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57. Nübeltäter - Manuel Nübel

// Manuel Nuebel, Lucian Haas · 2021-05-28 · 01:08:04 · original episode

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[show notes]
Manuel Nübel nimmt 2021 zum vierten Mal an den Redbull X-Alps teil. Aus dem Wettbewerb wie durchs Fliegen allgemein hat er schon viel fürs Leben gelernt. +++ Wer seit Jahren die Redbull X-Alps etwas intensiver verfolgt, dem ist ein Name sicher schon aufgefallen: Manuel Nübel. Der deutsche Pilot aus Kempten im Allgäu nahm 2015 mit einer nur Monate zuvor gebrochenen und mit Draht geflickten Kniescheibe erstmals an dem Hike-and-Fly-Wettbewerb teil. Da kam er auf den respektablen neunten Platz. 2017 lief alles gut, doch kurz vor Ende musste er wegen eines Hitzschlags mit ausgelaugtem Körper aufgeben. 2019 wurde Manuel Fünfter, wobei er kurz vor Monaco mit einem bravourösen Flug über unlandbarem Gelände noch einige am Boden rennende Konkurrenten im Wortsinn überflügelte. In diesem Sommer tritt er wieder an, wenn am 20. Juni der Startschuss für die Redbull X-Alps 2021 in Salzburg fällt. Im gut einstündigen Gespräch, das wir fünf Wochen vor dem Start aufgezeichnet haben, erzählt der heute 33-jährige, was ihn an diesem Rennen so fasziniert. Ich spreche mit Manuel unter anderem über den Spaß, den ihm die X-Alps bereiten, aber auch über Ängste und seinen Umgang mit dem Risiko. Wir reden darüber, wie es ist, als Sportler zur Werbe-Projektionsfläche von Sponsoren zu werden, und was er aus solchen Extrem-Rennen für sein normales Leben gelernt hat. Es geht also um mehr als nur die X-Alps. Manuel erzählt auch von den jugendlichen und schnell erfolgreichen Anfängen seiner Fliegerkarriere, seiner Lust an der Geschwindigkeit; Panikattacken vor Flügen und warum er als Tier gerne eine Dohle wäre. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://www.lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Song: Airborne | Künstler: Quincas Moreira No Copyrith Audio Library, Download: https://www.youtube.com/watch?v=cjUBMB0to-k

[transcript]

0:16Manuel Nuebel

Das ist ja schon beim normalen Gleitschirmfliegen so, aber bei den X -Lives einfach nochmal ein bisschen krasser, wenn man sich mal überlegt, bevor man Flieger war und man ist in den Urlaub gegangen und hat versucht, irgendein Land zu sehen oder eine Gegend, dann läuft man da fünfmal durch die Stadt durch und hat halt nur so einen kleinen Bruchteil gesehen und beim Gleitschirmfliegen, da gehst du nur einmal an einen Soaring -Spot, hebst einmal ab und siehst das von oben und hast in fünf Minuten so viel gesehen wie andere wahrscheinlich in ein, zwei Tagen und bei den X -Lives ist es halt auch so, man kommt bei den tiefsten Almen, Öhis vorbei, läuft auf die Berge hoch, läuft durch Städte und sieht alles von oben, lernt wirklich fast die ganzen Alpen mittlerweile sehr gut kennen, dass man sich wirklich auskennt und weiß auch, wie es da ausschaut und ja, allein schon die Erfahrungen sind auch wieder was, was man eigentlich, glaube ich, in keinem anderen Sport und bei keinem anderen Event so kriegt.

1:17Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

1:20Manuel Nuebel

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

1:24Lucian Haas

Heute mit Manuel Nübel und Lucian Haas am Mikrofon.

1:31Lucian Haas

Wer seit Jahren die Red Bull X -Alps etwas intensiver verfolgt, dem ist ein Name sicher schon aufgefallen. Manuel Nübel. Der deutsche Pilot aus Kempten im Allgäu nahm 2015 mit einer nur Monate zuvor gebrochenen und mit Draht geflickten Kniescheibe erstmals an dem Hike -and -Fly Wettbewerb teil. Da kam er auf den respektablen neunten Platz. 2017 lief alles gut, doch kurz vor Ende musste er wegen eines Hitzschlags mit ausgelaugtem Körpern aufgeben. 2019 wurde Manuel fünfter, wobei er kurz vor Monaco mit einem bravourösen Flug über unlandbaren Gelände noch einige am Boden rennende Konkurrenten im Wortsinn überflügelte. In diesem Sommer tritt er wieder an. Am 20. Juni fällt in Salzburg der Startschuss für die Red Bull X -Alps 2021.

2:20Lucian Haas

Im gut einstündigen Gespräch, was wir Mitte Mai, also fünf Wochen vor Start, aufgezeichnet haben, erzählte er heute 33 -Jährige, was ihn an diesen Rennen so fasziniert. Ich spreche mit Manuel unter anderem über den Spaß, den ihm die X -Alps bereiten, aber auch über Ängste und seinen Umgang mit dem Risiko. Wir reden darüber, wie es ist, als Sportler zur Werbeprojektionsfläche von Sponsoren zu werden und was er aus solchen Extremrennen für sein normales Leben gelernt hat. Es geht also um mehr als nur die X -Alps. Manuel erzählt auch von den jugendlichen und schnell erfolgreichen Anfängen seiner Fliegerkarriere, seiner Lust an der Geschwindigkeit, Panikattacken vor Flügen und warum er als Tier gerne eine Dohle wäre.

3:05Lucian Haas

Bevor wir dazu kommen, erlaube ich mir aber noch einen kleinen Hinweis. Lu-Glidz und Podz-Glidz fallen nicht einfach so vom Himmel. Ich stecke als professioneller, freier Journalist viel Herzblut und auch viel Arbeitszeit hier hinein. Dabei ist mir meine Unabhängigkeit sehr wichtig. Deshalb finanziere ich Blog und Podcast nicht über Werbung, verstecktes Sponsoring oder fixe Abogebühren, sondern allein über freiwillige Zuschauer. So kann ich die Zuwendungen meiner Hörer und Leser. Zahlungen sind ganz einfach bei PayPal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern.

3:47Lucian Haas

Manuel, was ist ein Knuffel?

3:51Manuel Nuebel

Da hast du aber lange tief in die Kiste gegraben. Das ist einer meiner ersten selbst konstruierten Modellflieger gewesen. Ein kleines Akrobatik -Kunstflugzeug. Damals war ich noch ein bisschen jünger und vielleicht kam es dadurch zu dem Namen Knuffel.

4:09Lucian Haas

Was heißt ein bisschen jünger?

4:12Lucian Haas

So

4:13Manuel Nuebel

15 Jahre jünger.

4:14Lucian Haas

15 Jahre jünger als heute oder damals warst du 15 Jahre alt?

4:18Manuel Nuebel

Nee, genau 15 Jahre jünger als heute oder eigentlich sogar noch mehr ist mir gerade auffallend. Eher so 20 Jahre jünger. So circa 13 muss ich da gewesen sein, als ich den konstruiert habe.

4:28Lucian Haas

Das heißt, damals bist du intensiv mit Modellen fliegen gewesen. Wie bist du zum Modellfliegen gekommen?

4:34Manuel Nuebel

Das war schon immer so ein bisschen mein Traum. Ich habe wirklich ganz früh schon, ich schätze mal 5, 6 Jahre werde ich da gewesen sein oder noch jünger mit Modellauto angefangen und das hat mich fasziniert. Und dann habe ich wirklich mehrere Jahre meinem Arm gelöchert, dass ich unbedingt einen Modellflieger haben will, weil das halt so wirklich ein massiver Traum war. Ich habe mir das immer so genial vorgestellt, einfach einen Flieger dann komplett frei fliegen zu lassen und eben komplett dreidimensional in der Luft den steuern zu können. Und es hat echt einige Jahre gebraucht, aber irgendwann hat sie gemerkt, dass es wirklich nicht nur eine kleine Phase von mir ist, sondern wirklich ein ernsthafter Traum und hat mir das dann auch ermöglicht. Und ja, dann war ich im Modellfliegerverein und mit anderen Leuten, mit denen ich mich beschäftigt habe,

5:21Manuel Nuebel

die haben mir dann verholfen, da immer weiter in die Materie zu kommen.

5:25Lucian Haas

Du warst ja dann nochmal deutscher Jugendmeister. In welcher Disziplin eigentlich?

5:29Manuel Nuebel

Das war Aeromusical, also das bedeutet Kunstschluck in der Halle zur Musik. Das heißt, man hat so eine, ich glaube, zwei oder drei Minuten Kür, die man sich so zusammenmixen kann im Vorfeld und dann eben eine Choreografie, ein Kunstschluckmanöver zu der Musik abfliegen muss. Und da geht es halt eben darum, dass es möglichst synchron zur Musik ist. Auch der Schwierigkeitsgrad der Manöver ist entscheidend und auch so der Unterhaltungsgrad. Und ja, es gibt so verschiedene Kriterien, nach denen dann bewertet wird.

5:58Lucian Haas

Hast du dafür deinen Knuffel eingesetzt?

6:01Manuel Nuebel

Ja, ich denke, dass, ich habe mehrere, ich habe bestimmt sechs Jahre Aeromusical geflogen, deswegen weiß ich nicht mehr hundertprozentig, aber an der Anfangsphase war das so das Nonplusultra und ich vermute auch mal ganz stark, dass ich da dann auch mit dem geflogen bin. In der Halle

6:16Lucian Haas

war das ja, mit Musik. Ja. Dann war das eigentlich kein großes Flugzeug. Wie hat man sich so ein Ding vorzustellen? Ist auch fürchterlich leicht wahrscheinlich dann irgendwie, oder?

6:25Manuel Nuebel

Ja, das ist wirklich extrem leicht. Also es ist ein kleines Modell, was aus einem Hartschaum gefertigt wird und somit wiegt es eben nur so um die 130, 150 Gramm. Hat einen kleinen Elektromotor vorne dran und eine kleine Batterie und Akku und eben wird über drei Achsen gesteuert, also ist voll kunstflugfähig und hat auch, der Motor hat etwa dreimal so viel Schub, wie das Teil wiegt. Also kann man damit auch ganz schnell senkrecht aufsteigen und ja, somit sind da quasi keine Grenzen gesetzt, was so die Flugphysik angeht. Also das kann alles, was ein echter Flieger draußen auch kann und noch vieles mehr.

7:03Lucian Haas

Ich hatte schon mal eine Podz-Glidz -Folge. Das war die Nummer, ich glaube, 45 mit Paul Seeren, einem Fluglehrer und der ist auch Modellflieger. Nun macht der allerdings keine Indoor mit Musikmodell, die dann mit Motor angetrieben werden, sondern der baut spezielle Segelflugmodelle, die auch nicht ferngesteuert sind, sondern so eingestellt sind, dass die von, also er startet die, aber dann müssen die von selber, also kann die auch hochschleudern mit Gummischleuder oder sowas. Die sind dann aber so eingestellt, dass die sich im Grunde selber in Thermiken zentrieren können und sowas. Und er sagt, er hat davon ungeheuer viel gelernt, was dann auch Flügelschränkungen und Einstellungen von Flügeln und so weiter betrifft. Was hast du von der Modellfliegerei gelernt, was dir heute was fürs Gleitschirmfliegen bringt?

7:44Manuel Nuebel

Ja, auch extrem viel, würde ich auch sagen. Also das eine, was der Paul gemacht hat, den kannte ich übrigens auch vom Modellfliegen damals schon. Das sind da Freiflieger. Die sind ja nicht aktiv gesteuert, sondern eher vorher technisch eingestellt und dann fliegen die von alleine dann in bestimmten Weisen, wie man sie vorher einstellt. Was ich ja gemacht habe ausschließlich war ferngesteuerte Fliegerei. Und da ist es so, dass man natürlich die direkt die ganze Zeit steuert. Und da muss ich schon sagen, dass ich aber auch durch das sehr viel gelernt habe, weil man weiß dann eigentlich ziemlich genau, wie sich ein Flieger anfühlt, der zum Beispiel, oder auch wie er ausschaut, der kurz vor einem Strömungsabriss steht. Und wie sich das, also man steuert zwar, mit dem Fernsteuerungsknüppel, aber irgendwie ist dann wie so eine Verbindung zum Flieger da.

8:29Manuel Nuebel

Und man weiß ganz genau, wenn ich jetzt noch mehr ziehe, dann sieht man am Flieger, wie er zum Beispiel, wie er durchsackt oder die Strömung abreißt. Und dadurch kriegt man so ein Gefühl, was man dann auch sehr gut aufs echte Fliegen übertragen kann. Und natürlich hat man auch zudem noch die kompletten Grundlagen der Flugphysik komplett verinnerlicht. Und ja, somit weiß man halt einfach auch schon viel mehr, wie jetzt einer, der noch nie beim Modellfliegen war.

8:57Lucian Haas

Nun hast du deine Modellflugkarriere da quasi gehabt. Aber wie bist du dann zum Gleitschirm gekommen?

9:02Manuel Nuebel

Ja, es war eigentlich ganz witzig, weil ich hatte einen guten Kumpel, der Patrick, mit dem ich damals eben viel Modellflug gemacht habe. Viele Sachen, viele Projekte halt auch so durchgezogen habe über mehrere Jahre. Und der kam von der Schwäbischen Alb und hat schon immer erzählt, er war auch ursprünglich Hangflieger. Ich nicht, weil ich eben eher aus Karlsruhe, da gibt es nicht so viele Hänge. Und danach auch, wo ich gewohnt bin. Wo ich gewohnt habe, in Babenhausen im Allgäu, war es auch eher, sage ich mal, nur so sporadisch möglich. Und bei ihm war das aber halt so seine Hauptherkunft.

9:33Lucian Haas

Hangflieger heißt Modelle am Hang fliegen

9:35Manuel Nuebel

lassen. Genau, im Hangaufwind. Und da sind eben auch oft die Gleitschirmflieger nebendran gewesen. Und da hat er schon immer von den sogenannten Tütenflieger damals erzählt. Und irgendeines Tages kam er halt an und hat gemeint so, ja, hey, er fängt jetzt an mit dem Gleitschirmfliegen. Und ob ich nicht auch Lust hätte, mitzumachen. Und witzigerweise habe ich eigentlich gar nicht da so richtig gezogen. Und er hat gemeint so, ach, ich weiß nicht, noch ein Hobby. Und ich bleibe mal lieber beim Modellfliegen. Das macht mir eigentlich gerade noch ganz gut Spaß. Und dann hat er halt einfach seine Ausbildung angefangen. Und drei Wochen später hat er halt irgendwie sein eigenes Equipment gehabt. Und ja, war halt gerade so am Grundkurs fertig und kam dann vorbei. Und wie es der Zufall so will, war eben da gerade ein guter Tag, der das Hangfliegen bei uns in der Gegend ermöglicht hat. Und dann hat er mich halt einfach mal rangehängt an so einem mini kleinen Übungshang.

10:20Manuel Nuebel

Und ja, es lief ganz gut. Also man konnte gleich von Anfang an so ein paar Meter arbeiten. Abheben. Und das war sofort der Moment, dass ich wusste, also auf jeden Fall muss ich das auch machen. Da gab es dann gar keinen Zweifel mehr. Und dann habe ich mich auch für den Kurs angemeldet. Und von dort an ging es dann, war ich komplett gefesselt und habe nie wieder aufgehört, voll dafür zu brennen. Das

10:43Lucian Haas

heißt, seitdem hattest du dann auch nur noch Gleitschirmfliegen im Kopf oder bist du parallel schon auch noch Modell geflogen?

10:50Manuel Nuebel

Ja, also es ist so, dass natürlich tatsächlich, also die Hauptpriorität war dann wirklich das Gleitschirmfliegen. Ich bin noch nach wie vor Modell geflogen. Ich hatte ja auch eine Firma, von der ich gelebt habe zu dem Zeitpunkt und musste da auch eben meine Pflichten so erfüllen. Aber es wurde dann eben, wie ich gerade schon gesagt habe, peu à peu eher Pflicht anstatt Spaß. Also das Herz hat dann irgendwann für das Gleitschirmfliegen gebrannt und dann mal für das Modellfliegen. Zudem hat es sich auch so ein bisschen gebissen, da die fragilen Modellflieger, die ich da vorher eben so konstruiert habe und die wir auch mit der Firma verkauft haben, sich eigentlich beißen mit schwerer Gleitschirmausrüstung im Urlaub. Somit wurde dann auch der eine oder andere Flieger mal bei einem Urlaub irgendwie zerdrückt. Und dann, ja, irgendwann macht es dann halt weniger Spaß.

11:36Manuel Nuebel

Und ich habe dann später noch, und das mache ich auch heute noch, eben diese Gleitschirmmodelle von Sascha Rentl geflogen. Und das ist nach wie vor etwas, was mir sehr viel Spaß macht, weil man mit denen halt auch Sachen ausprobieren kann, die man sich vielleicht in echt nicht traut. Oder man am Lager vorher halt einfach ein bisschen rumfliegen kann, ein bisschen Akrobatik fliegen mit dem Modellflieger. Und die kann man eben auch selbst ins Gurtzeug stecken. Da kannst du sogar, wenn du schon auf einer Almwiese oben eingelandet und dann dort geflogen, mit einem echten Gleitschirm, weil die halt komplett flexibel und stabil sind. Das mache ich heute auch noch.

12:12Lucian Haas

Wie alt warst du dann, als du mit dem Gleitschirmfliegen angefangen hast?

12:15Manuel Nuebel

Das war so Ende 17.

12:17Lucian Haas

Du hast ja dann auch relativ bald auch angefangen, das relativ sportlich zu betreiben. Hast dann auch Wettbewerbe mitgemacht. Mittlerweile warst du, glaube ich, schon zweimal deutscher Meister und warst in der Nationalmannschaft. Was siehst du denn aus dieser Zeit so für dich als den größten oder die größten sportlichen Erfolge?

12:38Manuel Nuebel

Ja, also ich würde definitiv sagen, der erste World Cup -Sieg war absoluter Meilenstein.

12:43Lucian Haas

Das war in der Türkei, oder?

12:45Manuel Nuebel

Ja, genau. Und ja, da ging auch über fünf Tage. Also mal so ein Wettkampf, zu gewinnen mit einem Task, das geht ja noch. Da kann mal sehr viel Glück involviert sein. Aber es waren eben fünf gute Tasks, die wir da geflogen sind. Natürlich ist immer noch Glück mit dabei. Das muss man sich nichts vormachen. Aber das war halt wirklich cool, da wirklich so einen kompletten Wettkampf eben zu gewinnen. Ja, das. Und dann halt beim Hike & Fly definitiv halt, eigentlich, ich würde sagen, nach Monaco zu kommen, ist schon so ein großer Meilenstein. Ich weiß jetzt nicht, was ein größerer ist, das erste Mal nach Monaco zu kommen oder das zweite Mal. Und dann am fünften Platz jetzt eben, weiß ich nicht. Monaco war immer das Ziel.

13:26Lucian Haas

Monaco heißt jetzt natürlich, okay, Red Bull X -Alps. Da sind wir jetzt beim Thema, was demnächst für dich wieder ganz obenauf natürlich steht. Im Juni startest du dann zum vierten Mal bei den Red Bull X -Alps. In einem Interview im DHV -Info, dem letzten, was jetzt gerade rausgekommen ist, da hast du gesagt, ich zitiere einfach mal, an den X -Alps nimmt man nicht wegen Geld und Berührung, sondern weil man nicht so viel Geld hat. Warum dann? Also was ist deine Motivation, an so einem Wettbewerb teilzunehmen?

13:56Manuel Nuebel

Also am Anfang würde ich sagen, war es vielleicht die Motivation, oder war es zum großen Teil die Motivation, dass es halt einfach der größte Gleitschirm -Hike & Fly -Wettkampf ist, den es gibt und der halt einfach wie so ein bisschen die größte Hürde oder die größte Herausforderung an einen selbst stellt. Und auch, es fängt schon im Training an, wirklich das über ein Jahr vorher durchzuziehen mit dem Ausdauerstrecken. Ja. Das ist ein Ausdauertraining, wo man wirklich, das können sich manche nicht vorstellen, wie viel Arbeit das wirklich ist und wie viel Durchhaltevermögen man da auch wirklich braucht. Bis hin, also oder eigentlich erst mal angefangen bei der Entscheidung, weil jeder, der sich mit den X -Alps auseinandersetzt, jeder Flieger weiß, was da auf einen zukommen kann und dass man halt einfach in Situationen kommen kann, wo es extrem gute Nerven, extrem starkes Mindset braucht und extreme, ja, halt Entscheidungen getroffen werden muss.

14:50Manuel Nuebel

Und ja, ich hab tatsächlich, als ich 2015 mich angemeldet hab, hab drei Anläufe gebraucht. Also ich hab mich angemeldet, äh, nicht angemeldet, ich hab das in meinem Kopf entschieden, dass ich mitmache. Und dann dachte ich mir wieder, oh, oh ne, oh ne, als ich wieder irgendwelche Storys gehört hab, wo die Leute eingeschlafen sind im Flug oder irgendwie rückwärts fliegend in den Gewitter, vor dem Gewitter geflüchtet sind oder irgendwie sowas, dachte ich, nee, warum tust du dir das an? Nee, kommt, das ist viel zu gefährlich. Hab wieder aufgehört. Dann irgendwann ein paar Monate später hab ich wieder gedacht so, ach komm, eigentlich musst du es echt machen. Das, das, das hast du doch im Griff. Und dann nochmal zurückgezogen. Und erst beim dritten Mal hab ich gesagt, so, und jetzt sag ich sofort jedem, damit ich einfach nicht mehr zurück kann. Und hab dann eigentlich erst halt auch gemerkt, bei der ersten Teilnahme, was die X -Apps sind. Und dadurch sind es, ist aber echt ein bisschen vielleicht auch zu, ähm, zu was anderem geworden für mich.

15:36Manuel Nuebel

Also am Anfang war es halt wirklich so dieses krasse sportliche Wettkampf, äh, Ehrgeiz und, ähm, ja, halt einfach der Wettkampf. Und dann durch diese Erfahrung beim Wettkampf sind's danach dann einfach mehr die Erfahrung und das Abenteuer geworden. Weil, ähm, halt die Zeit, die ist wirklich so intensiv gewesen in, äh, allen Episoden. Und einfach die Eindrücke, äh, die, die, die sprengen komplett jegliches Vorstellungsvermögen. Und halt einfach auch der Spaß oder halt diese, diese positiven Eindrücke, die man da mitnehmen kann im Nachhinein und auch beim Rennen. Das ist das, warum ich jedes Mal wieder mitmach. Und, äh, klar ist da auch noch ein sportlicher Ehrgeiz mit dabei. Definitiv. Ähm, aber, ähm, ja, ich würd jetzt nicht sagen, dass ich das weniger sportlich angehe,

16:22Manuel Nuebel

äh, äh, in den nächsten, äh, in den späteren Episoden. Aber der Bewegungsgrund, äh, kommt auch noch mehr von anderen Bereichen, äh, wo jetzt, sag ich mal, das Sportliche nicht nur der ausschlaggebende Grund ist.

16:34Lucian Haas

Du hast jetzt grad Spaß gesagt. Worin liegt für dich der Spaß in den X -Alps?

16:39Manuel Nuebel

Ja, also, weiß nicht, ob Spaß vielleicht das allerbeste Wort ist, aber doch, also, ich würd sagen, das, äh, fängt an, sobald das Rennen losgeht. Da denkt man sich so, ja, ja. Jetzt, äh, ist endlich diese ganze Orga -Zeit vorbei, Trainingszeit vorbei, endlich loslaufen. Und dann mach ich das ganze Rennen. Man läuft durch schöne Gegenden. Man läuft auf Berge. Man hat manchmal Ruhe. Man hat Team. Man hat auch manchmal Trubel. Man muss, äh, mit seinem Team funktionieren, ähm, in der Luft. Äh, man kann sich battlen mit anderen, ähm, äh, ja, also messen, auch Geschwindigkeit spüren, taktische Entscheidungen, äh, ja. Das ist alles, sind alles Sachen, die mir extrem viel Spaß machen. Dann, äh, natürlich die Eindrücke, Erfolge, Niederlagen auch tatsächlich. Also, halt auch grad, äh, so, wenn man mal, äh, dann zum Beispiel am Boden war und irgendwas falsch gemacht hat und danach dann wieder rankommt und so Höhen und Tiefen, sind halt alles so Emotionen, die einen irgendwie prägen und, äh, die einen im Ganzen dann auf jeden Fall sehr viel geben.

17:39Lucian Haas

Mhm. Da ist so eine ungeheure Intensität dabei. Ja. Also auch Lebensintensität, die man da spürt, weil man alles Ja. in zwei Wochen total komprimiert hat. Von, ja, wie du sagst, Höhentiefen und allem Möglichen.

17:51Manuel Nuebel

Oder auch zum Beispiel, dass man halt auch einfach, das ist ja schon beim normalen Gleitschirmfliegen so, aber beim X -Tab ist es einfach nochmal ein bisschen krasser. Wenn man sich mal überlegt, äh, bevor man Flieger war und man ist in den Urlaub gegangen und hat versucht, irgendein Land zu sehen oder eine Gegend, dann läuft man da fünfmal durch die Stadt durch und hat halt nur so einen kleinen Bruchteil gesehen. Und beim Gleitschirmfliegen, da gehst du nur einmal an einen Soaring -Spot, hebst einmal ab und siehst das von oben und hast in fünf Minuten so viel gesehen wie andere wahrscheinlich in ein, zwei Tagen. Und, äh. bei den X -Alps ist es halt auch so, man kommt bei den tiefsten, äh, Alm -Öhis vorbei, ähm, läuft auf die Berge hoch, läuft durch Städte, äh, und sieht alles von oben, lernt wirklich fast die ganzen Alpen mittlerweile sehr gut kennen, dass man sich wirklich auskennt und weiß auch, wie es da ausschaut. Und, ja, allein schon die Erfahrungen sind auch wieder

18:38Manuel Nuebel

was, was man eigentlich, glaube ich, in keinem anderen Sport und bei keinem anderen Event so kriegt.

18:42Lucian Haas

Aus Spaß kann ja auch ernst werden. Also, was ist mit dem Risiko bei so einem Experiment? Wie geht es dir damit um?

18:50Manuel Nuebel

Ja, ähm, wie gehe ich damit um? Also, prinzipiell bin ich ein Typ, der eher mal zu viel Angst hat, wie nötig, glaube ich. Also, ich habe manchmal halt auch so Blockaden und früher war das ganz extrem oder krasser auf jeden Fall, dass ich eigentlich wusste, ich kann viele Sachen und eigentlich, wenn ich logisch und rational über die Sachen nachgedacht habe, gab es wirklich keine Gründe, da jetzt erhöhte Gefahr zu sehen. Nur trotzdem jedes Mal, wenn ich dann in die Situation kam, das machen zu müssen oder so, hat mir so eine innerliche Angst halt einfach mich dazu bewogen, eine sichere Entscheidung zu treffen. Und die war manchmal ein bisschen vielleicht zu safe oder, was heißt zu safe, zu safe gibt es vielleicht nicht, aber so, wo man sich dann im Nachhinein denkt, wenn man am Boden steht, ach mei, jetzt fliegen wieder die ganzen anderen da weiter und es gab doch eigentlich keinen Grund dafür, jetzt so eine Angst zu haben.

19:43Manuel Nuebel

Aber trotzdem glaube ich im Nachhinein oder so generell, dass das halt eigentlich nichts Schlechtes ist, weil es halt einfach einen davor beschert oder bewahrt, besser gesagt nicht beschert, bewahrt, zu oft in gefährliche Situationen zu kommen.

20:00Manuel Nuebel

Und prinzipiell würde ich sagen, dass halt je mehr Routine man hat,

20:06Manuel Nuebel

ja, umso sicherer und umso klarer kann man auch diese Entscheidung treffen und das auch abschätzen, was man gerade macht und wie sehr, wie gut man das macht. Und wie sehr man da sich einer Gefahr aussetzt.

20:21Lucian Haas

Nun ist ja sicherlich eine Gefahr bei den X -Alps dadurch, dass sich alle irgendwie auch gegenseitig pushen und man sich dann auch traut, bei bestimmten Wetterbedingungen fliegen zu gehen und bei starkem Wind und so weiter sagt, ja, der fliegt trotzdem auch noch, also ich müsste vielleicht auch, sonst hängt er mich jetzt voll ab und so was. Wie häufig bist du jetzt zumindest rückblickend bei den früheren X -Alps, drei hast du ja jetzt schon mitgemacht, wie häufig bist du da schon gefühlt so über deine eigenen Grenzen auch gegangen? Wo du sagst, würde ich jetzt nicht machen, aber ich blende es einfach aus, ich muss hier.

20:53Manuel Nuebel

Ich würde sagen, eigentlich fallen mir gerade spontan keine Situationen ein, wo ich über meine Grenzen gegangen bin, weil es andere gemacht haben.

21:04Manuel Nuebel

Was ich schon, was bei den X -Alps definitiv passiert ist, dass ich über meine Grenzen gekommen bin, ohne dass ich es wollte. Also das war halt zum Beispiel 2015 so, wo ich halt einfach die Südalpen in Frankreich nicht so perfekt kannte. Ja. Und noch dazu hat es halt ein extrem krasser Tag war an dem Tag. Und ja, da bin ich halt einfach einmal sieben, und ja, ich bin dann in so eine kleine Falle eben geflogen, wo man eigentlich im Nachhinein ist es total logisch, dass es da eine sehr starke Talwinddüse hat. Und ich bin halt einfach konstant mal drei Kilometer mit Spitze, war 38 km/h rückwärts geflogen. Okay. Und das ist sicherlich so eine Sache, wo man jetzt so erstmal denken würde, wow, völlig over the top, 38 km/h rückwärts, da ist nicht mehr viel Kontrolle da. Das war in dem Moment sogar eigentlich eine relativ sichere Situation.

21:51Manuel Nuebel

Ich hatte zum Beispiel in der Situation nicht viel Angst oder Panik, weil ich eigentlich dann ziemlich schnell gesehen habe, okay, hinter mir sind große Wiesen, was ein großer Sicherheitsfaktor da ist. Und am Tag davor bin ich eben auch, das war auch schon in den französischen Alpen, wo ich auch in sehr starke Talwinde kam. Und die Tage davor hat man halt einfach sehr gutes Lesen gelernt, wie viel Wind am Boden ist. Und also eben als ich so schnell, das ging ruckzuck von vorwärts fliegen auf rückwärts fliegen, ging es ein paar Sekunden oder paar Minuten. Und dann habe ich aber schnell am Boden geschaut und habe schon gesehen, am Boden ist der Wind nicht so tragisch, dass ich jetzt da auch komplett unkontrolliert landen werde, sondern konnte es eben so einschätzen. Und so war es dann auch, dass ich da etwa stehend lande und habe dann im Endeffekt nur geschaut, dass ich halt die Wiese hinter mir nicht verpasse,

22:39Manuel Nuebel

quasi vor der Wiese halt abspiralt und bin dann da auch sicher gelandet. Und da würde ich aber eher sagen, das bin ich zwar nicht bewusst eingegangen, also das bin ich nicht bewusst eingegangen, aber das kann halt immer mal passieren, weil ja man halt da schon auch von Wetter und Natur abhängig ist. Oder andere Piloten, auch sehr gute, der Kriegel hat mir zum Beispiel erzählt, dass er auch einmal 18 Meter sinken hatte, 18 Meter pro Sekunde, was auch ja komplett crazy sich anhört. Der Gavin McClurg hat es an dem Tag auch gehabt, auch in der Größenordnung. Und das stellt man sich extrem krass vor. Und ja, man will da eigentlich nicht reinkommen, aber halt manchmal passiert es dann doch so. Und genau,

23:23Manuel Nuebel

das ist halt so auch vielleicht ein bisschen das Restrisiko, was da auch irgendwie mitspielt, auch wenn man sich selber extrem treu bleibt.

23:30Lucian Haas

Du bist ja bei dem Rennen damals auch mal voll im Baum, also nicht voll, aber bist letzten Endes im Baum gelandet. Das war aber nicht bei diesem Flug, wo du rückwärts geflogen bist.

23:39Manuel Nuebel

Nein, das war nicht bei dem Flug. Ah ja, das ist ein gutes Beispiel vielleicht. Das war eine Situation, wo ich mir selber auch, vielleicht nicht treu geblieben bin tatsächlich. Das war, oder was heißt nicht treu? Also das war, wo ich ganz klar auch schon eigentlich kurz, bevor ich im Baum war, wusste, dass ich gerade nicht auf meinen logischen Verstand höre, der eben, also nochmal für die, die es nicht wissen, das war kurz vor Monaco, ich habe das Meer schon gesehen und es kamen Zirrenwolken ein bisschen rein und ich konnte dann halt an einem Grad halt noch schön aufdrehen und wollte über einen Einschnitt drüber fliegen, über einen anderen. Und bin auf einmal, auf einmal ziemlich starke Wind gestanden und am Anfang kennt man das ja so vom Gleitschirmfliegen, hat man schon oft erlebt, dass man Wind steht und auf einmal geht es halt wieder vorwärts und es gleitet wieder besser

24:25Manuel Nuebel

und das ist dann immer schlechter geworden und irgendwann kam der Punkt, wo ich insgeheim eigentlich schon wusste, oh oh, ich glaube jetzt wird es das nicht mehr, da über den Grad zu kommen und der war aber extrem wichtig halt für mich. Und anstatt eben diese Konsequenz zu ziehen und zu sagen, okay, es wird nichts mehr, ich weiß es jetzt von meinem inneren Gefühl, wollte ich es halt erzwingen in dem Moment. Und habe gedacht so, ah, das muss doch jetzt gehen, so kurz vor Monaco, wenn ich zurückfliege, dann weiß ich nicht, ob ich nochmal die Thermik erwische und dann bin ich ganz weit hinten da und wenn ich jetzt über den Grad komme, wird es mir halt extrem viel helfen. Und ja, das habe ich eben so fünf Sekunden lang gedacht und dann habe ich gewusst, okay, es wird definitiv nichts mehr, ich muss jetzt umdrehen. Und das waren aber halt diese fünf Sekunden, die mich eben so viel Höhe verlieren haben lassen, dass ich es nicht mehr geschafft habe,

25:12Manuel Nuebel

habe rückwärts, also ich habe dann umgedreht und war dann auf einmal in so einem Hochplateau gefangen und habe halt gemerkt, dass es extrem eng wird. Also das ist alles, sage ich mal, ganz schnell gegangen und auch das Hochplateau, das war jetzt so eher mehrere hundert Meter und ich sage mal, über wegen zehn Meter oder fünf Meter habe ich es halt nicht mehr raus geschafft. Also es war jetzt nicht so, dass ich da kilometerweise da nicht mehr rauskam, sondern es ging halt extrem schnell, aber nichtsdestotrotz würde ich auch sagen, ganz klar reflektiert rückwirkend, dass ich da fünf Sekunden eigentlich es wusste, dass ich einen Fehler mache und es erzwingen wollte. Und halt da auch einen Fehler gemacht habe demnach.

25:47Lucian Haas

Kratzt sowas dann am Ego? Also hängt man dann da im Baum und denkt so, so ein Depp?

25:52Manuel Nuebel

Ja, also ich würde nicht sagen, es kratzt am Ego, aber so ein Depp habe ich sicherlich schon gedacht, ganz klar. Natürlich ist man da sauer auf sich selber, aber ich persönlich verurteile mich halt dafür irgendwie nicht, weil es gibt so viele Entscheidungen zu treffen und ich bin eigentlich sehr zufrieden, wie ich die eigentlich treffe in der Regel.

26:15Manuel Nuebel

Und mir geht es dann eher darum, dass ich halt aus den Entscheidungen lerne und das für mich auch analysiere und mir auch den Fehler eingestehe, dass das halt einfach dumm war, fünf Sekunden lang das erzwingen zu wollen und es dann in der Zukunft besser mache.

26:29Lucian Haas

Bei so X -Alps, wenn die zwei Wochen gehen und man da täglich läuft und fliegt und so, macht man ja ständig neue Erfahrungen. Also auch, wo du wahrscheinlich auch in Flugsituationen kommst, in die du sagst, okay, ich war a räumlich hier noch nie, vielleicht aber auch in Luftmassen, in denen ich mich früher noch nie reingetraut habe, mit Windgeschwindigkeiten fliegen. Also man lernt unheimlich viel Neues ständig dazu. Gleichzeitig muss man schon immer wieder weiterlaufen und hat eigentlich vielleicht gar nicht die Zeit, das immer sofort so zu verarbeiten oder sich da noch Gedanken drüber zu machen.

26:59Lucian Haas

Nimmst du dir nach, quasi im Nachgang, nach so einem Red Bull X -Alps irgendwie Zeit, um zu sagen, was habe ich dort eigentlich alles erlebt, um das nochmal so durchzugehen und für dich aufzuarbeiten? Oder sind das einfach nur Erlebnisse, die irgendwo im Umfeld sind, die in deinem Unterbewusstsein dann halt schlummern und die vielleicht irgendwann mal wieder aufpoppen und du sagst, ah, da hatte ich doch schon mal sowas. Das ist dann so die Erfahrung, die im Bauchgefühl dann irgendwo steckt.

27:23Manuel Nuebel

Also ich bin kein so ein Typ, der jetzt so viel mit mentalem Coaching und auch schon früher in der Schule, ich war nie einer, der Lust hatte, sich die Sachen aufzuschreiben oder so. Also ich habe es geliebt, wenn ich so ein Skript einfach kriege und das dann quasi so über meinen Kopf halt lernen kann. Und so ähnlich ist es auch ein bisschen beim Gleitschirmfliegen. Also ich glaube, ich bin auch nicht derjenige, der sagt, ich bin auf jeden Fall ein extrem reflektierter Mensch. Ich denke über ganz viele Sachen sehr oft nach und mache mir da Gedanken. Also es ist nicht so, dass das einfach irgendwann dann in der unteren Schublade oder im Unterbewusstsein verschwindet, die ganzen Erlebnisse. Aber ich mache es jetzt nicht so aktiv, wie man es sich vielleicht vorstellen würde jetzt, dass man irgendwie ein Meeting macht mit seinem Supporter und nochmal über alle Fehler und die alle aufschreibt oder so, sondern ich denke mir die, bespreche auch vielleicht manche Sachen mit meinem Supporter,

28:15Manuel Nuebel

aber denke mir die halt für mich selber und suche mir dann die wichtigen Punkte raus, wo ich meine, dass es da Verbesserungspotenzial gibt und versuche die dann eben aktiv anzugehen und dann auch darüber dann schon konkret auch zu sprechen und das auch zu analysieren.

28:30Lucian Haas

Hattest du denn da auch schon mal Erlebnisse, die dir länger nachgehangen sind? Also es gibt ja manchmal so wie traumatische oder andere Erlebnisse, wo man dann lange noch immer mal wieder kommt das so hoch. Man überlegt immer noch nach einer anderen Lösung, die man für irgendeine Situation hätte finden können oder sowas. Gibt es da etwas in deiner X -Alps -Erfahrung, wo du sagst, ja das hat mich dann schon eine ganze Weile beschäftigt?

28:54Manuel Nuebel

Lass mich mal überlegen, was könnte es denn da geben? Was mir länger nachgehangen ist, war wahrscheinlich, dass ich 2017 aufgeben musste, weil ich eben davor mit dem Hitzeschlag und vielleicht auch Ernährung und so Probleme hatte und eigentlich in einer ganz guten Veränderung war. Weil ich in einer guten Position war und eigentlich nahe vom Ziel irgendwie auf der einen Seite. Aber auf der anderen Seite war es eben auch gut, weil das, was dann eh kam, das war nicht mehr schön so aus Athletensicht. Das war Laufen oder stabiles Fliegen im Piemont mit Schnaken und sonstigem Zeug, was einem keinen Spaß macht. Von dem her, ja.

29:34Lucian Haas

Aber hast du das dann trotzdem quasi wie als Niederlage erlebt, weil du gibst

29:40Manuel Nuebel

auf? Nee, nee habe ich nicht. Nicht wirklich wie als Niederlage erlebt, sondern ja speziell das Jahr 2017. 2015 hatten wir eine Phase eben, ich habe ja das ja mit einem meiner besten Freunde, der Schini, halt drei Jahre gemacht und Josi. Und 2015 hatten wir einmal eine Phase, wo wir uns so ein bisschen angebieft haben, was natürlich schon so, das ist glaube ich völlig normal beim Rennen tatsächlich. Also das muss man jetzt nicht überdramatisieren, aber das hat natürlich das so ein bisschen getrübt,

30:09Manuel Nuebel

dieses Erlebnis. Und 2017 und auch 2019 danach. Aber 2017 war halt das erste Jahr, wo wirklich so perfekt durchgeflowt ist einfach alles vom ganzen Team. Das war einfach ein geniales Erlebnis. Man hat sich einfach die beste Zeit gegenseitig beschert. Und ja, von dem her war es keine Niederlage, sondern eine richtig coole Zeit.

30:29Lucian Haas

Lass uns mal noch einen anderen Aspekt der X -Hypes mal anschneiden. Die X -Hypes sind ja so ein großes Fest für die Szene, aber letzten Endes eigentlich auch so ein riesiger Marketing -Event. Stört es dich, dass du im Grunde selbst auch letzten Endes viel Geld in die Hand nimmst, um für andere wiederum als Werbefläche zu dienen?

30:51Manuel Nuebel

Also konkret auf die Frage geantwortet, nee. Also weil ich habe ja auch meine Vorteile damit.

30:58Manuel Nuebel

Das stört mich so eigentlich nicht. Und prinzipiell auch bei meinen ganzen Sponsoren bis jetzt war es auch immer so, dass ich immer nur Sponsoren hatte, hinter denen ich hundertprozentig stehen konnte. Und ja. Und da sehe ich es eigentlich fast anders. Da denke ich mir so, ich bin eh ein Mensch, der gerne sein Wissen und seine schönen Sachen teilt, sage ich mal. Und wenn ich quasi, das heißt, wenn ich irgendwas Cooles habe, dann habe ich es eh schon oft vielen Leuten so vermittelt und habe irgendwelche Sachen gepostet und habe gesagt, hey, hier, schau doch mal, das ist doch ein cooles Produkt, weil es mir gefallen hat. Und wenn ich dafür noch bezahlt werde, ist da in dem Fall eigentlich eine schöne Sache.

31:36Manuel Nuebel

Manche Sachen, wenn es dann so unauthentisch wird, halt gerade, man ist natürlich auch ein bisschen, ja, nicht gezwungen, aber man muss halt auch für die ganzen offiziellen Partner von den X -Alps eben Fotoshootings machen, mit denen man eigentlich nicht direkt was zu tun hat. Ja, da muss immer ein Auto oder

31:52Lucian Haas

zumindest beim letzten Mal stand immer auf jedem Bild in irgendeiner Kurve, musste immer das Auto noch stehen und so weiter.

31:57Manuel Nuebel

Richtig, ja. Also nervt

31:58Lucian Haas

einen das als Athlet manchmal, wo du einfach sagst, ich bin hier gerade Sportler, ich muss Leistung bringen und dann muss ich mich jetzt hier im richtigen Winkel noch zum Licht stellen und sonst was. Damit hinten das Auto ordentlich macht. Ja,

32:09Manuel Nuebel

also es kann schon mal nerven, definitiv. Zum Glück haben die Kamerateams da schon auch immer ein ganz gutes Händchen, dass sie einen nicht zu sehr penetrieren mit ihren Bildervorstellungen während dem Rennen. Und das ist halt auch klar, während dem Rennen ist was anderes wie vor dem Rennen, weil vor dem Rennen hat man Zeit, aber während dem Rennen zählt halt eigentlich hauptsächlich das Rennen. Und es kann schon mal nerven, aber es war jetzt nie so schlimm, dass es irgendwie dazu geführt hat, dass ich den Spaß komplett verliere.

32:36Lucian Haas

Diese X -Alps in diesem Jahr sind ja, was Besonderes allein schon, weil sie eine ganz neue Route haben. Es endet halt nicht mehr Monaco. Das klassische, traditionelle Ziel Monaco ist weggefallen, wo alle Leute mal sagen, ich will aber unbedingt Monaco erreichen. Hat für dich damit die X -Alps zumindest von der Vorstellung im Vorhinein, wer weiß, wie das Erlebnis der ganzen Route dann am Ende ist, aber hat das für dich ein bisschen von dem Reiz genommen oder ist es gerade ein neuer Reiz, dass es jetzt anders ist?

33:04Manuel Nuebel

Ja, das ist eine gute Frage. Und das ist auch so ein bisschen, so ein Prozess irgendwie. Aber am Anfang war ich tatsächlich echt enttäuscht, weil ich mir gedacht habe, das heißt Red Bull X -Alps. X steht für eigentlich Cross -Alps, war ja eigentlich ursprünglich, glaube ich mal, so gedacht. Also across the Alps. Und das ist halt nicht mehr wirklich across the Alps, sondern eher ein bisschen durch die Alps und wieder zurück. Und ja, halt auf der einen Seite muss man wirklich sagen, Monaco ist zwar so Chlor -reich, und da schön mit der Promenade, aber nach ein, zwei Stunden in Monaco, wirklich, es braucht nicht länger, da hast du die Schnauze voll. Da unten ist es teuer. Es ist halt auch wirklich sehr einseitig. Also vielleicht, wenn man jetzt viel Kohle hätte, könnte man da groß shoppen gehen.

33:50Manuel Nuebel

Aber wenn man ein paar Mal ins Meer gesprungen ist und noch eine Runde Volleyball da unten gezockt hat, dann wird es halt irgendwann langweilig. Und fliegertechnisch geht da eh nicht viel. Es ist dann im Hinterland extrem heiß. Also wenn man nicht gerade am Meer liegt, ist es halt heiß. Und ja, also von dem her will man da dann eigentlich immer relativ schnell gehen. Dann ist man schnell wieder weg als Pilot. Und auch allein schon, bis man mal dort ist, eben rein fliegerisch, ist schon, sage ich mal, immer so ein bisschen ein Nervenkitzel. Also es ist halt nicht so, kann natürlich auch so sein Reiz haben. Gerade diese französischen Südalpen und dann auch speziell das Vorland. Also 100 Kilometer vor Monaco fängt es halt an mit so wirklich kleineren Bergen und so viele waldige Täler, wo auch zeitweise komplett unlandbar sind.

34:36Manuel Nuebel

Ja, hat einen Reiz. Und aber auch eine abstoßende Wirkung zugleich. Und ja, also prinzipiell würde ich sagen, dass ich jetzt freue ich mich schon aufs Rennen. Das ist was Neues. Ich freue mich. Die positiven Effekte, die ich nennen würde, wären auf jeden Fall, also wenn jetzt Corona nicht wäre oder wer weiß, wie es ist, bis wir ins Ziel kommen. Aber halt, wenn ich mir vorstelle, dass, wenn man dort landet im Ziel und einfach alle besten Freunde und eine riesengroße Gleitschirm -Community auf einen wartet und vielleicht irgendwie abends ein Konzert wäre oder so, das ist natürlich auch eine richtig geniale Vorstellung für mich. Also das macht halt auch wirklich, zum einen würde ich sagen, dass das fehlende Monaco was vom Wettkampf wegnimmt, weil halt einfach nicht mehr das über die ganzen Alpen geht. Zum anderen glaube ich, dass es aber was zugeben kann, wenn dann eben das Ganze einfach ein bisschen größer oder ein bisschen so halt breitentauglicher

35:28Manuel Nuebel

designt werden kann, gerade im Goal, wo halt einfach mehr Events stattfinden können wie in Monaco. Also

35:35Lucian Haas

Goal ist in diesem Jahr Zell am See. Da kann man ja auch richtig ordentlich was machen. Und die ganze Deutsch -Österreich -Schweizer Gleitschirm -Szene hat es auch nicht so weit dahin. Also da könnte also richtig großes Event draus werden. Also so gesehen kommt dann vielleicht auch zumindest das Ende von so einem Red Bull X -Alps mal auch wirklich dort an, wo es eigentlich zumindest von der Szene aus letzten Endes auch hingehört. Da war ja Monaco dann sicherlich deplatziert. Wenn du jetzt die Route selber nimmst, was sind für dich so die Knackpunkte aus deiner Sicht?

36:06Manuel Nuebel

Also ich glaube, es gibt auf jeden Fall einen Knackpunkt, so chronologisch durchgegangen. Fängt an bei der Querung über dem Rheintal Richtung Sentes. Ist einfach ein extrem breites Tal, also über 15 Kilometer breit. Das heißt an vielen Stellen sehr schwierig fliegen zu queren. Das ist so die erste Hürde. Dann gibt es Stellen wie der Oberalppass bei Andermatt eben, wo der Föhn durchbricht und eben unter Umständen eben bei manchen Wetterlagen, wo man Nord -Süd, Druckdifferenz hat, eben schnell mal windig extrem werden kann. Dann nächster Punkt würde ich sagen, wäre dann Dorn -de -Oche. Einfach aber nur aus dem Grund, weil ich mich da nicht besonders gut auskenne.

36:49Lucian Haas

Das ist der westlichste Punkt von der ganzen Route, ne?

36:52Manuel Nuebel

Ja, ich weiß, Mont Blanc oder Dorn -de -Oche ist so etwa auf gleicher Höhe ost -westlich.

36:59Manuel Nuebel

Und auch das Tal davor eben, ich weiß gar nicht, wie das heißt, das runter nach Martigny vom Genfer See kommt, das ist halt auch recht breit, wenn auch nicht ganz so breit wie das Rheintal. Und dann eben der ganz große Punkt, sage ich mal, ist halt dann von Mont Blanc bis Macanagua. Also quasi südlich am Mont Blanc vorbei und südlich am Matterhorn und am Monte Rosa -Massiv vorbei sind halt einfach alle Täler mit sehr hohen Kränten bestückt, die halt zeitweise wirklich nicht unter 3000 Meter passierbar sind. Und ja, auf extrem kurzer Fläche halt extrem viele Höhenmeter zu Fuß zu bewältigen wären, wenn es nicht fliegt. Und wenn es fliegt, auch da es nicht immer so einfach ist, da drüber zu kommen.

37:48Lucian Haas

Nun ist ja dieses Jahr wieder das Wetter bisher zumindest nicht so dolle. Es liegt noch ziemlich viel Schnee auch wieder, auch teilweise in den Hochalpen noch. Könnte das auch problematisch werden für euch?

38:00Manuel Nuebel

Ja, kann definitiv problematisch werden, aber kann auch Vor - und Nachteile haben. Also prinzipiell würde ich mir eher wünschen, dass der Schnee weg ist. Natürlich hin und wieder ist halt auch ein Vorteil, wenn noch so kleine Schneefelder da sind, dann kannst du da rein landen und auch leichter starten. Aber ich dachte eigentlich ehrlich gesagt, dass vor zwei Jahren das schlimmste Jahr gewesen wäre, was so Schnee angeht. Aber ja, jetzt gerade wenn man die Wetterprognosen für die nächsten zehn Tage sich anschaut, das schaut wirklich horrormäßig aus. Und ja, so langsam sollte es schon mal ein bisschen warm werden und die Sonne rauskommen, dass der Schnee mal wegtaut, weil sonst wird es vielleicht wirklich deutlich mehr wie vor zwei Jahren.

38:36Lucian Haas

Und wenn du jetzt auch so das Wetter jetzt nimmst, aber auch die ganze Corona -Zeit und sowas, hat dich das oder hat das vielleicht auch genau die anderen anderen Athleten genauso? Meinst du in der Vorbereitung auch, war das ein Handicap?

38:48Manuel Nuebel

Ja, definitiv. Also Corona ist gerade, also ich meine, wir sind ja da noch relativ privilegiert, wenn man in den Alpen so oder so wohnt. Aber jetzt auch andere Athleten, die eigentlich im Frühjahr sich gerne die Strecke in den Alpen hätten anschauen wollen, das ging halt aufgrund der Grenzen, Grenzbeschränkungen nicht. Von dem her haben die natürlich einen großen Nachteil. Und auch wir, ja, also es gab keine Wettkämpfe, was für mich immer sehr wichtig ist, einfach um sich ein bisschen warm zu fliegen und wieder reinzukommen. Das hat gefehlt. Und auch die Routenbesichtigung war durch schlechte Wetter definitiv extrem eingeschränkt.

39:28Lucian Haas

Ist dann Google Earth für dich ein klassisches Schlechtwetterprogramm, wo du dann auch immer die Route nachschaust oder machst du das gar nicht so viel? Doch,

39:36Manuel Nuebel

doch, natürlich. Google Earth in Verbindung mit Lufträumen, Skyways und so Sachen zur Planung ist sehr wichtig und hilfreich. Was aber auch hilft, speziell für Gegenden, wo man davor noch nie war, ist ein Contour -Simulator. Das ist so ein Segelflugsimulator und das hat wirklich fotorealistische Szenarien. Und da kann man sich dann auch viele Gleitschirmflieger fliegen damit. Also gerade Ferdi Vogel, Erik, Jonas und so viele meiner Freunde fliegen dann halt mit mir die Tasks. Und es hilft zumindest, dass man die Gegend ein bisschen kennenlernt.

40:11Lucian Haas

Das heißt, damit bist du schon Teile von dieser ganzen neuen X -Alps -Strecke auch schon quasi abgeflogen?

40:17Manuel Nuebel

Ja, ja. Also eigentlich alle Teile, die ich noch nicht kenne, fliege ich dann halt einfach mehrmals im Contour. Und dann weiß man zumindest so, hinter welchem Berg welche Ritsches und welche Täler kommen und kriegt einfach ein viel besseres Gefühl für die Dimensionen wie jetzt im Google Earth, finde ich.

40:33Lucian Haas

Wenn du sagst, du fliegst da mit anderen zusammen, macht ihr das quasi so als Race und ihr pusht euch gegenseitig? Ja,

40:38Manuel Nuebel

war klar.

40:40Manuel Nuebel

Kein Sonntagsausflug im Contour. Nee, nee, wir machen da immer Races und auch, das ist der zweite positive Effekt, auch wirklich der Contour -Simulator hilft einem auch, wettkampftechnische Entscheidungen zu verbessern und es hat wirklich einige Parallelen zum echten Wettkampffliegen. Und da sieht man auch zum Beispiel, dass die guten Piloten auch im Contour meistens dann die Task gewinnen und dann auch vorne mit dabei sind.

41:03Lucian Haas

Was mir in diesem Jahr aufgefallen ist, Advance hat ja so seine Teampiloten vorgestellt, hat gesagt, wir haben zehn Leute, die für uns fliegen gehen und dann irgendwann mal, Wochen später, hieß es, wir haben noch einen Elften. Der Manuel Nübel ist auch dabei. Wieso warst du so ein Nachzügler?

41:19Manuel Nuebel

Ach, bei mir war es so ein bisschen, dass ich mir alle Optionen offen halten wollte, relativ lang. Das hat bei mir auch angefangen, ich bin ja die ersten Jahre meiner Wettkampfkarriere, also sechs Jahre nur eine Firma geflogen und muss sagen, ich war da sehr loyal und hatte aber wirklich sechs Jahre lang einfach jedes Mal einen Wettkampfnachteil, einen massiven. Daraus resultierend habe ich irgendwann gesagt, mir ist es so viel wert, einfach das beste Material zu fliegen, dass zur Not halt ich auch da ein bisschen Kohle dafür ausgebe, als gerade mal bei anderen Wettkämpfen, wo man eben das nicht so gestellt kriegt normalerweise. Und bin dann jetzt jahrelang

42:00Manuel Nuebel

nicht gebunden geflogen. Also ich konnte mir halt quasi von den Produkten raussuchen, was ich das Beste wollte und habe dafür aber dann halt auch ein bisschen mehr gezahlt, wie jetzt sage ich mal einer, der ein loyaler Firmenpilot ist. Und das habe ich aber auch so in Kauf genommen. Und ja, als diese Xerps war es halt so, dass ich auch relativ lang gewartet habe und auch tatsächlich wegen Corona und Produktionsschwierigkeiten oder Materialschwierigkeiten viele Firmen Probleme hatten, Gurtzöge zu produzieren. Und ja,

42:27Manuel Nuebel

Endeffekt, also an Schirme zu kommen, wäre nicht das größte Problem gewesen, aber eben auch in Verbindung mit Gurtzeugen. Und ja, ziemlich bald habe ich dann eigentlich, oder was heißt ziemlich bald, ich habe dann halt irgendwann

42:39Manuel Nuebel

schon gemerkt und bin dann auch die Ausrüstung von Michel Lacher geflogen, ist ja auch ein sehr guter Freund von mir. Der auch Teilnehmer ist. Genau, der auch bei den Xerps teilnimmt und mit dem seine alte, also die von letztem Jahr, das alte Gurtzeug und den Schirm geflogen und war halt sofort, hat mich sofort sehr wohl gefühlt und wusste halt, okay cool, jetzt muss ich eh mal so langsam was entscheiden und da kann ich halt aufgrund dessen und auch seiner Aussage von dem neuen Material halt wirklich erwarten, dass es dass es kein Griff ins Klo ist, sondern sehr gutes Material ist und ich wirklich da in so einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit ein sehr, sehr gutes Equipment habe, ohne dass ich seit davor Probe geflogen bin. Und ja, habe es jetzt auch gekriegt und bin mega happy mit der Entscheidung. Ja.

43:24Lucian Haas

Nun hast du ja schon drei Rennen von diesen Red Bull X -Alps erlebt.

43:30Lucian Haas

Wo haben dich diese X -Alps als Pilot, aber vielleicht auch als Mensch am meisten weitergebracht aus deiner Sicht?

43:39Manuel Nuebel

Wo räumlich oder wann wo?

43:43Lucian Haas

Wo, also wo persönlich, also wo in deiner Psyche oder als Mensch, also in welchen Bereichen?

43:49Manuel Nuebel

Okay, ja, also was mir auch damals das Wettkampfliegen schon sehr viel gelehrt hat und das ist bei den X -Alps nicht anders, ich war auch glaube ich da schon relativ gut vorbereitet bei den X -Alps, ist, dass man mit Höhen und Tiefen umgehen lernt. Finde ich einfach eine sehr wichtige Eigenschaft fürs Leben. Einmal, dass man, wenn man gerade gut läuft, keinen Höhenflug kriegt und abhebt völlig. Und auch andersrum, vielleicht noch wichtiger, wenn es schlecht läuft, dass man auch weiß, es wird wieder besser laufen und somit den Glaube und die Positivität nicht verliert. Und ja, gerade beim Wettkampfliegen ist das halt so ein ganz typisches Beispiel, was wirklich jeder Wettkampfpilot schon unendlich oft durchgemacht hat, ist, dass man halt vielleicht am Anfang von einem Wettkampftask

44:36Manuel Nuebel

super gut dabei ist und himmelhoch jauchzend vorneweg fliegt, kurze Zeit später sich irgendwo verbastelt und verheizt, dann die Welt zusammenbricht und man sich total in den Arsch beißt, dass man so blöd vorneweg geflogen ist und dann aber wieder die Chance kriegt hinten, also dann denkt man, das ganze Pulk und alles fällt, das ganze fällt und der ganze Pulk fliegt, über einen weg und man ist hoffnungslos verloren, alles bricht auf einem zusammen, wenn man jetzt, sage ich mal, irgendwo strafsoren muss und alle dann vielleicht 500 Meter über einen drüber fliegen. Und wenn man aber cool bleibt und die Positivität nicht verliert und halt einfach ans Gute glaubt und auch gute Entscheidungen macht und sich neben nicht nochmal verheizt, sondern halt einfach dann sich nicht aufregt, sondern halt einfach das Beste aus der Situation macht, dann kriegt man so oft einfach wieder Chancen, wieder den Pulk aufzuholen und wieder doch wieder mit zu den Ersten zu gehören.

45:25Manuel Nuebel

Und das ist einfach beim Wettkampf Fliegen so, einfach durchs Wetter und durch verschiedene Faktoren. Das finde ich halt einfach auch voll die wichtige Lehre fürs Leben, dass man, wenn es einem gut geht, vielleicht sich so ein bisschen denkt, hey, vielleicht ist es gerade nicht normal, dass ich jetzt hier das alles so perfekt läuft gerade und sich das auch so ein bisschen einspeichert für Situationen, wenn es einem schlecht geht und dass man sich dann leichter erinnern kann, dass es doch auch gute Seiten gibt und dass es bald wieder kommt. Und wenn es dann wieder kommt, sich vielleicht auch wieder an die schlechte Phase erinnert und sich erinnert, dass es eben, dass man es sich in dem Moment vielleicht gar nicht vorstellen konnte, aber jetzt auf einmal wieder da ist das Gute sozusagen und ja, das hilft einem halt einfach dann im Leben halt einfach das Positiv zu sehen alles.

46:13Lucian Haas

Sind das dann auch Sachen, wo du sagen würdest, in deinem Alltag, wie du jetzt lebst, auch mit deinen Unternehmungen, die du hast, du bist auch Teilhaber von Tandem -Unternehmen und so weiter und was wahrscheinlich auch mit Corona so seine Schwierigkeiten hatte und sonstiges, sind das so Sachen, wo du sagst, okay, ich weiß jetzt, hier gibt es vielleicht gerade ein Tief, aber...

46:32Manuel Nuebel

Also ich würde mich schon so beschreiben, dass ich einer bin, der eben auch wenn es mal richtig scheiße läuft und die Fassung verliert, genau aus diesen Erfahrungen eben und da es noch relativ gut positiv bleiben kann. Stell

46:49Lucian Haas

dir jetzt mal vor, du würdest die X -Alps 2021 gewinnen. Würde das dein Leben irgendwie verändern?

46:57Manuel Nuebel

Ja, irgendwie verändern wahrscheinlich schon, weil natürlich das der volle Skandal wäre. Ne, vielleicht nicht Skandal, aber es wäre halt extrem krass und das würde natürlich in einer gewissen Weise in die Geschichtsbücher eingehen, das ist schon klar, aber eigentlich weiß ich nicht, ob es so viel, ja, also wenn ich mir das gerade auch vorstelle, irgendwie, ich weiß gar nicht, ob ich es so richtig geil fände, irgendwie, das hat auch sicherlich, das hat auch sicherlich so irgendwelche, es erzeugt halt Druck und ja, im Moment ist alles gerade so schön leicht und ohne zu krassen Druck und das weiß ich auch zu schätzen. Das heißt, das ist aber

47:41Lucian Haas

auch im Grunde eine Vorstellung, mit der du eigentlich gar nicht rechnest? Der Kriegel gewinnt es eh, oder?

47:47Manuel Nuebel

Ja, also ich bin da halt realistisch, also ich sehe es so, dass der Kriegel einfach extrem, konstant und gut ist

47:57Manuel Nuebel

und auch noch andere dabei sind, die, sage ich mal, im Durchschnitt wahrscheinlich eher für einen Tick besser sind als ich, aber alles ist möglich, also ausschließen kann man es nicht.

48:06Lucian Haas

Wenn du jetzt in so einer Einordnung machen würdest, von den verschiedensten Athleten, die da jetzt mitmachen und verschiedensten Piloten, wo sind denn vor allem deine besten, deine größten Stärken? Wo du sagst, da spiele ich wirklich im vordersten Drittel, Fünftel oder was auch immer mit.

48:21Manuel Nuebel

Ich würde sagen so, also definitiv in der Luft und auch so nicht beim Improvisieren, aber bei dem intuitiven Fliegen, sage ich mal, wenn jetzt, wenn man alle Piloten in einen Topf werfen würde und irgendwo fliegen lassen würde, wo noch keiner da war, glaube ich, wäre ich ganz vorne mit dabei, weil da tue ich mir sehr gut und ja, tue ich mir sehr leicht, das so zu lesen und auch eben gute Entscheidungen ohne extrem viel Vorbereitung zu treffen, wo manch andere Piloten vielleicht es eben durch unendliche Stunden in der Vorbereitung eher machen, bin ich da eher einer, der da vielleicht eher ein bisschen, also ich bin jetzt nicht dauernd am Improvisieren, das sicher nicht, aber ja, da würde ich mir gut tun.

49:05Lucian Haas

Ist das was Angeborenes oder wie kriegt man, gibt es eine Möglichkeit, so eine Intuition zu entwickeln?

49:12Manuel Nuebel

Ja sicher, also je mehr man fliegt, umso größer wird die Intuition,

49:19Manuel Nuebel

aber ich denke, das ist schon auch so ein bisschen mein Typ, also es gibt Leute, die einfach immer alles perfekt akribisch planen und vorbereiten müssen und die sind sicherlich in Situationen, wo man improvisieren muss, eher aufgeschmissen wie Leute, die eh ihr ganzes Leben gerne immer ein bisschen improvisieren oder nicht die allerstrukturiertesten Menschen sind und ja, die tun sich sicher leichter dann, spontan Situationen.

49:47Lucian Haas

Ich würde mit dir kurz mal gerne so als Zwischenschnitt, wir kommen da gleich nochmal zur Intuition nochmal zurück und sowas, aber als kurzer Zwischenschnitt dazwischen, ein kleines kreatives Spiel machen, zur Definition deines Charakters. Okay. Und du darfst mir einfach mal sagen, wie du dich da selber einschätzt. Wenn du eine Automarke wärst, dann wärst du ein?

50:09Manuel Nuebel

Audi. VW, VW. Machen wir VW. Warum? Weil das für mich so gerade ein Passat, den ich auch fahre, das ist halt so das richtige Maß an

50:23Manuel Nuebel

Hochqualitativität, also einfach ein Produkt, was nicht schnell fliegt, also kein Billigschrott und aber gleichzeitig relativ günstig und ist sehr praktisch. Das ist das, woraus es für mich ankommt.

50:36Lucian Haas

Und wenn du ein Tier wärst, was wärst du dann?

50:41Lucian Haas

Eine Dohle. Eine Dohle. Weil sie so spielerisch ist und einfach fliegt, wo sie gerade Lust hat und wie sie gerade Lust hat? So ein bisschen

50:50Manuel Nuebel

das auch. Die genießen das Leben, sind frech, sind spielerisch,

50:57Manuel Nuebel

ja, was hat man, keine Dohle, sind frei komplett, ja, sind leicht, fühlen sich leicht an. Aber ein Vogel muss es schon sein?

51:06Lucian Haas

Ja. Okay. Wenn du wählen dürftest, auf was stehst du mehr? Slow oder Speed Flying?

51:13Manuel Nuebel

Speed Flying. Warum? Nicht als Begriff Speed Flying, wie man ihn kennt, aber ich liebe die Geschwindigkeit, das habe ich auch schon oft gesagt. Ich liebe kein Adrenalin und ich liebe kein Stress oder schon gar keine Angst, aber ich liebe es, mit Geschwindigkeit die Geschwindigkeit zu spüren. Ob das beim Kartfahren oder beim Speed Flying oder eben beim Speed Flying mit dem Streckenschirm nah am Hang ist, das taugt mir einfach.

51:41Lucian Haas

Ist das die Geschwindigkeit oder sind Task -Kräfte, die dich reizen?

51:44Manuel Nuebel

Beides, das kommt ja mit einher, aber ich würde mal sagen, die Geschwindigkeit ist zuerst und wenn man bei einer Geschwindigkeit eine Kurve macht, dann spürt man auch die G -Kräfte und mit den G -Kräften auch die Geschwindigkeit. Reizt mich beides.

51:58Manuel Nuebel

Welche ist die größte Geschwindigkeit, die du bisher schon mal erreicht hast? Mit dem Gleitschirm. So 120 km/h mit einem kleinen Speed Flyer habe ich mal gelockt.

52:07Lucian Haas

Und mit einem großen Gleitschirm beim Streckenflug oder sonst was?

52:10Manuel Nuebel

Du meinst jetzt mit Rückenwind 100 km/h. Wo war das? Das war im Flachland von, ich glaube, Petrajita, wenn ich mich nicht täusche. Spanien.

52:21Lucian Haas

Das heißt, da hattest du 40, 50 km/h Rückenwind und bist da auf dem Streckenflug schnell vorangekommen. Ja, genau.

52:29Lucian Haas

Eine Frage dazu. Meine größte Angst beim Fliegen ist?

52:33Manuel Nuebel

Sich zu verletzen.

52:34Lucian Haas

Hast du dich schon mal verletzt?

52:36Manuel Nuebel

Beim Gleitschirmfliegen nicht.

52:38Lucian Haas

Das heißt, du bist auch ein zwar geschwindigkeitsorientierter und sonstiger Flieger, aber auch ein sehr sicherer Flieger? Oder sicherheitsorientierter Flieger? Ja. Wie wird man ein sicherer Pilot? Es

52:50Manuel Nuebel

gibt viele Punkte. Also einmal natürlich durch Können und zum anderen durch Risikoeinschätzung. Man kann es entweder so machen,

53:00Manuel Nuebel

indem man die Gefahren extrem minimiert oder indem man sein Können maximiert und somit den Gefahren gewappnet ist.

53:08Lucian Haas

Und du setzt eher auf Können maximieren? Nein,

53:10Manuel Nuebel

nein, nein. Also ich bin wirklich auch einer, der wirklich viele Sachen, also ich sehe das bei so vielen anderen Piloten, die probieren manche Sachen einfach aus und ich denke mir zwar bei manchen Sachen auch, ich müsste es können, aber habe dann einfach zu viel Respekt oder Angst, um es einfach mal so zu probieren. Glaubt man zwar vielleicht nicht, wenn man manche Videos von mir anschaut, aber es ist wirklich so, vielleicht nicht in jeder Situation, aber oftmals.

53:35Lucian Haas

Gibt es Situationen, wo du sagst, da hat mir Angst geschadet? Oder was heißt nicht körperlich geschadet, aber wo du sagst, da stand mir die Angst wirklich im Weg, da hätte ich sie gerne, da wäre ich sie gerne losgeworden?

53:48Manuel Nuebel

Ja, ich würde sagen kurzzeitig ja, also auf kurze Sicht, auf lange Sicht vielleicht nein. Das ist wie beim Akrofliegen, ich habe jahrelang rumgetan, bis ich mal, also ich habe immer wieder gestallt,

54:00Manuel Nuebel

also es gab nichts auszusetzen, keinen Grund Angst zu haben und jedes Mal aufs Neue habe ich wieder Angst gehabt vor einem blöden Stollen, obwohl es eigentlich keinen Grund dazu gab und das hat mich definitiv massiv gehemmt, auch gerade beim Akrofliegen und dann auch später bei anderen Manövern war das ähnlich, wo es wirklich keinen Grund gab. Ich hatte zwei Rettungen, bin über Wasser und so weiter und ich war da trotzdem extrem ängstlich und habe mich sehr langsam an die Sachen herangetastet. Auf kurze Sicht denkt man sich da, was bist denn du für ein Schisser, aber auf lange Sicht glaube ich, das habe ich halt einfach gelernt, so die Angst zuzulassen und auch zu sagen, oh ich weiß, es ist zwar nicht rational, aber ich bin eigentlich trotzdem froh, dass ich lieber so ein Typ bin, wie ein anderer, der halt sich zu oft nichts denkt, weil das halt einfach bei so vielen Leuten schon dazu geführt hat, dass halt irgendwann mal was passiert ist, was größer ist.

54:46Lucian Haas

Hast du eine Erklärung für die Angst, wo die bei dir dann herkommt?

54:51Manuel Nuebel

Vielleicht, dass ich sehr am Leben hänge oder so, dass ich sehr gerne lebe, also ich liebe das Leben und stelle mir halt das irgendwie, also ich möchte noch länger gesund leben, vielleicht deswegen.

55:03Lucian Haas

Ich habe auch mal gehört, du hättest ab und zu auch mal sogar vor Flügen gekotzt, weil du so aufgeregt warst oder fast panisch davor warst.

55:12Manuel Nuebel

Ja, das ist ein sehr gutes Beispiel, wo ich die Angst eben tatsächlich gehasst habe. Das war eben genau Angst

55:21Manuel Nuebel

und Aufregung in Verbindung mit halt einfach das dann erzwingen wollen auch und ja, das war gerade in der Anfangsphase beim Streckenfliegen oft so ein Teufelskreislauf. Da war es mir halt irgendwie ein, zwei Mal durch die Aufregung schlecht irgendwie im Vorfeld und vor den Flügen und dann weiß man das beim nächsten Flugtag schon und ist dann noch mehr aufgeregt, weil man sich denkt, hoffentlich ist jetzt nicht dieses Mal wieder so, dass man nichts frühstücken kann, weil dann kannst du ja nicht lang fliegen und wenn man sich noch mehr aufkriegt, kannst du noch weniger frühstücken und beim nächsten Mal steigert sich das so hoch und da versuchst du dann vielleicht irgendwie noch mit irgendwelchen Aufputsch -Red Bulls oder so dir dann noch vorm Flug reinzuhauen, weil du jetzt weißt, oh, jetzt hast du noch wenig geschlafen und hast eh wenig gegessen, jetzt musst du dich ja irgendwie für den einen Streckenflug irgendwie hochputschen und ja, das hat halt einmal dazu geführt, dass es dann wirklich mir so schlecht wurde am Startplatz, dass ich halt brechen musste, aber ja, ich glaube, dass es halt vielen Leuten eigentlich so geht, dass, oder mehr Leuten,

56:20Manuel Nuebel

dass man da so mit so Ängsten zu tun hat beim Fliegen, weil es halt einfach eine krasse Nummer ist, einfach das Fliegen, so einfach an sich schon, dass es glaube ich ganz normal ist, dass der Körper da, sei es Höhenangst oder Aufregung oder solche Symptome zeigt.

56:36Lucian Haas

Es gibt ja auch so Untersuchungen, wo sie einfach mal gemessen haben, so Pulsfrequenzen von Menschen und auch Blutdruck, also von Fliegern vor dem Start und kurz nach dem Start und sowas und wo eigentlich selbst die professionellen Flieger, also Piloten, jeder hatte vor dem Start immer noch diesen, ja, im Englischen heißt es Arousal, also diese Aufgeregtheit, die dann sich auch dann den

57:00Lucian Haas

Stressmessmöglichkeiten und sonstigem dann zeigt. Man kann das wirklich im Blut und im Gehirn dann entsprechend nachweisen. Würdest du sagen, das hat sich aber mit dir mit der Zeit immer weiter entspannt? Also gehst du heute deutlich entspannter an irgendwelche Starts heran oder passiert es dir jetzt noch manchmal, dass du sagst, mir ist eigentlich fast speiübel?

57:18Manuel Nuebel

Also ich würde sagen, mir passiert schon manchmal, dass ich aufgeregt bin oder auch, dass ich so eine Angst habe, die mir keinen Spaß macht, definitiv. Dass ich kotzen muss, zum Glück nicht. Und mit der Zeit durch die Routine auch gerade beim Tandemfliegen, wenn man dann mehrere hundert Flüge im Jahr macht, das hilft extrem, um sich da dann wohl zu fühlen, zumindest mir hat es extrem viel geholfen.

57:41Manuel Nuebel

Aber ja, also das Witzige ist auch wirklich, wenn man danach sich mit erfahrenen Piloten unterhält, auch beim Wettkampf, merkt man dann doch, dass man nicht der Einzige ist, der so geht und ja, ich kann da jedem, dem es so geht, nur sagen, dass man sich dafür nicht verteufeln soll. Es geht auch wirklich, dass man diese Art oder dieses

58:03Manuel Nuebel

Kriterium oder Eigenschaft da nicht zu sehr, man sollte es vielleicht einfach zulassen, weil es halt einfach ganz natürlich ist, glaube ich.

58:10Lucian Haas

Wenn jetzt jemand zu dir käme,

58:13Lucian Haas

Nachwuchspilot, der sagt, du, ich habe immer so Schiss vor dem Start oder sowas, wie hast du deinen Schiss damit so in den Griff bekommen? Also was kann ich da machen? Was würdest du dem empfehlen?

58:23Manuel Nuebel

Also prinzipiell würde ich sagen, Routine hilft halt extrem viel und ja, auch einfach vielleicht werden es auch manchmal begründete Ängste sind, also wenn jetzt einer irgendwelche Erfahrungen gemacht hat, die wirklich gefährlich waren und dadurch vielleicht ein kleines Trauma hat, dann würde ich einfach sagen, am

58:44Manuel Nuebel

Können arbeiten durch Akrobatik, Fliegen hilft meiner Meinung nach extrem viel. Sich mit Leuten auseinandersetzen, die besser sind wie einer und ja, gibt es verschiedene Methoden, Wettkampffliegen einfach sein Können zu verbessern. Was allerdings auch schon ein paar bei der Vergangenheit geholfen hat und das war sehr spannend, also ich hatte mehrere Freunde jetzt, die ich zu einem Hypnotherapeut geschickt habe, der durch Hypnose eben so Ängste genommen hat. Also es war zum Beispiel eine Freundin von mir, die hat gesehen, wie ihr Freund bei einem Gleitschirmunfall eben sich verletzt hat und konnte seitdem nicht mehr selber fliegen. Also die hat komplette Blockade, Angst und so alles gehabt und um es kurz zu fassen, nach der Therapie oder nach zwei Therapien ist sie halt selber wieder

59:31Manuel Nuebel

Tandempilotin geworden, kommerziell. Also nicht nur so, dass sie sich ein bisschen besser fühlt, sondern wie verflogen. Die haben auch wirklich halt extrem gut über den Therapeut halt berichtet und ja, ich glaube mit so Hypnosachen kann man schon auch einiges erreichen. Hast du selber sowas schon mal gemacht? Ja, wegen was anderes. Alles Training oder sowas? Wegen was anderem war ich mal bei dem Therapeut tatsächlich und das war aber irgendwie leider so, oder was heißt leider, dass ich dann eigentlich beim Vorgespräch, nach dem Vorgespräch ging es mir so gut, dass ich dann eigentlich zu der eigentlichen Hypnosesitzung zu der ich hätte kommen sollen, habe ich mir angeschaut und habe gesagt, du ich kann dir gerade echt nicht mehr sagen, was mein Problem damals war. Wir verschieben es mal, aber ich glaube ich brauche dich gerade nicht mehr. Und aber habe dann eben da schon beim Vorgespräch halt, das hat mir auch wirklich schon geholfen, bin ich überzeugt und habe halt schon gemerkt, dass das halt einfach wie ein Tier, das einem erklärt, kein Hokus Pokus ist und dass der Typ halt sehr kompetent und seriös ist und habe daraufhin eben, das kam übrigens auch vom Achim Joos, der Typ, zu dem tatsächlich, genau zu dem Therapeut Ramadani in Ulm,

1:00:31Manuel Nuebel

der Hypnotherapeut und der Achim Joos, weiß nicht, ob ihr ihn noch kennt. Flugschule, Freiraum und so weiter. Genau, der ist ja ganz früher, ganz lange und sehr erfolgreich mit dem Olli Rössl, der jetzt bei uns Tandem fliegt, Nationalmannschaft flogen und der hat mir eben erzählt, dass die auch mehrere Leute hatten, die dann zu dem gegangen sind, aufgrund solchen Ängsten. Auch da sieht man, dass es auch in der Nationalmannschaft oft mal sowas sein kann und das ist da wirklich, das ist nicht ganz Unnormales und dass die damals eben auch schon gute Erfahrungen mit ihm gemacht haben und ja, aufgrund dessen habe ich eben die anderen da hingeschickt und die haben auch sehr positive Erfahrungen gemacht. Hat geholfen.

1:01:11Lucian Haas

Lass uns zum Abschluss jetzt nochmal so ganz klein wenig nach vorne schauen. Dein großes Ziel jetzt erstmal sind ja die X -Alps, die sind dann aber Mitte Juli spätestens, ein bisschen früher noch, auf jeden Fall vorbei. Was kommt für dich danach?

1:01:27Manuel Nuebel

Was kommt für mich danach? Tandem fliegen. Ja, das war jetzt eine lange Durchzeit hier mit Corona und ja, jetzt machen zwar die Bergbahnen und wahrscheinlich dürfen wir ab 21.05. fliegen, Bergbahn machen auf, aber jetzt in der Endphase werde ich nicht viel Tandem fliegen können und nicht viel Geld verdienen und da hat man jetzt eine lange Durchstrecke gehabt, das heißt nach den X -Alps werde ich schon schauen müssen, dass ein bisschen Geld reinkommt mit Tandem fliegen.

1:01:53Lucian Haas

Der Gavin McClurg, der ja auch seinen eigenen Podcast Cloud -Based Mayhem hat, der hat so nach den letzten X -Alps auch davon erzählt, dass er so psychisch in ein tiefes Motivationsloch im Grunde gefallen ist, weil er sagte, X -Alps, das war so eine intensive Zeit, sowohl die Vorbereitung als auch der Wettbewerb selber, da steckt man so tief im Leben und Erleben drin und danach ist er erstmal so mit, ja was will ich jetzt eigentlich noch? Hast du sowas auch mal erlebt?

1:02:21Manuel Nuebel

Ne, nach den X -Alps hatte ich zwar ein Motivationsloch, dass ich jetzt nicht weiter trainiert habe und weil halt einfach da bei mir so ein bisschen ein anderer Abschnitt dann angefangen hat, das hat auch so ein bisschen einen Nachteil, dass ich es halt selten geschafft habe oder nie geschafft habe, komplett durchzutrainieren, zwei Jahre, sondern nach den X -Alps hat dann eben viel wieder das Tandem fliegen angefangen, habe dann auch so ein bisschen mehr easy living mal C übernachten oder so Sachen gemacht und halt nicht mehr die Priorität auch auf den strikten Trainingsplan gehabt und das ist da schon eingerissen, was das Training angeht, aber ich habe es nie bereut oder so, weil es halt einfach für mich dann andere Sachen gab oder auch mit der Selbstständigkeit, das liebe ich nach wie vor, auch da zu arbeiten und mir macht meine Arbeit extrem viel Spaß, sei es Tandem fliegen, sei es das Organisieren und

1:03:13Manuel Nuebel

ja, das war dann halt danach angesagt.

1:03:17Lucian Haas

Was gibt es bei dir noch außer dem Fliegen?

1:03:20Manuel Nuebel

Ja, eben die Firma Vogelfrei, dann Ach, die hat aber

1:03:25Lucian Haas

auch mit Fliegen wieder zu tun. Ach so, ja,

1:03:27Manuel Nuebel

okay, außer dem Fliegen, stimmt. Dann neben Fliegen, ich boulder in letzter Zeit sehr gern, also das macht mir extrem viel Spaß

1:03:35Manuel Nuebel

und meine Freundin, die fliegt nicht, am Haus, im Garten, mit Bio -Gemüse seit letztem Corona eben habe ich eine große Passion für für kleine Pflanzen gefunden. Du baust

1:03:51Lucian Haas

selber dein Bio -Gemüse an, was machst du dann?

1:03:53Manuel Nuebel

Ja, genau, in unserem Garten und ja, halt mit meinen Freunden auch Sachen unternehmen, Radfahren oder so, Radtouren finde ich genial, auch mal reisen, aber da ist dann meistens schon der Gleitschirm dabei. Jetzt noch

1:04:06Lucian Haas

weiter, weiter Ausblick in die Zukunft, stell dir vor, du bist irgendwann mal Opa, hast Enkel, welche Flieger -Story würdest du ihnen, von denen, die du jetzt bisher so erlebt hast, welche Flieger -Story wäre die, die du ihnen am liebsten gerne erzählen würdest?

1:04:22Manuel Nuebel

Hm, also ich habe gerade viele im Kopf, ich überlege gerade nur welche so die, hm, ist echt so ein bisschen schwierig zu sagen, vielleicht, eine war wirklich 2015, wo ich vier Monate davor den Kniescheibenbruch hatte und wirklich fast alle Ärzte oder halt viele gesagt haben, dass ich nie im Leben 100 Kilometer am Tag laufen kann, weil es war klar, dass diese Achterzerklatschen an sich, dass so ein Stahldraht gerüscht in der Kniescheibe bleiben wird, also das war fix fürs Rennen und wenn man das auf dem Röntgenbild gesehen hat, die hat zwei Zentimeter vorne und hinten rausgeschaut, wie so Stahlpinsel, da hätte ich nie im Leben gedacht, dass du da 100 Kilometer laufen kannst, was ich tatsächlich dann einmal am Stück sogar gemacht habe während dem Rennen und ich habe halt gesagt, ja, mache ich das Beste draus, ich mache jetzt mal mit, um Erfahrung zu sammeln für die nächste Episode und starte dann halt dort voll durch, aber ich lasse mir jetzt nicht im Ansatz schon versauen, sondern ich mache einfach das Beste draus und wenn ich nach ein, zwei Tagen aufgeben muss, dann ist es immer noch besser, wie gar nicht mitmachen und dann bin ich tatsächlich nach Monaco gekommen, sogar als Neunter, was wirklich alle

1:05:29Manuel Nuebel

Erwartungen übertroffen hat und ja, war schon eigentlich eine ziemlich coole Sache, dass das dann so gut funktioniert hat.

1:05:37Lucian Haas

Das heißt, das ist die Geschichte, wie ich mit einer mit Draht geflickten Kniescheibe 1000 Kilometer über die Berge nach Monaco kam. Sozusagen, ja. Manuel, eine sehr schöne Geschichte. Danke dir für deine Erzählung. Ich wünsche dir vor allem viel, viel Erfolg bei den X -Alps, aber vor allem viel Spaß und oberste Prämisse, bleib heile. Dankeschön. Bei der ganzen Geschichte. Ja, das ist das Wichtigste. Und ja, weiter mit Bauchgefühl, viel Intuition, immer in der Luft. Auf jeden Fall viel Spaß dabei.

1:06:08Manuel Nuebel

Vielen Dank, Lucian.

1:06:14Lucian Haas

Das war Manuel Nübel im Gespräch mit Lucian Haas. Wenn du nun Manuels Abenteuer bei den X -Alps besonders nah verfolgen willst, dann solltest du am besten seine Instagram - und Facebook -Kanäle abonnieren. Diese und noch weitere Links zu hier angesprochenen Themen findest du in den Shownotes zu dieser Podcast -Folge in meinem Blog Lu-Glidz.

1:06:36Lucian Haas

Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann höre und empfehle Podz-Glidz doch weiter. Du findest alle Podcast -Folgen auf Lu-Glidz und Soundcloud. Sie stehen auch in bekannten Audiokatalogen wie Spotify, iTunes, Google Podcasts etc. Natürlich kannst du Podz-Glidz auch im Podcatcher deiner Wahl abonnieren. Zum Schluss noch einmal die Anregung und Bitte. Falls du es nicht eh schon bist, dann werde doch zum Förderer von Lu-Glidz und Podz-Glidz. Damit trägst du dazu bei, dass ich dir auch in Zukunft noch mehr hintergründige Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens präsentieren kann. Denn als freier Journalist liebe ich auch von der Arbeit an beziehungsweise den Einnahmen aus diesen Projekten. Die Höhe deines Förderbeitrags kannst du ganz frei wählen. Ganz nach dem Motto, du darfst geben, was dir so ein Angebot wert ist und fair erscheint.

1:07:25Lucian Haas

Wenn du nun unsicher bist und denkst, herrje, was gebe ich denn da? Dann kannst du dich einfachheitshalber und unverbindlich an folgendem Vorschlag orientieren. Einen Euro pro Podcastfolge und zwei Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz. Natürlich kannst du gerne erst ein paar Folgen hören und über Monate hinweg Lu-Glidz lesen und dann einen gesammelten Beitrag leisten. Zahlungen sind ganz einfach bei PayPal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

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