podz-glidz// transcripts with a synced player

24. Algodonales - Gerhard Ganter

// Gerhard Ganter, Lucian Haas · 2020-03-18 · 00:52:57 · original episode

// streaming from the original SoundCloud feed

[show notes]
Algodonales ist eins der beliebtesten Winter-Fluggebiete in Südspanien. Entdeckt und fliegerisch erschlossen hat es der Deutsche Gerhard Ganter. +++ Algodonales – das wäre wohl ein pittoreskes, aber noch immer recht verschlafenes Bergdorf beziehungsweise Städtchen in Andalusien, wenn dort nicht jeden Winter Hunderte Gleitschirm- und Drachenflieger aus ganz Europa einfallen würden. Der häufig auch kurz Algo genannte Ort ist eine der beliebtesten Destinationen für Gleitschirmreisen in der sogenannten kalten Jahreszeit Europas. In Südspanien kann man freilich des öfteren dann immer noch bei angenehmen Temperaturen im T-Shirt in der Sonne sitzen. Und auch zum Thermikfliegen ist das Klima von Herbst- bis Frühjahr rund um die Sierra de Lijar, dem Hausberg von Algo, prächtig geeignet. Vor über 30 Jahren lag Algodonales noch im fliegerischen Dornröschenschlaf. Den Flugspot wachgeküsst hat ein Deutscher: Gerhard Ganter. Er flog 1983 als erster Pilot von der Sierra de Lijar, damals noch mit einem Drachen. Und er blieb – aus Liebe zu dem Berg und zu seiner spanischen Frau Ani, die er in Algo kennengelernt hatte. Jahre später gründete Gerardo, wie er in Spanien gerufen wird, vor Ort das Flugzentrum Ganterfly, über das er Piloten Zimmer zur Miete und auch einen Shuttle-Service samt Betreuung am Berg anbietet. Heutzutage gibt es vor Ort eine ganze Reihe ähnlicher Unternehmen, die alle ihr Auskommen haben. Das Gleitschirmfliegen ist zu einem der wichtigsten lokalen Wirtschaftsfaktoren geworden. Im Podcast erzählt der heute 68-jährige Gerardo seine Geschichte: Wie er Algodonales entdeckte. Wie die Bevölkerung ihn einst für verrückt hielt, mittlerweile aber auch sehr dankbar ist für die von ihm angestoßene Entwicklung. Er erklärt zudem, was das Fliegen rund um Algo so besonders macht: von den ganz eigenen meteorologischen und thermischen Verhältnissen bis hin zu den Dutzenden, gar Hunderten von Geiern, mit denen man sich als Gleitschirmflieger die Bärte teilen darf. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: "Spanish Summer" von Audionautix ist lizenziert unter der Lizenz "Creative Commons Attribution" (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/). Künstler: http://audionautix.com/

[transcript]

0:05Gerhard Ganter

Die Geier kommen manchmal zu uns und fliegen mit uns. Manchmal hat man den Eindruck, dass die vorausfliegen und die Steigen andeuten. Also ich glaube, das ist ja auch ein Übungseffekt, mit den Geiern zu fliegen.

0:32Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:35Gerhard Ganter

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Gerhard Gander, das kennen wahrscheinlich viele schon. Und Lucian Haas am Mikrofon.

0:48Lucian Haas

Algodonales, das wäre wohl ein pittoreskis, aber noch immer recht verschlafenes Bergdorf bzw. Städtchen in Andalusien, wenn dort nicht jeden Winter hunderte Gleitschirm- und Drachenflieger aus ganz Europa einfallen würden. Der häufig auch kurz Algo genannte Ort ist eine der beliebtesten Destinationen für Gleitschirmreisen in der sogenannten kalten Jahreszeit Europas. In Südspanien kann man freilich des Öfteren dann immer noch bei angenehmen Temperaturen im T -Shirt in der Sonne sitzen. Und auch zum Thermikfliegen ist das Klima von Herbst bis Frühjahr rund um die Sierra de Lijar, dem Hausberg von Algo, prächtig geeignet. Vor über 30 Jahren lag Algodonales noch im fliegerischen Dornröschenschlaf. Den Flugspot wachgeküsst hat ein Deutscher, Gerhard Gander.

1:33Lucian Haas

Er flog 1983 als erster Pilot von der Sierra de Lijar, damals noch mit einem Drachen. Und er blieb, aus Liebe zu dem Berg und zu seiner spanischen Frau Anni, die er in Algo kennt. Jahre später gründete Gerardo, wie er in Spanien gerufen wird, vor Ort das Flugzentrum Gantafly, über das er Piloten, Zimmer zur Miete und auch einen Shuttle -Service samt Betreuung am Berg anbietet. Heutzutage gibt es vor Ort eine ganze Reihe ähnlicher Unternehmen, die alle ihr Auskommen haben. Das Gleitschirmfliegen ist zu einem der wichtigsten lokalen Wirtschaftsfaktoren geworden. Im Podcast erzählt der heute 68 -jährige Gerardo seine Geschichte, wie er Algodonales entdeckte, wie die Bevölkerung ihn einst für verrückt hielt, mittlerweile aber auch sehr dankbar ist für die von ihm angestoßene Entwicklung.

2:22Lucian Haas

Er erklärt zudem, was das Fliegen rund um Algo so besonders macht. Von den ganz eigenen meteorologischen und thermischen Verhältnissen bis hin zu den Dutzenden, gar Hunderten von Geiern, mit denen man sich als Gleitschirmflieger die Bärte teilen darf. Das Gespräch mit Gerhard Gander habe ich vor Ort in Algodonales aufgenommen, mitsamt gelegentlichen Hintergrundgeräuschen des andalusischen Alltags.

2:47Lucian Haas

Gerhard, hier in Spanien wirst du Gerardo genannt, was ist dir eigentlich lieber, Gerhard oder Gerardo?

2:51Gerhard Ganter

Das ist mir egal, Gerhard, Gerardo oder Gerard, das ist mir egal. Das heißt, du bist international? Jawohl, jawohl, mir geht es auch um die internationale Fliegerfamilie. Also so eine Illusion von mir ist hier, die internationale Fliegerfamilie zu pflegen. Also sind alle sehr willkommen.

3:12Lucian Haas

Nun sitzen wir hier jetzt gerade bei dir in Algodonales auf deinem Haus. Oben auf dem Dach, wunderschöner blauer Himmel. Ist das so ganz typisch hier?

3:20Gerhard Ganter

Ja, das ist sehr typisch. Das ist sehr, sehr typisch. Also am Anfang war ich ja im Sommer hier und da war ich in einem ganz kleinen Zelt im Eukalyptuswald, so ein inoffizieller Campingplatz mit einem Kiosk und so. Und dann habe ich halt den Kopf rausgestreckt da am Morgen. Und die sagen, da brauchst du nicht schauen, das ist die nächsten drei Monate nur blauer Himmel. Du hast jetzt gesagt, am

3:45Lucian Haas

Anfang war ich hier. Hier in einem Zelt, auf einem Zeltplatz und einem Kiosk. Was heißt Anfang? Wann war das überhaupt? Wie bist du hierhin gekommen und warum?

3:53Gerhard Ganter

Ja, ja, das sind halt viele, viele Zufälle. Viele Zufälle. Gestern Abend habe ich den Leuten erzählt, ja, das Wort Aussteiger gab es damals gar noch nicht. Also ich habe gekündigt, um dann ein bis zwei Jahre Spanien zu genießen. Von welcher Zeit reden wir? Ach so, wir reden von 1983. Okay. Da hast du in Deutschland gekündigt, wo du eigentlich herkommst. Ja, ich war zu der Zeit in Brüssel beschäftigt und war von der Arbeit mal in Madrid. Und das hat mich begeistert. Und ich wollte nach Spanien, weil das war irgendwie meine Illusion. Das habe ich toll gefunden. Und das war dann ein schwerer Entschluss, da zu kündigen, weil die Wirtschaft war auch nicht so gut.

4:39Gerhard Ganter

Ich war mitten in so einer Karriere drin. Und ja, ich habe Diplomkauf gemacht und war dann in Pläning und Preising, hat das geheißen. In Brüssel für John Deere, für die Zentrale von Europa und Nahen Osten für Baumaschinen. Also war schon ein interessanter Job. Aber na ja, meine Eltern haben da verrückt gespielt. Die haben gesagt, so lange studieren und dann alles hinschmeißen. Aber ich habe gedacht, na, manche Personalchefs werden das. Die werden es verstehen. Und manche halt nicht. Und dann, wenn ich nach ein, zwei Jahren wiederkomme und wieder einsteige, irgendwie wird das schon gehen. Wie alt warst du damals?

5:21Lucian Haas

Ja, da war ich so um 32. Und dann bist du nach Spanien gegangen und hast gesagt, hier ist es so schön, ich lasse den Job sein.

5:30Gerhard Ganter

Ja, ja, genau. Ich wollte zuerst, dass die mich mit meinem Gehalt aus Brüssel nach Spanien versetzen. Und das wäre natürlich toll gewesen. Aber das ging leider nicht. Und dann habe ich eben gekündigt. Und jetzt kommt natürlich dazu. 1981 habe ich Drachenfliegen gelernt. Und dann habe ich natürlich meinen Drachen auf dem Auto, im Auto, zuerst im Auto. Das war so ein Kurzparkding auf zwei Meter. Auf dem Beifahrersitz ist mein Drachen gelegen. Und ich bin halt dann nach Spanien gefahren und habe dann mal Sprachkurs gemacht. Mal da, mal dort, mal ein bisschen fliegen. Und das Entscheidende war dann in Malaga. Da war ich in Malaga im Sprachkurs. Und dann habe ich natürlich nach einem Drachenflieger gesucht. Und ich habe meinen Freund Antonio gefunden. Der hat damals schon Drachen geflogen hier in Spanien.

6:18Gerhard Ganter

Dann bin ich halt mit dem dann nach Grasalema gefahren. Am Wochenende war da Treffpunkt in Grasalema. Haben wir da gefrühstückt. Und dann ging es zum Fliegen. Und da waren Engländer dabei. John, so hat er geheißen. Und noch ein paar Spanier. Und ein paar Spanier, die gerne wollten, aber kein Material hatten. Jedenfalls waren da 50 Leute. Wir haben uns getroffen da in Grasalema. Grasalema ist ja der Hauptort von dem Parque Natural de Grasalema. Also Naturpark von Grasalema. Das war auch damals schon Naturpark? Das war damals nicht Naturpark. Und wir durften da fliegen. Inzwischen ist das anders. Und das kann man von hier sehen. Das sind die tollen Berge da drüben, südlich von hier.

7:05Gerhard Ganter

Und da war ein ganz idealer Stadtplatz. Richtung West, Nordwest. Allerdings musste man vom Pass, Puerto la Paloma, musste man die Drache noch 100 Höhenmeter hochtragen. Aber ich war ja Anfänger. Und manchmal haben die Knie gezittert und so. Und dann hat es sich gelohnt, da mal zu starten. Weil der Höhenunterschied war 1100 Meter. Wir sind da gelandet, wo heute der Stausee ist. Der war damals auch noch nicht da? Der war nicht da, nein. Das war 1983, wie gesagt. Dann ging das halt weiter mit den Leuten. Ich bin dann mal so jedes Wochenende hergekommen von Malaga. Mal hier geblieben. Und dann waren wir eben auf dem Stadtplatz da.

7:51Gerhard Ganter

Auf dem El Coros heißt der Berg. Und dann kamen die Leute halt von hier und sagten, ja, wir haben da einen Berg. Und den sieht man auch von da drüben. Der Berg hier von Algodonales, Sierra de Lija. Also der wäre ringsherum frei. Theoretisch könnte man in jede Richtung starten. Aber da ist noch nie jemand geflogen. Und es ist auch kein Startplatz da und nichts. Und das hat mich halt dann sehr interessiert. Ich habe gedacht, das muss ja ideal sein. Dass das Wetter ideal ist, habe ich schon gesehen.

8:26Gerhard Ganter

Und dann bin ich da halt mal eine Woche hier geblieben. Und habe da versucht, hochzufahren. Die Leute mussten aus dem Auto aussteigen, um mich über die Felsen zu weisen. Also war sehr kritisch. Sehr, sehr schlechter Weg. Aber na ja, wenn man Illusionen hat und so, dann macht man das halt. Na ja, da sind wir halt hoch. Dann habe ich mal auf der Seite, auf der Seite geschaut. Und klar, das war verlockend. War prima.

8:53Lucian Haas

Bist du denn da schon rausgestartet? Oder es ging noch gar nicht? Ja, ich

8:56Gerhard Ganter

weiß auch nicht, wieviel Mal, dass ich hochgefahren bin, bevor ich mich getraut habe.

9:02Lucian Haas

Ich habe

9:02Gerhard Ganter

am Südost ungefähr, wo der Südost -Startplatz ist heute, da habe ich halt ein paar Büsche weg und ein paar Steine weg. Und mit dem Drachen braucht man ja nicht so viel Platz, wenn der Wind passt. Und dann bin ich da mal geflogen. Und das war halt der Start. Von da ab sind wir dann Südost hier geflogen und West in El Bosque. Den Startplatz in El Bosque, den gab es auch schon. Allerdings, der Weg war noch nicht so weit. Dann musste man auch noch so einen Kilometer tragen.

9:33Lucian Haas

Das war auch alles noch 1983? Nein, nein, das ist

9:37Gerhard Ganter

so Frühjahr,

9:39Lucian Haas

Sommer 1983. Du hast vorhin am Anfang gesagt, du hättest im Zelt gelebt. Also du warst wirklich so ein Zelt -Nomade.

9:48Gerhard Ganter

Ja, das war aber auch toll. Das war ein ganz kleines Zelt. Ich war wirklich da im Zelt gelebt. Hier unten beim Fluss. Und meine Morgentoilette war da im Fluss. Da sind die Fische gekommen, haben da an den Füßen gekrault oder geküsst. Alles ringsrum mit Oleander, Adelfa heißt das auf Deutsch. Und das war toll, tolle Aussicht. Da siehst du die Berge, also ein wunderschöner Platz. Und da habe ich wirklich Monate im Zelt gelebt und halt dann tagsüber fliegen gehen. Meistens habe ich den Drachen auf dem Startplatz gelassen und bin halt wieder runter, wenn der Wind nicht gepasst hat. Gab es ja kein Internet, keine Wettervorhersage, nichts. Passt halt oder passt nicht, dann gehen wir halt wieder heim.

10:35Gerhard Ganter

Mein Fahrer war ein Bäckerlehrling, der hat gar keinen Führerschein gehabt. Aber dem hat halt mein BMW gefallen und der war ganz begeistert, wenn er fahren durfte. Aber der Weg ging schon wirklich

10:47Lucian Haas

bis oben auf den Berg? Ja,

10:49Gerhard Ganter

wir sind dann meistens in, also ich rede jetzt eher von dem ursprünglichen Stadtplatz auf dem Berg von Grasserlema. Da war halt noch das Handicap, dass man 100 Meter hochtragen musste. Aber das war gar kein Problem, weil die Leute waren, ich habe so viele Zaungäste gehabt, die interessiert waren, die das schauen wollten. Das war irgendwie was Neues, was Interessantes. Der Verrückte da, der sich umbringt und so. Und die haben meinen Drachen vorausgetragen. Ich musste nur noch hinterher rennen. Das war halt so. Hast du noch einen Spitznamen irgendwie? El Loco oder sonst

11:24Lucian Haas

irgendwas? Der Verrückte auf Spanisch

11:25Gerhard Ganter

und so? Ne, aber die, also ich habe das jetzt nachträglich öfters gehört. Das war so halt, ja der Verrückte, der bringt sich um und so. Also jetzt kommen Leute auf mich zu und das ist halt natürlich eine Freude für mich. Kommen ab und zu Leute auf mich zu vom Dorf, die gar nichts damit zu tun haben und sagen, was wäre das Dorf ohne, wenn du nicht gekommen wärst.

11:51Lucian Haas

Nun ist das ja eine lange Geschichte. Das ist 1983 hast du gestartet. Heute haben wir 2020. Also da liegen fast 30 Jahre jetzt dazwischen. Wie ging es denn dann weiter? Und ab wann war das so, dass du sagst, ah, ich bleibe in Algodonales und will wirklich rund um die Fliegerei hier irgendwie etwas aufbauen?

12:09Gerhard Ganter

Also das weißt du gar noch nicht, was da der Punkt war.

12:14Gerhard Ganter

Also am Sommer, am Ende vom Sommer, so im September, August war das noch, Ende August, habe ich gedacht, ja jetzt ist gut, jetzt haue ich wieder ab. Und dann habe ich Dani kennengelernt, meine Frau. Und dann war es vorbei halt. Ja, wie es immer so ist.

12:33Gerhard Ganter

Und eigentlich dadurch bin ich hier hängen geblieben. Aber ich muss dazu betonen, ich habe mich echt in den Berg verliebt und dann in die Anni. Also erst der Berg, dann die Anni. Jawohl. Das ist chronologisch, ist das so. Und

12:47Lucian Haas

die Anni hatte keine Probleme mit so einem verrückten Deutschen, der irgendwie sich todesmutig von Bergen stört.

12:52Gerhard Ganter

Ja, der Anni habe ich gesagt, das ist halt, Fliegen ist halt wichtig für mich. Das gehört dazu. Also wenn wir heiraten, dann heirate ich das Fliegen mit. Das gehört dazu. Und da hat sie gesagt, na gut, das mache ich mit. Hat

13:06Lucian Haas

sie denn auch Fliegen gelernt dann von dir?

13:08Gerhard Ganter

Ja, die hat dann mit dem Drachen angefangen. Die hat ihren eigenen Drachen gehabt, mit sehr schönen Farben, in Atlas. Und die hat geübt und die hat es ganz gut gemacht. Aber zum Fliegen ist leider nicht gekommen. Dann kamen halt Kinder irgendwann.

13:24Lucian Haas

Bist du denn mit dem Heiraten dann automatisch ab dem Moment quasi in algodonale sitzen geblieben und hast gesagt, das ist jetzt meine neue Heimat? Oder wart ihr zwischendurch auch nochmal woanders?

13:35Gerhard Ganter

Nein, nein. Ich bin dann, ja, ja, dann habe ich dann eine kleine Wohnung gemietet und so. Und also wir haben uns 83 kennengelernt und 84 geheiratet. Also es war so ein bisschen Liebe auf den ersten Blick. Und eigentlich habe ich ja gesagt, nee, Spanierin gar nicht. Und ich habe noch Zeit. Ich bin noch jung. Heiraten noch nicht so bald. Aber da hat es mich halt erwischt.

14:00Lucian Haas

Das passiert dann manchmal. Nun hast du hier gewohnt. Am Anfang waren ja wahrscheinlich noch gar nicht so viele Flieger da, mit denen man dann auch irgendwie ein Fluggeschäft machen kann auf gewisse Weise. Hast du denn damals überlegt?

14:12Gerhard Ganter

Nein, nein, absolut nicht. Aber ich habe halt dann ab und zu Artikel geschrieben da im DHV -Magazin und im Fly & Glide Thermik oder wie ist das? Damals geheißen hat. Und habe halt ein bisschen erklärt, was hier ist. Und die Leute haben auch reagiert. Aber das waren halt einzelne Drachenflieger, die halt in Deutschland im Winter nicht arbeiten konnten. Der Dieter, der Zimmermann, ein paar Maurer und so. Und die waren halt eine Zeit lang hier. Dann sind wir halt miteinander fliegen gegangen. Also nicht geschäftlich, sondern so gesellschaftlich. Also ja, ja, Freundschaftshalber und so. Und dann habe ich auch irgendwann mal mein Haus gebaut. Das war 90 bis 92 habe ich mein Haus gebaut.

14:59Gerhard Ganter

Und das ist halt so ziemlich groß ausgefallen. Ich habe da Angst gehabt, dass das eh fertig wird. Und dann habe ich halt ein paar Zimmer hergerichtet zum Vermieten. Aber das war ja keine Menge zum da ein Geschäft draus machen. Allerdings habe ich das von Anfang an immer schon im Auge gehabt. Ich habe halt gesehen, dass das ideal ist und dass da bestimmt Leute kommen zu mir fliegen.

15:24Lucian Haas

Ab wann war es denn dann so weit? Jetzt kamen die ersten, das war für Spaß. Aber dass du gesehen hast, da wird jetzt langsam was draus, mit dem du vielleicht auch dein Leben bestreiten könntest.

15:36Gerhard Ganter

Soweit war es dann später. Aber ich muss jetzt deine letzte Frage habe ich gar nicht beantwortet, wie ich mein Leben bestritten habe. Stimmt. Weil arbeiten gehen hier ist nix. Da kommst du überhaupt nix und ist auch schlecht. Man ist auch schlecht bezahlt und gibt keine Arbeit. Also das ist absolut nix. Wenn man also hier irgendwie existieren will, muss man irgendeine Idee haben, irgendwas machen. Also das erste war das Wollgeschäft. Meine Frau hatte da ein Wollgeschäft mit ihrer Tante zusammen. Und wo wir geheiratet haben, haben wir das übernommen. Dann haben wir also Wolle verkauft. Das klingt natürlich sehr komisch. In dem heißen Andalusien hier Wolle verkaufen. Aber man hat hier

16:22Gerhard Ganter

überhaupt keine Heizung. Die Häuser haben keine Heizung, haben schlechte Isolation. Und im Winter gibt es doch einzelne Tage, die kälter sind. Und dann hockst du da drinnen und zitterst. Die haben auch so ein System. Die haben ein langes Tischtuch bis unten auf den Boden. Und dann streckst du die Füße unter den Tisch. Und am Tisch ist ursprünglich so ein Kohleeimer. Und dann nachher später so ein Elektro -Dings. Und dann ist es da warm und von unten kriegst du ein bisschen Wärme. Aber am Rücken ist es eiskalt. Und dann braucht man halt diese Pullis. Und dann ist Wolle ein gutes Geschäft. Und Anni war halt das sowohl Hobby als auch ihr Ding oder als auch Treffpunkt für die Frauen. Das Wollgeschäft war voll. Und die haben praktisch aus den Händen gegessen.

17:08Gerhard Ganter

Die haben gesagt, was soll ich für eine Wolle nehmen? Was für ein Muster? Und Anni hat dann das aufgezeichnet wie so ein Plan mit Abnehmen und Zunehmen und Ärmel und so weiter. Also das Wollgeschäft ist recht gut gelaufen. Und dann nachher, das nächste war auch ein gutes Geschäft. Das war Autoimport. Ich habe dann Gebrauchtwagen, vor allem Geländewagen aus Deutschland importiert. Und das war eine Zeit lang ein gutes Geschäft. Und dann habe ich mein Haus gebaut, so langsam. Und dann irgendwann hat es angefangen mit mehr Zimmer vermieten. Und ab 2000 ungefähr habe ich dann Gruppen gehabt. Natürlich Drachenflieger und später Gleitschirmflieger, die ich dann betreut habe mit Fahrdiensten und Unterkünften und das alles.

17:56Lucian Haas

2000, da hast du, oder 2001 hast du ja glaube ich sogar mal eine Drachen -WM war das? Weltmeisterschaft?

18:04Gerhard Ganter

Jawohl. War das damit organisiert? Ja, ja, das haben wir hierher geholt. Natürlich aus dem Ding, weil hier mehr Erfahrung und ich habe auch ein bisschen dazu beigetragen. Da haben wir die Drachen -WM hierher geholt. Die Gleitschirmmeisterschaft war in Senes de la Vega. Und das hat hier ganz gut gepasst so. Und das Wichtige dabei ist, ich war dann auch verantwortlich für Start - und Landeplätze. Ich war im spanischen Team, bin mitgeflogen, für die Aufgabenstellung war ich auch dabei. Aber das Wichtigste ist die Startplätze. Also und das war mir also sehr, sehr wichtig. Und da musst du dort sein, wenn du am Weststartplatz, da war ein riesengroßer Caterpillar aktiv.

18:50Gerhard Ganter

Da waren ganze wie sagt man da, lebendige Felsen, wilde Felsen da. Und die mussten wir da zusammenreißen und hunderte von LKWs Erde draufschütten. Und das ist jetzt der Nutzen davon. Da haben wir jetzt einen super idealen Startplatz. Das

19:06Lucian Haas

heißt, der Startplatz, so wie er jetzt ist, geht auf diese Drachen -WM zurück, weil damals halt Geld investiert wurde, um den herzurichten.

19:13Gerhard Ganter

Genau, genau. Das war die Bedingung und Andalusien hat mitgespielt. Da haben wir 200 Drachen gehabt, 160 flexible und 40 Startflügler. Das war die letzte WM, wo die beide zusammen waren. Dann hat uns das dann getrennt. Und dann haben wir 3000 Meter, Quadratmeter Platz gebraucht und drei Startreihen. Und die Drachen waren zwar einen in den anderen reingeschoben. Wir haben Nummern auf den Boden gemacht. Und es war also sehr eng, aber der Startplatz ist halt prima. Und das ist nicht das Einzige, sondern der andere Startplatz war der Südost. Und da habe ich noch den Südstartplatz dazu gemacht. Und der Südstartplatz ist sehr, sehr wertvoll. Wir haben ja hier ein Schwachwindgebiet und es geht sehr oft so, dass wir Südost fliegen morgens, also bis um eins oder so, bis um zwei, je nachdem.

20:08Gerhard Ganter

Und dann zwischen eins und zwei oder zwischen zwei und drei ist dann Süd, kann man Süd raus starten und dann geht es auf West. Und wenn du jetzt den Drachen da stehen hast und verpassest und dann bist du aufgeschmissen. Aber jetzt mit dem Südstartplatz kann man dann circa eine halbe Stunde oder eine Stunde nach Süd starten. Also braucht man nicht abbauen und am besten nochmal aufbauen. Da haben wir also schon sehr, sehr gute Flüge gemacht von dem Südstartplatz. Und

20:37Lucian Haas

war das die Drachen -WM 2001? Wann fing es denn auch hier so an, dass das so zum großen Gleitschirmspot eigentlich wurde? War das auch so um die Zeit, dass es damit dann bekannt wurde? Ja,

20:48Gerhard Ganter

das war so circa 30 Jahre, 30 Jahre oder 20 Jahre aufbauen. Weil ich habe halt dann Stadtplätze haben wir dann hergerichtet selber halt, ein paar Freunde und so. Dann habe ich mal eine Meisterschaft organisiert und dann, ja, ja, die Gemeinde, ja, ja, wir tun den Weg so ausbessern und so. Und am Tag vorher war noch nichts getan. Die haben nur immer versprochen und das ist so grausam. Das glaubst du ja noch. Jedenfalls kam da nichts. Und dann habe ich halt selber mit der LKW sind wir dann am letzten Tag vorher hochgefahren und mit der Hacke dann in jedes Schlagloch ein bisschen Erde und so. Man musste selber vorwärtskommen, auf die Gemeinde verlassen. War noch nie was.

21:33Gerhard Ganter

Und wenn das halt nicht die Euphorie, die Illusion und so wäre, dann hätte ich da gesagt, nee, lass die Meisterschaft, fertig, haben wir ein Haus. Also ich habe da schon drüber, drum gekämpft. Du

21:44Lucian Haas

sagtest ja auch am Anfang waren hauptsächlich Drachenflieger, die kamen. Wann war so auch der Schwung, wo du gemerkt hast, ah, jetzt kann

21:51Gerhard Ganter

man mehr Gleitschirmflieger geben? Das ist schon richtig. Ab der Weltmeisterschaft ist das bekannter geworden, automatisch durch Publizität halt und so. Und an der Weltmeisterschaft, da waren 40 Nationen da, Drachenflieger. Und das spricht sich dann schon rum irgendwie. Und dann ab 2000 habe ich auch Gruppen betreut dann. Und es ging dann von Jahr zu Jahr mehr. Und jetzt haben wir also in den Hauptmonaten zwei bis drei Busse voll zum Betreuen. Was

22:25Lucian Haas

heißt Hauptmonate? Also was ist so die Hauptflugzeit hier aus deiner Erfahrung

22:29Gerhard Ganter

heraus? Ja, also wir machen

22:33Gerhard Ganter

Juni, Juli, August machen wir zu, weil meine Meinung ist, dass man da fast überall fliegen kann. In die Alpen oder Mittelspanien, Nordspanien ist meines Erachtens wesentlich interessanter. Hier ist erst mal zu heiß. Und was hier interessant ist, sind die Spätjahr, Winter und Frühjahr. Also die Hauptsaison ist Oktober, November und März. Und das sind halt viele Argumente von den Leuten. Ich frage die Leute, warum die herkommen. Ein Großteil meiner Kunden, die kommen jedes Jahr oder vielleicht jedes Jahr zweimal. Und die Argumente sind halt viele. Die sagen halt, den Winter verkürzen, wenn Schmuddelwetter ist im November, kommen sie her und hier hat tolle Sonne.

23:21Gerhard Ganter

Man genießt erst mal die Sonne und dann genießt man das Essen, dann genießt man das Flair hier auf dem Dorfplatz. Und das Fliegen kommt natürlich auch dazu, aber ist nicht immer an erster Stelle.

23:34Lucian Haas

Nun hast du ja das hier so quasi mit aufgebaut. Mittlerweile gibt es aber auch eine ganze Reihe anderer Touranbieter. Und es gibt Briten und es gibt Holländer und es gibt Spanier, die da sowas hier machen. Wann ist das eigentlich so gekommen, dass sie gesagt haben, oh, Algodonales ist so gut, da ist genug Platz, um mehrere solche Geschäfte aufzubauen?

23:50Gerhard Ganter

Richtig, richtig, richtig. Im Moment gibt es sechs oder sieben, aber das stimmt schon. Ich habe angefangen und dann kam irgendwann mal eine Flugschule und kamen halt andere Leute zur Betreuung machen. Und klar, ich sehe das nicht unfair. Ich sehe das so, dass der Himmel ist für alle da, der Berg ist für alle da und wir haben alle Platz. Gut, manche meinen dann, ja, das ist so eine Konkurrenz. Also bisher geht es uns gut. Wir haben viele Kunden und es ist also alles in Ordnung bisher. Das einzige Problem, wo ich sehe, und da sind wir auch dran, das zu lösen, es gibt manche Tage, wo es sehr voll ist. Und das kommt aber dadurch zustande, weil verschiedene Busse kommen.

24:39Gerhard Ganter

Also irgendwelche Polen, Tschechen, Portugiesen oder so. Auch so Guides, die kommen her mit mehreren Bussen voll und wenn das mal zusammenkommt, dass drei von hier und zwei von da und drei von da kommen plötzlich, dann ist es plötzlich zu viel. Das kann aber niemand verbieten, außer der Gemeinde. Die Gemeinde kann sagen, der Sportplatz oder der Berg, das gehört mir und du fliegst da oder du fliegst da nicht. Und jetzt kann es sein, dass wir so etwas organisieren, wie an der Dune de Pilar, dass man sich da mit Gruppen, dass die Gruppen sich anmelden müssen und dann maximal so und so viele Leute kommen dürfen.

25:24Lucian Haas

Du sprachst gerade, der Berg gehört ja der Gemeinde und so weiter. Inwieweit unterstützt denn die Gemeinde mittlerweile das Fliegen? Du hast gesagt am Anfang, die haben versprochen, wir bauen dir das, aber sie haben es dann nicht gemacht. Halten die mittlerweile ihre Versprechen oder sagen sie, wir sehen, wir profitieren ja viel von den Fliegern, die alle hierher kommen, jetzt geben wir auch was zurück oder bauen das noch aus, weil wir ein eigenes Interesse daran haben?

25:46Gerhard Ganter

Also die Gemeinde, ich habe ja mein Unternehmen aufgemacht, Centro de Vuelo Gandaflei oder Flugzentrum Gandaflei und die haben mir da schon bestätigt, dass das ein wichtiger ökonomischer Faktor ist, die Fliegerei. Heutzutage ist es viel, viel mehr noch. Die Gemeinde sieht also das ganz klar, dass das der Wirtschaftsfaktor ist im Dorf. Die Leute und die Restaurants, das ist offensichtlich, also die halben Restaurants wären nicht hier, wenn die Gleitschirmflieger nicht hier wären. Das ist eindeutig der Wirtschaftsfaktor, aber die Gemeinde tut trotzdem sehr, sehr wenig. Nach langem Betteln und hin und her haben wir jetzt eine neue Wetterstation, die besser funktioniert wie die alte und ab und zu wird was getan, aber viel versprochen,

26:34Gerhard Ganter

Windsäcke sollen wir kriegen und das und jenes. Und ja, im November ist das so weit, es ist immer noch nicht so weit. Das Projekt, wo wir hatten, die wollten 2 Millionen Euro investieren von Europa, dann ist das wieder in der Schublade gelandet. Jetzt kommt es wieder raus. Also jetzt wird das Projekt durchgeführt, da sollten alle Startplätze super hergerichtet werden, die Straße, die Stromleitung weg. Stromleitung ist meines Erachtens das größte Handicap vom Fluggebiet, die Stromleitung am Westlandeplatz. Das ist immer wieder, das sind 20.000 Volt, das ist ganz, ganz gefährlich. Da tue ich meine Leute immer ganz intensiv, da brauche ich also gar nicht bis zum Boden, wenn du dranhängst und gar nicht bis zum Boden reicht, dann springt der Strom über und dann bist du weg.

27:21Gerhard Ganter

Ist da schon mal jemand drin gelandet? Das ist schon öfters passiert, leider. Der Letzte, der da reingeflogen ist, der hat ein ganz schwarzes Bein gehabt. Aber hat es überlebt? Hat es überlebt, aber das Bein ist wahrscheinlich nicht mehr gebrauchbar, weil das Innen geht alles kaputt, die Nerven, die Blutgefäße und alles. Manchmal sind auch die Unfälle nicht direkt, dass die Leute reinfliegen, sondern die fliegen halt sehr hoch drüber und fliegen sehr hoch den Landeplatz an und dann wollen sie runter und reißen und reißen und reißen den Schirm ab. Das sind die häufigsten Unfälle, die wir hier haben, dass die Leute am Westlandeplatz den Schirm abreißen und das ist so grausam zuzuschauen.

28:06Gerhard Ganter

Du schaust da zu und jetzt reißt er den ab und zack und bang und dann dotzen die auf und machen den Rücken kaputt halt. Also so haben wir schon mehrere Unfälle.

28:18Lucian Haas

Du hast ja als Drachenflieger angefangen, fliegst mittlerweile aber auch Gleitschirm oder ich glaube auch hauptsächlich Gleitschirm. Ja, das ist

28:25Gerhard Ganter

gut. Also ich war halt der Drachenflieger, der Verrückte, der sich umbringt. Das hat mir der jetzige Bürgermeister vor kurzem erzählt. Der bewundert das halt jetzt, weil man jetzt inzwischen so bekannt ist. Also hat niemals jemand gedacht, dass wir jemals so berühmt oder bekannt sind wie zum Beispiel Tarifa für die Surferei. Das schätzen die schon. Was war jetzt die Frage?

28:53Lucian Haas

Der Umstieg von dir, du hast ja als Drachenflieger angefangen, aber irgendwann bist du zum Gleitschirmfliegen gekommen. Wann war das so? Ja, ich habe mich halt so

29:01Gerhard Ganter

kräftig gewährt gegen die Fetzenfliegerei und ich bin dann irgendwann mal, wo die Dinger noch so quadratisch waren, so riesige Zellen, so ganz steilen Hang runtergerannt und das war nichts. Und ich bin auch mit Engländern dann, die Meisterschaften hier gemacht haben, bin ich mit dem Drachen kurz vorher gestartet und mit denen parallel praktisch geflogen und die haben nur eingeklappt und alles weiter, eingeklappt und alles weiter. Und da habe ich gesagt, nein, nein, das ist nichts. Ich sehe halt jetzt, ich bin eine Zeit lang beides geflogen und jetzt nur noch Gleitschirm. Also die Gleitschirme sind wesentlich, wesentlich besser geworden. Ich habe jetzt mehr Vertrauen drin. Das wackelt nicht mehr so wie ich das,

29:45Gerhard Ganter

das war mir halt so unangenehm, dass das so gewackelt hat am Anfang. Nein, das ist jetzt okay. Ich mache da gut mit. Aber ich bin ja lang genug Drachen geflogen, ca. 25 Jahre alle Meisterschaften, alle spanische Meisterschaften und lokale Meisterschaften, andalusische und Liga und so weiter. Ich bin also sehr intensiv Drachen geflogen. Hast du auch mal was gewonnen? Ja, Pokale habe ich ganz viele. Also andalusische Meisterschaft habe ich ab und zu gewonnen, ab und zu zweiter. Also die Boski -Meisterschaft haben wir in der Ostermeisterschaft gehabt, schon über 30 Jahre. Und da habe ich auch ab und zu gewonnen. Und dann war ich halt zweimal auf der Weltmeisterschaft im spanischen Team und ca. fünfmal auf der Europameisterschaft in Slowenien, in den Alpen, in Innsbruck da und verschiedene Orte halt.

30:36Lucian Haas

Kommen wir nochmal kurz auf Algarona. Jetzt, wenn die sagen, okay, du hast das hier aufgebaut, wir sind jetzt für die Gleitschirmflieger so berühmt wie Tarifa für die Keiter und sonst was. Bist du eigentlich mittlerweile Ehrenbürger von Algodonales? Weil die sagen hier, der hat schon viel für uns getan.

30:50Gerhard Ganter

Ja, das ist auch lustig. Ich war mal Festbürgermeister. Was heißt das? Und das heißt, also irgendeine Person, die was getan hat fürs Dorf oder die berühmt ist, einer ist ein Friseur, der hat ein Goya bekommen und so weiter und so fort. Und nee, das war schon schön für mich. Und dann macht halt der Bürgermeister eine Ansprache und übergibt den Schlüssel und dann war ich halt so Ehrenbürgermeister. Das war schon schön. Ist das dann für ein Jahr oder einen Tag? Nee, nee, das stand für ein Jahr und am nächsten Jahr kommt wieder so ein Steiner dran, irgendein Arzt oder sowas. Also es war schon schön. Und dann hat halt der Bürgermeister gesagt, ja, der ist, wie sagt man da, Konsul oder so.

31:36Gerhard Ganter

Der halt das in die Welt verbreitet hat.

31:40Lucian Haas

Wenn man jetzt die Bevölkerung hier anguckt in Algern und alles, gibt es eigentlich, wenn die hier so viele Flieger dann immer sehen, gibt es dann auch mittlerweile so was wie eine heimische Flieger -Community aus dem Dorf, die gesagt haben, wir wollen das auch lernen? Oder ist das eigentlich so, dass sie sagen, das sind diese komischen Internationalen, die Touristen, die kommen hier zum Fliegen, aber mir ist das alles suspekt. Die sind so erdverbunden, dass die lieber am Boden bleiben wollen. Naja,

32:03Gerhard Ganter

da spricht man natürlich sehr viel drüber hier. Inzwischen sind es irgendwie eine Handvoll oder zwei Handvoll. Und meine Söhne und ich, wir sind schon drei hier. Und dann insgesamt sind es keine zehn vom Dorf, die fliegen. Man hat das Gute in Reichweite und sieht es nicht oder schätzt es nicht. Die Fliegerei wird bei Weiden nicht mehr so gesehen wie damals. Also das ist jetzt hier gang und gäbe. Und die Leute bewundern das, dass der Himmel so bunt ist und dass so viele Leute kommen. Also so verrückt oder so gefährlich wird es inzwischen nicht mehr angesehen.

32:39Lucian Haas

Nun war ja auch am Anfang, war so alles wilde Fliegerei hier. Jetzt in den letzten Jahren sind auch in Spanien ist es etwas kontrollierter geworden. Es gibt Lufträume, wo früher jeder einfach reingeflogen ist und es war nichts. Und mittlerweile gibt es ja auch Diskussionen. Wie sieht hier die Lage rund um Algodonales damit aus?

32:55Gerhard Ganter

Das ist schon unser Problem mit den Lufträumen. Also hier unmittelbar in Algodonales haben wir bis 4000 noch was haben wir eigentlich kein Problem. Das ist kein Luftraum. Und 4000 noch was ist die TMA von Sevilla. Und die TMA von Sevilla ist fast ganz Andalusien. Die haben das mal eingerichtet, da hat keiner nichts gesagt. Und jetzt fliegst du ein klein bisschen nach Norden oder so und dann bist du in der TMA von Sevilla. Also die Streckenflüge hier, die gehen alle in die TMA von Sevilla. Die Leute laden das trotzdem hoch. Und da passiert gar nichts. Und das sehe ich auch im Moment nicht so gefährlich, weil die Flugzeuge fliegen da nicht rum. Die müssten eigentlich so einen Trichter machen, wie das üblich ist, in der Flugplatznähe.

33:43Gerhard Ganter

Die TMA tiefer und dann die CTR. Aber das ist ein bisschen chaotisch hier. Und jetzt sind wir dabei.

33:53Gerhard Ganter

Entweder, da kommt noch dazu, wenn man das genau sieht, dann ist ganz Spanien dürfen wir nur maximal 300 Meter hoch fliegen. Und das ist eine Regelung, die von den UL -Regelungen kommt. Für Gleitschirme gibt es keine spezielle Regelung. Also werden wir da reingeschmissen. Jetzt müssten wir eigentlich eine spezielle Regelung für Gleitschirme machen. Und die andere Alternative ist, Lufträume für die freie Fliegerei zu schaffen. Und da ist jetzt eine Kommission so eingerichtet oder so eine Agentur, die jetzt mit der Luftsicherheit spricht und mit den Gemeinden und mit den Fluginitiativen.

34:40Gerhard Ganter

Aber das geht sehr, sehr langsam voran. Also wir haben die Chance, dass die dann die TMA von Sevilla einschränken und dass wir hier den ersten freien Luftraum einrichten. Aber das sind Zukunftsvisionen. Da werden wir sehen, was da passiert. Aber

34:58Lucian Haas

du hast ja gesagt, hier um Algonales selber ist der Luftraum ja quasi noch frei. Also jetzt um den Hausberg

35:03Gerhard Ganter

selber herum kann man... Vom Luftraum her, von der TMA von Sevilla her ist das super hier. Aber da ist die andere Regelung. Eigentlich dürfte man in ganz Spanien überhaupt nicht fliegen, weil du fliegst vom Startplatz weg und bist über 300 Meter hoch. Wenn wir die UL -Regelung berücksichtigen, wo wir runterfallen sollen, dann dürfte man in ganz Spanien nicht fliegen. In Vietahita oder... Überall gilt das genauso. Aber da schaut im Moment niemand drauf.

35:34Lucian Haas

Das heißt, nur für so Wettbewerbe werden dann entsprechende Notams eingefordert oder eingerichtet, dass man sagen kann, jetzt dürft ihr...

35:42Gerhard Ganter

Wir haben bei der letzten Meisterschaft für die Gleitschirmflieger hier gehabt und da haben wir Notams gemacht. Und dann haben wir... Allerdings ist das ein bisschen so ein Auge zugedrückt worden. Also... Das ist dann gut gelaufen.

36:03Lucian Haas

Ein bisschen weiter östlich von hier gab es ja dann aber auch schon wirklich Probleme. Das war dann aber mit dem Luftraum vom Flughafen von Malaga, wo ja dann mal wirklich wohl nahe Begegnungen zwischen Gleitschirmfliegern und Flugzeugen gab, wo es dann hieß, okay, da wurden ja richtig auch ganze Fluggebiete quasi zugemacht.

36:22Gerhard Ganter

Genau. Ich will das ein bisschen näher erklären. Und daran sieht man, dass wir heute ein bisschen mehr drauf schauen, was man da von richtig nehmen kann. Also da gab es also in der CTR von Malaga, gab es also Begegnungen. Drei sind veröffentlicht worden und so. Und es gab auch in Wirklichkeit viel mehr Begegnungen. Da in Valladolach ist, da sind die Flugzeuge öfters unter den Gleitschirmen durchgeflogen. Und aus dem Flugzeug konnte man den Startplatz ganz gut sehen. Und es ist halt genau die Einflugsreise, die Piloten können Sichtflug wählen und können da so tief runter, wie sie wollen. Und dann ist das genau die Richtung von der Piste, also genau über den Startplatz von Valladolach ist.

37:11Gerhard Ganter

Und jetzt kam halt jetzt zur Diskussion, da darf man nicht mehr fliegen und so weiter und so fort. Dann hat der Bürgermeister gesagt von Valladolach ist, ja, das ist ein Capital de Vuelo, das ist die Hauptstadt des Fliegens. Das war schon immer so und ist auch immer so. Und das geht natürlich nicht. Jetzt ist halt so, dass das mehr kontrolliert wird. Die Polizei kontrolliert den Startplatz ab und zu. Und die können also angeblich die Ausrüstung abnehmen und bis zu 6.000 Euro Strafe. Das heißt, da ist das Fliegen wirklich untersagt? Ja, aber das ist Käse, dass wir jetzt sagen, das war jetzt jetzt verboten. In Deutschland oder so wäre nie jemand auf die Idee gekommen, da jemals zu fliegen.

37:56Gerhard Ganter

Oder da wäre gleich ein Helikopter gekommen, hätte ich runtergedrückt. Also das ist nicht, dass wir was kaputt machen, was mal war, sondern das war gut. Ich bin damals auch da geflogen. Aber wir haben in der Gruppe einen Pilot gehabt von Air Europa und der hat uns das erklärt. Und wir sind da nach Locha geflogen und so. Wir sind aber relativ tief weg geflogen und haben das schon berücksichtigt mit den Flugzeugen.

38:25Lucian Haas

Jetzt nochmal nach Algodonales, eine andere Geschichte, nicht Luftraum, sondern was man hier häufig begegnet, sind die vielen Geiern, die hier rumfliegen.

38:33Gerhard Ganter

Ja, die sind hier.

38:37Gerhard Ganter

Magst du diese Tiere? Ich mag die sehr und die Leute sind auch begeistert. Das ist so toll. Selbst die Naturbehörde hat immer wieder Leute hier, die mit dem Fernglas schauen, wie das läuft. Und so mit den Vögeln, mit den Gleitschirmfliegern. Also früher gab es Schilder, wir müssten 300 Meter horizontal wegbleiben und vertikal, also 500 Meter über den Nestern und so. Und die Schilder sind inzwischen weg. Die Naturschützer haben das eingesehen. Die Geier kommen manchmal zu uns und fliegen mit uns. Manchmal hat man den Eindruck, dass die hier vorausfliegen und die Steigen andeuten. Und die fliegen ganz nah mit zusammen.

39:23Gerhard Ganter

Und die Leute sind begeistert. Und die greifen niemals an. Die greifen auch zum Fressen also nichts an. Die essen nur was und die könnten gerne ein Kaninchen angreifen oder sonst was. Die haben noch nie ein Gleitschirm angegriffen oder so.

39:41Gerhard Ganter

Das Höchste, was ich mal gehört habe, ich bin mal nah am Nest vorbeigeflogen, hat einer so geknurrt. Das Geräusch kann ich gar nicht nachmachen. Also das war das Extremste bisher. Und

39:53Lucian Haas

da ist auch noch nie so ein Vogel in die Leinen geflogen. Also

39:55Gerhard Ganter

können die die irgendwie sehen? Das ist bewundernswert. Ich kapiere das auch nicht. Weil das ist ja der Gleitschirm und da ist der Pilot. Und die Leinen sind ja so dünn und immer dünner. Aber irgendwie müssen die das checken. Ich weiß auch nicht wie.

40:12Lucian Haas

Vor zwei oder drei Tagen beim Fliegen ist es mir mal passiert. Ich war dann auch mit drei in einer Thermik. Also drei Geiern und noch ein paar anderen Gleitschirmfliegern. Und dann haben alle links rum gedreht. Die Geier erst am Anfang auch. Dann haben sie aber dann mit einem Mal, alle Geier, die da waren, haben Drehrichtung geändert. Und dann ist einer der Gleitschirmflieger, dummerweise eigentlich, der hat dann gesagt, wenn die jetzt rechts rum drehen, dann drehe ich jetzt auch rechts rum. Dann ist er denen gefolgt. Aber kaum war er ihnen dann rechts rum gefolgt, haben die Geier wieder umgedreht und andersrum gefolgt. Da habe ich überlegt, ob die Geier vielleicht sogar lieber andersrum drehen als wir drehen, weil sie uns dann besser im Blickfeld halten können, als wenn man denen hinterher fliegt. Und die das vielleicht gar nicht so gut sehen. Hast du da auch solche Erfahrungen?

40:53Gerhard Ganter

Also ich mache es selber lieber andersrum. Also wenn der Geier rechts rum kreist, kreische ich links rum. Ich habe es irgendwie so mehr unter Kontrolle. Weil es ist doch nicht genau gleich, wie die Geier fliegen und steigen. Also man kann in der Thermik genauso steigen wie der Geier, wenn man es richtig macht. Aber die Kontrolle habe ich eher, wenn ich entgegengesetzt fliege. Was meinst du mit Kontrolle? Also du spürst die Luft besser? Ja.

41:21Gerhard Ganter

Also erstens will ich ablesen, wo der gut steigt. Und zweitens will ich vermeiden, dass er mit mir zusammenstößt. Also es gibt manchmal Situationen, die hängen ja in der Luft ohne irgendwelche Energie. Die haben ja die Lockstellungen in den Schultern und hängen da drin und manchmal schauen die nach außen. Lockstellung heißt, die können die Flügel einrasten quasi? Die haben zwei Einraststellungen. Einmal für ausgestreckte Flügel. Im Thermikflug. Und dann, wenn sie aus der Thermik rausgehen, machen sie ja die Flügel runter. Und stellen die Achseln um auf den Schnellflug. Ein bisschen angewinkelt und dann haben sie ein Sau Tempo. Und super Gleitleistung. Da hat ja kein Drachen und niemand keine Chance. Und jetzt habe ich schon ab und zu erlebt, dass die nach außen schauen.

42:11Gerhard Ganter

Da gäbe es einen Zusammenstoß normalerweise. Und dann schreie ich und dann macht er so einen Stall, so eine Vollbremsung. Und geht runter. Das heißt, Rufen hilft? Ja, ja. Also hören tun sie. Auf jeden Fall. Nein, nein. Die erschrecken erstmal und machen so, wie wenn sie rein landen. Muss man spanisch rufen oder geht es egal? Es ist egal. Nein, nein. Die reagieren. Die reagieren

42:35Lucian Haas

also sofort. Aber mir ist auch aufgefallen, bei zumindest so den schwachen Thermiken, die man relativ großflächig ausdrehen kann, steigen die nicht besser, als wir Gleitschirmflieger das eigentlich machen.

42:45Gerhard Ganter

Also ich habe mit den Drachen gelernt, enger zu kreisen. Also ich habe mal einen gehabt. Da war ich auch beim Videomachen für den Gunther Gipphardt. Und da ist eine Kamera da auf dem Helm und so. Und dann waren da zwei Geier unter mir. Und die sind immer näher gekommen. Nein, das geht nicht. Das geht nicht. Dass die mich überholen, das geht nicht. Und dann halt enger und enger. Und dann sind wir auf den gleichen Abstand gestiegen und alles perfekt. Und das wiederhole ich halt immer wieder. Und das, also ich glaube, das ist ja auch ein Übungseffekt, mit den Geiern zu fliegen. Ist ja oft der Fall, dass die irgendwie am Südosthang, sind sie auf der Nordostseite da in der Bucht. Und die gehen da hoch und dann fliegen wir dahin, fliegen mit denen hoch.

43:33Gerhard Ganter

Also das ist sehr, sehr oft, dass die uns die Thermik zeigen.

43:36Lucian Haas

Wie ist das mit Streckenflügen? Gehen die selber auch auf Strecke oder fliegen die immer nur vor ihren Felsen rum? Oder kann man mit denen sagen, der fliegt jetzt weg, ich fliege mit dem weiter und immer hinterher. Und der wird es mir schon zeigen, wo sie gehen.

43:46Gerhard Ganter

Ja, das sind zwei interessante Themen. Also die fliegen viel aus Spaß an der Freude. Die fliegen viel am Hausberg rum, hin und her, rauf und runter. Also da geht es nicht um das Essen suchen. Aber es gibt Naturschützer, die haben ab und zu Antennen hier auf dem Berg oben. Und die haben Geier mit dem Ding dran, mit dem Responder. Und die tun Geier beobachten, die 200 Kilometer wegfliegen von hier zum Essen suchen. Die haben also bestimmte Hungersnot, die Geier. Weil wir haben hier am Hausberg ca. 500 die hier nisten. Wir haben den Safra Magron, den Fels nördlich von uns. Das ist ein kleines Naturschutzgebiet. Und da sind die gezählt, das sind 503 nach der letzten Zählung.

44:34Gerhard Ganter

Und dann haben wir den Naturpark von Grasalema. Da sind bestimmt viel mehr als 500. Also auf einer kleinen Fläche haben wir 1500 Geier. Die können angeblich 30 bis 50 Tage aushalten, ohne zu essen. Nur trinken müssen sie zwischendurch. Aber trotzdem, bei so einer riesen Menge, die brauchen was zu essen. Jetzt gibt es also Dinge, die mit Schlachtabfällen gefüttert werden. Und zwar ist das absichtlich nicht so, dass das in der Nähe ist von hier. Sondern im Moment gibt es einen Futterplatz in Arcus. Und da schütten die halt ein Kübel von Schlachtabfällen. Und die Geier streiten sich da drum. Die kriegen also auf die Weise ein bisschen was zu essen.

45:20Gerhard Ganter

Wie weit ist es von hier bis Arcus zu fliegen? Ach so, mit dem Auto sind es 50 Kilometer. Luftlinie sind es wahrscheinlich 40 oder sowas. Das heißt, wenn die zum Fressen fliegen, könnten wir mit denen auf Strecke gehen. Und sagen, man landet am letzten Ende. Ach so, das mit dem Streckenfliegen ist natürlich auch. Das kommt sehr, sehr oft vor. Du fliegst jetzt von hier irgendwie nach Ronda oder nach Olvera. Oder weiter. Und wenn man dann Geier trifft auf der Linie, dann ist man auf der richtigen Linie. Und das kommt also oft vor, dass man... Ich schaue immer, ich schaue sehr intensiv immer auf Vögel, auf Geier, ob man da was irgendwo sieht. Und wenn die halt irgendwo kreisen, nichts wie hin. Also die haben mich schon oft vom Absaufen gerettet. Und es sind immer wieder Berichte von den Leuten, die hier auf Strecke gehen.

46:08Gerhard Ganter

Und der Geier hat mich gerettet. Also das ist eine tolle Sache. Und das ist immer wieder ein großes Erlebnis.

46:16Lucian Haas

Von dem Ganzen, ich meine, du fliegst jetzt 30 Jahre hier. Gibt es irgendwie so was, einen Highlight -Flug, wo du sagst, das war der Flug meines Lebens, den ich hier in der Gegend gemacht habe?

46:27Gerhard Ganter

Ach so, ja. Mit einem Drachen bin ich mal weiter wie Granate geflogen. Das war schon ein toller Flug. Und so Erlebnisse mit den Geiern, das kommt immer wieder vor. Und klar, auch die, wie sagt man da, Meteorologie. Die Aerodynamik oder wie sagt man da. Also das kommt hier oft vor. Zum Beispiel am Südostlandeplatz. Da bist du ganz, ganz tief. Da bist du schon aufs Landen vorbereitet. Und das geht nochmal hoch. Das sind natürlich die schönsten Thermikläden, wenn man so denkt. Der Flug ist fertig und jetzt geht es nochmal. Das finde ich irgendwie was Typisches hier. Und wahrscheinlich, Lucian, du weißt das besser. Hier wird halt irgendwie die Sonne nicht so stark.

47:14Gerhard Ganter

Der Boden wird so aufgewärmt, dass die Thermik oft von ganz unten kommt. Und dann habe ich andere Gebiete erlebt in den Alpen. Und da mit 500 Metern machst du nichts mehr. Da bist du unten. Weil die Hänge da sich aufwärmen und weil es da irgendwie thermisch anders zugeht.

47:33Lucian Haas

Nun hat man ja hier auch häufig so, wie du auch vorhin schon sagst, diese wechselnden Windsysteme. Du startest morgens auf Südost. Und der Wind dreht sich. Der Wind dreht dann ja auch entsprechend auf Süd. Und irgendwann am Nachmittag kommt er immer aus West. Ist das etwas, mit dem man eigentlich immer rechnen kann? An klassischen Schwachwindtagen, wo ich dachte, eh, der Nordwind bläst so stark, dass es ganz

47:53Gerhard Ganter

kalt ist.

47:53Lucian Haas

Das hast du

47:54Gerhard Ganter

sehr gut gecheckt und sehr gut beschrieben da mit dem Wind und so, mit den Einflüssen. Also wir haben halt eben Einflüsse vom Mittelmeer und vom Atlantik. Vom Mittelmeer sind wir relativ geschützt. Wenn der Levante reindrückt, dann drückt er bei manchen Tälern weiter ins Landesinnere. Und das können wir auch ausnutzen beim Streckenfliegen. Da fliegt man ein bisschen mehr nördlich und gewinnt ein bisschen nach Norden. Und dadurch kommt da Konvergenz zustande. Aber da muss man sich schon recht gut auskennen, dass man das ausnutzt. Also der Nacho da, der hat es drauf. Oder der Ramon. Und der Nacho hat also auch über 2 Meter. 300 Kilometer geflogen im Gleitschirm.

48:41Gerhard Ganter

Und das Dreieck, das größte Dreieck war 158, so was. Also schon stolze Flüge. Wir haben ja hier nicht das Gebiet zum großen Streckenfliegen. Den Vorteil, den wir haben, ist die Flughäufigkeit. Wir fliegen also sehr, sehr häufig, fast jeden Tag. Das sehe ich hier den großen Vorteil.

49:03Lucian Haas

Von der Entwicklung her, du hast ja auch Kinder. Deine Söhne sind jetzt quasi mit im Geschäft mit drin. Werden die das dann einfach übernehmen? Und das wird hier so eine Gunterfly -Dynastie?

49:15Gerhard Ganter

Also das ist schon passiert. Ich bin jetzt der Renner inzwischen. Und das läuft jetzt alles auf meine zwei Söhne. Ich bin da ganz, ganz happy, dass die weitermachen. Der Carlos und der Manuel. Das Ding ist halt, die Fliegerei hier oder das Fluggebiet ist halt mein Baby. Das habe ich halt in so vielen Jahren. entwickelt und dafür gekämpft. Jetzt läuft das alleine. Ich mache schon lange keine Werbung mehr. Und es kommen mehr und mehr Leute. Die Leute, die kommen, kommen immer wieder. Und jetzt läuft es alleine. Das ist ein Selbstläufer, sagt man da. Und jetzt soll ich das hinschmeißen. Das wird mir halt wehtun. Also deshalb bin ich sehr froh, dass die weitermachen. Und ich bin auch dabei.

49:59Gerhard Ganter

Ich fliege jetzt ein bisschen mehr. Ich bin manchmal so als Libero dabei. Und dann komme ich halt zum Fliegen. Und es macht mir halt so Spaß. Das heißt,

50:10Lucian Haas

insgesamt hast du vier Kinder. Ich glaube, zwei Söhne, zwei Töchter. Und ein fünftes Kind, das Fluggebiet.

50:16Gerhard Ganter

Nein, mit den Kindern hast du dich verzählt. Weil zwei Söhne und eine Tochter. Und das Baby. Ja,

50:26Gerhard Ganter

das ist mein Baby. Manche Leute werden das verstehen, die ein Unternehmen aufgebaut haben. Da hängt man dran irgendwie. Das geht nicht nur um die Ökonomie. Das geht irgendwie, das ist innerlich was. Okay. Carlos. Ach, Carlos.

50:45Gerhard Ganter

Danke

50:46Lucian Haas

für diese schöne Geschichte. Ich denke, das ist ein schöner Abschluss mit dem Ausblick, was dann jetzt mit deinem Kind hier noch, also das Fluggebiet als Kind, das auch noch weiter wachsen darf. Danke dir für die Erzählung. Und weiterhin viele schöne Flüge mit den Geiern hier.

51:00Gerhard Ganter

Ja, vielen, vielen Dank. Also. Und ich wünsche auch allen Besuchern schöne Zeit hier.

51:07Lucian Haas

Das werden sie sicherlich haben, zumindest wenn auch das Wetter so schön ist wie heute.

51:21Lucian Haas

Das war Gerhard Ganter im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du noch mehr über das Fluggebiet von Algodonales erfahren willst, so findest du auf meinem Blog Fluglights eine ausführliche Beschreibung der Startplätze. Der Link hierzu, wie auch zu weiteren Infos, ist in den Shownotes zu diesem Podcast zu finden. Wer sich für die Unterkunft - und Betreuungsangebote von Gantafly interessiert, der sollte auf die zugehörige Website schauen, www.gantafly.de. Wenn dir dieser Podcast gefallen hat, dann vergesse nicht, meine Arbeit an Podz-Glidz und dem Blog Luglights zu unterstützen, als freiwilliger Förderer. Wie viel du als Förderbeitrag geben willst, bleibt ganz dir überlassen. Wer sich unsicher ist, dem empfehle ich als unverbindlichen Richtwert einen Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Luglights.

52:10Lucian Haas

Zahlungen sind ganz einfach per PayPal. Du findest die Daten auf der Webseite von Luglights und zwar dort auf der Seite Fördern. Wenn du zudem keine neue Folge von Podz-Glidz mehr verpassen willst, dann kannst du den Podcast auch direkt in vielen bekannten Audiodiensten liken und abonnieren, unter anderem Spotify, iTunes, Google Podcast und Soundcloud. Zudem findest du dort im Archiv schon viele weitere Folgen. Die meisten davon sind so zeitlos, dass man sie jederzeit nachhören kann. Bleib gesund und bis zum nächsten Mal. Und geht bald mal wieder mit Spaß in die Luft. Ciao!

·top