Oder Sie sagen wirklich, ich habe ein gutes Gespür für das Wetter und mir reicht es, die Großwetterlage anzuschauen, aus dem Fenster zu schauen und dann weiß ich eigentlich, was los ist. Dieser Skill, der geht ein bisschen verloren heutzutage mit all diesen detaillierten Tools, vergessen die Leute manchmal, wie wichtig und auch wie spannend es ist, sich eigentlich ein eigenes Modell zu bilden im Kopf.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute
mit Tobias Lezour und ich bin Lucian Haas. Wer ernsthaft das Streckenfliegen ins Visier nimmt, der will natürlich wissen, wann die besten Tage dafür sind. Gut erkennbar wird das mit Hilfe von Thermikprognosen, vor allem solchen, die den Nutzern direkt potenzielle Flugdistanzen eines Tages, kurz PFD, wie ein Lockmittel vor die Nase halten. Einst war das eine Domäne der auf Regionen bezogenen REC -Therm -Prognose des DWD. Bis dieser das Modell Anfang 2024 einstellte. Zwei andere Anbieter, Burnair und XC -Therm, führen es aber weiter. Und nicht nur das, sie haben die REC -Therm -Regionen verfeinert und ihnen teils ganz neue Zuschnitte gegeben, um die Thermikbedingungen entlang klassischer Flugrouten mit dem Gleitschirm noch besser abzubilden.
Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung bei XC -Therm ist Tobias Lezour, 28 Jahre jung, aus Südtirol und heute in Davos lebend. Tobias bezeichnet sich selbst als Meteo -Nerd. Er ist aber auch begeisterter Gleitschirmflieger und kann die komplexe Welt der Wetterkunde sehr gut in die Verständniswelt von Otto -Normal -Piloten übersetzen. In dieser Episode 180 von Podz-Glidz erzählt Tobias unter anderem, wie er sich schon als Kind für das Wetter interessierte. Er erklärt, wie das REC -Therm -Modell die regionalen Thermikprognosen erstellt und wie es sich dabei von anderen Wettermodellen unterscheidet. Und wir sprechen auch von anderen Wetterprognosen. Wir sprechen auch darüber, warum es so wichtig ist, ein Prozessverständnis für die Wetterabläufe zu entwickeln, anstatt den Modellen blind zu vertrauen.
Solche besonderen Gespräche kann ich dir in Podz-Glidz nur präsentieren, weil es Förderer gibt, die meine Arbeit an Podcast und Blog finanziell unterstützen. Mach doch mit! Alle nötigen Infos dazu findest du im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern.
Tobias, hast du heute schon ins Wetter geschaut? Nicht aus dem Fenster, meine ich, sondern so richtig in die Wetterseiten. Wie das so ein Meteorologe so macht.
Tatsächlich nicht. Heute war mal angesagt, mich kurz vorbereiten auf diese Podcast -Folge, war eine spontane Sache. Aber ich habe nur aus dem Fenster geschaut und hier in Südtirol liegt frischer Steh.
Aber gehört das nicht zur täglichen Routine von dir, erst mal Wetterseiten checken? Es muss nicht immer am Morgen sein, aber ja, einmal am Tag schaue ich sicher in die Wetterseiten. Was gehört denn da so zu deiner Wetterroutine? Also wie lange brauchst du, um einmal in die Wetterseiten zu gehen? Worauf achtest du dabei? Naja,
es kommt schon auf den Purpose an, also auf die Absicht, die ich habe. Einerseits schaue ich auf die Wetterseiten aus beruflichen Gründen. Da habe ich natürlich das Ziel, die Prognosen dann zu validieren und zu sehen, ob alles funktioniert. Das sind natürlich unsere Wetterprognosen und Thermikprognosen.
Da verbringe ich auch gerne mal ein paar Stunden dabei, das Wetter zu analysieren. Mhm. Ja. Wenn ich aber für mich privat für den Gleitschirmflug Wetter schaue, dann geht es meistens eigentlich recht schnell. Da schaue ich mir eine Wetterkarte an für die Großwetterlage und dann schaue ich die Windkarten, die Niederschlagsprognosen und dann natürlich unsere Thermikprognose an. Und je nach Flug geht es natürlich doch länger. Wenn ich einen langen Thermikflug plane, dann kann ich da schon auch wieder ein paar Stunden damit verbringen. Auch wenn es nicht immer sinnvoll ist, würde ich dazu sagen. Dann ist am Ende die Vorbereitung länger als
der eigentliche Flug.
Das war tatsächlich selten der Fall, aber kann auch mal passieren. Ja.
Was ist denn so deine Leib - und Magenwetterseite, auf die du guckst, wenn du sagst, ich möchte so einen relativ schnellen Wettercheck machen. Ja, ich will fliegen gehen und jetzt will ich einmal schnell checken. Du hast gesagt, ich will erstmal die allgemeine Wetterkarte gucken. Was guckst du da?
Ich gucke tatsächlich die Wetterkarten vom DVD an. Also die
Bodenwetterkarten einfach?
Bodendruckwetterkarte. Okay. Einfach mal für eine erste Idee, wie das aussieht, wie die gesamte Großwetterlage aussieht. Und dann gehe ich aber ziemlich schnell über zu unserer Wetterseite, zu Exaterm. Und ich finde eigentlich dort alles, was ich für die Flugvorbereitung brauche. Eventuell nehme ich noch Windy dazu, hat auch noch weitere Layers mit Temperaturen und wenn es um Skifahren geht oder ähnliches. Die Schneemengen, die akkumulierten Schneemengen finde ich da ganz gut dargestellt. Genau, das sind so meine Wettertools, die ich verwende hauptsächlich.
Würdest du auch sagen, das ist so das Mindeste, was man fürs Flugwetter eigentlich braucht, um das einzuschätzen? Also einmal den Blick in die Großwetterlage und dann nochmal vielleicht Wind in verschiedenen Höhen einmal durchchecken und einmal eine Thermikprognose angucken?
Ich denke, das Mindeste ist alles, was du erwähnt hast. Ohne die Thermikprogramme. Die Thermikprognose, wenn es rein um die Sicherheit geht, die Thermikprognose wird dann relevant eben, wenn man Interesse hat, den Flug zu verlängern und eben mal aufzudrehen. Aber für die Sicherheit ist die Thermik, die Information zur Thermik findet man, also die sicherheitsrelevanten Informationen zur Thermik findet man auch in Tools wie Windy und so weiter zu Genüge.
Nun arbeitest du ja für XC Therm, lieferst damit die Thermikprognosen, die die ganze Gleitschirmszene manchmal vorbeigeht. Freudig stimmt, weil sie sagen, oh, da ist alles, man sieht da, große Strecken könnten geflogen werden und sowas. Reicht es eigentlich nicht, zumindest für gute Flugtage, in eine solche Thermikprognose zu gucken und zu sagen, wenn die wirklich so gut ist, dann muss eigentlich auch das Wetter drumherum so gut sein? Also von den Variablen her, dass ich sagen kann, ich kann dann fliegen gehen, wenn ich eine Region sehe, wo gute Strecken vorhergesagt werden?
Ich würde sagen, für einen erfahrenen Nutzer, ja. Weil der erfahrene Nutzer kann das nicht. Er kann erkennen, was eine wirklich gute Thermikprognose ist. Wenn ein Nutzer nicht erfahren ist, dann lässt er sich vielleicht in die Fälsche treiben von guten Thermikprognosen, die vielleicht irgendwo aber einen Hint haben, dass es doch nicht so gut sein könnte. Sagen wir mal, die Thermikprognose sagt starke Thermik, voraus mit hoher Basis, aber man ignoriert, dass die kleinen Kumuluswolken sehr hoch anwachsen können. Genau. Und der erfahrene Nutzer sieht das sofort und weiss, das bedeutet Überentwicklungen. Und das bedeutet wahrscheinlich, auf der Niederschlagsprognose sind dann Gewitter drin. Ein unerfahrener Nutzer könnte das ignorieren und dann ist wirklich ein Sicherheitsrisiko dabei.
Aber für den erfahrenen Nutzer, der das alles bereits kennt, der weiss, wenn da der Wind,
diese Windanzeichen, diese kleinen Pfeile ganz oben etwas stärker sind, dann sollte man auf jeden Fall in die Windkarten schauen. Und dann erkennt der erfahrene Nutzer auch zum Beispiel Föhnströmungen oder starke Talwinde. Der unerfahrene Nutzer könnte sagen, ja, da scheint es wenig Wind zu geben und schaut sich nicht die Windkarten an, wo man dann eben sieht, es gibt eine Überströmung des halben Hauptkammers oder die Talwinde werden sehr stark werden.
Das heisst, je erfahrener man ist, desto weniger Wetter gucken muss man eigentlich noch.
Das würde ich jetzt nicht so unterschreiben, aber die Beobachtung und die Unterhaltungen mit erfahrenen Piloten zeigt mir tatsächlich, dass dort dann entweder sie sind schon sehr routiniert mit ihren Tools und sie wissen bereits ganz genau, was sie schauen wollen oder sie sagen wirklich, ich habe ein gutes Gespür für das Wetter und mir reicht es, die Großwetterlage anzuschauen, aus dem Fenster zu schauen und dann weiss ich eigentlich, was los ist. Dieser Skill, der geht ein bisschen verloren heutzutage mit all diesen detaillierten Tools. Vergessen. Die Leute manchmal, wie wichtig und auch wie spannend es ist, sich eigentlich ein eigenes Modell zu bilden im Kopf und zu lernen, was bedeutet jetzt eine gewisse Druckverteilung, was bedeutet jetzt der Frontdurchgang konkret für bei mir zu Hause, konkret für meinen Flug oder meinen potenziellen Flug.
Das ist manchmal schade und da sehe ich natürlich auch uns als Provider in einer gewissen Verantwortungsrolle, dass wir den Leuten immer noch die Möglichkeit geben, sie eigentlich dazu zu zwingen, sich ein eigenes Modell zu machen und selber ihren Kopf und ihr Wissen einzuschalten, um Entscheidungen zu treffen.
Hast du so ein eigenes Modell?
Ja, absolut. Das finde ich auch spannend. Das ist meine Passion, immer versuchen, noch ein bisschen mehr zu verstehen, als was das Modell da anzeigt und eigentlich ein bisschen besser zu wissen, wie das Modell etwas prognostiziert. Ansonsten würde ich nur blind sein. Ich würde den Modellen glauben und da hätte ich eigentlich nichts mehr zu tun. Ich möchte eigentlich die Modelle auch dann verbessern und Feedback geben, einerseits bei den Wettermodellen, da sind wir natürlich auch in Kontakt mit den Entwicklern, das ist in den großen Wetterservices bei MediSchweiz und Deutschen Wetterdienst und da ist es natürlich spannend, Feedback zu geben, aber auch bei unserem Thermikmodell. Da braucht man ein eigenes Modell oder eigene Modelle, eigene Vorstellungen, wie Prozesse funktionieren.
Um die Modelle überhaupt verbessern zu können.
Würdest du denn sagen, dein Modell ist besser als das Modell mit denen, also diesen vielen anderen gerechneten Modellen, mit denen du arbeitest? Schlägst du die Modelle in vielen Fällen?
Ich habe noch nichts davon gehört, dass es ein XContest gibt. Also es gibt ja die Wetter XContest, wo man sozusagen Tipps abgibt in Davos.
Wohne ich zusammen mit Leuten vom Lawinenforschungsinstitut SLF, dort machen wir ein Schneehöhrentippspiel. Und da versuchen wir natürlich etwas besser zu sein als die Modelle, weil man könnte einfach die Modell -Output -Statistik nehmen. Und da versuchen wir natürlich unser Prozessverständnis noch einfließen zu lassen. Und solche Contests gibt es, aber ich wüsste nicht von einem solchen XContest bezüglich Flugwetter, ist natürlich auch ultra komplex. Deshalb glaube ich, ich muss die Frage mit Ja beantworten, ansonsten kann ich nicht zuversichtlich sagen, dass ich einen Beitrag leisten kann.
Das klingt jetzt sehr viel, dass du so ein echter Wetterkontest hast. Wie bist du das eigentlich geworden? Also wann hast du angefangen, dich mit Wetter zu beschäftigen?
Ja, das war tatsächlich sehr früh. Ich weiß auch nicht, warum. Wahrscheinlich liegt es daran, dass hier in Südtirol, wo ich gerade bin, bin ich aufgewachsen und es ist ziemlich auf dem Land, würde ich sagen. Kleines Dorf, Wengen in den Dolomiten.
Und man ist natürlich ständig in Kontakt mit Wetter auf dem Land. Und ich kann mich erinnern, wie mich mein... Wie mir mein Opa erzählt hat, von den Windrichtungen. Hier ist ein kleines Tal und hier hat er gesagt, wenn der Wind nach oben zieht, sozusagen Talwind würden wir jetzt sagen, und da Wölkchen noch drin hängen, also so Nebelfetzen, nach einem Gewitter passiert das oft, dann kommt nochmal Regen, dann regnet es nochmal. Und der Prozess dahinter ist eigentlich, dass es wieder Aufwinter gibt und dass sich wieder neu was zusammenbrodeln kann. Und wenn der Wind von oben kommt nach einem Gewitter, dann klar. Dann fängt es danach eigentlich auf. Und ich habe dann angefangen, als Kind schon solche klimatologischen Saisons und Wochenberichte zu schreiben, wie das Wetter war, wie viel es geregnet hat.
Meine Familie ist zwar nicht eine Bauernfamilie, aber natürlich sind da viele Bauern. Und da ging es natürlich um, wie gut das Gras gewachsen ist, weil wir haben dann auch geerntet für unser Spielchen. Und da ging es dann darum, wann welche Blumen bereits blühen im Frühjahr. Und im Winter habe ich zum Beispiel Schneehöhen gemessen. Also ja, ich war schon ziemlich früh ein Wetter -Nerd.
Und stand für dich dann auch schon früh fest, dass du später als Meteorologe arbeiten möchtest? Tatsächlich nicht.
Das hat sich sehr mit dem Lauf der Zeit ergeben. Ich habe nämlich zuerst wollen Lehramt studieren, schon immer naturwissenschaftlich in diese Richtung. Das hat mich immer sehr interessiert, Physik, Mathematik. Und habe dann ein Jahr in einer Schule gearbeitet und habe dann aber gemerkt, dass es vielleicht doch nicht der richtige Platz ist für mich. Und in meinem Peru -Aufenthalt, da war ich ein halbes Jahr, da hatte ich Kontakt mit einem Glaziologen, einem peruanischen Glaziologen. Und er hat gemerkt, dass ich sehr viel Interesse für die Umwelt, für die Themen rund um die Umwelt habe. Und er hat gemeint, wenn ich das studieren möchte, dann sollte ich unbedingt nach Zürich, weil es dort einen guten...
...einen guten......Studium gibt, Umwelt -Naturwissenschaften. Und als ich zurückkam, konnte ich nicht anders als mich dort mal bewerben. Und dann bin ich da ins Umwelt -Naturwissenschaften -Studium reingekommen. Und da gibt es eine Vertiefung, die heißt Atmosphäre und Klimawissenschaften. Und da bin ich bereits Pilot gewesen. Und wahrscheinlich auch deshalb hatte ich ein unglaubliches Interesse für die Atmosphäre und wollte verstehen, wie alles besser funktioniert und bin so ein bisschen reingerutscht.
Also dein Opa, deine Fliegerei und ein Glaziologe in Peru haben dich zur Meteorologie, also zum Studium dann letzten Endes gebracht. Vereinfacht gesagt.
Könnte man so sagen. Waren sicher Pfeile auf meinem Weg, ja.
Als du es dann studiert hast, war das das, was du erwartest hattest? Oder war das dann, dass du merkst, oh Meteorologie, zumindest im Studium, das ist ja ganz viel Statistik und Mathematik und Sonstiges. Und dann hat das ja vielleicht gar nicht mehr so viel mit dem zu tun, mit dem du dich früher draußen so beschäftigst. Oder jetzt auch von der Fliegerei so draußen so beschäftigst, wo du sagst, ich fühle wirklich das Wetter und kann dann Schneehöhen messen oder was auch immer alles. Sondern ganz viel Theorie und auch Sachen, wo du sagen musst, das sind jetzt so groß angelegte Wettermodell und sonst was. Sachen, die mich jetzt lokal vielleicht gar nicht so sehr interessieren oder gar nicht so wichtig sind.
Ich habe es tatsächlich nie als eine Last empfunden, weil es hat sicher eine gewisse Zeit gebraucht, bis ich das akzeptiert habe. Dass die Meteorologie eigentlich wirklich viel Computer ist und wenig Natur, wenig draußen. Das Coole ist natürlich, dass ich den eigenen Weg dazu gefunden habe, beides zu verbinden. Aber ja, im Studium natürlich war viel Mathematik, Physik, Programmieren. Aber ich muss sagen, ich habe dann auch die Freude daran gefunden. Oder diese Kombination aus diesem super technischen und doch sehr praktischen. Also ich programmiere. Ich programmiere ja nicht irgendwelche abstrakten Large -Language -Models oder trainiere irgendwelche Machine -Learning -Algorithmen, sondern ich programmiere etwas, was ich danach mit meiner eigenen Haut spüren kann, wenn der Wind hochweht oder mit meinem eigenen Gleitschirm dann nutzen kann.
Das macht schon Freude.
Also du kannst deine eigene Programmierung gewissermaßen auch validieren und sagen, bringt das wirklich was oder auch nicht?
Genau. Also ich sage immer... Es ist ein Arbeitstag, wenn ich fliegen gehe, weil ich muss ja validieren gehen, wie die Prognosen jetzt stimmen.
Tatsächlich bin ich da schon eher konzentriert auf meine Freizeit und ich versuche auch, meine Zeit in der Luft nicht damit zu verbringen, die ganze Zeit ans Modell zu denken oder zu denken, was das jetzt mit X -Term zu tun hat, sondern wirklich auch eine Zeit für mich und wirklich Freizeit zu machen.
Aber geht es dir denn dann trotzdem manchmal so? Beispielsweise. Du sagst, ich will heute Nachmittag oder heute Mittag fliegen gehen. Du guckst dann in deine eigene X -Term -Prognose für die Region, wo du fliegen gehst und da steht jetzt, die Wolkenbasis soll heute auf 3200 Metern liegen, am Nachmittag um 14.30 Uhr oder sowas. Und dann startest du und du merkst jetzt, okay, ich komme aber nur auf 2.9 bisher. Dass du sagst so, okay, ist jetzt mein Modell falsch oder fliege ich einfach kacke und muss ich noch die passende Thermik? Dass ich doch noch die entsprechenden paar hundert Meter Höhenmeter dann noch dazubekomme. Also geht dir das manchmal so, dass du dann wirklich im Flug denkst, okay, bin ich der Fehler oder ist das Modell der Fehler?
Ich glaube tatsächlich der Gedanke, bin ich der Fehler, im Vergleich mit Prognosen, also dieser Gedanke kommt selten bei mir vor. Wahrscheinlich, weil ich eine besondere Sensibilität habe für wie viele Unsicherheiten da dabei sind beim Modell selber.
Und da denke ich eher. Im falschen Ort, in der Region zum Beispiel.
Jetzt bei uns ganz konkret sind ja die Prognosen, mittlere Prognosen für eine Region und das hängt natürlich sehr stark davon ab, in welcher Thermik ich mich gerade befinde, ob ich jetzt diese Basishöhe erreiche oder ob ich diese starke Thermik oder diese schwache Thermik dort finde. Und deshalb kommt seltener der Gedanke, bin ich der Fehler? Außer ich mache einen Fehler, wo ich sage, aber da bin ich jetzt wieder flugstrategisch unterwegs. Und sage ich. Ich weiß, ich habe flugstrategisch einen Fehler gemacht. Das war letzten Herbst so, da habe ich unsere Bomben Thermik -Prognose gesehen für das Engadin und wollte mir diesen Traum erfüllen, über den Bernina oder am Bianco -Grad aufzudrehen. Und bin dann natürlich von Davos ins Engadin gefahren, getauchte Zeit und damit die Bahn hoch und bin dann gestartet.
Ich war eigentlich der Erste oder der Zweite, der gestartet ist und bin dann einfach an einem Thermikschlag vorbei geflogen. Bin da einfach nicht am richtigen Ort hingeflogen, hatte mehrere Gründe, auf jeden Fall da war es dann wieder so, da habe ich mir gedacht, ja, natürlich bin ich, da war ich zu blöd, oder? Und da hat es dann weniger mit dem Modell zu tun oder mit dem Modellvalidieren zu tun und mehr mit dem, ja, bin einfach nicht in die Thermik geflogen, sondern
vorbei. Das heißt, die anderen, die nach dir gestartet sind, die sind aufgedreht, die haben diese supertolle Basis gehabt und du standst irgendwo am Boden. Aber ärgerst du dich dann oder ist das so etwas, dass du sagst, okay, das muss ich jetzt auch einfach nur analysieren, validieren, was ist da passiert?
Ich habe mich ziemlich geärgert, weil ich weniger, sagen wir mal, zehn Sekunden nach meinem Fehler realisiert habe, dass ich diesen Fehler gemacht habe, aber ich konnte nicht mehr umdrehen, weil es war so ein kleiner Pass, konnte dann nicht wieder zurückfliegen in die Thermik rein. Du warst dann schon zu tief, du kamst nicht mehr über den Pass drüber, oder? Genau, ich war da schon zu tief, ich kam nicht mehr zurück und da hat es mich schon ziemlich geärgert. Und ja, es waren unglaublich viele Piloten in der Luft und natürlich habe ich dann Live -Tracking gecheckt und gesehen, ja, die Prognose stimmt, aber ich bin am Boden. Aber gehört dazu zu unserem Sport, oder? Das passiert
jedem.
Apropos Prognose stimmt, das siehst du dann ja dann, wenn du sagst, ich gucke im Live -Tracking, wie hoch drehen die Leute denn wirklich auf und sowas. Dann kannst du sagen, ja, die von uns berechneten Basishöhen, das scheint so einigermaßen zu stimmen. Machst du das wirklich so regelmäßig, dass du auch vielleicht am Ende eines Tages, zumindest an den guten Tagen wahrscheinlich, wirklich nochmal auch in den XContest guckst und dir dann aus den wichtigen Regionen die guten Flüge raussuchst und dir die Höhenprofile anguckst und wo sind die geflogen und wie hoch kamen sie und wann, zu welcher Zeit?
Ja, absolut, das gehört zu unserer Arbeit. Wir entwickeln ja das Modell gemeinsam mit Olivier Liechti ständig weiter. Er ist der Modellentwickler, hat das Modell seit über 40 Jahren fortlaufend entwickelt und wir haben das Modell auch in den letzten Jahren entwickelt. Und unsere Rolle ist schon auch, vor allem im Gleitschinsport, er ist selber Segelflieger, Rückmeldungen zu geben und wir machen das tatsächlich so, also hauptsächlich mache ich das. Wir schauen uns die geflogenen Flüge, XContest, auch bereits im Live -Tracking manchmal, schauen wir uns an, vergleichen die mit den Höhen, mit den Steiggeschwindigkeiten. Ich mache das selten mit einzelnen Flügen, weil ein Einzelflug halt nicht repräsentativ ist. Aber wenn mehrere Flüge in einer Region sind, die der Auftrag sind, dann ist das auch so, dass wir auch zeigen, dass da irgendwas daneben ist, dann schalten wir das genau an, dann besprechen wir das zusammen mit Olivier und dann können wir natürlich sofort Anpassungen an den Parametrisierungen, also an den zeitabhängigen Parametrisierungen machen.
Wie
machst du das dann, XContest? Gibt es da die Möglichkeit, so Flugbuddies von Leuten, also die gemeinsam geflogen sind oder in ähnlichen Regionen, die lässt du dir dann alle gleichzeitig anzeigen und dann so die Höhenkurven übereinander legen, dass du siehst, okay, die haben alle ungefähr dasselbe erreicht?
Genau. Es gibt ja auch diese Spots, Hotspots, weiß gar nicht genau, wie das heißt, dort sieht man eigentlich, von welchen Startplätzen wurde am meisten geflogen.
Daily Hotspots heißt das, glaube ich.
Daily Hotspots, genau. Und dort schaue ich eigentlich am häufigsten rein, weil das gibt schon mal eine erste Validierung der potenziellen Flugdistanz, oder? Haben wir die richtigen Bereiche prognostiziert, wo am besten geflogen worden ist in Europa an diesem Tag? Genau. Und dann? Dann schaue ich mir eben, wie du sagst, mehrere Flüge gleichzeitig an. Ich lade mir da auch noch ein paar Flüge runter und mache noch, also als ein Flug IGC -Files kann man natürlich noch weiter Analysen machen mit den einzelnen Thermiken, den Steiggeschwindigkeiten und so weiter. Das ist tatsächlich ein bisschen umständlich jetzt beim XContest. Bei den Segelfliegern, da gibt es das WeGlide und das ist ein cooles Projekt dort, ist da alles eigentlich Open Data, das heißt, ich kann dort per Programmierung via API, kann ich dort die Flugdaten holen und eigentlich direkt täglich mir eine Validierung ausspucken lasse.
Und das hilft natürlich unheimlich, dass man nicht alles manuell machen muss.
XT -Therm, erzähl mir mal, wie du eigentlich da hingekommen bist, weil du hast jetzt ja studiert, aber wenn ich es richtig weiß, hast du auch im Studium schon für XT -Therm auch mitgearbeitet. Wie kam das?
Ja, ich war im Master und zu unserem Master gehört ein Pflichtpraktikum dazu. Und da habe ich mich dann auch mitgearbeitet. Ich habe mir dann überlegt, was könnte ich jetzt in so einem Praktikum ausprobieren, was ich vielleicht sonst nicht ausprobieren kann, wenn ich in Zukunft mal eine Arbeit suche.
Und ich habe XT -Therm damals gekannt, ich habe es genutzt für meine Flüge, also ich habe es erst in der Schweiz kennengelernt, als ich in die Schweiz gegangen bin, um zu studieren. In Südtirol war das damals noch nicht so bekannt und ich habe dann gedacht, ja, ich frage einfach mal an. Weil was die da machen, scheint ja ganz spannend zu sein mit Thermikprognosen und generell Wetterprognosen für Gleitschirmflieger. Ich habe dann eine Mail gemacht und da hat mir der Dani von XT -Therm zurückgeschrieben, ein Praktikum wird schwierig, weil er nur allein in der Firma ist und nur Teilzeit daran arbeitet und deshalb eine Vertreuung, wie es die Universität vorsieht, nicht möglich ist. Und da wäre natürlich mit wöchentlichen Meetings und so.
Aber er hat gesagt, ja, vielleicht. Da ergibt sich eine andere Zusammenarbeit, er braucht immer wieder Unterstützung und auch im Meteo -Bereich, er ist selber Software -Entwickler und dann war zuerst mal das so im Hinterkopf und dann wurde es 2023, hat mich dann Dani gefragt, hat gesagt, ja, er hatte da jetzt was Konkretes. Es geht darum, da ist der DWD die Produktion des Rektormodells abschalten wird und dass die Produktion dann funktioniert. Und dann haben wir jetzt die Flexibilität, die Regionen anzupassen und er möchte das machen und dafür bräuchte es jemanden, der ein Prozessverständnis hat und mit dem Olivia Licht, dem Modellentwickler, sich zusammensetzt und diese Regionen anpasst und weiterentwickelt.
Und ja, dann habe ich ein Praktikum gemacht im Sommer 2023, Remote -Praktikum, weil ich war da auch hier in Südtirol. Ich organisiere hier ein kleines Reggae -Festival, deshalb bin ich im Sommer oft gebunden hier und habe dann tagsüber remote an den Regionen gearbeitet, die jetzt die X -SATAM -Benutzer verwenden. Und das hat gut geklappt, hat gepasst, mit Dani zusammenzuarbeiten, war super cool und spannend. Ich habe gleich sehr viel Einsicht bekommen, wie X -SATAM funktioniert, was es da alles zu entwickeln gäbe und das hat mich natürlich angefixt, würde ich sagen. Das hat mich sehr motiviert, da weiterzumachen und danach konnte ich dann weiterarbeiten,
immer noch im Teilzeitpensum und die Aufgabenbereiche haben sich natürlich ein bisschen verschoben, ein bisschen mehr noch ins Meteo nölt, was mir ja passt. Aber gleichzeitig auch noch, also wir sind eine kleine Realität, wir sind ein Viererteam,
gleichzeitig auch noch viel Kommunikation. Und ja, das hat mich sehr motiviert. Und ja, Marketing, Geschichten und solche Sachen.
Was bist du da jetzt bei X -SATAM, bist du da jetzt CMO, so Chief Meteorologe, also Chef -Meteorologe?
Ich habe noch nie nach einem Titel gefragt, muss ich Dani mal fragen, aber ich denke, das könnte passen.
Wir sprechen ja jetzt immer bei X -SATAM, du sagst auch so, ja, es gibt diese Thermikregionen und die mussten wir anpassen und so etwas. Erklär vielleicht einfach mal, was ist der Unterschied zwischen X -C -Therm mit seiner Rectherm -Prognose? Bei Burner ist das auch in ähnlicher Weise hinterlegt als Modell, da wird auch in Regionen gerechnet. Was ist der Unterschied? Warum ist es sinnvoll, bei Thermiken vielleicht in Regionen zu rechnen und nicht wie andere Anbieter das machen, die quasi flächige Thermik -Prognose -Karten bieten, die aber nicht in Regionen aufgeteilt sind?
Die Zuhörer, die auch bei X -C -Therm mit seiner Rectherm -Prognose sprechen, sagen, bei der Präsentation beim DHV -Seminar zu hochauflösenden Wettermodellen dabei waren, die haben ja gehört, dass ein Modell eine gewisse Rasterauflösung haben muss, um einen Prozess aufzulösen. Bei größeren Prozessen, zum Beispiel Föden, reicht es in großen Tälern bereits im Kilometerbereich als Auflösung. Bei Thermik sprechen wir da, das wissen wir alle, um sehr kleine Prozesse oder ein Radius einer Thermik. Sagen wir mal, die kleinen Huyas -Thermiken sind vielleicht sehr klein, aber wenn wir sagen,
wir lösen das Modell ganz, ganz, ganz fein auf, dann sehen wir diese Thermiken. Aber wie gesagt, da müssten wir in extrem hoher Auflösung rechnen, also um die 30 Meter zum Beispiel. Und das ist rechnerisch einfach nicht möglich. Bisher zumindest. Und der Ansatz von Rectam, und der Ansatz ist bereits ziemlich alt, also Rectam hat eine 40 -jährige Geschichte, ist, dieses Problem so zu lösen, dass man sagt, okay, wir können nicht jede Thermik einzeln prognostizieren, aber wir können Regionen zusammenfassen und in diesen Regionen können wir dann aber das Gelände, welches die Thermiken auslöst,
hoch auflösen. Also wirklich in kompletter Auflösung. Und das Rectamodell sieht dann innerhalb dieser Region, sieht da, dass das Tal sehr tief runter geht, dass es dort dann Schatten gibt, es sieht, dass es irgendwo sehr viel Fläche gibt, die vom Süden angestrahlt wird und Wald drauf hat und deshalb gute Thermiken gibt. Es sieht, dass es hohe Berge gibt mit Schnee drauf, die natürlich auch die Thermik beeinflussen. Und all diese Details, die in einem Wettermodell, egal wie hoch aufgelöst, also auch in einem Kilometer Auflösung. Einfach nicht drin sein können. Das
heißt jetzt nur vom Verständnis her, Recterm legt zumindest für seine Thermikberechnungen her, rechnet das im Grunde mit einem Gelände erstmal, wo er sagt, ich lege ein viel feineres Raster noch darüber. Verstehe ich das richtig? Genau.
Wie fein ist dann dieses Raster, zumindest wo der dann das Gelände aufrastet und sagt, da habe ich diese südlich ausgerichteten Flächen und da habe ich Schatten im Tal ab Sonnenstand, wenn das unter 30 Grad sinkt oder sowas. Also wie fein rechnet da Recterm intern und damit auch XT -Therm?
Das ist dann tatsächlich 30 Meter Auflösung. Okay. Und das ist dann der Riesenvorteil, dass man durch die Zusammenfassung in Regionen eben diese Möglichkeit hat. Und da macht es natürlich einen großen Unterschied zu den Wettermodellen, die ein Kilometerboxen haben. Und man kann sich dann auch so vorstellen, in einer Kilometerbox wird das Vertikale steigen, also die Thermik, die wir dort einsetzen. Und ich versuche herauszusuchen. Nicht so präzise sein, weil entweder man holt das mittlere Steigen aus dieser Box raus oder man berechnet auf dem Profil eine spezifische Thermik. Da muss man aber auch festlegen, wie groß ist die jetzt, damit man eine Steiggeschwindigkeit erhalten kann. Und beim Recterm, da sind das wirklich realistische Thermiken, die prognostiziert werden.
Und die werden auch noch feiner vertikal gerechnet, also dort rechnet es mit 100 Meter Auflösung. Das Output -Format zeigt 200 Meter Auflösung an. Weil jetzt sprechen wir wieder über Unsicherheiten oder man könnte unglaublich ins Detail gehen und da alles anzeigen, aber das vermittelt eine falsche Sicherheit. Das heißt, auch vertikal rechnet es da viel präziser, als was ein Wettermodell für eine vertikale Auflösung hat. Und
was fließt dann in so eine Thermikberechnung mit ein? Also simuliert gewissermaßen ein Recterm wirklich eine Thermikblase und sagt, okay, morgens früh sind die noch kleiner. Da sagen wir, die kriegt eine durchschnittliche Auflösung. Die haben eine Ausdehnung von 100 Metern und am Nachmittag werden sie halt größer und da rechnen wir mit Thermiken, die eine Volumenausdehnung von 300 Metern haben und deswegen allein vom Volumen her auch besser steigen werden oder wie funktioniert das?
Das, was tatsächlich relevanter ist als die Größe dort, ist die Sonnenenergie, die reinkommt, was passiert mit dem Boden, wie wärmt sich der Boden auf, was macht das mit der Luft und dann natürlich die Schichtung, oder? Ja. Und ein ganz wichtiger Punkt ist, dass das Recterm auch eine eigene Schichtung berechnet. Das heißt, es nimmt nicht einfach die Profile dieser Muttermodelle. Es braucht Output von diesen Muttermodellen, also von den Wettermodellen selber. Recterm ist nicht alleinstehend. Es braucht immer den Input aus den Wettermodellen, aber es rechnet dann eine eigene Schichtung und die ergibt sich dann und berücksichtigt auch die Talwinde, also das Gleichwinde zwischen den Regionen.
Subsident, wie wir das in der Meteorologie nennen. Also wie die Luftmasse, die absinkt als Ausgleichsströmung der Thermiken und von dort, wo es aufsteigt. Wie berechnet das eigentlich ein internes Vertikalprofil und das stimmt meistens einfach viel besser als die Wettermodelle, weil eben wieder die Auflösung.
Aber ihr rechnet dann pro Region ein Vertikalprofil oder sagt ihr dann, wunderbar, wir haben eine Auflösung von 30 Metern. Also ich rechne über die ganze Region verteilt ein paar Tausend Meter. Das sind Profile, die alle 30 Meter Abstand zueinander haben.
Intern läuft das alles sehr detailliert, aber was wir dann weiterverwenden für das Endprodukt, das ist ein Profil pro Region. Das ergibt auch Sinn, weil die Region eigentlich, also die Annahme von Recterm, es taugt, dass sich die Aufheizung und die Thermikbedingungen sind abhängig von den Talwindsystemen, weil die Talwinde bringen eigentlich die Luft. Je nachdem, woher deine Luft dann kommt. Ja. Ja. Je nachdem, woher deine Luftmasse kommt, hast du andere Bedingungen. Das sehen wir hier in den Dolomiten unglaublich gut. Wenn man hier in Alta Badia fliegt, wo ich Fliegen gelernt habe, da sieht man immer die Region um Cortina, die eine südliche Anströmung mit dem Talwind, mit malpinen Pumpen hat.
Dort kommt die Luft eigentlich vom Flachland, von der Pianura Padana und weiter geschaut eigentlich vom Mittelmeer. Die hat viel, viel tiefere Basis.
Die Luft ist viel feuchter, die dort angeliefert wird.
Viel feuchtere Luft aus diesem Bereich, stabile Schichtungen, Invasionen, die man so kennt unter 1500 Meter dort. Es ist sehr schwierig, sich auszugraben, wenn man vom Pustertal spricht, da hat sich jeder schon mal unter 1500 Meter ausgegraben. Also da ist wirklich, da sieht man ganz augenscheinlich diesen Unterschied, woher die Luftmasse kommt. Und der Ansatz von Recterm ist eben genau diese Region zusammenzufassen jeweils. Ja. Und dann mit Talwinden diese Luftmassenadvektion zu simulieren. Deshalb macht es auch Sinn, dann zusammenzufassen und dann nicht in einer Region ein Profil zu haben.
Nun musst du mir auch nochmal was erklären. Die Talwinde. Wenn ich es richtig verstehe, die meisten Wettermodelle sind eigentlich von ihrer räumlichen Auflösung noch zu grob, um viele Täler überhaupt abbilden zu können. Die großen Täler passen in das Raster quasi schon noch rein, die werden davon dargestellt, aber feinere Täler dann nicht mehr. Das heißt, diese Talwinde sind eigentlich in diesen Meteor -Modellen nicht drin. Wie kommt dann Recterm zu seinen Talwinden?
Spannende Frage. Bei Recterm ist es tatsächlich so, dass es nicht mit der Dynamik, also mit den Windfeldern der Muttermodelle arbeitet. Die Windfelder aus den Muttermodellen kommen rein für diese Anzeige dieses Windes in der Region, was ja sehr unsicher ist. Der
Durchschnittswind, der dort ist, ja.
Genau. Dort kommt es rein, aber nicht in die Berechnung zum Beispiel für die Talwinde. Die Talwinde. Also konzeptionell funktioniert ja die Talwinde nicht nur, aber hier müssen wir vielleicht ein paar Abstriche machen jetzt, wenn wir darüber sprechen, aber durch den Druckradienten, der entsteht zwischen dem Flachland im klassischen Sinne und dem Tal, weil dort mehr Luftmasse aufsteigt. Dann gibt es den Volumeneffekt, dass sich die Luft, also die gleiche Energie teilt sich auf weniger Luftvolumen auf und deshalb heizt sich die Talatmosphäre stärker auf und diese Luft steigt an. Und deshalb saugt es von unten nach. Und genau diesen Druckradienten kann natürlich Rektan berechnet werden. Weil Rektan berechnet das Aufsteigen der Thermikblasen und dadurch entsteht dann ein Sorgeffekt sozusagen in jeder Region.
Und dann zieht diese Region Luftmasse aus der Nachbarsregion an. Das passiert sozusagen mit einem Windvektor zwischen den Regionen. Da geht es also nicht darum, von Talwind zu wissen, wo der Wind ist. Wo genau fließt er durch. Sondern man weiß, diese Region hat stärkeres Steigen. Total. Also da geht es jetzt nicht um einzelne Thermiken, sondern um die totale Luftmasse, die sich von der Oberfläche in die Höhe bewegt und dadurch hat es einen Sorgeffekt aus der anderen Region.
Da wird quasi Luft von der einen Region zur anderen geschaufelt. Genau. Und das kann Rektan nachbilden. Aber Rektan zeigt nicht, oh der Talverlauf ist so und ich verfolge genau das Luftpaket, wie es dort durchrutscht. Sondern sagt nur, Region A bekommt, weil es gerade bessere Thermik entwickelt, damit der Luftdruck dort eher abnimmt oder etwas niedriger ist als in Region B, kriegt es jetzt Luft noch zusätzlich geliefert durch Region B.
Genau. Sehr schön gesagt.
Okay. Ah, dann habe ich wieder was verstanden. Vielleicht die Hörer dann damit auch.
Dieses Rektermodell. Wenn ihr da jetzt Basishöhen berechnet, dann sagst du ja, das ist so die Durchschnittsbasishöhe für eine Region. Ist die Durchschnitt so, dass ihr immer quasi die gesamte Region anguckt und sagt, okay, wir sehen im vorderen Bereich, da ist die Thermik vielleicht schlechter, aber hinten, da zieht es super gut an diesem Tag und deswegen rechnen wir den Durchschnitt entsprechend aus? Oder ist es einfach ein Durchschnittspunkt, den ihr in der Region einmal festgelegt habt, wo ihr sagt, das ist so unser Standardpunkt, auf den wir rechnen?
Nein, der Durchschnittswert berücksichtigt wirklich die gesamte Region. Also das ist kein charakteristischer Punkt. Sondern es berücksichtigt die gesamte Region. Es ist natürlich eine schwierige Statistik in dem Sinn, dass wenn es in einem Bereich Thermik gibt und im anderen nicht, dann würde es ja die durchschnittliche Höhe der Basis zum Beispiel sehr stark nach unten ziehen, wenn es irgendwo Hochnebel gibt und so weiter. Also es ist ein bisschen tricky in dem Sinn. Aber es berücksichtigt auf jeden Fall die gesamte Region. Es ist kein Beispielpunkt, dass man sagen könnte, hey Leute, schaut mal, da ist dieser Beispielpunkt. Mit dieser Information könnte man sozusagen extrapolieren und sagen, ich bin so weit weg, wahrscheinlich ist bei mir Höhe bei mir tiefer. Das kann man tatsächlich machen, wenn man Erfahrung hat mit dem Tool.
Dann weiß man ein bisschen, mein Hausbad steigt meistens nur 200 Meter unter dieser prognostizierten Höhe an, wegen der lokalen Bedingungen. Da spielt natürlich auch die Einstrahlung, ist es ein Osthang, wird früher eine höhere Basis haben und später wieder eine tiefere. Weil es dann keine Energie mehr bekommt und so weiter. Das sind dann die lokalen Effekte. Und dort sind wir eigentlich auch wieder bei dem Punkt, dass die lokalen Effekte weiterhin trotz all dieser spannenden Modelle etwas bleiben, was der Pilot ein bisschen selber in die Hand nehmen muss, sich informieren muss, sich ein eigenes Modell machen muss, sich informieren muss über lokale Verhältnisse.
Und ich denke, das macht doch auch das Fliegen so spannend.
Natürlich birgt es auch Gefahren, die lokalen Gegebenheiten kennen zu müssen. Ich denke aber tatsächlich, dass mit Prozessverständnis, also nicht mit Modellen oder nicht mit Prognosen, aber mit Prozessverständnis kann man da sehr vieles bereits herausholen. Also ich muss da eigentlich nicht jede Flugschule anrufen oder jeden Tandem -Verein anrufen, um zu fragen, hey, wie ist bei euch der Talwind? Weil mit einem Prozessverständnis kann ich da ziemlich viel bereits herauslesen, die Luft, die Lehseiten.
Prozessverständnis heißt für dich, okay, ich weiß, wo sich bessere Thermik entwickelt und damit strömt eher die Luft entsprechend dahin nach und dann kann ich mir die Lehzonen dann vorstellen, überlegen, weil ich einfach sage, wenn es dahin zieht, dann muss es ja irgendwo herkommen, die Luft und darüber die niedrigeren Berge, die werden dann wahrscheinlich überströmt werden davon. Also das ist dein Prozessverständnis, was du da hast.
Genau. Es geht natürlich einerseits um die Thermiken, die da Luft und Lehse bilden können. Ganz wichtig sind natürlich dort wieder Talwinde, zu verstehen, wie funktioniert ein Talwind, in welche Richtung zeigt er, vor allem wenn es besondere Topografie ist. Da wird es vielleicht ein bisschen trickier mit dem Prozessverständnis. Da ist es manchmal auch für mich kontraintuitiv, warum jetzt ein Talwind in die Richtung, den Maloja -Wind. Aber mit Prozessverständnis und einigen Informationen, kann man da sehr weit kommen. Auch zu verstehen, ein Talwind, der hat eine gewisse Trägheit oder der ist nicht so flink wie wir Gleichschirmflieger und kann dann einfach schnell links abbiegen, wenn er in dieses Tal rein fließt. Er geht zuerst mal hoch und schießt dann einen Gegenhang hoch und dann fällt er wieder runter und macht vielleicht auch solche Meander, wie man manchmal beobachtet.
Und hier können eigentlich die Modelle eben schon helfen, aber ich sage immer, sie helfen nicht für die Prognose. Also ich schaue da nicht rein und schaue morgen um 12 Uhr. Wie ist da der Talwind? Wie stark ist er? Wo zeigt er? Wo macht er Luft? Wo macht er Lee? Aber ich kann mit den Modellprognosen auch für Talwinde, kann ich vieles rauslesen, wie der Talwind funktioniert und wo er zum Beispiel solche Meander macht.
Diese Region, die ihr dort habt, du hast da vorhin gesagt, als du zu XC Therm gekommen bist, dann ging es auch darum, die Regionen neu zuzuschneiden. Und ich glaube, du hast ziemlich viel Arbeit dort gemacht. Du hast dort reingesteckt, weil du jetzt nicht nur für die Alten, sondern XC Therm deckt mittlerweile, wenn ich es richtig gesehen habe, den größten Teil von Europa ab. Überall hast du Regionen festgelegt, selbst im Island sind Thermikregionen eingezeichnet, habe ich gesehen und sowas. Ich weiß nicht, ob es Nutzer von XC Therm auf Island gibt, aber zumindest gibt es schon mal Regionen dort, die man dort haben kann. Wonach, also was war da für dich die Arbeit? Wie gehst du dabei vor, um zu sagen, ich weiß, das müsste hier eine sinnvolle, sinnvolle funktionierende Thermikregion sein? Sinnvoll funktionierend in der Form, dass es am Ende eine halbwegs sinnvolle Prognose dann auch gibt, weil man sagt, diese Luftmasse in diesem Bereich sollte halbwegs einheitlich sein, sodass ich sagen kann, wenn ich da den Durchschnitt bilde, dann passt das auch.
Ja, da kommt man eigentlich zurück zu dieser Annahme, dass die einheitlichen Thermikbedingungen
in Gebieten einheitlich sind, die begrenzt sind durch die Talwinde. Also wenn irgendwo eine, wenn ich irgendwo einen Kessel habe, dann kann ich da auch einen Kessel haben, der auf allen Seiten begrenzt ist durch hohe Berge, dann kann ich eigentlich davon ausgehen, dass die Luftmasse, die dort aufsteigen wird und auch das Umgebungsprofil ist geprägt von diesem Talwind, der unten reinkommt. Wie stark der ist, ist eine andere Frage. Und dann ziehe ich meine Regionsgrenzen eigentlich genau am Grad entlang. Etwas komplizierter ist es dann mit den voralpinen und alpinen und inneralpinen Bereichen, weil dort spielt es natürlich auch das Gleiche. Also das alpine Pumpen eine wichtige Rolle. Und der hält sich ja nicht an die Regeln des Talwinds, also an die Täler selber, sondern der überströmt ja gern Bergketten und vor allem, wenn die Täler transversal, also queer zum alpinen Pumpen stehen, dann kann man da nicht mehr so in Täler denken.
Und da ist es dann einfach eine Einteilung nach Voralpen, Alpen und inneralpinen.
Und dort fließen natürlich Erfahrungen von Piloten mit rein. Weil da gibt es natürlich lokale Eigenheiten, dass man weiß, diesen Berg überspült es eh die ganze Zeit, den kann man in die Flachlandregion tun. Und ab diesem Berg gibt es dann wirklich gescheite Voralpenthermik. Und ab hier ist dann die Basis plötzlich 1000 Meter höher. Das fließt natürlich auch noch mit rein. Und dann, was wir auch noch versuchen zu optimieren, ist Flugrouten tatsächlich, dass es userfreundlich ist. Also manchmal gibt es einfach nicht so eine klare Grenze. Wo zum Beispiel ein Tal, wenn man ein Tal längs aufteilt, zum Beispiel im Wallis, haben wir Unterwallis und haben wir Oberwallis.
Da gibt es vielleicht eher eine Grenze. Aber wenn man zum Beispiel das Inntal irgendwo aufteilt, dann gibt es nicht so eine klare Grenze. Ab hier ist die Basis plötzlich höher, sondern es geht graduell eigentlich den Tal entlang. Und dort versuchen wir dann eigentlich auch die Flugrouten zu berücksichtigen und zu sehen, wie kann ein User jetzt am idealsten mit möglichst wenig Klicks auf die Region trotzdem alle wichtigen Informationen bekommen. Im Flachland ist es natürlich noch mehr ein Thema, dass man die Flugrouten mit berücksichtigt, weil dort ist die Vorgabe des Geländes viel schwächer. Und im Flachland ist tatsächlich dann mehr das Konzept, dass die Topografie dort, wo die Topografie ähnlich ist, also irgendwo eine Gebirgskette, eine Hügelgruppe, dass man die zusammenfasst.
Das kommt dann daher, dass im Flachland hat man da keine gegebenen, es gibt eine Invasion, hat man im Flachland keine Topografie, keine Fläche, die sich aufheizen kann, oberhalb der Invasion und dadurch zur Thermik führen kann, sondern alles ist drunter und dann steht die Thermik an der Invasion sozusagen an. Man kann nicht wirklich fliegen. Und wenn es irgendwo eine Hügel - oder Berggruppe gibt, dann kann die Fläche, die oberhalb der Invasion liegt, kann sich aufheizen, kann auch sehr gute Thermik produzieren.
Das heißt aber, wahrscheinlich für dich jetzt, wenn du da diese Thermikregionen festlegen durftest und neu definieren durftest, du sagst, okay, mit meinem Wissen aus der Bergfliegerei, ich gehe dann diese Grat entlang, das ist so ein geschlossenes Tal, da kommt das von dort rein, also ich zeichne das mal so ein und sage, das ist hier so begrenzt, ist für die Berge ja relativ gut nachvollziehbar. Jetzt im Mittelgebirge teilweise vielleicht auch noch, je flacher es aber wird, desto schwieriger wird es wahrscheinlich dann an der Stelle werden. Drückt sich das letzten Endes dann auch damit aus, wie zutreffend die Prognosen von REC -Therm letztendlich sind? Also funktioniert REC -Therm in den Bergen besser als im Flachland?
Ich würde sagen, tatsächlich nein. Also die Regionsaufteilung im Flachland, dadurch, dass es flach ist, spielt weniger eine Rolle, wie die Regionen eingetat sind. Natürlich, wenn ich, etwas, was ich vergessen habe, ist natürlich die Bodenbeschaffenheit auch. Wenn ich Gebiete habe, die bewaldet sind und daneben habe ich Gebiete, die landwirtschaftlich bewirtschaftet werden und mit Bewässerung und so weiter, das hat natürlich auch einen Impact auf die Oberflächenbeschaffenheit und auf die Thermik. Aber sagen wir mal, wir machen das so gut, wie es nur geht, mit all den Informationen, die wir haben, Satellitendaten und so weiter, dann würde ich nicht sagen, dass das der Grund ist, warum die Prognose im Flachland weniger gut sein sollte, wie im Gebirge.
REC -Therm hat natürlich eine Geschichte, also geschichtliches REC -Therm, für die Berge entwickelt worden. Und bringt auch all seine Stärken in den Bergen besonders zum Vorschein, weil, ganz pauschal gesagt, die Thermik im Flachland etwas einfacher ist zu simulieren, zu prognostizieren. Und im Flachland, wie ich vorher die Vorteile von dieser Topografie, die wir komplett auflösen können, innerhalb der Region gesprochen haben, wenn wir das als Flachland ausweiten, dann hat REC -Therm mit dieser Methode nicht wirklich einen Vorteil gegenüber einem anderen. Mit einem normalen Wettermodell. Das gilt jetzt für die Topografie. Das andere, was ich gesagt habe, mit der vertikalen Auflösung, mit dem expliziten Berechner,
das mit der vertikalen Auflösung und des expliziten Berechnens des Paketaufstiegs, das gilt natürlich auch für den Flachlandplatz, natürlich auch dort für Vorteile.
Was mir auffällt, ich wohne gewissermaßen im Flachland, also Bonn hier ist so, Durchschnittshöhe ist irgendwie 60, 70 Meter, dann gibt es ein paar Mittelgebirge, dann geht es schon noch 100 Meter, 150 Meter. Und dann geht es wieder runter in die Täler rein und sowas. Aber es ist schon von oben betrachtet ziemlich flach, so gesehen. Und was mir hier bei der Fliegerei häufig auffällt, wenn man sich so Prognosen anguckt, also auch Thermikprognosen anguckt, wo dann manches ist, dass sich trotzdem relativ kleinräumig, also viel kleiner als eure Regionen, deutliche Unterschiede in der Thermik auch zeigen können. Wo du auch siehst, es gibt wirklich so wie das Klassische, was es im Großen gibt, es gibt das Tief, wo es aufsteigt und im Hoch sinkt es ab. Und du hast so wie so kleine Absinkinversionen und Bereiche, die halt dann stärker gedeckelt sind, wo nicht so viel hochkommt und andere Bereiche, wo es dann schön durchziehen kann.
Und es gibt teilweise so Inversionen oder feuchte Sperrschichten, die da drin hängen irgendwie, die in den Modellen, selbst wenn man sich dann in Windy irgendwelche Temps anguckt, die da gar nicht drin sind, die man beim Fliegen aber dann völlig merkt und merkt, ich heute, es ist so toll prognostiziert, aber ich komme hier bei mir nicht hoch.
Gäbe es da eine Möglichkeit, wie man das verbessern kann? Prognostisch gesehen? Oder anders gesehen, wie ich als Nutzer so etwas vielleicht vorhersehen könnte, dass ich sage so, hm, Lucian, rechne mal damit, vielleicht geht es heute doch nicht so toll, wie der XZ -Therm mir gerade erzählt oder welchen Dienst ich auch immer da gerade nutze.
Ja, ich glaube, so fest wir uns das wünschen, dass es die perfekte Prognose gibt, die all diese Herausforderungen mit Mikro, Klima und so weiter löst, glaube ich tatsächlich, also die höhere Auflösung wird helfen, hilft jetzt schon und wird auch in Zukunft immer weiter in eine Richtung bringen, die bessere Prognose liefert, aber wir werden nie verzichten können auf unsere eigenen Erfahrungen und auf unsere eigene Aufmerksamkeit, auf solche Sachen zu schauen. Es kann sein, eben eine Invasion, die einfach blöd ist, weil man nicht hochsteigt. Es kann ja auch etwas sicherheitsrelevantes sein. Und ich denke, da sollte man sich immer bewusst sein, dass so toll die Prognosen sind und werden, wir immer auf unser Verständnis und auf unsere Erfahrungen zählen müssen.
Jetzt für dein konkretes Beispiel, denke ich mir, kann das ein super hoher Auflösung sein. Man spricht ja in der Meteorologie oder in der Forschung von LES, also Large Eddy Simulations, da spricht man von einer Auflösung von 100 Metern zum Beispiel. Und dort werden natürlich krass kleine Prozesse sichtbar, Hangwinde, auch einzelne Thermiken und so weiter. Der Punkt ist, wenn das Modell jedoch nicht auf der Rasterauflösung auch Input hat, also Beobachtungen für den Startzeitpunkt, für die Initialbedingungen, dann wird es nur beschränkt etwas bringen, dieses Modell zu rechnen, weil wenn ich in diesem Kessel, wie ich es verstanden habe, wo du jetzt fliegen gehst, gibt es diese Invasion, weil sich dort vielleicht kalte und feuchte Luft sammelt.
Wenn ich dort keine Beobachtung habe und vielleicht reicht nicht meine Station, bräuchte man da wirklich ein Vertikalprofil, dann bringt diese höhere Auflösung eventuell gar nicht diesen Benefit, den wir da uns erhoffen würden.
Man müsste viel mehr messen. Man müsste viel mehr messen. Nicht nur. Die Messung ist eins. Die große Schwierigkeit in der numerischen Wetterprognose ist die Assimilation. Wie bringe ich all diese Messungen zusammen? Für mich als nicht -experimenteller Atmosphärenwissenschaftler ist eine Messung das Richtige. Vielleicht auch für dich, vielleicht auch für die meisten Gleitschirmflieger, wenn sie auf eine Messung schauen, dann sagen sie, das ist die Wahrheit, das ist die Realität. Aber die Realität ist viel komplexer als diese Messung. Die Messung ist an einem Punkt, die Station kann irgendwie gebiased sein, weil sie jetzt für den Wind in irgendeinem Lee ist, oder hinter einem Hügel für Temperatur im Schatten, nicht über Gras, sondern neben einem Haus.
Das Gerät kann Probleme haben. Ich habe da in meinem Studium, in den Vorlesungen, die ich hatte, in diesem Bereich von experimenteller Atmosphärenwissenschaft lernen müssen. Was uns da wirklich laut ins Ohr geschrien wurde, ist, Messungen sind falsch.
Man muss da immer aufpassen. Bei der Assimilation ist es eine große Herausforderung, all diese falschen Messungen in ein konsistentes Bild zu bringen. Welche Messungen schließe ich aus, wenn sie sich widersprechen? Die Meteor Schweiz hat ein sehr hohes Standard, welche Messstationen sie mit assimilieren, also mit berücksichtigen für die Anfangsbedingungen des Modells. Sie nimmt nicht einfach all diese vielen Temperatur - und Windstationen, die es gibt, sondern sie nimmt nur die, die ihrem höchsten Qualitätsstandard entspricht. Weil sie müssen ausschließen, dass es dadurch noch einen größeren Schaden gibt. Wenn sie falsche Messungen mit reinnehmen, gibt es einen größeren Schaden, weil das Modell wusste es ja dann eigentlich besser. Und sie tweaken dann das Modell so, dass es falsch ist.
Also eigentlich
wird die ganze Zeit mit lauter Pi mal Daumen -Werten gerechnet, wo jeder Wetterdienst, wenn du sagst Assimilation, ist ja Daten herannehmen und sie irgendwo reinkippen und sagen so nach bestimmten Regeln. Aber letzten Endes ist ganz viel eigentlich nur geschätztes Zeug. Ich
fühl das jetzt diesen Satz. Also nach
bestimmten Regeln geschätztes Zeug. Wenn man sich das so vorstellt, du hast eine Messstation am Boden. Die sagt dir super WMO -Standards und sonst irgendwas. Ich rechne wirklich perfekte Temperaturwerte für diesen Punkt. Die Einstrahlung wird genau gemessen. Der Wind wird entsprechend auf 10 Meter gemessen und sowas. Aber teilweise weiß der ja über diesen Punkt nicht, was ist jetzt 500 Meter drüber genau. Ja, und da kann ja vielleicht auch feuchte Luft reinziehen oder sonstiges, was da unten jetzt gar nicht gemessen werden kann. Und das ist vielleicht nur ein relativ dünnes Band an feuchter Luft, was dort für eine Weile dort reinzieht und eine Störung vielleicht macht oder mir eine Art Inversion dort schafft oder sowas, was aber dort gar nicht abgebildet werden kann. Und mir geht es manchmal so, wenn ich mir das so alles vorstelle, da wundere ich mich manchmal, wie gut eigentlich die Wettermodelle letzten Endes sind mit dem, was sie ausspucken, wie gut sie doch noch zu der Realität passen.
Ich glaube, da geht es jetzt gerade in dem Moment vielen Hörern so, wenn sie das alles hören und dieser Modell -Skepsis, da wundern sich vielleicht viele, dass die Prognosen doch so gut sind. Und das ist nicht jetzt meine Absicht hier, zu sagen, die Modelle sind schlecht, damit alle plötzlich das Gefühl haben, eigentlich sind sie ja gar nicht so schlecht. Aber es ist tatsächlich so, dass die Prognosen immer besser werden und wir wissen immer mehr und die statistischen Methoden, mittlerweile die Machine Learning Methoden, die da mit drinstecken, verbessern alles weiterhin. Aber wir sprechen immer noch von einem chaotischen System. Das kommt eigentlich direkt aus diesem Gedanken der Initialbedingungen, also die Anfangsbedingungen. Wenn wir die nicht perfekt kennen, können wir nicht die Zukunft prognostizieren, sondern irgendwann artet es aus.
Das kennt man als diese Metapher des Flügelschlags des Schmetterlings auf der anderen Planetenhälfte. Ich finde das Rot -Pendulum, vielleicht hast du davon schon mal gehört oder ein Video gesehen, vielleicht können wir das verlinken in der Podcast -Folge, das finde ich ganz anschaulich. Je nachdem, wie man dieses Pendulum am Start einstellt, und das kann auch so aussehen, als würde es genau gleich gestartet werden, passieren dann Muster und Sachen in diesem Pendulum,
die ganz unterschiedlich aussehen und so ähnlich ist es mit dem Wettersystem. Ganz kleine Unterschiede in den Anfangsbedingungen. Die können nach hinten außen, zumindest auf mehrere Tage raus, komplett unterschiedliche Folgen haben.
Jetzt hast du vorhin gesagt, XC -Therm, ihr macht dann auch immer eine Validierung. Du guckst, ist es denn wirklich so gewesen, wie wir jetzt vorhergesagt haben. Was passiert, wenn du feststellst, es ist nicht so gewesen? Wird dann sofort was an dem Modell getweakt? Wird da irgendwas gedreht an irgendeiner Stelle? Und was mich interessiert ist, ihr habt ja hunderte Regionen,
europaweit, und dann kann es ja sein, dass es in vielen Regionen gepasst hat, in einer anderen Region nicht. Wird das Modell wirklich so getweakt, dass es pro Region Stellschrauben gibt, wo du sagen kannst, okay, ich weiß jetzt in meiner Region in Südtirol, in den Dolomiten, da ist eigentlich immer die Wolkenbasis 200 Meter höher in der Realität als das, was wir bisher ausgeben. Also rechnen wir immer die 200 Meter automatisch für diese Region dazu. Also macht ihr wirklich das? Oder gibt es eigentlich so regionspezifische Anpassungen? Oder sagst du einfach, na gut, da muss ich die Region anders zuschneiden, damit es besser passt?
Also es gibt beides, Anpassungen auf globaler Ebene für das gesamte Modell. Das passiert aber eigentlich nur sehr selten, dass man sowas macht. Das wäre dann wirklich eine neue Version. Aber das ist dann sicher nicht mit einem Tag validiert, sondern mit mehreren Tagen bei unterschiedlichen Wetterlagen. Weil man kann natürlich das Modell optimieren, dass es passt, sagen wir mal für Hochdruck im Sommer, wo die längsten Flüge gemacht werden. Tatsächlich ist das auch eines der Foki. Das ist tatsächlich so, dass man Kompromisse macht und zum Beispiel schaut, dass die Prognosen im Sommer, wenn die langen Flüge gemacht werden, gut passen. Und dafür hat man vielleicht Prozesse und Mechanismen, die im Winter oder im Frühjahr im Gange sind, die weniger gut simuliert sind.
Das sind dann Kompromisse, die bewusst sind, weil es irgendwo eine Beschränkung gibt in den Formeln. Das sind ja physikalische Formeln, die dort drin sind. Und man kann Fallunterscheidungen natürlich machen, aber irgendwo ist es beschränkt. Es gibt die Anpassungen auf Modellebene, es gibt die Anpassungen auf Regionebene. Wenn ich sehe, eine Region ist ständig daneben, da ist was falsch. Da kann man natürlich die Anpassungen machen, verschiedene Parameter anpassen. Und was ich noch dazu sagen muss, ist, wir machen selten Anpassungen anhand eines Tages. Wie gesagt, man muss schauen, dass das Modell bei verschiedenen Wetterlagen funktioniert und nicht nur jetzt, eben bei Hochdruck, weil dann kommt eine Front und im postfrontalen Wetter, also dann, wenn die Luftrichtung labil und gut ist, da wollen wir, dass das Modell auch funktioniert, weil da kann man auch ganz tolle Flüge machen.
Und deshalb, wenn wir eine Änderung machen, dann testen wir die natürlich auch immer über längere Zeit, beziehungsweise wir rechnen dann auch in der Vergangenheit und schauen, hätte es mit dieser Version in der Vergangenheit gepasst. Und dann kommt sie erst raus. Es braucht natürlich Zeit, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass plötzliche und schnelle Anpassungen eigentlich nicht zielführend sind, weil dann dreht man die Schraube wieder zurück und dann passt sie irgendwo anders nicht.
Rechnet ihr bei Recterm auch, oder habt ihr schon mal ausprobiert Ensembles zu rechnen, wo man dann sagt, ich rechne nicht nur eine Lösung, sondern ich rechne mal zehn Lösungen mit ganz leicht verschiedenen Anfangsbedingungen oder sowas aus und gucke dann mal, wie groß ist die Spannbreite, um letzten Endes auch sagen zu können, ich gebe vielleicht am Ende nur ein Ergebnis aus, aber kann sagen, okay, die Zutreffwahrscheinlichkeit für dieses Ergebnis ist für heute sehr hoch und an einem anderen Tag steht drin, okay, ich sagte hier zwar eine Basis von 3,6 voraus, aber die Zutreffwahrscheinlichkeit davon ist heute vielleicht nur 60 Prozent.
Recterm wurde beim Deutschen Wetterdienst als Ensemble auch gerechnet. Da gab es Ensemble -PFDs, also potenzielle Flugdistanzen, die mit einer Wahrscheinlichkeit verteilt waren. Da hatte man so Boxplots der potenziellen Flugdistanz. Das ist mit unserem Setup gerade und mit den Datenmengen, die man dadurch laden müsste, tatsächlich etwas herausfordernd. Das haben wir dann auch nicht so gemacht. Es gibt natürlich andere Unsicherheiten, zum Beispiel das Modell oder das Muttermodell, was man da verwendet. Da können wir auch die Unsicherheit etwas abschätzen. Das ist dann die Unsicherheit zwischen den Modellen, die dann von Recterm mitgenommen wird. Das gibt natürlich dann auch eine Unsicherheit.
Was ist jetzt das Basismodell von Recterm? Was nutzt ihr da? Icon D2 oder ist das jetzt Alpenraum Icon CH1? Oder was habt ihr da jetzt als Grundlage?
Auf der Produktionsumgebung ist es Icon D2 und Icon EU. Weiterhin die Modelle. Man spricht immer von Kompatibilität und auch von Modellskalen. Und immer wenn ich sozusagen ein anderes Modell mit reinnehme, sagen wir mal, ich nehme ein 1 -Kilometer -Modell mit rein, das simuliert natürlich schon viel mehr von den Prozessen wie Thermik, Talwinde usw. Und dann kann es sein, dass die Inputdaten für das Recterm anders sind als bei einem Gröbern -Modell und deshalb Anpassungen bei Recterm gemacht werden müssen. Deshalb verwenden wir weiterhin die etwas Gröbern -Modelle, Icon D2 und Icon EU und haben damit eigentlich recht gute Erfahrungen.
Aber ihr habt ja eine Wetterseite, wo ja auch das CH1, also dieses 1 -Kilometer -Schweizer -Modell, schon die Winde und so etwas entsprechend da reingerechnet hat. Habt ihr denn Pläne zu sagen, irgendwann wollen wir auch die Thermik mit diesem 1 -Kilometer -Modell berechnen? Oder würdet ihr sagen, ich glaube letzten Endes für unsere Regionen, die ja schon etwas größer sind, da macht dieses 1 -Kilometer oder 2 -Kilometer, also Icon CH1 oder Icon D2, das macht eigentlich gar keinen großen Unterschied mehr, was die Qualität der regionalen Thermikprognosen betrifft? Dann überhaupt noch aus?
Das kann ich dir noch nicht sagen, weil das ist gerade der Inhalt unserer Forschung, unserer Recherchen, die wir gerade machen. Genau zu schauen, wie verhält sich das Rektor mit dem noch höher aufgelösten Modell.
Das heißt intern rechnet ihr sowas und ihr guckt dann mal, bringt das wirklich was oder auch nicht? Also es könnte vielleicht irgendwann kommen oder könnte auch nicht kommen, weil ihr sagt, es bringt eigentlich gar nichts. Es ist genauso gut, wie vorher auch. Oder schlechter sogar vielleicht, weil irgendwelche Fehler sich dort leichter aufschaukeln oder sowas. Ganz genau. Cool. Was ich aber gesehen habe, was ihr neu drauf habt auf der xD -Therm -Seite ist, ihr habt jetzt Wellenprognosen. Das ist wahrscheinlich eher in der Regel für die Segelflieger interessant, die jetzt Föhnwellenfliegen machen wollen und wissen wollen, wo steht denn die Hauptwelle und die zweite und dritte, wo kann ich einsteigen und wie kann ich da vielleicht auf 5000 Meter hochkommen oder sonstiges. Ist denn so eine Wellenprognose in irgendeiner Weise auch für Gleitschirmflieger interessant?
Ja, wie du sagst, die Wellenprognose ist natürlich für die Segelflieger gedacht. Die können unglaublich spannende und lange Flüge machen in den Wellen. Wir haben mit dieser Wellenprognose schon ziemlich viele Segelflieger erreichen können und sehr positives Feedback erhalten, dass die Position und das Timing sehr gut stimmen. Bei der Welle handelt es sich um einen ganz anderen Prozess als bei der Thermik. Ich würde sagen, sehr gut prognostizierbar. Die Unsicherheiten sind viel, viel, viel kleiner, weil dieser Prozess sich über Skalen, zeitliche und räumliche Skalen abspielt, die einfach viel größer sind. Eine Welle wird selten zehn Minuten lang da sein und dann wieder weg, wie es bei der Thermik oft so ist. Eine Welle hat sehr laminares Steigen über einen großen Bereich und eine Welle ist ausgelöst durch die Topografie oder natürlich auch durch Inversionen und so weiter, aber vor allem durch die Topografie, wie die Luft über die Alpen gedrückt wird,
das Luftpaket kommt in eine Höhe, wo es sich nicht mehr wohlfühlt, wo es eigentlich zu kalt ist und möchte wieder runter, geht auf der anderen Seite wieder runter, immer noch im Wind, also es wird verfrachtet, geht auf der anderen Seite wieder runter und schießt dann wieder hoch, weil es wurde zu weit runter gedrückt und so funktioniert eine Lehwelle. Und weil dieser Mechanismus mit hochauflösenden Wettermodellen recht gut dargestellt werden kann, sogar die Berggipfel sind da drin und relativ lokale Effekte sind drin, ist die Prognostizierbarkeit, die man mit der Welle hat, sehr gut.
Aber da rechnet ihr dann jetzt mit Icon CH1, also mit diesem 1 -Kilometer -Modell? Genau. Oder rechnet ihr dann noch feiner, weil ihr sagt, bei Rektern gehen wir auf gewissermaßen bis 30 Meter runter und wir rechnen dann intern unser Wellenmodell vielleicht auch mit nur 100 Meter Auflösung oder so was?
Rektern kann tatsächlich auch Wellen rechnen, jedoch ist dort das Problem, dass der Output nur möglich ist auf Regionenebene und das heißt, ich kann da wissen, ob es gute Wellen gibt, aber ich sehe nicht, wo sie sind. Und für die Segelflieger ist natürlich eine Riesenhilfe, zu wissen, wo genau ist das Zentrum dieses Steigens, dieser Welle. Dann können sie direkt auch hinfliegen und das können sie sich auch aus Erfahrung zusammendichten, aber eine solche Prognose ist natürlich eine Riesenhilfe. Und für die Gleitschirmflieger, wir haben sehr lange überlegt, wie wir das einbauen möchten bei uns, ob wir es einfach nur für die Segelflieger verfügbar machen wollen oder für alle und wie wir es kommunizieren. Eine Vertikalwindprognose, wie das die Wellenprognose ist, könnte ja auch täuschen und mit unserer Kommunikation haben wir jetzt versucht, möglichst klar zu machen, was kann es und was kann es nicht.
Diese Vertikalwindprognose kann an konvektiven Tagen, also an Tagen mit Thermik, kann es anzeigen, wo es gute Linien gibt, wo die Luftmasse besonders gut steigt, wo ein alpines Pumpen reinkommt, zum Beispiel habe ich das letzten Sommer beobachtet, im Engadin kennt man das, am Vormittag kann man gut auf der Westseite des Tals fliegen und danach kommt der Nordwind rein und überspült eigentlich ziemlich alles. Und solche Effekte sieht man sehr gut in dieser Vertikalwindprognose, dasselbe gilt für das Abendtal in Südtirol, dort schwappt auch der thermische Nord eigentlich drüber rein am Nachmittag und solche Effekte kann man sehen. Und ich sage jetzt wieder hier, das kann man nutzen, um etwas zum Prozess dazuzulernen. Ich schaue da nicht rein, an welcher Stelle und zu welcher Zeit, schwappt das genau drüber, weil da sprechen wir wieder über sehr kleinstgradige Prozesse, die nur teilweise aufgelöst werden können.
Das gleiche gilt eben, man sieht dann auf dieser Vertikalwindprognose den Montana -Flush im Wallis oder man sieht die Grimselschlange, wie sie sozusagen runterdrückt vom Grimselpass. Und für solche Sachen ist es für die Gleitschirmflieger natürlich auch sehr, sehr spannend. Die Wellenprognose, also wenn es Wellen gibt, ist natürlich auch ein Anzeichen, ein Alarmzeichen für uns Gleitschirmflieger, nicht fliegen zu gehen, wenn es starke Wellenaktivität gibt, ist es phönig. Und die Wellen sind ja wirklich auch diese gefürchtete Turbulenz, die hoch und runter drückt und auch sehr intermittent ist, also sehr schnell wechselnd. Und die Welle, die wir anzeigen, ist ein Stundenmittel. Da kann es vielleicht auch ruhig aussehen. Da kann man denken, dort steigt es, dort sinkt es und hier bei mir ist nichts.
Aber das ist natürlich ein Durchschnitt über die Stunde. Und die Bedingungen, die Windböen und so weiter, die kennen wir ja von Föhn. Und da sollte man nicht etwas vertauschen. Und es hat mich überrascht, dass einige Piloten, auch sehr gute Piloten, uns geschrieben haben und gesagt haben, sie haben richtig Freude mit der Wellenprognose. Und wie ich verstanden habe, gibt es einfach viele Nerds in unserer Community. Und das freut mich natürlich, weil ich als Nerd habe auch eine Freude gehabt zu sehen, die Vertikalkomponente des Windes visualisiert zu sehen. Und das kann natürlich auch einfach aus Neugierde und aus, aus dem Lernen, wie die Atmosphäre funktioniert, kann das ein Benefit sein.
Wenn so ein Nicht -Nerd -Gleitschirmflieger, der liest jetzt irgendwo, an welcher Quelle auch immer, DRV -Wetter oder sonstiges was, liest was, es könnte föhnig sein oder eine Föhnströmung liegt vor. Also man hat so eine kleine Warnung im Hintergrund, weiß aber nicht so ganz, wie man das einschätzen kann. Könnte es dort hilfreich sein, zu sagen, ich gucke mir zum Beispiel diese Wellenprognose an und wenn ich sehe, es sind keine heftigen Wellen prognostiziert, dann kann diese Föhnlage nicht so heftig sein. Oder wäre das ein falsches Bild, weil man sagen würde, nee, ganz so einfach kann man sich das nicht machen.
Absolut falsch. Der seichte Föhn als Beispiel war ja auch bereits Thema in deinem Podcast, funktioniert eben genau nicht so. Da gibt es nicht starken Wind, der über die Berge schießt und die Inversionen, die dann die Wellen propagieren lassen, sondern das ist eigentlich ein seichtes Überströmen von kälterer Luftmasse von einer Alpenseite zur anderen über die Pässe. Und das führt eigentlich nicht zu Wellen, sondern mehr zu, man kann sich das ja vorstellen wie so ein Wasser, was da drüber fließt. Und trotzdem kann das sehr starke Windgeschwindigkeit vor allem am Talboden verursachen. Man kann bei seichten Föhnen manchmal gut darüber herumfliegen, wenn man nicht zu den Pässen runterkommt und in die Talsohlen, wo das der Fall ist, aber das mit sehr viel Vorsicht zu genießen. Und in diesen Fällen würde ich erwarten, dass die Wellenprognose ja vielleicht in den Passbereichen negative Vertikalgeschwindigkeiten anzeigen.
Also schon, man hat dann einen Hinweis, aber man muss dann auch wissen, dass es eben nicht nur Wellen sind, die da gefährlich sein können.
Ich meine in dieser Wellenprognose, ihr zeigt ja nicht, also zum einen zeigt ihr so Wellen, Windprognosen für verschiedene Höhen, in absoluten Höhen, das geht dann wirklich rauf bis 5000, 6000, 7000 Meter oder sowas. Aber ihr habt auch eine Prognoseebene drin, da steht dann Wind auf 100 Meter, AGL, also über Grund und Wind auf 400 Meter über Grund. Wenn ich mir jetzt mal vorstelle, das ist relativ hoch aufgelöst euer Ding, da ist beispielsweise ein Brennerpass, sonstiges was, dann würde ich da doch eigentlich, müsste ich doch diese 100 Meter über Grund und wenn das hinter dem Brennerpass beispielsweise als kalte Luftmasse wieder runter sinkt, müsste ich doch in so einer Prognose dann auch dort eine deutliche Sinkzone erkennen können.
Tatsächlich in den breiteren Tälern wie jetzt Brennerpass, in den wichtigen Tälern, in den wichtigsten Höhenschneisen, da sieht man das natürlich. Aber da sind wir wieder beim Punkt der horizontalen Auflösung und das trifft dann nur zu für die größeren Täler, während für die kleineren Täler, da muss man mit einem Filter drüber schauen, eben wieder dieses Kalenproblem. Wenn ich schaue beim Brenner und im Inntal, da sehe ich den Föhn ziemlich bald, wenn ich hingegen ins Ötztal gehe, dann brauche ich schon bessere Auflösungen, um es da zu sehen.
Das heißt, ich kann sowas nur als Warnhinweis nehmen, aber nicht als so ist die Situation dann.
Absolut. Und hier sprechen wir nur um die horizontale Auflösungsunsicherheit und wie gesagt, dieses Chaos -System, welches die Atmosphäre ist, kommt immer noch obendrauf. Das heißt, auch wenn das Modell einen Prozess perfekt darstellt, was vielleicht fast so wäre bei Welle, kann es immer noch sein, dass die Anfangsbedingungen nicht ganz gestimmt haben, dass die Bedingungen nochmal anders werden, dass der Föhndurchbruch früher kommt usw.
Wechseln wir mal ein bisschen das Thema. Was bist du eigentlich, also wir bleiben bei Meteorologie, aber jetzt will ich mal mit dir ein bisschen als Flieger sprechen. Was bist du für ein Fliegertyp in Bezug auf Meteorologie? Es gibt ja so die Leute, die Meteor sich angucken, dann sehen die irgendwo nur das Wort Föhn und sagen sofort, ich bleibe am Boden. Ohne ein bisschen genauer zu sagen, ist es vielleicht stark oder ist es seicht oder ist es hochreichend oder was auch immer. Föhn heißt für sie alte Schule. Nein, man geht dort nicht fliegen. Bist du einer, der auch sagt, nee, ich will ja erfahren, was das Wetter wirklich macht. Ich gehe auch häufiger mal dann fliegen, wenn ich weiß, das ist vielleicht nicht ganz sauber, aber ich will mal gucken, wie es sich real anfühlt und wie passt diese Realität zu dem, was in welchen Prognosen auch immer vorhanden war.
Tatsächlich bin ich eher ein Schwerpunkt, Schönwetter - und Hammertagpilot, mittlerweile geworden, würde ich sagen.
Also du guckst in den
Termin und da muss ein schöner großer PFD irgendwo stehen auf der Strecke, wo du vielleicht fliegen willst.
Dass ich den ganzen Tag dafür hernehme und wirklich einen Aufwand dafür mache, irgendwo hinfahre, ja. Ich habe das Glück, ich lebe in den Bergen, also ich wohne in Davos und bin auch hin und wieder da in Südtirol und ich habe das Glück, hier in einem Gebiet zu sein, wo es sehr häufig fliegbar ist. Das heißt, wenn ich einfach mal Lust habe, ein bisschen in die Luft zu gehen und ein paar Thermiken zu drehen, dann geht das relativ ohne viel Aufwand. Aber um einen ganzen Tag herzunehmen und zu sagen, heute gehe ich mal auf Strecke, da braucht es schon ein paar Bedingungen bei mir, damit es stimmt. Ich fühle mich nicht wohl in der Luft, wenn es windig ist und meine Windakzeptanz, würde ich sagen, ist ziemlich niedrig, wenn ich mich vergleiche mit Kollegen, die ähnlich lang fliegen oder die ähnlich weit fliegen.
Und das passt für mich einfach so, dass ich sage, ich gehe dann fliegen, wenn ich weiß, die großkaltigen Winde sind schwach. Tatsächlich bin ich ein Pilot, der versucht, ich versuche nicht, möglichst weit oder möglichst schnell zu fliegen. Ich mag es, lange in der Luft zu sein. Das heißt, ich fliege relativ defensiv, wenn ich weiter fliege. Das heißt auch, dass ich selten mit Talwindsystemen in Berührung komme, weil ich versuche, mich möglichst weit zu halten und in den hintersten Berggärten zu fliegen. Und deshalb spielt das dann auch, ist dann nicht so wichtig. Also Tage mit starkem Talwind machen mir nicht so viel aus, aber Tage mit starkem meteorologischem Wind eher schon mehr. Und natürlich gibt es dann trotzdem Tage, wo es ein bisschen an der Grenze ist, also eigentlich schwachwindig, aber eben solch ein seichtes Höhen oder solches Überspülen und solche Effekte.
Und dort vertraue ich eigentlich auf meine Geländerkenntnis und auf mein Können auch, dass ich dann nicht in die blöden Orte reinfliege. Also natürlich war ich auch schon in der Luft, im Wallis, wo es eine Nord -Tendenz hatte
und habe danach mal spüren müssen, wie das schüttelt und rüttelt. Aber grundsätzlich würde ich mich als defensiven Piloten beschreiben. Mein Ziel ist es nicht, irgendwelche Rekorde zu brechen. Mein Ziel ist es eigentlich, alter Pilot zu werden, der noch viele Erfahrungen sammeln kann und ich habe das Gefühl, ich habe da Zeit
und der lange über seine Erfahrungen erzählen kann.
Wäre ein schöner Ausblick. Hast du denn trotzdem schon mal, auch wenn du sagst, du willst ein alter Pilot werden, der da noch schöne Geschichten und sehr viel Erfahrung berichten kann, hast du schon mal wettertechnisch Erlebnisse gehabt, wo du sagst, das möchte ich nicht nochmal wiederholen? Das war wirklich für mich schon grenzwertig.
Es gab da zwei Situationen. Die eine Situation war gleich nach meiner Ausbildung. Ich habe als 17 -Jähriger mit dem Gleitschirm angefangen und jetzt zurückblickend gesagt, muss ich sagen, als ob ich das in der Form wieder empfehlen würde. Man ist natürlich in einer anderen Lebensphase, eine andere Risikobereitschaft und es geht natürlich viel ums Ausprobieren, aber ein Ausprobieren, was sehr, wenn ich mich jetzt betrachte, sehr unstrukturiert war und auch sehr uninformiert. Ich habe die Ausbildung gemacht mit den Standard -Wetterschulungen, die ich hatte, aber es ist vielleicht auch eine lustige Geschichte, hier dazu zu erzählen, der Meteorologe, der das erzählt. Ich bin in meinem ersten Thermikflug direkt in den Kumulus geflogen
und ich habe mich einfach packen lassen.
Unbewusst. Du
hast nicht gesagt, als Meteorologe will ich einmal wissen, wie es in einer Wolke ist. Ich fliege mal rein.
Ich hatte zwar einen A -Schirm, aber der A -Schirm steigt aber trotzdem ziemlich gut in einer Wolke drin. Ich kann mich noch erinnern, ich war super gehypt von dieser Thermik, die ich da endlich geschafft habe einzudrehen und bin da hochgegangen und zwar eine breite, schöne Thermik. Über mir war ein schöner, doch recht hoher Kumulus, der da gezogen hat und ich habe da fröhlich weiter gedreht und irgendwann fängt es an, ein bisschen trüb zu werden. Das kennen wir alle, oder? Und ich war natürlich perfekt unter dem Kumulus, weil ich habe mich tragen lassen von der Thermik und nicht am Rand irgendwie. Und dann das Erste, was mir eingefallen ist, war nicht Scheiße, ich bin in Gefahr, sondern das Erste, was mir eingefallen ist, ist ah, feuchter der Wald, gerade ist es steigen, jetzt wird es noch schneller.
Und es brauchte ein paar Sekunden, bis ich gemerkt habe, ui, aber das ist auch gefährlich, ich sollte da nicht hochfliegen. Ja, und dann musste ich in meinem ersten Thermikflug, bevor ich irgendwie mal Spirale trainiert hatte, ich habe natürlich mit Ohren probiert, aber da liegt es ja immer noch mit acht, neun Meter pro Sekunde in diesem Kumulus und dann habe ich mit Spirale und mit Versatz aus der Thermik raus, denke ich mir, konnte ich mich da dann runterholen und bin dann wieder rausgefahren. Das war eins. So weit, sagen wir mal, so viel Risiko wie dort, habe ich zum Glück nie mehr gehabt, würde ich sagen. Eine zweite Situation war da, das war in Zürich am Uetliberg, da bin ich fliegen gegangen und ich war mit lokalen Piloten schon vorher dort
und sie sagten mir, wenn niemand am Startplatz ist, dann ist irgendwas faul. Ich war alleine am Startplatz und habe auch diesen Hinweis ignoriert und habe gedacht, nein, eigentlich ist der Wind nicht so stark, geht schon. Und bin rausgestartet und sage, es hat mich dann wirklich, ich hatte da wenig Backup hinter mir, vielleicht zwei Meter zu den Bäumen, hat es mich vertikal hochgeschleudert, 200, 300 Meter, wirklich vertikal, ich war ein Beschleuniger und es ging einfach hoch. Das ist ja dort ein dynamisches Steigen bei Wiese und es ist zum Glück auch alles gut gegangen. Oben ist natürlich diese Welle oder dieser Soaring ist oben schwächer und da konnte ich oben rausfliegen und alles safe landen. Aber es gab bei mir da auch ein paar Ereignisse, die mich natürlich dann zu dem Piloten gemacht haben, der ich bin und wieso ich sage, ich kriege gewisse Risiken sicher nicht mehr ein.
Gab es auch solche Erlebnisse, wo du sagst, ah ja, dafür, gerade deswegen will ich Meteo studieren oder mich damit so stark beschäftigen? Bei mir war das so, als ich angefangen habe zu fliegen, war auch einer meiner ersten Flüge nach dem A -Schein, da war ich in Greifenburg, bin auch Thermik geflogen, nicht in eine Wolke wie du, aber es war der erste Flug, der erste richtig schöne längere Thermikflug, den ich hatte. War gar nicht so lang, war vielleicht letzten Endes eine halbe Stunde oder sowas. Aber es ging halt hoch und hoch und hoch und ich bin geflogen und irgendwann war es mir genug. Irgendwann ist das Adrenalinlevel, wenn man noch nicht so erfahren ist, das steigt ja dann schneller auch an und dann sagt man so, jetzt ist es eigentlich okay, war ein schöner Flug, jetzt will ich mal wieder Boden unter den Füßen haben und dann wollte ich runter und es ging aber nirgendwo runter.
Das war aber kein Tag, wo unbedingt Überentwicklung war, aber war ein Tag, wo sich, was manchmal in Greifenburg passiert, dass sich so eine Art Konvergenz im Tal bildet, wo es dann selbst in Talmitte, wo man im Unterricht gelernt hat, Meteounterricht, normalerweise an den Bergen geht es hoch und in der Talmitte, da geht es immer runter und ich bin in Talmitte geflogen und es ging nicht runter, sondern es ging nur hoch und ich habe überhaupt nicht verstanden, was da eigentlich passiert und habe dann, war alles safe, aber trotzdem hat es länger gedauert, bis ich dann irgendwann unten war, auch mit Ohren anlegen und sonst was, Steilspirale konnte ich damals noch gar nicht, so wie da mit deiner Wolke und als ich unten war… Wie kam es dann plötzlich, wenn es gefährlich wird? Das kann vielleicht sein. Auf jeden Fall, als ich dann irgendwann unten war, habe ich gesagt so, hey, Lucian, du hast dich da oben der Wettergeschichte ausgeliefert gefühlt.
Du wusstest in dem Moment nicht, was da passiert und das war für mich der Anlass zu sagen, nee, ich will das besser verstehen und das war eigentlich der Punkt, warum ich im Selbststudium mir autodaktisch meine ganzen Wetterkenntnisse drauf geschafft habe, die ich heute dann auch habe. Sicherlich bei weitem nicht so tief wie du als studierter Meteorologe, aber doch einiges verstehe von dem, was da so ist. Gab es denn sowas bei dir auch, wo du sagst, ey, das war noch so richtig der Antrieb?
Ich glaube nicht, dass es ein Einzelereignis war. Ich denke, ich war da schon vorgeprägt, wie vorher erzählt, von meinem Opa und von all diesen Spüren von der Natur rundherum. Aber die Leute, die die Dolomiten kennen und die komplexen Talwindsysteme, die es hier gibt, ich glaube, das war schon was. Es war kein konkretes Erlebnis, aber dieses am Landeplatz sein mit dem Club, mit den Flugkollegen und da dreht der Wind plötzlich und alle sind einfach, sagen einfach, das Wetter macht, was es will und niemand kann wirklich hergehen und sagen, das ist die Erklärung dafür. Kann ich jetzt manchmal immer noch nicht. Gibt es auch jetzt noch, aber das hat mich schon, ich glaube, ziemlich inspiriert, um da tieferes Wissen mir reinzueignen.
Diese Komplexität, diese komplexen Windsysteme zu verstehen.
Nun bist du ja jetzt einer, der sich da sehr tief reingefuchst hat, auch in dieses sehr kleinräumige Wetter, was wir als Gleitschirmflieger natürlich immer haben. Inwieweit bist du damit im Grunde in der großen Meteorologie -Szene trotzdem noch ein Exot? Weil eigentlich, was ich so mitkriege, viele Meteorologen, die kennen sich großskalig halt aus und mit ihren großen Modellen und sonstiges was, aber mit diesen wirklich kleinskaligen Prozessen, mit denen wir uns beschäftigen und dem ganzen chaotischen Zeug, was da so am Hang passiert und sowas, da haben die eigentlich keine Ahnung von. Oder wenig Ahnung von.
Tatsächlich ist man ein Exot, aber auch nicht, also es gibt eine Community, eine wissenschaftliche Community, die, sagen wir mal, die Industrie für diesen Bereich ist super klein. Wir Piloten sind natürlich ein Publikum, wir interessieren uns sehr stark für das Wetter, wir wollen es verstehen, wir brauchen gute Prognosen. Ansonsten, die meisten Leute, denen ist egal, ob der Talwind taleinwärts oder talauswärts fließt und es ist ihnen auch egal, wie hoch die Basis ist, solange sie am Gipfel, die Wanderer vielleicht, noch was aussehen. In der Wissenschaft gibt es aber diese Community, weil es tatsächlich, obwohl es die Leute nicht wissen, einen Impact hat, oder? Es hat einen Impact, wie gut die Modelle die Basishöhe prognostizieren.
Nicht, weil es wichtig ist, zu wissen für die einfachen Leute, wo die Basishöhe ist, aber weil es wichtig ist, zu wissen, wie sich ein Gewitter entwickelt in den Bergen und das natürlich für die Sicherheit für die Zivilbevölkerung genauso relevant ist und deshalb gibt es Wissenschaft, deshalb gibt es Gelder in der Wissenschaft für diese Bereiche und es gibt Mountain -Metrology -Communities, es gibt auch Konferenzen dazu, wo man gleiche Sinder treffen kann und da muss ich sagen, da fühle ich mich dann gar nicht mehr so exot. Ich bin exot aus der Industrie. Die meisten machen da Forschung und entwickeln die Wettermodelle, aber vom Interesse für diese Prozesse, da fühlt man sich da sehr gut aufgehoben. Meine Masterarbeitsbetreuerin ist die Stefanie Westerhuis. Ich habe bei ihr Masterarbeit gemacht bei Meteo Schweiz und sie kombiniert ja auch diese beiden Aspekte von der Praxis, vom Gleitschirmfliegen und von der technischen, wissenschaftlichen Seite her und solche Figuren gibt es dann dort schon gehäuft, dass die Leute, die in dieser kleinskaligen Berg -Methodologie -Welt sich aufhalten, auch solche Outdoor -Begeisterte sind.
Nun
hast du vorhin gesagt, relativ am Anfang noch, dass ihr teilweise auch von XC Therm mit den Erfahrungen, die ihr da macht, auch den Wetterdiensten Rückmeldungen liefert, wo ihr sagt, da war euer Modell vielleicht nicht so gut oder auf welcher Basis auch immer. Vielleicht wo du sagst, unsere Wolkenbasis, die wir gesagt haben, ist doch eine ganz andere gewesen, als das, was vielleicht ein Icon da ausgerechnet hat oder sowas. Wie gehen die mit solchen Rückmeldungen um und hast du schon mal mitbekommen, dass daraufhin oder auf eure Rückmeldung hin auch wirklich an den großen Modellen in irgendeiner Weise herumgeschraubt wird?
Also natürlich sind wir ein kleiner Fisch in dem Ganzen. Ein solches Wettermodell hat ein riesiges Budget und auch eine riesige Anwendergruppe. Es gibt Anwendertreffen der Icon -Modelle, organisiert vom Deutschen Wetterdienst, dort nehmen wir teil, aber wir sind eher Zuhörer, als wir jetzt da sind. Wir sind nicht die, die einen aktiven Bart machen würden. Und eigentlich geht es mehr über persönliche Kontakte beim DWD, bei der Mediaschweiz und der Umgang damit würde ich jetzt mal ganz realistisch sagen, sie hören sich's an. Meistens sind es Sachen, die sie eh schon auf dem Radar haben
und oft sagen sie auch, ihr seid die, die es viel häufiger anschauen und wir wissen es gar nicht. Die Modellentwickler selber sagen dann, ja, eigentlich weiß ich's nicht, wo es da genau die Biases hat. Das wissen die Prognostiker besser, die jeden Tag das sagen. Und ich würde jetzt nicht versprechen können, dass durch unser Feedback das Icon -Modell verändert wird. Aber wir können einen kleinen Beitrag dazu leisten und ich denke, wir Gleitschirmflieger sind aufmerksame Modellverwender. Wir schauen nicht nur Punktprognosen an und sagen Wölken oder Wolke oder Regentropfen, sondern wir schauen auch schon gern mal mehr ins Detail und solches Feedback ist natürlich sehr viel wert für Modellentwickler auf jeder Ebene. Und vielleicht kann ich hier auch noch eine Einladung an alle Zuhörer rausschicken, Feedback zu geben.
Es ist immer hilfreich, wenn es Positives ist. Es ist immer hilfreich, auch wenn es Negatives ist. Das hilft uns direkt mit dem Rektor und das können wir dann auch weiterleiten. Kommen wir
zum Abschluss. Eine Frage, die ich noch habe. Von dem ganzen Wissen, was du hast, sowohl Wissen über die Gleitschirmszene als auch Wissen über die Meteoszene und dein allgemeines Meteowissen. Wo würdest du sagen, bestehen eigentlich noch die größten Lücken in der Schnittmenge davon? Also wo sollte die Gleitschirmszene sich meteorologisch noch mehr mit beschäftigen? Wo würdest du sagen, da besteht eigentlich die größte Wissenslücke und wenn man die irgendwie aufheben könnte, dann wäre der Szene schon wirklich viel geholfen?
Ich weiß nicht, ob ich die Frage richtig verstanden habe. Wo die Gleitschirmszene Aufholbedarf hat, um in der Meteo noch besser vorbereitet zu sein.
Ja, also wo du sagen würdest, du kennst ja vielleicht das, was in der Meteoschulung die Gleitschirmpiloten so erzählt bekommen und auch wie vereinfacht viele Sachen sind oder eine relativ einfache oder manchmal noch veraltete Föntheorie oder sonst irgend sowas. Welche Bereiche würdest du sagen, hey, da würde ich am ehesten ansetzen, um etwas zu verbessern und irgendwie den Leuten Wetter ein bisschen, vielleicht ein bisschen anders dazu bringen, dass die Prozesse besser verstehen können oder was? Oder welcher Prozess wäre das, wo du am ehesten sagen würdest, der sollte in die Köpfe von den Leuten rein?
Ich habe gar keinen Prozess, der da jetzt spezifisch erwähnen würde. Entscheidungen treffen anhand von Wetter, denke ich, ist ein großer Punkt. Wie ich die Ausbildung zum Piloten erlebt habe, lernt man wenig, wie treffe ich, wie komme ich von der Prognose zu einer Entscheidung? Fliegen gehen oder nicht? Oder wo fliegen gehen? Und so weiter. Und dort helfen natürlich die verschiedenen Tools, die es da gibt, aber es braucht eben immer noch dieses eigene Modell und das eigene Prozessverständnis. Und deshalb würde ich sagen, im Bereich Entscheidungen treffen, also dass die Leute lernen von der Prognose zur Entscheidung, visualisieren. Ich stelle mir jetzt anhand der Prognose, ich sitze jetzt drinnen, es ist dunkel abends, ich stelle mir jetzt vor,
wie der Himmel sein wird, wie sich morgen die Thermik anfühlen wird und so weiter. Diese Brücke zu schlagen von der Prognose, von all diesen abstrakten und komplizierten Zahlen und Karten zur Realität, und ich meine jetzt wirklich die Realität, die wir erleben, die subjektive Realität, die wir dann im Flug erleben, diesen Bogen zu schlagen. Und ich denke, da helfen eben einerseits die Tools, da helfen aber auch andererseits oder sind auch nötig, sich ständig fortzubilden oder Schulungen zu besuchen, Lucia, du bist ja einer, der auch Wetterschulungen macht. Ich denke, damit ist der Szener sicher geholfen, dieses Prozessverständnis, dieses eigene Modell im Kopf zu haben. Das hilft jedem Piloten weiter. Wir machen jetzt seit diesem Winter mit Verena zusammen das Mountain Meteorologist -Projekt, dort machen wir auch Kurse.
Verena Stoll ist das, oder? Genau, Verena Stoll. Ich habe sie kennengelernt ganz zufällig an einer Naturgefahrenkonferenz von meinem Hauptarbeiter, Hauptarbeitgeber war ich dort und habe sie dann dort kennengelernt und wir haben uns gleich sehr gut verstanden und wir haben gesagt, lass uns das doch zusammen machen. Wir haben gemerkt, wir machen sehr viele ähnliche Sachen. Einerseits Prognosen für Expeditionen, für aber auch Rennen und Projekte hier in den Alpen. Zum Beispiel machen wir jetzt eine Prognose für Olympiateams, aber auch eben Vorträge und Kurse. Und du merkst ja auch, die Nachfrage ist da. Und ich denke, das hilft einfach, um dieses Prozessverständnis zu haben und nicht in die Fallen dieser Modelle und dieser falschen Sicherheit reinzufallen.
In welchem Bereich würdest du dich am liebsten noch weiterbilden? Meteorologisch, wo du sagst, da liegt bei mir noch was im Argen. Also bei dir, nicht bei mir.
Also auf persönlicher Ebene möchte ich jetzt, weil wir gerade von Verena gesprochen haben, möchte ich von ihr lernen, dieses, ich nenne es mal Oldschool, klassisches Meteorbriefing zu machen. Mit Wetterkarten, Großwetterlage, das noch besser zu verstehen. Ich habe mich, wie du gesagt hast, sehr schnell in dieses Kleine verkrochen, was mir auch super viel Spaß macht. Aber ich möchte das Große nicht vernachlässigen, weil schlussendlich spielt es immer mit rein. Also ich kann das Kleine nur verstehen, wenn ich auch die Großwetterlage verstehe. Außer es ist Hochdruckgebiet im Sommer, da kann ich die Großwetterlage relativ gut ignorieren. Ja. Hochdruckwetterlage, wollte ich sagen.
Und andererseits, aber auch das Technische, ich denke, bei X -System entwickeln wir ständig weiter und auch auf persönlicher Ebene interessiert es mich, wie weit wir die Thermikprognose hin zu noch besseren Treffquoten weiterentwickeln können. Und da gibt es natürlich verschiedene Ansätze, eben mit Flugdaten, mit Machine Learning. Das ist aber alles noch Stand unserer Entwicklung und Forschung. Und wir hoffen da der Gleitschirmszene und der Segelfliegerszene, dort was beitragen zu können.
Könntest du dir vorstellen, ein System in Jahren heute plus X, keine Ahnung wie lang das ist, aber wenn man so sieht, das Aufkommen der KI und den ganzen Machine Learning Möglichkeiten, dass man irgendwann sowas hat wie, du hast ja auch Live Tracking, könntest Live Tracking Daten ziehen, kannst sehen, wie hoch die entsprechenden fliegen. Und wo man dann quasi live, da so KI -Modelle relativ schnell rechnen können, wo du sagen kannst, ich könnte bestimmte Sachen live innerhalb eines Tages, alle Stunde nochmal ein Update liefern, auf Basis von dem, was gerade so geflogen wurde.
Ich möchte eigentlich gar nicht so viel dazu sagen, außer dass wir an solchen Projekten natürlich dran sind
und dass alle Zuhörer am Ball bleiben sollten mit deinem Podcast zum Beispiel.
Lassen wir das dann mal so einfach so stehen. Dann bin ich mal selber gespannt, was von dir, von X -Therm, von was auch immer da in Zukunft noch so kommt, was uns als Gleitschirmflieger das Gleitschirmfliegen mit Bezug auf das Wetter zum einen spaßiger, zum anderen vor allem auch sicherer und vielleicht teilweise noch besser planbar irgendwie macht für die Leute, die dann wirklich sagen wollen, an welchen Tagen lohnt es sich denn wirklich dann rauszugehen, um das Flugerlebnis zu haben, was man sich dann so vorstellt. Sehr cool. Tobias, vielen Dank für dein Erzählen. Danke dir, Lucian Haas Spaß gemacht.
In den Shownotes im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz findest du noch einige weiterführende Links zu den hier besprochenen Themen. Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann erzähle doch deinen Fliegerfreunden davon. Gib ihr fünf Sterne auf der von dir genutzten Podcast -Plattform oder schreib einen entsprechenden Kommentar auf dem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz. Außerdem werde doch zum Unterstützer meiner Arbeit. Auf www.Lu-Glidz.blogspot.com findest du unter dem Punkt Fördern alle nötigen Infos und Links, wie du diesem Projekt mit einem frei wählbaren, großen oder kleinen finanziellen Beitrag weiter eine Basis geben kannst. Allen Förderern sage ich Danke. Startet früh, landet spät, fliegt weit und behaltet dabei die Wetterprozesse im Blick. Bis bald, euer Lucian.