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87. Hinterstoder - Daniela Altmann

// Daniela Altmann, Lucian Haas · 2022-07-22 · 00:48:56 · original episode

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[show notes]
Daniela Altmann führt seit 26 Jahren eine kleine Flugschule in Hinterstoder. Bei ihr stehen nicht Leistung, sondern Gemeinschaft im Vordergrund. +++ Jedes Fluggebiet hat seine eigene Prägung. Und damit meine ich nicht nur die natürlichen Gegebenheiten, sondern auch die Fliegergemeinschaft, die dort zusammenkommt. An manchen Startplätzen geht es stets stressig und leistungsorientiert zu, anderswo wirkt alles entspannt und gemeinschaftlich. Ein Erlebnis dieser zweiten Kategorie hatte ich, als ich kürzlich eine Woche in Hinterstoder in Österreich verbrachte. Am Landeplatz war mir bald klar, warum. Dort lernte ich Daniela Altmann kennen. Sie ist seit 33 Jahren Fluglehrerin und hat mit ihrer kleinen Flugschule vor Ort schon unzählige Pilotengenerationen in Hinterstoder ausgebildet. Und ich würde sagen: Das merkt man. Es ist ihr Geist, ihre Prägung, die dort zu spüren sind. Als an einem Nachmittag wegen allzu turbulenter Höhenwinde die Fliegerei in Hinterstoder ruhte, nutzte ich die Gelegenheit, diese 87. Folge von Podz-Glidz mit Dani aufzunehmen. Wir führten das Gespräch vor der Flugschulhütte am Landeplatz. Dort erzählte sie mir ihre Geschichte. Am Anfang stand das Drachenfliegen, noch vor der Gleitschirmära. Später wird deutlich, dass viel von dem, was Dani heute ihren Schülerinnen und Schülern vermittelt, mit der etwas anderen Einstellung von Drachenpiloten zur Fliegerei zu tun hat. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik dieser Folge: Track: Snowy Peaks pt 1| Künstler: Chris Haugen No Copyright Audio Library Hören & Download: https://www.youtube.com/watch?v=NHObHwtrWR0

[transcript]

0:10Daniela Altmann

Und auch, wenn man dann später an einen Berg gegangen ist, haben wir so ein Gleitwinkelmesser dabei gehabt. Da hat man dann oben geschaut, ob sich das ausgeht über die Bäume, dass man da bis zu der nächsten Wiese kommt. Die Geräte waren damals schon relativ klein und leicht, ganz am Anfang. Aber das Problem war, wir sind meistens wieder runtergegangen, weil wir nicht zu der Wiese rübergekommen sind. Also Gleitzahlen zweieinhalb, das war schon ganz gut.

0:47Lucian Haas

Podz-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:51Daniela Altmann

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens.

0:55Lucian Haas

Heute mit

0:56Daniela Altmann

Daniela Altmann.

0:58Lucian Haas

Und ich bin Lucian Haas.

1:06Lucian Haas

Jedes Fluggebiet hat seine eigene Prägung. Und damit meine ich nicht nur die natürlichen Gegebenheiten, sondern auch die Fliegergemeinschaft, die dort zusammenkommt. An manchen Startplätzen geht es stets stressig und leistungsorientiert zu. Anderswo wirkt alles entspannt und gemeinschaftlich. Ein Erlebnis dieser zweiten Kategorie hatte ich, als ich kürzlich eine Woche in Hinterstoder in Österreich verbrachte. Am Landeplatz war mir bald klar, warum. Dort lernte ich Daniela Altmann kennen. Sie ist seit 33 Jahren Fluglehrerin und hat mit ihrer kleinen Flugschule vor Ort schon unzählige Pilotengenerationen in Hinterstoder ausgebildet. Und ich würde sagen, das merkt man. Es ist ihr Geist, ihre Prägung, die dort zu spüren sind. Als an einem Nachmittag wegen allzu turbulenter Höhenwinde die Fliegerei in Hinterstoder ruhte, nutzte ich die Gelegenheit, diese 87.

1:58Lucian Haas

Folge von Podz-Glidz mit Dani aufzunehmen. Wir führten das Gespräch vor der Flugschulhütte am Landeplatz. Dort erzählte sie mir ihre Geschichte. Am Anfang stand das Drachenfliegen noch vor der Gleitschirm -Ära. Später wird deutlich, dass viel von dem, was Dani heute ihren Schülerinnen und Schülern vermittelt, mit der etwas anderen Einstellung von Drachenpiloten zur Fliegerei zu tun hat. Die Aufzeichnung des Podcasts war übrigens so spontan, dass ich mein übliches Profi -Equipment für die Aufnahme gar nicht parat hatte, sondern improvisieren musste. Mit ein paar Tricks bei der Nachbearbeitung, zu denen auch das Ausfiltern gelegentlich störender Straßengeräusche gehört, konnte ich die Audioqualität aber auf ein gut anhörbares Niveau heben. Kleinere Abstriche hier und da bitte ich aber diesmal zu entschuldigen.

2:46Lucian Haas

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3:02Lucian Haas

Dani, wie viele Jahre bist du jetzt schon Fluglehrerin?

3:07Daniela Altmann

Ich habe es nicht gezählt, aber wenn ich sage seit 89, dann kannst du selber nachrechnen.

3:11Lucian Haas

89, 99, 2009, 30, 33 Jahre müssten das jetzt sein.

3:17Daniela Altmann

Ja, aber natürlich nicht mit einer eigenen Flugschule, sondern ich habe früher in anderen Flugschulen meine Lehrzeit gemacht. Also ich war bei der Flugschule Aufwind, ich war in Vorarlberg auf der Niederen, ich war in Seefeld, noch damals mit dem Steger, Komet, wenn der da noch was sagt. Ich war beim Gasteiger und so habe ich halt ein bisschen meine Erfahrung gesammelt. Und ja, wie es halt so spielt, mit der Liebe hat es dann nicht so gepasst und ich hätte meinen alten Beruf wieder zurückgehen müssen als Chemielaborantin nach München, habe mir dann aber entschieden, irgendwie geht das dann nicht mehr und habe dann geschaut, dass ich meine eigene Flugschule aufmache und die eigene Flugschule habe ich seit 96 in Hinterstoda.

3:59Lucian Haas

96, das sind dann 89 angefangen, also sieben Jahre danach?

4:05Daniela Altmann

Naja, die sieben Jahre zählen nicht, weil ich habe natürlich aufgrund von meiner großen Liebe dann einmal eine Pause gehabt und war doch einige Zeit in Amerika und einige Zeit in Neuseeland, wo wir eigentlich schon eine Flugschule beginnen wollten. Und es wäre halt dann, wie das Geld ausgegangen ist, nachher dazu gekommen, dass man mal eine Flugschule aufmacht. Aber mein Freund war Sohn vom Beruf und das hat dann nicht gepasst. Und dann war eben die Entscheidung. Ja. Dann gehe ich wieder zurück nach München. Ich bin eine Münchnerin oder mache ich selber was auf und das ist mir dann auch geglückt, wobei Hinterstoda ja nicht sehr einfach ist für eine Münchnerin.

4:41Lucian Haas

Nun machst du das gerade ausgerechnet 33 Jahre und so wie ich dich miterlebe, bist du ja noch ziemlich mit Herz bei der Sache. Wie hält man sich als Fluglehrerin, wie erhält man sich den Spaß daran, an der Fliegerei noch so und das so weiterzugeben?

4:56Daniela Altmann

Es gelingt zwar nicht immer, aber man versucht natürlich Sachen zu tun, die Spaß machen. Und Spaß macht jemandem, das Fliegen beizubringen, wo du nachher genau weißt, das wird auch ein Pilot. Also nicht irgendwelche Urlaubsaktivitäten, so eine Woche mal Paragliden und ich war Paragliding so ungefähr, sondern wirklich Leute auszubilden, die du dann über die Jahre wieder siehst, wobei meine ersten Schüler teilweise jetzt meine Tandempiloten, meine Helfer und gute Piloten geworden sind. Und das macht dann natürlich Spaß.

5:26Lucian Haas

Was macht für dich einen guten Piloten? Ein

5:29Daniela Altmann

sicherer Pilot ist ein guter Pilot. Also gute Piloten sind jetzt für mich nicht Leute, die Strecken fliegen, Bewerbe fliegen, sondern die Spaß am Fliegen haben, ihre eigenen Grenzen kennen und das Schöne in Hinterstoder oder bei uns ist so, es wird jeder Pilot als Pilot gesehen und wenn er eigentlich nur startet, landet, sich vielleicht ein Landebier kauft und Freude am Fliegen hat und wenn er nur vormittags bei ruhiger Luft fliegt, also die Grenze kennen und es gibt natürlich sehr ambitionierte Piloten, die jetzt auch bei unserer Landesmeisterschaft mitgeflogen sind, die auch teilweise aus meiner Flugschule kommen. Aber es sind auch Akropiloten aus meiner Flugschule entstanden, aber der Weg nach der Schulung teilt sich dann und jeder findet seinen Spaß. Die einen gehen bei uns Bergsteigen, die anderen tun Akrofliegen, die nächsten fliegen Bewerbe und der andere hat einfach nur Freude mit einem ruhigen Gleitflug oder mit einem leichten Thermikflug.

6:21Lucian Haas

In der Saison so, wie häufig kommst du selber auch noch zum Fliegen oder bist du eigentlich immer die Ausbilderin?

6:27Daniela Altmann

Das Los eines Fluglehrers ist, wenn es schön ist zum Fliegen, hast du auch wenig Helfer. Ich habe keinen Fixangestellten, sondern alles Selbstständige, Selbstständigungsmeldung drin. Das heißt, wenn richtig gutes Flugwetter ist, dann stehe meistens ich am Übungshang oder am Landeplatz. Aber in der Vor - und in der Nebensaison gelingt es mir dann immer wieder zu fliegen und sehr viel Spaß macht man natürlich das Tandemfliegen, wenn der Passagier sehr viel Freude hat. Das gibt so viel zurück auch. Und zum Solo -Fliegen muss ich sagen, richtig Solo -Fliegen, dass ich jetzt sage, ich fliege jetzt noch Strecken oder ich bin jetzt unterwegs, komme ich leider nicht mehr. Aber für mich ist einfach das Bergsteigen das Schönste. Einfach auf den Berg raufgehen, ein bisschen genüsslich, ein bisschen schauen und Ruhe haben und dann ein bisschen Thermik fliegen.

7:13Daniela Altmann

Und ich habe auch eine ganz leichte Ausrüstung, also das ist nicht zum Streckenfliegen geeignet.

7:16Lucian Haas

Wenn du jetzt sagst, bei dem schönsten Wetter stehe ich am Übungshang, dann trotzdem mit den Leuten. Gibt es Tage, wo du dann richtig auch Frust hast, wo du dich deswegen wirst und denkst, oder ist das für dich so erfüllend, dass du sagst, nee, die lächeln alle so glücklich, wenn sie ihre ersten Hüpfer da gemacht haben. Das Schönste ist eigentlich

7:34Daniela Altmann

nach dem ersten Höhenflug das Lachen im Gesicht zu haben und die Freude, die da rauskommt. Natürlich ist es oft mühsam und natürlich, wenn gutes Flugwetter ist, dann kommt immer alles auf einmal. Also Übungshang, Höhenflüge, Tandemflüge, das ist dann schon ein bisschen stressig. Aber wenn am Abend nichts passiert ist, alles wieder irgendwo verräumt ist und alle glücklich sind, dann passt es meistens wieder. Der Hauptstress ist immer, das Wochenende vorher zu planen, weil alle erwarten von mir die Planung. Und bei dem Wetter, was momentan ist, ist die Planung halt immer schwierig.

8:05Lucian Haas

Wenn du Kurse machst, wie viele Leute hast du dann so am Übungshang da stehen?

8:09Daniela Altmann

Das hat sich über die letzten Jahre eigentlich so bewahrheitet, dass man nicht sehr viele Leute am Übungshang stehen hat. Also fünf, sechs sind für meine kleine Flugschule okay. Dann hast du noch eine individuelle Schulung und man kommt auch zügig am Übungshang zurück. Dann geht man zu den Starts und auch zügig zu den Höhenflügen. Also ich bin jetzt keine Flugschule, wo auf einmal 25 Leute am Startplatz stehen. Das würde ich mir auch nicht antun. Und vor allem meine Startleiter würde ich es auch nicht antun.

8:33Lucian Haas

Das heißt, Grundkurs hast du dann wirklich über diese fünf, sechs Leute?

8:38Daniela Altmann

Grundkurs ab drei Leuten macht Sinn, bis fünf, sechs Leute, mehr nicht. Das geht auch ganz gut. Nur muss man halt ein bisschen öfters am Übungshang gehen, als wenn man so eine große Gruppe hat. Aber im Endeffekt ist man genauso schnell fertig dann mit den Flügen.

8:53Lucian Haas

Und hier sind wir in Hinterstoder. Du hast einen Übungshang in der Nähe vom Landeplatz, der aber seinen eigenen Landeplatz hat. Ansonsten ist der Höhenflug, den man hier macht, sind direkt 1200 Meter. Traust du das deinen Flugschulern dann direkt so zu? Das ist ja gleich ein riesiger Sprung eigentlich.

9:07Daniela Altmann

Also ich sage immer, die Höhe macht es nicht aus, sondern der Startwind, die Startmöglichkeit und auch der Wind beim Landen. Zwischendrin kann es sich ja nicht wehtun. Natürlich ist es mental etwas anderes, wenn ich einen Landeplatz sehe, oder wenn ich ihn nicht sehe. Wir haben insgesamt drei Schulungsgelände. Das ist hier in dem Micheldorf. Da hat er 300 und 500 Höhenmeter. In der Zeit speziell, wenn die Bahn zu hat. Wir haben in Windischgersten einen Flugberg mit 700 Höhenmeter. Dazu sage ich, ist vom Starten nicht so einfach. Nehme ich nicht gern für einen ersten Höhenflug. Und in Hinterstoder, wenn der Wind passt, ist es auch okay. Er hat halt einfach mehr Höhe. Aber die Höhe tut ja nicht weh. Sondern der Start - und der Landeplatz, da muss er sich konzentrieren.

9:53Daniela Altmann

Und wenn Wind und Wetter passen, ist Hinterstoder auch für einen ersten Höhenflug kein Problem.

9:59Lucian Haas

Machst du das jetzt über 30 Jahre? Hat sich die Art und Weise, wie die Leute zum Gleitschirmfliegen kommen, bzw. das dann lernen wollen, bzw. vielleicht auch die Typen an Menschen, die fliegen lernen wollen, hast du da eine Veränderung gesehen? Oder sind es eigentlich immer dieselben Typen, die sowas machen? Also vom Typ von Mensch her, was man da so haben kann?

10:19Daniela Altmann

Es sind eigentlich immer dieselben. Es sind drei Kategorien. Entweder ganz junge Leute, die sich in ihrem Leben noch irgendwas erwarten. Und der Traum vom Fliegen ist immer da. Das heißt, auch wenn jemand 50 ist, wir haben auch 60 -Jährige oder 65 -Jährige, in der heutigen Zeit kein Problem. Die sind alle rüstig. Aber irgendwann kommt im Leben mal ein Punkt, wo man auch irgendwas Besonderes machen möchte oder sich einen Traum erfüllen. Und das ist sicher Fliegen.

10:47Lucian Haas

Wann bist du zum Traum des Fliegens gekommen?

10:50Daniela Altmann

Ich bin relativ früh von daheim ausgezogen, mit 16. Und habe dann gleich einmal geschaut, was kann ich bei meinem ersten Urlaub als Lehrling mir leisten und ergattern. Und ich wollte immer schon fliegen. Und das war dann gleich, habe ich gesehen, Dolomiten, Silian. Und da bin ich dann mit meinem Fiat hingedüst und habe meinen ersten Kurs gemacht, meinen Drachenkurs.

11:10Lucian Haas

Also du hast mit Drachen angefangen, nicht? Es hat damals noch

11:12Daniela Altmann

Gleitschirme noch nicht gegeben, 1982, das war gerade am Kommen. Und das Fliegen war eigentlich noch beschränkt aufs Drachenfliegen.

11:21Lucian Haas

Gab es denn Drachen für deine Gewichtsklasse da eigentlich vernünftige?

11:25Daniela Altmann

Eigentlich nicht. Ich war damals eine Mädel mit 45 Kilo. Groß bin ich auch nicht. In der Früh ein bisschen größer als auf der Nacht. Aber das Problem war halt, die Drachen waren zu groß, zu schwer. Das Trapez war zu groß. Also ich habe es meistens irgendwo bei den Fußknöcheln gehabt. Aber es ist gegangen. Und dann war ein bisschen eine Pause, weil ich mir kein eigenes Gerät leisten konnte. Und es hat doch eine gewisse Zeit gedauert, bis ich mal einen kleinen Flieger gefunden habe in meiner Preisklasse, mit dem ich dann auch gut fliegen konnte.

11:53Lucian Haas

Und wann kam dann das Gleitschirmfliegen dazu? Das

11:55Daniela Altmann

Gleitschirmfliegen ist ein bisschen vor meinem Fluglehrerkurs gekommen, also so bei uns herinnen, so 86, 88 waren die ersten da. Und ich bin auch vielleicht 88 das erste Mal an so einem etwas ähnlichen wie einem Gleitschirm gehangen, was man nicht Gleitschirm nennen hat können.

12:13Lucian Haas

Kannst du dich noch an diesen ersten Gleitschirmflug erinnern? Ein

12:15Daniela Altmann

Windkleider mit einer Metallschiene oder... Am

12:19Lucian Haas

Gurtzeug eine Metallschiene, wo man so den Anstellwinkel quasi... Genau,

12:24Daniela Altmann

richtig. Und das waren also ganz wilde Geräte. Und ich kann mich noch gut erinnern, im Skigebiet das erste Mal irgendwie abgehoben mit den Skiern über die Buckel, hundertmal am Buckel, bis endlich mal gefliegert worden bist. Und auch wenn man dann später an einen Berg gegangen ist, haben wir so ein Gleitwinkelmesser dabei gehabt. Da hat man dann oben geschaut, ob sich das ausgeht über die Bäume, dass man da bis zu der nächsten Wiese kommt. Die Geräte waren damals schon relativ klein und leicht, ganz am Anfang. Aber das Problem war, wir sind meistens wieder runtergegangen, weil wir nicht zu der Wiese rübergekommen sind. Also Gleitzahlen zweieinhalb, das war schon ganz gut.

13:00Lucian Haas

Das muss... Also du hast dann im Gleitwinkelmesser geguckt und gesagt, es muss mehr als zwei sein. Sonst

13:05Daniela Altmann

kommst du über die Bäume nicht zu der Wiese. Also das Problem war, dass rausgleiten über die Bäume, über den Wald, war oft nicht möglich mit den Geräten. Und dann musste es halt wieder runtergehen.

13:15Lucian Haas

Und wie habt ihr da dann noch den Wind mit einbezogen? Oder rechnet? Oder gar nicht, sondern einfach nur geguckt und es sollte auf jeden Fall... Ich gebe so ein bisschen Sicherheitsmarge dazu.

13:23Daniela Altmann

Beim Starten hast du den Wind schon gebraucht, weil sonst bist du gar nicht abgehoben. Also du bist richtig reingekoffert, hast die Hände oben gelassen, hast einmal... Du bist gerannt und irgendwann, wenn es glaubt, dass jetzt passt die Geschwindigkeit, hast du angebremst und dann bist du weitergelaufen. Aber es hat dafür auch keine Eigenheiten vom Fluggerät gegeben, also negativ oder irgendwas hat es natürlich nicht gegeben. Es war einfach nur runterfliegen und nicht Thermik fliegen. Und mein damaliger Fluglehrer, der Brodnig, hat immer gesagt, wenn einmal ganz oben von der Höss mit einem Gleitschirm über die Mittelstation drüberkommt, dann reden wir vom Fliegen. Also wir sind damals nicht einmal das Stückchen über die Mittelstation rausgekommen in Hinterstoder, sondern sind oben wieder reingelandet.

14:04Lucian Haas

Also auf der Mittelebene der Partie. Genau, richtig. Ihr seid aber schon ganz oben gestartet. Richtig, aber... Aber der Gleitwinkel kam dann nicht vorne über die Kante drüber.

14:12Daniela Altmann

Genau, also keine Chance. Und das ist natürlich dann mit der Zeit besser geworden, was halt schade war, waren dann die Jahre 90 bis 92, 93. Die guten Geräte waren natürlich gefährlich und da hat es natürlich auch einige runtergehauen damit. Dann sind natürlich die ersten Streckenschirme gekommen, so wie Nova Phantom und, und, und, die auch sehr heikel waren. Und da hat es halt leider sehr viele Unfälle gegeben. Und die Zeit ist ja Gott sei Dank vorbei.

14:39Lucian Haas

Hat es dich in irgendeiner Weise mal runtergehauen?

14:42Daniela Altmann

Nein, eigentlich nicht. Also ich kann sagen, ich habe eigentlich mal Laufbahn so gut überlebt. Mit dem Gleitschirmfliegen war ich dann schon etwas vorsichtiger. Also wenn ich den Blödsinn beim Gleitschirmfliegen gemacht hätte, was ich damals als Anfänger mit dem Drachen gemacht habe, hätte ich es wahrscheinlich nicht überlebt.

14:59Lucian Haas

Du wusstest damals aber nicht, dass das Blödsinn ist. Das ist dir erst im Nachhinein aufgegangen und du hast es mit Glück immer überlebt und gesagt, es ist gut ausgegangen und später hast du verstanden, in was du dich da eigentlich rausgehauen hast wahrscheinlich. Also

15:10Daniela Altmann

die gefährliche Zeit war, wenn du das nicht verstehst, dass zum Beispiel trotz bei Föhn noch mal am Berg gehst, obwohl alle anderen Nein sagen oder übersiehst, dass die Kaltfront kommt. Und wenn ich den Familienverband vom Club in Windisch -Görsten nicht gehabt hätte, hätte ich es wahrscheinlich nicht überlebt, das Drachenfliegen. Und das war mein Vorteil. Diesen ganzen Blödsinn, Föhn, Kaltfronten, Gewitter habe ich beim Paargleiten dann ausgelassen.

15:34Lucian Haas

Wenn du jetzt hier fliegst, wie häufig kommst du hier noch eigentlich wirklich dazu, dass du sagst, ich kann selber einen Genussflug machen?

15:42Daniela Altmann

Ja, wie gesagt, wenn ich Tandem fliege, ist es immer so, es ist immer ein Genussflug, weil du hast die Freude vom Passagier. Und in Hinterstoda hast du gesehen, sind das ja sehr ausgiebige, schöne Tandemflüge. Das macht dann schon Spaß, muss ich sagen. Und auch meinen Piloten soll es auch Spaß machen. Und ansonsten ist für mich Fliegen immer dann, wenn ich meine Ruhe habe und nicht irgendwo sein muss, sondern frei habe, dann ist für mich Genussfliegen. Oder im Herbst macht man oft Wanderungen mit den Schülern, gehen halt rauf, weil die Seilbahn nicht fährt. Dann kann ich natürlich vorher auch runterfliegen. Es ist, voll ein Genuss, aber ich muss halt irgendwann herunten sein, weil die Schüler, die oben warten, die sollte man dann unten einweisen.

16:20Lucian Haas

Was gibt dir persönlich das Fliegen?

16:23Daniela Altmann

Wenn ich dazu komme, Ruhe und kein Stress. Also für mich ist Fliegen nicht Parkleiten, wie es viele machen, fünf-, sechsmal rauf fahren, zusammenlegen, wieder rauf fahren. Also ein schöner Flug, ruhiger Flug, auch wenn er nicht lang dauert, zählt viel mehr, als wenn ich drei-, viermal rauf fahre.

16:40Lucian Haas

Dann eher was Meditatives so fast, klingt so, oder?

16:43Daniela Altmann

Drachenfliegen ist meditativ, weil daher kommt es, du baust eine Stunde deinen Drachen auf, schön immer in derselben Reihenfolge, du setzt dich oben hin, wartest bis du einmal hoffst, dass Thermik aufkommt, weil sonst bist du mit dem Drachen gleich wieder unten und dann gehst du beim Drachen nur einmal fliegen. Und so ruhig und meditativ sollte auch das Parkleiten sein, aber natürlich in der Schulung müssen die Schüler Routine bekommen und die Routine bekommt man nur durch Starts. Und deswegen schaut man natürlich in der Schulung, dass ein bisschen was weitergeht, wenn das Wetter mal passt, dass der viele Starts schafft, nicht an einem Tag, aber doch, wenn er reinkommt, mehrere Starts. Und nachher sollte sich das eher in Richtung Ruhe befinden, dass sie mal vom Stress vom Beruf auch runterkommen. Deswegen machen es auch viele Leute, wenn sie im Beruf einen Stress haben oder zu Hause und dann bringt es natürlich nichts, wenn sie drei-, viermal auf Druck runterkommen.

17:34Daniela Altmann

Dann reicht ein schöner Flug und die Sache hat sich erledigt.

17:38Lucian Haas

Siehst du denn, dass viele Piloten überhaupt dahin kommen, dass sie sagen, ich betreibe das Fliegen in der Form, dass ich es wirklich als

17:47Lucian Haas

kontemplative, ruhige, zur Ruhe kommen mache? Oder ist eigentlich der Leistungsgedanke viel zu weit noch verbreitet?

17:53Daniela Altmann

Ja, da ich speziell in Hinterstow da schaue, dass alle Piloten gleich sind, gibt es da keinen Leistungsgedanken. Also es wird nie einer irgendwie schief angeschaut, weil er jetzt zehn Jahre noch keine Strecke geflogen ist. Und das zählt auch nicht. Das muss jeder für sich selber ausmachen, was ihm Spaß macht. Und damit ist jetzt eigentlich kein Druck da, weder bei den Piloten, noch bei mir, noch bei den Schülern. Und wenn einer nur runterkommt, oder sich zurück begleitet und keine Ambitionen hat zum Streckenfliegen, ist das auch okay.

18:19Lucian Haas

Und wenn du die Gäste siehst, die hier hinkommen, also die jetzt nicht bei dir lernen und vielleicht auch deine Philosophie des Fliegens natürlich auch irgendwie, man wird ja auch von seinem Fluglehrer auf gewisse Weise geprägt, wahrscheinlich, dass sich das dann überträgt. Aber wenn du sagst, es kommen auch Gäste hierher, die dann zum ersten Mal in Hinterstow da fliegen, kriegst du damit, dass die eine andere Haltung haben?

18:42Daniela Altmann

Andere Haltung jetzt nicht, aber ich verstehe es natürlich, wenn man eine Woche Urlaub hat und man ist in einem Fluggebiet, dann ist natürlich vorrangig Fliegen und nicht vorrangig Wandern gehen oder Städte anschauen, aber trotzdem, es hilft nichts. Man kann nur fliegen, wenn Flugwetter ist und es ist kein Druck, aber das Verständnis ist da, wenn ich einen Flugurlaub mache, dann möchte ich fliegen. Ich meine, ich fahre auch oft irgendwo hin, Lanzarote, Teneriffa und wenn es halt nicht zum Fliegen geht, dann schaue ich mal die Kakteenplantage an oder tue Weinkosten oder schaue Cochenilläuse an. Aber wenn Flugwetter ist, dann wollen die fliegen. Und das verstehe ich natürlich. Aber dass jetzt ein Druck ist, wie lang und wie weit jemand fliegt, das sollte natürlich nicht sein.

19:22Lucian Haas

Gibt es solche Sachen wie XContest und der VXC für die deutschen Piloten und sowas? Erlebst du das, dass auch in deinen, ich weiß nicht, wie du deine Flugschule da prägst, aber dass die vielleicht zu sehr auch auf sowas schielen und immer gucken und so sagen, aber ich habe hier schon und so und so viele Punkte oder sonst was erwischt?

19:44Daniela Altmann

Das ist bei mir in der Flugschule eigentlich gar nicht der Fall. Ich habe nicht einmal ein gescheites GPS -Vario, weil es mich überhaupt nicht interessiert. Also es kann piepsen, das reicht. Und natürlich entwickeln sich dann die Schüler und es bilden sich Grüppchen. Aber es ist nicht so, dass ich jemanden jetzt unbedingt in der Richtung dann fortbilde. Wir haben schon Thermikkurse und Streckenkurse oder Groundhandlingkurse. Aber bei uns trennt sich das Ganze dann. Also der eine wird eher Bergsteiger, hat auch eine Bergsteigerausrüstung und legt eher Wert drauf und die Streckenpiloten untereinander bei uns, die kommunizieren eh untereinander und tauschen sich aus. Aber es ist eine ganz andere Gruppe dann praktisch.

20:27Lucian Haas

Fliegen die denn, die Streckenpiloten, auch viel ab Hintersturde oder suchen sich dann eher noch andere Startplätze, wo Sie sagen, da geht es viel besser zum Streckenfliegen?

20:36Daniela Altmann

Ja, das ist jahreszeitlich bedingt. Also im Frühjahr ist sicher Micheldorf und Sender besser, weil es nicht so feucht ist. Die Basis ist auch draußen, in Windisch Gersten oft etwas höher, um 200 Meter. Also Streckenflugberg ist draußen in Windisch Gersten sicher sehr gut da. Aber umso älter das Jahr wird, umso höher musst du rauf, um einen thermischen Anschluss zu bekommen. Dann ist Micheldorf irgendwann mal streckenmäßig tot, weil da bist du nicht sehr hoch. Der Sender in Windisch Gersten ist nicht ganz auf 1300 und da wird es halt auch schon eng. Und in Hintersturde haben wir nicht nur die 1850 Höhenmeter, sondern auch enge Täler mit schroffen Felsen und gute Thermik. Also wir fliegen in Hintersturde das ganze Jahr fast thermisch. Auch im Dezember kann es thermisch fliegen. Und die Streckensaison beginnt bei uns eigentlich schon im Februar in Hintersturde.

21:26Daniela Altmann

Aber es hat alles Vor - und Nachteile. Hohe Berge, viel Schnee, viel Feuchtigkeit, Wolkenbasis nicht so hoch. Und da haben wir also in unserer Gegend drei Fluggebiete zur Verfügung, auch Richtung Enztal ume, der Stoderzinken, die sicher zu einer bestimmten Jahreszeit bessere Streckenberge sind vom Wind als das Hintersturde. Und ein guter Pilot sucht sich halt dann immer den Berg aus, der dann für ihn passt.

21:48Lucian Haas

Hattest du eine Zeit, wo du selber auch sehr am Streckenfliegen interessiert warst oder war das gar nie so dein Ding?

21:55Daniela Altmann

Also beim Gleitschirmfliegen muss ich sagen, gar nie, weil ein Drachenflieger fürchtet sich unter dem Gleitschirm. Drachenfliegen habe ich leider gut angefangen, aber dann so Bewerbe oder Strecken ist dann liebesbedingt, sage ich mal, ein bisschen ins Wasser gefallen. Und ja, ich habe zwar schöne Flüge gehabt, aber so richtig Streckenwettbewerbe bin ich nicht geflogen mit dem Drachen. Und das große Manko war dann, das Drachenfliegen von der Schulung ist immer weniger geworden, das Gleitschirmfliegen immer mehr. Und wenn du einen Drachenflieger an den Gleitschirm hängst, so wie es halt damals war, das ist auf und nieder und nicht Gas geben können und nicht wissen, komme ich da hin. Also lange Zeit fühlt man sich nicht wohl als richtiger Drachenflieger unter dem Gleitschirm, unter dem schwappeligen Ding, wo keine Meter weitergehen, auf Deutsch gesagt.

22:42Daniela Altmann

Aber es ist dann, mit den kleinen Schirmen, die es dann auch gegeben hat und mit dem Tandemfliegen ein bisschen mehr Druck in der Kappe, dann geht es schon.

22:50Lucian Haas

Wenn ich das jetzt so richtig raushöre, dann bist du aus dem Herzen heraus eigentlich schon noch Drachenfliegerin.

22:54Daniela Altmann

Richtig, aber schon lange nicht mehr Drachen geflogen. Auch die Drachenschulung hat dann ziemlich nachgelassen. Also in der ersten Zeit hatte ich noch immer Drachenschüler. Also von der Leidenschaft her, vom Fluggefühl her, vom Kraftaufwand ist natürlich Drachenfliegen ganz was anderes als Gleitschirmfliegen. Aber die Leichtigkeit, die Einfachheit und das, was heutzutage Gleitschirme schon können, hat sich natürlich total gewandelt. Also am Anfang waren es wirklich, darf ich sagen, Tüten, also Pillersackerl auf Deutsch gesagt. Aber jetzt kannst du zum Gleitschirm schon Fluggerät sagen. Und die Entwicklung ist nicht nur Richtung Leistung gegangen, auch Richtung Sicherheit. Und da hat natürlich der Gleitschirm schon seine Berechtigung. Weil die richtigen Drachenflieger fliegen März bis vielleicht noch August, September und dann wird es uninteressant. Und in dieser Zwischenzeit ist das Gleitschirmfliegen auch sehr schön.

23:43Lucian Haas

Du hast gerade gesagt, als Drachenflieger fühlst du dich unsicher unter dem Gleitschirm. Geht dir das heute noch so, dass du dich unter dem Gleitschirm manchmal unsicher fühlst, weil du denkst, das ist halt so eine wabbelige Tüte? Oder hat sich das eigentlich erfahrungsgemäß völlig gegeben?

23:58Daniela Altmann

Das hat sich dann über die Jahre und vor allem mit den besser werdenden, schnelleren Geräten gewandelt. Also ich fühle mich nicht unsicher unter dem Gerät. Aber so ein Drachen, wo du halt mal ein bisschen Gas geben kannst, wenn er leer ist, das ist halt einfach der Gleitschirm nicht. Aber über die Jahre fühle ich mich schon sicher und es macht auch Spaß. Aber ich habe viel Umschulungen gehabt. Also von einem Drachenflieger auf einen Gleitschirmpiloten, da tust du als Fluglehrer fast schwerer, als wenn ein Fußgänger kommt. Weil es ja total was anderes ist. Ein Drachenflieger macht einen Schritt und das muss passen. Der muss Gas geben. Ein Drachenflieger schaut nicht auf und schaut nach dem Schirm. Und wenn irgendwo leer ist oder Turbulenz ist, dann gibt der Gas. Er muss Gas geben. Also eigentlich Kontro zum Paragleiten und das merkst du dann in der Schulung schon.

24:44Daniela Altmann

Und einfach die Aussage, ich bin ein Drachenflieger, kriege ich einen Rabatt? Dann sage ich meistens, nein, du zahlst 50 Euro mehr.

24:50Lucian Haas

Weil es auch länger dauert, bis du ihn so weit hast, oder?

24:53Daniela Altmann

Ja, weil er auch beim Lenken, ein Drachenflieger muss ja dann gegensteuern. Also der steuert, lässt aus, steuert gegen, steuert wieder. Also es ist wirklich ganz anders, als wenn du dann Fußgänger schulst und dann muss er das mal vom Drachen fliegen. Wenn er ein guter Drachenflieger war, das rausbekommen, weil es ja ganz was anderes ist. Und umgekehrt ist dasselbe. Ein Paragleiter, dass er sich mal nach vorne bewegt, vor das Trapez geht, Gas gibt, obwohl die Grasnarbe da ist und wenn es kritisch wird, noch mal Gas geben muss, weil sonst kann er nicht lenken. Also es ist auch wieder ganz was anderes. Du kannst beim Drachenfliegen nicht raufschauen und einen Kontrollblick machen. Oder wenn es irgendwie turbulent wird, stützen wir den Schirm und der Drachen gibt Gas. Und deswegen habe ich mit der Umschulerei eigentlich mehr Arbeit, als wenn jemand frisch kommt.

25:37Lucian Haas

Gibt es denn Sachen, wo du sagen würdest, da würde man also als Gleitschirmflieger profitieren, wenn man ein bisschen Drachenwissen hat?

25:45Daniela Altmann

Was man in der Schulung merkt ist, wenn es nachher um die Höhe, um das Thermikfliegen geht, sind die dann wieder besser dran. Also von der Umschulerei ist eigentlich das Problem das Starten und das Landen. In der Luft dann die Thermik, das Einkurbeln, das Kreisen, das kann er dann. Das ist dann nicht mehr so schlimm. Aber wenn es dann am Übungssang ist, da ist halt, oder auch Landeeinteilung ist dann auch kein Problem. Aber die Starterei ist halt schon schwierig. Das ist schwierig dann zum Umschulen.

26:13Lucian Haas

Hast du auch schon mal Leute von Gleitschirm auf Drachen umgeschult? Ja, habe ich auch schon. Gibt es da auch Schwierigkeiten?

26:20Daniela Altmann

Habe ich gerade gesagt, dasselbe. Also vom Gleitschirm auf Drachen, der bleibt immer hinter dem Trapez. Der geht nie mit dem Schwerpunkt nach vorne. Der bleibt oft in der Kurve so lange drauf, bis er einschlägt, anstatt dass er wieder auspendelt. Also es hat keinen Vorteil beim Umschulen, dass man das andere Gerät kennt. Der einzige Vorteil ist, dann in der Höhe, dass er keine Angst vor der Höhe hat und beim Thermikfliegen sich leichter tut.

26:45Lucian Haas

Weil man schon die Luftströmung so ungefähr kennt und weiß, wie sich eine Thermik anfühlt, wenn man da reinfliegt und sowas. Wie ist das Thermikfliegen im Hinterstoder? Gibt es da Besonderheiten?

26:55Daniela Altmann

Es gibt Monate, da sagen wir, es fliegen Kühlschränke. Da brauchst du kein Vario.

27:01Daniela Altmann

Und Hinterstoder geht immer gut thermisch, wenn die Sonne heraus ist. Anspruchsvoller ist Micheldorf. Da ist es niedriger. Da muss gleich einmal ganz vorsichtig mit einem Vario was suchen, damit du überhaupt draufkommst, weil sonst stehst du gleich am Landeplatz. Und in Hinterstoder gibt es Leute, die fliegen extra um die Thermik rundherum, weil sie einer zu stark ist. Aber die Thermik kannst du in Hinterstoder im März bis Juli als stark bezeichnen. Eng und ruppig. Und im Laufe des Jahres wird es immer großflächiger, weicher und geht eigentlich bis in den Dezember butterweich rein. Also die schönsten, ruhigsten Flüge hat man entweder am Abend oder dann im Sommer ab. Oktober, September, Oktober.

27:43Lucian Haas

Warum ist es hier so stark thermisch?

27:45Daniela Altmann

Ja, weil... Wie erklärst du das? Wenn du dir die Berge anschaust, da hinten die Felsen, hochalpines Gelände, hohe Berge und ein sich enges, schließendes Tal, was hinten aufsteigt. Und alles, was aus Thermik raufkommt, ist herunten. Aus den Tälern wird nachgesaugt. Und also sieben, acht Meter Bärte sind normal bei uns.

28:05Lucian Haas

Normal? Normal. Wie machst du das dann mit den Flugschülern?

28:08Daniela Altmann

In der Früh fliegen und die Thermik auslassen. Es gibt Wetterlagen, sehr starke Hochdrucklagen oder Wetterlagen, wo es einfach schon tagelang am Landeplatz und am Startplatz gleich warm ist oder fast kein Unterschied ist. Dann werden wir auch nicht sehr viel Thermik erwarten können. Und ansonsten haben die Schüler ein, zwei Flüge Vormittag. Da musst du eben mit einer Gruppe schon Gas geben, dass der Letzte nicht zu viel Thermik hat. Dann gibt es... Entweder fahren sie dann heim oder es gibt eine längere Pause. Dann wird mit der letzten Bahn raufgefahren und ein schöner Abendflug gemacht. Also in dieser Haupt Thermik -Zeit, ich sage mal je nach Jahreszeit, ab 12 bis um 4 haben wir eigentlich keine Schüler in der Luft.

28:47Lucian Haas

Und Tandems? Machst du die dann trotzdem?

28:50Daniela Altmann

Tandempiloten habe ich Gott sei Dank sehr gute, routinierte, alte Piloten. Ein, zwei jüngere. Aber meine Tandempiloten fliegen nicht hauptsächlich fürs Geld, also nicht auf Druck. Und da muss man sich ja keine Sorgen machen, wenn ein Tandempilot rausschickt. Er kann das selber beurteilen. Und in Hinterstadt hat jeder Passagier einen schönen Flug. 1200 Höhenmeter geben eh aus. Das Panorama ist schön. Und wenn ein bisschen was geht, dann tut er natürlich gern etwas länger fliegen und aufkurbeln. Wir verlangen auch keinen Aufpreis, wenn wir länger fliegen. Wenn der Passagier sagt, er will runter, dann fliegt er halt runter. Aber ansonsten hat der Pilot genug Zeit, dass er sagt, okay, wir fliegen halt 45 Minuten oder eine Stunde oder eine halbe Stunde. Je nachdem, wie es geht. Man kann das nicht vorher buchen.

29:35Lucian Haas

Aber ist das nicht, wenn es so thermikkräftig ist, dass es den Mitfliegern dann eh relativ schnell schlecht wird oder sonst was?

29:42Daniela Altmann

Dann wird er einfach rausgeflogen, Talquerung gemacht. Vielleicht kann er drüben am Gegenberg, am Oettlberg, noch ein bisschen was erwischen. Er muss ja nicht mit Gewalt da drin einmal drum kurbeln. Also es entscheidet jeder Passagier. Aber wenn es recht ruppig ist, dann wird er einfach mal die Kante rausgeflogen und dann schaut er, ob er heraus noch ein bisschen was kriegt. Und sonst ist er auch 25 Minuten in der Luft. Also manchen reicht das wirklich ein ruhiger Flug. Da ist jeder Passagier anders. Und der Pilot, das ist seine Aufgabe, soll er einen Passagier mit Spaß vermitteln und nicht sich selber.

30:12Lucian Haas

Was hast du denn gerade auch von Hinterstoder selber? Gibt es da irgendwie bestimmte Flüge, wo du sagst, an den kann ich mich noch super daran erinnern, weil das irgendwie ein ganz besonderer Moment für dich auch dann war?

30:24Daniela Altmann

Ich kann eigentlich nur sagen, ich fliege schon lang, aber es ist jeder Flug anders. Es ist jeder Passagier oder es ist immer irgendwas anderes. Es wird mir nie langweilig. Und natürlich gibt es auch einen schönen Herbstflug, der ruhig ist. Und ich bin sowieso eher jemand, der gerne die Flaschen nach der Flasche ruhige Thermik, da wo alle, möchte gern, Entschuldigung, Streckenpiloten mit zwei GPS und mit Orinalkondom unten stehen und die Dani kratzt noch so ein bisschen vorsichtig rundherum. Aber natürlich gibt es auch Tage, da wo du denkst, boah, das ist ja schon richtig knackig. Und dann hältst dich um am Hang und hoffst, dass der Passagier, dass der das aushält. Wenn der Wind sagt, dann am Landeplatz nicht so steht, sondern so steht, dann überlegst du einmal kurz. Aber es ist jetzt kein Flug da gewesen, wo ich jetzt Angst gehabt hätte oder nicht am Plan B oder sonst was, aber von extremer Thermik mit butterweicher, flacher Herbstthermik oder wo sich die Bäume verfärben.

31:17Daniela Altmann

Der Winter ist sehr schön. Also ich kann jetzt nicht sagen, dass irgendein spezieller Flug, ich habe noch nie einen Crash oder Baumlandung in der Richtung gehabt. Das heißt, ich habe jetzt keinen Flug in der Erfahrung im Gedächtnis, sondern es gibt einfach nur schöne Eindrücke und natürlich nette Passagiere, die ja Freude haben oder coole junge Leute, die was dreimal machen und am Helm klopfen muss, ob es ihnen gefällt. Aber von den Emotionen ist halt das Tandempfliegen sehr schön. Oder auch die Schüler, wenn die runterlanden beim ersten Höhenflug, hast du die gestern glaube ich mitgegeben. Die haben einen Grinser drauf, die freuen sich und so soll es eigentlich sein.

31:54Lucian Haas

Von dem, was du gerade gesagt hast, die großen Streckenflieger mit ihren Originalkonditionen und so, die sind dann schon gelandet und du hältst dich noch. Was ist dein Trick dabei, dich in schwacher Thermik gut halten zu können?

32:07Daniela Altmann

Das Zupfen am Hintern. Also im Endeffekt oder einfach mal ein bisschen suchen und schauen und nicht erzwingen wollen. Wenn es nicht geht, geht es nicht. Und wenn es geht, dann kratzt es halt so ein bisschen einmal drum und das macht eigentlich dann fast mehr Spaß, als wie ich vorher gesagt habe, wenn Kühlschränke fliegen, weil dann kommt jeder rauf.

32:25Lucian Haas

Aber hast du auch irgendwelche speziellen Techniken, wo du sagst, ah, ich lege auch mal das Gewicht nach außen und irgendwie so diese geheimen Sachen, was heißt geheim, aber wo manche Leute sagen, ja, da gibt es noch die besonderen Tricks und so. Und sonstiges? Es

32:39Daniela Altmann

gibt keine Tricks. Ich meine, man muss einfach mal schauen, was man für ein Gerät fliegt, wie viele Kurven sinken. Das kann schon sein, dass man, wenn man sich reinlegt, auf der anderen Seite ein bisschen stützen muss. Es gibt Schirme, die eigentlich beim, wenn du es außen auslässt, in die Thermik reinziehen. Ich meine, das muss jeder für sich auch vom Gurtseck selber entscheiden und seine Technik finden. Und das ist ja das Schöne, dass nicht immer alles gleich ist. Also jetzt da irgendwas zu erfinden, wie ich besser oder rechts rum oder links rum rein drehe, das ist einfach, wie sage ich mal, ein Ohrring -Gefühl. Das musst du einfach vor Ort selber machen. Und jeder hat einen anderen Schirm, jeder hat ein anderes Gurtseck, eine andere Lieblingsseite. Und damit ist die Diskussion da eh sinnlos.

33:20Lucian Haas

Das heißt, du bist für dich auch eher, was heißt eher, aber du bist für, eine Bauchfliegerin, wenn man das so sagen kann. Also ich unterscheide immer so, es gibt so die Kopfflieger, die versuchen alles zu erklären und eine Theorie zu finden und da und deswegen da so. Und dann gibt es die anderen, die gehen irgendwie an den Berg und halten ihre Nase meinen Weg in den Wind und sagen so, heute fliegt es und dann gehen sie raus und dann fliegen sie auch super. Und wenn du dann fragst, warum ist bis jetzt da und dann sagst du, ja, ja, weil es war doch klar, da vorne geht es hoch. Aber du sagst ja, aber warum? Dann können sie es dir nicht erklären, weil es klar ist, weil sie sagen, die Nase hat doch gesagt, da vorne geht es hoch.

33:56Daniela Altmann

Ich glaube, ich gehöre eher da dazu. Nein, ich habe, wie gesagt, ich kann jetzt jemandem nicht einmal ein topmodernes GPS erklären, weil ich brauche das nicht. Also ich bin auch keine Fliegerin, die sich dann nachher den Flug anschaut, wie hoch und wo habe ich gekurbelt und, und, und. Also das sind dann wieder Spezialisten, die Zeit haben und sich damit auch beschäftigen. Aber ich bin eher Bauchflieger und manchmal fliege ich auch ganz ohne Ware und gehe genauso rauf, zumindest den Hinterstoder. Und damit, ja, bin ich jetzt von dieser Kategorie ein bisschen entfernt. Also ich würde sagen, raufgehen, schauen, Wind anschauen, wo kommt er her, Sonnenstand anschauen, Jahreszeit berücksichtigen, Feuchtigkeit berücksichtigen und dann einmal versuchen und schauen und dann planen.

34:41Daniela Altmann

Kann gut gehen, kann schief gehen, dann probieren wir es halt noch einmal.

34:44Lucian Haas

Aber du guckst schon jeden Morgen auch im Internet ins Wetter?

34:48Daniela Altmann

Das muss aber eh jeder Pilot, weil sonst würde man ja nicht fliegen gehen. Also das erste ist die Bodenwetterkarte, dann natürlich die Windverhältnisse und dann schaut man auch, wie die letzten Tage waren, was dann wettertechnisch von der Bodenwetterkarte die nächsten Tage daherkommt und danach macht man sich seinen Plan. Wichtig ist, dass ich immer informiert fliegen gehe und nicht sage, die anderen gehen fliegen, ich gehe auch fliegen und sich sein Risiko selber aussucht. Weil nach einer sehr starken Abkühlung oder Kaltfront rufen mich oft die Schüler schon an und sagen, morgen wird es schön, morgen gehen wir fliegen. Nein, tut mir leid, morgen gehen wir nach der Rückseite nicht fliegen. Weil da warten wir noch ein bisschen. Weil es

35:25Lucian Haas

zu aktiv ist

35:27Daniela Altmann

und zu thermisch ist. Und der andere Streckenpilot sagt, Chef, es regnet, morgen brauche ich Urlaub, da ist Rückseite, da gehe ich fliegen. Und so muss halt jeder seine Grenzen selber ein bisschen anschauen, was ihm Spaß macht.

35:41Lucian Haas

Was wäre, könntest du dir das vorstellen, wenn du nicht mehr fliegen könntest?

35:47Daniela Altmann

Es gibt andere schöne Sportarten auch, aber ich könnte mir jetzt nicht vorstellen, ich fliege zwar oft nicht viel in der Saison oder komme als Fluglehrer nicht mehr so viel, aber ich habe zum Beispiel immer noch meinen Drachen liegen. Also ich gebe auch meinen Drachen, meinen Gurtzeug nicht her. Also die Möglichkeit fliegen zu gehen ist da und auch mit dem Gleitschirm. Also ich habe immer irgendwo einen Schirm liegen, der dann für mein Gewicht passt. Und ich könnte mir es jetzt nicht vorstellen, da müsste schon körperlich irgendwas sein, dass ich nicht mehr fliegen kann.

36:16Lucian Haas

Was würde dir fehlen?

36:18Daniela Altmann

Am Fliegen.

36:21Daniela Altmann

Eigentlich die Ruhe und das Obensein und das Freisein. Wie gesagt, mir würde jetzt nicht fehlen, dass ich nachher sagen kann, boah, ich bin da und da hingeflogen, sondern einfach, dass ich am Berg gehen kann und ein bisschen schauen und runterfliegen kann.

36:35Lucian Haas

Ganz selbstbestimmt in dem Moment einfach nur du sein.

36:38Daniela Altmann

Nur ich und geht es ein bisschen rauf ist gut, ist ein ruhiger, schöner Gleitflug im Herbst ist genauso schön. Das reicht eigentlich vom Fliegen her.

36:46Lucian Haas

Gut Dani, dann wünsche ich mal, dass du noch viele von diesen schönen Flügen hast.

36:49Daniela Altmann

Ja, ein gewisses Alter habe ich schon, aber ich glaube, ein paar Jährchen mache ich es schon noch. Das

36:54Lucian Haas

Fliegen. Das ist ja auch das Schöne am Fliegen, dass man eigentlich relativ lang fliegen kann.

36:58Daniela Altmann

Ja, man muss jetzt sagen, also wir sehen oft die Frühpensionisten als Schüler die Liebsten, weil erstens haben sie Zeit, zweitens haben sie Geld und drittens haben sie kaputte Knie. Die wollen nicht mehr runtergehen vom Berg. Und dann ist die Schulung schon viel entspannter, weil er hat einfach keinen Stress, ob er das jetzt in einer Woche, zwei Wochen oder in zwei Monaten macht. Und da sind wir dann eigentlich die liebsten Schüler.

37:17Lucian Haas

Ich habe von, ich weiß gar nicht mehr, das war von einer Flugschule mal gelesen, die machen immer einmal im Jahr eine Flugreise, speziell für ich glaube Ü65 oder so was. Und wo der Fluglehrer auch gesagt hat, es ist die entspannteste Reise von allen, weil die wollen alle nur einmal am Tag einen schönen Flug irgendwie machen, werden alle gut drauf und

37:38Daniela Altmann

dann ist es

37:38Lucian Haas

und werden mit ihrem Einflug dann auch vollkommen zufrieden und keiner wird dann sagen aber es war nicht oder ich war zu früh unten oder sonst was, weil die alle eh nicht länger als eine Stunde fliegen und die dann wirklich sagen, diese Art von Flugreise ist in die Liebsten. Also scheint ja diese Art von Flugschule auch die Liebsten zu sein.

37:55Daniela Altmann

Man muss einfach bei der Schulung das Gas rausnehmen. Ich meine, der Kurs wird bezahlt. Der Kurs ist egal bei uns, wie lange er dauert. Und wie gesagt, wenn ich Glück habe, dann lassen wir die Leute oft trotzdem noch mal kommen, obwohl es eigentlich in der Woche ihre Höhe ist. Weil wir ja die schönen Flüge haben. Und nach dem Kurs sind sie eh irgendwie bei uns in der Großfamilie hinter der Schule eingebunden und sind nicht ganz allein. Das passt ganz gut. Und wenn er halt länger braucht, braucht er halt länger. Aber oft kommt ja der Stress vom Schüler selber, dass er jetzt sagt, ich habe jetzt den Kurs und dann habe ich keine Zeit. Und da sage ich meistens, wenn du danach keine Zeit mehr hast, hast du auch keine Zeit zum Fliegen. Also es ist eh schon egal, wann er den fertig macht. Und ich glaube, es ist auch beruflich oft so, wenn man mal den Stress und das Sein -Muss rausnimmt, dann rennt es eigentlich nicht mehr rein.

38:38Lucian Haas

Was war dein bisher ältester Flugschüler, den du hier so hattest?

38:43Daniela Altmann

Über 70. Und man muss natürlich als Pilot, es kommt jetzt darauf an, also wir haben ältere Piloten, die wirklich fit sind, auch geistig fit sind und körperlich fit sind. Aber es kann auch passieren, dass ein Pilot erst fit ist in dem Alter und dann vielleicht zwei Jahre später geistig nicht mehr so drauf ist. Es gehört auch zur Verantwortung vom Fluglehrer, dass man einem sagt, der Sport ist nichts für dich. Weil nach der Schulung ist er ja dann allein und kann sich auch wehtun. Manche sind dann eh so vernünftig und merken dann, obwohl sie vielleicht vorher schon ein bisschen geflogen sind, dass es dann nicht mehr der richtige Sport ist. Einfach von der Konzentration, Leinen sortieren, von der Reaktion her. Und ansonsten haben wir jetzt eigentlich keinen sehr alten Flieger, der jetzt über 80 oder 85 ist.

39:31Daniela Altmann

Also ein Pilot, der letztes Mal in Micheldorf auch geflogen ist, der wird jetzt dann in zwei Jahren 80 und er sagt, wenn ich 80 bin, dann höre ich auf, weil einfach das Starten, das alles nicht mehr so funktioniert. Aber in der Schulung, solange er rüstig ist, schaut man sich das am Übungshang an und dann muss halt der Fluglehrer entscheiden, ob das dann ein Sport ist, weil er steht dann auch allein am Berg.

39:54Lucian Haas

Wie häufig ist dir schon vorgekommen, dass du Leuten wirklich dann gesagt hast, nee, ich lasse es lieber?

40:00Daniela Altmann

Es kommt immer wieder vor, es ist aber nicht altersabhängig. Das spielt keine Rolle.

40:04Lucian Haas

Also es gibt auch 30 -Jährige, die so ungeschickt sind, wo du sagst, die Fliegerei ist nichts für dich. Nein, das hat nichts

40:09Daniela Altmann

mit ungeschickt zu tun, aber wenn ich mich nicht wohlfühle in der Luft, dann brauche ich nicht 1200 Höhenmeter fliegen. Also wenn ich schon merke, da ist ein bisschen Angst, ich meine Respekt ist immer gut, aber Angst dabei oder ich sage jetzt nicht speziell die Frau oder der Mann fliegt nur, weil die Frau fliegt, das bringt alles nichts. Wenn der keinen Spaß hat oben, dann ist es gescheiter, ich sage immer, geht tauchen, ist auch ein schöner Sport.

40:32Lucian Haas

Nun machst du die Flugschule alleine, als Frau, merkst du, dass du als Frauenrolle anders von den Flugschülern oder sowas wahrgenommen wirst, als du vielleicht gesehen hast in anderen Flugschulen, wo ein Mann als Fluglehrer da steht, macht das einen Unterschied?

40:47Daniela Altmann

Es hat immer auch Vorteile gehabt. Als junge Fesche ist mir immer gleich geholfen worden, dann habe ich so zwischendrin eine blöde Zeit gehabt, da war ich so nicht mehr jung und noch nicht alt, da war es dann schwierig mit den Helfern, aber jetzt bin ich schon so alt, jetzt heißt es immer, der alten Dani hilft mir natürlich, also hat alles seine Vorteile, aber, wir machen ja auch beim Kurs keinen Unterschied, ob das ein Mann oder eine Frau ist, also ich glaube nicht, dass Paragliden so ist, dass Frauen einen Rabatt kriegen sollten, es ist ein ebenwürdiger Sport für beide, dass ja eher sogar die Frauen vielleicht gefühlsmäßig besser dran sind und damit sehe ich jetzt auch keinen Unterschied, ich gebe dann eh meistens Gas und ich habe jetzt noch keinen Schüler gehabt, der mit der Autorität ein Problem gehabt hat, dass ich eine Frau bin, weil ich sage immer, wenn er nicht folgt, dann tut er sich weh, nicht ich.

41:35Daniela Altmann

Das ist ganz einfach und jetzt kommt natürlich die Jugend nach, die Nina hast kennengelernt, aber sonst habe ich hauptsächlich Tandempiloten und Fluglehrer, also in der Branche sind bei uns jetzt in Österreich Frauen noch ein bisschen seltener wie in Deutschland.

41:49Lucian Haas

Siehst du denn gerade über die langen Jahre, dass du siehst, die Art, wie sich Flugschüler verhalten oder hat sich das verändert über die Jahre ein bisschen, also was für, also wie die da dran gehen oder sich auch gegenseitig helfen oder sonst was, dass es vielleicht eine Weile gab, wo du sagst, da sind hauptsächlich Individualisten gekommen und jetzt kommen wieder mehr Leute, die auch sagen, ah wir wollen auch Hike and Fly machen und als Gruppe zusammen fliegen und wir verstehen uns da ein bisschen anders als Flieger?

42:16Daniela Altmann

Na man hat, am Anfang war die Flugschule noch kleiner, da war es eher wie ein Club, dann hat es schon jetzt so, ich sage jetzt mal 2017 oder 18, 19 so ein bisschen Leute gegeben in einem bestimmten Alter, die sehr auf sich bezogen waren, also ich gehe da fliegen und wenn ich dann nicht mehr fliegen gehen darf, weil ich halt irgendwie Flugverbotszonen nicht einhalte, dann kann es natürlich sein, dass die einfach gesagt haben, ja wenn ich dann nicht mehr fliegen gehe, gehe woanders fliegen oder so quasi räumen wir mal deinen Schirm weg, jetzt möchte ich starten. Jetzt kommt wieder eine Generation nach, seit ein paar Jahren, die wieder mehr aufeinander schauen, mehr Rücksicht nehmen und auch das Hirn ein bisschen einschalten, dass vielleicht auch die jungen Leute irgendwann einmal das Fluggebiet noch nutzen wollen und nicht nur an sich denken, sondern ich werde auch in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr fliegen, aber das Gelände und das Gebiet soll ja für die Nachflieger auch erhalten werden und die Möglichkeit auf den Berg rauf zu gehen und einfach runter zu fliegen irgendwo, was glaube ich in Deutschland nicht so einfach ist, das Hike and Fly.

43:16Lucian Haas

Ne, da gibt es nur festgelegte Startplätze von dem Entscheid. Und wenn wir

43:19Daniela Altmann

nicht aufpassen, dann werden wir auch irgendwann einmal das Problem kriegen, dass die Grundstückseigentümer oder Befügungsberechtigte sagen, hier kein Paraglider. Und das liegt aber nicht nur an dem Paraglider, sondern es liegt an allen Nutzern des Waldes, weil wir werden immer mehr. Aber der Wald bleibt gleich groß. Also es werden mehr Mountainbikefahrer, es werden mehr Skitourgeher, es werden mehr Paraglider. Es wird für die Tiere und für den Wald nicht einfacher und wenn nicht jeder ein bisschen Rücksicht auf den anderen nimmt, dann wird das bald nicht mehr gehen. Und jeder darauf achtet, was der andere braucht. Denn ein Paraglider sollte sich vielleicht mal interessieren, was ein Jäger braucht. Was das heißt, wenn wir am Oettlberg fliegen und die Tiere kommen um eine Stunde spät zur Fütterung runter.

44:04Daniela Altmann

Oder im Winter müssen die Viecher aufstehen, weil ein Paraglider drüberfliegt und sie fotografieren will. Oder auch unsere Flugverbotszone ist ja keine offizielle, sondern aufgrund von der Jagd und von den, wo die Viecher drinstehen, da muss ich halt in der wichtigen Zeit im Herbst, wo es eh um nichts mehr geht, streckenmäßig ein bisschen Rücksicht nehmen und vielleicht auf zehn Minuten Flug verzichten. Und dann würde das Ganze funktionieren.

44:28Lucian Haas

Du hast gerade gesagt, du hast so den Eindruck, dass die neue Generation jetzt insgesamt da schon ein bisschen rücksichtsvoller damit umgeht. Woran liegt das?

44:37Daniela Altmann

Ich glaube, es liegt auch an der Flugschule und vor allem auch an den jungen Leuten, dass die wieder hilfsbereiter sind. Und auch vielleicht einer, der ein bisschen mehr Flüge hat, auf einen, der weniger Flüge hat, wieder ein bisschen mehr schaut. Also wir versuchen das auch so beizubringen, dass wenn einer aus der Schulung draußen ist, dann sage ich, passt schon, da gehe ich mit dem mit. Und der schaut ein bisschen am Start, dass man wieder das Verständnis kriegt, dass man nicht da oben allein ist, sondern dass man eh eine Gemeinschaft ist. Ich sage immer, schau, dass er gut rauskommt. Weil wenn er im Baum hängt, das dauert viel länger, den rauszuholen, als wenn du ihm beim Starten hilfst. Das kommt jetzt wieder und es wird auch wieder besser. Und ich glaube, in Hinterstadt ist es eh so, dass jeder auf den anderen ein bisschen schaut.

45:15Lucian Haas

Gut, Dani. Ich danke dir fürs Gespräch und für die Erzählung.

45:20Daniela Altmann

Ja, wir sind vielleicht ein bisschen eine andere Flugschule und haben jetzt nicht so den Drang nach Streckenausbildung. Also der Schwerpunkt liegt nicht da drauf. Ich sage immer, das entwickelt sich eh von alleine. Welche Richtung, dass er geht. Und das funktioniert auch ganz gut. Wichtig ist, dass man Spaß hat und sicher unterwegs ist und die Augen offen hält und vielleicht auch einem anderen Piloten sagt, du, das ist jetzt nicht so gut, was du da machst. Und das ist wichtig, dass die Leute wieder ein bisschen zusammenhelfen. Denn Paragliden war immer oder ist vielleicht ein Sport, den man allein betreiben kann. Und Drachenfliegen war immer ein Teamsport. Du bist als Drachenflieger selten allein irgendwo auf dem Berg und selten beim Rückholen allein. Und das kommt ein bisschen vom Drachenfliegen. Das ist schön, wenn die Paraglider nicht nur immer ganz allein irgendwo rumrennen.

46:05Lucian Haas

Das wäre dann jetzt vielleicht ein Teil, wo man sagt, da kann man wirklich als Gleitschirmflieger etwas von den Drachenfliegern lernen.

46:11Daniela Altmann

Man kann immer was von den Drachenfliegern lernen.

46:15Lucian Haas

Vorhin hatten wir ja schon mal darüber gesprochen, was man da vielleicht vom Fliegen her, ob man da was von lernen kann oder sonst was. Aber das wäre jetzt etwas, wo du sagst, von der Einstellungsseite her ist es auf jeden Fall etwas, wo die Drachenflieger vielleicht dadurch, dass man mehr aufeinander achtet und Einhängeprobe zusammen macht und sonst was alles, wo man vielleicht als Gleitschirmflieger wirklich auch mehr aufeinander

46:35Daniela Altmann

achten und zusammenhalten kann. Und

46:37Lucian Haas

vor allem auch

46:37Daniela Altmann

die Ruhe. Weil wie gesagt, der Drachen, der hat sehr viele kleine Einzelteile und den baust du immer gleich auf. Du machst das über zehn Jahre immer gleich. Also da ist die Gefahr, dass man irgendwas vergisst, nicht so drin. Und beim Gleitschirmfliegen sind es halt sehr wenig Sachen. Aber da sollte man das auch immer gleich machen und schon ein bisschen auch sich Zeit lassen am Startplatz und schauen, dass das alles passt und auch ein bisschen zusammenhalten. Und dann kommen wir schon wieder Richtung Drachen. Die Gemeinschaft, wenn einer fehlt, ist bei uns auch üblich, wenn Leute in der Luft sind. Ich weiß, eigentlich sind alle da, aber der braucht halt auch fliegen. Dass wenn man zum Beispiel nicht am Landeplatz landet, dass man sich irgendwo meldet und sagt, ja, ich bin außen gelandet, ich gehe jetzt auf ein Bier. Und nicht, dass man einfach heimfahrt und sagt, naja, irgendwo wird er schon sein. Und das sollte halt wieder so ein bisschen kommen.

47:24Lucian Haas

Möge dann dein Geist von deiner Flugschule sich noch weiter ausbreiten. Weil das ist, glaube ich, ein sehr, sehr schöner Ansatz. Danke dir dann. Bitte, gern.

47:37Lucian Haas

Das war die 87. Folge von Podz-Glidz mit Daniela Altmann. Wenn du mehr über die Flugmöglichkeiten in Hinterstoder und die Flugschule von Dani erfahren willst, so findest du in den Shownotes zu dieser Folge einige weiterführende Links. Die Shownotes stehen wie immer als Post auf meinem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz. Die Adresse lautet www.Lu-Glidz.blogspot.com. Lu-Glidz schreibt sich L -U minus G -L -I -D -Z.

48:06Lucian Haas

Podz-Glidz und Lu-Glidz, fallen übrigens nicht wie Manna vom Himmel. Damit sie erscheinen, stecke ich einiges an Zeit, Herzblut und Arbeit hinein. Professionelle Recherche, Redaktion, Aufnahme, Schnitt, Hosting und noch vieles mehr wollen dann auch irgendwie finanziert werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn du dazu einen Beitrag leistest als Förderer. Wie das ganz einfach geht, erfährst du auf der Webseite des Blogs Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern.

48:36Lucian Haas

Mein Name ist Lucian Haas. Die nächste Podcast -Folge ist schon in der Mache. Bis bald. Ciao.

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