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132. Im Flow - Anja Kohlrausch

// Anja Kohlrausch, Lucian Haas · 2024-04-12 · 00:50:32 · original episode

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[show notes]
Anja Kohlrausch hat es sowohl mit Drachen, Segelflugzeug und Gleitschirm bis zur Meisterschaft gebracht. Hat sie das Fliegergen? +++ Fliegen ohne Motor, das kann man nicht nur mit dem Gleitschirm, sondern auch dem Drachen und dem Segelflugzeug. Aber es gibt nur wenige, die in allen drei Disziplinen zu Hause sind. Und darunter gibt es wiederum nur ganz wenige, die dann auch jeweils große sportliche Erfolge vorzuweisen haben. Anja Kohlrausch gehört zu diesen seltenen Exemplaren in der Fliegerszene. 1992 wurde sie Deutsche Meisterin im Drachenfliegen, 2008 Deutsche Meisterin im Segelflug und bis 2022 auch mehrfache Deutsche Meisterin im Onlinecontest der Segelflieger. Sie hält mehrere von der FAI anerkannte Frauen-Weltrekorde im Streckensegelflug. Seit einigen Jahren ist sie wiederum mit dem Gleitschirm jeweils beste weibliche Teilnehmerin im XC-Cup, der inoffiziellen Flachland-XC-Meisterschaft in Deutschland. Mittlerweile schaut die heute 56-jährige auf eine Pilotinnen-Karriere von 37 Jahren zurück. Und sie bezeichnet sich selbst noch immer als flugverrückt. In dieser Episode 132 von Podz-Glidz erzählt Anja Kohlrausch in aller Bescheidenheit von ihrem Leben für die Fliegerei. Was sie antreibt und wonach sie sucht, wenn sie vor allem in ihrer Heimatregion, dem Odenwald, in die Luft geht. Worin für sie die Unterschiede der verschiedenen Flugdisziplinen liegen, wie sich diese gegenseitig befruchten, und warum es ihr beim Gleitschirmfliegen am leichtesten fällt, in einen Flow-Zustand zu kommen. +++ Wenn Du Podz-Glidz und den Blog Lu-Glidz fördern möchtest, so findest Du alle zugehörigen Infos unter: https://lu-glidz.blogspot.com/p/fordern.html +++ Musik: Los Encinos von Quincas Moreira Youtube Audio Library https://www.youtube.com/watch?v=S1HwrnOKLOA +++ Lu-Glidz Links: + Blog: https://lu-glidz.blogspot.com + Facebook: https://www.facebook.com/luglidz + Insta: https://www.instagram.com/luglidz/ + Whatsapp-Kanal: https://whatsapp.com/channel/0029VaBVs05CHDynzdlJlU34 + Youtube: https://youtube.com/@Lu-Glidz + Soundcloud: https://soundcloud.com/lu-glidz + Spotify: https://open.spotify.com/show/6ZNvk83xxGHHtfgFjiAHyJ + Apple-Podcast: https://itunes.apple.com/de/podcast/podz-glidz-der-lu-glidz-podcast/id1447518310?mt=2 + Linktree: https://linktr.ee/luglidz

[transcript]

0:06Anja Kohlrausch

In Wahrheit ist es ja so, dass man für so einen Rekord, Beispiel für einen Weltrekord, bestimmt 20 Versuche macht, die alle knapp eben nicht zum Erfolg führen und trotzdem alle riesigen Spaß machen. Ja, das ist einfach, ich habe wahnsinnige Freude daran, das immer wieder zu probieren. Jeder Flug ist klasse, irgendwann klappt es mal oder auch nicht. An sich, die Versuche, diese großen Strecken zu fliegen, bedeutet einfach Spaß. Podz

0:47Lucian Haas

-Glidz, der Lu-Glidz -Podcast.

0:51Lucian Haas

Geschichten aus dem Kosmos des Gleitschirmfliegens. Heute mit Anja Kohlrausch. Und ich bin Lucian Haas.

1:04Lucian Haas

Fliegen ohne Motor, das kann man nicht nur mit dem Gleitschirm, sondern auch dem Drachen und dem Segelflugzeug. Aber es gibt nur wenige, die in allen drei Disziplinen zu Hause sind. Und darunter gibt es wiederum nur ganz wenige, die dann auch jeweils große sportliche Erfolge vorzuweisen haben. Anja Kohlrausch gehört zu diesen seltenen Exemplaren in der Flieger -Szene.

1:30Lucian Haas

1992 wurde sie Deutsche Meisterin im Drachenfliegen, 2008 Deutsche Meisterin im Segelflug und bis 2022 auch mehrfache Deutsche Meisterin im Online -Kontest der Segelflieger. Sie hält mehrere von der FAI anerkannte Frauen -Weltrekorde im Streckensegelflug. Und seit einigen Jahren ist sie wiederum mit dem Gleitschirm jeweils beste weibliche Teilnehmerin im XC -Cup, der inoffiziellen Flachland -XC -Meisterschaft in Deutschland. Mittlerweile schaut die heute 56 -Jährige auf eine Pilotinnenkarriere von 37 Jahren zurück. Und sie bezeichnet sich selbst noch immer als flugverrückt. In dieser Episode 132 von Podz-Glidz erzählt Anja Kohlrausch in aller Bescheidenheit von ihrem Leben für sie.

2:21Lucian Haas

Was sie antreibt und wonach sie sucht, wenn sie vor allem in ihrer Heimatregion, dem Odenwald, in die Luft geht. Worin für sie die Unterschiede der verschiedenen Flugdisziplinen liegen. Wie sich diese gegenseitig befruchten. Und warum es ihr beim Gleitschirmfliegen am leichtesten fällt, in einen Flau -Zustand zu kommen.

2:42Lucian Haas

Das Gespräch fand übrigens bei offenem Fenster statt. Also wundere dich nicht über gelegentliches Vogelgezwitscher und Katzenmiauen im Hintergrund. Wenn dir dieser Podcast gefällt, dann unterstütze doch meine Arbeit daran als Förderer. Wie das ganz einfach geht, erfährst du auf meinem Gleitschirm-Blog Lu-Glidz und zwar dort auf der Seite Fördern.

3:09Lucian Haas

Anja, wann hast du dich zuletzt mal bei einem Flug geärgert?

3:14Anja Kohlrausch

Ui, da muss ich echt viel überlegen.

3:18Anja Kohlrausch

Ja, eigentlich sogar beim letzten Flug. Beim letzten Flug im letzten Jahr. Versucht haben auf Strecke zu gehen. Und das von einem kleinen 100 -Meter -Hügel aus. Und der Einstieg in die Thermik, wie so oft, dann mal nicht geklappt hat. Bei 100 Meter Höhenunterschied und schwachem Wind. Das ist schon mal ärgerlich, wenn man die tollen Tage verpasst und dann am

3:40Lucian Haas

Landeplatz steht. Wie lange hält so ein Ärger bei dir an?

3:45Anja Kohlrausch

Nicht lange. Entweder wieder hoch auf den Berg, nochmal versuchen. Oder sagen, okay, am nächsten Tag probieren. Das ist eigentlich relativ typisch fürs Gleitschirmfliegen. Im Flachland.

3:59Lucian Haas

Bist du ein ehrgeiziger Mensch?

4:02Anja Kohlrausch

Schon. Aber ich glaube, es ist positiver Ehrgeiz. Es macht einfach wahnsinnig Spaß, große Strecken zu fliegen. Und wenn man den Spaß dann nicht haben darf, weil man absäuft, ist man schon mal kurz ein bisschen verärgert. Wie gehst du mit

4:23Lucian Haas

solchem Ärger um?

4:25Anja Kohlrausch

Es spornt mich umso mehr an. Einfach ein neuer Versuch. Wieder probieren. Und versuchen, darauf zu lernen. Wenn es taktische Fehler sind beim Fliegen, beim Streckenflug. Beim nächsten Mal einfach mit berücksichtigen. Möglichst sich daran erinnern. Das als Option kurz reflektieren. Und dann den gleichen taktischen Fehler zum Beispiel nicht wiederzumachen.

4:55Lucian Haas

Du fliegst jetzt schon ungeheuer lange. Schon seit Ende der 80er Jahre. Genau. Gibt es da immer noch was zu lernen?

5:04Anja Kohlrausch

Bei jedem Flug. Also jeder Flug ist anders. Immer andere Wetterbedingungen. Immer andere Streckenführung. Das wird einerseits nie langweilig. Und deswegen gleichzeitig auch jedes Mal Chancen, was besser zu machen, was zu lernen.

5:25Lucian Haas

Was würdest du sagen, war das letzte, wo du in so einen richtigen Zeitraum warst? Den Aha -Moment hattest?

5:32Anja Kohlrausch

Ich glaube, das war mein erster großer Gleitschirmflug. Ich komme ja vom Segelfliegen. Und habe immer die besten Streckenflugtage im Segelflugzeug verbracht. Und das Gleitschirmfliegen oft nur an den Tagen, wo ich gesagt habe, naja, so eine ganz große Strecke ist jetzt mit dem Segelflugzeug gar nicht möglich. Und dann bin ich Gleitschirmfliegen gegangen. Und dann gab es einen Schlüsselmoment. So in 2019. Ende des Sommers. Wo ich eigentlich schon so viele Segelflüge hatte. Mit dem Segelflugzeug und große Strecken. Und sagte, jetzt habe ich einfach mehr Lust zum Gleitschirmfliegen. Und es ist trotzdem ein sehr guter Streckenflugtag. Und da einfach das erste Mal probiert habe mit dem Gleitschirm.

6:17Anja Kohlrausch

Eine große geschlossene Aufgabe hier im Flachland über den Odenwald zu fliegen. Was dann geklappt hat. Und das war wirklich ein Schlüsselmoment. Ich dachte, das geht doch. Und mir wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Und eigentlich auch so der Startpunkt war, bei richtig gutem Wetter im Zweifelsfall auch den Gleitschirm und nicht das Segelflugzeug zu nehmen. Und einfach große Strecken zu probieren. Und große Dreiecke. Auch im Flachland.

6:41Lucian Haas

Was entscheidet für dich zu sagen, heute ist ein Gleitschirm oder heute ist ein Segelflugtag? Wenn du sagst, bei beiden sind eigentlich vielleicht große Strecken möglich. Also wann würdest du dich für was entscheiden? Bei

6:56Anja Kohlrausch

richtig großräumig gutem Wetter wäre das für mich eine Entscheidung für den Segelflugtag. Weil die Dreiecke da so in der Größenordnung 700, 800 Kilometer sind. Und ich die dann auch auf keinen Fall verpassen wollte.

7:16Anja Kohlrausch

Man kommt mit dem Segelflugzeug ziemlich sicher an die Thermik ran in die Luft. Und die Tage sind recht gut vorhersehbar. Das waren bisher für mich immer die Entscheidungen zu sagen, ich nehme das Segelflugzeug. Weil ich kann 800 Kilometer fliegen in Deutschland. Und das Gleitschirmfliegen habe ich eher gemacht bei nicht ganz so starker Thermik. Oder wenn ich nur am Hang Spaß haben wollte. Auch so ein bisschen im Hinterkopf einkalkuliert habe, naja im Zweifelsfall geht der Tag auch verloren. Weil die Windrichtung an dem kleinen Hügel oder an dem kleinen Berg hier im Odenwald nicht passt. Wir probieren es einfach. Ich hoffe, wir haben ein bisschen Spaß haben können. Heute, jetzt, wo ich eigentlich die größeren Strecken gerne mit dem Gleitschirm fliege,

8:03Anja Kohlrausch

würde ich sagen, wenn die Windverhältnisse okay sind für einen der Starthügel hier. Und auch die Windstärke safe ist. Also es nicht ganz so wild in der Luft ist. Dann fliege ich gerne Gleitschirm.

8:19Lucian Haas

Das heißt, hauptsächlich die Windverhältnisse, wo du auch sagst, Richtung passt. Aber auch die Stärke. Und wenn der Wind ein bisschen zu stark werden könnte fürs Gleitschirmfliegen, dann würdest du sagen, dann passt es gut für Segelfliegen. Da komme ich immer noch voll gegen den Wind an. Aber bei Schwachwindbedingungen, dann wird es ein Gleitschirm.

8:36Anja Kohlrausch

Genau. Oder bei sicher fliegbaren Gleitschirmbedingungen würde ich jetzt heutzutage im Zweifelsfall den Gleitschirm nehmen.

8:45Lucian Haas

Wenn man in deiner Fliegerlaufbahn mal zurückguckt, hast du ja vorher, bevor du Gleitschirm und bevor du Segel geflogen bist, hast du ja auch noch Drachenfliegen gemacht. Ja, genau. Wieso hast du damals mit dem Drachenfliegen

9:00Anja Kohlrausch

angefangen? Das war einfach eine Schnapsidee zusammen mit Studenten, studentischen Kollegen. Und das war einfach mal ein Urlaub machen und dabei ein bisschen Sport machen. Eher eine Schnapsidee. Und dann bin ich dabei geblieben.

9:19Lucian Haas

Wenn ich das richtig sehe, das war 1987, glaube ich. Dass du deinen Drachenschein gemacht hast.

9:25Anja Kohlrausch

Ja, genau. Da gab es noch gar keine Gleitschirme.

9:28Lucian Haas

Und dann, als die Gleitschirme aufkamen, hast du auf Gleitschirm gewechselt oder bist du erst noch beim Drachenfliegen geblieben?

9:33Anja Kohlrausch

Ich habe dann beides gemacht. Dann so im Laufe der Zeit habe ich irgendwann ja Segelfliegen angefangen und dann das Drachenfliegen auch nicht weiter betrieben, sondern parallel nur noch Gleitschirm und Segelfliegen. Das hat dann auch gereicht.

9:51Lucian Haas

Warum war das Segelfliegen für dich mehr anstrengend? Als das Drachenfliegen? Als dass du gesagt hast, okay, wenn Alternative, dann droppe ich halt das Drachenfliegen und gehe dafür Segelfliegen. Aber das Gleitschirmfliegen behalte ich bei. Ich glaube, ich habe immer ein bisschen Lust auf ein neues.

10:06Anja Kohlrausch

Und war einfach fasziniert, mit einem Segelflugzeug, auch ohne Motor, einfach richtig große Strecken fliegen zu können. Und da das Wetter noch ein bisschen optimaler ausnutzen zu können.

10:21Lucian Haas

Beim Drachenfliegen, wenn ich es richtig weiß, bist du ja sogar auch einmal deutsche Meisterin geworden. Also du warst da schon auch erfolgreich. Und trotzdem hast du es gedroppt. Ja, nach

10:31Anja Kohlrausch

mehreren Jahren dann. Ich glaube, ich bin jemand, ich brauche immer ganz viel Spaß und Enthusiasmus und Herausforderung im positiven Sinne. Da geht es gar nicht so sehr um die Leistung, immer wieder deutsche Meisterin werden zu können, sondern einfach wieder etwas Neues zu erleben. Und die Grenzen ein bisschen zu erweitern, positiv. Und da hat einfach das Segelfliegen wahnsinnige Faszination ausgelöst. Und hat mir das einfach riesig Spaß gemacht. Automatisch kommt dann, glaube ich, auch der Erfolg, der ja dann auch beim Segelfliegen kam.

11:08Lucian Haas

Ja, im Segelfliegen, kann man ja sagen, hast du die größten Erfolge im Grunde deiner Fliegerkarriere gefeiert. Oder die meisten, zumindest wenn man das auf dem Papier sieht. Du warst da mehrfache deutsche Meisterin, hast verschiedene FAI Rekorde geflogen. So was, eine Sache, um das jetzt mal zu nennen, Segelflug Rekord 2017, wo du die weiteste Strecke einer Frau mit einem über vorher deklarierte Wendepunkte geflogen bist. Das sind 1137 Kilometer gewesen in Namibia. Was bedeutet dir sowas?

11:38Anja Kohlrausch

Das ist ein Flugerlebnis, was, glaube ich, immer in meinem Gedächtnis bleibt. Das war einfach wahnsinnig faszinierend. Für mich ist das was, wo ich mich einfach so wahnsinnig gerne daran zurückerinnere. Das sind so beeindruckende Landschaften da am Rande der Namibwüste. Geniale Erlebnisse. Einfach ein Geschenk, was man positiv abspeichert und sich sehr gerne daran erinnert.

12:05Lucian Haas

Erzähl mal so ein bisschen von deiner Segelflugkarriere. Du warst ja wahrscheinlich nicht von Anfang an auf 1000 Kilometern Strecke unterwegs und sowas. Als du auf das Segefliegen umgestiegen bist, konntest du ja schon Drachen fliegen und Gleitschirmfliegen. Hat dir das in irgendeiner Weise was für das Segelfliegen gemacht?

12:24Lucian Haas

Ja,

12:25Anja Kohlrausch

extrem viel. Man fängt ja dann nicht als Fußgänger an, sondern kennt die Luft schon, ist damit vertraut. Ich bin damals auch in einen ganz netten Segelflugverein gekommen. Es war einfach ein Tag, ich weiß noch, im Schwarzwald, in Freiburg, wo es Ostwind gab und ich keinen Startplatz hatte fürs Gleitschirmfliegen. Und einfach dann zum benachbarten Segelflugverein gegangen und gefragt habe, ob ich mal mitfliegen darf. Und die haben gesagt, ja. Und die mich gleich mitgenommen haben und gesagt haben, du kannst dich auch vorne reinsetzen. Da darfst du auch steuern. Da ist ein Fluglehrer mitgeflogen. Und mich dann auch angegrinst haben und gefragt haben, ob ich nicht Lust hätte, das auch noch zu machen. Und natürlich hatte ich Lust und habe angefangen. Und habe dann einfach so viel Spaß daran gefunden und das auch sehr, sehr schnell gelernt und auch die Berechtigung gehabt.

13:16Anja Kohlrausch

Und auch schon dann so den ersten Streckenflug nach einem halben Jahr gemacht. Und habe da so viel Lust zu gehabt, dass ich einfach dabei geblieben bin.

13:26Lucian Haas

Und dann kam eins zum anderen. Du hast immer größere Strecken geflogen, bis dann auch die Rekorde kamen. Was reizt dich daran oder was hat dich daran gereizt, solche Rekorde zu fliegen? Ich meine, diese Wendepunkte musste man ja zum Beispiel anmelden, also deklarieren und vorher sagen, ich will jetzt wirklich einen Rekord fliegen. Was ist der Reiz daran, so etwas sich als Aufgabe zu setzen? Ja,

13:50Anja Kohlrausch

eigentlich so die eigenen Grenzen. Das, was man erreichen kann, immer ein bisschen zu erweitern. In Wahrheit ist es ja so, dass man für so einen Rekord, Beispiel für einen Weltrekord, bestimmt 20 Versuche macht, die alle knapp eben nicht zum Erfolg führen und trotzdem alle riesigen Spaß machen. Ich habe wahnsinnige Freude daran, das immer wieder zu probieren. Jeder Flug ist klasse. Irgendwann klappt es mal oder auch nicht. An sich die Versuche, diese großen Strecken, Weltrekorde in Namibia oder auch die großen Strecken mit dem Segelflugzeug in Deutschland zu fliegen, bedeutet einfach Spaß.

14:35Lucian Haas

Diesen Rekord, den du da hast, das ist weiteste Strecke einer Frau. Ist es bei den Segelfliegern genauso wie bei den Gleitschirmfliegern, dass eigentlich nur sehr wenige Frauen, also verhältnismäßig wenige Frauen, Segelfliegen?

14:49Anja Kohlrausch

Ja. Also ich glaube so 10 Prozent, schätze ich jetzt.

14:55Lucian Haas

Also ähnlich wie bei den Gleitschirmfliegern eigentlich? Ich

14:58Anja Kohlrausch

denke auch, ja. Also man ist da keine Rarität. Man ist klar ein bisschen in der Minderheit, aber an sich ist das völlig gleichberechtigt.

15:06Lucian Haas

Ist das eigentlich sinnvoll, im Segelfliegen den Unterschied zu machen, ein Rekord von Frauen und ein Rekord von Männern? Also es ist doch im Grunde dasselbe Flugzeug, in dem man fliegt und so weiter. Und wahrscheinlich kannst du, selbst wenn du sagen würdest, ich wiege vielleicht etwas weniger als ein Mann, aber man kann ja in einem Segelflugzeug viel leichter auch noch Ballast mitnehmen, um zumindest diesen Unterschied auszugleichen, den man vielleicht beim Gleitschirm hätte, wo man sagt, eine kleine leichtere Frau muss nur einen kleinen Gleitschirmfliegen und hat damit wahrscheinlich etwas Leistungsnachteile.

15:37Anja Kohlrausch

Ich glaube, dass man es beim Segelfliegen viel besser ausgleichen kann, die Nachteile. Und dass man deswegen vielleicht diese Rekorde auch nicht überbewerten sollte. Weil ein Mann ist irgendwo nochmal weiter geflogen. Also es gibt einfach zusätzliche Wertungslisten und der Rekord vom Mann ist dann irgendwo 3000 Kilometer, aber in Argentinien oder Chile in den Anden geflogen, was ja auch dann nicht direkt vergleichbar ist. Also das ist, glaube ich, einfach viele Listen von Rekorden, die zeigen, was so möglich ist und was einfach Frauen und Männer schon geflogen haben. Richtig große Nachteile sehe ich als Frau eigentlich nicht.

16:16Lucian Haas

Glaubst du, dass fliegende Männer ehrgeiziger sind als Frauen, was solche Ziele und solche Rekorde anbetrifft?

16:26Anja Kohlrausch

Vielleicht. Ich kann jetzt nicht aus der Perspektive eines Mannes sprechen. Ich kann es vermuten, dass da ein bisschen mehr Ehrgeiz vielleicht ist, aber vielleicht ist das auch individuell sehr unterschiedlich.

16:38Lucian Haas

Beim Gleitschirmfliegen, was du ja in der letzten Zeit wieder oder in den letzten Jahren dann wieder auch mehr gemacht hast. Nachdem du gemerkt hast, das geht ja auch, man kann damit ausstrecken fliegen, da bist du ja auch schon wieder erfolgreich unterwegs und hast jetzt vielleicht keine deutsche Meisterschaft gewonnen, aber zumindest beim XC Cup, das ist so, kann man sagen, quasi die inoffizielle Flachlandmeisterschaft in Deutschland, da bist du zumindest seit, glaube ich, vier oder fünf Jahren die jeweils bestplatzierte Frau in der Gesamtwertung. Damit eigentlich auch immer Platz eins, wenn es eine Frauenwertung gibt. Und auch in den einzelnen Klassen, in denen du da unterwegs bist, Sportklasse und Intermediate -Klasse und so, bist du fast bis auf einmal, glaube ich, immer mit auf dem Treppchen gewesen.

17:26Lucian Haas

Was macht dich da so erfolgreich?

17:31Anja Kohlrausch

Ich denke mal, das sind gerade die geschlossenen Aufgaben, die eine hohe Wertung haben hier im Flachland beim XC Cup und die ich dann einfach probiere. Und wenn dann ein 115 -Kilometer -Dreieck mit dem B -Schirm, das gibt dann ganz, ganz viel. Und dann steht man einfach ganz oben auf dem Treppchen. Beim DHV -XC ist das vielleicht nicht ganz so leicht, weil man hier im Flachland nicht ganz so leicht aufs Treppchen kommt. Die Bedingungen in den Alpen, glaube ich, sind einfach nochmal einen Tuck besser.

18:02Lucian Haas

In den Alpen gehst du aber gar nicht fliegen. Du fliegst immer im Flachland?

18:06Anja Kohlrausch

Ich bin früher ganz viel Drachengleitschirm, eigentlich schon in den ganzen Alpen geflogen und habe mit dem Segelflugzeug die ganzen Alpen abgeflogen im Moment. Bin ich einfach aus privaten Gründen gerne abends zu Hause, um meine Tiere zu versorgen und fliege deswegen gerne hier einfach lokal im Odenwald und am liebsten komme ich auch wieder an den Startpunkt zurück. Dann weiß ich, dann bin ich pünktlich abends wieder zu Hause.

18:32Lucian Haas

Das heißt, die äußeren Zwänge zwingen dich gewissermaßen zum Erfolg?

18:37Anja Kohlrausch

Nö, das kann man so nicht sagen. Also die äußeren Rahmenbedingungen, sagen wir im Moment, macht es am meisten Sinn. Und auch viel Spaß in den lokalen kleinen Geländen hier im Odenwald zu fliegen und das auch an den Tagen, wo das Wetter gut ist. Das ist eigentlich auch ziemlich effektiv. Da brauche ich auch nicht eine Woche Urlaub im Regen in den Alpen verbringen. Also ich finde, das ist eine schöne Variante und Alternative, gar kein Zwang.

19:07Lucian Haas

Nun warst du Meisterin im Drachenfliegen, Meisterin im Segelfliegen, ich sage jetzt auch mal Meisterin im Gleitschirmfliegen. Gibt es solche? Sowas wie ein Fliegergen? Oder was muss man im Blut haben, um in allen Disziplinen so gut fliegen zu können wie du?

19:25Anja Kohlrausch

Ja, ich glaube, Fliegen ist immer ähnlich. Es sind einfach nur ein bisschen andere Fluggeräte, die man nimmt und die Taktik und Technik muss man natürlich schon ein bisschen anpassen. Im Grunde genommen ist es aber immer Fliegen. Und dazu muss man, glaube ich, einfach ein bisschen flugverrückt sein im positiven Sinne.

19:45Lucian Haas

Was suchst du? Was suchst du in der Fliegerei? Freude, Spaß, auch Entspannung sogar. Große Streckenflüge, ist das für dich Entspannung? Also wenn man so große Ziele hat und Rekorde fliegen kann, kann man da trotzdem oder kannst du da trotzdem noch entspannen? Ja,

20:03Anja Kohlrausch

weil das ist wie so ein Flow -Erlebnis im Sport. Also wir kommen dann acht oder neun Stunden Flug vor wie eine Stunde und alles andere aus dem Alltag ist ganz weit weg. Und das ist, glaube ich, ein Kriterium für Entspannung. Mhm. Das ist so völlig in der Aufgabe aufzugehen und an dem Tag nichts anderes zu machen und auch nochmal ein paar Kreise zu machen, um ein paar schöne Fotos zu machen. Damit man sich hinterher nochmal dran erinnern kann. Ja, an die Namibwüste von oben mit 6000 Meter. Also die Zeit ist immer.

20:38Lucian Haas

Du sagst Flow -Zustand. Das ist ja immer so ein Ziel, den gerne viele erreichen würden, weil sie dann eben sagen, ja dann fliegt man aus dem Bauch heraus und macht alles. Richtig, so ungefähr. Gibt es irgendeinen Trick, eine Technik, irgendwas, wie du es für dich schaffst, dich so vorzubereiten, dass du leichter in diesen Flow -Zustand kommst? Oder ist das bei dir einfach ein Automatismus? Fliegen löst das einfach aus?

21:04Anja Kohlrausch

Ich glaube, es wird automatisch bei mir ausgelöst, wenn ich die Chance habe, einfach eine große Strecke zu probieren. Was ich vorhin schon mal gesagt habe, es geht gar nicht darum, den Erfolg zu haben und den Rekord jetzt geflogen zu sein, sondern es zu probieren. Und eine Chance dazu zu haben. Einfach auch wahnsinnige Freude daran zu haben. Und dann wird das bei mir ausgelöst. Beim Segelflug habe ich gemerkt, dass ich in jedem Fall dann den Funk ausschalten muss oder Gleise drehen muss, wenn dann zu viel gefunkt wird. Also auf WMs, im Nationalteam oder so habe ich gemerkt, dass es meinen Flow -Zustand ziemlich gestört hat.

21:44Lucian Haas

Wenn du jetzt diese drei Flugarten nehmen würdest, Gleitschirmfliegen, Drachen - und Segelflug, was ist das? Gleitschirmfliegen, Drachen - und Segelflug. Gibt es da eine von denen, wo du sagen würdest, da fällt es dir am leichtesten, in den Flow zu kommen?

21:58Anja Kohlrausch

Ich glaube, beim Gleitschirmfliegen. Warum?

22:04Anja Kohlrausch

Weil da bei mir wirklich immer als allererstes nur der Spaß und die Freude im Vordergrund steht. Ich in jedem Fall auch immer ohne Funk fliege.

22:15Anja Kohlrausch

Und es einfach auch sehr direkt ist mit der Natur.

22:19Lucian Haas

Ist Segelflug noch zu technisch dann im Verhältnis? Die Kanzel drumherum hat und alles, was man da noch so drauf achten muss und einfach mit direktem Kontakt mit Wind und sowas, dass das der Wind im Grunde auch den Flow dann mit fördert?

22:35Anja Kohlrausch

Ich glaube weniger. Bei 200 km/h möchte ich den Wind eigentlich auch nicht direkt spüren. Es sind auch sehr dynamische und tolle Bewegungen im Segelflug auf den schnellen und großen Strecken. Ich glaube, das ist einfach seltener beim Segelflug, dass man die Chance hat, für sich da in so einen Flow -Zustand zu kommen und für sich selber die Strecke zu fliegen. Im Gleitschirm ist das eigentlich automatisch immer so, dass da kein anderer funkt und man eher mit sich selber ist und auch weniger Funkkontakt.

23:22Anja Kohlrausch

Und Kontrollzonen, langen Informationen oder einfach so Navigationsgeschichten hat beim Segelflug, die das, sag ich mal, ein bisschen mehr stören.

23:33Lucian Haas

Das heißt, beim Gleitschirmfliegen bist du viel mehr mit dir selbst und musst dich weniger nach außen richten?

23:39Anja Kohlrausch

Genau. Ich fliege ja einfach auch dann um alle Lufträume und Kontrollzonen drumherum mit dem Gleitschirm, weil man eh nicht rein darf. Und mit dem Segelflug darf man da einfach rein und funkt dann mehr. Ich versuche das zu organisieren, dass man einfach auch ganz andere Routen dann fliegen kann.

23:58Lucian Haas

Erlebst du diesen Flow -Zustand auch als etwas Meditatives?

24:04Anja Kohlrausch

Ja, kann man so nennen.

24:07Lucian Haas

Und wenn du sagst, du erlebst neun Stunden so, als wäre es nur eine gewesen, passiert es dir dann auch, dass du sagst, okay, ich bin jetzt geflogen, habe irgendwas ausgedreht, aber du wachst quasi vom Bewusstwerden dann plötzlich irgendwie in der Luft und sagst, wie bin ich eigentlich jetzt? Hier hingekommen? Irgendwie habe ich jetzt die letzte halbe Stunde wie in einem meditativen Trance -Zustand oder sonst was irgendwie da was ausgekurbelt, aber gar nicht mehr so bewusst auf Sachen geachtet, sondern es ist einfach nur so geflossen.

24:39Anja Kohlrausch

Ja, da könnte ich zustimmen. Aber so wie so ein Trance, dass man tatsächlich gar nichts mehr weiß, also so tief, glaube ich, ist der Flow -Zustand dann doch nicht. Also ich glaube, das läuft einfach vieles so mit Intuition und man könnte gar nicht. Ich kann nicht alles explizit mit einem Kollegen am Funk irgendwie sagen, warum hast du jetzt genau das so entschieden. Für sich selber sollte schon das Ziel sein, dass man möglichst viele Optionen sieht und die auch abwägt und nicht nur eine Route oder eine Strecke sieht. Aber das immer wirklich dann ausdrücken zu können oder jemandem anders erzählen zu können, das ist, glaube ich, in so einem Zustand schwierig. Das ist dann eher automatisch.

25:20Lucian Haas

Flow -Zustand wäre dann viel Bauchfliegerei. Wie viel Vorbereitung, wo dann auch wirklich gedankliche Arbeit dann reinfließt, steckst du in solche Flüge oder fliegst du häufig einfach los und sagst, ich gucke mal, was so kommt?

25:36Anja Kohlrausch

Ich glaube, ich habe eine sehr gute meteorologische Vorbereitung morgens, dass ich schaue, wo sind die Gebiete, die gut sind zu fliegen, welche Strecken machen Sinn, ist viel Wind, ist es eine One -Way -Strecke oder macht ein Dreieck Sinn? Was ist generell so an Strecken möglich an dem Tag? Da versuche ich mich recht gut vorzubereiten und in der Luft versuche ich möglichst offen zu bleiben für alle Optionen. Zumal man beim Gleitschirmfliegen ja nicht die Wendepunkte immer vorher angeben muss, sondern sich grob was vornehmen kann und dann auch mal abkürzen kann oder in eine andere Richtung die Strecke verlängern kann. Beim Segelflug braucht man ein bisschen mehr Vorbereitung, um richtig viele Punkte und...

26:25Anja Kohlrausch

Ja, große Aufgaben zu fliegen, musste man die schon möglichst genau vorher angeben, die Wendepunkte. Und ein One -Way hat auch keinen Sinn gemacht, weil tausend Kilometer in eine Richtung fliegen, dauert ja eben ein paar Tage wieder zurückzukommen, das macht eh keiner.

26:40Lucian Haas

Segelflug, du sprichst immer von Vorbereitung, Wendepunkte setzen, große Aufgaben machen. Gehst du manchmal auch Segelfliegen einfach nur für, ich hänge mal ein bisschen in der Luft rum, ich gondel mal irgendwo so rum? Oder ist das Segelfliegen eigentlich immer dann... Was sehr zielgerichtet ist? Ich würde sagen, die

26:59Anja Kohlrausch

meisten Flüge sind auch eher so, ich fliege mal am Platz, zwei Stunden Thermik und hab ein bisschen Spaß und fliege so ein bisschen rum. So Platznähe bedeutet dann aber auch schon, dass man den ganzen Odenwald so ein bisschen abfliegt, das ist dann so der Gleitwinkelbereich. Das sind glaube ich die meisten Flüge, gar nicht so ganz große Strecken, aber die, wo man am längsten in der Luft ist und am meisten Freude daran hat, sind dann schon die, wo man mal unterwegs ist, wo man vorher noch nicht geflogen ist. Also wirklich weiter weg. Das gibt mir zumindest ein bisschen mehr Motivation und dann lande ich nicht nach zwei Stunden, sondern hab auch Lust dann acht oder neun Stunden zu fliegen.

27:43Lucian Haas

Dieses weiter weg fliegen geht ja mit dem Gleitschirm nicht so gut. Also du kannst auch größere Strecken fliegen, aber halt in einer anderen Dimension. Wenn du 1000 Kilometer mit dem Segeflugzeug fliegst, wirst du vielleicht 200 Kilometer im Verhältnis mit dem Drachen.

28:00Lucian Haas

Fühlst du dich dann manchmal auch eingeschränkt, wenn du Gleitschirm fliegst?

28:05Anja Kohlrausch

Nee, weil ich glaube, dass die Freude dann auch nicht davon abhängt, ob ich jetzt mit dem Gleitschirm 400 oder 200 Kilometer geflogen bin, sondern ich finde mit dem Gleitschirm ist das auch weit weg und schöne Sachen gesehen auf dem Flug. Ich muss mich taktisch umstellen, weil das einfach ein anderer Geschwindigkeitsrhythmus ist, ein bisschen andere Taktik. Aber die Freude. Und der Spaß ist der gleiche und auf ein Kilometer mehr oder weniger kommt es da auch nicht an.

28:34Lucian Haas

Vergleichst du denn manchmal in der Luft? Also dass du beispielsweise mit dem Gleitschirm fliegst und denkst, oh, da hinten, da ist so eine tolle Wolke mit dem Segelflieger. Ich müsste jetzt nur einmal kurze Knüppel nach vorne drücken, dann wäre ich eigentlich schon gleich da und mit dem Gleitschirm werde ich wahrscheinlich kaum hinkommen. Ja, das Blöde ist, ich vergleiche

28:51Anja Kohlrausch

es dann nicht. Ich denke, da hinten ist eine schöne Wolke, da fliege ich mal eben schnell hin und merke dann unterwegs, oh, da komme ich gar nicht in der Höhe an. Jetzt muss ich mich doch wieder an Bodenmerkmalen und Abrisskanten orientieren. Hatten jetzt auch ein bisschen gedauert, um mich da so ein bisschen drauf einzustellen und das dann auch zu merken, dass ich in dem Moment jetzt nicht im Segelflugzeug bin und ein bisschen andere Taktik dann doch anwenden muss.

29:17Lucian Haas

Das heißt, wenn man sich deine Strecken im XC -Cup anguckt, also ich habe mir so ein paar davon angeguckt, dann sieht man immer, zwischendurch hast du immer wunderschöne Höhen, hältst dich da wahrscheinlich so, so unter Wolkenstraßen oder sonst was, dann gibt es dann teilweise größere Strecken, da sieht man, ah, da sackst du vielleicht stärker ab. Sind das vielleicht solche Momente, wo du dann zu ehrgeizig warst oder zu optimistisch, was das Erreichen neuer Aufwinde betrifft?

29:42Anja Kohlrausch

Kann sein, dass es mal sowas ist, aber ich glaube, dass es auch automatisch geschieht beim Gleitschirm, dass man immer wieder, gerade im Flachland, wenn man mal nicht eine tragende Linie erwischt hat und eine Wolkenreihung, da eine bisschen größere Lücke zwischen ist, zwischen den Wolken, dass man automatisch wieder tief ist und dann nochmal wieder einen Gang zurückschaltet und erstmal wieder hochkugeln muss und dann wieder vielleicht einen Gang höher schalten kann.

30:09Lucian Haas

Du hast mit Drachen - und Gleitschirmfliegen angefangen und hast gesagt, davon hast du viel profitiert beim Segelfliegen. Dann hast du sehr viele Erfolge mit, oder auch tolle Strecken und sonst was, mit dem Segelfliegen sehr viel Erfahrung gesammelt. Gibt es etwas, wo du sagen würdest, da profitierst du jetzt beim Gleitschirmfliegen auch von Sachen, die du beim Segelfliegen gelernt hast? Ja,

30:29Anja Kohlrausch

das ist genau diese Einschätzung von tragenden Linien und diese Routenwahl und Streckenwahl, da mal kleine Umwege zu fliegen und sich das Wolkenbild anzuschauen und eben versuchen, möglichst den Wolkenreihungen, Wolkenstraßen lang zu fliegen. Auch nicht unnütz im schwachen Steigen lange rumzukurbeln, sondern ich glaube, das macht einen ein bisschen schnell, wenn man das reflektiert. Und richtig gut einschätzen kann, immer die stärksten Aufwände zu nehmen. Ich habe mir gemerkt aus dem Segelfliegen, dass es eigentlich darum geht, immer die Anzahl der Optionen hochzuhalten. Also mehrere Optionen zu haben und dann den stärksten Bart auszuwählen.

31:14Lucian Haas

Was ja beim Segelfliegen deutlich einfacher ist, weil man da einfacher sagen kann, okay, dieser Bart ist jetzt zu schwach, ich fliege einfach noch 20 Kilometer weiter und da steht ja nichts, aber das kannst du mit dem Gleitschirm häufig dann nicht so machen. Wann war das? Weißt du beim Gleitschirm, dass du sagst, in dem muss ich drinnen bleiben? Mit dem Segelflieger würde ich sofort weiterfliegen, aber jetzt, hier muss ich beißen. Wenn auf Kurs

31:36Anja Kohlrausch

das Wolkenbild oder die Lücken einfach da recht groß aussehen zwischen den Wolken. Mittlerweile gelingt es mir ganz gut, da dann die Punkte zu erwischen, zu sagen, hier brauchst du jetzt einfach Geduld. Hier geht es jetzt langsamer, hier wird gekreist.

31:56Lucian Haas

Gleitschirmfliegen, Thermikfliegen sind ja häufig, viel engere Kurven oder Kreise, die man dort fliegt. Man kann auch Thermiken auskurbeln, wo man wahrscheinlich mit dem Segelflieger niemals reinpassen würde und sowas. Gibt es da Sachen, wo du auch sagst, trotzdem aus dem Gleitschirmfliegen habe ich auch von dem, was man da auch über wo lösen Thermiken beim Gelände ab, weil man auch viel häufig geländenäher fliegt und sowas, dass du sagst, dafür hast du auch für die Segelfliegerei wieder was rausgezogen, wo du sagen würdest, damit hast du gewissermaßen einen Vorsprung, einen Wissensvorsprung vor den anderen. Segelfliegern, die das nicht kennen vom Gleitschirmfliegen her?

32:33Anja Kohlrausch

Ja, ich denke schon, dass das in gewissem Maße so war, weil ich ja auch dann Quereinsteiger im Segelflug war und recht schnell erfolgreich und glaube ich einfach diesen Back war und hatte, so ein bisschen spazieren gehen in der Luft und wissen, wo eigentlich die möglichen Abrisskanten sind. Und es ist durchaus auch so, dass man mit dem Segelflugzeug mal tief kommt, zwar seltener, aber auch da. Kann man natürlich dann sehr profitieren. Ja, von den Erfahrungen, die man bodennah gemacht hat und eigentlich auch so die Struktur der Aufwinde viel besser erspüren und da fliegen kann.

33:13Lucian Haas

Beim Gleitschirmfliegen, du hast vorhin schon das Wort Linienwahl gesagt. Gerade beim Gleitschirmfliegen, der so einen schlechten, oder beim Gleitschirm, der so einen schlechten Gleitwinkel hat, ist ja eine gute Linie schon häufig quasi die halbe Miete wirklich beim Streckenfliegen. Nicht nur, dass man sagt, ich treffe die guten Thermiken, sondern auch dazwischen die Linien, wo es vielleicht weniger sinkt oder so was, oder schwache Steigen, aber man kann im Steigen weit geradeaus fliegen. Wie findet man solche Linien?

33:43Anja Kohlrausch

Also ich finde sie, indem ich mir die Wolken anschaue und tue mich sehr schwer, wenn blau thermisch ist.

33:50Anja Kohlrausch

Ja, Beobachtung vom Himmel und gerade die Phasen anschauen, in denen die Wolken sind. Sind sie noch am Aufbauen oder sind sie schon am Zerfallen? Und wo sind die Wolkenstraßen?

34:04Lucian Haas

Das heißt, du versuchst immer auch die Wolkenstraßen dann abzufliegen?

34:09Anja Kohlrausch

Ja, genau, hier im Flachland schon.

34:12Lucian Haas

Geht das mit dem Gleitschirm immer oder sind auch Wolkenstraßen so, dass häufig vielleicht die Abstände zwischen den Wolken dann auch zu groß sind?

34:20Anja Kohlrausch

Gibt es, gerade wenn man mal von einer Reihung auf eine andere wechseln möchte. Also von einer Straße zur anderen wird es oft eine Herausforderung, was mit dem Seepflugzeug viel leichter wäre.

34:35Lucian Haas

Und wenn du dann keine Wolken hast und dich mehr nach dem Untergrund orientieren musst, worauf achtest du dann vor allem? Hast du da so einen Katalog, wo du abarbeitest und sagst, ein trockenes, abgeerntetes Feld und dann kommt der Wald und dann so? Oder wie gehst du dabei vor?

34:54Anja Kohlrausch

Im Prinzip schon die hellen, trockenen Flächen, die eher konvex geformt sind. Mit dem besten Einstrahlwinkel zur Sonne. Hier im Flachland ist immer noch wichtig, die Windrichtung im Kopf zu haben. Und da dann auch eigentlich die Grenze zum Beispiel vom Feld zum Wald anzufliegen und das als Abrisskante zu nehmen. Manchmal zeigen einem auch die Vögel das sehr gut, wenn man tief ist, wo es hochgeht.

35:29Lucian Haas

Fliegst du gern mit Vögeln?

35:31Anja Kohlrausch

Extrem gern. Das ist auch eins meiner Schlüsselmöglichkeiten. Das sind Schlüsselerlebnisse, dass ich so in 30 bis 50 Meter Höhe an so einem ganz, ganz kleinen Hang während eines Streckenflugs eigentlich gedacht habe, im nächsten Kreis musst du landen und mich da so zehn Minuten an so einem kleinen Hügel gehalten habe. Und auf einmal flog ein Vogel so ein kleines Stückchen weiter raus über einen Apfelbaum und macht den Kreis. Und ich habe gedacht, das schaffe ich auch. Und bin mit dem Vogel zusammen dann 2000 Meter aufgedreht. Das ist ein echtes Schlüsselerlebnis in meiner Gleitschirmkarriere.

36:04Lucian Haas

Verabschiedest du dich dann von solchen Vögeln, wenn sie dir geholfen haben und dann, dass man sagt, so tschüss, ich fliege jetzt weiter? Also, dass man sowas wie eine Beziehung in der Luft mit denen aufbaut, zumindest für einen kurzen Moment, in dem man die Luft mit denen teilt?

36:18Anja Kohlrausch

Ja, genau. Zumindest ein Danke -Kumpel gibt es noch.

36:23Lucian Haas

Und hast du manchmal den Eindruck, dass du vielleicht auf den Vögeln hilfst? Also, dass die zu dir geflogen kommen?

36:28Anja Kohlrausch

Ja, die kommen zu mir geflogen.

36:32Anja Kohlrausch

Ich glaube aber, dass es eher umgekehrt ist. Dass die Vögel da einfach viel besser sind als wir. Und die gar nicht unbedingt zu mir kommen, sondern einfach, man sie dann zufällig sieht, die schon lange in der Thermik sind. Oder einfach nur so ein bisschen versetzen, um zu einem noch zu kommen. Ich glaube, die sind einfach deutlich besser als wir. Das heißt, wir Gleitschirmflieger fliegen und Segelflieger fliegen eher immer zu den Vögeln.

36:57Lucian Haas

Beim Segelfliegen, da macht man viel größere Kreise und sonst etwas. Sind da die Vögel trotzdem auch an? Also, gute Anhaltspunkte? Ja, genau.

37:09Anja Kohlrausch

So groß ist der Kreis auch nicht. Der ist dann so 50 Meter Durchmesser.

37:14Anja Kohlrausch

Eigentlich genau das Gleiche. Auch zusammen mit den Vögeln, zu den Vögeln fliegen.

37:18Lucian Haas

Und die Vögel haben vor den Segelflugzeugen genauso im Grunde wenig Angst wie vor den Gleitschirmfliegern. Also, bleiben genauso in der Thermik dann drinnen? Oder ist das für die dann schon ein Riesenvogel, wo die sagen, da muss ich jetzt schnell weg?

37:32Anja Kohlrausch

Das ist das Interessante. Also, sie fliegen nicht weg. Sie werden genauso akzeptiert. Die Segelflugzeuge.

37:41Lucian Haas

Du hast, lass uns mal ein bisschen über etwas Menschliches sprechen. Du hast im Grunde mit deiner Karriere ja auch drei verschiedene, sage ich mal, Szenen kennengelernt. Die Szene der Drachenflieger, die Szene der Gleitschirmflieger und die Szene der Segelflieger. Gibt es da irgendwelche typischen Unterschiede im Charakter von diesen drei Fliegertypen? Oder sind die doch sehr ähnlich und haben eine ganz ähnliche Denkweise und Herangehensweise an die Fliegerei?

38:08Anja Kohlrausch

Ich denke, die sind alle sehr ähnlich. Ein bisschen Unterschied ist vielleicht,

38:14Anja Kohlrausch

daran zu sehen, dass das Segelflug wirklich ein Vereinssport ist und man nur in die Luft kommt, wenn man wirklich viel Zeit und Mühe investiert in den Verein. Und dass beim Gleitschirm- und Drachenfliegen ein bisschen mehr in Richtung Individualsport geht. Man einfach weniger Zeit mit Vereinsarbeit verbringt und auch da ein bisschen freier ist, um zu sagen, ich gehe, der Wind passt nicht, ich fahre jetzt einfach wieder oder ich komme später. Was beim Segelfliegen nicht so geht.

38:45Lucian Haas

Sind Gleitschirmflieger also im Schnitt mehr Individualisten? Genau, kann man so sagen. Sind sie damit auch seltsamer?

38:54Anja Kohlrausch

Habe ich so jetzt bisher nicht beobachtet.

38:59Lucian Haas

Ja, oder egozentrischer?

39:01Anja Kohlrausch

Nee. Ich würde das Individualistische auch eher positiv sehen. Und ich glaube auch, dass Segelflieger alle individualistisch sind. Aber vielleicht das gemeinsame Sporttreiben einfach auch noch ein bisschen mehr Gewicht hat. Weil es auch gar nicht anders geht, wenn man das Segelflugzeug sonst auch gar nicht in die Luft kriegt.

39:26Lucian Haas

Wenn du im Flachland weite Strecken fliegst, wie versorgst du dich in der Zeit? Also was ist mit Essen, Trinken, Pinkeln?

39:34Anja Kohlrausch

Ja, einfach Wasserflaschen oder Trinksack mitnehmen. Ein paar Brötchen schmieren, also im Segelflugzeug, und loslegen. Beim Gleitschirmfliegen schaffe ich es bisher eigentlich nur, ein bisschen was zu trinken, mal mitzunehmen. Da bin ich noch nicht so gut versorgt, da lande ich total hungrig.

39:58Lucian Haas

Warum? Also wäre es nicht sinnvoll, zwischendurch auch was zu essen, auch für die Konzentration?

40:03Anja Kohlrausch

Wäre super sinnvoll. Ich suche nur noch was, was man gut auch unterwegs verspeisen kann, ohne dass man es verlieren kann.

40:11Lucian Haas

Und was ist mit dem Pinkeln? Fliegst du die großen Strecken alle mit Windeln oder bist du jemand, der eine große Blase hat und gut einhalten kann? Beides. Auch beim Gleitschirmfliegen mit Windeln? Oder ist das hauptsächlich beim Segelfliegen, wenn du wirklich sagst, das werden dann acht, neun Stunden, die ganz großen Flüge, da braucht man das natürlich? Also wenn du jetzt bei dir in der Gegend im Odenwald an den Startplatz gehst, hast du auch immer eine Windel im Gepäck? Nicht immer.

40:40Anja Kohlrausch

Und das kann... Das kann ein Problem werden, wenn es dann doch überraschend ein ganz großer Flug wird.

40:45Lucian Haas

Von den Flügen, die du da jetzt gemacht hast im Odenwald mit dem Gleitschirm, gibt es da einen, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

40:55Anja Kohlrausch

Ja, einer mit Sicherheit, das war der von Heidelberg nach Regensburg.

41:00Lucian Haas

260 Kilometer knapp, ne? Das war so ein One -Way -Flug. Ja, genau.

41:04Anja Kohlrausch

Ich habe immer gedacht, das muss doch möglich sein, über 200 Kilometer zu fliegen. Und an dem Tag habe ich es mir vorgenommen, und es hat auch geklappt.

41:13Lucian Haas

Also das war dieses Ziel Regensburg, hattest du auch schon im Kopf? Oder war nur das Ziel, ich will mehr als 200 Kilometer fliegen, das sollte heute möglich sein, und dann gucke ich mal, wie weit ich komme?

41:25Anja Kohlrausch

Also Regensburg war an dem Tag im Kopf, weil das war dann einfach mit Rückenwind. Es war nur West -Nord -West -Wind und war dann eigentlich klar, dass es in die Richtung geht.

41:33Lucian Haas

Der Armin Harig ist ja, glaube ich, auf ähnlicher Strecke auch schon mal 300 Kilometer geflogen. Wäre das ein Ziel für dich?

41:40Anja Kohlrausch

Klar. Genau, ich denke auch, dass es möglich ist.

41:44Lucian Haas

Möglich in der Form, dass du auch sagst, du würdest das auch gerne, also dass irgendwer das erreichen kann, oder dass du das auch gerne mal in Angriff nehmen würdest?

41:53Anja Kohlrausch

Ja, genau, also für mich möglich. Wobei man immer ein bisschen Glück dazu braucht. An dem Tag muss man einfach hier im Flachland Anschluss kriegen an die Thermik. Ja, und dann muss es einfach gut laufen zwischendurch. Aber ich bin ziemlich sicher, dass das klappen kann.

42:09Lucian Haas

Wenn jetzt andere Flieger, oder auch Fliegerfrauen zu dir kommen und sagen so, Anja, wie machst du das eigentlich? Gib mir mal einen Tipp, wie kann ich besser im Flachland hier groß auf Strecke gehen? Ich sehe, du schaffst das immer so schön. Was würdest du denen empfehlen? Oder was erzählst du denen?

42:29Anja Kohlrausch

Ich würde sagen, ganz oft einfach probieren, probieren, probieren. Dafür wird man eigentlich immer besser, lernt immer mehr. So ein absolutes Kochrezept gibt es da, glaube ich, gar nicht. Jeder Tag ist anders. Und immer wieder mit Freude probieren. Und wenn es nicht klappt, ist es auch gut.

42:49Lucian Haas

Also wer weit fliegen will, muss fliegen gehen. So ungefähr.

42:54Anja Kohlrausch

Genau. Und man muss es ein bisschen vielleicht auch im Hinterkopf haben. Wenn ich die Chance habe, das Wetter ist gut, ich kriege Anschluss an die Thermik, und ich bin jetzt oben, das dann auch irgendwie im Hinterkopf zu haben. Hey, vielleicht geht ja auch was ganz Großes. Also auch die großen Sachen zu probieren.

43:15Lucian Haas

Und wenn du dann so Tage siehst, wo viele Leute starten, aber du deutlich weiterkommst als andere. Woran liegt das?

43:25Anja Kohlrausch

Ich glaube, dann habe ich einfach ein bisschen Glück gehabt und eine andere Routenwahl gewählt. Oder bin beim ersten Mal weggekommen und brauchte nicht zwei Versuche am Berg, um Thermikanschluss zu kriegen. Es gibt ganz viele Tage, da sind die anderen alle weiter als ich. Würde ich gar nicht überbewerten.

43:44Lucian Haas

Bist du vielleicht auch ein bisschen... Zurückhaltend, würde ich mal sagen. Weil von den Ergebnissen her zeigt sich ja schon, dass du das wahrscheinlich im Schnitt... Also was ich so lese, auch an Kommentaren im XC -Cup, dann gibt es dann viele, die sagen, ah, Anja hat es uns mal wieder gezeigt, wie das eigentlich so geht.

44:00Anja Kohlrausch

Ja, aber die Kommentare kommen ja auch von denen, die normalerweise viel weiter fliegen als ich. Ich denke, das ist einfach eine nette Anerkennung und gegenseitige Anerkennung der Flieger untereinander. Ich glaube, jeder, der fliegt, weiß, dass ein bisschen Glück dazugehört. Und dass es wirklich nicht darauf ankommt, ob einer 10 Kilometer oder 20 Kilometer weiter geflogen ist an einem Tag. Und vielleicht auch genauso gut ganz viel Spaß hatte, Thermik am Hausberg an dem Tag zu fliegen. Einfach so lange, wie man Lust hat. Ich glaube, da gibt es keine Wertung. Das ist ein dezentraler Breitensportwettbewerb, der Spaß machen soll. Genau.

44:42Lucian Haas

Bist du jemand, der auch manchmal einfach nur... Und sagt, ich hänge mich mal zwei Stunden in die Luft und bleibe ganz lokal und fliege die Kante hin und her? Oder ist dir sowas dann eher langweilig?

44:55Anja Kohlrausch

Nee, das ist eigentlich der Regelfall. Also das sind vielleicht 90 Prozent der Flüge. Und das andere ist einfach eine Chance, mal so einen Thermiktakt zu erwischen. Und eine Strecke probieren zu können. Wie so ein Sahnehäubchen oben drauf.

45:13Lucian Haas

Was geben dir diese 90 Prozent? Nicht so streckenmäßig, zumindest erfolgreichen Flüge. Ganz viel Spaß.

45:23Anja Kohlrausch

Spaß, Bewegung an der Luft, Freunde treffen.

45:29Lucian Haas

Zusammenfassend noch eine Frage. Du hast schon so viel erreicht im Fliegerleben. Also jetzt an Erfolgen, sowohl beim Drachenfliegen, Segelfliegen, auch Gleitschirmfliegen. Hast du noch immer große Ziele? Und welche?

45:46Anja Kohlrausch

Viele schöne große Strecken mit dem Gleitschirm. Wenn ich die Chance kriege.

45:51Lucian Haas

Die aber nicht mit irgendeiner Zahl belegt sind, sondern einfach nur, sie muss groß sein.

45:58Anja Kohlrausch

Ja, vielleicht einfach die eigenen Bestleistungen, die eigenen Erlebnisse immer erweitern. Nochmal eine andere Richtung fliegen, in der man noch nicht war. Nochmal wieder ein schönes Dreieck zu fliegen. Abends wieder beim Auto zu landen. Mit dem Gleitschirm den Odenwald abgeflogen sein. Da gibt es so viele schöne Sachen, die man noch erleben kann. Eigentlich kann man sich nie satt fliegen.

46:23Lucian Haas

Warum ist Größe, dann vielleicht messbar in Punkten oder was auch immer, warum ist das relevant?

46:30Anja Kohlrausch

Für mich ist es immer gleichbedeutend mit länger fliegen, also mehr Spaß. Noch länger in der Luft.

46:37Lucian Haas

Ich meine, man könnte ja auch fünf Stunden im Grunde auch relativ lokal fliegen und sagen, ich mache so eine kleine Dreiecksstrecke und fliege die auch fünfmal ab. Anstatt jetzt die große Strecke zu wählen und habe dieselbe Zeit in der Luft. Und werde trotzdem im Tagesablauf wahrscheinlich die unterschiedlichsten Erlebnisse haben, weil die Thermiken sich im Tagesverlauf verändern, an anderen Stellen stehen und sonst irgend so was. Aber trotzdem ist es dann der Reiz, irgendwie zu sagen, am Ende steht eine große Punktezahl, die bei einem solchen Flug, wenn man quasi lokal fünfmal dieselbe Runde fliegt, ja keine große Streckenpunktezahl ergeben würde. Ist dann schon die Zahl auch in irgendeiner Weise wichtig?

47:15Anja Kohlrausch

Nein, die Punktezahl ist in dem Moment überhaupt nicht wichtig. Nein, das ist nicht wichtig. Die kleinen Runden, die fliegt man einfach viel, viel öfter. Also das ist für mich so der Regelfall beim Fliegen. Da bleibe ich ja auch nicht so ganz eng am Berg, sondern mache auch lauter kleine Runden fünf Stunden lang. Das andere ist einfach seltener und die Chance hat man nicht so oft. Deswegen, vielleicht ist es so wichtig, dass man es dann auch nutzt und die Chance ergreift.

47:45Anja Kohlrausch

Punktzahl ist, glaube ich, zweitrangig in dem Moment. Geht um den schönen Flug.

47:51Lucian Haas

Was ist für dich der größte Spaß beim Fliegen?

47:56Anja Kohlrausch

Ja, ich glaube, den Alltag zu vergessen und einfach nur dann von Wolke zu Wolke zu fliegen oder auch mal einfach nur eine Stunde lang am Hausberg die Welt von oben zu sehen.

48:09Anja Kohlrausch

Das ist eigentlich eine gute Frage. Ich könnte es gar nicht benennen.

48:14Anja Kohlrausch

Fliegen an sich ist schön.

48:17Lucian Haas

Dann lassen wir das als offene Frage am Ende einfach mal stehen. Es nicht genau benennen zu können, aber in die Luft zu kommen und von Wolke zu Wolke zu fliegen. Anja, vielen Dank. Vielen Dank für deine schönen Erzählungen, über deine erfolgreichen Flug, nicht nur Versuche, sondern wirklich tollen Flüge, die du mit Drachen, Segelflug und Gleitschirm schon gemacht hast. Ich wünsche dir noch viele weitere schöne Flüge. Mögest du auch in diesem Jahr beim XC -Cup wieder ganz vorne mitfliegen und deine tollen großen Strecken aus dem Odenwald dort einreichen? Ich werde jetzt auf jeden Fall immer ein größeres Auge drauf werfen, weil ich dann, nachdem ich mir die Flüge angeguckt habe von dir schon gesehen habe, Oh! Das ist ja richtig spannend, das mal zu sehen, wie du das machst. Danke dir.

49:01Anja Kohlrausch

Vielen Dank.

49:08Lucian Haas

Das war die Episode Nummer 132 von Podz-Glidz mit Anja Kohlrausch. Die Shownotes zu dieser Folge mit einigen weiterführenden Links findest du im Gleitschirm-Blog Lu-Glidz. Wenn du noch mehr Folgen wie diese hören willst, kannst du Podz-Glidz nicht nur im Podcatcher deiner Wahl abonnieren. Du kannst meine Arbeit daran auch als Förderer finanziell unterstützen. Wie viel du gibst? Kannst du ganz frei wählen. Ein häufig gewählter Förderbeitrag liegt übrigens bei 60 Euro im Jahr oder umgerechnet 5 Euro im Monat. Aber egal was du gibst, jeder Betrag trägt seinen Teil dazu bei, dass sich Podz-Glidz und Lu-Glidz im Dienste der Gleitschirm -Szene auch in Zukunft betreiben und weiterentwickeln kann. Dafür sage ich Danke.

49:54Lucian Haas

Alle Informationen, wie dein Förderbeitrag mich erreicht, findest du auf der Website meines Gleitschirm -Blogs www.Lu-Glidz.blogspot.com. Dort gibt es den Menüpunkt Fördern. Lu-Glidz schreibt sich L -U -G -L -I -D -Z. Bis zum nächsten Mal. Fall nicht vom Himmel. Ciao.

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