Ich bin nirgends so wenig Mutter wie in der Luft. Und das ist ja das Schöne am in die Luft gehen. Das ist so tief verankert in mir, das Gefühl von eben irgendwie frei und lebendig und eben selbstbestimmt zu sein. Die Fliegerei gibt mir das. Also diese Entschlossenheit, mutig sein, selbstbestimmt. Drei Werte, die mir sehr, sehr wichtig sind, die kann ich im Fliegen leben.
Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.
Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.
Heute mit Judith
Theuria und
Lucian Haas am Mikrofon.
Judith Theuria aus der Schweiz ist vielen Pilotinnen und Piloten vielleicht noch unter ihrem Mädchennamen Judith Zweifel bekannt. In den Nullerjahren war sie eine der bekanntesten Agro -Fliegerinnen und vor allem auch eine der erfolgreichsten. Bei Weltcup -Wettbewerben flog sie in der Spitze mit. Und bei einer Schweizer Meisterschaft kam sie gar auf Platz zwei. Overall unter allen Männern, wohlgemerkt. Ihre größte Herausforderung meisterte sie, als sie als erste Frau das Infinity -Tumbling erlernte. Über ihren mit einigen Rückschlägen gespickten Weg dorthin gibt es sogar eine sehenswerte Doku des Schweizer Fernsehens. 2011 wurde Judith Mutter und bei mittlerweile zwei Kindern trat die Akrobatik -Fliegerei für eine längere Zeit in den Hintergrund.
Allerdings nicht das Fliegen als solches. Das ist für Judith immer noch eine Herzensangelegenheit und Quell der Freiheitsgefühle. Doch während sie einst meist nur für sich zum Akrofliegen ging, sucht die 44 -Jährige heute oft auch das gemeinschaftliche Gefühl beim Fliegen. Das findet sie am ehesten, wenn sie zusammen mit anderen Frauen in die Luft geht. In dieser Folge 71 von Podz-Glidz spreche ich mit Judith unter anderem darüber, was den weiblichen Charakter des Gleitschirmfliegens darstellt, warum dieser so wertvoll ist und warum auch Männer davon profitieren könnten. Judith erzählt vom großen Frauenfliegerfest, das sie mitorganisiert, von dem besonderen Miteinander bei Flugkursen und Reisen nur für Frauen, die sie leitet, und der Hoffnung, wie solche Angebote künftig mehr Frauen fürs Gleitschirmfliegen begeistern und vor allem auch bei der Stange halten könnten.
Natürlich kommt Judiths Akro -Vergangenheit und vielleicht auch Zukunft ebenso zur Sprache wie die Frage, wie ist es als Pilotin mit einem szenebekannten Sportpsychologen, nämlich Kriegels X -Alp -Supporter Thomas Törrier, verheiratet zu sein.
Wenn dir dieser Podcast gefällt, dann kannst du meine Arbeit daran auf unterschiedlichste Weise unterstützen. Du kannst helfen, Podz-Glidz bekannter zu machen, zum Beispiel indem du den Podcast in Gesprächen mit Fliegerfreunden oder via Social Media weiterempfiehlst. Zudem kannst du Podz-Glidz und den zugehörigen Blog Lu-Glidz finanziell unterstützen. Wie du ganz einfach und ohne jede Verpflichtung zum Förderer werden kannst, erfährst du auf der Website von Lu-Glidz.com. Und zwar dort auf der Seite Fördern.
Judith, wann bist du deinen letzten Infinity Tumbling geflogen?
Das war vor zehn Jahren oder sogar 2010, denke ich.
Wusstest du damals, dass das dein vorerst letztes Mal sein würde, dass du sowas machst?
Also nein, nein, natürlich nicht, nein. Habe ich auch nie darüber nachgedacht beim jeweiligen Manöver, ob jetzt das das letzte Mal ist. Das käme mir ein bisschen makabel vor.
Wie hast du das in Erinnerung?
Das Infinity Fliegen an und für sich.
Ja, oder auch dieses letzte, aber dann auch an und für sich. Kannst du genauso erzählen?
Also ich weiß nicht mehr, ich kann mich jetzt nicht mehr erinnern an den letzten Flug, wo ich ein Infinity geflogen bin. Ich habe den nicht irgendwie speziell in Gedanken, in Erinnerung behalten. Aber ein Infinity zu fliegen generell, das ist unglaublich. Das ist unglaublich schön. Also das ist sowas, der Schirm, der ist so anders gefüllt. Der ist anders, der bewegt sich anders. In dem Moment, wo er eben unter einem durchgeht, das ist was unglaublich Schönes. Und ich bin extrem dankbar, durfte ich das erleben.
Ich habe sowas noch nie erlebt. Deswegen, was ist so schön daran, einfach nur, dass ein Schirm unter einem durchtaucht? Ist das einfach ein Schön? Ja. Dass es so einen Thrill gibt und so einen Adrenalinstoss gibt? Oder ist das auch als Bild für dich, ein ästhetisches, schönes Bild?
Ja, und auch als Fluggefühl. Also jede Figur, die du sonst fliegst, da ist eine Vorwärtsbewegung drin und dann stoppt die irgendwie abrupt. Oder in einem Wing -Over auch schön dynamisch. Aber bei diesem Infinity, da zieht der Schirm, der zieht weiter. Und der bewegt sich und der arbeitet in sich. Es ist einfach eine sehr spezielle Flugsituation. Also ich für mich unter dem Schirm zu hängen und dieses Fluggefühl zu erleben, das war sehr, sehr besonders. Und auch natürlich nach so langem Üben und Versuchen, dahin zu kommen.
Vermisst du dieses Gefühl manchmal? Ja,
jetzt. Jetzt, wo du diese Sehnsucht in mir ausgelöst hast. Ja, jetzt vermisse ich sie. Vielen Dank dafür.
Naja, du hast es ja gerade schon angedeutet. Der Infinity war so ein Manöver, auf das du ziemlich lange hingearbeitet hast. Da gibt es ja sogar so eine halbstündige Doku vom Schweizer Fernsehen darüber. Warum wolltest du genau dieses Manöver damals unbedingt schaffen?
Also ich denke schon, weil ich das halt über längere Zeit damals schon in meinem Umfeld mitgemacht habe. Wie die Piloten da fieberhaft daraufhin trainieren, wie sie das schaffen.
Es war einfach auch eine Faszination, auch die Ästhetik des Manövers, diese Symmetrie. Und ja, irgendwie war ich dann an einem Punkt, wo ich gedacht habe, das könnte jetzt mein nächster Schritt sein. Also ich habe mich bereit dazu gefühlt und das war für mich einfach noch so das Sahnehäubchen oder das Tüpfchen auf dem i, wie wir sagen. Aber
wenn ich das richtig verstanden habe, ich habe diesen Film hier noch einmal angeguckt, dann hattest du ja im Vorfeld davon schon das Wettbewerbsfliegen im Grunde aufgegeben. Warum eigentlich?
Also im Film, da sage ich ja, glaubst du, dass ich damit aufgehört habe.
Ja, du hattest einen Unfall.
Ja, oder mehr, weil ich mich nicht mehr, weil ich den Sinn, die Sinnhaftigkeit vom sich mit anderen messen nicht mehr so,
sich für mich nicht mehr so gut oder richtig angefühlt hat. Schlussendlich war es, glaube ich, auch einfach jahrelange Wettkämpfe fliegen und auch eine gewisse Müdigkeit. Und ehrlich gesagt, ich habe diese Wettkämpfe waren für mich immer auch sehr stressig oder ich war da nicht so verspielt, wie ich andere Piloten dabei beobachtet habe, wie die da mit großer Freude und auch sehr verspielt daran teilgenommen haben. Für mich war es schon immer ein bisschen Kampf. Und da hatte ich in dem Moment irgendwie, ja, gerade nicht so Lust drauf. Aber ich wusste, dass beides wie nicht geht, weil du ja für einen Wettkampf immer auch sehr vielseitig unterwegs sein musst. Und ich wusste, dass mir das Infinity genug abverlangen würde, dass ich mich da drauf konzentrieren möchte.
Vielleicht auch, weil ich einfach meistens einfach eins nach dem anderen angehen kann und nicht vieles gleichzeitig.
Das heißt, diesen Infinity -Wettkampf? Wolltest du aber auch nicht für den Wettkampf dann lernen, sondern für dich? Du wolltest sagen, ich will dieses Manöver können für mich, warum auch immer, was es mir gibt.
Ja, ich wollte das können. Ja, so wie ich Akrobatik fliegen können wollte. Das wollte ich einfach.
Auch wenn du jetzt sagst, die Wettkämpfe haben dir damals eigentlich gar nicht so viel Spaß gemacht, beziehungsweise du warst da immer sehr angespannt und hast es als Kampf erlebt. Trotzdem warst du ja ungeheuer erfolgreich. Und im Rückblick kann man eigentlich sagen, wahrscheinlich immer noch bis heute eine der erfolgreichsten oder die erfolgreichste Akro -Pilotin, zumindest aus der Schweiz. Du hast ja bei der WM gewonnen. Und was auch immer wieder angemerkt wird, du bist mal bei einer Schweizer Meisterschaft, bist du Zweite geworden. Aber, muss man dazu sagen, in der Overall -Wertung, also vor ganz vielen anderen Männern, die dann da auch mitgeflogen sind.
Macht dich das heute noch stolz?
Gute Frage. Also die
Ergebnisse bei den Wettkämpfen, da hatte ich immer halt das Gefühl, dass ich nicht mein Bestes geben konnte. Und da war ich dann oft enttäuscht. Also das Infinity -Tumbling und der ganze Prozess, den ich da durchgemacht habe, der macht mich stolz, ja. Aber Wettkampf ist für mich so das auf Knopfdruck was zeigen.
Das ist für mich auch ein bisschen Glücksspiel. Also wie gut jetzt eben jemand mental drauf ist. Und auch ein bisschen eine verzerrte, ein verzerrtes Bild. Und ich denke ja, weil es eben für mich, ich wollte da mein Können zeigen und beweisen. Und das dann irgendwie nie so zu meiner Zufriedenheit geschafft habe. Deshalb war es ja dann auch, deshalb war das ja für mich dann auch überhaupt anstrengend, die Wettkämpfe. Weil ich da nicht so entspannt war.
Hast du das denn damals so erlebt, dadurch, dass du dann Zweite unter vielen Männern warst und sowas? Hast du das irgendwie zu spüren bekommen? Dass du als Frau in eine, auf gewisser Weise eine Männerdomäne eingedrungen bist? Also zu spüren bekommen, vielleicht in positiver wie in negativer Sicht?
Also grundsätzlich so unter den Piloten, da war ja schon sehr, sehr viel Herzlichkeit und Miteinander. Das war eigentlich sehr eine schöne Atmosphäre. Und auch da habe ich mich eigentlich sehr, sehr wohl gefühlt immer. Und klar habe ich schon auch mitgekriegt,
dass das für viele das Ziel war, wenn es dann eben nicht im vorderen Teil gereicht hat, dass es dann das Ziel war, wenigstens das Mädchen zu schlagen oder wenigstens da die Frauen noch hinter sich zu lassen. Ich denke auch, dass es sicher auch Piloten gegeben hat, die sich mal ungerechtfertigt bewertet gefühlt haben. Oder vielleicht eben, dass die vielleicht unseren Frauenbonus,
also wie wir darüber geredet haben, ob jetzt wir irgendwie vielleicht weniger hart oder weniger streng bewertet werden. Das weiss ich nicht. Also ich weiss nicht, ob das so war, aber da gab es sicher mal Unzufriedene oder irgendein Herr, der jetzt für sein Helikopter weniger Punkte gekriegt hat, aber das Gefühl hatte, wir Frauen wären denen weniger sauber geflogen. So, also diese, weil wir ja alle auch in dieser Overall -Wertung waren, hat es schon sicher auch mal Unstimmigkeit gegeben, aber im Großen und Ganzen. Waren wir einfach da, um zu tanzen und zu zeigen, was wir können. Schlimm war ja für mich nur, also weil wir ja nie eine Frauenwertung, jetzt sage ich mal, im Verlauf des Wettkampfes hatten wir nie eine Frauenwertung
und für mich war auch immer das Ziel, so viele Jungs wie möglich zu schlagen, oder logischerweise. Und bei dieser Schweizer Meisterschaft, wo ich eben Zweiter geworden bin, da habe ich dann die Medaille, die Frauenmedaille gegeben. Da ist dann vorne Woman, oder hinten drauf ist Woman gestanden, erster Platz. Ich war aber alleine. Und die Jungs haben die Medaille gekriegt, wo hinten Overall draufgestanden ist. Und da war ich dann nicht einverstanden, dass sie mich dann mit einer Frauenmedaille abspeisen wollten, wo ich doch gerade mal so irgendwie eben da in diese Top 3 reingeflogen bin.
Und dann haben sie dir auch noch Overall hinten in die Medaille reingeritzt? Oder wie haben sie das gelöst?
Nein, das war dann ein halbes Jahr später. Also ich habe mich da schon auch eingesetzt, was jetzt nicht so meine Art war. Ich denke, es haben sich auch andere dafür eingesetzt, andere von der Jury und so, dass das irgendwie sich ein bisschen komisch anfühlt und auch nicht wirklich richtig. Und ich habe die dann an der Sportfeier vom Schweizerischen Hängegleiterverband, habe ich dann diese Overall -Medaille halt demjenigen, der die um den Hals gehängt gekriegt hat, habe ich die dann abgeluchst. Aber das hat sich nicht so schlimm angefühlt. Also ich hatte schon auch stark das Gefühl, ein Recht darauf zu haben. Und das ist auch die einzige Medaille, die ich noch bei mir habe, also von irgendwelchen Auszeichnungen von Wegkämpfen.
Hängt die irgendwo an der Wand?
Nein, irgendwo in der Kiste.
Warum ist deiner Meinung nach überhaupt das Gleitschirmfliegen so stark von Männern dominiert?
Also ich denke, Flugsport generell oder Sport, die in der Gesellschaft irgendwie als riskant eingestuft werden,
da fühlt sich eine Frau sicher eher noch abgehalten davon, sich überhaupt darauf einzulassen. Und ja, ich
denke, die Fliegerei hat ja schon auch so etwas sehr Zeitaufwendiges und Kompromissloses. Und ja, ich kann es dir auch nicht sagen.
Was hat dich dann als Frau dahin geführt, so viel Zeit zum einen einzusetzen und dann auch noch den riskanten oder zumindest von außen betrachtet häufig diese riskante Variante auch noch des Agrofliegens zu wählen? Was ja dann im Grunde genommen von dem, was du gerade gesagt hast, so das Doppelte wäre, wo du sagst, das machen eher die Männer und nicht die Frauen. Warum hast du das für dich da gesucht?
Also ich habe das gesehen, ich war fasziniert. Ich war begeistert, ich wollte das können. Ich sage jetzt mal, ich bin vielleicht eher der fleißige Typ als der Kreative. Also Agrofliegen mit viel Fleiß ist da sehr viel möglich. Und ich habe nie daran geglaubt oder ich hatte nie den Gedanken, dass sich mein Leben verkürzen könnte oder ich irgendwie mehr Unfälle haben könnte, indem ich da in der Luft unterwegs bin.
Du hast dann aber auch wirklich ganz viel Zeit darauf investiert, hast sogar einen Job aufgegeben, den du vorher hattest und hast gesagt, ich widme mich jetzt nur noch diesem Agro Gleitschirmfliegen. Was hat dir das damals gegeben?
Also ich denke, etwas zu haben, das man eben so intensiv ausüben will, das ist ja irgendwie auch ein riesen Geschenk. Also wenn ich hier bei uns in Interlaken in Mürren 16 Mal auf die Gondel gehe und da rauffahre, das kann ich ja nicht einfach mit Willenskraft und eben mit Fleiß. Das ist einfach etwas, das war etwas in mir drin, dass das halt da weiterkommen wollte und diese Begeisterung und diese Freude, diese Freude, die ich dabei erlebt habe, das war schon etwas sehr Besonderes.
Das war einfach Antrieb und auch ein bisschen einschränkend natürlich. Ich wollte ja auch nichts anderes, ich habe auch nichts anderes gemacht. Aber da auch wieder vielleicht mich auf etwas voll einlassen zu können und voll auf etwas konzentrieren zu können, das war einfach …
Dein Leben. Genau. Was müsste aus deiner Sicht geschehen, dass mehr Frauen sich für das Gleitschirmfliegen interessieren?
Ich glaube, mehr Events unter Frauen. Mehr Frauen -Gleitschirmfeste. Einfach so mehr Veranstaltungen, wo sich das Weibliche entfalten kann.
Du hast gerade Frauenfliegerfeste gesagt. Du hast ja gerade jetzt gerade im September zusammen mit Katrin Ganter und Jutta Reiser ein großes Frauenfliegerfest organisiert gehabt in Lenk in der Schweiz. Worum geht es oder worum ging es dabei?
Also ich habe jetzt gerade vor … Ich habe gerade kürzlich in einem Buch etwas gelesen, Lucian, und das trifft es einfach voll auf den Kopf. Und da hat der Veit Lindau in einem seiner Bücher geschrieben, Wunder werden möglich, wenn sich das Weibliche und das Männliche frei entfalten und sich beide Pole mit Respekt und Neugier begegnen. Und darum geht es. Also wenn ich als Pilotin mit zehn männlichen Kollegen am Startplatz stehe, da kann sich das Weibliche nicht entfalten. Genauso wenig, wie wenn ich mit meinen Freundinnen Kaffee trinken gehe und irgendwie ablästere über die Nachbarn und die Welt. Also dass sich das Weibliche entfalten kann, indem wir dieses Hobby, dieses Gleitschirmfliegen haben, was uns verbindet, was uns herausfordert, was uns einfach
die Emotionen, die Bedürfnisse, dass sich das entfalten kann. Auch unsere Sichtweise der Realität. Oder überhaupt unsere Vorstellung von Erfolg. Einfach, dass wir das da teilen und sich das aufblühen und sich das entfalten kann.
Wie sieht, wie muss ich mir das vorstellen, wie sieht eine weiblich geprägte Fliegerei aus?
Ich denke, dass das Zusammensein wichtiger ist als die Kilometer, also die Leistung. Also das Zusammensein ist wichtiger als die Leistung.
Dass wir uns über unsere Bedürfnisse, dass wir uns austauschen können, dass uns das Gleiche oder Ähnliche, dass wir Ähnliches erleben, uns Ähnliches beschäftigt. Einfach der Austausch und zu sehen, dass wir eben nicht mit unseren Themen nicht alleine am Startplatz stehen. Und dass das gibt dann wie auch Antrieb, also es ist unglaublich schön, eine reine Frauengruppe zu erleben. Wie die sich gegenseitig ermuntern und ermutigen und auch irgendwie aufeinander schauen, sich abschauen.
Alles, was du jetzt genannt hast, sind ja Sachen, die im Grunde noch am Boden stattfinden. Also das ist so das fliegerische Umfeld. Man trifft sich, man spricht, man ermuntert sich, man spricht über seine Probleme oder um die Ängste, die man hat. Oder sonstiges, was dort alles halt an Gesprächen vielleicht auch aufkommt. Wie ist das denn, wenn diese Frauen dann in die Luft gehen? Würdest du sagen, da fliegen Frauen auch anders als Männer? So im Durchschnitt gesehen. Es gibt natürlich alle Typen, wahrscheinlich wird man auch wiederfinden können. Aber würdest du sagen, was du so erlebst, fliegen Frauen anders als Männer?
Also ich denke, das habe ich mir noch nie überlegt. Aber ich denke, das kommt dann eben darauf an, wie die Frau in die Luft geht. Ob sie eingeschüchtert ist. Oder eingeschüchtert dann in die Luft geht. Oder eben ermutigt. Oder wie sie sich am Ende des Fluges sich auch austauschen konnte und sich für den nächsten Flug vorbereiten kann. Also ich denke,
ich weiß es nicht, das habe ich mir noch nie überlegt. Aber ich denke, wie eben die Frau dann in die Luft, für den einen Flug in die Luft kommt. Ängstlich oder freudig. Macht sicher einen Unterschied. Ich weiß nicht. Was denkst du?
Wenn man mit einem guten Gefühl in die Luft geht, wird man wahrscheinlich selbstsicherer dann auch in der Luft sein. Vielleicht ist es auch ein Unterschied, wenn man irgendwie weiß, da gucken zehn Augenpaare von unten oder am Start einem irgendwie zu, die einem wohlgesonnen sind. Und man hat nicht das Gefühl, man wird kontrolliert, ob man das jetzt auch alles genau richtig macht oder sowas. Was ich manchmal erlebe von Frauen auch bei uns im Verein oder sowas, dass die dann, wenn da zehn Männer am Startplatz sitzen, eher mal ein bisschen gestresst sind oder so. Auch nicht bei allen, aber bei manchen schon so erlebe, dass die dann ein bisschen steifer im Grunde wahrscheinlich sind. Und vielleicht unter Frauen dann lockerer sind, weil ein Fehler dann auch von allen weggelacht wird und nicht so, oh, da kommt der nächste Mann sofort gesprungen und erklärt dir erstmal, wie du es richtig gemacht hättest, machen sollen, tun, was auch immer.
Also wie Männer dann gerne wahrscheinlich an dieser Stelle da sind und dann da so reinspringen.
Ja, sehr gut.
Wie ist denn das Feedback? Ich meine, das ist jetzt dein Erleben gewesen. Wie ist denn das Feedback, was du dann von den Frauen bekommen hast, die dann dort auch da waren?
Ist das allgemein, dass sie sagen, wow, sowas habe ich immer gesucht, sowas hat mir gefehlt. Endlich kann ich mich hier ausleben oder mit einem anderen Gefühl in die Luft gehen. Oder ich fühle mich angenommen. Oder was auch immer. Was kommt da?
Also jetzt vom Frauen -Gleitschirmfest, da gibt es viele Feedbacks. Die hat die Jutta eingesammelt. Die wird sie dann, glaube ich, auch noch verarbeiten. Und was ich mehr sagen kann, ist jetzt von diesen Frauen -Camps, die ich bei Chill Out Paragliding mache hier in Interlaken. Da habe ich letztes Jahr zum Beispiel zwei Schnuppertage gemacht, nur für Frauen. Oder auch ein Comeback -Camp. Also Pilotinnen, die länger nicht mehr geflogen sind und die da einen Wiedereinstieg haben wollten.
Und ja, die haben das sehr, sehr geschätzt, dieses Miteinander mit Gleichgesinnten. Sie haben auch gesagt, das wusste ich ja auch nicht, hätte es einen Unterschied gemacht, wenn jetzt das gemischt gewesen wäre. Und da waren sich alle eigentlich einig, dass das ein schöner Einstieg war, weil er in dieser Form stattgefunden hat, mit Gleichgesinnten. Und der Austausch von, ja, es ist einfach ein schöner Austausch, dass sie sich auch wissen, wovon die andere spricht, wenn sie von einer Emotion spricht. Weil wir dieselben haben. Ich sage ja auch nicht, dass das für jede Frau was wäre, oder?
Ankerung würden sich sicher viele Männer auch sehr wohl fühlen bei uns. Aber einfach, ja. Ich denke, es ist ein schönes Umfeld, was wir für viele Pilotinnen schaffen können.
Bei mir aus dem Verein waren auch eine ganze Reihe von Frauen bei diesem Frauenfliegerfest. Unter anderem auch meine Frau. Und die kamen dann zurück und die waren auch alle sehr angetan. Und was ganz interessant geworden ist, das waren, ich glaube, die waren vier oder fünf. Und es gibt noch mehr Frauen bei uns im Verein. Und die haben dann aber dann ein bisschen das erzählt. Und dann ist direkt eine Frauenflieger -WhatsApp -Gruppe innerhalb des Vereins daraus geworden. Wo die gesagt haben, wir wollen jetzt mehr zusammen machen und sonstiges. Also auf gewisse Weise wird dann auch so ein Frauenfliegerfest quasi wie so eine Keimzelle für einen neuen Gedanken. Wir als Frauen können uns eigentlich auch mehr organisieren. Freut sich sowas?
Ja, auf jeden Fall. Und ich denke auch, wir wollen uns ja nicht abkapseln. Also einfach sich so organisieren, um dann einfach auch eben unsere Ansicht in das Ganze einzubringen. Also ja, das ist super. Also ich denke, dass eure Frauen vom Club da hoffentlich viel profitieren können.
Und du hast jetzt auch gerade Chill -Out Paragliding angesprochen, wo du diese Frauenflieger -Camps machst auf verschiedene Art und Weise. Ich habe jetzt auch gesehen, dass zumindest schon bei einigen anderen Flugschulen, gerade im letzten Jahr ist das so aufgekommen, auch anfangen jetzt eigene Frauenflieger -Camps, Streckenflug -Camps teilweise nur für Frauen oder so etwas dann entsprechend auch anzubieten. Glaubst du, dass da wirklich ein so großer Bedarf ist? Weil die Frauen sind ja gar nicht so viele insgesamt, also wenn man die Gesamtfliegerschaft nimmt. Oder ist das vielleicht genau so etwas, was vielleicht diesen Anteil der Frauen an der Gesamtfliegerschaft noch deutlich erhöhen könnte? Wenn man weiß, da gibt es auch wirklich etwas, wo ich in einem safe,
in einem für mich emotional guten Frauenumfeld, dann halt so etwas lernen kann.
Das glaube ich auf jeden Fall. Also ich denke, Frauen -Camps, das haben wir ja nicht erfunden oder so. Ich weiß auch, ich glaube, Ecki Maute und Cordula, die haben ja am Achensee das schon von, ich denke, vor zehn Jahren haben die solche Camps schon angeboten. Es wäre mal spannend, mit ihnen darüber zu reden, wie das angeht. Oder welchen Anklang das gefunden hat. Ich glaube einfach, dass das der Zeitgeist auch trifft, diese Frauenangebote. Das ist ja nicht nur in der Fliegerei gerade am Entstehen. Das ist ja auch bei Schweiz Tourismus. Die haben so ein riesiges Angebot gehabt, reine Frauenangebote für Frauen im Biken, im Bergsteigen.
Ganze Palette, oder? Ja. Ich glaube, und das ist ja auch unser Wunsch, dass wir die Frauenquote erhöhen können, weil diese zehn Prozent oder zwölf Prozent oder was das sind, das gibt für mich schon keinen Grund, warum das zwölf, warum das so wenige sind. Und ich glaube auch, dass wir den erhöhen können. Spannend war das für mich bei diesen Schnuppertagen, die ich letztes Jahr gemacht habe. Also da kommen ja Fußgängerinnen, oder da wollten wir Fußgängerinnen dazu bringen.
Und bei diesem reinen Frauenschnuppertag, also wenn eine Frau unbedingt Gleitschirmfliegen will, dann sucht sie sich einen Schnuppertag bei der Flugschule und geht dahin oder sucht sich einen Grundkurs. Und diese Frauen an diesen Schnuppertagen, die haben eigentlich nicht mit dem Gedanken gespielt, Gleitschirmfliegen lernen zu wollen. Die haben einfach dieses Angebot gesehen und sich wie angesprochen gefühlt, in einer Frauengruppe mal wieder was Neues auszuprobieren. Und die waren alle sehr, sehr begeistert. Und es hätte sich jede am Ende dieses Tages vorstellen können, selber Gleitschirm zu fliegen. Und von daher denke ich schon, dass das funktionieren würde.
Machst du denn als Fluglehrerin, wenn du jetzt eine reine Frauengruppe hast, machst du mit der irgendwie etwas anders, als du mit einer gemischten Gruppe machen würdest?
Ich fühle mich, glaube ich, anders. Also ich blühe da natürlich auch auf. Ich habe unter einer gemischten Gruppe noch mehr das Gefühl, ich müsse zeigen oder beweisen, was ich kann. In einer reinen Frauengruppe habe ich eher das Gefühl, ich kann einfach so sein, wie ich bin. Und bin dadurch sicher anders.
Das finde ich interessant. Aber das hört man ja häufig. Aber woran liegt das? Was ist dran an diesem Typus männlicher Flieger, der euch Frauen zuweilen abschreckt oder einschränkt oder euch gefühlte Grenzen aufsetzt oder was auch immer das ist?
Also vielleicht das Bewertetwerden,
dass ich eben bewertet werde nach meiner Leistung und nicht nach dem, was ich bin oder wie ich bin. Also ich denke, Bewertung hat bei mir stark was damit zu tun.
Das sagst du jetzt, das hat bei dir etwas damit zu tun. Erlebst du das aus den Gesprächen mit den anderen Frauen heraus auch so, dass du von denen das auch mitkriegst, dass da immer so eine Angst vor Bewertung oder sowas ist?
Das weiß ich nicht. Ich denke, da könnte ich sicher, könnten wir jetzt, Jutta, Katrin und ich, bestimmt mal eine Studie darüber machen, was es genau ist, also wie sich die Frauen fühlen oder was sich da, aber das weiß, kann ich nicht sagen.
Aber von deinem Erleben her würdest du schon sagen, die Männer sind auch von, vielleicht einfach von ihrem Gedankengut her sowas, viel eher kompetitiv eingestellt. Das heißt, die messen sich immer gegenüber anderen und ziehen dann die Frauen irgendwie automatisch dann damit rein. Weil wenn eben nur eine Frau unter fünf Männern dort ist, dann dominiert halt dieses Wettbewerbs. Ja. Und das ist ja auch so eine Einstellung der Männer, wer ist der Stärkste, wer ist am weitesten geflogen, wer hat die meisten Punkte, wer ist am schnellsten, wer hat die stärkste Steilspirale oder was auch immer alles.
Ja, oder vielleicht gar nicht unbedingt so konkurrenzdenkend, aber es kann ja auch sein, dass ein Mann für sich in die Luft will, für sich, für seinen besten Flug oder für sich irgendwie ein Leistungsziel zu erreichen. Und dass wir Frauen eben dieses Miteinander, dieses, dass uns das halt viel bedeutet oder uns auch viel gibt,
dieses Verbindende. Also ich kenne jetzt wenig Frauen, die einfach für sich an einem Flugtag für sich alleine losziehen, um ihren Flug, den geplanten Flug durchzuziehen. Weisst du, ich meine, wir so mehr, so jetzt nicht, ja, ich weiss nicht, dass wir mehr halt das Schätzen gemeinsam, also ich weiss auch mit meiner,
meiner Fliegerfreundin damals nach der Ausbildung, für uns gab es nichts Schöneres, als am Startplatz zu sitzen und zu sein und zu bleiben und, ja. Also
das gemeinsame Erleben. Die
Gemeinschaft genießen, ja.
Wobei ich dann ja jetzt schon, gerade auf deine Fliegergeschichte bezogen, das interessant finde, weil du dann ja das Agrofliegen gelernt hast und dann gesagt, ich habe so viel Zeit investiert und so was. Das ist ja alles, was du dann wahrscheinlich, du warst dann so gut irgendwann auch so, wahrscheinlich eben keine weibliche Partnerin da mehr so gehabt hast, die dich da die ganze Zeit begleitet, sondern da warst du dann, stelle ich mir jetzt so vor, sag mir sofort, wenn es anders war, aber stelle ich mir so vor, dass in dieser Phase zumindest auch ein eher so Einzelkämpferin an dieser Stelle warst.
Das denke ich auch und ich sage auch nicht, also ich wäre auch, ich wäre ja noch nie auf die Idee gekommen, an einem Frauengleitschirmfest teilzunehmen.
Damals wärst du nicht auf die Idee gekommen.
Ja, eigentlich, ich habe das nicht weder als Bedürfnis noch als Notwendigkeit gesehen, dass Frauen unter sich irgendwas, dass das irgendwas Bedeutungsvolles sein könnte, überhaupt nicht. Und ich habe natürlich meinen Partner damals, der Xandi, gehabt, mit dem ich halt 1 zu 1 Betreuung und da meine Schritt für Schritt
Strategie fahren konnte, Thermik natürlich da 1 zu 1 begleitet hat, ständig, und dem ich sicher diesen Werdegang auch zu verdanken habe.
Wodurch ist dieser, bei dir jetzt, dieser Einstellungsumschwung in Gang gekommen, dass du sagst, okay, von dieser Einzelkämpfer -Idee oder jetzt betreut von Xandi und sowas, aber trotzdem du, für dich fliegen, und das ist es zu dem Umschwängen, dass du sagst, was mir heute auch wichtig ist, einfach dieses, als Frauen fliegen, halt auch dieses Gemeinschaftserlebnis und das gemeinsam fliegen gehen und da sich austauschen und sowas. Wodurch hat das so stark für dich an Wertigkeit gewonnen?
Also ich, und das denke ich oft, Luciane, hat es was mit dem Alter zu tun, weißt du, irgendwie Ü40 und dass man dann andere Themen hat als Jung. Aber das habe ich, der Gedanke habe ich wieder fallen gelassen, weil ja am Frauengleitschirmfest sehr viele junge Frauen waren. Und deshalb denke ich, ist es mehr ein Thema, wo man gerade steht im Leben. Ob das einem mit 30 wichtig ist, mit 25, und mir ist das jetzt, ich fand der Gedanke schön vom Frauengleitschirmfest. Ich war am zweiten Fest eigentlich nur dabei, weil ich mitgeholfen habe, zusammen mit Chillout, diese Bar, dieses Apero.
Zu organisieren. Ich wäre da nie als Teilnehmerin hingegangen. Aber ich bin kurz darauf, habe ich jetzt mit meiner Persönlichkeitsentwicklung
ein Seminar gebucht zum Thema Weiblichkeit. Und da war ich das erste Mal unter Frauen. Das waren, wir waren 20 Frauen und das waren vier Tage. Und das war wunderschön. Diese Gemeinschaft mit Frauen. Und da ging es um Themen, die eigene Weiblichkeit wieder zu entdecken oder Zugang zu finden. Und das war an dem Punkt in meinem Leben, war das mein Thema. Und so bin ich in diese Gruppe geraten. Und da habe ich mich, also das war wirklich, wirklich ein besonderes Erlebnis, weil ich mich noch nie so willkommen gefühlt habe. Angenommen und willkommen.
Und das hat vielleicht am ersten Tag, fand ich es komisch. Am zweiten Tag wäre ich am liebsten weggerannt. Und am dritten und vierten Tag habe ich mich da auch irgendwie einbringen können und hingeben können. Und das war einfach ein unglaubliches Erlebnis für mich.
Und dieses Erlebnis oder dieses Einbringen der Weiblichkeit oder dieses weiblichen Gedankenansatzes oder des Begegnungsansatzes ist auch etwas, was du dann bei diesem Frauenfliegen genauso zu spüren bekommen hast?
Also ich bekomme das sehr stark und das spüren jetzt in der Gruppe Katrin, Jutta und ich, wenn wir da zusammenarbeiten oder vorbereiten. Und ich glaube schon, dass das die Grundstimmung war am Fest. Dass man einfach, dass ich als Mensch, dass ich als Frau gut bin, so wie ich bin. Punkt. Ich glaube, das geben wir einander auch zu spüren. Und das fühlt sich halt auch gut an.
Was können männliche Piloten, vom Geist des Frauenfliegens lernen?
Ich weiß gar nicht, ob die was lernen müssen von uns, weil es ja eben, weil das ja eben, wie soll ich sagen, ich glaube schon auch zwei verschiedene Pole sind, ohne jetzt da eine Genderdiskussion anstiften zu wollen. Aber ich glaube, die müssen nichts lernen von uns. Die müssen uns einfach eben mit diesem Respekt und Neugier begegnen. Von dem auch, was wir untereinander erleben. Wie offen sein dafür, das auch nicht schlecht machen oder sich darüber irgendwie lustig machen, sondern es ist einfach eine Bereicherung für uns alle, also für die ganze.
Aber das eine wäre ja jetzt akzeptieren, dass du sagst, die Männer akzeptieren, okay, es gibt so Frauenfliegergruppen, die machen ihr Ding und das dürfen die auch machen und es ist alles super. Das andere wäre ja, dass man sagt, vielleicht gibt es ja Elemente oder was ist Elemente,
bestimmte Handlungsweisen, von dem, was ihr oder wie ihr als Frauen untereinander da mit euch umgeht, die für die Männer in ihrem Umgang, in ihren männerdominierten Vereinen oder an männerdominierten Startplätzen oder sowas, wo man wirklich sagen könnte, es könnte vielleicht für alle ein Gewinn sein, wenn etwas mehr Weiblichkeit auch da, in welcher Form auch immer, einzöge. Welche Sachen würdest du denn denken, was könnten vielleicht Männer überhaupt akzeptieren davon? Nicht nur akzeptieren in der Form, die Frauen dürfen das so machen, sondern hey, das könnte ich vielleicht auch annehmen, das wird mir meinen Stress vielleicht am Startplatz, weil ich ständig auch mich beobachtet fühle oder was auch immer, mir einiges davon abnehmen.
Denkst du an was Bestimmtes?
Nein, ich will nur, also ich versuche etwas aus dir hervorzulecken, was vielleicht da ist als Idee oder so etwas. Vielleicht habt ihr als Jutta und Katrin oder sowas auch über solche Sachen mal gesprochen.
Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, weil es für mich nicht,
gerade weil es eben für mich nichts Belehrendes hat. Also wir machen nichts besser. Also weißt du, wie ich meine? Und gerade weil diese unterschiedlichen Sichtweisen, die ich angesprochen habe, die können ja auch unterschiedlich gehandelt werden.
Das heißt, du siehst das aber auch nicht als so eine Art Emanzipation in der Form, ja, da müssen sich auch die Männer jetzt an uns Frauen mal anpassen oder sonstiges, da muss sich etwas grundsätzlich in der Welt ändern, sondern eigentlich nur sagen, es muss sich nichts grundsätzlich ändern, aber wir wollen Räume schaffen, in denen das Weibliche dann halt auch stattfinden kann.
Unbedingt, genau. Und die Männer sollen genießen und profitieren davon, dass wir diese Räume haben.
Ich versuche trotzdem noch mal ein bisschen bei dir zu kippen. Wenn es etwas mehr Weiblichkeit in der Flieger -Szene gäbe, vielleicht auch in dem mehr Frauen dann auch in der Flieger -Szene irgendwann der Frauenanteil noch zunehmen würde und so etwas, wie sehe so eine Fliegerei mit einem stärker weiblichen Charakter dann für dich aus?
Da denke ich an Annehmen. Also eine Emotion oder egal, ich weiss auch nicht, eine Ansicht, eine Einsicht, wenn immer, egal, ein Kollege, eine Kollegin irgendwas teilt, das einfach anzunehmen und nicht zu belehren, also wie sein Funktionieren da rüberstülpen zu wollen. Also das Zuhören und Annehmen und zwar als Emotion diese Person und das einfach offen sein dafür und eben das ist für mich die Neugier,
neugierig zu sein, wie das andere erleben, ohne dann das Gefühl zu haben, man weiss es besser und man kann jetzt da die Welt retten, indem man der Pilotin erklärt oder dem Pilot, dem Kollegen erklärt, wie er es machen müsste.
Das heisst, mehr ein Austausch über das Erleben, also was die erlebt haben und weniger ein Austausch darüber, wie man es hätte machen sollen oder so.
Ja genau, irgendein Horizont erweitern und jeder macht es anders und jeder macht es gut, weil es wie das ist, was er oder sie im Moment kann und will auch.
Gäbe es in einer solchen weiblicheren Gleitschirmfliegerwelt noch Wettbewerbe?
Ja, ich denke schon, also ich hätte schon auch Lust, wieder mal mich zu messen mit anderen.
Obwohl du es früher als Kampf empfunden hast?
Ja, vielleicht, weil ich denke da auch lockerer geworden zu sein, das vielleicht auch genießen zu können.
Das ist ja auch wieder eine Gruppe von Gleichgesinnten, also eine Gruppe, die sich auf etwas vorbereitet, die sich einfach, ja auch ein bisschen, ein bisschen grenzenverschiebend, also vielleicht widerspricht sich das jetzt, aber ich denke, dieser
Ehrgeiz in einem Menschen drin, das ist jetzt für mich nichts typisches Weibliches oder typisches Männliches. Also, weisst du, ich meine, klar, es geht jetzt um Leistung, aber ja, oder vielleicht hat das eher einen männlichen Aspekt, aber nein, ich denke, jeder, der das in sich hat, soll das auch irgendwie ausleben können, dürfen. Und es ist ja auch, ein Wettkampf ist ja immer auch so eine geballte Ladung von Wissen, von Know -how, und also ich denke schon, dass sich dank den Wettbewerben auch Grenzen verschieben können, was ja auch etwas wahnsinnig Spannendes ist. Also es heisst ja nicht, es darf keine Leistung geben, oder man soll sich, also ich finde das nicht …
Das Wettbewerb ist auch ein guter Antrieb.
Ja, auf jeden
Fall. Für
einen selber, also
der einem auch auf gewisse Weise wieder Energien freisetzt, weil man sagt, oh, das will ich dann, das muss ich jetzt halt, oder will ich dann halt auch noch besser können, weil ich es gesehen habe, dass es noch besser geht, oder dass man Grenzen noch verschieben kann, die man vorher dachte, man kann sie nicht verschieben, und plötzlich fliegt einer ein Infinity -Tumbling aus dem Full -Stall heraus, oder was auch immer, und dann sagt man, wow, früher wäre das nie gegangen, und jetzt geht es, und dann will ich das jetzt als nächstes können.
Ja, unbedingt, ja, Inspiration und auch, ja, Ansporn, unbedingt, ja. Das war es für mich auf jeden Fall auch jedes Mal, weil ich wollte bis zum nächsten Wettkampf … Ich bin um sieben Uhr auf der Gondel gestanden und habe um sieben Uhr meinen ersten Flug gemacht in der Früh, um genug Flüge noch machen zu können, um mich da noch vorbereiten zu können. Das hat mich natürlich auch weitergebracht, ja.
Jetzt hast du zumindest zurzeit keine Wettbewerbe, die dich so antreiben. Was reizt dich heute am Fliegen?
Also, was mich reizt, also ich weiß einfach,
Katrin hat mich kürzlich gefragt, wenn ich mein eigenes Kind wäre, was würde ich mit mir machen wollen?
Und die Frage so gestellt zu kriegen, da ist die Antwort so sonnenklar. Ich will da raus, ich will in die Luft, ich will schaukeln gehen. Und deshalb ist es einfach eine Herzensangelegenheit. Vom Verstand her denke ich schon längst, ich müsste jetzt mal langsam ein anderes Hobby oder eine neue Leidenschaft finden. Aber die Fliegerei ist so tief im Herz verankert. Also, das eben auch als Geschenk sehen zu können, diese Begeisterung und diese Freude, um das ausleben zu können. Und ich könnte dir jetzt nicht irgendwelche Reize … Außer einfach innerer Antrieb.
Wieso sagt dir dein Verstand, dass du dir eigentlich ein anderes Hobby suchen solltest?
Ja, weil ich irgendwie sehe, weil ich manchmal denke,
vom Verstand her fühlt es sich nach Stillstand an. Vielleicht hat es auch mit diesem Vergleichen gegen aussen zu tun. Wenn ich dann sehe, was andere für neue Kapitel aufschlagen oder neue Sachen angehen. Ja, ich fühle mich dann ein bisschen langweilig. Das ist für mich immer noch einfach nur das, wie gut die Fliegerei ist. Obwohl ich natürlich weiß, dass es auch ein Riesengeschenk des Himmels ist.
Beim Frauenfliegerfest, da bist du auch mal wieder selber auch eine Agro -Show geflogen vor diesen Frauen, die alle zugeguckt haben. Warst du zusammen mit der aktuellen, zumindest inoffiziellen Agro -Weltmeisterin Gabi Fonck da in der Luft? Wie war das für dich?
Das war für mich spielen, tanzen. Das war nicht … Also, so jetzt im Gegensatz zu eben, Wettkampf. Es war nicht Kampf und ich muss jetzt mein Bestes zeigen, sondern es war wirklich, wir gehen jetzt da tanzen, spielen. Das hatte dieses Verspielte, weil ich musste ja auch nicht. Ich hatte meinen Schirm im Auto. Ich wusste, ich könnte, wenn ich möchte. Aber das war ja nicht geplant. Das war Gabi, ihre Bühne und ihr Rampenlicht. Und das war spontan, dass ich da mitgefahren bin. Und das war einfach, ja, das war einfach verspielt.
War das die erste Agro -Show, die du im Grunde wieder geflogen bist, seitdem du mit der Agro -Fliegerei aufgehört hast, vor zehn Jahren so etwa?
Also, das war jetzt wie … Ich bin ja jetzt diesen Sommer, sag ich vielleicht, alle zwei Wochen mal Agro -Fliegen gegangen. Habe da nicht wirklich aufbauen können, aber habe ein bisschen … schauen können, was noch geht und was noch Spaß macht, was sich gut anfühlt. Und ja, das war dann so,
den Moment, das bewusst vorzuführen, ja.
Ist das dann so etwas wie, vielleicht auf gewisse Weise, so ein Gefühl auch von wie nach Hause kommen oder so und sagst, ja, eigentlich das ist es, da will ich noch mehr?
Ja, da fühle ich, das ist schon so. Da bin ich völlig in meinem Element. Und im Flow überhaupt. Ich meine, als Hausfrau und Mutter ist Flow zu finden …
Nicht so einfach.
Nicht an der Tagesordnung. Und ja, Flow, also das ist, in meinem Element zu sein, ja, das ist etwas Kostbares auch und etwas Besonderes, ja.
Du bist ja mittlerweile Mutter von zwei Kindern. Und das war auch einer der Gründe, warum du damals mit der Agrofliegerei aufgehört hast. Wie hat das jetzt das Muttersein, wie hat das deinen Blick auf die Fliegerei und vielleicht auch diese Weiblichkeit in der Fliegerei verändert?
Ja, das kann ich jetzt, es ist schwierig, also fällt mir jetzt schwer, das so zu beantworten, außer dass sich natürlich Themen total verschieben und andere Sachen wichtig werden. Und auch, wenn man sich als Mutter, auch mit sich selber beschäftigen muss, weil man ja nicht mehr einfach davonlaufen kann. Also, wenn das Muttersein ein Job wäre, ich hätte ihn schon lange gekündigt. Und es geht irgendwie nicht. Und das Einzige, was hilft, ist, sich da mit auseinanderzusetzen und auch sich weiterzuentwickeln. Und da gehört wahrscheinlich mit den ganzen
Auseinandersetzungen der Themen, die man da hat, hat für mich jetzt, das Thema Weiblichkeit, hat schon auch eine Rolle gespielt.
Und wie überträgt sich das, auch dieses Mutterdasein und auch vielleicht diese Gedanken der Verantwortung und was auch immer alles damit zusammenhängt, wie überträgt sich das auf deine Fliegerei oder hat sich das übertragen? Gehst du heute auch mit dem Mutterdasein anders in die Luft?
Nein, das ist das Lustige, dass eben in der Luft bin ich, ich bin nirgends so wenig Mutter wie in der Luft. Und das ist ja das Schöne, am in die Luft gehen.
Das ist so tief verankert in mir, das Gefühl von eben irgendwie frei und lebendig und eben selbst, selbstbestimmt, ist, denke ich, ein wichtiges, ein wichtiger Bereich, selbstbestimmt zu sein. Die Fliegerei gibt mir das. Also diese Entschlossenheit, mutig sein, selbstbestimmt. Drei Werte, die mir sehr, sehr wichtig sind, die kann ich im Fliegen, wie Leben.
Das heißt, in Fliegen lebst du deine Freiheit. Ja. Wo du sagen kannst, hier spricht mir keiner rein, ich ziehe hier, an welcher Schnur ich gerade ziehen will. Und das ist jetzt von keinem Fremdbestimmt in irgendeiner Weise. Und ich bin hier auch nur für mich verantwortlich, weil das, was ich hier mache, mir kann, ja, mir kann hier keiner gerade ins Steuer greifen. Das ist einfach mein Ding, was ich mache.
Genau. Und das hat dann auch sehr mit sich mit, das ist dann auch eine Verjüngungskur, oder? Da bin ich, da bin ich dann jung und verspielt, ja. Ja. Ich
glaube, dein ältester Sohn oder Tochter, weiß jetzt gar nicht, wie das ist, ist jetzt gleich zehn Jahre alt. Mhm. Wie lange war die gewissermaßen Mutter - oder Babypause, in der du überhaupt nicht geflogen bist?
Also das Hike and Fly, das hat es immer gegeben. Und das hat, also,
Hike and Fly, das war das Letzte, was ich gemacht habe. Und das Erste, was ich wieder gemacht habe, da hat es nicht, oder wenn ich mit dem Baby zwei Stunden Zeit für mich gehabt habe, dann bin ich irgendwo hochgelaufen und runtergeflogen. Also ich sage jetzt mal, diese, das ist ja auch das Schöne am Fliegen, wenn du mal so, oder, Also du
bist mit dem Baby hochgelaufen Nein. und mit dem Baby runtergeflogen?
Nein, das nicht. Okay. Aber wenn ich mal eine Pause hatte, vom Muttersein. Oder wenn, wenn wir als Paar mal ein Wochenende für uns hatten, dann war immer, Hike and Fly war eigentlich immer Thema, weil ja auch das Fliegen, das ja, war vielleicht so wie eine Velotour machen, das Fliegen hat es immer gegeben, weil halt die Basis ja auch, oder die Routine so groß war, dass das jetzt auch nicht eine Überwindung gekostet hat, wieder in die Luft zu gehen.
Und das war dann auch nicht so, dass du gesagt hast, ah, da ist ein solches Risiko da drin, das fühle ich als Mutter so, das kann ich jetzt nicht eingehen. Weil das kenne ich von manchen Frauen, sobald sie dann Mutter geworden sind, zumindest ein paar Jahre, gerade am Anfang, wenn die Kinder noch sehr klein sind, dass sie dann sehr, sehr zurückhaltend sind, bis dahin, dass sie es ganz aufgeben, weil sie sagen, nee, das, das steht für mich jetzt in keinem Verhältnis mehr. Ich bin hier in einer, wie auch immer, Mutterpflicht, die sie aber auch für sich so akzeptieren, dass sie sagen, nee, das gibt jetzt andere Schwerpunkte, auf die ich Rücksicht nehmen will.
Also ich denke, das hat schon auch was mit Unsicherheit aufgrund fehlender Routine zu tun, wahrscheinlich. Und sich in der Luft unsicher oder zu fühlen, das finde ich auch nichts Schönes. Also das ist ja nur anstrengend und kräfteraubend. Da habe ich auch vollstes Verständnis dafür. Deshalb bin ich auch so dankbar, dass diese Routine eben so groß ist bei mir, dass ich auch irgendwo müde, erschöpft auf den Berg ankommen kann und eben locker runterfliegen kann. Das ist ja schon auch nicht selbstverständlich. Aber so das Risiko, ja, das habe ich, dass dieser Gedanke, das könnte riskant sein oder ich komme da nicht mehr nach Hause, das habe ich wirklich viel, viel öfter im Auto als jetzt in der Luft.
Du arbeitest ja auch als Tandempilotin. Bist du auch schon mit deinen Kindern geflogen?
Ja, also mit drei Jahren wollten die beide, das erste, das wollten die mitfliegen.
Das ging so lange gut, bis ich gesagt habe, jetzt wandern wir an den Startplatz. Seit dann, wollen sie nicht mehr mitkommen. Sie sind sehr, sehr gerne in der Luft, aber das Drumherum, bis man am Startplatz ist oder so, das finden sie, also wenn ich ihnen vorschlage, lasst uns fliegen gehen heute Nachmittag, dann, dann sagen sie entschieden nein.
Weil sie wo hochlaufen müssen und sagen, nee, da habe ich keine Lust.
Ja, also wir haben schöne Hikenflys zusammen gemacht, aber jetzt auch hier in Interlaken an den Startplatz zu laufen, da müssen sie halt trotzdem von der Busstation bis zum Startplatz sind das vielleicht 15 Minuten. Und diese, das Verhältnis von Aufwand und Ertrag ist da nicht, ist da nicht sehr lohnenswert für die beiden.
Und finden die das als Kinder, hast du das schon mal so mitgekriegt, finden die das in irgendeiner Weise cool, eine Mutter zu haben, die mal Agro -Meisterin oder fast Schweizer Meisterin overall geworden wäre? Sowas, haben die davon das überhaupt schon mitgekriegt, also damals waren die noch nicht auf der Welt, aber nachträglich mitgekriegt, dass sie sagen, wow, meine Mama war da mal richtig, richtig toll vorne dran und richtig coole Socke?
Nein, das, also ich, ich merke, der zum Beispiel, wenn der, der Götti Kriegel, der Kriegel Mauer ist Salomés Götti, wenn der da, bei ihm merke ich den Stolz, also Salome hat den Stolz, das ist mein Götti und er fliegt ganz gut Gleitschirm. Aber mir gegenüber, habe ich das jetzt,
findet das nicht statt, irgendwie eine Anerkennung oder ein Stolz, nein.
Okay, Götti ist, glaube ich, auch Hochdeutsch Patenonkel, nur, dass man das so ungefähr zuordnen kann für die Leute, die jetzt diesen Teil von Schweizerdeutsch nicht verstehen. Verheiratet bist du ja mit Thomas Törriard und Thomas ist der, wie soll man sagen, kongeniale Supporter und Mentaltrainer und Coach von, von Kriegel, also Kriegel Mauer. Wie ist das für dich mit einem, mit einem Psychologen zusammen zu leben? Wird man da als Ehefrau, Partnerin, was auch immer Mutter, ständig hinterfragt?
Also, also
mit intelligenten Fragen konfrontiert, hinterfragt heißt jetzt nicht kritisiert, sondern der Thomas ist ja einer, der sehr viel mit Fragen immer arbeitet, zumindest bei seinen Coachings. Also inwieweit wirst du dann auch als Partnerin von ihm freiwillig oder unfreiwillig gecoacht?
Also das ist sicher ein Aspekt, wo wir dann ja auch wieder eben, was ich vorhin gesagt habe, einfach mal erzählen zu können und einen Zuhörer zu haben, der nicht optimieren will oder es besser wissen will. Das ist sicher, Thomas ist gewöhnt, Leute weiterzubringen oder auch sich selbst zu optimieren und zu Leistungen anzuspornen, Ziele zu erreichen, was mir im Moment mit der Familie schon ein Gräuel ist, weil ich eigentlich verzweifelt versuche, einfach Familie sein zu können und genießen zu können und nicht irgendwelche Optimierungsansprüche oder irgendwelche, ja, das ist sicher ein Punkt,
der uns auch Aufgaben gibt.
Das kann ich mir vorstellen. Also ich habe Thomas von da, wo ich ihn immer getroffen habe, dann habe ich mich mit ihm unterhalten und irgendwie nach dem dritten Satz kam auch schon wieder eine Rückfrage an mich, wo ich dann ich schon wieder jetzt mich im Zwang gefühlt habe, ah, da muss ich jetzt drüber nachdenken, wie und was, das wollte ich jetzt eigentlich gar nicht.
Das kann ja dann wahrscheinlich häufiger passieren. Wie sieht denn der Thomas dann auch solche Sachen, so Projekte wie dieses Frauenfliegerfest, wie sprichst du mit ihm darüber oder sagt er einfach, mach du, interessiert mich jetzt nicht so oder ich finde es klasse, wenn du da was hast, wo du richtig Spaß dran hast oder so was. Jetzt,
wo du das sagst, fällt mir das auf, dass ich sehr, sehr wenig darüber erzähle, auch im Vorfeld, sicher auch für ihn zu wenig. Also er würde gerne an meinen Projekten teilhaben, aber ich, auch weil ich wahrscheinlich, Jutta und Kathrin, wir uns ja da gegenseitig haben zum Austauschen, das ist wie auch so ein bisschen meins, dass ich nicht teilen will oder eben nicht mich rechnen will, nicht rechtfertigen will oder sicher auch, weil es natürlich auch immer noch anders oder besser gehen würde und ich mich dem auch nicht aussetzen will. Das kann schon sein, ja. Und ich mich natürlich auch in dem Umfeld so sicher fühle, dass ich auch nicht jetzt aus Unsicherheit Fragen stelle oder Thomas seinen Rat suche.
Also wenn ich jetzt irgendwo Hikenfly oder so, da bin ich ja immer auch sehr dankbar für seine, für Thomas seine Inputs und seine Ratschläge und Ideen. Und beim Frauenfliegen braucht es das nicht, weil ich wie auch ein bisschen, das ist einfach auch meine, weil ich mich da wohlfühle auf dem Gebiet.
Ist das dann vielleicht auch so etwas, wenn gerade auch auf das Frauenfliegen gezogen, wo dann die, vielleicht nicht nur du, sondern auch die anderen Frauen sagen, hier kommt so viel zusammen von anderen Energien, die wir vielleicht so nicht haben und das reicht vollkommen aus, um uns jetzt hier in diesem Setting sicher zu fühlen?
Diese Akzeptanz, ja, das glaube ich, diese Akzeptanz, diese Herzlichkeit, das ist extrem viel wert, denke ich, um einen schönen Rahmen zu schaffen, wo sich Menschen wohlfühlen.
Wirst du oder werdet ihr dieses Frauenfliegen im nächsten Jahr fortsetzen als Festival oder werdet ihr das in irgendeiner Weise? Plant ihr so etwas vielleicht auch noch auszubauen oder sagen, ihr macht eins in Lenk und es wird eins in Österreich geben und eins im Schwarzwald oder was auch immer?
Also wir denken und hoffen oder wünschen auch, dass es, und ich denke, dass es auch Nachahmerinnen geben wird, die vielleicht solche Events in ihrem Umfeld auf die Beine stellen. Das müssen ja nicht wir sein. Ich träume natürlich von einem Coupé -Car, von einem Festival wie Coupé -Car, nur mit Frauen.
Also dass das noch mehr fest wird, also zelebrieren und uns feiern und den Sport feiern und die Natur feiern, aber uns auch feiern. Also ich denke, das ist noch ein Aspekt, der mir auch sehr wichtig ist, irgendwie zu feiern oder vielleicht auch in der Familie. Wir könnten viel mehr feiern, was wir haben, sind, leisten und unter Frauen auch natürlich.
Jetzt eine Frage, da habe ich vorher gar nicht drüber nachgedacht, aber die ist mir jetzt gerade so gekommen. Du sagst feiern und wir Frauen und sowas. Ganz viel von dieser Gleitschirmszene ist ja auch technisch geprägt. Geräte, Schirme, Gurtzeuge und sonst was. Und die werden fast alle auch von Männern entwickelt. Mit Männer -Gedankengut dahinter und was auch immer. Glaubst du, dass es sowas gäbe wie Gleitschirme für Frauen oder Gurtzeuge für Frauen oder sonstiges, die dann anders aussehen würden? Und was hätten die für einen anderen Charakter?
Kann ich nichts dazu sagen. Das habe ich mir noch nie überlegt. Ich interessiere mich auch nicht dafür. Ich bin auch nicht eine leichte Pilotin. Ich sehe ja, dass leichte Pilotinnen das dauerhaft zum Thema haben. Gerade Schirme. Es ist mir sehr fremd, das Technische. Ich weiß nicht, hast du eine Meinung darüber?
Nein, das war jetzt auch nur eine spontane Frage, die mir gerade so in den Sinn schoss, ohne dass ich mir vorher groß Gedanken über die Hintergründe dazu gemacht habe. Ich weiß, es gab ja mal so Projekte von U -Turn. Da gab es zum Beispiel mal irgendwie einen Schirm in der Ladies Edition und der war dann pink.
Wahrscheinlich auch wieder von einem Mann ausgedacht, dass er sagt, okay, als Ladies Edition machen wir ihn halt in pink. Und dann ist das als solches. Und es gibt nur so ein paar Ansätze. Beispielsweise von Neo gibt es Rucksäcke, wo die gesagt haben, wir machen einen Rucksack, der auf eher weibliche Proportionen zugeschnitten ist. Und das ist ja durchaus sinnvoll, dass du sagst, Frauen haben häufig nicht ganz so langen Rücken, der ist ein bisschen kürzer, dafür ist das Becken breiter oder sonst was in den Verhältnissen. Und dann passt man das entsprechend an. Und bei Neo weiß ich auch, da arbeiten sehr viele Frauen, sowohl in der Entwicklung wie in der Produktion. Also da hat das, von daher kam auch der Gedanke dann dahinter, dass sie gesagt haben, warum machen wir nicht auch Rucksäcke speziell dafür. Aber das ist nur so ein ganz kleiner Bereich. Dann habe ich nur überlegt, ob ihr dann vielleicht sagt, vielleicht gäbe es ja noch andere Sachen, wo man immer merkt, auch bei Gesprächen unter Frauen sagen, hey, wir haben jetzt das alles toll, aber eigentlich hätte ich lieber ein Gurtzeug, was ganz anders aussieht.
Da müssen Blümchenmüsse drauf oder völlig anders geschnitten sein, und das, was auch immer. Hätte ja sein können.
Ja, also ist sicher, ich führe diese Diskussionen nicht. Aber ich denke, also auch am Frauengleitschirmfest hat es ja eine Diskussion gegeben, leichte Pilotinnen, wo die Gudrun Oersel und die Jutta Reiser sich da eingebracht haben. Aber ich weiß ja, also ADVANCE war ja mein Materialsponsor. Ich habe ja auch bei ADVANCE gearbeitet. Und für mich war da, wenn da ein neuer Schirm genäht wurde, für mich, da war mir schon die Farbe immer extrem wichtig. Und auch bei meinem Gurtzeug, das musste, da habe ich mich schon sehr wohl gefühlt, wenn das Gurtzeug eben einfach so nach meinen Vorstellungen ein ästhetisches Design hatte. Und Schirm auch, ich habe den Violettgelben, ich habe den geliebt.
Aber da möchte ich jetzt nicht für eine Mehrheit Frauen sprechen.
Wahrscheinlich gibt es auch sehr viele unterschiedliche Einstellungen, was nun dann als schön empfunden wird und was nicht. Genau. Judith, lass uns langsam mal zum Ende kommen. Aber eine Frage habe ich noch. Der Thomas, also dein Mann, der ist ja einer, der immer nach dem, ich sage mal so, nach dem Potenzial der Menschen sucht oder versucht, das Potenzial bei den Menschen herauszukitzeln, indem er dann die Fragen stellt und sagt so, was willst du denn gerne noch erreichen und so was. Wo siehst du denn selbst noch dein Potenzial? Also was willst du denn noch erreichen? Also was willst du vielleicht in der nächsten Zeit noch erreichen? Wo siehst du dich da? Wo würdest du da gerne hinkommen?
Also ich will eine kompetente Fluglehrerin werden und ich will mich kompetent fühlen auch. Also bei mir ist es ja
zwischen dem, was ich kann und dem, was ich glaube, zu können. Es ist ein bisschen manchmal eine verzerrte Wahrnehmung. Also ich habe jetzt ein Ego, das eher versucht, mich klein zu halten. Mein Ego hat auch nicht das Gefühl, dass ich etwas zu sagen habe oder dass ich jemandem diesen Podcast anhören würde. Und das ist, das sehe ich so als meine,
das ist für mich so ein Gefühl. Es ist nicht ein technisches Ziel oder so, sondern einfach dieses gut zu sein, so wie ich bin, dass ich das wie fühle und mich vor der Gruppe Flugschüler so fühle und in der Welt überhaupt und bei mir in der Wohnung, aber auch vor den Frauen im nächsten Camp. Und ich die eben auch so annehmen kann.
Das ist für mich eher so ein, ja, so ein Ziel in der, oder das sage ich jetzt mal, ein Ziel der gelebten, gefühlten Selbstliebe.
Das ist doch schön. Deine Website heisst ChickenStyle. Verbindest du, ich meine, das kommt noch aus der Agro -Zeit. Vielleicht kannst du auch gleich mal kurz erzählen, wie es überhaupt zu diesem Begriff kam. Dann aber noch die Frage, verbindest du, also siehst, bist du das heute noch, siehst du dich noch in diesem Geiste?
Also das ist jetzt so, wenn ich mein Motto, mein Lebensmotto, vertraue dem Prozess und das ist, finde ich, also das ist eben da nicht irgendwie
nach krampfhaft was erreichen wollen und suchen wollen, sondern einfach dem Prozess zu vertrauen, ist das, dieses ChickenStyle ist so für mich ein schönes Beispiel dafür. Das ist etwas, das entstanden ist, das geworden ist, das sich gewandelt hat, das einfach nebenher geflossen ist, ohne dass ich da gross was dazu getan habe. Also das Logo oder ChickenStyle überhaupt ist entstanden, ohne dass ich nach einem, nach irgendwas gesucht habe mit diesem Kommentar, dieses Piloten, das war ein Streckenpilot, der da in seinem ästhetischen Streckenbeinsack -Gurtzeug unterwegs war und meine Art und Weise, wie ich in meinem Akkugurtzeug mit Gewichtsverlagerung und Beinen übereinanderwerfen und das hat für ihn extrem lächerlich ausgeschaut und das hat er als ChickenStyle benennt, bewertet,
abschätzend eher. Und das ist einfach so, der Begriff, ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen und ich hatte dann, oder zuerst habe ich gedacht, muss ich jetzt da was ändern an meinem Stil und dann habe ich, das war so ganz klar, lieber ChickenStyle als gar keinen Stil, also lieber so unterwegs zu sein und ich finde schon auch,
dieses fliegende Huhn, ich habe da noch nicht fest darüber gebrütet, aber das steht glaube ich für ganz viel, das ich noch gar nie benennt habe, aber es ist einfach etwas, das mich über die Jahre begleitet hat und lustigerweise hat das Logo dreimal gewechselt, also zuerst war es ein verspieltes Comics Huhn, das sehr schön für diese Zeit gepasst hat und dann, wo ich Mutter geworden bin, habe ich für meine Tandem Gutscheine, wollte ich unbedingt ein neues Logo und dann ist es so ein sitzendes Huhn geworden und weisst du, ich meine, ich habe das Logo dann von der Grafikerin ausgewählt und erst jetzt, zehn Jahre später, denke ich, das war ein sitzendes Huhn, das war nicht ein fliegendes Huhn und jetzt ist es wieder ein fliegendes Huhn und einfach wie das so
mit mich begleitet hat und ich träume davon, mal eine Kollektion, eine Kleiderkollektion zu haben, ChickenStyle und irgendwie wird da noch mehr daraus entstehen und vergehen und ja, ich habe das Gefühl, das passt nach wie vor zu mir.
Kleiderkollektion, für Gleitschirmfliegen oder ganz allgemein als Mode, die man auch in jedem Alltag tragen kann?
Ich denke, also für Gleitschirmfliegen, aber eben halt nicht technische, also ich denke, das wird dann halt ein Fliegerrock oder ich weiss auch nicht, das wird dann auch mit Weiblichkeit zu tun haben und so gesehen, können das natürlich alle Frauen tragen.
Braucht man nur dann wieder das passende Gurtzeug für den Fliegerrock oder müsste man dann auch noch entwickeln, wie man das dann überhaupt vernünftig machen kann? Judith, planst du denn auch nochmal ein Infinity -Tumbling zu fliegen?
Ja, sehr gerne.
Probierst du es schon?
Nein, es ist ein weiter Weg und ich hadere im Moment noch so ein bisschen mit dem Aufwand, den ich hier habe, mit der Bergbahn hoch und das ganze Drum und Dran und wie viel Zeitaufwand, auch wie viel eben Bergbahn anstehen, in der Gondel verweilen, so, dieses Verhältnis von zeitlichem Aufwand und Ertrag ist nicht so motivierend im Moment, aber ich denke, ich habe jetzt im Herbst davon geträumt, eine Woche an die Gerlitz zu fahren und einfach mal wieder alleine da Zeit am Stück zu haben, das hat dann aufgrund eines kräftigen Tiefdruckkomplexes nicht geklappt,
aber das werde ich mir sicher nehmen wieder, eine Zeit am Stück und dran zu bleiben, und dann denke ich, dass mit den kleinen Erfolgsschritten auch die Motivation wiederkommt, um diesen Aufwand zu betreiben.
Gut, Judith, dann wünsche ich dir, dass du damit auch viel Spaß oder dabei auch viel Spaß haben wirst, eben kein Tief, sondern ein schönes Hoch, was dir dann tolle Zeit und tolle Wochen da beschert. Danke dir für das Erzählen über Frauenfliegen und sonst was alles. Ich denke, dass wir Männer da sicherlich manche Sachen uns auch manchmal abgucken können, wenn es darum geht, vielleicht weniger wertend manchmal an Startplätzen zu sein oder auf gewisse Weise unterstützender insgesamt für die Gemeinschaft oder die sich da gerade bildet, dann entsprechend da zu sein. Danke dir für diese Anregung und alles Gute.
Danke vielmals, Lucian, danke.
Das war die Folge Nr. 71 von Podz-Glidz mit Judith Theuria im Gespräch mit Lucian Haas. In den Shownotes zu dieser Folge auf Lu-Glidz findest du noch eine Reihe von weiterführenden Links rund um Judiths Agrofliegerei und natürlich das Frauenfliegen. Der Gleitschirm-Blog Lu-Glidz steht im Netz und zwar unter www.Lu-Glidz.blogspot.com. Lu-Glidz schreibt sich Lu-Glidz. Wenn du dich als Hörer von Podz-Glidz und Leser von Lu-Glidz von mir gut informiert oder auch gut unterhalten fühlst, dann gib doch etwas zurück, indem du meine Arbeit daran unterstützt als Förderer. Dein einmaliger oder auch wiederkehrender Förderbeitrag liegt ganz in deinem Ermessen. Anders gesagt, du darfst geben, so viel du willst.
Wenn du dich nicht entscheiden kannst, welche Summe vielleicht angemessen wäre, dann kannst du dich gerne an folgenden, wirklich unverbindlichen Vorschlag orientieren. Wie wäre es mit 1 Euro pro Podcast -Folge und 2 Euro pro Lesemonat auf Lu-Glidz? Natürlich kannst du gerne erst ein paar Folgen hören und über Monate hinweg Lu-Glidz lesen und dann einen gesammelten Förderbeitrag leisten. Zahlungen sind ganz einfach per PayPal oder Banküberweisung möglich. Alle nötigen Daten findest du auf meinem Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern. Bis zum nächsten Mal. Ciao.