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188. Der CEO - Michael Witschi

// Michael Witschi, Lucian Haas · 2026-06-12 · 01:20:56 · original episode · pdf

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[show notes]
Michael Witschi ist Gleitschirmpilot und erfolgreicher Geschäftsmann. Wie hängt beides miteinander zusammen? +++ Zum Gleitschirmfliegen kann man die verschiedensten bildhaften Parallelen ziehen. Die einen vergleichen die strategische Komponente mit einem Schachspiel, andere sehen sich in der Luft als freie Improvisateure wie beim Jazz, der trotzdem gewissen musikalischen Regeln folgt. Der Schweizer Michael Witschi sieht das Gleitschirmfliegen als Spiegelbild des Wirtschaftslebens. Das kommt nicht von ungefähr. Michael Witschi hat bereits eine ganze Reihe von Unternehmen in diversen Branchen geleitet. Und auch beim Gleitschirmfliegen war er schon in verschiedenen Spielarten erfolgreich: Vom PWC-Wettkampf bis hin zu den X-Alps, wo er 2015 nach einem spektakulären Retterabgang mitten in einen See das Rennen trotzdem fortsetzte und sogar kurz vor der Deadline ins Ziel kam. Mittlerweile findet sich Michaels Dasein als Chef auch in seiner Gleitschirmkarriere wieder. Der 48-jährige leitet nicht nur den Hike-and-Fly Wettkampf Eigertour. Seit Anfang des Jahres ist er auch CEO des Gleitschirmherstellers Airdesign. Wie es dazu kam, und wie er die Marke weiterentwickeln will, auch darum geht es in dieser Episode 188 von Podz-Glidz. +++ Musik dieser Folge: Track: Matterhorn | Künstler: Jeremy Black Youtube Audio Library: https://www.youtube.com/watch?v=NhqnUZ-b7Fs +++ Lu-Glidz Links: + Blog: https://lu-glidz.blogspot.com + Facebook: https://www.facebook.com/luglidz + Instagram: https://www.instagram.com/luglidz/ + Whatsapp-Kanal: https://whatsapp.com/channel/0029VaBVs05CHDynzdlJlU34 + Youtube: https://youtube.com/@Lu-Glidz + Soundcloud: https://soundcloud.com/lu-glidz + Spotify: https://open.spotify.com/show/6ZNvk83xxGHHtfgFjiAHyJ + Apple-Podcast: https://itunes.apple.com/de/podcast/podz-glidz-der-lu-glidz-podcast/id1447518310?mt=2 + Linktree: https://linktr.ee/luglidz +++ Links zu Michael Witschi: + Airdesing: https://ad-gliders.com/ + Eigertour: https://eigertour.rocks/ + Michael Witschi auf Instagram: https://www.instagram.com/michuwitschi/ + Michael Witschi auf Facebook: https://www.facebook.com/michu.witschi + Michael Witschi Youtube-Kanal: https://www.youtube.com/@eigertour

[transcript]

0:02Michael Witschi

Das Gleitschirmfliegen und insbesondere der Wettkampf ist ein perfektes Trainingsfeld für das Wirtschaftsleben. Die Höhe ist dein Kapital. Je höher du bist, desto mehr Optionen hast du. Du kannst dann über die Strategie nachdenken. Wenn du tief bist, bringt es dir überhaupt nichts, wenn du nachdenkst, ob du dann nach Osten oder nach Südosten fliegst. Du musst einfach zuerst drauf kommen. Und dann sage ich immer den Wettkampfteilnehmern, das sind die anderen Firmen, und das Wetter, das ist die globale Ökonomie. Und alle müssen mit diesem Wetter zurechtkommen. Das ist jetzt, sagen wir wieder im Geschäftsleben, plötzlich kommt ein Iran -Krieg, es kommt dies und das. Sachen, die wir nicht ändern können, sondern wir müssen uns darauf einstellen und das Beste draus machen.

0:58Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Michal Vici. Und ich bin Luzern Haas.

1:12Lucian Haas

Zum Gleitschirmfliegen kann man die verschiedensten bildhaften Parallelen sehen. Die einen vergleichen die strategische Komponente mit einem Schachspiel. Andere sehen sich in der Luft als freie Improvisateure wie beim Jazz, der trotzdem gewissen musikalischen Regeln folgt. Der Schweizer Michal Vici sieht das Gleitschirmfliegen als Spiegelbild des Wirtschaftslebens. Das kommt nicht von ungefähr. Michal Vici hat bereits eine ganze Reihe von Unternehmen in diversen Branchen geleitet. Und auch beim Gleitschirmfliegen war er schon in verschiedenen Spielarten erfolgreich. Vom PWC -Wettkampf bis hin zu den X -Alps, wo er 2015 nach einem spektakulären Retterabgang mitten in einem See das Rennen trotzdem fortsetzte und sogar kurz vor der Deadline ins Ziel kam.

2:01Lucian Haas

Mittlerweile findet sich Michaels Dasein als Chef auch in seiner Gleitschirmkarriere wieder. Der 48 -Jährige leitet nicht nur den Hike -and -Fly -Wettkampf Eikertour. Seit Anfang des Jahres ist er auch CEO des Gleitschirmherstellers Air Design. Wie es dazu kam und wie er die Marke weiterentwickeln will, auch darum geht es in dieser Episode 188 von Podz-Glidz.

2:28Lucian Haas

Solche Gespräche kann ich dir übrigens nur präsentieren, weil es Förderer gibt, die meine Arbeit an Podcast und Blog finanziell unterstützen. Mach doch mit. Wie das geht, steht im Gleitschirm-Blog Mooglites und zwar dort auf der Seite Fördern.

2:46Lucian Haas

Michael, du hast mir geschrieben, du bist ein absoluter Landefreak. Bist du immer froh, wieder auf der Erde zu sein?

2:54Michael Witschi

Nein, es geht eigentlich darum, dass ich einfach froh bin, wieder zurück zu sein. Das sind seltene Erlebnisse, die hatte ich auch schon, wenn du fast nicht mehr runterkommst. Zum Glück selten. Nein, ich finde einfach das Zurückkommen auf die Erde etwas Faszinierendes. Aus der Luft wieder an den Boden.

3:15Lucian Haas

Was ist das Faszinierende dabei? Dieser Wechsel von den Medien? Dass du sagst, in der Luft bin ich frei, auf der Erde bin ich gebunden? Oder was ist das, was dich da so berührt?

3:25Michael Witschi

Vielleicht kann ich noch etwas weiterspüren. Es beginnt ja auch beim Start. Am liebsten mache ich Flüge, wo ich irgendwo rausgehe, raufdrehe, reinlande, dann wieder rausgehe. Ich weiss auch nicht, der Unterschied zwischen dem Festen der Erde und der Luft. Die Luft verzeiht dir eigentlich viel mehr am Boden. Wenn du 10 km/h zu schnell kommst oder einen Meter zu tief bist, dann hast du schon etwas gebrochen. In der Luft bist du meistens, wenn du nicht ganz nah am Gelände fliegst, viel freier in dieser Hinsicht. Aber ich kann dir nicht wirklich erklären, warum das mich so fasziniert.

4:07Lucian Haas

Ist es vielleicht auch ein bisschen der Reiz am Risiko? Also jede Landung ist ja auch ein Risiko. Genau wie du sagst, in der Luft bin ich frei. Oder in der Luft kann mir auch weniger passieren. Es passiert immer erst, wenn man in die Nähe der Erde kommt und dann vielleicht noch zu schnell ist. Also ist es das, wo du sagst, ich spiele auch gerne mit diesem Risiko?

4:26Michael Witschi

Das wäre wahrscheinlich unbewusst. Ich würde diese Theorie jetzt nicht ablehnen. Aber bewusst ist sie sicher nicht. Ich denke sicher, dass ich meinen grünen Bereich damit einfach grösser mache, indem ich viel lande. Oft auch komplizierte Landungen ausprobieren. Und durchführen. Aber in der letzten Zeit oft auch sagen, ja, das ist mir jetzt zu heikel. Das Risiko ist, dass es mir nicht wird. Jetzt mit dem Alter kommt das immer mehr. Oder ich sage, ja, jetzt nicht mehr. Jetzt gehe ich auf die grosse Wiese und suche mir nicht mehr den Helikopterlandeplatz.

5:02Lucian Haas

Ist es dir denn schon mal passiert, dass du so eine Landung richtig verkackt hast?

5:07Michael Witschi

Ja, schon etliche, ja. Immer ohne etwas zu brechen, aber schon mit so ein paar Tagen Fussschmerzen.

5:14Lucian Haas

Welche Lehren ziehst du dann daraus? Wirst du dann vorsichtiger oder sagst du nur, naja, beim nächsten Mal muss ich das anders anfliegen?

5:21Michael Witschi

Oft ist es eigentlich die Turbulenz, die dazu führt. Dann muss ich mir schon sagen, jetzt ist es eigentlich zu turbulent, um diesen Landeplatz anzufliegen. Oder es kann auch sein, dass ich die falsche Technik dazu gebraucht habe. Wenn du zum Beispiel die Hanghochlandung machst und es ist sehr thermisch, dann musst du fast damit rechnen, dass du plötzlich zehn Meter weiter oben bist. Gehört halt dann dazu. Und bei der Hanghochlandung kannst du ja nicht einfach wegfliegen, wenn du seitlich kommst.

5:55Lucian Haas

Hanghochlandung werden nicht alle sofort vielleicht verstehen, die das noch nicht gesehen haben oder sowas. Kannst du kurz erklären, was Hanghochlandung heisst und wie man das macht?

6:05Michael Witschi

Also ich habe eine gute Geschichte und eine Theorie, die man vielleicht auch widersprechen kann. Ich behaupte immer, die Hanghochlandung wurde von Padel von Kennel und Kregel -Maurer so richtig entwickelt oder ausgearbeitet. Und zwar, als sie das erste Mal an die Eiger -Tour kamen und die kannten mein Konzept, weil ich habe das mit denen vorgesprochen. Und plötzlich, die wussten, man muss schnell sein mit dem Reinlanden. Und plötzlich kamen die zwei Jungs und flogen alle hinten von untereinander. Das habe ich noch nie gesehen. Und das kannte ich bisher nur vom Deltas. Die mutigen Deltapiloten, die habe ich manchmal gesehen, wie sie da anstechen und dann den Hang hochlanden.

6:50Michael Witschi

Und plötzlich eben an der Eiger -Tour, an der ersten Edition, kommen diese zwei Jungs und landen etliche Höppen von unten und sind wahnsinnig schnell. Und danach habe ich gesagt, du Kregel, wie bist du darauf gekommen? Und dann hat er gesagt, ja weisst du, eigentlich ist es oft sogar das Sicherste, wenn du einfach voll gegen den Hang anfliegst. Ins Gas stehst, dann die Energie umwandelst, dann steigen. Und dann natürlich habe ich auch damit begonnen, das zu trainieren. Und dann habe ich schon gemerkt, es gibt Situationen, wo das die sicherste Landung ist. Natürlich ist das sehr eindrücklich, weil du musst ja gegen den Hang Gas geben. Und wenn du zu tief kommst, dann, man sagt auf Schweizerdeutsch, es klepft oder dann knallt es.

7:37Michael Witschi

Wenn du zu hoch kommst, dann hungerst du aus. Und musst dann im Parachute runter.

7:44Michael Witschi

Ja, das ist eigentlich die Hanghochlandung. Oder wie würdest du das sagen, als jemand, der besser Deutsch kann als ich?

7:53Lucian Haas

Ich weiss nicht. Also es gibt einen anderen Begriff noch. Ich glaube, die Drachenflieger oder so, die haben das immer die Gegenhanglandung genannt. Also gegen den Hanglandung. Dass man wirklich, nicht senkrecht, aber ja direkt auf den Hang zufliegt und dann eben halt die Geschwindigkeit so ausflehrt und in Höhe umsetzt, dass man dann dem Hangwinkel folgt und im Idealfall völlig sanft aussetzt. Der Griegl hat mir mal erzählt, dass er diese Hanglandungen anfangs ganz viel im Schnee geübt hat. Weil er sagt, ja wunderbar, wenn es schief geht, dann donnerst du halt mit viel Geschwindigkeit aber erstmal in den weichen Schnee rein und es passiert halt nur wenig. Hast du das auch gemacht oder hast du direkt gesagt, die Wiese muss es schon herhalten?

8:34Michael Witschi

Ja, ich habe eigentlich dann im Sommer erst begonnen. Eben auch diese Reigertour, was mich so inspiriert hat. Und ich habe einfach begonnen, einen Hang ein bisschen schräg anzufliegen. Zuerst mal. So dass ich, und weisst du, wo es nicht viele Bäume hat, so dass ich eigentlich noch abdrehen hätte können. Und dann so 45 Grad und dann habe ich das immer mehr gesteigert auf 90 Grad. Genauso geht es schon im Sommer. Natürlich ist der Schnee vor allem, also es braucht dann auch guten Schnee. Wenn der hart gefroren ist, bringt das ja auch nichts. Also, ja, schnell ist sicher nicht schlecht. Und es ist dann im Winter fast zu einfach manchmal, weil du hast diesen adiabatischen Hangabwind von der kalten Luft. Und das macht es natürlich noch einfacher.

9:22Michael Witschi

Oder dann landest du Hang hoch und du hast noch Gegenwind. Bist du noch langsamer.

9:28Lucian Haas

Ja, aber im Sommer, wie du gerade vorhin schon gesagt hast, kann die Schwierigkeit sein, du landest Hang hoch, dann kommt noch der Hangaufwind mit dazu und hebt dich viel höher, als du eigentlich geplant hast. Wo du aufsetzen wolltest. Genau, ja. Lass uns mal ein bisschen sehr weit zurückgehen an deine Fliegeanfänge. Ich glaube, du fliegst jetzt schon 28 Jahre, kann das sein? Korrekt, seit 1998, ja. Und was hat dich damals eigentlich in die Luft getrieben? Weil, soviel ich weiß, du stammst ja aus einer Familie mit großer Bautradition. Ihr habt eine Baufirma in der Familie. Also doch etwas, was sehr im irdischen, im geerdeten Bereich ist. Was treibt so einen dann in die Luft?

10:12Michael Witschi

Ja, wir sind sehr geerdet. Ich habe keine Piloten in meiner Familie. Also das ist bei mir schon entstanden. Ich kann dir nichts sagen. Ich weiss einfach, als ich 16 war, ging ich irgendwann mal auf eine Wanderung und da war ich auf einem Gipfel und da sehe ich einen Typen kommen mit so einem pinken Rucksack und der legt an seinen Schirm aus und sagt Tschüss zusammen und der fliegt los. Und da habe ich es eigentlich gewusst, das will ich auch lernen.

10:45Michael Witschi

Dieses Abheben in die Luft.

10:47Lucian Haas

Und hast du da mit 16 angefangen?

10:49Michael Witschi

Na, damals hatte ich noch kein Geld. Da musste ich noch sparen. Bis ich genug Geld hatte, war ich 20.

10:56Lucian Haas

Okay, mit 20 dann das Privé gemacht. Was würdest du sagen, was suchst du seitdem beim Fliegen? Weil du bist ja immer dran geblieben.

11:07Michael Witschi

Also... Ich denke schon, die Natur erlebst du nochmal anders beim Fliegen. Du kannst unglaubliche Sachen machen. Sonst müsstest du irgendwie Superalpinist sein. Also du kannst... Vorgestern war ich mit dem Tandem, da bin ich das Beach schon hochgesort, drei Meter daran. Und wenn ich das sonst machen würde, müsste ich ja irgendein Superalpinist sein. Also sicher mal das Erlebnis der Natur. Und ich denke auch, es ist eigentlich wie ein Schachspiel mit der Natur, mit der Physik. Da kommt sicher auch ein bisschen mein Ingenieurhirn dazu. Wenn du die physikalischen Regeln kennst und dann gibt es noch viele Sachen, die du intuitiv lernen musst oder empirisch dann lernen musst.

11:58Michael Witschi

Und das ist einfach ein wunderbares Spiel mit der Natur, finde ich. Mhm. Es ist ja nie gleich und es ist immer flüchtig. Also es gibt ja fast nie, wo du weisst, in einer Woche kann ich da hin und dann funktioniert das. Das weisst du nicht. Und das ist halt sicher auch dieses Flüchtige an der Thermik, am Erlebnis vom Fliegen, was es bis heute so spannend macht. Also ich fliege ja jetzt auch noch mit dem Motor. Und das ist schon viel zuverlässiger und dadurch auch ein bisschen weniger attraktiv. Also es ist auch schön. Ja. Aber du weisst einfach, in drei Tagen kann ich mit dem Motorflieger um halb drei starten und um vier Uhr wieder landen. Also das zu 80 Prozent. Im Winter ist es ein bisschen schwieriger, auch mit dem Nebel und so.

12:45Michael Witschi

Aber ich denke, das ist auch das Flüchtige, was vielleicht auch die Surfer von den Wellen kennen, oder?

12:52Lucian Haas

Jede Welle ist anders und sowas. Und man sucht sie immer wieder. Sie kommen zwar ähnlich daher, aber trotzdem ist jeder Ritt, den man dort macht, wird ein anderer Ritt. Und so wird jeder Flug von dir dann auch ein anderer Flug.

13:04Michael Witschi

Genau. Und darum sage ich auch immer, der glücklichste Flug ist nicht unbedingt der weiteste oder so. Der glücklichste Flug, denke ich immer, ist, wenn die Realität dann grösser ist als deine Erwartungen. Dann sagst du, wow. Wenn du denkst, es geht nur runter und du kannst irgendwo an einem kleinen Ecken 20 Minuten so, dann bist du schon. Also bin ich dann schon sehr, sehr glücklich.

13:29Lucian Haas

Zu Beginn deiner Fliegerkarriere, oder nicht nur zu Beginn, sagen wir mal in dem ersten Drittel, warst du, oder bist du, mehr als ein Drittel, aber du warst auch stark wettbewerbsorientiert. Ja. Was hat dich dahin gezogen? Weil ich meine, das eine ist ja dieses Erlebnis von immer was anderes, immer was Neues. Das kann man ja auch mit jedem Flug so machen. Dafür muss man ja jetzt nicht sagen, ich muss mich mit anderen Leuten messen. Was hat dich am Wettbewerbsfliegen fasziniert?

13:58Michael Witschi

Also das beginnt zum Beispiel von einem Jugendfreund von mir, der heißt Michael Steinbach, der war, als ich begonnen habe, war er gerade so in seinem Zenit als Weltcup -Pilot. Er hatte schon einen Vertrag mit Red Bull damals. Und er hat mir einfach gesagt, weisst du, wenn du wirklich fliegen können willst, du musst Wettkampf fliegen. Sonst lernst du nur die Hälfte. Und das habe ich immer im Ohr gehabt, seinen Ausspruch. Und das hat sich dann so ergeben. Und auch in Grindelwald war damals so wie eine Szene rund um den Alex Hofer, der damals super war, Weltcup, alles gewonnen. Und dann der Gregel Maurer, der so als junger Pilot reinkam. Und die waren alle da.

14:44Michael Witschi

Es gibt auch so einen Groove, wo du dann jedes Wochenende an den nächsten Wettkampf gehst. Und das war wirklich so. Ich habe dann extrem schnell extrem viel gelernt dabei.

14:57Michael Witschi

Diesen Ausspruch kann ich auch weitergeben. Jeder Pilot, der Zeit und Lust hat, hat einfach so Fliegwettkämpfe, auch wenn du nicht unbedingt auf dem Podest sein wirst. Du lernst wahnsinnig viel.

15:11Lucian Haas

Das eine war Wettbewerb. Du hast auch PWC und sowas mitgeflogen. 2015 hast du aber sogar bei den X -Alps mal teilgenommen. Was hat dich daran gereizt? Jetzt zu sagen, ich will nicht nur fliegen, sondern da muss er plötzlich noch viel irdischere Skills aufbringen. Jetzt musst du plötzlich auch wahrscheinlich ordentlich laufen können. Und einiges an Strategien. Das kannst du in der Hinterhand haben.

15:36Michael Witschi

Ja, das kommt sicher. Der Hauptgedanke war, ich will mal einen Wettkampf machen, wo es immer nur vorwärts geht. Ich laufe am PWC, da bist du so zick zack, so Mickey Maus oder hin und wieder zurück und wieder hin. Das ist schon lustig. Aber eigentlich fand ich das Konzept viel spannender. Ich bin in Salzburg und ich will nach Monaco. Und jetzt gehe ich immer, natürlich gab es ein paar Bäume, aber immer in die Richtung. Das hat mich schon fasziniert. Und dann auch die Freiheit. Oder als PWC -Pilot, sogar der Krigl war irgendwie 92 Kilo, ich war dann 95 Kilo. Wir haben gegessen wie verrückt und wir wollten die grössten Schirme haben.

16:21Michael Witschi

Und plötzlich sagte ich dann, Krigl, wie er abnimmt und immer schlanker wird. Und dann habe ich gesagt, Krigl, was denkst du, könnte ich das auch? Er hat gesagt, ja, denke schon. Du hast zwei Jahre, bis du ungefähr auf einem Niveau bist, physisch, wo du mitmachen kannst. Das habe ich dann so gemacht. Abnehmen und dann Ausdauersport hochfahren, weil ich war überhaupt kein Ausdauersportler. Und das hat sich schon extrem gelohnt. Du lernst nochmals neu fliegen mit dieser Landerei und Starterei, was du im Hike & Fly machst. Weil als PWC -Pilot, also ich konnte nicht gut starten und auch nicht so gut landen.

17:07Michael Witschi

Ich konnte einfach gut fliegen. Und dann als Ex -Alps -Pilot, dann konnte ich irgendwann auch gut starten und landen. Aber die Grundidee war schon, immer vorwärts von Salzburg auf dieses Floss in Monaco.

17:22Lucian Haas

In diesen zwei Jahren, wo du gesagt hast, ich möchte da jetzt teilnehmen, ich fange jetzt an zu trainieren. Du hast gesagt, davor hast du dir eher Gewicht angefuttert, um zu sagen, ich will die grossen Schirme fliegen. Wie viel Gewicht hast du dann verloren in den zwei Jahren? Wenn du vorher 95 hattest, auf was bist du dann runtergekommen?

17:39Michael Witschi

Von 97 bin ich auf 80 runter.

17:42Lucian Haas

Oh wow.

17:43Michael Witschi

Das war hart. Das war wirklich, ich habe gesagt, ich fühlte mich wie ein Drogensüchtiger auf dem Zug.

17:51Michael Witschi

Aber zuerst war ich so schwach, dass ich gar nicht wirklich alles da trainiert habe. Aber ja, habe es dann durchgezogen und dann irgendwann bist du leichter und dann plötzlich wird eben alles auch einfacher. Und so habe ich dann mein Training hochgefahren. Kurzfristig ging ich auch in ein Übertraining rein, wo ich plötzlich etwa vier Monate vor dem X -Halbs hatte ich eine Achillessehnenentzündung. Das war wirklich schlimm und ich brachte sie einen Monat nicht weg. Aber es war eine sehr spannende Erfahrung. Und eben zum Glück hatte ich wirklich Kriegel, der mir all sein Wissen geteilt hat.

18:29Michael Witschi

Und auch ohne ihn wäre ich auch nicht fähig gewesen, in zwei Jahren so einen Schritt zu machen.

18:35Lucian Haas

Das heisst, der war gewissermassen dein X -Halbs -Mentor und hat dich dorthin gebracht. Ja, definitiv. Ja, genau. Bei diesen X -Halbs, das war 2015, da warst du ja auch Finisher. Ich glaube, du bist als 19. und damit letzter von allen, die da angekommen sind, ins Ziel gekommen. Und das war, wenn ich es richtig weiss, glaube ich sogar nur 15 Minuten vor Ende des oder Schliessen des Zeitfensters. Was ist das für ein Gefühl, es dann wirklich ins Ziel zu schaffen?

19:02Michael Witschi

Das war schon wirklich überwältigend. Die ersten fünf Tage war ich ziemlich gut vorne dabei, immer unter den ersten fünf. Und dann bin ich ja abgestürzt ins Wasser, in Lago di Poschiavo im Nordfern. Und das hat mich dann mental ziemlich geknickt. Und von diesem sechsten Tag an hat es mich dann immer weiter nach hinten gespült am X -Halbs. Irgendwann haben die dann sogar gesagt, puh, jetzt wird es knapp, dass wir das noch schaffen. Von Anfang an war mein Ziel einfach, ich bin ja kein Profiathlet, aber ich will unbedingt nach Monaco. Das war das Ziel. Und an einem Tag haben wir dann wirklich, da waren wir schon in Frankreich, haben gesagt, jetzt wird es schwierig, das noch zu erreichen.

19:47Michael Witschi

Und dann bin ich aber die ganze Nacht durchgegangen und habe es eigentlich wirklich eine Viertelstunde vor Rennende geschafft als 19. Ich wurde dann 18. Weil der Stefan Gruber hinter mir ist ins Königliche. Oder wie sagt man, monegassische Elefantengehege geflogen. Da wurde er noch bestraft.

20:11Michael Witschi

Und ich habe ihm gesagt, weisst du, für mich, ich arbeite und das sind meine Ferien und ich habe meine Ferien maximal ausgenutzt. Bis eine Viertelstunde vor Rennende habe ich meine Ferien genossen. Also war nicht immer geniessen, aber auch geniessen. Ja, da war ich wirklich sehr,

20:29Lucian Haas

sehr happy. Deinen Absturz in den See hast du wahrscheinlich nicht genossen. Ich weiß noch, ich saß damals wirklich vor dem Bildschirm und habe Live -Tracking geschaut und sehe noch dieses Bild von deiner Flugspur, die oben so schön längs zieht und mit einem Mal geht ein Knick nach unten und man sieht, diese rote Flugspur geht runter und endet im See. Wie ist das, wenn man so eine Störung hat, den Rettungsschirm wirft und über dem See hängt und weiß und sieht so von der Sinkspur her, ich werde mitten in diesem Wasser landen. Was geht einem da durch den Kopf?

21:06Michael Witschi

Also das Coole war schon, per Zufall, ich habe das trainiert, ich bin vorher schon mit genau derselben Ausrüstung über den Prienstersee gewesen, weisst du, habe den Nordschirm geschmissen und ich hatte einen Sitz ohne Schlaufen, also ich wusste auch, wie ich aussteigen kann im Wasser und meinen Nordschirm habe ich ja überhaupt nicht über den See gezogen, da war ich schon ziemlich weit über dem Land, aber der Nordschirm war dann so stark, da hat mich dann Richtung Süden getrieben und eigentlich war ich fast froh, weil ich habe gedacht, wenn ich mit 40, 50 km/h gegen ein Haus donnere, also Horizontalgeschwindigkeit, dann wird das nicht lustig und das ist etwas, was man definitiv nicht trainiert,

21:54Michael Witschi

ein horizontaler Impact am Nordschirm und darum habe ich dann irgendwann gedacht, ja vielleicht muss zwar schwimmen, aber ich habe es schon gemacht, ich weiss genau, in der Luft löse ich meine Schultergurten und im Wasser gehe ich dann rückwärts raus, habe ich dann alles gewusst, eigentlich war ich ziemlich ruhig und eigentlich fast froh, dass ich nicht gegen ein Haus oder sowas gedonnert bin, sondern im See mit dieser Föhngeschwindigkeit dann aufprallte.

22:24Lucian Haas

Wahrscheinlich ist ja dann sogar im See landen und mit dem starken Wind sogar vielleicht in der Form vorteilhaft, dass ja wahrscheinlich dein Schirm und der Nordschirm erst noch von dem Wind so weiter gefüllt, könnte ich mir so vorstellen, dass das halt dann noch so gefüllt bleibt, dass die Leinen gespannt bleiben, du also auch relativ gut dort rauskommst und entsprechend wegschwimmen kannst. War das so?

22:47Michael Witschi

Ja, also der Hauptschirm, der ging ins Wasser, der hat dann wie ein Anker funktioniert und der Nordschirm hat dann wie ein Segel funktioniert und das war unter ziemlich starkem Zug.

23:00Michael Witschi

Oder bei diesem, bei meinem Set gingen beides auf die Karabiner, sonst hätte es mich dann vielleicht so in eine Horizontalposition gezogen oder wenn der Nordschirm oben auf den Schultern gewesen wäre.

23:14Michael Witschi

Aber ja, das hat ziemlich gut funktioniert, jedenfalls gab es keinen Durcheinander mit den Leinen, die waren voll gespannt vom Hauptschirm oder der war im Wasser. Ich habe dann am Anfang gedacht, ich lasse mich rausziehen ans Ufer vom Nordschirm, aber der Hauptschirm war so ein Anker, das habe ich dann gemerkt, das bringt nichts und dann musste ich das einfach alles zurücklassen und schwimmen.

23:36Lucian Haas

Du bist dann zum Ufer geschwommen. Wie hast du deine Ausrüstung zurückgekriegt oder ist die im See geblieben?

23:42Michael Witschi

Es war lustig, im Moment, als ich landete im See, hat es kein einziges Boot gehabt und das ist eigentlich nicht unbedingt normal, auf diesem See gibt es Boote, aber der Wirt vom Romantica, von diesem Hotel, wo ich übernachtet habe, der hat dann meine Ausrüstung mit seinem Boot geborgen. Dabei war es noch gerissen, er hat gesagt, pass auf, als ich das rausgezogen habe, hat etwas komisch getönt, aber ich war ja dankbar, dass er das für mich rausgeholt hat. Aber dann hat mir der Aaron Duragati noch geholfen, etwas zu nähen am Gurtseck und wir haben über Nacht getrocknet und am nächsten Tag wieder gebraucht.

24:26Lucian Haas

Das heisst, du hast alles getrocknet, hast diesen Notschirm auch wieder eingepackt, den Schirm wieder eingepackt und bist damit weiter gelaufen, weiter geflogen.

24:35Michael Witschi

Ja, ich glaube, das war nah. Ich glaube, einen Tag lang habe ich meinen Ersatzschirm gebraucht und da musst du ja beim Red Bull dann anfragen, ob das okay ist. Ich habe meinen Ersatzschirm einen Tag gebraucht, um diesen der anderen trocknen zu lassen, aber ja, den Sitz habe ich gebraucht, der war so fast trocken dann und den Notschirm haben meine Supporter wieder eingebaut, genau.

25:02Lucian Haas

Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Erlebnis schon ziemlich extrem ist und natürlich auch etwas mit einer Macht im Kopf. Warum hast du in der Situation trotzdem entschieden, weiterzumachen, anstatt einfach nur zu sagen, hey, das war ein Zeichen, ich habe jetzt überlebt, aber vielleicht ist das doch nicht meins oder whatsoever, was man da denken kann.

25:22Michael Witschi

Also eben, ich habe gar keine Sekunde daran gedacht aufzuhören, das ging mir gar nicht zu dem Kopf und als dann der Tarkin Cooper angerufen hat, so von der Red Bull Organisation,

25:35Michael Witschi

habe ich ihm gesagt, what doesn't kill you makes you stronger, habe ich gar nicht lange überlegt. An diesem Tag war es eigentlich noch etwas besser, als was danach kam. Am nächsten Tag habe ich dann gemerkt, was der Effekt war. Da hatte ich dann wirklich Angst, über Gletscherspalten zu fliegen und da begannen eben auch dann meine Flugfehler. Und eigentlich meine Stärke war ja das Fliegen und nicht das Laufen und meine Stärke wurde dann eigentlich plötzlich meine Schwäche. Aber ich habe nie daran gedacht aufzuhören. Ich kannte eigentlich die Gründe, die Gründe waren von mir aus gesehen dreifaltig und zwar extreme Übermüdung, also langsame Reaktion von mir. Nummer zwei halt der Föhn, der Nordföhn ist nichts lustiges und Nummer drei war der Schirm, der einfach Vollgas nicht stabil war.

26:29Lucian Haas

Du bist Vollgas im Nordföhn geflogen?

26:32Michael Witschi

Ja genau, neben mir der Stefan Gruben mit einem Skywalk und er ist gut gelandet und mich hat es dann weggeräumt. Und weil ich wusste, was diese Dreierkombination war,

26:46Michael Witschi

wusste ich auch, dass ich weitermachen kann eigentlich. Wobei mit der Müdigkeit hatte ich schon Probleme, weil der Körper ist so aufgedreht, du bist eigentlich todmüde, aber du bist mit offenen Augen um drei Uhr morgens irgendwo in deinem Camper und da die Müdigkeit, die blieb, war ein Problem bis zum Schluss.

27:08Lucian Haas

Wenn du gesagt hast, es ist dir dann schwerer gefallen, über Gletscherspalten beispielsweise zu fliegen und da kamen dann Angstgefühle auf und sowas, ist das etwas, was dann nur im Wettbewerb war oder hat dich das auch noch irgendwie länger verfolgt? Oder war das nur, dass du sagst, im normalen Fliegen gehe ich solche Risiken nicht ein, im normalen Alltag würde ich bei solchem Nordföhn nicht fliegen, also habe ich diese Sorgen dort nicht? Oder hat es dich doch verfolgt?

27:34Michael Witschi

Ich denke, nach zwei, drei Monaten war ich mental wieder ziemlich normal. Und es ist auch zum Glück bis heute mein einziger Nordschirmwurf geblieben und das unterstützt noch meine Theorie schon, dass diese Dreifaltigkeit, die mich da getroffen hat, im normalen Leben habe ich die nicht.

27:57Michael Witschi

Plus eine solche Müdigkeit, normalerweise, wenn ich so müde bin, würde ich nie im Leben fliegen gehen

28:04Michael Witschi

und auch der Schirm würde ich heute ja in anderen nehmen. Also jedenfalls war das ziemlich schnell eigentlich verdaut und heute habe ich null Effekte davon.

28:18Lucian Haas

Warum hast du nicht noch eine X -Alps mitgemacht? War das für dich klar von Anfang an, dass du sagst, ich will das einmal probieren, ich will das einmal erleben und das war es für mich? Oder gab es noch andere Gründe dafür?

28:30Michael Witschi

Also ich denke einfach, ich war ja als Unternehmer habe ich mir den Luxus gegönnt auf 80 % zu reduzieren und dann kannst du drei Tage die Woche trainieren und ich habe schon gewusst, wenn ich nochmal gehe und all meine Schwächen auskorrigieren will, dann reicht es nicht, so weiterzumachen als einfach mit einem 80 % Pensum und darum habe ich dann gedacht, wenn ich es nochmal gleich mache, ist es eigentlich erstens schade, weil ich nicht richtig alles korrigieren kann und zweitens ist es dann zu gefährlich und darum war es nie eine Option.

29:10Lucian Haas

War das, dass du selber nicht teilnehmen kannst, aber war das auch die Motivation dahinter, dass du 2017 mit Kriegel die X -Alps Academy gegründet hast? Dass du sagst, okay, dann will ich das zumindest in irgendeiner anderen Weise, diese Idee auch bei dir und bei anderen vorantreiben?

29:27Michael Witschi

Also Kriegel hat mich damals angefragt, hilfst du mit, eben diese Academy zu gründen? Und ich habe einfach gedacht, ja, ich konnte so stark vom Kriegel profitieren und wenn ich was beitragen kann, dann will ich auch mithelfen, dass andere das können. Das war eigentlich die Motivation. Und das vom nicht selber teilnehmen können, das habe ich wahrscheinlich in der Eiger Tour dann ausgelebt oder umgesetzt.

29:52Lucian Haas

Eiger Tour kam dann 2018, hast du glaube ich die erste Edition davon gemacht. Genau. Erklär mal kurz, wissen vielleicht auch nicht alle, die hier zuhören, was ist die Eiger Tour? Das ist ein Hike & Fly Wettbewerb, aber ein ganz besonderer. Was ist das Besondere an der Eiger Tour?

30:07Michael Witschi

Ja, da kommen wir natürlich zum Beginn, was du mich ja gefragt hast, warum liebst du London so sehr? Die Eiger Tour ist eigentlich ein Rennen, das nach meinen Kriterien, wo meine Erlebnisse vom X -Alps Plus, das damals berühmte Vercofly im Süden von der Schweiz, wie synthetisiert. Es gab Elemente, die gefielen mir sehr gut am X -Alps und andere, wo ich sage, wenn du ein Support -Team brauchst, wenn du auf 40 km auf Asphaltstrassen laufen musst, das finde ich nicht so cool. Und aus diesen Erlebnissen kam die Eiger Tour mit dem Ziel, erstens, es ist ein mehrtägiges Rennen,

30:52Michael Witschi

zweitens, du brauchst nicht so viel Geld, um ein Support -Team anzustellen und teure Busse, die dir nachfahren. Drittens, es ist das Ziel, dass man nie unter 1600 Meter kommt vier Tage lang, also so ein richtig alpines Erlebnis. Weil das war schon der Teil am X -Alps, wenn du da in Italien 20 km auf einer Strasse rennst und die Autos fahren dir mit 120 km um die Ohren. Das ist nichts Cooles, das machst du einfach, weil du am Rennen bist. Und das wollte ich ausschalten. Und dann eben diese Landerei, starten, landen, das wird extrem trainiert, ist auch sehr anspruchsvoll. Darum sagt ja der Kriegel, der hat ja so einen Zeitungsartikel, wo er sagt, dass die Eiger Tour schwieriger ist als das X -Alps.

31:40Michael Witschi

Damit meint er eben technisch schwieriger.

31:43Lucian Haas

Also Landerei, das hast du jetzt noch nicht so ganz. Die Wendepunkte, die du vorgibst, sind immer Berghütten? Genau, fast, fast immer, ja. Und die Leute müssen dort immer einlanden an den Wendepunkten und ein Selfie machen und das ist dann eigentlich der Punkt, wo du sagst, die Wendepunkte, die du vorgibst, sind immer Berghütten. Du hast es erreicht. Und deswegen kommt die Landerei bei der Eiger Tour so stark oder rückt so stark in den Vordergrund.

32:04Michael Witschi

Genau, also du kannst die Boje nicht aus der Luft nehmen, sonst würde es ja wie zu einem normalen Luftwettkampf, also die müssten am Boden genommen werden. Theoretisch kannst du alles zu Fuss machen, also fliegen ist nicht obligatorisch. Aber natürlich, wenn du fliegst, bist du meistens sehr viel schneller. Und warum die Hütten? Die Hütten sind halt cool. Du hast dort eine gewisse Sicherheit, also wenn dir was passiert, sind gleich Leute da. Du hast ein WC, du hast Essen, du kannst auch übernachten. Und du hast Fans, also die Hütten, die finden das natürlich cool, dieses Rennen. Darum bin ich eigentlich auf diese Hütten -Bojen gekommen.

32:53Michael Witschi

Also das sind, sagen wir, 20 bis 35 Hütten, die in vier Tagen ankommen. Und abgeflogen werden.

33:03Lucian Haas

Was ist für dich, ich meine, du organisierst das Ganze, da steckst ja auch sicherlich einiges an Geld rein, aber auch natürlich sehr viel an deiner Zeit und deiner Energie. Was ist deine Motivation daran, sowas zu organisieren? Und letzten Endes, du fliegst ja nicht mit, wenn ich das richtig verstehe, sondern du als Organisator bist natürlich am Boden und verfolgst das Ganze und musst andere Sachen dann da noch organisieren, letzten Endes.

33:29Lucian Haas

Was fasziniert dich daran? Zu sagen, ich investiere meine Energie dort rein.

33:34Michael Witschi

Ja, ich denke, das Hauptargument ist schon meine Kunden, also die Piloten, die dann nach diesen vier Tagen mit diesen leuchtenden Augen kommen, sagen, wow, danke vielmals, das war wieder einmal ein geniales Erlebnis.

33:53Michael Witschi

Ich denke, das ist die Hauptmotivation. Als Unternehmer ist es ein ganz schlechter Deal. Extrem hohes Risiko ohne irgendwelche... Also ich verdiene nichts, meine Stunden sind gratis, oder? Aber als Unternehmer dürfte ich das nicht machen, als Gleitschirm-Blog und selber Hikenflyer will ich das meinen Leuten eigentlich ermöglichen. Und natürlich, ich mache so teilweise dann mit. Ich habe schon meine drei, vier coolen Landungen und Hüttenanflüge und so, für das reicht es schon.

34:33Michael Witschi

Und es ist für mich auch eine Gelegenheit, immer wieder nach Grindelwald zu kommen, weil ich ja meine Fliegerkarriere gestartet habe. Und es gibt mir ein Gefühl für den Hikenfly -Markt. Und jetzt auch als Gleitschirmhändler, Hersteller finde ich das sehr wertvoll.

34:53Lucian Haas

Gleitschirmhändler, Hersteller, das Thema kommen wir gleich noch zu. Bleiben wir nochmal bei dieser Eiger -Tour. Die vielen Top -Landungen, die die Leute dort machen müssen. Jede Landung, hatten wir am Anfang schon, ist auch immer ein erhöhtes Risiko. Man kommt mit Schwung auf einen harten Boden, in die Nähe des harten Bodens und muss immer riskieren, sich was zu brechen, ein Band abzureißen oder was auch immer. Das heißt, du mutest mit der Route, die du dort legst und den teilweise sehr exponierten Landungen an diesen Berghütten, die da nötig sind, mutest du den Teilnehmern ja einiges zu. Muss man da eigentlich, wenn man sich bewirbt, um da teilnehmen zu können, muss man irgendwas nachweisen, dass man sagt, ich habe überhaupt die Skills, in so exponierten Geländen landen zu können? Und wie kann man sowas nachweisen?

35:40Lucian Haas

Muss man da ein Video einschicken oder was macht man da?

35:43Michael Witschi

Bei mir muss man sich bewerben. Man kann sich nicht einfach anmelden. Man kann sich anmelden, muss dann akzeptiert werden. Sicher schaue ich mal die Resultate an der vergangenen Rennen. Also schon mal die Erfahrung. Also schon mal die Erfahrung. Die jemand gemacht hat. Dann, wenn ich Zweifel habe, dann sage ich, schick mir mal ein Top -Lander -Video. Eigentlich das Top -Landern ist schon das Hauptkriterium, was ich sehen möchte. Und wenn ich dann immer noch Zweifel habe, dann sage ich, schau, ich habe eine Akademie angegründet, genau um Leuten den Einstieg sicher zu ermöglichen. Die Akademie ist ein geführter Tour mit einem Fluglehrer. Und nach diesen vier Tagen Akademie, wenn dann der Fluglehrer sagt, ja, diese Person ist geeignet, dann kannst du dann das Jahr darauf als Teilnehmer kommen.

36:38Michael Witschi

Was das Schwierigste ist, ist eigentlich das Mentale, weil eigentlich spielt dein Flugkönnen gar nicht so eine grosse Rolle. Wenn du nicht so gut bist, aber dafür halt drei Kilometer weiter eine riesen Wiese ansteuerst, dann bist du safe. Und dann ist das eigentlich für mich okay, als Organisator. Hingegen, wenn du super fliegst, aber du machst eine noch viel krassere Landung, als du super fliegen kannst und du brichst dir was, dann gehörst du eigentlich nicht an die Eigentour. Und das versuche ich den Leuten zu erklären, aber ich kann es nicht testen. Ich müsste fast so einen Psychotest machen. Weil es gibt ja Leute, die sind zwar technisch sehr gut, aber die kommen im Wettkampfmodus in etwas rein, wo sie jegliche Grenze überschreiten dann.

37:30Michael Witschi

Und da fallen sie schon wieder. Und dann gibt es andere, die sind sehr vernünftig und die fliegen nicht so gut, aber die bleiben immer im grünen Bereich. Die sind sehr willkommen. Und das ist das Schwierige. Da kommt noch ein bisschen Menschenkenntnis, Einschätzung dazu.

37:49Lucian Haas

Erlebst du es denn bei diesen Wettbewerben? Gibt es viele Leute, die «vernünftig» sind? Also wo du wirklich siehst, die steuern immer nicht die Landung im felsendurchsetzten Gelände knapp neben der Berghütte an, sondern die landen wirklich irgendwie zwei Kilometer entfernt noch auf der halbwegs grünen Wiese am Hang und wissen, die müssten dann halt vielleicht noch 100 Meter aufsteigen und sonst irgendwas. Aber die das immer risikoarm machen. Oder verleitet nicht so ein Wettbewerb eigentlich dahin, dass wirklich 90 Prozent der Leute sagen, wenn die anderen da oben schon landen, ich muss das irgendwie auch können. Aber dann damit eigentlich sehr schnell verleitet werden. Über die eigenen Grenzen zu gehen.

38:31Michael Witschi

Also die letzten paar Jahre, muss ich sagen, finde ich, ist die Szene ein bisschen vernünftiger geworden schon mal. Gleichzeitig habe ich die Pro -Kategorie abgeschafft. Dort waren die richtig krassen Hütten drin. Da gab es auch zum Teil von guten Piloten dann Beinbrüche und so. Die habe ich abgeschafft. Also das heisst, ich habe da eigentlich das Niveau schon runtergesetzt. Und es ist schon so, der Wettkampftruppe, die anderen sind auch dort, ich mache das auch. Das existiert.

39:03Michael Witschi

Jetzt am letzten Jahr zum Beispiel war der Lötschenpass so eine Schlüsselstelle. Da hat es eigentlich auch Nordwind gehabt. Und die Leute sind zum Teil rückwärts in einem hangrunterfallenden Wind gelandet. Und da habe ich mir vorgenommen, um das künftig zu vermeiden, muss ich vielleicht noch einfach Sicherheitsbeugen setzen. Das beginne ich jetzt dieses Jahr. Wo halt die Leute reinlanden müssen. Wo es sich dann nicht mehr lohnt, rauszustarten bis zum nächsten Händepunkt.

39:38Michael Witschi

Also zusammenfassend, die Sicherheit ist besser geworden. Das Gros ist vernünftiger geworden. Aber der Wettkampfdruck, das ist ein psychologischer Effekt, den wird es immer geben.

39:51Lucian Haas

Würdest du sagen, die Leute sind vernünftiger geworden? Oder ist das, was du vielleicht auch siehst, dass man sagt, die Skills der Leute sind auch allgemein besser geworden? Du hast gesagt, bei der ersten Eiger -Tour, da waren halt der Pädel von Kennel und Kriegel Maurer, die haben als einzige im Grunde diese Gegenhanglandungen gezeigt. Und du hast gesagt, wow, was macht ihr denn da? Und mittlerweile ist dieses Wissen, dass das geht, und dass das auch mit einem Gleitschirm geht, wo man früher vielleicht sagte, das kann so landen, das können nur die Drachen aus solcher Überfahrt heraus und so was. Und mittlerweile geht das halt auch mit dem Gleitschirm. Und das können immer mehr Leute. Oder üben zumindest immer mehr Leute. Und können das halbwegs, sage ich mal. Ist das so etwas, wo du auch siehst, über die Jahre hinweg gesehen, von dem Durchschnitt der Piloten, die bei dir teilnehmen, sind auch einfach die Fähigkeiten viel besser geworden?

40:42Michael Witschi

Ja, ich denke, die Fähigkeiten sind sicher besser geworden. Wobei jetzt zum Beispiel die Hikenfly -Szenen in der Schweiz, die wirklich vorne dabei sind, das ist immer noch eine ziemlich kleine Gruppe Leute. Oder die Hikenfly -Rennen in der Schweiz, werden jetzt nicht von 300 Leuten überrannt. Und die Schweiz hat doch immerhin 18 '000 aktive Piloten. Also tendenziell ja, das Niveau ist gestiegen, aber diejenigen Leute, die wirklich Hikenfly auf einem hohen Niveau trainieren, die sind immer noch wenig.

41:22Lucian Haas

Und ist deine Eiger -Tour so gesehen nicht etwas zu viel für die meisten, die vielleicht auch heute schon daran teilnehmen?

41:30Michael Witschi

Wie gesagt, wenn jemand, wenn jemand mental stark ist, und technisch nicht so stark, dann ist er am richtigen Ort. Und ich habe solche Kunden, die sagen auch im GmbH, denkst du, ich kann kommen? Ja, du musst nicht super schnell sein, und wenn du halt nicht fertig fliegst, aber du hast ein wunderbares Erlebnis während vier Tagen in einer extremen alpinen Umgebung, und du bleibst sicher, dann bist du willkommen. Dann ist es halt auch so, dass ich, ich bin eigentlich das einzige Rennen, was ein sehr grosses, also ein grosses internationales Feld hat.

42:10Michael Witschi

Meistens 12 bis 16 Nationen kommen. Das ist eigentlich das einzige Hikenfly -Rennen der Schweiz. Und somit bekommst du halt, sagen wir jetzt, noch Spitzenathleten aus anderen Ländern dazu, sodass man diese 60 Plätze, die ich habe, schon vernünftig füllen kann.

42:29Lucian Haas

Springen wir mal ein bisschen im Thema und wieder zu dir, und deiner Fliegerei zurück. Ich habe gesehen, du hast als Gleitschirmflieger angefangen, aber in den letzten Jahren hast du dann auch versucht, dich im Grunde zu erweitern. Du hast das Drachenfliegen bzw. Starflügerfliegen gelernt, bist Archäopteryx geflogen. 2023 hast du dann auch einen Segelflug brevet gemacht.

42:54Lucian Haas

Warum suchst du diese Erweiterung? Und was gibt dir beides, wenn du vergleichen kannst, Gleitschirmfliegen und Segelfliegen beispielsweise? Für

43:04Michael Witschi

mich waren zwei Gründe. Erstens ist das meine Altersvorsorge, das Segelfliegen. Es war noch verrückt, weil eigentlich ist es anspruchsvoller als Gleitschirmfliegen, aber trotzdem denke ich halt, vor allem physisch ist es deutlich weniger anspruchsvoll.

43:20Michael Witschi

Das war Grund Nummer eins. Grund Nummer zwei habe ich mir gesagt, mit 45 ist es gut, einfach was Neues zu lernen. Es ist auch der letzte Moment, sage ich, wo du noch einigermassen mit normalem Aufwand gut fliegen kannst. Als Segelflug - oder Motorflugpilot. Das war eigentlich meine Motivation, warum ich damit gestartet habe. Weisst du, weil diese sieben Stunden da mit den B -Händlern immer im Wallis am Ziehen und Schauen, dass der Schirm nicht klappt. Irgendwie denke ich, das ist schon mühsam eigentlich. Vor allem die Streckenflüge, oder? Das heisst für mich, der Segelflug ersetzt vor allem diese langen Streckenflüge. Mit dem Gleitschirm.

44:06Michael Witschi

Und da bin ich einfach viel angenehmer unterwegs. Ich bin in meiner Kabine, habe keine kalten Hände, kann mit zwei Fingern in meinen Flieger fliegen. Ich kann mit dem Transponder durch die Lufträume durch. Das ist noch ein Vorteil mehr.

44:25Michael Witschi

Und natürlich, ich kann damit die Königsklasse, das ist für mich das Föhnwellenfliegen, ich kann in die Königsklasse vom Fliegen eintreten. Was ich auch sofort gemacht habe.

44:40Michael Witschi

Weil der Gleitschirm ist für mich nach wie vor das Starten, Landen ist das Unglaubliche. Überall starten, überall landen. Extrem unkompliziert. Sehr nah am Gelände sein. Die Kombination mit dem Wandern, dem Hiken hast du nicht beim Segelflieger. Wenn ich einen Segelflugtag habe, gehe ich immer am Morgen eine Stunde laufen, zuerst im Wald, damit ich diesen Teil abgedeckt habe. Und dann sitzt du einfach in deinem Cockpit da. Auch für mich hat der Gleitschirm eine extreme Berechtigung. Aber dann so richtig gute Tage, wo

45:19Michael Witschi

mit dem Gleitschirm kommst du dann zum Teil nicht zum nächsten Thermik. Und mit dem Segelflieger kannst du ganz andere Gebiete anfliegen. Ich habe extrem viel dazugelernt. Du kommst dann in Thermiken rein, wo du mit dem Gleitschirm nicht kommst. Umgekehrt kennst du von Gleitschirmorten, wo der Segelflieger nicht hingeht. Diese Kombination ist extrem bereichernd. Und dann halt eben die Föhnwellenfliegerei, die ist gewaltig, gewaltig. Da kannst du dann theoretisch an einem Dezembertag von morgens um 8 bis abends um 5 fliegen gehen.

46:00Lucian Haas

Aber wie gehst du denn dann mit den zwei Herzen vielleicht, die jetzt in deiner Brust schlagen rum? Du hast jetzt über Pfingsten beispielsweise, wir hatten super tolles Wetter, gerade auch in den Alpen, da wurden Rekordflüge wahrscheinlich sowohl mit Gleitschirm wie auch mit Segelflieger gemacht. Also wonach entscheidest du jetzt für dich zu sagen, heute ist ein Segelflugtag? Nein, heute ist ein Gleitschirmflugtag. Also was zieht dich mal in die eine und mal in die andere Richtung?

46:25Michael Witschi

Boah, also jetzt an Pfingsten war ich nicht einmal Segelflieger. Ist halt auch so, unser Verein hat ja die Vereinsflieger und die sind dann irgendwann mal

46:38Michael Witschi

blockiert, wobei Pfingstmontag hatte ich eigentlich den Doppelsitzer reserviert, aber ich hatte dann eine Kollegin mit gebrochener Hand und die sagte, ja, ich will wieder mal in die Luft mit dem Gleitschirm. Und da habe ich gesagt, okay, wir fliegen vom Wallis rüber in den Kanton Bern. Ich denke, das kommt so drauf an. Also ist klar, die Mikroflugtage, die machst du mit dem Gleitschirm. Mit dem Segelflieger irgendwo eine Stunde an einem Fels drehen, das ist erstens gefährlich, nicht so lustig, extrem aufwendig. Also Mikroflugtage sind mit dem Gleitschirm vorbehalten, Hike -and -Fly -Tage sowieso. Weisst du, im Herbst gibt es ja oft die Tage, zum Beispiel im Wallis, wo du noch im November auf 4000 kommst, aber ganz kleine, wenige Thermik.

47:26Michael Witschi

Du musst wissen, wie du da reinkommst. Geht nur mit dem Gleitschirm. Dann gibt es die Föhntage, die sind sowieso mit dem Segelflieger vorbehalten. Und dann gibt es diese Tage, wo die Thermik über grosse Strecken sehr gut ist. Da zieht es mich schon in den Segelflieger rein. Weisst du, wenn du von der Schweiz bis Monaco super Wetter hast, dann kannst du schon gewaltige Strecken mit dem Segelflieger machen. Und so denke ich so. Und dann ist es auch ein bisschen noch sozial. Wenn ich mit meinem Sohn oder meinem Bruder Gleitschirmfliegen gehe, ist es dann ein sozialer Anlass. Und dann sage ich jetzt, teile ich mal meine Passion mit der Familie.

48:11Michael Witschi

Und dann gehe ich nicht Segelfliegen.

48:13Lucian Haas

Ich habe neulich ein Bild mal gesehen, ich glaube auf Instagram oder sowas, da warst du mit deinem Sohn aber im Segelflieger unterwegs. Ich habe jetzt verstanden, du gehst mit ihm auf Tandemfliegen wahrscheinlich und nimmst ihm einen Daumen mit. Was gefällt deinem Sohn besser, Segelfliegen oder Tandemfliegen, also mit dem Gleitschirm?

48:27Michael Witschi

Ich denke schon Segelfliegen. Der will jetzt Linienpilot werden und das ist halt schon dem am nächsten. Wobei beim Gleitschirm hat er den Vorteil, dass er schon alleine fliegen darf, weil er ja 15 ist. Also könnte er dann Segelfliegen auch, aber er ist nachtdicht in der Schulung. Ich denke, er macht beides sehr gerne. Er wächst eigentlich mit beidem gleichzeitig auf. Von Anfang an kann er Gleitschirmfliegen und Segel fliegen.

48:57Lucian Haas

Fliegst du eigentlich, ich meine du hast jetzt auch den Vergleich mit deinen anderen Segelfliegerkollegen. Du bist davor, bevor du angefangen hast mit dem Segelfliegen, bist du schon über 20 Jahre lang Gleitschirm geflogen. Fliegst du in irgendeiner Weise anders, weil du diese Gleitschirmerfahrung hast? Liest du die Luft anders? Liest du ein Gelände anders als so ein klassischer Segelflieger?

49:19Michael Witschi

Ja, ganz sicher. Ich denke, bei meinem Verein gab es schon am Anfang ein bisschen, soll ich sagen, hat es gehappert, weil ich oder bei uns gibt es so Regeln, du fliegst zuerst immer nur im Kegel, wo du wieder zurückkommst und dann vielleicht mal in den Jura, aber sicher nicht in den Alpen. Und ich habe gesagt, weisst du, ich fliege seit 20 Jahren in die Alpen. Warum willst du mir jetzt sagen, wo es ein Lee gibt vom Talwind? Das weiss ich ja schon lange. Also ich bin sicher beim Segelfliegen viel schneller vorwärts gegangen als ein durchschnittlicher Segelflugpilot. Und das hat dann bei gewissen natürlich ein bisschen Stirnrunzen gegeben, bei gewissen Gefliegerkollegen. Aber ich denke, sie haben das dann verstanden, weil ich habe, ja, ich kenne jede Ecke von Engadin bis irgendwie in Frankreich und

50:11Michael Witschi

kenne ich alles. Und das bringt sehr viel, weil wenn du etwas kennst, du fliegst hin, du weisst schon, wie es funktioniert.

50:19Michael Witschi

Das ist das Gute. Das Schlechte denke ich manchmal, ich drehe viel zu viel mit dem Segelflieger. Manchmal denke ich, ich habe immer noch das Gleitschirm im Hirn.

50:28Lucian Haas

Du willst immer noch bis zur Wolke hoch, wo du eigentlich mit dem Segelflieger sagst, Quatsch, flieg einfach direkt 30 Kilometer weiter, da hinten steht die nächste Termin. Damit kannst du genauso ein bisschen drei Kreise machen und dann fliegst du schon wieder weiter.

50:40Michael Witschi

Das denke ich manchmal, das ist ein bisschen hinderlich. Das letzte Mal war ich vor drei Wochen im Wals und dann sehe ich diese Segelflieger unten durchschiegen auf 2000. Ich hänge immer an der Wolke. Und dann denke ich, ja, vielleicht ist es auch hinderlich, dass man dann, also nicht für den Fun, aber halt für die Leistung. Du bist halt ein bisschen langsamer unterwegs mit dem Segelflieger. Und ich habe halt auch Respekt von der Aussenlandung mit dem Segelflieger. Hattest du schon mal eine? Nein. Nein, ich bin wirklich sehr konservativ.

51:13Lucian Haas

Also beim Segelfliegen fürchtest du das Landen, was du beim Gleitschirmfliegen hingegen suchst?

51:19Michael Witschi

Ja, ich fürchte nicht das Landen, aber ich fürchte das Landen ohne Piste. Weil wenn du mit 90 kommst und irgendwas siehst du nicht, irgendein Graben oder das braucht dann wenig und dann gibt es mindestens einen groben Materialschaden. Und auch wenn alles gut läuft, dann ist es auch gut, wenn alles gut läuft, verlierst du irgendwie zwölf Stunden. Du musst dann irgendwie nach Hause kommen, den Anhänger suchen, wieder dorthin fahren, wo du bist, den Flieger zerlegen, einräumen, wieder nach Hause fahren, wieder aufbauen. Ja, dafür will ich meine Zeit nicht ausgeben.

51:55Lucian Haas

Das mit Gleitschirmfliegen ist natürlich viel einfacher. Man faltet zusammen, steckt es in den Rucksack und setzt sich in die Bahn und fährt wieder nach Hause. Genau. Und

52:02Michael Witschi

das ist eben schon was Geniales. Du kannst einfach überall landen mit dem Gleitschirm. Das ist ein Riesenvorteil.

52:09Lucian Haas

Segelflieger sprechen ja so manchmal ein bisschen abschätzig über Gleitschirmflieger. Zumindest in Deutschland gibt es so Bezeichnungen, gibt es vielleicht in der Schweiz genauso. Die Teebeutelflieger heißt es dann oder ach, da sind die Luftbojen wieder unterwegs, weil die da einfach nur wie festgenagelt am Himmel stehen und man kann immer nur drumrum kurven und kreisen. Erlebst du sowas in der Schweiz? Also willst du da, wenn du Gleitschirm fliegst oder wenn deine Segelfliegerkollegen wissen, dass du mit dem Gleitschirm auch unterwegs bist, dass sie dich ein bisschen schräg angucken?

52:39Michael Witschi

Ja, die sagen da, deine Kollegen waren wieder viel zu viele da in der Luft. Die sagen, dein Taschentuch oder die Taschentücher und so. Ja, das ist sicher. Es ist halt immer, wenn man den Luftrahmen teilt, gell. Ich selber, mich stört es nicht. Natürlich, manchmal ist es wirklich schwierig, wenn bei uns extrem viele Schirme in der Luft sind. Mit dem Segelflieger musst du halt manchmal ausweichen. Ich finde es einfach schade, wenn die Gleitschirme keinen Flarm haben und dann noch irgendwie in die Wolke reingehen. Die sind sich nicht bewusst, dass bei uns zumindest in der Schweiz wäre es legal möglich, dass ein Segelflieger in die Wolke reinfliegt, in den Wolkenflugzonen. Aber das macht heute niemand mehr, weil wir wissen alle, es gibt Tote, weil gewisse Gleitschirme einfach reingehen.

53:26Michael Witschi

Das ist dann für mich das Einzige, was mich dann als Segelflieger ein bisschen stört. Sonst eben, ich kann beide Seiten verstehen. Beides geht gut, mehr oder weniger. Es sollten einfach alle Flarmen haben und mindestens nicht in die Wolke hinein.

53:43Lucian Haas

Du kannst ein bisschen Botschafter spielen. Wie könnte man denn hier zwischen diesen beiden Szenen für mehr Verständnis sorgen oder auch für mehr Austausch? Ich denke, man kann ja auch von beiden Seiten lernen.

53:53Michael Witschi

Ich denke, es würde wirklich jedem Segelflieger gut tun, einmal einen Tandemflug mit dem Gleitschirm zu machen. Und jedem Gleitschirmflieger tut es gut, mal mit dem Segelflieger mitzukommen. Ich mache das, ich nehme eigentlich mit dem Segelflieger nur Gleitschirmpiloten mit. Ich suche keine Fussgänger, weil die Gleitschirmpiloten, erstens die meisten vertragen das, die anderen müssen ja kotzen. Plus die Gleitschirmflieger haben dann mal noch einen Eindruck, wie ist es, ein weisser Schirm vor der Wolke, noch einer ohne Flan. Einfach, dass sie auch ein bisschen sensibilisiert werden über die Segelflieger. Plus natürlich die Segelflug -Community, die ist ja tendenziell am

54:39Michael Witschi

Aussterben. Und ich denke, das beste Pool, um den Segelflug vor dem Aussterben zu retten, sind die Gleitschirmpiloten. Leute, die beides machen, oder vielleicht mal auch rüber wechseln, sind eigentlich die besten Nachwuchstalente für den Segelflieger.

54:56Lucian Haas

Also Leute wie du, wo du sagst, Gleitschirmflieger, ihr werdet auch irgendwann etwas älter, vielleicht wollt ihr dann auch noch weite Strecken ruhiger fliegen, als ihr es bisher mit B -Handle -Gymnastik die ganze Zeit dort machen müsst im Wallis. Kommt doch mal zu uns, fliegt mal bei uns mit.

55:11Michael Witschi

Genau, genau. Und die bringen halt schon einen Rucksack, oder die lernen viel schneller, die sind meistens auch viel aktiver, weil sie schon vorher ein Hobby ziemlich stark ausgeübt haben.

55:23Lucian Haas

Wechseln wir nochmal das Thema. In diesem Jahr hast du ja noch ein, ich sag mal, neues Abenteuer in Anführungszeichen gestartet. Du hast dich an AirDesign beteiligt und bist da jetzt der CEO. Genau. Wie kam es dazu?

55:38Michael Witschi

Ja eben, seit sieben Jahren bin ich Importeur von AirDesign in der Schweiz und schon vor einer Weile hat mich der Martin Gosner dann irgendwann mal angesprochen. Du, Stefan und ich, wir sind langsam in der Nachfolgeplanung und so.

55:57Michael Witschi

Eigentlich der Beweis, dass man mit der Leidenschaft auch arbeiten kann, war für mich mein Job als Importeur. Noch vorher habe ich ihm gesagt, ich bin nicht mit der Fliegerei arbeiten, weil ich will nicht Arbeit und Leidenschaft vermischen oder so Hobby vermischen. Und dann habe ich gemerkt, genau sieben Jahre Importeur von AirDesign und das hat mir immer Spass gemacht. Und da habe ich gedacht, ja eigentlich, ja, warum nicht? Hatte dann noch eine Solarfirma gegründet, aber dann ist der Markt ziemlich eingebrochen letztes Jahr. Und dann habe ich dann irgendwann gedacht, ja okay, das, vielleicht ist es ein Wink, vielleicht ist es ein Zeichen. Und dann habe ich dann letzten Sommer irgendwann Martin gesagt, okay, ich bin bereit.

56:46Lucian Haas

Wenn du eigentlich nicht Arbeit mit deinem Hobby verbinden wolltest, warum bist du denn dann vor sieben Jahren überhaupt schon Importeur von AirDesign geworden?

56:55Michael Witschi

Das ist eine lustige Geschichte. Martin hat mich auch immer bearbeitet schon vorher und ich habe gesagt, schau, ich habe keine Zeit, keine Zeit. Ich war damals in der Politik, ich war im Gemeinderat von Langenthal und bin dann da ausgestiegen und das war ein 20 % -Pensum und ich habe mir dann gesagt, schau, diese 20 % habe ich ja jetzt auch neben meinem Hauptberuf gemacht. Ich möchte die nicht wieder mit dem Hauptberuf füllen, sondern mit etwas ganz anderem. Und dann habe ich dann Martin angerufen und gesagt, schau, ich mache das, einfach mit einem 20 % -Pensum. Das ist die Geschichte dahinter.

57:34Lucian Haas

Aber jetzt war trotzdem das Problem oder Problem in Anführungszeichen wieder, wenn du sagst, du wolltest aber eigentlich nicht dein Hobby mit der Arbeit verbinden, jetzt hast du es ja doch gemacht. Was war der Antrieb dafür, zu sagen, okay, ich vermische es trotzdem, ich lasse mich darauf ein?

57:50Michael Witschi

Ich denke, also sicher mal das Produkt ist ja, das gefällt mir, das ist mein Herzensprodukt, der Gleitschirm und ich kannte die AirDesign schon von diversen Produkten, die ich selber geflogen bin und ich dachte, ja, mal was ganz, also ganz Neues. Es war neu im Sinne von Gleitschirm auch verkaufen, nicht nur brauchen. Und ich glaube, der Challenge, der hat mir gefallen.

58:17Lucian Haas

Du hast mit der Beteiligung auch den Firmensitz in die Schweiz verlegt. Ursprünglich kommt AirDesign aus Österreich, hat auch noch Entwickler in Frankreich sitzen. Warum in die Schweiz?

58:32Michael Witschi

Erstens sicher, weil ich, das ist halt mein Rechtssystem, das ich jetzt seit vielen Jahren kenne als Bürger, als Unternehmer.

58:43Michael Witschi

Also sicher mal, ich kenne es. Die EU kenne ich nicht gut.

58:50Michael Witschi

Zweitens ist halt die Schweiz einfach, was soll ich sagen? Ich sage immer, du Schweizer, du sollst dich nicht beschweren über dein Land. Wenn du dich beschwerst, geh in die Politik und versuch etwas zu ändern. Wir haben so ein kleines Land und wir haben eine sehr direkte Demokratie.

59:09Michael Witschi

Das heisst für mich auch, wir sind anpassungsfähiger als eine EU. Wir sind ja auch einfach, wie soll ich sagen, besser aufgestellt, was Steuern und Verwaltung angeht. Staatsverschuldung ist für mich ein Riesenthema. Ich finde halt einfach, wie kann es sein, dass sich ein Staat so brutal verschulden kann, während jede Firma, die das macht, sofort Konkurs geht. Und in der EU sind halt jetzt etliche Staaten, man kann sich massiv verschulden. Und ich möchte eigentlich nicht in einem Staat eine Firma haben, wo ich, also Schulden sind ja künftige Steuern eigentlich. Weil der Staat, wenn er dann die Schulden immer mehr bedienen muss, abzahlen muss oder schon nur die Zinsen zahlen, muss er entweder die Leistungen runterfahren oder die Einnahmen erhöhen.

1:00:02Michael Witschi

Und die Einnahmen sind halt Steuern. Und somit ist für mich die Schweiz halt auch eine gewisse Rechtssicherheit für die Zukunft. Da wir zum Glück jetzt noch eine Schuldenbremse haben. Ihr habt die ja, glaubt, auch noch in Deutschland. Habt ihr die noch? Oder wurde die gekippt?

1:00:22Lucian Haas

Offiziell gibt es sie noch, aber wird halt immer darüber diskutiert, ob man sie zumindest zeitweise aushebelt, was auch immer das heisst.

1:00:30Michael Witschi

Das kommt für mich dazu, obwohl, es gibt auch Leute, die sagen, eine direkte Demokratie ist eine

1:00:37Michael Witschi

Rechtsunsicherheit, weil die Bevölkerung kann irgendwas Irrsinniges beschliessen und dann muss es umgesetzt werden. Also man kann es von beiden Seiten sehen, die direkte Demokratie.

1:00:47Lucian Haas

Aber so ein Standort in der Schweiz, ist der nicht, wenn du mit dem auch viel in den EU -Raum ansonsten verkaufst und so was, ist das nicht auch nachteilig? Also ich erlebe das immer, wenn ich irgendwelche Päckchen aus der Schweiz kriege, muss ich hier immer noch 20 % Zoll nachzahlen oder sonst irgendwie was. Oder es muss irgendwie auf irgendwelchen komischen Umwegen, jemand nimmt es mal mit nach Italien, weil er gerade da ist und schickt mir das Paket von dort aus zu und so was. Also ist das nicht, von daher gesehen, wäre nicht ein Standort in Österreich für euch noch besser?

1:01:19Michael Witschi

Also du hast vollkommen recht und ich bin da, wie man auf Bernd Rüsch sagt, auf die Schnur gefallen. Ich habe es riskiert, am Anfang die EU bedienen zu wollen aus der Schweiz. Es geht, aber es ist sehr nachteilig. Wirklich viel zu viele Nachteile. Und darauf habe ich ja direkt dann die Firma in Frankreich gegründet und jetzt wird die ganze EU von Frankreich abgewickelt.

1:01:51Lucian Haas

Das heißt, dein Firmensitz, also der Hauptsitz, Headquarter oder wie auch immer man es nennt, das heißt jetzt Air Design AG, die hat ihren Sitz in der Schweiz, aber du hast dann quasi deine Vertriebsgesellschaften oder sonst was, die sitzt in Frankreich.

1:02:08Michael Witschi

Genau, Air Design, leider sage ich, ist die Mutter, die sitzt in Wolfenschießen im Engelberger Tal und Air Design Europe sitzt unten bei Saint -Hilaire, also wenn das heisst La Terrasse, das Dorf und von da aus wird eben die ganze EU abgewickelt.

1:02:29Lucian Haas

Von der Wahrnehmung her, ich meine ursprünglich von der Geschichte her mit von der Gründung von Air Design, da war das immer ein österreichisches Unternehmen. Dann schon seit ein paar Jahren arbeiten die halt auch mit den französischen Kollegen da zusammen, du bist jetzt in der Schweiz. Wie glaubst du denn, wird dieses Unternehmen künftig wahrgenommen werden? Wirst du neben Advance künftig ist Air Design dann irgendwann auch eine in Anführungszeichen Schweizer Marke oder wie positioniert ihr euch da?

1:02:59Michael Witschi

Ja natürlich, sagen wir mal kulturell, Air Design hat, wie du das sagst, seit einigen Jahren ein starkes Standbein in Frankreich.

1:03:11Michael Witschi

Wenn man die letzten fünf, sechs Jahre anschaut, ist es eigentlich ein österreichisch -französisches Unternehmen. Natürlich, der Sitz war immer in Österreich, aber schon viel Kommunikation, diese lustige Art, wie man sich positioniert, ist eigentlich schon auch von den Gründern, aber auch von den Leuten in Frankreich gekommen. Die Gurzeuge werden, seit wir Gurzeuge machen, in Frankreich entwickelt und ich sage immer, ich sitze genau in der Mitte. Ich bin zwischen den beiden Orten wirklich genau in der Mitte und auch, denke ich, auch kulturell eigentlich in der Mitte, weisst du, zwischen den Franzosen und den Österreichern. Von dem her passt das für mich eigentlich sehr gut. Und dann, ja,

1:03:58Michael Witschi

wie positioniert man sich? Made in Switzerland ist es ja sowieso nicht, oder das ist ja keine, doch, es gibt eine kleine Gleitschirmarke, die ist wirklich hand -made in Switzerland, aber die kennt gar niemand, die ist so klein. Fly Fat ist das, oder wie ist das? Ja, genau, du kennst die, bravo.

1:04:17Lucian Haas

Zwangsläufig, ich beschäftige mich ein bisschen mit der Gleitschirmszene, ist mir die schon aufgefallen.

1:04:21Michael Witschi

Aber eben viele kennen das ja nicht, aber die sind wirklich made in Switzerland. Bei uns wäre es, ja, wir sind eine Schweizer Marke, wie Advance ein bisschen weniger, weil eben unsere Entwicklung wird dann schon auch in Frankreich und immer noch im Zildertal bei Stefan passieren, oder? Also ich, ich würde mich eigentlich als trinational dann schon definieren. Wir können nicht nur sagen, wir sind nicht nur Schweizer, wenn doch eine Mehrheit der Mitarbeiter in Frankreich arbeiten.

1:04:57Lucian Haas

Und hast du die Firma übernommen in einer Zeit, wo, was man so hört, allgemein die Gleitschirmszene derzeit auch nicht wirtschaftlich so toll dasteht?

1:05:09Lucian Haas

Wie sieht es da mit Airdesign aus und wie siehst du das für dich? Wird sich der Markt wieder etwas besser erholen oder welche Zukunftsaussichten siehst du allgemein für den Gleitschirmmarkt? So als Unternehmer gesprochen.

1:05:23Michael Witschi

Also eben Airdesign ist eine sehr, sehr solide Firma. Die ist, die habe ich eigentlich aus der Stärke übernommen. Nicht, nicht in einer Schwächephase oder so. Aus dieser Stärke, diese Stärke muss ich

1:05:39Michael Witschi

weiterführen. Unser Vorteil ist, dass wir sehr, wir sind sehr, sage ich das mal, effizient. Relativ klein, aber nicht so klein. Also weisst du, es gibt dann nach unserer Grösse gibt es dann fast nur noch die Ein -Mann -One -Mann -Shows oder? Und wir sind, wir sind doch noch, sagen wir mal, strukturiert, gut organisiert. Jetzt ist sicher der Umbruch, der grosse Challenge ist jetzt halt dieses, oder ich alles neu aufsetzen. Es gibt ein bisschen Turbulenzen und so. Das, diese Phase, aber das sind wir jetzt eigentlich schon am abschliessen. Wir sind, wir kommen jetzt wieder eine, in eine Ruhephase. Und wie gesagt, wir können wirklich viele stärken von, von den, von den alten Gründern zum extrem jungen Team jetzt in Frankreich und, und meinen Connections in der Schweiz können wir ausnutzen.

1:06:30Michael Witschi

Der Markt, denke ich schon, der ist, der ist ziemlich hart, ja, und kämpft. Aber unsere Firma ist eigentlich gut positioniert. Ich denke eben, ja, wenn, wie sagt man, wenn der ganze Markt runtergeht, dann werden wir sicher nicht noch gerade verdoppeln, oder? Man muss mit dem Markt leben. Aber ich denke einfach in, in einer Welt mit sehr vielen digitalen Erlebnissen ist doch das Reale, ist etwas wahnsinnig Cooles, oder? Und, und dann denke ich einfach, das Gleitschirmfliegen wird nicht so schnell abgelöst. Auch in der Krise jetzt sehe ich zum Beispiel in den, in den USA sind unsere Verkäufe, die laufen super.

1:07:15Michael Witschi

Wo man jetzt sagt, hey, die, die haben doch Krise, ihr Benzin ist doppelt so teuer und, und, und. Aber es läuft super. Dann denke ich, eigentlich sind wir schon krisenresistent als Branche.

1:07:30Michael Witschi

Und, und die wachsenden Märkte, die haben da das grösste Potenzial. Wenn man in Indien, stell dir mal vor, wenn da nur ein Prozent fliegen, das wäre gewaltig. Ja,

1:07:43Lucian Haas

wenn die eine Milliarde Leute haben, dann hast du da halt schon deine 100 Millionen, die dann Schirme kaufen wollten.

1:07:50Michael Witschi

Warte, ich glaube zehn, oder? Zehn Millionen, stimmt das? Eine Milliarde, ein Prozent.

1:07:55Lucian Haas

Ja, das stimmt. Das waren 100, 100 Millionen sind zehn Prozent, ein Prozent wären zehn Millionen. Aber zehn Millionen Schirme wäre eine dreifache Größenordnung mehr.

1:08:04Michael Witschi

Und dann ist natürlich die Frage, wie kannst du an diesem Markt, genau, wie kannst du da partizipieren, oder? Ich meine, die Autos sind ja wie ein Vorzeigefall, oder? Es gibt sicher viele Länder, die kaufen einen Tata, aber es gibt immer noch Länder, die kaufen trotzdem einen Mercedes oder einen BMW, oder? Und darum denke ich so, Indien, China, Indonesien, auch die afrikanischen Länder, irgendwann kommen die, das ist ein langfristiges Projekt. Und dann wird der Markt noch einmal sehr stark zulegen.

1:08:40Lucian Haas

Welchen Einfluss hast du denn auf die Firma, oder welche Impulse kannst du dort setzen? Du hast deine Entwicklungsabteilung, du hast einen Stefan als Konstrukteur und sowas, also die haben so ihre Ideen. Bist du dann hauptsächlich der Marktmensch, der dann guckt, wie kann ich die Produkte an den Mann bringen, wo kann man sie verkaufen, wie kann ich mir 100 Millionen Inder erschließen, oder was auch immer? Na, zehn Millionen, nein, Spaß beiseite. Also, wie kann man das entwickeln, oder bist du auch wirklich an den Produkten in irgendwie, also dran und da mit dran beteiligt, gibst du da auch Impulse, was die Produktentwicklung dann entsprechend betrifft?

1:09:15Michael Witschi

Die Hauptaufgabe vom CEO ist da für mich, das richtige Team, also die richtigen Leute zu haben, die richtigen Leute in einem richtigen Umfeld arbeiten zu lassen, also die Spielregeln, die

1:09:31Michael Witschi

Stimmung und einfach allgemein oder den ganzen Aufbau einer Firma, das ist meine Hauptaufgabe. Aber wir sind eine kleine Firma, somit bin ich fast zwangsmässig auch involviert, also ich bin nicht Entwickler und ich will nicht allzu viel reinreden, aber natürlich, wenn wir zwischen fünf Produkten die Priorität setzen, oder was muss zuerst auf den Markt, da bin ich sicher dabei. Man hat ja immer zu wenig Ressourcen in einer Firma, das ist ja normal, ist vielleicht auch gut so, weil sonst wäre es uns langweilig, aber wo setzt man die Ressourcen ein? Und das kommt direkt dann auch auf die Produkte zurück und ich sage immer, ich bin ein super User und ihr könnt mir alles geben, ich probiere es und ich bin dann nur eine Meinung, aber trotzdem eine Meinung zum Produkt.

1:10:24Michael Witschi

Weisst du, ich fliege ja jedes einzelne Produkt von uns.

1:10:27Lucian Haas

Wenn man sich so deinen Lebenslauf anguckt, den beruflichen Lebenslauf, dann sieht man, du hast sehr häufig auch Positionen gewechselt, hast mal verschiedene Unternehmen gegründet, du hast vorhin vom Solarunternehmen gesprochen, du hast mal gesagt, du warst in der Baubranche, du hast sogar mal in Panama ein Unternehmen gehabt und sowas, aber da sieht man auch immer, da ist immer Wechsel drin. Alle paar Jahre hast du dir was Neues gesucht, so ungefähr. Kann das mit Air Design dann auch noch passieren oder denkst du, ich werde älter, ich komme so lange, ich suche mir das Segelfliegen und ich suche mir jetzt ein Unternehmen, mit dem ich sage, so das ist das, was mich jetzt so auch kopfmäßig, halt nicht Beton, sondern das ist etwas, was mich auch einfach so fasziniert vom Medium her, mit dem sich das Unternehmen beschäftigt, da werde ich dabei bleiben.

1:11:15Michael Witschi

Ja, also ich muss ein bisschen, also du hast sicher tendenziell recht, aber du musst deine Aussage noch ein bisschen verfeinern. Ich denke, vor allem hatte ich viele Sachen parallel, oder? Die meisten Firmen, die ich gegründet habe, etliche sind schon zehn, zwölf, dreizehn Jahre alt geworden oder meine Firma in Panama, die habe ich zehn Jahre geführt, die gibt es immer noch, die machen die Mitarbeiter, die haben die Aktien übernommen, die Bohrfirma, die haben wir 13 Jahre lang betrieben, also kann man nicht gerade sagen, dass es ein Eintagesflieger war, natürlich habe ich auch zum Teil Sachen gegründet und dann ziemlich schnell gemerkt, okay, das geht nicht, du hast noch gar nicht alles gesehen auf meinem Lebenslauf, aber ich denke schon, der Fakt, dass ich jetzt, ich bin jetzt monothematisch geworden, zum ersten Mal in meinem Leben.

1:12:09Lucian Haas

Du hast nur noch Air Design als Firma und deine Michu Vici GmbH, mit der du die Eiger -Tour organisierst.

1:12:16Michael Witschi

Genau, das mit der Eiger -Tour habe ich gedacht, das kannst du mir noch vorwerfen, aber ist ja eigentlich in derselben Branche, ist eine Tuchfühlung mit der Kundschaft oder mit unseren

1:12:28Michael Witschi

Superusern und angesichts dessen, dass ich jetzt monothematisch geworden bin, dass ich älter und ruhiger geworden bin, sind die Sachen, bei denen ich mich langfristig mit Air Design, sicher, und ich merke auch jetzt wirklich, wenn die Welt nicht gerade untergeht morgen, ich bin wirklich am richtigen Platz. Ich habe so Freude an eigentlich allen Aktivitäten, die ich mache, dass ich da langfristig zufrieden sein werde. Weisst du, wenn du gute junge Leute hast, die nachkommen, ich sage immer, ich kann ja dann irgendwann vielleicht zum Business Angel umfunktionieren.

1:13:15Michael Witschi

Wir haben ein extrem junges Team bei uns jetzt, wirklich, es ist verrückt, aber es ist cool. Und da ist es ja auch gut, wenn du ein paar so alte Hasen dabei hast, die schon sehr viele Sachen einfach schon mal erlebt haben, weisst du. Da wirklich die meisten Sachen, die im Geschäftsleben kommen können, sage ich, ja, das habe ich schon mal erlebt. Aber man muss auch aufpassen, weil es wird nicht immer dann gleich. Damals war es so, jetzt vielleicht muss man anders entscheiden, aber immerhin. Es erschreckt mich schon mal nicht.

1:13:48Lucian Haas

Es sind ja auch unterschiedliche Branchen, die dann wahrscheinlich ein bisschen anders reagieren und sonstiges. Aber wenn man das so anguckt, dann klingt vieles durch, auch von deinen Initiativen her. Wenn man jetzt allein die Gleitschirm -Szene anguckt, X -Alps Academy, die Eiger -Tour, das ist eigentlich immer auch den anderen Leuten, was bieten sie auch mit fördern zu wollen. Jetzt sagst du, ich bin in einem Unternehmen mit einem ungeheuer jungen Team und es macht mir Spaß zu sehen, wie die aufblühen, Ideen haben und ich kann da was lenken und so was. Was ist das, was dich daran so fasziniert oder wo kommt das her, dass du so der, wie soll ich mal sagen, der Menschenführer, der Menschen -Enabler, der ja, die Leute anschiebende Mensch bist?

1:14:34Michael Witschi

Ja, ich denke, das hast du einfach, ich glaube, wie sagt man, im Gehen, also in den Gehen, ich war einfach immer so, es gibt ja die Leute, die sind gut im was starten und deren Schwäche ist dann die Detailarbeit, alles wirklich bis zum Ende durchbringen. Aber ich habe jetzt diese Gabe und auch die Last, das ist gleichzeitig eine Stärke und eine Schwäche, wenn du so gut bist im Sachen anreissen und dann brauchst du, musst du einfach schauen, dass du die richtigen Leute noch an Bord hast, die dann die Konstanz bringen, die dann die Details durchdenken und so und das habe ich und darum fühle ich mich jetzt so wohl.

1:15:21Michael Witschi

Ich denke, da führt auch meine Vergangenheit zu, du weisst ja dann immer besser, welche Konstellationen sind dann die, die wirklich gut sind und ich denke, da bin da bin ich jetzt. Und eben das, das liegt mir einfach oder ich sage immer, wenn ich im Militär wäre ich so, dann wäre ich der Soldat, den du hinter die Grenze absetzt und wenn du sagst, geh mal schauen, was da ist oder mach mal ebenes Terrain und dann kommen die dann nach. Ja, ist einfach in meinen, in meinen Genen.

1:15:58Lucian Haas

Das heisst, du siehst dich da auch irgendwo als Vorhut, als Vorreiter, als Vorbereiter für die anderen, die dann nachkommen.

1:16:05Michael Witschi

Ja, einfach weil, ja weil für mich ist, Änderungen sind für mich nicht ein Problem oder ein Schreck, sondern ein Challenge oder und wenn sich die Welt ändert und als Unternehmer musst du ja immer reagieren auf, auf die sich ändernde Umgebung, dann macht mir das Spass, dann freue ich mich.

1:16:27Lucian Haas

Ist das auch etwas, wo du sagen würdest, da hast du auch vom Gleitschirmfliegen etwas fürs Leben gelernt an dieser Stelle oder hattest du diese Gene und diese Einstellung schon bevor du das Gleitschirmfliegen letzten Endes begonnen hast, wo auch ganz viel gefragt ist, du musst dich ständig auf Neues einstellen und wie gesagt, jeder Flug ist etwas anderes, wo du immer gucken musst, wie gehe ich heute mit diesen Bedingungen um?

1:16:49Michael Witschi

Ich hatte das sicher vorher schon im Blut oder in den Genen, aber Gleitschirmfliegen ist sicher eine super Schule dafür, wirklich. Und ich habe auch früher den Wettkampf, habe ich immer die Parallelen mit dem Geschäftsleben, die habe ich immer gezogen. Das ist, die Höhe ist dein Kapital, oder? Je höher du bist, desto mehr Optionen hast du. Du kannst dann über die Strategie nachdenken. Wenn du tief bist, bringt es dir überhaupt nichts, wenn du dann nachdenkst, wo du dann, ob du dann nach Osten oder nach Südosten fliegst, du musst einfach zuerst drauf kommen. Und dann sage ich immer, die Wettkampfteilnehmer, das sind die anderen Firmen und das Wetter, das ist die globale Ökonomie.

1:17:36Michael Witschi

Und alle müssen mit diesem Wetter zurechtkommen. Du hast einzelne Konkurrenten, da kannst du vielleicht schauen, der war gestern erster, ich muss schauen, dass ich bei dem bleibe, damit er nicht vor mir ins Ziel fliegt. Und dann hast du eben das Wetter, das ist jetzt, sagen wir wieder im Geschäftsleben, plötzlich kommt ein Iran -Krieg, es kommt dies und das, Sachen, die wir nicht ändern können, sondern wir müssen uns darauf einstellen und das Beste daraus machen. Und somit ist für mich das Gleitschirmfliegen und insbesondere der Wettkampf ist ein perfektes Trainingsfeld für das Wirtschaftsleben.

1:18:12Lucian Haas

Das heisst, das nächste Projekt, was bei dir vielleicht kommt, ist irgendwann eine Management -Schule, wo du sagst, Leute, ihr lernt alle Gleitschirmfliegen bei mir und dann gucken wir mal, wo wir damit hinkommen mit diesem Gedankengut.

1:18:24Michael Witschi

Also das ist übrigens eine Business -Idee, die bei mir in der Schublade liegt, die heisst Academy of Willpower. Und dort, es wäre eine Schule, wo es vor allem einfach darum geht, wie werte ich bei mir in der Schule besser, indem ich das tue, was ich eigentlich tun will und mich nicht zu viel ablenken lasse. Wie kann ich meine Willenskraft einteilen, damit ich genau in diese Richtung am weitesten komme, die ich gehen will. Ist ein kleines Paper in meiner Schublade. Academy of Willpower.

1:19:02Lucian Haas

Gut, Michael, dann bin ich mal gespannt, wann du dieses Paper aus der Schublade ziehst und es dann irgendwann... Vielleicht auch nie. Ja, wer weiß, aber vielleicht ziehe ich es einfach mal raus. Wenn sie mal irgendwo auftaucht, bin ich mal gespannt, wie du da dann auch das Gleitschirmfliegen als dein lebenswichtiger Lebensinhalt damit einbaust, auch wenn du es, wenn es vielleicht in ein paar Jahren ist, immer mehr zum Segelflieger wirst, wenn du sagst, im Alltag kommt das Segelfliegen, zumindest das Streckenfliegen immer weiter raus. Vielen Dank für deine Erzählung. Wir haben, glaube ich, einen ziemlich bunten Bogen heute gespannt in diesem Podcast, aber war ungeheuer viel Interessantes dabei. Ich wünsche dir viel Glück und vor allem auch viel Erfolg mit AirDesign. Mögest du die Schwierigkeiten, die es vielleicht derzeit im Markt gibt, gut überstehen und dann

1:19:48Lucian Haas

ja, ein gutes Wachstum mit AirDesign an den Tag legen.

1:19:52Michael Witschi

Danke dir. Ja, ich danke dir auch für die Zeit. Das war super spannend.

1:20:00Lucian Haas

Podz-Glidz ist der Podcast des Gleitschirmblogs Loglites. Beides sind Projekte, die ich seit Jahren als freier Journalist und passionierter Gleitschirmflieger völlig unabhängig und werbefrei betreibe. Möglich ist das aber nur, weil es Menschen gibt, die meine Arbeit schätzen und mir deshalb als Förderer eine Unterstützung zukommen lassen. Mach doch mit. Mit deinem frei wählbaren Betrag trägst du dazu bei, dass ich dich über alle möglichen Facetten und Persönlichkeiten dieses faszinierenden Sports auf dem Laufenden halten kann. Die Höhe des Förderbeitrags kannst du ganz frei wählen. Alle weiteren Infos und Links, wie du mich via PayPal oder Banküberweisung erreichst, findest du auf der Seite www.Lu-Glidz.blogspot.com. Unter dem Punkt Fördern.

1:20:45Lucian Haas

Die nächste Folge von Podz-Glidz ist übrigens schon in Arbeit. Bis dahin, euer Lucian.

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