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68. Der Entertainer - Charlie Jöst

// Charlie Joest, Lucian Haas · 2021-10-29 · 01:54:32 · original episode

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[show notes]
25 Jahre war Charlie Jöst der 1. Vorsitzende des DHV. Jetzt gibt er sein Amt ab. Grund genug für eine Rückschau – mit vielen Geschichten auch abseits der Verbandsarbeit. +++ Als der DHV vor 42 Jahren gegründet wurde, stand der junge Charlie Jöst den Zielen des Verbandes noch sehr kritisch gegenüber. Wenig später ließ er sich dann aber doch von der Notwendigkeit einer gewissen Reglementierung der Drachen- und später auch Gleitschirmfliegerei überzeugen, im Sinne der Sicherheit für die Piloten. 1996 wurde Charlie an die Spitze des Verbandes gewählt – als Konsens- und Übergangskandidat, um einen damals im DHV schwelenden Richtungsstreit zu schlichten. Es wurde ein langer Übergang. 25 Jahre später gibt Charlie Jöst nun sein Amt als Vorsitzender ab. In dieser Folge 68 von Podz-Glidz blickt der 69-jährige kurz vor Ende dieser Ära auf seine Zeit beim DHV zurück. Was wertet er als seine größten Erfolge, mit welchen Projekten ist er gescheitert? Welche besonderen Erlebnisse gab es, und welche peinlichen Momente? Wer Charlie Jöst schon live erlebt hat, wird bestätigen können, dass der Mann Entertainer-Qualitäten besitzt. Als Sänger und guter Geschichten-Erzähler weiß er jedes dröge Protokoll aufzulockern. Und so ist es auch in diesem Podcast. In Charlies Mund wird aus trockener Verbandsarbeit ein unterhaltsames Geschäft. En passant erfährt man viel Interessantes über die Geschichte und die Befindlichkeiten der vielleicht mächtigsten Organisation der Gleitschirmszene. Im Podcast geht es aber noch um mehr: Charlie erzählt auch von seiner persönlichen Geschichte. Unter anderem vom ersten Flugversuch im Alter von nur fünf Jahren, dem Drachenfliegen als Autodidakt, ein imposanter Erstflug am Gleitschirm, Pioniertaten bei der Startplatzsuche, seine Fast-Karriere als Profi-Schlagzeuger und seine Erfolge als Film-Autor. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Tropical Contact | Artist: Audionautix Pennywhistle von Audionautix unterliegt der Lizenz Creative-Commons-Lizenz "Namensnennung 4.0". https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Künstler: http://audionautix.com/ +++

[transcript]

0:12Charlie Joest

Und dann habe ich abgehoben, Lucian. Es waren nur fünf Sekunden. Aber das waren bis dahin die schönsten Sekunden meines Lebens. Wenn man gerannt ist, immer mit dem Geschepper und die Leinen klappern und die Seile klappern und das Segel scheppert und auf einmal wird es ganz ruhig. Auf einmal macht es … So

0:31Charlie Joest

muss es Lilienthal gegangen sein. Der hat bestimmt geweint hinterher. Ich hätte auch fast geweint. Da habe ich gedacht, das ist es.

0:52Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast. Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Charlie Jöst und Lucian Haas am Mikrofon. Als der DHV vor 42 Jahren gegründet wurde, stand der junge Charlie Jöst den Zielen des Verbandes noch sehr kritisch gegenüber. Wenig später ließ er sich dann aber doch von der Notwendigkeit einer gewissen Reglementierung der Drachen und später auch Gleitschirmfliegen überzeugen, im Sinne der Sicherheit für die Piloten. 1996 wurde Charlie an die Spitze des Verbandes gewählt, als Konsens - und Übergangskandidat, um einen damals im DHV schwelenden Richtungsstreit zu schlichten. Es wurde ein langer Übergang.

1:38Lucian Haas

25 Jahre später gibt Charlie Jöst nun sein Amt als Vorsitzender ab. In dieser Folge 68 von Podz-Glidz blickt der 69 -Jährige kurz vor Ende dieser Ära auf seine Zeit beim DHV zurück. Was wertet er als seine größten Erfolge? Mit welchen Projekten ist er gescheitert? Welche besonderen Erlebnisse gab es? Und welche peinlichen Momente? Wer Charlie Jöst schon live erlebt hat, wird bestätigen können, dass der Mann Entertainer -Qualitäten besitzt. Als Sänger und guter Geschichtenerzähler weiß er jedes dröge Protokoll aufzulockern. Und so ist es auch in diesem Podcast. In Charlies Mund wird aus trockener Verbandsarbeit ein unterhaltsames Geschäft. En passant erfährt man viel Interessantes über die Geschichte, die Geschichte, die Geschichte.

2:24Lucian Haas

Und die Befindlichkeiten der vielleicht mächtigsten Organisationen der Gleitschirmszene. Charlie erzählt aber auch von seiner persönlichen Geschichte. Unter anderem vom ersten Flugversuch im Alter von nur fünf Jahren. Dem Drachenfliegen als Autodidakt. Ein imposanter Erstflug am Gleitschirm. Pioniertaten bei der Startplatzsuche. Seine Fast -Karriere als Profi -Schlagzeuger. Und seine Erfolge als Filmautor. Wenn dir dieser Podcast gefällt, dann kannst du meine Arbeit daran auf unterschiedlichste Weise unterstützen. Du kannst helfen, Podz-Glidz bekannter zu machen. Zum Beispiel indem du den Podcast in Gespräch mit Fliegerfreunden oder via Social Media weiterempfiehlst. Natürlich kannst du Podz-Glidz und den zugehörigen Blog Lu-Glidz auch finanziell unterstützen.

3:12Lucian Haas

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3:22Lucian Haas

Charlie, was weckt es für dich für Gefühle? Oder Erinnerungen, wenn du das

3:27Charlie Joest

Wort Tritonus hörst? Tritonus war eine wunderschöne Zeit. Viele wissen gar nicht, was ein Tritonus ist. Das ist also eine Kadenz, also ein Dreitonschritt. Drei ganze Töne sind ein Tritonus. Das war der Diabolo in Musica. Wissen das die Musiker meistens? Das ist eine Dissonanz. Und so haben wir unsere Band genannt. 1970, 71. Und in dieser Band habe ich sechs Jahre. Rockmusik gemacht. Du warst der Schlagzeuger. Das ist richtig. Und nicht weit von hier haben wir die erste Schallplatte gemacht. Gerade mal 500 Meter weg von hier war ein Tonstudio.

4:06Lucian Haas

Hier heißt jetzt, wir sitzen hier in Heidelberg bei dir zu Hause und 500 Meter von dir zu Hause weg war das Tonstudio. Erste Platte damals gemacht. Hatte die in irgendeiner Weise Erfolg?

4:16Charlie Joest

Die erste Platte hatte keinen großen Erfolg. Aber wir haben einen Plattenvertrag damit bekommen bei BASF. Und BASF hat, wissen viele nicht, früher Schallplatten produziert. Und damit haben wir dann die Tür aufbekommen, um Langspielplatte, die erste Langspielplatte zu machen. Und die habt ihr dann auch noch aufgenommen? Die haben wir aufgenommen und die ist aber nicht hier aufgenommen worden. Das war ein kleineres Tonstudio in Heidelberg, sondern wir waren im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg. Da war ein junger Toningenieur, der hat gerade angefangen. Der heißt Carlos Albrecht und ist heute eine Koryphäe in diesem Geschäft. Als

4:55Lucian Haas

ich da über dich ein bisschen recherchiert habe, da ist dieses Tritonus mir aufgefallen. Ich wusste ja schon von Jahreshauptversammlung, wo du manchmal danach dich auch noch mal als Schlagzeug gesetzt hast, also dass du das kannst und dass du auch früher Musik gemacht hast. Dann habe ich dieses Tritonus da gefunden und da stand dann auch, ja zwei der Bandmitglieder seien auch Segelflieger und deswegen kämen in den Texten auch Anklänge, beziehungsweise von den Inhalten her ging es auch ums Fliegen. Hast du selber da auch Texte damals geschrieben?

5:23Charlie Joest

Ich habe zum Teil mitgeschrieben, ich habe auch Musik mitkomponiert, also diese Titel wurden oft gemeinsam erarbeitet. Wir waren ein Trio, wir haben, das ist kein Geheimnis, ein bisschen Amazon Lake in Parma ähnlich gespielt und haben auch solche Themen aufgegriffen. Und weil Ronald Brandt, der Spitzname Phipps, unser Bassist, ebenfalls Segelflieger war, den habe ich noch zum Segelfliegen gebracht, haben wir zum Beispiel den Titel Gliding aufgenommen. Und da haben wir die Gefühle des Fliegens versucht zu verarbeiten. Hattest du denn damals auch Träume, vielleicht Profimusiker zu werden? Ja, das war tatsächlich im Raum gestanden. Ich bin irgendwie dankenswerterweise mit verschiedenen Talenten gesegnet worden, leider nie gut genug, um richtig ein Star zu sein.

6:11Charlie Joest

Also ich kann Musik machen, ich bin Schlagzeuger, ich kann fliegen, ich bin Lehrer dann gewesen und habe andere Talente gehabt, aber die waren nie gut genug, um richtig ein Star zu sein. Um ganz richtig hoch zu kommen, also richtig an die Spitze zu kommen. Ich würde sagen, ich bin so der Mensch, der das Mittelmaß hat und damit bin ich eigentlich ganz zufrieden gewesen. Und der Berufsmusiker, der hat eine Zeit lang in mir rumgespuckt, aber dann hatte ich eine Begegnung mit anderen Musikern am Rhein in Rüdesheim. Und das war so schockierend, dass ich dachte, ich will doch kein Berufsmusiker werden. Willst du wissen, was da passiert ist? Wenn du es schon so antextest, auf jeden Fall. Okay.

6:57Charlie Joest

Also ich habe da zu dieser Zeit keine Rockmusik mehr gemacht, sondern ich habe da ein bisschen Geld verdienen müssen für mein Studium und da habe ich in einer Showband gearbeitet. Tanz? Tanzmusik, ja. Ein bisschen höhere Tanzmusik, also ein bisschen besser, aber es war Tanzmusik. Und wir haben dort einen Ball gespielt in Rüdesheim und haben dort Künstlerprobe gehabt mittags, also Künstler begleitet. Ich habe interessante Künstler begleitet. Leute, die man vielleicht heute nicht mehr kennt, aber ich bin sogar mal mit Otto auf der Bühne gestanden. Otto Walkes. Mit Otto Walkes, ja. Und in dieser Zeit haben wir dann, wie gesagt, Rüdesheim. Das dürfte so Mitte der 80er gewesen sein oder Anfang der 80er. Und wir haben dann eine Pause gehabt und wir sind durch die Drosselgasse gelaufen und da waren Musiker.

7:45Charlie Joest

Die haben mittags dann so für die Touristen Musik gemacht. Und ich gucke da rein. Das waren so braun poliertes, altes, gewachstes Holz, weiches Holz. Und ich gucke so zu dem Schlagzeug hin und auf einmal sehe ich, dass dieses Schlagzeug langsam in den Boden eingesunken ist. Also die Ständer, die waren schon im Boden eingesunken. Und dann dachte ich, wow, dieses Schlagzeug, es war auch schon wirklich ein älteres Modell, steht ja schon einige zehn Jahre. Und dann kamen die beiden Musiker und die waren dann 70 plus. Die kamen dann so reingeschlappelt so. Haben auf die Uhr geguckt, hatten so ein S -Paketchen in der Tüte dabei. Haben sich an ihre Instrumente, es war so eine Fafisa -Orgel und der Schlagzeuger, haben sich einmal zugenickt.

8:34Charlie Joest

Und dann ging es los mit Vater Rhein. Ich habe den Vater Rhein in seinem Bett gesehen. Dann ist mir klar geworden, die zwei mussten überhaupt nichts mehr sagen. Die machen das schon so lange. Dass die da jeden Tag mit ihrem Brotkörbchen reinkommen, sich an das Instrument setzen, sich annicken und spielen dieses Programm. Schon seit zehn, zwanzig Jahren wahrscheinlich. Und dann habe ich mir gedacht, wenn du Pech hast, wirst du vielleicht so mal enden als Berufsmusiker. Und das hat mich dann doch abgeschreckt. Und ich habe gedacht, nee, so will ich nicht meine Karriere beenden.

9:15Lucian Haas

Das ist eigentlich eine schöne Überleitung. Weil du sagst, die haben zehn, zwanzig Jahre vielleicht schon dieses gleiche Programm gespielt. Jetzt hast du nicht zehn, zwanzig, sondern schon 25 Jahre lang den Vorstandsvorsitzenden des DRV gespielt, gemimt, personifiziert, voll ausgefüllt, sage ich mal. Wie viel war da für dich dann immer letzten Endes vielleicht auch mal das gleiche Programm?

9:37Charlie Joest

Ja, das ist was anderes gewesen. Als ich eingestiegen bin, muss man wissen, ich bin zwar 1996 als Vorsitzender gewählt worden. War aber 15 Jahre davor auch schon im Verband mit Tätigkeiten. Ich war mal Sportvorstand gewesen, Medienbeirat zum Beispiel. Hattest du den DRV schon mitgegründet eigentlich? Nein, ich bin die Stunde zwei. Die Stunde eins war in Donsdorf und davon hatte ich gehört. Ich war zu der Zeit Segelflieger und bin aber auch schon Drachen geflogen. Habe mir das autodidaktisch und ein bisschen im Odenwald, da gab es schon erste Drachenflieger. Also Stunde eins, nur um das einzuordnen, das war 1979. 1979 war die Stunde eins, denn das war die Stunde null.

10:24Charlie Joest

1979 war Stunde null, in Donsdorf wurde der DRV gegründet. Der DRV gab es ja noch nicht als Namen, sondern die Drachenflieger waren damals dem Aeroclub angeschlossen. Das war auch ein Wunsch des Verkehrsministeriums, dass man sich irgendwo angliedert, weil der Sport war ja so neu. Und die... Die Administrativen konnten ja damit gar nicht viel anfangen. Es gab noch keine Regeln, es gab keine Tests für die Drachen und so weiter. Und man hat dann wohl gehofft, wenn sie jetzt einem Verband sich anschließen, wird das Ganze ein bisschen geordneter. Und der Peter Jansen, wissen viele nicht, der war damals sozusagen der Sportgruppenleiter des Drachenfliegens im Aeroclub, im deutschen Aeroclub.

11:10Charlie Joest

Und ich hatte als Segelflieger davon gehört, dass da was Neues entsteht und fand es überhaupt nicht gut. Weil das Drachenfliegen war für mich Freiheit. Ich wollte keine Scheine, ich wollte keine Regeln. Ich wollte mit meinem Drachen wirklich frei wie ein Vogel fliegen. Das war mir total suspekt, was die da machen.

11:32Charlie Joest

1977 hatte das begonnen im Aeroclub. Und das hatte ich mir dann auch mal angeschaut und habe dann meinen Fluglehrer dort gemacht. Ich habe also noch einen DRC Fluglehrerausweis. Und habe mir gedacht, das was die da machen, die fangen ja neu an. Das ist ja noch gar nicht ausgereift. Die Segelflieger haben doch das alles, Wetterkunde und alles was es gibt, schon viel professioneller gemacht. Warum muss man das Rad neu erfinden? Und habe da auch Kritik geübt damals während des Lehrerlehrgangs. Und später dann auch, als ich hörte, es soll da ein Verband geben. Und hatte mittlerweile andere Drachenflieger kennengelernt im Schwarzwald. Das war der Paul Kofler und der Ali Schmidt, unvergessen. Und die sagten mir, Charlie komm doch mal bei uns. Wir haben einen Verband gegründet.

12:18Charlie Joest

Und jetzt haben wir, ein Jahr später, die erste Sitzung. Komm doch mal und sag, was dir alles nicht gefällt. Da habe ich gesagt, mir gefällt einiges nicht. Und dann bin ich hin. Da dachte ich, wenn man Kritik hat, soll man es ja auch äußern. Und den Klaus Tenzler kannte ich von diesen Fluglehrerlehrgängen. Und den Peter Janssen habe ich dann zum ersten Mal live gesehen. Und der Peter ist auf mich zugegangen. Paul Kofler hat mich vorgestellt. Und der Peter Janssen sagte, du bist der Charlie, dem das überhaupt nicht gefällt, was wir machen. Da sagte ich, ja genau, genau so ist es. Ich finde es furchtbar. Ihr wollt jetzt Scheine ausstellen und alles mögliche. Und ich hatte so viele schöne Freiheiten die ganze Zeit. Und dann haben wir ein sehr ernstes Gespräch geführt. Und der Peter hat mir mal die Unfälle aufgezählt, die bisher passiert waren.

13:06Charlie Joest

Dass die Ausbildung immer noch krankt. Und dass der Sport, wenn er jetzt nicht in bessere, in ernstere Bahnen kommt, leiden wird. Und vielleicht sogar verboten wird. Und am Ende sagte er, weißt du was, wenn du so viel Kritik hast, komm her und mach es besser. Und so bin ich zum DHV gekommen. Das war dann die Stunde zwei. Das war die Stunde eins. Die Stunde null war Donsdorf. Das war die Stunde eins in Lofenau. Und ab da habe ich mich dann beteiligt und habe mitgearbeitet. Und viele meinen, ach Gott, das war ja so selbstlos. Was ihr da alles gemacht habt. Nein, wir waren eigentlich egoistisch. Denn wir wollten ja, dass der Sport nicht verboten wird. Wir wollten, dass der Sport sicher wird.

13:53Charlie Joest

Also das, was wir gemacht haben. Wir wurden dann ein sehr gutes Team zusammen. Das, was wir gemacht haben, hat ja auch unseren Sport gesichert. Wir haben das auch für uns gemacht. Und später hat man gemerkt, immer mehr Sportler kommen dazu. Immer mehr Menschen sind begeistert. Und dann ist der politische Aspekt dazu gekommen. Das heißt, man wurde stärker. Man wurde gehört. Und es war das große Verdienst auch von Peter Janssen, dass der damals noch in Bonn, das Verkehrsministerium, dass wir dort die ersten Gespräche hatten. Und denen sagen konnten, am liebsten wäre es uns, wenn ihr uns machen lasst. Und wir legen euch vor, was wir verbessern wollen. Und ihr kontrolliert uns, wenn es sein muss.

14:39Charlie Joest

Und dann hat der Gesetzgeber tatsächlich ein Experiment gemacht. Was es bis dahin nicht gab. Das bemannte Fliegen in Deutschland ist immer reguliert gewesen vom BMV. Heute BMVI. Und damals hat das BMVI, der Bundesverkehrsminister, dem Deutschen Hängekleiderverband, ursprünglich auch Aero Club, aber jetzt Deutscher Hängekleiderverband, hat er diese Befugnisse gegeben, man nennt das Beliener des deutschen Rechts, dass wir Fluggeräte prüfen dürfen. Und Piloten ausbilden und Fluglehrer ausbilden. Das gab es bis dahin in Deutschland nicht.

15:21Lucian Haas

War das denn am Anfang wirklich ein Versuch, auch als solcher tituliert und gesagt, wir testen das mal ein Jahr oder zwei und wenn ihr euch nicht bewährt, dann streichen wir euch dieses Recht wieder?

15:30Charlie Joest

Das war auf Widerruf. Das kann man sicher sagen. Am Anfang auf jeden Fall. Und das hat man genannt Allgemeinverfügungen. Der Peter hat uns das immer schön erklärt als Jurist. Ich dachte immer, das wäre so eine richtige belastbare Gesetzesinitiative. Aber Allgemeinverfügungen werden vom Ministerium erlassen und können jederzeit wieder einkassiert werden. Erst Jahre später, ich glaube 1993, haben wir zum ersten Mal eine echte Gesetzesgrundlage bekommen. Denn mit der Allgemeinverfügung und mit dem Luftrecht damals waren wir nicht genannt als Drachen und Gleitschirmfliegen. Das gab es eigentlich nicht. Drachen waren an der Stelle, das sind nur gefesselte Luftfahrzeuge. Und uns haben sie immer wieder geschoben in sonstiges für die Luftfahrt benutztes Gerät.

16:20Charlie Joest

Schön. Ich fliege ein sonstiges für die Luftfahrt genutztes Gerät. Aber damit waren Winden gemeint und solche Dinge. Und wir waren immer in so einem grauen Raum, kann man sagen. Und geändert hat sich, das ging sogar über die Gelände dann, der Verkehrsminister hat uns auch Befugnisse gegeben, dass wir überall, wo der Grundstücksbesitzer Ja gesagt hat und wir waren 1,5 Kilometer weg vom nächsten Flugplatz, durften wir überall fliegen und landen, wenn der Grundstückseigentümer Ja sagte. Und so sind dann die Flugplätze, also die Fluggelände in Deutschland gewachsen und entstanden. Das war eine tolle Freiheit. Und dann wurde in, ich verkürze es ein bisschen, in Freiburg sollte wieder ein Fluggelände zugelassen werden.

17:10Charlie Joest

Und nur wenn, also zum Beispiel, wenn in der Nähe Verkehr gewesen wäre, also Autoverkehr, oder wenn in der Nähe ein Flugplatz zu nah gewesen wäre oder Mischflugbetrieb gewesen wäre mit Motorisierten, musste das Regierungspräsidium auch okay geben. Ansonsten waren wir frei. War eine tolle Sache. Und in Freiburg ist es dann passiert, dass das Regierungspräsidium, es war ein ganz bestimmter Beamter dort, der hat uns dann auch auf den Kieker, der hat gesagt, dieser Flugplatz, den lasse ich so nicht durchgehen, wie ihr den macht. Ihr landet zu nah an der Straße. Ihr seid eine Ablenkung für den Verkehr. Daraufhin gab es einen Prozess beim Amtsgericht und die Freiburger Drachenflieger haben gewonnen. Und wollten schon ein Fass aufmachen.

17:55Charlie Joest

Denn die Richter, das ist interessant, die sagten, ich finde es eigentlich, tolle Richter waren das damals am Amtsgericht, die sagten, wenn die Drachenflieger dort eine Ablenkung sind, dann darf da kein Mädchen mit Minirock mehr laufen. Und deswegen lassen wir die Flieger da auch fliegen. Aber dieser Beamte und auch das Freiburger Regierungspräsidium hatte einen sehr guten Juristen, der hat jetzt nicht mehr gesagt, die dürfen da nicht landen, sondern der hat gesagt, wieso dürfen die am Regierungspräsidium vorbei überhaupt Gelände zulassen? Das ist doch Sache der Landesbehörden. Der BMVI kann doch nicht sagen, hier, das Land darf jetzt bestimmen, ihr könntet Flugplätze aufmachen, wie ihr wollt.

18:41Charlie Joest

Und ist vor das Verwaltungsgericht. Und hat gewonnen ohne Revision. Das heißt, unsere Freiheit war schlagartig dahin. Und jetzt war das Verkehrsministerium gezwungen, eine Rechtsgrundlage zu schaffen für uns. Und so sind wir in das Luftrecht überhaupt erst hineingekommen. Der Peter Hansen sagte damals, eigentlich haben wir etwas verloren. Und gleichzeitig aber etwas gewonnen, weil jetzt wir als Luftsportgeräte zum ersten Mal einen Namen bekommen haben und wahrgenommen wurden. Aber die Fluggelände -Zulassung war schwieriger geworden.

19:23Lucian Haas

Nur ganz kurz, wenn du jetzt entscheiden dürftest zwischen Freiheit der Vorigen und diesem einen Namen haben, ein Recht haben, einen Titel haben, gewissermaßen juristisch besser fassbar zu sein, was würdest du wählen?

19:37Charlie Joest

Als ich 25 Jahre alt war, junger Segelflieger und eigentlich verhindern wollte, dass dieses Drachenfliegen in Zwänge kommt, hätte ich gesagt, auf jeden Fall die Freiheit behalten. Als ich später gesehen habe, wie die Freiheit auch viele Opfer gekostet hat, weil die Fluggeräte nicht geprüft waren oder weil plötzlich Landeplätze einfach der Besitzer gesagt hat, so jetzt braucht ihr nicht mehr kommen, Ende, Ende mit dem Flugplatz. Als ich das erlebt habe und jetzt zurückblicke, war es besser und wichtiger, Rechte zu haben, auch wenn Pflichten dabei sind. Aber uns kann niemand verjagen, wenn das alles juristisch sauber von den Behörden abgesegnet ist. Italien, Lucian, hatte die große Freiheit.

20:23Charlie Joest

Noch in den 80er, 90er Jahren haben Flieger zu mir gesagt, Charlie, was soll das? Der DHV hat das wieder und will wieder das und da müssen wir Scheine machen als Piloten und sonst was. Und ich kann auf dem Fluggelände, kann ich nicht fliegen. Der Bauer hat gesagt, er kündigt uns und so weiter. Da sage ich ja und? Ja, ohne Italien fliege ich, wo ich will. Ich lande, wo ich will. Kein Mensch regt sich auf, keiner flagt nach dem Schein. Wenige, ein, zwei Jahre später ist der, da waren auch hauptsächlich Drachenflieger zu der Zeit, Gleitschirm gab es noch gar nicht so, ist der Neffe des Verkehrsministers mit dem Drachen tödlich verunglückt und dann hat sich die italienischen Behörden zum ersten Mal richtig mit diesem, ähm, wilden Fliegen befasst und hat über Nacht das Drachenfliegen komplett verboten.

21:12Charlie Joest

Ende. Der hat gesagt, die haben ja gar keine Rechtsgrundlage. Fertig. Da haben Flieger angerufen in, bei uns beim DHV und haben gesagt, was ist passiert? Die haben einen Drachen beschlagnahmt, über Nacht. Auf einmal wurden in Italien die Drachen beschlagnahmt. Die mussten die Drachen zu den, zu den Polizeibehörden fahren und die Polizeibehörde hat die Drachen eingeschlossen und hat denen noch verfahren, versucht anzuhängen. Und dann habe ich zu den Fliegern gesagt, so und jetzt, was habt ihr jetzt von eurer Freiheit? Lieber habe ich ein verbrieftes Recht und muss dafür auch etwas tun und leisten, als dass ich Freiheit habe, die gar keine Freiheit ist.

21:48Lucian Haas

Das wäre jetzt ja wahrscheinlich so eine der, könnte man fast sagen, neben der Sicherheitsaspekt, so der andere vielleicht maßgebliche Punkt des DHV, wo man sagt, da hat der wirklich eine große Bedeutung.

22:03Lucian Haas

Du hast, wenn man das jetzt so zurückguckt, wenn du sagst, du bist ab Stunde eins dabei oder Jahr eins oder was auch immer, dann bist du jetzt ja auch schon über 40 Jahre mit den Geschickten des DHV verbandelt. Ja. Fast 50

22:17Charlie Joest

Jahre, ja.

22:18Lucian Haas

Und das schon 50? Nee, 40.

22:21Charlie Joest

40, 40,

22:22Lucian Haas

Entschuldigung. 79, bist du jetzt 40. Also jetzt wären es 42 Jahre in diesem Jahr. Dann wärst du 41 Jahre dabei. Und 25 davon warst du dann jetzt Vorstandsvorsitzender. Und hast jetzt aber auch gesagt, nee, jetzt, will ich das mal abgeben. Wenn du das so sagst und dir das vorstellst, hast du da auch so ein bisschen was

22:42Charlie Joest

wie Wehmut? Ja, ist schon. Also ich habe mir lange Gedanken gemacht, ob ich jetzt diesen Zeitpunkt wähle oder nochmal antrete für drei Jahre. Und ich habe mir aber diese Gedanken auch schon vor drei Jahren gemacht. Weil ich wusste, ich werde und will auch nicht bis ins hohe Alter Vorsitzender des Verbandes sein. Ich habe es immer gerne gemacht. Und das habe ich auch immer meinen Leuten gesagt auf den Versammlungen. Ich mache es gerne. Sagt mir, wann ich aufhören soll. Jetzt hat mir niemand gesagt, ich soll aufhören. Aber ich habe selber für mich so das Gefühl gehabt, eigentlich wäre jetzt, ich könnte natürlich sagen, Angela Merkel hat im Frühjahr angerufen, hat gesagt, Charlie, pass auf, ich höre auf im Frühjahr.

23:28Charlie Joest

Wie sieht es bei dir aus? Dann habe ich gesagt, Angela, weißt du was, ich höre auch auf. Das war jetzt Spaß, natürlich. Nein. Ich bin ja damals vor 25 Jahren nicht Vorsitzender geworden, weil ich es werden wollte, sondern ich habe Streit geschlichtet. Der Verband war damals in einer Zerreißprobe. Und ich habe versucht zu vermitteln. Und bei diesen Vermittlungsversuchen ist irgendwann immer mehr, hat sich immer mehr herauskristallisiert. Das kann man auch sagen. Peter Jansz als damaliger Vorsitzender hatte eine Schar von Getreuen um sich, die mit ihm durchs Feuer gegangen sind. Und auf der anderen Seite waren neue Bewegungen. Die Namen muss man jetzt nicht mehr sagen. Aber es hatte auch was mit Freiheit zu tun.

24:14Charlie Joest

Nämlich diese, wir wollen mehr Freiheiten haben. Also weg von diesen Regulierungen und so weiter. Und es war auch ein Streit um Ideale. Und das hätte den Verband zerrissen. Es hätte sein können, dass wir zwei Verbände bekommen.

24:30Charlie Joest

Und ich hatte zu jeder Gruppierung gute Drähte gehabt. Und habe versucht, immer die Parteien zusammenzubringen. Und kurz bevor der Knall kam, war interessant, haben beide nacheinander, ohne sich abzusprechen, bei mir angerufen und sagten, also Charlie, wenn du das jetzt übernimmst und der Peter Janssen nicht mehr antritt oder zurücktritt, würden wir nochmal probieren zusammen. Wenig später ruft Peter Janssen an, den ich auch kritisiert hatte. Der Peter sagte, Charlie, ich merke, wir kämen in einen Krieg, bei dem der Verband leiden würde. Und ich würde sagen, ich würde dich bitten, würdest du den nächsten Vorsitz machen?

25:15Charlie Joest

Ich wollte gar nicht. Ich habe gesagt, Mensch Peter, lasst mich, lasst mich doch. Ich bleibe gerne im Vorstand. Aber einen Vorsitz will ich jetzt nicht machen. Doch, beide Parteien. Es war dann auch eine Kollegin von dir, die Presse gemacht hat, die damals das Drachenfliegermagazin gemacht hat. Die haben angerufen und gesagt, Charlie, du musst das machen. Dann wurde ich von drei Seiten angesprochen. Und dann habe ich gesagt, wisst ihr was, ich mache es jetzt übergangsweise. Ich mache jetzt ein Jahr oder zwei und dann suchen wir einen neuen Vorsitzenden und der soll dann weitermachen. Das ist ein ganz schön langer Übergang geworden. Das

25:50Lucian Haas

war ein ganz

25:50Charlie Joest

schön langer Übergang, 25 Jahre.

25:53Lucian Haas

25 Jahre, das ist ja ein Vierteljahrhundert. Das klingt fast nach nochmal mehr. Gefühlt hat das mehr Gewicht. Wenn du sowas hörst und dir das selber vorstellst, macht dich das selbst so ein bisschen ehrfürchtig?

26:07Charlie Joest

Nein, eigentlich nicht ehrfürchtig, muss ich sagen. Weil in dieser Zeit, die ist verflogen. Das waren wunderbare Zeiten. Ich habe, ja gut, man kann sagen, mein Leben, ohne dass ich es gesteuert hätte, ist zum Großteil von dieser Fliegerei und dem Verband eingenommen worden. Das Fliegen hat mich mein Leben lang begleitet. Und das werde ich machen, bis ich tot umfalle. Irgendwas werde ich fliegen. Wenn ich körperlich nicht mehr Drachen fliegen oder Gleitschirmfliegen kann, fliege ich weiter. Ich fliege auf Segelflugzeuge oder sowas. Aber auch dieses gemeinsame Arbeiten an Ideen mit den Menschen, das hat Spaß gemacht. In diesen Jahren habe ich wunderbare Menschen kennengelernt, die das Gleiche wollten. Man könnte vielleicht so sagen, ich habe, gut, das werden die Taucher und die Bergsteiger auch sagen, aber ich habe in unserem Sport, im Fliegen,

26:58Charlie Joest

habe ich mit die wertvollsten Menschen kennengelernt, die ich in meinem ganzen Leben immer wieder kennenlernte. Wir sind was Eigenes. Wir Flieger sind was Besonderes, sagen vielleicht die Bergsteiger auch, klar. Und trotzdem behaupte ich, wir haben irgendwas. Und das macht Spaß und es macht Spaß mit diesen Menschen. Und deswegen sind die 25 Jahre eigentlich wie im Flug vergangen. Was würdest du sagen,

27:23Lucian Haas

was ist so ein toller Charakterzug, den so viele Flieger haben, was macht das aus?

27:29Charlie Joest

Es ist abgedroschen, aber vielleicht macht es aus, dass wir A was tun müssen, um diesen Sport zu machen. Also das ist nicht den Ball rausholen und aufs Tor kicken, sondern du musst dein Fluggerät warten, du musst gucken, dass alles stimmt, du musst auf den Berg, du musst an die Winde, sonst was. Zweitens, du musst dein Gerät beherrschen, du musst lernen, damit umzugehen. Und du lernst schon früh, du darfst dir keine Fehler erlauben. Es klingt vielleicht altmodisch, aber Fliegen bildet den Charakter, den Charakter für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Und heute noch, wenn ich am Berg stehe oder wenn ich ins Flugzeug steige, geht mein Puls hoch. Ich merke die Adrenalinausschüttung, obwohl ich sagen könnte, ich habe bestimmt mit Drachen und Gleitschirm

28:14Charlie Joest

tausende Flugstunden, mit Flugzeugen zusammen nochmal ein paar hundert Flugstunden. Und trotzdem habe ich eine Erregung, eine unglaublich schöne Erregung, wenn ich den Gleitschirm auspacke und die Gurte einklinke und der Puls geht hoch. Und ich denke, viele von uns mögen das. Wir mögen diese Spannung. Und dann kommt die Erlösung. Luciano, du bist selber Flieger. Dann die Erlösung, wenn man rausfliegt, der Flügel trägt. Das ist für mich immer noch der schönste Moment. Egal, ob er das Flugzeug abhebt oder die Füße in die Luft gehen. In dem Moment kommt die Erlösung. Und dann bin ich daheim.

28:59Lucian Haas

Aber das wäre jetzt der eilende Pilot, der das ja auch für sich allein erleben kann. Jetzt hast du gesagt, in der Gemeinschaft erlebe ich aber auch sehr positive Menschen. Oder welche, wo du sagst, das sind ganz besondere Menschen. Was macht dann das Gemeinschaftliche des Fliegens? Oder was macht den Flieger in der Gemeinschaft so besonders?

29:17Charlie Joest

Ein kleines Beispiel wäre vielleicht meine Arbeit mit Burki. Der hat ja bei dir auch schon einen Blog gemacht. Burkhard Martens. Burkhard Martens, ja. Der Burki und ich und auch andere, aber Burki war federführend, haben ja die zwei Filme, seine Bücher verfilmt. Und diese Arbeit, die wir da zusammen hatten, waren für mich übrigens, obwohl ich viele Industriefilme und alles Mögliche gemacht habe, aber diese Arbeit gehört für mich zu den schönsten Erlebnissen in meiner Fliegerei. Gleichzeitig auch noch meine Filmerei, die ich auch liebe. Aber in dieser Zeit haben wir zwei eigentlich immer wieder dieses Gefühl, voneinander zu lernen und miteinander zu entwickeln, immer wieder gespürt.

30:03Charlie Joest

Das konnte ich nur mit einem Flieger. Bei Industriefilmen saßen die Ingenieure daneben und haben mir gesagt, Herr Joest, wir brauchen jetzt das oder das oder das. Und dann habe ich gesagt, gut, Sie sind der Ingenieur, ich kann Ihnen sagen, als Filmer sollten wir diese Gewindeschraube nicht zu lange zeigen oder so. Mit einem Flieger wie dem Burki zusammen haben wir ganz anders gesprochen über das Fliegen, über das Filmen. Und das war, das kann man sagen, was wir zwei erlebt haben oder zu dritt erlebt haben. Wenn man das jetzt auf die Kommission überträgt, wenn so eine Hängekleiderkommission zusammenkommt und dann kommt auf den Tisch, wir haben folgendes Problem. Ich kann mal die aktuellen Probleme sagen. Der Luftraum wird immer enger.

30:49Charlie Joest

Das ist ein Problem, was uns beschäftigt und auch beschäftigen wird. Wie können wir unsere Fliegerei so frei wie möglich halten? Sicherheit war sowieso immer oberstes Gebot beim DHV. Und jetzt geht es auch an unsere Freiheit. Wie können wir die Freiheit sichern? Und dann ist es einfach schön, Menschen dabei zu haben, in einem Brainstorming erleben, wie viele Ideen geboren werden und wie dann auch wieder die Wünsche jedes Einzelnen, diese Freiheit zu erhalten, da sind und man gemeinsam an Lösungen arbeitet. Das macht diese Arbeit so schön im Verband und auch speziell in der Kommission. Ist das auch, weil

31:30Lucian Haas

Flieger vielleicht irgendwie einen sehr gemeinsamen Traum dann auch haben? Erlebt jeder für sich anders? Jeder hat eine andere Art, welche Gefühle er wahrscheinlich in der Luft entwickelt. Aber trotzdem ist das ja etwas emotional sehr Verbindendes. Also

31:45Charlie Joest

da bin ich sicher, dass es so ist. Die Emotionen spielen bei unserem Fliegen, ich sage immer Sport, es ist ja nur für wenige richtig Sport. Die Hochleistungssportler treiben wirklich Sport, die knallhart streben. Die meisten von uns sind ja Genussflieger. Allein schon der Begriff Genussflieger ist ja schon verrückt eigentlich. Der Achim Joos hat mal zu mir gesagt, ey, du sagst immer, du bist Genussflieger, ich bin Wettkampfflieger. Ich habe aber auch Genuss beim Wettkampffliegen. Da hat er recht, natürlich. Aber die meisten sind einfach schon zufrieden, in der Luft zu sein und wieder zu fliegen und einfach wieder sicher zu landen. Und dieses Genießen, das glaube ich, ist bei jedem Flieger da.

32:28Charlie Joest

Diese Spannung, was ich vorhin schon mal sagte, erst diese Spannung, diese wunderbare und dann diese Erlösung. Was ich auch immer erlebe,

32:36Lucian Haas

was das Fliegen glaube ich auch für viele so interessant macht, spannend auch, aber interessant ist, man lernt ja nie aus. Und selbst der PWC -Gewinner sonst was wird einem immer noch sagen, ja, da habe ich was erlebt, das konnte ich nicht sofort einordnen. Oder der ist wohin geflogen, wo ich in dem Moment nicht hingeflogen bin. Und dann ist der aber hochgegangen. Und wer steigt, hat natürlich recht. Und dann wird man sagen, ja, das habe ich jetzt nicht gesehen oder nicht verstanden. Aber offenbar geht es so auch. Und dass man da überall immer lernen kann und auch voneinander halt die ganze Zeit lernt und auch weiß, man ist nicht ein Allwissender, sondern eine alllernende Gemeinschaft in gewisser Weise.

33:15Charlie Joest

Das habe ich als Fluglehrer erlebt. Ich habe schon ganz früh, 1977 habe ich schon den Fluglehrerassistenten gemacht und habe dann Drachenflieger ausgebildet und später auch die Fluglehrer selbst ausgebildet, viele Jahre lang im Verband. Und habe dort selber viel gelernt, wieder von anderen. Da sind ja auch Piloten gekommen, die waren flugtechnisch besser als ich, wollten Fluglehrer werden. Da hat man voneinander gelernt. Du bist ein hervorragender Wetterexperte. Du hast wahrscheinlich erst mal nicht Wetter studiert. Du hast dich reingelesen, wie ich auch. Das heißt, wir haben Wetterphänomene gesehen und haben uns dann Bücher besorgt. Damals gab es noch nicht diese ganzen elektronischen Möglichkeiten. Und als Segelflieger war ich ohnehin

34:00Charlie Joest

dem Wetter sehr zugetan. Und man hat sich dann, ohne das Gefühl zu haben, dass man gezwungen lernt, sondern man hat diese Bücher gefressen. Man hat nächtelang nicht geschlafen, weil das einfach so spannend war. Und dieses Lernen, als gelernter Lehrer kann ich ja sagen, das ist ja der Idealzustand eines Schülers. Der Idealzustand des Lehrers ist ja der, während meines Studiums haben wir das immer wieder besprochen, der Lehrer geht ins Klassenzimmer und sagt zum Beispiel, jetzt für unsere Fliegerei gemünzt, Wolkenbildung. Und dann setzt sich der Lehrer hin und die Schüler beginnen selbstständig alles zusammenzusuchen, was sie über Wolken finden.

34:48Charlie Joest

Leider funktioniert ja Unterricht leider nicht immer so schön. Aber bei uns Fliegern funktioniert es. Die, die wirklich alles wissen wollen, die nehmen alles auf, was geht und haben nicht das Gefühl, sie haben Zeit vergeudet.

35:04Lucian Haas

Gibt es so etwas, wo du sagen würdest, falls man das immer auf einen Punkt so runterbrechen kann, aber etwas, wo du sagst, das war meine größte Lehre in der Zeit als Vorstandsvorsitzender?

35:15Charlie Joest

Boah, das ist eine Frage, wo ich nachdenken muss.

35:19Charlie Joest

Wüsste ich jetzt auf Anhieb, müsste ich drüber

35:22Lucian Haas

nachdenken. Dann stell dich mal ein bisschen anders. Was siehst du denn als so deinen größten Erfolg in deiner Zeit als Vorstandsvorsitzender? Wo du sagst, hey, das kann ich wirklich sagen, das ist auf meinen Schultern gewachsen.

35:33Charlie Joest

Ja, das war,

35:36Charlie Joest

ich habe ja schon erzählt, wie ich Vorsitzender wurde, eigentlich als Versöhner. Später hat man ja mal gesagt, Charlie, ich habe dich gewählt, weil du nie Vorsitzender werden wolltest. Das

35:45Lucian Haas

ist auch

35:48Charlie Joest

schön irgendwo. Und wir hatten nur wenige Jahre danach, gab es die zweite Zerreißprobe im DHV, und das war dann der Moment, als das Verkehrsministerium, das war die Zeit der Privatisierungen. Wir erinnern uns, das war so in den 90ern, Anfang der 90er, Mitte der 90er, nein, das war Ende der 90er. Ich war ja 96 gewählt, das war dann 98, 99, kam die Privatisierungswelle, da ist ja alles billiger geworden. Da ist ja die Finanzwelt ist dereguliert worden, die Bahn ist privatisiert worden, die Energie ist privatisiert worden. Seitdem ist ja alles billiger geworden. Nicht wahr? Okay. Also es ist eben nicht alles billiger geworden und besser geworden. Gut, aber Privatisierung, gut,

36:33Charlie Joest

wir politisieren ja nicht, aber Privatisierung steht ja mal wieder ganz oben, hat auch ihre Nachteile, Privatisierung. Und jetzt kam das Verkehrsministerium und sagte, ach, und da waren auch Bewegungen da von anderen Seiten, wir wollen die Drachen - und Gleitschirmflieger aus der Regulierung rausnehmen. In anderen europäischen Ländern ist es nicht so streng reguliert wie in Deutschland, wobei wir durften ja viel selber regulieren, sondern wir lassen euch viel mehr Freiheiten. Ein Hintergrund war, wir haben ja auch das Gütesiegel damals gemacht, heute heißt es Musterprüfung, damals war es ja auch Zulassung, also wir haben richtige Flugzeugzulassungen gemacht, es wurde gleich gestrichen, die Zulassung. Der Hintergrund war, dass man keine Staatshaftung mehr haben wollte.

37:19Charlie Joest

Also als unsere Tester noch mit Musterzulassung getestet haben, wäre, wenn sie Bockmist machen, wäre der Staat eingesprungen. Die Zulassung wurde gestrichen, dafür wurde eine Musterprüfung noch verlangt. Das heißt erstmal nicht, die wollten sie alle weghaben. Man hat quasi im BMVI gesagt, das ist wie ein Fahrrad, ist tatsächlich der Begriff gefallen, wir haben das dann zum fliegenden Fahrrad gemacht, und ein Fahrrad braucht ja an sich keine Regelungen groß, braucht eine Bremse und Pedale, und der Fahrer ist selber verantwortlich fürs Fahrrad. Und so sind sie auf uns zugegangen. Wir bieten euch die große Freiheit. Die Musterzulassung ist weg, die Prüfung ist weg.

38:05Charlie Joest

Einzig interessanterweise, Ausbildung wollten sie behalten. Also nach dem Motto, jeder nimmt was und fliegt wie er will. Nein, ein gewisses Grundwissen im Fliegen muss vorhanden sein, aber eure Flugmaschinen interessieren uns nicht mehr. Ihr könnt machen, was ihr wollt. Haben viele begrüßt. Ich habe Diskussionen gehabt. Mit Mitgliedern. Und es waren freiheitsliebende Menschen. Ich konnte das nachvollziehen. Knut von Handic war jemand, mit dem ich sehr gerne darüber diskutiert hatte. Und der Knut hat dann immer gesagt, er war damals in der Kommission auch, Charlie, genieß doch diese Freiheit. Und ich sage, Knut, ich habe das erlebt vor 20 Jahren. Wir wissen nicht, was uns die Leute, die Hersteller andrehen. Die Hersteller sind vernünftig. Tony Bender hat es auch gesagt. Wir Hersteller wollen doch niemanden verletzen.

38:52Charlie Joest

Wir machen das alles gut und richtig. Und dann habe ich gesagt, Tony, erinnere dich, vor 20 Jahren, die Guggemoos -Affäre und so weiter. Es hat erst drei Tode gegeben, bis jemand reagiert hat. Ja, aber Charlie, das ist vorbei. Lass uns die Freiheit machen. Und da bin ich vorsichtig geworden. Da habe ich Angst bekommen. Ich habe mir vorgestellt, die Gleitschirme gab es ja nun schon einige Jahre. Ich habe mir vorgestellt, wie jetzt so ein Kofferraumhändler, so haben wir die genannt, irgendwoher eine Gleitschirme, zusammen genäht hat, fährt irgendwo auf die Wiese und sagt, ich habe ein Gleitschirm für 1000 Mark oder für 1000 Euro getestet. Wunderbar. Ich fliege euch den vor, wenn ihr wollt. Superklasse. Und jetzt kommen da junge Piloten, die gerade ihre Grundausbildung haben und vielleicht noch nicht mal das.

39:41Charlie Joest

Und die kaufen so ein Ding und wissen eigentlich gar nicht, was auf sie zukommt. Und da habe ich zum ersten Mal so etwas wie Last und Verantwortung auf mir gespürt. Und mit mir waren mehrere, die so gedacht haben. Auch unser Technikreferat, der Hannes Weininger, der sagte, Mensch Charlie, wenn dieses fliegende Fahrrad kommt, weiß ich nicht, wie unsere Szene aussieht in wenigen Jahren. Und dann haben wir gegengesteuert, sind zum BMVI und da gab es eine ganz wichtige Sitzung im BMVI. Da wollte uns dann das Referat, was zuständig war, war eine Anhörung, wollte uns wieder das schmackhaft machen mit dem fliegenden Fahrrad. Und da war ein Abteilungsleiter dessen Namen ich jetzt aber nicht sage.

40:26Charlie Joest

Der saß uns gegenüber und der guckte mich an. Ich war Vorsitzender. Herr Jöst, genießen Sie doch die Freiheit. Und ich sage, nein, wir haben auch Verantwortung. Lassen Sie uns die Prüfungen machen, wenigstens die Musterprüfung machen. Und ich sehe ein, die Zulassung kriegen wir nicht mehr. Aber die Musterprüfung, dass junge Menschen, die bei uns fliegen wollen, die wissen doch gar nicht, was auf sie zukommt. Es gab lange Disput hin und her. Die wollten unbedingt, dass das aufgelöst wird. Und dann beugte er sich so vor mich, das war krass, und sagte, Herr Jöst, was wollen Sie denn? Selbstmord ist auch nicht strafbar in Deutschland. Und der Klaus Tenzler saß neben mir. Wir zwei sind blass geworden. Und ich habe zum Klaus rübergezicht.

41:14Charlie Joest

Stann, Stann, Spiegel, Presse, allen müssen wir das erzählen. Diese menschenverachtenden Politiker, diese Technokraten im BMVI. Hört ihr das an? Und wir waren außer uns. Also das hat mich geschockt. Da habe ich gedacht. Ja, der hat auch begründet. Oh, das darf ich nicht vergessen. Lucian, der hat Folgendes gesagt. Vorher. Unsere Experten haben ausgerechnet, meine Damen und Herren, wir wollen das also jetzt viel liberaler gestalten. Unsere Experten haben ausgerechnet, Ihre Flugmaschine besteht ja aus 80, 90 % Mensch. Ist mir gar nicht klar gewesen. So ein Gleitschirm wiegt ja nur 20 Kilo. Und der Mensch wiegt 70, 80 Kilo. Also ist 80 % Mensch. Unsere Experten sagen, wenn die, also von der Gefahr für die Allgemeinheit, es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Masse irgendwo so herunterfällt, dass sie Schaden errichtet.

42:04Charlie Joest

Und wenn sie runterfällt, ist der Schaden gering. So haben wir das beurteilt. Und dann kommt der Satz. Was wollen Sie denn? Selbstmord ist doch auch nicht strafbar. Dann kam die Mittagspause. Wir saßen draußen am Tisch. Und auf einmal kommt ein anderer Abteilungsleiter aus einer anderen Abteilung rüber. Den wir schon kannten von Verhandlungen. Den Namen kann ich sagen. Das war der Herr Gabers. Der Herr Gabers ist jetzt sicher pensioniert. Der kam rüber und sagte, Herr Jöst, das ist ganz was Neues. Sie wollen reguliert bleiben. Uns Beamte passiert das selten, dass man nach uns ruft. Das ist doch wirklich toll. Dann sage ich, nein, Herr Gabers, wir haben Angst, dass das nicht mehr kontrolliert ist.

42:50Charlie Joest

Dann hat er gesagt, ich teile Ihre Ängste. Sie haben vollkommen recht. Und wir werden da noch mal drangehen. Also ich bin auf Ihrer Seite, was das angeht. Und wie denken Sie sich das aber in der Zukunft? Dann habe ich gesagt, lassen Sie uns festlegen, wie wir die Musterprüfung machen wollen. Lassen Sie uns bestimmen, wie die Ausbildung aussieht. Lassen Sie uns weiter die Richtlinien festlegen, damit wir sichere Fluggeräte haben. Und dann kontrollieren Sie uns. Aber lassen Sie uns den Rest machen. Dann hat er gelacht und hat gesagt, schauen wir mal, was rauskommt. Und ich gehöre zu denen, die die Musterprüfung gerettet haben. Darauf bin ich stolz. Und das verteidige ich auch heute noch.

43:37Lucian Haas

Hat dieser Beamte, der das Gegenteil wollte, hat der das als Niederlage erlebt?

43:43Charlie Joest

Weißt du das? Das weiß ich nicht mehr, denn der war kurz vor der Pensionierung und ist dann auch pensioniert worden. Aber ich kann jetzt Folgendes noch sagen, aus dem Nähkästchen geplaudert. Sein Nachfolger war ein anderer Jurist. Und dieser Jurist ist jetzt auch pensioniert, aber ich sage den Namen nicht. Der ist weiter unser Gegner geblieben. Und der hat uns das Leben immer wieder schwer gemacht, als dann die Zeit kam, als mehrere Prüfstellen dann aufkamen und so weiter. Und dieser Beamte hat dann uns immer wieder Knüppel zwischen die Füße geworfen und war also mit an dem Umbau beteiligt, dass die Musterprüfung nicht mehr, also wir sind ja dem LBA angeschlossen, Luftfahrtbundesamt, was unsere Reste als Berliner angeht.

44:46Charlie Joest

Was viele nicht wissen, das Luftfahrtbundesamt überwacht nur noch unsere Pilotenausbildungen, Scheinerteilungen und so weiter. Früher hat es ja auch die Musterprüfungen überwacht, was wir gut fanden. Dieser Beamte hat mit dafür gesorgt, dass Akkreditierungen eingeführt wurden. Also die Privatisierung wurde weitergeführt.

45:09Charlie Joest

Die Akkreditierungsstelle, die dann vor ein paar Jahren gegründet wurde, war auch wieder, um den Staat herauszuziehen und diese Staatsverantwortung wegzunehmen. Und wir mussten mit ein paar anderen Prüfstellen, mussten wir eine Akkreditierung über uns ergehen lassen. Heute können wir sagen, wir haben auch gelernt dabei, aber wir hätten sie nicht gebraucht, die Akkreditierung. Und die hat, das darf ich einfach sagen, der Hannes wird mich verbessern, wenn es nicht stimmt, in der ersten Anlaufphase fast 200.000 Euro gekostet. Und das waren Mitgliedsbeiträge, die wir da aufgebracht haben. Und das hat dann, dieser Beamte wollte auch, das kann ich irgendwo verstehen, wir hatten ja eine Art Monopolstellung für das Gütesiegeln. Und es wurde dann damit aufgebrochen und es haben sich zwei, drei, vier andere Prüfstellen dann beworben.

45:56Charlie Joest

Und eine Prüfstelle, da habe ich jetzt in deinem Blog gehört, dass er sich zurückgezogen hat, hat ja da auch kräftig mitgemischt. Das Guido Reusch mit der IAPR.

46:07Charlie Joest

Und diese Akkreditierungen werden jetzt quasi nur noch von zwei Prüfstellen gemacht. Die kosten uns immer Geld. Und haben uns, ja, durch diesen Beamten, der das mit angeschoben hatte, als Nachfolger dieses ersten Beamten, hat er uns noch, wie sagt man da, so ein kleines Abschiedsgeschenk noch gemacht. Ein

46:28Lucian Haas

kleines, aber teures. Teures Abschiedsgeschenk, ja. Mit der Keheseite vielleicht, dass du sagst, ihr habt auch einiges dabei gelernt. Wahrscheinlich ist die Prüfung dadurch nicht schlechter geworden. Nein, die ist nicht schlechter geworden. Und das, was wir gelernt haben, hätte man billiger haben können. Das mag sicherlich so sein an dieser ganzen Geschichte. Das war jetzt dein, sagen wir mal, größter Erfolg, wo du sagst, du hast das erhalten, dass, ich sag mal, die Sicherheit für die Piloten erhalten blieb. Gibt es etwas, wo du auch sagst, das war dein größter Misserfolg? Wo du wirklich was einstecken musstest und sagst, das ist jetzt nicht nach meinem Willen gelaufen? Ja.

47:04Charlie Joest

Und zwar, da müssen wir jetzt noch einen anderen Verband nennen, und zwar der Deutsche Aero Club.

47:12Charlie Joest

Wir waren ja, von Anfang an war ja gewünscht, dass wir, sind wir wieder beim Anfang, Stunde null, dass wir im Aero Club organisiert sind. Und das waren wir ab 75, 74. Und dort wollte man es ja eigentlich nicht. Die Segelflieger, ich war ja selber Segelflieger, die haben dann gesagt, was wollen wir mit diesen fetzen Fliegern? Das Verkehrsministerium will, dass die zu uns kommen. Wir wollen die gar nicht. Und so wurden wir auch behandelt. Mir hat es nichts ausgemacht. Ich wollte ja eh Freiheit. Freiheit über alles. Den Peter Janssen und andere hat es natürlich geärgert. Und dann haben sie den DHV gegründet, in Donsdorf. Und der DHV war erfolgreich. Zentrale Struktur, Organisation und für die Sicherheit und für die Fluggeräte.

47:58Charlie Joest

Ordentliche Arbeit.

48:01Charlie Joest

Jahre später, und wir waren in Konkurrenz zum Aero Club natürlich. Der Aero Club ist dann aufgewacht, als er gesehen hat, Mensch, diese Drachenflieger, ursprünglich ja nur Drachenflieger, bis 1986, 87 die Gleitschirme dazu kamen, die haben ja immer mehr Mitglieder, kriegen die ja. Der Segelflug ist nur langsam gewachsen und wir sind gewachsen, immer mehr. Du bist ja auch Teil dieser ganzen Entwicklung gewesen, hast es miterlebt. Und als 87 dann die Gleitschirme aufgenommen wurden, sind wir fast explodiert. Da sind wir von 15.000 auf 25, 28, 30.000 in kurzer Zeit hochgeschossen. Und das hat nun dem Aero Club wieder nicht gefallen. Und die haben, wollten uns wieder haben. Das wollten wir aber nicht mehr.

48:47Charlie Joest

Und dann, war eine unschöne Zeit, wo wir zum Beispiel zwei deutsche Meisterschaften hatten im Wettbewerb. Weil die Sporthoheit kriegt immer nur ein nationales Komitee von der FAI, die Fédération Aéronautique Internationale, die also die Sport regelt. Und da war Konkurrenz. Und es war noch etwas passiert. Der Aero Club hat jetzt plötzlich Piloten ausgebildet. Wollte auch Geräteprüfungen und alles machen. Man nennt das Doppelbeauftragung. Und diese Zeit der Doppelbeauftragung, und der zwei Meisterschaften im Jahr und so weiter, hat unsere Piloten geärgert, belastet und uns auch belastet und den DHV Geld gekostet. Und zu Peter Janssens Zeit ist es noch gelungen. Das war ein vernünftiger Aero Club Vorsitzender damals, Dr.

49:33Charlie Joest

Kullmann. Der war früher mal Lufthansa -Chef gewesen. Dr. Kullmann hatte sich mit Peter Janssen mal getroffen, hat unser Peter später erzählt oder ihn angerufen. Herr Janssen, sagen Sie mal, das kann doch nicht sein, dass Sie als Sport mit 20, 15.000 Mitgliedern außerhalb unseres Sports sind. Da hat der Peter ihm das erklärt. Nun, da sagte der Dr. Kullmann, wissen Sie was, wir haben da eine Klausel, habe ich gesehen. Außerordentliches Mitglied. Jetzt kommen Sie doch mit in die Familie. Kommen Sie doch mit rein. Irgendwas finden wir schon. Also ein vernünftiger Mann. Man hat dann einen kleinen Beitrag ausgehandelt. Und wir haben das ganze Sportvertrag genannt. Aber in Wirklichkeit war es mehr als ein Sportvertrag. Denn der Aero Club hat in dem Vertrag auch zugesichert, dass er keine Flucht

50:18Charlie Joest

Fluggeräte mehr prüft, dass er keine Konkurrenzmeisterschaften mehr macht und hat uns die Sporthoheit übertragen. Also wenn man böse wäre, würde man sagen, wir haben den Burgfrieden bezahlt. Andererseits, man war in der Familie und man ist zusammengewachsen. Man war auf den Sitzungen als außerordentliches Mitglied ohne Stimmrecht. Und es war die Zeit, wo ich dann als Vertreter des THV in diesem Aero Club immer wieder war. Und, habe gemerkt, es waren ja auch Flieger, die ich noch kannte, dass da ein Wunsch war auf Veränderungen. Und jetzt komme ich zu dem Punkt, wo ich gescheitert bin und mit anderen. Es war vor ein paar Jahren die Chance, dass eine Bewegung im Aero Club entsteht, die eine Reform des Aero Clubs hinkriegt.

51:06Charlie Joest

Der Aero Club ist in 16 Landesverbände zersplittert, hat einen Dachverband. Da knirscht es überall zwischen den Zuständigkeiten und so weiter. Und der Apparat ist viel zu groß. Das ist ein Wasserkopf, der Energie kostet, der Mannkraft kostet. 16 Landespräsidenten und 16 Kommissionen, die eine Bundeskommission dann wieder machen und Sitzungen ohne Ende und alles. Vernünftige Aero Club Flieger haben aus verschiedenen Landesverbänden ein sehr gutes Konzept vorgelegt für eine Satzungsänderung, bei der auch Einzelmitglieder wie wir, also Einzelverbände, aufgenommen werden konnten. Und da habe ich mitgearbeitet und habe mich eingebracht. Sie haben auch gewünscht, dass ich mitmache.

51:51Charlie Joest

Wir hatten gute Arbeitsgruppen und alles, was wir erarbeitet hatten, in das ich auch viel Hoffnung und Energie gesteckt hatte, ist am Schluss alles wieder den Bach runtergegangen und geplatzt, sodass wir letztes Jahr aus dem Aero Club wieder ausgetreten sind, weil wir mit der Entwicklung nicht mehr glücklich und zufrieden waren. Das könnte ich auch als Scheitern meiner eigenen Mitarbeit und Politik sehen. Aber ich war nicht der Einzige, der da gescheitert ist. Da gehörten viele dazu, dass das Kind leider in den Brunnen gefallen ist.

52:24Lucian Haas

Welchen Vorteil hätte der DAV davon gehabt, Teil eines reformierten DAEC

52:30Charlie Joest

zu sein? Unsere Ideen waren klar. Abbau dieses großen Wasserkopfes und effektive Strukturen.

52:43Charlie Joest

Wir wollten weiterhin zentral organisiert bleiben, weil der Aero Club, da muss man ja in dem Bundesland, in dem man ist, muss man dann auch in diesen Landesverband gehen, dass das nicht sein muss. Und wir haben gesehen, wie die Segelflieger und Drachenflieger zusammenwachsen. Also unsere Hoffnung war auch, und das ist auch, das passiert ja heute noch in manchen Flugplätzen, fliegen Drachen - und Gleitschirmflieger mit Segelfliegern an der Winde im gleichen Verein. Und unsere Hoffnung war, dass wir a hier eine Symbiose hinbekommen und zweitens politisch gestärkt unsere Lobbyarbeit machen und in Sachen Luftraum gemeinsam vorgehen können und eben mit 200.000 Mitgliedern anders agieren können als mit 40.000 Mitgliedern und der Aero Club ebenso.

53:31Charlie Joest

Und das hat

53:33Lucian Haas

im Grunde, vereinfacht gesagt, der DAV jetzt an politischen Einflussmöglichkeiten auch damit etwas

53:38Charlie Joest

eingebüßt. Zunächst könnte man denken, dass das passiert ist und mit Sicherheit würde man, wenn alle unter einem Dach wären, in Frieden schlagkräftiger sein. Aber wir haben schon früh versucht, unsere eigene Lobbyarbeit zu machen und es ist jetzt gelungen. Erstens mal haben wir ein hervorragendes Standing immer noch beim Luftfahrtbundesamt und beim Bundesverkehrsminister und haben jetzt auch über andere Drähte mehr Kontakte zu Politikern, zu Bundestagsabgeordneten und haben uns, ich will jetzt nicht zu weit ausholen, aber die Segelflieger haben auch einen eigenen Verband gegründet, den Deutschen Segelflugverband, der allerdings noch das Problem hat, Segelflieger zu gewinnen aus den Landesverbänden und der Deutsche Modellfliegerverband

54:25Charlie Joest

mit fast 100.000 Mitgliedern. Wir drei haben und es ist gerade so, dass die Fallschirmspringer auch darüber nachdenken, bei uns mit einzusteigen. Da gibt es auch sowohl den Einzelverband als auch den DREC, dass wir eine Kooperation gegründet haben und mit dieser Kooperation sind wir auch vorstellig geworden schon beim Bundesverkehrsminister in den Themen Sicherheit und Luftraum. Arbeiten wir und haben da jetzt wenig Angst, dass unser Einfluss jetzt geringer geworden ist.

54:56Lucian Haas

Wenn man jetzt so hört, du warst in Bonn, hast da mit dem Verkehrsministerium gesprochen, hast jetzt DREC wahrscheinlich sehr viele Sitzungen miterlebt und sonst was. Das heißt, als Vorstandsvorsitzender bist du jetzt nicht nur einmal im Jahr bei einer Jahreshauptversammlung, machst du den Grüßonkel und den Moderator und sonst was alles, sondern machst ja irre viel im Hintergrund, was die Leute so erstmal nicht mitkriegen. Wenn man sich das so vorstellt, wie viel Zeit von einer Woche beispielsweise hast du als eigentlich offiziell in Anführungszeichen sage ich mal, es heißt ja Ehrenamt, aber das ist ja schon wahrscheinlich viel Zeit, die du da reinsteckst. Real, wie viel Zeit steckst du dann oder hast du da in diese Arbeit reingesteckt?

55:38Charlie Joest

Also wenn man jetzt nur die Reisezeiten nimmt und die Sitzungszeiten, ist es sicher nicht mehr als ein, zwei, vielleicht ein Tag in drei Wochen. Vielleicht im Monat ein, zwei Tage. Mehr? Na, vielleicht doch drei Tage. Die reine Reisezeit plus die Sitzungen und so weiter. Wenn man natürlich jetzt Texte lesen und das alles mit dazu nimmt, da kommt dann schon ein bisschen was zusammen. Ich habe es noch nicht ausgerechnet, wie viel Zeit es war, aber es ist ja eine Zeit gewesen, ich habe es vorhin schon mal gesagt, die ich nicht als Arbeit empfunden habe, sondern die auch spannend war. Natürlich waren auch Arbeiten dabei, die dann ein bisschen langweiliger sind, aber dafür sind wir ein Team. Und das habe ich vorhin auch vergessen zu sagen. Was mir den Spaß in dieser Kommissionsarbeit gemacht hat, das war auch genauso unsere Geschäftsstelle, unten jetzt mit Robin Fries als neuem Geschäftsführer.

56:33Charlie Joest

Also auch schon wieder fast fünf Jahre bei uns. Das ist Teamarbeit, die wir machen. Und die macht unglaublich Spaß. Und ich kann mich auf das Team verlassen und das Team auf mich. So hat der DHV angefangen und so ist er immer weitergegangen. Wenn ich jetzt gerade mal unseren Verein DHEC, den Verband daneben sehe, dort wird Energie verschleudert im gegenseitigen sich bekämpfen. Da erscheinen wöchentlich gegeneinander gerichtete E -Mails. Wenn man das alles lesen müsste, würde und so weiter, dann wird das frustrierend und kostet unglaublich viel Zeit. Während ich mich auf mein Team verlassen kann und sagen kann, Robin, da war das Thema. Robin sagt, sind wir dran, haben wir schon gelöst. Hört erst mal an, wie wir es lösen. Wunderbar. Also ich habe nie das Gefühl gehabt, ich werde jetzt irgendwie ausbrennen, ausgepowert oder so.

57:23Charlie Joest

Aber ein Vorteil ist natürlich, dass ich dann, ich war ja nur ein paar Jahre im Schuldienst, dass ich als Freiberufler mir die Zeit einteilen konnte. Das muss man schon fairerweise sagen.

57:34Lucian Haas

Vor 25 Jahren hast du gesagt, da bist du quasi als der Streitschlichter da reingekommen und hast dann immer die Sachen verbunden. Jetzt, wie das so klingt, du sagst, der DRC ist zerstritten, aber der DRV, das ist eigentlich ein Team, die arbeiten zusammen und wir fühlen uns zusammengehörig. Wie viel davon, das ist jetzt vielleicht für dich schwer zu sagen, aber wie viel davon, würdest du sagen, ist das auch dein Verdienst? Weil du im Grunde auch deine Vorstellung von Team und Teamarbeit und Schlichten und wie führe ich die Leute zusammen und packe die alle unter einen Hut, da quasi deinen Stempel mit aufgedrückt hast?

58:08Charlie Joest

Ja, das ist natürlich schwierig, weil man sich selber analysieren müsste. Ich mache es vielleicht anders. Also wir haben zwei, drei, als sie gehört hatten, dass ich aufhöre, sind viele Reaktionen gewesen. Manche haben mich angerufen, manche haben mir Mails geschrieben oder wir haben jetzt auch eine Sitzung gerade gehabt am Wochenende und wo mich manche nochmal angesprochen haben. Und ich zeig dir nur mal so ein paar Sachen, ein paar Reaktionen. Einer hat mich berührt, weil der sagte zu mir, Charlie, weißt du, was mir fehlen wird, wenn ich in die Versammlung gegangen bin und auf einmal war da immer so ein positiver Spirit und selbst wenn es irgendwo geknatscht hatte, dann bist du ans Mikrofon gegangen

58:57Charlie Joest

und hast irgendwie die Leute zusammengebracht, obwohl vorher noch so halber Krieg im Raum stand. Und dann habe ich gesagt, ja, war das so? Sagt er, ja, so habe ich es erlebt. Dann habe ich gesagt, siehst du, ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht. Und gleichzeitig hat es mich gefreut, weil ich dachte, vielleicht hatte ich da doch ein bestimmtes Talent dafür.

59:19Lucian Haas

So ein gewisses Amalgam, wo du dann vielleicht die Giftstoffe, die da drin sind, irgendwie so einbindest, dass am Ende dann irgendwie doch ein funktionierendes Ganzes dann da aber noch rauskommt. Möglicherweise, ja. Wo du jetzt gerade schon die Jahreshauptversammlung so nennst, wenn man das so über die Jahre da verfolgt hat, da sieht man ja auch immer, klar, da warst du. Und du hast es, ich hatte so den Eindruck, wenn man dich da so sieht, du genießt das eigentlich auch. Da bist du so ein bisschen auch wie der Entertainer, der das Ganze da so managt und sowas. Woher kommt diese Ader für dieses Entertainment

59:50Charlie Joest

so ein bisschen? Ja, ich vermute schon, dass es mit der Musik zu tun hatte, die mich auch ein Leben lang begleitet hat. Und auch, ja, es ist schwer, sich selber so zu beurteilen,

1:00:03Charlie Joest

aber mein ganzes Leben lang habe ich immer versucht mitzugestalten. Und ich weiß nicht, ob das egoistisch war, möglicherweise, ob das Profilneurose ist, aber ich weiß noch, in der Schule war ich dann nach kurzer Zeit der Klassensprecher erstmal. Und dann bin ich, das darf ich sagen, wegen Aufmüpfigkeit von der Schule geflogen. Also ich war schon schwierig irgendwo, schon. Und weil ich mich überall eingemischt hatte, bin von der Schule geflogen und komme aus einem Elternhaus, das nicht so reich ist, dass die gesagt hätten, also einige meiner Kumpels, die mitgeflogen sind, die sind dann auf Privatgymnasien gegangen und mein Vater hat gesagt, jetzt lernst du einen Beruf. Ich hatte die mittlere Reife mit Ach und Krach, die habe ich nur bekommen, weil ich von der Schule gegangen bin,

1:00:52Charlie Joest

also gegangen worden bin. Und dann habe ich Maschinenbauer gelernt. Eigentlich gar nicht so mit Liebe. Ich wollte Verkehrspilot werden, habe ich mir dann überlegt. Und da ist es gut, wenn man einen technischen Beruf hat. Die Ausbildung war klasse. Motorenwerke Mannheim. Ich kann heute noch schweißen, drehen, alles. Bei den Segelfliegern habe ich Flugzeuge, die Winde mitgewartet und so weiter. Meine Autos immer selber zusammengeschweißt und so weiter. Sehe ich heute nicht als Verlust, diese Zeit. Aber mir war klar, als diese drei Jahre, ich durfte früher auslernen, als diese drei Jahre rum waren, sofort wieder auf die Schule. Das war mir klar. Mensch, hättest du nur damals, wäre es nicht so aufmüpfig geworden. Und dann bin ich aufs Kolleg nach Speyer und habe dort Abitur gemacht. Und dann war die Frage.

1:01:38Charlie Joest

Mittlerweile war die Rockmusik schon recht groß. Wir haben die ersten Schallplatten gemacht. Und Mensch, was mache ich jetzt? Werde ich Berufsmusiker und so weiter? Und in dieser Zeit als Musiker hat man ja schon so ein gewisses Entertainment -Gespür gebraucht. Man war also gewohnt, irgendwo auf der Bühne zu sitzen. Und während meiner Ausbildung in Mannheim war ich dann auch schon nach kurzer Zeit Jugendvertreter. Und habe mich mit den Possen angelegt.

1:02:07Charlie Joest

Und ich halte mich eigentlich nicht für streitsüchtig. Aber was vielleicht ein schlechter Charakterzug von mir ist, oder ein guter, ich lasse mir nichts bieten. Ich wehre mich. Und meistens mache ich das recht gut. Und dann im Studium, das Lehrerstudium, war eigentlich nicht so, dass ich gesagt hätte, meine Berufung ist Lehrer. Aber es hat sich angeboten. In Heidelberg habe ich einen Studienplatz. Bin dort in die Realschullehrerausbildung gegangen. Konnte meine Musik weitermachen. Und konnte meine Fliegerei weitermachen. Drachen mittlerweile. Und auch Segelfliegen weitermachen. Und dabei auch, da bin ich in die Tanzmusik gegangen. Und da wurde ich sehr schnell der Entertainer.

1:02:52Charlie Joest

Das heißt, auch wenn ich Schlagzeuger bin, das ist nicht immer günstig. Am besten ist der Gitarrist. Weil der steht vorne und sieht, jeder kann reden. Bei uns war es dann irgendwann so, dass alle gesagt haben, Mensch Charlie, mach du mal jetzt die Ansage. Begrüß mal die Leute. Und dann habe ich das gemacht. Und ein bisschen habe ich abgeguckt. Wir hatten immer wieder im Programm Entertainer, die dann durch den Abend geführt haben. Ich habe festgestellt, es ist ja gar nicht so kompliziert. Wie man die Leute anspricht. Und eine gute Stimmung auch mal machen kann. Mal ein Witzchen erzählen oder so. Es hat Spaß gemacht. Singen konnte ich auch. Da habe ich übrigens zwei Jahre Gesangsunterricht gehabt. An der Hochschule. Und dann dachte ich, komm, das verbinde ich jetzt alles. Und es hat Spaß gemacht.

1:03:38Charlie Joest

Vielleicht, ich hoffe nicht, dass es rüberkam, wie als Selbstdarsteller. Du hast es ein paar Mal erlebt.

1:03:45Charlie Joest

Wenn ich als Selbstdarsteller rüberkam, tut mir es leid. Aber gern gemacht habe ich.

1:03:51Lucian Haas

Also ich würde das nicht im negativen Sinne als Selbstdarsteller, sondern du hast dich nur selbst dargestellt. Aber du bist halt so, würde ich mal sagen.

1:03:59Lucian Haas

Wird dir, glaube ich, niemand übel nehmen an dieser Stelle. Das freut mich. Muss denn ein Vorsitzender, der ja dann auch vor solchen Versammlungen oder Regionalversammlungen und dann die große Jahreshauptversammlung zum Beispiel spricht, muss so ein Vorsitzender auch Entertainerqualitäten haben?

1:04:15Charlie Joest

Vielleicht nicht Entertainerqualitäten, wie du sie bei mir erlebt hast. Dass ich mal zwischendrin einfach mal singe, wenn wir einen Geschäftsführer verabschieden oder so.

1:04:26Charlie Joest

Aber so ein bisschen ein Gespür für die Stimmung im Saal. Die sollte er haben. Und dann rechtzeitig mit den richtigen Worten, das ist auch eine Form von Entertainment, dann wieder die Gruppierungen zusammenführen. Und vielleicht auch mal ein Machtwort sprechen. Ich bin drei - oder viermal in 25 Jahren laut geworden. Und das hat mir dann leid getan fast, dass ich laut geworden war. Und der Klaus Tenzler, der ja lange mit mir, wir waren zusammen, er Geschäftsführer, ich Vorsitzender, der sagte dann, Mensch Charlie, wenn du mal donnerst, da zucken die da unten zusammen. So was kennen sie nicht. Das ist eine wunderbare Waffe, die du da hast.

1:05:12Charlie Joest

Und heb sie dir richtig gut auf, wenn wir sie wieder mal brauchen. Dabei ist donnern überhaupt gar nicht das, was ich will eigentlich. Aber ich kann auch mal donnern.

1:05:23Lucian Haas

Womit du mir auch bei solchen Jahreshauptversammlungen aufgefallen bist, ein Gesang. Und das vielleicht nicht Disc -Jockey -mäßig, sondern sagen wir mal, Wort -Jockey -mäßig, der dann sagt, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte zu finden. Und ein Teil davon war bei dir, du hast dann auch immer wieder gesagt, ich erzähle mal eine kurze Geschichte. Das schweift dann irgendwie so ab und lockert dann damit noch mal auf. Also du bist auch ein ungeheuer guter Geschichtenerzähler. So habe ich dich immer erlebt. Du hast ja auch als Vorsitzender, bist viel gereist, warst in vielen Vereinen vor Ort oder viele Veranstaltungen und Sonstiges. Hast ja auch viele, wahrscheinlich auch einige skurrile Geschichten erlebt. Gibt es da sowas wie so ein Top -3 oder nur Top -1, wo du sagst, das war im Grunde so das Skurrilste, was ich mal als Vorsitzender selber erlebt habe?

1:06:10Charlie Joest

Ja, da muss ich allerdings jetzt nachdenken.

1:06:18Charlie Joest

Ja, spontan fällt mir ein Furt im Wald, obwohl es da auch Streit gab, aber das will ich jetzt gar nicht erzählen. Da hatten wir den Vereinsabend. Der ist ja so ein Dankeschön auch an die Vereinsvorsitzenden, den wir früher immer gemacht haben, den wir vielleicht uns ja dieses Jahr ausfallen lassen müssen. Wir sind noch gerade am Grübeln drüber. Aber die Hauptversammlung, die wollen wir durchziehen. Und da hatten wir immer internationale Gäste mal dabei. Da ist ja Europa zusammengewachsen. Wir sind ja Mitbegründer der Europäischen Union, also EHPU, der Paragliding Union. Und da hatten wir am Anfang einen Präsidenten, Gerard Blondin aus Frankreich. Der war Ritter der Ehrenlegion.

1:07:03Charlie Joest

Kam immer gedresst wie eine Eins. Der hat übrigens den César erfunden, den französischen Filmpreis. Wir haben uns sehr gut verstanden. Er sprach zwar kein Englisch, aber ich kann ganz passabel Französisch. Da haben wir immer viel erzählt. Und dann haben wir dann die Furt im Wald, die haben Ritteressen gemacht. Also am Abend der Vereine vor der Hauptversammlung. Und ich konnte mir das erst nicht vorstellen, was da ablaufen wird. Und tatsächlich, heute wird mit den Händen gegessen.

1:07:37Charlie Joest

Kein Besteck. Und die Knochen werden hinter dich geworfen. Und da haben sie uns also voll überfahren. Die Furt im Wald hat eine tolle Sitzung gemacht. Und auf einmal dachte ich, der Ritter der Ehrenlegion sitzt jetzt hier. Um Gottes Willen, das wird... Jetzt

1:07:54Lucian Haas

ist er bei den Germanen gelandet. Jetzt wird es

1:07:57Charlie Joest

oberpeinlich. Dann ist noch eine Marketenderin mit einer durchaus üppigen Figur und dem Dirndl, so halb, so Mittelalter -Dirndl, ist dann mit so einer Karaffe, einem Schöpflöffel, in dem Schnaps war, ist sie so immer durch die Reihen gelaufen und hat so jeden an die Brust genommen und ihn dann so mit dem Löffel eingeflößt. Und ich wollte noch verhindern, dass sie zum Ritter der Ehrenlegion geht. Und er hat dann so ganz geguckt, kommt die jetzt zum Bier? Und dann hat sie ihn geschnappt. Ich konnte es nicht verhindern. Hat ihn an sich gedrückt und mit Schnaps gefüllt. Und unser Gérard war erst kurz überrascht. Und dann hat er gestrahlt und hat gesagt, Charlie, das war das schönste Erlebnis seit Jahren bei euch Ritter essen.

1:08:43Charlie Joest

Das war so eine verrückte Geschichte.

1:08:47Lucian Haas

Und gibt es eine Geschichte, wo du sagst, das wäre so das peinlichste Erlebnis, was du mal hattest?

1:08:54Lucian Haas

Du hättest

1:08:54Charlie Joest

mir das früher mal zu sagen müssen. Ich will

1:08:57Lucian Haas

ja wissen, was spontan bei dir kommt. Was

1:08:59Charlie Joest

war denn peinlich?

1:09:04Lucian Haas

Vielleicht gab es auch nichts

1:09:05Charlie Joest

Peinliches.

1:09:07Charlie Joest

Können wir mal kurz eine Pause machen? Ich denke, ach.

1:09:10Lucian Haas

Das rattert jetzt bei dir im Hintergrund. Wir machen keine Pause. Ich frage einfach etwas ganz anderes. Und dann vielleicht kommt das dann nochmal.

1:09:18Lucian Haas

Lass uns mal ein bisschen über deine Fliegerkarriere sprechen. Weil du bist ja jetzt nicht nur Vorsitzender, sondern du fliegst auch real.

1:09:27Lucian Haas

Als ich hier ankam, hast du mir noch erzählt, dass du guckst von hier quasi direkt auf den Startplatz vom Ölberg bei Heidelberg, also Schriesheim -Ölberg. Den hast du, glaube ich, auch noch mit zugelassen,

1:09:38Charlie Joest

oder? Den habe ich als Erster beflogen. Mit dem Drachen? Mit dem Drachen. Da bin ich 77, also schon 76. Ich habe ja 1975 den ersten Hüpfer gemacht im Odenwald. Hast du dir

1:09:49Lucian Haas

das selber beigebracht damals?

1:09:51Charlie Joest

Ja, zwangsläufig. Am Anfang bin ich dorthin. Da gab es schon eine Flugschule, aber das war noch keine Flugschule, wie wir sie heute kennen. Das waren selber Autodidakten, die wieder Autodidakten ausgebildet haben. Aber die waren schon weit. Das war der Georg Trautmann, der Heinz Schorsch hieß der damals im Odenwald. Und das war schon beachtlich. Die sind da mit den ganz einfachen Rockalos so einen kleinen Buckel runtergeflogen, hatten sogar so ein Rückholfahrzeug. Wie so ein Dreik haben die die Drachen wieder hochgezogen. Also das war klasse. Da hast du Durchsatz bekommen. Du musst nicht jedes Mal hochlatschen. Und ich habe davon gehört, eigentlich war es Mike Hager, Thermik erst mal, so wie viele auch, in seinem Flug von der Zugspitze hat mich elektrisiert. Dann habe ich mir das im Odenwald angeguckt. Fand ich eigentlich ganz lustig, drollig irgendwie.

1:10:36Charlie Joest

Und gleichzeitig war ich ein bisschen enttäuscht. Der Hager flog aus 2000 Metern oder 3000 von der Zugspitze. 3000 sind es ja. Und dort sind sie gerade mal 50 Meter runtergehobbelt und runtergepurzelt. Und dann war ich enttäuscht ein bisschen. Da habe ich gedacht, oh, das Drachenfliegen ist aber noch nicht weit. Und dann habe ich auch mal gefragt, darf ich mal so einen Drachen? Und ja, nimmst du zu und hebst mal und rennst mal und so. Und dann bin ich so oben gelaufen an so einer Wiese. Und dann habe ich wirklich einen kurzen Abheber gemacht. Und irgendwie hat es mir gefallen. Und gleichzeitig, aber Mensch, ist das wirklich. Und dann bin ich sogar noch in so einen Zaun gerannt, weil ich war gewohnt, Steuerknüppel links. Aber das ist dann falsch, weil Steuerbügel links heißt, dann fliegst du rechts. Da bin ich ein

1:11:19Lucian Haas

bisschen frustriert nach Hause. Das heißt, Steuerknüppel links, du hattest damals schon einen Segelflugschein und bist schon viel Segelflug. Ja, natürlich.

1:11:27Charlie Joest

Ich habe als 16 -jähriger Segelfliegen begonnen und kann jetzt Folgendes sagen, liebe Zuhörer. Ich habe meine schönste Jugendzeit auf dem Segelflugplatz verbracht. Auch wenn ich von morgens bis abends da draußen saß. Das war mein Leben. Das Drachenfliegen hat es dann mit ergänzt. Aber Segelfliegen war immer wunderschön. Wenn man diese Vereins, dieses ganze Vereins drumherum mag, natürlich. Und ich bin Wettkämpfe sogar geflogen in der Zeit als Segelflieger. Nicht weit. Ich bin in meinen Landesmeisterschaften mitgeflogen. Wie ich schon sagte, ich war immer so Mittelmaß. Mittelmaß muss nichts Schlechtes sein. Du hast alles mal

1:12:03Lucian Haas

probiert. Alles mal

1:12:04Charlie Joest

probiert. So in die Mitte vorgestoßen. Und dann, weil wenn ich Spitze gewesen wäre, wäre ich Weltmeister geworden. Also war ich nur Mittelmaß. Und hatte also schon diese Luftfahrerscheine, hießen die damals und alles. Und dann steuert, weißt du, Knüppel links, Knüppel fliegt links. Und dann Steuerbügel links. Pups fliegt man rechts in den Zaun. Und dann habe ich gedacht, naja, die Grundzüge habe ich jetzt verstanden, aber die Technik gefällt mir noch nicht. Dann habe ich eine Weile gewartet und 1976 hat wieder das Fieber begonnen. Und dann kam ein Artikel im Drachenfliegermagazin, das ist gerade erschienen damals, in der ersten, zweiten, dritten Ausgabe, war ein Flugkapitän, den habe ich dann später kennengelernt, Dieter Löcke. Leider trag ich verunglückt mit seinem Doppeldecker. Der hat einen neuen deutschen Drachen, den Adler, geflogen.

1:12:54Charlie Joest

Das war aber eine Kopie von amerikanischen Drachen. Die Deutschen haben alles kopiert, was aus Amerika kam, weil Amerika war führend. Und der Adler wurde in München gebaut, bei Bichlmeier. Und Löcke flog sieben Kilometer an der Wasserkuppe mit Variometer. Da war ich elektrisiert. Stell dir vor, die haben ein Vario dabei und der fliegt sieben Kilometer weit. Jetzt ist es Richtung Segelflug. Dann bin ich wieder in den Odenwald und habe gesagt, Leute, da fliegen Adler und Flamingos. Ja, nicht bei uns. Der Buckel ist nicht geeignet. Erstens fliegen die viel zu weit, fliegen sie in die Bäume. Zweitens fliegen es nur unsere Besten und für die ist das schon herausragend. So ein Adler ist eine Hochleistungsmaschine.

1:13:39Charlie Joest

Dann habe ich gesagt, Mensch, komm, verkauf dir so eine. Um Gottes Willen, selbst wenn wir sie verkaufen, du kriegst sie nicht. Du bist ja noch gar kein richtiger Drachenflieger. Oh, dachte ich, hoppla. Dann habe ich herumgeguckt, wo ich einen Adler herkriege. Da war ein falscher Springer, ein Wiesloch. Der hat auch Adler. Der hat alles verkauft. Dann sage ich, kriege ich bei dir einen Adler mit Vario? Sagt er, ja, kannst einen Adler haben und einen Vario auch. Dann habe ich einen Adler mit Vario gekauft und dann bin ich heimlich bei denen auf den Übungshang und bin wirklich fast in die Bäume geflogen aus halber Höhe. Da wusste ich, der Gleitwinkel ist ja doppelt so gut wie diese alten Rogalos. Und dann bin ich heimlich auf den Buckel gegangen im Odenwald und habe immer wieder Laufübungen gemacht mit dem Adler. Der hatte schon zehn Meter Spannweide.

1:14:24Charlie Joest

Und dann kam an einem Abend, das war so schön wie mein erster Alleinflug mit dem Segelflugzeug, an einem Abend war Wind von vorn und dann habe ich abgehoben, Lucian. Es waren nur fünf Sekunden, aber das waren bis dahin die schönsten Sekunden meines Lebens. Wenn man gerannt ist, immer mit dem Geschepper und die Leinen klappern und die Seile klappern und das Segel scheppert und auf einmal wird es ganz ruhig. Und auf einmal macht es so

1:14:51Charlie Joest

muss es Lilienthal gegangen sein. Der hat bestimmt geweint hinterher. Ich hätte auch fast geweint. Da habe ich gedacht, das ist es, das ist es. Das ist ja Wahnsinn. Und dann bin ich sofort nach Tannheim gefahren und bin vom Neunerköpfel geflogen. Von 50 Metern Hang auf 800 Meter. Würde ich heute nicht mehr machen, aber es ist alles gut gegangen und da war ich angefressen. Das war meine Fliegerei. Und jetzt kommt es, ein Jahr später, immer wieder geguckt im Odenwald, wo kann man fliegen. Die Odenwälder sind immer nur von so kleinen Buckeln geflogen und wir sind dann schon in die Alpen mal gefahren und so weiter. Und mein alter Segelfluglehrer, Lenz, Ali Lenz, ein alter Kampfflieger war das im Ersten Weltkrieg, im Zweiten Weltkrieg, der sagte, Charlie, wir sind da am Steinbruch in Schriesheim mit SG 38, bin ich da 1938

1:15:48Charlie Joest

mit Gummis an. In der Seilstadt, in der Hitlerjugend geflogen. Sag ich, Ali, doch, da war mal Pferdefuhrwerk, haben sie den Gleiter hochgezogen. Es gab Zögling und SG 38 und dann sagt er, und da sind wir runter ins Tal und einmal bin ich sogar am Hang entlang bis ins Neckartal geflogen. Gucke mal, ob es da nicht geht. Und ich war da schon dreimal vorbeigefahren, alles zugewachsen. Dann bin ich zu Fuß mal wieder durch den Wald, bin oben auf das Plateau gekommen, das war aber alles mit Bäumen zu. Und da ist mir aufgefallen, das waren alles Birken, junge Bäume. Und dann dachte ich, junge Bäume, die sind noch nicht so lange stehen die da. Das war mal ein Plateau. Und da bin ich das Plateau vorne an die Kante, bin dann zwischen den Bäumen runtergelaufen, habe ich ein Stahlseil, ein altes, verrottetes gefunden.

1:16:35Charlie Joest

Da hing noch ein Emailleschild dran. Da stand dann drauf, so halbleserlich, Achtung Flugbetrieb. Dann hatte ich den alten Startplatz dieser SG 38 Flieger gefunden. Jetzt war er aber zugewachsen. Da bin ich noch weiter runter und kam dann links vom Steinbruch raus und da war eine Abraumhalde. Da wurde immer das, was nicht gebraucht wird, vom Steinbruch da runter geschüttet und dadurch sind die Bäume nicht richtig gewachsen. Und dann habe ich gedacht, Mensch jetzt Kinder, das sieht man ja gar nicht von unten. Wenn man da zwei, drei so kleine Büsche, Bäume weg macht, könnte man fliegen. 280 Meter Höhendifferenz, das ist ordentlich. Und ein paar Tage später war ich schon mit dem Auto wieder im Wald unterwegs. Habe Werkzeug dabei gehabt, kommt mir der Jagdpächter entgegen.

1:17:24Charlie Joest

Was machen Sie im Wald? Hier darf niemand durchfahren. Oh, dachte ich, so ein Mist. Es fängt an und schon bist du wieder draußen. Mein Hirn hat gerattert. Was haben Sie da auf dem Dach? Hat er gesagt, ja.

1:17:37Charlie Joest

Fotografiert und gefilmt habe ich ja damals schon. Dann habe ich gesagt, ich gehe in Steinbruch Tiere filmen. Das ist mein Tarnzelt da oben drin und ich werde im Steinbruch dann meine Kamera aufbauen. Boah, dachte ich, ist dir das noch eingefallen? Wurde ein bisschen freundlicher. Hat er gesagt, ja, aber Sie dürfen hier nicht fahren. Ohne Genehmigung. Fahren Sie bitte wieder raus. Holen Sie sich eine Genehmigung bei der Stadt. Und bitte fahren Sie nicht mehr herum. Ich umgedreht, rausgefahren. Unterwegs begegnet mir ein Waldläufer. Damals wusste noch niemand, was Drachenfliegen ist. Der joggt da entlang und schreit auf einmal so richtig norddeutsch, ist das ein Drachen?

1:18:16Charlie Joest

Und ich sage, nicht so laut. Mensch, nicht so laut. Warum? Sag ich, ich bin gerade vom Pächter, Jagdpächter rausgeschmissen worden. Was geht das hier? Sag ich, ja Mensch, wo wohnst du? War mein Nachbarn. Jürgen Trete hat mir geholfen. Ein paar Tage später hat er gesagt, pass auf, wir machen folgendes. Wir legen den Drachen auf das Fahrrad und dann kann uns keiner rausschmeißen. Und dann sind wir mit Proviant, meinen Drachen auf dem Fahrrad, sind wir hochgelaufen an den Startplatz. Aber da haben wir schon einen Tag geschafft. Dürfte man heute auch nicht mehr so kleine Bäumchen da niedermachen. Und dann hat der Adler gerade so durchgepasst und Jürgen Trete hatte den Fotoapparat dabei.

1:19:03Charlie Joest

Und ich sage, Jürgen, du hältst jetzt alles fest. Mir war das Herz in der Hose, das kannst du dir vorstellen. Du hältst alles fest. Wenn es schief geht, können wir den Unfall rekonstruieren mit deinen Fotos. Das war ernsthaft. Dann kam der Wind von vorne. Ich habe von hinten Anlauf genommen. Heute standen wir ja in der Schräge. Damals haben wir das noch nicht gewusst. Von hinten Anlauf genommen, über die Kante gespurtet, raus. Der Adler flog. Ich flog nach links. Ich habe nicht mal Höhe verloren. Ich war so aufgeregt, das habe ich gar nicht gemerkt, dass ich gar keine Höhe verliere. Ich kannte ja den Hang als Segelflieger wohlgemerkt. Jetzt bin ich nach links, dann nochmal nach rechts, drehte, hat oben Purzelbäume geschlagen vor Begeisterung. Wieder nach links, hatte mir schon ein Feld ausgesucht, unten, wo ich landen kann. Bin gelandet, habe ganz schnell den Adler zusammengepackt. Den Jodler habe ich noch losgelassen.

1:19:49Charlie Joest

Da kam noch mal einer aus den Weinbergen zurück. Alles eingepackt. Jürgen kam runter, mit dem Auto. Da habe ich gesagt, komm, schnell weg. Subversiv. Ganz schnell verschwinden. Das darf keiner sehen. Schwupp. War mal weg. Ich war. Herz. Was schöneres gibt es nicht. Und so habe ich dann erst Flur gemacht damals. Und dieses Wackelbild, was draußen hängt im Flur, das zeige ich dir nachher. Das ist der erste, allererste Start hier in Schriesheim vom Ölberg. Der Jürgen drehte, war so nervös, dass er das Bild noch verwackelt hat. Aber wir haben es wenigstens. Und dann habe ich den Fliegern langsam in meinem Umkreis gesagt, dass ich da einen Hang habe. Und was ganz wichtig war, Lucian, wir sind nicht geflogen, sondern ich war es schon so clever, als Segelflieger lernst du. Achtung, Obrigkeit.

1:20:34Charlie Joest

Ich bin erst mal zu den Landeplatzbesitzern gegangen, zu den Landwirten. Habe mal gefragt, ob ich da landen darf. Und dann bin ich zum Bürgermeister gegangen und habe gefragt. Der Bürgermeister, das, das, das war hier bekannt, ein, ein sportbegeisterter Mensch, gell. Der sagte, höchst, wirklich, Drachen fliegen. Oh, das habe ich gesehen im Urlaub. Klasse. Ja, geht das? Sag ich, es müsste gehen. Ja, aber haben Sie es nicht probiert? Sag ich, doch, ich darf es nicht sagen. Oh, geht es? Gut, gut. Mensch, komm, ihr kriegt mal gleich Durchfahrtsgenehmigung. Jetzt könnt ihr rauffahren. Sag ich, ja,

1:21:17Charlie Joest

ich habe da den Namen vergessen. Die älteren Beamten sind manchmal, die haben so eine Altersweisheit. Und er sagt, Herr Just, wo wollen Sie fliegen? Im Ölberg? Da fliegen doch auch die, die, die Segelflieger immer entlang. Sag ich, ja, ich bin da als junger Segelflieger auch mehrmals entlang geflogen. Ja, Mensch, klasse, da können Sie mit dem Drachen fliegen. Da fliegen Sie gleich mal entlang. Sag ich, ja, nein, ich darf ja keine Strecke fliegen. Damals durften wir keine Strecke fliegen. Und er sagte, ja, gut, macht nichts. Und was machen wir jetzt? Sag ich, es geht. Ja, dann probieren Sie es doch mal aus. Schreiben Sie mal auf. Sie kriegen jetzt von mir eine Erlaubnis. Wie lange brauchen Sie es? Sechs Monate. Sechs Monate aus, aus, aus, aus, aus, aus, aus, aus,, aus, aus, aus, aus, aus, Bericht und dann schauen wir mal, wie es weitergeht. Dann habe ich meine Kumpels geholt. Wir haben ordentlich Flüge gemacht, alles dokumentiert.

1:22:03Charlie Joest

Später wieder angerufen. Ah, hat er gesagt, da muss ich jetzt vorbeikommen. Schauen wir es uns mal an. Wir kamen, war Nebel. Überall Nebel. Da dachte ich, oh Gott, der sieht ja gar nicht, dass wir neben der Straße landen und dass da noch eine Baumgrubbe ist und alles. Und dann sage ich, es tut mir jetzt leid, jetzt kommen sie im Nebel und man sieht gar nicht. Ich dachte, so macht nichts. Sie müssen doch wissen, ob das geht. Also es gibt vernünftige Beamte auch, auch, gell. Und dann stehen wir so an der Straße. Müssen sie die Straße überfliegen? Sage ich, normal nicht, aber wenn der Wind dreht, gehen wir schon mal drüber. Na ja, gucken sie, dass sie da so drüber gehen, dass sie da niemanden behindern. Sage ich, stellen wir Schilder auf. Nein, um Gottes Willen, da halten alle Autos, hat er gesagt, keine Schilder. Sage ich, sonst haben sie keine Probleme. Nein, sagt er, in Frankfurt donnern sie doch in 30 Meter, aber die Autobahn regt schon keiner auf.

1:22:50Charlie Joest

Da können sie doch mit dem Drachen auch mal drüber fliegen. Haben wir das Gelände gekriegt, Lucian, und es sind heute noch über 100 Mitglieder in dem Verein und es ist eine wunderschöne Hangkante zum Fliegen.

1:23:02Lucian Haas

Das war jetzt deine Drachen, auch Anfangszeit noch, wo du dann ständig fliegen warst. Wann ist das Gleitschirmfliegen dann eigentlich dann dazugekommen? Und war das, ist das dazugekommen, weil du gesehen hast, na ja, ich bin jetzt hier im DAV und alle fliegen auch, das Gleitschirmfliegen boomt so, eigentlich macht Drachenfliegen mir Spaß. Und hast du gesagt, na ja, ich muss es halt mal aufprobieren? Oder war das

1:23:23Charlie Joest

wirklich so?

1:23:23Lucian Haas

Also da gibt es eine wahre

1:23:24Charlie Joest

Geschichte dazu, nur ich glaube, dein Blog wird zu lang, wenn ich es alles erzähle. So ist alles erzählen.

1:23:29Lucian Haas

Mach die Kurzfassung davon.

1:23:31Charlie Joest

Okay, ich probiere es, ich probiere es. Also, es ist ja, glaube ich, bekannt, dass ich als Filmemacher dann, ich bin dann aus dem Schuldienst raus, habe mich selbstständig gemacht als Filmproduktion und habe auch Fliegerfilme gemacht. Die habe ich am liebsten gemacht. Und da habe ich auch das Glück gehabt, dass, ich glaube, fünf oder sechs meiner Filme insgesamt prämiert worden sind, immer in Saint -Hilaire. Und 1984

1:23:59Charlie Joest

hatte ich einen Film im Wettbewerb und kam wieder nach Saint -Hilaire. Und mein Film lief im Wettbewerb und da lief noch ein anderer Film. Einer Journalistin vom französischen Fernsehen, die hatte ein paar Fallschirmspringer gefilmt, die Gleitschirm geflogen sind. Das war der Jean -Claude Beton und der Gérard Bosson, die in Mieuxy damals schon mit den Fallschirmen eigentlich Ziellanden geübt haben. Die wollten ja gar nicht Gleitschirmfliegen. Die wollten nur das Geld für das Flugzeug sparen, damit sie unten die Ziellandung üben. Und der Gérard hat mir das ja mal erzählt, dass er gesagt hat, die Kumpels kamen und haben gesagt, ey, wir wollen auch fliegen. Sagt er, auf einmal habe ich gedacht, das mache ich in der Schule auf. Jetzt kann man noch Geld verdienen damit.

1:24:44Charlie Joest

Und die hat dann gezeigt, wie die da ausbilden und wie die Leute da rumpurzeln. Und der Saal hat getobt. Und ich weiß noch, Peter Janssen war damals dabei und der Klaus Tenzler. Wir sind da so zu dritt runtergefahren nach Saint -Hilaire. War ja immer lustig, um das los. Und wir saßen da und haben uns auf die Schenkel geklopft, wenn da wieder ein paar gepurzelt sind und so weiter. Und ich dachte dann irgendwann, Mensch, das ist ja schon verrückt. Ein bisschen Stoff. Also, das könnte eine Bewegung werden, aber war nicht sicher. Und der Peter Janssen sagte zu mir, Charlie, guck dir das an. Das hat keine Chance. Das hat keine Zukunft, wie die da rumpurzeln. Ich war so hin und her gerissen und dachte, wahrscheinlich hat er recht. Womit er recht hatte, war, bei uns hatten wir gar keine steilen Hänge, um so zu fliegen wie die Franzosen.

1:25:32Charlie Joest

Ein Jahr später kam ich wieder nach Saint -Hilaire, war eine Schneise geschlagen und ich habe drei solche Gleitschirme in der Luft gesehen. Lucia, in einem Jahr war da schon eine Szene entstanden. Das war 1985. Und ich hatte wieder einen Filmenwettbewerb und der Pierre Pohl, der ja immer dort die Moderation macht, der war damals Drachenfluglehrer dort und Gleitschirmlehrer, sagte, Charlie, wir machen für die Filmemacher, die im Wettbewerb sind, wenn sie wollen, könnten sie einen ersten Gleitschirmflug machen. Ich sage, ich fliege nur Fläche. Nee, komm, häng dich da mal dran. Dann habe ich eine wunderbare Einweisung gekriegt, eine Stunde lang und dann bin ich von oben von Saint -Hilaire runtergeflogen. Das war dein Erstflug? Das war mein Erstflug. Direkt die 800 Meter von Saint -Hilaire? Voll runter.

1:26:17Charlie Joest

Ich habe fast in die Hose gemacht, vor Angst. Das Ding hat da oben geknirscht und geknackt und der Sitz war überhaupt nicht ruhig. Der Sitz hat gewackelt, verstehst du? Meinte es natürlich, verstehst du? Du fliegst ja Gleitschirm. Ich ja auch.

1:26:31Charlie Joest

Die Minute müssen wir haben. Der Pierre Paul hat damals Folgendes zu mir gesagt und das war eigentlich revolutionär. Der sagte, Charlie, vergiss alles, was du über das Drachenfliegen weißt. Der Drachen macht es, was du willst. Du nimmst deinen Steuerbügel, du nimmst den Steuerbügel nach rechts und der Drachen geht nach links beim Laufen und so weiter. Mit dem Gleitschirm vergisst du das alles. Jetzt sagt dir der Gleitschirm, was du machen musst. Das war revolutionär. Wenn du den Gleitschirm hochgezogen hast und er über dir steht, dann sieh zu, dass er nicht zusammenfällt. Wenn er nach links geht, musst du auch ihm folgen. Dann musst du nach links gehen. Du kannst bremsen, aber bremst nicht nur. Geh unter ihn. Bleib mit deinem Körper immer unter diesem Schirm.

1:27:17Charlie Joest

Und wir haben auch, ich habe damals gelernt, die Arme nach unten strecken und aufziehen. So bin ich dann gestartet, unten vor Angst. Ich habe auch noch gesagt, du, ich habe weder jetzt einen Helm auf, noch habe ich einen Rettungsschirm dabei. Und er sagte, wieso einen Rettungsschirm? Du hast doch einen Schirm über dir. Was willst du denn jetzt noch? Einen Rettungsschirm? Naja, also es war ein Erlebnis, dass ich gedacht habe, ein zweites Mal weiß ich nicht, ob ich das will. Nach zu Hause angekommen war ja die Welle mittlerweile von Frankreich über Schweiz nach Österreich schon geschwappt. Das ging ja so rund. Deutschland war mal wieder hintendran. Und wir haben mal wieder gedacht, wir müssen ein Erprobungsprogramm machen von Dingen, die bereits erprobt waren im Ausland. Aber das haben wir ganz schnell gelernt. Nichts erproben, was andere schon machen.

1:28:03Charlie Joest

Und dann haben wir die Schweizer Fluglehrer geholt und haben dann die ersten Fluglehrer ausgebildet auf dem Gleitschirm. Und so ist die Bewegung in Deutschland entstanden. Und ich bin erst drei Jahre später wieder an den Gleitschirm gegangen und habe dann Gleitschirmfliegen gelernt.

1:28:20Lucian Haas

Heute, wenn ich es richtig verstanden habe, fliegst du ja nur noch Gleitschirm, beziehungsweise kein Drachen mehr. Du machst noch andere Sachen auch noch. Warum hast du das Drachenfliegen

1:28:29Charlie Joest

drangegeben? Ich bin bis vor zwei Jahren, da habe ich die letzten Übungstrachen noch in der Flugschule geflogen. Wir haben hier eine Vereinsflugschule gegründet. Da habe ich meine Flieger gebeten, ob ich nicht noch ein paar Assistenten ausbilden kann. Ich war ja auch Drachenlehrerausbilder und habe zwei Assistenten noch gewonnen, die jetzt die Flugschule weiterführen, Vereinsflugschule. Und auch da, als ich da im Übungshang noch die letzten Male Drachen geflogen bin, habe ich gemerkt, erstens bin ich ein bisschen kräftiger, geworden und schwerer geworden und zweitens habe ich mir einmal auch ein bisschen den Fuß verknackst und habe da ziemlich lange laboriert und habe dann gedacht, am liebsten muss ich sagen, würde ich Athos fliegen, den Stabflügel, denn ich komme ja vom Stabflügel. Ich bin Flätschling geflogen, das war damals schon ein Stabflügel in den 70er, 80er Jahren und der Athos wäre heute mein Fluggerät.

1:29:19Charlie Joest

Aber der Athos ist schwer, der hat fast 40 Kilogramm und ich bin ihn geflogen, im F -Schlepp. Aber wenn ich mir vorstelle, was ich mit dem Athos, auf dem Berg stehe, erstens mal das Hochtragen und wenn ich mir vorstelle, dass ich jetzt einen Fehlstart habe, in meinem Alter, ich werde nächstes Jahr 70, dann komme ich nicht mehr aus dem Krankenhaus raus. Also die Vernunft hat mir gesagt, lass es, die Verletzungsgefahr ist jetzt zu hoch. Karl Slesak sagt übrigens, alle über 60 sollten eigentlich nur noch ganz vorsichtig oder gar nicht mehr fliegen. Das

1:29:54Lucian Haas

heißt, jetzt fliegst du nur noch Gleitschirm. Wie viel kommst du dann noch zum Fliegen oder wie viel nimmst du dir noch Zeit zum Fliegen?

1:30:00Charlie Joest

Ich bin ganz ehrlich, ich habe in diesem Jahr nur zwei kleine Flüge an dem Übungshang gemacht und im letzten Jahr hatte ich vier oder fünf Flüge. Davon war allerdings ein schöner Flug im Urlaub. Da bin ich in Annecy über zwei Stunden oben gestartet und thermisch geflogen. Das hat richtig Spaß gemacht. Und ansonsten komme ich auch da im Schnitt, was der Karl sagt, die meisten Piloten kommen im Schnitt auf 15 bis 20 Flüge im Jahr. Mehr sind es nicht bei mir,

1:30:29Lucian Haas

eher weniger. Und folgst du dann auch der Empfehlung von Karl und sagst, na gut, in meinem Alter, ich fliege dann jetzt auch einen A -Schirm?

1:30:35Charlie Joest

Ja, natürlich. Ich habe mir zuerst die, der Karl hat mir die Susi empfohlen, aber da muss ich jetzt ganz, also davor hatte ich den Phantom, ne? Hieß der Phantom? Ne, nicht, von Nova gab es so einen Einzer vor Jahren. Philou. Der Philou, nicht Phantom, Philou. Den habe ich gerne geflogen, den Philou, war ja auch so ein Eins - bis Zweier, glaube ich. Dann bin ich irgendwann dann auf die Susi, hat der Karl mir empfohlen und da muss ich ehrlich sagen, die zwei Jahre mit der Susi war ich nicht so richtig glücklich. Ich war vielleicht auch zu schwer für die Susi, sagen manche, aber die war für mich wie ein Traktor, die Bremsen, also ich muss ziehen um die Ecke, das war schlimmer als ein Doppelsitzer. Und dann war ich mit einer Gruppe in Afrika

1:31:23Charlie Joest

und habe dann einen Advance A -Schirm geflogen, den Alpha, und der war klasse. Und dann habe ich mir noch einen Alpha, aber mehr als Alpha habe ich nicht mehr geflogen seitdem.

1:31:38Lucian Haas

Mach mir mal kurz ein kleines Kreativspiel, du darfst Sätze ergänzen, was dir dann spontan dazu einfällt, musst du jetzt vielleicht keine langen Geschichten, sondern immer nur so, vielleicht ergibt sich daraus dann auch wieder eine Geschichte, man weiß es nie bei dir, aber es kann natürlich sein. Charlie, Fliegen ist für mich die

1:31:56Charlie Joest

Erfüllung eines uralten Traums. Er hat es abgetraut, Mensch, es ist so abgetraut, aber was ist es? Aber da musst du dir eine Geschichte erzählen. Ich wusste es, aber bitte. Meine erste Begegnung mit dem Fliegen war der Struwelpeter. Den kennen wahrscheinlich niemand mehr. Kennst du den Struwelpeter noch? Oh, du kennst ihn noch.

1:32:18Lucian Haas

Ich hatte den als Buch mit so ganz grässlichen Zeichnungen. Ja, das

1:32:23Charlie Joest

war, glaube ich, Dr. Hoffmann hieß, glaube ich, der Autor. Das war ja abschreckend, wenn die Daumen abgeschnitten werden und alles. Übrigens weißt du, dass da schon gegen Rassismus, Rassismus drin angegangen wird? Kennst du die Geschichte gegen Rassismus? Nee, aber die lassen wir jetzt mal hier raus. Okay, dann, ich muss das jetzt wortet sagen, weil so heißt es auch, dann schau dir mal die Geschichte vom Mooren an. Also schon sehr fortschrittlich damals, aber der Rest war natürlich wirklich Verstümmelungen und abgebrannte Kinder und alles, weil sie halt böse, also schlimme Sachen gemacht haben. Und einer war der fliegende Robert, der kam ganz am Schluss. Und der Robert, wenn, ich glaube, es geht so, wenn der Wind herniederbraust und der Wind die Bäume zaust, bleiben Mädchen oder Buben hübsch zu Hause in ihren Stuben.

1:33:13Charlie Joest

Robert aber dachte, nein, jetzt muss es draußen herrlich sein. Und der Robert nimmt also einen großen Regenschirm und wenn es am größten stürmt, geht er raus und es reißt ihn hoch und er fliegt und fliegt und am Schluss heißt es, bis er an die Wolken stieß. Ja, also damit wollte man verhindern, dass die Kinder bei schlimmen Wetter rausgehen und mit dem Regenschirm und sonst Blödsinn machen. Das erste, was ich gemacht habe, ich habe den ersten Sturm abgewartet und habe von meinem Opa, der hatte riesengroße schwarze Regenschirme gehabt, dann bin ich mit dem Regenschirm. Ich dachte, jetzt mache ich den Robert. Ich war so begeistert. Bin raus, da kam eine Windböe und dann hat es den Schirm zerlegt und dann hat es so nach oben geklappt und da sind doch so ein paar Stangen rausgeflogen.

1:34:01Charlie Joest

Boah, dachte ich, das stimmt ja gar nicht, was die da schreiten mit dem fliegenden Robert. Habe ich den Schirm wieder zusammengepackt und habe ihn in die Ecke gestellt. Boah, habe ich da einen, Mensch, habe ich da einen Anschiss gekriegt vom Opa, gell. Aber das war meine erste Begegnung mit dem Fliegen. Da war ich vielleicht fünf Jahre alt oder so. Und seitdem sitzt dieser Virus. Die

1:34:20Lucian Haas

ersten Flugversuche mit fünf Jahren.

1:34:22Charlie Joest

Sehr schön. Ich hatte beim

1:34:23Lucian Haas

Fliegen mal richtig Angst,

1:34:25Charlie Joest

als? Als ich mit meiner Frau, die damals noch nicht meine Frau war, in Annecy mit dem Doppelsitzer Drachen vor einer Kaltfront gestartet bin und obwohl ich das Wetter kannte, das verpennt hatte, dass die Front schon über dem See war. Und dann habe ich Ängste gehabt, nicht nur für mich, sondern auch für das junge Mädchen neben mir. Und dann habe ich so gut fallen zentriert wie noch nie in meinem Leben und kam nach über einer halben Stunde rückwärts fliegend, also wir sind vorwärts geflogen, aber der Wind hat uns rückwärts zu dem alten Landeplatz reingetrieben und die Kumpels unten haben uns aus der Luft runter gezogen. Das war mein allerschlimmster Flug mit viel Verantwortung und wo ich mir geschoren habe, sowas mache ich nie, nie mehr.

1:35:16Lucian Haas

Kleine Zwischenfrage, du hast vorhin dein Fußmalheur erwähnt. Hast du denn irgendwann mal in irgendeiner Weise einen Unfall gehabt beim Fliegen?

1:35:24Charlie Joest

Meine schlimmsten Verletzungen, toi toi toi, waren ein Armbruch, eine Armausrenkung und ein Fuß, das war sogar ein Bänderabriss, ein Bänderabriss am linken Fuß. Mehr hatte ich nicht. Aber

1:35:38Lucian Haas

alles mit Drachen, hört sich so an.

1:35:40Charlie Joest

Nein, nein, nein. Einer der Verletzungen war auch mit einem Gleitschirm. Okay. Aber im Startlauf, im Startlauf, wohlgemerkt, also gar nicht so hart eingeschlagen oder so. Ich habe also nie so harte Landungen gehabt, dass ich verletzt war.

1:35:56Lucian Haas

Wenn ich aus dem Vorstand ausscheide, wird mir am meisten fehlen, dass?

1:36:02Charlie Joest

Dieses Zusammentreffen mit wunderbaren Menschen und diese Gemeinschaft dieser Gleichgesinnten. Wenn ich heute noch mal ein junger Flieger wäre, dann würde ich? Dann würde ich mit Fallschirmspringen anfangen.

1:36:18Charlie Joest

Basejumpen wäre mir vielleicht doch zu riskant. Vielleicht das Speedgleiten, das ist ja auch noch eine heiße Nummer mit diesen Flügelchen. Und dann würde ich im fortschreitenden Alter dann langsam das Drachenfliegen dazunehmen, dann das Gleitschirmfliegen dazunehmen und ganz, am Ende, was ich jetzt mache, würde ich, ich habe es natürlich am Anfang gemacht, würde ich zum Segelfliegen gehen.

1:36:42Charlie Joest

Warum Drachenfliegen vor Gleitschirmfliegen? Weil das noch ein kleines bisschen

1:36:49Charlie Joest

mehr Kondition braucht, wenn man das Drachenfliegen lernt als das Gleitschirmfliegen.

1:36:55Lucian Haas

Jetzt komme ich zu einem Punkt zurück, vielleicht hat es mittlerweile gewirkt. In deiner Zeit als Vorstandsvorsitzender war folgende Situation für mich am peinlichsten als?

1:37:08Charlie Joest

Ich habe in dieser Zeit gar keine Zeit gehabt, darüber nachzudenken, was am peinlichsten war.

1:37:13Lucian Haas

Gut, hätte ja sein können, dass da irgendwie dein Hirn im Hintergrund noch weitergearbeitet hat. Dann lassen

1:37:19Charlie Joest

wir es einfach sein. Es gab es bestimmt, Lucian, es gab bestimmt was peinliches. Hat jeder erlebt schon. Vielleicht verdrängt man das auch schneller, wenn es zu peinlich war.

1:37:29Lucian Haas

Lass uns noch als vorletzten kurzen Themenkomplex deine Filmerei ansprechen. Du hast es vorhin schon genannt, du hast ja auch preisgekrönte Filme da in Annecy gehabt und so. Also neben der Fliegerei war das Filmen auch immer ein großes Steckenpferd von dir. Du hast auch Geld damit verdient, hast ja eine Filmproduktionsfirma, die du auch machst. Aber hat das auch als Hobby eigentlich angefangen? So wie das Fliegen ein Hobby war und dann ist es daraus eigentlich ein Lebensinhalt auch geworden?

1:37:58Charlie Joest

Ja, zuerst war es Hobby und zwar, das war dann im Kolleg, da hat man eine Foto -AG. Das hat mich schon immer ein bisschen interessiert, diese Bildgestaltung. Und was mich auch beeinflusst hatte, als Musiker, erstens mal diese Arbeit in Tonstudios. Ich habe dann diese Mikrofonarbeit gelernt und das Mischpulte, wie die arbeiten, hat ja auch mit der Filmerei was zu tun. Und dann natürlich auch, wir hatten ein paar wenige Fernsehauftritte, das war spannend. Da wurde noch mit Arriflex gefilmt und so weiter. Und das fand ich dann hochinteressant und habe dann während dem Studium, also zunächst ging es Foto -AG, dann Studium und das Hochschulinterne Fernsehen in Heidelberg, das war schon sehr top ausgestattet.

1:38:44Charlie Joest

Und ich hatte mir eine Super -8 -Kamera gekauft, habe damit experimentiert, habe ich auch einen ersten Filmauftrag gekriegt, deswegen bin mal für den Bayerischen Rundfunk mit der Super -8 -Kamera am Drachen geflogen und habe sogar ein paar Mark dafür gekriegt. Und in diesem Hochschulinternen Fernsehen, die hatten das Studio eingerichtet mit zwei Aris, mit Blimps, also die waren tongedämpft, mit Galgenmikros, alles was dazu gehört. Und die hatten dort einen älteren Kameramann, Kinokameramann, der dann die letzten Jahre da noch im Fernsehen gearbeitet hat, Hochschulfilme gedreht hat. Und ich war, als ich das entdeckte, war ich jede freie Minute in dem Fernsehstudio. Und bei dem habe ich dann gelernt, mit diesen 16 und 35 Millimeter Kameras umzugehen.

1:39:31Charlie Joest

Wir haben dann Wettkampf gemacht, wer lädt am schnellsten die Kassette und so. Also von der Pike auf gelernt habe ich das dort. Wenn ich nicht an der Hochschule war, also Filmhochschule nicht, aber dort. Und auf einmal war klar, dieses Filmen wird mehr sein, als nur ein Hobby für mich. Und das hätte auch, also, meine Idee war dann später, ich mache den Lehrer, dann habe ich fertig gemacht, den Lehrer, ich habe die zwei Staatsexamen gemacht, alles fertig, auch noch Medienpädagogik studiert. Und dann dachte ich, das würde mir Spaß machen, jetzt halbes Deputat und dann so, mal zwei Monate

1:40:12Charlie Joest

Semesterferien oder Schulferien Filme drehen. Und das ist dann leider nach einiger Zeit, ich habe mehrere Anläufe gemacht, ist dann abgelehnt worden vom Kultusministerium nach dem Motto, Junglehrer müssen mindestens fünf Jahre am Stück arbeiten, bevor sie irgendwelche Deputate kriegen. Und das war dann nach ein paar Jahren an der Schule, habe ich dann gesagt, nein, jetzt muss ich mich entscheiden. Und dann habe ich mich, für die Filmerei entschieden und habe aber das Glück gehabt, dass ich als Tanzmusiker diesen Übergang aus dem Lehrerberuf raus, jetzt überbrücken, Geld verdienen, habe ich mit der Tanzmusik, vielleicht habe ich da auch ein bisschen das Show gelernt, in der Showband habe ich da gespielt

1:40:57Charlie Joest

und in dieser Showband habe ich dann gut Geld verdient und konnte mir dann das Studium zu Ende bringen. Studium habe ich so studiert, richtig, und dann auch die überbrückt die Zeit, als ich aus der Schule raus war, habe ich weiter Musik gemacht und meine Filmproduktion aufgebaut. 1987 habe ich mich dann angemeldet, als selbstständiger Filmemacher und bin dann auch gleich, ein kleiner Tipp an alle, die künstlerisch tätig sind, schaut euch die Künstlersozialkasse an, eine tolle Sache. Und bin in die Künstlersozialkasse eingetreten, was gut war, weil das auch dann meine Altersversorgung war. Hast du denn dann von Anfang an auch Fliegerfilme gemacht? Die ersten waren sogar Fliegerfilme, die waren aber noch zum Teil privat, aber tatsächlich hatte ich dann auch beim DHV von Peter Janssen den ersten Filmauftrag bekommen.

1:41:47Charlie Joest

Das war dann dieser Bayerische Rundfunk, da kam so ein Redakteur vorausgegangen war folgendes, am Tegelberg war der Bayerische Rundfunk und hat was über die Flieger gemacht und auch über das Schloss Neuschwanstein. Und dann haben sie, das war dann üblich, dass man, das war alles mit 16mm Kameras damals, hat man 16mm Kameras immer wieder den Drachenflieger gefragt, würden sie eine Kamera für uns mitnehmen? Jojo, schraub mal hin. Und da ist einer dieser Flieger schwer verletzt gewesen, weil er nach dem Start in die Gondel, also in die Seilbahn geflogen ist. Und der hat einen Anwalt dann und dann musste der Bayerische Rundfunk viel Geld bezahlen, weil das wie eine Beauftragung war. Und daraufhin hat der Bayerische Rundfunk nicht mehr irgendwo Kameras angehängt, sondern die haben dann beim DHV angerufen, haben sie jemanden, der für uns mit einer Kamera fliegt.

1:42:41Charlie Joest

Da rief mich der Peter mal eines Tages an, Charlie, da wird was gedreht am Rauschberg. Die wollen später eine Sendung machen, Daschauher, das war so eine Jugendsendung. Und die brauchen jemanden, der fliegt mit Kamera. Da bin ich hin, Honorar war nicht hoch, aber immerhin, es war ein Honorar. Und da habe ich für die zwei 16mm Kameras geflogen und da haben wir die Aufnahmen gemacht. Und da war ich sowieso schon richtig angefressen, Mensch, das könnte auch ein Beruf sein, das hat Spaß gemacht.

1:43:09Lucian Haas

Du sagst, zwei 16mm Kameras gleichzeitig. Du hast beide da in der Luft bedient und die hatten richtig ihre großen Spulen, weil 16mm war ja auch richtig Gewicht. Ich

1:43:19Charlie Joest

hatte am Fletchling 18kg, rechts und links 9kg. Heute mit den GoPros, wir wissen gar nicht, ich weiß es, was das für eine Erleichterung ist. Und das waren die gleichen Kameras, die haben sie genannt, die Katastrophen -Aris. Ariflex ist eine renommierte Firma in München. Katastrophen -Aris hatte Thermik Hager dabei bei seiner großen Tour durch Kalifornien. Und die sieht man dort auch im Film, wie sie anmontiert sind. Die hatten auch schon Fernbedienungen mit Kabeln und so. Und als das Team kam, haben sie gesagt, Charlie, wir haben übrigens die Kameras dabei, die Thermik Hager hatte, die Katastrophen -Aris. Und da sage ich, Katastrophen -Aris? Warum Katastrophen -Aris? Ja, bei denen ist es nicht schlimm, wenn sie hingehen.

1:44:05Charlie Joest

Ist ein schöner Film geworden. Da schau her. Und der Redakteur damals, der das gemacht hat, oh, jetzt kommen wir schon zu einer peinlichen Sache. Du wolltest aber als Vorsitzender peinlich.

1:44:16Lucian Haas

Zumindest kannst du die eine peinliche erzählen, dann haben wir zumindest dieses Thema dann auch abgehakt.

1:44:22Charlie Joest

Doch, peinlich war es schon. Wir haben bei Schorsch Steffel, der war Drachenflug -Pionier, bei Steffel Schorsch haben wir an der Hochplatte gefilmt. Und der Steffel Schorsch sagte, gell, aber ihr passt mir auf, macht mir nicht so viel Zinnober. Nicht, dass das da ganz leise, filmt ganz leise, ich will da keinen Aufruhr und sonst was. Und wir haben gesagt, ja, machen wir. Der Redakteur war Michael Kreitmeier, das ist ein Name, darf ich sagen. Der Michael Kreitmeier hat Kunst und Krempel erfunden, übrigens, beim Bayerischen Rundfunk. War damals noch wie ich, wir waren junge Männer. Und der hatte gerade Drachenfliegen angefangen, der Michael. Und über ihn ging dann auch das. Wir haben da in dieser Jugendsendung das Drachenfliegen vorgestellt. Und da musste ich eben auch mit diesen großen, schweren Kameras fliegen. Ich bin dann auch dem

1:45:09Charlie Joest

Michael Kreitmeier dann mit den Aris hinterher, ich bin zweimal geflogen mit den Kameras, sieht man im Film, ich lande die sogar. Ich würde heute platt da liegen und käme ins Krankenhaus wahrscheinlich. Aber damals war ich, ich war Sportstudent, ich war schon leichter und zäh und sportlich. Und bin dann immer wieder vor die Kamera hingeflogen und wieder gelandet. Und dann sagt der Michael Kreitmeier auf einmal, Charlie, jetzt fliege ich auch mit Kameras. Sag ich, mach das nicht. Das ist nicht ohne. Aber stell dir vor, der Film, wenn ich dann selber noch filme und alles. Ich sage, Michael, ich weiß nicht. Mensch, du bist doch auch Fluglehrer, du kannst mir doch das erlauben. Das sage ich ja gerade als Fluglehrer, will ich dir das eigentlich gar nicht erlauben. Also, guck mal, der Wind passt alles, wir machen alles, du stellst alles ein und ich passe auf und sonst was. Er hat mich so, dann habe ich gesagt, Michael, ich habe kein gutes Gefühl.

1:45:57Charlie Joest

Dann sagt er, wenn du es nicht machst, dann mache ich es trotzdem, einfach. Bums. Dann habe ich ihm alles eingestellt. Er ist gestartet. Ich hinterher. Es sah alles gut aus. Fliegt dann ihm voraus, weil es hieß dann auch, ich soll vorausfliegen, vor der Kamera landen und dann kommt er reingeflogen, gleich mit O -Ton und so weiter. Ich lande, will mich umdrehen und hinter mir höre ich plötzlich, oh, wer das mal gehört hat, mag es nie mehr, vergisst nie mehr, mag es nie mehr hören. Wenn elektrische Drähte zusammenkommen und ein Kurzschluss, das pfeift und kracht und wie ein Blitz. Boah, dachte ich, scheiße, da ist eine Leitung. Wir wussten, dass da die Leitung, habe alles besprochen gehabt. Und ich drehe mich um, und sehe nur noch die Rauchfahne und der Drachen liegt am Boden und dann bin ich gleich hingeflitzt, der Kameramann gleich hingeflitzt und Michko Greitmeier ist schon unter den Drachen

1:46:50Charlie Joest

rausgekrabbelt. Er hatte die Stromleitung komplett überrannt und da wäre ich übrigens beinahe noch umgekommen, weil ich wollte jetzt die zwei Drähte von der 380 kV -Leitung wollte ich jetzt wegziehen vom Drachen und laufe darauf zu, weil ich dachte, jetzt ist er ausgeschaltet alles und einen Meter bevor ich die Leitung packe, schalte die wieder ein und der Drachen steht in hellen Flammen und ich habe nur noch die Hände zurückgezuckt. Später habe ich gelernt, die schalten dreimal ein, automatisch. Also aufpassen Leute, wenn ihr mit Leitungen zu tun habt, die schalten mehrfach ein. Es könnte ja ein Vogel den Kurzschluss ausgelöst haben. Der Drachen ist dann komplett verbrannt. Es stand eine schwarze Rauchwolke in diesem Tal

1:47:36Charlie Joest

und Mischko war Gott sei Dank nur leicht verletzt oder gar nicht, aber wir haben gesagt, sicherheitshalber mal untersuchen lassen. Der

1:47:46Charlie Joest

Kameraassistent, der hat dann heimlich noch schnell aus dem brennenden Drachen die Kamera.

1:47:52Charlie Joest

Das hätte ja auch mein Fluglehrer kosten können, was ich da mit, also das war die peinliche Situation. Ich habe es dann dem Peter Janssen auch gestanden. Der hat gesagt, Mensch gut, dass der nicht umgekommen ist, sonst hättest du richtig, richtig Probleme bekommen. Und dann kam folgendes. Auf einmal hat man, erstens kam der Rettungshubschrauber und nach dem Rettungshubschrauber kamen vier Rettungsfahrzeuge. Und dem Steffel Schorsch hatten wir versprochen, es wird dort ganz leise abhaufen. Und am Schluss war die komplette Rettungsstaffel da. Ja,

1:48:27Lucian Haas

das lernt man aber als Flieger immer wieder, wenn es heißt ein Flugunfall, da wird immer die ganze Rettungskette aufgefahren, die da ist. Das kenne ich bei uns im Gelände auch. Da ist einer im Baumgelände, dann wird Bescheid gesagt, es ist nichts passiert, aber irgendeiner hat es schon gemeldet und plötzlich hört man Tatütata und es kommen fünf Einsatzfahrzeuge alle gefahren und man sagt wieder, ah, wäre nicht nötig gewesen, aber so ist es dann. Charlie, lass uns langsam mal zum Ende kommen, aber einen kleinen Ausblick möchte ich noch mit dir machen, nämlich jetzt,

1:48:56Lucian Haas

wo gewissermaßen dein Ruhestand beim DHV beginnt oder im Rahmen des DHV. Ich gehe mal einfach davon aus, wahrscheinlich kann der DHV nicht drumherum, ich weiß nicht, ob jetzt schon bei der Jahreshauptversammlung, aber du wirst sicherlich auch Ehrenvorsitzender werden, weil diese Ehre, ich sage es mal voraus, wird einem solchen Menschen sicherlich zuteil, aber wie siehst du denn noch deine Zukunft mit oder für den DHV oder sagst du, nee, ich gehe da jetzt raus und setze mich jetzt wirklich zur Ruhe und wenn zur Ruhe, dann wie willst du diese gestalten?

1:49:28Charlie Joest

Ja, also ganz zur Ruhe sicher nicht. Ich werde also nach wie vor fliegerisch weitermachen. Ich werde auch Gleitschiff weiterfliegen, ich werde auch meine Segel - und Motorflugzeuge weiterfliegen, also nicht die eigenen, ich charter die immer, so viel Geld habe ich leider nicht und will aber im DHV weiterhin so irgendwo in den hinteren Reihen gerne auf einer Hauptversammlung sitzen als ganz normaler Delegierter und schauen, wo mein Verband, wie sich mein Verband so entwickelt. Also ich will nach wie vor mit diesen Menschen, die mich an, eigentlich kann man sagen, ein halbes Leben lang begleitet haben und die ich begleite, in dieser Gemeinschaft möchte ich bleiben.

1:50:12Lucian Haas

Dann wollen wir das auch so halten. Charlie, bleib du unserer Gemeinschaft noch lange erhalten. Ich danke dir für diese sehr schönen, sehr bunten, in alle möglichen Richtungen ausufernd, oder ufernd ist das falsche Wort, schön erzählt, also hineinreichenden Erzählungen, was genau im Grunde das erfüllt, was ich erwartet hatte. Da kommt einiges an Geschichten bei dir dann raus, da muss man ein bisschen anpiksen und wenn man da wahrscheinlich noch drei andere Stellen anpiksen würde, kämen wieder 30 andere Geschichten dabei raus. Charlie, danke dir dafür. Danke dir für deine Zeit als Vorsitzender, als Geschichtenerzähler, als Unterhalter, aber auch für das, was du für die ganze Fliegergemeinde getan hast. Ich denke, da kann ich jetzt auch einmal im Namen aller anderen Flieger sprechen und nehme mir das Recht raus, dir dafür einfach von denen allen auch Dankeschön zu sagen.

1:50:58Lucian Haas

Dankeschön,

1:50:58Charlie Joest

Lucian Haas ist sehr lieb von dir und auch das Gespräch mit dir hat mich auf Ideen gebracht, denn vielleicht, ich wurde auch schon immer wieder angesprochen, Charlie, schreib doch das bitte alles mal auf. Das wird ja verloren gehen, wenn du mal nicht mehr bist oder nicht mehr in der Lage bist, das aufzuschreiben. Vielleicht schreibe ich das eine oder andere auf und frage ab und zu mal, ob es den DHV interessiert, wobei die Jungen, ich weiß nicht, ob es die Jungen so interessiert, Lucian. Interessieren sich junge Flieger zu alten Geschichten alter Männer?

1:51:33Lucian Haas

Wenn sie gut erzählt sind und es gibt so viele verrückte Leute, die sich für alles Mögliche interessieren und es gibt Moden, die kommen und gehen und wiederkommen und also warum sich auch nicht mit den verrückten Zeiten der alten Flieger, damals jungen Flieger damit zu beschäftigen und es war ja wirklich eine so viel andere verrückte Zeit, die ihr dann, ich habe das ja auch gar nicht mehr erlebt, bei mir war schon alles reguliert und du sagst noch die große Freiheit und die wollten wir nicht abgeben und ich habe noch selber das Drachenfliegen gelernt und bin dann auf ihre Wiese hochgestapft und sonst irgendwas. Das sind ja Zustände, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Aber was da dann natürlich auch an Ideen von Fliegerei drin steckt und auch von der Freiheit des Fliegens und so, ich denke, solche Gedanken hat jeder heute auch noch und ich denke, das liest man auch manchmal doch ganz gerne auch nochmal nach.

1:52:24Charlie Joest

Also, vielleicht gibt es immer mal wieder eine kleine Geschichte von mir.

1:52:27Lucian Haas

Gut, heute ist schon mal der Anfang gelegt, jetzt erstmal nur in zuhörender Fassung, aber vielleicht demnächst gelesen, kann man das nachlesen, was du sonst noch an schönen Geschichten zu erzählen hast. Danke, Charlie. Danke dir, Lucian Haas

1:52:45Lucian Haas

war die Folge Nummer 68 von Podz-Glidz mit Charlie Jöst im Gespräch mit Lucian Haas. Wie immer gibt es in den Shownotes zu dieser Folge auf Lu-Glidz noch eine Reihe von weiterführenden Links. Den Gleitschirm-Blog Lu-Glidz findest du im Netz und zwar unter www.Lu-Glidz.blogspot.com Lu-Glidz schreibt sich l -u -g -l -i -d -z Wenn du dich als Hörer von Podz-Glidz und Leser von Lu-Glidz von mir gut informiert und auch gut unterhalten fühlst, dann würde ich mich freuen, wenn du meine Arbeit daran unterstützt, als Förderer. Dein einmaliger oder auch wiederkehrender Förderbeitrag liegt ganz in deinem Ermessen. Anders gesagt, du darfst geben, so viel du willst. Wer sich nicht entscheiden kann, welche Summe vielleicht angemessen wäre, dem mache ich einen wirklich unverbindlichen Vorschlag.

1:53:36Lucian Haas

Wie wäre es mit einem Euro pro Podcast -Folge und zwei Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz? Natürlich kannst du gerne erst ein paar Folgen hören, und über Monate hinweg Lu-Glidz lesen und dann einen gesammelten Förderbeitrag leisten. Zahlungen sind ganz einfach per Paypal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Lu-Glidz, und zwar dort auf der Seite Fördern. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

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