Ein Grossteil der Menschen, auch ich, haben das Bedürfnis, dass man Dinge möglichst vereinfachen kann, nicht zu viele Denkleistung braucht für etwas und dieses Meteorbriefing nicht zu stark aufhält. Und dann ist natürlich so ein fein aufgelöstes Modell, das eigentlich sehr real aussieht, perfekt, um hier zu helfen. Und ich denke, das kann man nur immer und immer wieder sagen. Das sind super Werkzeuge, aber sie können genau im falschen Moment, wo man eben eine Gefahr ausschliessen möchte, versagen oder nicht funktionieren.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Roger Oechslin. Und ich bin Lucian Haas.
Alle Modelle sind falsch, aber manche sind nützlich. Dieser Aphorismus stammt vom britischen Statistiker George Box. Es ist eins der Lieblingszitate von Roger Oechslin. Der studierte Meteorologe und Fluglehrer gilt in der Schweizer Gleitschirmszene als wichtiger Influencer, wenn es ums Thema Flugwetter und entsprechende Bildung und Weiterbildung geht. Dazu gehört auch die Erkenntnis, viele Pilotinnen und Piloten verlassen sich heute bei der Einschätzung des Flugwetters fast blind auf Wettermodelle und entsprechende Wetter -Apps, ohne sich deren Grenzen bewusst zu sein. Ginge es nach Roger, würden wir uns vielmehr damit beschäftigen, die dynamischen Grundmuster hinter Phänomenen wie z.B.
starken Talwind oder seichtem Föhn zu verstehen. Denn es ist wichtig, die Unsicherheiten von Prognosen besser einschätzen und bei den eigenen Flugentscheidungen berücksichtigen zu können.
Solche besonderen Gespräche kann ich dir in Podz-Glidz übrigens nur präsentieren, weil es Förderer gibt, die meine Arbeit an dem Podcast finanziell unterstützen. Sei auch du mit dabei. Alle nötigen Infos dazu findest du im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern.
Roger, du bist Meteorologe und du fliegst Gleitschirmen. Erlebst du es manchmal, dass dir dein meteorologisches Wissen beim Fliegen gewissermassen im Weg steht?
Ja, das kommt ab und zu vor. Das kam vor allem direkt nach meinem Meteor -Studium vor. Als ich mir da zu viele Gedanken gemacht habe, überall Gespenster gesehen habe, da habe ich in der Zwischenzeit einen entspannteren Umgang damit und kann das differenzierter anschauen. Aber ja, das ist natürlich ein Thema, immer wenn man ein bisschen mehr weiss.
Was sind das für Gespenster gewesen?
Ja, dass ich überall Leesituationen entdeckt habe, wenn ich ins Feld geschaut habe. Dass ich selbst, wenn der Föhn nur schwach irgendwo ein Thema war, überall stark analysiert habe, wo könnte es ein Problem sein und vor lauter Verkopftheit dann auch weniger geflogen bin. Genau, das sollte eigentlich nicht das Ziel sein, aber das war halt der Weg.
Gibt es denn oder erlebst du heute auch umgekehrt die Situation, wo du sagst, ich als Meteorologe, dank meines tiefen Wissens kann jetzt Sachen und Zusammenhänge sehen, die dir beim Fliegen wirklich auch weiterhelfen? Also nicht nur als Gefahrenwarnung, sondern dass du damit quasi auch der bessere Pilot bist?
Ich denke, da gibt es sicher Situationen, wo es so ist, insbesondere im Umgang mit Gefahren. Also wenn man das ganze Gefahrendenken, ich nehme wieder das Beispiel Föhn, zu stark vereinfacht, dann wird man an Schwellwerte kommen, wie diese Hektopascal -Regel, die wir vermutlich alle kennen, wo uns dann auch gute Tage irgendwo durchzuschauen, wo uns dann auch gute Tage irgendwo durchzuschauen, wo uns dann auch gute Tage irgendwo durchzuschauen, man denkt dann ja, man kann nicht fliegen, weil der Wert ist ja erreicht, wir haben 4 Hektopascal und wenn man da ein tieferes Verständnis hat für das Konzeptionelle vom Föhn, wie der Föhn funktioniert, welche Treiber da alle drin sind, dann kann man an Tagen mit gutem Gewissen noch rausgehen, wo diese vereinfachten Regeln dann eben nicht mehr funktionieren.
Und da würdest du sagen, da hat man mit so einem klassischen Meteorologie -Studium tatsächlich einen Vorteil?
Ja, ich glaube, es ist weniger das Meteorologiestudium. Das, was uns treibt in unserem Sport, sind mehr vielleicht die Zusammenhänge aus der Meteorologie, aus der Theorie. Aber dann ist es viel Beobachtung im Feld, viel Erfahrung. Und das kann auch jeder, der nie ein Meteorologiestudium gemacht hat, kann sich das aneignen. Ich denke, den grössten Rucksack im Bereich Wetterverstehen für uns als Gleitschimpiloten oder auch sonst im Bergsport hatte ich in der Zeit als Gleitschimpfluglehrer, wo ich darauf gearbeitet habe und eigentlich immer wieder vor den Schultagen überlegen musste, was spricht dafür, dass ich heute fliegen kann. Auf welchen Faktoren, auf welchen Daten mache ich die Entscheidung?
Und dann auch wirklich immer wieder. Ich habe immer wieder draussen beobachtet, was dann effektiv passiert ist, wie sich das Wetter verhalten hat. Und ich denke, dieses Repetitive, das hat mir am meisten geholfen auf meinem Werdegang.
Das sagst du jetzt als Meteorologe, der dann auch Fluglehrer ist. Kann das denn ein Otto -Normal -Pilot, sage ich mal, kann der das auch? Also dieses Repetitive und wirklich immer sich mit dem Meteor so intensiv zu beschäftigen, zu sagen, jetzt rausgehen und was sehe ich dann draussen und sowas? Unbedingt.
Es bedingt natürlich. Es
bedingt natürlich
eine gewisse Offenheit für das Thema. Was auch hilft, sind Diskussionen mit anderen Piloten, mit Fluglehrern, mit Fachleuten zu den Themen, zu den Beobachtungen. Ich denke, am Schluss ist es viel einfacher, als das viele Leute denken. Es ist effektiv nur eine Art Training. Also ich beschreibe es immer so wie beim Sport. Wenn man ein Akromanöver zum Beispiel im Kopf visualisiert, dann kann man dasselbe auch mit dem Wetter machen. Man kann sich einen Wetterfilm, während man die Prognosen liest, während man die Wetterkarten anschaut, macht man wie einen Film im Kopf, was erwarte ich heute? Und wenn man das immer und immer wieder macht, kriegt man auch einen kritischen Zugang zu dem Ganzen.
Also ich meine jetzt im positiven Sinn kritisch. Man merkt, wenn das Wetter in eine ungeeignete Richtung geht, wenn plötzlich an einem Ort Wind ist, den man nicht einordnen kann, es wird böig. Wenn es zu stark thermisch ist, dann hat man ein Modell im Kopf, wo man immer wieder den Abgleich machen kann. Und da hilft natürlich das Meteorstudium, aber das kann mit Training, kann das eigentlich jeder so erreichen.
Würdest du dann empfehlen, jedem zu sagen, okay, guckt euch, macht euch vielleicht eine Routine, guckt wirklich jeden Morgen ins Wetter, selbst wenn ihr nicht fliegen geht. Also guckt euch mal die Wetterseiten kurz an, die Hauptwetterseiten, die ihr dann vielleicht auch fürs Fliegen nutzt und stellt euch dann mal vor, wie es im Tagesverlauf... ob das Wetter so sein sollte, von euren Vorstellungen her. Und dann guckt auch immer wieder alle zwei Stunden mal aus dem Fenster oder sonst was, selbst wenn ihr im Büro sitzt. Guckt euch vielleicht auch mal die Windstationswerte oder sowas an und vergleicht einfach. Ist das eingetreten, was ich mir vorgestellt hatte, wie es ablaufen soll?
Genau so, Lucian. Also wenn man das, wenn die Leute das ein bisschen für sich, wie soll ich sagen, wenn sie das ein paar Mal gemacht haben und gemerkt haben, wie einfach das eigentlich ist. Also man muss da nicht drei Stunden investieren. Man kann am Morgen die allgemeine Wetterlage lesen, also den kleinen Text. Was macht die Grosswetterlage? Auch das ist ein Thema, immer vom Grossen zum Kleinen gehen und sich dann das Wetter wie in den eigenen Raum hineindenken, hineininterpretieren. Und entweder schaut man zum Fenster raus, sollte man ja beim Arbeiten eh ab und zu machen. Oder man schaut am Ende des Tages. Oder man schaut am Ende des Tages Messwerte, wie du gesagt hast, oder auch Webcam -Bilder. Also ich meine jetzt auf Windy oder auf vielen anderen Wetterportalen kann man ja heute den ganzen Tag nochmal passieren lassen.
Man kann einen Radarfilm des Tages anschauen und so kann man auch seine Gedanken, seinen mentalen Wetterfilm überprüfen.
Wie genau meinst du, müsste man da täglich dann reingucken? Also ich kann ja auch irgendwo rein. Also allein wenn ich zum Beispiel sage, ich würde Windy aufrufen. Und den Windy kann ich aber, habe ich ja nicht nur ECMWF als Grundmodell, was dort eingestellt ist, sondern auch noch je nachdem, wo ich gucke, 13 andere im Grunde. Oder sieben oder was, die kann ich alle auswählen und könnte mir alles angucken. Muss ich mir die alle angucken oder wie gehst du bei sowas vor? Oder sagst du wirklich, nee, ich habe so ein Leib - und Magenmodell, das gucke ich mir hauptsächlich an und damit arbeite ich und das hilft mir dann
weiter. Also ich würde, wie gesagt, mal beim ganz Großen anfangen, weil das hat am wenigsten Details drin. Und verwirrt durch das am wenigsten. Das können auch Bodendruckkarten sein, wie sie von den nationalen Wetterdiensten da sind. Bei Meteo Schweiz gibt es so den allgemeinen Lagetext. Ich denke, so etwas gibt es auch vom DWD, so der übergeordnete Text. Und ich würde mal mit dem anfangen, weil sonst wird es sehr schnell komplex. Und dann würde ich den nächsten Schritt machen, sich ins eigene Fluggebiet, in die eigene Region reindenken. Also was heisst das bei mir? Wenn ich diesen starken Westwind habe, den ich die letzten Tage hatte, wo sehe ich, wenn eine Kaltfront kommt, die jetzt vielleicht im allgemeinen Text erwähnt wurde?
Und so kann ich mal eine Zeit machen und das ist schon eine gute Leistung. Und dann kann ich natürlich auch sensorisch mehr machen. Also ich kann anfangen, Details, von wo spüre ich den Wind, auch wie beim Sport visualisieren. Wie fühlt sich das an? Und dann wirklich als Mensch im Raum stehen und überlegen, was verändert sich. Auch den Tag, in welcher Himmelsrichtung. Wenn man dann, wie du gefragt hast, mit den Modellen ein bisschen detaillierter werden möchte, würde ich mit einem globalen Modell anfangen, auch wieder, um nicht zu viele Details zu haben. Das kann ein ECMWF sein, das kann ein GFS sein. Am Schluss spielt es gar keine grosse Rolle. Also ein GFS ist zwar gröber aufgelöst, aber es bleibt ein Modell.
Und die Denkleistung, dann wirklich ins Feine zu denken, das sollten wir auch da immer noch selber machen. Also man kann dann vielleicht ein bisschen mehr Winddetails rausschauen, auf verschiedenen Höhen. Und sich immer wieder überlegen, was heisst das für mein Tal? Bricht jetzt bei mir mit dieser Windrichtung der Föhn eher durch oder bricht er weniger durch? So Detailfragen von Meteogefahren. So die feinskaligen Modelle, die kann man dann schon nehmen. Die sehen ja dann auch schon sehr realistisch aus. Das wäre für mich erst der letzte Schritt. Aber wenn man diesen Weg gemacht hat, vom Groben zum Kleinen und sich immer wieder überlegt hat, was macht das Wetter, kann man nachher die feinen Modelle viel kritischer anschauen, weil auch die feinen Modelle sind Modelle.
Und Modelle sind nur ein Abbild der Realität und werden mit allen Errungenschaften, die wir schon haben, und die sind immens und die werden noch immens sein, wird es immer Fehler drin haben. Und mit diesem Denken, das ich hier beschreibe, kann man diesen Fehlern auch ein bisschen kritisch entgegentreten und sie erkennen oder besser erkennen.
Aber du würdest schon noch diesen klassischen Weg, also wie du ihn jetzt beschreibst, ist ja so ein klassischer, wirklicher meteorologischer Weg, sage ich mal. Ich gucke mir erst die grosse Wetterlage an und dann gehe ich ins Kleine. Ich meine, heutzutage mit den für uns Flieger sehr schön aufbereiteten Seiten, ob jetzt Burn Air, Paraglideable, Meteo Parapont und was es da auch alles so gibt, könnte man ja auch sagen, ich gucke nur da, ich muss mich gar nicht um die grosse Wetterlage gar nicht so kümmern. Ich rufe einmal Burn Air auf und gucke so ungefähr, ist in dieser Thermikdarstellung, ist da alles irgendwie im grünen oder sogar blauen Bereich oder so in dem Bereich, wo ich fliegen gehen will. Dann kann ich so, sieht eigentlich alles damit ganz gut aus. Dann rufe ich vielleicht noch die Punktprognose für meinen Startplatz auf und sage, ja, da sieht der Wind auch alles fliegbar aus und Thermik scheint es auch ein bisschen zu geben und es regnet nicht.
Also kann ich einfach fliegen gehen. Reicht sowas nicht eigentlich schon? Ja. Das
Problem ist, dass es in vielen Situationen reicht, mit Betonung auf vielen Situationen. Es ist eben erstaunlich, ich selber als Meteorologe und ich habe ja auch in der Modellierung gearbeitet, bin fasziniert, was heute alles möglich ist. Das Problem ist, dass es in einigen Situationen nicht funktioniert und das sind vor allem in Situationen, wo feinskalig, also kleine Wetterphänomene irgendwo am wirken sind, die in einem Tal, vielleicht mehr wirken als im anderen und das Wettermodell hat in dieser feinen Differenzierung immer noch Mühe. Wenn man das Wettermodell dann zu fest, egal auf welche Plattform, zu fest im Detail anschaut, um zu entscheiden, kann ich ja oder nein,
dann ist es von mir aus gesehen eine gefährliche Anwendung dieser super Tools. Also die Tools sind super, aber sie werden falsch angewendet. Wenn man jetzt eben von grossen zum kleinen geht, dann hat man schon, wenn man jetzt von grossen zum kleinen geht, dann hat man schon, wenn man jetzt von grossen zu kleinen geht, dann hat man schon, das grosse Bild und weiss schon auch, das könnte heute zur Gefahr werden, das eher nicht. Dann ist eigentlich erst der letzte Schritt, solche Plattformen zu konsultieren, aber mit dem nötigen Hindegrundwissen und dann funktioniert das von mir aus gesehen wieder besser. Also als erstes reinzoomen und den Winterpfeil des Startplatzes anschauen und aufgrund von dem eine Entscheidung, Also nicht als erstes reinzoomen und den Windpfeil des Startplatzes anschauen und aufgrund von dem eine Entscheidung, treffen, sondern mal ganz gross rausgehen und überlegen, was habe ich heute für Themen?
Könnte Föhn ein Thema sein? Könnten Gewitter ein Thema sein? Starker Talwind, was auch immer? Und erst ganz am Schluss mache ich eine Überprüfung mit diesen feinen Plattformen. Von mir aus sind auch nicht die Plattformen das Problem, dass vielleicht die Leute teilweise fehlgeleitet werden. Es ist nicht das Hauptproblem. Es ist eine Haltungsgeschichte, dass man natürlich möglichst einfach, also man möchte nicht da ellenlang Dinge anschauen, sondern wenn es ein Angebot gibt, das einem eigentlich diesen Weg, diese Denkarbeit abnimmt, dann ist das ein natürliches Bedürfnis der Menschen. Und ich denke, da möchte ich ein bisschen sensibilisieren, dass es ein super Werkzeug ist, aber es muss richtig angewendet werden mit einer kritischen Haltung.
Ich mache jetzt mal einen Fass auf,
von dem ich nicht weiß, ob du mir was dazu erzählen kannst, aber Paraglidable ist ja so das erste Angebot gewesen, wo eine KI nicht etwas entscheidet, sondern eine KI mir eine Wettersituation darstellt. Einfach, wo die sagt, die hat GFS genommen und hat gesagt, wir verbinden diese Wetterlagen und gucken dann, wo wurde bei solchen Wetterlagen geflogen und das Modell lernt dann entsprechende Muster, bei den Wetterlagen wurde halt geflogen und gibt dann letzten Endes so eine Prozentzahl aus, wo sie sagt, da kann man wahrscheinlich gut fliegen oder nicht so gut fliegen. Nun kam man heute mit, ich glaube Paraglidable ist 2018 oder irgend sowas erschienen, also schon lange vor dem großen Peak der KI mit den großen Sprachmodellen und alles, was seitdem da noch gekommen ist.
Man könnte sich jetzt vorstellen, dass es wahrscheinlich mit KI noch viel, viel mehr möglich wäre. Glaubst du, dass das ein Weg ist, dass man irgendwann sagt, man hat so seine Flug -KI, die wirklich mit ganz, ganz vielen Flugdaten aus den letzten zehn Jahren und ganz, ganz vielen Wetterlagen aus diesen da alles trainiert wurde, wo man vielleicht auch wirklich Stationsmessungen und sonstiges mit reinnimmt, also nicht nur einfach die GFS als Modell, sondern wirklich, was wurde real vor Ort gemessen von einzelnen Sachen und dass man da sogar was rausziehen könnte, wo man sagt, ich frage jetzt einfach meine KI, ist dieser Tag fliegbar oder nicht?
Da bin ich sicher, dass wir hier in der Technologie noch einiges besser werden, sei das mit numerischen Wettermodellen oder eben auch mit dem Fall KI, den du beschrieben hast. Das wird aber das Problem nicht lösen, wenn man zum Beispiel die Unfallzahlen als Mass nimmt, wird durch das die Unfallzahlen nicht reduziert werden, weil der Mensch, der reagiert darauf, der Mensch, sobald man mehr differenzieren kann, geht er mehr ans Limit und er versucht immer mehr diese grünen Inseln von fliegbaren Situationen rauszusuchen, sich irgendwo im Modell eben in der grössten Zoom -Stufe «Ah, da ist was, ich mache es jetzt bewusst ein bisschen übertrieben und bei dem Berg kann ich noch fliegen, bei dem nebendran nicht».
Und der Mensch macht das dann mit, dann haben wir ein anderes Problem, insbesondere mit KI, dass wir natürlich Piloten haben mit sehr verschiedenem Skillniveau und nicht jeder Pilot zu jedem Zeitpunkt irgendwo am richtigen Ort ist, ein anderer vielleicht schon. Und das ist natürlich schwierig, dass mit solchen Algorithmen auch sauber zu trennen, dass das für die Leute nachher ein realistisches Bild für sie selber gibt. Also es gibt, auch das führt zu einer Scheingenauigkeit, die am Schluss von mir aus gesehen zu einem Risiko wird. Auch da bin ich der Meinung, auch wenn wir irgendwann solche Tools haben, wird es den Weg, den ich am Anfang beschrieben habe, vom Grossen zum Kleinen,
zusammen mit einem konzeptionellen Verständnis für unsere meteorologischen Gefahren, um das werden wir auch dann nicht herumkommen.
Du gibst ja selber auch Weiterbildungen in Meteorologie.
Was sind da so die Punkte, wo du merkst, die Leute, die zu dir kommen, das verstehen die am wenigsten? Oder da kann man am wenigsten aus diesen Modellen rausziehen, die schon da sind und da mangelt es einfach an Wissen und an Verständnis?
Also das, was ich generell feststelle, ist einfach eine zu starke Vereinfachung, ein zu schematisches Wissen um die Meteorgefahren. Um da Beispiele zu nennen, es ist bei vielen stark verankert, dass der Talwind, die Stärke des Talwinds maßgebend durch die Labilität oder durch die Thermik, die wegsteigt, getrieben wird. Jetzt kann man solche Leute fragen, ja, aber hast du auch schon erlebt, dass es ganz stabil war, Hochdruckwetter, und im Unterwall war es zum Beispiel ganz starker Talwind. Wie kannst du dir das erklären? Du konntest nirgends Thermik fliegen, aber trotzdem war starker Talwind da. Und dann merken sie, ah ja, irgendwo geht das nicht auf. Und ich denke, das Problem ist, auch bei den Prüfungen für die Piloten, ist das zu stark zum Teil schematisiert,
dass man dann das Wissen einfach zu einfach irgendwo ablegt und denkt, ah, mit dem kann ich die Probleme lösen. Und dann wird eine vermeintliche Lösung plötzlich zu einem Problem, weil man einen Hike and Fly macht an einem ganz stabilen Tag und irgendwo am Nachmittag landet und merkt, ah, ich fliege rückwärts, was ist da los? Das andere ist natürlich die ganze Geschichte mit dem Föhn. Da gibt es so das
Schulbuchkonzept mit diesem schönen, zuerst trocken, adiabatisch aufsteigend, dann feucht, wo man die Erwärmung erklären kann und alles. Und dann merkt man, hm, dieses Schema, dieses Modell, das funktioniert, das funktioniert dann trotzdem nicht überall. Jetzt kommt da plötzlich einer und sagt, seicht der Föhn. Nur schon das Wort können viele nicht einordnen. Sie haben es zwar schon gehört und es wird in der Szene breit diskutiert, aber viele können das nicht einordnen und wissen auch nicht, was es für sie beim Fliegen heisst. Ein anderes Beispiel, was ich auch sehr spannend finde, der starke Talwind schützt mich vor dem Föhn. Für mich ist es umgekehrt. Wenn der Talwind an einem föhnigen Tag unerwartet stark wird, heisst es,
weiter hinten im Tal, da ist der Föhn am Wirken, der macht, dass es da einen Druckfall gibt und dass so der Talwind zunehmen kann. Das ist die umgekehrte Logik. Das sind so Dinge, die ich versuche mit den Leuten Schritt für Schritt, natürlich nicht so viel auf einmal wie jetzt hier im Podcast, aber das versuche ich mit den Leuten Schritt für Schritt anzuschauen und so das Konzeptionelle im Kopf ein bisschen besser, zu ordnen und zu festigen.
Jetzt denke ich, dass ein paar Leute, die hier zugehört haben, Fragen haben. Ja, ja. Also die bei denen aufkommen, die natürlich sagen, oh, jetzt hat der Themen angerissen, das interessiert mich jetzt auch. Vielleicht können wir das relativ kurz mal abhandeln, dass aber kurz das Modell dahinter, also das Gedankenmodell dahinter erklärst, wie sowas funktioniert. Also erste Frage, warum kann der Talwind an so stabilen Tagen trotzdem so stark werden?
Weil es nicht vor allem die Thermik ist, die wegsteigt und in dem Modell die Luft nachsaugt, sondern es ist effektiv eine stärkere Erwärmung generell der ganzen Talluft durch das, dass einfach in den Tälern weniger Luftvolumen da ist, also weil die Berge halt Volumen wegnehmen als im alten Vorland. Und diese Erwärmung macht, dass die ganze Luftsäule über dem Tal wie in vertikal ein bisschen anwächst. Wenn man das nachher irgendwie in einem Querschnitt vom Mittelland bis ins Tal anschaut, merkt man, dass das Luftniveau oder wenn man zum Beispiel eine Druckfläche nehme,
800 Hektopascal Druckfläche, dass die dann über dem Tal höher liegt als über dem alten Vorland. Und das gibt dann natürlich ein Gefälle in der Höhe, wo die Luft 800 Hektopascal im Tal ein bisschen höher ist als im alten Vorland. Und so fängt die Luft in der Höhe an, Richtung Mittelland zu fliessen oder Richtung alten Vorland. Irgendwann hat man dann da wie zu viel Luft und dann gibt es eine Gegenströmung, die nachher ins Tal reingeht. Das ist so ein grösseres Bild. Ist vielleicht schwierig, hier ohne Visualisierung so zu erklären, aber es macht ein grösseres Bild im Kopf. Es wirken grössere Kräfte, als wenn da nur eine Wolke, eine Thermik am Saugen ist und den Talwind nachsaugt.
Das System ist vielfältig, vielgrösser in der Grössenordnung als nur dieses Thermikdenken. Also es ist wie ein Riesenförderband, was dort angeworfen wird, so ein Luftförderband. Eine Zirkulation. Es ist eigentlich eine Zirkulation, die vom Vorland ins Tal reingeht. In der Höhe merkt man das nicht, weil das kann sich natürlich
vertikal über eine grosse Fläche verteilen. Und so merkt man nicht, dass der Wind da rausgeht, aber konzentriert im Tal, treibt das eigentlich zu einem grossen Teil den Talwind an.
Und der fließt dann dort rein, aber letzten Endes könnte es an wirklich Tagen sein, wo man beim Fliegen sagt, heute ist es bockstabil, ich komme gar nicht hoch, aber wenn ich tiefer sinke, komme ich in einen sehr starken Talwind rein und ich frage mich dann halt, wie kann das sein?
Genau. Und was natürlich auch eine Rolle spielt, man kann das Ganze immer, jedes Phänomen, jede Gefahr, kann man wie ein Rezept anschauen. Man kann sich überlegen, was treibt den Talwind? Eben, das ist diese verschiedene Erwärmung, dass es im Tal stärker erwärmt als im alten Vorland. Es ist aber natürlich auch, wenn der Wind, der überregionale Wind, in das Tal reingeht, in diese Richtung zeigt, taleinwärts, hat das einen unterstützenden Charakter. Wenn man eine Inversion genau an einem richtigen Ort hat, wo es auch vertikal diesen Talwind ein bisschen einschränkt, kann das zu einem Venturi -Effekt, zu einer Verstärkung führen. Das sind verschiedene Komponenten, die da reinspielen.
Das war jetzt ein Thema. Das andere Thema, seichter Föhn. Hast du schon angesprochen? Was ist Föhn und was ist seichter
Föhn? Also, seichter Föhn ist ein Föhn. Es gibt einfach verschiedene Arten von Föhn, die auch nicht trennscharf schwarz und weiss unterschieden werden können. Das ist mal das Wichtigste zum Verstehen. Vielleicht zuerst den Föhn, der auch so von der Allgemeinheit als Föhn, verstanden wird, auch ausserhalb der Gleitschirmszene. Das ist so der Föhn, den man wirklich dann in den Bergen an verschiedenen Orten merkt, vor allem diesen klassischen Föhntellern, wo auch in der Textprognose meistens erwähnt wird. Der ist vertikal recht hoch ausgeprägt, kommt da über die Alpen wie ein Bach, das einen gewissen Wasserstand hat.
Und im Gegensatz ist der seichte Föhn eigentlich nur, wie der Name schon sagt, ein seichtes Überfließen dieser Alpenpässe. Also es hängt vor allem damit zusammen, wie hoch kommt die Luft über die Berge hinweg. Ist es wirklich wie ein Fluss, der über die Alpen geht, oder ist es nur ein kleines Rinnsal, ein Bächlein, das über die Berge geht. Das ist so eine Unterscheidung. Dann beim klassischen Föhn oder bei diesem hochreichenden Föhn ist auch der Höhenwind meistens, in den meisten Fällen, aus einer südlichen Richtung unterstützt das Ganze. Beim seichten Föhn kann der auch aus einer östlichen Richtung kommen, er kann aus einer anderen Richtung daherkommen.
Aber ist ein seichter Föhn, wenn das nur so ein Rinnsal ist, was dann da teilweise über die Pässe fließt, ist der trotzdem gefährlich?
Der ist trotzdem gefährlich, weil der vielfach auch an Orten wie Rhein laufen kann, wenn man sich das als Wasser vorstellt, wo man sonst bei anderen Föhnlagen vielleicht eher geschützt ist, wo das Ganze... Ich habe vorher schon die Analogie Bach reingebracht. Ein Bachbeet kann je nach Wasserstand das ganz andere Strömungsmuster annehmen, als wenn das nur wenig Wasser ist. Und wenn dann noch ein bisschen die Richtung ändert, das versuche ich mir so vorzustellen, es kommt so ein Zuläufer im Bachbeet von der Seite von rechts oder links und hat noch ein bisschen Wasser, das daherkommt, dann haben wir ganz verschiedene Strömungsmuster. Wenn man natürlich an einem Ort ist, wo der Föhn selten kommt und jetzt ist das auch in der Textprognose,
wird nichts gross von Föhn gesagt, kann das Überraschungseffekte geben. Das ist von mir aus gesehen ein bisschen das Problem vom seichten Föhn. Es spricht niemand von einem Föhnsturm, die wenigsten erwähnen es und es hat teilweise andere Strömungsmuster als jetzt der klassische Föhn.
Wie kann ich jetzt als... Pilot, der jetzt nicht voll ausgebildeter Meteorologe ist, wie kann ich erkennen, heute könnte ein seichter Föhn ein Problem werden? Also
da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das eine sind natürlich diese feinen Wettermodelle, die du gesagt hast, wo man die Strömungsmuster schon gut sieht, aber eben nicht perfekt. Da muss man einfach kritisch anschauen und denken, hey, ich sehe da einfach mal, seichter Föhn könnte ein Problem sein, ja oder nein. Nicht wo, zu welchem Zeitpunkt. Sondern er könnte ein Problem sein. Woran sehe ich das denn dann?
Weil du sagst, in diesen Modellen kann man das vielleicht sehen, aber was ist das? Worauf muss ich da achten?
Also wenn du in der Höhe, ca. auf 2000 Metern, jetzt so als Modellfläche schaust, dass so in den Tälern aus einer südlichen Richtung stärkere Winde drin sind, die über die Pässe kommen und dann eben wie Wasser so sich Richtung Norden den Weg bahnen. Das wäre so ein Ding, was
man da
sehen könnte. Also ich sehe,
wie so stark wehen Zungen, die sich da raus, die Zähler rauszüffeln. Ja, genau.
Aber eben, seichter Föhn muss nicht da im Dunkelroten drin sein oder welche Farbskala auch immer verwendet wird. Es ist einfach ein Muster. Ah, wieso kommt jetzt das aus Süden? Komisch. Es ist einfach anders vielleicht als jetzt an einem sonst sonnigen Hochdrucktag. Man merkt, man hat eine Strömung aus südlicher Richtung. Was man auch sehen könnte, teilweise ist natürlich die Druckdifferenz das Klassische, aber auch das kann fehl leiten. Man muss nicht unbedingt in der Prognose 4 Hektar Pascal haben, dass es so seichten Föhn geben kann. Und von mir aus gesehen das Wichtigste sind die Previtemps, das ist so die Thermikprognose,
also nicht die Thermikprognose, der Temp, also der Temperaturverlauf aus dem Modell. Und wir haben da in der Schweiz können wir Nord und Süd vergleichen für verschiedene Schnitte und da sieht man auch so auf der Höhe der Alpenpässe, dass dann im Norden die wärmere Luft drin ist als im Süden. Also vom Süden her kommt kältere Luft, die dann über diese Pässe drücken kann. Und das ist ein Indiz, dass ich da viel verwende. Ist natürlich jetzt, wenn man das so hört, wow, was soll ich jetzt genau machen? Tönt kompliziert. Das ist etwas, was man ein paarmal gemacht haben sollte. Grundsätzlich einfach, das könnte man auch aus einer Flächenkarte nehmen, es muss im Süden die kältere Luft haben und das vor allem so auf Passhöhe oder leicht drüber, eben so 2500 Meter, wenn da kältere Luft ist, gibt das höheren Druck und das führt dazu, dass die Luft über die Alpenpässe gedrückt wird.
Also da könnte ich zum Beispiel auch in Windy reingehen, mir die Temperaturkarten aufrufen, den Höhenregler auf 2000 Meter stellen und wenn ich dann sehe, okay, auf der Südalpenseite ist es etwas bläulicher und auf der Nordalpenseite sind die Farben grünlicher, offenbar ist es auf der Südalpenseite etwas kälter als auf der anderen Seite, das sind so Tage, da sollte ich vorsichtig sein.
Ja, das Problem ist halt da mit der Skala, jetzt vor allem bei Windy, dass du ansprichst, dass die Temperatur in diesen Unterschiedsbereichen, in diesen Grad, zu wenig rauskommt. Also man muss die Farbskala, das kann man ja bei Windy machen, extrem tunen und da würde ich empfehlen, wirklich die feinsten Modelle zu nehmen, einfach als ein Alarmzeichen. Es ist wichtig, solche Prognosen nicht nur auf einem Wert zu basieren, sondern dass man da verschiedene Dinge anschaut. Und ich glaube, das Motto im Zweifelsfalle hilft einem da, dieses schwierige Phänomen,
wo man Fußprognosen heraussuchen kann oder abschließend eine Antwort findet, damit umzugehen. So das Thema Verzicht, es gibt auch noch andere Sportarten und wenn es halt so ein potenzieller seichter Föhntag ist, da gibt es auch andere Dinge, die man machen könnte.
Oder andere Fluggebiete? Also gibt es eigentlich, ist seichter Föhn nicht hauptsächlich für ein paar Täler dann relevant, wo man sagen kann, da kann es am ehesten reinschwappen, die vermeide ich dann einfach, aber es gibt sicherlich andere Bereiche, wo ich dann oder würdest du sagen, nein, es gibt so Seichtfönlagen, da wäre ein genereller Verzicht im Bereich der Alpen dann sinnvoll?
Nein, es gibt natürlich die Distanz zu dem Alpen - Hauptkamm, das macht schon mal viel aus. Also ich spreche jetzt da den Jura an, da ist man schon weiter weg. Für mich ist es, ich möchte da keine generelle Aussage machen, also in Zwischenzeit weiss man ein bisschen, dass es problematische Föhntäler für diesen seichten Föhn gibt, also Wallis, das Obere Engelberg, da gibt es einige, wo da reagieren, aber auch meine Liste ist nicht abschliessend und ich finde es da wichtig, dass man auch mit den lokalen Piloten, vielleicht auch mit den lokalen Fluglehrern kontaktiert, mit denen spricht, was heisst das bei dir und nicht eben einfach ein solches hoch aufgelöstes Modell nimmt und anhand von dem da kann ich noch und da kann ich nicht, weil diese Modelle sind im Bereich der Föhn in diesen Fragen oft auch überfordert.
Und das andere, was man natürlich machen kann ist beim Startplatz einfach auch da kritisch zu sein, also der Mensch hat auch ein bisschen eine Tendenz, was ihm auch nicht hilft, dass er, wenn er mal irgendwo etwas wahrgenommen hat, eine Ampel, ein Grün oder für sich etwas Moll, doch heute ist ein guter Tag, dass er dann zu stark mit Scheuklappen unterwegs ist und die Umgebung zu wenig wahrnimmt, dass es halt doch mal entgegen dem, was er zuerst geplant hat, schlechter werden könnte, der Wind plötzlich böig wird aus einer komischen Richtung, dass man da offen bleibt, diese Alarmzeichen aufzunehmen.
Du hast jetzt schon häufiger von diesen Grenzen der Modelle gesprochen. Wird das eigentlich nicht zu wenig in der Meteo -Ausbildung auch von den Gleitschirmfliegern thematisiert? Also man sagt immer, ja guck in die Modelle rein, dann siehst du wie das Wetter wird und man hat die App und kann sagen, gib mir genau für x, y die Windwerte aus, die werden auch von dem Modell irgendwie direkt rausgespuckt oder zwischen zwei Modellpunkten interpoliert rausgespuckt oder was auch immer. Es sieht dann so real aus, aber wie kriegt man in die Köpfe von den Leuten rein zu sagen, hey, das ist nur ein Modell. Das muss nicht der Realität entsprechen oder wird wahrscheinlich an den seltensten Punkten, wo du dann wirklich vor Ort bist, genau dieser Realität entsprechen.
Also das Bewusstsein für das ist, bin ich ganz sicher, dass das zu wenig da ist. Das kann man nicht generell so sagen, das hängt natürlich stark darauf an, wo habe ich, wo wurde ich ausgebildet, in welchem Club, in welchem Umfeld war ich unterwegs, wie diese Sensibilisierung für das Thema da ist. Viele der Menschen oder ein Großteil der Menschen, auch ich, haben das Bedürfnis dieser Einfachkeit, dass man Dinge möglichst vereinfachen kann, nicht zu viele Denkleistung braucht für etwas, und dieses Meteorbriefing nicht zu stark aufhält und dann ist natürlich so ein fein aufgelöstes Modell, das eigentlich sehr real aussieht, perfekt, um hier zu helfen.
Und ich denke, das kann man nur immer und immer wieder sagen, das ist auch von mir die wichtige Message hier, das sind super Werkzeuge, aber sie können genau im falschen Moment, wo man eben eine Gefahr ausschliessen möchte, können sie versagen oder nicht funktionieren und das ist sehr trügerisch. Sie sehen sehr gut aus, es sieht aus wie die Realität, aber es ist nicht die Realität und es wird auch nie die Realität sein. Es gibt einen Statistiker, der sich sein Leben lang mit Modellen beschäftigt hat, der George Box, der hat mal gesagt «All models are wrong, but some are useful.» Also es sind immer alle Modelle irgendwo falsch, weil es sind Abbilder der Realität.
Und das finde ich sehr wichtig, das irgendwo zu wissen. Und das zweite Bedürfnis ist natürlich bei uns im Sport auch steigend. Wir sehen immer, dass überall irgendwo geflogen wird und dann denkt man, ja, warum kann der andere das? Wahrscheinlich hat er mit dem Supermodell das Ganze gemacht. Und das Bedürfnis, heute möchte ich fliegen, irgendwo, eben du hast gesagt, könnte man bei Föhn nicht an einen anderen Ort, so ist die Denkweise. Ja, wir sind ja sehr mobil und der All Modell, im alten Bereich sind wir schnell an einem anderen Ort. Ich finde einen Ort, wo ich heute noch fliegen kann. Und auch da denke ich, da muss jeder für sich selber mal wieder fragen, muss das wirklich sein oder können wir da nicht einen Schritt zurückgehen, vor allem bei Leuten, die noch nicht einen grossen
Flugrucksack haben, von der Erfahrung und vom Können her.
Dann hast du gesagt, all models are wrong. Ich habe es auch schon häufiger erlebt, dass ich ins Wetter gucke, Modell sagt, starke Böen, voraus, in den Bereichen, wo ich fliegen könnte, ich verzichte dann dort drauf. Dann gucke ich später, was ja viel passiert, dann guckt man ins Live -Tracking oder sonst was sieht, oh, da fliegen wirklich Leute und dann fragt man nachher nochmal, wie war es eigentlich vor Ort, wie waren die Bedingungen und die sagen, war super sauber, also war überhaupt gar kein Problem. Die Böen, die waren prognostiziert, 35er, 40er, aber unten kam überhaupt nichts davon an, das war eigentlich alles ganz ruhig. Man konnte super fliegen. Ich habe mir damit mit meiner Vorsicht, und zu sagen, ich bin mal ein bisschen demütig, ich halte mich zurück, bei diesen Böen -Werten gehe ich grundsätzlich nicht fliegen oder sowas, habe mir damit letzten Endes einen Flugtab genommen, ihn mir geraubt.
Also es gibt die beiden Seiten des Falschseins des Modells. Es kann mir vorgaukeln, das sind vielleicht gute Bedingungen, aber dann schwappt mir trotzdem der seichte Föhn irgendwo rein und haut mich dann runter, aber kann mir auch vorgaukeln, hey, es ist eigentlich viel zu heftig und letzten Endes ist es eigentlich gut fliegbar. Wie kann man, oder gibt es eine Möglichkeit zu lernen, dass man erkennen kann, okay, in welche Richtung ist das Modell denn vielleicht heute eher
falsch? Das Problem ist halt, dass diese Optimierung, dieser Drang zur Optimierung und eben man sieht die anderen immer, dass man da zwei Dinge durcheinander bringt. Das eine ist, kann geflogen werden und das andere ist, das präsente Risiko in dem Moment, dass es eben kippt. Und an einem Tag, wo der Föhn, wirklich das Föhnrisiko oder dass er durchbricht, relativ hoch ist, da bin ich mit gereinigt. An vielen Tagen kann dann geflogen werden, aber das heisst ja noch lange nicht, dass es sinnvoll ist, wenn der schon an der Tür klopft, hey, jetzt braucht es noch zwei Grad Erwärmung, dann bin ich da. Und jetzt hatten die Piloten gerade Glück, dass er nicht kam.
Also das ist rein vom Lernen her, vom Lerneffekt, ist das eine Sackgasse, eine sehr gefährliche Sackgasse. Und das sind natürlich die neuen Medien, alle Livetracks, die wir haben, fördern dieses Problem, dass man immer sieht, ah ja, der hat es ja noch geschafft. Man weiss zum einen nicht, ob das vielleicht ein viel besserer Pilot war und das macht einfach viel aus. Und man weiss nicht, wie viel es noch gebraucht hätte, dass es dann wirklich gekippt wäre. Also das ist auch mit auch andere, also wir sind jetzt immer beim Föhn, auch Kaltfronten etc., wo man früher einfach ein bisschen, du hast das Wort Demut gebracht, eine demütigere Haltung hatte dem gegenüber, werden heute aufgeweicht, weil, ja, das konnte ich handeln mit meinem Schirm, das habe ich noch geschafft.
Und das ist jetzt vielleicht ein bisschen eine provokante Aussage, aber so fahren wir unseren Sport an die Wand.
Jetzt habe ich, kriege ich auch manchmal als Frage gestellt von Leuten, die das auch so beobachten, die dann sagen, ja, mit dem Klimawandel werden viele Bedingungen irgendwie heftiger. Die Leute merken auch, Thermiken sind heute irgendwie anders, als sie vielleicht früher mal waren, weil sie sich teilweise im Tagesverlauf einfach heftiger entwickeln oder länger in den Abend noch heftig anhalten und sonst was alles. Inwieweit das mit dem Klimawandel zu tun hat, kann man vielleicht in Frage stellen und sonst was, aber solche Sachen, ist das nicht etwas, wo man irgendwann sagen kann, hey, wenn wir unseren Sport weiter betreiben wollen, müssen wir aber auch lernen mit solchen extremeren Situationen besser umzugehen.
Ja, man muss lernen damit umzugehen. Ich denke jetzt insbesondere mit diesen zusätzlichen Wetterphänomenen oder Gefahren, die die Klimaerwärmung bringt. Also wir hatten ja Sommer, wo wir plötzlich Phänomene hatten, die wir hier vielleicht eher aus den Ferien kennen, so Dust Devils, überhitzte Luft an Startplätzen, an Landeplätzen, die dann plötzlich zu starken Turbulenzen, zu so rotierenden Turbulenzen geführt haben. Das heisst halt auch vielleicht rein von der Tagesplanung her, der Nachmittag könnte wie in anderen Fluggebieten, wo man das ja schon ein bisschen kennt, ist dann plötzlich tabu.
Je nach Flugniveau macht es dann einfach keinen Spass oder es ist gefährlich zu fliegen. Irgendwo bei sehr überhitzter Luft am Nachmittag in einem grossen Tal drin, vielleicht nicht der richtige Ort. Und ich denke, das ist schon etwas, aber es ist mehr ein Haltungsthema. Wie gehe ich mit dem um? Lieber ein bisschen defensiv und eben nicht immer zu jedem Zeitpunkt irgendwo fliegen wollen.
Wenn jetzt ein Pilot neu anfängt und sich so reinfuchst in die Fliegerei, wenn er dich jetzt hört und sagt, okay wunderbar, der Roger sagt, ich soll demütig sein, ich soll vorsichtig sein, ich soll, wenn die Modelle vielleicht auf gelb stehen, dann gehe ich lieber nicht fliegen oder sowas. Wie kann er dann noch ein guter Pilot werden, wenn er sich eigentlich nie den schwierigeren Lagen aussetzt? Das
ist nicht meine Message, also ich muss das jetzt vielleicht ein bisschen relativieren, so wie du das gesagt hast. Ich finde, man soll sich weiterbringen. Es gibt ja das Flow -Modell, so zwischen Unterforderung und Überforderung. Ich finde es wichtig, dass man als Pilot ständig in der Forderung drin ist und sich versucht, Ziele zu setzen, Dinge trainiert. Aber trainieren heisst nicht mit allen anderen bei einem starken Tag möglichst schnell nach der Ausbildung ins Wallis zu fahren und einen grossen Streckenflug zu machen. Trainieren heisst sich wirklich zu überlegen, welche Aufgabe bringt mich weiter. Groundhandling, ein Siku machen und dann das, was ich am Anfang gesagt habe, Wetter visualisieren.
Wenn man das konsequent macht und nicht einfach immer im Wettkampfmodus ist, sondern wirklich im Trainingsmodus, dann bin ich überzeugt, dass man weiterkommt und dann eben auch ein Skillniveau erreicht, wo man an Tagen fliegen kann, wo der Anfänger dann einfach nichts machen kann oder vielleicht besser am Boden bleibt. Auch diese starken Tage, die ich angesprochen habe, das sind dann auch viel die Tage, wo man sehr hoch über den Alpen fliegen kann, mit einer sehr hohen Basis. Aber in dem Moment schaffe ich es auch in den richtigen Höhen zu sein und nicht irgendwo im Talwind in dieser turbulenten, überhitzten Luft mich einer Gefahr auszusetzen, sondern ich bin dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort, weil ich den Weg so trainiert habe.
Es ist natürlich, also wenn man das jetzt ein bisschen relativiert, das wäre der Idealweg. Auch ich hatte Dinge, wo ich zurückgeworfen wurde oder wo ich in die Überforderung reinging. Wir sind in einem Werksport und nicht in einer Turnhalle. Wir haben ein sehr komplexes Umfeld und es gibt immer wieder Situationen, wo wir plötzlich denken, was habe ich falsch gemacht und es wird dann wirklich vielleicht auch mal gefährlich. Das gehört auch zum Lernen dazu. Im Idealfall sind wir in dieser Lernzone zwischen Unter - und Überforderung.
Du hast gesagt Wetter visualisieren. Wie wichtig wird zu sagen oder ist es auch eine Möglichkeit, dass man sagt, ich fahre grundsätzlich einfach immer raus. Ich nehme den Schirm mit, gehe aber wirklich mit der Einstellung ran, ich fliege dann nur, wenn ich vor Ort absolut sehen kann, es ist safe, woran auch immer ich das dann meine, erkennen zu können. Aber dass man sich trotzdem halt nicht nur zu Hause und letzten Endes dann vielleicht mit irgendwelchen Live -Tracks und Windwerten und Webcam -Bildern nur beschäftigt, sondern sagt, nee, Wetter muss man eigentlich mit allen Sinnen erfahren. Am besten gehst du wirklich immer an den Startplatz, du startest halt bloß nicht immer.
Also ich finde das ein sehr guter Weg, wenn ich mir das so überlege. Die einzige Schwierigkeit wird der Mensch selber sein. Also da muss man fast Zen -Meister sein, dass man dann wirklich eine objektive Entscheidung trifft. Aber das ist natürlich auch eine Art Training. Das Nein sagen, das wieder runterlaufen, jetzt zum Beispiel bei einem Hike and Fly, das ist etwas, das kann man auch trainieren. Und ich habe viel bei mir, ich gehe viel Hike and Flyen, habe auch viel den Schirm dabei, ich nehme ihn einfach mal mit. Und das ist auch eine Art von Training, einfach mal zu sehen, ja, ist es jetzt kompatibel? Ist der Flug, den ich machen möchte, ist das Wetter, bin ich so, wie ich dastehe, mit meinem Material, mit dem, was ich kann, kompatibel und soll ich starten?
Ja, nein. Ein super Training, aber es braucht dann viel, dass man wirklich sagen kann, ja, nicht auspacken, wieder runterlaufen. Aber vom Lerneffekt her natürlich sehr, sehr gut. Auch Flugschulen zum Beispiel, wo ich habe schon das Wort gehört, heute für Wetteroptimisten, und dann geht sie zum Startplatz, das kann natürlich, man kann im Theorieraum noch lange Meteorschulungen machen, da findet das statt, was der Pilot wirklich können muss. Wetter zu fassen, wahrzunehmen, wie kommt der Wind, was macht er, wie böig ist er, und passt jetzt das für uns? Und wenn das natürlich gut moderiert ist, das ist ein riesen Lerneffekt.
Kennst du Piloten, die das Wetter im Grunde, also die gar nicht in Wetterkarten und sonstiges reinschauen, sondern die das Wetter nur aus dem Bauch heraus gefühlt abschätzen, aber letzten Endes damit auch safe sind?
Da bin ich sicher, dass es das gibt, und das ist natürlich, da kommt die Intuition dazu, wenn man lange in einem Gebiet unterwegs war, wo man sehr viele Erfahrungen gemacht hat, wie verändert sich der Wind, wenn das passiert, wie nehme ich die ersten Zeichen wahr für etwas, das für mich zu einem Problem werden kann, das finde ich nicht verwerflich. Wenn das jemand für sich selber so macht, an einem Ort, wo er viel Erfahrung hat, ich finde einfach heute, wo wir die Möglichkeiten dieser digitalen Welt, dieser Informationen hat, wenn man sie sinnvoll einsetzt, plus eben die Wahrnehmung im Gelände, da kann man maximal safe unterwegs sein. Und vielleicht nochmal, ich finde nicht, dass man jeden Tag irgendwo eine halbe Stunde da Wetter machen muss, das soll ein Ritual werden, das auch irgendwo effizient sein darf,
sonst machen es die Leute nicht. Und ich bin stark der Meinung, dass man das, wenn man das wiederholt macht, ein Verständnis kriegt für die Prozesse, dass man da immer und immer schneller wird. Guckst du, auch wenn du nicht fliegen gehen willst, guckst du täglich ins Wetter? Ja, ich habe mir ein bisschen angewöhnt, dass ich täglich einfach die allgemeine Lage ein bisschen folge, anschaue und ein bisschen bewusster auch, wenn ich im Büro bin, zum Fenster raus, was verändert sich da draussen. Wie lange braucht so eine Grundeinschätzung bei dir? Eigentlich ist es die Morgenroutine neben dem Kaffee, kurz die App auf und da durchgehen. Welche App machst du dann auf? Bei mir ist es, in der Schweiz haben wir eine komfortable Lage mit der Meteo Schweiz, wo wirklich vor allem in der Textprognose von Menschen geschrieben eine hohe Qualität bringt für mal die grobe Einschätzung.
Du hast eine Seite, also auch Social Media, da bist du drauf als Cloud unter dem Namen, glaube ich, auch bekannt. Und da postest du manchmal sehr schöne Zeitrafferaufnahmen von Wolkenentwicklungen im Tal, wo man dann auch sehen kann, wie so ein Talwind fließt oder wie Wolken über einen Hang, über den Grat drüber fließen und so etwas. Müsste so etwas eigentlich nicht viel mehr eingesetzt werden, um den Leuten ein bisschen vor Augen zu führen, wie so strömungstechnisch Wetter in so Tälern funktioniert?
Das wäre genau das. Das ist didaktisch für dich ein super Werkzeug, wo man gar nicht viel erklären muss. Eben nicht so umständlich, wie ich jetzt vorher da den Talwind erklärt habe, ohne etwas zu sehen. Man kann sich eigentlich als Lehrer oder Instruktor kann man sich zurücknehmen und einfach die Leute mal das Ganze anschauen lassen, wirken zu lassen. Und da muss man gar nicht mehr viel ergänzen, weil ein Zeitraffer zeigt so schön, wie sich die Wolken bewegen, was passiert. Man kann zum Beispiel Föhneffekte also so Lee -Situationen super visualisieren. Das hatte ich vor ein paar Wochen mit Nebeldynamiken gemacht. Und man sieht dann plötzlich, auf der hinteren Seite löst sich die Wolke auf. Das ist dieser Lee, dieser Erwärmungseffekt, den man auch beim Föhn hat.
Man kann das sehr viel zeigen. Und ich setze das sogar für mich ein. Wir haben vorher den Startplatz angesprochen. Ich bin unsicher, habe Zeit, was passiert da draussen, möchte mir ein Bild machen. Und vor allem natürlich, es muss Wolken haben, sonst wird es schwierig. Dann nehme ich mal das Handy, stelle es an einen Stein für 10 Minuten, eine Viertelstunde und schon bewegt sich das vor mir. Und ich habe einen viel besseren Eindruck, was da los ist.
Du nimmst dann wirklich vor Ort einen Zeitraffer auf, um es dir danach, das, was in einer Viertelstunde passiert ist, guckst du dir dann in 15 Sekunden an, so ungefähr. Genau.
Die meisten Zeitraffer, die ich mache, ich mache wirklich viele, lade ich nachher nirgends hoch. Das ist einfach für mich selber, um mein Verständnis zu fördern. Das kann auch mal einfach im Gebiet sein. Einfach da und beobachten, was passiert. Das braucht nicht eine Kamera, aber dann natürlich mehr Geduld, wenn man es so macht.
Was mich bei solchen Zeitraffern immer fasziniert, ist zu sehen, manchmal so eine Dynamik, die sich aufbaut, das sieht manchmal aus wie, als wäre man am Meer, also das Wolkenmeer, aber jetzt ein reales Meer. Da schwappen wie so Wellen heran und schwappen dann mal quasi über so einen Grad und dann zieht sich das aber auch wieder zurück und dann kommt der nächste Wellenschwapp da drüber und sowas. Woher kommt das, dass überhaupt solche Wellen dann da entstehen können? Und dass man damit auch wirklich sagen kann, es gibt vielleicht Situationen, in denen man, wenn man auf der Lehseite dieses Grades fliegen könnte oder würde, wo man sagt, ich kann vielleicht 5 Minuten längs fliegen und es ist safe, weil gerade nichts drüber schwappt und in den nächsten 5 Minuten schwappt was drüber, da ist es kacke und die nächsten 5 Minuten ist es wieder safe und je nachdem wann ich dahin komme, habe ich vielleicht gerade Glück, die richtigen 5 Minuten zu erwischen, aber woher kommt überhaupt dieses Wellenartige, das Pumpartige von solchen Situationen?
Zum einen kann man es recht direkt mit Wasser vergleichen, wenn man das Wort Wellen nimmt, die kältere Luft, die darunter ist, wärmere Luft darüber und dann haben wir auch, ohne dass wir Wind haben, haben wir schon mal Wellen, wir haben einen Vorstoss des Wassers, es geht wieder zurück, wir haben diese eher turbulenten Brandungen, die wir uns vielleicht auch irgendwo im Gelände vorstellen können und dann kommt noch der Wind drüber, vielfach sind ja an Luftmassengrenzen, an Inversionen, Windscherungen drin und das kann dann nochmal andere Dynamiken geben, im Extremfall so Kelvin -Helmholtz -Wellen, die dann wirklich brechen, so diese Instabilitäten und das kann man sehr gut vergleichen, das ist auch, finde ich, ein gutes Bild, um den Piloten ein bisschen zu sensibilisieren, hey, wie du gesagt hast, jetzt im Moment, gut, aber in den kleinen Größenordnungen kann sich im Leere sehr schnell wieder eine problematische Situation bilden.
Ich möchte noch auf – das
ist mir gerade noch eingefallen – eine Sache von den Modellen zurückkommen. Du hast gesagt, all models are wrong. Das Interessante für uns ist ja, also manchmal sind sie nützlich, hast du auch gesagt, und das Interessante ist aber auch zu sehen, es gibt Tage, da treffen Modelle ziemlich gut zu für einen Punkt vielleicht und an anderen Tagen nicht so gut.
Wie kann ich auf einfache Weise vielleicht für einen Tag checken, passt heute das Modell zu dem, was draußen ist? Also nicht nur das, indem ich vielleicht aus dem Fenster rausgucke und sage, naja, das Modell sagt mir gerade, es soll regnen, aber jetzt gerade scheint die Sonne. Passt vielleicht nicht so ganz, aber wie kann ich etwas systematischer vielleicht checken, kann ich heute diesem Modell vertrauen oder muss ich sagen, nee, das hat wahrscheinlich der letzte Lauf, der hat das irgendwie ein bisschen falsch gerechnet, warum auch immer. Der Wetterablauf wird etwas ein bisschen ein anderer sein. Gibt es da so Möglichkeiten, wie ich das auf einfache Weise irgendwie checken kann?
Also deine Frage, ob es jetzt mal funktioniert oder nicht, das kann man machen, da werden ja die meisten Modelle oder viele Modelle werden heute aus Ensembles gerechnet und auf verschiedenen Plattformen hat man auch schon Produkte, wo man ein bisschen sieht, ein Ensemble ist ja nichts anderes als ein Modell wird mehrere Male gerechnet und am Anfang wird eine kleine Störung reingebracht, und man sieht nachher, wie das Modell darauf reagiert. Wenn das Modell stark darauf reagiert und in eine andere Richtung geht, merkt man auch, es ist sich seiner Aussage generell nicht so sicher. Also wenn es einmal 5 Grad Temperatur und mit einer kleinen Störung in den Anfangsbedingungen dann plötzlich nach zwei Tagen irgendwo 4 Grad Unterschied, 10 Grad Unterschied oder was auch immer bringt, dann merkt man, das Modell ist sich da nicht sicher.
Und da gibt es in verschiedenen Plattformen, zum Beispiel MeteoBlue gibt es da Aussagen über die Treffsicherheit zum Beispiel. Man kann diese klassischen Spaghettiplots anschauen, wo man sieht, wie es auseinander geht, oder immer häufiger werden auch statt deterministische Karten, ja, nein oder welcher Wert, werden Wahrscheinlichkeitskarten gerechnet, wie hoch ist zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass es Niederschlag gibt, mit solchen Dingen kann man da noch ein bisschen mehr rausnehmen oder eben sehen, wie du gefragt hast, ob sich das Modell sicher ist. Was ich auch wichtig finde ist, welches Modell ein bisschen für was, also es gibt
Modelle können für verschiedene Dinge auch wie getunt sein.
Es gibt zum Beispiel in der Windenergie gibt es Modelle, die einfach nur für den Wind genau auf dieser Höhe stark, stark optimiert werden. Und das ist jetzt schwierig für uns als Laien da irgendwo zu sehen, ja welches für was. Aber wir können ein bisschen verfolgen, bei welchem Phänomen das Wettermodell eher gut vorhergesagt hat und bei welchem Phänomen es immer ein bisschen Mühe hat. Also kann es gut Hochnebel vorhersagen, ja, nein und so habe ich auch ein bisschen ein Gefühl, wie ich mit dem Modell arbeite. Aber das ist schon hohe Kunst, also das ist eigentlich schon ein bisschen das Handwerk des Meteorologen im Prognoseoffice drin, wirklich diese Unterschiede zu nehmen und auch sinnvoll mit diesen zu arbeiten, weil da sind wir sehr stark im Bereich Optimieren drin.
Aber machst du denn zum Beispiel solche Sachen, du hast morgens früh in das Modell reingeguckt, hast auch gesehen, ok, wie soll zum Beispiel die Wolkenbedeckung sein zu bestimmten Zeiten und dass du dann, du bist am Startplatz, sagen wir du hast um 8 Uhr das Wetter gecheckt, hast dir so geguckt, wie so die Wolkenentwicklung sein, aber du siehst, ah, da soll ein Wolkenband irgendwann dickeres, soll um 10 Uhr reinziehen und um 12 Uhr wieder weitergezogen sein oder sowas. Ist sowas, dass du dann sagst, ich bin dann am Startplatz, ich ruf mir dann auch nochmal meine App auf und guck wirklich ins aktuelle Satellitenbild, wo liegt dieses Wolkenband, um dann zu sagen, hey, das Modell hat gesagt, das sollte eigentlich schon hier quer über den Alpen so und so liegen, aber es liegt jetzt noch weiter im Westen oder ist schon weiter im Osten oder was auch immer, um zu sagen, na, offenbar hinkt dieses Modell der Entwicklung hinterher oder hat sie viel schneller gerechnet, als sie eigentlich kommt, also dass du auch so einen Abgleich machst, um dann zu sagen,
na, dann muss ich heute etwas vorsichtiger mit diesen Modellwerten sein. Dann kann ich auch sagen, Börner hat mir folgendes, zeigt mir jetzt für Startplatzprognose Windentwicklung so und so an, aber wenn schon die äußert, also äußerlich sichtbare Entwicklung irgendwie zeitlich eine andere ist, kann ich eigentlich auch dem nicht mehr so ganz vertrauen.
Ja, also das mache ich generell so, dass ich unterwegs nochmal, also zu Hause natürlich das Modell und vielleicht schon einzelne Messungen dann unterwegs nehme ich Messungen und schaue raus, also was ist, wie ist der Vergleich. Ich habe den Wetterfilm am Anfang angesprochen, so das Drehbuch, das Visualisieren des Wetters und wenn das nicht das Gleiche ist, was ich vor Ort sehe mit den Wolkenbändern oder dem Wind, was auch immer, dann weiss ich schon, ah, der Film läuft anders, entweder mache ich dann nochmal eine Überprüfung mit dem Modell oder wie du gesagt hast, sage ich, ja, das ist vielleicht heute nicht genau so, wie das Modell denkt. In dem geschilderten Fall ist das ja noch kein Problem.
Höchstens, dass es halt vielleicht eine Abschattung gibt für einen Streckenflug, wenn ich es nicht gerne habe, dass ich noch kurz warte mit Starten, aber das mache ich immer, diese Überprüfung zum schauen, was ist Modell, was ist Realität und wie ist das, was ich mir als Film zurechtgelegt habe, wie entspricht das der Realität.
Und wie gehst du dann vor Ort damit um, wenn du siehst, eigentlich kann ich dem Modell von der zeitlichen Ablauf und sowas oder auch von dem, was es gerechnet hat, nicht vertrauen. Also beispielsweise das Modell hat dir Regen angezeigt, du siehst aber jetzt scheint die Sonne und auch noch länger und ich gucke ins Satellitenbild und sehe, nee, da ist ein sehr großes Wolkenloch, also das wird wahrscheinlich auch nicht so schnell sich Regen bilden, weil es auch jetzt kein Gewitterregen sein sollte oder sonst irgendwie was, das da was überentwickelt.
Wie geht man dann oder wie würdest du dann sagen, wie sollte man dann vorgehen, wenn man eigentlich sagt, das Modell kann ich für heute in die Tonne kloppen, das stimmt nicht. Was mache ich dann als Otto Normalpilot, der jetzt nicht super Meteor ausgebildet ist und eigentlich sonst immer seiner App vertraut und jetzt einfach feststellen muss, sie stimmt nicht.
Also ich überlege mir, welche Gefahr oder was ich mir überlegt habe, was ja heute ein Thema sein könnte und versuche die Fragen für mich im Kopf zu beantworten, ist da wirklich was oder ist das ein Gespenst, was ich da sehe. Und erst, wenn ich die Fragen beantwortet habe und mir mit gutem Gewissen sagen kann, hey, da ist wirklich nichts, dann kann es ja sein, dass das Modell mal pessimistischer war und ich mir das, wenn ich mir das dann erklären kann, schönen Flug. Also
wenn da wirklich mit den Messungen, mit allem, was man sieht, alles im Grünen ist und ich vielleicht nicht für einen ganz Anfänger, aber für jemand, der schon ein bisschen konzeptionelles Wissen hat, kann man da auch mal Gespenster wegzaubern.
Gibt es eine Wetterlage, wo du sagen würdest, das ist so deine Lieblingswetterlage, wo du weisst, ich muss quasi nur den Text Wetterbericht bei Meteo Schweiz lesen und ich weiss schon heute, es ist einfach safe zum Fliegen. Ich kann einfach rausgehen, ich muss mich gar nicht mehr gar nicht gross weiter mit dem Wetter beschäftigen.
Ja, das kommt ein bisschen auf die Jahreszeit an. Also was ich ich sohre sehr gerne und durch das habe ich die Wiese gerne, wenn die Wiese kommt. Also nicht in einer starken Ausprägung, aber so Wiese und nicht zu labil, also nicht gerade Frühling. Das gibt vor allem so bei mir in der Nähe recht gute Fluggebiete, wo ich dann einfach, wo ich mich freue und dann ein bisschen ums Ohren gehe. Genau.
Und dann guckst du auch gar nicht mehr tiefer ins Wetter, sondern siehst einfach nur Wiesenlage, keine Überentwicklung und sonstiges. Nicht so labil. Heute kann ich fliegen gehen.
Ja, genau. Also die Wiese ist ja auch meistens mit Hochdruck gekoppelt, wo dann auch die ganzen Störungen, Kalt -Warnfronten, Tiefdruckgebiete ein bisschen weiter weg sind. So die klassische Wiesenlage. Genau. Wohlfühlwetter.
Und zum Abschluss, gab es auch schon mal Wetterlagen, wo du dich, oder was heisst Wetterlagen, gab es Situationen, wo du dich wettertechnisch trotz deines vielen Wissens letzten Endes völlig verschätzt hast und damit dich selber in Gefahr gebracht hast?
Also gab es sicher viele Situationen. Konkret weiss ich so ein Ereignis, das ich vor vielen Jahren in Südafrika mal hatte. War einmal ein paar Wochen in Südafrika und da waren wir in Kapstadt an diesem Tag vom Signal Hill und ich kannte das Fluggebiet nicht wirklich gut. Alle haben da gesagt, sie lesen das Wasser draussen, eben wie es mit dem Wind ist. Ich bin da geflogen und habe es geschafft, mich ins Lee eines Hochhauses zu verfrachten. Weil ich einfach total ein falsches Konzept hatte, was der Wind unten macht. Und bin dann auch tief über eine Strasse geflogen, Richtung Strand. Da kam vieles zusammen. Sicher nicht nur das ungenügende Wissen, sondern auch ein bisschen der Faktor Mensch.
Ich habe mich da schon beim Feierabendbier gesehen mit den Kollegen am Meer unten. Vieles, das da reinspielt. Das passiert auch einem Metrologen. Es ist immer der Mensch, der am Schluss die Entscheidung trifft und der mit den Informationen umgehen muss. Und da hilft halt das Wissen in gewissen Bereichen nur bedingt.
Also auch du als Meteorologe vergisst manchmal die Meteorologie?
Ich vergesse sie oder habe meinen Fokus vielleicht an einem anderen Ort, aus irgendwelchen Gründen. Und ich denke, das ist neben der Meteorologie das grosse Thema, wo die Piloten an sich arbeiten können. Wie nehme ich, also wie gehe ich mit meinem Fokus um beim Fliegen? Welches Situationsbewusstsein habe ich? Weiss ich wirklich was um mich? Worum läuft es? Was macht das Wetter? Wo sind die anderen Piloten? Wo sind die Leersituationen? Das ist auch viel Arbeit. Das ist genauso kompliziert wie das Meteor. Und sicher auch ein grosses Lernfeld, wo man zu einem sicheren und auch zufriedenen Piloten werden muss, kann. Und nicht, wie du es vorhin gesagt hast, nur noch bei ganz safen Bedingungen fliegen.
Also wenn man die beiden Komponenten Meteor und Mensch gut im Griff hat, dann kann man eigentlich viel fliegen. Und bei Bedingungen, wo man wirklich sagen kann, doch, jetzt habe ich mich an den richtigen Ort gebracht und bin mit einem tiefen Risiko unterwegs. Und das macht Spass.
Ok. Über den Faktor Mensch sprechen wir dann vielleicht in einer späteren Podcast -Folge irgendwann mal. Für heute lassen wir es mal genug sein. Roger, vielen, vielen Dank für dein Erzählen. Ich hoffe, dass einige Leute was da rausgezogen haben und auch gelernt haben, Demut ist manchmal angebracht. Gleichzeitig muss man sich auch manchmal etwas fordern, um im Flow zu kommen und zu sagen, ein bisschen Forderung ist immer gefragt, damit man auch wettertechnisch ein bisschen mehr lernt, dass dann flugtechnisch auch die etwas vielleicht grenzwertigen Wettersituationen entsprechend handeln zu können. Danke dir für deine Zeit. Vielen Dank dir. Das war
die Episode 173 von Podz-Glidz mit Roger Oechslin. In den Shownotes findest du Links unter anderen zu einer Reihe interessanter Wetter - Zeitraffer -Videos. Schau mal rein. Wenn du noch mehr inspirierende Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens hören willst, dann gibt es dafür zwei wichtige Schritte. Erstens, du abonnierst Podz-Glidz im Podcatcher deiner Wahl, um keine Folge zu verpassen. Und zweitens, du wirst zum Unterstützer meiner Arbeit. Auf meinem Gleitschirm-Blog Lugleiter findest du unter dem Punkt fördern alle nötigen Infos und Links, wie du diesem Projekt mit einem frei wählbaren, großen oder kleinen finanziellen Beitrag weiter eine Basis geben kannst.
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