Ich habe mir gedacht, das hat bestimmt noch nie jemand gemacht und in gewisser Weise ist das ja dann ein Weltrekord und sollte auch einer kommen und sagen, hey, das schafft ja jeder, also ist kein Weltrekord, dann sage ich, dann mach das mit 60 Jahren.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Peter
Renner und
Lucian Haas am Mikrofon. Dies
ist die 20. Folge von Podz-Glidz, nach einem Jahr. Als ich den Podcast startete, hatte ich selbst nicht erwartet, so bald auf diese Zahl zu kommen. Aber es gibt im Kosmos des Gleitschirmfliegens einfach viele interessante Geschichten, die mal erzählt werden wollen. Und es gibt viele Protagonisten, gerade auch die weniger Bekannten, die das auf ihre jeweils ganz eigene Art und Weise gerne tun, wenn man sie fragt. Für mich macht das den Reiz aus, Podz-Glidz zu machen. Und offenbar sind die Ergebnisse auch anhörbar. Zumindest erreichen mich immer wieder positive Zuschriften, mit der Bitte, doch genau in dieser Weise weiterzumachen. Das will und werde ich auch gerne tun. Allerdings verschlingt ein solches Projekt, genauso wie mein Gleitschirm-Blog Lu-Glidz, viel, viel Zeit. Im Grunde zu viel, um sie auf Dauer immer wieder zu verschenken.
Da ich als freier Journalist mein Geld auch danach verdiene, in welche Dinge ich meine Arbeitszeit stecke, brauche ich für den Fortbestand von Podz-Glidz und Lu-Glidz deine Unterstützung als Förderer. Wie viel du auch verdienst. Was du als Förderbeitrag geben willst, überlasse ich dir. Als unverbindlichen Richtwert empfehle ich einen Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz. Zahlungen sind ganz einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich. Die zugehörigen Daten findest du auf der Website von Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern. Nun aber zum eigentlichen Thema dieser Folge.
Hike and Fly. Das ist der Trend im Gleitschirmsport. Nicht mehr nur mit der Bahn auf die Berge zum Fliegen zu fahren, sondern zu Fuß die Startplätze zu erklimmen. Und auch in dieser Disziplin lassen sich Rekorde aufstellen. Zum Beispiel die meisten Höhenmeter an einem Tag. Hier liegt der Weltrekord bei 13.040 Meter, aufgestellt im Sommer 2018 vom Südtiroler Lukas Hofer. Der 60 -jährige Peter Renner aus Bad Reichenhall hatte sich für 2019 allerdings ein anderes Rekordziel gesetzt. Innerhalb eines Jahres wollte er 365 Hike and Flies absolvieren. Mit durchschnittlich 500 Metern Höhenunterschied und mindestens jeweils 300 Metern. Rein rechnerisch macht das jeden Tag des Jahres eine Wanderung plus Flug.
Dass das schon allein wegen meteorologischer Zwänge nicht aufgehen kann, ist logisch. Was aber nur bedeutet, dass Peter an anderen Tagen umso häufiger seinen Nachnamen Renner auf die Berge in die Tat umsetzen musste. Kurz vor Jahresende, bei der Aufnahme dieses Podcasts, lag Peter noch ein klein wenig im Rückstand, zeigte sich aber zuversichtlich, die anvisierten 365 doch noch zu schaffen. Im Gespräch erzählte er unter anderem, wie er überhaupt auf die verrückte Idee kam. Er berichtet von besonderen Erlebnissen bei Aufstiegen und Abflügen, gibt Einblicke, wie Hike and Fly für ihn zu einer Sucht geworden ist. Er erläutert, warum es in seinen Augen kaum noch unfliegbare Tage gibt und wie sich durch das fast tägliche Fliegen auch noch andere Grenzen für ihn immer weiter verschoben haben.
Peter. Heute, wo wir jetzt gerade diesen Podcast aufnehmen, sind es genau noch zwei Wochen bis zum Jahresende. Bei wie vielen Flügen mit Hike and Fly bist du eigentlich mittlerweile angekommen?
343. Ich bin glaube ich, ich weiß nicht genau, acht im Rückstand. Ich muss jetzt Gas geben. Ist momentan schwierig, weil wir eine wahnsinnige Föhnlage haben. Wir haben einen hunderter Föhnsturm teilweise. Wir waren heute am Berg oben. Wir hätten ohne Schirm fliegen können.
Dein Ziel war es ja wirklich, 365 Hike and Fly in einem Jahr zu schaffen. Also rechnerisch wäre das quasi jeden Tag auf den Berg und jeden Tag vom Berg wieder runterfliegen. Wenn das angesichts der aktuellen Wetterlage nicht mehr so einfach zu schaffen ist, was wahrscheinlich bis zum Jahresende sieht es ja auch nicht so viel besser aus, was da noch kommt. Hast du trotzdem noch Hoffnung, es wirklich, dieses Ziel zu erreichen?
Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher. Weil wenn einmal eine gute Wetterlage kommt, dann muss ich halt Gas geben. Ich habe schon Tage gehabt, da habe ich zehn Hike and Flys aufgenommen. Ich habe 500 Höhenmeter gemacht, also 5000 Höhenmeter am
Tag. Was ist denn, wenn du die 365 nicht schaffst, warum auch immer? Wärst du dann enttäuscht? Eigentlich nicht,
weil das waren so viele Erlebnisse während des ganzen Jahres. Und das war so gigantisch, dass es eigentlich gar nicht mehr wichtig ist. Nur für das Projekt halt. Aber für mich selber ist es nicht mehr so wichtig.
Dieses Ziel mit den 365 Hike and Flys in einem Jahr hast du dir selber gesetzt. Wie kommt man auf so eine eigentlich verrückte Idee?
Es ist eine Geschichte. Ja, erzähl mal.
Letztes Jahr hat ein Michael Strasser, ein Wiener, der hat einen Rekord, einen Guinness Rekord gemacht. Und zwar von Alaska nach Patagonien mit dem Rennrad. 23.000 Kilometer und 80.000 Höhenmeter. Der alte Rekord waren 100 Tage und er wollte den brechen. Und nach einer Woche hat er auf Facebook gepostet. Ich bin mit ihm befreundet. Hilfe, Hilfe, ich habe keinen Kameramann mehr. Er ist mir krank geworden, ich brauche einen. Dann habe ich meinem Sohn ein WhatsApp geschickt. Hey, du hast Semesterferien, melde dich. Und der ist dann innerhalb von zwei Tagen nach Mexiko geflogen und hat ihn zweieinhalb Monate begleitet und hat ihm seinen Film gemacht. Und seine Bilder. Und dieser Michael Strasser hat eben ein Charity -Projekt gemacht.
Ja, für eine bestimmte Freundin, die hat eine bestimmte Krankheit und da wollte er so viel wie möglich sammeln. Und ich habe mir gedacht, ich werde jetzt dann 60 Jahre, ich möchte auch noch irgendetwas machen. Und zwar auch körperlich. Ich bin früher sehr viel bergstiegen, berggelaufen, war viel unterwegs und habe dann fast 20 Jahre nichts gemacht. Ich habe 25 Kilo zugenommen und habe mir gedacht, jetzt musst du noch mal Gas geben. Und das ist mir dann, ich habe mir gedacht, was kann ich? Ich kann gut bergsteigen, berglaufen und bin seit fast 40 Jahren Flieger. Erst Drachen und dann seit 30 Jahren Gleitschirmflieger. Und dann habe ich mir das einfach überlegt, jetzt läufst du 365 Mal im Jahr auf den Berg rauf und fliegst runter.
Das heißt, im
Grunde wolltest du es dir selber und vielleicht auch anderen nochmal beweisen irgendwie.
Genau. Ich habe mir gedacht, das hat bestimmt noch nie jemand gemacht. Und in gewisser Weise ist das ja dann ein Weltrekord. Und sollte auch einer kommen und sagen, hey, das schafft ja jeder, das ist kein Weltrekord, dann sage ich, dann mach das mit 60 Jahren.
Nun, jeden Tag auf den Berg rennen, das ist natürlich auch viel Zeit, die da reingeht. Wie lässt sich sowas mit einem Beruf kombinieren?
Gut, alle sagen, du bist bestimmt schon in Rente, du hast keine Arbeit mehr. Im Gegenteil, Anfang des Jahres hatte ich drei Jobs, sonst hätte ich mir das gar nicht finanzieren können. Nur bin ich halt gerade im Sommer schon teilweise um 4 Uhr morgens auf dem Berg. Und bis zur Arbeit bin ich wieder da. Was arbeitest
du, wenn ich fragen darf?
Ich arbeite in einem Hotel, allerdings bei einem Bekannten, der gibt mir jetzt momentan sehr viel Freizeit. Und da mache ich Rezeption, Frühstücksservice und auch Mädchen für alles. Ich hatte 20 Jahre lang selber ein Hotel und die Besitzerin dieses Hotels hat das Fach bei mir gelernt. Und jetzt arbeite ich bei ihr.
Das heißt, du kannst aber auch morgens dann dieses Frühstück machen und danach auch nochmal auf den Berg hoch rennen und so. Genau. Wenn du jetzt sagst, 365 Mal Hike and Fly im Jahr und das soll ein Rekord sein, dann heißt es ja, für einen Rekord muss man das auch irgendwie anerkennen. Da muss ja irgendwelche Regeln vorgegeben sein, wo man sagt, diese Regeln habe ich auch eingehalten. Welche Regeln hast du dir denn selber gesetzt? Ich
habe mir die Regeln selber gesetzt. Der Hike muss Minimum 300 Höhenmeter haben, aber sollte jeder übers Jahr gerechnet im Schnitt 500 Höhenmeter haben. Und hast du das auch immer eingehalten? Ja, ich bin weit drüber. Ich habe so viele 3000er gemacht und bei uns einige Male im Watzmann, wo 2000 Höhenmeter sind, ich bin weit, weit drüber. Ich bin jetzt schon bei knapp 200.000 Höhenmeter. Boah.
Bevor du damit jetzt angefangen hast, Anfang des Jahres, hattest du denn davor auch schon Erfahrung mit Hike and Fly oder auch viel Erfahrung? Oder war das auch ein Novum für dich, dass du sagst, ich teste das jetzt mal, wie das ist, so viel den Berg hoch zu rennen? Wie
gesagt, ich fliege seit 40 Jahren. Ich bin früher sehr viel geflogen. Bin eine Zeit lang nicht mehr viel geflogen. Bin auch mal mit Gleitschirm runtergegangen und habe dann kurz aufgehört. Und als ich dann vor circa drei Jahren wieder viel zu fliegen angefangen habe, habe ich gemerkt, was sich in der Entwicklung getan hat mit diesen leichten Bergschirmen und war total begeistert, habe mir sofort so einen Bergschirm geholt und war nur noch am Berg unterwegs.
Hast du denn vor dem Jahr in irgendeiner Weise speziell auch trainiert oder hast du gesagt, das Hochlaufen ist eh schon Training genug, ich mache das eh dann jeden Tag und damit werde ich, am Ende des Jahres bin ich dann super fit und am Anfang vielleicht noch nicht. Ich habe
vor ein paar Jahren angefangen, mich wieder sportlich zu betätigen. Ich habe Berglaufen angefangen zu trainieren, bin dann auch den Zugspitz Ultra Trail 100 Kilometer und 7000 Höhenmeter mitgelaufen und war vorher schon jetzt vor diesem Projekt ziemlich fit. Bin jetzt allerdings wesentlich fitter und es macht mir jetzt mittlerweile gar nichts mehr aus, wenn ich jetzt am Tag 3000 -4000 Höhenmeter mache. Das ist
jetzt der Fortschritt der Fitness, die du erlebt hast. Was hat sich denn auch in deinem Kopf verändert im Laufe dieses Jahres? Also hat sich deine Einstellung mit der Zeit verändert? Was heißt es für dich, heute auf den Berg zu laufen im Vergleich zu vor einem Jahr?
Wie soll ich das beschreiben?
Es ist ganz was anderes jetzt. Es ist bei mir jetzt vor einem Jahr, habe ich mir vorher Gedanken gemacht, über Wetter, Wind und wie viel Höhenmeter und so weiter. Und mittlerweile laufe ich einfach los, weil ich mir denke, irgendwas geht immer.
Fliegst du damit auch anders oder ist das jetzt erst mal nur die Entscheidung, überhaupt auf den Berg zu gehen? Ich
bin frecher geworden. Man wird frecher, richtig. Also ich starte mittlerweile bei Bedingungen, wäre ich vor einem Jahr, hätte ich nicht mal einen Schirm rausgeholt.
Weil zu viel Wind oder weil es auch regnet? Oder was heißt
das? Ich habe einen Single Skin, einen Einzel - und Tandem auch Single Skin, mit dem starte ich noch bei 6, 7, 8 Kilometer Rückenwind. Hätte ich vorher nie gemacht. Und wir sind jetzt viel mittlerweile mit Tourenski unterwegs. Wir sind letztens im Spitzingsee, da hat es bestimmt einen 10er Rückenwind gehabt, dass uns ein Schirm fast nachgeweht hat. Mit den Ski kein Problem, weil du hast genug Geschwindigkeit.
Nun hast du gerade gesagt, du bist mit dem Single Skin unterwegs. Hast du alle diese Flüge mit dem Single Skin gemacht oder hast du auch anderes Material zwischendurch gehabt?
Ich habe ja von Niviuk Schirme gesponsert bekommen und im ganzen Sommer über habe ich fast meistens den Hook 4 geflogen, weil ich eben auch nebenbei ein bisschen auf Strecke gehen will. Wenn es wirklich geht, dann möchte ich abhauen. Das ist mit dem Single Skin nicht so leicht möglich. Hast
du da noch richtig schöne Strecken geflogen? Also schön in Form von, da ist auch kilometermäßig noch was zusammengekommen, nicht nur was die Höhenmeter betrifft?
Gut, ich habe schon einmal 70 Kilometer Dreieck oder so geflogen. Mehr nicht, weil es von der Zeit her einfach noch nicht möglich war. Aber ich habe irrsinnig schöne Flüge gehabt über 3, 4, 5 Stunden bei uns herinnen im Berchtesgaden über Watzmann, Göll, Hochkalter. Also ich habe da auch auf meinem Facebook -Account Filme, die sind wirklich gigantisch.
Du bist ja jetzt auch häufiger mit dem Tandem geflogen. Du hast auch gesagt, du hattest da ein Single Skin Tandem, mit dem du dann da hochgelaufen bist. Du brauchst auch immer einen Partner, der dann auch mit hochgeht. Sind die alle, die da mit dir geflogen sind, sind die auch immer von unten mit hochgelaufen oder haben die gesagt, lauf du hoch, ich fahre mit der Bahn, wir treffen uns oben wieder?
Zu 90 Prozent ist es meine Freundin, die Agata, die jetzt mittlerweile mit mir, wie lange ist die unterwegs jetzt? Ich glaube schon vier oder fünf Monate. Die mit mir unterwegs ist. Und die mittlerweile schon so fit ist, dass sie mir schon fast davon geht.
Das heißt, die hat das für sich selbst dann auch als Fitnessprogramm genommen und hat gesagt, wunderbar. Der verrückte Peter, ich laufe einfach mal mit und am Ende war sie fitter als du.
Die war am Anfang nicht wirklich fit, aber mittlerweile ist sie so fit und hatte am Anfang auch noch nie einen Gleitschirmflug. Wir haben das am Anfang mal getestet und es hat ihr so Spaß gemacht, dass sie jetzt fast immer dabei ist, wenn es irgendwie möglich ist.
Wie viele deiner Hike and Flys, du hast gesagt 341 waren es jetzt? 43. 43 waren es jetzt. Wie viele davon hast du mit dem Tandem gemacht? Hast du das im Kopf?
Nicht auswendig, aber ich schätze mittlerweile knapp 100.
Ist das eine besondere Herausforderung, mit einem Tandem sowas zu machen?
Macht mehr Spaß, weil du nicht alleine unterwegs bist. Sowohl beim Hochlaufen als auch beim Fliegen, oder? Richtig, genau.
Hattest du denn auch Tandem -Passagiere jetzt quasi in professioneller Hinsicht oder die gesagt haben, ich buche einen Tandem -Flug bei dir und deswegen, ich laufe dann sogar extra mit dir auf diesen Berg hoch?
Hatte ich auch. Ich arbeite ja wie gesagt im Hotel. Ich habe da die Tandem -Flüge angeboten. Ich hatte welche, die mitgegangen sind. Ich hatte aber auch welche, die dann mit der Bahn gefahren sind und ich bin hochgelaufen.
Jetzt hast du 343 Flüge gemacht. Da sind natürlich in so einem Jahr unheimlich viele Erinnerungen wahrscheinlich auch da, die mit allen Flügen irgendwie verbunden sind. Gibt es denn irgendwelche besonderen Highlights? Gibt es irgendeinen Flug oder irgendeinen Aufstieg, der dir als besonders bemerkenswert im Kopf geblieben ist? Aus welchem Grund auch
immer? Der Ortler. Das war glaube ich im August oder so. Da bin ich spontan hingefahren, weil ich kurz drei Tage Zeit hatte. Die Prognosen waren unter aller Kanone. Also es hätte eigentlich gar nicht funktioniert. Ich bin dann rauf und auf der Hütte oben haben die Bergführer gesagt, was machst du hier mit dem Gleitschirm? Es ist unmöglich. Geht nicht fliegen. Morgen ist der Berg zu. Du hast den falschen Wind. Es funktioniert nicht. Ich habe gesagt, wenn ich schon hier rauf gehe, dann nehme ich auch meinen Schirm mit. Ohne Schirm gehe ich nirgends hin. Und bin dann von der Hütte um 5 Uhr gestartet, losmarschiert, war schnell unterwegs, war um 7 Uhr droben und hatte ein Zeitfenster von ungefähr 20 Minuten, wo es komplett offen war, hatte zwar leichten Rückenwind und hatte dann einen gigantischen Flug.
Das war das absolute Highlight.
Bist du da oben dann auch mit Skiern gestartet? Oder Rückenwind aus dem Schnee heraus? Aus dem Schnee heraus. Das ging aber. Ja, war ein ganz
leichter Rücken. Es war
kaum der Rede wert. Das war dann aber auch als Solo. Das hast du nicht mit dem Tandem gemacht. War Solo, ja. Bist du dann auch ganz alleine dort hochgelaufen?
Ich bin alleine hoch. Die Bergführer haben mich geschimpft. Macht man nicht. Über den Gletscher geht man nicht alleine.
Aber ich habe es trotzdem gemacht.
Hast du in dieser ganzen Zeit, also mit den ganzen Flügen, auch mal etwas gehabt, wo du selber auch sagen würdest, das war eine brenzlige Situation? Da hast du Glück gehabt, dass du da überhaupt durchgekommen bist?
Hatten wir nur einmal. Das war jetzt vor vier Wochen, glaube ich. Da waren wir in Indien, in Bir und Himalaya. Und da sind wir auf einem Berg rauf. Da war dann die Startstelle dermaßen steil. Ich hatte das von unten nicht gesehen. Da ist auch noch nie jemand gestartet. Und da sind wir mit der Agatha gestartet und hatten wirklich einen Fehlstart. Dann sind wir 150, 200 Meter runtergepurzelt über Stock und Stein. Wir hatten alle beide blaue Flecken und Prellungen. War wirklich arg. Aber wir mussten starten, weil wir hätten sonst sieben, acht Stunden laufen müssen. Es wäre dunkel gewesen. Also wir haben einfach starten müssen.
Und da, wo ihr dann unten wart, da konnte man dann auch noch mal starten? Wir mussten noch mal
raufgehen. Und die Agatha hat dann auch ein bisschen Angst gehabt. Sie wollte dann lieber, hat sie gesagt, in Serpentinen runterlaufen.
Aber
es hat geklappt. War aber wirklich, war brenzlig. Aber danach ist sie trotzdem auch noch mit dir fliegen gegangen? Also noch weiterhin? Sie ist weiterhin gegangen,
war aber ein bisschen zurückhaltend bei den Starts. Ich musste sie ab und zu mitschleppen.
Bist du denn nach Indien gefahren, weil du gesagt hast, das passt vom Wetter her auch so gut? Also dass man sagen kann, in Indien kann man mehr Flüge machen zu der Zeit, als du da warst, als es hier bei uns war? Oder war es einfach Interesse halber? Es war Plan B.
Ich wollte eigentlich zu der Zeit, wollte ich die X -Alps rückwärts machen. Von Monaco nach Berchtesgaden.
In fünf Wochen hätte ich mir Zeit genommen. Habe mir aber vorher dann Rippen gebrochen und war nicht wirklich fit. Und ich hätte es nicht durchgestanden. Und dann haben wir uns kurzfristig entschlossen, nach Bier zu fliegen, weil ich habe da Bekannte unten gehabt, die sind geflogen. Die haben gesagt, hey, gigantisch, da kannst du bis auf 6000 Meter fliegen. Und das war der Plan B.
Der Rippenbruch, hatte der auch mit dem Projekt zu tun? Also war das das Ergebnis einer misslungenen Landung oder sonst was gewesen? Bei der Hotellarbeit mit einer Mülltonne. Kampf mit einer Mülltonne. Das heißt, Hotellarbeit ist letzten Endes möglicherweise sogar gefährlicher, als jeden Tag auf den Berg rauf zu rennen und sich da runter zu stürzen.
Man sagt ja, das Gefährlichste am Gleitschirmfliegen ist meistens die Fahrt mit dem Auto zum Startplatz.
Ja, so kann man sich es zumindest vielleicht manchmal schönreden. Bleiben wir noch mal beim Wetter. Wenn du jeden Tag da hoch gehst, du hast natürlich jeden Tag anderes Wetter, aber musst dich auch an jedes Wetter irgendwie daran anpassen. Wonach hast du denn hauptsächlich da noch vielleicht am Anfang geschaut und dann im Laufe der Zeit, was waren für dich die Wettervariablen, die entscheidend waren?
Der Wind, immer der Wind. Wenn wirklich, wenn mehr Wind ist, dann muss ich mich natürlich vom Berg her immer nach dem Wind richten. Und wir haben aber das Glück, dass wir im Berchtesgaden hier so viele verschiedene Startrichtungen haben. Es sind zwar einige nicht wirklich erlaubt, nur geduldet, aber ich habe für jede Windrichtung einen Startplatz und entscheide halt dann, auf welchem Berg ich marschiere.
Gab es dabei dann auch Flüge, bei denen du wettertechnisch sagen würdest, eigentlich wirklich vollkommen deppert hier jetzt noch zu starten?
Ja, Blindflüge halt, ganz normal. Oder eben bei Schneetreiben, dass man fast nichts mehr gesehen hat. Ich bin auch schon oft losmarschiert bei strömendem Regen und habe aber, glaube ich, einen sehr guten Draht nach oben, weil ich habe jetzt bei 343 Hike and Flies nur viermal
runtergehen müssen. Waren auch mal richtig heftige Abschlüsse, wo du sagst, Mist, jetzt muss ich wirklich 1000 und noch mehr Höhenmeter wieder abbauen? Oder waren das dann eher nur die kleineren, kürzeren?
Ich musste zweimal vom Watzmann wieder runter. Gut, das sind 2000 Höhenmeter, aber nicht tragisch. Ich kenne ja die Strecke. Ich war schon 150 Mal am Watzmann insgesamt.
Und bei deinen Flügen, wo du sagst, da waren Blindflüge dabei und so, bist du dann direkt in der Wolke gestartet im Nebel oder quasi in die Wolke, musstest durch die Wolke hindurch, dass du weißt, da unten kann ich dann wieder landen? Oder wie war das?
Ja gut, ich habe mich schon abgesichert, habe dann unten bei meinem Freund im Hotel angerufen, wie sieht das unten aus? Ab wann ist der Nebel weg, die Wolke weg? Und mei, da fliegst du dann mit deinem GPS, das passt dann schon.
Ganz am Anfang warst du auch in Spanien und hast da auch einige Sachen gemacht. War das auch, dass du gesagt hast, im Frühjahr kann man bei uns noch nicht so gut fliegen, ich muss irgendwo hin, wo ich dann schon mal ein ordentliches Polster mir schaffen kann?
Eigentlich nicht, weil für mich ist das im Winter bei uns mit Ski optimal, weil da kannst du wirklich überall starten, wenn genügend Schnee ist, auch mit Rückenwind, weil du eben genügend Geschwindigkeit hast, du kannst überall landen, du brauchst nicht auf den Wind achten beim Landen, weil du mit den Skiern wunderbar reingleiten kannst. Es war eher krankheitsbedingt. Ich hatte da am Anfang eine Pilzsporenvergiftung und mir ist nicht gut gegangen und ich habe einfach warmes Wetter gebracht.
Einmal Pilzsporenvergiftung, einmal Rippe geprellt und jedes Mal ist das der Anlass, um dann irgendwie ins Ausland zu fahren. Das ist natürlich auch geschickt.
Genau, macht auch ein bisschen Spaß dann.
Wie hast du eigentlich deine ganzen Flüge dann dokumentiert? Das muss ja wahrscheinlich, wenn du sagst, das soll ein Rekord sein und irgendwo vielleicht auch mal anerkannt werden. Wie findet man das?
Ich habe die Läufe, also die Anstiege mit Movescount dokumentiert, habe dann auf XC, wie heißt das, von DHV, Leonardo, habe die gespeicherte Flüge und habe dann natürlich mit der GoPro, ich glaube, habe jetzt insgesamt knapp 200 Filme mit der GoPro, wo ich es aufgenommen habe.
Du hast ja einige von diesen Filmen auch dann auf dem Blog von dir veröffentlicht, teilweise auf Facebook, aber du hast auch auf deiner eigenen Internetseite
365hikeandfly hast du ja auch einen Blog und da drauf sind auch viele Filme davon zu finden. Ich fand es interessant, in diesem Blog hast du quasi, zumindest am Anfang nicht, aber dann später kam es immer mehr dahin, da hast du zu jedem Blog -Eintrag immer irgendeinen interessanten Spruch dann oben drüber geschrieben, der wahrscheinlich irgendwas zusammen mit diesem Flug dann ausdrücken sollte. Ich will jetzt ein kleines Spiel mit dir machen. Ich nenne dir einfach ein paar von diesen Sprüchen, die du dort genannt hast. Ich
muss ganz ehrlich sagen, die habe nicht ich gemacht. Die hat eine Freundin von mir gemacht, die meine Homepage macht. Ah. Und ich schaue meinen Blog fast nie an. Ich kenne die Sprüche fast nicht.
Dann kann das Spiel nicht ganz so aufgehen, wie ich es mir gedacht habe, aber wir probieren es trotzdem mal. Dann kannst du mir einfach sagen, was dir zu diesen Sprüchen, die deine Freundin dann da reingeschrieben hat, was dir zu diesen Sprüchen dann persönlich einfällt und was das vielleicht mit dir zu tun hat. Also ein Spruch lautet, Chancen sind wie Sonnenaufgänge, wer zu lange wartet, der verpasst sie. Boah,
das war, das war wahrscheinlich von ihr gemeint, die Chance, mit ihr zusammenzukommen. Das waren, die meisten Sprüche sind Anspielungen auf mich.
Gut. Zweiter Spruch. Reisen macht dich erst sprachlos und dann zum Geschichtenerzähler.
Weil ich, wenn ich von der Reise zurückkomme, immer ziemlich viel erzähle und man sagt, ich bin ein Dampfplauderer.
Mhm. Dritter Spruch heißt, nichts spornt mich mehr an als die drei Worte, das geht nicht.
Weil die Babsi weiß, dass ich der Meinung bin, es gibt nichts, das nicht geht.
Bist du einer, der auch gerne mit dem Kopf durch die Wand geht?
Nur. Volle Bombe.
Das heißt wirklich, wo du auch sagst, wenn der Bergführer dir auf dem Ortler sagt, das geht nicht, dann sagst du, naja, ich laufe trotzdem mal eben hoch. Nee, ich
habe zum Bergführer gesagt, hey, Bursche, pass mal auf, ich war da schon tausendmal heroben, ich bin seit 40 Jahren am Berg unterwegs und du gehst mit drei Kunden hier rauf und hast drei Leute am Seil. Das ist wesentlich gefährlicher, als wenn ich alleine hochgehe. Weil wenn einer fällt, fällt es alle vier.
Dann ein Spruch, oder es ist vielleicht kein Spruch, sondern vielleicht, was du damals empfunden hast. Da steht, 196. Hike and Fly am 196. Tag des Jahres. Das war also genauso Halbzeit.
Ich habe mir gedacht, hey, bist gut im Plan, wird funktionieren.
Und dann noch ein Spruch, den ich rausgeschrieben habe, 3000 Höhenmeter und neun Stunden. Da bist du, glaube ich, zehnmal irgendwie die Führmannalm oder sowas hochgelaufen. Richtig, genau. Macht das dann überhaupt noch Spaß?
Mir persönlich hat es schon Spaß gemacht, aus dem Grund, weil der Wind optimal gepasst hat. Ich bin da mit dem Single Skin auch unterwegs gewesen und habe den einfach nur immer rausgeworfen und weg und rausgeworfen und weg.
Und war recht lustig, weil da, das ist auch ein Schulgelände für Höhenflüge von der Flugschule Chiemsee. Und die haben halt gedacht, ich bin ein bisschen verrückt.
Wenn jetzt jemand zu dir käme und sagt, ich möchte auch so etwas machen, würdest du ihm davon abraten?
Kommt ganz darauf an, wie fit er ist und wie fit er körperlich ist und wie fit er beim Fliegen ist.
Was wäre, wenn du dir heute einen Tipp geben könntest, also auch mit der Erfahrung von diesen 343 Hike and Flys, die du jetzt schon gemacht hast, für den Anfang des Jahres, wenn du da nochmal zurückgehst, gibt es etwas, wo du sagen würdest, aus dem heutigen Rückblick heraus, würdest du dir einen Tipp geben, wie du damals hättest anders da rangehen können? Ich hätte
mehr Polster aufgebaut, dann wäre ich jetzt nicht auch Flüge hinten nach.
Das heißt, zwischendurch hättest du ein bisschen mehr Gas geben müssen. Du warst zu faul. Stimmt, manchmal. Das Projekt selbst hatte ja auch, so ähnlich wie das von dem Radfahrer, von dem du erzählt hast, hat ja auch einen Charity -Charakter. Du hast gesagt, ich will spenden für die UNICEF und hast da ein Spendenziel von 18.000 Euro angesetzt. Wie kamst du auf dieses Spendenziel?
Ich habe mir eigentlich gedacht, pro Höhenmeter 1 Euro und ich habe ja mit 180.000 Höhenmeter gerechnet, war vielleicht ein bisschen hochgegriffen von der Spende, aber vielleicht kommt ja noch einer, der so viel spendet.
Ich habe vorher noch nachgeguckt, aktuell steht die Spendenuhr gerade mal bei 320 Euro. Also da ist eine große Diskrepanz. Wenn du sowas siehst, ist das enttäuschend für dich, dass du siehst?
Mittlerweile nicht mehr, weil ich mit so vielen Leuten gesprochen habe, die schon sowas gemacht haben und die sagen, das ist ganz normal, die Leute spenden einfach nicht. Und gerade bei solchen Projekten, die denken sich, hey, der hat ja nur Spaß und soll man dem nur Geld geben. Und ich glaube, es ist auch so, auf meiner Homepage steht diese Spende etwas unglücklich und UNICEF hat selber gesagt, es geht nicht anders mit diesem Button und wir haben das nicht hinbekommen. Es haben sehr viele Leute direkt an UNICEF gespendet, sind also nicht auf meinen Button gegangen, sondern oben gleich auf UNICEF und haben sehr viele direkt auf UNICEF gespendet. Ich war am Anfang sauer und habe gesagt, hey, scheiße, mittlerweile ist es mir egal, weil das Geld kommt so und so an.
Das heißt, die spenden dich vielleicht irgendwie von dir zumindest ausgelöst worden sind, sind deutlich mehr als die 320 Euro, die dann da in der... Ja,
ich weiß das, weil viele gesagt haben, hey, ich habe jetzt gespendet, ich stehe da gar nicht drauf. Dann habe ich das erklärt, ihr seid einfach auf den falschen Button gegangen. Mittlerweile ist mir das egal.
Nun endet dieses Projekt mit Jahresende, dann hoffentlich vielleicht noch wirklich mit dem 365. Flug zu Silvester oder so was. Wie wird es dann 2020 weitergehen? Legst du die Füße hoch und sagst, das war es jetzt? Oder bist du so im Flow, dass du sagst, nee, 2020 hänge ich gleich noch mal so viele Flüge drauf?
Irgendwas schwebt in meinem Kopf rum, aber ich sage es noch nicht. Komm, verraten mal, so ein bisschen zumindest.
Ideen, vielleicht 365 Tandem -Hike -and -Flies oder das Doppelte. Ist das Hike -and -Fly für dich irgendwie zur Sucht geworden? Auf alle Fälle. Komplette Sucht. Komplett. Ich, wenn irgendwo hinfahre, sei es arbeitsmäßig oder auch mit der Familie, ich bin nur am Schauen, wo könnte man starten.
Wie wird der Startplatz oben ausschauen? Wie ist der Wind? Also ich kann anders nicht mehr denken. Und
lebst du damit gut oder stört dich das auch manchmal? Nee, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Sucht kann ja auch manchmal belastend sein. Die ist nicht belastend.
Die macht Spaß.
Gibt es denn außer diesen 365 Tagen, das war jetzt ein Ziel, gibt es noch ein anderes Ziel, wo du sagst, das würde ich gerne auch nochmal fliegerisch und läuferisch erreichen?
Ja, ich würde schon gerne so, gerade wenn wir jetzt in Indien Himalaya waren, so Überquerungen, Himalaya -Überquerungen,
so bivakieren und fliegen. Es ist mein Traum, so größere Strecken und längere Zeit.
Und wenn du sagst, du wolltest auch gerne mal die X -Alps machen, rückwärts machen, von Monaco nach Salzburg, du könntest ja auch eine Art Senioren -X -Alps organisieren.
Richtig, das wäre auch eine Idee. Aber wir haben letztes Jahr einen, ich weiß nicht, wo der herkommt, irgendwo Japaner oder was? Ja, der Ogisaba. Genauso alt wie ich. Der ist 59er. Das
heißt, bei den nächsten X -Alps bewirbst du dich dann auch noch?
Werde ich nicht. Tue ich mir nicht mehr an. Ich habe vor ein paar Wochen einen Wettbewerb mit Kriegel Maurer mitgemacht. Und ich glaube, da bin ich zu alt. Es ist eine Maschine, dieser Mensch. Absolute Maschine.
Aber dein Name ist doch bei dir, wahrscheinlich fürs Alter zumindest gesehen, auch noch Programm, oder nicht?
Auf alle Fälle, ja klar.
Wie viele Höhenmeter schaffst du so? Also was rechnest du so? Was schaffst du pro Stunde im Schnitt?
Für 1000 Höhenmeter mittlerweile 45 Minuten. Also ich bin schon langsamer geworden, im Gegensatz zu früher.
Was heißt früher? Früher im Jahr oder früher viele Jahre zurück?
Es ist so, ich bin, ich kann es genau, ich weiß es genau, ich bin mit 25 Watzmann in 2 Stunden 10 gelaufen und jetzt brauche ich 2 Stunden 25 bis 30.
Aber das ist immer noch eine ganze Menge. Oder eine ganz kleine Menge eigentlich. Also es ist eine super Zeit für dein Alter, oder? Normal
braucht es 7 Stunden, ja. Schon, ja. Es gibt glaube ich nicht so viele, die in meinem Alter so schnell darauf laufen.
Und was macht dir insgesamt davon am meisten Spaß? Eher das Hochlaufen oder das Runterfliegen?
Ja gut, das sind 2 verschiedene Sachen. Das Fliegen ist halt einfach, boah, schön und Adrenalin auch teilweise. Und rauflaufen ist einfach Flow. Ja, du kommst irgendwann beim Berglaufen in den Flow rein und das ist eine Droge einfach auch.
Und wenn du oben bist, kannst du dann immer gleich raus starten oder brauchst du dann erstmal eine halbe Stunde, um zu sagen, ich muss runterkommen und erst dann kann ich vernünftig fliegen.
Mittlerweile kann ich schon gleich raus starten, weil ich mittlerweile nicht immer Vollgas gebe. Ich denke mir ab und zu, jetzt gehe ich ein bisschen zurück, weil ob du jetzt 10 Minuten früher oder später oben bist, ist scheißegal.
Und dann noch eine abschließende Frage, gerade auf das Fliegen bezogen. Hat sich durch diese Art, dass du so viel jetzt auch in dem Jahr geflogen bist, hat sich an deinem Flugstil oder an deiner Flugtechnik auch etwas verändert? Komplett.
Komplett. Ich hatte vorher vom Fliegen wahrscheinlich keine Ahnung.
Obwohl du sagst, du fliegst seit 30 Jahren, beziehungsweise seit 30 Jahren Gleitschirm.
Ich habe insgesamt, glaube ich, habe ich an die 4.000 Flüge, davon allerdings mehr als 2.000 mit dem Drachen. Aber es ist, wie soll ich sagen, es ist jetzt, ich habe vor Jahren einmal ein Sicherheitstraining mitgemacht und nach dem Sicherheitstraining war mir klar, du konntest vorher nicht, eigentlich nicht fliegen. Und dasselbe hat sich jetzt nochmal verzogen. Ich sage, vor den 343 jetzt, habe ich auch viel weniger Ahnung gehabt vom Fliegen und habe mich auch nicht hundertprozentig sicher gefühlt. Das weiß ich jetzt.
Was ist so die zentrale Erkenntnis oder wo du sagen würdest, da hat es am meisten der Knoten, geplatzt im Hirn, wo du sagst, da fliege ich jetzt wirklich ganz anders? Das
Gefühl für den Schirm. Einfach das Gefühl. Es ist ganz anders. Ich fühle den jetzt. Ich habe, kann ich nicht richtig erklären, aber ich bin eins mit dem Schirm jetzt. Das war ich vorher nicht.
Und das ist auch dann quasi die Grundlage, warum du auch sagen kannst, du kannst bei so vielen unterschiedlichen Bedingungen auch wirklich noch sicher fliegen. Ob das wirklich sicher ist, sei
dahingestellt, aber ich mache es zumindest.
Gut, Peter. Ich sage mal, es möge auf jeden Fall sicher bleiben. Dass du dann auch die weiteren Flüge, die da noch anstehen, sicher zur Erde wieder zurück bekommst. Wünsche dir noch ein paar Tage gutes Wetter jetzt bis zum Jahresende, dass die 365 dann noch voll werden. Und wenn sie nicht voll werden, wirst du sie ja wahrscheinlich im nächsten Jahr auf jeden Fall auch voll machen. Und danke dir für diese Erzählung, die du von deinem tollen Projekt da gemacht hast. Bitteschön.
Das war Peter Renner im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du noch mehr über das Projekt 365 Hike and Fly erfahren und auch einige der Flugvideos anschauen willst, dann empfehle ich einen Blick auf die zugehörige Homepage. Die Adresse lautet www.365hikeandfly.com. Dort ist auch ein Link zu finden, über den du helfen kannst, dass Peter seinem selbst gesteckten Spendenziel für UNICEF noch etwas näher kommt. Zudem hat Peter mich gebeten, auf ein weiteres Angebot von ihm hinzuweisen, was ich gerne tue. Peter Renner bietet Peter Renner auf Tandemflüge an. Man ist dann nicht verpflichtet, mit ihm mit auf dem Berg zu laufen. Aber am Ende kann man mit dem guten Gefühl zu Tal schweben, dass ein Teil des Flugpreises ebenso dem guten Zweck UNICEF zugute kommt.
Ich danke fürs Zuhören und sage Ciao, bis zum nächsten Mal.