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22. Brasilien - Konrad Goerg

// Konrad Goerg, Lucian Haas · 2020-01-20 · 00:55:26 · original episode

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[show notes]
Podz-Glidz Folge #22: Der Kontest-Chef Konrad Görg erzählt über Rekordflüge in Brasilien und sein Leben als Landwirt und Gleitschirm-Unternehmer. Brasilien. Das ist in den vergangenen Jahren unter Gleitschirmfliegern immer mehr zum Traumland der Streckenflugrekorde geworden. Jeden Herbst pilgern Piloten aus aller Welt in den Sertao, den trockenen Nordosten des Landes. Dort bläst von Oktober bis Anfang November bei guten thermischen Bedingungen der Südostpassat kräftig von der Küste aus ins Landesinnere. Wer es schafft, schon früh am Morgen in den ersten Thermiken des Tages Höhe zu gewinnen und dann bis knapp vor Sonnenuntergang in der Luft zu bleiben, wird allein schon durch den Windversatz weit kommen. Einer, der vom brasilianischen Rekord-Flugvirus infiziert ist, ist Konrad Görg. Der 40-jährige aus der Nähe von Goslar im Harz ist in den vergangenen zehn Jahren schon mehrfach in den Sertao gereist. 2016 stellte er dort mit 446 Kilometern einen deutschen Rekord auf. Der Flug hätte sogar als Zielflug-Weltrekord gewertet werden können, wenn Konrad nicht ein kleines Missgeschick bei der Angabe der relevanten Koordinaten unterlaufen wäre. Wie es dazu kam, erzählt er in diesem Podcast. Natürlich gibt er noch weitere Einblicke, mit welcher Faszination, welchen Emotionen, aber auch welchen Schwierigkeiten solche extrem weiten Streckenflüge verbunden sind. Und wie der Ehrgeiz ihn weiter treibt. Denn seinen deutschen Streckenflugrekord ist Konrad seit dem Herbst 2019 auch schon wieder los. Aber ratet mal, wo er im Oktober 2020 wieder hinfahren will... Konrad Görg ist übrigens nicht nur begeisterter Streckenflieger, sondern auch Landwirt mit einem zweiten Standbein im Gleitschirmbusiness: In der Szene bekannt ist er als Inhaber der Marke Aircross sowie als Generalimporteur von Sol und Flymaster in Deutschland. Seine Kontest GmbH ist mittlerweile einer der größten Gleitschirm-Checkbetriebe der Branche. Dazu gehört auch ein bestens sortiertes Leinenlager, aus dem er mittlerweile viele andere Checkbetriebe in aller Welt mit Gleitschirmleinen für Reparaturen versorgt. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Ducky Funk von Quincas Moreira Quelle: Youtube Royalty-free Music https://www.quincasmoreira.com/

[transcript]

0:06Konrad Goerg

So ein bisschen der Ehrgeiz, dass man diesen Rekord für sich sozusagen haben will, der muss da sein. Denn das ist ja schon recht anstrengend. Wir fliegen da ca. 11 Stunden und auch die Rückfahrt ist nicht ohne. Dann ist man irgendwie am nächsten Morgen erst wieder zu Hause und fertig. Also es ist ein 24 -Stunden -Einsatz.

0:39Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:43Konrad Goerg

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:47Lucian Haas

Heute mit Konrad Görck und Lucian Haas am Mikrofon.

0:58Lucian Haas

Brasilien, das ist in den vergangenen Jahren unter Gleitschirmfliegern immer mehr zum Traumland der Streckenflugrekorde geworden. Jeden Herbst pilgern Piloten aus aller Welt in den Sartau, den trockenen Nordosten des Landes. Dort bläst von Oktober bis Anfang November bei guten thermischen Bedingungen der Südostpassat kräftig von der Küste aus ins Landesinnere. Wer es schafft, schon früh am Morgen in der ersten Thermik des Tages Höhe zu kommen, und dann bis knapp vor Sonnenuntergang in der Luft zu bleiben, wird allein schon durch den Windversatz weit kommen.

1:31Lucian Haas

Einer, der vom brasilianischen Rekord -Flugvirus infiziert ist, ist Konrad Görck. Der 40 -Jährige aus der Nähe von Goslar im Harz ist in den vergangenen zehn Jahren schon mehrfach in den Sartau gereist. 2016 stellte er dort mit 446 Kilometern einen deutschen Rekord auf. Der Flug hätte sogar als Zielflug -Weltrekord gewertet werden können, wenn Konrad nicht ein kleines Missgeschick bei der Angabe der relevanten Koordinaten unterlaufen wäre. Wie es dazu kam, erzählt er in diesem Podcast.

2:03Lucian Haas

Natürlich gibt er noch weitere Einblicke, mit welcher Faszination, welchen Emotionen, aber auch welchen Schwierigkeiten solche extrem weiten Streckenflüge verbunden sind. Und wie der Ehrgeiz ihn weiter treibt. Denn seinen deutschen Streckenflug -Rekord ist Konrad seit dem Herbst 2019 auch schon wieder los. Aber ratet mal, wo er im Oktober 2020 wieder hinfahren will. Konrad Görck ist übrigens nicht nur begeisterter Streckenflieger, sondern auch Landwirt mit einem zweiten Standbein im Gleitschirmbusiness. In der Szene bekannt ist er als Inhaber der Marke Aircross, sowie als Generalimporteur von Soul und Flymaster in Deutschland. Seine XContest GmbH ist mittlerweile einer der größten Gleitschirm -Checkbetriebe der Branche.

2:48Lucian Haas

Dazu gehört auch ein bestens sortiertes Leinenlager, aus dem er mittlerweile viele andere Checkbetriebe in aller Welt mit Gleitschirmleinen für Reparaturen versorgt.

3:02Lucian Haas

Konrad, erinnerst du dich noch an deinen ersten Streckenflug? Also wo und wann das war?

3:07Konrad Goerg

Ja, da erinnere ich mich noch sehr gut dran. Das war 1999 in Australien. Da bin ich eigentlich unter einer Gewitterwolke sozusagen geflogen, die aber Gott sei Dank noch nicht irgendwie abgeregnet hat. Und das war mit einem Compact, den ich auch zur Ausbildung 97 hatte. Und da bin ich 16 Kilometer weit gekommen. Ich war halt in Australien nach dem Abitur ein halbes Jahr, weil ich in der 11. Klasse da schon mal war. Und da war ich mit meinen damaligen Gasteltern unterwegs und die haben mich dann wieder eingesammelt. Also das war ein irres Erlebnis. Diese 16 Kilometer, war das

3:48Lucian Haas

so wow, stolz, Riesenstrecke für dich damals?

3:51Konrad Goerg

Ja, das war Wahnsinn. Das war unglaublich. Also mein Onkel hatte mir schon mal erzählt, durch den ich zum Fliegen gekommen bin, dass er schon mal 16 Kilometer weit geflogen war. Aber das war mit den damaligen Schirmen schon eine ordentliche Leistung.

4:04Lucian Haas

Hättest du dir damals träumen lassen, irgendwann mal weit über 400 Kilometer zu fliegen?

4:10Konrad Goerg

Auf keinen Fall. Also das hätte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen können, muss ich ehrlich sagen.

4:17Lucian Haas

Jetzt hast du das auch schon geschafft. Aber erst mal eine Frage, um es noch weiter zu gehen. Was hältst du denn überhaupt mit einem Gleitschirm für möglich? Also kilometermäßig, wo siehst du da, gibt es da irgend so was wie eine Grenze, wo man sagt, mehr als das geht eigentlich gar nicht?

4:30Konrad Goerg

Also im Moment denke ich, dass 600 Kilometer möglich sind. Der Weltrekord ist ja noch mal ordentlich raufgeschraubt worden und schrubbt ja schon so quasi an diesen 600 Kilometern. Danach ist es glaube ich schwierig, weil einfach von der Tageszeit nicht genug sozusagen über ist. Aber es kann sich ja doch machen. Es kann auch noch einiges tun. So wie ich mir das damals nicht habe vorstellen können, wissen wir ja auch nicht, was in 20 Jahren ist. Aber so aus heutiger Sicht der Dinge denke ich, dass da bei 600 Kilometern dann aber auch irgendwo Schluss ist von der Zeit, die man so zur Verfügung hat an einem Tag.

5:07Lucian Haas

Du hast deine weitesten Streckenflüge ja alle in Brasilien absolviert, hast aber auch ohne die Fliegerei eine besondere Beziehung zu diesem Land. Warum?

5:17Konrad Goerg

Also zum einen habe ich sogar über meinen Vater Familie, aber das wusste ich damals noch gar nicht. Aber ich war an einer Forschungsanstalt für Landwirtschaft und sollte über Zuckerrohr was herausfinden und habe dann, ja, war dort vier Monate in Brasilien und bloß es konnte irgendwie keiner Englisch. Das habe ich aber erst herausgefunden, als ich da runter geflogen bin. Und ja, so musste ich Portugiesisch lernen. Und als ich dann etwas später dort mal auf dem Gleitschirmwettkampf war, habe ich meine Frau dort kennengelernt. Und wir sind seit. Fast elf Jahren verheiratet und sprechen in der Familie Portugiesisch und haben dadurch eben sehr engen Kontakt nach Brasilien. Also meine Schwiegereltern, Schwager und so leben in Brasilien.

6:05Lucian Haas

Das heißt, du bist allein auch aus familiären Gründen immer mal wieder in Brasilien. Das geht jetzt nicht nur für dich ums Fliegen, dass du da hin fliegst, sondern was ist auch immer Familie mit dabei?

6:14Konrad Goerg

Ja, wir versuchen das also so ein-, zweimal im Jahr. Jetzt ist meine große Tochter schon in der zweiten Klasse. Dann sind wir an die Schulferien gebunden. Das macht das Ganze dann etwas schwieriger. Aber jetzt über Weihnachten, Silvester waren wir wieder dort. Und mit meinen Schwiegereltern, Schwager haben wir ein Haus an der Küste gemietet. Aber wenn ich eben zum Fliegen im Nordosten bin, also zum Streckenfliegen, dann fliege ich da alleine hin. Denn der, ja, das ist halt unheimlich weit weg von dort, wo meine Frau herkommt. Also meine Frau kommt aus Governador Valadares. Das ist sicherlich dem ein oder anderen Gleitschirmpiloten Begriff, weil das ein wirklich ganz tolles Gebiet ist zum Fliegen und zum Wettkampffliegen. Aber dort ist relativ wenig Wind.

6:59Konrad Goerg

Und im Nordosten, wo wir eben die weiten Strecken fliegen, das passiert ja hauptsächlich durch den Rückenwind.

7:07Lucian Haas

Lass uns mal über den Herbst 2016 sprechen. Damals bist du, glaube ich, von Quijada aus mit einem B -Schirm, dem Aircross U -Cruise. 446 Kilometer. 446 Kilometer weit geflogen. Das war dann ein deutscher Rekord. Und wie stark hat sich dieser Flug in dein Gedächtnis eingebrannt?

7:25Konrad Goerg

Also das war, das war unglaublich. Der Flug hat solche Emotionen freigesetzt. Ich konnte, also ich habe während des Flugs gleichzeitig gelacht und geheult. Das war unglaublich. Also ich meine, ich hatte auch mir als Weltrekord so ein Ziel gesetzt. 423 Kilometer waren das, glaube ich, damals. Und bin dann über diesen Punkt hinweg auch geflogen und dachte, es sei sogar ein Weltrekord. Aber da bin ich ja leider, das hattest du in deinem Blog ja auch geschrieben, leider irgendwie daran vorbeigeflogen wegen Navigation. Aber es war enorm. Ich bin halt mit Freunden aus Portugal dort unterwegs gewesen. Und die sind alle Zweileiner geflogen und haben schon auch gesagt, das ist ja unglaublich, dass ich da immer, immer wieder bei denen mithalte.

8:15Konrad Goerg

Und ich bin natürlich immer sehr aggressiv geflogen und manchmal auch vielleicht knapp davor gewesen, abzusaufen. Aber es war ein Wahnsinnsgefühl. Also es ist sowieso immer ein Wahnsinnsgefühl, wenn man den ganzen Tag dort ausnutzt. Aber wenn man dann so eine Strecke eben zurücklegt und dort in diese Abendsonne rein landet. Und gerade bei dem Flug bin ich ja an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Piauí und Maranhão. Das wird dann schon so ein bisschen Amazonas -like, also mehr mit Palmen und Grüner. Und die Leute waren dort irgendwie auch anders. Da standen dann 100 Leute um mich herum bei der Landung. Und zwei Frauen drückten mir das Baby in die Hand und haben ein Foto mit mir mit dem Baby gemacht, als würde ich irgendwie vom Mars kommen.

9:07Lucian Haas

Ich habe mal ein Video gesehen von dir. Da hältst du einen Vortrag über diesen Flug. Flug selber. Und da kommst du an diese Szene, wo du das beschreibst. Und dann laufen dir selbst bei diesem Vortrag, kommen dir dann noch mal die Tränen. Einfach, weil man merkt, das hat dich so bewegt, die ganze Geschichte. Ist das was, wo du sagen würdest, das war eigentlich der Flug deines Lebens?

9:26Konrad Goerg

Also bis heute würde ich fast sagen, ja. Auch wenn ich jetzt da im Nachhinein noch etwas weiter geflogen bin. Aber es war halt das erste Mal, dass ich so was so erlebt habe. Und das war, ja, das war... Ja. Einfach überwältigend. Ich hätte auch nicht gedacht, dass das so möglich ist. Ich hatte halt super Bedingungen an dem Tag. Und nach zwei Stunden hatte ich schon 110 Kilometer auf der Uhr.

9:56Konrad Goerg

Und ja, so gesehen ist das schon einer der wahnsinnigsten Flüge. Aber es gibt ja, was weiß ich, in diesen zwei, 23 Jahren, in denen ich jetzt fliege, auch manche Flüge, die gar nicht so weit gegangen sind, die auch unheimlich speziell sind. Aber dieser hier gehört schon sicherlich mit zu den vordersten.

10:18Lucian Haas

Nun hast du gerade schon erwähnt, mit dem Flug ist ja auch gewissermaßen ein Missgeschick verbunden. Weil du hast ja gedacht, du hättest einen Zielflug -Weltrekord geflogen. Du bist genau über den Punkt geflogen, den du in deinem GPS abgespeichert hattest. Hast dann aber nur im Nachhinein erfahren, nee, du bist eigentlich an dem Punkt, den du angemeldet hast, dann vorbeigeflogen. Woran lag das? Was ist da passiert? Ja,

10:41Konrad Goerg

das ist vielleicht so ein bisschen ein generelles Problem bei mir mit der Vorbereitung. Da bin ich immer gar nicht, also da könnte ich bestimmt sehr viel akribischer sein. Ich habe das schon mir drei Wochen, bevor wir nach Brasilien geflogen sind, rausgesucht, einen Punkt. Und dann gab es irgendwie auf der Webseite von der FAI nur ein gewisses Format. Und in meinem GPS gab es aber ein anderes Format. Beziehungsweise ich hätte zwar das Format, einstellen können von der FAI -Webseite,

11:14Konrad Goerg

aber da war ich mir nicht hundertprozentig sicher, ob das jetzt das Gleiche ist, weil es gibt irgendwie auch noch zwei verschiedene Formate mit Grad, Minuten, Sekunden. Und dann habe ich aber eine andere Webseite besucht und habe dort gesehen, man kann das umrechnen von, wie hieß das überhaupt, UTM, glaube ich. Jedenfalls, genau, von UTM auf Grad, Minuten, Sekunden. Und bei dieser Umrechnung, muss ich irgendwie einen Fehler gemacht haben. Jedenfalls habe ich auf den Zettel für den Sportzeugen den Punkt in Grad, Minuten, Sekunden geschrieben. Ich hätte ihn ja einfach nur so draufschreiben können, wie ich ihn auch in meinem GPS -Gerät hatte. Dann wäre alles in Ordnung gewesen. Aber so hatte ich eben auf dem Zettel eine Art und auf dem GPS eine andere Art.

12:01Konrad Goerg

Und so bin ich dann an diesem virtuellen Kreis, den ich nun hätte treffen müssen, bin ich, ich glaube, 800 Meter vorbeigeflogen. Also da hätte ich natürlich locker hinfliegen können. Da war ich 2000 Meter hoch. Und ich weiß auch noch genau, als ich sozusagen über meinem Weltrekordpunkt war, dass ich dachte, was soll ich denn jetzt eigentlich machen? Man braucht ja noch Landezeugen, aber hier ist ja gar keiner. Und dass ich so ein bisschen das komisch fand, weil ich eigentlich einen Punkt an der Straße herausgesucht hatte. Und dort war keine Straße. Die war eben einen Kilometer weiter nördlich. Und ja, da war ich mir jetzt schon so ein bisschen unsicher irgendwie. Aber naja, da habe ich nicht mehr großartig dann drüber nachgedacht, weil eben mich die Gefühle so überrannt hatten. Und es war halt auch irre, dass ich so 50, 60 Kilometer vorher noch zwei meiner Kollegen eingeholt habe.

12:52Konrad Goerg

Und wir sind bis Kilometer 160 zusammengeflogen. Und ganz am Ende haben wir uns dann nach sechs Stunden Fliegen oder sieben Stunden Fliegen in der Luft sozusagen wieder getroffen. Das war halt auch unglaublich. Und dann sind wir gemeinsam nochmal 20 Kilometer ungefähr weiter geflogen.

13:10Lucian Haas

Nun warst du so ein paar Tagen oder vielleicht sogar ein paar Wochen im Glauben, du hast diesen Weltrekord. Und dann kriegst du eine Mail, wo drin steht, du, da stimmt was nicht. Wie groß war die Enttäuschung damals?

13:21Konrad Goerg

Also die war am ersten Tag, also ich habe das dann relativ bald hingeschickt. Und der Dieter Münchmeier vom DAV hatte mir dann schon gesagt, oh, da gibt es Schwierigkeiten, aber vielleicht kriegen wir das hin oder so. Er hat mir halt noch nicht hundertprozentig gesagt, dass das nicht anerkannt werden kann. Aber da war schon erst eine sehr große Enttäuschung da. Aber alle haben dann gesagt Mensch, das ist doch jetzt erst mal egal. Den Flug, den kann dir keiner mehr wegnehmen. Und das war mir dann irgendwie nach so nach einem Tag dann schon wieder fast egal sozusagen. Also wenn denn der Flug hat die Runde gemacht, aber das war mir auch nicht so wichtig. Für mich war das halt ein unglaubliches Erlebnis und das konnte mir keiner mehr wegnehmen.

14:07Lucian Haas

Naja, was dir auch geblieben ist, zumindest damals erst mal, war ja auch dieser deutsche Rekord, dass du gesagt hast, ich habe 446 Kilometer über drei Wendepunkte dann halt entsprechend geschafft. In diesem Jahr hast du dann aber auch diesen deutschen Rekord wieder verloren. Und da gab es sogar so ein interessantes Battle mit deinem Fliegerkumpel Maurice Knurr. Maurice ist Mitte Oktober dann mal 464 Kilometer weit gekommen, also ein bisschen weiter als du. Der hatte dann den deutschen Rekord. Dann bist du eine Woche später, hast du quasi zurückgeschlagen und bist selber 479 Kilometer weit geflogen. Und dann wieder ein paar Tage später hat der Maurice nachgelegt und ist dann 505 Kilometer weit geflogen. Wie ist das dann für dich am Ende? Ist man dann enttäuscht, wenn man sagt so Scheiße, jetzt ist man das los?

14:54Konrad Goerg

Also Maurice und ich, wir sind ja letztes Jahr auch, also oder vorletzt, also in 2018 sind wir auch schon gemeinsam in Brasilien geflogen. Und wir kennen uns auch schon super, super lange. Und also so ein bisschen der Ehrgeiz, dass man diesen Rekord für sich sozusagen haben will, der muss da sein. Sonst fehlt der Antrieb, solche Strecken zu fliegen. Denn das ist ja schon recht anstrengend. Wir fliegen da circa elf Stunden. Und auch die Rückfahrt ist nicht ohne. Dann ist man irgendwie am nächsten Morgen erst wieder zu Hause und fährt die ganze Zeit. Also es ist ein 24 -Stunden -Einsatz sozusagen.

15:36Konrad Goerg

Aber also wenn ich es jemandem gönne, dann dem Maurice. Und wir haben uns auch in Brasilien immer gegenseitig über die Erfolge des anderen gefreut. Also jetzt wirklich, das ist auch was für mich das Fliegen da in Brasilien so toll macht, ist eigentlich dieser Teamspirit, den wir auch, den ich auch damals mit den Portugiesen hatte. Also wir haben häufig in der Luft, funken wir uns an und sagen, guck mal, hier geht es besser. Oder wenn ich jetzt an das letzte Mal mit dem Maurice denke, jetzt nicht an dem Tag, wo wir die Rekorde geflogen sind. Aber einmal sind wir zusammen geflogen und da habe ich ihn zweimal angefangen. Ich sage Maurice, komm zurück, komm zurück. Ich bin hier am Steigen und er war sozusagen 30 Meter neben mir und vielleicht zehn Meter vor mir und hatte sozusagen nicht wirklich nach hinten geschaut.

16:21Konrad Goerg

Und ich habe gedreht und der wäre weiter geflogen. Und wer weiß, wann er das nächste Mal eine Thermik erwischt hätte. Also es ist gerade im Flachland eigentlich enorm wichtig, da gemeinsam zu fliegen. Und wir haben das eigentlich in 18 besser hingekriegt als in 19. Als wir jetzt diese weiten Strecken geflogen sind, sind wir häufig gar nicht zusammen geflogen. Und dafür war es dann doch erstaunlich, dass wir mehrmals so weit gekommen sind. Aber ich habe mich auf jeden Fall für ihn gefreut. Und jetzt, wo ich die 500 noch nicht habe, muss ich natürlich nächstes Jahr wieder hin.

16:56Lucian Haas

Wo drin liegt für dich eigentlich dieser große Reiz an diesen One -Way -Flügen? Im Grunde heißt es ja aufdrehen und sich dann vom starken Wind über diese Landschaft verblasen zu lassen. Und dann bist du 1000 Meter über flachen, teils hügeligen Land und sowas. Aber was ist das, was dich daran so stark fasziniert?

17:14Konrad Goerg

Also es ist irgendwie, ja, das ist eigentlich eine sehr gute Frage.

17:21Konrad Goerg

Man sieht sozusagen in weiter Ferne eine Hügelkette und nach einer Stunde ist man schon dort. Das ist unglaublich, wenn man eben mit einem Gleitschirm ohne Motor solche Strecken zurücklegen kann. Und es ist schon, es ist einfach faszinierend, die Landschaft, wie sie dort wechselt und wie es möglich ist. In der Höhe hat man häufig mehr Wind als weiter unten. Also in der Regel an den normalen Tagen kann man unten auch vernünftig landen. Und ja, die Bevölkerung dort in der Region ist unheimlich klasse, nett, hilft einem. Egal wo man landet, wird man freundlich aufgenommen. Ganz häufig habe ich in den einfachsten Hütten dort was zu essen bekommen, während ich auf den Rückholer gewartet habe.

18:10Konrad Goerg

Das spielt alles auch mit rein. Also es ist so ein Rund -um -Paket, was wirklich klasse ist.

18:17Lucian Haas

Das heißt, man hat Abenteuer in der Luft und dann freundliches Abenteuer am Boden, weil man sich mit irgendwelchen wildfremden Leuten dann da trifft oder was als trifft. Die kommen einem dann entgegen, aber dann hat man halt auch noch diese irre Menschlichkeit. Ja,

18:32Konrad Goerg

das macht von diesem ganzen Abenteuer mindestens mindestens 50 Prozent aus. Also wir sind ja damals in 15, 16 und auch in 2010 war ich schon mal dort. Da war ich erst im Dezember dort. Da fängt es manchmal schon an, vielleicht mal ein bisschen zu regnen und ein bisschen weniger Wind. Da bin ich mal 250 Kilometer geflogen in 2010.

18:58Konrad Goerg

Aber da sind wir damals in Kishinei. Da sind wir in Kishida geflogen. Das gehört zum Bundesstaat Seara. Und dort ist die Bevölkerungsdichte etwas größer als in Rio Grande do Norte, wo wir jetzt gestartet sind. Und da war es sogar so, dass die ganze Bevölkerung mitgefiebert hat. Ich bin mal in der Nähe von Kishida abgesoffen. Das ist ja immer das Schwierigste, morgens die ersten zwei Stunden zu überleben. Da ist die Thermik noch relativ schwach. Und man lässt sich dann halt mit 0,5 oder einem Meter steigen, versetzen und dreht diesen Bart dann 25 oder 30 Kilometer sozusagen.

19:34Konrad Goerg

Da bin ich dann mal abgesoffen und da waren dann irgendwie so 15 Jugendliche, die sprachen schon meinen Namen. Die haben schon im Internet übers Live -Tracking gesehen, wer das ist. Und bevor ich gelandet bin, kannten die schon meinen Namen.

19:49Lucian Haas

Das heißt, die Leute sitzen unten und verfolgen Live -Tracking und sagen, ah, das muss der komische Deutsche sein, der als Conru da auftaucht oder so. Ja,

19:58Konrad Goerg

genau. Also damals in 2016, wo ich diesen Rekord geflogen bin, da waren ja auch, da war eigentlich Kishida der einzige Startplatz. Da war das noch nicht so in aller Munde oder das Maß der Dinge mit der Winde zu starten. Und dann war das der Startplatz. Und wir standen mit 60 Leuten und mussten Schlange stehen, um eben starten zu können. Und ich weiß noch genau, da gab es auch einen Streit, dass ich eigentlich, ich wäre dran gewesen zu starten. Und dann durfte aber jemand vor und dann gab es Streit. Und danach sollte ich nicht mehr starten, weil der Wind zu stark sei. Und dann habe ich gesagt, es ist mir jetzt egal. Also eigentlich bin ich selten aufbrausend. Aber da wollte ich nun unbedingt in die Luft.

20:44Konrad Goerg

Und ich habe gesagt, ich entscheide, wann ich starte und nicht irgendjemand, der hier den Startplatz gepachtet hat. Und das gab dann auch so richtig ein bisschen Zoff.

20:55Lucian Haas

Wenn man nochmal übers Fliegen geht. Wenn man da über diesen Flachland spricht, was würdest du denn sagen, was ist, wenn man das überhaupt so zusammenfassen kann, was ist vielleicht der wichtigste Skill, den man mitbringen muss, um da in der Luft überstehen zu können?

21:09Konrad Goerg

Geduld und Ausdauer ist, glaube ich, der wichtigste Skill. Also ich glaube, es ist jetzt gar nicht so schwierig, dort zu fliegen. Also was auch noch sehr wichtig natürlich ist, ist generell die Flachlandfliegerei. Ich glaube, einige Piloten, sehr gute Piloten auch, die in den Alten wahnsinnige Strecken fliegen, die müssen sich erstmal komplett umgewöhnen, weil es gibt ja auch immer mal wieder Berge. Aber Berge, das haben wir über die Jahre herausgefunden, die halten nur auf. Berge sind der Tod für eine weite, schöne Strecke. Also wir sind ja von Parelias, wo wir jetzt gestartet sind, eigentlich immer so einen ganz kleinen Bogen geflogen, um im Endeffekt die Berge zu umfliegen.

21:51Konrad Goerg

Einmal war der Wind mehr so in Richtung Berge, Maurice ist drum herum geflogen, der ist weitergekommen, ich habe oben abgestanden. Das ist, weil ich es eben doch mal über die Berge versucht habe. Und wenn man eben im Flachland nach Thermik sucht,

22:10Konrad Goerg

dann sind das nicht so ganz konkrete Hinweise, wie jetzt so ein Südhang in den Alpen, wo die Sonne reinknallt, sondern das sind eher so Sachen, die man sucht, Unterschied zwischen, also weil dort Stauseen sind am Rand vom Stausee, löst sich die Thermik ab. Am Rand zwischen Buschwerk und freigeholzten Gelände, wo es mehr sandig ist, da löst die Thermik ab. Also man muss sich an etwas unkonkreteren Dingen sozusagen festhalten. Was ist mit diesem Starkwind, ist der schwer zu handeln? Eigentlich nur bei Start und Landung. Also bei der Landung ist es gut, wenn man den ganzen Tag fliegt, dann hat man abends sowieso relativ wenig Wind. Aber wenn man eben morgens absäuft, dann ist es jetzt auch die Landung an sich vielleicht nicht so schwierig.

22:59Konrad Goerg

Aber man muss auch einen vernünftigen Landeplatz finden. Und man ist vielleicht 200 Meter hoch und hat unter sich einen schönen Landeplatz. Wenn man sagt, man geht da jetzt landen, dann kann man wie ein Fahrstuhl runterkommen. Aber mit 200 Metern kann man häufig noch viel erreichen. Also das ist unglaublich. Aber auch bei starkem Wind hat man dort manchmal in 50 Meter Höhe einen definierten Bad, den man ausdrehen kann. Um wieder hochzukommen. Bloß wenn ich eben von 200 Meter bis 50 runtergehe, werde ich immer weiter versetzt vom Wind und habe vielleicht gar keinen möglichen Landeplatz unter mir. Weil eben dort sehr viel so Buschwerk, das heißt in Brasilien wird das Juarema genannt. Das wird in der Regenzeit auch grün.

23:45Konrad Goerg

Aber ansonsten sind das so dornige, dorniges Gestrüpp, was dort überall wächst. Und wenn man da einmal rein landet, also kann man sich zum einen auch blöd wehtun. Aber vor allem, wenn der Schirm da reinfällt, das ist mir einmal passiert, da bin ich auf so einem Weg gelandet. Der Schirm ist aber mit dem Wind dann noch so da reingefallen. Und das war nur so eine Ecke vom Schirm. Und ich habe anderthalb Stunden gebraucht, um da die Leinen und den Schirm wieder rauszupolen. Das macht dann auch Spaß, vor allem

24:14Lucian Haas

in der Sonne wahrscheinlich. Man ärgert sich schon, dass man abgesoffen ist. Und dann muss man da auch noch seinen Schirm rauspolen.

24:20Konrad Goerg

Ja, das ist brutal. Und in der Hitze und man hat keinen Schatten, das ist wirklich brutal.

24:25Lucian Haas

Jetzt mal in der Luft. Was war denn so bisher deine Höchstgeschwindigkeit, die du da mit dem Gleitschirm erreicht hast beim Fliegen? Die Höchstgeschwindigkeit, meine ich, waren so um die 120 km/h über Grund. Also den Schirm selber vollbeschleunigt oder war das dann sogar im Trimmen und es hat dich halt wirklich quasi mit 80, 90 km/h da oben weitergeschoben?

24:43Konrad Goerg

Ja, also das war im Vollgas mit dem Schirm, wenn der vielleicht... Man kann sich da auch streiten, wie schnell der Schirm geht. Aber wenn man sagt, der geht 60 km/h, dann hatte man noch 60 km/h Wind ungefähr. Und diese 60 km/h Wind, die sind dann in der Höhe dort und am Boden sind das dann aber eher so 40 vielleicht oder zwischen zwei oder 42. Sodass man dann theoretisch auch, wenn man landen würde, im Trimmen vielleicht langsam rückwärts fliegt.

25:16Lucian Haas

Du hast ja vorhin schon gesagt, okay, Fliegen in Brasilien heißt auch meistens stark Wind.

25:23Lucian Haas

2016 war das in Quijada. Da hast du Fußstart machen müssen. In diesem Jahr bist du an der Winde gestartet. Und was ist dir denn dann lieber? Bzw. welche Startart, gerade bei diesem starken Wind, hältst du eigentlich für gefährlicher?

25:38Konrad Goerg

Also der Start an der Winde ist doch deutlich angenehmer und auch, denke ich, weniger gefährlich. Wenn jetzt an der Winde ist man zum einen... Erst mal wird man festgehalten, was ja auch nicht so schlecht ist. Und dann geht es schnell hoch. Vielleicht ist das auch nicht ganz ungefährlich, wenn dann irgendwas nicht stimmt und man wird trotzdem in die Höhe gerissen. Das ist dann wiederum der Nachteil. Wobei man da eben einen guten Startleiter und einen guten Windenfahrer braucht.

26:08Konrad Goerg

Bei der Winde ist auch noch der Vorteil, dass man eben den Cobra -Start machen kann, was wir jetzt letztes Jahr schon mal gemacht haben und jetzt so ein bisschen auch perfektioniert haben. Bzw. es ist eigentlich gar nicht so schwer. Und das ist genauso wie bei den Kitern. Man startet eben am Rand des Windfensters und hat dadurch viel weniger Zug auf den Leinen, als wenn man jetzt den Schirm genau in Windrichtung hinter einem auslegt. Was aber am Berg eigentlich nicht wirklich geht. Denn wenn man jetzt am Berg versucht, so einen Cobra -Start zu machen, dann sollte da trotzdem mehr Platz sein, weil es kann dann ja auch zur Seite wegreißen.

26:48Lucian Haas

Nun muss man ja den Cobra starten, also den Windenstart auch beherrschen und den dann in dem Moment sauber ausführen, damit das auch alles vernünftig dann steht. Wie häufig kommt es dann vor, dass auch bei diesen Windenstarts dann jemand es vielleicht nicht so ganz hinkriegt oder der Böe fährt dann da rein und so und der Schirm schießt dann doch hoch? Wie häufig wird man da dann am Seil hängend durch den Dreck gezogen?

27:07Konrad Goerg

Ja, also wir hatten in unserer Gruppe einen, der ist dann durch so einen Juarema gezogen worden. Der hat sich ein bisschen das Knie verletzt. Gott sei Dank nicht mehr. Bei mir gab es dann auch mal einen Abbruch, aber in der Regel funktioniert das. Also vielleicht 70, 80 Prozent der Fälle läuft das gut. Aber wir haben auch dieses Jahr das nur wieder gemacht an den Tagen, wo es wirklich extrem war, wo dann im Endeffekt auch nicht alle in der Gruppe gesagt haben, sie starten. Das war dann, also wir sind schon, glaube ich, bis an die Grenze des Möglichen im Endeffekt gegangen, an einen Tag. Das ist ja auch so ein Video, was dann ziemlich viral gegangen ist in den sozialen Medien.

27:52Lucian Haas

Wenn man sich dieses Video anguckt, im Grunde sind dann die Starts, da geht der Schirm nicht mehr, fährt nicht mehr nach vorne, sondern im Grunde geht es quasi senkrecht am Seil nach oben. Dann irgendwann hört dieses Video auf, zeigt das nicht mehr so genau. Gibt es da irgendwann noch Vorwärtsfahrt oder ist es eigentlich wirklich nur, man steigt dann am Seil im Grunde wie, als würde so ein Kinderdrachen steigen lassen und wird halt ein bisschen langsam die Schnur ausgelassen und deswegen kommt man dann in die Höhe. Und irgendwann klingst du dann oben aus.

28:18Konrad Goerg

Ja, genau so war das. Also das Problem war vor allem, dass der Windenfahrer, ein Brasilianer, den wir quasi in dem Jahr zuvor ausgebildet haben, das immer noch nicht so verinnerlicht hatte, dass er eigentlich gar nicht fahren musste. Er hätte einfach stehen bleiben können. Und nun fuhr er also mit seinem Auto weiter und rollte dadurch mehr Seil ab. Und ich war, ich bin eigentlich am Seil eher rückwärts sogar gegangen. Und hinter diesem Flugplatz, diesem kleinen, wo wir waren, war eine Straße mit einer Hochspannungsleitung. Und das, also in dem Moment, wo ich dann geschleppt wurde, dachte ich auch, oh, ich muss auf jeden Fall hier ganz viel Höhe machen und ich darf die ersten Stunden nicht runterkommen, weil dann wird es mit der Landung auch recht haarig, weil es wirklich sehr, sehr, sehr stark war der Wind.

29:09Konrad Goerg

Und als ich dann 600 Meter Höhe hatte, sagte er, ich soll klinken. Dann habe ich zurückgefunkt auf Portugiesisch, du bist so verrückt, ich habe erst 600 Meter Höhe, ich brauche hier richtig Höhe. Also ich wurde da schon mal über 1000 Meter hochgeschleppt durch die Wolken durch von einem anderen Windenfahrer. Und er sagte, ich soll klinken. Und ich sagte, das geht jetzt noch nicht, ich brauche noch etwas Höhe. Und er war aber zu doll gefahren und dadurch war der Winkel zu flach. Und ja, ich glaube, so 20 Sekunden später hieß es buff. Ich wollte eigentlich gerade dann doch klinken. Und dann hatte ich das Seil aber abgerollt. Und dann dachte ich, ach du Schande, wenn jetzt das Seil über Straße und durch die Büsche und wie machen wir das? Dann wollte ich eigentlich erst dieses Seil,

29:57Konrad Goerg

also wollte ich eigentlich erst im Fahrstuhlmodus runterbringen, damit ich das Ende in der Hand habe. Und wenn ich beim Start, wo ich dort gestartet bin, hätte landen können, hätte ich das glaube ich auch so gemacht. Dann wäre das Seil ganz gerade runtergekommen und wir hätten das dann wieder aufwickeln können. Aber ich bin halt in der Höhe, bin ich auf jeden Fall 5 bis 10 km/h rückwärts geflogen. Und dann ging es immer weiter nach hinten. Ich hatte zwar ausgeklinkt, aber das Seil in der Hand. Und dann hatte ich mich fast schon verhakt und dachte schon, jetzt muss ich vielleicht sogar bald irgendwie die Rettung schmeißen. Dann habe ich es aber losbekommen. Und dann habe ich es halt einfach runtergeschmissen. Und die haben es auch wieder gefunden. Und es ist auch Gott sei Dank mit Straße und Hochspannung und sowas ist da nichts passiert.

30:42Konrad Goerg

Und ich war gar nicht so hoch. Ich war dann vielleicht nur noch 400 m über Grund. Und habe gedacht, okay, jetzt musst du dich konzentrieren. Jetzt musst du hier irgendwie nach oben kommen und sei es nur ein ganz kleiner Bad. Irgendwie und nur überleben. Und das hat ja Gott sei Dank geklappt. Und die haben irgendwie mit 2 h Arbeit dieses Seil gesucht und wieder gefunden und aufgespult. Es hat Gott sei Dank alles geklappt.

31:11Lucian Haas

Nun sind diese Winden -Schlepp -Gebiete, die ihr da habt, das sind ja im Grunde irgendwelche kleinen Flugplatzpisten, soweit ich das gesehen habe. Und das ist irgendwo mitten in der Pampa. Wenn man da jetzt irgendwo absäuft, auch früh am Tag, dann hat man den Rest des Tages noch übrig. Was macht man in so einer Gegend?

31:28Konrad Goerg

Oh, da kann man nicht viel machen eigentlich. Also wir haben ein relativ schönes Hotel, obwohl das nur so ein 20.000 -Seelen -Dorf ist. Da ist ein Pool. Und ja, dann geht man eben, verbringt man den Rest des Tages am Pool und geht in der Stadt irgendwie Mittagessen und vertreibt sich irgendwie so ein bisschen die Zeit. Aber so ein bisschen ausruhen ist dann immer ganz gut, weil eben wir stehen in der Regel morgens um 5 auf, frühstücken und sind, also Abfahrt ist 6 Uhr morgens zum Flugplatz. Und ja, wenn man dann weit fliegt, also wenn man 300 km weit fliegt, dann ist man vielleicht Mitternacht zu Hause. Dann macht man am nächsten Tag das gleiche Programm nochmal.

32:15Konrad Goerg

Dann schläft man 5 Stunden und macht es normal. Aber wenn man weiter als 300 km fliegt, dann macht man eigentlich einen Ruhetag am nächsten Tag. Aber ganz, ganz wichtig ist eben dieses Schlafmanagement. Das haben wir jetzt im 2019 etwas besser hinbekommen. In 2018, ja, da waren wir manchmal doch zu sehr übermüde. Also man macht da nicht viel. Vielleicht wird man dann von den Leuten dort in der Stadt, zum Grillen eingeladen. Aber ansonsten, ja, gibt es da nicht viele Möglichkeiten.

32:46Lucian Haas

Beim Streckenfliegen, das hast du auch vorhin schon erwähnt, ist auch das Teamfliegen so, oder das Streckenfliegen in diesem Flachland, ist das Teamfliegen so besonders wichtig beziehungsweise hilft auch ungemein. Wie macht man das dann eigentlich, wenn man da an der Winde startet? Startet man dann wirklich parallel mit mehreren Winden nebeneinander? Weil sonst ist ja gerade bei dem Wind, wenn der erste gestartet ist und dann hast du ausgeklingt, dann bläst es dich ja dann. Dann vielleicht schon mit 50 km/h oben in der Höhe nach hinten. Da ist es ja kaum möglich, dass der zweite dann noch nachkommt, dass man dann wirklich sagen kann, man kann jetzt Teamfliegen.

33:18Konrad Goerg

Ja, also wir hatten dort zwei Winden. Und eben Maurice ist so mein Wingman, mein Teambuddy, sage ich jetzt mal so. Klar, manchmal haben wir uns auch mit anderen Leuten irgendwo in der Luft noch mal getroffen und haben dann zusammengearbeitet. Aber wir fliegen halt irgendwo so ein bisschen, sage ich mal, den gleichen Stiefel, den gleichen Pace. Und dann haben wir schon zugesehen, dass wir direkt hintereinander irgendwie hochgeschleppt werden. Ansonsten, man kann schon unter der Wolke so ein bisschen parken und auf den anderen warten. Das geht schon. Wenn man dann mal oben ist an der Basis, dann kann man da ein paar Kreise mehr machen, bevor es weitergeht. Denn ansonsten, wenn man 500 km fliegen will, muss man schon eher so ein bisschen Wettkampfmodus schalten,

34:05Konrad Goerg

damit man damit die Zeit auslöst.

34:09Lucian Haas

Wenn man sich beim Teamfliegen das anguckt, da sind ja die Brasilianer wohl Meister drin, die ja auch in diesem Jahr damit wieder den Weltrekord als Dreierteam dann zusammen erflogen haben. Was machen die besser als ihr? Also du und Maurice, ihr wart ja als Team zwar vielleicht da unten, aber fliegerisch seid ihr häufig dann an selben Tagen doch ein bisschen aneinander oder voreinander vorbeigeflogen, so ungefähr.

34:31Konrad Goerg

Ja, ich glaube, wir können das verbessern. Wir brauchen vielleicht etwas mehr Training. Die machen das schon viele, viele Jahre länger. Und dann sind sie noch zwei mehr eigentlich. Eigentlich sind es immer vier Piloten. Bei fast jedem Weltrekord hat es einer nachher nicht geschafft. Aber ich denke mal, wir sollten noch mehr aufeinander achten, mehr miteinander sprechen.

34:56Konrad Goerg

Dann können wir vielleicht gemeinsam noch etwas weiterkommen.

35:01Konrad Goerg

Aber gut, auf der anderen Seite ist es dann auch, man muss den richtigen Tag erwischen. Das ist ganz wichtig. Also vielleicht wäre es sogar besser, noch etwas früher im Herbst hinzufahren. Aber das kriegen sowohl Maurice als auch ich auch beruflich nicht vereinbart. Also wir sind jetzt am 15. Oktober hingeflogen. Und in 2020 denke ich mal auch, dass wir wieder am 15. Oktober hinfliegen. Aber ich glaube, die ersten zwei Wochen vom Oktober sind in der Regel auch sehr gut, wenn nicht vielleicht sogar mal, ein besserer Tag dabei ist. Aber das sind immer so Zyklen. Ein paar Tage Pause, kein Wind und dann wieder ein paar Tage Wind. Und dann muss man halt den richtigen Tag erwischen.

35:44Lucian Haas

Das heißt, Oktober 2020, sagst du, ihr wollt in diesem Jahr quasi auch wieder angreifen. Was ist das Ziel?

35:50Konrad Goerg

Also für mich auf jeden Fall erstmal die wirklichen 500. Oder Maurice ist ja auch über 500 Kilometer nur nach, sage ich mal, XC geflogen. Aber nicht den einen Punkt Start bis den einen Punkt Landung. Das hat er auch ganz knapp verpasst. Also wir wollen auf jeden Fall die 500 mal knacken. Und darüber hinaus ist dann danach alles möglich.

36:15Konrad Goerg

Aber so ein bisschen, ja, weiß ich nicht, ist es mir jetzt fast wichtiger geworden, den eigenen Rekord zu brechen als irgendwelche

36:25Lucian Haas

offiziellen. Wenn man jetzt eigene Rekorde nimmt, 2019 hast du ja auch einen eigenen Rekord noch einen anderen aufgestellt. Du bist vom Rammelsberg. Das ist so der Hausberg bei dir bei Goslar. Da bist du 170 Kilometer weit über den Harz geflogen. Das ist für den Rammelsberg selber auch Startplatz Rekord. Wie ordnest du solche Flüge ein im Verhältnis jetzt zu diesen viel weiteren brasilianischen Flügen? Was gibt dir so einen Flug? Was für einen Wert siehst du da drin dann? Also

36:55Konrad Goerg

vom Anspruch her an den Flug war das nicht weniger anspruchsvoll als jetzt. Der 480 Kilometer Flug oder 479. Es waren natürlich ein paar Stunden weniger.

37:12Konrad Goerg

Aber ja, das macht das macht auch unheimlich viel Spaß. Ich habe wirklich eine tolle Saison 2019 gehabt. Ich habe so diesen Flug, den du erwähnt hast vom Rammelsberg. Und dann habe ich noch von der Nähe vom Rammelsberg einen gehabt, der bis fast nach Frankfurt ging. Und. Also das sind auch ganz tolle Flüge. Ich habe zwar nicht, war nicht so häufig unterwegs. Aber wenn, dann hat es sich gelohnt. Und ja, ich würde natürlich gerne hier in Deutschland noch weitere Strecken fliegen. Aber und da ist auch mehr mehr möglich. Ich muss halt mal sehen, dass ich mal früher am Berg stehe. Das ist einfach das A und O, damit die Zeit nachher ausreicht.

37:55Lucian Haas

Wechsel mir mal ein wenig das Thema. Du bist ja im Grunde eigentlich Landwirt. Du führst bei Goslar einen großen Ackerbaubetrieb. Zugleich hast du einen großen Gleitschirm -Checkbetrieb namens XContest. Dann führst du seit 2008 die kleine, aber sagen wir mal feine Gleitschirmmarke Aircross. Dann bist du Generalimporteur von Soul und von Flymaster und so was. Wie passt das eigentlich alles bei dir in den Alltag zusammen?

38:22Konrad Goerg

Also hauptsächlich passt es, weil ich wirklich ein super Team habe. Ich habe sowohl in der Landwirtschaft einen guten Mitarbeiter, der sich da um alles kümmert und meinen Vater, der mir noch viel hilft. Der wird zwar jetzt 80, aber macht noch vieles für beide Firmen, die Lohnabrechnung und so weiter. Und im XContest -Checkbetrieb habe ich auch ein ganz tolles Team mit jemandem, der das eigentlich alles leitet, mit John, den auch bestimmt viele in der Gleitschirm -Szene schon kennen. Also wir sind mit John, Walter und auch Peter sind es drei Piloten. Oder mit mir vier Piloten, die in dieser Firma ja arbeiten. Und dann eben noch mal vier Nicht -Piloten als die Verwaltung und eben die Schneiderinnen.

39:11Konrad Goerg

Also das geht nur mit einem guten Team. Und ich bin auch jetzt schon so ein bisschen sozusagen am Sortieren und gucken, was sind halt die wichtigen und richtigen Sachen.

39:23Konrad Goerg

Und... Also die Landwirtschaft, die ich mache, die ich betreibe, das ist halt ein Pachtbetrieb. Das ist ein Klostergut, das ist kein Eigentum. Und mein Vater, der hat damals so nach dem Studium gesagt, es ist noch gut, wenn du ein zweites Standbein hast. Und so kam das halt irgendwie, dass ich eben parallel zu der Landwirtschaft, wo man im Winter ja auch weniger zu tun hat, das ist ja ein reiner Ackerbaubetrieb,

39:50Konrad Goerg

ja, wo ich mir dann eben dieses Gleitschirm -Business nebenbei noch aufgebaut habe.

39:54Lucian Haas

Wenn dich jetzt jemand, der dich neu kennenlernt, nach deinem Beruf fragt, was sagst du denn dann? Ich bin Landwirt oder sagst du, ich führe eine Gleitschirm -Marke oder was sagst du dann?

40:05Konrad Goerg

Ich glaube, in erster Linie sage ich, ich bin Unternehmer. Und dann sage ich eben, ich bin Unternehmer. Ich habe einmal zum einen einen landwirtschaftlichen Betrieb und zum anderen einen luftfahrtechnischen Betrieb.

40:20Lucian Haas

Sprechen wir mal über Aircross, deine Gleitschirm -Marke. Wie bist du überhaupt dazu gekommen? Du konstruierst ja nun nicht selber die Gleitschirme.

40:27Konrad Goerg

Ja, das war in dem gleichen Jahr, also vor zwölf Jahren, als ich XContest gegründet habe und diese Gleitschirm -Werkstatt gekauft habe, habe ich, oder im Herbst 2007 schon, habe ich den Designer kontaktiert. Und für Aircross war damals die Firma Skyline Importeur. Und ich wollte mir diesen Schirm, den U3, damals kaufen. Das war der Wettkampfschirm schlechthin. Und damit bin ich auch recht erfolgreich damals gewesen. Und die Firma Skyline hat mir aber gesagt, ja, die Firma Aircross wird es wahrscheinlich bald nicht mehr geben. Wir wollen vielleicht was mit dem Konstrukteur machen, aber der spricht nur Französisch. Und dann habe ich gesagt, Mensch, ich spreche ja Französisch.

41:14Konrad Goerg

Ich mag gerne andere Sprachen. Und ins Gleitschirm -Geschäft will ich ja auch einsteigen. Wir könnten das zusammen machen. Und dann habe ich den Konstrukteur kontaktiert. Und der hat gesagt, wir können gerne Aircross gemeinsam weitermachen.

41:30Konrad Goerg

Und so ist das irgendwie entstanden. Also eigentlich nur mit dem Wettkampfschirm. Der erste Schirm war der U4. Den hatte er sich selber in Frankreich designt, ausgeschnitten und genäht. Alles ganz alleine in seinem Raum. Mit wahrscheinlich 400 Arbeitsstunden, denke ich mal, oder 500. Und das Teil durfte ich fliegen und war total begeistert. Ich habe gesagt, den müssen wir auf den Markt bringen. Und das war auch in den ersten Jahren recht erfolgreich. Bloß die Zusammenarbeit wurde halt leider etwas schwieriger dann immer mit dem Kollegen, bis wir uns dann vor ein paar Jahren getrennt haben. Also zeitweise waren wir zwei Designer, auch zwei französische Designer, der Paul Amiel dann. Und mit dem habe ich das dann weitergeführt.

42:15Lucian Haas

Nun muss man Aircross aber auch heute noch zu den eher wirklich kleinen Herstellern zählen. Lohnt sich das eigentlich noch in einer Zeit, wo andere große Hersteller ganze Entwicklungs - und Testteams beschäftigen, das in so einem kleinen Rahmen nur zu halten und da einzelne Schirmmodelle auf den Markt zu bringen? Also es ist schwierig.

42:37Konrad Goerg

Wir haben, als ich 2016 diesen Rekord geflogen bin mit unserem B -Schirm, habe ich gedacht, das schlägt jetzt ein wie eine Bombe. Und das war jetzt leider nicht so der Fall. Und wir suchen jetzt schon, nicht nur wir als Aircross, eben auch andere kleinere Hersteller, strategische Partnerschaften. Also wir haben jetzt in den letzten Jahren Schirmmodelle gemeinsam mit Zoll entwickelt und auch gemeinsam mit Flow. Und so geht das eben nicht nur bei uns, sondern auch andere Firmen machen Partnerschaften, entwickeln gemeinsam Modelle, da die Entwicklungskosten einfach sonst zu hoch sind für die Stückzahlen, die wir auf den Markt bringen.

43:26Lucian Haas

Seit 2016 bist du ja auch Generalimporteur von Zoll. Wie gehst du denn damit um, wenn du sagst, ich habe eine eigene Marke und ich habe eine fremde Marke und das jetzt unter einem Dach? Im Grunde machst du dir ja mit Zoll auch gewissermaßen Konkurrenz vielleicht zu deinen eigenen Schirmen. Wie handelt man so was?

43:44Konrad Goerg

Ich bin da relativ emotionslos. Also ich finde es halt gut, wenn ich verschiedene Sachen den Kunden anbieten kann. Und am Ende ist es halt nur wichtig, dass der Kunde zufrieden ist. Und ich muss sagen, ich habe halt in den letzten Jahren auch Zoll immer mehr kennengelernt und schätzen gelernt. Früher habe ich immer gedacht, vielleicht habe ich das gedacht, wie auch das Image der Marke eigentlich ist in Europa. Es ist eher so, naja, das ist halt so eine südamerikanische Marke. Aber eigentlich bauen die wirklich ganz tolle Schirme. Also auch innovativ mit damals einem Einliner, mit auch interessanten Wettkampfschirmen. Jetzt eben mit dem LT1, mit dem ich ja diesen einen weiten Flug jetzt gemacht habe.

44:30Konrad Goerg

Das ist ein Zweiliner, der aber eigentlich die Charakteristik und die Streckung eines C -Schirms hat. So was gibt es auch sonst kein zweites Mal auf dem Markt. Und ich bin da recht emotionslos. Aber ich muss jetzt auch mal gucken, wo die Reise sozusagen hingeht, was da mehr gefragt ist. Im Moment muss ich halt sagen, was wirklich das Geschäft trägt, ist halt der Service. Und wir haben sicherlich mit die meisten Checks und Reparaturen irgendwo vielleicht mit ein, zwei anderen Betrieben gemeinsam in Deutschland, denke ich. Und das ist im Moment die tragende Säule des Geschäfts. Das

45:10Lucian Haas

heißt, Checkbetrieb, das läuft bei dir dann unter XContest als Marke. Das heißt, mit solchen Schirmchecks kann man auch wirklich Geld verdienen?

45:20Konrad Goerg

Ja, das schon. Man wird dadurch jetzt vielleicht nicht reich, aber wir machen mittlerweile weit über 1000 Checks. Pro Jahr? Pro Jahr, genau. Und machen auch viele, viele Reparaturen. Viel auch durch Motorschirmpiloten, wenn der Schirm dann mal irgendwie nicht hinterm Motor, sondern in den Motor fällt.

45:44Konrad Goerg

Und ja, das ist, sag ich mal, wie eine große Autowerkstatt auch. Aber es ist halt auch viel Arbeit. Und was wir bei XContest auch noch als Betriebszweig dazugewonnen haben, ist, dass wir im Endeffekt alle Checkbetriebe der Welt mit Leinen beliefern. Und das ist auch noch ein guter Zuverdienst. Wir haben dadurch eben bei uns, sag ich mal, das größte Leinenlager, was es überhaupt gibt.

46:14Lucian Haas

Wie kommt das? Ich meine, es gibt verschiedenste Leinenhersteller. Es gibt halt Liros, Edelried, Cousin aus Frankreich da noch und so was. Hast du von allen diesen Leinenherstellern die Leinen dann bei dir vor Ort lagern und die Leute müssen dann bei dir bestellen? Warum nicht direkt beim Hersteller? Ja,

46:29Konrad Goerg

sie müssen nicht bei mir bestellen, aber sie machen es, weil sie beim Hersteller das in großen Mengen abnehmen müssen. Und diese großen Mengen kann man eigentlich nur abnehmen, wenn man produziert. Aber in den Checkbetrieben, wo wir einfach nur immer ein paar Leinen austauschen müssen, sei es wegen einer Reparatur oder eben um die Reißfestigkeit der Leinen zu überprüfen, kann man mit so einer 1000 -Meter -Rolle nichts anfangen.

46:54Konrad Goerg

Und Edelried hat, glaube ich, als erste Firma mal begonnen, für kleinsten Mengen einen Aufschlag zu nehmen, also einfach die Leinen doppelt so teuer zu machen. Da haben natürlich alle Checkbetriebe inklusive mir damals aufgeschrien und gesagt, Mensch, das geht doch nicht. Aber es musste gehen, weil wir mussten die Leinen ja kaufen. Das hat sich dann einfach nur in einem etwas höheren Checkpreis niedergeschlagen. Und trotz dieses Aufschlags hat Edelried ein paar Jahre später gesagt, Mensch, das nervt uns trotzdem. Wir haben ein ganz anderes Geschäft. Wir verkaufen Ozone 50.000 Meter, wir verkaufen Gin 30.000 Meter. Das sind halt ganz andere Sphären. Und so sind wir im Gespräch, haben damals dazu gekommen, dass wir gesagt haben, okay, wir als XContest machen das.

47:46Konrad Goerg

Wir kaufen die 1000 -Meter -Rollen, oder manchmal sind es sogar 2000 -Meter -Rollen, wenn es eine sehr dünne Leine ist, und verkaufen dann anderen Checkbetrieben im Minimum 50 Meter.

47:57Lucian Haas

Das heißt, wenn man jetzt zu dir kommt, beziehungsweise zu euch in die Betriebshalle, dann hängen an der Wand Hunderte von Leinenrollen, weil es gibt ja wirklich die unterschiedlichsten Formate davon.

48:07Konrad Goerg

Ja, genau. Die Werkstatt hat 160 Quadratmeter, und eine komplette Wand ist voller Leinen, von unten bis oben mit einer Leiter. Und oben drüber sind die Beschriftungen der einzelnen Leinen. Und ich glaube nicht, dass es eine andere Firma gibt, die ein so sortiertes Leinenlager hat wie wir.

48:26Lucian Haas

Aber das heißt nicht, dass ich jetzt als Solo -Pilot jetzt sagen würde, ich brauche eine neue Leine, schick mir mal sieben Meter. Sondern du sagst, nee, 50 Meter ist schon die Mindestabgabe. Und das machen wir eigentlich nur für Checkbetriebe direkt.

48:40Konrad Goerg

Also wir haben auch einen Online -Shop, da kann man sich die Leinen sozusagen bestellen. Aber da ist auch 50 Meter im Endeffekt Minimum. Aber es gibt eben auch Leute, die sich das privat dann bei uns kaufen. Und mittlerweile sogar geht es so weit, dass wir jetzt auch Kiter haben, die dann auch Leinen bei uns beziehen. Denn das sind teilweise auch die gleichen. Ansonsten erweitern wir unser Lager jetzt auch noch mit den Leinen. Also

49:08Lucian Haas

wenn man das so sieht, dann steckst du mit XContest also quasi mitten in der Gleitschirm -Szene drin und bist ein Bestandteil, auch wenn es vielleicht gar nicht für jeden so voll ersichtlich ist.

49:18Konrad Goerg

Ja, ich denke. Ja, das kann man so sehen. Und auch Aircross oder Sol, das läuft ja auch alles unter dem Namen XContest GmbH. Das ist halt eine Firma, aber vielleicht nicht so präsent, wie du es schon gesagt

49:32Lucian Haas

hast. Also bist du mit deinen Gleitschirm -Geschichten mittendrin angekommen. Du bist jetzt auch 40 Jahre geworden im letzten Jahr, bist also so gesehen, stehst auch mitten im Leben. Was hast du für die Zukunft noch für Pläne?

49:45Konrad Goerg

Also im Moment, ja, ich würde auf jeden Fall gerne mehr reisen. Aber wir haben eben zwei Kinder, die sind fünf und sieben. Und mit Schule und so ist es dann natürlich immer schwierig. Aber im Moment steht eine Erweiterung des Geschäftsfeldes an, dass wir Ultraleicht -Flugzeuge importieren, also ein sehr schnelles Reise -Ultraleicht. Und meine Hoffnung ist dann natürlich auch, dass ich mich da mal schnell reinsetzen kann und vielleicht mal in die Alpen fliegen kann, dort ein bisschen Gleitschirmfliegen und dann wieder zurück. Das habe ich vor zwei Jahren auch mal mit meinem jetzigen Ultraleicht, was etwas langsamer ist, gemacht mit einem Kumpel. Da haben wir mal einen Herbst Brasilien sozusagen sausen lassen und sind dann über die Alpen nach Italien.

50:34Konrad Goerg

Und sind dann dort Gleitschirmfliegen gewesen und sind wieder zurück geflogen. Das war auch ganz toll. Also die Ultraleicht -Fliegerei ist ganz schön. Und für mich persönlich habe ich jetzt noch angefangen auch mal zu kiten. Das macht auch enorm Spaß. Aber ja, das sind so die, das eine ist das Private mit dem Kiten, das andere mit dem Flugzeug ist auch noch im geschäftlichen Bereich eine Neuerung. Das sind so die beiden Projekte im Moment. Aber ansonsten natürlich weiterhin den Checkbetrieb, die Gleitschirmmarken und die Landwirtschaft eben vernünftig managen. Vielleicht

51:16Lucian Haas

können wir damit auch den Kreis ein bisschen schließen, wenn du sagst Ultraleicht fliegen und damit kann man auch zum Fliegen fliegen und so weiter. Wenn du jetzt Brasilien nimmst, wo du sagst, da sind auch diese Rückholaktionen nach 400, 500 Kilometer Flug, sind ja irre lang dann auch. Wäre das da nicht auch eine Option? Zu sagen, man lässt sich fliegend abholen, ginge das nicht sogar viel besser?

51:37Konrad Goerg

Das auf jeden Fall. Es ist halt vielleicht nur eine Frage des Preises und bzw. wenn dann am nächsten Tag wieder so ein starker Wind ist, also sprich Gegenwind, dann ist es natürlich auch schwierig, da vorwärts zu kommen. Und wenn wir dort landen in Brasilien, dann ist halt auch direkt nach der Landung schnell dunkel. Man muss sogar sagen, als wir in Quijada gestartet sind, dann fliegt man ja etwas weiter westlich. Dann sind am Ende des Fluges die Basishöhen etwas höher. Also jetzt die letzten zwei Jahre sind wir selten an die 3000 Meter rangekommen. Aber wenn man eben in den Bundesstaat Piauí reinkommt, dann ist häufig die Basis dann noch über 3000. Und dann muss man abends zusehen beim Abgleiten, dass man so abgleitet, also so ein Abgleiter kann dann 40 Minuten dauern, dass man am Boden steht, bevor es dunkel ist.

52:32Konrad Goerg

Weil das so nah am Äquator dort ist, dass das Licht ziemlich schnell aus ist. Aber ich kann noch eine schöne Geschichte erzählen. Dieses Jahr habe ich einen ganz tollen Streckenflug gemacht von mir zu Hause aus. Da sind wir mit der Winde hier auf meinem Hof gestartet. Also wir haben ja eine eigene Bahn für das UL und für die Winde. Und dann bin ich über die Kontrollzone Braunschweig -Berlin, habe drüber hinweg geflogen. Da habe ich gesehen, das geht sich aus und bin bei Uelzen gelandet in der Nähe. Da war ein Flugplatz. Und dann habe ich jemanden gefragt, ob er mich nicht zurückfliegen kann. Und dann bin ich mit dem Flugzeug wieder zurückgeflogen worden. Also das ist auf jeden Fall eine tolle Art.

53:17Lucian Haas

Vielleicht ist das auch eine Zukunft immer mehr, dass man sagen kann, man kann Fliegen mit Fliegen verbinden. Es gibt ja auch andere Gleitschirmpiloten, wie Paul Guschlbauer zum Beispiel, der das ja auch sehr professionell dann schon beides miteinander verbindet. Vielleicht kann man da das in der Zukunft auch noch weitermachen. Konrad, ich danke dir für deine schönen Erzählungen über deine brasilianischen Abenteuer und das, was du mit deinen anderen Firmen da noch machst. Danke dir und wünsche dir vor allem 2020, dass du diese 500 dann auch wirklich mal knacken wirst.

53:49Konrad Goerg

Ja, herzlichen Dank, Lucian. Dir auch vielen Dank für das Interview und tschüss.

53:58Lucian Haas

Das war Lucian Haas im Gespräch. Wenn du noch mehr über die Rekordfliegerei in Brasilien erfahren willst, so findest du in meinem Blog Lu-Glidz schon eine ganze Reihe von Posts aus den vergangenen Jahren zu diesem Thema. Am besten einfach in der Suchfunktion den Begriff Brasilien eintippen. Ich habe zudem in den Shownotes zu diesem Podcast auch ein paar weiterführende Links zusammengesteckt.

54:24Lucian Haas

Wenn dir diese Folge des Podcasts gefallen hat, dann gebe ich noch kurz zu bedenken, dass diese Stunde Unterhaltung nicht einfach so aus deinem Lautsprecher oder Kopfhörer kommt. bei dem man sich immer wieder auf den Kopfhörer schallt. Dahinter steckt einiges an Arbeit. Natürlich macht mir das Spaß, aber als freier Journalist bestreite ich darüber auch einen Teil meines Einkommens. Dank einiger Podz-Glidz -Hörer und Lu-Glidz -Leser, die dieses Projekt mit Förderbeiträgen unterstützen. Vielleicht gehörst du schon dazu? Dann sage ich danke. Vielleicht willst du dazugehören? Dann geht das ganz einfach. Du kannst einen Förderbeitrag in frei wählbarer Höhe per PayPal oder Banküberweisung an mich leiten. Alle weiteren Daten dazu findest du im Blog Lu-Glidz und zwar auf der Unterseite Fördern. Vielleicht hast du diesen Podcast ja gerade auf dem Weg zum Startplatz gehört.

55:12Lucian Haas

Dann sage ich nur guten Flug und allzeit sanfte Landung. Bis bald bei der nächsten Folge von Podz-Glidz. Ciao.

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