Das war eine Harakiri -Nummer. Aber damals waren wir halt voller Enthusiasmus und ich kam ja vom Filmen und wollte immer neue Perspektiven zeigen. Der Traum war natürlich aus der Schirmkappe. Nur die Kamera hat damals neun Kilo gewogen und da war natürlich keine Chance damit zu starten in der Schirmkappe, viel zu schwer. Also habe ich dann im Flug die Kamera hochgezogen, fixiert mit dem Kabel für die Stromversorgung natürlich, dann die Kamera eingeschaltet und mich selbst gefilmt.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Henry Hauck. Und ich bin Lucian Haas. Am
Anfang der Historie des Gleitschirmfliegens waren alle Pioniere. Man stürzte sich mit nur leicht umgebauten, rechteckigen Fallschirmkappen vom Berg und segelte ohne Helm auf dem Kopf, ohne Rettung vor der Brust und ohne Protektor unterm Hintern ins Tal. Henry Hauck ist einer dieser Pioniere und das sogar im doppelten Sinn. Denn er war auch einer der Ersten, die die Faszination des Gleitschirmfliegens mit der Kamera eingefangen und als Film ins Fernsehen gebracht haben. Von 1986 bis 1981. Anfang der 2000er Jahre, also noch vor der Gründung von YouTube, war Henry einer der führenden Dokumentarfilmer dieses Sports. Viele namhafte Größen der damals noch jungen Paragliding -Szene haben mit ihm zusammengearbeitet.
Zumal er als ausgebildeter Kameramann mit Kinoerfahrung die Kunst beherrschte, mit seinen Bildern nicht nur Sehnsüchte zu wecken, sondern auch fesselnde Geschichten zu erzählen. Heute ist Henry 74 und noch immer süchtig nach dem Gleitschirmfliegen. Wie er in dieser Episode 178 von Podz-Glidz erzählt. Darin geht es vor allem noch einmal zurück in die Anfangszeiten des Paraglidens und Parafilmens, als das Festhalten von Action noch weitaus mehr erforderte als eine GoPro auf dem Helm.
Solche besonderen Gespräche kann ich dir in Podz-Glidz nur präsentieren, weil es Förderer gibt, die meine Arbeit an Podcast und Blog finanziell unterstützen. Bist du dabei? Alle nötigen Infos dazu findest du im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern.
Henry, bist du schon mal mit einer GoPro auf dem Helm geflogen? Nein. Warum nicht? Du bist Filmemacher.
Eben darum. Nein, ich muss ja zugeben, die GoPro hat inzwischen ja auch eine Auflösung, die sogar kinogerecht ist. Aber ich habe mich eigentlich immer gewehrt. Und in der Zeit, in der ich Filme gemacht habe, gab es eigentlich noch gar keine GoPro. Und in der Zeit, in der ich Filme gemacht habe, gab es noch gar keine GoPro. Die GoPro kam ja erst um die Jahrtausendwende, glaube ich. Und ich habe ja schon viel früher angefangen, Filme zu machen. Und ich gebe auch gerne zu, die GoPro hat die ganze Filmerei schwer verändert. Was früher sehr, sehr umständlich und aufwendig war, ist dann halt durch diese kleine, superleichte Kamera sehr viel einfacher geworden. Hättest du
dir denn bei deinen frühen Filmprojekten, dein erster Gleitschirmfilm ist von 1986, hättest du dir damals gewünscht, eine GoPro zu besitzen? Wenn du das so heute siehst, was damit möglich ist?
Keine Frage, keine Frage. Ich muss mich jetzt auch gerade ein bisschen korrigieren. Ich habe ja viel später einen Film gedreht, Adrenalin. Und damals hatte ich von GBC den Vorläufer einer GoPro. Das war, die hat ungefähr die Größe von einer Zigarettenpackung. Vielleicht ein bisschen größer als eine Zigarettenpackung. Und die konnte ich damals in den Schirm rein montieren. Mit einem Schaumstoffpolster habe ich die zwischen den A - und B Leinen in der Mitte befestigt. Und konnte halt diese Aufnahmen mich selbst filmen. Und vor allen Dingen konnte ich filmen, ich glaube damals einen Film mit Mike Köhn gedreht, wie Thermik eben sein Agro -Programm geplogen ist, mit dieser Kamera im Schirm.
Aber also mit anderen Worten, ja. Ich hätte mir schon gewünscht, was zu haben. Weil ich wollte ja immer diese Einflüsse haben. Diese Einstellungen haben, aus der Schirmkappe runter auf den
Piloten. Dieser erste Film, den ich von dir gesehen habe, dieser von 1986, Gegenwind heißt der. Da geht es um einen letzten Endes, vielleicht nicht den ersten, aber einen der ersten Flügel von mehreren Piloten, die dann oben von der Zugspitze vom Schneeferner Kopf aus starten und runterfliegen. Und du dokumentierst im Grunde die Auffahrt, Gespräche mit Meteorologen, die starten oben raus und zeigst dann auch den Flug. Bei diesen Flugaufnahmen gibt es auch schon eine kurze Szene, wo aus der Kappe rausgefilmt ist.
Ja, das war eine Harakiri -Nummer, die ich nie wieder machen würde. Aber damals waren wir halt voller Enthusiasmus. Und ich kam ja vom Film und wollte immer neue Perspektiven zeigen. Und der Traum war natürlich aus der Schirmkappe. Nur die Kamera hat damals neun Kilo gewogen. Neun Kilo? Neun
Kilo, ja. Das war auch noch keine klassische Videokamera wie heute. Nee, das war richtig
Film noch. 16 mm ARRI -ST, ARRI -Standort, mit einer 30 -Meter -Kassette. Und da war natürlich keine Chance, damit zu starten in der Schirmkappe. Viel zu schwer, ja. Also habe ich die und das siehst du dann auch in der einen Szene, in der Vielzahl von Leinen und Kabeln, die da hochgingen. Ich habe oben zwischen A - und B Leinen kleine Roller gespannt, Leinen durchgeführt und dann im Flug die Kamera hochgezogen. Fixiert mit dem Kabel für die Stromversorgung natürlich. Dann die Kamera eingeschaltet und mich selbst gefilmt. Der Nachteil oder das Problem war dann, als ich die Kamera runterlassen wollte, hat sich das ganze System verhakt und ich konnte sie nicht mehr runterlassen.
Die hingen dann irgendwo in der Leingabel oben fest, so? Zwischen A und B. Und dadurch hat sich ja der Anstellwinkel des Schirms extrem verändert. Ja. Wohlgemerkt, es gab noch keine Rettungsschirme damals, ja. Also ich bin in den Landeplatz praktisch reingecrasht. Die Kamera fiel nach vorne runter, aber es ist eine sehr stabile Kamera gewesen. Der Kamera ist nichts passiert. Mir ist auch nichts passiert, außer eine Crashlandung. Die Szene im Film ist aber auch wirklich sehr kurz. Ja, ja, weil erstmal hatte ich nur noch 30 Meter Filmmaterial zur Verfügung. Und die einzig brauchbare Sequenz, also 30 Meter waren ungefähr drei Minuten. Und die einzig brauchbare Sequenz aus dieser Szene war eben die, die jetzt im Film ist.
Das andere war halt in der Aufregung Kamera zu früh eingeschaltet oder versehentlich eingeschaltet. Und es war also nachher, nach der Entwicklung des Films hat man halt gesehen, diese paar Sekunden waren das einzig brauchbare von diesem ganzen Aufwand. Was ist das Risiko, das man immer hat, wenn man nicht gleich selbst durchs Okular gucken
kann? Ich meine, da oben mit dem Hochziehen und sowas, du konntest ja auch nichts scharf stellen oder sowas. Heute bei den GoPros, die haben so breiten Winkel, okay, da ist alles irgendwie scharf. Aber das war damals mit den Kameras ja, glaube ich, noch nicht so mit den Objektiven. Oder war das auch ein großes Objektiv, wo das ging?
Das war ein Weitwinkelobjektiv, 8 Millimeter. Eigentlich vom 35 Millimeter, eigentlich war 16 Millimeter vom 35 Millimeter Film gerechnet. Bei 16 Millimeter waren das, das ist dann ungefähr 8 Millimeter. Also ein Weitwinkelobjektiv, wie es die GoPro halt auch heute hat.
Wie hat man sich sonst auch die Aufnahmen damals vorzustellen? Du hast immer neun Kilo Kamera rumgeschleppt und musstest zwischendurch diese 30 Meter Kassetten tauschen, weil du sagst, drei Minuten sind schon wieder rum. Also für so einen Flug da oben, wie viele Kassetten hat man dann da mit? Und wie geht so was? Also
erstens mal, diese Kamera, mit der ich gerade spreche, war ja die kleine Kamera. Den Film habe ich eigentlich mit der ARRI SR gedreht. Das ist auch eine 16 Millimeter Kamera, aber die Profikamera, wie sie damals von allen Fernsehstudios benutzt wurde. Und ich habe ja auch fürs Fernsehen gearbeitet und musste so eine Kamera benutzen. Die hatte dann schon 120 Meter Kassetten, sprich zehn Minuten. Und war natürlich noch mal schwerer. Das nicht vergessen, zu der Kamera selbst kam ja noch ein Akku, der Akku war ja auch sehr, sehr schwer, weil die Kapazitäten, damals kannte man nicht solche leichte Akku. Da gab es noch gar keine Lithium
-Akkus und so was? Nein, nein, nein. Waren
das noch Blei -Akkus, die da dran geflasht wurden?
Das waren alles
Blei -Akkus. Und wenn man die Akkus, die hat man bei ARRI für teures Geld gekauft, wenn man sie aufgemacht hat, hat man gesehen, da waren ganz ordinäre Zellen drin, mit denen man den Akku aufladen konnte. Also die große Kamera war schon, die war schon wesentlich schwieriger. Damit bin ich aber nie geflogen. Dazu war die zu teuer. Da war mir das Risiko zu groß, dass da irgendwas mit der Kamera passiert.
In diesem Film Gegenwind, neben dieser Szene aus der Kamera, gibt es auch eine ganze Reihe von Luftaufnahmen, wo du wirklich, ich nehme an, du warst es, aus dem Fliegen heraus einen anderen Schirm von oben, von der Seite und sowas verfolgst, untermachst. Hast du das dann da auch mit dieser kleinen Handkamera gefilmt, bevor du sie oben in die Kappe gemacht hast? Oder wie ging das?
Ja, ja, das waren ja immer verschiedene Flüge. Also für Gegenwind, das waren bestimmt insgesamt 20 Flüge. Also diese POV -Fliege sagt man dazu. Wo ich aus dem Schirm selbst gefilmt habe. Die
waren aber dann nicht alle von der Zugspitze, oder seid ihr 20 mal auf die Zugspitze hoch? Nein, nein, die waren nicht alle.
Wenn du genau guckst, siehst du, dass es auf andere Landschaften sind. Ein Teil war auch im Zillertal getreten. Und das ist ja auch die Story von diesen Firmen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich mich ja nicht als Filmemacher gesehen. Ich war Kameramann, habe für den WDR gearbeitet, für den BR gearbeitet, für das ZDF gearbeitet und habe mit dem WDR eine Vereinbarung gehabt. Ich habe viele Kletterfilme gemacht. Ich schicke ihnen das Material, entwickle es und sie machen draußen Beiträge. So lief das immer ganz gut. Und eines Tages kam ich hier eben zu dem Redakteur und sagte, pass mal auf, ich habe da was Neues. Ich habe angefangen mit Gleitschirmfliegen. Das wäre doch interessant, das wäre was ganz Neues für euch.
Ja, ja, war er begeistert. Und ich habe angefangen zu drehen und dachte, das ist unsere Vereinbarung, so wie sie immer war. Nur kam dann ein paar Wochen später ein Anruf. Redaktionskonferenz hätte beschlossen, sie hätten gerade was über Fallschirmspringen gemacht und würden jetzt eben nichts über diesen neuen Sport machen, weil der so sehr mit Fallschirmspringen verbunden sei. Dann stand ich da, hatte 5.000 DM damals schon an Material verjubelt. Das war ja sehr teuer. Eine Kassette hat ungefähr 110 DM gekostet. Das ist Entwicklung nochmal dasselbe. Und dann brauchtest du eine Arbeitsgruppe und pipapo. Also das war sehr teuer und das Geld war weg. Und dann hatte ich die Idee, was mache ich jetzt?
Und so kam dieser Flug, einer der ersten Flüge von der Zugspitze. Das war dann die Story für den Film mit dem Material, das ich vorher ab schon irgendwo gedreht hatte. So ist der Film dann entstanden. Und der Film selbst war ja dann super erfolgreich zur allgemeinen Überraschung. Der ist auch dann... Der ist beim
ZDF gelaufen, wenn ich es richtig
weiß. Der ist beim ZDF gelaufen, ist bei Rai gelaufen, ist bei Nicole Hubert, der hat Ushaya gemacht. Das war damals diese Extremsport -Sendung in Frankreich.
Und letztendlich hat ihn der WDR, der ihn damals abgelehnt hatte, viel später dann doch auch noch gekauft. Also da bin ich sehr gut rausgekommen aus diesem Projekt. Also deine 5.000 Euro Kosten hast du dann auf jeden Fall wieder reinbekommen. Die hatte ich mehrfach reinbekommen. Und das war ja auch der Auslöser zu sagen, ah, das ist doch ideal, das ist mein Hobby, das mache ich ohnehin gerne. Und warum mache ich darüber nicht Filme? Und so kam dann ein Film nach dem anderen, bis eben 2002 der letzte war. Dann habe ich mich ja aus Deutschland verabschiedet.
Bleiben wir nochmal ganz am Anfang. 1986 dieser Film, Gegenwind, dein erster Gleitschirmfilm. Wann hast du denn selbst, mit dem Gleitschirmfliegen angefangen? Ich glaube das war, ich
glaube das war auch 86, ja. Und ich kann mich noch sehr gut erinnern, wir waren, also die Vorgeschichte ist, ich habe Kletterfilme gemacht. Durch diese Kletterfilme hatte ich Sepp Gschwendtner kennengelernt. Sagt er, das war Sepp Gschwendtner, ne? Ja, war einer der
deutschen Urgesteine des Gleitschirmfliegens, sagen wir mal.
Genau. Und der hat mir dann erzählt, da war er bei den Roten Pantern, und ich bin da auch mit. Obwohl ich längst nicht so gut geklettert habe wie die. Und der sagt, kam dann irgendwann und sagt, du, wir haben da was Neues. Herr Leber hat uns ein paar Schirme zur Verfügung gestellt. Wir machen die, versuchen wir uns gleich schon zu fliegen. Dann waren wir in Oberammergau an einem Hügel.
Kein Lift, sondern ein Hügel im Schnee, wo man hochlaufen musste. Und wir sind da immer hoch. Im Schnee. Im Schnee, hochgestampft, haben am Anfang den Schirm auf die, auf das Untersiegel gelegt, weil wir ja keine Ahnung hatten. Bis wir draufkamen, so geht's nicht, ja. Und haben den ganzen Tag versucht, in die Luft zu kommen. Ich weiß nicht, wie viele Versuche. Jedenfalls war ich erstens nass und zweitens fix und fertig. Und ganz am Abend, ich glaube, es war schon fast fünf Uhr, da habe ich gesagt, also jetzt mein letzter Versuch. Wenn das nicht klappt, werde ich nie wieder einen Gleitschirm anpacken. Und prompt kam ich in die Luft. Ich bin ungefähr 50 Meter geflogen, in einer Höhe von 1,50 bis 2 Meter.
Aber dieses Gefühl, da abzuheben, dieses Gefühl zu fliegen, das war so was Fantastisches. Und das hat mich bis heute süchtig gemacht, ja. Du fliegst ja auch, du weißt ja, wir alle, die das hören, die fliegen ja wahrscheinlich und die wissen, was das für ein unglaubliches Gefühl ist, wenn dich der Schirm vom Boden wegzieht.
Damals, ich meine, auch in diesem Film Gegenwind, das sieht man auch schön, das sind quadratische Fallschirmkappen, die man mit Wucht da hochwuchten muss, dass die aufgehen und dann dort loslaufen und so weiter. War das, also gab es, da du jetzt schon so lange auch fliegst, gab es für dich später noch mal Momente, wo du sagst, allein durch die bessere Technik, die dann von den Gleitschirmen irgendwann kam, dass du sagst, an dem Gefühl hat sich da noch mal was verändert? Oder ist es für das Gefühl des Fliegens egal, ob das eine Gleitschirmkappe ist oder eine Fallschirmkappe ist, mit dem man eins zu dreien wohl längs gleitet, oder ob man einen Schirm hat, mit dem man eine Gleitzahl eins zu acht, eins zu zehn irgendwo längs gleitet?
Naja, ich meine, wenn du zum ersten Mal in den Thermik kreist und wirklich Startüberhörungen machst, dann kommt da noch mal ein anderes Gefühl dazu, ja. Am Anfang war ja das nur vom Bike runterfliegen, ja. Die ersten Schirme, die Maxi -Schirme, die waren ja nur, das waren ja nicht Schirme. Fallschirme, da hat der Laurent Calvermatten, der erste war, der Gleitschirme produziert hat, hat einfach ein anderes Tuch genommen, aber das Profil von einem Fallschirm beibehalten. Das war ja okay, das war ja geprüft, da hatte man Erfahrung mit, bloß das Tuch, weil die Fallschirmsprünge haben ja ein sehr luftdurchlässiges Tuch, um diesen Öffnungsstoß nicht zu stark werden zu lassen.
Also dieses Tuch hat er verändert, da hat er ein luftundurchlässiges Tuch genommen, dadurch war ein bisschen mehr Leistung da und man konnte pflegen, aber noch längst nicht so pflegen wie später mit diesen modernen Schirmen. Das fing eigentlich erst so an bei der ersten WM in Kössen, da waren dann die Schirme schon so konstruiert worden, dass sie Leistung brachten. Das war 1989, glaube ich, oder? Das war 1989, ja. Und davor waren es einfach Fallschirme, die mit einem anderen Tuch konstruiert worden sind. Aber vom Profil her, Riesenöffnungen, man sieht es ja auch an den alten Bildern, rechteckig und ohne sehr viel Profil.
Diese WM in Kössen damals, die hast du auch filmisch begleitet, da hast du ja auch einen Film drüber gemacht. Ja, the window is open. Bist du damals auch in die Luft gegangen? Nein, nein.
Hast du mitgeflogen? Nein, nein. Ich hatte damals eine Kooperation mit der Deutschen Welle, ähnlich wie auch mit dem WDR früher, also die haben das Material dann angekauft, das Belichtete, und ich hatte die Rechte behalten, einen eigenen Film draus zu machen. Deshalb konnte, weil das so ausgeschlossen ist, dass ich selbst geflogen bin. Ich habe zwar ab und zu mal ganz am Anfang Wettbewerbe geflogen, ich bin auch mal neunter geworden bei der Deutschen Meisterschaft, aber ich war nicht der Wettkampfpilot. Ich war, also wenn ich andere sehe wie den Ernst Schrogler, Uli Wiesmeier, Christoph Kirsch oder auch die internationalen, dann Robby Whittle, da war ich meilenweit davon entfernt.
Ich war einfach ein Genusspilot und bin es auch bis heute geblieben. Und deshalb habe ich in Kössen nur gefilmt und nicht selbst mitgeflogen.
Aber du hast ja als Filmer auch im Grunde Kontakt zu allen, diesen frühen Szenegrößen gehabt, wenn man die ganzen Namen so, oder du hast jetzt gerade sie schon teilweise aufgezählt und dann Toni Bender kommt in den Filmen noch vor und sonstiges. Also du kanntest sie alle, du kanntest die ganze Szene. Naja, wir
waren ja am Anfang klein. Ja, wir waren, in Deutschland gab es vielleicht, wenn man das Erprobungsjahr vom DAV dazurechnet, hatten wir vielleicht 14 oder 15 Piloten. Wir selbst, wir waren eine Gruppe von vier Piloten, die angefangen haben. Später haben wir gehört, dass der DAV ein Erprobungsjahr hatte und da Fluglehrer vom DAV auch noch Gleitschirm geflogen sind. Die meisten aus diesem Erprobungsjahr, die sind aber Drachenflieger gewesen und auch Drachenflieger geblieben. Nur Toni Bender ist umgestiegen. Toni Bender ist dann ja auch ein hervorragender Gleitschirm-Blog geworden. Aber dadurch, dass wir so eine kleine verschworene Gemeinschaft waren, die sind ja auch alle illegal geflogen. Da hat ja keiner einen Schein.
Da gab es ja gar keine Festlegung, was man für einen Schein braucht.
Nein, nein, das war überhaupt nicht so. Es war zwar Gerede, dass der DAV das übernehmen wolle, aber gleichzeitig war der DAEC, das war eine große Konkurrenz, der Deutsche Aero Club, war der offizielle FAI -Vertreter. Also der DAV konnte damals noch nicht mal deutsche Meisterschaften ausrichten, weil die sehr kontrovers zum DAEC standen. Oder umgekehrt, der DAEC eher zum DAV. Später hat sich das gelegt. Aber am Anfang war das halt so, der DAV und der DAEC haben sich darum gestritten, wer die Deutungshoheit über das Gleitschirmfliegen bekommt. Und da muss man einfach sagen, der DAV war einfach sehr viel cleverer, hatte bessere politische Verbindungen, auf die es letztendlich ankam, und hat dann dieses Erprobungsjahr zugesprochen bekommen.
Und naja, dann hatte über kurz oder lang kam halt die Frage, wir müssen alle einen Schein machen. Und ich habe dann einen Schein in Österreich gemacht, im Zillertal, drei Tageskurs, was sehr ein Witz war, weil ich konnte ja schon fliegen, wir sind ja alle schon geflogen zu der Zeit.
Du bist ja schon, wenn du gesagt hast, 1986 gestartet, also den ersten Flug gemacht. Und wenn du auch den Film Gegenwind schon 1986 gedreht hast, dann bist du ja schon mit Kamera in der Kappe in deinem ersten Jahr geflogen und sonst was. Du hast schon viel durchgemacht bis dahin.
Ja, und überlebt muss ich auch sein. Also heute würde ich das nie wieder wagen, ohne Rettungssystem ins Schirm in die Kappe zu hängen. Das ist einfach harakiri.
Ihr hattet ja auch keine Helme, habe ich gesehen.
Nee, nee, Helme kam auch. Das war ja auch nur eine Diskussion, weil wir haben nicht eingesehen, dass wir Helme tragen sollten. Ganz lange haben wir, haben wir uns geweigert, Helme zu tragen. Warum eigentlich? Weil man sagt,
ich spüre die Luft nicht mehr so und ich höre nicht, was der Schirm macht?
Man spürt die Luft nicht mehr so. Das ist das eine. Und dann, wir sahen auch keinen Sinn im Helm. Wozu soll der Helm gut sein? Haben wir uns damals gesagt. Die Landung war ja noch relativ einfach mit den Schirmen. Heute ist ja viel komplizierter die Landung, weil die Schirme relativ schnell geworden sind. Aber damals, da, man sah einfach keine Notwendigkeit, einen Helm aufzusetzen, nur um vielleicht bei einer Landung besser geschütt zu sein. Das haben wir dann später ja auch eingesehen, dass das vielleicht nicht so die, die optimale Idee war, ohne Helm zu fliegen, ja. Aber am Anfang, wie gesagt, wir sind alle ohne Helm geflogen, wir sind ohne Rettungssystem geflogen.
Was ich heute auch nie wieder machen würde, ja.
Jetzt hast du ja über Jahre hinweg eine ganze Reihe von Gleitschirmfilmen gemacht. Auch wirklich längere, die dann 40 Minuten fast bis zu einer Stunde gehen und sowas. Was war das für dich? Du hast gesagt, das war dein Hobby. War das auch wirklich sowas, wo du dann ungeheuer viel Herzblut reingesteckt hast in diese Filme?
Naja, sonst hätte ich sie ja nicht drehen können, ja. Also ich habe mich da schon mit beschäftigt. Ich habe zum Beispiel, ich kam ja vom Film, erst war ich beim Fernsehen, später war ich beim Spielfilm. Und beim Spielfilm lernst du sehr viel über Kameraführung, Auflösung, Schuss und Gegenschuss, Oberschotter, alles mögliche. Diese ganzen Terminologien, die hatte ich ja drin. Und ich hatte ja auch für meine Gleitschirmfilme versucht, so zu arbeiten, wie man beim Spielfilm arbeitet. Das heißt, ich habe auch kleine Storyboards gemacht. Ich habe Auflösungen vorab schon gezeichnet, dass ich wusste, wenn ich beim Drehen war, aha, jetzt mache ich das, da brauche ich eine Kursaufnahme. Da muss ich einen Karabiner zeigen, wie er zugedreht wird. Da muss ich ein Vario zeigen, wie es eingeschaltet wird.
Eine Kursaufnahme. Und das hat vielleicht auch ein bisschen den Unterschied ausgemacht bei meinen Filmen, weil ich halt aus der Branche kam. Und viele andere waren, gab ja nicht so viele, aber es gab schon noch einige, die auch Filme gemacht haben. Die kamen aber mehr aus der Hobby -Szene raus. Und ich kam halt aus der, vom Spielfilm letztendlich. Ich habe ja auch Spielfilme gedreht als Kameramann. Und deswegen hatte ich da vielleicht einen gewissen Vorteil. Aber beantworte gleich deine Frage. Natürlich war da viel Herzblut dabei. Und weil ich, gerade weil ich selbst geflogen bin, weil das mein Sport war, konnte ich schöne und ungewöhnliche Bilder
drehen. Was mir aufgefallen ist beim Angucken von deinen Filmen, es gibt teilweise super schöne Flugaufnahmen, wo du relativ nah eigentlich an die,
sowohl Gleitschirme, du hast auch Drachen in deinen Filmen dabei, wo du die sehr nah verfolgst, aber mit einer sehr, sehr ruhigen Einstellung. Also wenn du jetzt den Drachen nimmst, der Drachen ist quasi fix im Bild und du siehst, dass der eigentlich nur fliegt an der Bewegung des Hintergrundes, dass das sich verschiebt. Und er vermittelt dann eine ungeheuer schöne Ästhetik und Dynamik dabei. Das sind so Aufnahmen, wie ich sie heute vielleicht noch kenne von so teuren Red Bull Produktionen, wo die mit einem Helikopter wo hinterher fliegen und dann wahrscheinlich ein hochmodernes Gimbal drunter haben mit einer super Telelinse da dran und wo die das so verfolgen können. Das gab es ja, glaube ich, damals noch nicht oder vielleicht zumindest nicht im Rahmen deines Budgets, die man für so einen Film hat.
Wie hast du das damals überhaupt gemacht?
Ja, es gab zwei Dinge dazu, die dazu notwendig waren. Drei eigentlich. Das erste war Sachtler Studio Pro. Das ist ein professioneller Stativ
mit einem sehr guten Schwenkkopf. Und das zweite war eine Zeiss 200 mm Festbrennweite. Also keine Zoom -Optik, sondern eine Festbrennweite. Und damit war ich in der Lage, näher an die Piloten heranzugehen und mit diesem sehr professionellen Dreipod auch entsprechend mitzuschwenken. Und dazu kam, dass ich... Ja, alles war damals anders. Ich musste ja eine Lizenz haben, um Betriebsfunk zu betreiben. Also ich hatte zwei Motorola Funkgeräte, die auf Betriebsfunk betrieben worden sind. Und damit konnte ich die Piloten auch bitten, eine gewisse Richtung zu fliegen, sodass es für die Kamera optimal war.
Dadurch sind diese Aufnahmen entstanden. Also schon mit einem gewissen Aufwand auch mal wieder,
ja. Das heißt, aber viele von diesen Aufnahmen auch waren dann gewissermaßen auch wieder vorgeplant. Ja, ja, ja, ja. Du sagst genau, flieg in diese Richtung und halt das noch eine Minute bei und ich verfolge dich jetzt einfach mit meiner super 100 -mm -Telelinse da.
Ja, ja, genau. Und das wollte ich ja vorhin mit dem Story -Pod auch erklären, dass ich mir da schon vorgestellt habe, dass ich mir vor dem Dreh noch in München Gedanken gemacht habe, wie will ich das auflösen, ja. Einfach nur unten am Landeplatz zu stehen und gegen den Himmel zu finden, ist langweilig. Das kann man mal in einer kurzen Szene machen, aber das wird schnell uninteressant. Und dadurch, dass ich diese Story -Boards hatte, diese Auflösung hatte, konnte ich halt Aufnahmen drehen, die anders ausgesehen haben. Ich habe auch immer versucht, mit der Kamera möglichst hoch zu sein, eben genau, um einen Hintergrund zu haben, der dann ja auch die Bewegung und die Geschwindigkeit und die Faszination ausdrückt.
Diese Filme, wenn du sagst, du stehst, musst du es sehr weit oben hinstellen. Das heißt, du hattest deine Kamera eigentlich immer mit am Startplatz aufgebaut oder hast du dir auch andere sehr exponierte Orte in der Landschaft gesucht, wo du sagst, da stelle ich mich hin und dann müssen die Leute da eben angeflogen kommen und vor meiner Linse im Grunde herumkreisen, herumfliegen?
Ja, ja, genau. Ich habe immer versucht, eine Position zu finden, wo ich einen schönen Background hatte.
Und bei Wettbewerben, also bei Inkursen, war das natürlich nicht möglich in dem Sinn. Aber ich denke trotzdem, dass mir gerade diese Startsequenz, als dieses Schlechtwetter vorn reinkam, ganz gut gelungen ist. Also das A und O bei dieser Gleitschirmfilmerei ist halt wirklich, dass man Aufnahmen herstellen kann, die ungewöhnlich sind. Nicht von unten im Landeplatz gegen den Himmel, sondern eher von oben den Schirm filmen und dadurch einen entsprechenden Hintergrund zu haben.
Manche von deinen Filmen haben auch, wie soll man sagen, einen didaktischen Charakter, sag ich mal. Das sind ja teilweise so ein bisschen wie Lehrfilme. Du erklärst auch, wie die Thermik entsteht. Du hast einen Meteorologen dabei gehabt.
War das auch alles von dir gewissermaßen vorher so geskriptet, dass du sagst,
das will ich auch so machen? Ja, weil man muss ja, man kann doch nicht nur, jetzt ging es mir nicht so lange, da war nur, glaube ich, zehn oder elf Minuten lang. Aber trotzdem kann das sehr lang sein, wenn man keine Side -Story dabei hat. Und die Side -Story war halt Seilbahn, die Piloten reden miteinander, dann oben, was ja ganz wichtig ist für uns, die Wettervorhersage, wie schaut es aus mit dem Wetter und mit dem Wind. Und bevor ich mich jetzt da hinstelle und das selbst im Off sage oder sagen lasse, ist doch viel interessanter, diesen Meteorologen zu zeigen in seinem Häuschen da oben an der Zugspitze und ihn erklären zu lassen, wie die Wettersituation ist.
Das bringt ja auch einen gewissen, eine zweite Ebene rein. In
dem Film Cloudbuster, da gibt es einen österreichischen Meteorologen, den du da immer wieder auftreten lässt, der dann Sachen erklärt. Meine Erfahrung mit vielen Meteorologen ist, dass die eigentlich die großen Wetterdinge, sehr gut verstehen und sehr gut erklären können, aber eigentlich die Gleitschirmspezifischen Sachen nicht so gut. Oh, oh, oh, oh. Der hat das relativ gut hingekriegt. Ich frage mich, war das auch ein Flieger? Also ist der selbst auch Gleitschirm geflogen? Oder Segel geflogen oder so?
Professor Herbert Pümpel von Austria Control, inzwischen in seinen Rennen, ein ganz, ganz toller Mensch. Und der hat sehr viele Vorträge bei Gleitschirmclubs gehalten. Er war kein Flieger, selbst kein Flieger, aber er kannte, er kannte die Materie. Also er kannte auch das Publikum. Und er wusste durch diese Vorträge bei Gleitschirmclubs, woraus bei uns ankommt. Und abgesehen davon war er halt ein exzellenter Meteorologe. Da ist ja auch, kannst du den Ball bemerken, später vom Mercedes Formel 1 Team angeheuert worden, um kurzfristige Wettervorhersagen vor dem Rennen zu machen, um die Regenwahrscheinlichkeit zu bestimmen.
Also da war schon oder ist eine Koryphäe. Ich will auch Meteorologen nichts absprechen, was sie können. Nein, aber Herbert Pümpel ist ja ein wunderbarer Mensch. Und man konnte mit ihm wunderbar auch eine Blasche Rotwein trinken. Es war schön mit ihm zu arbeiten.
In diesem Film gibt es ein wunderschönes Zitat mit ihm. Ich musste es, als ich es angehört habe, musste ich nochmal zurückspulen, um dann nochmal zu hören. Da sagt er nämlich, mit der Thermik ist es, wie mit manchen schönen Dingen, allzu viel ist gefährlich. Wir kennen das von Viagra.
Ja, ja, ja. Da ist halt ein kleiner Schalk steckt in ihm drin. Und
dann habe ich geguckt, der Film ist von 1988. Ich musste dann selbst erstmal nachgucken und habe dann gesehen, ja. Nein,
96, 96. Cloudbuster ist 96. Ja,
ja. Nein, 98. Ich habe es hier stehen. Oder 98. Ich habe dann nochmal gegoogelt, habe gesagt, Viagra, sag mal, wie lange gibt es denn Viagra eigentlich schon? Dann habe ich gesehen, Viagra kam auch in dem gleichen Jahr überhaupt erst in Deutschland und so weiter auf den Markt. Also Herr Pümpel war da schon ziemlich weit vorne weg. Up to date. Ja, ja. Er war
up to date.
In allen Dingen. Ja. Ganz, ganz netter Mensch. Dann hast du eine ganze Reihe von Gleitschirmfilmen gemacht, aber 2002 war im Grunde dein letzter, soweit ich das weiß. So hast du auch vorhin, glaube ich, mal gesagt. Warum hast du damit aufgehört, wo du eigentlich so gut warst, sage ich mal?
Weil es ist mir nichts mehr Entscheidendes angefangen. Der letzte Film, Faszination Paragliding, den ich 2002 gemacht habe, das ist ja schon so ein bisschen ein zusammengestückelter Film, wo ich dann die Historie ein bisschen abgehandelt habe, Sicherheitsplanung ein bisschen abgehandelt habe, dann technische Dinge, wie man einen Rettungsschirm, einen Rettungsschirm zusammenfaltet. Und da sieht man schon, da sind mir die Ideen ausgegangen. Und im Grunde genommen bestand dieser Faszination Paragliding nur noch aus sechs Kurzfilmen. Und da wusste ich, die Luft ist raus. Für mich zumindest. Und außerdem kam ja dann noch eine andere Phase in meinem Leben.
Ich bin ja ab 2003 dann 20 Jahre um die Welt gesegelt. Und habe dann nicht mehr so viel mit Gleitschirmfliegen am Hut gehabt. Obwohl ich immer einen Schirm auf
dem Schiff dabei hatte, ja. Ich habe in einem Lebenslauf von dir gelesen, da steht 2003 aus einer geplanten zweijährigen Segelweltumrundung werden fast 20 Jahre. Wie kam das, dass du eigentlich zwei Jahre geplant hattest und dann wird da so ein Riesenprojekt draus?
Naja, das war so nach einem halben Jahr wurde mir eigentlich klar, nachdem ich über den Atlantik war,
das ist es. So möchte ich leben, ja. Und natürlich kostet auch das Leben auf See Geld. Ich habe drei Lebensversicherungen gehabt, die habe ich eben sukzessive verkauft, um weiter dieses Leben führen zu können. Und das war auch ein klasse Leben. Das war das Abenteuer meines Lebens. Das möchte ich nicht missen. Ich habe tolle Erfahrungen gemacht, habe tolle Menschen kennengelernt, habe Freunde gefunden bis zum heutigen Tag aus aller Welt. An meinem Geburtstag habe ich aus 32 Nationen Geburtstagskurse bekommen. Das sagt ja schon ein bisschen was aus. Also das war ein Traum, den sich sicher nicht jeder erfüllen kann, der natürlich auch seinen Preis hat.
Also Wohlstand wird mir in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr begönnt sein. Aber ich habe... Erinnerungswohlstand hast du. Richtig, ganz genau. Den habe ich und der
wird bleiben. Hast du bei dieser Segeltour 20 Jahre, hast du da einen Gleitschirm auch noch immer dabei gehabt? Also bist du zwischendurch auch noch mal fliegen gegangen? Ja, ich bin in
Kuba bin ich mal geflohen. Aber ansonsten war es sehr schwierig dort, wo ich war. Ich bin ja diese sogenannte Barfußroute gesegelt, also um mehr oder weniger um den Äquator rum, ein bisschen nördlich vom Äquator, damit man nicht in die Doldrums reinkommt. Barfußroute heißt es, weil es so warm ist oder warum? Weil es so
warm ist.
Weil es so warm ist und weil es am einfachsten zu segeln ist. Man hat den Passatwind, der einen schiebt. Der Passatwind geht ja von Ost nach West. Und es ist relativ einfach zu segeln. Im Gegensatz zu unten der Kap Horn, was ja auch mit meinem damaligen Chip völlig unmöglich gewesen wäre, um Kap Horn zu segeln. Wollte ich auch nicht. War mir zu kalt und war mir auch zu gefährlich. Da gehen ja auch ständig Segelschiffe verloren. Und Einhandsegler sind ja gar nicht mehr erlaubt um Kap Horn. Die kriegen also von der chilenischen Regierung keine Genehmigung, um Kap Horn zu segeln, wenn sie nicht mindestens zwei Personen an Bord haben.
Das heißt,
du bist immer im Äquatorbereich geblieben. Bist du dann durch den Panama -Kanal durch, um dann auf dem Pazifik weiter, wenn du sagst Weltumrundung? Ja, ich
bin durch den Panama -Kanal, dann zum Galapagos Islands und von dort nach Marquesas, wo ich vielleicht die schönste Zeit meiner Segeltour erlebt habe, in der Südsee. Das ist immer noch so, wie es Gauguin beschrieben hat damals. Es ist unglaubliche Gastfreundschaft, eine unglaubliche Offenheit der Leute dort. Und überhaupt, dann bin ich eben weiter gesegelt und Tongo, Fiji, Salomon Islands, Palau, Philippins.
Nun bist du nicht der einzige Gleitschirmflieger, sag ich mal, der auch im größeren Stile mal segelt. Und bekanntestes aktuelles Beispiel ist wahrscheinlich Tom de Dorlodot, ein Belgier, der ein Projekt hat, was er Search Project nennt, wo er auch mit einem großen Segler, allerdings nicht als Einhandsegler, sondern mit Crew noch dabei und sowas, auch zu verschiedenen Orten in der Welt gesegelt ist, um dort dann allerdings auch Gleitschirmfliegen zu gehen. Das war aber nicht deine Urintention, sondern du wolltest wirklich segeln, segeln.
Ich wollte segeln und ich wollte Leute kennenlernen. Und das Einhandsegeln, das trägt ja dazu bei, dass man Leute kennenlernt. Man ist ja gezwungen, wenn ich 14 Tage irgendwo bei einer Überquerung war, dann habe ich anschließend das Bedürfnis, mit jemandem zu reden. Und so sind auch diese vielen Freundschaften und Bekanntschaften entstanden, weil ich eben alleine war. Wenn ich irgendwo ankam, habe ich Kontakte gesucht. Und das war meine Intention. Ich habe auch gefilmt dabei. Das war meine Intention bei dieser Weltumsegung und nicht so sehr Gleitschirm. Wie gesagt, der Gleitschirm war dabei, aber ganz, ganz selten geflogen.
Gab es denn trotzdem, Orte, wo du sagst, hey, davon, also von deiner Weltumsegelung, davon, das ist mir noch als eine dieser schönen Erinnerungen im Kopf, wo ich sage, das war ein besonders toller Flug, den ich dann dort machen konnte?
Von der Segeltour muss ich ehrlich zu sein, nein. Ich bin in Kuba geflogen, aber in Kuba, das war ein 50 Meter hohes Reef, an dem man mehr oder weniger, in Nürburgring auf der Isar der Juventut, wo man mehr oder weniger sohren konnte. Ansonsten hatte ich keine großartigen Flüge. Die hatte ich erst später wieder auf den Philippinen. Da hatte ich ein paar wirklich schöne Flüge und vorher natürlich, aber das Vorher war natürlich immer noch im Rahmen meiner Filmerei.
Jetzt lebst du wieder in Deutschland. Fliegst du jetzt noch
oder wieder? Ja, ich habe hier auf den Philippinen, ich habe ja auch lange auf den Philippinen gelebt. Da bin ich geflogen und in Deutschland bin ich auch.
Bevorzugt im Brauneck. Da habe ich meine ersten Höhenflüge gemacht, wenn man so will. Da kenne ich das Gebiet ganz gut und da bin ich halt öfters geflogen, auch in letzter Zeit.
Wobei letztes Jahr durch den anderen Film, diesen True -Crime -Film, den ich da gedreht habe, war halt ganz wenig Zeit zum Fliegen.
Was gibt dir heute noch das Fliegen?
Ja, das ist eine kitschige Antwort. Das ist Freiheit. Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl, frei und unabhängig da oben zu sein, ohne den Lärm eines Motors, nur mit den Bündgeräuschen. Und jedes Mal, auch heute noch, der Moment ist einfach unglaublich, wo die Gurte dich von der Erde wegziehen, wo du fliegst. Und ich weiß nicht, ob du das auch gemacht hast. Ich habe ab und zu mal, ertappe ich mich dabei, dass ich in einer Thermik kreise und alles, worum ich vergessen habe, ich sehe gar nicht mehr den Schirm über mir oder die Bremslein oder wie ich mich verlage, sondern ich kreise da nur noch mit meinem Körper drin, also beinahe wie ein Rausch.
Und das ist ein Gefühl, das so unbeschreiblich ist, das auch süchtig macht. So möchte ich auch, solange es geht, Gleitschirm fleben.
Und wenn du heute an diese Welt gehst, in diese wilde Anfangszeit der Gleitschirmfliegen zurückschaust, wo du mit einer der Pioniere damals auch warst, welche Gefühle verbindest du damit? Ist das im Rückblick eher Angst? Ist das Ehrfurcht?
Das war schon ein bisschen Harakiri, was wir damals gemacht haben. Wir haben einfach zu wenig gewusst und sind zu viel Risiko eingegangen. Und mit der Kamera und auch mit Manövern. Und wir haben ja auch gegenseitig, auch im Gegenwind ist das drin, da wollte ich eine Szene drehen, wo ein anderer Schirm auf mich zukommt und im letzten Moment abdreht. Das hat eben Xavier Remaux, ein ganz netter französischer Gleitschirmflieger, hat diese Szene gespielt. Und ich habe gefilmt, also wir sind aufeinander zugeflogen und er ist im letzten Moment abgedreht. Das war dann aber so nahe, dass ich dachte, dass ich dachte, wir stoßen zusammen.
Und das wäre fatal gewesen mit der Geschwindigkeit damals und auch mit der Tatsache, dass wir keine Rettungsschirme hatten. Also das war schon sehr riskant, was wir gemacht haben. Auch leichtsinnig,
ja. Würdest du sie trotzdem nicht missen wollen, diese Zeit? Nein, auf keinen Fall.
Die hat ja auch mein ganzes Leben geprägt. Es hat ja auch einen Grund, warum ich dann so viele Filme gedreht habe. Und ein Film dreht sich ja nicht hier nur an einem Wochenende. Das ist ja oft monatelange Arbeit, bis so ein Film fertig ist. Das hat auch schon mein Leben bestimmt. Ich habe zwar weiterhin immer noch in der Branche gearbeitet, aber manchmal habe ich einfach auch Jobs absagen müssen, weil ich wusste, dass das Wetter stimmt jetzt in der nächsten Zeit und da muss ich jetzt drehen.
Wenn du heute, ich nehme an, dass du auch heute als Filmemacher guckst dir auch an, was machen heutige Gleitschirmfilmer, zumindest die Professionelleren, was liefern die so ab, was man heute alles auf YouTube und sonst wo findet. Guckst du dir sowas an und wie siehst du die Darstellung, wie heute Gleitschirmfliegen in Filmen gemacht wird?
Es gibt schon tolle Gleitschirmfilme. Ich habe vor kurzem von Ozon einen Werbefilm gesehen, der absolut super gedreht worden ist, den ich auch bis zum Ende angeschaut habe. Aber meistens, das weißt du selbst, gibt es nur noch diese YouTube Clips in der Länge von 20 Sekunden, 10 Sekunden, die irgendwelche Extremmanöver zeigen. Da guckst du gar nicht mehr hin, oder? Da gucke ich gar nicht mehr hin. Was mir auch noch gefallen hat, da musst du mir jetzt helfen, da fällt mir der Name nicht ein, das ist ein französischer Gleitschirmflieger, der sehr, ich glaube, er arbeitet für Nova, der sehr gut erklärt hat, mit welchem Schirm man welche Manöver machen kann.
Der sitzt da drin, lässt die Leinen los und sagt, ja, ich bin jetzt in einem ENA -Schirm und damit kann ich das und das machen und ich muss keine Angst haben, dass er wieder aufgeht. Das hat mich fasziniert. Das waren dann auch längere Filme, aber sagen wir mal, wie hieß der nochmal? Den kennst du ganz sicher. Ja, mir fällt der
gerade selber nicht ein. Mir fällt der auch nicht ein. Wie das manchmal so ist. Wahrscheinlich in drei Minuten macht es plötzlich plöpp und dann fällt er auf den Weg.
Genau. Da hat auch eine X -Alps teilgenommen,
der Letzte oder Vorletzte. Ich weiß genau,
wen du meinst. Ja.
Na ja, gut, dann wissen wir, wovon wir reden. Aber jetzt sagen wir mal, davon abgesehen ist viel Schrott zu sehen, oder? Willst du nicht, dass wahnsinnig viel Schrott zu sehen ist? Eben, weil es so leicht geworden ist, durch die GoPros Filme zu drehen. Und manche denken, mit einer GoPro alleine kann man einen Film drehen, aber die GoPro ist ein Weitwinkel. Und auch diese sogenannte Zoom -Einstellung, die es bei der GoPro gibt, ist ja Betrug, wenn man so will. Das ist ja kein optischer Zoom. Das ist einfach nur in das bestehende Bild hineingezoomt. Ja. Also die Qualität wird dadurch ja nicht besser. Dadurch, dass sie 4K hat, also eine sehr hohe Auflösung, sieht man das oft nicht.
Weil am Fernsehen, oder jetzt auch wir beide hier gerade im Video, wir haben höchstens eine Auflösung von 720p.
Und da kannst du natürlich eine ganze Menge reinzoomen, ohne dass du in Qualitätsveränderungen siehst.
Du hast gesagt, 2002 sind hier die Ideen, fürs Gleitschirmfliegen, Filmen ausgegangen. Also nicht fürs Gleitschirmfliegen, aber für die Filmerei übers Gleitschirmfliegen. Jetzt ist das mehr als 20 Jahre her. Sind dir vielleicht neue Ideen in der Zwischenzeit gekommen? Gäbe es noch einen Film? Können wir jetzt auch zum Abschluss, die wäre quasi meine Abschlussfrage. Könntest du dir noch einen Film vorstellen, wo du sagst, davon würde ich noch träumen? So einen Gleitschirmfilm würde ich gerne nochmal machen.
Nein, aber wenn du mir eine Idee gibst, beschäftige ich mich gerne damit. Aber in mir fällt nichts ein im Augenblick. Das ist abgehakt. Ich habe ja alles gemacht. Ich habe von Lehrfilmen über Agro, über Sicherheitstraining, über Thermik, über Meteorologie. Ich habe ja alles versucht, in meinen Filmen darzustellen. Und ich müsste nicht, was ich jetzt machen sollte, da müsste ich schon eine externe Idee geliefert bekommen. Und Geld. Und Geld. Das ist ja der nächste Punkt. Ja.
Wobei mit GoPro -Ausstattung und sowas, das ist ja heute viel günstiger als deine superteuren Kameras früher. Aber davon abgesehen, wenn nicht einen Film, gäbe es denn noch einen Flug, wo du sagen würdest, da oder einen Flugspot, wo du sagst, da würde ich gerne nochmal in die Luft gehen?
Bassano ist keine Frage. Bassano ist einfach toll zum Pflegen. Dann in Dolomiten würde ich auch nochmal gerne pflegen. Am Sella. Und ansonsten, was ja auch toll war, in Amerika gibt es ja auch super Spots. Point of the Mountain in Salt Lake City. Das ist ein Gebiet, wo man auch nachts fliegen kann, weil der... Der Mond so hell ist, die Sterne. Ja, das ist schön, wenn der Mond hell ist und die Sterne. Aber wesentlich ist es so, dass durch diese beiden Salzsees ein Luftdruckunterschied ist. Und die Luft tauscht sich in der Nacht aus. Also du hast praktisch...
Du kannst nachts wunderbar fliegen. Wir haben ja da auch nachts gedreht, bei diesem Highway -Film. Und da gab es schon... Regosemity auch. Da darf man natürlich nicht mehr fliegen, aber damals durfte man noch. Das war toll. Dead Horse Point darf man inzwischen auch nicht mehr fliegen. Ein atemberaubender Stadtplatz. Ja. Ja, Amerika wäre auch nochmal schön, aber das ist ja jetzt schwierig mit Amerika. Wer will heute noch nach Amerika fliegen?
Das kann sich
ja vielleicht irgendwann mal wieder ändern. Hoffentlich, ja. Und wenn du abschließend Gleitschirmfliegen mit deinem Segeln vergleichen würdest, was würdest du sagen, vermittelt die größere Freiheit?
Hm, das ist eine schwierige Frage. Segeln hat halt diesen Wahnsinnsvorteil, dass du so... unabhängig bist. Wenn es dir irgendwo nicht gefällt, dann ziehst du den Anker hoch und gehst woanders hin, ja. Das ist die große Freiheit beim Segeln. Du hast auch längst nicht so viele bürokratische Probleme, wie zum Beispiel beim Gleitschirmfliegen, ja. Ich bin zum Beispiel in den 20 Jahren, bin ich nie nach einem Segelschein gefragt worden. Ich bin nie nach einer Versicherung gefragt worden. Das war natürlich auch oft in Tränen, in dritten Weltländern, wo das nicht so einen hohen Schnellwert hat.
Und Gleitschirmfliegen ist halt immer noch dieses Gefühl der Freiheit, wenn man in der Luft ist. Dieses Gefühl der Unabhängigkeit, dieses wahnsinnig schöne Gefühl, wenn du Startüberhöhungen hast und vielleicht auf Strecke gehen kannst, obwohl ich ja wirklich nicht der Strengpilot bin oder war, ja. Und das würde ich so die beiden Unterschiede einstoßen. Segeln ist nun vielleicht noch ein bisschen freier und unabhängiger. Es wird aber auch immer schwieriger. In Amerika zum Beispiel macht es keinen Spaß mehr zu segeln. Du musst an jedem Hafen einklarieren, ausklarieren. Du musst permanent Kanal 16 offen haben, weil ich die Küstenwache anrufen könnte.
Aber das ist Amerika, in anderen Ländern ist es zum Glück noch nicht so, aber das wird auch so kommen. Henry. Ich danke.
Kannst du die
noch sagen? Auf jeden Fall. Kannst auch zehn Worte noch sagen. Vom Segeln und Gleitschirmfliegen geredet haben. Es gibt einen Menschen, der jetzt, dein Name sagt jetzt sicher was, Mike Harker. Der war der erste, der mit dem Drachen von der Zugspitze runtergeflogen ist. Und auch das Samenfliegen in Deutschland populär gemacht hat. Und der war auch ein Segler. Mit dem bin ich in der Karibik gesegelt. Ja. Vor sechs Jahren. Und er hatte natürlich das Pech, dass er, der war ja schwer behindert, mich wundert, dass er überhaupt segeln konnte mit seiner Behinderung. Und der ist ja dann auch überfallen worden und letztendlich an den Folgen dieses Überfalls verstorben. Oben am Tegelberg gibt es eine schöne Plakette, die der DHV gemacht hat in Erinnerung an Mike Harker.
Mit seinen ersten Flügen da, auch um Neuschwanstein herum. Genau. Henry, vielen Dank für deine Erzählung. Ich denke, einige Leute werden jetzt Interesse haben, vielleicht deine Filme runterzuladen. Ich weiß, du hast die auf deiner Website, kann man wirklich diese alten Schätzchen sich noch mal nicht direkt angucken. Man muss sie kaufen. Aber das lohnt sich durchaus, da mal ein bisschen in die Historie reinzugucken. Das ist jetzt noch eine kleine Werbung für dich. Mache ich gerne. Danke, danke. Es war ja auch immer als meine
Rente geplant, weißt du. Weil ich habe ja alle meine Lebensversicherung wegen meinem Segelabenteuer verkauft. Und das war immer so ein bisschen als, das war eine Rente gedacht.
Ob das reicht, das weiß ich jetzt nicht. Das weiß ich auch nicht. Ob so viele Leute diese alten Schinken sich noch angucken wollen, so interessant sie auch sind. Aber ich wünsche dir, dass du trotzdem ein schönes Auskommen hast in deiner Rente. Sowohl finanziell ausreichend, aber dann mit den ganz vielen tollen Erinnerungen, die du aus allen deinen Lebenszeiten, ob fliegend oder segelnd, hast. Dass du damit noch gut weiterkommst. Ich danke dir.
Der französische Chef, der französische Pilot, dessen Name sowohl Henry als auch mir bei der Podcastaufnahme nicht eingefallen ist, ist natürlich Agro -Weltmeister Theo de Blick. Das als kleiner Nachtrag. Wenn du die alten Filme von Henry Haug sehen willst, so findest du eine Auswahl davon auf Henrys Website, henryhaug.de. Heute sind das schon Dokumente mit historischem Wert. Ich hoffe, auch diese Folge von Podz-Glidz hat dir wieder gefallen. Dann erzähle deinen Freunden davon, hinterlasse eine 5 -Sterne -Bewertung, auf der von dir genutzten Podcast -Plattform. Oder schreib doch einen Kommentar unter die Shownotes auf dem Gleitschirm-Blog Blueglides. Wenn du noch mehr inspirierende Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens hören willst, dann abonniere Podz-Glidz im Podcatcher deiner Wahl, um keine Folge zu verpassen.
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