thermik zentrieren oder wie auch immer. Da fällt es mir leichter, länger bei der Sache zu bleiben, weil es abwechslungsreich ist. Im Schwarzwald oder im Flachland bin ich schlecht drin. Da ist es oft einfach Wolkenstraßen suchen und entlang fliegen. Da bin ich auch viel zu ungeduldig, da wechsle ich viel zu schnell irgendwo anders hin, während die anderen einfach nochmal 15 Schläge am Hang entlang sohren, bis die Ablösung kommt, bin ich dann schon an der anderen Hangseite und fünf Minuten später unten beim Landen und denke mir,
jetzt merkst du ja doch endlich, dass du da bleibst. Und man kann es vergleichen, am Matterhorn, die sieben Stunden, die gehen vorbei wie im Flug. Das merkt man gar nicht. Am Mont Blanc sind sieben Stunden ewig, weil man nur am in Anführungsstrichen latschen ist. Man setzt nur einen Fuß vor den anderen. Ich sage immer, der Mont Blanc ist der Feldberg in groß. Das ist ja nur so ein Hügel. Man braucht nie die Hände. Man muss sich nie irgendwo festhalten. Und dann ist es viel, viel schwieriger, bei der Sache zu bleiben. Und so geht es mir tatsächlich beim Thermikfliegen auch.
Umso schwieriger die Situation, desto länger kann ich fliegen.
Du fliegst jetzt schon 15 Jahre. Wie hat sich deine Herangehensweise an die Fliegerei über die Zeit verändert? Wenn überhaupt?
Am Anfang, also kurz nach dem Schein, bin ich gar nicht so viel geflogen. Da war irgendwie Skifahren und Mountainbiken noch viel, viel wichtiger. Das hat sich dann erst so zwei, drei Jahre nach dem Schein eingeschlichen, dass das Fliegen viel, viel mehr wurde. Und am Anfang war es für mich, dass ich gedacht habe, also Fliegen ist nur möglichst lange und weit zu fliegen. Weil am Landeplatz, auch bei uns, ging es immer nur darum, wie lange bist du geflogen? Wo bist du hingeflogen? Welche Strecke war das? Und dann habe ich da gedacht, ich muss jetzt da das angehen. Hatte aber hier bei uns ist die Flieger -Szene jetzt eh schon nicht so groß. Und diejenigen, die hier fliegen, gehen oft machen so ihr eigenes Ding. Also es gibt jetzt nicht so die, oder gab damals vor 15 Jahren, jetzt nicht so die Szene wie, ich habe da beim Patrick von Kennel in deinem Podcast gehört, dass er gesagt hat, wenn sie abends in Hangar gehen, da bei sich, da sind immer alle da und dann werden Erfahrungen ausgetauscht und dann wird da gesagt, um wie viel Uhr man wo sein muss.
Das gab es bei uns gar nicht. Und dann hatte ich so ein bisschen Resignation, habe gedacht, ich komme irgendwie nicht weiter mit dem Streckenfliegen. Also ich fliege schon Strecken und bin hier kein schlechter Pilot, aber so richtig vorwärts komme ich nicht und habe dann eher schon so ein bisschen das
Schirmbergsteigen dazu oder wie auch immer entdeckt und habe dann gesehen, aha, da finde ich irgendwie noch einen größeren Mehrwert, was mir der Schirm bringen kann, als nur am Startplatz zu sitzen, Parawaiting zu betreiben, bis es dann geht und dann nach, vom Schwarzwald auf die Schwäbische Alb zu fliegen und dann mit dem Zug wieder sechs Stunden zurück, was ich schon auch gerne mal machen würde, einfach um da mitreden zu können, aber mir da aktuell das Können oder auch die Geduld noch fehlt. Aber vielleicht kommt es noch.
Beim Matterhorn, als du dort in zehn Minuten runtergeflogen bist und unten warst, war das dann ein Juchee oder war das dann auch ein sechs Jahre Traum gehabt und da hinterher und immer wieder geguckt und jetzt hast du es geschafft und da ist was abgeschlossen? Bleibt dann auch eine Leere zurück?
Also viele sagen, als sie das Video gesehen haben, sie haben mich noch nie so
ausufernd fröhlich gesehen.
Also da war schon sehr, sehr viel Freude dabei, dass das geklappt hat.
In dem Moment nach dem Start und beim Fliegen, dann bin ich unten gelandet und dann war ich einfach nur super erleichtert und wahnsinnig happy und lag da, also ich hatte noch die Daunenjacke an, die Jacke, den Helm, die Brille, die Handschuhe, ich war noch mit dem Schirm, am Schirm eingehängt und lag mit, ne Steigeisen hatte ich nicht mehr an, die habe ich in der Luft ausgezogen, aber lag ich da auf der Wiese auf dem Rücken, habe in den Himmel geschaut und es lag da einfach sicher eine Stunde und habe mich einfach nur gefreut, ich war einfach happy. Also wahrscheinlich schon eines der fröhlichsten Gefühle, so die ich bisher im Leben hatte, das war wirklich, das war echt schön, das war richtig, richtig cool.
Da habe ich mich echt sehr gefreut und jetzt so im Nachgang, wenn du von Leere sprichst, natürlich, wenn man mit Leuten darüber spricht, dann sagst du, was machst du als nächstes? Was machst du als nächstes? Und tatsächlich gibt es schon Sachen, wo ich Lust habe, als nächstes zu machen, aber hinterher war jetzt erstmal so, puh, jetzt ist das Projekt abgeschlossen und jetzt ist erstmal nichts. Also ich muss jetzt gerade keinen Claim neben dem Haus abstecken oder Klippenstarts üben oder mir überlegen, wie lang die Hörnli, der Hörnli -Grad zu begehen ist, ob man doch lieber über den Leone -Grad von Italien hochgeht oder wie auch immer. Jetzt kann ich mich voll auf den Winter konzentrieren.
Und Winter heißt für dich wieder Skitouren gehen hauptsächlich?
Hauptsächlich Skitouren gehen, ja genau. Die Skilehrer ausbilden, die Bergführer ausbilden, Skitouren gehen, mit Gästen in den Bergen zu sein und aber auch möglichst viel dann den Gleitschirm mit dabei haben, um dann auch wieder für die nächsten Projekte zu üben oder zu trainieren, wie wir vorhin gesagt haben.
Aber dann doch wieder Projekte, auch wenn du sagst, du hast noch gar keins.
Ja, es ist nicht so einfach. Ich habe vor kurzem auch mit jemandem geredet und
mit Bernd, das ist so ein Bergfreund von daheim und dann hat er gesagt, naja, jetzt bist du halt vom eigentlich bekanntesten Berg, also der ist auf der Toblerone drauf, der ist ja überall drauf, jeder kennt das Matterhorn, um die ganze Welt, da bist du jetzt runtergeflogen, wo willst du denn jetzt runterfliegen, was soll da jetzt noch kommen? Und dann habe ich gedacht, naja, es gibt ja auch noch schöne andere Berge und war dann vor kurzem an der Jungfrau, was eine super schöne Tour war, aber das natürlich, wenn ich das dann jemandem erzähle, dann sagt er, naja, das ist jetzt halt nicht, gell? Sag ich, nö, war es nicht, aber schön war es trotzdem. Dann gibt es natürlich noch die höheren Berge, dann vorhin den David Göttler angesprochen, oder ich war mal ganz, ganz lange mit jemandem am Berg, der ist mal vom Amadablam geflogen mit dem Gleitschirm,
aber ich bin ein ganz schlechter Höhenbergsteiger, also ich bin, da habe ich, ich habe es gern, wenn es warm ist und wenn man gut schlafen kann und so. Also, da müsste ich mich erst noch sehr, sehr, sehr stark reinfuchsen, um von diesen hohen Bergen fliegen zu können, da muss ich, also ich glaube nicht, dass das irgendwann ein Ziel wird. Schuster bleibt
bei deinem Leisten oder Bergführer bleibt bei deinen Bergen, damit kommst du dann am besten zurück. Hast du denn bei diesen ganzen Erlebnissen, wenn du jetzt sagst Matterhorn, war das so dein bisher so was wie der erfüllendste Flug in deinem Leben?
Ja, wie vorhin beschrieben, also Hike and Fly oder Climb and Fly mäßig war es auf jeden Fall der erfüllendste Flug, das war ein Glücksgefühl, wie ich es beim Fliegen wahrscheinlich vorher so noch nie hatte, aber wenn natürlich so kleine
Streckenflugprobleme aufgehen oder wenn man sich einen ganz, ganz langen
Talweg ersparen kann, wenn man Hike and Fly macht oder was für mich auch, das hört sich komisch an, aber erfüllend ist, ich kann hier vorm Haus direkt mit dem Gleitschirm starten und dann nach Todtnau runterfliegen, da landen beim Bäcker die Brötchen kaufen und dann wieder heimlaufen oder kurz aufs Hasenhorn laufen und mit wenig Thermik wieder zurückfliegen, dann ist es wahnsinnig erfüllend, weil ich denke, hey, ich habe kein Auto gebraucht, ich musste nicht den Bus nehmen, ich brauchte keine öffentlichen Verkehrsmittel, ich habe einfach einen Schirm genommen und der hat mir geholfen mir so die Activities of Daily Living zu ermöglichen. Das finde ich auch erfüllend, also der Gleitschirmfliegen, an sich Füße vom Boden weg zu haben, vielleicht war auch der aller allererste Flug der erfüllendste, kann genauso gut sein.
Wann war der? Ich habe 2010 den Schein gemacht, da kann man dann von dem ersten Flug sprechen wahrscheinlich, aber mein allererster Flug war mit 6 oder 7, weiß es gar nicht ganz genau, ich kenne nur das Bild und so vom Alter her war ich glaube ich gerade schon in der Schule und unser
Werkstattmeister von der Sommer ihre Skischule, der Roland Lansch, der, vielleicht kennen den auch ein paar, der hatte eine Flugschule in Freiburg, aber nur im Sommer, weil ich glaube damals konnte man davon noch nicht das ganze Jahr leben und im Winter war der, hat der bei uns die Ski gewachst in der Skischule, war der Werkstattmeister und am Ende der Saison hat der Roland gesagt, hey wir machen einen Skilehrerausflug zu mir in die Flugschule und dann machen wir einen so einen Schnuppertag und ich war 6 oder 7 wie gesagt und hatte mir aber kurz vorher beim Snowboarden das Bein gebrochen und war total enttäuscht, dass ich da nicht mitmachen kann und ich war nicht glaube kein einfaches Kind wenn ich mich nicht bewegen konnte und war da den ganzen Tag nicht happy da an diesem Übungshang ich musste die ganze Zeit zuschauen und irgendwann kam dann der Roland und hat gesagt, komm Tim jetzt jetzt fliegen wir und du musst einfach nur auf einem Bein stehen können und ich zieh dich dann am
Gurtzeug nach vorne wenn der Wind passt und dann haben wir das gemacht und das war dann der erste Gleitschirm im Flug. Manchmal denke ich, da hätte ich dranbleiben müssen, dann wäre ich vielleicht jetzt auch ein besserer Streckenpilot wenn ich da dran geblieben wäre aber das war der erste Flug, das war ganz witzig. Mit 7 Jahren
dranzubleiben mit Gipsbein und sowas ist ja auch nicht gerade das leichteste. Das stimmt, ja. Hattest du denn in deiner realen Flugkarriere mit Schein hattest du damals jemals auch irgendwie ein negatives Erlebnis mit einem Unfall wo du sagst Gipsbein oder sonstiges?
Also toi toi toi auf Holzklopfen hier auf dem Tisch hatte ich noch keinen Gleitschirm Unfall.
Ich glaube auch, das ist auch was über was man sich freuen darf oder zufrieden sein darf damit. Das heißt man hat auch oft mal den Gleitschirm vielleicht im Rucksack gelassen wo es gefährlich geworden wäre.
Deswegen so einen richtigen Unfall nicht. Ich hatte einen Tag nachdem ich dann den Schein gemacht hatte habe ich gedacht, jetzt gehe ich Groundhandeln. Groundhandeln ist wichtig.
Und es war ein super böiger Tag. Aber damals habe ich mich also in dem Moment habe ich mich voll gefreut als die Böe kam, weil ich gedacht habe ja jetzt kann ich den Schirm aufziehen. Weil vorher stand ich 15 Minuten auf dieser Wiese dann im Skilift und es ging gar nichts. Da habe ich gedacht, da vorne fängt es richtig an zu winden. Und dann hatte ich auch den Epsilon den ich am Upload dabei hatte. Und dann hat die Böe den erwischt und ich habe den nicht über mich bekommen sondern der blieb so in der Powerzone 45 Grad vor mir stehen und ich habe ihn da gebremst und nicht die Hände hoch getan, dass der Schirm hoch kommt und dann hat es mich da 250 Meter über die Wiese und zwischen den Liftseilen durch und das war auf jeden Fall auch ein Learning. Ein prägendes Erlebnis. Dass man besser einen Schirm im Griff hätte wenn dann Wind kommt.
Ist ja auch gut, dass du das direkt am ersten Tag nach der Schulung dann hattest. Tatsächlich, ja. Hat sich dann eine Sicherheitsentwicklung daraus gegeben. Tim, ich danke dir für das tolle Erzählen. Ich bin mal gespannt, was, wenn du irgendwann mal einen neuen Traum entwickelt hast, was dann daraus wird. Also welcher Berg oder welches Hike and Fly Abenteuer daraus dann werden wird. Danke dir für diese Erzählung. Ich denke, dass einige da einiges auch daraus ziehen können für sich, so ein bisschen drüber nachdenken. Wie gehe ich denn eigentlich an so Bergabenteuer dran? Wo bin ich vielleicht ein bisschen zu forsch? Sollte ich vielleicht nicht etwas vorsichtig machen? Sollte ich ein bisschen vorsichtiger sein und manchmal wirklich den Abstieg auf jeden Fall lieber vorziehen? Ich denke, da werden manche sicherlich ganz gut beraten.
Danke dir für das Erzählen.
Vielen Dank dir, Lucian, für die Chance hier sein zu dürfen. Für die sehr interessanten Fragen. Ich glaube, ich habe in diesen ich weiß nicht, wie lange wir jetzt schon reden in der Zeit mehr über mich und mein Gleitschirmfliegen reflektiert, als ich das die letzten 15 Jahre gemacht habe. Vielen Dank dafür und auch vielen Dank für die vielen anderen Podcasts, die, glaube ich, ganz vielen Gleitschirmfliegern helfen, besser zu werden oder einfach das Fliegen wertzuschätzen. Danke dir. Ja, sehr gerne.
Das war die Episode 171 von Podz-Glidz mit Tim Fritz. Wenn du noch mehr solcher inspirierender und lehrreicher Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens hören willst, dann würde ich mich über deine Unterstützung für meine Arbeit freuen. Auf meinem Blog looglights.blogspot.com findest du unter dem Punkt Fördern alle nötigen Infos und Links, wie du dieses Projekt mit einem frei wählbaren großen oder kleinen finanziellen Beitrag mit am Leben halten kannst. Allen Förderern sage ich Danke. Bis bald. Fliegt hoch, fliegt lang, fliegt weit. Ciao. Euer Lucian.